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Ciao Ciao

Summary:

Leo wurde angeschossen. Niemand konnte was dafür oder was dagegen. Aber Adam ist einfach nur DONE with it. Und dann kommt halt alles so, wie es eben kommen muss…

> > > It’s a wrap (well...almost xD). Wer die Serie von Anfang an gelesen hat, wird vielleicht bemerken, welchen Bogen ich hier versuche zu spannen. Und wenn nicht, ist auch egal :) Man kann das durchaus auch separat lesen denk ich, nur dass man dann das "Insider, Anspielungen&Rückbezüge"-Bingo nicht spielen kann haha :D
So oder so hoffe ich, ihr habt ein bisschen Spaß damit noch. Es ist...einfach ein nettes Endgame. Nicht mehr und nicht weniger. ;)

Notes:

Mit einer Menge Fluff, good vibes und einem Augenzwinkern beende ich mitten im Sommerloch ganz unspektakulär diese Serie, die seit fast 7 Monaten viel, viel Raum in meinem Leben eingenommen hat. Aber es wird ja auch echt mal Zeit, abzuschließen hier :)

An alle, die von Anfang an dabei waren: Danke für die treue Begleitung <3!!!
An alle, die kreuz und quer reingelesen haben oder später dazugekommen sind: Have a good one! Schön, dass ihr dabei seid.
An alle, die bisher die Serie noch gar nicht kennen und jetzt noch „neu“ dazukommen: Welcome!
Und an alle, die mir verlorengegangen sind, während ich über vier Kapitel mit den beiden in Leos Bett hängen geblieben bin: Welcome back :)

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Nachdem Adam das Zimmer betreten hat, muss er erst einmal ein wenig blinzeln. Einerseits, weil es schon wieder alles so weiß ist hier. Andererseits, wegen der schrägstehenden Nachmittagssonne, die, immerhin, angenehm warm durchs Fenster herein fällt.

Diesmal ist da nichts, was piept. Keine Schläuche, keine Geräte. Nur halt dieses hässliche, sterile Zimmer. Und eben wieder so eine elendige Kanüle in Leos linkem Handrücken.

Für einen kurzen Moment spürt er, das es sich wieder anbahnt in ihm. Wie eine entfernte Erinnerung. Es ist schon so lange her, dass er das zum letzten Mal hatte. Dieser leichte Schwindel. Der Druck auf dem Brustkorb. Wie als würde etwas in ihm anklopfen und fragen: „Kennst du mich noch?“

Aber er pfeift sich innerlich zurück. Schließt die Augen und atmet tief durch. So tief es geht. Ein bisschen zittrig vielleicht. Und gegen ein bisschen Widerstand aus seinen Lungen an. Jedoch entschlossen, dem Ganzen hier keinen Raum zu lassen. Klar zu machen, dass er, ja, das Gefühl noch kennt, aber, nein, jetzt keine Welcome-Back-Party damit feiern wird. Nachdem er es irgendwie geschafft hat, durch die letzten Stunden einigermaßen souverän durchzukommen, ist jetzt, wo alles eigentlich weitgehend okay ist, echt nicht der Moment, um sich nochmal von irgendetwas einholen zu lassen.

Das hier ist ein anderes Zimmer, eine andere Zeit, eine andere Situation.

Als Adam zum Bett hinüber geht und seinen Handrücken sachte an Leos Wange legt, nimmt er einen leichten Atemhauch an seinem Handgelenk wahr. Und er spürt deutlich, dass Leos Haut sich warm anfühlt. Nicht so runtergekühlt, so auf Eis gelegt, wie damals. Und weil seine Finger da jetzt eh schon liegen, lässt er sie noch einmal durch die kurzen Haare an Leos Schläfen gleiten, die inzwischen schon von ein bisschen Grau durchzogen sind. Was Leos unverschämte Schönheit bisher aber nicht wirklich beeinträchtigen kann. Eher im Gegenteil.

Adam lässt den Blick erneut durch das Zimmer schweifen. An der Wand steht ein Stuhl. Kurzerhand beschließt er, ihn um das Bett herum auf die Fensterseite zu tragen, einfach, weil er diesmal keine Lust hat, ständig mit dieser Kanüle dealen zu müssen. Weil Leo ja auch noch eine Hand hat, die nadel-frei ist. Und, weil er sich die Option offen halten will, Leo vielleicht auch noch wo anders anzufassen, wofür die rechte Seite jetzt gerade eben deutlich besser geeignet ist. Da auf der linken ja die Wunde ist, wo ihn der Schuss getroffen hat. Fucking nahe an seinem Herz. Vorbei, ja, das schon. Aber halt trotzdem immer noch zu knapp.
Adam lässt sich auf den Stuhl fallen, lehnt sich zurück und blickt aus dem Fenster. Eine Amsel fliegt vorbei. Er schließt die Augen und hört Leo beim atmen zu. Versucht dabei einfach mal wieder an nichts zu denken, was gar nicht so schlecht klappt. Bis die Geräusche, die von Leo her kommen, sich irgendwann ein bisschen verändern und verraten, dass der gerade am Aufwachen ist.
Trotzdem lässt Adam die Augen erstmal geschlossen und wartet einfach ab. Irgendwie ist es ja gerade ganz bequem hier auf diesem Stuhl. Mit der Rückenlehne und der Nachmittagssonne in seinem Gesicht und so...

„Was ist passiert?“ fragt Leo ein wenig benommen. Irgendwie tut ihm was weh, aber er kann es nicht so genau sagen, wo das jetzt eigentlich herkommt. Links jedenfalls. Am Oberkörper.

Adam verschränkt die Arme vor der Brust, öffnet die Augen und erwidert seinen Blick.

„Du wurdest angeschossen.“

Leo schließt die Augen und fährt sich mit der rechten Hand über das Gesicht. Dann tastet er nach der Bettdecke, um sie leicht anzuheben. Einen Moment lang ist er versucht, auch den anderen Arm mit dazu zu nehmen, aber das gibt er schnell wieder auf, da ihn sofort ein reißender Schmerz durchzuckt. Seine linke Körperhälfte scheint, jedenfalls obenrum, momentan out-of-order zu sein. Er hebt den Kopf und betrachtet den breiten Verband, der seinen Brustkorb umschließt.

„Scheiße.“ murmelt er leise.
So langsam fällt ihm auch wieder ein, was passiert ist...

„Wo hatte der Typ die Waffe her? Habt ihr den wenigstens noch erwischt?“

Adam schluckt und spannt den Kiefer an, sodass seine Wangenknochen hervortreten. Er starrt geradeaus auf die gegenüberliegende Wand.

„Ja.“ bringt er dann etwas mechanisch hervor.

Leo lässt seine Bettdecke wieder sinken und wendet sich ihm zu.

„War...das hier... knapp?“ murmelt er so leise, dass es fast ein Flüstern ist.

Erneut lässt Adam seine Kiefermuskulatur spielen. Dann wiegt er etwas angespannt den Kopf hin und her.

Schon ’n bisschen, finde ich...knurrt er.

Leo schluckt und atmet einmal tief ein und aus, bevor er sich noch einmal mit der Hand über das Gesicht fährt.

Das Schweigen wird ein bisschen erdrückend.

Irgendwann hält Leo es nicht mehr aus. „Wir haben doch nichts falsch gemacht, oder? Ich mein...das hätten wir einfach nicht vorhersehen können!“.

Adam schnaubt.

Oder doch?“ hakt Leo nach, weil er nicht so richtig versteht gerade, warum Adam sauer ist. Ob er überhaupt sauer ist. Warum er so an die Wand starrt und ihm gerade offensichtlich auf gar keinen Fall in die Augen schauen kann.

