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Dating Naruto - Dating Sasuke

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Sasuke hasste diesen Tag.

Er hatte Kaffee über seinen teuren Teppich verschüttet, einen Prozess verloren und nun wo er endlich, endlich Feierabend haben sollte, lenkte er seinen Wagen in die Parkbucht eines Restaurant, das so aussah, als ob er weglaufen sollte und nie, nie wiederkommen.

Heute war der Tag seines Dates.

 

Sakura hatte ihm irgendwann eine Telefonnummer auf seinen Schreibtisch gelegt, seine Sekretärin angerufen und den Termin in seinen Kalender eingetragen. Zwischen „Gerichtstermin “ und „Anhörung“ stand dort nun „Abendessen mit Naruto “. Sasuke hätte es vollkommen vergessen, hätte Sakuras schlechte Laune und die blinkende Erinnerung seines Computers am Nachmittag nicht sein Gedächtnis aufgefrischt.

Er wusste noch nicht mal was für ein Restaurant es war, in dessen Eingang er nun stand. Es sah etwas zu modern aus, etwas zu gewollt stilvoll. Die Wände waren in rot gehalten und durch indirektes Licht beleuchtet. Die Sitzpolster waren natürlich schwarz und sahen ungemütlich aus.

Das Publikum bestand größtenteils aus jungen Akademikern. Größtenteils mit reichen Eltern und Zigarette in der einen Hand, während sie den Weißwein in der anderen schwenkte.

Er fragte sich, ob das hier die Idee des jungen Mannes oder die seiner Sekretärin war, zutrauen würde es ihnen beiden.

 

Der Laden war zu voll, die Musik zu laut. Er stieß an Menschen, während er sich die lange Bar entlang schlängelte, um in den hinteren Raum zu gelangen, indem auch Speisen serviert wurden. Berührungen, die ihm zu wider waren.

Dementsprechend gereizt reagierte er auch, als sich unangemeldet und schwer eine Hand auf seine Schulter legte. Er drehte sich so schnell um, dass ihr Besitzer fast sein Gleichgewicht verlor und gegen die Bar stieß.

„Sag mal, zimperlich bist du gar nicht...“, blaue Augen funkelten ihn an. Sein Mund, der zu einer spitzen Antwort schon geöffnet war, schloss sich wieder. Statt etwas zu sagen, betrachtete er lieber den blonden Mann vor ihm. Er war kleiner, als er sich ihn vorgestellt hatte. „Kommst zu spät, rauschst hier mit einem Affenzahn an mir vorbei und jetzt hab ich Bier auf meiner Hose. Grandioser Anfang für diesen Abend, findest du nicht auch?“, die Stimme klang leicht gereizt, jedenfalls das was er über den lauten Bass der Musik heraushören konnte.

„Du bist also Naruto.“, stellte er fest, während der Mann vor ihm auf seiner Hose einrieb.

Augen wurden verdreht, sie sahen in diesem Schummerlicht dunkel aus. „Und du bist das Arschloch, das mir Sakura weggenommen hat.“, wurde nur erwidert. Sasuke räusperte sich: „Bitte?“ Die Sängerin hatte gerade angefangen zu singen, als Naruto seinen Mund aufgemacht hatte, er musste sich verhört haben. Sein Gegenüber seufzte nur und hörte mit den unkoordinierten Bewegungen auf seiner Hose auf. Seine Hand fand das Bier, das er auf den Tresen gestellt hatte und er beugte sich näher zu Sasukes Ohr. „Ich habe gesagt“, brüllte er fast: „Du bist also das Arschloch, das mir Sakura weggenommen hat.“

Eine Weile starrte Sasuke einfach nur. Dann blinzelte er. Sie kannten sich keine zwei Sekunden und schon wurde er beleidigt. Der war ja noch dümmer, als er sich vorgestellt hatte.

„Dir ist also nie aufgefallen, dass ihr untenrum etwas fehlt. Ein bisschen schwer bei dem ganzen Pink, findest du nicht?“, seine Stimme klang gereizter als er gewollt hatte.

Narutos Augen verengten sich zu Schlitzen und Sasuke konnte förmlich spüren wie sie sich für einen Moment in seine bohrten.

