Chapter Text
0ZUKO0
Es war seltsam, wie Schmerzen und Langweile ohne Unterlass, zu einer Entdeckung wie dieser führten. Es war seltsam, wie solch ein Verlangen nach Ablenkung nötig gewesen war, um seine Sinne für mehr als das Offensichtliche empfänglich zu machen.
Entblössend fühlte es sich an, unheimlich unwichtig fühlte er sich darin. Dies war nicht das erste Mal, dass er dies erlebte, doch bis jetzt hatte er es einfach abgeschrieben als sein Verstand, der ihm einen Streich spielte. Irgendwie war es mittlerweile erschreckend einfach, in diese Art von Wahrnehmung zu schlüpfen. Er fragte sich, warum er deren Wichtigkeit nicht früher entdeckt hatte. Wiederum hatte er ja nicht daran geglaubt, dass dies real war.
Doch nun konnte er es nicht länger verleugnen. Er wusste, was da war; er konnte sie hören, die Leute im Markt, er konnte sie sehen, die Sonnenstrahlen; die farbigen Kleider an den Marktständen. Seine Augen waren noch immer geschlossen, doch jetzt war er sich dessen schmerzlich bewusst. Er konnte sie spüren! Verschiedene Quellen, verschiedene Empfindungen. Das Sonnenlicht wärmte alles auf, das es berührte. Es wirkte auch als Schleier, liess manche Formen und ihre Bewegungen im Gesamten versinken, während es andere hervorhob, diese sozusagen ins Bühnenlicht stellte. Und in der schmerzlichen Abwesenheit dieser Präsenz, in den schattigen Winkeln unter den Tischen, bewegten sich schwach erkennbare Kleckse in Paaren.
Es war anders als Geräusche, anders als Augenlicht, doch er hatte keine Energie, um herauszufinden, wie genau es anders war, und schon gar nicht, wie es funktionierte. Die Erfahrungen halfen bloss anzuerkennen, dass es existierte, da war. Und dass Feuer überall war, zumindest bei Tageslicht.
Ein Klecks zeichnete sich langsam aus dem grossen sonnenverschleierten Ganzen, er kam näher, hinter ihm. Als dieser in seine Nähe trat, hörte Zuko eine Bewegung und spürte, wie etwas gegen seinen Rücken prallte. Fokus unterbrochen, schnappte seine Aufmerksamkeit harsch zurück in ihn und auf den frischen Schmerz in seinem Rücken. Er hörte Schritte, die sich von ihm entfernten, der Schatten des Mannes kroch über den Boden, als er sich von ihm entfernte.
00LI00
Wie sich herausstellte waren es nicht nur Ziang und Min Wei, die interessiert waren, sich bei ihm über seine Gefühle gegenüber dem Gefangenen zu erkunden.
Das Grillen-Krabben-Turnier hatte die Kneipe mit regen Treiben gefüllt. Chian war quirlig vor Aufregung, die kleine Box mit seiner Grillen-Krabbe war auf dem Tisch.
“Er ist so weit, glaubt mir, er ist es!” flüsterte er wiederholt.
Lì war froh, dass der Gefangene heute einmal nicht das Hauptthema war. Er hatte nicht wirklich Lust, darüber zu reden, was heute mit der Sauce und so weiter passiert war, und noch weniger darauf, seinen Hass auf den Feuerbändiger rechtfertigen zu müssen. Stattdessen schaute er zu, wie die Grillen-Krabben gewogen und in verschiedene Kategorien eingeteilt wurden. Dann wurden sie provoziert, bevor sie von den Weibchen, die man am Tag zuvor in ihre Boxen getan hatte, trennte, man sagte, das rege sie an.
Es war eine Sensation die Grillen-Krabben im Kampfring aufeinander losgehen zu sehen. Lì schaute den ersten fünf Kämpfen wie verzaubert zu, doch irgendwann hatte er genug davon, über die Schultern anderer einen Blick erhaschen zu versuchen. Er lehnte sich zurück an seinem Tisch, nachdem er ein weiteres Bier bestellt hatte. Schliesslich entschied er sich aber dann, dieses selbst holen zu gehen, um sich die Warterei zu ersparen, bis die überbeschäftigte Servierdüse wieder bei seinem Tisch vorbeikam. Er lief gerade zurück, mit seinem Drink in seiner Hand, als der Bürgermeister ihn sah.
“Hallo Lì! Hab schon 'ne Weile nicht mehr mit dir gesprochen! Wie gehts dir so?” sagte er fröhlich, während er Lì auf den Rücken klopfte, wohl auch auf dem Weg ein Drink an der Theke zu holen.
Lì antwortete dem Bürgermeister höflich, schnell in die Plauderei verwickelt.
“Auf wessen Grillen-Krabbe tippst du?” fragte der Bürgermeister.
“Natürlich auf Chian’s.”
“Ja, seine Grillen-Krabbe zeigt Potenzial. In welcher Gewichtsklasse ist die schon wieder?”
Lì antwortete und diskutierte dann die Kämpfe, welche beide zugeschaut hatten und mögliche Schwierigkeiten, mit denen Chian’s konfrontiert sein würde. Lì sah den Themenwechsel nicht kommen, wobei die langgezogene Pause nach der letzten Frage des Bürgermeisters wohl auf einen hingewiesen hatte.
“Du warst da, als Lao dem Gefangenen eine Lektion erteilt hat, aber du hast nur zugeschaut. Du hast den Gefangenen viel beobachtet, seit er hier ist, nicht?… Willst du nicht mal etwas tun?”
“Nein!” Das war zu schnell gekommen, wirkte zu abblockend, also hing Lì schnell ein “Nicht wirklich” ran.
