Chapter Text
In der Hölle für Ordnung zu sorgen, konnte anstrengend sein!
Müde und erschöpft ließ sich Satan schwerfällig auf seinen Thron sinken.
Nicht das er sich beschweren würde! Es war kein Geheimnis, dass er die Macht liebte. Dass er diese an sich riss, wenn Lucifer sich in einer seiner vielen Depressiven Phasen befand.
Eine Phase die kein Ende zu finden schien, seit Königin Lilith gegangen war.
Kein Ende wie all die Nichtigkeiten und Probleme der Hölle.
Ein entwendeter Grimoire, ein Gerichtsprozess der mit einem Prinzen endetet den Rang, Titel und Kräfte für hundert Jahre entzogen wurde.
Ein Freispruch für unwichtige Imps, deren Tot keine Belastung für das Ansehen des Dämonenadels bedeutet hätte.
Politik war kompliziert, aber mit Kameras und Liveübertragung musste selbst er sich an Grundlegende Regeln halten.
Freispruch für drei Imps und einen Höllenhund.
Die Verurteilung eines Prinzen der Goetia.
Alles hieran war Magie. Mit Magie hatte er Stolas seine Kräfte genommen. Der Papierkram und die nervigen Streitereien der Sünden, die konnte er allerdings nicht mit eine Prise Zauberei beendeten.
Magische Wesen wie er selbst es auch war, waren und blieben so unberechenbar wie die Sterbliche und die Sünder.
Die Imps draußen Feierten, dass einer der ihren seinen Gerichtsaal verlassen hatten. Euphorisch waren diese unbedeutenden Diener. Fast überheblich.
Das Mittagessen mit fünf der anderen sechs Todsünden war auch nicht viel besser gewesen.
Asmodeus hatte eingeworfen, dass er gegenüber Stolas zu streng war.
Beelzebub hatte den Imageschaden angesprochen, ohne Urteil vier niedere Höllengeborene angeklagt zu haben.
Mammon war irgendwann drauf und dran sich mit Asodeus zu prügeln, als Provokationen über einen ebenfalls unwichtigen Imp namens Fizzarolli hin und her geworfen wurden.
Leviathans einer Kopf mischte sich irgendwann genervt ein, während der zweite ihrer Köpfe Mammon anfeuerte.
Das Mittagessen nach dieser anstrengenden Gerichtsverhandlung, verwandelte sich so in ein Kriegsgebiet wegen Nichtigkeiten.
Das Thema um den Angeklagten Blitzo und der Verurteilung von Prinz Stolas, verschob sich bald schon zu einem persönlichen Machtkampf.
Beelzebub und Asmodeus auf einer Seite und Mammon mit Leviathan auf der anderen.
Satan wiederrum hatte ungerührt sein Schwein, das auf dem Spieß mit seinen eigenen Flammenatem gegrillt wurde gegessen, während Mammon und Beelzebub irgendwann sich gegenseitig mit Essen beworfen hatten.
Asmodeus sich über die Flecken auf seinem Anzug beschwerte und paradoxer Weise, in diesen Punkt von Leviathan unterstützt wurde.
So lief es immer! Immer wenn mehr als zwei Todsünde beieinander waren entstand Chaos.
Sie waren sieben Todsünden.
Sieben Uralte Magische Entitäten.
Sie alle hatten Freunde untereinander.
Sie alle hatten Feinde, oder dass was dem nahe kam.
Für Beelzebub, die sich wenig um den Schein machte, war es Leviathan.
Für Asomeus war es Mammon und dass schon vor der Sache mit dem Imp-Spielzeug der beiden.
Sein Rivale war Lucifer und das schlimmste daran war, dass dieser verdammte goldene Engel es in seiner Arroganz kaum zu merken schien.
Außerdem kam er einigen von Mammons Geschäften in die Quere, während Lucifer diese wiederum bei Mammon verzieh und amüsant fand.
Alle sieben Todsünden waren miteinander zerstritten.
Alle bis auf eine zumindest.