„Dass kein Mensch mal irgendwas von Bisexualität gehört hat, wundert mich immer wieder auf’s neue.“ Eine Hand wurde durch blonde Strähnen gefahren. „Aber essen wir lieber was, ich sterbe vor Hunger.“ Und dann drehte er sich und ging einfach. Sasuke biss sich auf die Lippe und folgte ihm wortlos. Der Abend entwickelte sich ganz wie er es sich vorgestellt hatte. Es war ein Desaster.

 

Eisige Stille folgte. Naruto hatte einen Platz in der Ecke ergattert. An einem schwarzen Tisch, mit schwarzen Stühlen und einer einzigen Lilie als Dekoration. Sasuke hatte sich ihm ohne ein Wort gegenüber gesetzt und hinter einer Speisekarte verschanzt.

Die Musik und die Gespräche anderer Leute übertönten das Umblättern der Seiten, das einzige Geräusch an ihrem Tisch.

Jedenfalls bis Naruto seine Karte auf den Tisch feuerte, seine Arme verschränkte und so laut seufzte, dass Sasuke einfach nur aufblicken musste.

„Was ist?“, murmelte er.

„Weißt du“, fing Naruto langsam an: „Ich habe mir wirklich mühe gegeben.“ Sasuke merkte wie eine Augenbraue hochschoss. War das etwa schon das Ende? Das wäre sogar für ihn eine Rekordzeit und er hatte schon viele Frauen stehengelassen.

„Ich habe mich schick gemacht.“, Naruto zupfte an seinem blauen Kordjacket, das über ein weiß-orange gestreiften Hemd nicht ganz so dämlich aussah, wie man denken könnte. „Ich habe mir gedacht: ‚Okay, wenn diese Läden der Stil des Typen sind, dann okay’. Man soll ja nicht vorher schlecht urteilen und so. Aber...“, er seufzte erneut und Sasukes zweite Augenbraue gesellte sich zur ersten. „ ...auf dieser Karte steht nicht ein vernünftiges Nudelgericht.“

„Nudeln.“, wiederholte Sasuke während er seine Karte langsam auf den Tisch absetzte. Das war die dümmste Ausrede, die er jemals gehört hatte. „Du beendest das hier wegen Nudeln?“

„Ich geb mir doch keine Pistaziensoße. Ich will was vernünftiges.“, Naruto war aufgestanden und hatte seine Tasche gegriffen. Einen Klumpen Leder, der Sasuke vorher noch nicht aufgefallen war.

„Kommst du?“, erwartungsvolle Augen blitzten ihn an, während er sich langsam erhob. Es war also wirklich sein Ernst... wegen Nudeln.

Sasuke hatte schon oft an der Welt und der Richtigkeit der Dinge gezweifelt, aber während dem aus dem Restaurant herausstolpern, hinter den energischen Schritten Narutos her, den Blick fest auf dessen blonden Hinterkopf geheftet, überkam ihm das Gefühl einer vollkommen neuen Hilflosigkeit.

Es war nicht so, dass er dem Ende dieses Dates hinterher weinte. Abgesehen davon, dass Sasuke Uchiha nie weinte, hatte er sich vor ein paar Minuten nichts besseres vorstellen können, als aus diesem zu lauten, zu künstlichen, zu vollgepackten Etablissement zu fliehen und sich einen schönen Abend zu Hause zu machen, während er die Akten von morgen noch einmal gemütlich bei einer Tasse Tee durchblätterte.

Das Problem war, dass es verdammte scheiß Nudeln waren, die ihm das alles brachten.

Wenn Naruto wütend wegen Sasukes Unhöflichkeit aus dem Raum gestürmt wäre, okay. Er hätte nur erkannt, was offensichtlich war, nämlich, dass Sasuke nicht interessiert war, was diesem dann erlauben würde mit einem guten Gefühl nach Hause zu fahren und seinen Tee aufzusetzen.

Hätte Naruto wegen seines Aussehens den Rückzug angetreten, wäre das auch vollkommen okay gewesen. Sasuke wusste das er gut aussah, der Idiot hätte einfach keinen Geschmack gehabt. Aber zu gehen, weil es keine richtigen Nudeln auf der Speisekarte gab, das war eine Entscheidung, die sich ganz Sasukes Verstand entzog und auch seines Handlungsspielraum.

