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Wurzel!Akademie Kurs 1: Grundlagen des Wurzeldaseins

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Mir wurde Angst und Bange. Das Auftauchen von Wurzelzwergen schien nicht enden zu wollen. Längst drängten sie sich auf meinem Bett und ich hatte mittlerweile aufgegeben, mitzählen zu wollen.

Immer wieder fragte ich mich, wie ich mich von Lindsey dazu hatte breitschlagen lassen, während nach und nach immer mehr kleine Charaktere aus meinen Lieblingsshows auftauchten. Jeder, nun, so ziemlich jeder Charakter, über den ich seit Lindseys Auftauchen geschrieben hatte, tummelte sich gerade auf meinem Bett. Dabei schien es völlig egal zu sein, ob der Charakter eine kleine oder große Rolle gespielt hatte und es war wohl auch völlig bedeutungslos, ob die Geschichte jemals ein Ende gefunden hatte oder noch immer als WIP auf meiner Festplatte herumgammelte. Ich ertappte mich beim Gedanken, dass es vielleicht ja helfen würde, die unfertigen Sachen einfach mal zu löschen ...

„Ruhe, Leute. Sonst können wir nie anfangen!", tönte Lindseys Stimme über das Gemurmel der anderen hinweg. Allerdings ohne hörbaren Erfolg. Er räusperte sich mehrfach, doch noch immer führten einige angeregte Gespräche, während andere alleine irgendwo herumsaßen und sich noch kleiner zu machen schienen, als sie ohnehin waren. Wie bei seinem Auftauchen, wo er mir diese Idee unterbreitet hatte, trug er auch heute wieder einen dunklen Anzug, schwarze, glänzende Schuhe, eine Brille und hatte die Haare zu einem strengen Pferdeschwanz zusammengebunden. Alles in allem wirkte er durchaus autoritär - wenn ich mal von seiner Größe absah.

„Ruhe!", brüllte Lindsey erneut und schoss einen kurzen, fast schon verzweifelten Blick in meine Richtung. Doch ehe ich reagieren konnte, verschwand er und tauchte mit dem mir längst bekannten *Puff* auf meinem Tisch auf. „Kannst du mir mal helfen?", erkundigte er sich.

„Aber, aber!", schoss ich sogleich zurück. „Herr Professor. Sie werden wohl Ihre Studenten selbst im Zaum halten können. Ich werde mich da gewiss nicht einmischen."

„Schon passiert. Danke." Lindsey grinste und zappte sich wieder auf mein Bett hinüber. Da erst fiel mir auf, dass es mucksmäuschenstill im Raum geworden war. Etwa nur, weil ich den Mund aufgemacht hatte? Dabei hatte ich mich gar nicht an die Dutzende von Ausgeburten meiner Phantasie gewandt, sondern nur leise mit Lindsey gesprochen. Dennoch starrten mich jetzt mehrere Augenpaare ganz entsetzt an und ich überlegte ernsthaft, mich doch ins Wohnzimmer zu verziehen.

„Könnten wir jetzt mal etwas Ordnung in dieses Chaos bringen, bitte? Ich weiß, ihr habt euch auch untereinander noch nicht alle gesehen ..."

„Was? Ich dachte, die wären alle dort gewesen?", erkundigte ich mich verwundert und unterbrach damit Lindseys Geplapper.

„Uh!", ging es durch die Reihen der versammelten Wurzelzwerge und erneut starrten mich unzählige Augenpaare an, nachdem sie vom Fußende des Betts weggerutscht waren, in Richtung Kopfende - weg von mir.

“Lindsey ...”

“Ooooh!”, tönte es mir erneut entgegen. Ich seufzte leise.

„Okay ... wird das jetzt so ein ... Thing?", erkundigte ich mich leicht aufgebracht.

„Oh!", kam es erneut vom Bett und aus dutzenden kleiner Munde.

„Dass ihr mich jedes Mal staunend anstarrt, wenn ich etwas sage?"

„Uh!"

Ich rollte genervt die Augen und lehnte mich auf dem Stuhl zurück. Das konnte ja noch heiter werden. Es waren noch keine fünf Minuten vergangen, seit Lindsey hier mit der Bande angetanzt war und ich war jetzt schon völlig genervt. Ob er wohl feste Zeiten für seine Kurse veranschlagt hatte? So wie Schulstunden? Danach hatte ich ihn gar nicht gefragt.

