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Fandom:
Language:
Deutsch
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Published:
2025-05-03
Words:
3,108
Chapters:
1/1
Hits:
7

Der Mann im Spiegel

Work Text:

Der Mann wachte an jenem Tag auf. Er öffnete die Augen und starrte auf die Decke. Es war kein besonderer Tag und er war langsam zum Aufstehen. Aber schließlich grummelte er und stand auf. Er ging langsam ins Badezimmer und näherte sich der Spüle.

Es gab ein Problem mit dem Badezimmer. Ein großer Spiegel hing über der Spüle. Der Spiegel an sich war schön und wurde mit aus kleinen glitzernden Kunststoff gemachten Diamanten geschmückt.

Aber der Mann interessierte sich nicht, im Spiegel zu sehen. Aber es war kaum zu vermeiden. Er hat die anderen Weg geschaut, als er in die Dusche ging. Nachdem er sich wusch, begann er, seine Zähne zu putzen. Er war zurück an der Spüle. Er starrte auf seinen Fußen, oder auf der Spüle. Alles, um die Bestie im Spiegel zu vermeiden, dachte er.

Aber diesmal war er neugierig. Er wußte nicht warum, und als er die Hand vor sich haltete, konnte er ein Teil von der Spiegel sehen. Es war neblig, also war sein Spiegelbild unscharf. Trotzdem war es ihm klar; er sah etwas anderes.

Verwundert, senkte er die Hand vor dem Gesicht. Sein Umriss war doch deutlich und seine Augen starrten ihn zurück. War das wirklich er?

Er bewegte die Hände um sich und blinzelte die Augen. Er trat einen Schritt zurück und konnte nur erstaunt im Spiegel schauen. Das war er. Ohne Zweifel war das er. Wer hätte das sonst gewesen sein?

Sein ganzes Leben lang hatte er ein Monster gesehen. Aber jetzt…

Er hatte Furcht, den Spiegel zu wischen, um sich deutlicher zu sehen. Er fürchtete, was er sehen würde. Aber der nächste Tag kam und der Spiegel war umso deutlicher. Er konnte seinen Umriss klarer sehen: den Körper und das Gesicht.

Dann kam der nächste Tag, und der nächste, und so weiter. Diesmal wollte er im Spiegel sehen. Er wollte die neue Figur sehen. Sein Spiegelbild war klar zu sehen. Es lässt sich nicht leugnen; was er sah, war tatsächlich keine Bestie.

Der Mann dachte, dass es nicht wirklich hätte sein können. Dass er keine Bestie mehr sah, hatte einfach keinen Sinn. Wer war diese neue Figur? Warum hatte er denn überhaupt ein Monster gesehen? Wieso jetzt? Wieso er?

War er wirklich die neue Figur?

Er fing an, jeden Tag darüber nachzudenken. Die Wochen verstrichen, aber er war keinen Schritt näher, eine Lösung zu finden.

Eines Tages ging er zu seiner Mutter, und sie redeten über eine Tasse Tee. Seine Mutter war so liebevoll und vielleicht würde sie sein Dilemma verstehen. Ja, zuerst hatte sie gefragt, wann er heiraten würde, und das ärgerte ihn ein bisschen. Sie wollte Enkelkinder, aber sie würden nicht von ihm kommen. Das musste er nochmal erklären.

Ansonsten fühlte er sich wegen des Gesprächs gut; sie war Anwältin und redete lebhaft über einige aus letzten zeiten Fälle. Der Mann kümmerte sich nicht wirklich um Jura; es sei zu unberechenbar, aber sie waren trotzdem interessant zu hören. Dass seine Mutter darüber so begeistert war, machte ihn auch glücklich. Deswegen war er ermutigt, trotz des Adrenalin, das er fühlte, seiner Mutter endlich die brennende Frage zu stellen.

“Also… Warum seh’ ich kein Monster im Spiegel mehr?”

“Ein Monster…” antwortete sie verwundert. “Du hast dich als Monster gesehen?”

“Nee, ich-”

“Aber du siehst ihn nicht mehr… Aber natürlich siehst du ihn nicht mehr! Du hast dich ja endlich akzeptiert und erkennst wie hübsch du bist!”

“Ja, ja, verstehe!”

Kurz danach verließ der Mann das Haus seiner Mutters und ging nach Hause, wurde unzufrieden und seine Frage noch nicht beantwortet. Na ja, die Antwort seiner Mutters war einfach nicht die Antwort, wonach er suchte; er war nicht gerade hübsch, aber auch nicht hässlich. Durchschnittlich war er, und die eigene Schönheit war ihm auch egal.

