Work Text:
„Ich hab mich in jemand anderes verliebt. Aber … diese andere Person will mich nicht.“
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Bob knallt die Fahrertür des Käfers schwungvoll zu und lässt den Kopf auf das Lenkrad fallen, gerade so bedacht, nicht aus Versehen die Hupe auszulösen.
Ich hab mich in jemand anderes verliebt. Wenn sich unsere Blicke treffen, dann sackt der Boden unter meinen Füßen weg.
Wo kam das denn alles her?
Eigentlich hat er sich eine ganz andere Geschichte ausgedacht, ein anderes Problem weswegen er Dr. Franklins Hilfe benötige. Doch als er in ihrem Behandlungszimmer saß und der Regen von draußen beinahe schon hypnotisierend gegen das Fenster prasselte, waren all die Gedanken aus ihm herausgebrochen, die er sich bisher verboten hat in Worte zu fassen.
Gedanken, die er eigentlich immer weit von sich schob, wann immer sie ihm in den Kopf kommen.
Gefühle, über die er nicht gerne nachdenkt.
Sie heißt übrigens … Brenda.
Wenigstens war ihm dort drin gerade so genug Verstand geblieben, dass er ihre Vermutung, es würde sich um ein Mädchen handeln, so hingenommen hat, ihm sogar noch ein Name eingefallen ist.
Der hypnotisierende Regen und Dr. Franklins beruhigende Stimme haben ihn vielleicht dazu gebracht, mehr von sich preiszugeben, als ihm lieb ist, aber immerhin hat er nicht den Namen der Person ausgesprochen, von der tatsächlich die Rede war.
Laut seufzend setzt Bob sich im Fahrersitz gerade auf. Er fährt sich ein, zweimal mit der linken Hand durch die Haare und steckt mit der rechten den Autoschlüssel ins Zündschloss, um den Wagen zu starten. Justus und Peter warten bestimmt schon auf ihn.
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„Was für eine geniale Idee!“, ruft Peter begeistert, nachdem Bob die Therapiestunde kurz zusammengefasst hat.
„Brenda also, so so … na lass das mal nicht die gute Liz hören“, fügt er noch neckend hinzu und schwingt seinen Arm um Bobs Schultern, um ihn an sich heranzuziehen.
Bobs Magen zieht sich unangenehm zusammen bei der Erwähnung seiner Freundin. So perfekt wie er sie Dr. Franklin beschrieben hat, ist seine Beziehung schon lange nicht mehr und das gehört ebenfalls zu den Gedanken, über die er nicht zu genau nachdenken darf. Nachdenken will.
Peters Arm liegt warm und schwer um seine Schultern und in der ohnehin schon warmen und stickigen Luft der Zentrale kribbelt seine Haut dort, wo sie Peters berührt, unangenehm.
Mit einem undefinierbaren Geräusch, das irgendwo zwischen genervt und leicht amüsiert über Peters Spruch angesiedelt ist, schüttelt er den Arm ab.
„Warum erzählt Dr. Franklin dir, dass sie allen Patienten empfiehlt, sich nicht zu verschließen und Mrs. Holligan, sie dürfe niemanden von den Anrufen erzählen?“, überlegt Peter und lässt sich auf das Sofa fallen. „Eine der beiden muss lügen!“
„Genau, Zweiter. Vielleicht sollten wir Mrs. Holligan noch einmal einen Besuch abstatten“, stimmt ihm Justus zu.
Mit einem Grummeln richtet sich Peter wieder auf. „Na dann los, ich fahre!“
Zu dritt verlassen sie die Zentrale und Bob versucht unauffällig seinen Arm auszuschütteln, der immer noch ein bisschen kribbelt.
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Meintest du nicht, du und Elizabeth würdet eine glückliche Beziehung führen, voller Vertrauen und ohne Kompromisse? Darüber würde ich mir an deiner Stelle mal Gedanken machen.
Dr. Franklins Worte hallen auch nachdem sie den Fall gelöst haben noch tagelang in Bobs Kopf.
Es ist spät am Abend und er sitzt alleine auf seinem Bett. Die Beine hat er im Schneidersitz überschlagen, auf seinem Knie balanciert ein eingerahmtes Foto von Elizabeth und ihm.
Es ist auf einer Strandparty letztes oder vielleicht auch schon vorletztes Jahr entstanden, Bob in kurzer Hose und barfuß im knietiefen Wasser und Elizabeth auf seinem Rücken, sie hat ihn mit Armen und Beinen eng umklammert. Sie lachen beide und Bob weiß noch genau, dass er nur wenige Augenblicke nach der Aufnahme von einer überraschend starken Welle rücklings umgerissen wurde.
Das Foto ist eins der aktuellsten, die es von ihm und Elizabeth gibt. Und es ist vielleicht das aktuellste, auf dem nur er und Elizabeth zu sehen sind, auf dem sie extra für ein Foto posieren. Nicht als Teil einer großen Gruppe, nicht verschwommen im Hintergrund, nicht als Momentaufnahme.
Es ist das aktuellste Foto von Bob und seiner Freundin als Paar und er weiß nicht einmal, ob es bereits ein Jahr oder vielleicht sogar schon ganze zwei Jahre alt ist.
Ich hab die beste Freundin, die man sich wünschen kann. Elizabeth und ich sind jetzt seit vier Jahren zusammen und ich glaube, dass wir füreinander geschaffen sind.
Sein Handy vibriert auf dem Schreibtisch. Behutsam legt Bob das Foto von seinem Knie aufs Bett und steht auf. Sein rechtes Bein ist eingeschlafen und leise fluchend humpelt er zu seinem Schreibtisch.
Von seinem Handydisplay grinst ihm eine jüngere Elizabeth entgegen. Das Foto hat sie bei einem ihrer ersten Dates selbst aufgenommen und als Kontaktbild eingespeichert.
„Ja?“, sagt Bob, als er den Anruf entgegennimmt.
„Bob? Hi, ich bin’s. Können wir uns am Strand treffen?“
Ihre Stimme klingt seltsam angespannt, als würde sie sich bemühen, normal und beiläufig zu klingen und es nicht ganz schaffen. Irgendetwas kribbelt ganz tief in Bobs Bauch, es ist kein gutes Gefühl.
„Klar. In einer halben Stunde?“
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Trotz der späten Stunde ist es immer noch beinahe unangenehm warm, als Bob am Strand aus dem Käfer steigt und auf Elizabeth zugeht. Sie sitzt nahe am Wasser im Sand, die Sonne steht tief über dem Horizont und lässt ihre Haare rot leuchten.
„Hey“, macht er sich bemerkbar, als er fast bei ihr ist und bleibt schließlich hinter ihr stehen. Bob legt seine Hände auf ihre Schultern und beugt sich nach unten, um ihr zur Begrüßung einen Kuss zu geben. Doch Elizabeth dreht sich zur Seite weg, klopft mit der Hand auf den Sand neben ihr. Das ungute Gefühl in Bobs Bauch ist schlagartig zurück, stärker als zuvor.
„Hi. Setz dich doch.“ Die falsche Unbekümmertheit ist immer noch in ihrer Stimme, Bob hat sie sich am Telefon nicht eingebildet.
