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Einfach nur Wir

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Geschichten wurden nicht vorgelesen, sondern erzählt. So kannte ich es von meinen Großeltern. Wenn wir am Feuer saßen, oder beim Kochen der Flusskrebse im Frühling. Lustige Geschichten und Abenteuer, aber auch Geschichten von früher. Von brennenden Dörfern und von Schiffen, die sie übers Meer trugen, weit weit weg, bis in den Süden. Ich beherrschte ihre Sprache nicht wirklich, aber folgen konnte ich doch. Und später kam uns auch ein Märchenbuch auf Englisch ins Haus.

Das alles ist lange her, und heute reden du und ich nicht oft über diese Dinge. Ich weiß, dass auch dir das ein oder andere erzählt wurde, oder vorgelesen, und dass auch du das mochtest – viel mehr aber auch nicht.

Als wir einmal wieder in den Laden gehen, um uns mit allem einzudecken, was nicht aus dem Garten oder aus dem Stall kommt, ändert sich das. Du winkst mich zu der kleinen Auswahl an Büchern hinüber, und ich stutze. Eigentlich lesen wir nur mal Zeitung. Kochbücher wären an uns verschwendet. Was kann es also sein?

„Schau mal, Raring“, sagst du leise und schlägst eines der Bücher auf. Ich frage nicht, was das letzte Wort bedeutet. Ich mag den Klang, also willst du mich damit vermutlich nicht zum Teufel wünschen. Das genügt, zumindest vorerst.

Es sind schwedische Märchen, übersetzt. Du zeigst mir eines deiner liebsten, und wir stehen nebeneinander und lesen es zusammen. Wir stehen wirklich eng nebeneinander. Aber als ich das merke, rücke ich irgendwie trotzdem nicht weg.

Und du auch nicht. Bis du das Buch, viel zu bald, wieder zurücklegst.

„Zeit zu gehen. Sonst versucht der Verkäufer noch, uns das Ding anzudrehen.“ Du wirfst mir ein Lächeln zu und rollst mit den Augen. „Weil er denkt, wir suchen was für unseren Fratz aus.“

„Erklär mir bei Gelegenheit, wie wir den gemacht haben sollen.“

An deinem Blick sehe ich, dass deine Antwort eine ist, die du mir lieber zu Hause gibst.