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Whether you want to or not

Chapter Text

 

Kandomere stand mit den Händen in den Hosentaschen vor dem raumhohen Fenster seines geräumigen Büros in der obersten Etage des MTF-Gebäudes, aus dem er die ganze Stadt überblicken könnte. Könnte, wenn er da hinschauen würde. Obwohl seine Augen auf die Stadt gerichtet waren, genoss er nicht die Aussicht, sondern beobachtete in der Fensterscheibe die schwache Spiegelung der verglasten Wand mit der Bürotür hinter ihm. Oder besser gesagt, des Raumes dahinter.

Gleich ist es so weit.

Widerwillig registrierte er dort allerdings erst mal nur die verstohlene Blicke seines elbischen Sekretärs, der in diesem Vorraum am Schreibtisch saß, und sich offensichtlich unbeobachtet fühlte. Es war nicht das, was Kandomere sehen wollte, also schwenkte er die Aufmerksamkeit zu den Palmen-Kronen in dem Fenster weiter hinter dem Elf.

Einem Windspiel mit dem Palmen-Laub zusehen, war eins von den wenigen Sachen, bei denen sich Kandomere noch entspannen könnte, auch wenn es in den schalldichten Büroräumen eine steril lautlose Schau war. Aber etwas besseres war gerade nicht im Angebot. Als ein Stadt-Elf mochte er die Stadt, sehnte sich aber die letzte Zeit zunehmend nach der Ruhe der Natur und der schattigen Frische des richtigen Waldes – am besten eines solchen mit den riesigen Mammutbäumen, den man mit allen Sinnen fühlen könnte.

Kandomeres Blick glitt in der Spiegelung unwillkürlich über zu seinem Sekretär. Der wickelte sich gerade eine Strähne von seinen kinnlangen blonden Haaren um den Finger - wobei er jetzt von den verstohlenen Blicken zu einem schamlosen Anstarren wechselte. Das reichte ihm anscheinend nicht, also leckte er sich gerade dazu auch noch sinnlich über die Oberlippe.

Kandomere war überhaupt nicht amüsiert über dieses freche Verhalten hinter seinem Rücken - als er es es jäh begriff. Dieser junge Elf will, dass seine scheinbar heimliche Aktion entdeckt wird. Natürlich.  Er hätte sich sonst gar keine direkte Annäherungsversuche zu ihm, seinem Vorgesetzten, erlauben dürfen. Trotz der gemeinsamen Vergangenheit.

Es war ihm unangenehm. Er hat doch diesmal  einen männlichen Sekretär ausgewählt, der Hoffnung wegen, dass der nicht so überempfindlich wird wie die meisten Weibchen. Selbstverständlich schlief er mit allen, die jemals hinter dem Sekretären-Tisch saßen, und selbstverständlich forderte er von ihnen allen immer eine absolute Professionalität auf dem Arbeitsplatz, und besonders dann, wenn die Affäre vorbei war. Aber nicht immer hielten sich die Weibchen daran, und dann musste er die Stelle jedesmal mit jemand anderem neu besetzen, denn einen Ungehorsam war er nicht bereit zu dulden.

Wie lange ist es jetzt, als er die Sache mit diesem starrenden hübschen Elf beendet hatte, schon ein Jahr? Etwas über ein Jahr.

Ja, da fing es mit dem Leiden erst recht an, deshalb hat er ihn ungewöhnlich kurz, nur ein Paar Wochen gefickt. Schließlich musste er die Sache dann vorzeitig beenden. Ist der Kleine etwa darüber nicht hinweg? Eigentlich wurde er großzügig entschädigt... Trotzdem, die Endgültigkeit der Trennung hat er, so wie es aussieht, also noch nicht akzeptiert.

Aber wieso hat Kandomere das bei seinem Scharfsinn bis jetzt nicht bemerkt...

Ah ja, weil er wohl pausenlos damit beschäftigt war, vor anderen verheimlichen, dass es ihm dreckig geht. Zu dreckig, um auch noch das Gefühlsleben der anderen registrieren zu können.

Kandomere seufzte. Auch wenn er es nicht gerne tat, wird er wieder einen Neuen einstellen müssen. Diesmal wäre es aber ratsam es gänzlich professionell zu managen. Kein Sekretären-Sex samt belästigenden Folgen mehr.

 Er sah sich jetzt in dem reflektierenden Fenster selbst an – und konnte nicht unterdrückten  dieses bittere ironische Lächeln. Es bleibt ihm doch ohnehin nichts anderes übrig.

Er schaute auf seine Platintaschenuhr und sofort wurde er sich seines eigenen Pulses bewusst. Es dauert nicht mehr lange. Er zählte die Sekunden.

Also, nochmal – aus der medizinischer Abteilung erstmal raus, die all Fluren entlang, das Warten vor dem Aufzug A2, der Zeitpunkt der frequentierten Abschluss-Stunden des Freitag-Abends mitzurechnend, anschließend die Aufzug-Fahrt nach oben. Ein Dauer von 2 Minuten und 20 Sekunden. Wenn alles planmäßig abläuft. Gestern, spät am Abend, ist er es achtmal durchgegangen, als er mit nur der Nachtschicht der Wachmänner und den paar Krankenpflegern im Haus alleine blieb. Ihre fragenden Mienen gingen ihm auf die Nerven, als er auf dem Flur stereotypisch hier und her rumlatschte, als er wiederholtemale mit dem Aufzug hoch und runter fuhr, sowie nur vor ihm stand, und ihn fest anstarrte als er die Wartezeit nachahmte. Wenigstens haben sie es nicht gewagt, ihn mit dämlichen Fragen anzusprechen.

Ja, Kandomere wusste es selbst dass er sich wie ein Wahnsinniger benahm. Er fühlte sich ja schon seit längerer Zeit komisch, oder eher - irgendwie krank. Und wütend. Er war wütend weil die Sonne schien, dann weil sie doch nicht schien, und weil die Wolken andauernd die Form wechselten wie sie wollten. Und natürlich weil er kaum noch abspritzen könnte. Ja, er fühlte sich überhaupt nicht gut. Er glaubte, er ist tatsächlich wahnsinnig geworden.

Aber das wird er für sich behalten, er wird es auch gut wissen es vor anderen geheim zu halten.

Mit solchen Überlegungen kann er sich aber später befassen. Jetzt muss er aufpassen, und den Vorraum vor seinem Büro beobachten, damit ihm keine wertvolle Sekunde entgeht.

 


 

Kira klebte fast mit ihrer Nase an dem kalten Glas der Gebäck-Vitrine. Diese Kaffee-Bar im Erdgeschoss des MTF hatte eine kleine, aber extra feine Auswahl, denn ein Viertel der Mitarbeiter hier Elfen waren, die auf ihre gewöhnte Snacks nicht verzichten mochten.  Diese Tatsasche konnte man schon aus der Ferne erkennen - an dem exquisitem Kaffeeduft der speziellen und teuren Mischungsorte Elfclass-Deluxe.

„Such dir endlich etwas aus, denn diese kleine Pause ist nur erschlichen, und erschlichenen Pausen haben ein kurzes Leben.“

Die blonde Rose, die sich zu Kira vertraut gesellte, schaute ihr über die Schulter.

„Und überhaupt, tu nicht so als müsstest dich entscheiden.“ Rose schnitt jetzt eine lustig-leidvolle Grimasse. „Selbst wenn du jetzt von jeder dieser Kuchensünde zwei Stück nimmst, merkt es weder dein Geldbeutel, noch deine Figur. Du behältst wie gewöhnlich deine OHara Taille, während ich fett werde schon wenn ich die Leckereien vom Weiten nur ansehe.“

„Wie immer am Übertreiben,“ schaute Kira mit einem breiten Lächeln zu der sehr schlanken Rose, und fügte neckend hinzu: „Manche Elfen bevorzugen doch lieber kurvige Frauen. Und übrigens, ich hab schon gewählt, ich warte nur noch kurz mit der Bestellung. Billy scheint heute nämlich  keinen guten Tag zu haben.“ Dabei deutete sie in die Richtung des schwitzenden Barista, der schnell wischte den Kaffee vom Boden ab, der gerade - warum zum Teufel auch - aus der Kaffeemaschine an falscher Stelle austrat.

„Wohl wahr, er hat mir heute mittag aus Versehen ein Thunfisch-Zwiebel Sandwich verkauft anstatt das mit Schinken das ich wollte.“

 

„...was mir immer noch unendlich leid tut!“ Barista Billy schaute Rose schuldbewusst an – er war mit dem wischen fertig, und könnte jetzt endlich die jungen Frauen bedienen.

Die haben sich für den himmlisch schmeckenden und natürlich teuren elbischen Kirschkuchen mit Rosen-Streusel entschieden.

Elbische Snacks für Vormittags, sowie allgemein zwischendurch, anders als ihre proteinreichen Hauptmahlzeiten, waren - wohl als Ausgleich - meistens feine Gebäckstücke. Selbstverständlich nur aus der Auslese der besten und gesunden Zutaten zubereitet.

Beim bezahlen wurden beide junge Frauen nochmals Zeugen von einer weiteren Billys Pannen, als er die Schale mit dem Popcorn für den Zwerg Fred aus dem Archiv tolpatschig erfasste und sie unglücklich durch die Luft schleuderte. Sie gingen danach zügig und kichernd  in ihre Abteilung zurück, bevor sie Billys Pechsträhne anstecken könnte.

 

„Hast das Thunfisch Sandwich danach gegessen?“ fragte unterwegs Kira grinsend ihre Kollegin. Es war eine überflüssige Frage. Sie hätte es selbst bemerkt wenn es dem so wäre. Ihr Arbeitsplatz war nicht weit entfernt von Roses Labor.

„Na sag mal , denkst dass ich geisteskrank bin?“ lachte schallend Rose. „Ich liebe zwar Thunfisch und Zwiebel, aber noch mehr liebe ich den blauhaarigen Zucker-Kandie,“ und glättete sich theatralisch eine unsichtbare Weste, so wie es der Chef-Agent Kandomere manchmal tat. „Ist doch klar, ich muss immer perfekt gepflegt sein, wenn ich einem solchen erstklassigen und begehrten Elf gefallen möchte. Und weil er letzte Zeit hier immer unvorhergesehen herum schleicht, darf ich selbstverständlich keine Millisekunde wie ein Fischerboot stinken .“

 

Beide Freundinnen haben es sich guter Laune mit ihrem Milchkaffee und Kuchen in der Pausenecke ihrer Abteilung in den Sesseln gemütlich gemacht.

 

„Also wenn du unbedingt einen Elfen willst – es gibt hier außer Kandomere auch andere Elfen-Jungs. Zum Beispiel Agent Hadrien hätte bereits sichtlich Interesse an dir, ihn müsstest du gar nicht erst bezirzen. Ich hörte ihn neulich, wie er im Gespräch mit dem Riesen Montehugh betonte, dass er blonde Menschenfrauen hübscher als elbische findet, und dabei hat er dich mit dem Blick geradeaus eingesaugt. Die zwei Blondinen aus der Buchhaltung, die neben dir standen, ignorierte er – interessanterweise – völlig.“

Kira überlegte - sie kannte Roses Schwäche für die attraktiven Elfen, insbesondere für den leitenden Agent Kandomere. Sie akzeptierte ihre Vorliebe,  hörte immer schweigend ihren Schwärmereien zu, aber sie wäre eine falsche Freundin, wenn sie Rose nicht warnen würde – sie muss sie daran erinnern, das diese Münze auch eine Kehrseite hat, selbst wenn sie wusste dass Rose es nicht gerne hören wird.

 „...obwohl ich immer noch nicht ganz verstehen kann, warum du unbedingt eine Affäre mit einem Elfen anstrebst. Bedenke, männliche Elfen sind meistens unter ihrem distinguierten Äußeren räuberisch roh, besitzergreifend und über alle Maßen eifersüchtig. Und du kannst kaum mit einem von denen eine - aus unsere Sicht - stabile Beziehung eingehen, und mit gar keinem eine Familie gründen, sowie von ihm keine zusätzliche Lebensdauer erhalten, weil er dich - einen Menschen - nicht als seine wahre Gefährtin erkennen würde.“

„Aber ich kann mit ihm ficken bis zum Umfallen. Elfen sind erfahrener und bessere Liebhaber als menschliche Männer. Und viel attraktiver. Und definitiv wohlhabender.“ Rose schloss sinnlich halb ihre Augen.

„Ich bitte dich, jemand könnte dich hören,“ Kira schaute belustigend zur geöffneter Tür.

 

 „Ja, ich zum Beispiel!“ hallte die Stimme eines älteren Kollegen aus dem offenen Raum gegenüber.

 

Beide Frauen prusteten los vor lachen. Aber wurden leiser.

Rose fand jetzt diesen Augenblick geeignet, um etwas ihre Freundin zu fragen, etwas, was sie seit paar Wochen beschäftigte:

„Sag mal, Kira, du kennst dich da aus, wäre möglich dass die Elfen eine sexuelle Orientierung wechseln können?“

„Wie man es nimmt...“

Dürfte Kira direkt darüber reden? Aber - wenn Rose etwas wirklich wissen will, wird sie keinesfalls davon ablassen. Na ja, so extrem streng geheim ist diese Sache ja auch wieder nicht.

„Geht es dir um etwas oder jemand bestimmten?“

„Also ist doch etwas dran? Hm, die Sache ist - ich glaube dass mein Kandie ist möglicherweise schwul geworden. Was natürlich echt blöd wäre. Das würde meine Chancen ja ziemlich verringern. Dabei hatte er, soviel ich gehört habe, immer etwas nur mit Frauen gehabt, sogar mit einer Menge Frauen."

 

Kira schaute plötzlich emotionslos aus. Nur ganz kurz, für einen Moment, aber Rose hatte eine Beobachtungsgabe, sowas entging ihr nicht. Sie bemerkte es schon mehrmals – manchmal setzte Kira diese seltsam unbeteiligte Miene auf, als wäre es ihr jedoch selbst nicht bewusst dass sie es tat.

Wollte sie etwas verbergen? Etwa einen aufgewühlten Gemüt-Zustand? Am meisten hat sie solchen undurchdringlichen kalten Blick, wenn sie von den Sitzungen mit Kandie zurückkommt. Ob es mit ihm, oder ihrer neuen Aufgabe etwas zu tun hat..?

Dem leitenden Agent fiel da vor einiger Zeit ein, dass er einen persönlichen Berichterstatter und Berater aus der medizinischen Abteilung regelmäßig konsultieren möchte. Also kam er, nahm auf der Stelle ausgerechnet die Dienst-jüngste Kira mit, und verschwand mit ihr in seinem Büro.

Allerdings - Roses zuversichtliche Antennen haben bis jetzt nicht mal einen Hauch irgendeiner Zuneigung oder verräterischen Konflikt zwischen den beiden registriert. Na gut.

„Wie kamst denn überhaupt zu diesem neuesten Klatsch?“

Schien es Rose, als wäre ihre Freundin interessierter als sonst? Die Gerüchte über die Kollegen ließen sie doch normalerweise - zum Roses Leid - immer kalt.

 „Also Kira, du weißt noch, letzter Monat hatte unser Chef-Direktor Jubiläum, 700 Jahre – also das ist schon Wahnsinn, das fasziniert mich immer, dieses elbische Alter, was er für interessante Geschichte erzählen könnte, nicht wahr? Also auf der Feier hab ich zufällig einen Gespräch mitangehört. Kandies hübscher Sekretär Limahl sprach vertraulich mit dem schwulen Analytiker Melwer, und hat vor ihm stolz angegeben, dass er seit einem Jahr der geheime Lover seines begehrten Bosses ist. Und wie er von ihm vergöttert wird. Entweder dachte er nicht dass ich Övüsi genug beherrsche um alles zu verstehen, oder wusste er es schon, und beabsichtigte auf diese Weise die Information zu verbreiten. Wie auch immer, der Süße sagte wörtlich, 'wir treiben es täglich wie die Kaninchen,' und dass der Boss von ihm Kandy-Daddy genannt werden will. Und wenn er, Limahl, eines Tages seinem Schicksal-Gefährten begegnet, wird Kandy-Daddy aus Kummer eigenes Leben beenden.“

Mit vielsagenden Blick machte Rose eine kurze Pause um an ihrem Kaffee zu nippen, und setzte dann gleich ihre Rede fort:

„Ich hab ihm schon fast den Quatsch abgenommen, aber bei dem Karnickel war dann Schluss. Schande über mich, dass ich es für selbst einen kurzen Moment glaubte. Der Melwer schmunzelte da nachsichtig  schon de ganze Zeit, aber er ist ja ein hervorragender Analytiker aus dem Psychologischen Sektor. Und er kennt Kandis schon sehr lange. Aber - wie auch immer Limahls bunte Details nur einer offensichtlichen Wunsch-Fantasie entsprangen, er hätte sich sicher nicht erlaubt den Kandomere als seinen Lover zu bezeichnen, wenn es gar nicht wahr wäre, denke ich. Die Konsequenzen dafür wären für ihn bestimmt sehr unangenehm, so gut kennt man den strengen Kandie schon.

Ohne persönliche Meinung zu äußern, antwortete nun Kira sachlich:

“Nun, die Sache ist so - es gibt keine rein schwule oder hetero Elfen. Alle sind zu unterschiedlichen Intensität bisexuell. Der einzelne kann dabei über längere Zeit bevorzugen mehr das eine oder das andere Geschlecht - die Vorliebe der Mehrheit ist aber meisten zu den gegensätzlichen Geschlechtern, deshalb fällt es nicht so auf. Es kann es also wechselnde Phasen geben. Bis sie schließlich alle eines Tages ihre Gefährten erkennen. Die Paarung ist dann immer Heterosexuell, und aktiviert ihre Fruchtbarkeit, die sie dann bewusst steuern können. Das ist dir aber schon bekannt.“

„Na großartig, also ich studiere die Biologie aller Rassen, und trotzdem bleibt mir so etwas essentielles, so wie dass alle Elfen eigentlich bisexuell sind, unbekannt. Wie schaffen die Elfen bloß vor anderen immer irgendetwas zu verheimlichen...“

Es war nur eine rhetorische Frage. Kira musste nichts mehr zufügen, aber sie tat es .

„Die Elfen werden wohl immer die Verbreitung von Informationen, die sie geheim halten möchten, verhindern können. Und auch wenn etwas durchkommt - für den elbischen Herrscher gelten ja praktisch keine Zauberverbot-Gesetze. Womöglich verfügt er über Mächte, mit denen beim Bedarf alle, samt des eigenen Elfen-Volkes, auf mentaler Ebene beeinflussen kann. Allerdings ist ausgeschlossen, dass es jemals jemand bestätigen wird.“

„Oh....“ Rose wurde durchaus bewusst, was das bedeutet.

Ja, nicht zufällig waren die Elfen die mächtigste Rasse.

 

Kira trank ihren vorzüglichen Kaffee aus. Sollte sie sich zum diesem Thema äußern? Nein, dürfte sie nicht. Die elbischen Schweige-Gesetze galten für sie doch ebenso wie für die Elfen.. Warum passierte ihr dann dieser Fehler? Lag es daran, dass sie sich plötzlich seltsam verwirrt fühlte...?

 

 „Wegen deiner Familie, kennst du absolut alles über Elfen, oder?“ Rosa beneidete sie unverhüllt.

„Definitiv nicht alles.“

„Sei nicht so bescheiden. Als einem stillen Beobachter mit einem besonderen Status wird dir bestimmt mehr bewusst als den Elfen selbst. Also - wirst du so lieb und erstellst mir jetzt eine Prognose? Welche Chancen habe ich bei unserem blauhaarigen Chef-Agent?"

„Rosa...“ Kira räusperte sich. „ Sei dir sicher, du würdest ihn nicht wollen. Wenn es aber schon ein Elf sein muss, versuch es lieber mit dem für elbische Verhältnisse relativ liebenswerten Hadrien, der ist auch noch jung, mit bisschen Glück könntest du ihn für sehr lange behalten. Oder eher er würde dich behalten. Vergiss nicht, alle Elfen halten Menschen, mit denen sie Sex haben, für ihr Eigentum. Für Kandomere wären es wohl gar Sklaven.“

„Und wer sagt, das mich das stören würde?“ Rosa kicherte.

„Ich gebe auf.“ Kira seufzte, aber lächelte jetzt wieder. „Jedenfalls, ich meine es nur gut. Mit Hadrien hättest du sicher mehr Spaß im Leben. Denn Kandomere ist nicht nur unangenehm und extrem gebieterisch, sondern auch übermäßig unterkühlt und staubtrocken. Oder hast du ihn jemals lächeln gesehen?“

„Ach so ist es also! Jetzt raffe ich es endlich! Du willst den Kandie für dich selbst  und deshalb willst ihn mir verleiden. Gib es zu!“ Dieses Teufling grinste Kira an.

„Nein Rose, so ist es nicht...“ Eigenes Handy unterbrach sie. Zum Glück, denn ihr fiel nichts ein, was sie einwenden könnte. Sie schaute nach, wer sie ruft, dann nahm das Handy an.

 

 „Ja Sir?“

....

„Ab heute...?“

....

„Ja Sir, das wäre in der Tat jetzt gleich.

....

„Es ist vorbereitet.“

....

Nein Sir, es steht dem nichts im Wege.

....

 

Kira steckte das Handy zurück in die Tasche ihres Labormantels.

 

„Uuh, verlangt Zucker-Kandie nach dir heute früher als sonst?“

Natürlich, Rose beneidete sie um den persönlichen Kontakt mit diesem Befehle-erteilenden Elf. Egal wie diktatorisch er sein mag.

Kira seufzte, und sagte nur noch:

„Ach Rose, hör doch endlich auf, ihn so zu nennen. Denn glaub es mir, in Wirklichkeit ist der Chef genau so zuckersüß wie ein ausgewachsener T-Rex!"

 


 

Kandomere nochmal überlegte - vielleicht soll er doch noch kurz in den gegenüber liegenden Konferenz-Raumteil seines Büros zu gehen, zu dem hohen, zum Park ausgerichteten Fenster. Von da könnte er dem Wind-Laub Spiel in den letzten Tageslicht-Minuten dieses Dezember-Tages direkt zusehen. Wenigstens für einen Moment. Es hätte ihn wirklich etwas beruhigt.

Nein. Er muss bereit sein, er will doch nichts verpassen, während er irgendwelches wackelige Gestrüpp anglotzt. Egal. Er braucht es nicht, er wird sich wie immer beherrschen, ganz gleich in welchem Zustand er sich befindet. Aber.. er könnte sich ein bisschen von diesem konzentrierten Druck befreien. Vielleicht hilft, sich bis dahin mit etwas beschäftigen, wobei er den Vorraum im Blickfeld behalten kann. Gut, er wollte doch den Anruf erledigen.

Er wandte sich von dem Panorama-Fenster ab, nahm sein Handy, und tippte auf eine gespeicherte Nummer. Dann schaute er zu dem Sekretär, und erteilte er ihm gleich einen eisigen warnenden Blick durch die Glaswand, woraufhin der junge Elf mit geröteten Wangen seine Augen auf die Tastatur senkte.

 

 ....

„Ja, Kandomere.“

....

„Ebenfalls.“

....

„Bestellnummer 23.“

....

„In einer halben Stunde, in meinem Büro. Es ist das MTF Gebäude, sechster Stock.“

....

 

Der Aufzug klimperte kurz, als er in das oberste Geschoss ankam. Kandomeres linkes Ohr zuckte und er verschärfte seinen Blick.

 

„Exakt. Magic Task Force, in den Western Hills.“

....

„Gibt es ein Problem mit der Uhrzeit..?“

 

Ohne zu blinzeln folgten Kandomeres Augen einer kleinen und zarten jungen Frau, die sich von dem Fahrstuhl mit anmutigen Bewegungen näherte. Ihr offener weißer Laborkittel enthüllte ein Minikleid aus fließendem weichen Stoff, das wiederum kaum den aufregenden Körper verbarg. Ihre schlanke athletische Figur mit anziehend weiblichen Kurven und unglaublich schmaler Taille war atemberaubend.

Mit ihren schönen feinen Gesichtszügen, der Stupsnase und vollen Lippen wirkte sie sehr jung. Man könnte fast denken, dass die eigentlich 25jährige Schöne noch eine Jugendliche wäre.

Bei der Arbeit trug sie ihre lange schwarzbraune Haare immer hochgesteckt in einem chaotischen Dutt, so wie jetzt auch. In dieser, auf eine sympathische Art durchgewühlten, entzückend wirkenden Frisur steckte wie so oft ein Bleistift.

 

Energisch ging sie entlang der verglasten Bürowand, dabei grüßte sie mit einem liebreizendem Lächeln den Sekretär. Ihre große Mandelaugen waren auf den jungen Elf zu lang gerichtet, und zu intensiv, empfand Kandomere.

Flirtet sie etwa mit ihm?

Kandomeres Blick verengte sich. Sie will.... einen anderen... Seine Fantasie verselbstständigte sich, er sah nun diese hübsche Menschenfrau nackt, in den Armen seines blonden elbischen Sekretärs, seine Hand auf ihrem Hintern ... drückte er sie auf seine Erektion...

Augenblicklich kam in ihm eine wilde Wut auf. 'Ein Rivale!' schrien die Instinkte und übernahmen seinen seelischen und physischen Körper. Er bekam den Ausdruck eines Raubtieres, dem ein anderer seine mühsam erjagte Beute streitig macht. Die Sinne verschärften sich auf äußerste, alle Muskeln verhärteten sich wie für einen Konkurrenzkampf. Sein eigener Herzschlag trommelte ihm in den Ohren. Und dann spürte er einen seltsamen undefinierten Druck in seinen Augen.

 

 ....

„Das... ist perfekt...“ Seine Stimme klang gruselig.

....

„Es ist die oberste Etage.“ Doch, er ist kontrolliert. Er ist immer kontrolliert.

....

„Nein, mir geht es gut. Ausgesprochen blendend.“

 

Er beendete das Gespräch, machte das Handy aus und steckte es in seine Hosentasche.

 

Die junge Frau im weißen Kittel klopfte kurz, eher symbolisch auf die Glasscheibe, und nahm die Türklinke in die Hand. Gleich hob sie auch schon ihre Augen hoch, in seine Richtung.

Kandomere wandte sich schnell von ihr ab, zurück zu dem Panorama-Fenster.

Er muss versuchen sich mit aller Kraft zu beruhigen.

 

Chapter Text

 

Kandomere hasste es, wenn sie die männliche Mitarbeiter anlächelte. Er hasste es abgrundtief - noch lange danach verspürte er diesen Unmut. Jedoch - diesmal war seine Reaktion noch heftiger als sonst, und irgendetwas geschah mit seinen Augen, das war ihm neu. Es war beunruhigend, anscheinend hat sich sein Zustand wieder verschlechtert.
Es machte ihn wütend, wie ergreifend diese verfick'te rätselhafte Krankheit inzwischen über ihn herrschte. Gegen seinen Willen musste er gerade jetzt dieser umwerfenden Frau den Rücken zukehren, obwohl er jede Sekunde ihrer Anwesenheit auskosten wollte. Er hatte aber keine Wahl - er vermutete, dass ihn die merkwürdige Veränderung in seinen Augen in diesem Moment ungewöhnlich, vielleicht sogar abscheulich aussehen ließ. Was sich leider gleich bei dem Blick ins Fenster bestätigte. Soviel er in der Spiegelung erkennen könnte, sah es so aus, als wären seine Pupillen irgendwie ganz riesig geworden, als würden sie die eisblauen Iris komplett verschlucken. Aber- das letzte was er wollen würde, war, mit solchen dämonischen Augen diese, genau diese Frau zu erschrecken. Auf keinen Fall darf sie ihn verabscheuen. Wenn sie sich von ihm angewidert fühlen sollte, vor ihm Angst gehabt hätte oder geflohen wollen würde, hätte er es nicht ertragen können. Kandomere war sich ziemlich sicher was er dann am Ende täte. Er befürchtete, er würde sie aus Verzweiflung jagen und verletzen.

Er wusste aber nicht, warum eigentlich. Warum war sie ihm so wichtig? Er verstand sein starkes Interesse für sie nicht..

Er hat doch aufgrund seines Leidens schon seit langem überhaupt kein Verlangen nach irgendjemandem. Also warum fühlt er sich dann trotzdem in diesem leidenschaftslosen Zustand zu ihr so mächtig hingezogen?


Kandomeres frühere Beziehungen waren immer nur die Art des physischen Bedürfnisses. Vor langer Zeit hatte er viel Sex, extrem viel. Und dann, vor 16 Jahren, ging sein Bedarf mysteriöserweise auf einmal stark zurück. Weil er es damals zuerst nicht akzeptieren wollte, zwang er sich weiterhin dazu, sich mit den schönen Frauen zu begnügen. Wie immer behandelte er sie luxuriös, beim Sex war er sanft oder weniger sanft, oder überhaupt nicht sanft, so wie sie es verlangten. Er tat es, aber es ist ihm gleichgültig geworden, er wollte nur seinen nachlassenden Trieb wenigstens noch am laufen halten.

Und dann, vor einem Jahr, verlor er das Verlangen ganz.

Seine Emotionen dagegen, waren selbst in seinen wilden Zeiten nie so stark, dass er irgendjemandem verfallen würde. Eine übermäßige Gefühlsduselei war ihm fremd. Er war immer beherrscht, und so sollte es auch bleiben.