Sie sitzen lange schweigend nebeneinander und schauen der Sonne dabei zu, wie sie sich immer weiter dem Wasser nähert. Es könnte ein romantischer Abend am Strand sein, sie sind fast alleine hier. Nur ein alter Mann wirft ein paar hundert Meter weiter für seinen Hund ein Stück Treibholz.
Könnte , wenn der gespielt lockere Ton in Elizabeths Stimme nicht wäre, wenn sie sich seiner Berührung eben nicht so offensichtlich entzogen hätte, wenn die Anspannung zwischen ihnen nicht wäre, die man beinahe schon greifen kann.
Könnte, wäre, hätte .
Gerade als Bob die Stille selbst durchbrechen will, fragen will, weshalb sie ihn hergebeten hat, holt Elizabeth tief Luft.
„Ich kann das nicht mehr.“ Ihre Stimme ist ungewohnt leise, ihre Augen sind starr auf das Meer gerichtet.
„Was“, sagt Bob langsam, flach.
„Das alles. Uns.“ Mit einer Hand gestikuliert sie zwischen ihnen, den Blick immer noch auf dem Wasser.
„Du machst Schluss.“ Die Worte, die da aus Bobs Mund kommen bilden eine Feststellung, keine Frage. Seine Ohren rauschen, seine Finger kribbeln und sein Magen ist auf die Größe einer Walnuss zusammengeschrumpft.
Elizabeth dreht jetzt den Kopf zu ihm, schaut ihn lange an.
„Haben wir das nicht eh schon lange und haben es nur nicht selbst gemerkt?“
Verschwunden ist der künstlich beiläufige Tonfall, ihre Worte klingen hart und resigniert.
„Wann sind wir das letzte Mal ausgegangen? Wann haben wir das letzte Mal Zeit miteinander verbracht? Nur wir beide? Als Paar?“
Sie fährt sich mit der Hand durch die Haare, schiebt sie hinters Ohr. Bob sieht, dass ihre Finger zittern.
„Ich mag dich, Bob. Ich mag dich wirklich. Aber sind wir mal ehrlich, wir sind doch schon lange nur noch zusammen, weil wir es gewöhnt sind. Weil wir das die letzten vier Jahre schon waren und warum soll man etwas ändern, das funktioniert?“ Ihr Tonfall wird bitter.
Bob will etwas sagen, aber der Kloß, der sich in seinem Hals bildet, hindert ihn daran.
Und eigentlich hat sie ja Recht. Eigentlich ist das hier genau die Schlussfolgerung, die er auch aus seinen Gedanken von vor ein paar Stunden in seinem Zimmer hätte schließen sollen, als er das Foto betrachtet und über ihn und Elizabeth nachgedacht hat.
„Es ist so leicht, einfach weiterzumachen wie bisher. Du verbringst deine ganze Zeit mit Peter und Justus und wir telefonieren oder treffen uns ab und zu. Ich bin da wenn deine Eltern Geburtstag haben und an Thanksgiving und Weihnachten sind wir abwechselnd bei deiner und bei meiner Familie. An Silvester nehmen wir uns vor, dass wir dieses Mal wirklich mehr zusammen machen, vielleicht auch mal gemeinsam verreisen und am Ende bist wieder irgendwo mit deinen Freunden unterwegs, weil ihr wieder mal einen Fall an Land gezogen habt.“
Ihre dunklen Augen finden Bobs, sie schimmern und Elizabeth blinzelt mehr als gewöhnlich.
„Und du bist ja gar nicht alleine schuld. Da gehören ja immer zwei dazu und ich habe mir jetzt auch endlich selbst eingestanden, warum es mich nicht stört, dass wir so wenig Zeit miteinander verbringen.“
Bob schafft es endlich, den Kloß in seinem Hals herunterzuschlucken. Er spürt seinen Herzschlag bis in die Fingerspitzen und seine Stimme zittert ein bisschen.
„Du liebst mich nicht mehr.“
Elizabeth schaut ihn so eindringlich an, dass er das Gefühl hat, sie würde schon beinahe durch ihn hindurchsehen.
„Liebst du mich denn noch?“
Als Bob keine Antwort auf die Frage weiß, zuckt sie mit den Schultern und ihre Lippen verziehen sich zu einem traurigen Lächeln.
„Siehst du.“
Ihre Augen finden wieder das Meer, sie zieht die Beine an die Brust und schlingt ihre Arme um sie. Legt das Kinn auf die Knie.
Bob schaut auch auf das Meer hinaus, auf die Wellen, die sich aufbauen, größer werden und dann am Strand weiß schäumend zerbrechen.
Er überlegt.
Der rationale Teil in ihm weiß, dass Elizabeth Recht hat. Weiß das schon lange und hat sich bis heute erfolgreich davon abgehalten, darüber nachzudenken. Wollte es nicht wahrhaben.
Es ist simpel, verlocken sogar, einfach so weiterzumachen wie bisher. Die Beziehung als gegeben anzunehmen, als etwas, an dem nicht gerüttelt wird. Never change a running system.
Aber manchmal muss man sich eingestehen, dass ein System nicht mehr läuft.
„Ich mag dich“, hört Bob sich selbst sagen. „Du bist mir wichtig.“ Die Worte klingen so hohl und flach, leere Worthülsen, dass er selbst das Gesicht dabei verziehen muss. Es ist die Wahrheit aber es ist nicht die Antwort auf die Frage, die ihm gestellt wurde.
„Aber du hast Recht“, fügt er nach einer Pause hinzu.
Elizabeth dreht den Kopf so, dass ihre Wange auf ihren Knien liegt und sie Bob ansehen kann. Sie streicht sich die Haare aus dem Gesicht und lächelt ihn wieder mit ihrem traurigen Lächeln an. Ihre Wangen sind feucht. Bob spürt, wie seine eigenen Augen brennen und er blinzelt.
„Ich weiß, das will man eigentlich nicht bei einer Trennung hören“, sagt sie und zieht die Nase hoch. „Aber wir können gerne Freunde bleiben. Ich glaub das waren wir in den letzten Monaten sowie schon mehr als alles andere. Und du bist mir ja auch wichtig. Aber …“, sie schweift ab, zuckt mit den Schultern.
Bob versteht auch ohne Worte, was sie meint.
„Anders“, sagt er, weil er auch nicht die richtigen Worte dafür finden kann, was sie beide scheinbar fühlen. Sie nickt.
Die Sonne ist inzwischen komplett hinter dem Horizont verschwunden. Der alte Mann mit seinem Hund ist längst nicht mehr am Strand, dafür lässt sich eine Gruppe Jugendlicher nicht weit von ihnen im Sand nieder, eine Musikbox und klirrende Flaschen im Gepäck.
„Soll ich dich nach Hause fahren?“, bietet Bob an.
Elizabeth nickt, löst die Arme um ihre Beine und steht auf. Klopft den Sand von ihrer Hose und hält Bob dann die Hand hin, um ihm aufzuhelfen. Schweigend stapfen sie nebeneinander zu dem gelben Käfer.
Vor der Motorhaube bleibt Elizabeth stehen und dreht sich zu Bob um. Sie kaut auf ihrer Unterlippe, streicht sich eine Haarsträhne hinter das Ohr.
„Wäre eine Umarmung jetzt seltsam?“, sagt sie.
Bob macht drei Schritte auf sie zu und schließt die Arme um sie. Drückt sie an sich und vergräbt den Kopf in ihren Haaren. Atmet ihren vertrauten Geruch ein und blinzelt die Tränen nicht mehr weg.
