Chapter Text
0ZUKO0
Die Dunkelheit, ein unterdrückender Begleiter, brachte ihn zum Nachdenken und beschwor Erinnerungen herauf. Er war alleine und da war keine Tür, kein Weg zur Flucht. Er war sich nicht mal sicher, ob er eine Luftzufuhr hatte oder ob er sogar davon abgeschnitten war. Sie hatten ihn alleine gelassen und er hatte keine Idee, wie viel Zeit vergangen war: Er wusste nur, dass Hunger und Durst nun schon vor einer Weile eingesetzt hatten. Als Feuerbändiger vermisste er die Sonne auf eine andere Art als andere. Er spürte ihr Fehlen so durchdringend wie ein eingeklemmter Nerv, der das Bein einschlafen liess.
Sein Prozess hatte sich als kurz herausgestellt und primär daraus bestanden, die Narbe auf seinem Gesicht der Beschreibung zuzuordnen. Sie hatten schon gewusst, dass er ein Feuerbändiger war, als er sich zu befreien versucht hatte. Ein geschickter Erdbändiger hatte so lange mit ihm gekämpft, bis Erschöpfung sich bemerkbar machte, und er ihn dann schnell auf die Knie zwingen konnte mit gut platzierten Schlägen und der Geduld eines Meisters seiner Kunst.
Dann hatten sie ihn wie ein Sack Kartoffeln nach unten geschleift, vermutlich zum Kerker. Das Rasseln seiner schweren Ketten prallte in erdrückenden Echos von den Wänden, laut und erbarmungslos. Sie hatten keine Fackeln gebracht, stattdessen besassen sie eine Art glühender Kristalle, welche ein kaltes, grünes Licht abgaben. Er hasste es. Sie tauchten alles in einen unheimlichen, konstanten Schein, nie flackernd, nicht lebendig. Es erinnerte ihn an sein erschöpftes, ausgebranntes Dasein. Seine Gegner hielten ihn noch immer fest, seine Arme würden blaue Flecken davon tragen.
Trotz seiner Erschöpfung versuchte Zuko, sich die Route zu merken, die sie nahmen. Waren da Gabelungen, Seitengänge, notierte er sie sich im Kopf. Er sah jede Tür und versuchte sie sich einzuprägen. Er war entschlossen, so bald wie möglich hier rauszukommen. Aber dann stiessen sie ihn durch etwas, was bloss wie eine weitere Passage aussah. Das Licht des Kristalls reichte nicht weit, und er warf lange Schatten, was eine Einschätzung des Ganges praktisch unmöglich machte. Sie folgten ihm nicht und als Zuko sich umdrehte, sah er, wie sich eine neue Wand aus dem Boden schob, bald mit der Decke verschmolz und ihm so den Weg zurück abschnitt. Es gab keine Möglichkeit sie zu stoppen, und binnen Sekunden erlosch das unheimliche Grün und es wurde rabenschwarz. Binnen Sekunden war er komplett alleine, abgeschnitten von der Welt.
Das lange Warten nach dieser schmachvollen Festnahme bestand daraus, in diesem dunklen Kerker zu sitzen und sich zu wundern, was ihm jetzt bevorstand.
Erst hatte er aus Frustration geschrien, eine schwache Faust Feuer gegen den Stein geworfen, dann war er an der gegenüberliegenden Wand zusammengesackt, zu müde, um sein Gefängnis zu untersuchen, wo er doch schon wusste, dass es unentrinnbar war. Die Luft im Raum roch abgestanden, bitter, still .
Es dauerte allerdings nicht lange, bis die Dunkelheit zu erdrückend wurde, die einzigen Geräusche, das Rasseln der Ketten wenn er sich bewegte, die Zelle selbst zu still. Vorsichtig öffnete er seine Hand, um eine Flamme ins Leben zu rufen.
Er hätte nicht gedacht, dass es ihn nervöser machen würde sein Gefängnis zu sehen. Die Grösse war nicht das Problem, auch wenn die Dunkelheit alles enger erscheinen liess. Der Raum hatte eine anständige Grösse und er war aus robustem Stein. Obwohl er unterirdisch war und daher natürlich kalt, war der Kerker sogar trocken. Nein, was ihn unruhig machte war, dass er angenommen hatte, dass es irgendwo Luftschächte gab, wo doch schon der Eingang versiegelt war. Aber da war nichts als glatte vertikale Wände, glatter Boden und eine glatt aussehende Decke. Der Raum sah aus, als wäre er komplett abgeriegelt. Schnell erstickte er die Flamme. Mit limitierter Luft durfte er kein Feuer leben lassen, egal wie sehr er sehen wollte.