Das war so willkürlich, das er davor Angst bekam, was noch passieren könnte. Vielleicht fing es nur mit Nudeln an? Würde morgen ein zukünftiger Klient abspringen, weil nicht genügend Kohlensäure in seinem Wasser war oder zu viel? Wer konnte das schon wissen? Er jedenfalls nicht.

Mit einer geübten Handbewegung fischte er seinen Autoschlüssel aus seiner Sakkotasche. Er hatte nur sein Hemd wechseln können, bevor er hierher gekommen war, ansonsten trug er immer noch seinen Businessanzug. Naruto war draußen stehen geblieben, Sasuke hatte es nicht einmal bemerkt, blind stolperte er an ihm vorbei, während er mit einem Druck auf seinen Schlüsselbund das Auto öffnete.

Seine Gedanken kreisten wie wild durch seinen Kopf.

Bis jetzt waren seine Vorstellungen noch harmlos, aber nach dieser Regel des Keine-Regel-Habens , könnte auch ein Mensch einfach so einen anderen Menschen umbringen, nur um seine Fähigkeiten zu testen oder etwas in der Art. Und so etwas kam vor, das wusste Sasuke.

Langsam umkreiste er das blinkende Auto und öffnete die Fahrertür. Er steckte den Schlüssel ins Schloss und atmete tief durch.

Naruto und der psychopathische Mörder benutzen die gleiche Rechfertigung für ihr Handeln, etwas, das eigentlich keine Rechtfertigung war. Sie hatten beide nach einem momentanen für das Opfer völlig unerklärlich und unantastbaren Motiv gehandelt und...

Es war das Klicken einer weiteren Tür, das ihn aus seinen Gedanken riss.

„Sag mal, bist du immer so schnell? Du rennst weg ohne dass wir uns überlegt haben wohin wir jetzt gehen.“ Ein blonder Schopf schwebte über dem Beifahrersitz.

Einen Moment starrte Sasuke nur das körperlose Gesicht an. Oh... das war jetzt peinlich.

Am liebsten wäre er jetzt in den Boden versunken oder einfach losgefahren. Egal ob Narutos Kopf noch in seiner Tür hing oder nicht. Allerdings war zwar beides sehr verlockend, trotzdem leider keine richtige Option. „Kann ich was dafür, dass du so lahm bist? Steig ein.", fauchte er stattdessen.

„Okay, okay... Bastard.“, murmelte Naruto, während er in den Sitz kletterte und sich anschnallte. Erst als Sasuke sie aus der Parklücke herausgelenkt und Naruto nichts mehr gesagt hatte, wagte er es aufzuatmen.

Eventuell war ihm da ein bisschen die Phantasie durchgegangen. Vielleicht hatte Sakura Recht, vielleicht arbeitete er zur Zeit wirklich ein bisschen viel.

 

Eine kurze Zeit lang fuhren sie schweigend. Sasuke war dankbar für die Stille, sie erlaubte ihm seine Gedanken zu sortieren und sich schnell ein Ziel auszudenken. Unter keinen Umständen würde er in eines seiner Stammlokale gehen oder überhaupt irgendwohin, wo die geringste Möglichkeit bestand, das er erkannt werden könnte. Dieses Date sollte so schnell und unkompliziert über die Bühne gebracht werden wie möglich, am besten ohne großes Aufsehen.

Andererseits wollte er auch nicht so aussehen, als ob er keinen Plan hätte. Er bog darum einfach mal nach links ab. Ein guter Anfang, wie er fand.

Naruto mochte im Gegensatz zu Sasuke die Stille kein bisschen. Er rutschte unruhig auf seinem Sitz hin und her. Dann räusperte er sich.

„Wie wär’s mit ein bisschen Musik?“

 

Ohne ein Wort drückte Sasuke auf einen Knopf. Ein Radiomoderator erzählte ihnen von einer heißen Nacht. Sasuke kniff seinen Mund zusammen, es war Mitte Januar.

Auch Naruto war etwas perplex. Er schaute von dem Knopf zu Sasuke und wieder zurück. „Das ist nicht dein Ernst.“, erklärte er nach einer Weile.

Sasuke zuckte mit den Schultern. Ein kurzer Blick zur Seite zeigte ihm, dass er immer noch aus großen Augen angestarrt wurde. „Du hast ein Auto mit einer der besten Musikanlagen...“, Narutos Stimme war entsetzt: „... und du benutzt sie nicht?“ Unbewusst drückte er ein bisschen fester auf’s Gas, während Naruto wild in seiner Tasche rumzusuchen begann.