“Ach komm schon, du willst doch, warum tust du es nicht?”
“Es… Warum soll ich, wenn alle anderen ihm doch auch schon weh tun? Und sowieso, es wäre nicht dasselbe wie ein richtiges Brandmal. Würde es nie sein, es hat keinen Zweck ihm eine Lektion zu erteilen, wenn richtiges Feuer ihm nichts macht!” sprudelte es nun aus Lì.
“Warum versuchst du es nicht? Wer hat den gesagt, dass Feuerbändiger keine Verbrennungen kriegen können? Er wird schwächer, und es hilft vielleicht mit deiner Angst!”
“Er speit noch immer Feuer!”
“Das wird er kaum noch viel länger aufrechterhalten können, wirklich, wenn du dem Feuerbändiger eine Lektion erteilen möchtest, ist dies deine Chance. Ich weiss, du bist noch nicht zufrieden damit, wie sich die Situation entwickelt hat. Und ich bin mir sicher, dass deine Freunde dich unterstützen würden!... Denk einfach mal drüber nach. Du hast meine Erlaubnis. Es wäre gut, wenn die Leute dich, spezifisch, zurückschlagen sehen würden!”
“Uh....” Als Lì nicht antwortete, verunsichert durch den Vorschlag, hob der Bürgermeister eine Hand auf seine Schulter.
“Denk einfach mal drüber nach! Mach’s gut, Lì, und einen schönen Abend!” sagte der Bürgermeister, die Worte halten in Lì’s Ohren wieder.
Lì murmelte ein “Dir auch!”, bevor er zurückkehrte zum Tisch, wo die anderen ihm schon aufgeregt zuwinken. Chian’s Grillen-Krabbe hatte gerade einen Kampf gewonnen. Nachdem die Aufregung der Gruppe wieder auf normale Level zurückgefallen war, fing Lì an, den Alkohol langsam etwas zu spüren. Das trug möglicherweise dazu bei, dass diese Dinge ihm so einfach von der Zunge gingen, als Ziang über sein kleines Gespräch mit dem Bürgermeister fragte.
“So, was wollte er?”
“Uh, ähm, er fragte mich, warum ich dem Gefangenen noch nicht weh getan habe.”
“Was hast’e ihm gesagt?”
“Dass ich das nicht will, doch er hat mir nicht geglaubt.” erzählte Lì und schaute Ziang etwas traurig an.
“Was hat er dann g’sagt?”
“Uh, dass es gut wäre, wenn Leute mich zurückschlagen sehen und dass ich seine Erlaubnis habe, ihm Verbrennungen zuzufügen. Irgendwas, dass mir das mit meiner Angst helfen soll.”
Ziang hatte einen nachdenklichen Blick drauf und fragte nicht weiter.
Der Abend endete darin, dass Chian’s Grillen-Krabbe dritten Platz in seiner Gewichtskategorie gemacht hatte, sowie in einem Knoten in Lì’s Innerem, der wuchs und sich ausbreitete. Als er nachhause lief, unterliess er den Blick nach dem Zentrum des Marktplatzes und als er zuhause im Bett lag, entschied er, dass dies eine gute Entscheidung gewesen war; seine Gedanken gerieten zunehmend aus dem Ruder und er war zu müde dafür. Jedoch konnte er doch nicht einschlafen. Das Samenkorn, in fruchtbarer Erde gepflanzt, fing bereits an zu keimen.
0ZUKO0
Zuko’s Haut kribbelte immer noch von der Sauce, als die Wachen für die abendliche Routine kamen. Es war wirklich wichtig, die Sauce von seiner Haut loszuwerden. Vielleicht hatte er ja Glück und eine der netteren Wachen hatte heute Dienst. Es musste jedoch warten, denn er wusste, die Routine diktierte erst einen Trip zum Kanalschacht, dann rund um den Marktplatz, um Müll zu sammeln und so weiter, und erst dann, wurde es vielleicht möglich, eine Schale Wasser zu trinken zu bekommen.
Es war auch gut, dass der Trip zum stillen Örtchen zuerst kam, denn Zuko’s stolpern hielt ihm so ausser Gleichgewicht, dass er zweimal hinfiel, denn seine Beine waren noch immer eingeschlafen. Es gab auch einige nahezu Momente, und eine Wache, die das ganze skeptisch beobachtete. Er bekam keine Hilfe darin, wieder aufzustehen. Er hatte auch keine erwartet, doch er fragte sich losgelöst, was sie tun würden, wenn er keine Kraft mehr hatte aufzustehen… Ihn wohl durch den Dreck schleifen, mit so wenig Körperkontakt wie möglich.
Es war etwas einfacher auf dem Weg zurück und auch wenn er die Erschöpfung in seinen Knochen spürte, brachte er es fertig, seine Müll-Aufgabe zu vollziehen ohne zu fallen oder etwas auszuleeren. Er wagte es jedoch nicht über eine Flucht nachzudenken, denn er fühlte sich weniger fähig es zu versuchen als je zuvor.
Zurück beim Steinbogen, Beine schon wieder mit dem Stein verkettet, wagte er es schliesslich zu fragen. Ihm war gerade ein Stück halbhartes Brot zugeworfen worden und er wartete, dass die zweite Wache Wasser aus dem Brunnen zog. Es war klar, dass sie, wie letztes Mal, vor hatten, ihn einfach mit der Schüssel Wasser zurückzulassen, die kaum genug beinhaltete, um seinen Durst zu stillen.
“Ähm, wäre es möglich, noch mehr Wasser zu bekommen?”