Satan ließ ganz automatisch seinen Blick schweifen. Sie waren nach dem Lunch in seinem Thronsaal zurückgekehrt, um sich zivilisiert zu verabschieden. Andere um sich noch von neuen Geschäftsideen und Innovationen zu überzeugen.
Es hatte nicht ganz geklappt. Keiner war auf den anderen zugegangen.
Seine vier Augen schweiften nun über die leeren Sitzplätze. Sie waren all leer. Der Dämonenadel war bereits nach Stolas Verurteilung verschwunden.
Lucifer hatte es nicht für nötig gehalten, hier aufzutauchen und die Verhandlung zu leiten. Vier der anderen fünf Sünden waren bereits in die Höllenringe verschwunden, über die sie herrschten.
Er war alleine.
Zumindest fast…
Belphegor saß auf ihrem Platz und döste mit geschlossenen Augen vor sich hin.
Belphegor, die Sünde der Trägheit. Jene Macht, die beinahe immer vergessen wurde.
War sie überhaupt beim Mittagessen dabei gewesen? Satan erinnerte sich nur daran, dass sie dabei war, weil Beelzebub sie am Arm mit sich gezogen hat.
Trägheit hatte keine wirklichen Feinde. Selbst von Beelzebub mit der sie befreundet war, wurde sie oft übersehen.
Von ihm wurde sie das auch und irgendwie erregte diese Erkenntnis in den Moment von Stress und Kopfschmerzen sein Misstrauen.
Belle war nicht harmlos.
Das war keine der Todsünden.
Sie war von allem die unauffälligste. Ein schleichendes Gift an Sucht und Betäubung.
Satan erinnerte sich auch an den Zeiten des finsteren Mittelalters, als der Himmel in der Menschenwelt zu weit ging.
Die Engel spannten ein immer engeres Netz aus Regeln und Verbote. Strafen und Reue, um die Sünden dort zu bekämpfen.
Die Menschenwelt war neutrales Gebiet. Sowohl der Himmel als auch die Hölle hatten ihren Einfluss auf diese.
In den strengen und geheuchelten Gemeinschaften, wurden die Sünden nicht mal mehr akzeptiert, sondern aktiv bekämpft und ausgeschlossen.
In dieser Zeit des stillen Krieges, als die Engel Propheten und Heilige zusammen mit Wunder schickten. Taten sich die Todsünden zusammen.
Nun ja, alle bis auf Lucifer, der nicht einsah warum sie das taten.
Asomdeus verführte standhafte Menschen mit seinem Sukkubus.
Leviathan flüsterte einigen Herrschern Worte über Neid ins Ohr, die Kriege entfachten.
Beelzebub sorgte für gute Ernten und die daraus entstandene Trägheit, die einige Jahrzehntelang auch einfache Bürger befiel, war das gemeinsames Werk mit Belphegor.
Mammon sorgte dann für Unmut, da in dieser guten Zeit, dennoch andere Familien mehr besaßen als andere.
Und in all dem Überfluss der kurzeitig, einige Jahre herrschte und die Menschen in falscher Sicherheit wog, waren es Belle und er selbst, die den Glauben, die falschen Beschränkungen und Versprechen des Himmels sprengten.
Satan ließ das Klima verrücktspielen. Verwandelte Regen in Säure und ließ nur Wochen später den Boden austrockenen. Erde Erbeben. Blitze am Himmel zücken.
Die Menschen hatten sich zwei Generationen lag an Überfluss gewöhnt und den Himmel dafür gedankt. Hatten sich in Gedanken von schöneren Männern und Frauen verführen lassen und mit Neid und Gier in Fremde Königreichen und zu den vertrauten Nachbarn geschaut.
Belle hatte das Pulverfass entzündet, indem sie ihre Helfer auf Erden schickte und die Pest ausbrechen ließ.
Die Menschen wurden verzweifelter, wenn das Paradies vorher so nahe schien.
In dieser Zeit hatte die Hölle eine andere Seite von Belphegor gesehen.
