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“Severus, hättest du vielleicht Lust mit mir aufs Deck zu gehen? Die Sonne geht bald unter und mit dem wolkenlosen Himmel wird das sicher toll aussehen!”, fragte Harry etwas holprig, aber durchaus hoffnungsvoll.
In seiner Jackentasche umklammerte die rechte Hand eisern die kleine Schmuckbox, welche er nun bestimmt schon seit Monaten mit sich herum trug, immer auf der Suche nach dem perfektem Moment, um endlich die eine Frage zu stellen.
Natürlich hatte er auch diesen Urlaub vorgeschlagen, mit dem Gedanken daran, wie Romantisch ein Heiratsantrag doch mitten auf dem offenen Meer sein würde. Dummer Weise war bisher die Romantik auf dieser Kreuzfahrt eher auf der Strecke geblieben.
Harry hatte das wohl nicht gut genug durchdacht.
Dieser Urlaub sollte eigentlich zur Entspannung dienen, nachdem Severus das letzte dreiviertel Jahr so gut wie Tag und Nacht damit beschäftigt gewesen war einen Zaubertrank zu entwickeln, der die Wahrscheinlichkeit für eine Zwillingsschwangerschaft um gute 65% erhöhte. Kingsley hatte den brillanten Tränkemeister um Forschung in dieser Richtung gebeten, nachdem die Geburtenrate auf ein neues Tiefstniveau von einem Kind auf 300 Erwachsene abgesunken war.
Natürlich war Severus letztlich erfolgreich gewesen und Harry war sehr stolz auf seinen Partner, selbst wenn ihre Beziehung durch die Arbeit quasi auf Eis gelegt worden war.
Der Gryffindor war schon sehr glücklich gewesen, wenn Severus Nachts überhaupt ins Bett kam und Harry ihn für ein paar Stündchen in den Armen halten konnte.
Ihre Reise war jedoch nicht wirklich von Ruhe und Entspannung geprägt. Horden an Kindern turnten ständig um sie herum, rannten von einem Veranstaltungsort zum nächsten Vergnügungsbereich.
Natürlich nicht ohne dabei laut rumzuschreien!
Erstaunlicherweise gab es aber mindestens genauso viele Rentner und in den letzten drei Tagen hatte Harry sich schon sieben todeslangweilige Lebensgeschichten anhören müssen, einfach nur weil er es gewagt hatte mit einem dieser Greise Augenkontakt aufzunehmen.
Severus hatte ihm jedes Mal einen höhnischen Blick zugeworfen und hatte sich dann in ihre Kabine abgesetzt, der Verräter!
Hinzu kam, dass auch das Bordpersonal scheinbar zu glauben schien, dass alle Passagiere ständig beschäftigt sein sollten. Wenn man es auch nur wagte sich für eine Weile hinzusetzen und nichts zu tun, als das Wasser zu beobachten, dann konnte man sich sicher sein, dass man ganz bestimmt von einem der übereifrigen Bespaßer angesprochen wurde.
Doch es gab Zeiten, an denen kehrte auf dem riesigen Schiff eine selige Ruhe ein. Immer dann wenn es Zeit fürs Essen war! So wie jetzt!
Severus, der schon seit zwei Stunden auf ihrem Bett lag und las, blickte zu seinem Partner auf und musterte ihn. Harry konnte nur erahnen, was diese scharfen Augen in seinem Gesicht sahen. Ungeduld vielleicht? Oder auch etwas von der Angst, die er sicher verspürte?
Ein leichtes Lächeln zupfte jedenfalls an den Mundwinkeln des Langhaarigen.
“Welchen Sinn sollte das haben?”, fragte er leicht dahin und tat so, als würde er einfach weiterlesen.
Doch so leicht ließ Harry sich schon lange nicht mehr täuschen. Er sah nur zu gut, dass die typische Augenbewegung fehlte.
“Och komm schon, Severus! Ein bisschen frische Luft, einmal tief durchatmen und etwas Bewegung.”
“Was kriege ich dafür?”
“Was hättest du denn gerne?”
Es hätte nicht klarer sein können, dass Harry an dieser Stelle schon gewonnen hatte. Severus legte bereits das Buch beiseite und richtete sich langsam auf. Daher verdrehte der Grünäugige nur die Augen und ging voraus.
Endlose Winkel, zahllose Treppen und der Peinlichkeit sich mal wieder verlaufen zu haben später, hatten sie endlich ihr Ziel erreicht.