Die nettere Wache zuckte mit der Schulter und schaute ihn dann an. “Na, trinkst du aus oder was?”
Zuko befolgte sofort die Worte, hielt dann die Schale hin, damit sie wieder gefüllt wurde und hoffte, dass es kein Trick gewesen war. Doch die Wache nahm die Schüssel bloss und füllte sie erneut, während der Andere ungeduldig mit seinem Fuss wippte. Zuko murmelte ein Dank, sobald er die Schale wieder in seinen Händen hielt, setzte sie dann vorsichtig neben sich auf den Boden. Er tunkte das Brot und fing langsam an zu kauen, während er den Rücken der beiden Wachen nach schaute.
Sobald er alleine war, riss er ein loses Stück Stoff von den Fetzen seiner Hose und tauchte auch das ins Wasser. Er musste die Sauce wegwaschen, oder sie zumindest verdünnen, falls er das nicht konnte, und er wusste genau wie wenig Wasser er dafür zur Verfügung hatte. Es war ein mühsamer, schmerzhafter Prozess und seine Haut war ja schon gereizt bevor er begann. Die Wunden, die seinen Körper übersäten, schrien auch danach, in Ruhe gelassen zu werden.
Er wusste nicht, ob es vernünftig oder sicher war, den Rest des Wassers zu brauchen, um seine Handgelenke zu waschen, doch er tat es trotzdem. Er wusste, dass sie bereits entzündet waren und er hatte keinen Weg, um dem ein Ende zu setzen.
Die frühe Nacht brachte einen weiteren Besuch von Bào, der ihn dafür verantwortlich machte, dass er gestern nicht konnte. Es war nicht angenehm gewesen und Zuko war froh, dass er einen Fluchtweg für seinen Geist gefunden hatte. Am Ende hatte Bào mehr oder weniger zufrieden gewirkt, wobei Zuko nicht wirklich wusste, wie er das bemerkt hatte. Irgendwie war die Erkenntnis einfach da gewesen. Der ganze Vorfall war immerhin schneller vorüber, nun da er nicht mehr mit jeder Faser dagegen ankämpfte. Er war sich nicht sicher, ob er wirklich in seinen Körper zurückgekehrt war, als er in Schlaf abdriftete.
0ZUKO0
Der neu gefundene Fluchtweg, welcher seinen Körper schlaff und kooperativ für diese traumatischen Momente machten, befriedigte nicht jeden.
Er wurde grob wachgerüttelt, die Laterne der Kneipe flackerten schwach, die Fenster endlich dunkel, nicht wie noch einige Stunden zuvor. Der Mann in Wachuniform hatte sich vor ihn hingehockt und grinste aufgeregt.
Mit unerwarteter Schnelligkeit schoss Zuko in eine sitzende Position, verzog dann sein Gesicht in eine Grimasse als seine Sicht mit dem ruckartigen Positionswechsel verschwamm. Da war wohl ein tiefer Blutdruck daran schuld. Er stöhnte. Wirklich, er hätte damit rechnen sollen; seit er gefangen genommen worden war, hatte er nicht mehr richtig gegessen. Sein Körper zeigte ihm dies nun nicht mehr nur mit dem konstant nagenden Gefühl im Magen. Und dann war da eine werdende Erkältung, die seinen Körper durchschüttelte, kaum sah er wieder ein bisschen klarer aus den Augen.
“Lass mich in Ruhe” krächzte er als sein Körper sich endlich wieder beruhigt hatte. Der Klang seiner Stimme war verzehrt und es fehlte ihr an Kraft. Er klang erbärmlich.
“Wo wäre denn darin der Spass?” antwortete der Mann, Gesicht im Schatten. Er packte nach Zuko’s Schulter, was Zuko sofort erstarren liess. Der Mann stiess ihn gegen den Steinbogen, hielt ihn dagegen und fing an gegen seine Schulter zu drücken, als Zuko sich noch immer nicht bewegte. Der Mann hob der Mann seine andere Hand an Zuko’s Brustkorb und zog die Nägel nach unten, genug um zu schmerzen, doch nicht genug um die Haut zu durchbrechen.
Zuko’s Atem wurde schneller, doch seine Augen wurden glasig, er zog sich innerlich zurück.
Der Mann bemerkte es und hob die Hand an Zuko’s Nacken, griff danach und drückte zu. Der Atem des Gefangenen stockte, kam nun stossweise, doch die Augen blieben gläsern. Die Wache stiess Zuko zu Boden.
“Verdammt, was ist los mit dir?” Er hob die Hand, um Zuko aus dem ärgerlichen Zustand, herauszuschnappen, sass dann zurück, Augenbrauen zusammengezogen. Der Junge drehte sich zur Seite, Atem laut. Der Mann packte Zuko’s Unterarm und zog ihn zurück in eine sitzende Position vor ihm. Die Augen waren etwas klarer.
“Wo ist dein Kampfgeist heute?”, fragte er, während er den Jungen grob schüttelte. Der Kopf des Prinzen rollte von Seite zur Seite, er schaute nicht hoch. Der Mann liess los, bloss um Zuko wieder zu Boden zu stossen. Dieser fiel und stöhnte schwach, als er aufprallte. Bewegen tat er sich danach immer noch nicht.
“Komm schon, lässt du mich dies alles einfach so mit dir machen?” stichelte er, er hob seine Faust und trieb sie in Zuko’s Bauch, langsamer als normalerweise. Die Reaktionen des Anderen waren so lethargisch, er wollte ihm eine Chance geben sich zu wehren.
