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Der Sauce Wegen

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„Ja! Endlich!“ sagte Leo. Dann dachte er kurz darüber nach, dass ihn gerade niemand hören konnte, sofern die Nudelsauce auf dem Herd nicht plötzlich ein Bewusstsein entwickelt hatte (und so alt waren die Zutaten noch nicht). Und darüber, dass sein Freudenausbruch der Tatsache geschuldet war, dass er gerade einen Slot für eine Supermarktlieferung für Übermorgen hatte ergattern können. Das hieß, auch wenn einige von Bennis Vorräten jetzt doch noch ein Eigenleben entwickelten, würden sie nicht verhungern. Er warf noch einen Blick auf die Sauce, die weiter friedlich vor sich hin köchelte und machte sich dann auf dem Weg zu Benni, um ihm die freudige Nachricht mitzuteilen.

Benni saß am Schreibtisch und telefonierte. Leo konnte an seinem Gesichtsausdruck erraten, wer am anderen Ende der Leitung war, noch bevor er nur ein Wort von seinem Teil der Unterhaltung hörte.

„Nein Herr Bruch. Sie können die Unterlagen nicht bei mir vorbeibringen. Sie sind in Quarantäne…ja ich ja auch, ich weiß. Aber so funktioniert Quarantäne nicht.“

Leo drehte sich um, ging zurück in die Küche und holte zwei Bier aus dem Kühlschrank. (Ihre Vorräte wurden knapp. Er hoffte, dass der Nachschub bei seiner Bestellung nicht vergessen oder durch Rote Beete Saft ersetzt wurde). Mit den geöffneten Flaschen ging er zurück zu Benni und stellte eine davon auf seinen Tisch. Dafür kassierte er einen Solange ich noch arbeite trinke ich nicht-Blick. Mit einem Schulterzucken trat Leo zurück und nahm einen Schluck.

„Ja, das tut mir leid, aber mein Mitarbeiter ist auch in Quarantäne. Deswegen kann er keine weiteren Ermittlungen zum Fall ihres Sohnes anstellen…nein der kann nicht nur Mal schnell weg…ja ich weiß, dass das unschön für Sie ist. Und natürlich für Ihren Sohn. Und natürlich können Sie einen anderen Anwalt engagieren. Allerdings kann der ja momentan Ihren Sohn nicht besuchen. Der war ja auch mit Ihnen in Kontakt und ist deswegen in der Untersuchungshaft in Quarantäne…mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin müsste sich dann also mich wenden. In Anbetracht der Umstände würde ich natürlich alle meine Unterlagen weitergeben…“

Obwohl Leo ein ganzes Stück entfernt stand, verstand er das meiste von Bruchs Antwort auf diesen Vorschlag. Benni zögerte einen Moment und nahm dann einen großen Schluck aus der Bierflasche.

„Ja wenn Sie das möchten, mache ich weiter. Es gibt auch Dinge die ich von meiner Wohnung aus…“ Noch ein Schluck. „Nochmal. Auch für Sie breche ich die Quarantäneregeln nicht…nein für Ihren Sohn auch nicht…ja Ihnen auch noch einen schönen Abend.“

Leo grinste. „Wie war das? Der Kunde ist König?“

Benni warf ihm einen vernichtenden Blick zu. „Also erstens fand ich ja schon immer, dass der Spruch im Einzelhandel schon nicht stimmt, und zweitens heißen die bei uns Mandanten.“

„Uiui, jetzt gibst du aber wieder mit den Fremdwörtern an, die du im Studium gelernt hast.“

Benni leerte die Flasche, stand auf und kam nach vorne, bis er vor Leo stand. „Der Herr ist heute aber sehr vorlaut zu der Person, die ihm eine Bleibe angeboten hat, während sein Kutter beim Reifenwechsel ist. Oder wasauchimmer man mit Booten macht. Hatten wir im Studium nicht.“

Leo machte einen Schritt nach vorne. Jetzt trennten ihn und Benni nur noch wenige Zentimeter. „Du bist heute recht unverschämt zu deinem Koch und Lebensmittelbesteller.“

„Ach deswegen bist du hier. Sags doch gleich.“ Jetzt beugte er sich nach vorne und sie trennte gar nichts mehr.

„Genau. Deswegen bin ich hier.“ Er strich gedankenverloren über Bennis Krawatte. Natürlich trug Benni auch in Quarantäne Anzug und Krawatte. Er hatte erklärt, dass er in Freizeitklamotten einfach nicht vernünftig arbeiten konnte. Leo hatte ihn deswegen nicht aufgezogen. Schließlich wollte er Bennis Gefühle nicht verletzen. Er war da ganz uneigennützig.

„Gibt’s vielleicht noch andere Gründe?“ Er legte den Kopf schief und schaute Leo direkt in die Augen. Leo packte jetzt die Krawatte. Benni war weise genug sich nicht über jetzt eventuell entstehende Falten zu beschweren.

„Vielleicht gibt’s die.“ Er ließ wieder los und machte einen Schritt zurück. „Weißt du was dein Koch zu der Sauce zu sagen hat die er gerade macht?“

„So wie ich ihn kenne wird er es mir gleich sagen.“

„Die wird besser, je länger sie kocht.“

„Ach, du meinst wir sollten noch ein wenig Zeit totschlagen. Der Sauce wegen?“

„Genau das meine ich. Denkst du wir schaffen das?“

„Ich glaube schon.“