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Wie Feuer und Wasser

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Gabriel warf einen Blick auf die 'Armbanduhr', die Sandalphon ihm geliehen hatte und die die Zeit auf der Erde anzeigen sollte. Hier war es 4 Uhr nachmittags. Zumindest gleich. Wenn der lange Zeiger noch zwei Striche hinter sich ließ und die Stunde voll war. Gabriel war stolz auf sich. Menschenerfindungen waren gar nicht so schwer zu verstehen.
Er ließ den Blick durch das Café wandern, in dem er saß. Er hatte sich extra ans Fenster gesetzt, um den Park und die Straße im Blick zu haben und seine Verabredung gleich zu erkennen.
Um nicht aufzufallen, hatte er sich ein großes Stück 'Sahnetorte' und eine Tasse mit einer schwarzen Flüssigkeit namens 'Espresso' bestellt. Beides stand nun seit einiger Zeit unangetastet vor ihm. Er würde nie, in Gottes Namen, etwas menschengemachtes essen. Die Scharade musste so ausreichen.
Gabriel war angespannt. Seit der Apokalypse, die schiefgelaufen war, und dem gescheiterten Versuch, Aziraphale dafür zu bestrafen, hatte er kaum Kontakt zur Hölle gehabt. Der Krieg war abgesagt worden. Seine Engel haben es mehr oder minder gemäßigt aufgenommen. Verständlich, er war selbst wütend darüber, wie die Dinge gelaufen sind. Aber noch mehr fragte er sich, was er übersehen hatte. Wenigstens den Verräter ein Exempel statuieren zu lassen, hätte funktionieren sollen. Wie stand er denn nun da? Wie stand sein Ruf da? Er musste den Engel laufenlassen, aus Angst, dass Aziraphale den Himmel mit Fegefeuer in Brand setzte. Und seither beschäftigte Gabriel die EINE Frage: Wie hatte er das gemacht? Wie war er immun geworden, ohne zu fallen?

Als um Punkt 4 plötzlich der Dämon, den er eingeladen hatte, ihm gegenüber auf einen Stuhl sank, durchlief Gabriel ein Schauder.
"Hallo, Beelzebub", grüßte er mit einem falschen strahlenden Lächeln und ließ sich sein Unwohlsein nicht anmerken. Direkt mit jemandem aus der Hölle zu sprechen, gehörte hin und wieder zu seinen täglichen Aufgaben, aber das bedeutete nicht, dass er das sonderlich mochte oder sich daran gewöhnt hatte.
Er ließ seinen Blick über Beelzebubs Haltung wandern. Die Arme hatte er vor der Brust verschränkt. Er wirkte unzufrieden, fast schon zornig. Gabriel ahnte, wieso. Für die Hölle waren die Verräter ein ähnliches Desaster gewesen. Er hatte die Berichte von Michael gehört.
„Du wolltest reden", fragte Beelzebub gedehnt und mit einem abwartenden, desinteressierten Blick.
Gabriel nickte und wurde ernst. "Es geht um...", er blickte nach links und rechts und senkte verschwörerisch die Stimme, während er sich ein wenig vorbeugte, "... die Verräter."
Bei den Worten sah er Beelzebubs rechtes Augenlid zucken. Das Thema war für sie beide ein wunder Punkt. "Was ist mit ihnen?", gab er knurrend von sich.
Diese Gleichgültigkeit und Resignation überraschte Gabriel. Ihm fiel eine Menge ein, was mit ihnen war. "Sie sind immun!", echauffierte er sich und, weil es ihm lauter über die Lippen gekommen war, als beabsichtigt, fuhr er leiser fort: "Ich meine, ich weiß, dass Aziraphale dem Fegefeuer widerstanden hat. Und Michael erzählte mir, dass dem Dämon Crowley das Weihwasser nichts anhaben konnte. Das... das können wir doch nicht einfach so hinnehmen!"
Seine Stimme war gegen Ende wieder lauter geworden und er senkte eilig den Blick, als die Bedienung zu ihnen herüberschaute.
Beelzebubs Gesichtsausdruck noch kühler. "So viel ist mir auch bekannt", antwortete er in genervtem Ton. "Sofern der Himmel", er betonte das letzte Wort abfällig, "allerdings keine neuen Informationen hat, wie man die beiden ausschalten könnte, wüsste ich nicht, was uns außer Akzeptanz übrigbliebe."