Ne.“ kommt es schließlich zurück. Jetzt plötzlich gar nicht mehr so sauer. Adam lässt den Kopf nach vorne hängen und ein paar Haarsträhnen fallen ihm in die Augen. Als er sich endlich doch zu Leo umdreht, schafft er es mit seinem Blick mal wieder einen emotionalen Tsunami durch Leos Körper zu jagen. Der sich vermutlich auch auf Leos Gesicht zeigt, denn irgendwie wird es auf einmal zwischen ihnen jetzt doch wieder ganz schön weich...

„Du hast mir was versprochen, Leo. Vor fünf Jahren.“ sagt Adam mit seiner leisesten, zerbrechlichsten Stimme überhaupt.

Leo schluckt noch einmal und seufzt, sehr, sehr tief. Verzieht dann kurz den Mund und setzt einen schicksalsergebenen Ausdruck auf.

„Ja. Ich weiß. Kühe hüten. In Argentinien.“ murmelt er.

Adam gibt ein gereiztes Zischen von sich. Eine seiner Hände landet mit einem Klatschen auf Leos Unterarm und bleibt dort liegen. „Mann Leo, mir doch egal wohin wir gehen! Aber so geht das nicht weiter hier. Ich kann nicht mehr.Es klingt nicht nur ein wenig verzweifelt, sondern auch tatsächlich zweifelnd. Beklommen.

Mit einem kleinen Aggro-Schniefen schnappt Adam sich Leos Handgelenk und hebt es an seinen Mund, um seine Lippen darauf zu pressen. Ziemlich nachdrücklich und ziemlich lange. Dabei schließt er die Augen so fest, als wolle er sie irgendwo tief in seinen Augenhöhlen verstecken. Bis er schließlich den Kopf wieder hebt und Leo einfach nur hilflos anschaut.

Leo zwingt sich, zurückzuschauen. Er braucht einen Moment, um die Erschütterung zu verarbeiten, die dieser letzte Satz von Adam, dieses Ich kann nicht mehr in ihm auslöst. Dieser eine Satz. Dem er in allen anderen Situationen immer versucht, zuvorzukommen, weil er ein sicheres Zeichen dafür ist, dass Adam eigentlich schon deutlich länger als erst jetzt gerade nicht mehr kann. Dem er aber in dieser einen, bestimmten Angelegenheit nicht zuvorkommen konnte. Weil das einfach zu groß war, er das einfach nicht geschafft hat. Und irgendwas in ihm, trotz schlechtem Gewissen einfach akzeptiert hatte, dass Adam da seinen Durchhaltemodus eingeschaltet hatte, das einfach weggeschoben und mit sich selbst ausgemacht hatte. Es weitgehend von ihm, Leo fern gehalten hatte. Bis jetzt eben…

Kurz wird Leo fast ein bisschen übel, weil er sich so unfassbar schlecht fühlt. Und dann tut er das einzig richtige. Weil es nichts mehr daran zu rütteln gibt, dass der Moment jetzt gekommen ist. Eigentlich schon überschritten ist, da sie hier ja nur durch pures Glück, gerade noch so, haarscharf davongekommen sind.

„Okay.“ murmelt er.

Adams Ausdruck wandelt sich. Zunächst zu Erstaunen, dann zu einer sehr, sehr tiefen Skepsis.

„Was, okay?“ fragt er argwöhnisch.

„Ja, okay halt.“ gibt Leo zurück. „Ich hab’s dir versprochen.“

Schon wieder fliegt ein seltsam unglücklicher Ausdruck über Adams Gesicht. Obwohl er doch jetzt eigentlich erleichtert sein müsste. Aber manchmal steigt man bei Adam eben einfach nicht durch, kommt einfach nicht hinterher, was da in ihm abgeht. So wie jetzt, wo er den Blick abwendet und wieder nur die Wand anstarrt. Leo spürt, wie sich Adams Hand fester um sein Handgelenk krallt. So fest, dass es fast schon wehtut. Aber da Leo sowieso grade einiges wehtut, ist das jetzt auch nicht mehr so relevant. Für den Moment jedenfalls. Schließlich senkt Adam den Kopf und presst sich die Finger seiner freien Hand auf die Augen. Eine Weile lang sitzt er einfach da, schweigt, schüttelt leicht den Kopf und gibt ein Bild des Elends ab.
Als Leo gerade nachhaken will, was denn zum Teufel los ist, spuckt er es dann allerdings doch noch von selbst aus.

Fuck. Ich kann dich doch hier nicht einfach so rausreißen. Aber...ich weiß halt echt nicht was ich machen soll, Leo. Ich kann das wirklich nicht mehr…"
Einen Moment lang wirkt es so, als wolle Adam noch etwas hinzufügen, aber dann schüttelt er bloß erneut den Kopf und schickt nochmal ein halb ersticktes „Fuck.“ hinterher. Wobei er nach wie vor irgendwie furchtbar kaputt klingt.

Leo gibt einen weiteren, tiefen Seufzer von sich. Dann transportiert er Adams Hand, die ja immer noch an seinem Handgelenk hängt, näher zu sich heran und verteilt jetzt selbst ein paar Küsse auf Adams Handrücken, seinem Handgelenk und seinem Unterarm. Überall, wo er halt so dran kommt.

Hey.“ murmelt er. „Hör mal auf jetzt. Es ist okay. Okay?

Adam nimmt die andere Hand von seinem Gesicht runter und blickt ihn an, mit einem etwas gehetzten, verzweifelten Blick. Es kostet Leo eine Menge Mühe, diesem Blick standzuhalten.

Es ist ja jetzt nicht so, dass ich das damals nur so daher gesagt hätte.“ beeilt er sich hinzuzufügen. „Ich hab mich schon seitdem immer wieder damit auseinandergesetzt. Mir versucht, klar zu machen, was das im Zweifelsfall heißt. Hab auch immer wieder darüber nachgedacht, ob wir es einfach so machen sollten. Ohne es überhaupt noch drauf ankommen zu lassen, dass nochmal... sowas passiert. Aber...fuck. Ich konnte irgendwie nicht. Jedesmal wenn ich kurz davor war, das vorzuschlagen, kam irgendwas in mir hoch, das mir das Gefühl gegeben hat, noch nicht bereit dafür zu sein oder so...ach scheiße. Keine Ahnung. Es tut mir leid.“

Adams Ausdruck wandelt sich. Die Erkenntnis, dass Leo das ernst meint, scheint jetzt doch mal so langsam, langsam bei ihm durchzusickern. So halbwegs zumindest. Ansatzweise.

Wir machen das.“ fügt Leo rasch hinzu. Nicht nur, um Adam jetzt hier die Klarheit zu geben, die er offensichtlich gerade sehr dringend braucht, sondern auch für sich selbst. Um diesen Schritt endlich hinter sich zu bringen.Gib mir nur…“ er unterbricht sich kurz und atmet einmal tief durch. „...ein bisschen Zeit, mich mit dem Gedanken anzufreunden und...keine Ahnung. Drauf klarzukommen. Dass es jetzt halt wirklich soweit ist. Okay?“

In Adams Gesicht geht eine atemberaubende Menge an Dingen vor sich.

„Leo.“ murmelt er leise. „Ich weiß, dass du das eigentlich nicht wolltest, aber...wir können auch immer noch...“

Leo schüttelt entschieden den Kopf.

