Chapter Text
11.12.1976
Igor wachte alleine in seinem Zimmer auf, drehte sich um zu seiner Uhr, und seufzte auf. Schon wieder zu spät. Seit seinem dreizehnten Geburtstag- vor neun Tagen- war sein Vater der Meinung, er wäre alt genug, um von selbst morgens aufzuwachen. Und Igor hatte noch nicht ganz kapiert, wie sein Wecker funktionierte.
Schnell zwang er sich aus dem Bett, um noch eine Chance auf Frühstück zu kriegen, bevor er zur Schule musste. Zum Glück war die Klamottenwahl leicht- er schlüpfte in die Hose, die am nächsten auf dem Boden lag, und dann in den Strickpullover, den er zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Er war ganz dunkelgrau, fast schwarz, mit weißen Strickmustern oben und unten und sogar einer Kapuze. Das hieß, er sah super aus. Er schnappte sich noch seine Schultasche, huschte durchs Bad- ohne geputzte Zähne und gekämmte Haare kriegte er kein Frühstück- und rannte die Treppe hinunter.
Mit einem kleinen Grinsen strich er mit den Fingern über die weihnachtliche Plastikverzierung am Geländer. Weihnachten war nicht so toll, wie alle in Büchern oder Filmen immer taten, aber er freute sich trotzdem schon drauf. Zumindest aufs Geschenkeauspacken. Und vielleicht würde seine Mutter ja Plätzchen kaufen.
Er näherte sich der Küche, und hielt kurz inne, als er die leicht besorgte Stimme seiner Mutter hörte, wie sie von seinem Vater übertönt wurde. “Der Junge ist alt genug. Stell dich nicht so an. Du wolltest doch auch nochmal Urlaub.“ Igor‘s Augen weiteten sich. Urlaub? Das wäre ja spitze. “Und wann sagen wir es ihm?“ hörte er seine Mutter fragen, und voller Vorfreude spazierte Igor in die Küche. Sein Vater sah zu ihm rüber, und dann zu seiner Mutter. Sie schluckte. “Igor, setz dich.“ “Ordentlich.“ Ordnete sein Vater an, bevor Igor überhaupt die Chance hatte, sich zu bewegen. Er tat, wie es ihm gesagt wurde, und unterdrückte das Verlangen, mit dem Stuhl zu wackeln.
“Igor, Liebling.. dein Vater und ich- also, dein Vater hat über Weihnachten ein wichtiges Arbeitstreffen, zu dem er muss. In der Eifel.“ Igor platze fast vor Aufregung. Die Eifel? Die Berge? Er stellt sich jetzt schon vor, wie er ganz leger an all den anderen Kindern vorbei-ski-fuhr. “Ich werde auch mitkommen. Das heißt.. du bist ja jetzt ein großer Junge, ja? Das heißt, wir werden über Weihnachten nicht hier sein.“ nickte sie ihm zu, und Igor nickte freudig zurück. “Wann fahren wir?“ fragte er. Wenn er das im Januar in der Schule erzählte, wäre er bestimmt der beliebteste Junge in der Klasse. Sein Vater räusperte sich.
“Wir fahren. Du bleibst hier.“ sagte er, und Igor stutze. Das machte ja gar keinen Sinn. “Aber-“ “Es ist ein Arbeitstreffen. Da haben kleine Kinder nichts zu suchen.“ sein Vater unterbrach ihn, und warf ihm einen strengen Blick zu. Igor war verwirrt. Als er noch vor der Tür stand, hatten sie doch von Urlaub geredet. In den Urlaub nahm man doch seine Kinder mit. “Jetzt iss. Du bist zu spät.“ Murrte sein Vater ihn an, und Igor griff schnell nach einer Scheibe Brot.
Naja. Er war sich sicher, sein Vater scherzte bloß. Vielleicht wollte er Igor testen, ob er sich gut benahm, wenn er wüsste, dass er das Haus bald für sich hätte. Oder so. Aber keiner fährt einfach über Weihnachten weg und lässt sein Kind daheim. Igor durchschaute ihn schon.