Außerdem, gab es an jenem Tag keine große Erkennung oder etwas Magisches mit der Selbstliebe zu tun. Er hatte immer Skrupel um seinen Körper, aber wenn er diesmal im Spiegel sah, wurden seine Skrupel nicht vertreten. Und das war, was er verwirrte.

Ein paar Wochen später trifft er sich mit einer alten Klassenkameradin. Die beiden hatten Freizeit, also während eines kühlen Frühlingsmorgens, gingen sie zu einem Cafe, um sich aufzuholen. Sie redeten über das alte Leben und die Erinnerungen an die Schule. Sie lachten viel über die alten Witze und dachten zurück an die alten Freunde und die alten Lehrer. Das war die beiden sehr vertraut, und noch so lange her.

Dann redeten sie über das aktuelle Leben. Die Klassenkameradin war vor ein paar Jahren verheiratet und möchte bald ein Kind haben. Eine Tochter oder ein Sohn: das war ihr egal. Sie wollte nur ein gesundes Kind, das sie und ihr Ehemann lieben und somit eine Familie großziehen können.

“Und du?” Fragte sie. “Willst du Kinder?”

Der Mann schüttelte den Kopf. “Nein… ich will keins. Sowieso wäre ich ein schlechter Vater. Aber…” er lächelte. “Ich habe einen sehr süßen Hund. Er heißt Barnaby. Er ist nur klein, aber voller Energie. Er würde dir richtig gefallen.”

Dann zeigte der Mann ihr Bilder auf seinem Handy von Barnaby. Die schien fast unendlich zu sein, aber keiner von ihnen zeigte den Mann. Die Freundin stellte eine Frage darüber, und als er die Frage hörte, wirkte er ein bisschen nervös.

“Oh, warum ich- Ach, warte! Ich hab’ eins…”

Ganz vergrabt in all die anderen Fotos gab ein Foto, das den Mann darstellte. Es wurde am Abend geschossen, vielleicht im Herbst, da die Blätter verschiedene Schattierungen von Gelb und Orang waren. Er stand neben einem Baum und trug einen schicken Anzug mit einer Krawatte. Barnaby war in seinen Händen mit der Zunge hinaus. Die Augen des Mannes waren hart, als er in die Kamera anstarrte. Vielleicht war er nicht wirklich damit zufrieden, dass ein Foto von ihm gemacht worden war. Trotzdem gab es ein kleines Lächeln auf seinem Gesicht.

Das Foto gefiel der Freundin. “Barnaby hilft doch, aber du siehst ja richtig gut aus!”

Der Mann war froh darüber, und sie freute sich darauf, den kleinen Hund zu treffen.

“Ich will auch ein Haustier. Vielleicht eine Katze, aber nur wenn das Baby ein bisschen größer wird.”

Sie redeten weiter über das häusliche Leben, bis die Angelegenheit auftauchte, um die brennende Frage wieder zu stellen. Als sie seine Frage hörte, war sie für einige Sekunden leise, als sie ihn mit Mitleid ansah. Als sie nachdachte, faltete sie die Stirn.

“Vielleicht… Hast du für so lange Zeit dich gehasst und endlich hatte mal dein Gehirn satt und hat sich entschieden, dass du eigentlich kein Monster bist und deswegen siehst du ihn nicht mehr. Vielleicht hast du dich auch verzeihen lassen. Du siehst jetzt dein wahres Ich, nicht wahr?"

“Ich-Ich weiß es nicht-”

“Ach! Unsinn! Du bist kein Monster und das weißt du auch.”

Sie redeten danach über das Selbstbewusstsein, und der Mann stimmte teilweise mit ihr zu. Aber er war dennoch unsicher. Sachlich wusste er, dass er kein Monster war. Er war ein guter Mensch, und das war ihm bewusst. Aber wenn er keine Bestie war, warum sah er sie überhaupt?

Tja, das war das Problem, nicht wahr? Das hätte ein einfaches Problem sein sollen, dachte er mit Frust. Ein einfaches Problem mit einer einfachen Lösung. Da hätte nur eine gute Antwort dafür geben sollen.

Er wollte wissen, warum er ein Monster überhaupt gesehen hatte, und warum er ihn nicht mehr sah. Das hatte nichts mit dem Selbsthass oder sonst was zu tun. Aber dennoch belästigte ihn das Problem immer noch.

