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le temps est à l'orage

Summary:

Sie tanzen schon so lange um einander herum, mit tiefen Blicken, flüchtigen Berührungen, immer näher und näher - aber nie weiter, nie nah genug.

In dieser schwülen Sommernacht ändert sich das endlich.

Notes:

beim ersten Mal schauen war ich für einen kurzen Moment wirklich nicht sicher, ob sie sich gleich küssen - was war das bitte???

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Sie spürt Isabelles Präsenz hinter sich, ohne dass sie sich umdrehen muss, noch bevor die Tür zum Balkon leise zufällt. Wie ein elektrisches Summen spürt sie es in ihrer Haut, wenn Isabelle in der Nähe ist. 

Noch nicht nah genug.

“Woran denkst du?”, hört sie Isabelles leise, sanfte Stimme. 

An dich. Immer an dich. Vor allem nachts. 

Sie kann ihr unmöglich die Wahrheit sagen. Woran hat sie vorher gedacht? 

Sie tanzen schon so lange um einander herum, mit tiefen Blicken, flüchtigen Berührungen, immer näher und näher - aber nie weiter, nie nah genug. 

Tessa hält ihr die Zigarette entgegen, lädt sie ein, näher zu kommen; sie will ihre Berührung zumindest für ein paar Sekunden zu spüren, wenn ihre Finger aneinander streifen. 

Näher. 

“Ich habe aufgehört,” gibt Isabelle zu und sie lacht so süß, so verlegen ehrlich, dass es Tessas Herz rasen lässt. 

Isabelles Lächeln ist strahlend hell, die Sonne in dieser tiefdunklen Nacht; warm und so anziehend, dass Tessa sich kaum zurückhalten kann. Die Mauer ist noch kühl, wo Tessa sich dagegen drückt, fest verankert, um sich nicht weiter treiben zu lassen - irgendwann wird sie den Weg ans Ufer nicht mehr schaffen, wenn sie sich zu weit mitreißen lässt. Irgendwann wird ihr die Kraft ausgehen, gegen die Strömung anzukämpfen. 

Isabelle kommt von alleine näher, auch ohne Zigarette, und Tessa dreht sich instinktiv etwas zur Seite, dorthin, wo Isabelle gleich stehen wird. Dieser Tanz zwischen ihnen ist so vertraut; jeder Schritt, jede Drehung absehbar und trotzdem immer neu.

Wie oft sind sie schon hier gestanden? 

Sie atmet aus, bläst den Rauch in die drückend warme Nachtluft. Isabelle kommt näher, immer näher. 

Es liegt ein Gewitter in der Luft, feucht und schwer, verspricht ihnen schon den ganzen Tag eine Abkühlung, die noch immer ausbleibt. Isabelles Haut glänzt im Gegenlicht des Fensters; Tessa würde ihr das Salz von der Haut lecken, wenn Isabelle sie nur lassen würde. 

Näher. 

Tessa nimmt noch einen letzten Zug, bevor sie die Glut an der Mauer ausdrückt und dann ist Isabelle direkt vor ihr. Ihr Blick flackert zu den Überresten der Zigarette, dann wieder zu Tessas Gesicht. Ihre hellblauen Augen wirken plötzlich dunkler, abgrundtief blau, und Tessa weiß, dass sie sich darin verlieren wird.

Immer näher.

Isabelles Hand fliegt durch die drückende Luft nach oben und über Tessas Wangenknochen, federleicht, und dann streicht sie ihr eine Haarsträhne hinters Ohr. Die Intimität in dieser simplen Geste lässt Tessa straucheln; der vertraute Rhythmus ist fort, da ist nur noch das wilde Pochen ihres Herzens, während sie versucht, Isabelles Blick zu lesen.

Noch näher.

Sie atmet aus, endlich, zittrig - ihr war nicht einmal bewusst, dass sie den Atem angehalten hat. 

Zu nah. 

So ganz kann Isabelle die Nikotinsucht noch nicht hinter sich lassen, fliegt es Tessa durch den Kopf, als Isabelle ihr den Rauch von den Lippen küsst. 

Die Mauer ist kühl an ihrem Rücken, doch Isabelle ist warm, ihre Hand so warm an Tessas Wange. Ein Luftstoß fährt über ihre verschwitzte Haut und sie zittert unter Isabelles Berührung. 

Vielleicht war es unausweichlich, dass sie irgendwann kollidieren, dass dieser Tanz so endet. 

Für einen kurzen, zögerlichen Moment lehnt Isabelle sich zurück, ihr suchender Blick findet Tessas. Da liegt ein Hauch von Unsicherheit in den funkelnd blauen Augen, das spielerische Lächeln ein wenig verrutscht. 

Mehr. 

Tessa greift nach ihr, eine Hand in ihrem Nacken und eine an ihrer Hüfte und zieht sie näher, näher, presst ihre Lippen erneut aufeinander und presst jeden Zentimeter ihres Körpers an Isabelle, immer näher. 

Ihr Kopf dreht sich nicht vom Nikotinrausch. 

Zwischen ihnen entlädt sich die Spannung einer jahrelangen heißen Sommernacht, doch die Abkühlung bleibt aus. Stattdessen wird Tessa immer wärmer, die Luft um sie herum noch immer drückend schwül, und da sind nur feuchte Zungen und heißer Atem, Haut auf Haut, elektrisches Knistern zwischen ihnen.

Isabelle stöhnt gegen ihre Lippen und küsst sie härter, schiebt sich noch näher an sie heran, drückt sie gegen die Mauer. 

Näher. 

Da ist ein Hauch von Salz, die feine Schweißschicht über ihrer Oberlippe, und Tessa leckt gierig darüber, schmeckt die Flut, die sie mitreißt und darunter Isabelle, tausendmal besser als die Zigarette zuvor. Sie weiß schon jetzt, dass sie süchtig nach ihr wird.

Vielleicht sollte sie auch mit dem Rauchen aufhören. 

 

Notes:

ich habe immer noch so viele Gedanken zu dieser Szene und ich freue mich, eure zu hören!!