23.12.1976
Der erste Weihnachtsferientag. Jeder andere kleine Junge in seinem Alter schlief heute vermutlich aus- aber nicht Igor. Sein Wecker klingelte pünktlich um Sechs Uhr morgens, und er sprang aus dem Bett. Er hatte alles schon gepackt, hatte gestern Abend seine Zähne zweimal geputzt damit er es heute Morgen nicht musste, und er hatte extra in Klamotten geschlafen, um bereit zu sein.
Sein Vater hatte nicht mehr viele Worte über den Urlaub verloren, außer, dass er um Sieben Uhr morgens, am dreiundzwanzigsten, losfahren würde. Damit sie pünktlich im Hotel ankamen. Was man in einem Hotel so trug, wusste Igor nicht- er hatte einfach mal alles, was ihm relevant schien, in seinen Koffer gestopft. Inklusive drei Badehosen. Schließlich hatten manche Hotels ein Schwimmbad, und Igor würde ganz sicher dreimal täglich reingehen.
Mit seinem Koffer in der Hand humpelte er die Treppe runter, und präsentierte sich im Flur seinem Vater mit dem breitesten Grinsen. Der beachtete ihn zuerst gar nicht- er war zu sehr mit den Koffern seiner Mutter beschäftigt- also stellte Igor seinen ganz einfach dazu. Fast nahm sein Vater den knallroten Griff seines alten Kinderkoffers, aber dann hielt er ein. Er drehte sich um, und musterte Igor von oben bis unten. “Was soll der Quatsch?“ fragte er ihn, und Igor‘s Grinsen fiel ein bisschen. “Ich hab ganz alleine gepackt.“ sagte er, nicht, dass sein Vater dachte, er bräuchte noch Hilfe dabei.
“Wofür?“ fragte sein Vater ihn, ganz langsam, als wäre Igor dumm. Igor überlegte. Er war doch nicht dumm, oder? “Für den Urlaub?“ fragte er, und zuckte leicht zusammen als sein Vater ihm einen Schritt näher kam. “Arbeitstreffen.“ antwortete er, ganz scharf, und Igor‘s Lächeln fiel endgültig. Das war jetzt nicht mehr lustig. Seine Mutter kam in den Flur, und etwas in ihren Augen sah wie Mitleid aus. Igor kapierte nicht. “Aber ich komme doch mit?“ fragte er, und seine Mutter wollte ihn gerade antworten, da tat es stattdessen sein Vater. “Ich habe dir doch gesagt nein! Stell dich nicht so dumm!“
Aua. Schmerz in seiner linken Wange. Tränen schossen in Igor‘s Augen, und mit offenem Mund sah er langsam wieder zu seinem Vater hoch. Sein Gehirn war nicht fähig, zu verstehen, was gerade passiert war. Er guckte wortlos zu, wie sein Vater wütend die anderen Koffer- nicht seinen- ins Auto hievte, und dann seine Mutter anwies, sich endlich reinzusetzen- nicht Igor. Als letztes drehte er sich bloß um zu ihm, und für eine Sekunde hatte Igor noch Hoffnung.
Sein Vater hielt ihm irgendwas hin, und als Igor es nicht nahm, griff sein Vater nach seiner Hand und stopfte es hinein. “Dass du mir bloß abschließt, wenn wir gehen.“ Es war der Haustürschlüssel. Igor schluckte schwer, und die Tränen brannten immernoch in seinen Augen. “Aber-“ versuchte er hilflos ein letztes Mal, aber es brachte ihm nichts. Sein Vater drehte sich um, und mit einem lauten, unschönen Geräusch, fiel die Haustür ins Schloss. Igor war wie eingefroren.
Sein Verstand holte ihn erst ein, als er den Motor des Autos anspringen und sich immer weiter entfernen hörte.
Dann kullerten die Tränen seine Wangen hinunter.
