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Einfach nur Wir

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Wenn ich früher für mich sein wollte, nahm ich manchmal einfach meine Decke und warf sie über den Tisch. Ein paar Kissen dazu, und schon hatte ich eine Höhle. Meine Schwester kam manchmal auch hinein – wenn ich nichts dagegen hatte. Vater nicht. Ihn wollte ich dort nicht sehen. Und weil er vielleicht trotzdem gekommen wäre, baute ich dieses Versteck nur, wenn er nicht zu Hause war.

Wir machen gerade keine sehr sonnige Zeit durch. Ein Haus haben wir zwar, aber um die Miete zu zahlen, brauchen wir bald einen sicheren Broterwerb – kein Entlanghangeln an kurzen Arbeiten. Dass wir mit möglichst vielen aus der Stadt gut stehen müssen, fühlt sich manchmal wie eine Viecherei an. Und wir lernen erst, zusammen zu leben. Manchmal geraten wir aneinander, auch wegen Kleinkram.

Dabei steht im Mittelpunkt doch ganz anderes …

„Ich weiß da was“, verkünde ich eines Abends, als wir beieinanderliegen, und ehe du etwas sagen kannst, ziehe ich die Decke über uns beide, bis wir ganz darunter sind. Dunkel und warm. Ein bisschen stickig auch. Und vor allem nur wir.

„Was wird das hier?“ Du klingst ein wenig skeptisch, aber das macht nichts. Wäre nicht das erste Mal, dass ich dich in etwas einführe.

„Wir machen’s uns mal einfacher. Hier ist die Welt ganz klein.“

Du schnaubst.
„Na, solange wir nicht mitschrumpfen …“

Das ist der Freibrief. Ich streichle deinen Arm. Dann streichst du bald über meine Schulter, kraulst meinen Nacken. Wir rücken nah zusammen, umarmen uns und kuscheln, kuscheln einfach nur. Wir sperren alles andere aus. Mehr brauchen wir nicht.