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„Liz und ich haben uns getrennt“, sagt Bob am nächsten Tag, als er die Zentrale betritt.
„Oh“, sagt Peter.
Das Telefon klingelt, bevor Justus etwas sagen kann.
„Kollegen, wir haben einen neuen Fall“, sagt er nach dem Auflegen. „Bob, das mit Liz tut mir wirklich leid.“
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Elizabeth hat Recht damit behalten, dass sich die Trennung schon lange angekündigt hat und sie es nur nicht bemerkt haben. Es ändert sich so gut wie nichts an Bobs Leben.
Zwar muss er seiner Mutter dreimal erklären, dass und weshalb Elizabeth nicht zu ihrem Geburtstag kommen wird und darf sich genauso oft anhören, wie jammerschade das doch sei, wie gut sie beide zusammengepasst hätten.
Doch ansonsten ändert sich eigentlich nichts. Ein Fall jagt den nächsten und ehe sie sich versehen sind die Sommerferien vorbei und das letzte Schuljahr bricht an.
Der Herbst ist in Rocky Beach angekommen.
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Elizabeth sollte auch damit Recht behalten, dass sie Freunde bleiben können.
Nach ein paar Wochen trifft Bob sie zufällig im Eiscafé und ehe sie sich versehen sitzen sie gemeinsam an einem Tisch und plaudern miteinander.
Es ist einfacher jetzt, wo sie nicht mehr krampfhaft versuchen etwas zu sein, was sie nicht mehr sind. Wo sie nicht mehr nicht zugeben wollen, dass sich etwas verändert hat, ohne dass sie es gemerkt haben.
Es ist gut, so wie es ist.
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Irgendjemand feiert eine Hausparty, hat beinahe die komplette Schule eingeladen.
Bob kennt den Gastgeber nicht, aber Peter ist mit seinem Bruder in einem Sportteam und hat ihn und Justus mitgeschleppt. Es ist Wochenende, sie haben ausnahmsweise Mal keinen aktuellen Fall, wollen einfach mal das ganz normale Teenagerleben genießen.
Aus dem Haus dröhnt laute Musik nach draußen, Bob sitzt mit einem Becher Bier in der Hand am Lagerfeuer und hört mit einem Ohr dabei zu, wie ein ihm fremdes Mädchen ihren Freundinnen mit einer verwirrenden Ausführlichkeit von ihren letzten Datingerlebnissen erzählt.
Wo seine Freunde gerade sind, weiß er nicht so recht. Peter und Kelly hat er schon länger nicht mehr gesehen und Justus wollte vor einiger Zeit sich eigentlich nur kurz etwas Neues zu Trinken holen und ist seitdem nicht mehr aufgetaucht.
„Bobbele!“, ertönt da eine ihm sehr bekannte Stimme über den Lärm der Musik hinweg und bevor er irgendetwas sagen kann, lässt sich Peter neben ihm auf den Boden fallen. Sein Arm hängt schwer über Bobs Schulter und mit der Hand klopft er ihm auf die Brust.
„Ich hab dich üüüberall gesucht!“, ruft er und fuchtelt mit seiner anderen Hand so wild herum, dass Bob Angst hat, dass er den Inhalt seines Bechers gleich über ihm auskippen wird. „Komm mit rein, wir tanzen!“
Bob lässt sich von Peter auf die Beine ziehen. Dann schiebt sein Freund ihn mit jeweils einer Hand und einem Handgelenk auf den Schultern vor sich Richtung Haus, bugsiert ihn zwischen ihren feiernden Mitschülern hindurch in eine Ecke, in der Bob Justus und Kelly sehen kann.
Als Kelly ihren Freund entdeckt, rennt sie auf ihn zu, schlingt die Arme um seinen Hals und zieht ihn mit sich. Bob stellt sich zu Justus, der sich etwas angespannt im Takt der Musik bewegt und ihm sein Getränk zum Anstoßen entgegenstreckt.
Bob schließt die Augen und beginnt sich auf die Musik einzulassen, zu tanzen. Wer auch immer heute für die Musik zuständig ist, hat einen guten Geschmack.
Als er die Augen wieder öffnet, sind Kelly und Peter direkt in seinem Blickfeld. Ihre Körper bewegen sich geschmeidig zu der Musik, das blitzende, bunte Licht umspielt sie, betont die Muskeln in Peters Armen, als er sie über seinen Kopf nach oben streckt. Sein Shirt rutscht hoch, über dem Bund seiner Jeans ist ein Streifen nackter Haut zu sehen, die vielen Farben der Partybeleuchtung spielen mit seinen Bauchmuskeln.
Bob kann nur mit Mühe seinen Blick losreißen, schüttelt den Kopf, schaut in seinen Becher. Er ist beinahe leer.
„Bin gleich wieder da, ich hol mir noch mal was zu trinken“, schreit er in Justus Ohr um die Musik zu übertönen und hebt zur Verdeutlichung den Becher.
Als er noch einmal einen Blick auf die beiden Tanzenden wirft, sieht Peter ihn an. Bob kann den Ausdruck in seinen Augen nicht benennen.
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Der leere Becher landet im überquellenden Mülleimer und Bob spritzt sich an der Küchenspüle kaltes Wasser ins Gesicht, ehe er sich mit einem Seufzer, dessen Tiefe ihn selbst überraschte, gegen den Kühlschrank lehnt. Er schließt die Augen.
„Ist mit dir alles okay?“
Der Klang von Elizabeths Stimme lässt Bob zusammenzucken. Er öffnet langsam ein Auge, dann das Zweite und brummt etwas, was sowohl ein Ja als auch als Nein sein könnte.
„Ich glaub ich bin betrunken“, murmelt er undeutlich und schließt die Augen wieder, auch wenn er sich sicher ist, dass er von den zwei Bechern Bier garantiert nicht betrunken ist.
Justus, Peter und er haben im vergangenen Sommer einen Abend dafür genutzt, um ihre Grenzen beim Alkohol auszutesten und seine lag definitiv über dem, was er heute getrunken hat.
Er kann ein schnaubendes Lachen von Elizabeth hören, sie scheint ein paar Schritte näher gekommen zu sein.
„Bob“, sagt sie. zieht seinen kurzen Namen in die Länge, dann herrscht wieder Stille in der verlassenen Küche. Bob öffnet wieder die Augen und sieht, wie sie an die Arbeitsfläche gelehnt dasteht und auf ihrer Unterlippe kaut. Sie will offensichtlich etwas sagen, traut sich aber nicht.
„Spuck’s schon aus“, sagt er.
„Ich habe euch grad … beim Tanzen beobachtet“, sagt Elizabeth und an dem Fakt, dass sie ihn dabei nicht anschaut, bemerkt Bob, dass es ihr etwas unangenehm ist, das zuzugeben. Ihm ist es auch ein bisschen unangenehm.
Eine lange Pause, dann: „Du hast Kelly ganz schön angestarrt“
Jetzt ist es an Bob, amüsiert die Luft auszustoßen. Er lehnt den Kopf wieder gegen den Kühlschrank und schließt die Augen.
„Nicht Kelly.“
„Nicht …“, vor seinem inneren Auge kann Bob sehen, wie sie gerade vermutlich fragend die Stirn in Falten legt.