Danach redeten der Mann und die Klassenkameradin über den Alltag und die Karriere. Das Gespräch war schön, aber schließlich war es Zeit, zur Arbeit zu gehen. Als der Mann arbeitete, dachte er über das Gespräch mit der Mutter und der Klassenkameradin. Er konnte nicht erklären, wie er sich gefühlt hatte. Aber das Problem, mit noch keiner Lösung in Sicht, belästigte ihn immer noch.

An diesem Tag beschloss er, Überstunden zu machen. Da er nicht mehr nachdenken wollte, musste er sich beschäftigen. Außerdem war er Privatlehrer und einer seiner Schüler hatte einen abendlichen Termin bei ihm gemacht. Er dachte, ob er den Termin absagen sollte, denn er war völlig erschöpft. Aber er entschied sich dagegen; er liebte es, seine Schüler zu lehren, und es war sowieso seine Entscheidung, sich so zu ermüden.

Nach der Arbeit ging er zu der Sitzung. Sie lief nicht so gut. Die Schülerin war am 11. Klasse und hatte eine Frage über den Widerspruchsbeweis. Der Mann konnte es immer schaffen, Geduld zu haben und die Prozesse wieder zu erklären, wenn er das machen musste. Aber diesmal dachte er, die Frage sei so einfach, aber die Schülerin konnte es einfach nicht begreifen.

Er konnte sich kaum konzentrieren und hatte auch keine Lust, den Beweis immer wieder zu erklären. Vielleicht war er zu streng gewesen, oder seine Worte waren zu hart gewesen, denn die Schülerin wirkte am Ende der Sitzung etwas entmutigt zu sein. Sie entschuldigte sich, und dann wurde dem Mann klar, was er falsch gemacht hatte. Er lehnte die Entschuldigung ab, versicherte ihr, dass sie es gut gemacht hatte, und dass sie in ein paar Tagen es wieder durchgehen würden.

Danach ging die Schülerin, und der Mann seufzte. Er reibte sich die Stirn und fuhr die Finger durch die Haare. Er hielt sich für bescheuert, dass er so viel über eine Kleinigkeit nachdachte.

Wenn er nur zurück gehen könnte… Er dachte, ja, er hätte ein Monster gesehen, aber das war leicht; er musste nicht darüber nachdenken. Er konnte es einfach akzeptieren, dass es immer so sein würde. Aber jetzt sah er eine neue Hoffnung und die Chance, ein glückliches Leben zu führen. Das konnte er nicht ignorieren.

Aber egal wie viel er darüber dachte, kam er immer wieder zu derselben Frage: War er tatsächlich diese neue Figur? Und das konnte er nicht beantworten. Wieso? Wusste er nicht. Deswegen war es leichter, alle anderen Möglichkeiten auszuschöpfen; er wusste, dass er das Monster nicht sein wollte. Er wusste auch, dass er sich immer wieder als diese neue Figur vorstellte. Aber die Vorstellung ist einfacher als die Wirklichkeit.

Wenn nur solche leichten, logischen Schritte aus dem Widerspruchsbeweis zu seinem eigenen Dilemma anwenden könnten!

Zwei Tage später lädt sein Freund, ein Kollege bei der Arbeit, ihn ein, sich am Sonntag im Park zu entspannen. Als der Tag kam, war der Mann ziemlich nervös. Die beiden waren sehr eng und der Freund hat ihm richtig gefallen und er wusste auch, dass er nicht hätte vermeiden können, die brennende Frage zu stellen.

Am Sonntag war es sonnig. Eine einzelne Wolke war nicht im Himmel zu sehen. Außerdem war die frische Luft völlig angenehm. Der Mann hat sich versichert, den Tag zu genießen.

Trotzdem, als er zu Fuß ging, konnte er nicht vermeiden, auf die anderen Männer auf der Straße hinzusehen. Er verglich sich zu ihnen. Er schämte sich, dass er nicht so wie sie aussah.

Aus Frust dachte er, er sei falsch geboren worden, sein Leben sei falsch. Er wollte weinen. Aber wenn er weinen würde, war er überhaupt ein Mann?

Der Spaziergang zum Park dauerte 20 Minuten. Er wollte gute Laune haben, aber es war schwierig. Er schämte sich, dass er so schwach war. Er versuchte nur darüber nachzudenken, dass er sich mit seinem Freund treffen würde, und dass das Spaß machen würde.

