Chapter Text
Imprisoned
Schlimmer geht's immer.
Naruto hatte in seiner ersten Nacht kein Auge zubekommen.
Es war schon Herausforderung genug mit diesen Schmerzen zurück zur Zelle zukommen, da galt es auch schon die nächste Hürde zu meistern, indem er eine geeignete Schlafposition fand. Eben eine, bei der ihm nicht alles weh tat. Irgendwann hatte er es dann aufgegeben und am Rücken liegend einfach so lange gegen die Decke gestarrt, bis sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Mittlerweile konnte er jegliche Umrisse seiner Umgebung erkennen. Konnte die Gitterstäbe erkennen, die ihm seine Situation nur umso mehr verdeutlichten - ihn förmlich zuschrien: Und das war nur der erste Tag!
Der Blonde horchte plötzlich auf, als ein Geräusch die Stille durchbrach. Nur nach wenigen Sekunden des Lauschens konnte er jene Laute auch identifizieren und plötzlich fielen ihm Kabutos Worte in den Sinn. Irgendjemand, nicht unweit seiner Zelle entfernt, weinte bitterlich.
„… ich will hier raus… gehöre nicht hierher … bitte…“
Naruto versuchte es auszublenden. Er wollte es nicht hören. Einfach, weil er genau wusste, wie diese Person sich gerade fühlen musste. Er war ja heute auch kurz davor gewesen. Eben in jenem Moment, als sämtliche Häftlinge wortlos an ihm vorbei gingen.
Naruto spannte das Kiefer an.
Als Sasuke einfach so an ihm vorbei ging. Dabei hatte er es doch gesehen oder? Alle im Hof hatten es schließlich mitbekommen. Der Uzumaki war sich zwar im Klaren, dass Sasuke ihn nicht ausstehen konnte und das beruhte schließlich auch auf Gegenseitigkeit, aber dennoch würde er den Uhchiha aufgrund dessen nie einfach so links liegen lassen. Als wären sie nichts weiter, als Fremde zueinander. Nur einer unter Vielen. Andererseits, was hätte Sasuke schon ausrichten oder an der Situation ändern können? Der Blonde schüttelte den Kopf. Nein, der Uchiha hatte mit all dem nichts zu tun. Er durfte nicht so denken und seinen Frust an anderen auslassen. Er musste stark bleiben und geradeaus schauen!
Naruto presste die Lippen zusammen und streckte seine geballte Faust in die Luft.
So einfach ließ er sich nicht unterkriegen, echt jetzt! Sonst wäre er ja nicht Uzumaki Naruto!
Naruto hatte in jener Nacht zwar nur gedöst, dennoch fast einen Herzinfarkt erlitten, als die Sirene zur Tagwache unbarmherzig aufheulte. Für all jene, die schwer von Verstand waren oder einfach nur einen festen Schlaf hatten, marschierte ein Wärter an den Zellen vorbei und schlug mit seinem Schlagstock gegen die Gitterstäbe. Machte für jeden Einzelnen noch extra Lärm.
"Tagwache! Aufstehen Mädl's, nicht trödeln!"
Missmutig zog sich der Uzumaki seine Kleidung über und schenkte dem Wärter, als er seine Zelle passierte, einen giftigen Seitenblick. Ja, jetzt war er wohl voll in seinem Element, aber-
"... wo warst du gestern, als man dich wirklich gebraucht hätte..." Murmelte er verärgert zu sich selbst, als sich auch schon die Zellentür automatisch öffnete. Binnen kürzerster Zeit sammelten sich Massen an Häftlingen in den Gängen, während lautes Stimmengewirr den Innenraum durchflutete. Naruto wagte es gar nicht erst dem Großteil der Menge zu den Waschräumen zu folgen, - nur über seine Leiche würde er noch einmal so eine Gemeinschaftsdusche über sich ergehen lassen - sondern steuerte sogleich die Mensa an. Glücklicherweise waren zu dieser Uhrzeit viel weniger Menschen auf die gleiche Idee gekommen. Doch selbst die wenigen Häftlinge hier reichten aus, um ihn Selbiges, wie gestern durchleben zu lassen. Nur mit dem Unterschied, dass sich nicht einer, nicht zwei, nein gleich drei Leute vor ihn drängelten. Fassungslos stand der Uzumaki mit knurrendem Magen da und setzte bereits an diesen Bastarden gehörig die Meinung zu sagen. Doch seine gegenwärtigen Schmerzen belehrten ihn dann doch eines Besseren. Warnten ihn regelrecht, dass er sich vorerst zurück halten und lieber so gut, wie unsichtbar sein sollte.
Nach einer schieren Ewigkeit hatte er dann endlich das Frühstück auf seinem Teller. Es hatte Ähnlichkeiten mit Eier und Speck und das genügte, um ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen zu lassen. Der Blonde steuerte den gleichen Tisch, wie gestern an. Diese Mal sogar ohne zu stolpern und noch einmal so ein Aufsehen zu erregen. Es war erst der zweite Tag, dennoch hatte sich der Uzumaki bereits an den eigenartigen Beigeschmack des Essens gewöhnt. Was der Hunger nicht alles bewirken konnte...