23.12.1976 - bei den Schraders
Richard schreckte plötzlich aus dem Schlaf. Konfus blinzelnd spähte er auf die Uhr über seiner Tür. Acht Uhr Dreißig? Was machte ein zwölfjähriger Junge wach, einen Tag vor Weihnachten, um acht Uhr dreißig?
Das Telefon war’s, was ihn aus dem Schlaf gerissen hatte, und wo er einmal wach war, schälte er sich aus dem Bett und tapste müde in den Flur. “Richard… üühhh.. Schrader?“ gähnte er ins Telefon, und wurde ein bisschen rot wegen seiner fehlenden Etiquette- doch auf einmal hörte er ein Schluchzen auf der anderen Seite des Hörers, und er wurde ein bisschen wacher. “Hallo?“
“Richard?“ Bekam er mit wackliger Stimme als Antwort, und er runzelte die Stirn. “Igor? Bist du das?“ “Richard..“ wackelte die Stimme wieder hilflos, und Richard griff den Hörer mit beiden Händen. “Igor, was ist denn los?“ fragte er, und jetzt war er wirklich hellwach. “…Nichts…“ bekam er ein paar Sekunden später als Antwort, und schaute kritisch in die Luft. “Nichts?“ “…meine Eltern sind weg..“
“Wie, weg?“ “D-Die sind in den Urlaub gefahren.. i-ich meine- ein Arbeitstreffen..“ schluchzte Igor ins Telefon, und Richard glaubte seinen Ohren kaum. “Und die haben dich ganz alleine gelassen?“ fragte er ungläubig. In dem Moment eilte seine Mutter um die Ecke, um sich zu entschuldigen, dass Richard so früh vom Telefon geweckt wurde, weil sie in der Küche beschäftigt war- aber sie hielt inne, als sie hörte, was Richard sagte.
Igor schnüffelte in den Hörer, den er umklammerte, als wäre er sein letzter Freund auf dieser Welt- und hörte nur ein lautes “Was?!“ im Hintergrund der anderen Leitung. Dann hörte er, wie Richard der Hörer abgenommen wurde. “Igor?“ “Ja?“ sagte er ganz leise, damit Richard‘s Mutter nicht hörte, wie er geweint hatte. “Ist alles in Ordnung? Wo sind deine Eltern?“ fragte Richard‘s Mutter ihn, und Igor kamen wieder die Tränen. “In der Eifel…“ sagte er, und seine Stimme wackelte wieder, bevor er sich selbst mit einem Schluchzen unterbrach. Vermaledeit. Das war das schlimmste Schimpfwort, was er benutzen konnte.
Auch wenn er Richard‘s Mutter eine Sekunde später ein schlimmeres leise in sich hineinfluchen hörte. “Wir kommen dich holen Schätzchen, wir kommen, ja? Wir sind in fünfzehn Minuten da. Wir sind gleich da.“ sagte sie, als Versuch Igor irgendwie zu beruhigen, was nicht wirklich half. Er verstand nicht alles, was Richard‘s Mutter sagte- manches davon war wohl ihrem Mann zugerufen, oder zu Richard gesagt- und dann legte sie auf.
Im Auto zeterte sie, wie Richard sie selten hatte zetern hören- es machte ihm fast ein bisschen Angst, aber kurz vor Igor‘s Haus atmete sie tief durch und legte ihre Hand auf Richard‘s Knie auf dem Beifahrersitz. “Es tut mir leid, Richard.. ich möchte mich ja gar nicht so aufregen.. das ist ungesund.“
Dann parkte sie, und innerhalb von Sekunden hatte sie ihre Fassung wieder, und klingelte an Igor‘s Haustür. Richard starrte sie verblüfft an, bis sich ganz langsam die Haustür öffnete.