“Was wäre, wenn ich dies einfach tue, bis du bewusstlos wirst?” Der Mann packte ihn wieder, zog ihn diesmal auf seine Füsse. Dem nächsten Schlag wich er aus, endlich. Der Junge schien zu Sinnen zu kommen.
Es war nicht dasselbe. Der Gefangene schützte seinen Körper vor möglicherweise gefährlichen Schlägen, doch er versuchte nicht mal zurückzuschlagen. Enttäuschend.
Als der Mann endlich tat, wofür er gekommen war, war der Gefangene bloss eine Hülle. Er reagierte mechanisch, befolgte kaum eine verbale Anweisung. Erst das Gefühl erstickt zu werden, triggerte schlussendlich den Kampf, auf den er gewartet hatte. Am Ende realisierte er, dass es ihm nicht mehr den Kick gab, den er gesucht hatte.
Dies war die Reaktion eines Körpers gewesen, der versuchte zu überleben, nicht ein Spiel, um zu bestimmen, wer der Stärkere war. Der Mann machte alles, weil er es konnte, nicht weil es ihn befriedigte. Es befriedigte ihn gar nicht.
Schliesslich stiess er sich abrupt weg und liess den Gefangenen hustend und nach Luft ringend zurück. Wut rauschte durch den Mann: Das war inakzeptabel. Er packte den Gliederklumpen, in den Zuko sich zusammengerollt hatte, an den Schultern.
“Wer hat deinen Kampfgeist kaputt gemacht?” knurrte er, wieder an den Schultern rüttelnd. “Wie? Du bist doch stärker als das?!” Der Gefangene blieb in seiner aufgerollten Position, hielt seine Hände nahe vor seinem Gesicht und schien kein Wort zu hören.
“Urrgh!” Der Mann liess ihn los, sah zu, wie der Gefangene erneut zur Seite fiel. “Ich hatte gedacht, dass du länger aushalten würdest. Du warst auf gutem Weg,” sagte er schlussendlich, während er Zuko’s nicht vernarbte Wange streichelte, fast schon sanft.
Der Junge bewegte sich nicht, reagierte nicht, ganz fokussiert darauf, Luft in seine Lungen zu bekommen.
“Solch eine Enttäuschung!” der Mann rümpfte die Nase, als er aufstand um zu gehen.
0ZUKO0
Er lag einfach nur da, auch noch lange, nachdem der Mann gegangen war. Seine Sinne kamen bloss langsam zurück zu ihm. Sein Hals schmerzte und er konnte neue Prellungen sowie getrocknete Tränenspuren auf seinem Gesicht spüren. Ihm war schlecht und als er versuchte wieder einzuschlafen, kehrte, was er erst nicht fähig gewesen war zu verstehen, Wort für Wort zurück.
Eine Enttäuschung , er war immer eine Enttäuschung gewesen. Er dachte über die Ironie nach, dass er sogar in dieser Situation eine Enttäuschung war und obwohl sein Körper zu erschöpft war, um dem Impuls zynisch zu lachen zu folgen, spürte er ihn ganz klar in ihm drin.
Er zerfiel irgendwie, als mehr Fetzen zurückkehren. Kaputt.
Wer? Wie?
….Ich hatte gedacht, dass du länger aushalten würdest…
Länger?
Du bist doch stärker als das?!
Wenn sie ihn strategisch auslaugten?
...Du warst auf gutem Weg.
Was? Sein Kopf schmerzte.
Solch eine Enttäuschung.
Er konnte fast schon hören, wie die Stimme seines Vaters sagte: “Keinem Sohn von mir wäre das widerfahren!”
Vielleicht war er es wirklich. Er war in diese missliche Lage geraten. Und noch schlimmer, er hatte noch keinen Ausweg gefunden und wurde langsam aber sicher zu schwach für Fluchtversuche.
Es wurde zunehmend schwieriger, sich selbst zu sagen, dass dies nicht seine Schuld war, dass er sein Bestes versucht hatte. Alles hatte von Anfang an gegen ihn gesprochen. Onkel hätte kommen sollen. Er war sicher bald da, er musste es bloss bis dahin aushalten.
Er wusste nicht wirklich wie. Sie hatten ihn zu Boden geworfen, geschlagen, hatten ihn gezwungen sich zu beugen. Ihn erneut zu Boden geworfen. War er zerbrochen? War er zersplittert?
Der Mann hatte ihm vorgeworfen, kaputt zu sein. Gewisser Weise bestätigte das sein Gefühl. Vielleicht war er es.
Doch er hatte sich auch schon so gefühlt; als er erst frisch verbannt war, Brandmal noch frisch. Und erneut, als sie von Azula geflohen waren und er seinen Phönix-Schweif abgeschnitten hatte. Er hatte Fragmente seines früheren Selbst, seiner ehemaligen Identität, auflesen müssen und sie wieder zusammengesetzt. Das Fehlen von Teilen seiner Selbst spürte er noch immer, suchte noch immer nach Wegen sie zu füllen. Und manche Dinge passten einfach nicht mehr so wie sie gewesen waren, egal wie sehr er sie auch drehte und wendete. Ignoriert hatte er sie stattdessen, weggeschoben..
Es war schwer gewesen. Es war noch immer schwer.
Er hatte immer festgehalten. Er hatte weitergemacht, sich zusammengerissen. Wahrscheinlich wusste er einfach keine andere Möglichkeit, als sich nach vorne durchzuschlagen. Und vielleicht war das eine gute Sache. Das war er.
Er fühlte sich nicht gut. Nein, er fühlte sich scheisse. Er fühlte sich nicht wie den Prinzen, den er sein sollte. Doch wann hatte er je schon so gefühlt? Er hatte immer um seinen Platz gekämpft, war gegen Azula angetreten. Zerbrochen? Wann hatte ihn das je gestoppt?