Warum ist dann jetzt alles anders...

 

Die einzige Möglichkeit, oder besser gesagt die Gefahr, dass er jemandem verfallen sollte, gäbe es allemal – wenn er eines Tages seine Schicksal-Gefährtin erkennen würde. Dann sollten die bis dahin schlummernden höchsten Gefühle und Leidenschaft erwachen, denen er sich angeblich nicht entziehen können würde. Wenn auch von dem einem zum anderen Elfen dabei die Art und Intensität der Empfindungen variieren könnte. Aber die Erfahrenen versicherten ihm, dass egal wie es für ihn ausfällt, er wird es nie mehr missen wollen, wenn er endlich diese Schicksal-Liebe erkennt.

Zuerst wartete er auf die versprochene Gefährtin mit freudiger Begeisterung wie die anderen. Dann, mit der Zeit, hat er begriffen - er bleibt wohl einer von den wenigen Ausnahmen, die nie ihre Gefährten erkennen werden...  Denn in seinem Alter hätte es schon längst geschehen sollen. Aber er hat sich damit abgefunden.

Obwohl er schon paarmal neidisch wurde, als er die dunkelpurpurnen dünnen Narben der Paarung-Markierungen bei den paar wenigen Auserwählten sehen und riechen könnte. Diese Narben im satten Purpur, die extrem selten waren.. Sie dufteten nach etwas faszinierend erregendem, was er sofort auf der Stelle ebenfalls haben wollte. Die Sehnsucht nach diesen Zeichen hat er jedoch lieber schnell mit aller Kraft unterdrückt. Denn falls er seine Partnerin doch noch jemals erkennt, diesen Farbton wird er nicht haben. Seine Markierung wäre dann irgendwas in dem gängigen blass violett - wenn er ein Glück haben sollte. Denn höchstwahrscheinlich wird er nicht mal das bekommen.

Und dann lernte er sie kennen, und erlebte plötzlich die ihm versprochene Gefühle. Nein, es übertraf es sogar!

War sie also seine Gefährtin? Natürlich war es das erste was Kandomere damals glaubte. Aber - trotz seiner unendlichen Sucht nach ihr, war er sich nach einer sorgfältigen Beurteilung inzwischen sicher, dass sie es nicht ist.. An der Erkenntnis ist er fast zerbrochen, aber es war ein unerschütterlicher Fakt. Es lief irgendwie nicht nach dem Muster ab, nach dem sich zwei Elfen als Gefährten gegenseitig erkennen sollten. Wobei sich die Zugehörigkeit zueinander durch begleitende Merkmale eines uralten Gesetzes der göttlichen Entitäten als die wahre Paarung bestätigen sollte. Diese magische Bestimmung sollte auch gewährleisten, dass sich immer die zwei fanden, die zu sich perfekt passten, damit sie ein glückliches Zusammensein, bis zu Tausend Jahre lang, verbringen könnten.

 Und sie.. eben passte nicht zu ihm, sie war eine andere Wesensart, sie war doch nur ein Mensch. Ausserdem ist die wichtigste Begleiterscheinung gar nicht aufgetreten. Übrigens – er hatte Pflichten in den Kreisen der elbischen Traditionalisten, und da würde eine Menschenfrau an seiner Seite nur leiden. Die Elfen hätten sie aufgrund der Schicksal-Bestimmung tolerieren müssen - aber wäre sie wirklich glücklich - wie es das göttliche Gesetz versprach? Mit dieser erzwungenen Akzeptanz und unter den missbilligenden Blicken? Und wäre sie als ein Mensch überhaupt gebunden an diese Paarung-Gepflogenheit der Elfen?

Der endgültige Beweis, dass es sich bei ihnen um keine Gefährte handelt, bestätigte dann die Tatsache, dass sie sich für ihn gar nicht interessierte. Sie fand ihn kein bisschen attraktiv, nicht mal sympathisch – sie würde mit ihm definitiv keine Paarung vollziehen wollen. Sie hegte für ihn keine diese höchste Gefühle. Ihr Duft verdeutlichte es ihm bei jeder Interaktion mit ihr. Deshalb - nein, nach diesen Fakten könnte Kandomere die Schicksal-Bestimmung wirklich ausschließen. Selbst als Mensch, bei dem keine echte elbische Paarung-Erregung aufflammen kann, müsste sie für ihn wenigstens eine Zuneigung verspüren, wenn sie seine wahre Gefährtin wäre. Die Schicksal-Bestimmung ist doch keine Einbahnstraße. Wo wäre dann dieses versprochene Glück...

 

Verdammt, aber warum braucht er sie so sehr, und warum will sie ihn gar nicht. Es ist zum heulen. Wenn es ihm wenigstens besser ginge. Dann könnte er versuchen damit fertig zu werden. Sie.. und sein Leiden...

Kandomeres Verdacht, dass sein Wahn-Zustand möglicherweise mit ihrem Desinteresse zusammenhängt, verstärkte sich. Eigentlich ähnelte sein Leiden der Partner-Krankheit der Elfen, die nach einem Verlust des wahren Gefährten, oder nach dessen langer Abwesenheit ausbrach. Dabei verursachte die Absence des physischen Kontaktes mit dem geliebten Partner tiefe Depression, Lethargie und Agressionen, Wahnvorstellungen und Selbstmord-Drang.

Allerdings, Kandomere hat seine Schicksal-Gefährtin noch nicht erkannt, so dass er sie auch nicht verlieren konnte - demzufolge kann er auch an keiner Partner-Krankheit leiden. Aber – vielleicht könnte sein Körper nach dieser unechten Schicksal-Erkennung auch eine unechte Krankheit entwickeln? Er glaubte doch einst, dass Kira seine echte Gefährtin ist - vielleicht hat es sein Körper aufgrund der intensiven Emotion zu ihr als echt gedeutet, und nun jetzt auf den fehlenden physischen Kontakt mit den Krankheit-Symptomen reagiert.

Er sollte endlich handeln, und Cassian konsultieren. Jedenfalls muss er schnellstens herausfinden was genau mit ihm los ist, denn sein Zustand verschlechterte sich von Tag zu Tag.


Kandomere dachte einst, dass er vielleicht verhext sein könnte - also ließ er alle mögliche Tests mehrmals anonym durchlaufen. Nein, er war nicht verhext. Allerdings entdeckte einer von den Tests auch nebenbei, dass es für seinen ausbleibenden Sextrieb sowie das Erektion-Problem keinerlei physische Ursachen vorlagen. Dann startete er also regelmäßig Versuche, ob seine Lust wieder zurückgekehrt worden sei - es ging immer noch nur bedingt, er könnte zwar nach einer Prozedur den Höhepunkt erreichen, es war aber jedes mal eine langandauernde Tortur.

 

Er hatte einfach kein Verlangen mehr, und wusste nicht mal warum. Nur noch sie war da, sein helles Licht der Hoffnung,. Zu ihr spürte er immer diese starke Zuneigung und leichte Erregung. Wenn sie ihn nur wollen würde. Sie wäre bestimmt sein Rückfahrschein ins Sexleben. Aber was soll er machen, etwa an ihrer Tür klopfen und sagen 'Guten Abend, ich bin verrückt nach dir, außerdem würde ich gerne endlich mal mit gewöhnlichen Sex-Praktiken abspritzen. Bekomme ich von dir eine Runde Probe-Ficken aus Mitleid?

Wie subtil. Gott.

Selbst wenn er so tief gesunken wäre, um sie so unbeholfen aufzufordern, oder sie sogar unterwürfig anbetteln, wusste er - sie würde ihn ablehnen, weil sie auf ihn nun mal nicht stand, Sie hatte überhaupt keinen Grund mit ihm ins Bett zu gehen. Er könnte sich von ihr nicht mal ein Mitleid-Fick erhoffen.

Ihr Desinteresse schreckte ihn immer wieder zurück, aktiver zu werden. Er befürchtete, bei einem Annäherung-Versuch würde er vielleicht grobe Fehler begehen, wenn seine folternde Sucht ihn die Kontrolle verlieren ließe. Woraufhin sie ihn möglicherweise zum Schluss auch noch könnte anfangen zu hassen, also unternahm er lieber gar nichts. Er zog ihre Gleichgültigkeit ihrem Hass vor.


Kandomere war es eigentlich gewöhnt, dass andere ihn attraktiv fanden. Bei menschlichen Frauen, ungebundenen Elfenweibchen und manch Elfenmännchen roch er mehr oder weniger immer zumindest die Interesse. Nur bei ihr nicht. Niemals ein leichtestes Anzeichen.

Er stalkte sie bei der Arbeit oft unauffällig, und versuchte nebenbei herausfinden, warum er sie nicht interessierte, währenddessen er selbst von ihr besessen war. Er hielt sich oft in ihrer Nähe auf, damit er wenigstens seine Bedürfnis nach ihrer Anwesenheit stillen könnte, und versuchte immer soviel wie möglich von ihrem Duft aufzunehmen, um seinen Sucht-Zustand zu lindern, und auch, um alles über sie zu erfahren. Und da war etwas besonderes – es war verborgen, und er musste konzentriert diesen Duft einatmen, aber er roch es immer, seit dem er sie erstesmal traf, wie er es noch heute tat. Es war ein kleiner unscheinbarer Strahl heller Reinheit. Reinheit, die niemand vortäuschen kann. Er wusste was es bedeutet. Diese 25jährige umwerfende Assistentärztin war noch eine Jungfrau.

 

Auch wenn ihr Desinteresse fast alle seine Hoffnungen zerstörte - trotz seiner einstigen notorischen Abneigung für Emotionen - ohne jeglichen Sex-Trieb - und ohne dass sie seine Gefährtin war - er wollte sie. Er wollte sie sehr viel. Er brauchte sie. Er brauchte sie schmerzlich.

 

 

 

„Sir, hier sind die Auszüge der letzten laufenden Arbeit unseres Teams. Die Einzelheiten sind in der Datenbank, die Tabellen zu der Anomalie an der Green Street schickt der Laborant montag früh.“ Die hübsche junge Frau beendete den Satz und schaute auf Kandomeres breiten Rücken, auf seine über die Schulter fließende blaue Haare, und wartete still.

„Ich werde es lesen, trotzdem wäre eine Kurzfassung aller Punkte angebracht, Doktor Kira." Kandomere, wieder kühl und kontrolliert, drehte sich zu ihr um. „Dafür haben wir ab heute genug Zeit."


Kira. Es freute ihn, sie nicht mit einem Nachnamen ansprechen zu müssen. Obwohl sie biologisch ein Mensch war, hatte sie vor dem Elfen-Gesetz keinen menschlichen Nachnamen. Gut. Denn so fand er es viel vertraulicher.

Alle Tage wieder, dachte sich dagegen Kira. Heute, gestern, vorgestern oder übernächstes Jahrhundert, dieser unnahbarer Elf bleibt garantiert lebenslang auf seine überlegene ruhige Art kalt und arrogant. Wohl als Ausgleich zu dieser Strenge drängte sich ihr in den Sinn plötzlich eine fiktive Vorstellung auf, von voll angetrunkenem Kandomere. Ob er auch in beschwipstem Zustand ernst und unterkühlt bleiben würde? Sie würde wetten, das hätte er. Sie könnte ihren leichten schelmisches Schmunzel nicht unterdrücken. Wann wäre die nächste Betriebsfeier? Nicht dass der leitende Agent auf solchen Aktionen mehr als 15 Minuten bleiben würde.


„Die Kurzfassung scheint eine spaßige Angelegenheit zu sein, darf ich mitzulachen?“

Kandomeres stählerner Gesichtsausdruck verriet kein Stück von seinen Gedanken, Emotionen, oder Absichten. Meinte er es jetzt auf eine lustige Art, oder tadelte er sie? Wohl das letztere.

Seine unterkühlt strenge Stimme brachte ihr für eine Sekunde sogar ein kleines bisschen Schauer über den Rücken, gefolgt von leichter Röte über ihre Wangen. Wo er Recht hat.... Sie ist hier wegen dem Bericht, und nicht deswegen, über ihn zu lachen.

Vor allem nicht, wenn der Grund dafür die Vorstellung von ihm ist, wie er voll betrunken, auf einem Tisch einen Striptease aufführt.

Kira wollte losprusten, hatte den Gluckser aber geschafft zu unterdrücken. Gott, warum musste sie nochmal daran denken, also echt, weiter so und sie bekommt sicher ernsthafte Schwierigkeiten..

 

„In dem Fall Brixanne sind aus medizinischer Sicht die Untersuchungen der erste Stufe abgeschlossen,“ fasste sie sich. „Die neu entwickelte Tests liefern genauere Ergebnisse, also kann ich mit Sicherheit sagen, dass das Ork-Mädchen definitiv kein Bright ist. Dennoch verfügt sie über spezielle magische Fähigkeiten, die sich mit der Zeit noch entfalten werden.“ Sie schaute den Elf-Chef an:

 

“Darf ich fragen was mit ihr jetzt passiert?“ Kiras schöne und kluge Augen waren auf ihm geheftet. Sie mochte das zurückhaltende Ork-Mädchen, das über sich geduldig alle Tests ergehen ließ.


„Ihre Eltern wurden vor die übliche Wahl gestellt: a) in eigener Regie das hochprozentige Risiko eingehen dass das Mädchen von kriminellen Banden geschnappt wird, die dann ihr Talent zum was auch immer missbrauchen, oder b) eine erstklassige Ausbildung und Karriere im Dienst des Rechtes, samt Schutz und sorglosem Leben für die ganze Familie.

 Während dieser Auskunft wies Kandomere mit der Handbewegung zu dem Plüsch-Stuhl auf der anderen Seite seines Schreibtisches, und setzte sich selbst in sein Ledersessel - er ließ dabei Kira nicht eine Sekunde aus den Augen.

Kira wagte sich nun auf den weichen Besucher-Stuhl zu setzen. Sie versucht direkter nachzufragen...

„Ich weiß, es muss vielleicht geheim bleiben, aber wäre möglich, dass ich es wenigstens...“ Kira schluckte, sie dürfte es wirklich nicht fragen.


„Ich kann soviel sagen, dass die Familie trotz meiner skeptischen Erwartung und deren Ork-Mentalität die richtige Entscheidung getroffen hat,“ sagte er, und beobachtete ihre Freude. Sie war so süß, so unglaublich süß. Egal, sie darf es erfahren.

„, Bei dem nächsten Meeting entscheiden wir, wer sie weiter betreuen wird. Persönlich glaube ich, dass in der nächsten Zeit wäre Brixanne weiterhin bei dir gut aufgehoben, Doktor Kira.“


„...danke...“

Gott, sie lächelte ihn an.. Wenn sie wüsste was das mit ihm tut.. Es fühlte sich noch himmlischer an als in seinen Träumen. Sie lächelte jetzt so süß, sie lächelte ihn süß an. Kandomeres Atem vertiefte sich, er wollte mehr davon, viel mehr, er wollte dass sie ihn genau so den ganzen Tag anlächelt, jeden Tag.
Und sie hat es für so einen geringen Preis getan. Was er alles dafür tun würde, dass sie nur für ihn für immer so lächelt.., alle geheime Archive der MTF würde er öffnen und sie ihr zu ihren Füssen legen....

 

„Dann wäre es weiter auch sehr wichtig zu erwähnen, dass das Mädchen mit einem Problem zu kämpfen hat,“ setzte sich Kira weiter für Brixannes Wohl ein.

 

Sie saß ihm gegenüber, auf der andere Seite seines Schreibtisches, mit ihrem Bericht in den Händen, und schaute ihn an. Sie war so unschuldig, sanft und intelligent, welch eine Kombination... Und welch eine umwerfende Schönheit...

Ihre Haut war das wunderschönste hellste Rosa, dazu der Kontrast ihres Haars, dunkel und samtig wie eine heiße Nacht. Die bezaubernden klugen Augen, deren Farbe ihn immer noch verwirrte. Gibt es bei den Menschen solche Augenfarbe? Er würde es als rostige Vollmilchschokolade bezeichnen. Was für ein Schwachsinn. Aber was soll, als Wahnsinniger hat er Anspruch auf jeglichen Irrsinn der Welt.

 

„Ich höre“... sagte er.

 

Spätestens jetzt wusste Kandomere, dass er sich auch in MTF-Interessen richtig entschieden hatte als er Kira vor einem Jahr bei Magic Tasc Force als Assistent-Ärztin anstellte. Sie war aufmerksam, und engagiert nahm sie ihre Arbeit sehr ernst an. Dadurch wurde von ihren älteren Kollegen respektiert. Ihre Art mit allen warmherzig umzugehen hat ebenfalls schon zum Erfolg beigetragen, zum Beispiel bei diesem letzten Fall. Sie arbeitete mit an den Tests und war für die Beobachtung und Betreuung des Ork -Mädchens zuständig. Kandomere wusste genau, dass er die Entscheidung der Eltern, mit MTF zu arbeiten nur ihrem persönlichen Einsatz und liebevoller Pflege des Kindes verdankt. Dass sie sich mit ihnen im perfekten Bodzvokhan, der orkischen Sprache unterhielt, überzeugte die Orks endgültig.

 

„Der biomagnetische Indikator deckte bei ihr eine tiefliegende Angst auf. Unter anderem blockiert dies das wahre Potential ihrer Fähigkeit. Ich vermute, dass sie möglicherweise von jemandem bedroht sein könnte. Nach der Einleitung des Programms empfehle ich auf jeden Fall eine Therapie bei einem Psychologen mit magischer Hypnosen Praxis, um die Ursache zu identifizieren.“

 

Kandomere hatte Kira über Monate, mehr oder weniger, nur aus der Ferne beobachtet, bis ihm irgendwann endlich einfiel, dass er bei MTF über eine grenzenloser Macht verfügt. Eigentlich wusste niemand, dass ihm sein Onkel, der Chef-Direktor, schon vor langem komplett freie Hand ließ. Kurzum wurde die Assistent-Ärztin Kira also in die neue Funktion seines persönlichen Beraters erhoben. Für erst bestand ihre Aufgabe aus einer direkten Übergabe des Tagesberichts der medizinischen Abteilung, immer am Ende des Arbeitstages. Was kaum ein paar mickrigen Minuten täglich in den Anspruch nahm. Das war aber wenig, definitiv zu wenig Zeit, die er mit ihr verbrachte! Also beschloss er gestern, dass ab sofort eine gründlichere Besprechung von mindestens 20 Minuten täglich vonnöten wäre. Er bekommt dann reichlich Gelegenheiten Kiras seltsame Auswirkung auf ihn zu erforschen. Aber vor allem - kann er ihre Präsenz in aller Ruhe aus der Nähe auskosten.

 

Und dann wartete er ungeduldig die ganze Nacht und den ganzen Tag auf genau diesen Augenblick. Endlich bekam er was er wollte – sie, hier und jetzt nur für ihn allein, für endlose wertvolle 20 Minuten - sie war ihm für diese Zeit ausgeliefert. Diesen Gedanken mochte er sehr. Er versetzte sich in die neue törichte Vision seiner Bedürfnis: in der Lage zu sein sie hart ficken zu können - er wäre der Erste und Einzige dessen Härte sie in sich jemals spüren würde. In seinem Unterbauch zuckte es - er würde ihr Jungfrauenblut von der Perforation-Wunde lecken bis sie vor Lust schrie, er würde sie beißen bis sie vor Schmerz weinte, er würde viel von ihrem Blut trinken und sie zu seinem Eigentum machen.
Mit welcher Farbnote würde wohl seine Markierung auf ihrem rosig-weißen Hals haben?

 

Kandomere verspürte plötzlich den unvernünftigsten, ja ausgesprochen dümmsten und utopischsten Wunsch, den er jemals hatte - er wollte eine Markierung, auf seinem eigenem Nacken, von ihr, Kira. Am besten natürlich die rare Mischung der tiefsten blaugefärbten Liebe mit dem intensivsten Rot der Leidenschaft, vereint in dem kräftigen purpurnen Farbton dieser legendären Markierung, diese wollte er. Auch wenn er wusste dass es absolut unmöglich war. Erstmal würde ihn Kira niemals beissen wollen, und zweitens - mit den Tönen von Blau, über Violet bis Purpur, könnten sich gegenseitig markieren ausschließlich nur die wahre Gefährten.

 

Nein. Er ist nicht Kiras Schicksal-Partner. Ausgeschlossen. Verdammt, mit dem Biss könnte er es leicht herausfinden...

 

Ihr süßer Duft aus der kurzen Entfernung wurde noch betörender, es versetzte ihn in einen Rausch, er inhalierte dieses zauberhaftes Geschöpf, das er sich für fast halbe Stunde verpachtete.

Aber - Kandomere erkannte jetzt – sich mit Kira für mehr als paar flüchtige Augenblicke allein in einen Raum einschließen war vielleicht doch keine gute Idee. Sie waren ungestört, ihre bereits starke Wirkung auf ihn hat sich hier um Vielfaches ungehindert gesteigert. Er spürte deutlich wie die Sucht nach ihr seinen Verstand langsam benebelte. Was wenn er die Reste seiner Kontrolle über sich verliert?

Er sollte die Sitzung beenden. Sollte. Wird er aber nicht. Kandomere wurde zu heiß. Verdammt nochmal, wer heizt so sehr sein Büro. Er wird den verdammten heizenden Bastard finden und bestrafen.

 

Er stand auf, ging zu der Bar und füllte großzügig zwei Kristallgläser, dann kehrte zurück zu seinem Platz wo er die Drinks an den Schreibtisch stellte. Er zog sich sein blaues Jackett aus, hing es über die Rückenlehne seinen Sessels, richtete seine Brokatweste auf, und setzte sich wider hin. Ein Glas schob er zu Kira. Das andere nahm er, hob es sich zu den Lippen, fing das flüchtige Aroma ein. Dann kippte sich das Glas in einem Zug. Im Grunde eine bescheuerte Idee, wenn seine Kontrolle so dünn war, aber er musste sich entspannen. Er sah sie auffordernd an.

 

Kira schüttelte mit dem Kopf und schob ihm das Glas ein Stück zurück.

 

„Der beste Brandy des Landes,“ anmerkte Kandomere überredend.

 

„Das bezweifle ich nicht im geringsten.“ Die Menge würde umhauen selbst den Riese Montehugh.

 

Kandomere nahm sich das abgelehnte Glas, und leerte es auf die gleiche Weise wie das erste.

Kira beobachtete ihn. Vielleicht hätte sie sich lieber geopfert es doch selbst zu trinken, denn jetzt hatte er nämlich das doppelte Intus. Nun bekam sie also den angetrunkenen Agent Kandomere doch noch zu sehen.. Aber - es sah überhaupt nicht danach aus als würde er mit drolligem Jodeln über ein Striptease Tisch-Tänzchen nachdenken.

Viel mehr ausbreitete sich jetzt in seinem Gesicht der Ausdruck eines gefährlichen Raubtiers, das sich auf einen Sprung bereitet. Für einen Moment erschütterte es Kira kalt, sie wagte ihm nicht weiter in seine silbrige Augen zu schauen.

Kandomere beobachtete die junge Frau, sein Blick wurde immer wilder. Gewöhnlich trug sie unter ihrem Laborkittel bei der Arbeit Leggins und eine Bluse. Heute hatte sie aber dieses elegante Minikleid an, um den schlanken Hals hing ein Seiden-Chiffon Schal, alles in der exakt gleichen Farbe wie ihre Augen. Rostige Milchschokolade.

Hatte sie etwa vor, direkt nach der Arbeit auszugehen? Mit wem, einem Mann? Wer ist er, ein armseliger menschlicher Trottel? Ein verfick'ter Elf? Sein hübscher Sekretär? Kandomere fast unmerkbar knurrte, ganz kurz und leise, aber genug hörbar, sodass Kira etwas zuckte. Er verspürte einen Stich in der Brust. Ja, er könnte diesen Stich identifizieren. Die sich noch mal aufbauende Eifersucht war im Anmarsch. Es geht wieder los. Sein Herzschlag begleitete es spürbar. Nein. Einatmen, Ausatmen. Kein Nebenbuhler stört hier. Nur er war da, allein in einem Raum mit ihr, nah an ihr, zwischen ihnen nur sein verdammter Schreibtisch. Kandomere überlegte - mit einer konzentrierter Kraft wäre er imstande mit nur einem Faustschlag den doofen Stück Möbel in Kleinholz zu verwandeln.

„Könnte Brixanne einfach nur Angst vor den ganzen Tests haben? Ich sollte mir den Intro-Pegel und die Werte anschauen.“ Kandomere zwang sich zurück an die Arbeit zu denken. Er hätte aber auch nebenbei schon einen Plan.

 

„Ja, Moment, das hab ich hier,“ Kira blätterte in den Unterlagen, fand es und wollte aufstehen um es Kandomere über den breiten Tisch zu reichen.

 

„Bleib sitzen, ich komme rüber, du musst es mir vielleicht erklären.“

 

Kandomere ging um den fiesen Tisch und schaute ihn siegreich an. Die Sabotage des hinterhältigen Möbelstücks war erfolglos, und Kandomeres Plan ging auf.

Er warf dem Tisch noch einen drohenden Blick, und stellte sich lässig hinter die sitzende Kira, die in dem Test las. Sie zog den Bleistift aus ihrer Frisur, und umkreiste mit ihm auf dem Blatt die entsprechende Werte. Kandomere stützte sich hinter ihr auf der Rückenlehne und fing an, ihren blumigen Duft einzuatmen. Seine Hände auf der Lehne des Stuhls berührten dabei leicht ihren Rücken. Er beobachtete ihre samtige Haare, und ..ah, ist da etwa ein Stück Popcorn drin? Bei jemandem anderen hätte ihn ein Popcorn in der Frisur angewidert. In Kiras Haaren wirkte es aber irgendwie putzig. Er fischte das Stück Popcorn unauffällig raus, und steckte es sich in den Mund. Er überlegte, wie es in ihr Haar wohl landete.


„Da,“ stach Kira mit dem Stift in den bunten Graph, „Sir, sehen Sie es, es ist eindeutig, nicht wahr?“

 

Kandomere beugte sich über ihr, auf der Stuhl-Lehne stützte er sich jetzt mit den Ellbogen. Seine lange blaue Haare fielen nach vorne, streichten sie über ihren entblößten Nacken. Seine gepflegte und scharfe Zähne bei diesem Anblick automatisch aufblitzten.


Er wird sie beißen. Sie markieren. Sie wird ihm gehören. Er wird sie zu seiner Hure machen, die er nicht ficken kann.

Seine letzte Hemmungen, die sich ihm in den Weg stellen könnten, hat er soeben mit dem Brandy erfolgreich beseitigt.


„Hih..,“ ein Kicher entwischte Kira gegen ihren Willen. „Tut mir leid,“ entschuldigte sie sich aber sofort, „es kitzelte,“ und drehte sich zu ihrem Chef hinter ihr. Plötzlich stockte ihr der Atem. Sie erwartete nicht dass er so nah wäre. So nah, dass sie den Eindruck hatte, als würde sie ihn gerade flüchtig berühren als sie sich umdrehte.
Sein Gesicht war nur ein paar Zentimeter von ihrem entfernt, er schaute sie aus der nächster Nähe undurchdringlich an. Sie sah jetzt die Details der feinsten Musterung den eisblauen Iris in seinen hypnotisierenden Augen, bemerkte die entblößte Zahnspitzen. Der elegante Männerparfum, vermischt mit seinem eigenen Duft, begann sich verführerisch auszuwirken. Warum eigentlich ist dieser... unverschämt attraktiver Elf... so nah..., wie konnte das passieren... Kiras Atem ging nur langsam. Sie brauchte Luft. Oder doch nicht.. Kira war sich nicht mehr sicher was genau sie in diesem Augenblick brauchte. Sie öffnete leicht ihren Mund. Ihr Körper war bewegungslos und ihr Bericht fiel ihr aus den Händen. Er hat sie überrascht, er würde es riechen. Nein, die Empfindung war zu kurz, um es zu registrieren.

Kandomere blieb, wo er war und machte keine Anstalten auf eine sittlich korrekte Distanz zu gehen. Ganz im Gegenteil, schamlos musterte er mit seinen silbrigen Augen jeden Millimeter ihres Gesichts. Er konnte nicht anders, er war fasziniert. Er genoss ihre vor Verlegenheit leicht gerötete Wangen, die jetzt unsichere Augen, die seinem Blick ausweichen versuchten. Er spürte einen Drang die Spitze ihrer Stupsnase zu berühren, bis sein Blick an ihrem Mund anhielt. Er hatte gerade den Eindruck etwas neues in ihrem Duft zu spüren, aber es war wieder weg. Hat er es sich nur eingebildet? Es war... als wäre sie kurz ganz leicht erregt, wäre es möglich? Oder war es ein Wunschdenken und er roch seine eigene Erregung? Ja, sein Körper reagierte auf ihre unschuldige Reize. Sein Atem vertiefte sich. Er hielt seinen Blick an ihren Lippen fest.. Kandomere konnte nicht mehr widerstehen, er hob den Zeigefinger und Mittelfinger zu diesem Mund und fing an, ihre perfekte Lippenform nachzuziehen. Kiras Körper erstarrte. Er umkreiste ihren immer noch leicht geöffneten Mund, seine stechend silbrige Augen verfolgten jedem Detail der Berührung. Es war der erste intensive Hautkontakt mit Kira, und es versetzte ihn in einen Rausch. Er fühlte sich wie benommen - er braucht mehr, mehr von diesem Hautkontakt. Verdammt, er wollte diesen Lippen Gewalt antun, sie liebkosen, und dann ihnen noch mehr Gewalt antun... Kandomere vernahm ihre Angst. Sie begann sich zu fürchten. Ja, das soll sie auch, sie ist seine Beute. Sie wird ihn auf jeden Fall sowieso hassen, er wird es nicht verhindern können.