Die Sonne stand schon recht tief und verfärbte den Himmel in seinem warmen Orangerot. Erfreulich war auch, dass sich nur hier und da ein paar andere Pärchen tummelten, bei denen sie aber sicher sein konnten, dass diese sie nicht belästigen würden.
Erleichtert atmete Harry tief durch und trat dann an die Brüstung heran.
Severus, der ihm auf leisen Sohlen gefolgt war, tat es ihm nach. Sein Blick war auf die Weiten des Meeres gerichtet. Ausnahmsweise einmal war sein Gesicht nicht streng verzogen, sondern entspannt.
Harry konnte nicht anders, als innerlich dahin zu schmelzen.
Severus war sicherlich nicht der attraktivste Mann der Welt, aber in Momenten wie diesen, in denen er sich einfach mal ganz locker gab, war er für den Gryffindor einfach unwiderstehlich.
Zusätzlich wehte gerade die salzige Meeresbrise sanft aus der idealen Richtung, sodass Severus lange Haare elegant umhergeweht wurden und Harry das unglaubliche Bedürfnis entwickelte seine Hände darin zu vergraben.
Als die Sonne am klaren Horizont immer tiefer sank und der Tränkemeister tief aber durchaus zufrieden seufzte, sah Harry endlich den perfekten Moment gekommen.
Unauffällig trat er ein paar Schritte zurück und zog das Schmuckkästchen aus der Tasche. Er öffnete es hastig, um zu überprüfen, ob der glitzernde Stein auch mittig saß und im Licht des untergehenden Himmelsgestirn auch schön zur Geltung kam, nur um den Schock seines Lebens zu bekommen.
Der Ring war weg!
Wie konnte er weg sein? Gestern Abend war er doch noch da gewesen! Das wusste Harry genau, er hatte ihn kurz rausgenommen, um ihn ein bisschen zu polieren. Das durfte einfach nicht wahr sein!
Er hatte ewig gebraucht um einen Ring zu finden, der ihm nicht zu kitschig aber gleichzeitig auch würdevoll erschienen war. Wie hatte er das Teil jetzt verlieren können?
Panisch begann er zu grübeln.
Hatte er vielleicht vergessen den Silberring wieder in seine Box zu packen? Und wo könnte er ihn dann hingelegt haben? Er hatte ihn gestern vor dem Abendessen kurz auf dem Männerklo rausgeholt, weil er da einen kurzen Augenblick allein gehabt hatte. Er hatte gestern eigentlich einen Tisch für sie beide alleine reserviert gehabt, für den Antrag natürlich, doch da war was schief gegangen und am Ende hatten sie an der Bar essen müssen.
Die Sache sollte aber ja eine Überraschung bleiben, daher musste er sich etwas vor seinem scharfsinnigen Partner hüten, der einfach alles mitbekam.
Aber könnte er möglicher Weise so dumm gewesen sein den Ring dort liegen gelassen zu haben? Oh Merlin, bitte nicht!
Es ging ihm nicht ums Geld, er könnte locker noch 30.000 neue Ringe kaufen, doch dieser Moment wäre dann schon lange vorbei und er würde bestimmt auch keinen Ring mehr finden, der so optimal zu der Person von Severus passte. Elegant, stilvoll, schlicht und trotzdem auffällig genug, um bemerkt zu werden.
Ob er vielleicht gefunden und beim Personal abgegeben wurde? Gab es hier so was wie ein Fundbüro?
Er versuchte sich unauffällig nach dem Bordpersonal umzusehen, doch niemand war in Sicht, wie immer wenn man die Idioten wirklich gebrauchen konnte!
Severus räusperte sich direkt neben seinem Ohr und Harry sprang gut einen halben Meter vor Schreck in die Höhe, was den Tränkemeister zum Lachen brachte.
“Schlechtes Gewissen, Harry?”, fragte er mit seidiger Stimmt und schlang einen Arm um die Taille seines Partners.
Dieser versuchte sich möglichst nichts anmerken zu lassen, wusste aber gleichzeitig, dass er schwitzte und er konnte auch nicht aufhören nervös auf seiner Unterlippe herumzukauen.
Trotzdem schüttelte er energisch den Kopf.