Gabriel hatte geahnt, dass es nicht einfach werden würde. Aber er hatte geglaubt, dass er mit den Provokationen der Hölle besser umgehen konnte. Mit all dem Desinteresse, dem Unmut und der versteckten Feindlichkeit, die durch Beelzebubs Worte drang. Nun stellte sich heraus, dass seine Nerven schnell überspannt waren. Er rang mit sich, um sich nicht zu vergessen und dem Dämonen an die Gurgel zu springen.
Ein Räuspern neben ihm ließ ihn zusammenfahren und seine Wut einen Moment vergessen.
Gabriel erstarrte, als die Bedienung mit einem gezwungenen Lächeln neben ihnen auftauchte.
"Alles in Ordnung bei Ihnen?", fragte sie und als Gabriel sich schon eine Antwort zurechtlegen wollte, die etwas in dem Sinne 'Streit unter Freunden' und 'wir vertragen uns gleich wieder' enthielt, deutete sie auf den Kuchen. "Oder schmeckt es Ihnen nicht?", fragte sie.
Gabriels Eingeweide gefroren. "D-doch", sagte er und nahm tapfer eine Gabel von der Sahnetorte. Sein ätherischer Magen rebellierte bereits, als er sie in seinen Mund schob und der fettige Geschmack ihm die Zunge verklebte. Gabriel unterdrückte ein Würgen und schluckte den Sahneberg tapfer hinunter.
"Doch, es ist köstlich", behauptete er mit einem schwachen Lächeln.
"Und Ihr Espresso?", hakte die Bedienung nach, "Sicher ist er mittlerweile kalt. Wollen Sie einen neuen?"
"Nein!", rief Gabriel erschrocken. Bei der Aussicht darauf, auch noch Kaffee trinken zu müssen, wurde ihm beinahe schwindelig. Er riss sich zusammen. "Nein", setzte er sanfter und mit einem charmanten Lächeln hinzu. "Der Espressooo ist nicht so mein Fall", sagte er und merkte, dass er Schwierigkeiten hatte, das Wort auszusprechen, "Bitte, nehmen Sie ihn mit."
"Gern", sagte die Bedienung und ihr neues Lächeln war ehrlicher. Ihre Wangen hatten sich gerötet. Gabriel nahm das als gutes Zeichen.
Er beobachtete, wie sie die Tasse vom Tisch nahm und zurück zum Tresen ging.
Als er sie außer Hörweite wähnte, wandte er sich wieder Beelzebub zu. "Darum geht es ja gerade", insistierte er, als wären sie nie unterbrochen worden. Er seufzte und setzte ein neues falsches Lächeln auf. "Beelzebub", sagte er und legte die Handflächen vor seiner Brust aneinander, "Keiner weiß, woher die beiden diese plötzliche Macht ziehen. Solange wir dem nicht dahintergekommen sind, sind sie eine Gefahr für beide Seiten. Ich fürchte, wir müssen uns zusammentun, wenn wir nicht noch eine Szene wie die letzte erleben wollen." Er seufzte theatralisch. "Wollt ihr etwa keinen Krieg mehr? Nehmt ihr die Unterbrechung einfach als endgültig hin?"
Zu seinem Ärger grinste Beelzebub nur hämisch. „Soweit ich weiß, hat dieser Aziraphale eine Schwäche für menschliches Essen", sagte er, „Vielleicht solltest du damit experimentieren und schauen ob es etwas mit der Immunität gegen Höllenfeuer zu tun hat", schlug er vor, während er zu der Sahnetorte deutete.
Gabriel wusste es besser als die frechen Kommentare des Dämons für bare Münze zu nehmen.
