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Heiße Rhythmen

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„Wie geht’s dir heute? Ist dein Kopf okay? Und dein armes Herzchen? Ich habe dir Muffins mitgebracht. Und Zitronentörtchen, falls dir eher nach was Saurem ist. Und Eiscreme, falls du deine gestern Nacht noch aufgegessen hast und heute Abend Nachschub brauchst.“

Mit einem wahren Redeschwall drängt sich Garcia an Morgan vorbei ins Haus und macht sich sofort auf den Weg in seine Küche. „Ich mach Kaffee. Und Pancakes, wenn du willst. Du hast doch Eier da? Und Sirup?“, fuhr sie fort, bevor Derek mehr als ein „Guten Morgen“ hervorbringen konnte. „Und du“, Penelope hob den Blick und musterte eindringlich Shirt und Shorts, die klar machten, dass er noch nicht lange auf den Beinen war, „du solltest unbedingt duschen. Ich weiß, man lässt sich gerne hängen, wenn man ein gebrochenes Herz hat. Aber das müssen andere weder sehen noch riechen. Und glaub mir, du fühlst dich gleich viel besser, wenn du ausgiebig geduscht hast. Und wenn du mit dem Duschen fertig bist, dann steht das Frühstück schon auf dem Tisch.“

„Frühstück klingt gut, vor allem, wenn Kaffee dazu gehört“, ertönte plötzlich eine Stimme von der Tür her. Und Garcia stieß einen spitzen Schrei aus, als sie herumwirbelte – und Spencer im Türrahmen stehen sah, vom Schlaf noch ziemlich zerzaust, unrasiert, in einer engen schwarzen Hose und einem viel zu großem T-Shirt.

„Morgan! Das …das ist … da steht ja Spencer!“, stammelte Penelope mit schriller Stimme. „Was macht Spencer hier?“

„Im Moment werde ich angeschrien, obwohl mir gerade jemand Frühstück versprochen hat“, murmelte Spencer und rieb sich die müden Augen.

„Derek Morgan! Was für eine Erklärung hast du dafür?“, forderte Garcia bestimmt, wobei sich ihre Tonhöhe allmählich wieder auf ein normales Niveau senkte. „Ich dachte … ich dachte, ich müsste heute Seelentröster spielen. Dabei muss ich feststellen, dass du dich bereits selbst ganz hervorragend getröstet hast. Was ist …“

„Einen Moment bitte“, unterbrach Morgan die Tirade nun endlich mit erhobenem Zeigefinger und brachte Penelope damit zum Schweigen. „Du entschuldigst uns kurz?“

Damit ging er zu Spencer und schob ihn zur Tür hinaus, welche er fest hinter sich schloss.

„Ich würde sagen, du hast uns gerade hervorragend geoutet“, murmelte Derek.

„Ich habe was von Kaffee gehört“, gab Spencer zurück, und nicht zuletzt daran merkte Morgan, dass dieser noch gar nicht richtig wach war.

„Ja, das war Garcia. Und sie hat dich in meinem T-Shirt gesehen und mit einem Haarschopf, der geradezu schreit: ‚Ich bin gerade erst nach einer leidenschaftlichen Nacht unter der Bettdecke hervorgekrochen.‘“, seufzte Morgan.

„Das stimmt aber nicht“, gähnte Reid, während er sich von Morgan wieder die Treppe hinauf schieben ließ.

„Leider“, murmelte Morgan.

Spencer stutzte. „Ich dachte …“
„Schon okay, Spencer. Wir haben Zeit. Aber ein bisschen träumen, wird man ja wohl dürfen.“

Reid nickte

„Hier ist das Gästebad. Im Schrank findest du Handtücher, im Spiegelkästchen sollten eine Zahnbürste und Zahnpasta sein. Ich schlage vor, du bringst dich in einen frischen, einigermaßen wachen Zustand. Und ich versuche, unsere Computer-Queen da unten soweit zu beruhigen, dass das Frühstück kein Desaster wird, okay?“

„Ja, klingt gut“, gähnte Spencer erneut. „Wenn es dann auch Kaffee gibt?“

„Ich habe schon verstanden. Kaffee über alles. Der Rest kommt danach“, lachte Morgan und machte auf dem Absatz kehrt.

„Derek?“, hörte er allerdings Spencers Stimme, als er schon fast an der Treppe war.