Kurz bevor er den letzten Bissen zum Mund führen konnte, hielt Naruto inne, während seine Augen angespannt den geschmeidigen Bewegungen Kabutos folgten. Dieser ließ sich gerade wortlos ihm gegenüber nieder, stützte den Kopf an der Hand ab und musterte belustigt das Antlitz seines Gegenübers. Naruto ließ stumm die Hand wider sinken, als Kabuto auch schon die Luft durch die Zähne sog. "Uh- das sieht übel aus." Täuschte er Mitgefühl vor und deutete auf sein Auge. Naruto konnte nur erahnen, dass er ein blaues Auge andeutete, denn seit der (Ver-)Prügelei hatte er sich selbst noch nicht im Spiegel gesehen. "Dabei hätte sich das so leicht verhindern lassen können."
Narutos Brauen kräuselten sich leicht. "Ja, indem du mich einfach in Ruhe gelassen hättest."
"Touché." Schmunzelte Kabuto. "Aber das habe ich nun mal nicht. Und jetzt, wo Orochimaru dich persönlich kennenlernen durfte, ist er ganz versessen auf dich." Er grinste breit. "Und Orochimaru bekommt immer das, was er will."
"Mir egal, was er will." Wandte der Uzumaki den Blick wieder ab und stocherte in seinem Essen herum. "Ich werde trotzdem nicht eurer blöden Gruppe beitreten."
Kabuto lachte kurz schrill auf. "Witzig, dass du denkst, du hättest eine Wahl." Wischte er sich eine nicht vorhandene Träne aus dem Unterlid. "Aber egal, ich bin nicht hier, um dich vom Gegenteil zu überzeugen, sondern weil ich dir einen Rat, nein, eine Möglichkeit bieten will. Eine Möglichkeit, die mit weniger-" Er stoppte und suchte nach dem richtigen Wort. "-Leid verbunden ist."
"Und was für eine?" Fragte der Blonde desinteressiert und Kabuto richtete sich die Brille zurecht. "Orochimaru hat dich seit gestern bewusst in Ruhe gelassen. Sein Ziel ist es nämlich, dass du zu ihm kommst. Dass du förmlich darum bettelst unter seinem Schutz zu stehen-" Der Grauhaarige hob beschwichtigend die Hand, als Naruto bereits protestieren wollte. "Schon klar, das wird natürlich nicht passieren." Kam er dem Jüngeren sarakstisch zuvor. "So magst du vielleicht jetzt noch denken, aber auch nur, weil du dir einfach deiner Lage nicht bewusst bist. Du hast keine Ahnung was dich ewartet. Bis du offiziel zu uns, zu Orochimaru gehörst, hat er dich sozusagen zu Freiwild erklärt und glaub mir-" Kam er dem Blonden etwas näher. "-es gibt kaum Jemanden, der sich nicht bereits die Finger nach dir leckt. Und gerade weil du nur für eine kurze Zeit verfügbar sein wirst, werden sich die Häftlinge regelrecht auf dich stürzen. Willst du diese Erfahrung wirklich machen?"
Auf jene Worte wurde der unberührte Ausdruck Narutos zunehmend ernster. Unruhig biss er sich auf die Unterlippe, während Kabuto amüsiert weiter sprach. "Die beste Chance hast du einfach mit Orochimaru." Erklärte er geradeheraus. "Da müsstest du dich zumindest nur bei einer Person überwinden und dich nicht gegen eine ganze Horde behaupten. Hoffst du dennoch wie ein trotziges Kind auf irgendein Wunder, wirst du im Endeffekt zwar auch bei Orochimaru landen, allerdings mit dem Unterschied, dass du freiwillig zu ihm zurück gekrochen kommst. Und dann wirst du fluchend an jenen Moment zurück denken, in welchem du noch eine Wahl gehabt hast, um dir das Kommende zu ersparen." Der Grauhaarige neigte leicht den Kopf zu Seite. "Also Naruto. Willst du nicht lieber den einfacheren Weg gehen?"
Angesprochener schluckte schwer. Unfähig etwas auf dieses Horrorszenario zu erwidern, schüttelte er erst einmal ungläubig den Kopf. Es musste doch eine Möglichkeit geben, wie er vor Orochimaru und den restlichen Häftlingen geschützt sein könnte? Die Wärter vielleicht? Wobei... Wenn er an Gestern dachte, war er sich nicht so sicher von denen auch nur irgendetwas erwarten zu dürfen. Und was wenn er sich Jemandem anvertraute? Vielleicht dem Direktor selbst? Er könnte ihm seine Situation schildern und von Orochimaru und seinen Anhängern erzählen?
"Naruto~" Summte Kabuto gelangweilt und der Junge wandte sich wieder diesem zu. Der Grauhaarige zog ungeduldig eine Braue nach oben. "Deine Antwort?"
Zum Teufel mit denen!
Der Uzumaki ballte die Hände selbstbewusst zur Faust. "Du kannst Orochimaru ausrichten, dass ich euch niemals beitreten werde. Ich brauche weder euch, noch sonst einen Schutz. Ich schaffe das alleine, echt jetzt!"
Kabutos Augen wurden groß und sein Mund stand ihm offen. Erst nach einigen, verzögerten Sekunden keimte Bewegung in ihm auf. Erst zuckte sein Mundwinkel und dann seine Schultern, ehe er das Gesicht hinter seiner Hand verbarg und lauthals lachte. Narutos Stirn kräuselte sich, als der Andere sich dabei sogar nach vorne krümmen musste. Erst nach einer schieren Ewigkeit verebbte das Gelächter allmählich und der Ältere hatte sich wieder einigermaßen im Griff. "Uzumaki Naruto, du bist wirklich der dümmste Mensch, der mir je begegnet ist."