Seine Hand stoppte, und die Mittelfingerspitze positionierte sich im Zentrum ihrer Lippen. Die langandauernde Zurückhaltung ihr gegenüber, sowie die Frust über der ausbleibenden Ejakulation verdichteten sich in diesem Finger an ihrem trocken gewordenem Mund. Dann drückte er den Finger langsam hinein.

Was passierte da gerade? Keiner von den beiden hatte es für ein paar Momente wirklich realisiert.

In Kandomeres Brust und Bauch begann es stark zu kribbeln, sein Glied zuckte.
Er würde sie so gerne über den Tisch beugen, ihr Kleid hoch stülpen, das Höschen runter ziehen, ihre Schenkel auseinander drücken um sich freie Sicht in ihr Schritt zu verschaffen, sie lecken und einschließlich in sie eindringen. Er dachte an heiße Fickbewegungen, und sein Finger folgte automatisch diesem Wunsch in ihrem Mund, wo er an den stumpfen menschlichen Zähnen vorbei glitt, und auf die weiche Zunge traf. Und als er ein weiteres mal noch einmal tiefer eindrang, biss ihn Kira auf einmal kräftig in den frechen Finger. Er stöhnte mit belegter Stimme auf und bekam augenblicklich eine harte Erektion wie schon seit Ewigkeiten nicht mehr.

 

 

Chapter Text

 

 

Kira, rot vor Scham und Wut, sammelte vom Teppichboden die Seiten des Berichts, den sie fallen ließ.

Ihr Chef machte keine Anstalten, sich bei ihr entschuldigen zu wollen, er sagte absolut gar nichts. Sie war allerdings der Meinung, dass derjenige, der ungefragt mit dem Finger in fremdem Mund einen Geschlechtsverkehr nachahmt, sich definitiv entschuldigen sollte.

Gut. Seine Chancen, dass sie es ihm vergibt, sanken gegen Null. Sie wird auf der Stelle zum Chef-Direktor gehen und sich beschweren. Sie wird von Kandomere eine schriftliche Entschuldigung einfordern, selbstverständlich mit einer zufriedenstellenden Begründung, und es dann eingerahmt über ihrem Schreibtisch aufhängen. Wenn sie dann immer noch hier arbeiten darf. Sie seufzte. Kandomere hat sie hier eingestellt, und als Chef-Agent ist er mächtig genug, sie in Sekundenschnelle fristlos wieder raus zu werfen.

 

Das jedoch darf nicht passieren. Auf gar keinen Fall. Sie schluckte als sie sich die Konsequenzen vorstellte. Langsam beruhigte sie sich. Sie musste.

 

Was ist überhaupt in ihren Chef gefahren? Warum hat er so was getan? Paar Brandy hier oder her - sie hätte von ihm solches obszöne Benehmen nicht erwartet. Es passte doch absolut gar nicht zu ihm. Oder hat sie etwas Grundlegendes übersehen? Will er eine Affäre? Das erschien ihr unwahrscheinlich. Und ist er nicht angeblich mit seinem Sekretär liiert? Sie schaute zu dem vermeintlichen Lover durch die Glaswand. Verdeckt von seinem Bildschirm tippte Limahl an seinem Computer. Den Vorfall hat er gar nicht mitgekriegt. Ehrlich gesagt sah es nach keiner Beziehung zwischen ihnen aus, wenn da überhaupt etwas war, ist es längst vorbei. Soviel sie mitbekommen hat, waren Kandomeres spärliche Blicke in Sekretärs Richtung immer nur gleichgültig. Aber egal ob er einen, keinen, oder einen Haufen Geliebten haben sollte, der Chef hat sich immer korrekt verhalten.

Bis eben.

 

Sie konnte sich Kandomeres Fehltritt nicht erklären. Es gab nie ein Anzeichen, dass er an ihr interessiert wäre, genau so wie er auch an den Anderen hier kein Interesse hatte. So lange sie ihn kennt, hat er nicht mal ein Lächeln jemandem geschenkt. Er verhielt sich immer nur kalt und reserviert. Nun, Roses Gerüchteküche erzählte etwas von einer Menge Frauen, noch bevor Kira zum MTF kam...

Also - ist er irgendwann vor einem Jahr entweder asexuell geworden, oder kontrolliert er sich jetzt strikt.

 

Gut, aber in keiner dieser Fälle wäre einer seiner Finger in ihrem Mund gelandet.

 

Stand er vielleicht unter irgendeinem Stress? Es würde die Drinks erklären, deren Wirkung ihn wiederum zu solchem ungehemmten frivolen Benehmen verleiten könnte.

Aber warum entschuldigt sie ihn, er ist ein erwachsener Elf, alter Elf, 130 Jahre alt, wie man sagt. Er sollte genau wissen was er tut!

 

Was wohl passiert wäre, wenn sie ihn mit dem Biss nicht abgewehrt hätte? Was hatte er eigentlich vor? Hat er das geplant oder war es eine spontane Aktion? Sie dachte an den Moment seiner unmittelbaren Nähe, und dann erinnerte sie sich wieder, gegen ihren Willen, an die bezwingende Mondschein-Augen, seinen Duft..., und den sinnlich geformten, männlich breiten Mund... Sie verdrängte schnell diesen Gedanken.

 

Und Gott, ja, es wird Komplikationen geben. Sie wollte nicht daran denken, wie viele. Nichts mehr wird sein, wie es war.

 

Mit leicht zitternden Händen legte Kira den Bericht auf den Schreibtisch. Sie hielt sich dabei davon fern, Kandomere anzuschauen.

 

„Wenn das für heute alles wäre, Sir, würde ich...“ es war ihr nicht ermöglicht, zu ende zu sprechen.

 

„Ich werde dir mitteilen wann du gehen darfst.“

 

Kira war sich sicher, sie könnte lernen ihn zu hassen.

 

Wenn er wenigstens versuchen würde sich zu entschuldigen. Oder es Anzeichen gegeben hätte dass es ihm leid tut!

 

Kandomere stand immer noch neben dem Stuhl, auf dem Kira zuvor saß. Er war ein Meter von ihr entfernt. Ein Tropfen Blut fiel gerade von seiner Hand, wo er gleich mit dem dunklen Teppich verschmolz. Sie hatte ihn wirklich kräftig gebissen.

Ja aber warum steht er nur seltsam herum und heilt er es nicht? Kleinere Wunden könnten doch sofort verheilen, wenn die Elfen ihre Hände drauf gelegt haben.

 

Kira überwand sich und sah ihm ins Gesicht. Er betrachtete sie auf eine unheimliche Art, die sie einschüchterte - es war ein wilder, bedrohlicher Ausdruck. Verängstigt senkte sie ihre Augen, und gleich bereute sie es. Denn ungewollt streifte sie jetzt mit ihrem Blick über diese deutliche Beule, die sie zwar aus dem Augenwinkel bereits vermutete, aber bis jetzt vermied da direkt hinzuschauen.

Ihr Chef bemühte sich gar nicht seine Erektion zu verbergen und beobachtete mit kaltem hungrigen Blick ihre Entdeckung.

 

Oh Gott... Natürlich. Die Bisse sind doch für die Elfen sexuell erregend!

Heißt es also etwa, dass er sich jetzt von ihr eingeladen fühlt?

 

Rot vor Scham wusste Kira nicht, wohin sie mit den Augen ausweichen sollte. Die Konfrontation mit seiner eindeutig harten Bereitschaft stellte sich jedoch als ihr kleinstes Problem heraus, denn ihr wurde plötzlich klar, was sie getan hat.

 

Sie hatte ihn markiert, sein Blut in sich aufgenommen...

 

Kira fing an zu schwitzen. Und - war es gerade eben nicht ein leichtes wildes Grinsen, das über sein Gesicht flog? So genau sah sie lieber nicht mehr hin.

 

Natürlich war es keine große Markierung - nur im Nacken, wo sich der blaue Lotos befand - wie die Äther-Chakra genannt wurde, hatten die Bisse eine bedeutende Auswirkung auf die Seele-Ebene, und nach der Paarung auch auf die Geist-Ebene. Und nur sie galten als ein offizielles Statement eines Paares über deren Verhältnis-Art.

 

Es war aber bereits eine kleine Bindung, die bestehen bleibt bis es vollständig heilt, und er sich auch entschließt alle Spuren des Bisses restlos zu entfernen. Bis dahin war schwierig einzuschätzen, welche Auswirkung der Biss haben wird - es könnte bei jedem individuell ausfallen.

Großer Gott.

Kiras Gesicht wurde plötzlich blass, denn ihr wurde bewusst, dass es noch nicht alles war. Seine Hand blutete jetzt nicht mehr, das hieß, die Narbenbildung wurde eingeleitet. Bald wird er also die Biss-Farbe sehen. Im Panik versuchte sie sich erinnern ob sie zu der Zeit, als sie ihn biss, über sich die Kontrolle hatte, aber es war ein Schock-Moment, sie war sich nicht sicher.

 

Kandomere bewegte sich plötzlich auf sie zu, immer noch mit diesem bedrohlichen Ausdruck in seinem Gesicht. Kira machte einen Schritt nach hinten, womit sich sein Jagdinstinkt aber nur noch verstärkte. Er hob schnell die Hand, ergriff ihr Handgelenk, und hielt sie fest.

 

„Ah...“Kira stöhnte auf. Das tat schrecklich weh – wenn er nicht aufhört, sie so fest zu drücken, wird dieser Stahlgriff ihre Hand zerquetschen und abtrennen. Männliche Elfen waren so ungeheuerlich stark. Schmerz-Tränen stiegen ihr in die Augen.

Kandomere erschrak. Er sah ihre Tränen, sie rüttelten ihn wach. Sie weinte, weil er ihr wehgetan hat. Er ließ sofort locker und nachdem er bemerkte was er verursachte, nahm wieder, diesmal sanft ihr Handgelenk in seine Hände und heilte es sorgfältig mit seiner Lebenskraft. Danach kontrollierte er, ob es wieder in Ordnung ist, und ließ schließlich Kira los.

 

 

Er schaute jetzt auf seine Uhr, dann auf sie, und meinte: „Doktor Kira, du kannst gehen. Und nicht vergessen, am Montag wieder hier um die gleiche Zeit.“

 

Sie sah zu ihm auf, sein Ausdruck war nicht mehr gefährlich wild, sondern wieder nur undurchdringlich und kalt wie immer, und vielleicht auch... ein bisschen traurig..? Bedauert er etwa doch seine Entgleisung?

Sie blickte zu seiner Hand - wenn sie es bloß erkennen könnte – zeigt sich die Farbe des Bisses bereits? Die Färbung war nur für die Elfen sichtbar.

Er wird es sehen, und es ihr nicht verraten, er wird die Kenntnis gegen sie einsetzen. Sie wird mit dieser Unsicherheit zurecht kommen müssen, und extrem vorsichtig sein. Sie spürte eine aufkommende Übelkeit. Sie drehte sich und ging zu der Glastür, und raus aus dem Büro, und bevor sie hinter sich schloss, sagte sie: „Ja, bis Montag, Sir.“

 

 


 

 

Kandomeres Augen verfolgten Kira bis sie aus seiner Sicht verschwand. Könnte schlimmer ausgehen, und mit diesem Bonus hat er gar nicht gerechnet. Er strich sich mit der gebissener Hand über seine Härte.

 

Verfickte Scheiße. Vor sich selbst muss er sich nicht kontrolliert geben. Es ist verdammt beschissen gelaufen. Sie wird ihn hassen.

 

Sein Sekretär beobachtete ihn durch die Glastür. Zum Schluss kriegte er es doch noch mit, dass an dieser Besprechung etwas seltsam war. Auch er hat jetzt mit seinem geübten Blick den harten Schwanz seines Chefs bemerkt, und welche Ursache es auch dafür gab, jetzt sind nur sie zwei da allein, also schenkte er Kandomere das süßeste Lächeln das er auf Lager hatte. Er würde wissen was mit dieser delikaten Angelegenheit anzufangen wäre, signalisierte er.

Kandomere ging zu der verglasten Wand mit der Tür, und drehte an den Reglern, mit denen er jetzt alle Jalousien runter zog und die Lamellen gleich zuklappte. Keine störende Blicke mehr.

 

Was heißt übrigens sie wird ihn hassen, sie tut es bereits. Und da weiß sie nicht mal dass er soeben knapp davor stand sie mit Gewalt zu nehmen. Am Arbeitsplatz, und vor dem Sekretär. Ehrlich gesagt würde er es immer noch gern tun. Deshalb zog er es vor, sie lieber gehen lassen. Seine Erektion zuckte. Ja, er ist nicht nur wahnsinnig, er ist jetzt auch noch aggressiv. Aber vor allem ist er gefährlich. Was ist bloß los mit ihm. Was auch immer es aber sein mag, es wurde schlimmer.

 

Gott, warum hat er sie weggeschickt, er will dass sie zurück kommt. Er braucht sie.

Ja, nach dem er es so vermasselte, kann er viel brauchen. Was immer er will. Er wird es nicht bekommen.

Himmel, bitte, dann wenigstens ihren Geruch, damit er seine leidende Sinne täuschen kann.

Er braucht einen Gegenstand mit Kiras Duft, etwas was er anfassen und beschnuppern kann, einen Fetisch als Not-Ersatz für sie, für diese Wochenende, unbedingt, sonst wird er endgültig durchdrehen.

Er könnte durchsuchen ihr Schreibtisch nach etwas geeignetem, oder... Soll er es endlich doch wagen zu ihr zu fahren? Zum Beispiel könnte er sich dabei entschuldigen, für das was er gerade getan hat. Dann könnte er direkt sie beschnuppern.

Entschuldigen? Beschnuppern? Er weiß doch wie es enden wird, er verliert wieder die Kontrolle und ruiniert es vollständig. Aber er hat jetzt schon eigentlich nicht viel zu verlieren.

Verdammt. Er erinnerte sich plötzlich wieder, dass sie gleich zu ihrer Verabredung gehen will. Kandomere verspürte in diesem Augenblick einen rohen Drang zu töten. Er würde töten, ohne zu fragen, ohne zu überlegen.

Beruhigen. Er muss sich beruhigen.

 

Gut. Nach dem Abendessen wird er sich etwas einfallen lassen.

 

Er nahm Kiras Bericht vom Tisch, fuhr mit der Hand über das obere bedruckte Papierblatt - diesen Gegenstand hielt sie bis jetzt in ihren kleinen süßen Händen. Plötzlich stockte sein Atem. Er entdeckte das Hauptgewinn – neben seinem Schreibtisch lag am Boden ein rostig braunes Stück Stoff.

 

Kiras Schal!

 

Natürlich, er hat sich widerwärtig und anstößig benommen, kein Wunder dass sie gestresst war und nicht merkte als er ihr von der Schulter runter fiel. In seinem wilden Wahn bemerkte er es ja selbst nicht. Es passierte wahrscheinlich während sie die Bericht-Seiten einsammelte. Er hob ihn hungrig auf, und strich sich mit diesem, nach ihr duftenden Hauch vom Seide über die Wange.

 

Durch den Duft stieg in ihm wieder verstärkt die Sehnsucht nach ihr. Nein, wahrscheinlich wird es ohne sie bis Montag nicht überleben, selbst mit einem Fetisch nicht. Er schaute auf seine Hand mit der weiteren kostbaren Trophäe. Der Biss verfärbte sich schon leicht. Es dauert noch, aber er sah schon, dass es dunkel wird. Fast verschluckte er sich. Purpur, dunkles purpur...

Aber sicher, sie sehnt sich nach dir, sie will dich so sehr. Du Elfen-Trottel. Es wird kein dunkles purpur sein, es wird schwarz. Der Hass? Es würde ihn nicht mal überraschen.

Er wagte es nicht weiter auf den Biss zu schauen. Er wollte das aufkommende Schwarz nicht sehen.

 

Er lehnte sich in seinem Sessel zurück, Kiras Schal hielt er sich im Gesicht, die gebissene Hand legte er sich auf seine Erektion. Kiras Geschenke.

Es wurde ihm bewusst, mit dieser neuesten Aktion wurden die Würfel erneut geworfen, also bräuchte er einen neuen und besseren Plan.

Er wollte darüber nachdenken, aber sein Geist rief unwillkürlich nur noch die Bilder ihres Gesichtsausdrucks hervor, der ihm Enttäuschung und Abneigung zeigte. Er erinnerte sich an den Duft ihrer Furcht. Die Vorahnung eines Desasters hat sich also erfüllt. Glückwunsch, sie ekelt sich jetzt vor ihm. Sein neuer Plan wird ausgesprochen genial sein müssen, wenn er es noch retten will.

 

 

 

Der Aufzug klimperte. Kandomere hörte hin. Sein Herz machte einen Sprung. Kommt sie zurück zu ihm? Ja, sie kommt ihr Schal zu holen. O.k. Er kann sie hier im Büro nicht festhalten, aber den Schal wird er ihr nicht aushändigen, er gehört jetzt ihm – er stopfte sich den leichten Stoff hinter seine Brokat-Weste.

Es klopfte an der Bürotür. Kandomere öffnete.

 

Eine elegante schöne Elfe stand da und lächelte ihn verführerisch an. Ah, ja. Kandomere bot ihr die Hand und führte sie hinein:

 

„Guten Abend, Ninuve.“

 

Er schloss die Tür hinter ihr - der Elf im Vorraum begleitete das Geschehen mit einem verletzten Blick. Sein Arbeitstag war vorbei, er wird nicht erfahren, was es mit dieser Besucherin auf sich hat. So ein Mist aber auch.

 

Gleich wenn sie ungestört waren, schmiegte sich die Elfe an den Chef-Agent und begrüßte ihn mit einem leichten Wangenkuss.

 

„Lieferung der Bestellnummer 23, Sir.“

 

Sie war für eine Elfe sehr klein, schön wohlgeformt, mit feinen Gesichtszügen, ihr eigenes silber-blondes Haar war jetzt braunschwarz gefärbt. Sie trug es hochgesteckt, mit freigelegtem Nacken. Der Kunde wünschte es so.

 

„Einen Drink?“

 

„Danke, aber nein, Sir.“

 

Kandomeres Hand glitt um ihre Taille, zog sie noch näher ran. Es war reine Höflichkeit, die erst mal nur einleiten sollte was als nächstes passieren wird. Sie roch es - trotz seiner physischen Bereitschaft, hatte er kein wirkliches Verlangen nach einem Sex mit ihr. Schade, denn sie hoffte bei diesem Kunden auf eine echte Interesse. Ob es vielleicht für immer vergebens war? Warum beeilen sich die Forscher nicht mit dem neuen Heilmittel...

 

Die Elfe drückte sich mit ganzem Körper an Kandomere. Nach dem sie es bereits vorher witterte, spürte sie jetzt seine Härte direkt an ihrem Bauch. Er war also schon erregt, das war ungewöhnlich.

 

„Warst du mir untreu, mon cheri? Du machst mich heute ja nahezu arbeitslos.“

 

Sie atmete noch mal tiefer ein - jetzt roch sie eine komplizierte Spannung zwischen Kandomere und einer menschlichen Frau die eben hier war. Interessant. Allerdings war diese Frau, warum auch immer, nicht in der Lage diesen Elf zu befriedigen. Im Gegensatz zu ihr. Ninuve zückte ihre scharfe Fingernägel, und zog sie über Kandomeres Bizeps, was sich für ihn durch das dünne Hemd doch angenehm anfühlte. Sie witterte es natürlich. Gut, das war schon ein kleiner Erfolg.

 

„Ja womöglich verkürzen wir uns diesmal etwas die endlose Folter.“

 

Kandomere begutachtete die kleine Elfe, nahm einen Bleistift von seinem Schreibtisch den er ihr in ihre Hochsteckfrisur reinsetzte, und führte sie dann zu einer Ledersessel-Gruppe in der Ecke des Büros.

 

„Ich weiß nicht wovon du redest, cheri. Dir Freude zu bereiten ist für mich das größte Vergnügen und keine Folter. Deine Ausdauer ist einfach beneidenswert und einzigartig.“

 

Diese Begleitung war auf die älteste männlichen Elfen spezialisiert, bei denen nach dem vorzeitigen Tod ihrer Gefährtin die Partnerkrankheit ausbrach. Bei ihnen wirkte das Medikament nicht so gut wie bei den jüngeren. Sie waren also auf eine einfühlsame und spezielle Hilfe angewiesen.

Ninuve hielt Kandomere für einen von den alten, bei denen das Heilmittel fast wirkungslos war.

 

„Wie dem auch sei, da ich bereits hart bin, sollte man es schnell ausnutzen bevor es sich legt.“


Kandomere vermutete, dass die Sitzung mit Kira ihn leicht erregen könnte - deshalb hat er sich die Begleitung zeitgenau bestellt, heute ausnahmsweise in sein Büro. Allerdings - der unerwartete Biss war so köstlich, dass er sogar richtig steinhart wurde. Diese Überraschung war der letzte Tropfen, der ihn in einen wilden Zustand versetzte. Er war endlich bereit für Kira. Er musste sich nicht mehr nur vorstellen, was er tun würde, er könnte es wirklich tun. Der Entschluss ist auf der Stelle gefallen, er wird sie nehmen, er wird sie endlich bluten sehen. Er ignorierte alles andere um ihn herum, er wollte sie gleich ficken, sofort, vor den Augen des Sekretärs, vor der ganzen Welt, es war ihm egal. Die Proteste seines Verstandes zertrat er erbarmungslos. Kira war nur ein Griff entfernt, er packte sie, dabei entschied er sich für die schnellste Version - er wird sie drücken zum Boden, exakt da wo sie stand, die Kleidung wird in Sekunden zerrissen sein…. bis er plötzlich ihren Schmerz und ihre Tränen bemerkte. Er hat seine Kraft vergessen zu regulieren. Er hätte sie fast ernsthaft verletzt... Danach besann er sich zum Glück etwas, und ließ sie gehen.

 

 

"Oh, heute willst du es schnell. Es ist eine Abwechslung, auch wenn mir deine hervorragende Ausdauer lieber ist. Nicht jeder kann so lange wie du.“ Ja, Ninuve war einfühlsam, und ihre Lügen waren lieb.

 

„Magst heute noch etwas spezielles, cheri?“ fragte sie, auch wenn sie es in etwa wusste, der Ablauf war festgesetzt.

 

„Ich bleibe angezogen.“

 

„Ja, ob ich das aushalte, deinen Körper ist so Exquisit...“

 

Aber egal ob nackt oder bekleidet, dieser blauhaarige Lieblingskunde war heiß. Für einen Elfen war er durchschnittlich groß, aber ziemlich muskulös und überaus attraktiv. Mit seiner blendenden männlichen Präsenz war er bestimmt gewöhnt des Interesses von anderen - natürlich roch er jetzt, dass Ninuve ihn auch privat haben wollen würde. Gut für den Zweck. Selbst die kleinste Unterstützung war hilfreich. Ninuve begutachtete mit Genuss seine Bekleidung - er war schick angezogen wie immer auf die klassische Weise, mit einer dunkelblauen feingestreiften Anzughose aus edlem Stoff, elegantem weißen Hemd mit hochgeschnittenem Kragen und blauer Brokat-Weste, ergänzt mit Platinschmuck und dem Silber-Gorget, das besonders von Elfen in wichtigeren Funktionen und Positionen in dem staats-königlichen Dienst getragen wurde. Elfen über Alle. Elfen über Alle. Seine extravaganten Tagore-Markenstiefeln waren ein Zeichen des höchsten Luxusstatus. Plus das Accessoire - der Ärmelhalter und Ascot-Krawatte, beides im aussagekräftigen Weinrot. Wie alle Elfen liebte er die Feinheiten und die Symbolik der Bekleidung.

 

Sie selbst zog sich jetzt langsam komplett aus, nicht dass sie ihn mit ihrer Nacktheit erregen hoffte – die Wahrscheinlichkeit, dass dies passieren würde war gering, sie sah nackt wohl etwas anders aus als seine verstorbene Gefährtin - sondern weil dieser Akt nicht ganz reinlich verlaufen wird.

 

Kandomere beobachtete sie. Als sie völlig nackt war, sah sie auf zu ihm und wartete auf seine weiteren Anweisungen.

Er fuhr mit dem Handrücken und dem Zeigefinger zart über ihre Wange.

 

„Geh auf die Knie.“

 

„Ja, Sir.“

 

Sofort sank sie gehorsam zu seinen Lederstiefeln.

Mit etwas Druck in der flachen Hand berührte sie gleich die noch von dem Stoff verdeckte Erektion. Als seine Härte leicht zuckte, schaute sie zufrieden in Kandomeres Augen. Er beobachtete aufmerksam alle ihre Bewegungen. Dann öffnete sie seine Hose und holte seinen steifen Schwanz heraus, und sogleich fing sie an, ihn mit beiden Händen zu streicheln.

 

Auch wenn er eine Erektion hatte, gab es aber keine Garantie, dass er auch kommen würde, und schon gar nicht schnell - Kandomere platzierte die Aktion deshalb schon mal zu einer Marmorsäule neben der Ledersessel-Gruppe wo er sich mit einer Hand stützte, es wird länger dauern.

 

Die Elfe wisperte: „ Ich mag dich cheri... du bist so erregend... “ und ihre plötzliche Röte und Duft verrieten ihre eigene Erregung. Und dass die letzte Worte diesmal kein Trost waren... Sie befestigte sich jetzt schnell an ihren scharfen Zähnen einen für diese Tätigkeit hergestellten speziellen Zahn-Schutz. Danach setzte sie seine dicke Spitze an ihren Mund und gleich begann sie sie zwischen ihren Lippen zu massieren. Dann wiederum nahm sie die Eichel in sich und saugte sie leicht, dies tat sie abwechselnd. Dabei sah sie immer wieder zu Kandomere auf, beobachtete seinen Gesichtsausdruck, kontrollierte seine Reaktionen. Gefällt es ihm? Das tat es sichtlich – er wuschelte sie mit der freien Hand in ihrem Haar.

 

Jetzt drückte Ninuve ihre Zunge fester auf die Unterseite der Glied-Spitze und fing an, kräftiger, aber nur über die große Eichel, zu gleiten, rhythmisch und fest, vor und zurück. Sie wollte ihn damit provozieren, und diese Rechnung ging kurz später tatsächlich auf. Mit einer Hand war er gestützt an der Säule, mit der anderen fasste Kandomere jetzt gröber ihre Haare im Hinterkopf und drückte ihren Kopf mit einem Schub gegen seinen Schwanz, den er gleichzeitig gegen sie stieß - er rammte ihr ihn direkt in den Hals. Ninuve unterdrückte einen Würgereflex, stöhnte gedämpft, ihr Mund bis tief hinein war gefüllt mit seinem Schwanz. Er ließ sie nicht mal ausatmen, und gleich fing er an, in ihre Kehle zu stoßen.

 

Verdammt, sein Schwanz war zu groß und dick, aber sie machte alles mit, packte Kandomeres festen Arsch, und drückte sich gegen ihn, um ihm zu härteren Stößen zu verhelfen. Kandomeres Atem vertiefte sich - mit dieser Haarfarbe und jetzt auch etwas unordentlicher Frisur sah sie fast wie Kira aus. Er versuchte sich vorzustellen, dass diese Elfe wäre Kira, nackt, auf den Knien vor ihm - er wurde noch härter, stieß noch schneller zu. Wenn er jetzt weiter so macht, und dann noch die spezielle Behandlung bekommt, wird er mit Sicherheit den Höhepunkt erreichen.

 

Die Elfe schwitzte inzwischen, Ihre Haare klebten ihr auf der Stirn, aber sie machte mutig weiter, obgleich die dynamische Stöße mit einem Schwanz von solchem Umfang von ihr einiges abverlangten.

Es ging so weiter, er brauchte eine gute Weile, bis er schließlich meinte, dass er für den nächsten Schritt bereit wäre, und dann sagte er zu ihr:

 

“Du kannst anfangen..“

 

Ja, sie hoffte dass es diesmal besser laufen wird. Letztes mal haben sie mit der abschließenden Phase zu früh angefangen, die dann zu lang gedauert hat. Seine Verletzungen waren furchtbar - durch den Schmerz und in der Erwartung der Befreiung röchelte er zum Schluss extremst. Sie weinte als sie ihn so leiden sah, diesen alten Elfen, attraktiven alten Elfen, und ihre salzige Tränen flossen in seine Wunden, wo es zusätzlich schrecklich brennen musste, Gott, das wollte sie nicht...

Wie lang ist er schon wohl allein, wann ist seine Partnerin gestorben, hatte sie einen Unfall gehabt, oder war sie ein Opfer von etwas noch Schlimmeren... Sie wagte es nicht ihn zu diesem Thema anzusprechen, als Kunde sollte er nicht ausgefragt werden.