Sie Tanzte mit Queen Bee und Mammon zusammen als Gier zusammen mit Völlerei und Trägheit.
Sorgte für Zwietracht und zwang dann die Menschen dazu, in Passivität zu verharren bis das Ende sie einholte.
Ließ ganze Familien in Dörfern versauernd auf deren Tot warten, im Wissen dass die Seuche bereits den Ort weiter eingeholt hat.
Kein Krieg noch Naturkatastrophe, hatte so viel Unheil gebracht wie Krankheit.
Niemals zuvor war Belphegor so lebendig. So voller Elan und als Schreckgespenst aktiv.
Satan hatte noch ein Bild vor Augen, als er sie aus einem Spiegel aus Obsidian beobachtete, wie sie heimlich die Menschenwelt heimsuchte.
Heimlich als er schon als vermeintlich letzter mit ihr zurückgekehrt war.
Erhaben und Kerzengerade war sie durch einen frühen Morgennebel getreten. Eine Frau, die aus Angst vor Ansteckung von ihrem Ehemann ausgesperrt wurde, tropfte das Wachs der Kerze die auf Belles Kopf thronte ins Gesicht.
Sie verstarb sofort. Ohne Schmerz und ohne Schrei.
Das Kind das neben der Mutter ruhte, ein kleiner Junge, nahm Belphegor daraufhin hoch und flüsterte einen süßen Singsang in dessen Ohr.
„Ich lasse dich leben. Gehe zu deinem Vater und sage ihm, dass ich es dir versprochen habe.“
Noch immer sah Satan vor sich das ehrfürchtige Gesicht des Kindes. Sah zu, wie es zu seinem Vater rannte und von diesem aus Angst vor Ansteckung geschlagen wurde.
Belle jedoch hielt ihr Versprechen ein. Das Kind blieb unberührt von jeder Seuche die ihr Werk war. Jedoch trug der Junge, der später zum Mann wurde, als umherwandernde Mönch die Krankheit unauffällig aber beständig mit sich.
Satan hatte später einmal gefragt, was aus dem Jungen geworden ist, denn Belphegor selbst berührt hat.
Er kam nicht in die Hölle. Stattdessen wurde er zu einem Heiligen im Himmel.
Der Heilige, der einst von einer Todsünde berührt wurde und dennoch überlebt hatte. Nie vom rechten Weg abkam.
Als wenn Belle das größte Monster wäre! Mit derselben sanften Stimme, wiegte sie später die kleine Prinzessin der Hölle in dem Schlaf.
Dennoch, obwohl das alles schon lange her war, Erinnerungen sich Zeitlich veränderten und er kaum noch wusste, weshalb Belle nachdem sie mit Beelzebub bereits in der Menschenwelt getanzt hatte, noch einmal mit Seuche und Krankheit zurückkehrte, erinnerte sich Satan gerne an diese Zeit zurück.
Diese wilden Schlachten, die durch Menschen in der Menschenwelt ausgetragen wurden. Sünden die zusammenarbeiteten.
Mammon und Leviathan waren ausgelassen. Beelzebub vergnügt und flirtete ein paar Mal mit ihm.
Er selbst formte mit seinen Kräften Erde und Gebirge der Menschen.
Und doch war es Belphegor deren Singsang und Lachen er hörte, weil er es danach seltener vernommen hatte.
Warum dachte er jetzt darüber nach, während seine vier Augen auf Belles ruhende Gestalt lagen?
Es war lange her. Sie alle hatten sich verändert.
Leviathan verkaufte keine Spiegel mehr, sondern betrieb eine Social Media App.
Asmodeus betrieb nicht nur ein Lokal. Er entwickelte auch Spielzeug, für Paare und die die es Vorgaben zu sein.
Sie alle waren Geschäftsleute geworden. Mit Firmen und Mitarbeiter. Imperien die auf Geld, Ruf und Aufmerksamkeit angewiesen waren.
Belle war nicht untätig gewesen. Ehrlich gesagt war sie was Geschäftstüchtigkeit betraf, genauso ehrgeizig wie Mammon, die Gier selbst.
