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Beauty and the Beast

Chapter Text

1. Prolog

 

 

Der erbitterte Kampf der Seite des Lichts gegen Voldemort und seine Schergen trat in seine Endphase ein. In der Nacht des ersten Mai tobte die alles entscheidende Schlacht auf dem Gelände von Hogwarts. Noch war nicht abzusehen, wer von beiden Seiten in Zukunft die Geschicke der magischen Welt lenken würde. Unbarmherzig und gnadenlos kämpften beide Seiten gegeneinander. Die Luft war erfüllt vom Tosen laut ausgestoßener Flüche und den darauf folgenden Gegenflüchen. Immer wieder hallte das Schreien der von den Flüchen Getroffenen über das Kampffeld. Magisch verstärkt und demzufolge ohrenbetäubend laut wurden Befehle erteilt, die auf beiden Seiten die Kämpfenden lenkten und aufforderten, Sicherheitslücken auf der eigenen Seite zu schließen, oder zu versuchen dieselben Lücken beim Gegner zu entdecken und auszunutzen. Mit zunehmender Fortdauer der Schlacht war der Boden getränkt vom Blut der Gefallenen. Es gab kaum einen Teilnehmer dieser Schlacht, der unverletzt geblieben war.

Aus dem Hintergrund, gedeckt durch eine dichte Baumgruppe auf einer Anhöhe, verfolgte der Dunkle Lord mit fanatisch rot schimmernden Augen das Fortschreiten des Geschehens. Noch hatte er selbst nicht in den Kampf eingegriffen. Er hielt sich vorerst zurück, um den Überblick zu behalten. So konnte er den Augenblick bestimmen, indem es notwendig sein würde, seine dunkle Magie zu entfesseln und seine bisherige Zurückhaltung aufzugeben. Vorerst genügte es, wenn er seine Todesser für ihn kämpfen ließ. Sie waren alle entbehrlich und ersetzbar. Unter dem verzweifelten Ansturm der Verteidiger begannen sich allerdings die Reihen seiner Anhänger schon dramatisch zu lichten. Es sah nicht gut aus für die Seite der schwarzen Magie.

Nervös huschten die roten Schlangenaugen des dunklen Magiers über seine hart kämpfenden Anhänger. Momentan gestaltete sich der Verlauf des Kampfes nicht zu seiner Zufriedenheit. Missmutig verfolgte er, wie seine Todesser immer mehr an Raum verloren. Sie begnügten sich nur damit, Flüche abzuwehren, anstatt auszuteilen, oder gar in den hart verteidigten Innenbereich der Zaubererschule einzudringen.

„Mylord, wir müssen etwas unternehmen.“ Lucius Malfoy, der als Einziger treuer Anhänger seines Gebieters an seiner Seite geblieben war, weil er als Mittler zwischen Voldemort und seiner kämpfenden Truppe fungierte und weil er dank seines Herrn keinen Zauberstab zum Kämpfen mehr hatte, sah stirnrunzelnd auf das Geschehen herab. Er reckte seine großgewachsene Gestalt, um alles genau verfolgen zu können. So wie es zur Zeit aussah würden sie den Kampf selbst unter großen Verlusten niemals gewinnen und sein Herr kam nicht einmal in die Nähe von diesem Jungen, den er schon seit so langer Zeit töten wollte. Er bemerkte die großen Verluste unter seinen Mittodessern, die von Sekunde zu Sekunde schwerwiegender wurden.

„Ja, ja, ich weiß“, erwiderte der dunkle Lord unwillig. „Die Zeit ist noch nicht reif. Potter ist der Schlüssel, Lucius. Er wird im Augenblick noch zu sehr beschützt von seinen Leuten. Wir müssen zu einer anderen Maßnahme greifen.“ Voldemort grübelte kurz. Seine wachen Augen streiften immer wieder über das Schlachtfeld und blieben an einer jungen Frau hängen, die wohl gerade die Aufgabe übernommen hatte, Harry Potters Rücken zu decken. Aufrecht stand sie hinter dem jungen Mann mit der Narbe. Unermüdlich wehrte sie einen Fluch nach dem anderen ab und gab so Potter die Gelegenheit, seinerseits verheerend in den Kampf einzugreifen. Der Junge war sehr effizient darin, Flüche auszuteilen und fast jeder ausgestoßene Fluch traf sein anvisiertes Ziel.