 

Nach einer Paarung verteilte sich die Lebensdauer den beiden so um, dass beide für den Lebensrest exakt gleich lang bekamen, damit sie zusammen bleiben könnten bis zum Schluss. Aber das Schicksal war für einige wenige grausam - es gab Fälle, dass einer der Gefährte vorzeitig ums Leben kam.

 

Wie lange wird dieser Elf noch leben, leiden und um sie trauern... Die Alterungs-Endphase dauerte 70 Jahre, und die hat bei diesem Elfen noch nicht begonnen, er befand sich noch in seinem statischen Alter.

Bei den alten Elfen, bei denen die Partner-Krankheit sie ihrer Lebenslust und ihres würdevollen Sexuallebens beraubte, verhinderte Doktor Cassians Arznei nur das Schlimmste - in den Wahnsinn fallen, sich zu Tode trauern, und die Selbstmordgedanken zu beseitigen. Das Forschungsteam sollte jedoch laufend an dem Heilmittel arbeiten, damit auch den Ältesten geholfen werden könnte. Gut so.

 

Sie schaute zu Kandomere um sicher zu gehen. Er sollte seinen Wunsch bestätigen.

 

„Tu es.“

 

O.k., wird sie.

 

Aus einem bestimmten Grund hatte Ninuve provokativ auffällige, gehärtete Fingernägel. Sie aussahen eher wie scharfe Krallen. Diese Nägel und ihre scharfen Elfen-Zähne waren ihre Werkzeuge, mit denen musste sie ihren Kunden weh tun . Diese männlichen Elfen könnten nur zusätzlich mit starken physischen Reiz sexuell befriedigt werden - mit dem Schmerz. Mit einem speziellen Schmerz, ganz in der Tradition der elbischen Vorliebe.

 

Kandomere stieß weiterhin in ihre Kehle - die Dauer diese Handhabung belastete ihren Körper, aber sie musste gerade nicht viel tun, sie musste es nur aushalten. Er hielt sie weiterhin an ihren Haaren am Hinterkopf und drückte sie rhythmisch gegen die fick-Bewegungen seiner Hüfte. Gleich wird es sich aber ändern, wenn sie es übernimmt.

Er schaute sie dabei die ganze Zeit an, dabei atmete hörbar. Ninuve wusste aber - er sah nicht sie, er visualisierte in ihr Umriss eine andere. Die einzige die er wollte, seine Gefährtin.

 

Sein Wahl fiel nicht zufällig auf Ninuve, es war sicher, dass sie seiner verstorbenen Partnerin ähnelte. Alle diese betroffene Elfen suchten nach einem möglichen Ebenbild ihren verstorbenen Liebsten in der Begleitung-Auswahl – denn meist nur bei ihnen wurden sie erregt. Ninuve benutzte für diesen Zweck eine Instant-Haarfarbe des Kosmetik-Labels Mortice, das als einzige eine patentierte Haarfarbe mit sofortiger Wirkung in Kapselform zum einnehmen im Angebot hatte. Dies Mittel wäre zwar selbst für Elfen auf Dauer nicht ganz billig, aber ihre Kunden zahlten ihr gerade zu sagenhafte Summen für ihre Dienste. Alte Elfen waren reich, sehr reich.

 

Seine Stöße wurden immer heftiger. Er hoffte, dass er heute nur durch den gängigen Oralsex kommt, aber er hoffte es jedes mal. Er hat nicht freiwillig gewählt was jetzt folgen wird, er wollte es nicht, musste es aber über sich ergehen lassen, wenn er den Orgasmus erlangen wollte.

Ninuve nahm ihre Hände von seinem Arsch, packte den Schaft und rieb ihn eine Weile. Langsam begann sich seine Hüfte wieder im Takt mit ihr zu bewegen.

Und dann, ohne Vorwarnung, stoppte sie, und durchstach mit ihren spitzen Krallen plötzlich die Haut an dem Schaft und der Schwanzwurzel. Kandomeres Hüfte stoppte, sein rauer Atemausstoß kam noch vor den ersten Bluttropfen. Seine Hand ließ Ninuve los und gesellte sich zu der anderen an der Marmorsäule, er muss sich jetzt mit beiden Armen stützen.

 

Die kniende Elfe begann um die Wunden leicht zu kratzen, dann immer fester, und wieder bohrte sie die Nägel in ihn rein, die Eichel saugte sie dabei. Ihr Mund bewegte sich immer rhythmischer, sie nahm den Schaft wieder Stück für Stück tiefer hinein - Kandomeres Keuchen wurde lauter und unregelmäßiger. Sie bestimmte jetzt die Stöße in ihrem Mund, sie bewegte sich selbst, immer heftiger, als sie plötzlich stoppte und ihn biss. Kandomere stöhnte. Dann Ninuve abwechselnd leckte an seinem Schwanz und biss ihn, immer stärker, immer häufiger, zwischendurch kratzte ihn, und bohrte ihre Fingernägel in sein Fleisch. Er blutete, ihr Gesicht war davon rot verschmiert, ihr Mund war voll mit dem metallischen Geschmack, sie vernahm schon die Bindung zwischen ihnen durch die Menge des Blutes, könnte aber nicht tiefer in seinen hinteren Seelen-Reich sehen, denn das hat er für sie versperrt. Sie dürfte einsehen nur seine Wünsche und Empfindungen zum aktuellen Sex-Akt zwischen ihnen, und sie fühlte es, er war so erregt, trotzdem dem Höhepunkt noch fern. Er brauchte einen stärkeren Anreiz.

 

Gut, wird sie machen. Sie nahm ihren Zahn-Schutz ab, und legte wieder ihre Hände zurück auf seinen Arsch, um sich vorzubereiten. Sie nahm sein Glied wieder in den Mund und wartete nicht weiter - sofort hat sie ihn mit ihren spitzen Zähnen gebissen. Kandomere röchelte kurz, dann drückte seine Stirn gegen die Marmorsäule. Immer wieder tat sie es, zuerst kamen ein paar Stöße, dann ein Biss.

 

Und dann - biss sie wieder zu, ließ aber nicht los, und so glitt sie über den Schaft - sie fing an, ihn mit ihren scharfen Zähnen zu ficken. Kandomere schrie auf – seine Erektion wurde dadurch noch härter, aber trotz der hohen elbischen Schmerzverträglichkeit war es die empfindlichste Stelle des Elfenmannes - es war sehr schmerzhaft. Er versuchte sich ihr zu entziehen. Das erlaubte sie ihm aber nicht, sie war vorbereitet, ihre Hände auf seinem Hintern drückten ihn mit ihrer Elfenkraft wieder in ihren folternden Mund zurück - sie wird das brutale Spiel mit ihren Zähnen nicht beenden. Sie fuhr mit ihnen über seinen jetzt fast abgeschürften Schwanz, das Blut aus den Wunden floss über seine Hose und spritzte bei den Bewegungen auf ihre Brust, aus seinem Mund kamen röchelnde Laute eines verletztes Raubtieres, der Schmerz war zu stark. Er war jetzt steinhart, kam aber seinem Orgasmus immer noch nicht viel näher. Sie bemerkte, dass es beim jedes mal immer schwieriger wurde ihn zu befriedigen. Sie verstand es nicht, bei ihren anderen Kunden dieser Sorte war es umgekehrt. Die Elfen gewöhnten sich mit der Zeit an ihre liebevolle Fürsorge, die ihre Kummer milderte - sie akzeptierten sie als Ersatz. Nur Kandomere reagierte auf Ninuve anders. Sein Körper lehnte sie zunehmend ab.

 

Ninuve befürchtete, dass er diesen rauhen Akt diesmal nicht mehr lang fortzusetzen können würde. Sein Körper sträubte sich einfach gegen sie. Sein Geschlechtsteil war in einem schrecklichen Zustand, mit blutigen Bissen und Wunden durchlöchert, die Haut fast zerfetzt - sie kratzte ihn mit den scharfen Zähnen jetzt nur über die Eichel, er stöhnte vor Schmerz auf. Und dann sah sie wie er schwer keuchend hinter seine Weste griff, und ein hell-rostbraunes, feines Seiden-Knäuel raus zog und es sich aufs Gesicht drückte. Er atmete in das Stoff tief schnaufend. Die Tür zu seiner Seele öffnete sich plötzlich einen Spalt, und sie erkannte durch die Verbindung die Umrisse einer dunkelhaarigen weiblichen Gestalt, die ihr tatsächlich ähnelte. Sie spürte ganz leicht Kandomeres Gefühle zu ihr, und wie er diese Gefühle in der Vergangenheit schon mal erfolglos versuchte auszulöschen.

 

Ja, sie wusste von der grausamen Tragik wenn ein Elf von seiner Familie gezwungen wurde, die Liebe zu seiner verstorbenen Gefährtin abzutöten, damit er weiterleben kann. Ihre Augen wurden feucht. Und dann fühlte sie es.

Er kam in die Orgasmus-Phase. Er drückte seinen Schwanz tief rein in ihren Mund, sie hörte ihn schwer atmen. Und heiser befiehl er ihr:

 

„Schluck es.“

 

Natürlich, alles was er möchte, deshalb ist sie da. Und dann spürte sie die Kontraktionen seines gefolterten Geschlecht-Gliedes, die Ejakulation-Schübe direkt in ihre Kehle, die sie zum schlucken automatisch zwangen.

 

 

 

Chapter Text

 

 

Kandomere lag auf dem Ledersofa in einem komfortablen Privat-Raum, der sich hinter seinem Büro befand. Ehemals hatte er hier mit seinen Sekretärinnen Sex, jetzt nutzte er ihn nur noch dazu, wozu der Raum bestimmt war - um sich auszuruhen, zu duschen oder sich umzuziehen.

 

Nachdem er und Ninuve gemeinsam seine Wunden behandelt hatten, entfernten beide restlos auch die physischen Narben. Die Heilung hat lange gedauert, viel länger als beim letzten Mal. Das war also die Folge dieses verzweifelten Sex-Aktes. Es lief diesmal noch blutiger ab als das letztesmal. Kandomere vermutete, dass sein nächster Versuch einen Orgasmus noch mal zu erreichen, wird sinnlos sein...

 Als Ninuve duschte, entfernte er auch noch die feinstofflichen Markierungen, die schon begonnen haben, sich wie immer leicht orange zu färben. Die Zuneigung. Ja, Ninuve war sehr lieb. Sie mochte ihn, und tat für ihn alles was sie könnte. Er zog das Scheckbuch heraus, zögerte keine Sekunde bei dem aufschreiben einer fetten Summe. Als ein Dankeschön. Er wird sie nicht mehr bestellen. Sie wird ihm nicht mehr helfen können. Kandomere musste sich zugestehen, diesen Krieg hat er verloren. Auf ihn warten nur noch fade Tage eines asexuellen Daseins. Na dann soll es so sein. Fick dich selbst, Schicksal.

 Und dann ging Ninuve wieder, mit seinem Scheck in der Hand, auf dem sie dabei unterwegs nur ungläubig die zwei zusätzliche Nullen am Ende der Zahl durch die Tränen anstarrte, denn das bedeutete auch ein Abschied. Nein, sie wird ihm nicht mehr helfen können. Auch sie merkte es. Aber sie wird trotzdem bereit sein, wenn er sie irgendwann doch brauchen sollte. Sie hoffte es.

 Dann hat sich auch Kandomere gewaschen und saubere Kleidung angezogen. Von denen hatte er hier immer genügend parat. Die Weste und das Hemd waren etwas verschmutzt, seine Hose im Schritt war aber mit dem Blut geradezu getränkt. Es wäre natürlich praktischer sich vorher auszuziehen so wie es Ninuve tat, aber es war ihm heute lieber den Hautkontakt mit der nackten Elfe auf das Minimum beschränken. Er wusste selbst nicht warum, aber irgendwie wollte er sie immer weniger anfassen, obwohl sie wirklich hübsch war. Übrigens wollte er auch mit seiner Vorliebe für die dominante Art die Erfolgschancen auf den Höhepunkt erhöhen.

 Kandomere hängte die verschmutzte Stücke auf einen Bügel - am Montag wird er Limahl mit den Klamotten in die Reinigung schicken. Er überlegte ob die Leute ihm da in den Schritt neugierig schauen werden, ob er noch seinen Schwanz hat. Aber das würde Limahl bestimmt nicht stören. Viel mehr wird ihn stören, dass er nicht mitbekommen könnte was zum Teufel passiert ist - er wird ihm, Kandomere, in den Schritt glotzen, ob da noch sein Schwanz ist, und ob die blutige Hose etwas mit der letzten Besucherin zu tun hatte. Kandomere lächelte jetzt ein wenig, und freute sich darüber dass er lächeln kann, aber so ging es ihm immer jedes mal direkt danach, wenn er endlich geschafft hat abzuspritzen. Sexuell befriedigt zu sein ist so entspannend. Auch wenn es für soviel Aufwand nur eine magere Befriedigung war. Aber er kennt es nicht mehr anders, seit einem Jahr hatte er keine richtig heftige Orgasmen mehr. Aber immerhin hatte er wenigstens einen. Dabei war es diesmal schon fast verloren, und das obwohl er bereits vorher sehr steif war. Wenn er nicht Kiras Schal hätte, hätte er es aufgeben müssen. Kira. Kandomere schluckte laut. Er schaute auf die Uhr. Wohin ist sie wohl hingegangen, und mit wem?

 

Nein, es soll es mit dieser deprimierenden Unsicherheit nicht schon wieder losgehen, er muss noch bisschen den wohligen Zustand der Befreiung genießen, sich stärken für den neuen Kampf gegen Sehnsüchte und Wahn, die sein Leben übernahmen. Ein lustiger Wunsch, dessen Erfüllung eigentlich mit dem Gedanken an Kira endete. Er drehte sich nervös auf dem Sofa. Mit irgendwelchen wohligen Stimmungen war es vorbei.

Ihr feines Kleid verriet, dass sie höchstwahrscheinlich eine bedeutende Verabredung hatte, direkt nach der Arbeit. Gewöhnlich trug sie hier nämlich Leggins. Sein Blut begann zu schäumen, das Geräusch erinnerte an über Kies laufende Küstenwellen. Er fühlte sich endlos dumm. Warum verhindert er nicht einfach dass sie irgendwohin geht. Er könnte sie beschatten, Informationen sammeln, und einen guten Plan ausarbeiten. Oder sie einfach entführen, sie in seiner Wohnung einsperren, sie würde danach niemanden mehr ansehen können, ihn anlächeln, oder, verfickt nochmal, mit jemanden ausgehen. Ja, das mit der Entführung klingt gut. Er wird sich die Details überlegen.

 Kandomere hob die Hand mit dem verletzten Finger zu seinen Augen, und untersuchte jetzt gründlich Kiras Biss.

 Ja, er könnte es heilen, die Narben entfernen und nur die Farb-Markierung, die nur von Elfen gesehen werden könnte, belassen, aber er wollte auch die physische Spuren wie einen Schmuck tragen, so lange sie bestehen bleiben. Lange wird es nicht sein, die Elfen heilten schnell. Er mochte dieses kostbare Geschenk, obschon dessen Farbe überhaupt nicht die war, die er wollte. Diese Farbe machte ihn ehrlich gesagt noch depressiver.

Er wagte bis jetzt kaum einen längeren Blick darauf zu werfen, er wartete noch, in der Hoffnung, dass die Färbung noch etwas Zeit brauchte, sich endgültig zu stabilisieren.

 Nein, gar nichts wird sich hier stabilisieren, sie ist vollendet.

Kandomere war sich eigentlich immer noch nicht sicher was er von der Farbnuance des Bisses halten soll, soviel er wusste, gab es solche nicht.

Es hatte interessanterweise die Farbe ihrer Augen, nur dunkler – es war dieses einzigartige rötliche Braun.

Braune Markierung bedeutete Abneigung und könnte sich, wie auch die andere gewöhnliche, nicht vermischen, weder mit Rot, noch mit anderer Farbe. Es könnte aber kurzzeitig verdecken die grüne Gleichgültigkeit oder die gelbe Sympathie wenn es zu einen Wut-Ausbruch kommen würde. Ein liebender Elf könnte natürlich auch wütend werden, aber das Blau der reinen Liebe, das Rot der unauslöschlichen Begierde, sowie deren verschiedene violetten Mischungen waren die hohen Farben der echten Gefährten. Sie würden nie einem Braun oder anderen weichen.

Das also heißt, dass auf der Liste der möglichen Kiras Emotionen für Kandomere wäre Abneigung, Gleichgültigkeit und Sympathie.

 

 Und es bedeutet, dass sie nicht seine Schicksal-Gefährtin ist.

 

 Seine letzte Hoffnung wurde zerstört.

 Er schloss kurz seine Augen.

 Warum ist er jetzt enttäuscht, wenn er es ohnehin wusste.

 Es hätte aber immerhin noch schlimmer ausgehen können, denn es gab es auch die graue Feindseligkeit und den schwarzen Hass.

Natürlich versuchte er sich auch davon zu überzeugen, dass es überhaupt nicht braun war, sondern ein sehr, sehr dunkles Rot, sogar ein Farbton von seltsamem Violett, aber sich selbst zu betrügen würde den Fakt, dass es braun ist, und sie nicht seine Gefährtin, nicht ändern.

Aber ebenso war ein Fakt, dass dieses Braun einen roten Stich hatte, den es nicht haben dürfte. Das Rosa bedeutete Leidenschaft in üblichen Beziehungen, und Rot war die Begierde, das nur den Schicksal-Gefährten vorbehalten war, aber selbst von denen hatte es nicht jeder in den intensiv satten Rottönen. Er analysierte noch mal genauer den Biss.

 

Auf einmal spürte er ein Empfinden, das nicht das seine sein könnte. Er lag wach auf dem Sofa, stand aber plötzlich gleichzeitig auf einer Einkaufsstraße - wo er mit Kira verbunden war. Mit dem inneren Auge konnte alles mit ihr, aus ihrer Sicht beobachten, und was sie in dem Bereich ihrer Seele fühlt, oder was sie tut. Sie schien seine Anwesenheit nicht zu bemerken. Sie stand vor einem luxuriösen Damenbekleidungs-Modehaus und suchte in ihrer Handtasche nach etwas - das Bild davon aufblitzte visuell vor Kiras Augen. Schlüssel, sah er. Sie war ein wenig verärgert und machte ihn dafür verantwortlich. Hm, es ist eindeutig die Abneigung, das Braun ist somit bestätigt. War ja klar dass es nicht die gelbe Sympathie sein wird..

Bei dem wilden Wühlen in der Tasche hat sich jetzt ein kleines Päckchen geöffnet, aus dem etwas weißes seidiges zerknülltes, mit Spitze, halb herausfiel.

Ein Damenhöschen, exquisite Qualität, elbische Luxusmarke Marquis, eindeutig bereits getragen, vermutete Kandomere. Kira stopfte das seidige Ding wieder in die kleine Schachtel, jetzt sah er die Marke darauf - Marquis. Ja, auch wenn das benutzte Wäschestück wahrscheinlich nicht zu der neuen Schachtel passte, wusste er genau was es ist. Trotz seinem Sex-Handicap war er ein erfahrener Elf. Kira hörte auf, ihre Tasche durchzusuchen und seufzte, der Schlüssel war nicht dort. Dann überkam sie ein Unbehagen, sah sich unruhig um und die Bindung wurde gekappt.

 

 


 

 

 Kira verließ beklommen Kandomeres Büro.

Elfen waren intelligente, hochentwickelte Raubtiere. Es lag in ihrer Natur, ihre Ziele mit all ihrem Scharfsinn, ihrer Hartnäckigkeit und Stärke, über die sie reichlich verfügten, rücksichtslos zu verfolgen. Darüber hinaus hatten sie mit ihrer Langlebigkeit von 1000 Jahren unbegrenzte Möglichkeiten. Bei solcher Lebenserwartung haben sie die Menschen als Kinder, oder sogar wie Eintagsfliegen betrachtet. Die anderen Rassen waren für sie nur Unterarten. Dadurch fühlten sie sich, sowie auch durch ihre eigenen höheren Dimensionen der Weisheit, zu einer Überlegenheit verpflichtet. Elfen über Alle. Über Allem Elfen. Die Menschenrasse hatte nie wirklich eine andere Wahl, diese nur 5% der elbische Bevölkerung als Herrscherklasse zu akzeptieren.

Kira erwartete selbstverständlich diese gewisse Weisheit von den älteren Elfen, sowie auch von denen bei MTF - sie respektierte die Elfen trotz ihrer manchmal überheblicher Art. Sie war schließlich an sie gewöhnt. Natürlich musste sie bei den Elfen, die noch keine Gefährtin hatten, immer ein kleines Risiko in Betracht ziehen – sie waren vitaler und Sex-fixierter als menschliche Männer und suchten öfters nach einem neuen Vergnügen. Zum Glück mussten sie sich bei den Mitarbeitern im Zaum halten. Kandomere persönlich achtete bei MTF darauf, dass sich Männer und insbesondere Elfenmänner korrekt verhielten. So war ihr Eindruck. Denn sie selbst war mehrmals Zeuge, als er einem Elfen einen eisig warnenden Blick zuwarf, oder den woanders weg schickte, der mit ihr flirten wollte. Selbst wenn derjenige sie nur anlächelte.

 Folglich war sie jetzt von ihrem Boss enttäuscht - er war sehr autoritativ und sie würde von ihm eine Strenge erwarten, aber nicht ein sexueller Übergriff und Gewalt. Dazu noch mit Einsatz seiner überlegen unvergleichbarer Stärke. Nicht von ihm. Er veranstaltete eine Obszönität in ihrem Mund, und als wäre es nicht schlimm genug, griff er mit diesem gruseligen Ausdruck nach ihr. Kira fasste sich an dem Handgelenk, das von Kandomere gerade fast zerquetscht wurde. Was hatte er eigentlich vor? Kira für den Biss bestrafen? Er sollte es sich doch selbst zuschreiben. Soviel Urteilsvermögen sollte ein 130jähriger in einer verantwortungsvollen Position doch besitzen. Oder.. wollte er womöglich... Er war ja sichtlich plötzlich erregt..

Nicht. Kira schüttelte den Kopf.

Am Montag soll sie wieder in sein Büro kommen, als würde nichts passieren. Er wird dann auch die Farbe ihres Bisses kennen, und wer weiß was er durch die Verbindung noch alles herausfinden wird. Kira verspürte den Drang, in eine ferne Galaxis zu fliehen zu sollen.

 

 

 

„Na endlich! Wie war es bei Kandie? Du warst dort echt lange. Ihr habt doch nicht nur über Fälle diskutiert, hab ich recht? Wollte er was von dir, etwas privates, ich meine mit ihm ausgehen oder so...?“ Roses Fragen ähnelten einem Angriff. Sie wartete auf Kira, und verlangte nun hungrig nach brisanten Informationen, aber Kira war so müde. Gerade eben, oben im sechsten Stock, verbrauchte sie alle ihre Energie um sich zu fassen. Sie plumpste wortlos auf ihr Stuhl.

 „Aha! Du bist geschafft! Von was denn wohl. Übrigens, keine Antwort ist auch eine Antwort! Hat er dich bedrängt?“ Rose schoss blind.

 „Natürlich nicht.“

 Es war vergebens.

 „Wie, keine Kraft mehr um überzeugender zu wirken? Hat es dich müde gemacht, als du dich gegen ihn wehren musstest?“

Warum eigentlich arbeitet Rose im Labor? Sie sollte eine Versetzung zum Verhör-Einheit beantragen, und dort ihre Dienste als lebendiger Lügendetektor anbieten, falls das dortige Gerät zu ungenaue Ergebnisse liefern sollte.

 „Komm schon, Rose, gleich ist Feierabend, ich muss mir noch ein Taxi rufen, und du könntest mir, anstatt mich einem sinnfreien Kreuzverhör auszusetzen, lieber meine Frisur ein wenig ausbessern, denn für einen Friseur hab ich keine Zeit mehr.“

 Sie könnte Rose vertrauen - sie war zwar eine unbarmherzige Tratsch-Tante, aber sie war auch eine treue Freundin. Wenn sie es nicht wäre, wären sie schließlich keine gute Freundinnen.

Aber - diese Sache wollte Kira niemandem erzählen, sie wollte darauf selbst nicht nochmal denken, oder daran erinnert werden. Sie wollte es aus ihrem eigenen Kopf ausradieren.

Rose schwieg, sichtlich beleidigt.

 „Glaub mir doch, da war nichts mit Kandie.“ Verdammt, jetzt nannte sie ihn auch selbst so.

 „O.k. Liebes, ich glaube dir. Du beantwortest mir nur noch eine winzig kleine Frage, die mit Kandie nichts zu tun hat und ich lasse dich in Ruhe. Versprochen.“

 „Na gut, frag mal.“ Sah sie jetzt viel zu erleichtert aus? Ja. Aber ein Fehler mehr oder weniger war nicht mehr von Bedeutung.

 „Alles klar. Dann berichte mir bitte über der aktuellen Wetterlage im Aufzug. Denn wenn da eine ungünstige herrscht, würde ich nämlich lieber die Treppe nehmen.“

 „...Wetter ...im Aufzug? Was für verwirrende Ausfrage-Taktik soll das denn jetzt sein?“ Fragte unsicher Kira. Aber sie vermutete bereits etwas teuflisches.

 „Ja ich meine, es muss nur in dem Aufzug extrem starker Wind toben, der dir deinen Schal wegwehen könnte, ohne dass du es gemerkt hast. Und nur in dem Fahrstuhl kann den Sturm wüten, denn auf dem ganzen Flur hier ist nämlich absolute Windstille.“

 Und dann hat Rose nur leise den sich verändernden Gesichtsausdruck ihrer Freundin beobachtet - Kiras gleitender Blick zu der Stelle, wo sich der Schal befinden sollte, und ihre Hand, die um ihren Hals suchend herum tappte, den Blick, als sie sich an etwas erinnerte, und schließlich den mulmigen Ausdruck einer Erkenntnis. Ja. Kira hat den Schal verloren. Und sie schien genau zu wissen, wo.

 Rose entschied sich nachzuhelfen:

„Möglich ist aber natürlich auch, dass du es in Kandies Büro verloren hast. Aber so ist es nun mal, bei Besprechungen kann es ziemlich oft vorkommen, dass verschiedene Kleidungsstücke einfach plötzlich, und von selbst unbemerkt runter fallen. Hier ein Pullover, dort ein Schuh, oder ein Schal.“

„Weißt du..,Rose.." Ja. Kira war zu erschöpft, um sich plausible Ausreden ausdenken zu können.

Sie muss sich schleunigst aufraffen.

 „Ja, weiß ich. Allerdings nicht die Details, aber du kannst mir alles erzählen, während ich dich fahre wohin du auch willst. Taxi brauchst selbstverständlich keins.“

Als Kira zur Antwort seufzte, lächelte Rose ihre Freundin freundlich an, und nahm sie eine Haarbürste in die Hand. So, jetzt kann sie Kiras Haare stylen.

 Kira blieb nichts anderes übrig.

 

Als sie dann gingen - über die Eingangshalle, bemerkte Rose dann amüsiert, dass Kira jetzt einen spitzohrigen Zwilling hat - und zeigte unauffällig zu einer Elfe. Sie war genauso groß wie Kira, sie ähnelte ihr, und sie hatte die gleiche Frisur und Haarfarbe wie sie - sie sprach gerade mit dem Empfang-Dienst. Sie hatten es aber zu eilig, um sich die fremde Elfe genauer anzusehen. Bald darauf waren sie schon in der Tiefgarage, und fuhren mit Roses Wagen fort.

 Kira entschied sich ihr Schal aus Kandomeres Büro erst am Montag zu holen, es war natürlich klar dass er da irgendwo liegt. Aber heute wird sie nicht nochmal dorthin gehen. Definitiv nicht. Das würde aber bedeuten, dass sie einen anderen Schal oder geeignetes Stück braucht, denn da, wo sie gleich erwartet wird, kann sie nicht in nur einem Minikleid ohne abgestimmte Abend-Accessoire erscheinen, es wäre unangebracht. Es gab Kleiderordnung-Regeln bei offiziellen Feierlichkeiten, und die Elfen achteten penibel auf korrekte Bekleidung - es war nämlich eine wichtige repräsentative Aussage voll mit versteckten Bedeutungen. Die Missachtung dieser Regeln könnte sogar zu sozialer Verachtung führen. Kira war ein Mensch, also dürfte sie sich überhaupt keinen Fauxpas erlauben. Die immer anwesenden Traditionalisten werden sie besonders streng beobachten. Was ihr persönlich zwar nicht wichtig war, aber sie würde ihre Familie blamieren, und das wollte sie auf keinen Fall.

 Gut, Kira hat sich ausgesucht eine frequentierte Einkaufsstraße mit vielen Luxus-Läden. Unterwegs erzählte sie - diesmal aber überzeugender - der neugierigen Rose eine ziemlich entschärfte Version des Konflikts in oberste Etage, worauf die Freundin die ganze Zeit gespannt nickte. O.k., warum es ihr Kira nicht erzählen wollte – sie befürchtete damit Rose zu verletzen, weil Kandomere nun mal ihr Schwarm ist. Gut, meinte dann Rose, Kandie hat also Interesse gezeigt, daran kann man nichts ändern, und weil es sich um Kira handelt, wird Rose damit klar kommen.