„Dort ist verdammt groß, wenn du verstehst, was ich meine", belehrte mich Lindsey nachsichtig. Ja. Nachsichtig. Er klang als würde er einem kleinen Kind erklären, dass Bäume nun mal grün sind. „Und was die anderen angeht ... Das musst du verstehen", schaltete sich da Lindsey vom Bett her ein. „Die meisten haben Angst vor dir oder dich noch nicht einmal gesehen. Du bist sowas wie ein riesiges Wunder. Find dich damit ab, dass du bestaunt und angestarrt wirst."

„Na super." Ich konnte den Sarkasmus regelrecht von meinen Lippen tropfen fühlen.

„Ooooh!", tönte der vielstimmige Wurzelchor erneut los.

Ich seufzte nur und beschloss, keinen einzigen Ton mehr zu sagen, bis Lindsey seine Schlauheiten zum Besten gegeben hatte und die ganze Bande wieder abgezogen war.

„Ich seh schon. Ich werd am Ende den Kursplan umschmeißen müssen." Lindsey seufzte und schüttelte den Kopf. „Das Leben mit dem Autor war ja eigentlich erst für später geplant ..."

„Nah, lass mal. Die kriegen sich schon ein. Gib ihnen nur ein bisschen Zeit", gab Spike nonchalant zurück.

Irgendwie wunderte es mich ja, dass Spike und Angel ebenfalls da waren. Ich war mir sicher gewesen, dass sie den Kursen fernbleiben würden. Immerhin waren sie auch schon ewig hier und wussten doch alles, oder nicht?

„Klappe Spike. So. hallo? Aufmerksamkeit, bitte! Sonst können wir nicht anfangen!" Tatsächlich verstummten die letzten Schwätzer und alles wandte sich Lindsey zu. Als Zentrum der Aufmerksamkeit blühte er regelrecht auf. Mit stolz geschwellter Brust stapfte er zu der kleinen Schachtel, die auf der größeren Schachtel am Kopfende stand, auf der er sich gerade befand. Ja, der Wurzelzwerg hatte sowohl auf Podium als auch Rednerpult bestanden. Was tat Frau nicht alles, um den Gnom zufrieden zu stellen!

„So. Also zuerst einmal etwas Ordnung bitte. Gruppiert euch nach Fandoms."

Eine zögerliche Hand wanderte nach oben.

„Ja?", erkundigte sich Lindsey seufzend.

„Entschuldige, Herr Doktor Professor. Aber was sind Fandoms?"

„Professor reicht völlig, Echo." Lindsey lächelte etwas. „Fandom ist das, wo du herkommst. Bei dir ist das Dollhouse. So wie Viktor und Sierra und Romeo ..." bei dem Namen schoss mir Lindsey einen äußerst wütenden Blick zu. Ups. Ja. Romeo hatte ich ja wirklich zu 100 Prozent nach seinem Abbild erschaffen. Schließlich war er ein programmierter Lindsey gewesen, in der Story ... na ja. „Und die anderen", fuhr Lindsey an Echo gewandt fort. „Die kennst du ja schon und mit denen setzt du dich brav zusammen. Okay?"

„Aber warum sieht Romeo so aus wie du?"

„Würde mich aber auch mal interessieren, warum du und Eliot völlig identisch ausseht. Hast eben doch nen Zwilling, Eliot."

„Verdammt, Hardison! Wie oft soll ich dir noch sagen, dass das nicht mein Zwillingsbruder ist!"

„Das sagt er bestimmt nur, damit du nichts sagen kannst, wenn er den Herrn Professor abknutscht", erklärte eine grinsende Faith.

“Jake! Du verdammter Bastard! Was machst du hier?” Castiel, Bobby und John mühten sich gerade ab, die reichlich aufgebrachten Gebrüder Winchester zurückzuhalten, die sich auf einen erschrocken quiekenden Hardison stürzen wollten.

Eliot, ausgerechnet Eliot, der mir tausendfach versichert hatte, dass er niemals nie nicht mit Hardison ins Bett steigen würde, weil er den Mann nicht ausstehen konnte, stellte sich schützend vor den verdatterten Hacker und knurrte in Richtung Dean und Sam.