“Ne, alles gut. Nur ein bisschen frisch hier, findest zu nicht? Vielleicht sollten wir doch lieber rein gehen. Es ist ja auch schon Zeit fürs Abendessen. Da fällt mir ein, ich habe da noch eine Frage zu dieser Kletterwand auf Deck 9. Ich glaube, ich habe da hinten gerade einen Mitarbeiter gesehen.”
Er versuchte sich los zu machen und sich davonzuschleichen, doch Severus verstärkte nur seinen Griff, drehte ihn geschickt, bis sie schließlich in einer richtigen Umarmung dastanden.
Zögerlich erwiderte Harry die Zärtlichkeit, wollte jedoch nichts dringender als los zu laufen und alle Orte abzusuchen, an denen er in den letzten 24 Stunden gewesen war.
Severus musste seine Körperspannung gespürt haben, denn er drückte noch ein bisschen fester zu. Dann drückte er Harry einen sanften Kuss in den Nacken.
“Meine Antwort ist ja!”
“Ja? Wozu?”, fragte Harry verdutzt, aber immer noch nur halb geistig anwesend.
Er konnte sich wirklich ganz genau erinnern, dass er den Ring gestern wieder eingepackt hatte! Eigentlich konnte er gar nicht weg sein!
Severus löste sich so weit von ihm, dass Harry sehen konnte, wie der ehemalige Lehrer die Augen verdrehte.
“Ja, ich will dich heiraten!”
Völlig überrumpelt klappte dem Grünäugigen der Mund auf. “Was? Woher weißt du das, verdammt? Ist ja auch egal. Das geht nicht!”
Die Augenbrauen des Mannes wanderten seine Stirn hinauf. “Es geht nicht? Hast du mir etwas mitzuteilen, von dem ich nichts weiß?”
Harry seufzte. “Okay, hör zu. Ich weiß nicht, wie du von meinen Plänen erfahren hast, du bist einfach zu klug für mich. Aber ich habe den Ring verloren, also kann ich dir keinen richtigen Antrag machen.”
Überraschend brannten Tränen in den smaragdgrünen Augen, die er auch mit schnellem Blinzeln nicht in den Griff bekam.
Er hatte sich das ganze wirklich romantischer vorgestellt!
Severus lachte leise und verteilte dann kleine Küsse auf Harrys Gesicht. Stirn, Ohren, Wangen und selbst die Nasenspitze wurden bedacht.
“Du hast gar nichts verloren. Ich habe mir lediglich die Freiheit genommen mir den Ring selbst anzustecken, nachdem ich ihn gestern in deiner Jacke entdeckt hatte.”, erklärte er schließlich lächelnd.
“Du hast was?”, Harry war schockiert. “Warum durchsuchst du meine Sachen?”
“Ich durchsuche gar nichts, du Dussel. Du hast mir deine Jacke gestern Abend selbst gegeben, als wir noch eine Runde über das Deck gedreht haben und mir kalt wurde. Weißt du noch? Ich konnte nicht umhin deinen Tascheninhalt zu bemerken.”
Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus.
Harry starrte den Mann vor sich einfach nur an, hin und her gerissen zwischen dem Bedürfnis zu lachen, einem kleinem Funken an Wut und auch Scharm darüber, dass er diese Möglichkeit nicht selbst bedacht hatte.
Dann jedoch wurde ihm klar, was Severus ihm gerade gesagt hatte und ein unglaubliches Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.
“Du willst mich also wirklich heiraten, obwohl ich mich manchmal so unglaublich dämlich anstelle?”
Severus lachte. “Deine Begrenztheit lässt mich nur umso besser dastehen. Aber wir werden auf keinen Fall auf einem Kreuzfahrtschiff heiraten, nur um das vorne herein zu klären. Ich bin froh, wenn ich diesem Ding hier den Rücken kehren kann!”
Harry lachte und betrachtete glücklich, wie Severus sich künstlich aufregte.
Die Sonne war jetzt beinahe verschwunden.
Doch einer der letzten Sonnenstrahlen fiel auf den schmalen Ring an Severus linker Hand, als dieser sich selbst die Haare zurück strich, und der kleine bernsteinfarbene Edelstein schien für einen Augenblick so hell zu leuchten wie ihre gemeinsame Zukunft.
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Salut ihr Lieben,
hab diese alte Story auf meiner Festplatte gefunden. Hatte ganz vergessen, dass ich sie überhaupt geschrieben hatte. Nicht sonderlich gehaltreich, aber ein bisschen Fluff kann nie schaden, dachte ich.
LG
Eure Mabji