„Hm?“ Derek guckte über seine Schulter zurück und sah, dass Reid die Stirn in Falten zog.

„Wolltest du … willst du uns geheim halten?“

Morgan musste sofort daran denken, dass Spencer befürchtete, nur sein kleines dunkles Geheimnis zu sein. Deshalb kam er sofort zurück zu dem Jungen. „Das darfst du gar nicht denken“, erklärte er. „Ich hatte lediglich gehofft, wir könnten erst einmal etwas ausloten, wo wir jetzt stehen, bevor unser Team davon erfährt. Und nenne mich besitzergreifend, aber ich wollte dich einfach ein paar Stunden nur für mich haben.“

Morgan zögerte kurz, dann drückte er Spencer einen leichten Kuss auf die Lippen. „Okay?“, fragte er, als er sich wieder von Spencer löste.

„Okay“, gab dieser zurück und lächelte, bevor er sich umdrehte und im Badezimmer verschwand.

Wie sollte er das nur durchhalten, fragte sich Morgan, als er langsam die Treppe nach unten ging. Er wusste doch schon, wie aufregend es war, mit Spencer zusammen zu sein, und konnte sich ausmalen, dass jetzt, wo sie sich einander immer mehr annäherten, der Sex noch herrlicher sein musste. Doch es blieb ihm nichts anderes übrig, als Zurückhaltung zu üben, bis Spencer ihm signalisierte, dass mehr als ein kleiner Kuss erlaubt war.

„Wo ist er? Du hast ihn doch jetzt nicht rausgeworfen?“, erkundigte sich Penelope sofort, als Derek ohne Spencer in die Küche zurückkehrte.

„Nun mal langsam, mein Mädchen“, versuchte er die Blondine zu beruhigen, die mit aller Gewalt Pfannkuchenteig in einer Rührschüssel herumschleuderte. „Natürlich habe ich Spencer nicht vor die Tür gesetzt. Er ist oben und setzt das um, was du mir geraten hast: er duscht.“

„Wie … was … hast du …?“ Garcia setzte frustriert die Rührschüssel ab. „Wieso ist er hier? Hast du … also, hm … du weißt schon … warst du mit ihm im Bett? Also … naja, so … so sieht er zumindest aus.“

„Baby Girl, eigentlich müsste ich jetzt den Spruch vom Gentleman bringen, der genießt und schweigt. Aber das würdest du wahrscheinlich völlig falsch interpretieren. Und damit du Spencer nachher nicht bestürmst: Nein, ich habe nicht mit ihm geschlafen. Ja, ich habe ihm gesagt, dass ich ihn liebe. Nein, er hat das L-Wort nicht verwendet. Aber ja, wir befinden uns irgendwie auf dem Weg in eine Beziehung. Noch Fragen?“

„Tausende!“, antwortete Penelope prompt und grinste dabei. „Aber die wichtigste zuerst: Wo hast du den Zucker versteckt?“

Morgan musste lauthals loslachen und Garcia stimmte prompt mit ein. „Baby Girl, du bist die Beste!“, meinte Derek, als er langsam wieder Luft bekam. „Ich werde jetzt auch mal dafür sorgen, dass keiner mehr meine ‚Verzweiflung‘ riechen kann. Der Zucker steht im linken Hängeschrank auf Augenhöhe. Ich bin gleich zurück und helfe dir. Und tu mir einen Gefallen: Sollte Spencer vor mit auftauchen, halte dich ein klein wenig mit Fragen zurück. Aktuell haben wir es mit Spencers zurückhaltender Seite zu tun, und ich möchte nicht, dass du ihn mir verschreckst, bevor ich die Gelegenheit hatte, ihn davon zu überzeugen, dass er nicht mehr ohne mich leben kann.“

„Dann husch, unter die Dusche. Und wenn du Hilfe brauchst beim Rücken schrubben, dann ruf mich einfach – oder Spencer.“

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„Riecht das hier nach Pancakes?“, erkundigte sich Spencer, als er gute 20 Minuten später die Küche betrat.