 Und Details, Details! Was genau hat er getan, Rose wollte alles wissen, alles! Gut, also, es hat sich so abgespielt: sie waren in seinem Büro, der Boss kam direkt zu Kira, legte seinen Arm um ihre Taille, beugte sich dicht zu ihr, er wollte sie eindeutig küssen, glaubte Kira, aber nach offensichtlichem inneren Kampf hat er es sich im letzten Moment anders überlegt, wohl weil er selbst die ganze zeit bei MTF als ein Moralapostel agierte, also zumindest seit dem einem Jahr, seit sie ihn kennt. Dann roch er nur noch kurz an ihren Haaren, und ließ sie los. Dabei ist ihr der Bericht aus den Händen gefallen, sie war etwas nervös. Beim aufsammeln den Berichtseiten musste sie dann den Schal verlieren.

Diese romantische Interpretation der hässlichen Wahrheit war notwendig, denn Kira musste verhindern jegliches Risiko eines Verdachts über mögliche Feindschaft zwischen ihr und Kandomere. Niemand, absolut niemand darf denken, dass es zwischen ihnen einen Konflikt gibt.

 

Als dann die sichtlich überzeugte Rose vor einem Modehaus stoppte, könnte Kira endlich ausatmen. Als sie dann aus dem Wagen aussteigen wollte, bekam sie trotzdem noch einen Vorgeschmack für die nächste Zeit. Denn für Rose endete das Thema nicht, für sie fing es jetzt gerade an. Und dann wurde geschossen wie aus der Automatik.

 'Also Kira, meine liebe, das müssen wir später nochmal alles gründlich analysieren', meinte sie.

'Übrigens, schien dir der Besuch der Elfe von eben nicht seltsam vor? Wohin wollte sie denn gehen? Am Freitag Abend ist doch keiner mehr da. Abgesehen von den Nachtwächtern und dem Krankenpfleger-Nachtdienst, die derzeit unsere zwei Patienten betreuen, bleiben nur wenige im MTF. Meistens ist es nur der Nerd Melwer, der bis in die Nacht immer neue und bessere psychologische Tests entwickelt, Archivar Fred, der wie gewöhnlich in einem Bücher-Regal einschläft, Barista Billy, der den Nachtwächtern noch die Snacks verkaufen möchte, und der Workaholic Kandie.'

 Musste Rose nicht atmen ...? Nein, sie brauchte es nicht.

 'Denkst dass die ultra feine Elfe zum Billy ging? Oder wollte sie zu dem schnarchenden Zwerg Fred gehen? Oder zu dem zurzeit schwulen Melwer? Die Patienten-Station ist nachts für Besucher geschlossen, und die Nachtwächter dürfen im Dienst keine private Besuche empfangen. Das bedeutet, dass sie garantiert zu deinem Kandie wollte. Und diese ihre auffällige Ähnlichkeit mit dir könnte doch nicht nur ein Zufall sein! Seltsam, sehr seltsam. Na egal, du musst dich jetzt um deine Elfen-Familie kümmern. Ah, wie ich dich um sie beneide! Also bis später, meine liebe'

Sie winkte noch kurz, sie wusste dass Kira jetzt wirklich keine Zeit mehr fürs Tratsch hat, und weg war sie.

 

Kira spürte den Bedarf anzuhalten, sich auf eine Bank setzen und mit einer Meditation etwas Ruhe schöpfen. Es gab keine Bank in Sicht. O.k. Gar keine Bank, aber dafür jede Menge des vorweihnachtlichen Trubel. O.k.! Dann eben nicht. Sie warf einen Blick auf die Uhr. Sie muss ohnehin los.

 In dem zweitem Mode-Laden war sie aber schon am verzweifeln. Es gab jede Menge hübschen Accessoires, in allen möglichen Farben und mit einer Auswahl an Mustern, aber weder in dem exakt gleichen Farbton wie ihr Kleid, noch etwas anderes Passendes. Sie hätte wirklich nicht erwartet, dass diese belanglose Sache wird zu einem solchen Problem avancieren. Sie kaufte sich nur ein Höschen ihrer Lieblingsmarke, weil sie das vorbereitete heute Morgen zuhause liegen gelassen hat. Schnell zog sie das neue Höschen in der Kabine an. Sie brauchte die Frische zu spüren, der Tag war lang und wird noch lange andauern. Fürs Duschen war keine Zeit, sie musste heute die Tests mit den Kollegen abschließen - es war das erste mal dass ihr so eine wichtige Mitarbeit zugetragen wurde. Se könnte sich heute keinen Urlaub nehmen, oder früher gehen.

Langsam sollte sie sich beeilen. Sie wird in noch ein anderes Mode-Haus gehen, das sich gleich neben befindet. In dem muss es die Accessoire geben, die sie braucht. Sie wollte nicht darüber nachdenken, wenn sie wieder nichts findet. Auf der Straße hielt sie inne – es fiel ihr jetzt etwas ein. Als sie an der Kasse zahlen wollte, und in ihre Tasche nach der Kontokarte griff, fehlte da nicht etwas? Der Schlüssel! Oh nein. Jetzt wird es erst recht ärgerlich. Kira fing an, in der Tasche wild zu wühlen. Das kleine Schachtel-Ding mit dem benutzten Höschen war im Weg, es öffnete sich, sie stopfte das Wäschestück zurück. Nein, der Schlüssel ist nicht da. Ein plötzliches seltsames Gefühl kam über sie, als würde sie jemand aus ihre innigste Nähe beobachten - jemand ganz bestimmtes - sie wehrte es mit aller Kraft ab, und es verschwand. Trat es etwa ein?! War es wirklich ihr Boss den sie durch diese magische Blutverbindung spürte? Sie kannte nur die Theorie, aber sie würde sagen - ja, es war eine Seelen-Verbindung, und es war ihr Boss der bei ihr gerade war, sie fühlte es. Gott. Sie muss Ruhe bewahren. Tiefe Ruhe. Und sie brauchte ihr Schlüssel. Sie nahm ihr Handy, tippte ein Kurzwahl und winkte nach einem Taxi.

 

 

Liebling, wo bist du denn, wir haben doch abgemacht, dass du kommst bevor die ersten Gäste eintreffen, Mortice wollte dich an seiner Seite haben, noch bevor er damit beginnt, sie alle zu begrüßen.“

 „Tut mir leid Mama, kommen die etwa schon?“ Kira stieg ins Taxi, deckte kurz das Handy ab und gab dem Fahrer die Adresse an.

 „Noch nicht, aber bitte beeile dich, es ist uns sehr wichtig, es ist ja auch dein Debüt als erwachsener Erbe an seinem Zehnten. Er will mit dir prahlen, in deinem schönsten Alter, vor jedem einzelnen Gast.“

 „Werde ich dem Papa bei seinem nächsten Zehnten mit 35 zu alt?“ Kira musste jetzt trotz ihren Sorgen für sich lächeln.

 „Aber Kira, natürlich nicht, das weißt du. Aber alle sind nun mal in den statischen 35ern. Jeder kann es natürlich nach seinen Wünschen optisch etwas verändern, insbesondere mit unseren Patenten, aber grundsätzlich sind alle, für 900 Jahre, physisch 35. Diese Zahl ist der Alltag, und nichts besonderes.“

 „Ja.“

 „Ach Liebling, tut mir schrecklich leid dass ich es erwähnte, sei jetzt nicht traurig, wir werden schon einen Weg finden. So lange wir noch Zeit haben, arbeiten wir daran. Lass uns aber nicht jetzt über so was plaudern, und komm jetzt in den Astorion.“

 „Ja, tue ich so schnell, wie ich kann, ich hatte nur eine klitzekleine Panne mit meinem Kleid, und muss ich mir deshalb etwas besorgen. Ich sitze gerade schon in einem Taxi, es dauert nicht mehr lange.“

 „Heiliger, siehst du, Liebling, die Dienerschaft wäre doch sehr praktisch. Jetzt hättest du dir irgendwelche Probleme mit der Bekleidung sparen können. Wehre dich bitte dagegen nicht mehr, und überlege dir langsam, welches Personal du benötigst. Du kannst dir natürlich auch nur rein elbisches Personal wünschen, du bekommst alles was du möchtest. Einen Chauffeur, Bodyguard, Stylist, Butler, oder wenigstens einen persönlichen Assistent? Der würde deine Angelegenheiten exakt koordinieren, entscheiden, ob du womöglich eine Ersatz-Bekleidung brauchen würdest, und es vorneweg vorbereiten, sowie es in einem Notfall natürlich auch dabei haben. Ja, am besten werde ich für dich gleich am Montag einen geeigneten Assistent aussuchen und anstellen. Du musst nun mal auch berücksichtigen deinen Status, und akzeptieren was zu einem guten Ton gehört - einige der alltäglichen Anliegen dem Assistenten überlassen. Jetzt im Augenblick könnte ich dir allerdings nur meinen Assistenten anbieten. Er ist erfahren und handelt effizient. Sag nur wo du hin fährst, und ich schicke ihn zu dir.“

 „Aber Mama, das kann ich selbst erledigen. Übrigens wäre ich genervt, wenn jemand andauernd wie eine Klette an mir kleben würde. Und selbst die besseren Elfen sind nicht immer unterwegs mit Assistenten. Schau mal, nicht mal mein Boss läuft herum mit irgendeinem Butler, und hat keinen Chauffeur, und er gehört zu den höheren Kreisen."

 „Oh, dein Boss.. Kandomere. Er wäre mein Traum-Wahl für dich, als Partner, aber wir konnten ihn noch nie erreichen, er stammt nun mal, wie du gerade sagtest, aus höheren Kreisen als wir. Ah, aber warum erwähnst du ihn? Interessiert er sich für dich? Magst du ihn?! Hattest du etwa dieses Symptom, dass ich dir beschrieben habe? Du weißt doch was das bedeuten würde!?“

 „Nein Mama, da ist nichts.“

 „Hm, gut, mach dir nichts daraus, wir werden uns schon darum kümmern. Jetzt musst du dich aber erst mal beeilen. Also, wenn du den Assistent ablehnst, benutze wenigstens unseren Reichtum! Kauf dir schnell ein komplett neues Outfit, und vergiss nicht unsere Regel – nimm nur das aller feinste, was du findest!“

 „Ja, ich erledige die Sache, und dann komme ich zu euch so schnell wie ich kann, ich verspreche es!“

 „Gut. Dann bis gleich. Ich liebe dich.“

 „Ich beeile mich. Und ich liebe dich auch, Mama.“

 

 

 Kira war 10 Jahre alt, als das alte Elfenpaar Mortice und Samilla sie adoptierten.

Ihre traurige Geschichte der Kinderlosigkeit verschlang damals immer mehr von ihrem Frieden. Bis zu einer schicksalhaften Begegnung an einem ansonsten tragischen Tag, als sie die kleine Kira kennenlernten. Die traurigen klugen Augen des schönen Mädchens mit den langen Haaren berührten die alten Elfen, sie könnten das zarte Kind nicht mehr vergessen.

 Also nahmen sie Kira als Pflegekind zu sich auf, und kurz danach waren sie sich sicher, dass sie sie adoptieren wollen. Bald liebten sie Kira mit ihrer ein Jahrtausend unterdrückten, und nun explodierenden Wucht. Heute würden sie gar nicht zögern, ihre verbleibenden Lebensjahre zu opfern, wenn sie Kiras Leben damit verlängern könnten. Die Elfen trübte die begrenzte Lebenszeit ihrer Tochter. Also haben sie sich beide zu ihrem wichtigsten Ziel gemacht, versuchen Kiras kurzen menschlichen Leben mit allen Mitteln in einen Elfen-statischen zu verwandeln. Selbst nach verbotenen Methoden suchten sie. Und natürlich waren andauernd dabei, ihre Liebling-Taktik anzuwenden – Kira mit allen männlichen Elfen in Kontakt zu halten. Sie waren überzeugt, dass die Adoption nur die erste Hälfte von Kiras vorherbestimmtem Leben unter Elfen bedeutete, nur um sie in die Gesellschaft der Elfen zu integrieren. Wo bereits ein junger unbekannter Elf auf Kira wartet, sie als wahre Partnerin erkennt und sein Leben mit ihr teilt.

 Dann aber Kira bemerkte, dass der Such-Radius ihrer Eltern die ganze Erde umfasst. Sie versuchten, Kira systematisch mit absolut allen männlichen Elfen auf diesem Planeten, die noch keine Partnerin hatten, miteinander ins Sichtkontakt zu bringen, um keine Chance auszulassen. Sie wollten Kira ebenfalls als das Haupt-Model ihres Kosmetik-Labels einsetzen, damit sie sie auf den Plakaten jedem Elf präsentieren könnten.

Kira selbst wollte aber keinen Gefährten und auch keine Hälfte seines Lebens. Nur ihren Eltern zuliebe tat sie alles was sie verlangten, aber irgendwann wurde es ihr einfach doch zu viel. Sie teilte ihnen mit, dass sie aus ihrer riesigen Penthouse auszieht, und wenn ein Elf ihr Schicksal werden sein sollte, wird er sie von ganz allein finden. Dem mussten Mortice und Samilla zwar zustimmen, sie suchten aber insgeheim weiterhin, und noch verbissener, nach dem wahren Gefährten für ihre geliebte Tochter.

 

Das Taxi hielt an.

„Können Sie hier auf mich warten? Ich bin sofort wieder zurück.“

Der Taxifahrer nickte.

Nein, sie wird ihre Eltern nicht enttäuschen, sie wird an Papas Seite pünktlich stehen, perfekt gekleidet, bevor die ersten Gäste ankommen, um ihn zu seinem 1140. Geburtstag zu ehren.

 

 

 

Chapter Text

 

Also bemerkte ihn Kira doch noch – plötzlich wurde Kandomere so schön warm ums Herz, er spürte eine Euphorie, und das nur durch diese spontane Seelen-Verbindung. Die erste Blut-Verbindung. Für ihn war es eine wunderschöne intime Vereinigung, nur warum konnte es bloß nicht länger andauern...

Er erwartete eigentlich gar nicht, dass es so schnell und deutlich durchkommt. Ihre Seelen-Empfindungen waren ganz klar zu spüren. Er wünschte sich nur, sie wäre bei der Übertragung bisschen freundlicher zu ihm. Aber auch der Blick durch Kiras Augen könnte nicht schärfer sein - es war wie jetzt aus seiner aktuellen eigenen Sicht. Ihr kleiner, eigentlich unbedeutender Biss hatte solch unerwartete Auswirkungen. Kandomere wollte diese euphorische Wonne noch etwas beibehalten und auskosten, als ihm das Höschen in den Sinn kam. Und schon wurde sein schlimmster Zweifel aufs neu ausgerollt. Wohin ist sie gegangen, warum brauchte sie sich neue Unterwäsche anziehen, für wen, einen dreckigen Mensch, oder noch dreckigeren Elf, der mit seinen elendigen Pfoten seine Kira anfassen wird?

Was hat er bloß getan, er hat sie zu diesem Elf gehen lassen. Warum. Wollte er seine eigene Schmerzgrenze austesten? Verdammt, wo war diese Straße, in der sie stand? Kandomere versuchte sich mit ihr wieder zu verbinden, es ging aber nicht.

Und plötzlich kam etwas. Also doch! Und dann sah er sie - in den Armen eines Elfen. Panik ergriff ihn, war das jetzt nur ein Trug oder doch die Blutbindung die ihm die Realität zeigte, diesmal aber seltsamerweise aus der Perspektive eines externen Beobachters? Es waren deutliche Bilder - der fremde Elf verhielt sich ganz und gar nicht zurückhaltend, er beugte sich über Kira, seine Hand fuhr zwischen ihre Schenkel, glitt immer höher und dann bleckte er seine Zähne. Kandomere wurde bleich vor tödlicher Wut. Und dann biss dieser Elf in Kiras Nacken.

Töten. Er wird ihn töten. Brutalst foltern und töten. Kandomere sprang von dem Leder-Sofa direkt auf die Füße wie eine Raubkatze, und lief mit seiner elbischen Geschwindigkeit los, aus seinem Privat-Raum zurück in sein Büro. In einer Sekunde stand er vor dem Waffenständer der an der Zentralwand dekorativ platziert war, und nahm von da zwei alte Wakizashis, seine Lieblingswaffen, die dort ausgestellt waren.

Der elbische Bastard trank jetzt aus Kiras Biss-Wunde, das Blut triefte über ihren weiss-rosigen Hals, sie stöhnte dabei leise. Äußerst wütend, spannungsgeladen, für den Kampf mit scharfen Waffen bereit, wieder mit diesen verdunkelten Augen, hielt Kandomere gezwungenermaßen inne, er muss sie durch das Blut-Band orten. Er witterte in einer Angriffshaltung, versuchte erkennen wenigstens die Richtung ihres Standortes. Und dann verschwanden diese Szenen-Bilder von Kira und diesem Drecks-Elf. Mühsam atmend, versuchte Kandomere nochmal die Verbindung aufzunehmen. Er spürt sie auf, er findet sie und ihren elbischen Lover, er wird ihn vor ihren Augen brutal abschlachten und ihr verdeutlichen, wer ihr Herr ist.

Plötzlich kam er tatsächlich durch, bewusst mit seinem Willen. Gott, ja. Für kaum nur 5 Sekunden, aber es reichte aus, um mit ihren Augen zu sehen, sie zu fühlen. Und um zu sehen, wie sie allein in einem Taxi saß, und eine Liebe zu ihren sehr alten Elfen-Eltern empfand, und dass sie ihr Schlüssel und Schal brauchte, und dann war sie wieder weg.

Kandomere fielen seine Schwerter aus den Händen. Verwirrt stand er nur eine Weile da. Er konnte die Realität von einer Einbildung nicht unterscheiden.

Er muss seine Gedanken ordnen. Deprimiert ging er zu dem Haustelefon, das auf seinem Schreibtisch stand.

 

Ja Sir?“

„Billy, ist die Kaffeemaschine noch einsatzbereit?“

Selbstverständlich, Sir.“

 „O.k., dann bring mir einen Espresso.“

 „Mache ich so bald ich kann, Sir, ich bringe nur noch Kaffee und Kuchen den Pflegern auf die Krankenstation, und bediene die Wachmänner. Sie stürzen sich gerade auf die übrig gebliebenen Kuchen und Sandwiches, da es ja jetzt alles nur den halben Preis kostet. Also wenn Sie auch noch etwas davon haben möchten, Sir, müssen Sie sich schnell entscheiden, ich hätte da noch...“

 „Nein, ich brauche sonst nichts,“ unterbrach ihn Kandomere „und es eilt nicht, bring es mir wenn du fertig bist.“

 „Jawohl, Sir.“

 

 Kandomere hat einen Entschluss gefasst. Er holte sein Handy aus der Tasche, wählte eine Telefonnummer. Er muss tun, was er tun muss, jetzt, wenn er noch vernünftig handeln kann, bevor er den Verstand ganz verliert.

 

 „Ah, na sieh mal an, schön dass du auch mal anrufst. Ich nehme an, du brauchst etwas, Schätzchen?“

 „Guten Abend Cassian, ja, ich brauche dich. Heute jedoch nicht als meine Lieblingstante, sondern als Ärztin. Könntest die Sache aber diesmal für dich behalten? Ich möchte meine Eltern nicht mit dieser Angelegenheit belasten. Oder besser gesagt - sie müssen nicht alles wissen.“

 „Ist dir klar, dass das nicht geht? Du weißt wie es ausgeht wenn ich vor deiner Mutter über dich etwas wichtiges geheim halten werde. Du erinnerst dich sicher, wie endete euer Familien-Arzt Quinto. Du warst jung, sexsüchtig und krank, und hast geschafft eine ganze menschliche Stadt mit einer Geschlechtskrankheit zu verseuchen, wobei du das auch noch Kolumbus' Seeleuten in die Schuhe geschoben hast. Zum Schluss zwangst du dann den armen Quinto, nichts über deinem kritischen Zustand deinen Eltern zu erzählen. Obwohl du wusstest dass er deswegen, mild ausgedrückt, 'Schwierigkeiten' bekommt.“

 „Ja, und es tut mir das mit Quinto bis heute immer noch unendlich leid, aber das war ein rohes Jahrhundert, Mutter wird heute niemanden mit dem Tod bestrafen, also, na gut.., jedenfalls keine Verwandten.“

Das denkst du, Schätzchen, das denkst du. Aber gut, deine Mutter hat mich verpflichtet, die wichtigeren Vorfälle in Bezug auf deine Gesundheit zu melden, aber vielleicht muss ich es nicht sofort tun. Kommt auch darauf an, um was es sich handelt. Reicht dir das?“

„Nein, aber wird es reichen müssen. Ich kann mit diesem Problem nicht zu einem anderen Arzt gehen, schon gar nicht zu einem von den unseren bei MTF, auch wenn sie recht gute sind.“

Dann lass hören.“

„O.k., die Sache ist - ich bin verrückt. Verrückt und gefährlich. Mein Plan ist folgender - ich mache einen längeren Urlaub, damit du mich heimlich einsperren und hoffentlich heilen kannst.“

Also wirklich, Kandomere Schätzchen. Du hast sie nicht mehr alle.“

„Ja Cassian, das eben ist das Problem. Ich bin wahnsinnig geworden.“

Gut, jetzt bin ich aber gespannt. Dann erzähle mir was du so wahnsinniges tust.“

„Bitte schön, hier ist die Detail-Auswahl den letzten 24 Stunden: gestern Nacht stand ich einfach vor dem Aufzug, und starrte ihn an, dann fuhr ich mit ihm sinnlos hoch und runter, immer wieder, 8x war es. Heute habe ich mich gestritten mit meinem Schreibtisch. Und es scheint mir, als ob in Stress-Situationen meine Augen ganz schwarz werden - ich bin mir dabei gar nicht sicher, ob es real ist, oder nur eine Einbildung. Immer öfter halluziniere ich. Jetzt gerade hatte ich in den Händen meine alte Wakizashis, und wollte mit denen einen nicht existenten Gegner zerstückeln. Ich plante ebenfalls die Entführung einer Arbeits-Kollegin, die ich physisch verletzte ohne es zu merken, und dann hätte ich sie auch noch beinah vergewaltigt - auf der Arbeit, und es störte mich nicht mal, dass Zeugen dabei zugesehen hätten! Ich habe diverse Anzeichen, die den Symptomen der Partner-Krankheit ähneln, samt dem damit verbundenen Erektionsproblem.“

 „..so? Nun das ist wirklich beunruhigend. Aber auch schon leicht einleuchtend. Verstehe ich es richtig, dass du deine Kollegin fast vergewaltigen könntest, mit einer erektiler Dysfunktion ? Und wäre möglich, dass du die essentielle Information ausgelassen hast, dass alles was du schilderst, mit dieser bestimmten Kollegin zusammenhängt?“

 „Ja, möglicherweise stellt sie sogar die eigentliche Ursache dar. Irgendwie fing es an, als ich sie kennengelernt habe.“

 „Oh mein Gott, dann ist es wahr! Du hast deine Schicksal-Gefährtin also doch noch erkannt?! Das ist die beste Neuigkeit, die ich je erfahren dürfte! Langsam haben wir ja die Hoffnung aufgegeben, dass dich das noch treffen wird, denn du warst mehr als überfällig. Weißt du, wie sehr mich traurig machte der Gedanke, dass du für immer allein bleiben solltest? Und nun, mit deinen 550 Jahren ist das Wunder passiert... “

 

Kandomere hörte Cassians Schluchzen. Sie, diese hartgesottene Elfe weinte...

 „Cass...“

 Cassian und Kandomere hatten schon immer eine vertraute Bindung. Damals, als Cassian an ihrem Medikament gegen die Partner-Krankheit arbeitete, erlitt sie einen schweren Schicksal-Schlag. Kandomere wich ihr danach nicht von der Seite, er half ihr, wieder den Weg ins Leben zu finden. Ihre Tragödie war von dem schrecklichsten Ausmaß, dass einen Elfen treffen könnte. Sie verlor damals auf einen Schlag ihren Gefährten, und ihre beiden Söhne bei einem Unglück. Somit wurde sie dem Trauer-Tod geweiht. Kandomere akzeptierte es jedoch nicht, er wollte seine Lieblingstante nicht aufgeben, also ließ alle seine Angelegenheiten liegen, und zog zu ihr ein, um sie rund um die Uhr zu betreuen. Und vor allem zwang er sie mit allen Mitteln, ihre Arznei schnell herzustellen, damit sie es schließlich selbst bei sich einsetzen könnte. Er musste sie dazu mächtig drängen, während er nebenbei alle ihre Versuche, sich umzubringen, verhindern musste. Er ließ aber nicht locker, bis seine Hartnäckigkeit endlich Früchte trug. Cassian hat bei ihr selbst experimentiert, wurde erfolgreich, und als erste Elfe ihre eigene Arznei genommen. Sie konnte zum Schluss die Krankheit besiegen. Kandomere war für sie nicht mehr nur ein Neffe, er wurde für sie viel mehr wie ein Sohn.

 „Aber - wenn du an der Partner-Krankheit leidest, läuft da etwas nicht optimal. Gehörst du oder deine Kollegin etwa zu denen, die sich als Schicksal-Gefährten erkannt haben, sich aber nicht akzeptieren wollen? Falls ja, kann ich dich beruhigen. Nach meinen Erfahrungen dauert diese trotzige Phase nie zu lang an. Die gegenseitige Anziehung-Kraft ist zu stark und gewinnt immer.“

 „Nein, nein, ich enttäusche dich wirklich ungern, aber sie ist nicht meine Gefährtin. Sie hat mich nicht erkannt, Emotion-mäßig ist sie mir nicht geneigt, ich bin ihr im besten Fall gleichgültig. Und als ich sie kennengelernt habe, hatte ich kein Erdbeben-Erlebnis. Übrigens das Altersunterschied übersteigt weit das göttliche Gesetz der maximal zulässigen Spanne den 400 Jahren. Also gibt es keine Schicksal-Bindung, und mein Leiden ist keine echte Partner-Krankheit. Meine Theorie lediglich wäre, dass mein Körper und die Seele nach der intensiven Begegnung mit ihr, sie fälschlicherweise als die wahre Gefährtin identifizierten. Und weil ich mit ihr natürlich keine Paarung vollzogen habe, reagiert der Körper ausgehungert mit einer unechten Krankheit darauf. Übrigens - auf mögliche Flüche und Zauber hab ich mich testen lassen, ich bin nicht verhext. Sonst hab ich keine andere Erklärung, wie das alles zusammenhängen könnte, oder was wirklich die Ursache für meinen Zustand ist. Langsam brauche ich aber eine Lösung. Es geht mir immer schlechter und ich bin sicher, wenn es so weiter geht, werde ich irgendwann komplett durchdrehen und ein irreparables Unheil anrichten.“

 „Schätzchen, Die Schilderung deinen Beschwerden ist doch aussagend. Du brauchst kein Experte zu sein, um zu erkennen um was es sich hier handelt. Übrigens, hattest mit ihr wenigstens schon einen Haut-Kontakt? Dein Zustand deutet auf einen Mangel an Berührungen hin.“

 „Eben hab ich etwas in der Art gewagt - ungeplant. Ihr Biss, den sie mir daraufhin und keinesfalls aus leidenschaftlichen Motiven erteilte, hat sich braun verfärbt. Verstehst du? Braun! Es sieht also nicht nach einer Schicksal-Gefährtin aus.“

 „Das ist ungewöhnlich, aber es schließt die Schicksal-Bestimmung trotzdem nicht aus. Da können andere Einflüsse eine Rolle spielen. Oder hast du schon Beispielsweise berücksichtigt, dass vielleicht nicht du, sondern deine Kollegin verhext sein könnte? Nun, jedenfalls musst du in mein Labor kommen, damit ich auch mit den Tests die Diagnose noch bestätigen kann - die ich gerade bestimmt habe. Mit der Therapie kannst du, und solltest du auch, unverzüglich anfangen.“

 „Gut. Bekomme ich die Medikamente, die du zur Behandlung der Witwer verwendest? Denkst du, dass es wirken wird, auch wenn es sich bei mir nur um ein Imitat der Partner-Krankheit handelt?“

 „Kandomere Schätzchen, du hast die Partner-Krankheit, die echte. Diese Schicksal-Bestimmung ist echt, auch wenn du es nicht glauben möchtest. Und auch wenn es aus einem noch unbekannten Grund unkonventionell abläuft. Und nun zu der Therapie – nein, du wirst mein Medikament nicht bekommen, weil du kein Witwer bist. Du brauchst etwas anderes, viel besseres - die einzig wahre heilende Quintessenz, den Haut-Kontakt mit deiner Gefährtin. Übrigens, je intimer wird es, desto besser.