Er wurde sehr ernst und seine Miene machte deutlich, dass er das nicht witzig fand. "Jetzt hör mir mal zu", sagte er eindringlich, "Ich habe dir eine Zusammenarbeit angeboten, weil ich glaube, dass Himmel und Hölle sich bei der Beantwortung dieser Frage unterstützen können. Und wenn wir die Antwort haben, vernichten wir erst die beiden. Und danach können wir unseren Krieg haben." Mit drohendem Unterton fuhr er fort: "Wir können es aber auch genauso gut ohne euch erforschen. Und wenn ich den Trick raushabe, werde ich den gesamten Himmel immun gegen Fegefeuer machen und dann habt ihr eure wichtigste Waffe gegen uns verloren. Aber wir haben immer noch das Weihwasser. Das wäre unschön, nicht wahr?" Ein letztes falsches Lächeln, das ihm besondere Freude machte, zierte Gabriels Lippen.
Beelzebub warf ihm einen wütenden Blick zu, verkniff sich aber jeden weiteren Kommentar, der ihm offensichtlich auf der Zunge lag. "Ich habe eine Zusammenarbeit nicht abgelehnt", murrte er schließlich, "Ich sehe nur noch nicht, wie diese Zusammenarbeit aussehen soll. Was ist dein Plan?"
Die Frage besänftigte Gabriels aufkeimende Wut. Er schöpfte neue Hoffnung, nun, da Beelzebub nicht mehr nur Abneigung zeigte. Sicher hatte auch die Hölle Wissen über Crowley und Aziraphale gesammelt. Es würde helfen, Einblicke darin zu erhalten.
"Irgendwie haben sie es in den letzten tausenden Jahren geschafft, sich mehr und mehr von Himmel und Hölle loszusagen", sagte Gabriel langsam, "und ich denke, dass es damit zusammenhängt, dass sie die Zeit hier auf der Erde verbracht haben. Die Lösung muss also irgendwie hier liegen. Ich schlage vor, dass wir zuerst unsere Beobachtungen zu ihren Lebensstilen vergleichen. Vielleicht lassen sich da bereits Gemeinsamkeiten ableiten. Und, wenn das getan ist, sollten wir Feldstudien betreiben, um zu schauen, ob es auch bei uns funktioniert."
Gabriel verzog den Mund, als er hörte, wie das klang. Deshalb setzte er eilig hinzu: "Das ist eine Zwei-Mann-Show. Ein Mann aus dem Himmel, einer aus der Hölle. Wenn wir auf die Lösung kommen, ist jeder nur um einen Immunen stärker." ... und nicht um eine ganze Armee.
Beelzebub neigte den Kopf nachdenklich zur Seite. Nun, immerhin schien Gabriel damit endlich sein Interesse geweckt zu haben. "Die Zusammenarbeit zwischen... Himmel und Hölle soll also auf zwei Mann begrenzt bleiben und diskret verlaufen?", hakte er nach.
"Richtig", bestätigte Gabriel mit einem vielsagenden Blick. Er ahnte, dass Beelzebub verstand, was er meinte, dennoch setzte er hinzu: "Ich kann es mir nicht leisten, eine Horde Dämonen mit einem geglückten Experiment gegen Weihwasser immun zu machen. Und ich denke, anders herum gefällt dir der Gedanke eben so wenig." Nun, da er das Gefühl hatte, dass Beelzebub tatsächlich darüber nachdachte, einer Zusammenarbeit zuzustimmen, setzte er eindringlich hinzu: "Wenn wir die Fähigkeiten erlangen sollten, die Aziraphale und Crowley erlangt haben, dann werden wir sie ausschließlich gegen die beiden einsetzen. Nicht gegeneinander. Das Geheimnis darüber, wie wir an die Immunität gelangt sind, werden wir niemandem anvertrauen." Das war es zumindest, was er sagte. Was er dachte, war, dass er, sobald er die Geheimformel, den Zauber, oder was auch immer, kannte, so viele Engel immun machen würde, wie er konnte. Und das noch vor dem großen Krieg.
Er sah Beelzebub über seine Worte nachdenken. Dann fragte er kühl: „Was gibt mir die Sicherheit, dass du mir nicht in den Rücken fällst, sobald wir Erfolg damit hätten?"
Gabriel hatte befürchtet, dass der Dämon misstrauisch sein würde. Er stutzte einen Moment gespielt überrascht, ehe sich ein leutseliges Lächeln auf seinen Lippen bildete, das schon tausende Engel vor ihm verwendet haben. "Das würde ich nie tun", sagte er, "Du kannst mir vertrauen. Ich bin ein Engel."