Innendienst oder so? Ne. Das kann ich mir nach wie vor nicht vorstellen. Hierbleiben und gleichzeitig alles hinwerfen und neu anfangen? Das kriege ich einfach nicht zusammen. Ich weiß gar nicht, wer ich bin hier. In dieser Stadt. Ohne diesen Job. Diese Rolle, die ich hier übernommen habe. Diese Position, in die ich mich hineingearbeitet habe. Ich würde mich so fucking verloren fühlen...Er presst die Lippen aufeinander und schüttelt den Kopf.Wenn schon alles hinschmeißen, dann richtig. Einfach alles hinter uns lassen. Wo anders bin ich wenigstens nicht permanent damit konfrontiert, was ich aufgegeben habe...

Adam nickt und senkt den Blick.

Okay. Ja. Versteh’ ich.“ murmelt er leise.

Und außerdem…“ fährt Leo noch leiser fort, während sich etwas sehr Warmes in seinen Blick schleicht. „Willst du doch weg! Schon lange eigentlich. Oder nicht?

Adam verzieht das Gesicht und versucht mit dem Blick aus dem Fenster zu fliehen .

„Wie kommst du darauf?“ wehrt er ab.

Leo gibt ein genervtes Schnauben von sich. „Komm schon, Adam...ich bin doch nicht blöd…“

Als Adam wieder zu ihm hinüber schielt, schwingt ein leichter Vorwurf in seinem Blick mit. Mal wieder so, als hätte Leo sich unbefugt Zutritt zu seinem Kopf verschafft und seine Gedanken gelesen, oder so. Obwohl das immer noch Bullshit ist. Und Adam das genausogut weiß wie er. Das er sich da schon selbst verraten hat, weil er da eben ab und zu mal wieder ein bisschen sehr laut gedacht hat.

Letztendlich bleibt Adam also nichts anderes übrig, als ein trotziges Schnaufen von sich zu geben.

„Okay. Kann sein. Vielleicht.“ gibt er ungehalten zu. „Aber..“

„Nix aber.“ unterbricht Leo ihn.

Wieder treffen sich ihre Blicke. Es dauert eine Weile, bis sich die Abwehr in Adam so langsam aufzulösen beginnt. Und Leos Worte nun doch mal endlich landen. Dort, wo sie landen müssen.

Zeit, ja, keine Ahnung. Soviel du willst.“ greift Adam Leos vorherige Bedingung wieder auf und gestikuliert ein bisschen in Richtung der Stelle, wo sich unter der Bettdecke irgendwo Leos Schusswunde befindet. „Du musst erstmal wieder fit werden...“

Mach ich.“ gibt Leo mit einem Lächeln zurück.

Adams Hand gleitet über Leos Arm, bis zu seiner Schulter. Dann drückt er sanft ein bisschen seine Finger in die Muskulatur hinein und blickt Leo so unfassbar befreit und erleichtert an, dass Leo selbst erst einmal richtig tief durchatmen muss. Weil er gar nicht gemerkt hat, wie sehr sich diese Spannung in Adams Körper irgendwie die ganze Zeit unwillkürlich auf ihn übertragen hat. Weil er erst jetzt spürt, wie froh er ist, die nun wieder abschütteln zu können.

Dachtest du, ich halte mich nicht an meine Versprechen?“ fragt er ein wenig empört, muss aber immer noch lächeln, weil Adam ihn halt so anschaut. Wie nur Adam schauen kann. Jetzt durchmischt mit ein bisschen Verunsicherung, ein bisschen ausweichendem Blick, einer kleinen, wegwerfenden Kopfbewegung und all dem, was Adam halt so tut, wenn er gerade nicht so richtig weiß, wohin mit sich.

Keine Ahnung.“ kommt es zurück.

Ach ja? Keine Ahnung? Tz.“ erwidert Leo etwas beleidigt. Aber irgendwie gelingt es ihm nicht so ganz, den Tonfall ernsthaft durchzuziehen. „Du hast doch mitbekommen, dass ich angefangen hab, Geld beiseite zu schaffen und anzulegen. Dachtest du, das hab ich gemacht, weil ich dachte, dass so ’ne Beamtenpension nicht reicht, um einen entspannten Lebensabend zu verbringen, oder was?“

Es klingt eher belustigt als vorwurfsvoll.

„Naja...was weiß ich.“ murmelt Adam und weicht seinem Blick aus. „Ich hab mir nix dabei gedacht. Das passt halt einfach zu dir, mit dem Geld anlegen...das ist so…“ er verzieht ein bisschen das Gesicht.

„Spießig?“ hilft ihm Leo auf die Sprünge.

Adam wiegt den Kopf hin und her. Es geht schon irgendwie in Richtung eines Nickens.

„Aber…“ fügt er dann leise hinzu und wendet Leo wieder seinen Blick zu. Inklusive all der Gefühle, die darin jetzt zu sehen sind. „...einfach auch smart irgendwie.“

Leo grinst. „Im Gegensatz zu dir denke ich halt einfach manchmal drei Schritte weiter, anstatt nur von einem Tag auf den anderen.“ stellt er fest. Was natürlich nicht ganz fair ist, weil das so nun auch wieder nicht stimmt. Aber Adam versteht schon.

„Wo fangen wir denn jetzt an?“ fragt Leo weiter. „Wo willst du hin?“

Adams Blick huscht einmal mehr zum Fenster hinüber. Er fährt sich ein wenig abwesend mit den Fingern seiner freien Hand durch den Nacken.

„Weiß nicht. Wie gesagt, egal. Wo du willst. Ich komm überall zurecht.“

„Nee...ne.“ unterbricht ihn Leo. „Jetzt sag mal ehrlich. Ich hab doch keine Ahnung.“

Adam zuckt mit den Schultern.

„Ich fand die Idee, die wir damals hatten, nicht schlecht.“ sagt er dann. „Erstmal nach Buenos Aires. Zu Samira und zu deiner Schwester. Und von da aus...mal sehen was sich ergibt…“

Leo nickt.

„Ja. Gut.“ antwortet er. „Kannst Samira ja schonmal vorwarnen. Und ich sollte dann wohl mal zusehen, dass ich mit Mia Kontakt aufnehme…“

Noch einmal zieht ein Anflug von Skepsis über Adams Gesicht.

„Leo...Geht das echt klar? Bist du sicher, dass du das kannst?“

Leos Mundwinkel verziehen sich erneut amüsiert.

„Meine kleine Schwester kontaktieren? Ich denke schon, dass ich das hinkrie…“

Weiter kommt er nicht, weil Adam unmittelbar ein Geräusch von sich gibt, das irgendwo zwischen einem Fauchen und einem Knurren angesiedelt ist und so entzückend klingt, dass Leo es innerlich verflucht, hier so immobil zu sein. Weil er sofort den dringenden Impuls verspürt, Adam an sich zu ziehen und ihn zu küssen.

Adam hingegen macht den Eindruck, als müsse er sich gerade ziemlich beherrschen, Leo jetzt nicht einen ordentlichen Schubser zu verpassen. Er packt erneut Leos Unterarm, zieht ihn an seinem Mund und versenkt seine Zähne ein kleines bisschen in Leos Haut. Gerade so, dass vermutlich mal wieder ein hübscher, dezenter Abdruck übrig bleiben wird. Von dem Leo insgeheim hofft, dass er ihn vor dem Pflegepersonal verbergen kann, um peinliche Nachfragen zu vermeiden...vielleicht sollte er sich schonmal eine passende Erklärung ausdenken...

„Mann! Du...du…“ entfährt es Adam ein wenig fassungslos. Erneut gibt er ein empörtes aber gleichzeitig auch ein wenig hilfloses Geräusch von sich, während er nach einer passenden Beleidigung sucht.