Die Dunkelheit bedrückte ihn mehr als er zugeben wollte, und die Worte des Bürgermeisters, bevor sie ihn hergebracht hatten, halfen auch nicht.
Er konnte nicht vergessen, was er gesehen hatte und die allumfassende Dunkelheit wiegte viel schwerer nach dem flüchtigen Augenschein seines Gefängnisses. Der Raum schien kleiner zu werden, und obwohl er wusste, dass er sich das bloss einbildete, war es doch fast dasselbe, denn irgendwann würde sich die Luft langsam aber sicher zu Ende neigen.
Und die Worte des Bürgermeisters, der Gedanke an sie erfüllte ihn mit Grauen. Irgendwie gaben sie ihm aber auch die Gewissheit, dass er nicht hier dem Erstickungstod erliegen würde.
“Das also ist der stolze Prinz der Feuernation? Lächerlich! Du bist nichts, ein Verräter,
wie konntest du denken
, dass du hier willkommen bist?...”
Zuko konnte es nicht lassen, sie sich immer wieder in Erinnerung zu rufen.
“...
hmmm
, ich weiss genau, was ich mit dir machen werde. Du bist das ideale Werkzeug, um meinem Dorf Mut zu machen und die Stimmung zu verbessern. Mit dir werden sie einen Ort haben, um ihren Groll gegen die Feuernation abzuladen, und ich hab meinen Frieden.”
, hatte der Bürgermeister gesagt, seine Zunge spitz und giftig.
Zuko hatte nicht damit gerechnet, dass jemand ihn erkennen würde, der Abstecher in die Stadt hätte bloss seine Vorräte auffüllen sollen. Aber das spielte jetzt keine Rolle mehr, sie hatten ihn und sie liessen ihn über ihren vagen Worten brüten. Was hatten sie vor mit ihm?
Er hatte den Bürgermeister sowie die Leute unter seiner Fuchtel, angeschrien: Sobald er auch nur die kleinste Chance hatte, würde er sein Feuer auf jeden hetzen, der ihm im Weg stand. Er würde nicht nochmals zurückhalten.
Der Bürgermeister hatte ihn bloss ausgelacht, ihm gesagt, dass er sicherstellen würde, dass er nicht entkommen konnte. Seien seine Tage gezählt, wenn er es auch nur versuchen würde, jemanden umzubringen, und dass er sich wünschen würde, schon lange tot zu sein, wenn sie ihm endlich erlauben würden, sich zu seinen Vorfahren zu gesellen.
Nach langen, trostlosen Stunde n, g efüllt mit Nachdenken und Sorge n, s chlüpfte er in einen oberflächlichen Schlaf, aufgerollt neben der Wand, wo der Eingang gewesen war und wann auch immer er erwachte, begleiteten ihn Durst und Gewissensbisse. Da war auch viel Wut, er war wütend auf sich selbst, wütend auf die Situation, wütend auf die Stadt. Er konnte es auch nicht lassen den Kampf immer wieder in Revue passieren zu lassen, darüber nachzudenken, wo er etwas besser hätte machen können. Obwohl er wusste, dass er sein Bestes gegeben hatte in dem Moment, wurde es immer schwieriger sich das im Bewusstsein zu behalten.
Er hatte den Fehler gemacht und reagiert, als sie ihm seine Identität an den Kopf geschmissen hatten. Hätte er nichts dergleichen getan, hätte er es geschafft nicht hier zu landen? Wenn er von Anfang an mit Feuer gekämpft hätte, wäre er jetzt vielleicht woanders? Hätte er sich gedreht und davon gerannt, wäre er entkommen? Hätte er gekämpft, um zu töten, statt sich zu verteidigen, hätte er gewonnen?
Er wusste, er hatte zumindest einige von ihnen verletzt. Er hatte sein Bestes gegeben in seiner Panik. Jetzt musste er vorausdenken, sich nicht in Gedanken über die Vergangenheit verfangen. Er musste entkommen. Hunger und Durst machten es zunehmend schwieriger klar zu denken. Ideenlosigkeit, die konstante Kälte… Was ebenfalls an ihm zerrte, war sein Entscheid, sich nicht mehr als nötig zu bewegen, da er möglichst wenig Luft aufbrauchen wollte. Er hatte nichts, um die Zeit zu messen. Er war sich auch nicht sicher, ob er zeitweise einfach in Gedanken versank oder ob er wegnickte. Gab es da einen Unterschied?