Narutos Wut war schnell wieder gegenwärtig. Mit Beiden Hände schlug er auf den Tisch und stand zeitgleich von der Bank auf. "Was sagst du da?!" Knurrte er bedrohlich, doch Kabuto ließ sich nicht beirren. Zuckte nicht einmal mit der Wimper, als er den Blonden hämisch angrinste. "Setz dich wieder hin." Kommandierte er unbeeindruckt und Naruto machte ein abfälliges Geräusch. "Nein, ich werde mich nicht wieder hinsetzen. Ich will, dass du das zurück nimmst, sonst erlebst du noch dein blaues Wunder!"
Binnen weniger Sekunden verfinsterte sich Kabutos Ausdruck ungemein. "Langsam gehst du mir wirklich auf die Nerven." Mit dem Zeigefinger rückte er sich die Brille zurecht. "Selbst ein Vollidiot hätte seine Situation bereits verstanden. Aber anscheinend bist du wirklich von der harten, dummen Sorte, den man mit Gewalt in seine Schranken weisen muss."
Naruto presste fest die Lippen zusammen, versuchte die auf ihn hereinstürzende Rage zu zügeln, doch vergebens. Es platzte regelrecht aus ihm hervor. Schneller, als er denken konnte, holte er mit der Faust aus und steuerte dieses überhebliche Gesicht an, doch noch bevor er sein Ziel erreichen konnte, wurde er in seinem Vorhaben gestoppt.
Nein, nicht von Kabuto.
Verwirrt folgte der Uzumaki der Pranke, die sein Handgelenk in einem schmerzhaften, eisernen Griff festhielt, nur um dann den Blick eines nicht unbekannten Gesichts zu begegnen.
Der bärige Typ aus dem Bus?
Der Uzumaki wusste nicht, wie um ihn geschah, da wurde seine Hand qualvoll hinter den Rücken verrenkt und noch im selben Zug sein Nacken gepackt und er vorwärts auf die Tischplatte gerammt. Kurzzeitig wurde es schwarz um ihn herum und erst als Naruto sich wieder seiner Umgebung bewusst wurde, machten sich die Schmerzen bemerkbar. Schnell erkannte der Junge, dass er immer noch an Nacken und Arm auf den Tisch gepresste wurde. Naruto zischte auf vor Schmerzen und verzog das Gesicht, da wanderte die Hand hinauf, packte seine Haare und zog gewaltsam an diesen, sodass sein Kopf unweigerlich angehoben und nach vorne gerichtet wurde. Wieder breitete sich ein stechender Schmerz in Kopfhaut und Nacken aus, die er mit zusammen gebissenen Zähnen zu unterdrücken versuchte.
Kabuto trat in sein Blickfeld, indem er seinen Kopf auf die am Tisch ruhenden Arme legte und ihn belustigt auf gleicher Höhe musterte. "Du hast wirklich noch sehr viel zu lernen." Begann er mit zuckersüßer Stimme. "Deswegen wird es wohl wirklich das Beste für dich sein, wenn du weiterhin an deiner peinlichen Naivität festhältst. Anders, als auf die harte Tour wird dich die Realität sonst nie erreichen." Ein liebliches Lächeln zierte seine Lippen. "Es wird kein Vergnügen werden, glaub mir. Zumindest nicht für dich. Ich hingegen werde viel Spaß dabei haben, zu zusehen, wie du daran zerbrichst." Mit diesen Worten verschwand Kabuto aus seinem Blickfeld, samt dem Bären, der nur kurz daraufhin von ihm abließ. Der Junge atmete erleichtert aus und hielt sich seinen stechenden Arm. Ein ungutes Gefühl beschlich den Uzumaki und anfänglich dachte er, dass dieses Unwohlsein von dem eben stattgefundenen Gespräch herrührte.
Doch als der Blonde den Blick anhob und stummen Augen begegnete, wurde ihm unheilvoll bewusst, dass sämtliche Aufmerksamkeit gierig auf ihn gerichtet war.
Naruto wusste nicht, ob er sich in seinem Leben je so unwohl und beobachtet gefühlt hatte.
Dabei konnte er nicht sagen, ob er sich die ganzen, vielsagenden Blick nicht einfach nur einbildete. Vielleicht hatte Kabuto ihm bloß Angst einjagen und ihn verunsichern wollen? Einfach nur, damit er sich ohne Widerrede Orochimaru anschloss. Vermutlich interessierte sich eh keiner für ihn und warum auch? Was hatte er schon an sich, dass anderen- naja, gefallen könnte? Bis auf Orochimaru hatte niemand Interesse gezeigt, aber dieser wirkte sehr anspruchslos und würde sich vermutlich mit Allem und Jedem zufrieden geben.
Naruto schüttelte sich bei den Gedanken an den Mann, der vom Gehabe einer Schlange ähnelte. Wichtig war jetzt nur den Direktor zu finden und ihm sein Problem zu schildern, damit er endlich seine Ruhe haben konnte.
Unschlüssig stand der Uzumaki vor der Mensa und überlegte, wo das Büro des Direktors wohl sein könnte. Seines Wissens nach befanden sich in dieser Etage der Speisesaal, das Krankenabteil, die Freizeiträume und der Hof. In den nächsten zwei Etagen waren die Zellen und die Waschräume. Logischerweise müsste dann der Direktor irgendwo in der 4 Etage zu finden sein oder? Das war zumindest einmal ein Anfang und so machte der Blonde sich auf den Weg. Erklimmte eine Stufe nach der anderen, die zeitweiligen Blicke der wenigen, passierenden Häftlinge ignorierend. Fast schon sehnsüchtig klebten seine Augen am Aufzug, der jedoch nur für Wärter mit einem zugehörigen Schlüssel zugänglich war. Nach einer schieren Ewigkeit kam er endlich atemlos in der 4 Etage an und musste sich vor Erschöpfung erst einmal an den Oberschenkeln abstützen, bevor er schließlich auf die unmittelbare Zweiflügeltür zuging. Erfreulich fiel ihm sogleich das silberne Schild mit der Aufschrift "Direktion" auf. Es war kaum verwunderlich, dass die Tür verschlossen war, aus diesem Grund betätigte Naruto den Schalter daneben und wartete mit zusammengepressten Lippen einige, wenige Sekunde.