“Sein Name ist verdammt noch eins Alec Hardison und er hat ganz sicherlich niemanden getötet, außer in seinen dummen Computerspielen vielleicht”, fauchte er Sam and und knurrte dann gleich noch in Richtung Faith, für ihre dumme Bemerkung von wegen Lindsey abknutschen.

Im Moment war ich froh, dass ich so groß war. Eliots Blick versprach Faith einen schmerzhaften Tod. Aber sie grinste nur, zuckte die Schultern und marschierte dann auf die linke Seite der Versammlung, wo auch Angel, Oz, Spike, Eve und all die anderen aus meinen Lieblingsserien Buffy und Angel waren.

„Ruhe jetzt! Dazu kommen wir später", gab Lindsey streng zurück. „Werft nicht den ganzen Kursplan durcheinander, bitte!"

Langsam aber sicher kam Ordnung in den durcheinandergewürfelten Haufen - oder auch nicht.

„Was ist mit uns?", erkundigte sich da auf einmal Duane und starrte mit irritiertem Blick zu Colton und Dean hinüber, die ihm beide erschreckend ähnelten.

„Du? Original Fiction. Wie hieß die Story noch gleich, Große?"

„Indulge your Passion", gab ich gelangweilt zurück.

„Oh", murmelten die Zwerge erneut und wieder starrten mich viel zu viele neugierige Augen an.

„Ah richtig. Also nimm dir deine Kumpels, ganz egal wie die heißen und sammelt euch da drüben. Und ihr" damit wies er auf Colton, Shayne und die anderen, „stammt aus ner ganz anderen Story also gilt für euch das gleiche. Ihr kennt euch untereinander, also hier rüber bitte."

Nach einer Weile hatte Lindsey die Gruppe tatsächlich fein säuberlich geordnet. Aber natürlich gab es auch da wieder Grund für Fragen und schon schoss die nächste Hand nach oben.

„Und warum hocke ich hier alleine und da drüben hocken dreißig Leute rum?", erkundigte sich Michael aufgebraucht. „Das ist unfair. Warum ist niemand hier, den ich kenne? Wo sind Max und Isabel?”

“Würde mich auch mal interessieren”, knurrte ein deutlich genervter Abe Wheeler, der von Harry Dresden noch zustimmendes Gemurmel erntete.

“Wo ist Murphy? Was hast du mit ihr gemacht, du übergroße Ausgeburt einer ...”, fauchte mich der Miniaturmagier an.

„Und warum sitzt Madison da drüben? Die gehört hier rüber zu Dean, Bobby, Castiel, Dad und mir!"

„Ich heiße nicht Madison, verdammt. Will dir das nicht in den Schädel? Mein Name ist Brooke!"

„Und warum zum Teufel hab ich hier fast in jeder Ecke ein Ebenbild hocken?", erboste sich auch Eliot erneut.

„Okay! Okay. Beruhigt euch alle mal. Dann schmeiße ich den Kursplan eben um und wir gehen erst einmal auf diese Probleme und Fragen ein. Aber dazu müsst ihr jetzt endlich mal die Klappe halten, dann können wir endlich anfangen."

Allgemeines, missmutiges Gemurmel begleitete Lindseys Worte und ich musste noch etwas breiter Grinsen. So hatte er sich das alles gewiss nicht vorgestellt. Ob er wohl schon bereute, die Akademie ins Leben gerufen zu haben? Aber im Moment hatte ich ohnehin ganz andere Sorgen. Ich konnte einfach meinen Augen nicht trauen. Bei einigen der Zwerge hatte ich gewusst, dass es sie gab, weil sie mal aufgetaucht waren. Andere hatte ich erwartet, aber da gab es auch einige, von denen ich absolut nicht erwartet hatte, sie hier zu sehen. Irgendwie ergab das alles für mich keinen Sinn, hatte keine Logik und ich beschloss, mir später mal ordentlich den Kopf darüber zu zerbrechen, nach welchen Regeln diese ganze Wurzelangelegenheit eigentlich ablief.

„Also schön”, riss mich Lindseys Stimme aus meinen Gedanken. “Beginnen wir mit einer kleinen Einführung, in der wir die wichtigsten Fragen klären: Woher wir kommen und wohin wir nicht gehen können."