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Verlieren lernen

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Der Skizirkus ging weiter, von Italien nach Slowenien, Bulgarien, Österreich und danach in die Schweiz für den Saisonabschluss. Marcos ärgster Konkurrent um die grosse Kugel stolperte auf dem Weg zum sicheren Sieg und vor den letzten Rennen schien es, als ob Marco ihn überholen könnte. Aber auch ihm kam das Leben dazwischen, in seinem Fall das Wetter und ein Reglement, das keine Verschiebungen mehr erlaubte. Fast alle von Marcos Rennen wurden abgesagt und so wurde er nach dieser wahnsinnigen, verrückten, unerhörten Saison undankbarer Zweiter. Diesmal liess Pirmin nicht alles stehen und liegen, auch wenn er gekonnt hätte, denn diesmal kam die Enttäuschung mit Vorankündigung. Er ging auch nicht zu Marcos Wohnung, wo eh nur ein Haufen Mitbewohner gewartet hätte. Stattdessen meldete er sich für Montag von der Arbeit ab und rief Marco um halb sieben in der früh an.

"Was?", klang es unwirsch und heiser aus der Leitung.

Pirmin grinste. "Schön, du bist wach."

"Pirmin?"

"Wen hast du erwartet?"

Marco grunzte. "Was willst du?"

"Nicht viel. Du musst einfach in zweieinhalb Stunden in Beckenried sein. Nimm Tourenskis mit."

"Pirmin", klang Marcos Stimme dumpf durch die Leitung. "Es passt schlecht heute, ich…"

"Zweieinhalb Stunden." Bevor Marco weiterjammern konnte, hängte Pirmin auf.

Er war nicht sicher, ob Marco wirklich kommen würde und atmete innerlich auf, als er mit Skis und Ausrüstung zur Talstation Beckenried getrottet kam. Sein Blick war düster und selbst hinter der Maske war sein Ärger zu spüren.

"Nächstes Mal komm' einfach vorbei und blas mir einen", knurrte er ohne Begrüssung, riss das Ticket aus Pirmins Hand und stapfte zu den Gondeln.

Still schwebten sie auf den Berg hinauf und begannen den Aufstieg. Erst als sie schon den Klewenstock umrundet hatten, wurden Marcos Bewegungen ruhiger und seine Schritte weniger ungeduldig. Sie waren nicht die einzigen auf Tourenskis an diesem sonnigen Tag, aber sie waren weitaus die schnellsten. Mit gesenkten Köpfen passierten sie die anderen Wanderer, ohne von ihnen erkannt zu werden. Ohne Pause ging Marco den Berg hinauf, ohne sich einmal umzudrehen, und Pirmin hielt mit. Erst als sie die letzte Kurve des Aufstiegs hinter sich gelassen hatten und vor ihnen, nur noch von einem breiten Schneefeld getrennt, das Brisenhaus zu sehen war, blieb Marco stehen. Tiefe Spuren waren in den alten Schnee gegraben und von weitem erkannte man, dass die Terrasse der geschlossenen Hütte bereits von Besuchern überfüllt war. Pirmin drehte sich um. Hinter ihnen klommen die anderen Skifahrer langsam aber unaufhaltsam den Berg hinauf. Er liess den Blick über den Berg gleiten. Der Schnee wurde langsam weich, bald würde er vom Frühling weggefegt, und die Lawinengefahr stieg mit jedem Tag. Nur wenig vor ihnen, ein wenig erhöht, stach ein grosser Stein aus dem Schnee, schon fast eine kleine Felsnase, weit genug, um Ruhe vor den anderen Wanderern zu haben aber doch nicht so weit, dass sie eine Lawine auslösten könnten.

Pirmin rutschte an Marco vorbei und spurte einen Weg zur kleinen Anhöhe. Sein Bein sank bis über das Knie ein als er den Ski löste, den zweiten setzte er deshalb auf den sonnengewärmten Stein auf. Bald würde er die Skis eh in den Keller stellen und im nächsten Herbst vor dem ersten Ausflug mit neuem Wachs überziehen. Pirmin kletterte über den Stein, bis Marco neben ihm genug Platz fand. Er zog Tee und Sandwich aus dem Rucksack und reichte sie weiter. Eine Weile kauten sie schweigend auf dem matschigen Brot und blickten hinunter ins Tal. Irgendwo um die Bergflanke war der See, doch von ihrem Stein aus war er nicht zu sehen.