„Du Idiot!“ ist anschließend alles was ihm einfällt. Nicht sehr originell, aber immerhin der bewährte Standard.

Adams Gesicht wird wieder ernst, prüfend, forschend, und trotz der Erheiterung, die immer noch im Raum schwebt, muss Leo jetzt unwillkürlich schlucken. Weil es sich irgendwie anfühlt, wie verkehrte Welt. Dass Adam ihn jetzt genau so anschaut, wie er normalerweise Adam anschaut. In diesen Momenten, wo er das Gefühl hat, nochmal nachhaken zu müssen. Sichergehen zu müssen, dass Adam ihm keinen Scheiß erzählt. Nicht so tut, als ob alles voll okay wäre, wenn gerade eigentlich mal wieder das Gegenteil der Fall ist...

„Sorry.“ murmelt er, nach wie vor mit dem Rest eines amüsierten Lächelns auf den Lippen „Ja. Ich komm klar. Das wird schon.“

Er bemüht sich, es so zu machen, wie Adam es sonst immer macht. Also mit allem, was er hat, seinen Augen, seinem Körper, seinem Tonfall, diese Aussage zu bestätigen. Damit daran wirklich keine Zweifel bleiben. Auch wenn da vielleicht irgendwo ganz tief in ihm drin noch welche sind. Die jetzt aber keinen Platz mehr haben hier.

„Wer weiß.“ fährt er fort. „Vielleicht ist es ja eigentlich auch genau das richtige. Also ich meine...nicht nur aus den offensichtlichen Gründen, sondern...vielleicht kann ich das ja eigentlich auch mal ganz gut gebrauchen. Möglicherweise entdecke ich da nochmal ungeahnte Seiten an mir…Stell dir mal vor, wir schauen irgendwann doch mal noch auf deiner Rinderfarm da vorbei und ich werde am Ende noch zum Kuh-Flüsterer oder so…“

Adams Mund verzieht sich zu einem Lächeln, das zwar ein bisschen schief ist, aber durchaus sehr ehrlich. Und abartig...glücklich, irgendwie. So, dass es ihm sichtlich Mühe bereitet, das nicht allzu sehr zu zeigen.

„Tzzz…“ gibt er belustigt von sich.

Irgendwie ist er noch immer nicht restlos überzeugt, ob Leo hier nicht einfach nur dumme Sprüche klopft, um zu überspielen, dass ihm eigentlich gerade der Arsch auf Grundeis geht. Aber andererseits ist da schon auch irgendwo das Bedürfnis, Leo einfach mal beim Wort zu nehmen. Es anzunehmen, dass Leo schon klarkommt. Und dass es okay ist, dass Leo das jetzt gerade halt auch irgendwie ein bisschen für ihn tut. Nicht nur, aber halt auch

Kuh-Flüsterer? Das will ich sehen.“ schiebt er noch hinterher, bemüht um einen spöttischen Tonfall. Aber kaum, dass er die Worte ausgesprochen hat, wird ihm klar, dass das irgendwie doch ein bisschen anders klang. Dass da ausversehen etwas durchgeschimmert ist, was ihm selbst erst jetzt so im Nachhinein auffällt. Nämlich, dass dieses Bild, das gerade vor seinem inneren Auge entsteht, von Leo, wie er irgendwo da draußen auf einer Wiese hockt und Kühe streichelt, eigentlich etwas ziemlich...Nettes an sich hat. Dass er das, wenn er ganz ehrlich ist, wirklich gerne sehen würde. Und überhaupt, dass die Aussicht, mal wieder etwas Absurdes, Neues an Leo zu entdecken, sich auch ziemlich gut anfühlt. Weil es ja irgendwie das war, was ihn damals, als sie beide noch Teenager waren, so fasziniert hatte. Das man bei Leo eben immer zweimal hinschauen musste, um zu checken, wer er wirklich ist. Weil hinter dieser Streber-Oberfläche, halt irgendwo schon immer auch noch eine Menge anderes steckte...

Einen Augenblick lang schauen sie sich einfach nur an. Lassen es zu, dass all das, was sie nicht ausdrücklich ausgesprochen haben, durch ihre Blicke fließen kann.

Bis Leo schließlich seinen Arm an Adams hinauf gleiten lässt, so weit er eben kommt, und seine Hand ein bisschen in seinem T-Shirt vergräbt.

„Komm her.“ flüstert er.

Und obwohl es nur diese zwei unscheinbaren Worte sind, ganz und gar dezent und verschwindend herausgehaucht, lösen sie in diesem Moment, hier und jetzt, in Adam etwas aus, was sich fast so intensiv anfühlt, wie einer dieser absurd krassen Orgasmen, die Leo ihm regelmäßig beschert. Wie, als würde sich irgendetwas in ihm auflösen, auf die bestmögliche Art. So, dass er kurzzeitig kaum darauf klarkommt. Also lässt er sich aus seinem Stuhl runter kippen aufs Bett, wo Leo jetzt die Möglichkeit hat, seinen Arm ganz um ihn zu legen.

Für ein paar Sekunden bleibt Adam so hängen, mit einem kleinen Schmunzeln in den Mundwinkeln, und schaut irgendwo vor sich hin. Schafft es schließlich aber dann doch auch mal, seinen Arsch ganz rüber auf das Bett zu schwingen und sich in eine bequemere Position zu begeben. Um anschließend, endlich, die letzten paar Zentimeter zwischen ihren Gesichtern zu überbrücken und Leo vernünftig zu küssen. Wofür es jetzt ja auch echt mal langsam Zeit wird.

 

...

 

Boah, scheiße, warum ist der denn so schwer? Ich bin doch sonst nicht so schwach…“ ächzt Pia, während sie einen Kasten mit Getränken aus dem Kofferraum von Esthers Wagen hievt.

„Vielleicht, weil du gestern zum ersten Mal in deinem Leben beim Kickboxen warst und einfach ein bisschen Muskelkater hast?“ schlägt Esther vor, während sie die Kofferraumklappe zuknallen lässt.

„Selbst Schuld, wenn man plötzlich auf solche Ideen kommt. In unserem Alter steckt man das halt auch nicht mehr so einfach weg. Da ist alles etwas mühsamer Und jetzt komm, lass mich mal mit anpacken.“

Sie streckt ihre Hand nach dem Kasten aus, aber Pia dreht sich so schwungvoll zur Seite, dass sie dabei fast ein wenig aus dem Gleichgewicht kommt. „Neinnein!“ protestiert sie lachend. „Ich schaff das schon. Wäre doch gelacht…“

Esther verdreht die Augen. Dann zuckt sie nur mit den Schultern und lächelt Pia hinterher, während die sich aufmacht, leise fluchend, den abschüssigen Weg zum Seeufer hinunter zu wanken.

Unten angekommen lässt sie den Kasten mit einem erleichterten Seufzen zwischen Adam und Leo auf den festen, sandigen Boden fallen. Anschließend verzieht sie gequält das Gesicht und schüttelt ihre Arme aus. Leo, der bis zu ihrer Ankunft noch etwas abwesend auf den See hinaus gestarrt hatte, schaut belustigt zu ihr auf. „So schlimm?“ fragt er.

Sie lächelt schief und wiegt den Kopf hin und her. „Geht schon. Kann ja nur besser werden.“.

Das Geräusch von Esthers näherkommenden Schritten, lässt sie alle drei aufblicken.

„Na, schon wehmütig?" fragt sie, während sie neben Pia stehenbleibt und mit hochgezogenen Augenbrauen zwischen Adam und Leo hin und her blickt.