Seine Entschlossenheit war alles, was er hatte. Alles, was er war. Das hatte er nicht verloren, noch nicht. Nicht gänzlich. Er fühlte sich heruntergekommen, trotzdem hatte er mit Biyu’s Not mit gefühlt. Er durfte nicht vergessen, wer er war. Onkel würde kommen.
“... und wenn du dann endlich stirbst, werden wir deine Leiche zum Kapitol der Feuernation schicken. Denn, auch wenn du verbannt und als Verräter deklariert wurdest, du wirst immer ihr Prinz sein. ” , die Worte des Bürgermeisters kamen zurück zu ihm.
Nicht hier! Er durfte hier nicht sterben. Er konnte nicht.
Er wusste es, er weigerte sich bloss, der Wahrheit ins Gesicht zu blicken.
ironischerweise aber, brachten ihm die Worte des Bürgermeisters Hoffnung, statt ihm Angst einzujagen. Zuko war Prinz. Er hatte Leute, Leute die jemanden brauchten, der für sie da war.
Wen versuchte er zu verarschen? Wie konnte er überhaupt jemals vor seinen Leuten stehen, nach all dem was passiert war? Verbannt, zum Verräter ernannt, zum Flüchtling geworden, nun Kriegsgefangener. Ausgehungert, geschlagen, zu schwach, um sich über längere Zeit aufrecht zu halten. Schwach.
Doch wer sonst würde es tun?
Ozai war gewillt, ganze Divisionen frischer Rekruten als Ablenkungsmanöver in eine Schlacht zu schicken und hatte seinen eigenen Sohn gebrandmarkt und verbannt.
Und Azula? Azula log immer. Sie wickelte Leute um ihren kleinen Finger. Wenn das nicht funktionierte, verängstigte sie sie, bedrohte sie, dann nutzte sie sie aus. Er wollte nicht, dass dies seinem Volk passierte.
Wer sonst? Onkel? Onkel, der nicht für sein Geburtsrecht gekämpft hatte, als er realisiert hatte, dass Ozai den Thron an sich gerissen hatte? Der mit ihm gereist war, als er verbannt wurde und mit ihm am Nordpol zum Verräter ernannt worden war? Er verstand die Taten seines Onkels nicht, doch er hatte froh, dass er ihn auf seiner Suche begleitet hatte. So hatte er sich etwas weniger einsam gefühlt. Onkel war gut zu ihm.
Onkel kam sicher bald.
Er hatte seinen Gedankengang wieder verloren.
Richtig. Onkel. Würde es nicht aushalten, noch einen Sohn zu verlieren, er hätte es im besser vor Zhao’s Invasion gesagt. Und er hatte ihn in den Verpflichtungen, mit denen ein Krohnprinz konfrontiert werden würde geschult, weil…
Er musste am Leben bleiben.
Es war möglich, dass er sich beugte, dass er brach, doch er würde es aushalten, und er würde einen Weg finden, sich selbst wieder aufzubauen. Er musste. Wenn nicht für sich selber, dann für sein Volk, seine Leute…. für Onkel.
00LI00
Wenn ein Samenkorn auf fruchtbaren Boden fällt und feucht gehalten wird, spriesst es, bildet Wurzeln und wächst. In dieser Art fütterte Ziang Lì Gedanken der Rache, denn er teilte die Meinung des Bürgermeisters.
Lì wollte nicht über den Gefangenen nachdenken, er hatte wieder Alpträume diese Nacht gehabt. Das verräterische Geräusch der Flammen eines Feuerbändigers erinnerte ihn daran, dass da ganz nahe ein Feuerbändiger war. Ein gefährlicher. Er hatte schon mehrere Male versucht, zu entkommen. Lì war Zeuge geworden, wie er Feuer dazu nutzte. Der Gefangene war wie ein in eine Ecke gedrängtes Tier gewesen, er würde sich wehren, wenn er die Chance dazu bekam. Er würde vermutlich sogar töten, wenn sich Gelegenheit dazu ergab. Und auf einmal wollte Lì nichts mehr mit ihm zu tun haben. Er wollte nicht mal nahe genug herangehen, um zu sehen, wie er bestraft wurde.
Lì wollte so weit weg bleiben, wie er nur konnte.
Ziang schleifte ihn trotzdem zum Zentrum, stellte sicher, dass er schön abgelenkt war auf dem Weg adahin. Und dann waren sie da und der Feuerbändiger stand nicht. Er schaute nicht mal zu ihnen herauf und Lì konnte Prellungen sehen auf dem bisschen Gesicht dass er sehen konnte von hier. Die Haut die sich über den Schädel spannte war ein Chaos an Farben, ein Regenbogen der Entstellung. Die Rötung des Ausschlags vom Tag zuvor war jedoch verblasst.
Auch als Lì ihm sagte, dass er nicht hier sein wollte, bestand Ziang darauf, dass er blieb. Er wies darauf hin, dass Lì Angst hatte und diese Angst überwinden musste. Und die Feuernation war sowieso Unrat, der Prinz, der Sohn des Mannes der den Krieg aufrecht erhielt. Sie respektierten andere Nationen nicht, sie schlachteten sie ab, wie die Luftnomaden. Sie hatten so viel zerstört und mussten gestoppt werden. Und Lì konnte anfangen, mit des Feuerlords eigenen Sohns.
Ziang war einfach hingelaufen und hatte das Kinn des Gefangenen gepackt. Der Mann war aufgeschreckt aus seiner Benommenheit und ganz zum Schock von Ziang und Lì sog er einmal Luft ein und atmete Feuer.