„Ja, mein Genie, das sind … hui … hast du dich aber rausgeputzt“, unterbrach Garcia sich selbst, als sie sich umdrehte und Spencer in der Küchentür stehen sah. Auch Morgan sah von der Pfanne auf, in der er gerade den Speck wendete. Für ihn war der Anblick, den Spencer bot, nicht mehr ganz so ungewohnt. Er trug zu seiner schwarzen Hose nun nicht mehr das übergroße T-Shirt, sondern sein schwarzes Hemd mit den weiten Ärmeln, das ganz offensichtlich im oberen Drittel keinerlei Knöpfe besaß und deshalb einen großzügigen Ausblick auf seine Brust bot. Außerdem hatte er sich die vom Duschen noch feuchten Haare wieder mit einem roten Bändchen im Nacken zusammengebunden. Tänzer oder Freibeuter – die beiden Wörter kamen Morgan spontan in den Sinn.

„Ähm … ja … nun, ich hatte … keine anderen Klamotten dabei als die von gestern“, erklärte Reid langsam und Morgan ahnte, dass er noch nicht wach genug war, um eine gute Ausrede für das Outfit zu erfinden, das zumindest für Penelope ja ziemlich ungewohnt war.

„Warst du gestern auf einer Party?“, erkundigte sich Garcia, als sie endlich wieder den Blick von ihm abwenden konnte und kleine Pancakes auf einen Teller schaufelte.

Morgan hätte sie küssen mögen, weil sie so auf Zack war und nicht erkennen ließ, dass sie wusste, weshalb Spencer so angezogen war.

„Ja … ja, das könnte man so sagen“, entgegnete Reid. „Eine Art Motto-Party. Spanien … Spanien war das Motto.”

„Solltest du öfter tragen. Spanien steht dir wirklich gut“, grinste Garcia und Morgan konnte nur zustimmend nicken. „Aber zurück zu deiner Frage: Die Pancakes sind schon fertig.“

„Sorry, ich bin wohl immer noch nicht ganz wach“, meinte Spencer darauf. „Ich wollte mich nicht selbst zum Essen einladen. Ich wusste ja auch gar nicht, dass ihr zum Frühstücken verabredet seid. Sonst wäre ich gar nicht geblieben.“ Dabei sah er Morgan ein klein wenig vorwurfsvoll an.

„Papperlapapp. Zum einen darfst du dich immer selbst einladen, insbesondere dann, wenn ich koche, zum anderen habe ich mich sozusagen zum Frühstücken zu unserem Schokomuffin eingeladen. Ich habe ihn einfach überraschen wollen. Und jetzt ist es eine doppelte Überraschung.“ Dass sie damit nicht meinte, dass sie Spencer überrascht hatte, sondern auf die Überraschung anspielte, Spencer bei Morgan vorzufinden, das hörte Derek unterschwellig bei jedem ihrer Worte. Sie brannte darauf, zu erfahren, was passiert war. Das war klar. Doch sie würde sich gedulden müssen, bis er sie in einer ruhigen – Spencer-losen – Minute aufklären konnte. Und dabei hoffte er, dass es so schnell keine solche Minute geben würde.

„Hier, mitnehmen, aber noch nichts stibitzen!“, forderte Penelope, drückte Spencer dabei den Teller mit den Pancakes in die Hand und scheuchte ihn Richtung Esstisch davon. „Sirup kommt gleich hinterher.“

„Und Kaffee?“

„Und Kaffee“, bestätigte Morgan lachend und nahm die Kanne aus der Maschine. Bei manchen Dingen blieb Spencer herrlich berechenbar.

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Wenig später saßen die drei gemeinsam beim Frühstück. Morgan wähnte sich – und auch Spencer – schon in Sicherheit, als Garcia plötzlich zwischen zwei Bissen Rührei ganz unschuldig fragte: „Und ihr beiden wart dann gestern gemeinsam auf der Party? Hast du so viel getrunken, Spencer, dass du danach nicht mehr heimgefunden hast?“

Manchmal wollte Morgan Penelope nur zu gern erwürgen, und dieser Moment gehörte dazu. Spencer verschluckte sich prompt an seinem Pancake, als er versuchte, eine Antwort zu stottern. „Ich … also, nein … nicht so direkt. Und ich habe nichts getrunken.“

Garcia zog nur die Augenbrauen hoch und sah Spencer unverwandt fragend an. Sie wusste ja genau, dass sie von Morgan keine Antwort zu erwarten hatte.