Bei seinen Worten schnaubte Beelzebub ungläubig, doch er kommentierte es nicht. "Angenommen ich kaufe dir deine Scheinheiligkeit ab", begann er, stützte sein Kinn auf seiner Hand ab und betrachtete Gabriel fast ein wenig überlegend. "Was gibt DIR die Sicherheit, dass ich dir nicht in den Rücken falle, Engel?"
Gabriels Lächeln wurde breiter. "Gut, dass du es ansprichst", sagte er und holte eine Schatulle raus. Er ließ sie aufschnappen und hielt sie Beelzebub hin. Ein Ring steckte darin und ohne sich der Geste, die sie für Menschen bedeutete, bewusst zu sein, sagte er: "Ein Pakt-Ring. Du wirst ihn ab sofort tragen. Verrätst du mich, werde ich es erfahren." Sein Lächeln wurde gefährlicher. "Und das willst du nicht erleben."
Beelzebubs Augen weiteten sich etwas. "Ich werde ihn also tragen?" fragte er langsam nach, während er Gabriel ansah. Dann zuckte er die Schultern. "Solange du bereit bist ebenfalls einen zu tragen?"
Gabriel hob eine Augenbraue. "Das wird wohl kaum nötig sein", erwiderte er mit milder Arroganz in der Stimme, "Schließlich sagte ich dir bereits, dass du mir bei diesem Pakt vertrauen kannst. Und als Engel halte ich meine Versprechen."
Beelzebub hob die Augenbrauen und schüttelte den Kopf. "Ich entscheide immer noch selbst, was für eine Zusicherung nötig ist, damit ich mich darauf einlasse", erwiderte Beelzebub mit einem kühlen Blick, während er erneut abweisend die Arme verschränkte und sich zurück lehnte.
Gabriel musste einsehen, dass seine Überzeugungskraft bei dem Dämonen nicht so gut funktionierte. Er seufzte theatralisch und ließ dabei den Kopf nach vorn fallen. "Na schön", lenkte er ein und hob den Kopf wieder, "Wenn du darauf bestehst? Dann bekommt eben jeder einen Ring. Zufrieden?"
Beelzebubs Blick durchbohrte ihn. "Einen Paktring, den ich stelle", verlangte er.
"Einen Paktring, den du stellst und der nichts weiter beinhaltet als einen Pakt", setzte Gabriel mit gerunzelter Stirn hinzu, "Kein Versuch der Gedankenmanipulation durch irgendwelche Zauber oder Flüche. Das Gleiche garantiere ich im Gegenzug auch für den Ring, den du tragen wirst."
Beelzebub schwieg. Sein Blick glitt erneut auf den Ring hinunter, dann wieder zu Gabriel hinauf.
Er schien abzuwägen.
Stumm wartete Gabriel darauf, dass er etwas sagte.
Dann, als er eine Entscheidung getroffen zu haben schien, nickte Beelzebub endlich. „Deal", sagte er.
Gabriel schenkte ihm ein strahlendes Lächeln, das deutlich zeigte, wie zufrieden er mit dem Ausgang ihrer Verhandlungen war. "Wunderbar", sagte er fröhlich, doch dann sah er eine Bewegung aus den Augenwinkeln, die sein Lächeln erstarren ließ.
Die Bedienung kam geradewegs auf sie zugelaufen, mit einer Sektflasche in der Hand und zwei Gläsern in der anderen. Sie blickte ihn so entschlossen an, dass er sich fragte, welche Zeichen er gesendet hatte, um von dem Menschen schon wieder so viel Beachtung zu bekommen ... nun, abgesehen von seinem himmlisch guten Aussehen.
Als würde sie ihn dann nicht mehr sehen, bewegte sich Gabriel keinen Zentimeter mehr.
Es schien nicht zu helfen, denn sie blieb mit einem Strahlelächeln neben ihnen stehen und rief "Herzlichen Glückwunsch!" und ließ den Korken knallen.
Während Gabriel sich noch fragte, was ein Mensch an dieser Szenerie zum Feiern fand, schenkte sie ihnen zwei Gläser ein und stellte sie vor ihnen hin. "Die geht aufs Haus", sagte sie mit einem glücklichen Funkeln in den Augen, "Ich wünsche Ihnen beiden alles Glück der Welt."
