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Wenn der Doktor dreimal fingert

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Dean schüttelte den Kopf, um die Benommenheit loszuwerden. Er hasste Krankenhäuser aller Art und wollte am Liebsten sofort wieder raus. Er war sich auch ziemlich sicher, dass das Gift, das ihm der letzte Gegner verpasst hatte, gar nicht so schlimm war. Ihm war nur ein bisschen komisch zu Mute. Sicherlich wäre die Wirkung von einer tödlichen Dosis weit dramatischer!

"Hm", brummte er nachdenklich. "Ach, was soll's." Damit rutschte er von der Liege herunter und wollte zur Tür. Doch auf halbem Weg wurde ihm wieder schlecht und schwindlig und er ruderte verzweifelt mit den Armen, in dem Versuch, sich irgendwo festzuhalten.

"Hey, hey, hey. Was denken Sie, wo Sie hingehen, junger Mann?" Eine Hand packte seinen Oberarm mit festem Griff, eine zweite Hand legte sich um seine Taille und Dean fühlte sich gegen einen Körper gedrängt und dadurch stabilisiert.

"Raus", murmelte er matt. "Ich muss weg."

"Das halte ich für keine gute Idee. Kommen Sie. Setzen Sie sich wieder und dann erklären Sie mir, was passiert ist."

Die Stimme klang so vertraut, doch Dean musste sich im Moment wirklich darauf konzentrieren, sich auf den Beinen zu halten. Einen Augenblick später spürte er, wie ihn der Arzt auf die Pritsche dirigierte und ihn in die Horizontale gleiten ließ. Dean war zu müde, um sich zu wehren.

"Kann nicht bleiben", murrte er träge. "Zu gefährlich."

"So wie Sie aussehen, junger Mann, ist es viel gefährlicher, wenn ich sie jetzt laufen lasse. Nein, sie müssen wohl hier bleiben."

"Nein. Ich muss ..." Dean versuchte, sich aufzurichten und abermals aufzustehen. Wieder drückten ihn starke Arme zurück. Er blinzelte, doch das Gesicht, das sich über ihn beugte, wollte nicht scharf werden. Stattdessen verschwamm es immer mehr und Dunkelheit umfing ihn.

~*~

Dean schlug die Augen auf und fuhr sich verwirrt mit der Hand über das Gesicht. Weiße Laken stachen ihm ins Auge, als sich sein Blick langsam klärte. Weiße Wände, alles sehr steril.

"Wo zum Teufel ..."

In dem Moment ging die Tür auf und ein Mann trat ein. Ein weißer Kittel zeichnete ihn als Arzt aus. Sein Gesicht war ebenmäßig, hübsch. Die Haare von dunkler Farbe und ungewöhnlich lang für einen männlichen Arzt. Dean schluckte, als ihm so langsam dämmerte, wer da gerade eingetreten war und die Tür hinter sich geschlossen hatte. Sofort schoss sein Blick nach unten, zu den heißesten Cowboystiefeln, die er je gesehen hatte. Er schluckte mühsam, wanderte mit Blicken langsam wieder nach oben. Sehr, sehr langsam.

"Guten Morgen. Wie fühlen Sie sich heute?"

"Da ... Gu ... Ah ..." Dean hustete. Seine Kehle fühlte sich an, als hätte sie jemand mit Sandpapier ausgelegt.

"Hier." Der Mann trat näher und reichte ihm einen Becher mit Wasser.

Dean nahm ihn und trank gierig. Ein leichter Schauer zog über seinen Rücken hinunter, als er bemerkte, dass ihn der Arzt aufmerksam beobachtete und der Becher wäre ihm fast aus der Hand geglitten. Ein paar Spritzer Wasser landeten auf dem Laken, ehe er Schlimmeres vermeiden konnte. Als er den Becher gelehrt hatte, stellte er ihn auf seinem Nachttisch ab und räusperte sich.

"Guten Morgen", brachte er endlich hervor, wagte es jedoch nicht, dem Arzt direkt ins Gesicht zu sehen.

"Das klingt ja schon besser." Der Arzt kam noch näher und Dean spürte, wie sich eine Gänsehaut über seine Haut zog, als der Mann sich einfach zu ihm auf das Bett setzte. Er schluckte erneut und rutschte etwas zur Seite, um ihm Platz zu machen. Seine Haut kribbelte, als würde Elektrizität von dem Arzt ausgehen und ihn regelrecht anspringen.