Ziang stolperte schnell zurück, rannte dann wieder hin, packte den Feuerbändiger an den Haaren und zog seinen Kopf zurück. “Tu das nochmals und…”
“Und was?” krächzte der Gefangene mit Spott. “Du wirst mir weh tun?” Er lachte mit unangebrachter Belustigung. Das Lachen verwandelte sich schnell in einen Huster und liess den arroganten Prinzen nach Luft ringen. Ziang stiess ihn, bevor er ihn los liess und der Gefangene taumelte in seinen Ketten.
“Siehst du, ich hab’s dir gesagt, er braucht Züchtigung! Und du musst deine Angst in den Griff bekommen und deine Wut irgendwo herauslassen, also solltest du es tun.”
“Ich bin jetzt nicht wütend.”
“Nein, aber du warst es. Wir haben’s alle gesehen, du sehnst dich nach Rache, doch jetzt verdeckt das deine Angst. Hier kannst du sie haben, in Sicherheit, auf einem silbernen Tablett serviert, du hast einfach Angst den Schritt zu wagen. Erteile dem ach-so-mächtigen, feuer-speienden Prinzen eine Lektion darin, warum man nicht herumgehen und mit Feuer spielen soll.”
Lì schauderte es und Ziang sagte darauf nichts mehr.
0ZUKO0
Er hatte keine Energie gehabt, erneut einen Fluchtversuch zu wagen, doch er hatte sich etwas gewehrt als sie versucht hatten, seine Handgelenke zurück in die Schellen zu schliessen. Er war müde. Wie einfach wäre es, einfach wegzudösen. Die Leute störten ihn ja sowieso, wann immer sie wollten. Es brachte nichts, aufmerksam und gestresst über etwas zu sein, dass er weder verhindern, noch davor fliehen konnte. Es war nicht einfach, auf eine Art war es zu einfach.
Und als dieser Jugentliche kam und ihn erschreckte, spie Zuko Feuer. Und er konnte die zynische Anmerkung auch nicht zurückhalten. Ja, was konnte der Andere schon tun, das schlimmer war, als was er nicht schon durchlebt hatte?
Als die Jugendlichen wieder weg waren, entschlüpfte sein Geist erneut und die Erschöpfung spielte seinen Sinnen Streiche. Wenn da keine Feuerquelle auf dem Marktplatz war am helllichten Tag, warum spürte er dann fast überall welche?
00LI00
Angst, Wut. Er hatte von beidem reichlich gefühlt. Lì war auch Frustration nicht fremd. Und diese Situation frustrierte ihn. Er konnte sie nicht aus seinem Kopf verbannen. Die Worte des Bürgermeisters, Ziang’s Worte.
Ja, er hatte vor dem Feurbändiger Angst. Er gab ja selbst zu, dass es lächerlich war: Der Gefangene war gefesselt und er hatte auch bemerkt, dass der Feueratem wesentlich schwächer gewesen war diesmal. Der Feuerbändiger wurde schwächer.
Doch er hatte trotzdem von seinem Bändigen Gebrauch gemacht, bevor er die Situation überhaupt im Überblick hatte. Es machte Lì krank zu sehen, wie jemand so achtlos mit Feuer umging.
Es erinnerte ihn an diese Wut, belebte diese erneut. Frustrierte ihn, denn er wollte dem Gefangenen wirklich nicht mehr nahekommen. Es liess ihm einfach keine Ruhe.
0ZUKO0
Hände um seinen Hals, die ihn davon abhielten, schwer benötigte Luft einzuatmen. Panik. Um sich schlagen. Andere die lachten. Endlich, die Hände wurden schlaff, einatmen, dann Husten, der ihn wieder der wertvollen Luft wieder beraubte. Und dann, wenn sein Atem sich endlich genug beruhigt hatte, um die Schmerzen an seinen Handgelenken zu registrieren, fand ein weiteres Paar Hände seinen Nacken.
Sie behandelten ihn-zu-würgen wie ein neues Spiel, ganz ähnlich wie die Spiele, die Azula mit ihm gespielt hatte. Seine Lippen waren wahrscheinlich langsam blau, als sie einander herausforderten, wie lange sie es riskieren würden ihn zu würgen, ohne dass er bewusstlos wurde. Bis jetzt war er nicht in Ohnmacht gefallen, sie hatten es beinahe geschafft. Er hatte schon einige Male gespürt, wie sein Bewusstsein anfing wegzuschlüpfen, oder besser gesagt, hatte er gemerkt, wie er wieder zu Sinnen kam, nachdem er für Millisekunden weggetreten war.
Glücklicherweise fanden sie auch das nach einiger Zeit langweilig. Es war lustig, dass, kaum waren sie gegangen, ihm sein Bewusstsein endgültig entschlüpfte, unaufhaltsam, sobald sein Adrenalin-Level in den Keller fiel.
00LI00
Seine Austragungen führten ihn einige Male über das Zentrum des Marktplatzes. Er warf dem Gefangenen nun nur noch Blicke zu. Er verweilte nicht mehr. Doch er sah, dass der Gefangene die meiste Zeit kaum noch stand. Das waren gute Neuigkeiten. Denn wenn er schwächer wurde, dann hatte er auch weniger Energie, die Leute um ihn herum zu attackieren.
Er sah das Flickwerk von Wunden auf der Haut des Gefangenen, der Dreck, die Prellungen und das Blut. Und er konnte nicht anders als zu denken, dass Quetsch-Wunden niemals so sehr weh tun konnten, wie eine Verbrennung.