Er versuchte die Sonne, seine Quelle der Kraft, zu spüren, aber obwohl das Feuerbändigen ihn allezeit mit der Sonne verband, fühlte es sich zunehmend entfremdet an, er fühlte sich zunehmend ausgelaugt.
Er wartete bloss darauf, dass sie kamen. Irgendwie würde er es schaffen, trotz seiner Ketten, aufgeben kam nicht in Frage. Er würde schon einen Weg finden sie loszuwerden. Doch Hunger und Durst nahmen zu als die Zeit sich zog und niemand kam. Da war niemand zu kämpfen, niemand, um eine Tür zu öffnen, durch die er flüchten konnte.
Er lebte noch, also konnten es nicht Tage gewesen sein, aber es fing an sich so anzufühlen. Scheinbar waren sie entschlossen, ihn erst wieder herauszulassen, wenn er am Rande seiner Kräfte war und hasste, dass es wohl oder übel funktionieren würde. Er vermisste die Sonne, er vermisste weite Landstriche, die ihm nicht jedes Geräusch ins Gesicht zurück schmissen. Langsam aber sicher wurden sie zu laut, als sich Druck in seinem Kopf aufbaute, bald schmerzte. Er zitterte in der kalten, abgestanden Luft, und blieb in der Nähe des vermeintlichen Eingangs. Törichterweise hielt er auch an der Hoffnung fest, sie überwältigen zu können trotz seines geschwächten Zustands.
Es gab Zeiten, wo er Vernunft in den nicht existierenden Wind warf: schrie, wütete, auf Wände einschlug; und manchmal, ganz vorsichtig, schwache Flammen hervorrief. Einige Male, als er dies tat, meinte er, doch Luftschächte zu sehen, aber er war sich nicht mehr sicher, ob er seinen Augen noch vertrauen konnte. Statt ihm zu helfen zu sehen, schmerzten diese nun mit jeder hellen Flamme, die den Raum richtig erleuchtete. Auch wollte er wirklich nicht riskieren, dass das Feuer die ganze Luft frass, falls er sich die Luftschächte nur eingebildet hatte. Er hatte das Gefühl verrückt zu werden. Er war wütend auf alles, am meisten mit sich selbst, weil er keinen Ausweg sah. Wütend, weil er Angst hatte vor dem Ungewissen. Er wusste noch immer nicht, was sie ihm antun würden.
0ZUKO0
Letztendlich kamen sie, um ihn zu holen, führten ihn in schweren Ketten die Treppen hoch. Die Sonne, die ihm zwar endlich einen Schub Energie gab, veranlasste seine Augen dazu zu tränen. Alles Licht schmerzte, was nicht überraschend w ar, w enn man in Betracht zog, dass seine Augen sich an komplette Dunkelheit gewöhnt hatten. Auch seine Ohren wurden regelrecht überflutet mit Geräuschen, was das Pochen in seinem Kopf bloss verschlimmerte.
Als seine Augen sich langsam an die helle Umgebung gewohnten, merkte Zuko, dass er in einer publiken Demonstration auf den Markt gebracht wurde. Einem ganzen Mob würde er nie entkommen.
Auf einer erhöhten Plattform zwangen sie ihn, sein Oberteil auszuziehen, während eine Klinge an seinen Nacken gehalten wurde. Als ob er nicht schon schwach war vor Hunger und Durst. Dort im Zentrum des Marktplatzes banden sie seine Arme wieder zusammen: Sie zwangen ihn, seine Arme zu heben und auf Augenhöhe vor sich auszustrecken, dann hielten sie ihn dort fest, die Kette, die die beiden Handschellen verban d, g estrafft und schwer. Stein stiess aus der Plattform in der Mitte des Marktplatzes, immer höher. Das liess ihn folgern, dass die Kettenglieder entweder bald im Stein eingekapselt sein würden, oder er am Stein hochgezogen werden würde. Sich winden brachte nichts, die Männer, die ihn an Ort und Stelle hielten, liessen nicht ab, bis der Stein die Kette zwischen seinen Handgelenken tatsächlich verschluckt hatte. Es stellte sich schnell heraus, dass dies ein Schandpfahl darstellte, die Säule wurde immer noch dicker und zog ihn so nahe, dass er gezwungen war, diese unbeholfen zu umarmen. Er hatte kaum Spielraum, um seinen Kopf zu bewegen. Der Erdbändiger gravierte seine Identität und seinen Status in den Pfosten, so dass jeder lesen konnte, wer er war, dann war er alleine mit den misstrauischen Blicken, als sie ihn dem Erbarmen der Massen überliessen.