„Ich war doch im Sommer bei dieser Therapeutin“, beginnt er zu erzählen. Die Augen weiterhin geschlossen, den Kopf von Elizabeth abgewandt.
Vielleicht ist er wirklich angetrunken, so leicht wie die Worte, die er eigentlich niemals jemandem gegenüber noch einmal aussprechen wollte, aus ihm herausströmen.
Vielleicht ist seine Exfreundin, die jetzt nun nur noch eine Freundin ist, auch nicht die richtige Gesprächspartnerin dafür.
Vielleicht ist sie genau die Richtige dafür.
„Auf jeden Fall habe ich einen Grund dafür gebraucht, warum ich Therapie benötige. Und dann habe ich ihr von uns erzählt. Also, nicht davon, dass wir eine Beziehung führen, die die Bezeichnung eigentlich gar nicht wirklich verdient hat, das wollte ich ja damals selbst nicht so ganz wahrhaben. Sondern die guten Dinge. Das wir den gleichen Humor haben, die gleichen Ansichten. Ich hab die beste Freundin die man sich wünschen kann und wir sind füreinander geschaffen “, beim Gedanken an die Worte, die er im Sommer bei der Therapeutin gewählt hat, muss Bob unweigerlich das Gesicht verziehen. Ist er wirklich so blind gewesen was seine Beziehung anging? Hat er wirklich erst die trockene Wahrheit aus Elizabeths Mund hören müssen, um sie wirklich wahrhaben zu wollen?
Elizabeth gibt ein „Ohh“ von sich, fasst sich gespielt berührt an die Brust.
Bob geh nicht auf sie ein. Er holt tief Luft, reibt seine Hände an seiner Hose ab.
„Und ich habe ihr von Brenda erzählt.“
„Brenda? Ich …“, Elizabeths weitere Worte werden unterbrochen, weil die Tür aufgerissen wird. Bob zuckt zusammen, als die Musik, die bisher nur gedämpft bis zu hören war, laut hereindröhnt und zwei kichernde Mädchen in die Küche stolpern.
„Kannst du mal vor’m Kühlschrank weg?“, sagt die Kleinere der beiden, sie kommt ihm von der Schule bekannt vor, doch er kann ihr keinen Namen zuordnen. Sie sieht Bob vorwurfsvoll an, bis er zwei Schritte zur Seite macht.
Er steht jetzt direkt neben Elizabeth, die ihn grübelnd betrachtet. Er kann förmlich sehen, wie sie versucht, alle Informationen zu vereinen und die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Als die Küchentür hinter den beiden Mädchen ins Schloss fällt und sie wieder alleine sind, stemmt sie sich auf die Küchenzeile und lässt die Beine baumeln. Betrachtet ihn nachdenklich.
„Ich wusste nicht mal, dass du eine Brenda kennst“, stellt sie schließlich fest.
„Ich habe ihr erzählt, dass ich Gefühle für Brenda hab, aber ihr das nicht sagen kann. Weil ich weiß, dass Brenda nicht genauso empfindet wie ich. Weil Brenda in einer Beziehung ist. Weil ich damals noch in einer Beziehung war. Weil ich die Freundschaft mit Brenda auch nicht gefährden kann mit so etwas. “
Okay, vielleicht ist es wirklich keine gute Idee, sein Herz ausgerechnet seiner Exfreundin gegenüber auszuschütten.
„Ich ignoriere jetzt mal, dass du offensichtlich Gefühle für jemand anderes hattest, während du dachtest, wir würden eine perfekte Beziehung führen. Aber welche Brenda?“, platzt es schließlich aus Elizabeth heraus.
Bob streicht sich fahrig mit beiden Händen durch die Haare.
„Ich kenne keine Brenda“, gibt er schließlich kleinlaut zu. „Ich hab die Person einfach Brenda genannt, weil … weil …“
Hilflos hebt Bob die Hände, sucht nah den richtigen Worten.
Verstehen breitet sich plötzlich auf Elizabeths Gesicht aus, endlich kann sie die Verbindung knüpfen zwischen ihrem Gesprächsanfang und der Brenda-Geschichte.
„Brenda ist Peter.“
Bob lässt die Hände wieder sinken. Nickt.
„Brenda ist Peter.“
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„Und was machst du jetzt? Mit Peter?“, fragt Elizabeth am nächsten Tag. Sie sitzt auf einem der Barhocker an der Küchentheke bei Bob zuhause, während der darauf wartet, dass der Kaffee durchläuft.
Gestern Nacht ist kurz nach ihrem Gespräch ausgerechnet Peter hereingestürzt, wieder auf der Suche nach Bob und hat ihn dann auch ohne Umschweife mit nach draußen gezogen, wo irgendein Trinkspiel im Gange war.
Elizabeth verabschiedete sich kurz darauf auch schon von der Party, jedoch nicht ohne Bob einen Blick zuzuwerfen, der eindeutig aussagte, dass das Gespräch in der Küche noch nicht beendet war.
Und hier sind sie nun. Elizabeth ist kurz vor Mittag bei den Andrews aufgetaucht, hat Bob aus dem Bett geklingelt.
„Was soll ich schon machen?“, sagt Bob, nachdem er vorsichtig den ersten Schluck Kaffee getrunken hat. „Ich weiß nicht ob du es bemerkt hast, aber Peter und Kelly sind sehr glücklich in ihrer Beziehung. Und nur weil ich Peter mag, heißt das ja nicht, dass es auch umgekehrt so ist. Willst du eigentlich auch was trinken?“
Elizabeth winkt ab und stützt den Kopf in die Hände.
„Ich behalte das für mich und du behältst das auch für dich. Geht ja vielleicht auch irgendwann wieder weg. Kein Grund dafür unsere Freundschaft aufs Spiel zu setzen“, sagt Bob und streckt ihr wie zur Verdeutlichung den Zeigefinger entgegen. Er nimmt einen großen Schluck Kaffee, verzieht das Gesicht als die heiße Flüssigkeit sich seine Speiseröhre hinunterbrennt.
Seine Freundschaft zu Justus und Peter ist ihm wichtiger als alles andere. Niemals würde er wegen dummen, vielleicht auch nur flüchtigen romantischen Gefühlen da irgendein Risiko eingehen.
„Hm“, macht Elizabeth und scheint noch nicht komplett davon überzeugt zu sein, doch sie hakt nicht weiter nach. „Okay, und was …“
Der Rest ihres Satzes („… machen wir zwei heute noch?“) geht im Klingeln von Bobs Handy unter. Justus ruft an.
„Kannst du zur Zentrale kommen? Unser Zweiter ist da beim Joggen in was rein geraten und das sieht nach einem neuen Fall aus …“
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Der Herbst geht langsam in den Winter über. Die Anzahl an Fällen nimmt ein bisschen ab, dafür verlangt die Schule all ihre Aufmerksamkeit.
Bobs Gefühle nehmen nicht ab, verlangen weiterhin mehr Aufmerksamkeit, als ihm lieb ist.