Er hatte auch Mittagessen mitgebracht, da sie zusammen picknicken würden. Es gab einen kleinen See im Park. Als der Mann sich mit seinem Freund traf, zeigte der Freund einen Bank neben dem See zwischen Bäume und Büsche, wo sie die Enten und Gänse anschauen konnten.

Sie redeten über die Arbeit. Sie waren Ingenieure, und sie hatten etwas Großes vor und waren begeistert, diesen Plan vorzuführen. Es war klar, dass die beiden die Arbeit liebten, obwohl es manchmal schwierig und mühsam sein konnte. Sie machten auch Witze und redeten über gemeinsame Hobbys.

Nach dem Mittagessen gab es eine kleine, bequeme Pause im Gespräch. Die Frage kam wieder zu den Gedanken des Mannes.

“Kommst du oft hier?” Sagte der Mann kurz danach.

“Hm. Nicht sehr oft. Und nur für eine kurze Zeit. Man langweilt sich. Aber mit dir ist es nicht so langweilig.”

Der Mann war froh und lächelte.

“Und du?” Fragte der Freund. “Gefällt dir dieser Ort?”

“Ja…” Der Mann faltete die Stirn.

Der Freund hörte auf, an den See anzuschauen, und schaute auf den Mann. “Was ist los?”

Der Mann konnte es nicht mehr vermeiden, also hat er die brennende Frage nochmal gestellt. Er schämte sich, aber nichts sagen hielt er auch nicht aus. Der Mann starrte an den Grashalmen, die seine Füße umgaben. Die Grashalme schwenkten ruhig unter der Brise, was ihn auch ein bisschen beruhigte. Der Freund sah ihn neugierig an.

“Also… Was ist der Unterschied zwischen dem Monster, das du gesehen hast, und dieser neuen Figur, die du jetzt siehst?”

Der Mann dachte für einige Sekunden nach. “Ich fühle kein Entsetzen mehr, wenn ich mein Spiegelbild sehe. Und… Als ich mein altes Spiegelbild sah, konnte ich nur ein großes Unbehagen fühlen. Aber ich verstehe es einfach nicht! Es ist kein Problem mit dem Selbsthass oder sowas…”

“Warum wurdest du entsetzt, als du im Spiegel gesehen hast?"

Der Mann musste länger danach denken. Er musste nochmal das Bild von dem Monster vor sich haben, und das tat er widerwillig.

“Ich bin kein Monster. Aber wenn ich im Spiegel nur ein Monster sehe, dann was soll ich denn glauben?”

“Was war besonders schlimm daran?”

“Ich… Ich habe mein ganzes Leben lang ein Bild von mir erstellt. Aber als ich im Spiegel gesehen hatte, wurde dieses Bild zerquetscht… Ich habe immer den Spiegel vermeiden; ich konnte es nicht aushalten, darein zu sehen…” Die Augen des Mannes erweiterten sich. “Mein eigenes Spiegelbild konnte ich nicht erkennen… Jeder, der mich sieht, sieht nur dieses Monster…”

Der Freund war leise und wusste nicht, wie er reagieren soll. Natürlich wusste er, dass der Mann kein Monster war. Aber es würde dem Mann auch nicht helfen, so zu sagen. Er kannte einige, die unzufrieden mit dem eigenen Aussehen waren. Aber dieses Problem schien was anderes zu sein.

“Hmm. Fühlst du dich glücklich, wenn du jetzt im Spiegel siehst?”

“Ja…” Der Mann erinnerte sich daran. Es war wahr. Er hatte sich darüber gefreut, dass er kein Monster mehr sah. Er hatte es nicht für möglich gehalten, dass man etwas anderes als ein Unbehagen oder Traurigkeit empfinden konnte, wenn man an den eigenen Körper erinnert wird oder sieht.

Währenddessen zögerte der Freund. Er dachte an eine Freundin, die aus Russland gekommen war. Sie hatte ein ähnliches Problem; sie wurde als etwas anderes wahrgenommen. Aber sie fühlte die Verwirrung nicht, die der Mann fühlte. Sie wusste ganz genau, was sie machen solle.

“Wenn ich das richtig kapiert habe… D-Du willst wie diese neue Figur wahrgenommen werden… Hab’ ich Recht?”

“Ja…” Er dachte an die Freude, die er fühlte, als er im Spiegel sah. “Genau… Du hast ja vollkommen recht… Aber wie?”

Der Freund lächelte und sah den Mann an. Der Mann konnte seine Augen nicht treffen, aber trotzdem fühlte er den Blick seines Freundes und musste auch lächeln.