Am ersten Tag waren es primär Gaffer, kaum jemand hatte Hand an ihn angelegt. Zuko hatte schon darauf gewartet, dass sie ihn auspeitschen würden. Stattdessen bekam er endlich Wasser und Brot. Sie zwangen ihn richtiggehend zu schlucken.
Sie dachten wahrscheinlich, dass es ihn nervöser machte, wenn sie ihm nicht mitteilten, was passieren würde und wann, aber Zuko würde sich nicht so einfach unterkriegen lassen . Er war sich sicher, dass er nehmen konnte, was sie ihm auftischten. Auch wenn Zuko vermutete, dass Onkel ihm folgte, Onkel war zu Fuss, im Gegensatz zu Zuko, der per Straussenpferd gereist war. Er hoffte bloss, dass Onkel ihm wirklich folgte.
Die Nacht war nicht übermässig kalt, doch er hatte keine andere Wahl, als kontinuierlich zu stehen, und das war anstrengend, mental und körperlich, er konnte kaum schlafen. Seine Arme schmerzten von der erzwungenen, angehobenen Position. Seine Hände schliefen ein und kribbelten dann bei jeder kleinsten Bewegung. Der ultimative Hohn war jedoch, dass sie ihn in den Nachtstunden nicht mal bewachten. Leider konnte er sogar verstehen, warum nicht, er hatte versucht frei zu kommen, und so sehr er sich bemühte, ohne Hilfe war es unmöglich.
Der Mob war am nächsten Tag noch immer vorsichtig ihm nahezukommen und Zuko hatte keine andere Wahl als zu warten. Also war es irgendwie fast schon eine Erleichterung, als sie ihn an diesem Nachmittag endlich auspeitschten.
Zuko hatte da gestanden, oben-ohne, gezwungen den Stein, der ihn gefangen hielt, dicht zu umarmen. Die Haltung war nach wie vor sehr schmerzhaft, da seine Arme weiter oben angekettet waren als seine Schultern. Er hatte ihn nicht kommen sehen, denn der Folterknecht näherte sich von seiner Rückenseite. Was ihn gewarnt hatte, war die Menschenmenge, die sich versammelte, und das Flüstern, bevor Schmerz auf seinem nackten Rücken explodierte und das Publikum anfing zu jubeln.
Auch wusste er nicht, mit was sie ihn schlugen. Er konnte sich nicht drehen, um den Schaden zu sehen und sie hatten ihn einfach da stehen lassen, als sie fertig waren. Aber ihn so wehrlos zu sehen, blutend und voller Schmerzen, hatte die Vorbehalte des Mobs sich ihm zu nähern gebrochen. Zuko fing an zu realisieren, was der Bürgermeister gemeint hatte, als er erwähnt hatte, dass er den Sündenbock sein würde für den Groll gegen die Feuernation. Die offenen Wunden zogen leider auch mehr Fliegen an.
Es war aber noch immer aushaltbar. Demütigend, aber aushaltbar. Zuko war zuversichtlich, dass er irgendwie aus der Situation rauskommen würde, mehr oder weniger intakt.
Es waren die Männer, die in der Nacht kamen, welche anfingen dies zu ändern.
Er konnte ihn nicht sehen, er konnte bloss hören, wie er sich ihm von hinten näherte, während er selbst alleine da stand. Der Marktplatz war verlassen, ganz im Kontrast zu der Geschäftigkeit des Tages. Zuerst hatte der Mann bloss in seinen Wunden gegrübelt, ihn bewusst so angefasst, dass es unangenehm und schmerzhaft war. Richtig Angst bekam Zuko allerdings erst, als der Mann nach seinem Hosenbund griff.
Zuko hatte keine Chance.
Nachdem sie ihn hergebracht hatten, hatten sie die Fussfesseln nicht abgenommen und der Erdbändiger der den Pfahl errichtet hatte, hatte mindestens ein oder zwei Kettenglieder in der Mitte der Kette in Stein eingebettet. Er hatte daher kaum Spielraum, er konnte sich nur an Ort und Stelle winden. Er konnte den Mann nicht mal ins Schienbein kicken und alles Feuer, das er hervorbringen konnte, würde wohl eher ihn selbst versengen statt seinen Gegner.
Er spürte sein Herz schneller schlagen, als Vernunft sich in Panik verwandelte. Erst berührte der Wind die frisch aufgedeckte Haut, dann grapschende Hände. Es jagte ihm ein Schaudern über den Rücken und veranlasste ihn dazu, sich noch mehr zu winden, ein verzweifelter Versuch, um zu entkommen. Mit seinem Verstand konnte er nicht wirklich erfassen, was gerade vor sich ging, als er erfolglos versuchte Ruhe zu bewahren. Dann liess der Andere einen Moment von ihm ab und er konnte das Rascheln von Kleidern hören. Zuko zog an seinen Ketten.