Er konnte gedämpft Stimmen und anschließend Schritte wahrnehmen, als eine der Türen auch schon mit Schwung aufgerissen wurde. Im Türrahmen verharrend stand ein Mann mittleren Alters, lediglich mit einer Uniformhose und einem weißen t-shirt bekleidet. Sein ungepflegtes Erscheinungsbild fiel dem Uzumaki ebenso auf, wie der grimmige Ausdruck, den er nicht einmal ansatzweise zu verbergen versuchte. "Ja?"
Naruto ballte selbstbewusst die Hände zur Faust. "H-Hallo!" Setzte er ein breites Grinsen auf. "Ich muss bitte zum Direktor."
"Ach ja?" Zog der Wärter unbeeindruckt eine Braue hoch. "Und wieso?"
"Uhm-naja..." Verlegen legte Naruto die Hand in den Nacken. "Ich habe etwas zu melden und würde ihm-"
"Der Direktor ist beschäftigt." Wurde ihm barsch dazwischen gesprochen. "Wenn du was zu melden hast, dann bei mir. Ich leite es weiter."
Unschlüssig biss sich der Uzumaki auf die Unterlippe. Der Mann sah nicht gerade sehr verlässlich aus. Ganz zu schweigen von seinem spärlichen Interesse an seinem Anliegen.
"Wird's bald?" Wurde der Blonde aus seinen kurzweiligen Gedanken gerissen. "Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit, also spuck's schon aus. Um was geht es."
"Uhm-" Stockte Naruto. "Es-Es geht um einen Häftling, der- naja, der mich bedrängt." Er konnte nicht verhindern, dass sich seine Wangen erhitzten. "Und weil ich nicht- also nicht... mitgemacht? habe, wurde ich von seinen Anhängern verprügelt. Und jetzt wollen die-"
"Namen?"
"Was?" Runzelte Naruto die Stirn, woraufhin der Mann genervt mit den Augen rollte. "Wie heißen sie? Die Häftlinge."
Überfordert schüttelte der Blonde den Kopf. "I-ich weiß nicht, wie sie heißen. Aber ich weiß, wie sie aussehen."
"Wie sie aussehen?" Wiederholte der Wärter ungläubig und spöttisch zugleich. "Willst du da jetzt etwa runter gehen und auf sie zeigen? Davon würde ich dir abraten."
Was war denn das für Einer? War es nicht seine Aufgabe für Sicherheit zu sorgen und in so einem Fall die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen? Oder zumindest in dem Vorfall zu ermitteln?
"Also ohne Namen kann ich dir nicht weiter helfen." Viel zu abrupt wandte sich der Wärter doch tatsächlich ab. "Warte!" Streckte Naruto hastig seinen Arm nach dem Anderen aus, konnte diesen folglich noch aufhalten. "Ich weiß einen Namen!" Fackelte er nun nicht mehr lange herum. "Orochimaru."
Der Wärter stand immer noch mit dem Rücken zu ihm und für eine kurze Zeit wirkte es, als würde er ewig so stehen bleiben wollen. Doch dann wandte er sich langsam zu dem Uzumaki und seufzte. Sein Blick wirkte um einiges... weicher? als zuvor. Schließlich trat der Mann gänzlich hervor und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen. "Hör zu, Junge. Wir Wärter können nicht immer überall sein und alles verhindern, was sich bei euch abspielt. So kleine Prügeleien und Zurechtweisungen passieren halt einmal und sind völlig normal, wenn man sich nicht an die Regeln hält, verstehst du?"
"Regeln?" Wiederholte der Blonde unmissverständlich. "Ich- ich habe gegen kein- Was denn für Regeln?"
Der Wärter presste die Lippen zusammen und fuhr sich anschließend mehrmals durch den drei-Tage-Bart. Als müsste er sich erst einmal die Müdigkeit aus dem Gesicht reiben. "Die Rangordnung unter den Häftlingen." Erklärte er angespannt. "Wenn wir beginnen uns da auch noch einzumischen, wird es nur schlimmer für dich, glaub mir."
Narutos Mund stand ihm offen. Sagte ihm der Wärter gerade, dass er sich Orochimaru fügen sollte?
Ungläubig schüttelte er den Kopf. "Kann ich-" Er leckte sich über die trockenen Lippen. "-Kann ich nicht einfach zum Direktor und selbst mit-" So schnell konnte der Jüngere gar nicht schauen, da wurde er plötzlich grob am Kragen gepackt und nah an das Gesicht des Wärters heran gezogen. "Du bist wohl schwer von Begriff, was? Dabei habe ich es doch einfach und nett formuliert." Spie er ihm regelrecht ins Gesicht. "Dann sage ich es halt so, dass auch einer, wie du es versteht: Wir können dir nicht helfen, ok? Und der Direktor hat keine Zeit, um sich dein Gejammer anzuhören. Also hör auf zu flennen und verzieh dich!" Mit diesen Worten stieß er den perplexen Jungen von sich, wodurch dieser zurück und zu Boden fiel. Fassunglos starrte Naruto zu dem Mann empor, der ihm keine weitere Beachtung mehr schenkte, sondern mit dem Rücken zu ihm die Tür aufsperrte und wortlos hinter dieser verschwand.