“Wie heißt denn diese Figur?”

Der Mann wusste den Antwort sofort, aber trotzdem hielt er inne. Der Name des Mannes im Spiegel zu sagen, wurde das offiziell machen. Aber er konnte nicht mehr warten. Er war bereit und wollte nicht mehr wie vorher leben.

“...Ryan. Er heißt Ryan.”

“Schöner Name!” Sagte der Freund.

Der Mann lachte. “Gefällt dir das?”

Der Freund nickte. Er freute sich darüber, dass er das Problem des Mannes jetzt verstand. Aber er machte sich auch Sorgen.

“… Ich werde dir sagen… Ab jetzt wird es nicht sehr einfach sein. Aber du schaffst das.”

“Was soll ich tun wenn ich die Bestie wieder sehe?”

“Das kann ich leider nicht antworten. Du wirst sie bestimmt wieder sehen. Vielleicht wirst du sie nie loswerden können. Aber mit der Zeit wird es einfacher. Aber ich weiß, du wirst es irgendwie schaffen. Du bist ein starker Mann… Aber nicht körperlich!”

Der Mann lachte wieder. “Danke… Deine Worte bedeuten mir viel.”

Der Mann und sein Freund schauten nochmal an den See. Sie sahen den schönen Anblick ruhig an.

“Wir sind Ingenieure.” Sagte der Freund nach einigen bequemen Minuten. “Wir lösen immer praktische Probleme. Die sind logisch, aber trotzdem schwierig. Wir mussten so weit kommen, an dieser Stelle zu sein.”

Der Mann stimmte zu. Er erinnerte sich daran, als er an der Universität war, wo er den Freund kennengelernt hatte.

“Tja…” lachte der Mann. “Ich will nie wieder so eine Art differenzielle Gleichungen lösen… Das war brutal.” Der Freund lachte auch und nickte.

Der Mann dachte einige Sekunden nach und seufzte. “Na ja, mit einer Gleichung ist der Beweis dafür logisch und zuverlässlich. Sie kann nur richtig oder falsch sein. Aber mit mir… mit meinem Dilemma, kann man so viele Beweise haben, dass man ein Tagebuch anfüllen konnte, o-oder eine These oder eine Geschichte darüber schreiben konnte. Aber es wäre egal. Die Beweise werden nie genügen. Nur kann ich sagen, ob ich diese neue Figur bin oder nicht. Aber das… Das ist viel zu viel kompliziert für mich. Ich schätze… Ich werde nie bestimmt wissen.”

Der Freund faltete die Stirn. “Tja, es gibt keine schlichte Antwort für sowas. Aber du musst es nicht jetzt wissen. Du hast mir schon den Namen der neuen Figur gesagt. Dort kannst du anfangen.”

Der Mann nickte, obwohl er nicht wirklich damit zufrieden war. Er wollte eine Antwort, und zwar jetzt.

Der Freund sprach weiter: ”Du hast mir gesagt dass du immer Ingenieur werden wolltest. Du hast ja immer gewusst. Daher war diese Entscheidung einfach für dich. Aber nichts ist schwieriger als die Probleme, die die Seele betreffen, nicht wahr?” Die beiden sahen einander an. “Du schaffst das.”

 

Acht Monate später

 

Ryan wachte an diesem Tag auf. Es war kein besonderer Tag, und das war auch okay.

Er machte sich keine Sorgen mehr darüber, wen er im Spiegel sah. Das bedeutet nicht, dass er immer glücklich oder zumindest zufrieden war mit dem, was er sah. Das Monster sah er manchmal immer noch, und diese Tage waren am schlimmsten. An diesen Tagen musste er sich daran erinnern, dass er dieses Monster nicht war.

Trotzdem hatte er eine Kostprobe nach Freude gefasst. Nach Glück und Zufriedenheit. Und manchmal sah er die neue Figur: den Mann im Spiegel. Das machte es leichter, weitermachen zu können.

Unabhängig davon, was er im Spiegel sah, wusste er, dass das Spiegelbild ihn nicht bestimmte. Er war nicht nur ein Mann, sondern auch ein Bruder, ein Sohn, ein Vater zu einem kleinen, süßen Hund, ein Freund, ein Privatlehrer, ein Schriftsteller, ein Mathematiker, ein Ingenieur.

Und ja, sein Freund hatte recht. Es war tatsächlich nicht einfach. Aber jetzt wusste der Mann, was er war. Und er war kein Monster.