„Manmanman. Ein Glück, dass mein MP3-Player kaputt gegangen ist und mir Kiba das hier geliehen hat.“, ein kurzer Blick zur Seite zeigte Sasuke einen uralten, zerkratzten Discman. „Jetzt siehst du mal, was richtige Musik ist.“, ohne zu fragen wurde eine CD in sein Abspielgerät gesteckt. Wenige Sekunden später ertönte ein lauter Electrobeat, der von Naruto noch weiter aufgedreht wurde. Der Bass wummerte in Sasukes Ohren. „Woah“, wurde zu ihm rübergebrüllt: „Bei mir hätt es schon längst geknarrt!“

Dann war es plötzlich still. Ganz still.

Man kannte sogar Narutos entrüstetes Einatmen hören, in diesen Dimensionen von Stillheit befanden sie sich.

„Ey. Was soll das denn?“ Sasuke grinste.

„Hast du noch nie davon gehört, dass der Fahrer die Musik bestimmt?“, erklärte in einer betont lässigen Stimme und stellte das Radio auf einen Klassiksender. Er mochte diese Art von Musik auch nicht besonders, aber Naruto, und da war er sich sicher, konnte sie bestimmt überhaupt nicht ausstehen.

„Bastard.“, fauchte dieser auch nur und lehnte sich weiter in seine Lehne zurück, „Ich sag ja auch nichts, obwohl du die ganze Zeit im Kreis fährst.“

„Ich fahre nicht die ganze Zeit im Kreis.“ Seine Stimme klang gereizt. Auch wenn er nicht genau wusste, wo er nun war. Er war nur einmal links abgebogen. Also konnte er gar nicht im Kreis fahren. Ins Niemandsland ja, im Kreis, nein.

„Die Straße macht einen Bogen, noch einmal links und wir sind da wo wir losgefahren sind“, Sasuke blinzelte. „Du hast keine Ahnung wo wir sind. Hab ich Recht oder hab ich Recht?“, Narutos amüsierte Stimme ärgerte ihn.

„Halt die Klappe.“, murmelte er.

„Ich hätte meine Klappe ja gehalten, aber Monsieur...“, aus den Augenwinkel konnte er eine dramatische Geste in seine Richtung erkennen: „Musste ja die Musik ausmachen um uns allen zu zeigen wie gut er doch mit den Knöpfen in seinem Auto umgehen kann.“

Sasuke merkte wie sein Griff um’s Lenkrad krampfhaft wurde. Die lahme Ente vor ihm, verbesserte seine Laune auch nicht wirklich.

„Werd nicht lächerlich“, presste er zwischen zusammengebissenen Zähnen heraus, während er auf eine Abbiegespur wechselte. Wenn er sich schon verirrt hatte, dann musste er nicht auch noch hinter einem Vollidioten hinterher fahren. Einen hatte er schließlich schon neben sich sitzen, das genügte. „Wie soll irgendjemand bei diesem Krach vernünftig Autofahren?“

„Dir ist schon aufgefallen, dass du hier schon einmal links gefahren bist?“, Sasuke schaute kurz zur Seite. Ein bisschen vom Uchiha-Todesblick musste mitgeschwommen haben, denn Narutos Stimme überschlug sich fast, als er schnell hinzufügte: „Okay. Ein Deal, ich dirigier dich hier raus und dafür darf ich meine Musik hören, nur nicht ganz so laut?“

Sasuke fixierte mit seinen Augen starr die Straße. Er fuhr für eine von Fußgängern gesäumte Straße in einem Kneipenviertel viel zu schnell. Langsam löste er seinen Fuß vom Gaspedal.

„Keine Antwort ist natürlich auch eine Antwort. Und da wären wir schon wieder.“, kommentierte Naruto von der Seite.

Der Fuß war zurück. Und mit ihm die Elektromusik.

Sasuke hasste diesen Tag wirlich.