Manchmal denkt Bob, dass Peter ihn jetzt durchschaut haben muss. Wenn er wieder nicht zugehört hat, wie Justus irgendwelche genialen Gedankengänge zusammenfasst, für die jeder normale Mensch zwei Gehirne bräuchte, weil er Peter dabei beobachtet, wie er einen Tennisball wieder und wieder in die Luft wirft und geschickt wieder auffängt, die Muskeln in seinen Armen gut sichtbar. Wenn er wieder seinen Einsatz verpasst hat, wenn es darum geht, Rechercheergebnisse mitzuteilen, weil Peter gerade seinen Hoodie ausgezogen hat und es in Bobs Fingern juckt, seine zerstrubbelten Haare wieder in Ordnung zu bringen.
Manchmal denkt Bob, dass doch zumindest Justus ihn jetzt schließlich doch durchschaut haben muss. Sein bester Freund hat eine so unglaublich gute Auffassungsgabe, ihm entgeht eigentlich nichts.
Und doch scheinen sowohl Peter als auch Justus gar nichts zu bemerken, auch wenn Bob sich oft vorkommt, wie ein offenes Buch.
Manchmal wünscht er sich, die Gefühle würden einfach weggehen, wieder verschwinden. Wünscht sich, es wäre wieder wie früher, als er noch nicht die eklige, stechende Eifersucht verspürte, wann immer er Peter und Kelly zusammen sieht. Schämt sich für den Groll, den er Kelly gegenüber manchmal hegt.
„Vielleicht musst du dich ja nach jemand anderes umsehen“, sagt Elizabeth, als er ihr während seiner Schicht in der Bücherei mal wieder sein Leid klagt. Mit dem Finger fährt sie über die Buchrücken. „Neue Leute treffen, daten. Vielleicht verliebst du dich ja neu.“
„Hm“, macht Bob, wenig überzeugt.
„Aber dann darfst du die Person auch nicht so vernachlässigen wie mich. Freunde sind wichtig, aber immer hinten anstehen will man in einer Beziehung auch nicht.“
Bob kickt mit der Schuhspitze gegen den Wagen mit Rückgaben und verschränkt die Arme von der Brust. „Ich weiß nicht, ob ich das kann. Will. Keine Ahnung.“
Elizabeth zieht ein Buch aus dem Regal und schlägt wahllos eine Seite auf. „War ja auch nur ein Vorschlag.“
Zum Abschied umarmt er sie fest und ist froh, dass wenigstens eine Person sein Geheimnis kennt.
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Ende November stimmt etwas nicht mit Peter. Er sitzt ungewöhnlich ruhig auf dem Schreibtischstuhl in der Zentrale. Spielt nicht mit irgendetwas herum, während Justus von einem äußerst merkwürdigen Kunden auf dem Schrottplatz berichtet, sondern starrt vor sich ins Nichts.
„Hörst du überhaupt zu, Zweiter“, fragt Justus, Sorge in seiner Stimme, und tritt näher an Peter heran.
„Alles okay?“, fragt Bob und überlegt, ob er ihm die Hand auf die Schulter legen kann.
Peter schluckt, reibt sich mit den Handflächen über die Oberschenkel und sagt dann so leise, dass Bob sich zuerst nicht sicher ist, ob er es sich nicht doch nur einbildet: „Kelly hat Schluss gemacht.“
Obwohl er der Größte von ihnen ist wirkt er plötzlich klein, wie er so mit hängenden Schultern auf dem Stuhl sitzt, nicht weiß wohin mit sich und dem Ende seiner Beziehung.
Justus reagiert als erstes, schlingt seine Arme um Peter und zieht ihn eng an sich. Ein nasses Schniefen ist zu hören, als Peter seine Stirn auf Justus‘ Schulter sinken lässt.
Diesmal überlegt Bob nicht, sondern breitet seine Arme auch um seine beiden Freunde aus. Drückt sie eng an sich, lässt Peter seinen Kopf zwischen seiner und Justus‘ Schulter vergraben.
Ein klitzekleines bisschen fühlt er sich schlecht, als er das vertraute Kribbeln in seinem Magen spürt, weil sich Peters Arm fest um seine Taille schlingt und seine Hand warm auf seiner Hüfte liegt.
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Er ist wieder auf einer Party, wieder alleine mit Elizabeth in der Küche.
Wieder sitzt sie auf der Küchenzeile, dieses Mal sind ihre Beine überschlagen und sie spielt mit den Schnürsenkeln ihres linken Schuhs.
Bob schraubt den Deckel wieder auf die Colaflasche, hält ihr einen der beiden Becher hin und nimmt dann einen tiefen Schluck aus dem anderen.
„Also?“, fragt er und sieht sie auffordernd an. Eben noch hat er sich mit Justus und Peter unterhalten, als sie ihm plötzlich von hinten um den Hals fiel. Ihr Atem roch nach Alkohol, als sie ihm ein „Ich muss mit dir reden!“ ins Ohr schrie.
„Wie hast du es gewusst?“, fragt sie, hebt den Blick von ihren Schnürsenkeln und schaut ihn direkt an. „Dass du auch Jungs magst.“
Bob lehnt sich neben ihr an die Arbeitsplatte, nimmt nochmal einen Schluck Cola und zuckt mit den Schultern.
„Keine Ahnung. Das war eigentlich schon immer so. Mädchen sind hübsch. Jungs sind hübsch. Ich hab das eigentlich nie so richtig hinterfragt und dann war ich mit dir zusammen und ich hab noch weniger drüber nachgedacht. Ich hab das ja auch nicht verheimlicht oder so, aber es war nie Thema und irgendwie hat sich auch nie der Zeitpunkt ergeben, an dem sich ein Ach übrigens, ich bin nicht hetero angeboten hätte. Vielleicht hat Justus eine Ahnung, ihm entgeht ja kaum etwas. Und als dann die Peter-Sache dazu kam …“, er wedelt mit seiner freien Hand in der Luft herum. „Um ehrlich zu sein ist der Fakt, dass er kein Mädchen ist, wirklich das kleinste Problem.“
Elizabeth gibt einen kleines „hm“-Geräusch von sich, führt den Becher zu ihren Lippen, trinkt aber nichts.
„Ich glaube ich mag Mädchen“, sagt sie leise in ihr Getränk. „Vielleicht auch nur Mädchen.“
Als Bob sich zu ihr umdreht schaut sie auf und schlägt sich dann ihre Hand vor den Mund. „Sorry, das … will man sicher nicht von seiner Exfreundin hören. Aber ich glaube deswegen hat es mich auch so selten gestört, dass du dauernd was mit Justus und Peter machten wolltest. Und dass wir nicht so viel Pärchenkram gemacht haben.“ Sie zuckt mit den Schultern.
„Ich war ja gegen Ende auch nicht gerade der Traumfreund.“
Bob ist selbst überrascht, dass ihn ihr Geständnis nicht verletzt.
„Ja, aber …“
„Und dass wir besser als Freunde funktionieren haben wir ja auch gemerkt.“
Bob grinst sie schief an. Elizabeth sieht aus, als wollte sie noch etwas sagen, doch es herrscht Stille in der Küche. Von draußen dringt gedämpfte Partymusik herein.
Er lehnt sich wieder mit dem Rücken an die Arbeitsfläche, verschränkt die Arme vor der Brust.
Bob weiß nicht, wie lange sie so nebeneinander verweilen. Irgendwann lehnt Elizabeth sich nach vorne und legt ihre Wange auf seiner Schulter ab.
„Danke“, murmelt sie.