„Ist das nicht dieses Schlammblut, seine beste Freundin?“ Voldemort zeigte mit seinem Zauberstab auf die junge Frau. Lucius kniff die Augen zusammen und sah angestrengt in die angezeigte Richtung. Er nickte nach einer Weile. „Ja, das ist Hermine Granger. Sie ist gut, in dem was sie tut.“ Ungewollt aufrichtig klang dieser Satz aus dem Mund des blonden Todessers.

„Außergewöhnlich für ein Schlammblut, ja. Aber es gibt bestimmt etwas, was sie dazu bringen wird die Verteidigung von Potter aufzugeben“, sinnierte Voldemort und beobachtete missbilligend, wie Hermine Granger anscheinend mit Leichtigkeit eine gegen sie gerichtete Attacke mehrerer maskierter Todesser abwehrte und mit einem fast lässigen Grinsen im Gesicht, nachdem sie zwei von ihnen niedergestreckt hatte, einen ziemlich effektiven Schutzschild um sich und den kämpfenden Potter legte.

„Sag Rudolphus Bescheid, dass er sich sofort aufmacht und mir ihre Eltern bringt. Es ist mir egal, wie er es anstellt. Sie müssen in der nächsten Stunde hier erscheinen, lebendig.“, entschied der dunkle Lord.

„ICH könnte sie holen“, bot Lucius eifrig an. Es könnte nicht schaden, wenn er seinem Herrn und Meister, nachdem er nach seinem ständigen Versagen in Ungnade gefallen war, wieder seinen Nutzen beweisen könnte.

„Nein, du bleibst in meiner Nähe. Lestrange wird das erledigen.“, beschied Voldemort und verfolgte bereits wieder konzentriert die vor ihm tobende Schlacht.

Lucius drehte sich um, hielt kurz Ausschau und hatte im Kampfgetümmel den Gesuchten nach kurzer Zeit gefunden. Er zog einen Zauberstab aus seinem Ärmel, den er einem gefallenen Zauberer abgenommen hatte und von dem er hoffte, dass er behelfsmäßig mit diesem wenigstens eine Apparation ausführen konnte. Mit einem lauten Knall verschwand er, um kurz neben Rudolphus Lestrange aufzutauchen, er übermittlete ihm Voldemorts Befehl und nach nicht einmal einer Minute kehrte er zu seinem Herrn zurück.

Es vergingen nicht einmal dreißig Minuten, da tauchte Lestrange auf der Anhöhe neben den beiden wartenden Gestalten wieder auf. In seinem Schlepptau befanden sich zwei Personen, denen er auf magische Weise die Hände gefesselt hatte. Der Mann blutete bereits aus mehreren Wunden am Körper, die ihm zugefügt worden waren und die etwas kleinere Frau, an seiner Seite, der Rudolphus immer wieder brutal in den Rücken schlug, um sie so vor sich herzutreiben, hatte eine Schürfwunde, die sich quer durch ihr Gesicht zog. Leise wimmernd und schlotternd vor Angst, blieb das Ehepaar vor der furchteinflössenden Gestalt des dunklen Zauberers stehen.

„Bitte... Wir haben doch gar nichts getan“, flehte David Granger und hob seine gefesselten Hände. Panisch sah er sich um und als sein Blick auf das Kampfgetümmel um ihn herum fiel und er die vielen blutüberströmten Leichen auf dem Boden sah, weiteten sich seine Augen und sein Gesichtston nahm eine ungesunde Farbe an.

„SIE haben nichts getan, aber ihre Tochter um so mehr“, orakelte der Dunkle Lord und blickte die beiden Muggel mit bösartig rot aufleuchtenden Augen an.