Ziang fügte bloss noch mehr an diese Gedanken an, erinnerte ihn daran, wie nachlässig die Feuerbändiger mit ihrem Feuer umgingen. Und Chian fügte bei, dass sie ihre eigenen Gefangenen vermutlich auch aus Spass an- und abfackelten.
Irgendwoher hatten sie gehört, dass die Feuernation mittlerweile sogar Frauen an die Front schickte. Unzivilisiert. Geradezu falsch. Frauen sollten nicht kämpfen müssen, ihre Aufgaben waren, zuhause zu bleiben, ihr Haus im Schuss zu behalten und Kinder aufzuziehen. Und wenn sie wirklich Arbeitenmussten, um genug Geld zu haben, dann gab es akzeptable Jobs, welche Frauen tun konnten. Im Krieg zu kämpfen war nicht akzeptabel für eine Frau. Doch die Feuernation platzierte sie genau schön inmitten des Krieges.
Als sie die Kneipe verliessen, lag der Gefangene still da, aufgerollt am Fuss des Steinbogens. Lì schaute nicht hin.
0ZUKO0
Als er am Nachmittag geistig zurückkehrte, war es zu einem Schlag auf seinen Rücken, einer, der eigentlich niemals so weh tun hätte sollen. Und obwohl die Person gleich danach wegging, prickelte der Schlag noch lange nach. Es bereitete Zuko Sorgen.
Die Zeit verging langsam, ohne dass er es merkte. Er war sich ziemlich sicher, dass er nicht erneut in Ohnmacht gefallen war, doch er konnte sich nicht sicher sein. Er hatte viel gedöst, war bloss aufmerksam, wenn jemand ihn dazu zwang. Seine Reaktionen wurden begleitet von unterdrückten Schreien, stechenden Schmerzen und beissenden Anmerkungen.
Sich nach seinem inneren Feuer als Quelle des Trosts auszustrecken, wurde frustrierender. Es war besorgniserregend, denn dessen Reaktion wurde auch schwächer und er hatte Angst, dass bald nicht mehr genug da sein würde, um Feuer nach draussen zu rufen, um sich zu verteidigen.
Die Wachen, die an diesem Abend kamen, waren gemeiner als sonst. Sie hatten entschieden, die Routine erneut zu durchbrechen und ihm gesagt, dass er bloss zum Kanalisationsschacht durfte, nachdem er den ganzen Müll vom Marktplatz eingesammelt hatte. Seine Blase war nicht mal das Hauptproblem gewesen. Wenn sie darauf aus waren ihn zu demütigen, er war schon vor zwei Stunden bei diesem Punkt angekommen und hatte wirklich keine Energie sich momentan deswegen nen Kopf zu machen. Nein, das wahre Problem war, dass seine Beine halb eingeschlafen waren. Sie fühlten sich wie Pudding an und weigern sich erst ne Weile, ihn und den Korb richtig zu tragen. Er stolperte immer wieder über seine Füsse, hatte keinen Sinn für sein Gleichgewicht und seine Beine waren müde. Nach einer Weile besserte es sich etwas, trotzdem war er froh, als er endlich fertig war mit laufen, und es ihm erlaubt war sich hinzusetzen. Sein Kopf tat weh, vermutlich aus verschiedenen Gründen. Seine Haut fühlte sich zu straff an und war ungewohnt berührungsempfindlich. Jede Berührung tat weh. Er wusste, diese Aussichten waren nicht gut.
Bevor er die Wasserschale an seine Lippen hob, nahm er sich einen Moment um seine Reflektion darin anzuschauen und erkannte das Gesicht, dass ihn daraus anstarrte, kaum wieder. Eingefallene Wangen und geschwollene Prellungen. Schürfungen. Die Narbe. Sie stach nicht mehr so heraus, jetzt wo sein Gesicht mit Dreck und Blut verschmiert war. Darunter war vermutlich statt blasser, gesunder Haut, ein leichter Sonnenbrand, der ihm Farbe verlieh, und noch dazu war er mit blauen Flecken übersäht.
Als er an seinen Armen heruntersah, bestätigte sich seine Vermutung. Eindeutig ein Sonnenbrand. Die kühle Nachtbrise brachte kaum Linderung.
00LI00
“Wenn du nicht gegen deine Schatten kämpfst, gehen sie niemals weg,” fand Ziang. Es war der nächste Tag und er gab einfach nicht auf. “Wir sind in jedem Fall hier um dich zu unterstützen, doch Min Wei, Chian, Lao und ich sind alle einer Meinung: Dir würde es gut tun, in irgendeiner Form zu kämpfen, Kumpel. Sogar der Bürgermeister stimmt uns zu.”
“Das macht es kein bisschen Besser!” protestierte Lì. Sie hatten sich in ihrem üblichen Treffpunkt am Rande des Marktplatzes getroffen vor der Arbeit und waren jetzt mitten in einer Diskussion.
Die frühen Morgenstunden hatte Lì zu viel Raum für Gedanken gelassen, sie hatten gegoren und der Sturm hatte sich langsam gelegt in seinem Kopf. Jetzt war er müde. Er musste diese Angst weglegen, doch das war’s ja genau, er hatte Angst. Doch vielleicht hatten sie recht. Momentan beherrschte ihn diese Angst. Und mit dieser Angst kamen auch Schuldgefühle. Schuldgefühle, dass er überhaupt mit dem Gedanken spielte, jemanden anderes durchleben zu lassen, was eine solche Verbrennung bedeutete. Doch der Gefangene war Feuernation. Ihr Prinz !