Er will abwinkend mit den Schultern zucken, überlegt es sich im letzten Moment aber doch noch anders, um sie dadurch nicht wegzuschubsen.
„Dafür doch nicht. Ist nicht unser erstes angetrunkenes Küchengespräch.“
„Mhh“, macht sie und atmet dann tief aus.
„Es ist nur …“, Elizabeth hebt eine Hand, fuchtelt damit wortsuchend in der Luft herum, ehe sie sie mit einem dumpfen Klatschen auf ihr Bein fallen lässt. „Mädchen.“
Lachen bringt Bobs Körper zum Beben und sie hebt den Kopf von seiner Schulter. Als er sich zu ihr umdreht schaut sie ihn mit schmollend vorgeschobener Unterlippe an.
„Hey!“
Er lacht noch einmal, dann breitet er die Arme weit aus. Widerstandslos lässt sie sich von ihm in die Arme schließen, legt den Kopf wieder auf seine Schulter.
„Mädchen also“, murmelt er. „Gibt es da ein Bestimmtes, das zu der Erkenntnis geführt hat?“
Elizabeth boxt ihn gegen den Arm und kichert.
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„Hallo? Haaallooo?!“, ruft Bob und trommelt mit den Fäusten gegen die verschlossene Stahltür.
Wieso hat es eigentlich schon wieder ihn getroffen, wenn es darum geht, dass einer von ihnen niedergeschlagen und gekidnapped wird. Nicht, dass er es seinen Freunden wünschen würde, garantiert nicht. Aber Bob weiß auch, dass es nicht gesundheitsfördernd sein kann, so oft das Bewusstsein zu verlieren und eine unbestimmte Zeitspanne später irgendwo wieder aufzuwachen.
Eigentlich sollte er ja nur die Weihnachtselfen im Einkaufscenter beschatten. Irgendjemand bestiehlt die Eltern, die mit ihren Kindern zum Weihnachtsmann kommen und Justus hat einen bestimmten Elfen im Verdacht.
Suchend schaut er sich in dem engen, hohen Raum um. Die einzige Beleuchtung sind Lichtschlitze oben an den kahlen Betonwänden, durch die schwaches Licht fällt.
Er scheint in einem Kellerraum zu sein. Plastikkisten stapeln sich bis unter die Decke. Bob kann im Halbdunkeln nicht erkenne, was sich in ihnen befindet. Genauso wenig kann er erkennen, ob es etwas in diesem Raum gibt, das ihm dabei helfen kann, hier rauszukommen.
Resigniert lässt er sich auf dem Boden nieder, lehnt sich mit dem Rücken gegen die kalte Betonwand. Sein Magen knurrt und er fragt sich, wie lange ihn seine Freunde schon suchen.
Irgendwann muss er weggenickt sein, denn das nächste Geräusch, das er wahrnimmt, ein Schlüssel, der von außen in das Schloss gesteckt wird.
Schnell springt Bob auf, unsicher was ihn erwarten wird sobald die Tür sich öffnet. Er kann nichts von der anderen Seite der Tür hören außer das metallische Geräusch des Schlüssels.
Nach kurzer Zeit, in der sich nichts tut hört er, wie erneut ein Schlüssel – vermutlich ein anderer als der Erste – in das Schloss gesteckt und schließlich auch gedreht wird.
Die Tür wird aufgestoßen und gleißendes Licht ergießt sich in den kleinen Raum. Bob kann gar nicht anders, als sich die Hand schützend vor die Augen zu halten, doch für einen Augenblick kann er erkennen, wie drei Personen auf der anderen Seite der Tür stehen.
„Bob!“
Das ist Peters Stimme, die sich beinahe vor Sorge überschlägt und kaum eine Sekunde später prallt ein Körper gegen Bob, Arme schließen sich eng um ihn. Eine große Hand vergräbt sich in seinen Haaren, presst sein Gesicht gegen eine in einen weichen Pullover gekleidete Brust.
„Wir haben uns solche Sorgen gemacht! Ich dachte wir finden dich nie wieder!“, schreit Peter in sein Ohr und zieht ihn noch näher an sich. Bobs Hand ist unangenehm zwischen ihren Körpern eingequetscht, seine Brille drückt sich schmerzhaft in seine Nase und Wange.
Und doch schließt er einfach die Augen und atmet tief den vertrauten Geruch von Peter ein. Lässt sich von ihm in seinen Armen halten, hört ihm dabei zu, wie er inkohärent versucht zu erzählen, wie er und Justus schlussendlich mit der Hilfe von Inspektor Cotta den Fall doch gelöst und Bobs Aufenthaltsort herausgefunden haben.
Hinter ihnen räuspert sich jemand. Langsam macht Peter einen Schritt zurück, nimmt seine Hand aus Bobs Haaren und von seinem Rücken.
Ein Zittern durchfährt Bobs Körper, der Keller ist kalt und feucht und die plötzliche Abwesenheit von Peters Körperwärme lässt ihn frösteln.
„Jetzt lass mich doch auch mal zu ihm“, grummelt Justus und schiebt sich an Peter vorbei. Er legt seinen Arm um Bob, zieht ihn an sich.
„Du hättest beinahe Weihnachten verpasst, Dritter. Es ist schon der vierundzwanzigste Dezember. Geht es dir gut?“ In seiner Stimme klingt Sorge mit.
Bob nickt nur und lässt sich dann von Justus nach draußen führen, wo bereits seine Eltern neben Cottas Polizeiwagen auf ihn warten. Währenddessen berichtet der Erste Detektiv noch einmal ausführlicher und verständlicher, wie sie den diebischen Weihnachtselfen schlussendlich überführt haben.
Bevor er zu seinen Eltern ins Auto steigt, sucht Bob noch einmal Blickkontakt zu Peter. Doch der schaut nur starr auf seine Schuhspitzen, die Hände in den Hosentaschen vergraben und meidet Bobs Blick. Über seiner Kapuze ist sein Nacken beinahe so rot wie seine Haare.
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„Bringst du noch die Wunderkerzen mit raus? Die müssen irgendwo zwischen den Archivordnern aus diesem Jahr liegen“, ruft Justus Bob beim Verlassen der Zentrale noch zu.
„Klar.“
Irgendwo zwischen den Archivordnern von diesem Jahr erweist sich als deutlich vagere Angabe als zunächst gedacht und Bob muss schlussendlich sämtliche Ordner aus dem Regal herausnehmen und auf dem Boden davor stapeln, bevor er die Packung Wunderkerzen etwas zerknautscht und staubig ganz hinten im Regal entdeckt.
Warum auch immer Justus die Wunderkerzen ausgerechnet dort lagert.
Ein Blick auf seine Armbanduhr teilt ihm mit, dass es nicht mehr viel Zeit bis Mitternacht ist, also beeilt Bob sich aufzustehen. Er klopft sich die Knie ab und will sich gerade auch auf den Weg aus der Zentrale heraus machen, als er im Umdrehen an dem Ordnerstapel auf dem Boden hängen bleibt. Der Turm aus verschieden dicken Ordnern wankt besorgniserregend, ehe er in sich zusammenfällt. Einzelne Blätter segeln durch die Luft.