 „Du hörst mir nicht zu. Es ist nicht echt! Heile mich, dann brauche ich von ihr gar nichts!“

 „Fein, also würdest einfach freiwillig hier her kommen und Medikamente einnehmen, die deine Gefühle zu ihr abtöten?“

 „Natürlich nicht freiwillig. Alles und jeden, der sich zwischen mich und sie stellt, werde ich unter einem inneren Zwang beseitigen wollen. Aber ich brauche dein Heilmittel, weil erstens die Qual zunehmend schwer auszuhalten ist, und zweitens bemerken einige langsam meinen Wahnzustand. Deshalb sagte ich es auch - du wirst mich einsperren müssen, und natürlich mich auch sorgfältig fesseln, um mir das Zeug zu verabreichen. Ich muss nur wissen, für wie lang ich mich dafür etwa beurlauben brauche.“

 „Schätzchen, ich kann es dir nicht geben, weil es unethisch und definitiv falsch wäre, mein Heilmittel einzusetzen, wenn du dich dabei in keiner aussichtslosen tragischen Lebenslage befindest. Was aber ohnehin gegenstandslos ist, weil das Mittel nur bei den Witwern wirkt. Da, wo die lebendige energetische Präsenz des Partners ausgelöscht wurde. Also würde es bei dir nicht wirken, weil deine Gefährtin lebt. Das Band eurer Zugehörigkeit zueinander ist Teil des Göttlichen Prinzips und ein Mittel kann es stören, aber nicht zerstören. Die starke Magie hinter der Schicksal-Bestimmung kannst du nicht austricksen. Seit dem ich das Medikament herstelle, wollten es trotzdem manche Elfen unbedingt ausprobieren. Sie mochten nicht, dass sie ihre Feinde als Gefährten erkannten. Und dann sind sie kurz später wieder zu mir gekommen, um zu berichten dass es wirklich nicht funktionierte, und dass sie mit ihren Gefährten überglücklich wurden, und den Sinn hinter der Unwirksamkeit des Heilmittels in ihren Fällen verstanden haben.“

 „'Kurz später' wäre toll. Ich Quäle mich seit einem Jahr.“

 „Was..?! Du leidest schon seit einem Jahr an der Partner-Krankheit? Mein Gott! Dann ist dein Zustand noch viel schlimmer, als du schilderst! Also mit dieser Information ändern sich paar Regeln. Es tut mir leid Schätzchen, aber ich werde es deinen Eltern doch beichten müssen. Denn du befindest dich in einer ernstzunehmenden Gefahr. Deine Eltern müssen auch entscheiden, ob du vielleicht für erst sogar sediert werden musst, damit du dir nichts antun kannst. Ah herrje, warum bist du damit nicht früher zu mir gekommen?“

 „Lass es, Cass, wenigstens bis die Tests-Ergebnisse da sind...“

 „Nun ja, du hast ein großes Glück, dass du diese Kollegin bei der Arbeit wenigstens öfters sehen darfst, und ihr Duft aufnehmen kannst. Deshalb bist du noch bei einem relativ klaren Verstand. Das kann aber deinem Paarung-Verlangen auf lange Sicht nicht mehr ausreichen. Weil du die ganze Zeit dein Bedarf nicht befriedigt hast, verschlechtert sich logischerweise dein Zustand. Nach mehreren Monaten steigen alarmierend die panischen Attacken, sowie die Aggression. Deine Oxytamin Werte und Cortisol Spiegel muss kritisch hoch sein! Das aber bedeutet, dass in diesem Fall dein Leid mit nur einem Haut-Kontakt nicht gelindert wird. Dein Körper will jetzt mehr. Er braucht endlich eine endgültige Vereinigung euren genetischen Signaturen die sich im Blut, und auf der Schleimhaut befinden. Deine Seele verlangt nach der Bindung der Gen-Impulsen in dem fluidalen Kraftfeld, das nur durch das Vereinigung des Plus und Minus euren Geschlechtern entsteht. Also ist es notwendig die Paarung vollziehen, und die Biss-Markierungen an dem blauen Lotus versiegeln. Aber jetzt für erst, brauchst du vor allem eine Linderung - du brauchst so schnell wie möglich einen richtigen Sex mit ihr.“

„Großartig, damit sind wir wieder bei dem Vergewaltigung-Versuch. Oder hab ich noch nicht ausdrücklich genug erklärt, dass sie an mir gar nicht interessiert ist? Übrigens bin ich weiterhin nicht überzeugt, dass es sich um eine Schicksal-Bestimmung handelt.“

„Schon wieder? Sag mal, ich bekomme langsam den Eindruck, dass selbst wenn du sie als die wahre Gefährtin erkennst, würdest du sie am liebsten loswerden. Ich kann zwar deine Frust, verursacht durch ihre Ablehnung verstehen, aber bedenke, wenn es echt ist, und das ist es, bleibt sie für immer die einzige in deinem Leben. Du kannst keine andere, willigere erkennen.“

„Cass....“

Wie heißt sie?“

„Kira...“

Sehr schön.“

„Sie ist ein Mensch.“

... ah...“

„Ja.“

Großer Gott...“

„Und jetzt?“

...nun, jetzt verstehe ich endlich deine Zweifel, es ist in der Tat etwas heikel. Aber wenn es vom Schicksal vorbestimmt ist, müssen es alle akzeptieren.“

„Es ist komplett egal was die anderen akzeptieren. Sie will mich nicht..“

Kandomere Schätzchen, wie wäre es damit, dass du mir endlich sagst, was du eigentlich willst?“

„Freilich, das kann ich dir sagen. Ich will verrecken, weil ich die Folter nicht mehr ertragen kann.“

„In Ordnung. Erinnerst du dich, als ich vor langer Zeit immer wieder genau dasselbe sagte? Und wie du darauf reagiert hast?“

„...ja.“

Sehr gut. Also nochmal, was willst du wirklich?“

„Was ich will? Kira. Ich will sie, ich will Kira. Ich will sie so sehr, sodass ich alles für eine echte Paarung-Nacht mit ihr geben und tun würde, ich will ihr sagen können, dass ich Gefühle für sie habe, mächtig starke Gefühle, sowie ich unter unermesslichem Verlangen nach ihr leide. Ich will dass sie sich von mir freiwillig markieren lässt. Und dass sie mich ihrerseits mit einem möglichst dunklen Purpur-Biss kennzeichnet, aber auch ein helles Violett wäre berauschen schön, oder das hellste Lila. Ja, auch nur reine blaue spirituelle Liebe oder nur die physische rote Begierde hätte mich wahnsinnig glücklich gemacht, weil damit nebenbei auch bewiesen wäre, dass sie meine wahre Gefährtin ist. Ja, ich will dass es mit ihr die echte Schicksal-Bestimmung ist. Und ich will ein gemeinsames Leben mit ihr verbringen."

Großer Gott, und du nennst es eine Fake-Bindung und Fake-Krankheit...“

 

Kandomere hielt inne. Es überkam ihn die Auswirkung eigener Worte. Es war das erstes mal, dass er für sich seine Emotionen und Verlangen für Kira so klar formulierte, und dass es sich deren so klar bewusst wurde. Er konnte spüren die Macht seines laut ausgesprochenen Geständnisses, es lief ihm über die Haut als feine elektrische Vibration. Ja, Cassian wusste genau warum sie ihn zu dieser Aussage zwang. Aber dann wurde er sich der grauen Realität bewusst. Es war ein folternder, Leid bringender Wunsch...

 

„Eigentlich ist es mittlerweile egal ob es echt ist oder nicht, jedenfalls wenn sie mir nicht bald zumindest etwas Zuneigung schenkt, oder du mich von diesem Verlangen nicht heilst, werde ich mich nicht mehr beherrschen können. Dann, in meiner Verzweiflung, tue ich ihr eine Gewalt an, wobei es niemand schafft, mich aufzuhalten. Ich werde sie brutal nehmen und wild beißen, woraufhin sie mich für immer hassen wird. Falls sie als Mensch diesen aus der Kontrolle geratenen Übergriff und meine Bisse überhaupt überleben wird. Und dann werde ich mich entweder in tiefer Hoffnungslosigkeit zum Tode trauern, mich umbringe werde, oder ihre Familie erlöst mich, in dem sie mich aus Rache hinrichtet.“

Ich verstehe. Also es geht eigentlich nur um das Problem, dass sie dich ablehnt. Vielleicht liegt es daran dass sie ein Mensch ist und die Schicksal-Erkennung bei ihr anders verläuft. Leider hab ich mit einer Elf-Mensch Schicksal-Paarung keine Erfahrungen, habe auch davon noch nie gehört, aber es ist, wie man sieht, wohl nicht ausgeschlossen. Ich könnte auch in älteren Transkripten nachschauen, vielleicht finde ich etwas.“

„Du selbst kennst keinen solchen Fall? Also weißt du auch nicht was ich tun sollte...“ Kandomere seufzte.

Doch, das weiß ich schon. Du könntest zum Beispiel etwas Initiative ergreifen. Du warst mal ein Verführer der ein 'Nein' nie akzeptierte, du wirst doch noch wissen wie das geht? Hast du Kira schon mal ins Cafe oder zum Essen eingeladen, oder ihr ein Geschenk gemacht? Kennst du überhaupt ihre Vorlieben oder den Geburtstag?“

„Nein, hab mich nirgends mit ihr getroffen, und sie wird in ein paar Tagen 26, am 21. Dezember.“

Ah, 21. Dezember, das ist ein wirklich Traditionsstarkes Zeichen. Na dann gib dir einfach etwas Mühe. Finde heraus was sie mag und schenke es ihr. Also echt, muss ich dir wirklich solche Ratschläge geben? Und wieso hast du bis jetzt noch gar nichts unternommen?“

„Cass..., sie kennt meine Gefühle für sie nicht. Weil ich befürchtete, dass sie mich ablehnt. Und es stellte sich heraus, dass ich leider recht hatte.“

Mir ist ehrlich gesagt schleierhaft, weshalb sie auf dich überhaupt nicht reagiert, die Frauen wie auch viele Elfenmänner finden dich doch anziehend. Hat sie womöglich einen Freund?“

„Ich weiß es nicht.“

Sagt der leitende FBI-Agent von MTF.“

„Ich wollte nicht herausfinden dass es möglicherweise einen anderen Mann in ihrem Leben gibt. Aber ich hoffte immer, dass sie keinen Freund hat, weil sie noch eine Jungfrau ist.“

Oh mein Gott! Jungfrau-Blut der eigenen Gefährtin? Grün, sie werden alle grün vor Neid sein! Stell dir die Gesichter aller vor, wenn sie erfahren werden, dass dir diese seltene mächtige magische Ingredienz in den Schoß gefallen ist!“

„Gar nichts wird mir in den Schoß fallen. Die wahre Gefährtin, muss ihr Blut freiwillig schenken!“

Schätzchen, du musst es nur mit etwas Geschick angehen. Du hast den ersten Schritt getan, und jetzt bist du dir klar darüber, was du willst, du verbirgst es nicht mehr hinter deinen Zweifeln. Als nächstes musst du nun versuchen herauszufinden, warum sie sich dir gegenüber gleichgültig verhält. Du bekommst eine Aufgabe: Heute Abend machst es dir Zuhause bequem, bringst dich in meditative Stimmung und versuchst dich dann an alles erinnern, was bei eure erste Begegnung geschah. Ruf dir aus der Gedächtnis alle Details auf und analysiere sie. Irgendwo wird sicherlich ein versteckter Hinweis auftauchen, der das Geheimnis ihres Desinteresses lüften wird. Dies bringt dich wieder einen Schritt weiter. Vielleicht findest du so auch dein verschollenes Erdbeben-Erlebnis, das womöglich stattfand, und du es durch einen unglücklichen Zufall nicht erkannt hast. Und Punkt 2 - gleich morgen früh kommst hierher. Ich mache die komplette Palette aller Tests, um ganz sicher zu sein."

„Werde ich machen, ich rufe dich morgen vorher an. Und danke, Cass.“

Dann bis morgen, Kandomere, und vergiss nicht - führe die Retrospektion sorgfältig aus.“

 

 

Kandomere steckte sein Handy wieder ein, und schaltete seinen Computer ein. Dann rief eine entsprechende Datenbank auf und gab Schicksal-Bindung ein, und Elfen - Menschen. Er wird diese alle gemischte Beziehungen analysieren. Wenn es welche gibt. Er kannte auch keine, nur Sex-Beziehungen. Die gab es häufig, damit hatte er genug Erfahrung.

Aber das mit Kira war etwas anderes. Etwas einzigartiges, heiliges, was es mit den anderen schmuddel-Affären nicht mal verglichen sein dürfte. Er zog wieder ihr Schal aus seinem Platz hinter der Weste, roch an dem Chiffon Stoff und legte ihn neben dem Laptop.

Ja, er akzeptierte es jetzt. Er akzeptierte, was er sich nicht gestehen wollte, wogegen er sich die ganze Zeit wehrte - dass er Kira liebte, sie mächtig stark liebte.

Er musste sich endlich gestehen, dass er sie als seine wahre Schicksal-Gefährtin erkannte.

 

 

Der Aufzug klimperte wieder. Das wird Billy sein mit dem Espresso. Kandomeres Blick fiel auf die Wakizashis, die immer noch auf dem Boden rumlagen – er räumt sie lieber sofort auf, bevor jemand drüber stolpert und den Fuss verliert. Er antwortete auf das Tür-Geklopfe. Der Barista trat mit dem Espresso ein – und plötzlich zuckte er zusammen, und dann blieb wie angewurzelt stehen.

Verdammt nochmal, er hat den ganzen Tag mit den blöden Pannen überstanden, und jetzt am Endziel hat er versagt, total versagt. Kandomere hat ihn durchschaut, bewaffnet wartete auf ihn bereits. Ihm lief ein kalter Schweiß den Rücken runter. Dieser verhasste blauhaarige Elf, der berüchtigte kaltblütige Killer, stand da, umhüllt von seiner verfickten eiskalten Eleganz, in jeder Hand ein von diesen japanischen Kurzschwerter, und war begierig darauf, ihn auf der Stelle zu erledigen.

Er würde sich gegen diese Bestie wenigstens verteidigen versuchen, aber womit, mit dem Tablett und einer Mini-Espressotasse? Wo ist ihm bloß der Fehler unterlaufen. Er war doch vorbereitet. Billys Leben als Barista bei MTF hat er gründlich einstudiert und alles sauber durchgeplant, als er heute früh schließlich Billys Körper übernahm.

 

'Grig, meine Tarnung ist aufgeflogen.' Kevan in Barista Billys Körper hat sich verbunden mit seinem Komplizen durch den vorbereiteten Runen-Kanal.

'Direkte Konfrontation?'

'Er steht mir gegenüber - mit seinen Scheiß-Wakizashis in den Händen.'

'Verdammter Mist. Tu trotzdem weiter als wärst du der dumme Billy, und versuche am Leben bleiben, ich bereite den Notfall Fern-Austausch vor.'

'Zähl mal die letzten 15 Sekunden ab, wenn es soweit ist..'

'Zögere seinen Angriff hinaus, Kevan, improvisiere, 60 Sekunden können verdammt lang sein.'

'Weiß ich...'

 

 

„Hübsche Dinge, Sir, ein echter antiker Edo-Tamahagane, nehme ich an?“ Kevan war ein miserabler Barista, aber ein guter Schauspieler. Oder doch nicht, Grigs Ansicht nach, denn prompt merkte er an: 'Kevan, was soll der Quatsch, denkst du dass dieser Dussel Billy erkennt einen antiken Tamahagane aus Edo?!'  Kevan schluckte, kann er die Pannen nicht loswerden?

„Ah, du kennst dich mit Waffen aus?“ Billy ist also ein Waffenliebhaber, das hätte Kandomere nicht erwartet. „Die Qualität ist zwar veraltet, denn die Schwerter wirklich sehr alt sind, aber für die Enthauptung würde es noch heute ausreichen.“

 

Klar, er droht ihm jetzt mit einer Enthauptung. Zusätzlich zu seiner Angst wurde Kevan wütend - ja, du musst es wissen, wofür deine Waffen gut sind, du sadistischer Bastard. Genau wie es auch mein Bruder erfuhr, der von dir geköpft wurde, womöglich mit genau diesen alten Wakizashis. Es erschütterte ihn, aber sofort hat er sich wieder gefasst. Diese Bestie würde den Hass an ihm riechen. Zum Glück hat Kandomere gar nichts bemerkt. Und überhaupt schien er etwas lahm zu sein, als würde er von seinem Scharfsinn kein Gebrauch machen können. Lag es etwa an einer post-sexueller Müdigkeit? Kevan spürte es nur ganz schwach durch seine elbische Seelen-Matrice, denn der menschliche Geruchssinn war nicht gut entwickelt, konnte aber identifizieren, dass Kandomere hier soeben einen blutigen Sex hatte. Nichts gegen Bisse, aber das hier schien etwas heftig zu sein. Natürlich, diese blauhaarige Bestie ist auch noch in sexueller Hinsicht pervers. Wie denn sonst.

Die perverse blauhaarige Bestie ging inzwischen gemütlichen Schritts zu der Marmorsäule an der Zentral-Wand seines Büros, und setzte die Waffen dort zurück in die Schwert-Halter. Was...?

Kevan schaute ihn an, Kandomere verhielt sich wirklich ganz friedlich. Hat er sich geirrt, als er dachte, dass er von ihm entlarvt wurde? So ist es.. Er nutzte die Entfernung zwischen ihnen – zu nah wollte er ihm trotzdem nicht kommen - und stellte schnell den Espresso ab auf Kandomeres Schreibtisch neben irgendeinem Knäuel rotbraunes Stoffes.

 

'Grig, Abbruch. Ich setze die Aktion fort.'

'Bist sicher?'

'Ich denke schon.'

'Dann bin wieder raus. Beeil dich, Kevan.'

 

Kandomere konnte durchaus die Sekunden von Billys Wut riechen. Genau so wie auch seine vorherige Furcht. Aber warum sollte der Barista beim Servieren von Kaffee solch ein dramatisches Durcheinander empfinden? Großartig, er halluziniert wieder. Resigniert kehrte er zurück zu seinem Computer.

In geklautem Billys Körper eilte Kevan zur Tür bevor sein Hass erneut auflodert und Kandomere dann doch etwas bemerken würde.

„Sir, ich hole das Geschirr ab in etwa 10 Minuten, wenn es recht ist.

"Ja, ist es."

 

Kevan stieg in den Fahrstuhl und fuhr hinunter. Er geriet im Büro unnötig in Panik und gefährdete die Mission. Wieder spürte er den kalten Schweiß auf seinem Rücken. Dass er sich angesichts dieses perversen Bastards für einen Moment nicht beherrschte, war ein grober Fehler. Kevan beschloss, seinem Komplizen diesen Beweis seiner Inkompetenz vorzuenthalten. Zum Glück hat alles geklappt. Alles ist perfekt. Er wischte sich mit einer Serviette über die Stirn. In 10 Minuten wird er den zweiten Teil der Mission abschließen. Dann, in Barista Billys Wohnung, ein paar Blocks entfernt, tauscht er den physischen Körper mit Billy aus, dessen Seele und Geist von Grig bewusstlos gehalten werden. Dann wird er ihm mit Hilfe von Thyrals Zaubermittel geeignete Erinnerungen an den fehlenden Tag implantieren. Billy wird morgen früh mit Erinnerungen an Kevans miserablen Arbeitstag aufwachen, als wäre er seiner, zusammen mit einem langweiligen Fernsehabend mit Bier. Absolut niemand wird herausfinden, was passiert ist, es wird keine Verdächtigen geben, Grigs und Kevans Spuren werden unentdeckt bleiben. Es war ein guter Plan.

 

Kandomere wandte sich wieder der FBI-Datenbank der elbisch-menschlichen Partner-Bindungen zu, die Suche ergab erstaunlich viele Treffer. Zu viele. Er seufzte, war ja klar. Als 'Partnerbindung' bezeichnet, waren hier gewöhnliche Sex-Beziehungen gemeint. Logisch, aus der Sicht den menschlichen Bearbeiter, die diese Daten eingetragen haben, war sogar reine Vergnügen-Affäre eine Beziehung oder eben Partnerbindung, sie differenzierten nicht, könnten gar nicht. Die Menschen wussten zwar, dass es bei den Elfen ab einem gewissen Punkt eine ernstzunehmenden Beziehungen gab, es war für sie aber kein signifikanter Begriff, weil sie es bei den Elfen kaum erkennen könnten. Sie sahen weder die Nacken-Markierungen, noch rochen dessen offizielle Statements, nahmen diese, für Elfen offensichtliche Anzeichen nicht wahr, es fehlte es ihnen bei der elbischer Schicksal-Bestimmung an Symbolen wie ein Ehering oder Heiratsurkunde. Und die Elfen spürten keinen Bedarf, etwas zu erklären, oder für die untergeordnete Rasse etwas erkennbar zu machen.

Es hatte keinen Sinn, diese Tausenden von Einträgen anfangen durchzulesen, er wird damit am Montag einen elbischen Mitarbeiter beauftragen es durchzusuchen. Er griff nach dem Espresso, einmal probierte, und dann trank es in einem Schluck. Ihr Cafe-Bar hatte die Luxus-Misch-Sorte von Kaffeebohnen, hervorragend, aber, schmeckte er da gerade nicht etwas anderes heraus, wie einen leichten Anflug einer Kräuter-Beimischung die da nicht hineingehörte? Es war ein seltener Geruch, aber er kannte es, konnte sich aber nicht genau erinnern was es war. Wird wohl die modische Probiersorte, die derzeit in mehreren Läden zu finden ist. Warum nicht. Er wird jedoch Billy anweisen ihm ab dem nächsten mal wieder lieber den klassischen zubereiten.

Kandomere machte seinen Computer aus, schaute auf die Uhr – er wird jetzt in sein Lieblingsrestaurant zum Abendessen gehen. Er ist aufgestanden. Auf Billy muss er nicht warten, sein Büro wird nicht geschlossen, der Barista holt sich das Geschirr selbst wie immer. Kandomere will sich heute beeilen, er hat noch was zu tun, Cassians meditative Aufgabe - über Kira nachzudenken. Offiziell vom Arzt angeordnet. Nichts lieber als das - den ganzen Abend und die ganze Nacht, mit ihrem Schal auf seinem Gesicht, wird er Cassians Anweisung befolgen. Kandomere nahm vom Tisch den Schal - noch bevor er ihn wieder hinter der Weste verstecken werde, möchte er sich noch einen Moment diesem traumhaften Duft ergeben.

Es war so befreiend sich der Wahrheit zu stellen - er konnte aufhören diese starke Emotion in die Ecke seiner Seele zu drängen. Sein Problem wird es nicht lösen, aber bewusst die Gefühle anzuerkennen ist der erste Schritt, Cassian hatte Recht. Dies zu unterdrücken führte ja ohnehin zu keiner Lösung. Seine Liebe zu Kira darf ihn jetzt ganz durchfluten - er ergab sich sofort dieser Hochstimmung - das Gefühl war unbeschreiblich. Wie würde sich wohl anfühlen wenn er es auch noch ausleben dürfte, mit ihr... und plötzlich wurde ihm schwindlig, stark schwindlig, er musste sich an dem Tisch abstützen, er sah nur schwarz vor ihm, und dann wusste er es. Mitternachtsraute. Das war das Kraut, an das er sich vorhin nicht erinnern könnte. Und augenblicklich ergab alles einen Sinn, er sah es nur nicht rechtzeitig, weil er beeinträchtigt war durch persönliche Angelegenheiten, er ignorierte die Warnungen seines exzellent entwickelten Instinktes. Das seltene wertvolle Kraut, das nur für hohe Zauber benutzt wurde, Billys unerwartet professionelle Waffen-Kenntnis, besser gesagt jemandes, der sich offensichtlich als der einfache Billy tarnte, und dessen starke negative Emotionen, dieser kurze Hass, der gegen Kandomere gerichtet wurde. Das Schwindelgefühl wurde noch stärker, und dann spürte er einen heftigen implodierenden Sog in seinem Inneren. Er bekam Krämpfe, Kiras Schal fiel ihm aus der Hand. Mit aller Kraft versuchte Kandomere bei Bewusstsein zu bleiben, aber er wusste es jetzt – so fühlen sich die letzten Augenblicke, bevor er in das Jenseits hinübergehen wird. Und nur eines tat ihm leid – dass er nicht mit Kiras Schal in den Händen sterben durfte.

 

 

 

Chapter Text

 

„Ja, er ist noch da, Doktor Kira, in seinem Büro leuchtet es noch.“

Der Sicherheitsmann hinter dem MTF-Empfangspult legte beiseite sein Thunfisch-Sandwich, das er sich gerade in der Kaffee-Bar nur noch zum halben Preis kaufte, und schaute Kira mit strahlendem Gesicht an. Oder besser gesagt - ihr hinter her. Sie wartete seine Antwort nicht stillstehend ab, sondern sie lief bereits eilig zum Aufzug. Diese junge Ärztin, für ihn das schönste Geschöpf der Welt, hat mit ihm eben persönlich geredet - er wird diese Nachtschicht in Fantasien schwelgen. Er spähte kurz zu seinem Kollegen neben ihm. Auch er beobachtete genüsslich die Ärztin in ihrer Freizeit-Bekleidung. Heute dürften sie sie also in diesem kurzen Kleid und mit einer bezaubernden Frisur bewundern. Ihre Haare waren so schön gestylt, es war wie ein Mix aus ihrer üblichen Arbeitsfrisur und freien Pferdeschwanz-Haarsträhnen. Wunderschön. Er wusste auch nicht wie er das bezeichnen könnte – vielleicht als ein Prinzessinnen-Haarstyle? Exakt. Ab jetzt wird er Doktor Kira heimlich eine Prinzessin nennen.
Bereits als er zur Arbeit kam, und er sie nach Hause gehen sah, war er von diesem ihren Freizeit-Look angetan. Schade dass sie nicht öfters kurze Röcke getragen hat, etwas wie dieses Kleid, dachte er. Das trägt sie aber wohl nur für jemanden, den sie besonders mag. Er beneidete diesen glücklichen Mann, der mit Doktor Kira ausgehen darf. Ob er ein Elf ist..? Bestimmt. Und ob dieser Elf ihr auch dieses rostbraune Kleid ausziehen dürfen wird?
Sie ging schnell zu den Aufzügen, und dabei hüpften diese lange Haarlocken, der Stoff ihres Minikleids schmiegte sich um ihre Hüften, und verdeutlichte ihre sehr schmale Taille. Das, zusammen mit ihrem Parfum und lieblicher Stimme hat jetzt seinen Tribut gefordert – der Sicherheitsmann war jetzt etwas erregt.
Am besten würde er sich gleich in einer den Klo-Kabinen des Drucks entledigen, aber wie er selbst gerade sagte, er war noch da. Und er, der Chefagent Kandomere, wird auch irgendwann nach Hause gehen, mit bisschen Pech kommt er an dem Empfangspult zu nah vorbei, und würde es an ihm mit seinem hervorragenden elbischen Geruch-Sinn riechen, dass er eben bei der Arbeit masturbierte. Bestimmt würde er dann seinen Wachmann-Job verlieren. Er seufzte, nahm wieder sein Thunfisch-Sandwich, biss hinein und wechselte zur medizinischen Etage auf dem Bildschirm, um zumindest den Schritten der Ärztin durch das Gebäude zu folgen.

Kira musste sich beeilen. Nach dem sie beim Empfang-Theke dem Sicherheitsdienst Bescheid sagte, dass sie nochmal in ihre Abteilung, sowie auch nach oben in Kandomeres Büro zurückkehren müsse, weil sie dort etwas zurückgelassen hatte, entschied sie sich zuerst für den einfacheren Teil und ging in die Labore. Da, wie erwartet, lag der kleine Schlüsselbund auf ihrem Tisch. Sie war nach der Arbeit zerstreut, durch die bedauerlich ausgehende Besprechung mit dem Chef, und dem darauffolgendem Roses Verhör, und als sie ihre Schublade schloss, und sie dann von Rose gestylt wurde, ließ sie die Schlüssel unglücklicherweise dort liegen. Aber sie wollte, nein, sie musste den Schlüssel jetzt zurückholen, sie muss nachher nach Hause gehen, wie in jeder Freitagnacht. An diesem Tag kann sie nicht übernachten in der Wohnung ihrer Eltern. Auch wenn sie es sich sehnlichst wünschten, wieder mit ihrer Tochter in einer vertraute Familiäre Stimmung am Samstagmorgen zu frühstücken. Sie schnappte sich die Schlüssel und ging im schnellen Tempo zurück zum Aufzug.

Jetzt erwartet sie das unangenehme Teil, sie muss ihren Schal holen, der noch in Kandomeres Büro herumliegt, oder da irgendwo sichtbar aufgehängt ist, damit sie es findet, falls sie zurückkommt. Zuerst Kira hoffte, dass ihr Chef inzwischen gegangen wäre, und weil die Büroräume nicht verschlossen waren, hätte sie den Schal problemlos holen können. Denn den Chef heute nochmal zu sehen wollte sie nicht unbedingt, nicht nach dem, was vorher geschah. Der Sicherheitsmann meinte jedoch, dass Kandomere noch da ist. Na gut, sie hat kein Glück.

Sie fürchtete sich ehrlich gesagt etwas vor erneuter Begegnung mit ihm, irgendetwas ist an diesem Abend mit ihrem Chef passiert, seit dem fühlte sie sich in seiner Nähe nicht besonders sicher. Jetzt ist nicht mal sein Sekretär da, und die Überwachungskameras waren überall, außer in den Büros im obersten Stockwerk. Sie wird also in seinem Büro mit ihm jetzt alleine sein.