Adam wendet seinen Blick wieder auf den See hinaus, während er leise in sich hinein lächelt. „Is’ ja jetzt nicht so, als könnten wir nie wieder zurückkommen, wenn wir es wollten.“ murmelt er und schaut dabei einmal ganz kurz und unmerklich zu Leo hinüber, der einfach gar nichts sagt, sondern nur ein bisschen nachdenklich vor sich hinstarrt.

Natürlich ist es nicht ganz so einfach. Und ja, sie können zurückkommen. Aber sie können nicht mehr da weitermachen, wo sie aufgehört haben. Es wäre ein sehr anderes zurückkommen. Aber das braucht hier niemand auszusprechen. Weil das sowieso allen klar ist.

Pia nimmt sich zwei Flaschen aus dem Kasten und lässt sich neben Adam auf den Boden plumpsen. Dann hält sie ihm eine der Flaschen hin. „Hier. Ich fang’ jetzt ganz solidarisch auch erstmal mit was alkoholfreiem an.“ Adam nimmt ihr die Flasche ab und zückt dann ein Feuerzeug, um ihre beiden Getränke von den Deckeln zu befreien. Esther lässt sich derweil auf der anderen Seite neben Leo nieder, sodass sie einen kleinen Halbkreis bilden.

„Und, Formalitäten alle erledigt?“ fragt Pia, nachdem Adam ihr ihre geöffnete Flasche wieder zurückgegeben hat.

„Ja. Entlassungsverfügung ist vor ’ner Woche gekommen. Der Staat hasst uns jetzt. Haben das Treuegelöbnis auf Lebenszeit gebrochen.“ Adam lächelt ein wenig süffisant und fährt dann in einem leicht theatralen Tonfall fort. „Obwohl es doch für immer gedacht war...bis dass der Tod uns scheidet...“

Esther blickt ihn an. „Naja ihr seid halt auch echt einfach ein bisschen bekloppt, um es mal diplomatisch auszudrücken. Ihr wisst schon, dass ihr jetzt sämtliche Ansprüche verliert...Arbeitslosengeld, Pension..“

Mit einem tiefen Seufzen mischt sich Leo nun auch mal in die Unterhaltung ein. „Wir haben das ja alles unterschrieben. Also ich hab mir das schon vorher mal durchgelesen. Und nicht nur jetzt erst, sondern auch schon vor längerer Zeit mal…“

Pia nimmt einen Schluck von ihrem Getränk. „Prost.“ sagt sie und wirft einen fröhlichen Blick in die Runde. „Ich find es hat auch was. Nicht, dass ich das selbst machen würde. So bescheuert bin ich dann doch wieder nicht…“ sie grinst. „Aber...es hat Style.“

„Danke Pia.“ murmelt Leo schlicht.

„Ich will aber schon auch ein paar Kuh-Fotos bitte, nur damit das klar ist!“ merkt Pia anschließend an.

Während Adam und Esther in ein lautes Lachen ausbrechen, verdreht Leo genervt die Augen.

„Mann Leute, hört doch mal damit auf! Es ist doch noch gar nicht klar, wo wir überhaupt landen und ob wir da überhaupt hingehen...“ wirft er ein. Seit die beiden irgendwie von der vagen Existenz dieser ominösen Farm erfahren haben, auf der Adam vor einer halben Ewigkeit mal eine relativ gute Zeit hatte, kann man sich irgendwie vor dummen Sprüchen kaum mehr retten...

Adam zwinkert Pia zu. „Ich schick dir welche.“ raunt er ihr mit einem verschwörerischen Grinsen zu.

„Sehr gut.“ grinst sie zurück.

Leo verdreht die Augen noch mehr. Mit einem vorsichtigen Lächeln schielt Adam zu ihm hinüber. Wartet, bis Leo zurückschielt. Und dabei auch ein kleines bisschen lächeln muss, sodass Adam sich schließlich sicher genug fühlt, um über den Bierkasten hinweg einen Arm um Leos Nacken zu schlingen, ihn etwas umständlich zu sich heran zu ziehen und ihm einen Kuss auf die Schläfe zu geben. Und ihn dann auch einfach nochmal richtig zu küssen, was Pia und Esther jetzt einfach mal kurz aushalten müssen.
„Sorry.“ nuschelt er anschließend in Leos Ohr. Wobei er immer noch grinsen muss.
„Jaja. Spar’s dir.“ brummt Leo zurück. Wirkt dabei aber durchaus so, als ob er eigentlich schon ganz gut klarkommt.

Den ganzen Tag auf dem Pferd durch die Argentinische Pampa streifen klingt eigentlich ganz verlockend...also ein bisschen neidisch bin ich schon…“ murmelt Esther seufzend.

„Dann komm halt mit.“ gibt Adam zurück und blickt sie mit erhobenen Augenbrauen herausfordernd an. Nicht, dass das jetzt eine korrekte Darstellung des Arbeitsalltags auf so einer Farm wäre, aber er spart es sich jetzt mal, das großartig zu kommentieren...

„Geht ja schlecht. Irgendwer muss hier ja auch die Stellung halten, wenn der Chef die Biege macht.“ knurrt Esther zurück, muss aber auch wieder ein bisschen grinsen dabei.

Du altes Pferdemädchen.“ wirft Pia ihr von der Seite her zu.

Esther schaut sie mit einem belustigten Ausdruck an. „Selber.“ grinst sie zurück und erntet ein schiefes Grinsen von Pia. Die anschließend den Blick wieder Adam zu wendet.

Und wie macht ihr das jetzt mit dem Visum und so?“ fragt sie. „Einfach alle drei Monate einmal über die Grenze und ’ne Weile wo anders rumtreiben, oder wie?“

Adam wiegt den Kopf hin und her. „Ja, also erstmal schon. Aber wenn wir irgendwann merken, dass wir in Argentinien bleiben wollen, dann finden wir da schon ’ne bessere Lösung.Ne alte Bekannte von mir, wohnt in Buenos Aires und betreibt mit ihrer Frau dort mehrere exklusive Fitness-Studios. Und nebenbei, quasi als Hobby, noch ein kleines Tattoo Studio. Sie hat schon gesagt, wenn wir ’n Arbeitsvisum brauchen, macht sie uns Verträge klar. Zur Not auch erstmal nur pro forma...

Leo lächelt ein wenig in sich hinein. Wohl wissend, dass Samira jetzt schon etwas mehr als nur eine gute „Bekannte“ ist, sondern ein Mensch von der Sorte, die es in Adams Leben nicht allzu viele gibt. Allerdings sagt er lieber mal nichts dazu, da das ja jetzt Adams Sache ist.

Pro forma?lacht Esther. „Wie jetzt? Also wenn ihr da auf der Gehaltsliste landet, dann müsst ihr ja wohl auch irgendwie was zum Geschäft beitragen, oder nicht?“

Adam blickt sie mit gehobenen Augenbrauen an. „Och, da fällt uns schon was ein. Samira ist da kreativ. Entweder, man findet da irgendwie eine...naja. Nicht so ganz offizielle Einigung. Oder wir müssen halt wirklich mit anpacken. Keine Ahnung. Wenn Samira sagt, sie kriegt was hin, dann kriegt sie es auch hin. Ihre Frau hab ich damals zwar nur flüchtig kennengelernt, aber die scheint da ja auch irgendwie ganz entspannt drauf zu sein. Naja. Ich glaub es läuft halt auch finanziell einfach ziemlich gut bei denen. Das Geschäft brummt… ich hätte von Samira aber auch nix anderes erwartet, ehrlich gesagt. Die hatte halt schon immer irgendwie Geschäftssinn...