Hände griffen grob nach seinen Hüften und hielten ihn in Position als etwas vorstiess. Es wurde rasch schmerzhaft, als er spürte, wie etwas an einen Ort eindrang, von dem Zuko wusste, nichts hingehörte. Es schmerzte noch mehr, als der Mann anfing sich zu bewegen und beunruhigende Geräusche von sich gab. Zuko biss die Zähne zusammen, kniff die Augen zu, während er verzweifelt versuchte, seine Arme, Beine, irgendetwas, loszubekommen, zu entkommen.
Es war schrecklich. Es war demütigend. Es war das erste Mal, dass Zuko den Horror seiner Situation anfing zu begreifen.
Die Bewegungen des Mannes verlangsamten sich irgendwann. Mit einem harten Schlag auf Zuko’s aufgerissenem Rücken nahm er einen Schritt zurück und Zuko konnte einen schmerzerfüllten Schrei nicht zurückhalten. Die Peitsch Wunden waren noch immer frisch, und das Gefühl, dass etwas aus ihm heraus gezogen wurde, war qualvoll.
Der Mann lehnte sich nochmals zu ihm hin und Zuko drückte sich gegen den Stein aus Mangel an Alternativen. “Was für eine dienliche Hure du doch bist, Feuerprinz!” sprach der Mann leise, mit seiner tiefen, spöttischen Stimme. “Willkommen in deinem neuen Leben.”
Der Mann packte Zuko’s Hosen, welche zu den Knien heruntergerutscht waren, und zog sie ruckartig hoch. Zuko erstarrte, verunsichert, was jetzt kommen würde. Die Worte des Mannes klingelten noch immer in seinen Ohren, doch der Mann griff bloss nach der Kordel, die Zuko als Gürtel benutzte. “Kann ja nicht sein, dass du die Kinder traumatisiert, oder?” sagte er, während er sie knüpfte. Dann drehte er sich einfach weg und schiefe Töne einer gepfiffenen Melodie, sowie knirschen unter Füssen, informierten Zuko, dass der Mann sich entfernte.
Zuko realisierte erst, dass er den Atem angehalten hatte, als das Pfeifen nicht mehr bis zu seinen Ohren drang. Erst dann fing er an, alle verschiedenen Schmerzen zu registrieren und zu sortieren. Mit all dem Winden waren viele Krusten auf seinem Rücken waren wieder aufgesprungen und er konnte noch immer spüren, wo die Hände ihn gepackt hatten. Seine Handgelenke schmerzten, das Metall fing schon an einzuschneiden. Was ihm am meisten Sorge bereitete war allerdings sein Hintern. Dieser schmerzte, schmerzte sehr, und er konnte spüren, wie etwas Klebriges auf der Innenseite seiner Hosen heruntertropfte, bis der Hosenstoff es aufsog. War es Blut?
Er fühlte sich widerlich, angewidert. Von dem Mann, von sich selbst. Und er fühlte sich verletzlich, jetzt mehr den je. Er kniff die Augen zu und lehnte seine Stirn gegen den kühlen Stein, versuchte die Tränen, die zu fallen drohten zurückzudrängen, er konnte doch nicht schon jetzt, nach bloss zwei Tagen, zerbrechen.
Er war erschöpft, konnte spüren wie er zitterte und da es Nacht war, hätte er eigentlich schlafen sollen. Er versuchte es, aber statt Schlaf kehrten seine Gedanken immer wieder zurück zu dem Mann und dem Schmerz. Das Gefühl des Eindringens, er wagte sich nicht zu überlegen, was passiert war, was es bedeutete… Da war auch die unangenehme, klebrige Flüssigkeit, die inzwischen die Innenseite seiner Hosen verpappte. Irgendwann musste die Erschöpfung ihn wohl aber doch eingeholt haben, denn als er wieder zu sich kam, war die Sonne schon über dem Horizont und Leute fingen an auf dem Marktplatz einzuträufeln.
Da er in sich zusammengesackt war als er eingeschlafen war, hatte er nun mit tauben Armen zu kämpfen, wieder auf die Beine zu kommen war daher sehr schmerzhaft. Seine Hosen fühlten sich feucht an in der Morgenluft, seine Haut klamm. Die ersten Leute trafen mit ihren Ständen ein, aber da war keine Hektik und es schien, als wäre ausnahmsweise niemand interessiert an ihm.