„Unsere Tochter…? Sir, unsere Tochter ist ein gutes Mädchen“, beteuerte Granger und versuchte Hermine im Kampfgetümmel auszumachen. Er hatte überhaupt keine Ahnung in was er da hineingeraten war. Hermine hatte ihren Eltern, zu ihrer eigenen Sicherheit, nur das Nötigste von dem erzählt was in der Zaubererwelt vor sich ging. Sie wollte nicht, dass sie sich unnötig Sorgen machen und somit hatten se hatten niemals damit gerechnet in so einen erbitterten Krieg hinein gezogen zu werden.

„Sie behindert unseren Sieg, Muggel. Und ich dulde so etwas nicht.“, zischte Voldemort und nach einem Wink seiner blassen Hand, schubste Lestrange die beiden Gefangenen vor sich her, in Richtung Schlachtfeld, immer darauf achtend, die Körper der Beiden als Schutzschild zu verwenden. Einige eher harmlose Flüche trafen versehentlich das Ehepaar und ließen sie laut aufschreien und taumeln. Endlich wurden die Kämpfer auf beiden Seiten auf das ungewöhnliche Geschehen aufmerksam. Zauberstäbe wurden kurzzeitig gesenkt und das Zischen ausgestoßener Flüche wurde seltener.

„Ich nehme an, Schlammblut, du erkennst die beiden Muggel, die in meinem Gewahrsam sind?“ Voldemorts magisch verstärkte Stimme schallte über den Platz. Hermine blickte sich verwirrt um, ein verzweifelt ausgestoßenes „Nein“, entrang sich ihrem Mund.

„Senke deinen Zauberstab und tritt zurück. Du wirst Potter von nun an nicht mehr helfen. Tust Du nicht, was ich sage, werden die Beiden sterben.“ Voldemort zog nicht einmal die Möglichkeit in Betracht, dass Hermine sich weigern würde, seinem Befehl nicht nachzukommen. Außerdem hatte er sowieso nicht vor irgendjemand von den Dreien am Leben zu lassen.
Unschlüssig stand die junge Frau da, hin und her gerissen zwischen der Verpflichtung Harry unbedingt weiterhin zu unterstützen und das Leben ihrer Eltern zu gewährleisten.

Vereinzelte Todesser sahen unterdessen ihre Chance, die nunmehr abgelenkten Zauberer der Seite des Lichts weiter anzugreifen und in schneller Folge prallten tödliche Flüche auf die Reihen der Verteidiger. Diese sahen sich wiederum gezwungen zurückzuschlagen und unversehens entbrannte die Schlacht erneut und mittendrin befanden sich zwei verängstige, verletzte Menschen, die auf die Knie gefallen waren und die Hände schützend über ihre Köpfe hielten, als könnte diese Maßnahme weiteren Schaden von ihnen abhalten.

Hermine sah entsetzt von Harry zu ihren Eltern. Sie musste etwas unternehmen. Doch erst das keuchende „Geh schon, rette sie“, von Harry, ließ sie vollends aus ihrer Starre erwachen. Sie hob entschlossen ihren Zauberstab und setzt sich in Bewegung.

Doch es war schon zu spät. Im Nachhinein konnte niemand der Überlebenden sagen, wer die Flüche ausgesprochen hatte, die Hermines Eltern und den immer noch bei ihnen stehenden Rudolphus Lestrange getötet hatte. Noch ehe Hermine auch nur in die Nähe ihrer Eltern kam, sanken die in grünes Licht eingehüllten Leiber von Mrs. und Mr. Granger auf den blutdurchtränkten Boden. Lestrange fiel ebenfalls und bedeckte mit seinem Körper die beiden Muggel.

„Neeeeeeeiiiiiiiin!“ Hermine warf sich verzweifelt, mit tränenüberströmten Gesicht nach vorne. Es war jedoch zu spät. Die Menschen, die sie aufgezogen und geliebt hatten, waren bereits tot. Unwiederbringlich verloren.

