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Eine zufällige Begegnung

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Pauline konnte sich einfach nicht mehr auf ihr Buch konzentrieren. Immer wieder schweiften ihre Gedanken ab. Wer war dieses fremde Mädchen, das sich gerade an der Theke mit Chris unterhielt, und dabei ihren blonden Pferdeschwanz neu band? Sie erwischte sich dabei, wie ihr Blick immer wieder zu ihr glitt. Auf einmal schaute das Mädchen hoch, und sie beide blickten sich direkt in die Augen.

„OhneinOhneinOhnein,“ dachte Pauline bestürzt, „wie unangenehm.“ Um diese blamable Situation etwas zu entspannen, rief sie zur Theke herüber: „Was musstest du denn so eilig abgeben?“

Das Mädchen nahm ihren Tee und setzte sich zu Pauline an den Tisch. „Ich weiß es ehrlich gesagt nicht,“ antwortete sie, „viel kann es aber nicht gewesen sein, der Brief war nämlich sehr leicht.“

„Na gut, geht mich ja auch nichts an“, sagte Pauline.

„Ich weiß, aber es ist trotzdem so interessant zu sehen, was sich die Leute alles so liefern lassen.“

„Was war denn das letzte, was du geliefert hast?“

„Also vor dem Brief? Ein Block Eisen.“

„Eisen? Das muss schwer gewesen sein.“

„Man gewöhnt sich mit der Zeit dran, dann geht es schon. Aber was ich am liebsten liefere ich auf jeden Fall Zeitschriften aus. Da lese ich dann immer heimlich ein paar Seiten, bevor ich sie einwerfe. Und du liest anscheinend auch gern“, fragte Jasemine und nickte in Richtung des Buches, das aufgeschlagen neben Pauline auf dem schmalen Tisch lag.

„Ja, das hier zum Beispiel hat mir Chris geliehen. Apropos Chris, wo ist er jetzt hin“, wunderte Pauline sich, denn Chris hatte einen Stammplatz hinter der Theke offensichtlich verlassen.

„Kann ich Ihnen noch etwas bringen, Pauline?“ fragte selbiger, der unbemerkt an ihren Tisch herangetreten war.

„Ah, Chris, ein weiterer Tee wäre schön“, sagte Pauline, „und willst du auch noch etwas? Ich lade dich natürlich ein.“ Der zweite Teil war an Jasemine gerichtet.

„Danke, ich nehme gerne auch noch einen Tee, das ist echt nett von dir.“

„Vielen Dank“, rief Pauline Chris hinterher, der sich schon umgedreht hatte, um die Bestellung an die Küche weiterzugeben.

„Warte, wie heißt du eigentlich?“ wandte sie sich wieder Jasemine zu.

„Jasemine, und du?“

„Pauline. Jasemine ist echt ein schöner Name.“

„Danke, ich mag meinen Namen auch sehr. Meine Mutter hat ihn ausgesucht, weil sie die Blume Jasmin so mag.“

„Das ist schön. Ich wünschte, meine Mutter hätte mich auch nach einer Blume benannt. Leider ist die Idee ihr nicht gekommen, und so wurde ich nach der Schwester von Napoleon benannt. Die heißt auch Pauline.“

„Ah, das ist ja kreativ. Wenigstens hat sie dich nicht Napoleon genannt“, lachte Jasemine.

„Oh Gott, erinnere mich nicht daran. So heißt nämlich ihre Katze und das ist kein Scherz!“

Die beiden lachten noch, als Chris mit der gewünschten Teekanne an ihren Tisch trat und ihnen einschenkte. „Was ist denn so lustig“, wollte er wissen.

„Die Katze ihrer Mutter heißt Napoleon“, prustete Jasemine.

„Na und? Die Katze meiner Tante heißt genauso. Was ist daran denn so schlimm,“ fragte Chris, doch Jasemine und Pauline lachten nun so heftig, dass er sich von ihnen keine Antwort erhoffen konnte.

Nach einigen Minuten, in denen der Tee Zeit zum Abkühlen und Jasemine und Pauline Zeit um sich zu beruhigen hatten, fingen beide an, an ihren Bechern zu nippen.

“Das mit dem Tee funktioniert tatsächlich. Ich hätte es am Anfang nicht für möglich gehalten. Aber jetzt ist mir gar nicht mehr so heiß,“ sagte Jasemine plötzlich in die entstandene Stille hinein.

„Danke, ich habe das hier sogar vorgeschlagen,“ sagte Pauline stolz lächelnd.

Doch ihre Unterhaltung wurde ein weiteres Mal unterbrochen. Keuchend kam Konrad, der Koch der „Wilden Rose“, aus der Küche gestürzt. „Es gibt Nachrichten“, japste er zwischen zwei Atemzügen.