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Characters:
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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2026-03-26
Completed:
2026-03-26
Words:
4,186
Chapters:
8/8
Comments:
7
Kudos:
39
Bookmarks:
1
Hits:
891

Heated Company

Summary:

Der schüchterne Simon David trifft auf einer Podiumsdiskussion gegen die Wehrpflicht auf den kühlen Russen Oleg(mirdochmeineeier), genannt Ole. Zunächst streiten sich die beiden FDGO-Ultras um jeden Platz in Talkshows des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und Auftritten bei BenUngescriptet und Jasmin Kosubek, aber schon bald stellen sie fest, dass in Zeiten wie diesen Zusammenhalt mehr denn je gefragt ist. Was mit harmlosen TikToks beginnt, mündet in LiveStreams auf Twitch, gemeinsamen Auftritten und Urlauben. Doch Simon David wird schnell klar, dass Ole mehr als nur ein Freund für ihn ist. Wird er das kalte Herz des rationalen Ole mit Plankvideos und Bizepsflexen erwärmen können?

Chapter 1: Kapitel 1 (Simon)

Chapter Text

„Yeey! Ich habe meine Masterarbeit bestanden!“, tippe ich mit einem Grinsen auf dem Gesicht in mein Handy, und drücke anschließend auf „Story teilen“. Meine knapp 50.000 Instagram-Follower fühlen sich immer unterhalten, wenn ich ein wenig private Inhalte von mir zum Besten gebe. Natürlich würden sie sich noch mehr über meinen Bizeps oder meinen muskulösen nackten Oberkörper freuen, aber in Anbetracht der Tatsache werde ich ihnen damit heute nicht dienen können. Die Story ist gerade ein paar Minuten online, als mich eine Benachrichtigung aufschrecken lässt. Etwas perplex starre ich auf das kleine Display vor meiner Nase. Ich hatte damit gerechnet, dass sich wieder ein paar Schweinchen in meinen DMs einfinden werden, wie es sonst der Fall ist. Doch dieses Mal nicht. Das PopUp-Fenster, das jetzt Mal auf dem Bildschirm aufblinkt, hat nichts mit widerlichen und schmuddeligen Nachrichten zu tun. Es ist lediglich ein Hinweis, dass meine Story geliked wurde. Ich klicke auf das Profil. Ole Nymoen. Podcaster, Autor, fast so viele Follower wie ich. Oles Konto ist verifiziert, und anhand seiner Biografie erschließe ich mir, dass er ebenfalls politischen Content erstellt. Genau wie ich.
Konzentriert lasse ich meinen Blick über die Beiträge schweifen, scrolle durch Reels und Bilder, die ihn mit Katzen zeigen. Schnell wird mir klar, dass Ole und ich ähnliche Ansichten haben. Vor allem, was die Wehrpflicht betrifft. Doch die Gestaltung unseres Contents könnte nicht gegensätzlicher sein. Ole ist - freundlich ausgedrückt - etwas steif und verschlossen. Er achtet sehr wohl auf sein Äußeres, trägt fast immer Hemd, die Haare sind glatt gekämmt, sein Gesicht perfekt glatt rasiert und durch eine zierliche Brille eingerahmt, jedoch präsentiert er sich ganz anders. Die Videos, die er dreht, sind mit einem Stativ aufgenommen, zeigen ihn entweder vor einem dunklen Kallax-Regal voller Bücher, oder einer hellen Wand. Er spricht nicht frei, sondern liest vorgeschriebene Texte ab oder lernt sie auswendig. Seine Videos wirken reifer und erwachsener, aber eben auch deutlich kühler als meine.

Bevor ich weiter mit Scrollen meine Zeit verbringen kann, ertönt der Benachrichtigungston meines Handys erneut. Eine Nachrichtenanfrage. Mit gerunzelter Stirn klicke ich darauf.
@ole.nymoen: Herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Masterarbeit! Habe gehört, wir haben bald eine Veranstaltung zusammen. Der Veranstalter einer Podiumsdiskussion gegen die Wehrpflicht hat vor Kurzem die Teilnehmer öffentlich bekannt gegeben. Der Termin ist am Mittwoch, soweit ich weiß.
Herzliche Grüße, Oleg

Oleg? Heißt er nicht Ole? Ich lese die Nachricht wieder und wieder. Nicht nur, weil ich überrascht darüber bin, dass er mir überhaupt geschrieben hat. Das bin ich zwar, aber vor allem der letzte Satz macht mich stutzig. Oleg. Das muss ein Tippfehler sein. Aber passiert das, ein Tippfehler beim eigenen Namen? Ich klicke erneut auf das Instagram-Profil. Ole. Der dort angegebene Name lautet Ole. Vor lauter Verwirrung gebe ich nun auch bei Safari den Namen ein, und tatsächlich: auch hier erscheint nur Ole, ohne das g am Ende. Die Verwirrung ist komplett, als mir Werbelinks zu Oles Buch angezeigt werden. Auch hier, Autor: Ole Nymoen.

Seltsam.

Doch bevor ich weiter über diese Merkwürdigkeit nachdenken kann, fällt mir ein, dass es vielleicht höflich wäre, ihm zurückzuschreiben. Um ehrlich zu sein, habe ich seit heute Morgen nicht mehr in mein Mail-Postfach gesehen und weiß somit auch noch nichts von der Podiumsdiskussion. Ich wurde von einigen Veranstaltern angefragt, denn meine Social-Media-Präsenz, gerade wenn es um das Thema Kriegsdienst geht, ist doch vergleichsweise hoch. Als eine der wenigen öffentlich lauten Stimmen gegen die Wehrpflicht ist es daher nicht verwunderlich, dass ich in den vergangenen Jahren ein häufiger Gast in Talkshows und Diskussionsrunden war. Und wenn ich mir Oles Feed so ansehe, scheint es ihm ähnlich zu ergehen. Kürzlich schien er zu Gast bei Markus Lanz gewesen zu sein, ein kurzer Clip, der vom ZDF hochgeladen wurde, hat für etwas Aufmerksamkeit gesorgt. Ich öffne ich endlich das DM-Feld, um Ole eine Nachricht zu schreiben. Alles andere wäre auch zu unhöflich gewesen.
@thesimondavid: Hey, vielen Dank dir! Das kann gut sein. Ich habe heute zwar noch nicht in mein Postfach gesehen, aber einige Veranstaltungen sind bereits für die nächsten Wochen geplant. Man sieht sich am Mittwoch!

Ich drücke auf „senden“ und lege sofort mein Handy zur Seite. Egal, wie selbstbewusst ich auch in meinen Videos wirke, meistens bin ich doch eher zurückhaltend und schüchtern, gerade wenn es darum geht, eine Konversation mit einer fremden Person zu führen. Früher hätte ich das ohne einen erhöhten Puls nicht hinbekommen, aber dank des verrückten Mutmachers weiß ich nun, dass ich alles schaffen kann, solange ich nur an die Demokratie glaube.
Als ich meine Nachricht wenige Augenblicke später erneut lese, fällt mir auf, dass ich die Floskel am Ende vergessen habe. Normalerweise lege ich keinen Wert auf solche Banalitäten, aber Ole mir scheint eine Person zu sein, der Formalia mehr als wichtig sind, und ich ärgere mich über diesen groben Fehler. Naja, denke ich, am Mittwoch wird sich das bei unserem Zusammentreffen höchstwahrscheinlich klären. Und dann werde ich auch herausfinden, was es mit „Oleg“ auf sich hat.