“Sie sind Feuernation, es kümmert sie auch nicht, wenn wir brennen, es ist ihnen Egal, was für Folgen ihre gedankenlosen Taten haben. Sie kümmern sich nicht mal genug um ihre Frauen, um sie zu beschützen! Wir müssen sie stoppen, bevor ihre Korruption in unseren Köpfen Fuss fast!” sagte Chian jetzt energisch.
“Sie erobern, brennen unsere Felder und Ställe zu Boden, und uns ebenso, Lì! Du hast es aus erster Hand zu spüren bekommen! Wir dürfen ihnen keine Gnade zeigen, schon gar nicht ihrem Prinzen! Nein, wir sollten ihnen zeigen, was passiert, wenn jemand Krieg führt; was mit den Leuten passiert, den Kriegsgefangenen. Was passiert, wenn sie jemanden anzünden, wie brennen sich wirklich anfühlt!” drängte Ziang.
0ZUKO0
Die Nacht hatte ihm etwas Erholung gebracht, auch wenn sie unterbrochen war mit einem weiteren nächtigen Besucher. Doch viel zu bald war er zurück auf seine Füsse gezogen worden und wieder am Steinbogen angekettet, während die Sonne langsam über den Horizont wanderte.
Sein Körper liess ihn immer mehr im Stich. Er hatte das Bewusstsein verloren, oder vielleicht war er doch einfach nur ganz eingeschlafen, doch es war jetzt schon einige Male passiert. Sein Kopfweh wurde auch stärker. Und das Metall um seine Hand- und Fussgelenke fühlte sich wärmer an als je zuvor, so sehr, dass er die Mittagssonne deswegen fürchtete. Alles wendete sich langsam gegen ihn.
00LI00
“Wenn es dir hilft, dann sprech ich mit dem Bürgermeister, um sicherzustellen, dass der Feuerbändiger dir kein Feuer anwirft. Wir können auch einen Kessel bereitstellen, um das Feuer zu löschen, weisst du? Es muss ja nicht lange sein. Zünde seine Hosen an, beschreibe, was du erlebt hast, lösche es bevor es zu viel Schaden anrichtet. Lass ihn einfach einen Moment durchleben, was es bedeutet Opfer des Feuers zu sein.”
0ZUKO0
Zuko biss auf die Zähne, um den Schmerz für sich zu behalten. Als wieder einmal etwas seinen Rücken getroffen hatte, war er erschrocken und hatte sich und seine Ketten bewegt. Nun schrie seine Haut deswegen überall. Seine Handgelenke brannten. Das Eisen war heiss genug, um leichte Verbrennungen zu verursachen. Er musste wohl wirklich die Hitze mit seinem Bändigen heruntergebracht haben, sonst wäre dies schon viel früher passiert. Was auch bedeutete, dass sein Bändigen langsam schwand. Er tastete nach seinem inneren Feuer, nahm einen Atemzug, stiess ihn wieder aus.
Bloss Funken.
Es reagierte kaum noch.
0ZUKO0
Er nahm einen tiefen Atemzug und versuchte ruhig zu bleiben. Sein Sonnenbrand war schlimmer geworden, viel schlimmer, sein Kopfweh war kaum besser dran. Leute kamen noch immer, um ihn zu tyrannisieren, wurde ihnen das nie langweilig?
Sie wurden kreativer, grausamer, gestörter, krank. Zuko liess es über sich ergehen, zog sich in sein Inneres zurück, wenn er nicht mehr damit fertig wurde. Onkel, er brauchte, Onkel, komm, Bitte .
Als es Abend wurde, war die Routine zurück beim Alten. Auf seine Bitte hin wurde ihm sogar mehr Wasser zu trinken gegeben. Doch dann, statt dem ersehnten hinlegen und sich ausruhen, wurde er wieder hochgezogen. Er gab sein Bestes, um seine Arme freizubekommen, dies ging zu weit, das konnten sie nicht… er k.. nein.
Handschellen schnappten zu, Schritte entfernten sich, Stimmen unterhielten sich ruhig als ob nichts wäre . Sobald sie ausser Sichtweite waren, schrie sich Zuko seine Frustration vom Herzen. Er realisierte bloss nach einer Weile, dass Tränen über sein Gesicht liefen und kniff wütend die Augen zu, damit sie aufhörten. Seine Beine liessen ihn kurz danach im Stich, Erschöpfung hatte ihn erfasst.
Der darauffolgende Tag fiel in dasselbe Muster, auch darin, dass alles immer schlimmer wurde. Die eine Wache, die sich am Abend um sich kümmerte, fügte verdorbene Früchte zum Menüplan und zwang ihn es zu Essen als Krönung des Tages. Als der Mann endlich ging, wäre Zuko so ziemlich bereit gewesen, sich selbst ohnmächtig zu schlagen, wenn es bloss bedeutete, dass er dem faulen Geschmack seiner Situation für eine kleine Weile entkommen konnte. Natürlich hatte er keine Möglichkeit auch nur irgendetwas zu tun, egal wie sehr er sich danach sehnte. Solange er so in seinen Fesseln hing, unfähig zu stehen, die Arme taub, ging er so schnell nirgends hin. Er hielt seine Augen geschlossen und atmete tief durch.
In diesem Moment kribbelte etwas in seinem Instinkt, ein kleines, flammendes Herz vor ihm. Er hörte Kleider rascheln.
“Geh weg!” Er wollte für einmal im Leben in Ruhe gelassen werden und schlafen.
Ein neues Gesicht, ein lästiges Ärgernis. Ein verschleierter Segen.
Jemanden, den er nicht in seinem Leben haben wollte, wie sich kurz darauf herausstellte…
“Toph, bist du hier?”