„„Haben die in Argentinien geheiratet? Geht das so einfach da? Also ich mein, wenn man jetzt nicht hetero ist…?“ wirft Pia ein.

Ja, mega easy.“ erwidert Adam. „Argentinien ist chillig was das angeht. Seit 2012 muss man dafür nichtmal einen festen Wohnsitz vor Ort haben.“

Pia und Esther tauschen einen Blick aus. Schauen dann zwischen Adam und Leo hin und her und fangen ein bisschen an zu grinsen. Ah ja. Klar. Natürlich. Das musste ja jetzt wohl sein...

Adam verdreht die Augen. „Ha ha.“ brummt er ironisch. Hilfesuchend schaut er zu Leo hinüber, der ja jetzt hier auch mal was sagen könnte, um sich gegen das, was hier gerade so stillschweigend in den Raum gestellt wurde, zu wehren. Aber der starrt nur weiter geradeaus und beobachtet ein Haubentaucher-Pärchen, das piepsend auf dem See herumpaddelt. Grinst dann irgendwie selber ein bisschen belustigt vor sich hin und zuckt mit den Schultern. Was auch immer das jetzt heißen soll. Naja. Egal...

Adam beschließt zur Ausgangsfrage zurückzukommen. Wie auch immer. Wenn wir uns entscheiden, länger in BA zu bleiben, können wir aber ja durchaus auch ’ne Weile mal da arbeiten. Ist doch okay. Leo hat ja seine Trainer-Lizenz, die er neben der Ausbildung damals so nebenbei noch gemacht hat und kann die mal aus der Schublade holen und ich...keine Ahnung. Ich mach halt Papierkram und so. Und Tresendienst...keine Ahnung. Solange bis es uns wo anders hin verschlägt...

Ihr hättet euch halt echt auch einfach in den Innendienst versetzen lassen können oder so...“ murmelt Esther kopfschüttelnd.

Leo wendet ihr den Kopf zu und bricht jetzt auch mal wieder sein Schweigen. „Hättest du das gekonnt?“ fragt er nur. Esthers Blick wird ein wenig weich. Dann presst sie kurz die Lippen aufeinander und setzt einen nachdenklichen Ausdruck auf. „Ne.“ räumt sie mit einem Seufzen ein. „Also gut.“ Sie schenkt ihm ein fröhliches Lächeln. „Dann coachst du jetzt die High-society von Buenos Aires im Fitnessstudio...Schön. Öfters mal was Neues…“

Ach weiß nicht, keine Ahnung.“ wehrt Leo ab. „Die Vorstellung ist schon ein bisschen absurd. Mal gucken. Das mit der Lizenz ist ja auch ewig her, dass ich das gemacht hab. Außerdem ist mein Spanisch halt echt...naja. Stand jetzt noch ziemlich unterirdisch würde ich sagen...

Adam verdreht die Augen und wirft Pia einen vielsagenden Blick zu. „Warum macht er es immer so kompliziert?“ fragt er und bekommt nur ein vorsichtiges Schulterzucken zurück. Dann wendet er sich wieder Leo zu. „Ich hab dir das doch schon gesagt... Erstens: Der Wortschatz den du dafür brauchst ist ja wohl überschaubar. Zweitens: Da sind auch jeden Menge internationale Cosmopolitans, die eh lieber Englisch reden. Und auch einige Deutsche. Und was die Lizenz angeht...ist jetzt nicht so, als ob du nicht die ganzen Jahre über genug Zeit in Fitness-Studios verbracht hast. Du weißt halt schon wie das läuft. Dann kann man das ja wohl auch weitergeben. Außerdem kannst du ja mit deiner Schwester und ihrem Mann anfangen…“ Er lacht.

Pia lacht mit und wirft Leo einen Blick zu. „Echt jetzt? Deine Verwandschaft trainiert da auch? Was für ein Zufall!“

Leo lässt sich zwar nicht von dem Lachen anstecken, gibt aber immerhin ein amüsiertes Schnauben von sich. „Ja, in der Filiale in Retiro. Aber ist auch nicht so abwegig. Die sind halt schon auch die Zielgruppe, falls ich Samiras Konzept richtig verstanden habe...Naja. Wie auch immer. Das ist ja jetzt nur so ’ne Idee. Wir wissen ja noch gar nicht so genau, ob wir am Ende wirklich länger dort bleiben.“ stellt er in Adams Richtung hin klar.

Pia nimmt einen weiteren Schluck aus ihrer Flasche und lässt dann noch einmal ihren Blick zwischen Leo und Adam hin und her springen. Die mal wieder einen dieser Blicke austauschen, bei denen man von außen immer ein bisschen das Gefühl hat, dass dort gerade ein Gespräch stattfindet, von dem man selbst gänzlich ausgeschlossen ist. Aber immerhin wirkt es relativ friedlich, was auch immer da gerade abgeht.

Ihr seid trotzdem schon echt ganz schön bekloppt.“ murmelt sie schließlich noch kopfschüttelnd.

Leo seufzt. Aber dann muss er jetzt doch auch schon wieder ein bisschen lächeln. „Ja. Stimmt.“ gibt er zurück. Er fischt zwei Bierflaschen aus dem Kasten, öffnet die eine Flasche am Verschluss der anderen und gibt sie an Esther weiter, bevor er das Feuerzeug nimmt, das Adam ihm hinhält , um seine eigene Flasche zu öffnen.

„Prost.“ fügt er noch hinzu.

Eine Weile lang schauen sie alle vier schweigend auf den See hinaus und nippen an ihren Getränken. Die Abendsonne wirft leuchtende, changierende Muster auf die Wasseroberfläche. Eine Entenfamilie mit sechs kleinen, braun-gelben Küken schwimmt vorbei.

„Wusstet ihr, dass davon vermutlich nicht mehr als eins überlebt? Mit Glück vielleicht noch zwei?“ murmelt Pia ein wenig bedrückt.

Adam nickt. „Ja. Man kann über den Sommer hinweg beobachten, wie es immer weniger werden...“

„Esther wirft ihnen nacheinander einen stirnrunzelnden Blick zu. „Schön. Können wir vielleicht über etwas reden, was ein bisschen weniger bedrückend ist?“

Ja, hast Recht, sorry.“ räumt Pia enschuldigend ein.

Keine Ahnung,“ erwidert Esther.Also wenn ihr wollt, können wir auch noch ein bisschen über den Tod und die Härten des Lebens philosophieren. Aber ich find’, davon hatten wir eigentlich genug die letzten Jahre…“

Pia muss, jetzt wo Esther sie so anschaut, auch schon wieder ein bisschen lächeln. „Ja, hast recht...muss nicht sein. Für uns geht das ja jetzt auch noch so weiter die nächsten Jahre wohl…“

Esther nickt.

Und obwohl das jetzt eigentlich auch kein so ganz entspanntes Thema ist, landen sie dann kurz bei der Arbeit und den neuen Kollegen. Wie die sich so machen bisher. Dass die ja noch nicht so wirklich eine Gelegenheit hatten, zu zeigen was sie drauf haben, da es seit ihrem Dienstbeginn noch keinen richtigen Fall gab. Also keinen eigenen. Keine Leiche. Was schon ziemlich erstaunlich ist, wenn man bedenkt, wie oft es in den letzten Jahren vorkam, dass sich die Leichen quasi die Klinke in die Hand gedrückt haben…

Und dann reden sie noch kurz über Leos Wohnung, die er jetzt erstmal an eine gute Freundin von Caro untervermietet, die aus Barcelona für eine Weile nach Saarbrücken ziehen will. Und glücklicherweise bereit ist, sämtliche Pflanzen von Leo zu adoptieren. Wobei Adam und Pia keinen Hehl daraus machen, ihr Unverständnis auszudrücken darüber, wie man denn freiwillig von Barcelona nach Saarbrücken wechseln kann, aber naja. Es gibt ja manchmal Anlässe, die Menschen zu seltsamen Entscheidungen bewegen...