Nach einer Weile näherte sich dann doch jemand. Eine Hand packte sein Handgelenk, er zuckte zusammen. Ein Schlüssel wurde ins Schlüsselloch der Handschelle gestossen, geöffnet, und sein Arm wurde schnell gepackt und auf seinen Rücken gedreht. Ein Geräusch des Schmerzes entschlüpfte ihm, denn der abrupte Positionswechsel war begleitet von weissem Schmerz. Der Druck auf seinem Rücken half auch nicht.
Der andere Arm folgte bald, doch diesen liessen sie einfach herunterfallen. Er konnte spüren, wie der Stein die Kettenglieder bei seinen Füssen freigab. Dann zogen sie ihn grob nach hinten und warfen ihn zu Boden.
Zuko versuchte seinen Fall mit seinen Armen zu bremsen, scheiterte jedoch kläglich. Seine Arme waren noch immer halbtaub. Zuko rollte zur Seite und versuchte aufzustehen. Wie er nun sah, packte ihn ein Mann in Wachuniform am Arm und zog ihn wieder hoch, so dass Zuko über die Kette stolperte. Sie hielten an einem Kanalschacht.
“Mach dein Geschäft. Mach es schnell und mach keine Faxen, sonst stehen dir in Zukunft nur deine Hosen zur Verfügung. Und Hände bleiben allezeit in Sicht, verstanden?”
Zuko schluckte leer. Das letzte Mal war schon lange her und auch wenn er nicht viel getrunken hatte, hatte sein Körper trotzdem entschieden, dass er etwas Flüssigkeit entbehren konnte. Er musste dringend… Sie waren etwas abseits, also waren weniger Leute da, aber es konnte dennoch jeder zusehen. Die Wache sah zu. Angst wand sich in ihm, doch er musste wirklich und würde wohl auch nicht so bald wieder eine Chance kriegen. Die Worte der Wache deuteten sogar an, dass sie ihn durchaus auch in die Hosen machen lassen würden. Mit zittrigen Fingern fummelte er mit der Kordel, die sein einziges Kleidungsstück an Ort und Stelle hielt....
Der Weg zurück war einfacher, da seine Arme weniger kribbelten als zuvor. Als sie ankamen, wurde er wieder zu Boden geworfen. Jetzt konnte er den Fall zumindest abfangen. Er sass schnell auf. Ein Stück Brot landete in seinem Schoss. Es war noch nicht hart, wobei auch definitiv nicht mehr frisch, es war aber grösser als alles, was sie ihm bisher gegeben hatten.
“Wasser kriegst du auch, ich reiche es dir. Versuch mich zu anzufackeln oder sonstiger Firlefanz und du wirst es bereuen.” Er hielt ihm eine Schale hin, welche Zuko nahm, um sofort einen Schluck zu trinken. Er hatte Durst, sogar sehr. Er nahm sich Zeit zum Essen, hoffte, dass sie auch wollten, dass er ass, wenn sie ihm schon so viel gaben, … sie liessen ihn.
Doch sie packten ihn, sobald er das letzte bisschen Wasser getrunken hatte und brachten ihn schnurstracks zurück zum Pfahl. Erst dann fing Zuko an zu kämpfen. Er wurde schnell überwältigt, die Handgelenke zurück in die Schellen gedrückt und die Kette zwischen seinen Füssen wieder mit dem Stein verbunden. Sie gingen ohne ein weiteres Wort.
Die Zeit zog sich, die Sonne brannte auf seinen Rücken und seine Arme. Er konnte spüren wie seine Haut heiss wurde, wobei sein Feuerbändigen die Haut frei von Verbrennungen hielt. Leute wurden mutiger je länger er da stand, doch es war noch immer zum grössten Teil beschränkt auf Beleidigungen und Spötteln.
Er antwortete nicht, er konnte die meiste Zeit nicht mal sehen, wer sprach und er wusste besser, als ein Mob zu provozieren. Er hoffte auf den Abend, er fürchtete die Nacht.
Als die Händler endlich anfingen den Platz zu räumen, war Zuko’s Mund schon stundenlang trocken und seine Blase drückte schmerzhaft. Sie hatten ihn mit etwas mehr Wasser versorgt am Mittag, aber sie hatten ihn nicht heruntergelassen und er war nun am Punkt wo er bereute, so viel getrunken zu haben. Er hatte Angst, dass er es nicht halten können würde und er wusste natürlich auch nicht wann sie ihn das nächste Mal runterlassen würden. Das Warten war nervenaufreibend.