"Du konntest nichts tun", begann Pirmin schliesslich. "Manchmal spielt einfach zu viel gegen dich, dass du nicht beeinflussen kannst."

Marco klappte den Mund zu und legte das Sandwich zurück auf das Brotpapier. Er schüttelte den Kopf.

"Du wirst eine neue Chance kriegen."

Freudlos lachte Marco auf. "Ich hätte eine Menge tun können. Ich hätte es nicht auf das letzte Rennen dieser verkackten Saison ankommen lassen können, zum Beispiel. Ich hatte mehr als genug Möglichkeiten, die Sache vorher zu entscheiden, Adelboden, Garmisch, irgendwo!" Er schob das Brot zur Seite und vergrub das Gesicht in den Händen.

Pirmin legte seins ebenfalls zurück und legte den Arm um Marcos Schultern.

"Ich weiss, es ist kein Trost, aber du hast dein Bestes gegeben. Und nächste Saison wirst du wieder dein Bestes geben und irgendwann wird es gut genug sein."

Marco lachte, dann presste er die Lippen fest zusammen und versuchte, die aufsteigenden Tränen wegzublinzeln. "Das habe ich dir gesagt, letztes Jahr, nach dem Eidgenössischen."

"M-hm", machte Pirmin.

Marco wischte sich die unnachgiebigsten Tränen aus den Augen, die Lippen wieder entschlossen zusammengepresst, um nur ja keinen Ton herauszulassen.

"Ich war so ein Vollidiot", entfuhr es ihm schliesslich mit heiserer Stimme.

"Im Allgemeinen oder…?", fragte Pirmin. Marco lachte und die Bewegung spülte nun doch noch eine Träne über die Wange. Er stiess Pirmin den Ellbogen in die Seite und wischte sie hastig weg.

"Wie konnte ich je glauben, dass es ein Trost ist zu wissen, dass du dein Bestes gegeben hast, wenn es nicht gut genug ist?", begann er, mehr zu sich selber als zu Pirmin. "Wie kann einem das aufmuntern?"

Pirmin sank ein wenig tiefer in den Schnee und legte seinen Kopf auf Marcos Schulter. "Tut es nicht", gab er zu. "Es ist schwer, Verlieren zu begreifen, wenn man vorher noch nie richtig verloren hat. Aber weisst du, was ein Trost war?"

Marco schüttelte den Kopf und sein Haar strich über Pirmins Stirn. Sanft berührte Pirmin seine Wange und drehte seinen Kopf, bis er ihm in die Augen sehen konnte.

"Wenn jemand für dich da ist", gab er die Antwort. "Dein Besuch hat mir mehr geholfen als du dir vorstellen kannst. Nicht, weil deine Worte besonders tröstend waren. Es war eigentlich rechter Stuss, wie du jetzt weisst." Marco lachte auf und Pirmin drückte einen Kuss auf seine Wange. "Aber schon nur dein Besuch war genug für mich. Es war echt nett, dass du an mich gedacht hast und vorbeigekommen bist." Langsam wanderten Pirmins Finger an Marco hinunter, bis sie über seinem Schritt ruhten. "Dein Mund um meinen Schwanz war natürlich auch nett. Aber der Besuch alleine noch mehr."

Langsam, geniesserisch streichelte er über Marcos Skihose und lächelte, als er durch den dicken Stoff die wachsende Härte spürte. Marco biss sich auf die Lippen.

"Nicht hier!", lachte er atemlos.

"Ach komm! Seit wann bist du so prüde?"

Marco hob einen Handschuh und gab Pirmin einen Nasenstüber. "Seit wir links und rechts Publikum haben, du Depp."