Naruto anscheinend nicht. Er lachte. „Geht doch.“

Sasuke biss sich auf die Unterlippe. Wenn er jetzt etwas sagte, dann würde der Typ neben ihm nur antworten. Und noch eine höhnische Bemerkung aus diesem viel zu großen Mundwerk konnte er nicht ertragen. Das würde dann zweifellos blutig enden und seine Rechtsanwaltlizenz dafür zu verlieren, war es nun wirklich nicht wert. Er versuchte also zu entspannen, seinen Fuß auf dem Gaspedal zu entkrampfen; er versetzte seinen Griff am Lenkrad und atmete tief ein.

„Also, wohin wollen wir nun? Ich würd ja vorschlagen, dass wir das Beste aus dieser Situation machen und uns ordentlich wegschießen, aber du hast ein Auto und betrunkenes Fahren unterstütz ich so was von nicht.“, Narutos Finger tappten im Takt. Sasuke verdrehte nur seine Augen.

„So moralisch von dir.“

„Ja, nicht wahr?“, er konnte aus den Augenwinkeln Narutos übertriebenes Grinsen sehen und schüttelte seinen Kopf. Was sollte man darauf noch erwidern? „Also Wohin?“, Naruto hatte sich schräg auf den Sitz gesetzt und lehnte nun satt der Lehne gegen die Autotür, sein linkes Bein hing quer über den Sitz und seine Hände krallten sich in den hellen Jeansstoff.

„Ich könnte dich nach Hause fahren.“, Sasuke versuchte nicht all zu hoffnungsvoll zu klingen, was ihm allerdings nur mäßig gelang.

„Keine Alternative“, Narutos Stimme klang düster, als ob es ihm wirklich leid tat. „Sakura wartet da auf mich. Ich will gar nicht wissen was sie mit uns macht, wenn ich zu früh nach Hause komme... “, Sasuke schauderte unwillkürlich „... weißt du, sonst jammert sie rum, dass ich zu viele Nächte durchmache, mein Leben nicht ernst nehme und jetzt ... naja.“

„Du überlässt ihr einfach so deine Wohnung?“, Sasuke waren Besucher ja schon unangenehm, wenn er sie die ganze Zeit im Auge hatte.

„Jaaa“, seufzte Naruto. „Was könnte sie nicht alles für unanständige Dinge anstellen. Mein Gott, sie könnte aufräumen. “

„Wie schrecklich.“, er hatte sich den Kommentar nicht verkneifen können und zu seiner Überraschung lachte Naruto. Es war ein nettes Lachen, bemerkte er, während er einen kurzen Blick auf funkelnde Augen und weiße Zähne erhaschte.

„Du hast ja keine Ahnung wie das ist. Wenn du zum Beispiel reinkommst ist auf der rechten Seite der Stapel mit wichtigem Kram. Auf dem Küchentisch liegt das richtig wichtig, wichtige Zeugs, das ich unbedingt machen muss, und am Pinbrett hängen die Sachen, die eigentlich schon erledigt sein sollten. Immer wenn Sakura da war, dauert das Wochen bis ich wieder was finde. Im Ernst. Dieses Mädchen versteht einfach nicht die Schönheit, die Praxis von strategischer Unordnung...“, Es war etwas beruhigendes in der Art, in der Naruto mit seinen Händen fuchtelte und sinnloses Zeug ohne Punkt und Komma redete. Zum ersten Mal an diesem Abend lehnte sich Sasuke entspannt zurück und ließ sich von den Straßen führen.

„Sie sagt immer, meine Wohnung wäre eine einzige Müllheide, ich nenn es eher eine ungewöhnliche Antiquitätensammlung. Ich mein, es ist ja nicht so, als ob es bei mir stinken würde oder so. Aber Sakura ist sogar so weit gegangen und hat mit zu meinem Geburtstag einen Staubwedel geschenkt. “, Sasuke merkte wie seine Mundwinkel zuckten. „Einen richtigen Staubwedel. Mit pink und grün und hässlich ist das Ding! Ich stand da nur so... um, Danke... und Kiba hat gelacht. Gott, hat der gelacht. Ich hätt ihm das Ding am liebsten ins Maul gesteckt und dann...“

„Ich kann das Auto bei meiner Kanzlei abstellen.“, unterbrach Sasuke den Wortschwall, bevor sein Schmunzeln noch so etwas wie ein wirkliches Lächeln werden konnte.

„... hat Ino mit den Federboakommentaren... was?“, Naruto blinzelte etwas verwirrt, seine Hände in der Luft erstarrt.