Damit hatte er wohl wirklich nicht gerechnet.
Er wusste gar nicht, wie lange er sich bereits auf dem Toilettendeckel hinter einer verschlossenen Kabinentür versteckte und auf weiß Gott was wartete. Eigentlich hoffte er ja auf irgendeine Eingebung, die ihm aus dieser verdammten Situation verhalf. Doch stattdessen wurden seine Gedanken mit jedem Mal, als Jemand den Raum betrat, unterbrochen. Möglichst darauf bedacht keinen Laut von sich geben, lauschte er den zeitweise widerlichen Geräuschen der Häftlinge, die ihre Geschäfte verrichteten. Erst wenn diese verschwanden und Stille einkehrte, erlaubte er es sich wieder erleichtert aufzuatmen.
Tja, was sollte er dazu schon sagen? Kabuto hatte Recht und ihm nicht bloß Angst einjagen wollen. Die Häftlinge rückten ihm tatsächlich unaufhörlich auf die Pelle. Heute morgen waren es zwar nur Blicke, doch die wechselten dann zu blöden, anzüglichen Sprüchen und vorhin, als er bereits den Entschluss gefasst hatte, sich auf dem WC zu verstecken, hatte ihm beim Vorbeigehen sogar irgendwer auf den Hintern geschlagen.
Naruto stützte die Ellenbogen an den Oberschenkeln ab und vergrub das Gesicht in den Händen. Es war zum Verrückt werden. Es konnte doch nicht sein, dass er sich wie ein ängstliches Kind auf der Toilette verstecken musste. Sollte er jetzt ewig so weiter machen? Immer nur zum Essen heraus kommen und anschließend wieder aufs WC flüchten? Er schüttelte leicht den Kopf. Unmöglich. Ab nächster Woche müsste er 3 Mal die Woche den Pflichtdienst verrichten. Kochen, Wäsche waschen oder Reinigungsdienst. Von da an war Verstecken keine Option mehr. Und dann? Wie sollte er sich denn gegen die ganzen Häftlinge behaupten? Eins gegen Eins war bei einer gleichwertigen Statur zwar kein Problem, aber die kamen nie alleine, sondern immer nur zu Zweit oder zu Dritt. Und mindestens einer unter ihnen war zumeist doppelt so groß und breit, wie Naruto. Die hatten die Zeit im Gefängnis wohl gut genutzt.
Naruto zuckte zusammen, als die Tür zu den Toiletten aufgerissen wurde und anschließend zwei Männer, die sich unterhielten, eintraten. Wie immer darauf bedacht keinen Laut von sich zu geben, hielt er regelrecht den Atem an.
"... ihm gesagt, dass er nicht so 'ne Bitch sein soll. Dann hat er fast zu heulen begonnen."
"Tja, die meisten Welpen tun sich am Anfang schwer. Aber ich sag dir, gerade das macht es die Sache erst richtig wert."
Ein Rascheln und das anschließende Wasserlassen machte Naruto deutlich, dass die Beiden das Pissoir benutzen mussten.
"Wo wir gerade bei Welpen sind. Hast du schon den Neuen gesehen?"
"Welchen? Die Heulsuse?"
"Nein, du Idiot. Der Blonde mit dem vorlauten Mund. Hat Orochimaru gleich am ersten Tag Konter gegeben und jetzt will der ihm eine Lektion erteilen. Hat ihn quasi freigegeben."
"Und riskiert einen jungfräulichen Arsch zu verlieren?"
"Ist ihm wohl egal. Eine Schande so etwas herzugeben. Aber umso besser für uns."
"Ja, träum weiter. Bis du an den rankommst, hatten vermutlich schon zig andere..."
Mit großen Augen und zittrigen Händen über seinen Mund verharrte Naruto selbst dann noch in seiner regungslosen Position, als schon längst wieder Stille eingekehrt war. Sein Herz pochte unaufhörlich in der Brust, während seine Gedanken wie wild um das eben stattgefundenes Gespräch kreisten. Sie sprachen über ihn. Seinen Arsch! Als wäre er... Als wäre er ein Stück Fleisch oder sowas!
Ganz langsam ließ er seine Hände wieder sinken. "... verdammt..." Fluchte er atemlos. Die meinten das sowas von ernst. Die wollten tatsächlich... Sachen mit ihm machen! Der Junge schüttelte sich angewidert. Es musste doch einen Weg geben, heil und unberührt da raus zu kommen. Aber wie? Weder der Direktor, noch die Wärter könnten ihm helfen. Und sich irgendeiner Gruppe anzuschließen schien auch zwecklos. Fast jeder Häftling war hinter ihm her, wie sollte er dann die eine Gruppe heraus picken, die kein-nicht solches!-Interesse an ihm hatte?
Narutos Augen wurden groß. Aber natürlich!
Sasuke!
Er könnte ihm doch helfen! Nein, er würde ihm helfen, wenn er erst einmal von seiner Situation erfuhr. Dann könnten sie sich zusammentun - zusammen durchschlagen! Mit Sasuke an seiner Seite würde keiner so schnell auf die Idee kommen, ihnen zu nahe zutreten. Dafür hatte sein gestriger Auftritt gesorgt. Zu Zweit wäre es dann viel einfacher eine Gruppe zu finden. Wieso war er nicht schon eher auf diesen Gedanken gekommen?