Er schaffte es tatsächlich, es zu halten bis sie kamen, jedoch nur mit Mühe und Not. Der Marktplatz war fast leer und Zuko war froh darüber als er zum Abwasserkanal stolperte. Es begleiteten ihn andere Wachen, doch sie behandelten ihn ähnlich. Der Eine war gröber als der Andere. Er bekam wieder zu essen und zu trinken, aber als er fertig war zwangen sie ihn nicht wieder aufzustehen, stattdessen zogen sie die Kette seiner Fussfesseln zum Steinpfahl und befestigten nur diese wieder dort.
Zuko, der sich schon vorbereitet hatte wieder zu kämpfen, obwohl er eindeutig erschöpft war, sackte bloss vor Erleichterung in sich zusammen als sie gingen. Trotz seiner Zweifel schlafen zu können und seiner Entschlossenheit zu sehen, ob er sich von den Ketten befreien und fliehen konnte, holte der Schlaf ihn schnell ein, nun da er endlich liegen konnte…
0ZUKO0
Es passierte wieder in dieser Nacht. Und dabei hatte er noch keine Ahnung, wie viel schlimmer es werden würde. Wie zerrüttet er am Ende sein würde.
Ein Kick in die Seite weckte ihn und er schaute desorientiert herum. Der Himmel hatte gedunkelt und Zuko sass schnell auf, als er ein Mann vor sich sah und versuchte zu sehen, ob noch jemand anderes da war. Es konnte noch nicht so spät sein, die Kneipe gegenüber dem Marktplatz war noch immer hell erleuchtet, aber in dem Moment waren sie alleine. Diese Erkenntnis durchbohrte Zuko’s wirres Bewusstsein und weckte ihn restlos auf.
Der Mann kauerte vor ihm hin. “Na? Bào sagte er hatte ne gute Zeit gestern, lasst uns sehen wie gut du für mich bist. Ach, und ich sehe, du hast sogar deine Hände frei heut Nacht. Komm schon.”
“Nein.” sagte Zuko leise und lehnte sich zurück, um mehr Raum zu haben, doch als er mit seinem Rücken den Pfahl berührte, zuckte er vor Schmerz zusammen. Er hatte seine Wunden dort vergessen, da sein Körper ziemlich überall schmerzte. Die Kette rasselte zwischen seinen Füssen, als er versuchte anders hin zu sitzen und scheiterte.
“Nein? Hast du tatsächlich das Gefühl, dass du in der Lage bist, nein zu sagen? Ich kann es für dich angenehm machen, weisst du, oder auch extra schmerzhaft.” Er lehnte sich zu Zuko hin und grinste während er sprach. Zuko konnte ihn im Dunkeln nicht klar sehen, aber er konnte es in seiner Stimme hören.
“Nein, bleib mir vom Leib!” Zuko schob sich zur Seite des Pfostens in einem Versuch mehr Distanz zwischen ihnen zu schaffen. Der Mann packte ihn an der Schulter. “Ich werde dich abfackeln!” warnte Zuko, die Panik langsam in seiner Stimme hörbar.
“Na, Na. Bào erwähnte nicht, dass du zänkisch bist. Jetzt steh auf, ich hab keine Geduld für dein Getue.”
Zuko, der sich mit seinen Armen in eine sitzende Position gebracht hatte, griff schnell nach etwas Dreck und Staub und schmiss es in Richtung der Augen des Mannes, dann stand er sofort auf, um eine bessere Haltung zum Feuerbändigen zu haben.
Der Mann rieb sich die Augen, das Grinsen wurde ersetzt durch ein unmutiger, finsterer Blick.
“Na na. Da hat ja einer Mumm.”
Zuko zögerte, und das war sein Verderben. Der Mann war schon zu nahe gestanden und als er dann noch einen weiteren Schritt zu ihm hin machte und Zuko sich drehte, um einen Schlag zu erzielen, schlüpfte der Andere unter seinen Bewegungen durch, packte seinen Arm und erstickte seinen Versuch erfolgreich im Keim. Zuko wurde gegen den Pfahl gestossen und dagegen gedrückt. Er konnte spüren, wie sich sein Brustkorb rapide hob und senkte. Sein Versuch den Mann zu kicken fiel den Ketten zum Opfer und sein Rücken schrie vor Schmerz als die Wunden gegen den Stein gedrückt wurden.
Der Mann packte seinen Hals und sprach in sein Ohr. “Du hast keine Chance. Gib auf!”