Pirmin seufzte und blickte zwischen der Berghütte und dem Wanderweg hin und her, dann klaubte er die Brote zusammen und packte sie mit dem Tee zurück in den Rucksack. Sie zogen die Felle von den Skiern und glitten langsam der Seite entlang, bis sich der Hang zum Tal hin öffnete. Marco ging wieder vorab und drehte sich zu Pirmin um.

"Du beeilst dich besser. Wir müssen dringend nachhause."

Pirmin lachte und bog in den Hang. "Sieh zu, dass du mir folgen kannst."

Marcos Mitbewohner waren alle auf der Arbeit als sie Mitte Nachmittag zurückkehrten und ihre Kleider von der Tür bis zum Bett verstreuten. Pirmins Schenkel fühlten sich immer noch kalt an vom Berg, doch unter Marcos Lippen wärmten sie schnell auf. Seufzend fiel er in die Kissen als sie sich um seinen Schwanz legten und ihn erkundeten.

"Eigentlich sollte ich…", begann er, aber der Satz zerfiel als Marcos Zunge über seine Eichel glitt. Lächelnd sank Marco zurück auf die Knie. Langsam streichelte er Pirmins Schenkel.

"Lass mich heute mal", flüsterte er und zog eine Tube aus dem Nachttisch.

Er lache auf als er sich wieder umdrehte und Pirmin mit den Knien neben dem Kinn vorfand. Pirmin zwinkerte ihm zu und zwang sich, ruhig zu atmen. Es hielt nicht lange an, zu gut fühlten sich Marcos Finger in seinem Loch an und als er endlich in ihn eindrang fürchtete er, wahnsinnig zu werden. Stürmisch küsste ihn Marco während er gleichzeitig sachte in ihn eindrang und Pirmin fast um den Verstand brachte. Er dachte nicht mehr an sein pausiertes Leben, seine unterbrochenen Träume oder an das Versprechen, dass sie sich vor nicht ganz einem Jahr gegeben hatten, sondern fühlte nur noch Marco tief in sich und Wärme, die ihn fast zerriss. Unnachgiebig sanft drang Marco in ihn ein, immer und immer wieder, bis die Wärme aus Pirmin glitt und er über seinen Bauch kam. Marco folgte ihm nur wenig später, seine Hüfte stockten in ihrer erratischen Bewegung, seine Stösse hielte inne und er fiel über Pirmin zusammen. Pirmin legte seine Arme um Marco und hielt ihn an sich gedrückt bis ihre Atmung wieder ruhig war und noch lange darüber hinaus. Mit einer Hand wanderte er Marcos Rücken hinauf bis sie in seinen langen Haaren vergraben waren. Marco hob den Kopf und lächelte ihn an. Einige Strähnen klebten an seiner nassen Stirn und Pirmin schob sie sorgfältig zurück. Die Wärme in seinem Bauch war weg, dafür eine andere in seiner Brust. Pirmin wollte auch sie weghaben.

"Trainiert ihr dieses Jahr wieder in Südamerika?"

Marcos Kopf fiel zurück auf Pirmins Schulter. Pirmin drehte den Kopf und schaffte es, doch noch Marcos Blick zu erhaschen.

"Stand heute nicht", antwortete Marco. "Es haben alle zu viel Angst vor der brasilianischen Version. Wahrscheinlich bleiben wir wieder auf den Gletschern hier, vielleicht auch einige Tage in Österreich."

Pirmins Mund war trocken. Marco fühlte, dass er etwas sagen wollte und streichelte seine Wange.

"Dann hast du dieses Jahr Platz in deinem Leben für 115 Kilogramm Schwinger?", fragte Pirmin und versuchte ein Grinsen.

Marco runzelte die Stirn und liess sich Zeit mit der Antwort. "Ich dachte, du wärst 130 Kilogramm?"

"Das war Kampfgewicht. Aber ich habe schon lange nicht mehr gekämpft."

Marco robbte weiter hinauf, halb auf Pirmin, halb auf dem Bett, bis seine Lippen an Pirmins Ohr waren. "Ich habe dich vermisst." Sanft zwang er Pirmin, zu ihm aufzublicken und küsste ihn auf die Lippen. Die unangenehme Hitze in Pirmins Brust zerstob und er drückte Marco noch ein wenig fester an sich.