Jetzt galt es nur noch den Uchiha auch zu finden.
In den wenigen Stunden bis zum Abendessen hatte sich nichts verändert. Er wurde immer noch von jeder Seite blöd angestarrt und angemacht. Der Weg von der Essensausgabe zu seinem Tisch wurde von den Zurufen einzelner Häftlinge begleitet, die er vehement zu ignorieren versuchte.
"Jetzt sieh dir einmal diesen Arsch an!"
"Willst du mal so richtigen Spaß haben? Ich sag dir, diese Nacht wirst du nie vergessen."
"Mach mal schön den Mund auf für Daddy."
"Komm setz dich zu mir, Darling."
Naruto hatte die Lippen fest zusammen gepresst und nur Augen für den leeren Tisch. Bald - wirklich bald würde er Sasuke finden und dann wäre dieser Schwachsinn vorbei.
Erleichtert ließ sich der Blonde endlich nieder und wie aufs Stichwort meldete sich sein leerer Magen. Er zögerte nicht lange und begann sogleich das Essen gierig hinunter zu verschlingen.
"Na sowas. Da hat aber Jemand einen großen Appetit."
Narutos Kaubewegungen erstarrten. Er wagte es nicht den beiden Insassen Beachtung zu schenken, sondern starrte mit vor Schreck geweiteten Augen auf seinen Teller. Er hoffte inständig, dass sie einfach weggehen würde. Immer und immer wieder ging ihm dieser Gedanke, wie ein Mantra durch den Kopf. Doch vergebens. Deutlich spürte er, dass die Bank nachgab, als sich die Zwei jeweils links und rechts von ihm niederließen. Ganz langsam schluckte der Uzumaki das zerkaute Essen im Mund runter, als auch schon ein Arm um seine Schulter geschlungen wurde. "Na du." Raunte ihm der rechte Mann ins Ohr und Naruto verzog angewidert das Gesicht. Im nächsten Moment schreckte er jedoch zusammen, als ihm der zweite Mann auf den Oberschenkel klopfte und seine Hand dort ruhen ließ, nur um dann fest zu zudrücken. "Warum denn so unruhig, Süßer?" Der Blonde versuchte sich von den Einem zu distanzieren, da kam ihm bereits der Andere, links von ihm, ebenfalls viel zu nahe. "Scheint, als hätte er noch null Erfahrung. So sensibel, wie der ist."
Der Uzumaki sank immer mehr in sich zusammen. Was sollte er jetzt tun? Kämpfen? Gegen Beide? Und mit leeren Magen? Oder vielleicht...? Hektisch huschten seine Augen durch den Speisesaal auf der Suche nach einem bestimmten schwarzen Haarschopf. Doch er wurde nicht fündig. Schon gar nicht in der Eile, während er so dermaßen bedrängt wurde.
"Na wenn das so ist-" Wieder die Stimme an seinem Ohr. "-Warum machen wir dann sein erstes Erlebnis nicht gleich zu etwas Besonderem, hm?" Mit diesen Worten fuhr die Hand an seinem Oberschenkel plötzlich in seinen Schritt und griff grob nach seinem schlaffen Glied. Naruto japste und sprang von der Bank auf, nur um dann nach hinten und mit dem Rücken voran auf den Boden zu fallen. Scharf sog er die Luft durch die Zähne, konnte indessen die zwei Männer lauthals lachen hören. "Da kann es Jemand wohl kaum erwarten." Der Blonde öffnete seine Augen und sah zu den Beiden empor. Sah noch, dass sie blöd grinsten und sich über die Lippen leckten, ehe sie nun ebenfalls aufstanden und...
Und er war weg.
Der Uzumaki fackelte nicht lange herum. Mit einem Satz hievte er sich auf die Beine und rannte aus der Mensa. Er musste Sasuke finden, verdammt! So konnte es einfach nicht mehr weitergehen. Doch selbst nach einer schieren Ewigkeit war seine Suche vergebens. Sasuke war unauffindbar. Er war weder beim Essen, noch im Hof und auch nicht in einem der Freizeiträumlichkeiten. Sasukes Zelle wäre noch eine Möglichkeit, nur leider kannte er seine Nummer nicht. Und jede einzelne Zelle abzuklappern, wäre keine gute Idee. Wenn er da alleine auf den falschen Häftling traf...
Der Blonde schüttelte sich angewidert.
Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es bereits 21 Uhr war. Er gab es auf. Für heute zumindest, denn in einer Stunde müssten alle zurück in ihrer Zelle sein. Aus diesem Grund holte er sich einfach seine Duschsachen und ging zu den Waschräumlichkeiten. Im Umkleideraum angekommen, entledigte er sich erst einmal seiner Sachen, wickelte das Handtuch um seine Hüfte und ging zu den Duschen, nur um dann kurz davor stehen zu bleiben. Deutlich drang das Rauschen von prasselndem Wasser zu seinem Gehör. Genervt atmete er aus und nur um ganz sicher zu gehen, spähte er vorsichtig um die Ecke und tatsächlich. Ein junger, schwarzhaariger Mann mit einem trainierten Rücken und einem Knackarsch stand unter einer Brause.
Doch Narutos Herz rutschte ihm in die Hose, als der Mann sich mit der Vorderseite zu ihm wandte.
Sasuke!