“Bitte sagt meinem Vater nicht, dass ich vergessen hab, abzuschließen..“ murmelte ein sehr verheulter Igor zu seiner Mutter hoch, und Richard‘s Augen weiteten sich noch mehr. So hatte er Igor noch nie gesehen. Er war sich gar nicht sicher, ob er ihn je hatte weinen sehen. Seine Mutter schob die Tür sanft weiter auf, und zog Richard genau so sanft mit sich in den Flur, und strich Igor über den Kopf. “Ach, Igor.. mach dir keine Sorgen.. wir nehmen dich jetzt erstmal mit, und dann kannst du lecker mit uns frühstücken, ja?“ Fragte sie ihn, und ganz langsam wanderten Igor‘s rotgeflennten Augen zu Richard. Der schluckte an dem Kloß in seinem Hals vorbei. Ihm war egal, ob das etwas war, was Jungs in seinem Alter taten ohne dafür gehänselt zu werden- er umarmte Igor erstmal ganz fest. So wie Igor in seinen Armen zu zittern begann, war das auch bitter nötig.
Ein paar wacklig gewechselte Worte später gab Igor Richard‘s Mutter seinen Koffer, in den sie reinschaute, und prompt Igor anbot, ihn zusammen noch einmal neu zu packen. Es dauerte nur ein paar Minuten, die wartete Richard unbeholfen auf dem Sofa im Wohnzimmer ab, bis seine Mutter und Igor wieder auftauchten. Igor sah schon eine ganze Ecke besser aus als vorher, und lächelte sogar ein bisschen als Richard‘s Mutter ihm einen Arm um die Schultern legte. “Weißt du denn zufällig, wo deine Eltern dein Geschenk versteckt haben könnten?“ fragte sie, und Igor lächelte ein bisschen und schüttelte den Kopf. “Nee.. also ja.. aber da wo das letztes Jahr war, ist keins.. ich glaube, sie wollten mir eins mitbringen?“ Er schaute hoch zu Richard‘s Mutter, die versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, wie ihr Herz brach. “Das kann natürlich sein.“
Nach einer letzen Runde durchs Haus, um zu gucken, dass auch alles bereit war, für ein paar Tage hinterlassen zu werden, verließen die drei das Haus. Richard‘s Mutter schloss die Tür mit Igor’s Schlüssel ab, und lächelte dann zu ihm herunter. “So, jetzt schnell ab ins Auto, oder uns frieren die Finger ab.“ sagte sie, und sah Igor zum ersten Mal wieder aus vollem Herzen grinsen, wie er zum Auto rannte. Richard rannte hinterher, und war genau rechtzeitig um Igor aufzufangen, als er auf einer Eispfütze ausrutschte. Igor lachte in seinen Armen und klammerte sich an ihm fest, während Richard versuchte ihn wieder auf seine Beine zu bringen, und selber zum Lachen gebracht wurde.
Als die beiden im Auto auf der Rückbank saßen, blickte Igor aber doch wieder traurig aus dem Fenster auf das leere Haus. Richard kaute auf seiner Unterlippe. Irgendwie müsse er Igor doch besser aufheitern können.. dann kam ihm die brennende Idee. Er warf einen verstohlenen Blick nach vorne, um zu schauen, ob seine Mutter zu ihnen sah, und lehnte sich dann zu Igor. Ganz heimlich machte er beide Hände zu einem kleinen Tunnel, und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Sofort sah Igor mit groß leuchtenden Augen zu ihm. “Wirklich??“ “Pst!“
Richard‘s Mutter warf einen Blick in den Rückspiegel, auf die zwei Jungs auf der Hinterbank. Sie wusste nicht, was die beiden da miteinander flüsterten, aber Igor war durch Richard wieder ein Lächeln auf die Lippen gezaubert.
Einen guten Jungen hatte sie da großgezogen.
Igor war den Rest des Tages unglaublich leise gewesen, weil es ihn doch ein bisschen einschüchterte, so kurzfristig in ein Familienfest reinzuplatzen- aber Richard‘s Mutter musste nur kurz ihrem Mann zuflüstern, was geschehen war, und Igor wurde auch von ihm mit einem Lächeln an den Tisch gebeten. Richard warf ständig einen Blick rüber zu Igor, um zu schauen, ob er sich auch amüsierte, und für die meiste Zeit war das auch so.. aber zum Abend hin wurde er doch wieder ganz leise.