Völlig entmutigt und in unendlicher Trauer ließ sie ihren Zauberstab fallen und kümmerte sich überhaupt nicht um das Geschehen um sie herum. Obwohl sie ein gut zu treffendes, unbewaffnetes Ziel abgab, verfehlte sie jeder in ihre Richtung abgegebene Fluch beträchtlich. Es schien nicht ihr Schicksal zu sein, ebenfalls auf diesem Schlachtfeld zu sterben, so wie ihre armen Eltern. Dies war jedoch kein Zufall oder etwa unverschämt großen Glück. Ein dunkler Schatten, der fast mit den rußgeschwärzten Mauern von Hogwarts in seinem Rücken verschmolz,sorgte dafür, dass Hermine nicht ebenfalls eines der zahllosen Opfer wurde. Geschickt lenkte diese dunkle Gestalt jeden Zauber und jeden Fluch, der auf sie abgeschossen wurde ab.

Tränenüberströmt und mit großer Anstrengung zerrte Hermine den toten Körper des Todessers von ihren Eltern und sank unfassbar erschöpft neben ihnen nieder. Zärtlich strich sie immer wieder ihrer Mutter das Haar aus der Stirn, hielt die leblose Hand ihres Vaters und schüttelte fassungslos mit dem Kopf. Sie konnte nicht glauben, was sie gerade erlebte. Dies war ein Alptraum, aus dem sie anscheinend nicht erwachen konnte.

Der Kampf um sie herum tobte unvermindert weiter. Es interessierte sie nicht. Zu sehr war sie in ihrer Trauer um ihre Eltern gefangen. Sie sah nicht, dass Harry Potter irgendwann endlich die Prophezeiung erfüllte und Voldemort tötete. Sie nahm nicht wahr, dass der Kampf mit dem Fall Voldemorts zu Ende ging. Es interessierte sie nicht, dass die überlebenden Todesser gefangen genommen und weggebracht wurden. Selbst die etwas unbeholfenen Tröstungsversuche ihrer Freunde, die selber auch Verluste erlitten hatten, prallten von ihr ab.

Einige Tage später, nachdem ihre Eltern, neben den anderen im Kampf Gefallenen beigesetzt worden waren und die Trauer in ihr in kalte Wut auf sich, auf die magische Welt, auf ihre Freunde, die dies nicht verhindert hatten, auf Dumbledore, dessen Trost sie eher als lästig ansah, umschlug, reifte in ihr ein Entschluss.

Nachdem alle den Friedhof verlassen hatten und keiner sie bewegen konnte mitzukommen, stand sie allein und verlassen vor dem Grabhügel, den eine Unzahl an Kränzen und Blumen schmückte.

Fast emotionslos sah sie auf das Grab ihrer Eltern. Der Wind zerrte an ihrem Haar und an ihrer Kleidung. Sie fühlte es nicht. Sie fühlte gar nichts. Ihr Inneres war mit ihren Eltern gestorben. Ihre Augen brannten, sie konnte jedoch nicht mehr weinen, denn sie hatte keine Tränen mehr. Mit einer entschlossenen Geste griff sie in ihre Manteltasche und zog ihren Zauberstab hervor. Sie ergriff die beiden Enden und schnell brach sie ihn in der Mitte hindurch. Achtlos ließ sie das nun nutzlose Stück Holz auf den Boden fallen.
Fast tonlos flüsterte sie, den Blick auf die frisch aufgeschüttete Erde des Grabes vor ihr.
„Ich brauche ihn nicht mehr. Nicht einmal Magie konnte helfen, dass ihr weiterleben könnt. Magie ließ euch sterben. Ich will keine Hexe mehr sein. Keine Magie mehr, NIE MEHR!“

Und mit diesen Worten drehte sie sich entschlossen um und verließ eilig den Friedhof.

Hermine Granger verschwand spurlos aus der magischen Welt. Harry und Ron versuchten alles, um sie zu finden, jedoch vergebens. Es gab kein Lebenszeichen mehr von ihr. Es schien als hätte sie sich in Luft aufgelöst und auch, wenn es ihren Freunden schwer viel zu begreifen, wie sie das alles hinter sich hatte lassen können, begannen auch sie ihr Leben ohne Hermine weiterzuleben.

Tbc.