Aber sie musste wegen des Schlüssels zu MTF zurück, und als sie dort war, konnte sie auch ihren Schal abholen, es war die einfachste und schnellste Lösung ihres Kleidungsproblems, wie sie nach der erfolglosen Suche in den Mode-Häuser die Erfahrung machte. Oder eher sie musste es holen, denn für nochmaliges Shoppen blieb ihr sowieso keine Zeit mehr.
Die Erfüllung von Papas Traum, eines Tages einen erwachsenen Erben offiziell der Welt präsentieren zu können, auf den er stolz sein kann - der ihn selbstverständlich nicht mit unpassender Bekleidung blamieren wird, ist in diesem Moment ihr oberster Ziel. Diese bedeutenden Einführungen der Nachkommen wurden zusammen mit dem Zehnten arrangiert, wie die elbischen Geburtstage genannt werden, da sie nach dem dreißigsten Jahrestag nur noch alle zehn Jahre gefeiert werden. Beim Papas letzten war Kira 15, bei Mamas Zehnten 16. Diesmal ist sie in dem erwachsenen Alter, es ist für ihre Eltern die wichtigste Sache überhaupt. Es ist daher klar, dass eine Unannehmlichkeit, wie das erneute Betreten von Kandomeres Büro um das unverzichtbare Kleidungsstück holen, ist zu einem unbedeutenden Detail geworden, das sie bereitwillig für ihre liebevolle Familie tun wird. Für ihre Eltern würde sie schließlich sogar in eine Löwengrube gehen. Also schafft sie auch eine halbe Minute mit Kandomere allein zu bleiben. Auch wenn sie gerade jetzt lieber den Löwen als ihren Chef bevorzugen würde.

Kira kam mit dem Aufzug in die sechste Etage an. Bedauerlicherweise war Kandomere offensichtlich tatsächlich noch da, wie das Licht verriet, das spärlich durch die Rolladen-Spalten den dunkleren Vorraum beleuchtete. Sie atmete einmal tief ein und aus. Sie wird reingehen, ihm kurz den Grund ihrer Rückkehr nennen, dabei konzentriert den Schal schnell suchen, finden, mitnehmen und sofort wieder gehen, bevor Kandomere überhaupt reagieren schafft. Sie klopfte auf die Glasscheibe. Dann nochmal, aber Kandomere antwortete nicht. Kira hatte keine Zeit, sie öffnete die Tür und tritt ein. Ihr Chef war nicht da. Er könnte aber nicht weit sein, auf dem Chefsessel war immer noch sein Jackett. Also war er womöglich neben in seinem Privatraum. Sie überlegte - wenn sie schnell handelt, und den Schal findet bevor er wieder kommt, vermeidet sie die Begegnung mit ihm. Rasch überschaute sie also das geräumige Büro. An der Stelle, wo sie die Bericht-Seiten sammelte, war er jedenfalls nicht. Der Schal hing weder auf dem kunstvollen Kleiderständer, noch über irgendeine Stuhllehne oder einem Sessel. Sie ging paar Schritte, um hinter die Ecke zu schauen in den Konferenz-Teil. Nichts da. Wo könnte es sein... Sie ging zum Kandomeres Schreibtisch zurück - und dann sah sie es, seitlich auf dem Boden da herausschaute ein rostbrauner kleiner Stück Seide. Gott sei dank, es ist also hinter seinem Schreibtisch, wie auch immer es dahin kam. Schnell ging sie umher, da lag tatsächlich der unglückliche Schal – sie beugte sich, griff danach, dann erstarrte sie, und in der nächsten Sekunde schrie erschrocken auf.

Sofort jedoch schämte sie sich für ihr Aufschrei. Fürchtete sie sich denn vor ihrem Chef so sehr, dass sie sich vor einer kleinen blauhaarigen Puppe in blauem Anzug, und die halb in ihrem Schal eingehüllt da lag, erschrecken könnte? Kira schaute sich die kleine Figur genauer an. Überrascht konnte sie erkennen, dass es sogar ganz detailliert genau wie ihr Chef aussah. Es war eine erstaunlich realistisch ausgearbeitete Miniatur ihres Elfen-Chefs, nur so groß wie ihre Hand. Es musste ein Werk eines wahren Meisters sein. Die Feinheit der Kleidung, den Mini-Händchen, spitzen kleinen Ohrchen, und Gesichtszügen war bemerkenswert. Die Augen waren geschlossen und um die Nase war etwas von rotem Farbstoff geschmiert, der aus irgendeinem Grund wohl Blut darstellen sollte. War diese Figur ein Geschenk von jemand? Oder hat es Ihr Chef selbst bestellt? Wieso sollte er es tun sollen und warum liegt es jetzt ausgerechnet hier auf ihrem Schal am Boden ? Wirklich seltsam.. Kira pikte die Figur mit dem Finger – sie war fest aber elastisch, wie ein echtes Fleisch-Körper. Könnte es eine tote Fee sein? Eine, die bis ins Detail exakt wie ihr Elfen-Boss aussieht und die eine Vorliebe für dunkelblaue Anzüge, weinrote Ascot-Krawatten und silbrigen Schmuck hatte? Also keine Fee. Nochmal drückte sie mit dem Finger die Puppe leicht am Bauch. Der Arm diesen winzigen Kandomere rutschte bei der Berührung zur Seite, und blieb kraftlos über dem Seidenstoff hängen - darf ein künstliches Material eigentlich so echt und verletzlich aussehen?...und exakt so blendend gutaussehend sein wie er... Sie wurde etwas rot bei dem Gedanken, aber egal, sie muss gerade nichts verstecken, ist doch niemand da, kein Elf ist hier, der riechen könnte die Tatsache, dass sich Kira durchaus des überdurchschnittlichen Aussehens ihres Chefs bewusst war.
Verzaubert von diesem perfekten Kunstwerk nahm sie jetzt vorsichtig die Puppe in die Hand um es sich näher anzuschauen, als sich plötzlich diese Puppe spürbar in ihrer Hand bewegte. Es war nichts zu hören, aber ihre Mimik sah so aus, als würde sie stöhnen.

Grundgütiger...!“jetzt schrie Kira wirklich laut auf und ließ die Puppe vom Schreck fallen. Dieser Mini-Elf lebt! Oder zumindest hatte er, bevor er ihr aus der Hand fiel. O.k., er landete wenigstens weich wieder auf ihren zerknüllten Schal auf dem Teppich. Sie hob den Kleinen schnell und behutsam auf, um zu überprüfen ob er Lebenszeichen aufweist. Es schien so. Er bewegte sich wieder, und dann öffnete er seine Augen – gleich machte er einen höchst schockierten Gesichtsausdruck. Und in dem nächsten Augenblick biss er sie auch schon in ihren Daumen, den sie um ihn gewickelt hatte um ihn diesmal besser festzuhalten.
„Autsch!“ es war ganz schön schmerzhaft, von diesen kleinen scharfen Zähnchen gebissen zu werden. Der Schmerz wurde allerdings plötzlich von einer anderen, stärkeren Empfindung übertönt.
Sie nahm eine Seelen-Verbindung wahr.
Es war ihre erste, kurze, aber vollständige Seelenbindung. Sie spürte, dass sie mit Kandomere auf der Seelen-Ebene verbunden war, sie fühlte ihn, seine Verwirrung, Wut, und die Furcht, dass er etwas wichtiges verlieren könnte. Es war was sich auf der Oberfläche befand, und es ihr als erstes auffiel, es gab aber noch viele andere Gefühle tiefer dahinter. Aber sie dürfte nicht die Zeit verlieren damit, in seiner Seele zu trödeln, sie musste sofort ihre eigenen Seelengefühle verbergen.
Und dann sah sie mit seinen Augen. Sie sah sich selbst, und aus dem Standpunkt dieses kleinen Geschöpfes. Jetzt wurde sie ihrer Vermutung gewiss. Diese lebendige winzige Kopie ihres Chefs war kein anderer als ihr Chef selbst.

Sie fühlte eine gegenseitige Verbindung, und dass auch er sich gerade durch ihre Augen sah und spürte zumindest ihre Überraschung und Verwirrung, denn sie schaffte nur die Emotionen abschirmen, die unbedingt geheim bleiben sollten. Dann die seelische Übertragung endete.

Kira wusste nicht, worauf sie zuerst reagieren oder aufpassen muss. Gerade hat sie erlebt diese berüchtigte Seelen-Bindung. Eine sehr klare, mit ihrem winzigen Chef. Sie muss aber weitere solche Seelen-Bindungen vermeiden! Und was ist hier überhaupt passiert, warum ist er so klein geworden?! Fragen häuften sich. Auf jeden Fall ließ die Verwirrung, die sie bei ihm verspürte, darauf schließen, dass diese Verhexung von ihm weder erwartet, noch gewollt war.

Vorsichtig setzte Kira ihren Chef auf den Tisch ab. Der Mini-Kandomere schien zu keuchen. Sein Blick wanderte von Kira zu der Umgebung, zurück zu ihr, dann zu den Gegenständen auf dem Tisch. Er holte seine winzige Taschenuhr hervor, schaute auf die Uhrzeit und dann erneut zu Kira.. Dann sank er auf die Knie. Ging es ihm nicht gut, oder fühlte er sich niedergeschlagen? Wohl beides.

Kira war sich nicht sicher, was sie jetzt am besten tun sollte, was genau kann sie für ihren Chef tun? Soll sie ihn einfach hier lassen und jemanden rufen? Er wurde offensichtlich ein Opfer der hohen Zauberei. Was ist normalerweise zu tun in solchen Fällen? Den leitenden Agent des Magic Task Force benachrichtigen? Makaber überflüssig, er wurde schon benachrichtigt. Sie erinnerte sich jetzt allerdings wieder, dass sie trotzdem unbedingt weg muss, und dass das Taxi wartet. Sie wird also gehen, und es unten beim Empfang dem Sicherheitsdienst melden, sie werden sich um ihn, und alles nötige weiter kümmern. Sie hob jetzt ihr Schal auf, hing sich ihn um den Hals um - und plötzlich sprang ihr Mini-Chef auf, zog an dem Seiden-Stoff, und wollte sie nicht mehr loslassen. Dabei versuchte er offensichtlich etwas zu sagen, sie konnte ihn aber nicht hören. Er wollte sie damit wohl aufhalten, weil er Angst hatte allein zu bleiben. Kira wunderte es nicht, sie sollte ihn sofort beruhigen.

„Sir..., ich würde ihren Anweisungen folgen, soweit ich sie auch hören könnte, was leider nicht der Fall ist, allerdings habe ich auch etwas sehr wichtiges zu tun, in einer privaten Angelegenheit. Mein Vorschlag wäre - ich werde nach unten gehen, und den Sicherheitsmännern mitzuteilen was passiert ist. Ich werde sie hierher schicken. Die Wachen werden auf jeden Fall in der Lage sein, sich um Sie vorläufig kümmern können, sowie unsere zuständige Fachkräfte informieren.“
Sie versuchte ihm dabei ihr Schal auf sanfte Weise aus seinen Mini-Händen zu ziehen, er war aber erstaunlich kräftig. Natürlich, ein Elf dürfte verhältnismäßig auch als Miniatur-Ausgabe extrem stark sein. Aber, so stark? Sie zog noch kräftiger, er ebenso, er war geerdet wie ein Stein, und so wirkte ihrer Kraft entgegen. Er hatte bestimmt schreckliche Angst davor, zurückgelassen zu werden, also entwickelte er eine solche Stärke. Er wollte sie nicht mal gehen lassen, damit sie eine Hilfe holt. Plötzlich stoppte er mit einem gehobenen Mini-Händchen dieses ausgeglichene Kräftemessen.
Er zog etwas aus seiner Tasche. Sein Handy? Oh, aber das ist perfekt, es wurde zusammen mit ihm verkleinert, es ist somit eine funktionstüchtige Miniatur, die in ihren Parametern seine Stimme normal registriert und durch den Ether hörbar am anderen Ende wiedergibt. Er kann sich also selbstständig kompetente Hilfe organisieren. Ihr Chef hatte jedoch vor, etwas anderes zu tun als telefonieren, er hantierte kurz damit, und steckte es in die Brusttasche seiner Weste - und dann hörte sie ihn sehr deutlich. Natürlich - eine solche Lautsprechfunktion war das geringste, was ein speziell entwickeltes Handy eines hochrangigen Agenten drauf hatte.

„Doktor Kira, ich stehe etwas unter Zeitdruck, also werde ich mich kurzfassen. Ich kann dir deinen Schal nicht zurückgeben, aber ich werde dir ihn rückvergüten, nenne mir den Preis, egal wie hoch er sein sollte.“

Gott, er meint es ernst?! In dieser Situation hat er kein anderes Problem? Also wollte er sie nicht aufhalten, sondern er wollte nur den Schal. Na ja, hätte sie sich doch gleich denken können, dass dieser arrogante selbstbewusste Elf sich niemals verängstigt verhalten würde. Oder um Schutz betteln hätte. Nicht mal in der größten Not. Aber wozu braucht er dieses Kleidungsstück?
Wie dem auch sei, wenn dieser Abend vorbei ist, wird sie ihm dieses ärgerliche Ding mit Freude schenken.


Oder hat er durch diesen Zauber einen Hirnschaden erlitten, und ist er nicht beim klaren Verstand? Also bei der Verbindung spürte sie jedenfalls keine solche ernsthafte Störung des Nervensystems.

„Sir, nach heutigem Abend gehört der Schal Ihnen, aber sind Sie sicher, dass es in diesem Moment ihre wichtigste Sorge ist?“ Er war in der Tat so groß wie ihre Hand.

„Selbstverständlich nicht, das sieht man ja. Du musst sofort handeln.“

„Ja, natürlich tue ich das, Sir.“ Gut, er hat es eingesehen und ihren Vorschlag akzeptiert. Er wartet hier, und sie wird den Sicherheitsdienst hierher schicken, sowie auch gleich einordnen, dass sie den Bereitschaft-Arzt sofort anrufen. Er soll kommen und ihren Chef untersuchen.

„Hervorragend, dann gehen wir. Du wirst meinen Wagen nehmen.“

Wie? Ignoriert er irgendwie absichtlich sein Problem?

„Sir...“

Er unterbrach sie:

„Dann werde mich deutlicher ausdrücken. Wir müssen zusammen das Hauptgebäude verlassen." Er schaute auf die Uhr: "Und zwar jetzt sofort. Nimm aus meiner Jackett-Tasche die Schlüssel. Beeil dich.“

Irgendwie schien er doch zu wissen was er tut. Gut, sie wird seinem Wunsch folgen.

„Draußen wartet ein Taxi, wenn es recht ist.“ Sie nahm seine Schlüssel die sie in dem Jackett fand, und steckte sie in ihre Handtasche.

„Ausgezeichnet, und jetzt schnell weg von hier, aber unauffällig, ich weiß nicht ob ich allen Wachmännern trauen kann. Wenn du rausgehst, lass es so aussehen als wäre ich noch im Büro. Du musst auch überzeugend ruhig zu wirken. Schaffst du es nicht, sind wir möglicherweise beide bald in einer Lebensgefahr.“

Gott, nimmt es jetzt auch noch richtig bedrohliche Züge an? Es wäre wohl wirklich vom Vorteil schnell und exakt befolgen, was er verlangt. Aber jetzt muss sie ihn irgendwie mitnehmen - soll sie ihn einfach packen, oder ihm nur die Hand geben, damit er aufspringen kann? Und wo soll sie ihn verstecken? Aber für solche Überlegungen blieb keine Zeit. Also nahm sie ihren Chef einfach schnell in die Hand, und setzte ihn in ihre Handtasche. Das Licht im Büro ließ sie leuchten, sie ging zügig hinaus. Dann machte sie die Tür hinter ihr zu, wissend, dass den Vorraum die Wachen auf dem Bildschirm beobachten könnten. Unterwegs vergewisserte sie sich, ob sie ihren Schal wirklich anhat. Ja, sie hatte diesen ärgerlichen Schal an.
Kurz später war sie bereits in dem Taxi, hielt fest ihre Handtasche in der ihr Boss saß, und fuhr sie zu ihrer Familien-Feier.
Kira hatte kaum Zeit sich ihre Gedanken zu ordnen oder weitere Schritte überlegen, sie konnte sich nicht einmal für einen Moment entspannen, denn jetzt hörte sie das summen ihres Handys. Automatisch griff sie in die Tasche und erfasste etwas Stoff-weiches. Ah, ja. Weiche Auswahl wäre entweder ihr Boss oder das wieder raus gefallenes Höschen. Bereits getragenes Höschen, das sie den ganzen Tag anhatte, neben ihrem Elfen-Chef mit perfektem Geruchssinn. Trotz ihren feinen Manieren hätte sie aber jetzt Lust zu schnauben – nein, diese peinliche Situation in ihrer Handtasche ist nicht schlimmer als sein Finger in ihrem Mund und schon gar nicht als die Information über die tödliche Gefahr, der sie vielleicht noch ausgesetzt war. Sie entschied sich ignorieren die Gedanken an Kandomeres enge Nachbarschaft zu ihrer schmutzigen Unterwäsche. Sie schaute in die Handtasche, das Wäschestück befand sich immer noch in der Schachtel. Kandomere saß drauf, seinen Mini-Mobiltelefon hatte er in der Hand. Er sah zu ihr auf. Ist es derjenige der sie anruft? Irgendwie wäre es praktisch. So könnten sie sich in Anwesenheit des Taxifahrers, sowie unauffällig vor anderen verständigen. Sie schaute auf ihr Handy, ja, das ist er.

„Kira, hat dich eben irgendjemand außer dem Sicherheitsdienst gesehen? Vielleicht ein Fremder oder unser Barista ?“

„Nicht das ich davon wüsste.“ Oh, was hat denn Billy damit zu tun? Ist er selbst diese Gefahr?! Wenn sie so nachdenkt, er war heute ungewöhnlich ungeschickt und unsicher bei dem was er tat. War er irgendwie verhext? Auf Kandomeres Tisch stand eben eine leere Espresso-Tasse. Und dieses Zaubermittel musste dem Chef doch irgendwie zugeführt werden. Kira könnte gut schlussfolgern.

„Gut. Wohin fahren wir?“

„Zu einer Zehnte-Feier, Hotel Astorion.“

„Wer feiert denn, ein guter Freund?“

„Mein Vater.“

Ihr Vater? Nicht zu fassen. Nicht nur dass er unvorsichtig geworden ist, jetzt benimmt er sich so als wäre er hirnlos. Werden alle Elfen etwa immer so dämlich, wenn sie ihre Schicksal-Gefährten kennenlernen? Er hat doch aus den Daten mitbekommen, als er sich über ihre familiäre Verhältnisse informierte, dass ihre Adoptiv-Eltern sich schon in der Alterungsphase befanden, und dieses Jahr, kurz vor Kiras Geburtstag, ihr Vater den Zehnten feiern wird. Kandomere ging aber selbstverständlich und misstrauisch davon aus, dass sie sich heute für einen Freund so fein gemacht hatte, als gäbe es keine Alternative.
Aber - auf der andere Seite, es gibt fast immer einen triftigen Grund zu einer berechtigten Eifersucht. Und seine Kira wird in ein paar Minuten direkt zum bewundern ausgestellt, vor hunderten Elfen. Mit ihrer außergewöhnlichen Schönheit, ihrem aufregenden Körper und dem Duft ihrer Jungfräulichkeit. Kandomere war überzeugt, alle ungebundene, männliche Elfen-Gästen würden gerne versuchen sie zu verführen.
Die Eifersucht rüttelte wörtlich mit ihm, er glaubte wieder zu spüren eine erneute Veränderung seinen Augen, konnte beobachten eigene Emotionen die in die tödliche Wut ausarten drohten.
Kira konnte weder die schwarze Augen, noch sein Gesichtsausdruck in dem Halbdunkeln des Taxi sehen, aber selbst wenn sie es könnte, es wäre ihm in diesem Moment egal.

„Ich verstehe.“

Kira verspürte wieder eine Furcht vor ihrem Chef. Wie schafft er das bloß, er ist doch jetzt so winzig und das macht ihn eigentlich irgendwie süß, und trotzdem war gerade seine Stimme kalt und furchterregend. Sie unterdrückte es, er muss von diesen gemischten Empfindungen nichts wissen.

„Sir, haben sie schon alarmiert unsere Mitarbeiter der magischen Sektion? Und jemanden der sie abholt? Soll ich jemanden kontaktieren oder für Sie etwas tun?“

„Ich habe die wichtigsten erreicht, und ja, du kannst etwas tun. Ich werde bei dir bleiben, bis morgen früh, dann bekommst du weitere Anweisungen.“

Kandomere entwickelte augenblicklich einen Plan. Er wird gegen diese alle Rivalen auf dieser Feier jetzt nichts ausrichten können, nein, aber er könnte sich die Stimmen und die Gerüche der schlimmsten Sünder so gut wie möglich ins Gedächtnis fest einprägen, sie später ausfindig machen und anschließend exekutieren. Ohne Zeugen. Denn er hat Kira noch nicht rechtmäßig markiert, weder als seine Schicksal-Gefährtin, noch als sein Eigentum. Die Elfen sehen auf Kiras unmarkierten Hals, dass sie noch frei ist, also hat er eigentlich kein Recht, die Annäherungs-Versuche den anderen zu bestrafen.

„Sir, ich befürchte, ich kann dieser Bitte nicht nachkommen – auf mich warten Verpflichtungen bei der Familien-Feier, und danach habe ich noch etwas anderes Privates und Wichtiges zu tun.“

„Etwas Privates, Wichtiges?“ Kandomere vergaß auf einen Schlag all die Elfen die er hinrichten plante. Er erkannte die eigentliche, wahre Gefahr. Es gibt ihn also doch, diesen einen Bastard, und mit ihm will sie heute Nacht etwas bedeutendes tun. Das kann nur heißen, dass sie plant ihre Jungfräulichkeit zu verlieren.
Er wird ihn häuten, und seinen Skalp am Gürtel tragen. Seine Stimme wurde noch eisiger:

„Doktor Kira, es ist keine Bitte, sondern ein Befehl. Da es sich um einen Notfall handelt, hat diese Situation Vorrang vor privaten Angelegenheiten. Ich habe alle Optionen in Betracht gezogen und beschlossen, dass wir vorerst bis zu meinem persönlichen Rückruf zusammen bleiben. Niemand außer dir weiß wo ich mich befinde - diesen Vorteil muss ich strategisch ausnutzen. Denn der Feind wartet sicher noch auf seine Chance.“
Genau, er wird sie überwachen, an ihr kleben bleiben, und ihre verfickte Liebesnacht sabotieren. Denn sie traut sich nicht in seiner Gegenwart sich mit diesem Bastard zu treffen, geschweige denn mit ihm intim zu werden.

„Ja, Sir...“

Kira wartete nicht weiter ab, ob ihr Chef noch etwas zu sagen hatte. Jedenfalls hatte sie nichts mehr zu sagen. Obwohl sie sich nicht erlauben dürfte, das Gespräch selbst zu beenden. Aber sie war gekränkt. Nach seinen Übergriffen, die sie nicht so schnell vergessen kann, wird sie jetzt von ihm auch noch privat beansprucht. Als ob er nicht genügend Gehilfen zur Verfügung hätte - die sich sicher kompetenter um ihn und sein Problem kümmern würden.

Sie warf ihr Handy blind zurück in die Tasche, und hoffte es würde ihn erwischen. Leider war das in der Tat der Fall, denn er trat jetzt auf die Schachtel um mit seiner Hand auf der Stirn sie vorwurfsvoll anzusehen - dann verschwand er wieder in ihrer Tasche.
„Es tut mir leid,“ flüsterte sie, „es ist mir aus der Hand ausgerutscht.“ Sie bemühte sich, gleichgültig zu klingen, um zu vermitteln, dass es gelogen war. So, Lüge oder nicht, das muss ihm reichen, sie hat von ihm immerhin keine Entschuldigung bekommen.

Jetzt wurde sie sich allerdings auch noch dieser anderen Sache bewusst. Der Sache, die geduldig im Hintergrund wartete, und jetzt endlich hervortrat. Gott, enden die heutigen Katastrophen nie? Denn - auch er hat sie jetzt gebissen, und ihr Blut in sich eingenommen. Sie und Kandomere haben es somit irgendwie unbeabsichtigt geschafft, sich gegenseitig zu markieren. Sie muss also schnellstens das tun, was sie tun kann - einen Weg finden, wenigstens diesen Biss auf ihrem Daumen vollständig entfernen, denn eine gegenseitige Markierung verstärkt die Verbindung auf der Seelen-Ebene. Das muss sie unbedingt verhindern.
Und dann stoppte das Taxi schon vor dem luxuriösen Hotel Astorion.

 


 

 Der genervte Kevan in Billys Körper verließ die MTF-Eingangshalle, und ging in Richtung des Parkplatzes, auf dem er Billys Auto abstellte. Was lief da nur falsch, warum ist es diesem Mistkerl gelungen abzuhauen? Er hat in jeder Ecke seines Büros nachgeschaut, überall wo er sich verstecken könnte, er war einfach nicht da. Er sah sich auch noch in dem privaten Nebenraum und Bad um - auch da war er nicht. Er sah da nur die vom Blut verschmierte Kleidung dieses perversen Bastards. Schließlich musste er aber das Büro verlassen, er hielt sich dort schon zu lang auf. Er konnte nicht auch noch die Schubladen und Klub-Sessel durchsuchen, es würde mehr Zeit in Anspruch nehmen, den Wachmännern könnte es verdächtigt vorkommen. Wenn jemand von denen zu misstrauisch werden würde, könnte er die Idee bekommen, Kevan in den antimagischen Raum einsperren, und aus dem würde ihn Grig nicht rausholen können. Der Körperaustausch wäre nicht durchführbar.
Er hat also die Kaffeetasse wieder mitgenommen, die er noch gründlich ausspülte. Dann schloss schnell die Kaffee-Bar und ging. Verdammt noch mal, Kandomere sollte doch klein und bewusstlos sein, wieso lag er dann nicht ohnmächtig da, der Espresso, den er vollständig ausgetrunken hat, sollte doch eine sofortige Wirkung herbeiführen. Oder liegt er doch noch unter dem Schreibtisch in einem unüberschaubaren Winkel, und er sah ihn dort nicht? Fuck, es ist jedenfalls fehlgeschlagen, absolut fehlgeschlagen. Er kehrt jetzt schnellstens zu Grig in Billys Wohnung, sie durchführen den Körperaustausch, beseitigen alle Spuren und tauchen sofort ab. Denn nicht nur dass er nicht geschafft hat Kandomere in dem vorbereiteten kleinem Stahlkästchen zu entführen, dieser perverse Mistkerl versteckt sich gerade höchstwahrscheinlich in irgendeiner Schublade, und bald läuft er als wichtiger Zeuge dieser Aktion frei herum. Kevan benachrichtigte Grig gleich schon mal über den missglückten Zustand der Dinge.

Die Aktion endete beschissen. Und trotzdem flog jetzt über Kevans Gesicht ein selbstgefälliges Grinsen. Er hat zwar für seinen Boss Thyral nicht den gewünschten Gefangenen, aber er selbst bekam dennoch die Rache für seinen Bruder. Denn dieser Zauber ist noch grausamer als alles andere, schlimmer als der Tod. Dafür haben Kevan und Grig vorneweg gesorgt. Wenn Kevan nicht mehr schafft Kandomere doch noch zu schnappen und ihn seinem Chef zu übergeben, ist die blauhaarige Bestie zwar frei, aber er bleibt für den Rest seines Lebens ein Winzling. Für immer. Kevans leichtes Grinsen verwandelte sich zu einem unverhohlenem Lacher.

„Dir wird das Lachen schon noch vergehen!“ Aus den parkenden schwarzen Vans vor dem MTF sprangen bewaffnete Männer des Spezialeinsatzkommandos, mitsamt des Agenten Montehugh - der Billy aka Kevan gleich unsanft packte, und ihm hinter seinem Rücken die Handschellen anlegte.
Kevan stieß überrascht einen Schrei aus, gleich rief er schon: „Was soll das, ich habe nichts getan!“

Eine riesige Hand pfefferte ihm prompt eine Ohrfeige, die ihm fast den Kopf wegfegte.

„Weißt du, wegen dir ist mein hoffnungsvoller Abend mit einer sexy Mieze ruiniert." Der rothaariger Riese neigte sich zum falschen Billy, und hauchte ihm mit seinem etwas alkoholisierten Atem zu: „Und sie hatte Titten, groß wie zwei Melonen, dann kannst dir ausrechnen, wie angepisst ich gerade bin... Also wer auch immer du bist, du Arschloch, ich gebe dir einen guten Rat – halte den Maul, wenn dich keiner etwas fragt.“

 

Agent Hildebrandt Ulysses Montehugh und Agent Hadrien haben sich nach der Arbeit für die erste nah gelegene Bar entschieden, die sie fanden. Mit dem Plan, heute zwei besonders reizvolle Frauen kennenzulernen, mit denen einen netten Abend verbringen, sowie es zum Abschluss in Hadriens komfortabler Wohnung auf einer privaten Party befriedigend zu Ende bringen. Egal was es kosten sollte. Und sie hatten Glück. Gerade als der Elf Hadrien dem menschlichen Kollegen seine Absicht mitteilte, sein langes hellbraunes Haar blau zu färben, weil manche Frauen offensichtlich besonders auf blauhaarige Elfen standen, kamen gleich zwei Hübschen rein.
Montehugh stürzte sich auf die Brünette mit den riesigen Brüsten, und Hadrien setzte seinen unwiderstehlichen charmanten Gesichtsausdruck ein, mit dem er am meisten Erfolge hatte, bei der anderen, der kleinen Blondine. Nach zwei Flaschen guten Rotweins waren alle vier so weit, weiter zu ziehen, diesmal in ein besseres Lokal, wo man auch etwas zu essen bekommen würde.
Und genau in diesem Augenblick bekamen beide Agenten eine Alarm-Nachricht mit kurzen Informationen und Befehlen vom ihrem Boss Kandomere. Ihre Funksignale wurden ihm angezeigt als die nächste dem Tatort - es ging um einen magischen Angriff auf den Boss selbst, in seinem eigenen Büro. Das war in der Tat eine bodenlose Frechheit, die sie besonders motivierte. Also verabschiedete sich beide rasch von den zwei enttäuschten Frauen, und fuhren los, Montehugh zum MTF, Hadrien direkt zu Barista Billys Wohnung. Unterwegs koordinierten sie sich mit dem auch schon benachrichtigten Kommandanten Hagen, der schon die Bereitschafts-Trupps zu den Einsatzorten führte. Mit Rekord-Geschwindigkeit kam der Riese Montehugh rechtzeitig zum MTF Gebäude, um den Falschen Billy festzunehmen.