'Grundgütiger! Was ist denn los mit mir? Warum fühl ich mich so seltsam? ... das müssen noch die Nachwirkungen von dem Gift sein. Jawohl. Reiß dich zusammen, Dean! Du glotzt ihn an, wie ein verliebtes Schulmädchen. Ja, er ist Dr. Sexy. Na und? Macht doch nichts.' Endlich hob Dean den Blick, um dem anderen Mann entgegen zu blicken.

"Das war ganz schön knapp, junger Mann." Der Arzt fing seinen Blick ein und hielt ihn.

Dean fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, ohne es wirklich zu merken. Er ertrank in den Augen des anderen Mannes. Sie waren magisch. Garantiert war er in irgendeiner Parallelwelt gelandet, oder in einem Traum. Dr. Sexy stammte schließlich aus dem Fernsehen. Konnte also nicht echt sein.

"Haben Sie gehört, was ich gesagt habe?"

"Huh?"  Dean starrte den anderen Mann an, wie ein Reh im Scheinwerferlicht. "Ich ah ... Was?"

"Das gefällt mir nicht."

Dr. Sexy schüttelte etwas den Kopf und Dean riss sich endlich aus seinem Blick los und schlug schuldbewusst die Augen nieder. Er fingerte mit seinen Händen an der Decke herum, nur um etwas zu tun. Die Nervosität machte ihn wahnsinnig. Außerdem fühlte er sich reichlich unwohl, nachdem ihm klar geworden war, dass er ein Krankenhaus-Nachthemd trug.  Und sonst nichts.

"Völlig unzureichender Fokus, glasige Augen, gerötete Wangen ..."

'Wie ein verliebtes Schulmädchen halt!' Dean seufzte innerlich. Was war nur los mit ihm. Ja, er hatte die Serie verfolgt, wie eine Droge. Aber bis vor zehn Minuten war er der festen Überzeugung gewesen, dass er sie wegen der vielen heißen Ärztinnen so verschlungen hatte. Dass womöglich Dr. Sexy selbst das Ziel seiner Begierde gewesen war, ein Mann der Grund, weshalb er einfach nie genug kriegen konnte, wäre Dean niemals in den Sinn gekommen.

"Es ... nein, es geht mir gut", brachte er hervor und lächelte zögerlich. "Wirklich. Ich fühle mich viel besser."

"Davon werde ich mich lieber selbst überzeugen. Das Gift ist bekannt dafür, dass es den Herzmuskel angreift. Die Folgen treten meist aber verzögert auf. Deshalb muss ich sie abhören."

"Ah ... Okay." Das dümmliche Lächeln schnell von seinem Gesicht wischen, zuckte Dean die Schultern und versuchte möglichst unbeteiligt zu wirken. Aber gelingen wollte es ihm nicht. Zumal der Mann sein Stethoskop zur Hand nahm und ihn erwartungsvoll ansah.

"Oberkörper freimachen. Bitte."

Warum klang diese rein medizinisch notwendige Anweisung aus dem Mund von Dr. Sexy eigentlich wie ein Versprechen? Ein weiterer Schauer zog über Deans Körper. Diese Stimme! Die würde noch den Tod für ihn bedeuten! Er nestelte mit nervös zittrigen Fingern an dem Schleifchen in seinem Nacken herum, doch er bekam sie nicht auf. Am Ende legte der Arzt selbst Hand an. Beruhigend schlossen sich die Hände des Mannes um seine Finger, zogen Deans Hände weg und lösten schließlich die Schleife. Das lachhafte Stückchen Stoff schob ihm der Arzt mit einer langsamen Bewegung über die Schultern und Arme nach unten.

"Dann wollen wir mal."

Dean blickte überall hin, nur nicht in die Richtung des Arztes, der so dicht vor ihm saß, dass er das Aftershave des Mannes riechen konnte und verdammt, roch das gut! Dass das Stethoskop kalt war, interessierte ihn im Moment nicht im geringsten. Ganz im Gegenteil. Er hieß die kühle Berührung willkommen. Im Moment hatte er ohnehin das Gefühl, dass jemand die Heizung im Raum auf Sauna gestellt hatte. Seine Brustwarzen waren hart. Kleine Knospen, die um Aufmerksamkeit bettelten, jedoch keine bekamen. Sehnsucht zog durch Deans Körper, als er beobachtete, wie der Arzt das Stethoskop gegen seine Brust drückte. Er fühlte sich schwindlig und wollte sich am liebsten zurücksinken lassen. Eine Hand, die seine Schulter packte, hinderte ihn jedoch daran.

"Ist Ihnen schwindlig?"