“Nein!” krächzte Zuko und bereitete sich vor Feuer zu atmen, auch wenn die Position seines Nackens überhaupt nicht ideal war um die Technik anzuwenden. Er liess einen Atemstoss raus, sobald der Mann von seinem Nacken abliess, sodass dieser einen überraschten Schrei ausstiess und zurücksprang. Die Flammen hatten ihm nichts gemacht, der Atem zu schwach dafür, er hatte kaum Russ hinterlassen, doch die Augen des Mannes verwandelten sich trotzdem zu Schlitzen.
“Ich werde, was du grad gemacht hast, ignorieren und sanft sein, wenn du dich jetzt ganz leise umdrehst und aufhörst gegen mich anzukämpfen. Tust du das nicht, wird’s sehr schmerzhaft.”
Zuko drehte sich nicht um, er versuchte nochmals Feuer zu atmen. Die Flammen erleuchteten ihre Umgebung, ermöglichten Zuko schliesslich die Gesichtszüge des Mannes zu sehen. Der Mann wich zur Seite aus und machte eine tauchende Bewegung zu ihm hin, um eine Hand gegen sein Kinn zu stossen, dann packte er Zuko’s Nase und hielt sie zu, um den Feueratem zu unterbrechen.
Zuko konnte nicht verhindern umgedreht zu werden, er konnte nicht atmen. Er wurde gegen den Körper des Mannes gehalten, fing an die Hände, die ihn hielten, mit seinen Nägeln zu attackieren und wurde abrupt losgelassen und gegen den Pfahl geworfen. Der Aufprall stiess die Luft aus seinen Lungen.
Der Mann hatte recht gehabt, es wurde schmerzhaft. Im Gegensatz zum letzten Mal bekam Zuko die Wut, die die Bewegung begleitete und nährte, richtig zu spüren. Bào, so hatte der Andere ihn genannt: Ihn hatte nicht die Wut getrieben, er war direkter gewesen und hatte einfach genommen, was er begehrt hatte. Dieser Mann hier; er hatte ihn gewarnt, er war wütend geworden, als Zuko sich nicht einfach ergab, wie er es gewollt hatte. Nun liess er seine Wut an ihm aus und nahm trotzdem wofür er gekommen war. Und wie er es anging, war grausam.
Als er fertig war, liess er Zuko einfach los, worauf dessen Beine einfach unter ihm wegknickten. Zuko rollte sich zusammen in einem Versuch sich selbst zu beruhigen, um den Schmerz, den Mann, die Welt, auszublenden… doch ein Kick in seinen Rücken erinnerte ihn daran, dass der Mann noch nicht gegangen war.
“Lass dir das eine Lehre sein, dich bei mir nicht nochmals zu weigern.”
Auch als der Mann endlich weg war, bewegte Zuko sich noch lange nicht. Er wusste, dass er dieses Mal mit Sicherheit blutete. Er hatte an mehreren Orten Schürf- und Kratzwunden, und der Handgriff, den ihn hochgehalten hatte, würde ziemlich sicher blau werden. In seiner Bestandsaufnahme drehte er seine Aufmerksamkeit irgendwann dann zu seiner Verfassung und dem Fakt, dass er praktisch nackt war. Dieser Mann hatte sich die Mühe nicht gemacht, ihn wieder anzuziehen.
Zuko presste die Lippen zusammen und bewegte sich schliesslich, seine Hände waren jetzt frei, er konnte sich selbst darum kümmern, nicht dass die zusätzliche Freiheit ihm geholfen hatte sich zu schützen und den Mann fernzuhalten. Zuko rollte sich wieder zusammen. Scham machte sich in ihm breit. Er hatte weder die Energie, noch den Willen um sich nochmals zu bewegen und es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, bis er endlich in einen oberflächlichen Schlaf abtrieb. Aufblitzende Erinnerungen und aufwühlende Emotionen störten seine Versuche sich selbst zu beruhigen, trotzdem siegte irgendwann die körperliche Erschöpfung. Er bewegte sich nicht, bis zwei Wachen ihn am nächsten Morgen zu seiner neuen Morgen-Routine zwangen, nämlich dem Trip zum Kanalisationsschacht.
Er kriegte Brot und Wasser, ass langsam, nicht hungrig, obwohl sein Magen knurrte. Als er beinahe fertig war, packten sie plötzlich seine Arme, wiesen ihn an schnell auszutrinken, dann rissen sie ihm die Schale aus den Händen und zogen ihn hoch. Es schien, als wollten sie es nicht riskieren, dass er mit einem mehr-oder-weniger erholten Körper kämpfte, auch wenn seine Beine immer noch gefesselt waren.
Zu bald befand er sich wieder am Schandpfahl, Handgelenke eingeschlossen in Handschellen und nicht bereit für den Tag.