Schnell fasst Bob die losen Blätter in einem unordentlichen Stapel zusammen und legt sie auf den Schreibtisch. Darum, alles wieder in Ordnung zu bringen und einzusortieren wird er sich in den nächsten Tagen kümmern. Dafür hat er jetzt keine Zeit. Er muss die Wunderkerzen pünktlich für das neue Jahr nach draußen zu seinen Freunden bringen.
Sein Blick bleibt auf dem obersten Blatt Papier hängen. Es ist eine Zusammenfassung der Ereignisse rund um Dr. Franklin und Abigail Holligan. Neben dem Absatz, der in knappen Worten von Bobs vorgeschobenen Therapiestunden berichtet hat jemand mit Bleistift Bob + Brenda gekritzelt, umringt von einem schiefen Herz.
Bob schiebt das Blatt Papier von sich, als hätte er sich daran verbrannt, schnappt sich die Wunderkerzen und verlässt eilig die Zentrale.
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„Fünf, vier, drei, zwei, eins!“
Bob blickt in die strahlenden Augen seiner Freunde, während sie die letzten Sekunden des alten Jahres herunterzählen. Die Wunderkerzen werfen tanzende Schatten auf ihre glücklichen Gesichter.
Vorsichtig, um nicht aus Versehen mit der Wunderkerze etwas anzusengen wirft Bob seine Arme um Justus, drückt ihn an sich, wünscht ihm ein wunderschönes neues Jahr. Dann dreht er sich seinem anderen Freund um, der die Arme schon ausgebreitet hat und schlingt seine um Peters Oberkörper.
Peters Arme schließen sich fest um Bobs Schultern für einen kurzen Moment bildet Bob sich ein, weiche Lippen auf seinem Haaransatz zu spüren. Doch dann legt Peter sein Kinn auf Bobs Kopf ab.
„Auf ein gutes neues Jahr!“ Die Worte vibrieren durch seinen ganzen Körper.
Bob muss wieder an den losen Zettel aus der Fallakte denken. An Brenda. Sein Magen zieht sich zusammen und es ist schwerer als sonst, das Bedürfnis, sein Geheimnis einfach doch mit Peter zu teilen, von sich zu schieben.
„Schaut mal!“, ruft da Justus. In der Ferne erhellt das Stadtfeuerwerk von Rocky Beach den klaren Nachthimmel.
Peter löst langsam seinen rechten Arm um Bob, macht einen Schritt zur Seite und zieht Justus damit zu sich heran.
Gemeinsam schauen sie auf die explodierenden Lichter.
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Mit einem stechenden Schmerz im Rücken wird Bob wach.
Er liegt auf dem alten Sofa in ihrer Zentrale, den Kopf auf Justus‘ Oberschenkel, ein Bein aufgestellt, das andere baumelt über die Armlehne.
Als er die Augen öffnet, kann er schemenhaft Justus’ Kinn von unten sehen, sein Freund hat den Kopf im Schlaf weit nach hinten gestreckt und schnarcht leise vor sich hin. Bob kneift die Augen zusammen, um etwas besser sehen zu können. Justus hat seinen Arm quer über sein Gesicht gelegt.
Einer seiner beiden Freunde muss ihm wohl die Brille abgenommen haben, nachdem er eingeschlafen ist.
Bob kann sich noch daran erinnern, dass sie nach dem Feuerwerk hier wieder zusammensaßen und Vorsätze und Pläne für das neue Jahr geschmiedet hatten.
Wie es nach der Schule weitergehen sollte, wie es mit den Drei Fragezeichen weitergehen sollte, wie sie ihren vermutlich letzten gemeinsamen Sommer in Rocky Beach verbringen sollten.
Irgendwann muss Bob im Gespräch eingeschlafen sein.
Bis auf Justus leises, gleichmäßiges Schnarchen ist es still in der Zentrale. Die Luft ist stickig und verbraucht, aufgewärmt durch die drei Jungs, die den Abend und die Nacht hier drin verbracht haben.
Bob setzt sich vorsichtig auf, bemüht, Justus nicht zu wecken und reibt sich die Augen. Hebt die Hände über den Kopf und streckt sich, verzieht das Gesicht, als es ihm erneut schmerzhaft in den Rücken zieht.
Mit zusammengekniffenen Augen sieht Bob sich in der Zentrale um und versucht seine Brille ausfindig zu machen, flucht leise vor sich hin. Warum hat er sich auch beim letzten Besuch beim Optiker ein so unauffälliges Modell ausgesucht.
Schließlich findet er sie, ordentlich zusammengeklappt liegt sie auf dem Schreibtisch, neben dem Stapel loser Blätter, die er gestern dort zurückgelassen hat.
Bob setzt sie auf, ignoriert den Papierstapel und die Bleistiftkritzelei auf dem Blatt Papier.
Von weiter weg und mehr Sehstärke betrachtet sieht der Winkel, in dem Justus‘ Kopf über der Sofalehne hängt äußerst unbequem aus. Neben ihm sitzt Blacky, die Krallen fest in dem mitgenommenen Bezug verankert und pickt mit dem Schnabel behutsam an Justus‘ Haarspitzen.
Von Peter fehlt jede Spur.
Bobs Magen knurrt. Er nimmt sich einen kleinen Notizzette, schreibt schnell und etwas undeutlich Bin Frühstück besorgen darauf, und legt ihn Justus auf das Knie. Nicht dass der in der Zwischenzeit doch aufwacht und fragt, wo alle abgeblieben sind.
Dann richtet Bob seinen Zeigefinger auf Blacky. „Nicht anknabbern!“
Der Vogel legt den Kopf schief, schaut ihn lange an und schnappt sich dann wieder eine von Justus‘ dunklen Haarsträhnen.
Bob stößt belustigt die Luft aus. „Ja, Just kannst du von mir aus anknabbern.“
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Auf halbem Weg zum Wohnhaus der Familie Jonas sieht Bob Peter auf der Ladefläche von Titus‘ altem Pick-Ups sitzen.
Er hat einen kleinen Ball in der Hand, den er immer wieder gegen eine alte, restaurierungsbedürftige Holztür wirft, die ein paar Meter von ihm entfernt an anderem alten Kram lehnt.
„Ach hier bist du!“
Peter zuckt zusammen, sieht zu Bob und verfehlt es gerade so, den Ball wieder zu fangen. Er rollt die Ladefläche entlang und bleibt schließlich in der Ecke liegen.
„Erschreck mich doch nicht so!“
Bob klettert neben Peter auf den Pick-Up.
„Ich habe mich schon gefragt, wohin du verschwunden bist. Just schläft noch und ich wollte Frühstück holen.“
„Hab‘ ein bisschen frische Luft gebraucht. Bin eine Runde um den Schrottplatz gejoggt.“
Mit großen Augen starrt Bob Peter an. „Du machst Witze, oder? Nein, stopp. Beantworte die Frage nicht. Natürlich meinst du das ernst.“
Er lässt die Beine baumeln, stützt sich mit den Händen hinter sich ab und schaut in den Himmel. Es ist bewölkt und trüb.
„Ich habe noch einen Vorsatz für das neue Jahr, den ich euch nicht verraten habe“, sagt Peter irgendwann in die Stille.
Er hat seinen Blick starr geradeaus gerichtet, auf den abblätternden Lack an der alten Holztür. Bob kann ihm ansehen, dass er seine nächsten Worte sorgfältig überlegt.
„Ich will das neue Jahr nicht mit einem Geheimnis anfangen“, bringt Peter schließlich heraus.