Schnell und mit rasendem Herz zog sich der Uzumaki wieder zurück, lehnte sich gegen die Wand und rutschte an dieser herab. Verdammt, warum war er nur so aufgeregt den Uchiha zu sehen? Und bei Gott, hatte er Sasukes Hintern gerade wirklich als knackig beschrieben?
Naruto griff sich in die Haare und zerrte wie wild an diesen. Zwei Tage. Zwei verdammte Tage in diesem von notgeilen Männern wimmelnden Ort und es färbte bereits auf ihn ab.
"Naruto?"
Eben Genannter riss die Augen auf und sah erschrocken empor, direkt in dieses nur allzu bekannte, stoische Gesicht. Ebenso wie Naruto hatte Sasuke nur ein Handtuch um die Hüfte gewickelt, während ihm seine noch nassen Strähnen im Gesicht klebten.
"Was machst du da?" Sasukes Brauen hoben sich skeptisch und erst dann keimte Bewegung in dem Uzumaki auf. Langsam ließ er die Hände sinken und stand auf. "Hallo Sasuke." grüßte er zurück, möglichst darauf bedacht ebenso locker und cool zu wirken, wie der Andere. Wieder auf gleicher Höhe mit dem Schwarzhaarigen, kratzte er sich verlegen und mit einem kleinen Grinsen am Hinterkopf. "Ich- uhm ich wollte duschen gehen, aber...ich habe gehört, dass noch Jemand drinnen ist. Deswegen habe ich gewartet, bis der- also, bis du fertig bist." Faselte er nervös. "Ich wusste nicht, dass du es bist, sonst wäre es ja nicht so schlimm. Also nicht, dass ich unbedingt mit dir duschen will, ich meine nur nicht so schlimm, wie mit einem Fremden." Naruto versuchte seinen beschleunigten Atem zu unterdrücken. Kein Plan, was gerade mit ihm los war, aber er war froh, dass Sasuke nichts zu bemerken schien. Oder es zumindest nicht kommentierte. Der Uchiha nickte lediglich langsam. "Verstehe."
Naruto grinste, biss indessen fest die Zähne zusammen und rang mit sich Nachfolgendes endlich los zu werden. Er hatte doch so lange nach ihm gesucht. Das war seine einzige Chance. Er musste Sasuke einfach fragen. Ihm vorschlagen gemein- huh?!
Der Uchiha hatte sich ohne weiteres einfach abgewandt und ging davon. "Warte!" Wurde er jedoch von dem Blonden nach nur wenigen Schritten aufgehalten. Sasukes Blick wirkte genervt, als er sein Gesicht wieder zu ihm drehte. "Was denn." Und seine Stimme machte es dem kalten Ausdruck gleich.
Nervös verringerte der Blonde die Distanz zwischen den Beiden, nur um dann unsicher gen Boden zu schauen und mit dem Saum seines Handtuches zu spielen. "Sasuke..." Setzte er langsam an. "Du hast sicher mitbekommen, dass ich- nun ja, mir etwas schwer tue, mich einzugewöhnen. Deswegen habe ich nachgedacht und mich gefragt, ob wir uns nicht zusammentun wollen...?"
Sasukes Stirn kräuselte sich. "Zusammentun?" Wiederholte er und Naruto sah auf. "Ja." Nickte er bestimmt. "Ich meine-" Er leckte sich über die trockenen Lippen. "Ich weiß, was du denkst, aber wir sollten einfach das Beste daraus machen, ganz egal, was vorher zwischen uns war. Gemeinsam wird es auch viel einfacher sein, sich hier durchzuschlagen." Er schenkte seinem Gegenüber ein kleines Lächeln, welches jedoch nicht erwiderte wurde. Sasukes Kiefer schien angespannt, als er die Arme vor der Brust verschränkte. "Naruto. Du-" Er verzog leicht das Gesicht. "Deinetwegen sitze ich im Gefängnis. Glaubst du wirklich, dass ich dann noch gewillt bin, mich mit dir zusammen zu tun? Nur weil du zu unfähig bist alleine zurecht zu kommen?"
Narutos Lächeln erstarb. So Vieles an dieser Aussage fühlte sich falsch an. "Meine Schuld?" Wiederholte er schließlich ungläubig. "Wie kommst du darauf, dass das meine Schuld ist? Wir haben uns beide geprügelt. Beide." Betonte er Letzteres. "Dazu gehören Zwei. Wir zwei. Und wenn man überhaupt Jemanden die Schuld für irgendetwas geben kann, dann wohl dir, Sasuke. Du hast mich den ganzen Abend lang provoziert! Du wolltest richtig, dass das passiert!"
"Provoziert?" Sasuke kniff die Augen zusammen. "Du verträgst einfach die Wahrheit nicht und dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis du zuschlägst. Das war schon immer so.“
Naruto öffnete den Mund, um Kontra zu geben, presste dann jedoch die Lippen zusammen. Das führte zu Nichts, außer vielleicht zu einer weiteren Prügelei. Aber jetzt und in dieser Situation stand einfach Wichtigeres auf dem Spiel. Tief atmete er aus. "Ist doch-" Versuchte er die Wut wieder zu unterdrücken. "Ist doch jetzt egal, wir können daran nichts mehr ändern. Aber... naja, wir können uns ändern. Und das wäre schon einmal ein Anfang. Außerdem-" Nervös knetete er seine Finger. "Brauche ich wirklich deine Hilfe, Sasuke. Ich kenne nur dich und ich weiß sonst nicht, was ich machen soll." Sein fragender Blick begegnete Sasukes, der nun umso Vieles kälter wirkte, als zuvor. Seine Mundwinkel zuckten leicht nach unten. "Du verstehst wohl nicht so ganz, was ich sage." Setzte der Uchiha an. "Ich kann dich nicht leiden. Konnte ich noch nie. Weder in der Schule und noch viel weniger jetzt. Und nachdem du mich in diese beschissene Lage gebracht hast, macht mich deine bloße Anwesenheit einfach nur krank. Mir ist egal, was du willst oder was du machst oder was mit dir passiert. Weil du mir egal bist, Naruto."