„Baby Girl“, versuchte Derek die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. „Kann Spencer nicht …“

„Ich hatte mit Morgan was zu klären“, fuhr ihm Spencer mit einem Mal dazwischen und erklärte dann freundlich, aber bestimmt: „Und du kannst aufhören, auf dem Busch herum zu klopfen. Du weißt genau, dass es in letzter Zeit Ärger zwischen uns gab. Dass ich hier bin, zeigt dir somit, dass wir das Problem aus der Welt geräumt haben.“

Garcia lächelte selig. „Ich liebe es, wenn meine beiden liebsten Freunde sich wieder vertragen.“ Und sie griff nach Spencers und Morgans Händen und drückte diese.

Spencer blickte zwischen ihren Händen hin und her. Dann sah er sie forschend an. „Was hat dir Morgan erzählt?“

Nun war es an Morgan, heftig zu husten. „Was … was soll ich … ihr erzählt haben?“

„Das möchte ich ja gerade wissen“, meinte Spencer und ließ Garcia nicht aus den Augen.

„Das ist aber jetzt nicht seine zurückhaltende Seite“, wisperte Penelope Morgan zu.

Derek stöhnte auf und fuhr sich mit beiden Händen übers Gesicht. Jeder, der Penelope jetzt ansah, konnte sofort erkennen, dass sie ein Geheimnis hatte, das gleich aus ihr herausbrechen würde. Jetzt war doch nicht der richtige Zeitpunkt, dass Spencer von seinem Schwindel erfuhr und erkennen musste, dass Penelope über wirklich alles Bescheid wusste. Womöglich machte der Junge dann gleich wieder auf dem Absatz kehrt.

„Penelope?“, hakte Spencer nach, als er keine Antwort bekam.

„Ich … also … warum fragst du das nicht unser Schokotörtchen? Ich weiß ja gar nicht so recht, wovon du sprichst.“

Spencer schüttelte den Kopf und sah dann Derek herausfordernd an. „Du hast es ihr gesagt, nicht wahr? Nun spuck schon aus: Wie viel weiß sie?“

Derek verzog das Gesicht. „Alles?“, meinte er vorsichtig.

„Und seit wann?“

„Von Anfang an?“

Spencer schnaubte und schüttelte den Kopf. „Da bittet man dich nur um eine Kleinigkeit und genau daran kannst du dich nicht halten?“

„Spencer, es tut mir so leid. Ich habe ihr schon von … du weißt schon erzählt, bevor du mir gesagt hast, dass jemand davon wissen soll. Und danach … gab es irgendwie keinen Weg zurück mehr?“

„Ich erzähl auch wirklich nichts weiter. Von mir hört niemand ein Wort“, zwitscherte Garcia dazwischen, die spürte, wie angespannt Derek neben ihr war.

„Tja, wenn du so freigiebig mit Informationen bist, Derek, dann kann ich jetzt wohl nicht anders, als es dir gleich zu tun. Eigentlich wollte ich dir das jetzt nicht vor Publikum sagen …“ Spencer sah Morgan eindringlich an und machte eine Pause. „Aber wenn Penelope alles weiß, dann soll sie das nun auch hören.“ Spencer schaute Morgan ernst an, so dass es diesem fast den Hals zuschnürte vor Anspannung.

„Spence …“

Doch Spencer schüttelte den Kopf. „Das muss jetzt auf den Tisch. Ich habe gestern Nacht und heute Morgen unter Dusche ausführlich darüber nachgedacht, was du gesagt hast … und was ich geantwortet habe.“

„Was meinst du?“ Machte Spencer nun einen Rückzieher?

„Ich kann und will es dir jetzt doch sagen.“ Spencer atmete tief ein und aus. „Ich liebe dich.“

Morgans Augen wurden groß und größer, aber er brachte kein Wort heraus. Hatte er gerade richtig gehört?

Das schrille Quietschen neben ihm und Garcias aufgeregtes Herumfuchteln mit den Händen konnte eigentlich nur das bedeuten.

„Du …“ Mehr brachte Morgan nicht heraus.

Spencer nickte lächelnd. Dann stand er auf und kam um den Tisch herum auf Morgan zu. „Ich liebe dich“, wiederholte er, bevor er sich zu Derek hinunter beugte, sein Gesicht in beide Hände nahm und ihn leidenschaftlich küsste.

„Aaah! Das ist wahrlich ein historischer Moment“, kreischte Garcia neben den beiden. „Und ich bin dabei. Wo ist denn nur mein Handy. Das muss alles für die Nachwelt festgehalten werden. Der erste Kuss meines neuen Lieblingspaares: Schokotörtchen und Vanillestange!“