Nachdem Pia irgendwann bereits ihr zweites Bier etwas zu schnell ausgezecht hat, kommt sie schließlich noch auf die glorreiche Idee, dass Leo und Adam ja eventuell, falls das da drüben alles nicht klappen sollte, zurückkommen und in Saarbrücken ’ne Bar aufmachen könnten oder so. Oder noch besser, das Hellhole übernehmen, das ja in den letzten Jahren so oft die Betreiber gewechselt hat, dass es inzwischen von allen eben wieder nur Hellhole genannt wird. Weil niemand mehr mit den ständigen Namenswechseln hinterherkommt. Allerdings ist dieser Vorschlag dann doch irgendwie nochmal so viel absurder als das, was Leo und Adam jetzt tatsächlich tun, dass sie alle erstmal ziemlich lachen müssen.

Und irgendwann kommen sie wieder auf Buenos Aires zurück, wo Pia auch schonmal war, als sie nach dem Abi mit einer Freundin auf Südamerika-Reise war. Weshalb sie und Adam dann auch anfangen, sich eine Weile lang in Südamerika-Erinnerungen zu verlieren, während Esther und Leo sich einfach nur ab und zu einen schulterzuckenden Blick zu werfen und halt zuhören.

Bis es schließlich anfängt zu dämmen und es Zeit ist, aufzubrechen. Weil Leo und Adam morgen früh einen Flug erwischen müssen. Und auf Esther und Pia das Präsidium wartet.

Pia steht ein wenig schwankend auf und streckt sich. „Schau nicht so!“ brummt sie mit einem Seitenblick in Esthers Richtung, die skeptisch zwischen ihr und dem Bierkasten hin und her schaut. „Ich hab nicht soooo viel getrunken. Es ist einfach nur ’ne Weile her, seit ich zuletzt was gegessen hab…“

Gekonnt ignoriert sie Esthers Schnauben und wendet sich Adam zu, der immer noch vor ihr auf dem Boden sitzt.

„Noch ’ne Runde Tango zum Abschied?“ schlägt sie munter vor.

Adam macht eine abwehrende Geste.

„Nee, lass mal…“ lacht er.

„Komm schon. Du kannst mir jetzt nicht erzählen, dass du in BA nicht mal auf ’ner Milonga warst…“

Ein Grinsen kriecht über Adams Gesicht. Er blickt auf den Boden vor sich.

„Kann schon sein, dass ich mich mal mitschleppen lassen hab’…aber…“

Bevor er seinen Satz vollenden kann, packt Pia ihn am T-Shirt und versucht ihn hochzuziehen.

„Perfekt. Dann komm schon…“

Da er ja eh mal langsam aufstehen muss, lässt Adam sich hochziehen. nach wie vor jedoch nicht wirklich motiviert, auf Pias Vorschlag einzugehen. Er wirft einen raschen Blick hinüber zu Leo und Esther. Die allerdings nichts davon mitbekommen, weil sie gerade mit dem Leergut den Hang hinauf schlendern, in Richtung von Esthers Auto. Und dabei in ein leises Gespräch unter vier Augen vertieft zu sein scheinen…

Na gut.

Pias Hand landet auf seiner Schulter. Das schiefe, leicht betrunkene Grinsen auf ihrem Gesicht bringt ihn unwillkürlich zum Lachen.

„Wenn ich dir auf die Füße trete bist du selbst Schuld. Das ist ewig her, ich kann das echt nicht mehr…“ warnt er sie vor, während er mit einem etwas widerwilligen Seufzen seine Handfläche nach oben dreht und ihr erlaubt, ihre eigene da hinein zu legen.

„Du musst mit links anfangen!“ hilft Pia ihm kichernd auf die Sprünge.

Und irgendwie kriegen sie dann tatsächlich doch ein paar Schritte ganz okay hin, bevor sie zunehmend ins Straucheln kommen. Und einander am Ende etwas unelegant in die Arme stolpern, wobei es nicht mehr so ganz klar ist, wer hier eigentlich wen auffangen muss.

„Passt auf euch auf.“ nuschelt Pia in Adams Ohr, während sie ihn noch einmal an sich drückt.

„Machen wir.“ murmelt Adam zurück und löst sich dann von ihr, woraufhin sie unmittelbar Leo in die Arme fällt, der gerade in diesem Moment wieder zu ihnen zurückkommt. Dicht gefolgt von Esther.

„Ihr auch.“ fügt er hinzu, während er Pia einmal kurz an sich zieht und festhält, bevor er sich anschließend Esther zuwendet.

Eigentlich hatte er vor, irgendeinen Spruch aufzusagen. Was man halt so sagt. Irgendetwas von wegen „Du machst das schon, ne?“, oder „Immerhin weiß ich, dass der Laden bei dir in Guten Händen ist". Bla bla.

Aber jetzt bleiben ihm die Worte irgendwie im Hals stecken. Fühlt sich das alles viel zu leer und unpassend an. Er schluckt.

Esther schaut ihn mit einem warmen Ausdruck in den Augen an und zieht dann ein ganz, ganz kleines bisschen die Augenbrauen zusammen. „Ich mach das schon hier. Aber du wirst fehlen.“ sagt sie nur.

Froh darüber, dass er sich die Worte jetzt auch sparen kann, blickt Leo kurz auf den Boden, kickt einen kleinen Stein zur Seite und schaut sie dann wieder an. Wobei er ein bisschen lächeln muss. Einfach deshalb, weil er sich so durchleuchtet fühlt von ihr. Was ihn normalerweise vielleicht nerven würde, sich jetzt gerade aber ganz okay anfühlt irgendwie. Und dann nimmt er sie auch einfach kurz mal in den Arm.

„Danke.“ murmelt er leise.

Nachdem er sich von ihr gelöst hat, beginnt er, den Hang hochzulaufen, zielstrebig, so als wolle er direkt bis zum Auto durch laufen, ohne noch einmal zurückzuschauen. Bleibt aber nach ein paar Metern doch nochmal stehen und dreht sich ein letztes mal zum See um. Und zu den anderen. Seinem Team. Seinem Ex-Team...

Pia, die die Hände in die Hosentaschen gesteckt hat und lächelnd zu ihm hoch schaut. Und Adam und Esther, die sich gegenüber stehen und ein wenig so wirken, als wüssten sie nicht, was sie sagen sollen...

„Na, froh mich endlich los zu sein?“ bricht Adam schließlich das Schweigen.

„Wollte ich dich auch gerade fragen.“ gibt Esther grinsend zurück, woraufhin sie alle vier noch einmal ein bisschen lachen müssen.

Esther klopft Adam auf die Schulter. „Versucht, nicht ganz so viel Scheiße zu bauen da drüben.“ sagt sie mit einem kleinen Schmunzeln auf dem Gesicht.

„Ja.“ Adam blickt kurz zu Boden. „Nichts für ungut.“ fügt er hinzu und schielt zu ihr hinunter. Sie erwidert seinen Blick und nickt.