„Wir können etwas trinken. Ich stell mein Auto ab,“, wiederholte er, selbst davon überrascht wie anders, wie sanft seine Stimme klang. Mit einem Plumps waren Narutos Hände wieder in seinem Schoß gelandet. „Okay.“, murmelte er leise. Das Leder knautschte, als er sich wieder normal hinsetzte. „Du kennst...?“

„Ich weiß den Weg.“, als keine Antwort kam, schaute Sasuke kurz zum Beifahrersitz. Ihre Blicke trafen sich kurz, Naruto war der Erste, der wegsah.

Der Rest der Fahrt war ruhig. So ruhig wie es mit Naruto nur werden konnte.

Sasuke hörte ihn zu einem bestimmten Lied summen und stellte die Musik ein bisschen lauter. Nicht so laut wie zu Beginn, aber immerhin. Naruto lachte und begann mit zu singen. Ebenso laut und falsch:

„Yeah, woohoo! There's something in the air! Woohoo!

Cause i've been dreaming we could be the fire for this night !“

Diesmal konnte Sasuke sein Lächeln nicht verkneifen.

 

***

 

„Boah. Bin ich satt.“, mit einem Plumps lies sich Naruto auf die Holzbank sinken. Sasuke bevorzugte den Stuhl. „Du hast ja auch eine Familienportion alleine gegessen.“

„Ich hatte Hunger, verdammt. Kann ich was dafür, dass es in deinem komischen Restaurant nichts vernünftiges gab?“, seufzte er und rieb sich den Bauch.

„Abgesehen davon, dass das nicht mein Restaurant war, ist Pommes mit Currywurst natürlich absolut vernünftig“, Sasukes Sarkasmus beeindruckte Naruto jedenfalls nicht. „Ja, sag ich doch.“, erwiderte er nur mit einem selbstzufriedenem Grinsen.

„Aber nun zum Bier...“

Nach der ersten Runde, erzählte Naruto animiert von einem Klassenausflug, irgendwann zwischen der achten und der zehnten Klasse, wo er es dreimal geschafft hatte seine Gruppe zu verlieren und dann am Schluss beinah vergessen wurde. Und das, obwohl er dank seines Rufes als Unruhestifter extra ordinaire sich keine zehn Schritte vom Lehrpersonal entfernen durfte und nur wegen ihm eine Referendarin noch mitgekommen war, als zusätzliche Aufsichtsperson. („Ich weiß auch nicht. Plötzlich war’n sie weg.“)

In der Zeit rutschte Sasuke auf dem ungemütlichen Stuhl hin und her, während er gefühlte tausend Mal auf die Uhr schaute, dessen Zeiger sich weigerten sich auch nur ein kleines Stück zu bewegen.

 

Nach der fünften Runde, erzählte Naruto von seinem ersten Date, von dem nur er dachte, das es eins war, während seine Partnerin die ganze Zeit nach „Su Zwait“ Ausschau hielt, einem Austauschstudenten. („Hatte mich doch glatt missverstanden. Ich meinte ‚Treffen zu zweit’ und sie Treffen ‚Su Zwait’, scheiß Globalisierungskack. Bei solchen Namen muss es doch zu Missverständnissen kommen.“)

Zu diesem Zeitpunkt nickte Sasuke zustimmend, während er seine Hemdärmel hochrollte. Die ersten Knöpfe hatte er schon aufgemacht und sein Jackett baumelte über der Stuhllehne.

 

Nach der siebten Runde, erzählte Naruto wie er einmal seinem Nachbarn über das Auto gepinkelt hatte. („Der Bastard hatte es nicht anders verdient. Hat sich dauernd über Ruhestörung beklagt. Wollte mich verklagen. Naja. Bin dann weggezogen. Aber erst danach.“)

„Ich bin Anwalt.“, erklärte Sasuke während er eine Visitenkarte über den Tisch schob.

„Cool.“, grinste Naruto seelig.

 

Nach der zehnten Runde begann Sasuke zu reden.

„... Und dann habe ich meinen Anzug aus der Reinigung geholt... und... und... der Fleck war noch da.“

„Ist nicht wahr!“, gurrte Naruto. Während er seine Hand hob. „Noch ne Runde,“, brüllte er über die Musik. Das war der Moment, in dem Sasuke die praktische Seite von lauten Menschen erkannte.