Er half Richard gerade beim Abwasch- obwohl seine Mutter ihm hunderte Male gesagt hatte, er solle sich auf dem Sofa entspannen- da sah Richard wie sein Gesicht wieder trauriger wurde. Igor starrte leer in die Luft, und rieb gerade schon seit einer halben Minute an einem nicht existenten Fleck an einem Wasserglas. Verwirrt folgte Richard seinem Blick.. und bemerkte, dass Igor auf den Mistelzweig starrte.
Oh. Vor ein paar Stunden hatte Richard‘s Vater seine Mutter unter dem Mistelzweig erwischt und sie so herzlich geküsst, dass ihr Lachen die ganze Wohnung erhellte. Richard hatte es eklig gefunden, und sich zu Igor gedreht um sich drüber lustig zu machen, aber Igor hatte eher traurig dreingeschaut. Richard wusste nicht viel über seine Eltern, aber er hatte sie noch nicht einmal miteinander reden sehen, geschweige denn küssen. Das war vielleicht nicht einfach gewesen, für Igor zu sehen.
Richard wollte nicht, dass er schon wieder so tief in traurige Gedanken stürzte. Er stupste ihn mit seiner Schulter an. “He du.“ “Hm?“ “Sollen wir gleich.. das Ding holen? Wovon wir im Auto geredet haben?“ zischte er Igor zu, und sah, wie das Funkeln in seinen Augen zurückkam. Der Junge versuchte sichtbar ein Grinsen zu verstecken, als er endlich das Glas wegtat. “Kriegen wir keinen Ärger?“ fragte er, und guckte Richard unschuldig an- der prompt zu kichern begann, das letze bisschen Spül ins Regal stopfte, Igor an der Hand nahm und mit ihm den Flur runter rann.
Beide wurden mucksmäuschenstill, und Richard öffnete so leise wie es bloß ging die Besenkammer. Ein bisschen rumwühlen- und da war es. Richard‘s Geschenk. Eine wunderschöne, wirklich wunderwunderschöne Akustikgitarre. Er hatte sie schon vor zwei Tagen gefunden- definitiv nicht weil er rumgeschnüffelt hatte, oh nein. Zum Glück hatte sein Vater, der für die Geschenkverpackung verantwortlich gewesen war, sich die Form einer Gitarre nicht zugetraut, und deshalb nur eine große rote Schleife um den Hals gebunden.
Igor war hin und weg.
Er streckte die Hand aus, um sie anzufassen, stutzte aber, und sah Richard fragend an, ob er das denn dürfte. Der Junge grinste ihn bloß an, mit einem Finger über den Lippen, und so schloss Igor die letzen paar Zentimeter Abstand zwischen ihm und der Gitarre. Sie sah nicht billig aus, aber Richard wünschte sie sich auch schon seit zwei Jahren, es war höchste Zeit, dass ihm der Wunsch erfüllt wurde. Auch wenn Igor gerne davon geträumt hatte, mit dreizehneinhalb reich und berühmt zu werden und für Richard eine zu kaufen, nur um ihn grinsen zu sehen. Naja. Das konnte er ja auch noch mit vierzehn erledigen. Schließlich hatte Richard noch keine elektrische Gitarre.
Drei Stunden später, als sie eigentlich ganz offiziell schon schlafen sollten, schlichen die beiden sich aus Richard‘s Zimmer und holten sich die Gitarre. Wie zwei Räuber kicherten die beiden auf dem Weg zurück, natürlich nicht so laut, um jemanden wecken zu können.
Natürlich nicht.
Schließlich war Richard‘s Mutter eh noch wach.
Aber auch, als sie durch die Wand, die sich das Elternschlafzimmer und Richard‘s Zimmer teilten, leise und schiefe Gitarrentöne hörte, sagte sie nichts. Sie lächelte bloß in die Zeitung, die sie noch las, und hörte den beiden zu, wie sie abwechselnd auf der stibitzen Gitarre versuchten zu spielen.
Dieses eine besondere Weihnachten war das wohl in Ordnung.