Das gesamte Gesundheitssystem der Hölle, die wirksamsten Medikamenten und die besten Drogen liefen unter ihrer Kontrolle.
Genau wie die Wissenschaft, des ausreichenden Schlafs in einer Welt, wo jede Stunde abgezählt schien und effektiv sein musste.
Warum hatte er dann plötzlich das Gefühl etwas verloren zu haben?
Wie konnte die Trägheit, als sie Krankheit und Tot gebracht hat, lebendiger sein, als jetzt wo sie Heilung und Betäubung versprach?
Sie wurden alle Älter, auch wenn niemand die Veränderungen in ihren Gesichtern zu sehen vermochte.
Belle hatte ihren Elan verloren und er…
Satan schloss die Augen. Es machte keinen Spaß, sein eigenes Königreich zu zerstören, weshalb er als Ventil Sport betrieb.
Nach dem anstrengenden Tag sollte er sich dringend abreagieren und ein paar Gewichte stemmen. Ein oder zwei Berge versetzten, oder auch mal wieder das so verhasste Kardiotraining vertiefen. Danach ein Bad in einer der heißen Quellen unterhalb seines Palastes genießen.
Das Bad klang gut. Genau wie eine Erholung.
Hinter seinen Augen spürte er einen stechenden Schmerz. Die Art Schmerz, die bis in die Spitze seiner Hörner hallten, die sonst nur auf Vibrationen reagierten.
Älter werden…
Er war die Sünde des Zorn und er war müde. Nur müde und nicht wütend, was ihm paradoxer weise erzürnte.
Seit Jahren ging das so… sieben Jahre.
Er seufzte und aus seinem Drachenmaul stiegen Rauchschwaden auf.
Das hier war sein Thronsaal und es war nicht so, dass er nie hier ein kleines Nickerchen gehalten hat.
Es war auch nicht das Erste Mal, dass er geschlafen hat, während Belle ruhte und offensichtlich das Ende einer Besprechung verpasst hatte.
Wenn er bei einer anderen Todsünde ruhe fand, dann bei ihr.
Beelzebub war zu laut. Bei Leviathan hatte er bedenken, sie würde ihm heimlich Fotografieren.
Mammon würde versuchen ihm halb schlafend irgendein Vertrag unterschreiben zu lassen.
Asomdeus würde ihm gewiss Kommentarlos verlassen und dann hundert Jahre beleidigt über die Unhöflichkeit sein, in Anwesenheit des selbsternannten Showmeisters einzuschlafen.
Und Lucifer…
Satan erschauderte. Lucifer war ein unberechenbarer gelangweilter Engel.
Belphegor war die Einzige die Müdigkeit verstand.
Müdigkeit die so tief ging, dass sie jeden Vorsatz verblassen ließ.
Sie war die Einzige, wo Satan es wagte, in ihrer Anwesenheit zu schlafen.
Gleichzeitig brachte er es nicht über sich, die chronisch müde Sünde aufzuwecken und aus seinem Thronsaal zu werfen.
Das hatte er nie getan und würde er wohl auch nie.
Müde massierte er sich die Stirn. Rieb sich über die Hörner.
Er hatte bereits das Morgentraining verpasst. Morgen war auch noch ein Tag. Oder die Nacht oder der Abend.
Alles was er wusste war, dass die Gerichtsverhandlung anstrengend gewesen ist. Dass er diese bereits müde und gereizter als sonst geführt hat und die anderen Todsünden ihm bis zu ihrem Verschwinden, die letzten funken an Geduld gekostet hatten.
Yogrit, sein Diener und heimlicher Therapeut, hatte das bereits kommen sehen und die Flucht ergriffen.
Wonach er sich jetzt nur noch sehnte waren ein, zwei Stunden Schlaf und vielleicht, in der Tiefe seines Herzens, eine Zeit die leichter zu händeln war, als all der Mist mit dem er sich jetzt gerade rumschlagen musste.