 

Es war die elfte Runde, in der es philosophisch wurde.

„Weißte, S’uke“, Naruto lachte. „Es ist schon komisch. Wenn man etwas nicht will, dann bekommt man es. Ich mein“, und seine Arme bewegten sich wie Windmühlen „ich hab doch in dem Videodings gesagt, dass mich keiner anrufen soll, ne? Hab ich doch gemacht.“ Sasuke nickte.

„Voll unglaublich wie viele Anrufe ich bekommen habe. Voll krass. Und von voll komischen Typen. Also da war ich echt.... hui.“

„Und haste jemand getroffen?“, es wurde schwerer für Sasuke sich zu konzentrieren.

„Neee. Pfff. Die waren mir zu strange. Nene.“, Naruto winkte ab.

„Aber du bist hier.“, Sasuke konnte beobachten wie sich Narutos Stirn in Falten zog.

„Ach ja. Das war Sakura.“

„Ja Sakura.“, Sasuke nickte. „Das ist auch so ein Ding, das ich bekommen hab, das ich nicht will.“

Naruto lachte. „Schon komisch, schon komisch...“

Die zwölfte Runde bestand aus einem Rausschmiss.

„Weißte S’uke...“, fing Naruto an, als sie draußen standen und auf das Taxi warteten, mehr mehr als weniger aufeinander gestützt: „Weißt du, nüchtern bist du voll das Arschloch.“, Sasuke grinste stolz: „Ich weiß.“

„Aber so... so bist du ganz okay, denke ich.“, Naruto kuschelte sich noch ein wenig mehr an ihn. „Du bist auch ganz erträglich.“, erklärte Sasuke nach einer Weile. Narutos Wärme war im starker Kontrast gegen die sonstige Winterkälte. Es war fast angenehm jemand so zu halten, dachte er bei sich. Sein eigenes Wärmkissen. Da konnte man auch mal über eine Hand auf seinem Hintern hinwegsehen.

Die Fahrt im Taxi war wenig spektakulär. Sasuke und Naruto hatten vergessen, dass sie an komplett anderen Enden der Stadt wohnten und Narutos vollkommen unschuldiges: „Kannst ja auch bei mir schlafen.“, erinnerte Sasuke an die weitere Möglichkeiten von Körperkontakt, was dazu führte, das er sich in seinem Sitz versteifte und Narutos Kopf in seinem Schoß kritisch beäugte. Eine zitternde Hand legte sich sanft auf eine der Wangen. Sachte strich er über die dünnen Narben, die Narutos Gesicht verzierten. Zuerst hatte er gedacht sie seien Schatten, bis ihm dann aufgefallen war, dass das feste Bestandteile Narutos waren.

Da hatte es ihn noch nicht gekümmert zu fragen und er hatte ignoriert, was er jetzt langsam ertastete. Narutos Gesicht verzog sich zu einem idiotisch großen Grinsen, was dazu führte, dass Sasukes Bauch zu kribbeln begann. Kein gutes Zeichen.

„Ich glaub“, flüsterte er leise: „Ich schlaf lieber in meinem Bett.“

„Okay.“, gähnte Naruto und richtete sich langsam auf, während das Taxi immer langsamer wurde und dann zu einem Stillstand kam.

„Ich glaub, das ist mein Stop.“, er grinste noch mal unverschämt in Sasukes Richtung, die Haare zerzaust, die Jacke zerknittert. So hatte Sasuke ihn zum ersten Mal gesehen, nicht ganz nüchtern, dafür chaotisch. „Na dann raus.“, ein leichtes Lächeln umspielte seine eignen Lippen. „Aye, aye.“, salutierte Naruto im Spaß, während er aus dem Taxi kroch. Durch die Fensterscheibe reichte er dem Fahrer Geld, winkte noch einmal Sasuke zu und torkelte dann in Richtung Haustür.

Sasuke schaute ihm hinterher, bis die Tür ins Schloss gefallen war. Dann lehnte er sich zurück. Er merkte die fehlende Wärme am Bein, dort wo Narutos Kopf gerade noch gelegen hatte, aber er lächelte trotzdem.

„Nun fahren sie schon los.“, murmelte er in Richtung Taxifahrer, während er seine Augen schloss.

 

Feierabend.