"Ahm." Dean kicherte verlegen. "Ein B-Bisschen", gestand er und hoffte, dass der Arzt nicht merkte, warum ihm so schwindlig war. Sein Körper arbeitete natürlich munter gegen ihn, denn Dean war längst hart wie ein Brett und tat sein bestes, um seine Erregung mit dem viel zu dünnen Laken zu kaschieren.

"Hm. Ich fürchte, sie haben womöglich Fieber. Das müssen wir messen, zur Sicherheit." Der Arzt unterstrich seine Worte, indem er ein Thermometer aus der Tasche seines Kittels zog.

Dean war kein Arzt und soweit er zurückdachte, war er noch nie in einer Situation gewesen, wo jemand bei ihm hätte Fiebermessen wollen. Er besaß nicht einmal ein Thermometer. Wenn man sich heiß anfühlte, hatte man Fieber. Sein Handrücken oder der Handrücken seines Bruders gegen die Stirn gehalten, hatte immer genügt, um das feststellen zu können. Dennoch war sich Dean ziemlich sicher, dass Thermometer für gewöhnlich eher klein waren. Das, was Dr. Sexy da in der Hand hielt, wirkte wie ein Foltergerät. Fieber maß man für gewöhnlich, indem man das Thermometer in den Mund steckte, soweit er sich entsinnen konnte. Er hoffte nur, dass es reichte, nur den vordersten Teil von dem Ding in den Mund zu nehmen.

"Das ... ich denke, das wird nicht nötig sein, Dr." Dean schenkte dem verboten gutaussehenden Arzt ein Lächeln. "Ich bin nur noch etwas müde."

"Das zu entscheiden, ist meine Aufgabe, junger Mann." Dr. Sexy blickte streng auf ihn hinab. "Ich werde jetzt ihre Temperatur messen. Keine Widerrede. Also hinlegen."

Dean gehorchte nach kurzem Zögern und wartete darauf, dass ihm der Arzt das Thermometer entgegen hielt.

"Auf die Seite."

"Hä? Ich dachte, sie wollten ..."

"Um ein möglichst genaues Ergebnis zu bekommen, muss man rektal messen", führte der Arzt mit einem verschwörerischen Lächeln aus. Dean starrte den Mann völlig entgeistert an.

"Damit?", er deutete auf das Thermometer, das in dem Moment noch größer zu werden schien.

"Natürlich. Vertrau mir Dean. Es wird dir gefallen." Der Arzt schenkte ihm ein weiteres verschwörerisches Lächeln.

~*~

Dean schoss hoch und schluckte im letzten Moment den Aufschrei hinunter, der mit Sicherheit seinen Bruder geweckt hätte. Und gewiss wollte er Sammy nicht erklären, was er gerade geträumt hatte. Keuchend ließ er sich wieder in die Kissen sinken und fuhr sich mit einer zittrigen Hand über das Gesicht. Das ging nun schon seit einer Woche. Der Traum war irgendwie immer der gleiche oder zumindest sehr ähnlich. Jedes Mal erwachte er mit einer handfesten Erektion und musste sich nur flüchtig berühren, um tatsächlich zu kommen. Das war wirklich nicht mehr lustig. Vor allem war er doch der Überzeugung gewesen, dass er die Serie nur wegen der Frauen ...

'Gib es endlich zu, dass dich der Kerl heißmacht, Dean. Vielleicht lassen die Träume dann endlich nach. Himmel. Der Kerl heißt Dr. Sexy. Das ist doch schon in seinem Namen, dass er einfach nur geil ist und jeden scharfmacht. Dafür wurde er erschaffen. Kannst es genausogut genießen!'

"Hm." Dean runzelte die Stirn anhand seiner eigenen Überlegungen. Warum eigentlich nicht? Es waren doch nur Träume und obendrein verdammt heiße Träume. Niemand wusste, dass er einen Mann begehrte. Er musste sich eigentlich nicht schuldig fühlen. Dean grinste etwas und kuschelte sich wieder in die Kissen, schloss zufrieden mit seinen eigenen Überlegungen die Augen und schob eine Hand in seine Shorts. 'Warum nicht', bestärkte er sich selbst. 'Dass du nen Doktor-Kink hast, wusstest du ja schon länger. Artet es halt etwas anders aus als ursprünglich gedacht. Scheiß drauf!'

Dean fuhr sich erneut über die Lippen und lächelte etwas. "Okay, Dr. Sexy. Hier bin ich. Wehrlos, ausgeliefert ... wo waren wir gleich?" Dean gähnte etwas, als ihn der Schlaf tatsächlich sofort wieder in willige Arme zog.