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Liebeslawine

Summary:

Als Bob sich aus Langeweile eine Dating App herunterlädt, hätte er nicht damit gerechnet, dass er jemanden finden würde mit dem er gerne schreibt. Noch weniger hätte er damit gerechnet Gefühle für jemanden zu entwickeln, den er noch nie gesehen hatte. Und am wenigsten damit, wer hinter dem Profil steckt…

Chapter 1: Neuland

Chapter Text

„Sind sie es nicht auch leid, allein zu sein?“

Bob Andrews blinzelte langsam, als er auf den flimmernden Bildschirm des Fernsehers starrte, der in seinem Kinderzimmer stand. Die Hand des Siebzehnjährigen hatte sich um die Fernbedienung geschlossen und er erwischte sich dabei, wie er nicht sofort das Programm wechselte, als er vor sich eine fröhlich lachende Frau sah, die anscheinend Werbung für eine Partnervermittlung machte. Ihre Zähne blitzten ihm unnatürlich weiß aus der Mattscheibe entgegen und Bob verzog das Gesicht.

„Ich weiß aus erster Hand, wie frustrierend es sein kann, wenn man nur anhand seines Äußeren bewertet wird.“ sagte die Frau und schaute dabei gespielt traurig drein.

„Sicherlich. So jemand Hübsches hat sicherlich Probleme einen Partner zu finden.“ ließ der blonde Junge nur schnaubend von sich und verschränkte die Arme vor der Brust. Sein Zeigefinger kreiste dabei stetig weiter über die Programmtaste, ohne dass er sie drückte. Irgendwas in ihm ließ ihn zögern.

„Deswegen setzten wir bei „Finder“ darauf, dass auf unserer Seite niemand ein Profilbild einstellen kann. So wird gewährleistet, dass Sie und auch ihr zukünftiges Match sich zuerst persönlich kennenlernen. Egal ob Partnerschaft, Freundschaft oder andere Bekanntschaften. Auf „Finder“ ist jeder willkommen!“

Zögernd blickte Bob von seinem Fernseher auf und schaute auf das Bild, dass neben dem Gerät in seinem Schrank stand. Es zeigte ihn und seine beiden besten Freunde Peter Shaw und Justus Jonas. Bob hatte es aus der Zeitung ausgeschnitten, als sie einmal interviewt worden waren nachdem sie, wieder mal erfolgreich, einen Fall gelöst hatten. Auf dem Foto stand er in der Mitte und Peter und Justus hatten jeweils einen ihrer Arme um ihn geschlungen. Alle drei hatten ein fettes Grinsen auf dem Gesicht und Bobs Herz schlug ein bisschen schneller als er an den schönen Tag mit den beiden dachte.

Entschlossen schaltete er den Fernseher aus, bevor die hübsche Frau vor ihm weiter die Vorzüge ihrer Datingplattform erklären konnte. Er war nicht einsam. Er hatte seine Freunde.

Und doch saß er an diesem Samstagabend allein in seinem Zimmer und langweilte sich.

Normalerweise verbrachte er seine Samstage immer entweder mit Peter, Justus oder beiden zusammen. Doch in letzter Zeit war es etwas still um seine Wochenendplanung geworden. Justus nahm gerade an irgendein Schulförderprogramm mit Hinblick auf die Universität teil, bei der es darum ging für einen Monat jedes Wochenende in ein Camp nach Ruxton zu fahren um dort Aufgaben aller naturwissenschaftlicher Art zu lösen. Leider hatten weder Bob noch Peter die Noten gehabt um ihn zu begleiten.

Und Peter…

Peter hatte in letzter Zeit wieder vermehrt Streit mit Kelly gehabt und sich dazu entschlossen die nächsten Wochenenden lieber mit ihr als seinen beiden Freunden zu verbringen.
Bob verstand das auch. Ehrlich. Er hatte sich selbst schon gewundert wie lang Kellys Geduldsfaden war, so oft wie Peter sie schon für seine beiden Freunde versetzt hatte. Doch er kam nicht umher sich zu wünschen, dass der zweite Detektiv jetzt neben ihm auf dem Sofa sitzen würde.
Leicht frustriert streckte er sich auf der Coach aus und vergrub sein Gesicht in einem seiner Kissen.
Seine Gedanken wanderten zu seinen anderen Freunden die er noch anrufen könnte, um sich mit ihnen zu verabreden. Er überlegte Jelena zu fragen ob sie Zeit hätte, doch er wusste, dass sie gerade sehr viel um die Ohren hatte. Sie arbeitete sehr hart daran eine professionelle Karriere als Geigerin einzuschlagen. Er wollte sie nicht stören nur weil ihm langweilig war. Blieb ihm noch Lesley. Doch allein der Gedanke an sie, ließ ihn mit einem Knoten in der Magengegend zurück. Er mochte Lesley, doch in letzte Zeit fiel es ihm immer schwerer ihre eindeutig romantischen Avancen zu ignorieren. Und bis jetzt hatte Bob es einfach noch nicht übers Herz gebracht ihr klipp und klar zu sagen, dass er nicht mehr als Freundschaft für sie empfand.