Einen Moment lang lässt sie ihre Hand noch auf Adams Schulter liegen und wirft dann einen kurzen Blick zu Leo, der immer noch dort oben auf halbem Weg zum Auto steht. „Na dann, haut schon ab. Los.“ sagt sie und gibt Adam einen leichten Schubser, bevor sie die Arme vor dem Körper verschränkt und sich neben Pia stellt. Leo hebt die Handflächen. „Wir sind so gut wie weg.“ ruft er mit einem Augenzwinkern. Adam wendet sich ebenfalls zum Hang hin um.

„Ciao ciao.“ ruft Pia und winkt ihnen grinsend hinterher.

Adam schaut noch einmal über die Schulter und grinst zurück. Dann beeilt er sich, Leo einzuholen.

„Leo, lass mich mal fahren jetzt.“ hören Pia und Esther ihn noch sagen.

„Hä? Wieso, so viel hab ich doch gar nicht getrunken!“ gibt Leo zurück.

Die Stimmen werden leiser.

„Egal. Los komm. Wenn wir in ’ne Kontrolle geraten und du bist über der Promillegrenze wär das jetzt schon echt ’n bisschen peinlich...willst du uns hier noch einen Haufen Papierkram aufbürden? Davon hatten wir doch echt genug in letzter Zeit! Außerdem will Caro ihr Auto pünktlich und heil zurückhaben..."

Ob Leo noch antwortet, oder ob sie sich dann wortlos einigen, ist schließlich nicht mehr zu hören. Aber ein leises Klimpern lässt erahnen, dass Leo den Schlüssen vermutlich zu Adam hinüber geworfen hat. Die Autotüren klappern.

Eine Weile lang bleiben Esther und Pia stehen und schauen ihnen noch hinterher, dorthin wo das Geräusch des Motors sich langsam aber sicher entfernt.

„Na dann…“ murmelt Esther und wendet sich zu Pia um, die verträumt geradeaus den von Bäumen umsäumten Hang hinauf schaut. In dem Moment, wo sie Esthers Blick auf sich spürt, ein bisschen in sich hinein lächelt. Und dann einen tiefen Atemzug nimmt, nicht wirklich ein Seufzen, weder traurig noch erleichtert oder so. Sondern irgendwie...geerdet. Gesammelt.

„Glaubst du, wir sehen die wieder?“ murmelt sie und runzelt die Stirn.

„Keine Ahnung.“ gibt Esther zurück. „Also ich würde sagen, entweder, die sind in ein-zwei Wochen wieder hier, weil sie die absolute Krise kriegen, oder tatsächlich erstmal eine ganze Weile lang nicht. Aber nie...das glaub ich nicht. Leo hat ja hier auch noch Familie. Irgendwann kommen die bestimmt mal her. Aber wer weiß.“

„Wollen wir ’ne Wette abschließen?“ schlägt Pia in einem amüsierten Tonfall vor.

Esther antwortet nicht sofort. Dann wiegt sie den Kopf hin und her. „Ich weiß nicht einmal, worauf ich wetten würde, glaub ich. Gerade scheint mir irgendwie alles gleich wahrscheinlich.“

Unwillkürlich müssen sie beide lachen.

„Ja, hast irgendwie Recht.“ gibt Pia anschließend zu. „Na dann. Wir werden es ja sehen.“

Nach wie vor mit einem Lächeln auf dem Gesicht dreht sie sich zu Esther um und schaut ihr in die Augen.

Die Abendsonne lässt ihre Haare in einem etwas rötlichen Schimmer aufleuchten.

„Und was machen wir zwei jetzt noch?“ fragt Esther und erwidert ihr Lächeln. „Suchen wir uns noch ’ne Milonga und gehen ’ne Runde tanzen?“

Pia schnaubt. „Du kannst Tango tanzen?“ entfährt es ihr überrascht.

Esthers Lächeln wird etwas breiter. „Falls du dachtest, dass du schon alles über mich weißt, dann hast du dich geschnitten, Spätzchen.“ gibt sie gespielt-schnippisch zurück. Womit sie sich einen wohlverdienten, wenn auch etwas unkoordinierten Schubser von Pia einhandelt.

„Ist zwar schon ’ne Weile her alles, aber ich hatte durchaus auch schon ein Leben bevor wir uns kennengelernt haben…“ fügt sie noch hinzu, ohne sich aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen.

„Ich wei-heißß…“ murrt Pia mit einem Augenrollen, während sie sich an Esther anlehnt und einen Arm über ihre Schulter schlingt. „Also…dein Vorschlag klingt schon sehr vielversprechend, aber…“ Sie seufzt. „Ich fürchte, das müssen wir verschieben. Erstens bin ich zu angetrunken und zu müde und zweitens sind wir hier immer noch in Saarbrücken und nicht in Buenos Aires. Auch nicht in Berlin oder so. Die Chancen jetzt hier spontan noch ’ne Milonga ausfindig zu machen gehen echt gegen Null würde ich sagen.“

Esther legt ihrerseits einen Arm um Pias Taille und haucht ihr einen Kuss auf die Wange.

„Das stimmt allerdings.“ gibt sie zu. „Dann bring ich dich jetzt erstmal nach Hause und anschließend schauen wir mal, was uns noch so einfällt, gut?“

„Mhm. Gut.“ nuschelt Pia zurück. „Aber wir sollten unterwegs irgendwo noch was zu Essen aufgabeln.“

„Kriegen wir hin.“

Bevor sie sich auf dem Weg zum Auto machen, drehen sie sich noch einmal um und lassen ihre Blicke über den Platz am Ufer streifen, wo nur ein paar undeutliche Kratzspuren auf dem trockenen Boden darauf hindeuten, dass dort bis eben noch vier Menschen gesessen haben. Und ohne es laut auszusprechen, wird ihnen beiden nochmal kurz so richtig bewusst, dass sie die zwei Chaoten durchaus schon ziemlich vermissen werden.

Aber alles andere wäre ja auch ein bisschen komisch, nach all den Jahren und allem was sie zu viert miteinander durch haben.

Notes:

Well. That’s it. Ich hoffe dieses Kapiel ist trotz dem etwas unrealistischen, vielleicht sogar leicht trashigen Unterton lesbar/genießbar ;)

Uff. Ich fühle mich ein bisschen, als wäre ich in den letzten Monaten seit EdN auch mindestens 7 Jahre gealtert...

Es gibt noch so viel zu schreiben, aber ich komm nicht hinterher. Kann grad nur kapitulieren vor Erschöpfung xD
Ein paar WiPs, die noch auf meinem Rechner hängen treiben mich zwar noch ganz schön um…aber ehrlich gesagt fehlt bei denen gerade auch ein bisschen der Mut, mich damit wirklich rauszuwagen...so let’s see was damit passiert.

Tatsächlich existiert auch noch ein Draft für ein Bittersweet-AU-End für diese Serie...das sich unfairerweise irgendwie noch in meinen kopf gedrängt hat...ouch :( Naja. Vielleicht arbeite ich es irgendwann noch richtig aus...dann gibt’s am Ende sozusagen die Choice, womit man gehen will...good vibes or ...“good“ pain?

Anyway...

Diese Note ist schon viel zu lang, aber da es meine letzte ist möchte ich hier noch unbedingt ein kleines SHOUTOUT an das Spatort-Audiopsie-Podcast-Team aussprechen! Es war einfach total perfekt, dieses Jahr alle Folgen nachzuhören, im Wechsel mit meinen Schreibattacken. Weil da so viel gute Inspirationen und auch Infos rüber kamen, von denen glaub ich viel mehr eingeflossen ist in meine Storys, als ich bewusst benennen könnte ;)
(Ich glaub zwar nicht, dass die zwei hier mitgelesen haben, aber vielleicht kriegen sie es ja trotzdem auf Umwegen irgendwie mit <3)