„Eigentlich habe ich mir fest vorgenommen, nichts zu sagen. Ich will nichts kaputt machen und dachte mir, dass ich das einfach wegignorieren kann. Weil mir unsere Freundschaft so wichtig ist. Aber ich kann das so nicht mehr, ich habe die letzten Tage so schlecht geschlafen deswegen und ich bin die ganze Zeit angespannt und unter Stress und …“, die Worte strömen immer schneller aus Peters Mund. Frustriert schlägt er mit der flachen Hand auf die Ladefläche neben sich. Staub wirbelt auf.
„Ach Mist! Warum ist das denn so schwer?“ Peter räuspert sich, hebt in einer hilflosen Geste die Hände. Er sieht aus, als müsse er sich überwinden, ein angeblich verfluchtes Haus zu betreten. „Ich glaub ich bin in dich verliebt.“
Bob lacht auf.
Er ist nicht stolz darauf, dass das die erste Reaktion ist, die sein Körper auf Peters Geständnis zeigt, aber er kann sich nicht davon abhalten.
Peters Kiefermuskulatur tritt hervor, als er die Zähne angespannt zusammenbeißt. Sein Gesichtsausdruck, der vorher noch offen war und zurückhaltene Hoffnung gezeigt hat, verschließt sich.
Bob lehnt sich schnell nach vorne, hebt die Hände. „Warte. Ich lach dich nicht aus.“
Er reibt seine staubigen Handflächen an seiner Hose ab, schiebt die Brille nach oben und vergräbt sein Gesicht in den Händen.
„Erinnerst du dich an Dr. Franklin?“, fragt er. Die Worte klingen undeutlich durch seine Hände hindurch.
„Was?“
Bob fährt mit den Händen das Gesicht herunter, setzt sich die Brille wieder ordentlich auf.
„Erinnerst du dich an Dr. Franklin? Die Sache mit Brenda?“, wiederholt er.
„Brenda? Was hat die denn damit zu tun?“
„Ich kenne keine Brenda.“ Bobs Handflächen bleiben schwitzig, egal wie oft er sie an seiner Hose abreibt und sein Herz schlägt ihm bis in den Hals.
„Was?“, Peter starrt ihn komplett verwirrt an.
„Ich hatte auch eigentlich eine ganz andere Geschichte vorbereitet für die Therapiestunden. Aber als ich dann bei ihr saß und sie mit mir gesprochen hat, ist das irgendwie alles aus mir rausgebrochen“, fängt Bob an zu erklären.
„Damals im Sommer habe ich mir das selbst nicht so richtig eingestehen wollen, schließlich war ich da ja auch noch mit Liz zusammen, du mit Kelly und überhaupt … ich dachte, vielleicht ist es ja normal, dass man irgendwann mal so ein bisschen in die besten Freunde verliebt ist. Hormone oder so, keine Ahnung.“
Er bemüht sich, nicht über seine eigenen Worte zu stolpern. In seinem Kopf sind so viele Gedanken gleichzeitig, die er aussprechen will, dass er gar nicht weiß, wie er sich ausdrücken soll. Es frustriert ihn. Eigentlich kann er doch gut seine Gedanken in Worte fassen.
„Sie hat gedacht ich spreche von einem anderen Mädchen. Ich wollte die Wahrheit nicht zugeben, also hab ich behauptet, sie würde Brenda heißen."
„Bob …“
„Und dann hat Liz Schluss gemacht, aber das war irgendwie gar nicht schlimm und du hattest ja weiterhin Kelly, also habe ich entschieden es einfach weiterhin zu ignorieren. Hab mir gedacht, dass das sicher irgendwann weggeht, nur eine nervige, kleine Schwärmerei ist.“
Bobs Handflächen kribbeln, so oft hat er sie jetzt bereits über seine Jeans gerieben. Sie fühlen sich immer noch feucht an.
„Das hat auch ganz gut funktioniert, ich dachte echt, ich bekomm das hin und jetzt sitzt du hier neben mir und erzählst mir, dass es dir ganz genauso geht? Dass ich …“
„Bob!“ unterbricht ihn Peter, legt seine Hand auf Bobs Knie.
„Was?“
Peter lacht leise.
„Wir sind schon ganz schön blöd. Da haben wir es uns komplett umsonst so schwer gemacht die letzten Wochen.“
Peters Finger wandern langsam Bobs Bein hinauf, dorthin wo seine Hand auf seinem Oberschenkel liegt. Sie zupfen vorsichtig an seinem Zeigefinger, bis er die Hand schließlich dreht, mit der Handfläche nach oben zeigt.
„Meinst du das ist eine gute Idee?“, fragt Bob und verschränkt seine Finger mit Peters. „Unsere Freundschaft …“
„Ich weiß es nicht. Aber ich kann jetzt auch nicht mehr so tun als hätte es dieses Gespräch nie gegeben.“ Peter holt tief Luft. „Es ist verdammt gruselig aber vielleicht bekommen wir das ja hin?“ Er drückt Bobs Hand. „Aber wenn es nicht klappt, dann musst du mir versprechen, dass wir alles daran setzen, weiterhin Freunde zu bleiben, ja? So wie du und Liz?“
Peter hat Recht.
Bob versucht sich vorzustellen, jetzt einfach so weiterzumachen wie bisher. Mit dem Wissen zu leben, dass es Peter genauso geht wie ihm, Trotzdem seine Gefühle zur Seite schieben und sie ignorieren. Er kann es nicht.
„Okay. Versprochen. Wir versuchen das.“
Peters Mund verzieht sich zu einem breiten Grinsen.
„Okay.“
Bob nimmt Peters Hand in seine andere Hand, betrachtet einen Moment ihre verschränkten Finger in seinem Schoß. Dann dreht er seinen Oberkörper zu Peter und hebt die nun freie Hand zögerlich an seine Wange.
„Ich …“, das Wort kommt beinahe tonlos heraus, er muss sich räuspern. „Kann ich …“
Noch bevor er den Satz beenden kann, nickt Peter energisch. Ein Lachen blubbert aus Bob heraus, an dem Kloß in seinem Hals vorbei.
„Ich hab doch noch nicht mal fertig gesprochen!“
„Egal“, sagt Peter und beugt sich vor.
Seine Lippen sind warm und seine Nasenspitze ist kalt.
Bobs Brille ist im Weg, kichernd lösen sie sich voneinander und versuchen es ein zweites Mal.
Peters Haare sind weich zwischen Bobs Fingern, als er sie von seiner Wange zum Hinterkopf wandern lässt, er spielt mit den kurzen Strähnen in Peters Nacken.
„Interessantes Frühstück besorgst du da, Bob“, ertönt da auf einmal die Stimme von Justus und lässt sie auseinanderschrecken.
Ihr bester Freund steht einige Meter von ihnen entfernt da, die Hände in die Hüften gestützt und grinst von einem Ohr zum anderen.
„Es freut mich zu sehen, dass ihr euch endlich eingekriegt habt. Das war ja nicht mehr zum Aushalten mit euch“, stellt Justus fest.
Er lässt seine beiden Freunde verdattert auf dem Pick-Up sitzen und stapft den restlichen Weg zum Haus.
An der Verandatreppe angekommen dreht er sich um und hebt fragend die Hände.
„Frühstück, Kollegen?“