Schwer ausatmend schaute er zurück zum Schrank und ließ seinen Blick über die dort stehenden Bücher wandern. Selbst zum Lesen hatte er keine Lust. Er wollte mit jemanden reden. Doch auch seine Eltern waren heute Abend zusammen ausgegangen, sodass er nicht mal in das Wohnzimmer gehen konnte um sich neben seinen Vater auf das Sofa zu setzen und sich mit ihm irgendwelche Dokumentationen anzuschauen.

Bob nahm sein Handy in die Hand und schaute auf das viel zu grell eingestellte Display. Er kniff die Augen zusammen und schaltete es dunkler ehe er zögernd vom ausgeschalteten Fernseher zu dem Display seines Handys hin und her schaute.

Er war nicht einsam.

Aber Jemanden zum Schreiben zu haben, um die ab und zu aufkommende Langeweile zu besiegen, würde sicherlich nicht schaden…
Er dachte nicht intensiver darüber nach als er sich die App zu „Finder“ auf sein Telefon lud. Als er allerdings auf den Startbildschirm der App schaute und sah, dass er sich einen Nutzernamen ausdenken musste um sein Profil zu aktivieren kamen ihm erste Zweifel.
Wie nannte man sich auf so einer Plattform überhaupt? Seinen Klarnamen würde er jedenfalls nicht verwenden und die Seite schien auch so aufgebaut zu sein, dass es nicht von ihm erwartet wurde.
Bob ließ sein Blick erneut durch das Zimmer gleiten und blieb an seinem Schreibtisch hängen. Dort lag, noch offen, die Akte ihres letzten Falls. Er hatte die Dokumentation heute früh beendet und wollte sie am Montag mit in die Zentrale nehmen. Zögerlich schaute er wieder auf das Display und gab beim Benutzername „File“ ein.
Bob cringte selbst etwas über sich, doch eine bessere Idee hatte er gerade wirklich nicht. Entschieden klickte er auf den „weiter“ Button.

Als nächstes konnte er optional noch angeben an welchem Geschlecht und welcher Altersgruppe er interessiert war. Das Alter hatte er schnell auf maximal 25 festgelegt, doch beim Geschlecht zögerte er kurz. Er hatte in letzter Zeit nur zu gut an sich selbst beobachtet, wie sein Interesse an Mädchen rapide gesunken und das an Männern umso stärker angestiegen war.
Er biss sich leicht auf die Unterlippe als er das Feld für Männer anklickte und sein Profil online ging.

Er hatte nicht einmal Zeit, sich jemanden zum Schreiben auszusuchen, da bekam er auch schon die erste Nachricht.


your-arch-nemesis-next-door:

Willst du Gras kaufen?

Bob blinzelte langsam und schaute nochmal genau hin ob er sich auch wirklich nicht verlesen hatte, da kam schon die nächste Nachricht.

surf&turf:

Stehst du auch so sehr auf das Wellenreiten wie ich oder bevorzugest du eine andere Art des rei-

Bevor Bob zu Ende lesen konnte klickte er die Nachricht mit hochrotem Kopf weg. Ehe er sich auch nur einen Gedanken darüber machen konnte gab sein Handy bereits einen neuen Ton von sich.

i_live_on_a_junkyard:

Guten Tag! Ich suche Teilnehmer für eine private Studie, bei der-

Bob las gar nicht erst weiter, da er sich denken konnte in welche Richtung diese Nachricht gehen würde. Erleichtert stellte er fest, dass es wohl bei diesen drei Nachrichten geblieben war und er schaute sich die App zum ersten Mal genauer an. Anscheinend wurden ihm einige Leute angezeigt, die in seiner Umgebung zu finden und gerade online waren. Er überflog ein paar Profile und überlegte wen er anschreiben könnte. Sein Blick blieb an einem User mit dem Namen „Olympic“ hängen. Er zögerte kurz. Vielleicht war es die unwillkürliche Assoziation des Namens mit Peter, die ihn überlegen ließ diesen User anzuschreiben. Er vermisste Peter gerade sehr und hoffte aus irgendeinem Grund, dieses Gefühl würde verschwinden, wenn er mit jemanden Kontakt aufnahm, der ihn an den zweiten Detektiv erinnerte.

Kurzentschlossen formulierte er eine Nachricht.

File:

Hey Olympic! Du bist gerade meine letzte Hoffnung auf ein normales Gespräch mit jemanden auf dieser Seite, der mir keine Drogen verkaufen will oder zwielichtige Angebote macht… In dem Sinne: Wie geht es dir?