In dem Uzumaki zog sich alles zusammen. Sasukes Worte glichen mehreren Schlägen, die im Endeffekt ein stechendes Gefühl in seiner Brust zurück ließen. Reflexartig richtete er den Blick zu Boden und ballte die Hände zu Fäusten.
"Hast du es jetzt verstanden?" Setzte der Uchiha noch einen drauf. "Oder soll ich deutlicher werden? Huh?" Das Schweigen des Blonden reichte ihm wohl als Antwort. "Gut. Dann tu uns Beiden einen Gefallen und komm mir einfach nicht mehr unter die Augen."
Mit diesen Worten konnte der Uzumaki den Anderen davon gehen hören, während er selbst noch am gleichen Fleck verharrte.
Sasukes Worte schwirrten unaufhörlich vor seinem geistigen Auge umher.
Ich kann dich nicht leiden.
Deine bloße Anwesenheit macht mich krank.
Weil du mir egal bist, Naruto.
Seine Worte klangen richtig hasserfüllt. Sasuke war wohl fest davon überzeugt, dass Alles Narutos Schuld war. Aber selbst für das, war sein Verhalten einfach viel zu harsch und kalt. Der Blonde konnte den Anderen schließlich auch nie wirklich leiden, würde ihm dennoch helfen und für ihn da sein, wenn es darauf ankäme. Und erst recht, wenn der Uchiha ihn um Hilfe bitten würde.
Naruto schlug sich mit der Faust gegen die Stirn. Es war so dumm. Wie konnte er nur so dermaßen an Sasuke festhalten? Seine ganze Hoffnung in ihn stecken? Er hätte es bemerken sollen. Schon gestern, als er ihm nicht geholfen hatte. Nein, es hätte ihm noch viel früher auffallen müssen. Schon seit ihrer Verurteilung hatte Sasuke kein Wort mit ihm gesprochen und ihn komplett ignoriert.
Der Uzumaki knirschte leicht mit den Zähnen. Zum Teufel mit Sasuke. Wegen dem würde er sich jetzt sicher nicht hängen lassen. Dann musste er sich eben etwas Anderes einfallen lassen, um das Hier irgendwie zu überstehen.
Alleine zu überstehen.
Letzten Endes hatte er die Dusche hinter sich gebracht und während er bereits durch den Flur in Richtung der Zellen ging, versuchte er das kürzlich stattgefundene Gespräch mit Sasuke zum x-ten Mal so gut, wie möglich aus seinem Hirn zu verbannen. Doch jedes Mal tauchten die Worte neuerlich vor seinem geistigen Auge auf. Verärgert blieb der Blonde stehen und schüttelte seinen Kopf, in der Hoffnung so die Gedanken loszuwerden und erst jetzt gelang es ihm auch. Aber auch nur, weil er von etwas Anderem abgelenkt wurde. Verwirrt runzelte Naruto die Stirn, als er den Kopf anhob und dem eigenartigen, schrillen Geräusch lauschte. Es klang nach... einem Alarm? Ein Alarm, der mit jeder Sekunde lauter und penetranter wurde und allmählich richtig in den Ohren wehtat. Was ging hier nur vor sich? Ein Feueralarm vielleicht? Na toll und er war wieder einmal der Einzige, der nichts-"
"Da ist er!!"
Huh?
Naruto wandte sich der Stimme und dem darauffolgenden Getrampel zu und-
"Hngh-" Wurde mit einem Mal von drei Wärtern um- und zu Boden geschmissen. Der Aufprall war unsagbar schmerzhaft, als ihm bereits zusätzlich die Hände hinter den Rücken verbogen und Handschellen angelegt wurden. "Was macht ihr?!" Schrie der Uzumaki seinen Angreifern zu. "Lasst mich los!"
"Fujima an Zentrale. Wir haben den Flüchtigen."
"Verstanden."
Flüchtig?!
"Ich bin nicht gefl- au!" Seine Beine wurden ebenfalls unter einem schmerzhaften Griff gefesselt und er anschließend auf diese gestellt. Jeweils ein Wärter links und rechts packten seine Oberarme, zwangen seinen Torso insoweit hinunter, dass seine Haltung unnatürlich vornüber gebeugt war, während sie ihn mit sich zerrten. In dieser Position und mit den Fesseln um den Beinen kam Naruto mit den Schritten gar nicht hinterher. Stolperte eher, als das er ging. "Jetzt hört doch mal zu!" Versuchte er weiterhin zu protestieren, doch als Antwort wurde nur mehr Druck auf seine Arme verübt. "Ich bin nicht-Hngh-!" Bohrten sich die Finger regelrecht ins Fleisch. "Ich bin nicht geflohen, echt jetzt!" Doch es schien zwecklos. Die Wärter ließen sich in ihrem Tun keineswegs beirren. Ausgelaugt fügte er sich letzten Endes seiner Lage und ließ so den Kopf nur noch mehr hängen.
Schlimmer konnte es ja wirklich nicht mehr werden.
TBC