"Ehm... danke", sagte Gabriel und räusperte sich. Das Glück der Welt... ob ihm das half?
Sie nickte und verschwand wieder und Gabriels Blick wanderte von ihrer sich fortbewegenden Gestalt zu den Sektgläsern hin, von denen sie offensichtlich erwartete, dass sie sie ... austranken. Er erschauderte und befreite sich aus der starren Haltung, in der er den Ring in der Schatulle Beelzebub hingehalten hatte. Er stellte die kleine Box auf den Tisch zwischen sie und schaute Beelzebub an, als könnte ihm der erklären, was hier vor sich ging.
Der Dämon erwiderte seinen Blick mit einem säuerlichen Lächeln. "Es scheint..." sagte er milde angewidert, "Als denken die Menschen, du hättest mir gerade einen Antrag gemacht, Engel."
Gabriel runzelte die Stirn in einem sehr stark gefilterten Ausdruck der Dinge, die ihm bei diesen Worten durch den Kopf gingen. "Tatsächlich?", fragte er geschäftig und entschied sich für eine neutrale Reaktion. Er würde dieses Vorkommnis totschweigen und wieder zum Wesentlichen zurück kehren. "Nun, da jetzt alles geklärt ist und ich nicht annehme, dass du den Ring willst, ehe ich nicht deinen habe...", sagte Gabriel, griff die Schatulle und steckte sie in die Innenseite seines Mantels,
", schlage ich vor, wir treffen uns erneut, sobald dein entsprechendes Pendant existiert."
Beelzebubs säuerliches Lächeln wurde verschlagen. "Sicher. Allerdings finde ich, wir sollten darauf anstoßen."
Gabriel schenkte Beelzebub ein Lächeln, das seine Augen nicht erreichte. Dass der Dämon ihn mit seinem Grundsatz, kein irdisches Essen aufzunehmen, aufzog, überraschte ihn nicht. "Nein", sagte er und nach einer Kunstpause klatschte er in die Hände. "Also", sagte, er "Ich habe noch ein paar andere Dinge zu tun. Wenn du mich also entschuldigen würdest..."
Beelzebubs Lächeln flaute ab. "Sehr unhöflich es abzulehnen nach einem Geschäft anzustoßen", kommentierte er.
Gabriels Lächeln verschwand ebenso schnell bei den Worten. "Nun, ich will mir nicht ausmalen, wie die Hölle den Umgang mit Alkohol handhabt ", sagte er trocken und mit erhobener Augenbraue, "aber eins steht fest: Der Himmel duldet keine Völlerei oder Trunkenheit." Er erhob sich und rückte seinen Stuhl zurecht. "Dass ein Dämon versucht, einen Engel dazu zu verführen, überrascht mich allerdings nicht. Es wird dich daher ebenso wenig überraschen, wenn ich mich in Enthaltsamkeit übe."
Beelzebub zuckte die Schultern, griff nach seinem Glas und leerte es in seinem Zug. "Oh, keine Sorge", sagte er. „Ich habe meine Standards in Sachen Verführung und du wärst definitiv nicht auf Platz eins, wenn mir nach einem Engel stünde", kommentierte er herablassend und winkte ab, ehe er ebenfalls aufstand.
Gabriel verkniff sich ein 'da bin ich beruhigt'. Innerlich schüttelte es ihn bei der Vorstellung, dass Beelzebub ernsthaft Verführung versuchen könnte. Nie im Leben würde ihm das bei irgendeinem Engel gelingen. Dafür war er zu... dämonisch. Sowas stieß im Allgemeinen ab (wenn man mal von einer Ausnahme absah).
"Ich lasse dir eine Nachricht zukommen, wann ich Zeit habe", verkündete Beelzebub.
"Sehr gut", sagte Gabriel mit grimmiger Zufriedenheit. Sollte er ihm doch die kleine Entscheidung zugestehen, solange alles andere nach seinem – und dem göttlichen - Plan verlief.
Er nickte dem Dämonen noch einmal zu, dann wunderte er ausreichend Geld auf den Tisch, um die Bedienung zufrieden zu stellen und verließ ohne ein weiteres Wort den Laden.