 

„Beweg dich, oder ich packe dich an den Ohren und ziehe ich dich dorthin!“ Montehugh brachte den Fake-Billy zurück in die Eingangshalle, jetzt nickte er dem Kommandooffizier zu. Er soll ihm mit dem zappelnden unechten Barista helfen, ihn schnellstens in den Aufzug zu bekommen. Wenn er sich zu sehr wehren wird, werden sie ihn dann über den Korridor zu der Kammer tragen müssen. Denn der Boss hat ausdrücklich befohlen, den Verhafteten umgehend in dem antimagischen Raum im Untergeschoss einsperren.
Kevan hat allerdings auch keine Zeit vertrödelt. Er verband sich wieder mit seinem Komplizen durch den Runen-Kanal.

'Grig, ich wurde geschnappt, fang mit dem Fern-Austausch sofort an!'

'Hier dringen sie gerade auch schon in das Haus ein, also hab ich es eingeleitet. Lass dich bloß bis dahin nicht einsperren.'

'Ja, Grig, ich hab nur die menschliche Kräfte dieses doofen Billy. Aber ich tue was ich kann. Also echt, der verdammte Kandomere ist schneller als ich dachte.'

'Es dauert nicht mehr lang, Kevan, kämpfe!'

 

Montehugh schleppte zusammen mit dem Offizier den sich wehrenden Kevan durch den Korridor, und meldete sich wieder durch den Funk:

„Wie sieht es aus, Hadrien?"

„Wir müssen laufen noch eine Etage nach oben, Hagens Leute brechen dann sofort die Tür auf.“

„Hat es unser Schamane zu euch geschafft?“

„Er rennt hinter mir, und ist bereit einzuschreiten.“

„Wie viele sind es?“

„Der biothermische Indikator zeigt zwei männliche Elfen - einer von ihnen liegt auf dem Boden.. Da wird wohl der Billy im Körper des Arschlochs gefangen sein. Der Boss hatte eine richtige Vermutung als er uns her geschickt hat..“ Hadrien gab den Männern jetzt paar Anweisungen, und im Hintergrund könnte Montehugh lautes Poltern hören.

„Lass niemanden entkommen, und bring die beide schnell hierher, der Boss sagte es ist sehr wichtig.“

„Klar. Wir sind jetzt drin.“

 

Montehugh öffnete schnell den spezial-Raum, den Fake-Billy rein zu werfen, als dieser auf einmal in der Tür zusammensackte. „Spiel mir hier bloß kein Kasperl-Theater vor, du Arschloch, wenn du selbst nicht rein gehst, werde ich dich eben rein treten.“

 

„Ulysses...“

„Nein, sag es nicht, Hadrien...“

„Eine verdammte Sekunde, und wir hätten sie, das Portal schloss sich sofort hinter ihnen..“

„Also hab ich hier nur noch den schlafenden echten Billy..“

„Ich ruf dann mal den Boss an...“

„Verdammt...“

 

 

Chapter Text

 

Kandomere fühlte sich dem Wahnsinn wieder näher, er war eifersüchtig und dazu auch noch sehr durstig, aber immerhin war er vor allem erleichtert, dass es Kira weit weg aus der Nähe des Fake-Baristas geschafft hatte. Sie befand sich in dem MTF-Gebäude in einer großen Gefahr, insbesondere in seinem Büro. Kandomere war jetzt nur eine Miniatur sich selbst, er hätte sie nicht beschützen können.
Ein Gemisch aus Scham und Wut überkam ihn, als er realisierte, dass sie gerade ihn beschützte.
Er war mickrig klein, schwach und hilfebedürftig, und diese Erkenntnis versetzte ihn in einen rasenden Zustand - er keuchte vor Wut. Er wird sich an den Tätern rächen, vor allem für diese schrecklichste Erniedrigung, der er je ausgesetzt wurde.

Sein Handy summte.

 

„....“

„...ich verstehe...“

„....“

„...ich weiß.“

„....“

„Waren es Inferni?“

„....“

„O.k., habt ihr Billy?“

„....“

„Gut. Lasst ihn trotzdem noch in dem Raum, bis ihn Siwaka überprüft, dann soll er auf die medizinische Station gebracht werden, und dort gut bewacht bleiben. Informiere die Pfleger, ein elbischer Arzt soll ihn untersuchen.“

„....“

„Nein, mir geht es gut. Bin an einer Sache dran. Wir reden später, Hadrien.“

 

Kandomere beendete die Unterhaltung. Er ließ es sich nicht anmerken, aber nach dieser neuen Information fühlte er sich ziemlich deprimiert.
Die Täter sind geflohen. Verdammt. Er konnte nicht enttäuschter sein. Das schlimmste war, dass sie verschwanden mitsamt dem Wissen über das Zauber-Gegenmittel. Und er hätte so gerne beim Verhör zugeschaut, wie Hadrien diese Information aus ihnen mit seiner physischen Elfen-Kraft raus prügelt.
Die zwei Bastard-Elfen brauchen sich aber nicht freuen, entwischt zu sein. Er wird die beide früher oder später trotzdem fangen. In Billys Wohnung haben sie genug frische morphogenetische Abdrücke hinterlassen, weil sie überstürzt flüchten müssten und schafften es nicht ihre Spuren zu beseitigen. Der Schamane Siwaka wird diese Spuren in bereinigten Bergkristallen speichern - somit haben sie die Chance, die Täter später zu identifizieren. Wenn Billy aufwacht, wird er auch eine Aussage abgeben. So gesehen war die Aktion teilweise doch ein Erfolg.
Wenn er dann irgendwann die Bastarde findet, sowie diejenige, die diese möglicherweise instrumentalisierten, wird er denen seine erbarmungslose Seite offenbaren. Sie werden bitter bereuen, ihn angegriffen zu haben.

 

Als ihn Kira in die Handtasche hinein setzte und sein Büro verließ, alarmierte er augenblicklich Kommandant Hagen, und die Agenten, die er auf dem Radar seines Handys sah, die sich in der Nähe befanden, und die am schnellsten zum Ort gelangen könnten.

Es war wirklich ein ausgesprochener Glücksfall, dass er sein multifunktionales Handy in der Tasche hatte, denn der Zauber erfasste alles mit, was sich in Kandomeres unmittelbarer Aura befand, ähnliche Temperatur hatte, sowie seinen persönlichen Geruch aufwies – das sollte eine makellose Transformation gewährleisten. Somit wurde verwandelt auch alles was er anhatte, samt dem Taschen-Inhalt. Wenigstens war es hilfreich. So musste er keine Zeit verlieren mit einer Suche nach Kommunikation-Wegen. Denn wie er bemerkte, keiner konnte ihn hören.

Es war ihm schmerzlich klar dass Kira ihn gerettet hat. Wenn sie nicht in sein Büro zurückgekehrt wäre und ihn nicht fand, und er sie und ihre Berührung nicht gespürt hätte, würde er nicht rechtzeitig aufwachen.
Noch wusste er nicht warum, aber dieser als Billy getarnter Elf, wollte ihn offensichtlich entführen. Wie die Hass-Gedanken dieses Elfen andeuten ließen, könnte Kandomere später höchstwahrscheinlich spaßige Prozeduren erleben - wie zum Beispiel eine lange Folter und anschließender Tod.
Obwohl, wäre das nicht eine Lösung? Erwartet ihn denn nicht bereits das gleiche, wenn nicht gar schlimmere? Die Partner-Krankheit im Endstadium ohne die Chance auf eine Heilung sollte fürchterlich quälend sein.

Nach dem Kandomere das Bewusstsein verlor, roch er wie in einem Traum etwas Angenehmes, Vertrautes. Als er erwachte, könnte er im ersten Moment nicht realisieren was geschehen ist, träumte er, oder war er tot? Befand er sich also schon im Jenseits? Er war sich nicht sicher. Etwas hielt ihn im Griff, das erschreckte ihn. Gleichzeitig war alles um ihn plötzlich riesig, selbst die kleine Kira, die auf einmal bei ihm war. Er war stark verwirrt, und befand sich in einem Schockzustand.

Und dann verspürte er plötzlich wieder eine Seelen-Bindung mit ihr. Und dann merkte er, dieser angenehm vertraute Duft war ihr, Kiras, und dieser Duft war es, der ihn dazu brachte aufzuwachen.

Diesmal konnte er die Bindung mit ihr aber nicht genießen, denn das, was er mit ihren Augen sah, entsetzte ihn zutiefst, denn anstatt sich selbst zu sehen, sah er diesen Winzling. Nein, er war dieser Winzling.
Er versuchte sich zu orientieren. Er glaubte nun, er war nicht tot, sondern verhext, und er sollte fliehen.
Kandomere hatte allerdings keine Gelegenheit, darüber nachzudenken, denn Kira schien wieder gehen zu wollen, und er geriet in Panik. Wenn sie ihn verlässt, brauchte er wenigstens den duftenden Schal, den sie mitnehmen wollte. Aber er musste es behalten, es war lebenswichtig. Sie dürfte ihm diesen seinen Schatz nicht wegnehmen.
Er ergab sich diesem törichten Verhalten, jedoch seine Instinkte hämmerten auf ihn immer stärker, bis er zum Glück schließlich wieder die Kontrolle über seinem Verstand erlangte, um vernünftig zu handeln.
Hätte er noch weiter so idiotisch getrödelt, würde der Elf im Billy sie beide direkt im Büro überraschen. Wo keine Überwachungs-Kameras installiert waren. Ihr Leben hing da an einem dünnen Faden, nur weil er sich nicht schnell genug von seiner Sucht nach diesem Schal-Fetisch befreien konnte.

Nach dem sie problemlos das Gebäude verlassen konnten, und Kandomere die Agenten, Hagen und den Schamanen alarmierte, hat auch den besten MTF Magie-Experten, und den ältesten Elfen-Arzt angerufen, und befahl ihnen, unverzüglich nach dem Gegenmittel für diese Verzauberung zu suchen. Er fragte auch den herausragendsten Alchemist, den er kannte - seine Tante Cassian. Er beschrieb jedem von ihnen den Zauber, jedoch verriet er niemandem, dass er es selbst ist, der betroffen wurde. Sowie er auch den Agenten nicht mitteilte, mit welcher Art von Zauber ihn der Fake-Billy eigentlich attackierte. Er wird es geheim halten, solange er kann. Kira war derzeit also die einzige, die von seiner Verwandlung wusste.

Mit diesem Zauber hatte er keine Erfahrungen, es könnte auch passieren das nach eine Gegenmittel-Formel lange gesucht wird, vielleicht über Monate. Das könnte nebenbei auch bei der Partner-Krankheit kritische Auswirkungen haben. Seine Lage hat sich mit diesem neuen Problem doppelt verschlechtert.

 

Kandomere lehnte den Kopf bei diesen Gedanken an die Höschen-Schachtel. Seit Anfang an hat er befürchtet, bei Kira keine Chance zu haben. Aber dann hatte er einen Gespräch mit Cassian, die ihn überzeugte, die richtige Schritte zu unternehmen. So schnell wie möglich. Denn wenn Kira diese Schicksal-Bindung und ihn als Gefährten nicht bald akzeptiert, wird sich sein Zustand schneller verschlimmern. Da waren sie sich einig. Cassian verdeutlichte, dass er keine Gewalt anwenden darf, sondern soll er versuchen, Kira für ihn zu gewinnen, und ihr sanft die Gefährten-Bestimmung erklären. Kandomere glaubte, dass er nur eine geringe Chance auf Erfolg hatte, aber immerhin gab es diese Chance, er musste es zugeben. Danach war er tatsächlich endlich bereit zu handeln, bereit, sich dem Risiko der befürchteten Ablehnung zu stellen. Und als er beschloss, den klassischen, sanften Weg zu gehen, ist er zu einem Winzling geworden. Jetzt kann er in dieser Angelegenheit also nicht mehr agieren. Denn wie soll er jetzt mit Kira ausgehen, einen stimmungsvollen Abend arrangieren, seine verführerische Künste einsetzen, physischen Annäherungsversuche wagen. Bestenfalls würde es lustig aussehen.

Von diesen Gedanken geplagt, saß nun Kandomere deprimiert in Kiras Handtasche, gelehnt an die kleine Schachtel. Er registrierte jetzt die Geräusche und die Gerüche der ankommenden Gäste, zumindest derjenigen, die sich in der Nähe aufhielten. Leider spürte er fast nichts von Kira, sie war zu weit entfernt. Nach der Ankunft in Astorion hängte sie ihre Handtasche an ihren Stuhl an dem Gastgebertisch, und ging weg, ohne Kandomere und seine mögliche Bedürfnisse weiter zu beachten. Er spürte, es war absichtlich und demonstrativ, sie versuchte ihn loszuwerden. Sie wollte, dass er jemanden anderen anruft und anfordert, der ihn übernehmen würde. Dass sie ihm ihr Handy auf den Kopf warf, war aussagend. Er fasste sich an der Beule auf dem Kopf - ja, das stand noch aus. Er legte drauf seine Hand an und heilte es. Jetzt verspürte er auch wieder diesen schrecklichen Durst. Kandomere überlegte – der ganze Tag war er angespannt, dachte kaum daran etwas essen und trinken. Wann hat er eigentlich zuletzt was getrunken? Er konnte sich erinnern nur an die zwei 2 große Brandys und den verseuchten Espresso, die es nur noch schlimmer machten. Er glaubte jedoch, dass es vor allem an dem Kräuter-Zaubermittelzusatz liegen muss, dass er sich so dehydriert und miserabel fühlt. Denn eigentlich war er zäh genug, ein bisschen Durst sollte ihm nichts ausmachen.

Jetzt sollte er sich aber wenigstens kurz hinlegen. Er sah sich um, wo er sich zwischen all den Sachen etwas frei-Platz machen könnte – da war die Schachtel, Feuchtetücher-Packung, seine und ihre Schlüssel, Geldbeutel, Schmink-Etui, kleiner Spiegel und übrigen Zeug. Er beachtete nicht mehr was es noch da war, denn ihm wurde wieder schwindlig. Er legte sich also einfach zwischen die Gegenstände, ohne alles zuerst zur Seite schieben. Er würde Kira anrufen und sie um etwas Wasser bitten, aber ihr Handy war ebenfalls in ihrer Tasche, er lag da drauf.
Raus zu gucken und ihre Aufmerksamkeit versuchen zu erlangen war eine schlechte Idee, er wollte nicht, dass ihn jemand sieht. O.k., er wird seinen Durst ignorieren. Nach einer Weile starker autosuggestive Konzentration fühlte er sich etwas besser. Er wird es aushalten.

Allerdings verspürte er nun einen ganz anderes Problem. Er war die ganze Zeit ausgesetzt einer mächtig erregenden Sache, und jetzt, wenn er nach dem vorigen Trubel endlich ruhig da lag und sich diesem duftenden Reiz still ergab, fing diese Sache an, richtig zu wirken. In seinem Bauch begann es zu kribbeln. Normalerweise wäre es ihm willkommen, aber in dieser Situation war es etwas ungünstig.

Der Grund war ihr Höschen in der Schachtel. Kandomere versuchte sich der Verlockung widersetzen, er drehte sich nervös um. Da war das Spiegel, er sah sich jetzt selbst an, bemerkte etwas trockenes Blut um seine Nase. Folge des Zaubers? Er stand auf, um ein Stück Feuchtes Taschentuchs aus der Packung raus zu ziehen, abreißen und sein Gesicht sauber machen. Dann entschied er sich, doch ein bisschen aus der Handtasche raus zu schauen. Er sah Kira weiter entfernt, in der Mitte des Saals mit einem Elfen-Paar stehen, das mussten die Eltern sein. Es fiel ihm ein, dass sie keine Anzeichen der Alterungs-Phase aufwiesen. Ja, sie waren selbst die beste Werbung für ihre Kosmetik-Firma.
Er sah zu Kira. Sie schaute so wunderschön aus, keine Elfe könnte so schön sein wie sie. Sie redete gerade mit neuen Gästen, sie lächelte sie so süß an - es regte Kandomere auf, sie beachtete andere, und ihn ignorierte sie.

Bisschen gekränkt legte er sich wieder auf ihr Handy und starrte nach oben durch die offene dünne Spalte Kiras Handtasche. Dabei versuchte er dem Reiz dieses Duftes widerstehen, dem er so stark ausgesetzt war. Eine Weile könnte er dem standhalten. Und dann - er gab es auf, es war einfach zu sehr verführerisch. Er stand wieder auf, öffnete die Marquis-Schachtel, und kroch hinein. Machte sich genug Platz in dem seidigen Unterwäsche-Stück, und legte sich bequem hin. Es war allerdings kein friedliches Herumliegen, denn der unmittelbare intime Duft der Frau, nach der er sich sehnte, erregte ihn immer stärker. Er umgriff den Seiden-Stoff, drückte sich an ihn, atmete es. Ja, Kandomere hat sein neues Fetisch gefunden. Er beachtete nicht mehr den Saal und die Gäste, er ergab sich völlig nur der Wirkung des Höschen-Duftes. Er klammerte sich immer stärker daran. Er begann, die Seide zu lecken. Seine Hüften zuckten, und er machte paar reibende Bewegungen, und dann war er wieder so weit.
Er bekam wieder eine Erektion. Kandomere zwar wusste, dass er nicht ejakulieren kann und dass er sich nur eine quälende Erektion ohne Erlösung aufbaut, aber er könnte nicht aufhören, sich an Kiras Höschen zu reiben. Er wurde recht hart - ohne zu überlegen öffnete er die Hose und holte seinen Schwanz heraus.
Er stöhnte als die empfindliche Eichel in Kontakt mit der Seide und dem Spitzenstoff kam. Er hielt es nicht mehr aus, er fing gleich an, eine Stoff-Falte zu ficken.
Seine Hüften wippten immer schneller, sein geschwollener Schwanz wurde steinhart. Er umarmte jetzt mit beiden Armen das Wäschestück, immer heftiger rieb er den Schwanz an der Spitzenborte und der Seide. Vielleicht kann er doch den Höhepunkt erreichen? Wenn er genug lang rein stoßen wird, und dabei sich die Erinnerung seines Fingers in Kiras Mund aufruft..? Sofort kam die Erinnerung an Kiras aufregende Lippen, zwischen denen sein Finger glitt. Er dachte an die Wärme und die Weiche ihrer Zunge. Und daran wie sie ihn biss. Wie sie ihn blutig biss. Eine Lust durchfloss alle seine Nerven, als er sich in diesen Moment zurück versetze.

Er drückte jetzt mit der Hand die seidige Unterwäsche auf seinen Schwanz und so fing er an in den Spitzen-Stoff kräftig zu wichsen. Die Erektion wurde schmerzhaft, und dann wurde es ihm klar. Er kommt nicht, nicht mehr. Nicht mit einer brutalen Hilfe von Ninuve, und schon gar nicht wenn er nur masturbieren wird, selbst wenn er dazu diesen herrlichsten Fetisch benutzen würde. Cassian hatte es erkannt. Er befindet sich in einer schwierigen Phase der Krankheit, und wird für erst die Ejakulation nur durch intimen Kontakt mit seiner Schicksal-Gefährtin erlangen.
Immerhin hatte er den Vorteil im Gegensatz zu den Witwern. Er hat noch Hoffnung, da hatte Cassian recht.
Aber er konnte gerade mit dem Stoßen nicht aufhören, es fühlte sich trotz dem brennenden Gefühls so unbeschreiblich gut an. Diese Reibung an dem Stoff, der über den ganzen Tag ihren Schritt und ihren Kitzler berührte. Es war so aufregend, den Seiden-Stoff auf seinem nackten Schwanz zu spüren. Er fing an zu stöhnen, er wollte mehr, noch mehr von dieser himmlischen Wonne. Er versuchte zu ignorieren, dass er den Orgasmus nicht erlangen kann.
Was wohl passiert, wenn er weiter ihr Höschen hartnäckig ficken wird, ohne abspritzen zu können? Was kann er, abgesehen von Schürfwunden, erwarten? Er glaubte, er wusste es. Durch diese lustvolle Folter würde er womöglich binnen kurzer Zeit wahnsinnig werden, den Verstand komplett verlieren.., und selbstverständlich - trotzdem nicht kommen. Kandomere stieß noch paar mal, nur noch letztes mal. Er wollte nicht aufhören, überhaupt nicht, auch wenn sein Schwanz bereits schmerzhaft brannte. Und noch bisschen, noch einmal..

Gott, wenn er wenigstens etwas zum trinken bekommen würde, jetzt war er erst recht dehydriert...

Er zwang sich mit aller Kraft aufzuhören, er muss sich wieder unter Kontrolle zu bringen, er versucht es mit einer beruhigenden Konzentration. Er stopfte zuerst widerwillig seinen brennenden, harten Schwanz zurück in die Hose, die er resolut zumachte. Er muss sich zuwenden dem Wesentlichen - der Lösung des generellen Grund-Problems, anstelle dem aussichtslosen Kampf mit den Symptomen zu erliegen. Er sollte lieber das tun, was ihm Cassian anordnete, was eigentlich sein Plan für heute Abend war - ausführen seine Aufgabe. Er sollte über die erste Begegnung mit Kira meditieren und anschließend nach versteckten Hinweisen suchen, warum ausgerechnet seine wahre Gefährtin für ihn eine Abneigung empfindet.
Jetzt hätte er Zeit, er kann ohnehin sonst nichts tun. Nach dem seine Leute die Täter-Spuren gesichert haben, bleibt nur darauf zu warten, wann Billy aufwacht, und die Mediziner und Magier erste Fortschritte bei der Suche nach dem Gegenmittel melden werden. Was definitiv nicht mehr heute sein wird. Und später wird er keine Zeit für Meditationen haben, denn er wird Kira bis morgen früh strengstens bewachen, die sich mit einem Mann treffen will – ja, dass muss er auf jeden Fall verhindern.

 


 

 „Vielen Dank,“ Kira brachte dem Concierge das ausgeliehene Kästchen mit den Pflastern zurück. Kandomeres Biss mit kleinem Stück Wundpflaster zu bedecken, war das erste was sie tat, nach dem sie das edle Hotel Astorion betrat. Das musste sie tun, noch bevor sie sich ihrer Pflicht widmen sollte. Sie wollte mögliche Fragen über äußerst komisch aussehende, und wer weiß wie verfärbte Feen-Bisse vermeiden. Selbst Kandomere bekam ihre Pflaster-Aktion nicht mit, soweit sie es bemerken könnte, als sie in ihre Tasche spähte - er war an der Schachtel angelehnt, und hat er mit angespannten und konzentrierten Gesichtsausdruck wieder mit jemandem telefoniert.

Dann betrat sie den prunkvollen riesigen Speisesaal, der mit zehntausenden goldenen Lichtern märchenhaft beleuchtet wurde, und winkte ihren Eltern zu, die vorbereitet in der Mitte gegenüber dem Eingang als Gastgeber positioniert standen, bereit gleich die Gäste zeremoniell zu begrüßen. Kira hängte zuerst schnell die Handtasche auf ihren Stuhl an dem Haupt-Tisch, und ging sie zu ihren Eltern um sie zu küssen.

„Du bist gerade rechtzeitig, Liebling, schau, da kommen schon die ersten,“ Kiras Mutter Samilla war sichtlich erleichtert. Sie umarmte jetzt Kira, und flüsterte ihr: „Ich wusste dass ich mich auf dich verlassen kann, so wie immer...“

„Natürlich, unser Schatz ist nun mal perfekt. Und so ausgesprochen bezaubernd!“ Auch Vater Mortice umarmte nun seine Tochter. „Ich wette, dass heute Abend wird jeder Elfen-Vater, der dich kennenlernt, mich um eine menschliche Tochter zutiefst beneiden, und wird neidisch tauschen wollen!“

Für jeden würde es als die liebste Lüge klingen, aber Vater Mortice meinte es absolut ernst.
Kira lächelte und küsste ihn: „Alles Gute zum Geburtstag, Papa,“ und tat so als würde sie seine Träne der Rührung nicht bemerken, denn Elfen-Männer schämten sich den Tränen in der Öffentlichkeit.

Es war schon sein zweiter Zehnter der Alterungsphase, somit sollte er wie ein 50jähriger aussehen, aber seine eigene Kosmetik-Produkte hatten wirklich eine hohe Qualität. Er und Mutter Samilla werden sicher noch mindestens die nächste 20 Jahre immer noch wie in ihren statischen 30-35ern aussehen.
Ihr Vater war ein großer Elf, majestätisch und attraktiv. Er hatte bis zu der Teile lange goldblonde Haare, wie immer auf die traditionelle Art frisiert – frei und herabfließend, nur paar Strähnen nach hinten gekämmt, die im Hinterkopf mit einem Haarschmuck befestigt wurden. Auf diese Weise trugen es die ältere Elfen gerne. Und Mortice war alt. Er war der älteste Elf, den Kira kannte. In seinem eleganten Anzug und mit feinstem Schmuck sah er aus wie ein Aristokrat. Das musste ihm Kira natürlich mitteilen, es wird ihn freuen.

„Wie der elbische König, so siehst du aus...“

Mortice schmunzelte:

„Ich weiß...“

Die erste Gäste näherten sich schon, aber Vater Mortice flüsterte Kira noch zu:

„Übrigens, für dich, Prinzessin, haben wir eine Überraschung.“

Und auch Samilla zwinkerte:

„Oh ja, und du wirst begeistert sein, aber du musst dich noch etwas gedulden, erst mal wirst du die Gäste schön willkommen heißen, und vergiss nicht jede Sekunde selbstbewusst zu lächeln, genau wie ein stolzer Elf!“

„Mir schwant böses!“ Kira lächelte sie beide an. Aber egal was sie wieder vorhatten, sie sollten es tun, denn mit ihren verschmitzten Gesichtsausdrücken sahen sie so glücklich aus...

 

Schnell füllte sich der große Speisesaal. Der alte Elf Mortice hatte mit seinen 1140 Jahren und mit dem Ansehen des bedeutendsten Kosmetikunternehmers einen breiten Bekanntenkreis aufgebaut.
Fast alle Gäste waren Elfen, nur wenige darunter andere Rassen, davon meistens Menschen.
Es waren bekannte Persönlichkeiten, der Adel, ein paar Politiker, Modeschöpfer, Stars und Sänger dabei, sowie Freunde, Verwandte, Handelspartner und leitende Kräfte seiner Firma. Für alle andere Mitarbeiter seines Unternehmens, gab es separate Betriebsfeier. So eine wie es vor kurzem auch bei MTF eine Feier gab, als der MTF-Direktor das Jubiläum feierte.
Kira sollte ausdrücklich uneingeschränkt alle ihre Freunde einladen, aber da sie zurzeit nicht mit vielen im engen Kontakt stand, entschied sie sich nur für ihre zwei besten Freundinnen. Für Vaters Geschmack wäre es zu wenig, aber die Qualität dieser Wahl machte es weitaus wett. Viel mehr als das, es war die allerfeinste Auswahl, die er sich je als Elfen-Vater wünschen könnte, die diesem Feier den höchsten Glanz verleiht und ihn auf Kira besonders stolz machte.

Zuerst ist Rose eingetroffen. Mit ihrer schlanken Gestalt, blonden Haaren, und hübschem Kleid machte sie unter den Elfen eine gute Figur. Sie ließ sich für diese Angelegenheit in einem Elfen-Salon frisieren, was zwar sehr kostspielig war, aber sie wollte mögliche Styling-Fehler vermeiden. Auch mit der Wahl ihres Kleides ließ sie sich beraten, von Kira. Denn Rose war nicht unfehlbar vertraut mit elbischen Gepflogenheiten wie ihre Freundin.

Rose gab sich die größte Mühe, perfekt auszusehen, weil auch die Elfen immer perfekt waren. Und wer weiß, vielleicht wird sie hier heute einen attraktiven Elfen-Mann kennenlernen, der an ihr sogar interessiert sein wird. Und das wollte sie sich mit welchen Missgeschicken bei ihrer Aufmachung nicht zerstören, denn sie brauchte so sehr einen Elfen, mit dem sie vielleicht ausgehen könnte. Sie brauchte diesen Trost, denn Kandomere war ja derzeit anscheinend an Kira interessiert. Seine Absichten, sie im Büro zu küssen, waren unmissverständlich.

Rose bewunderte die Elfen, und diese Feier genoss sie mit allen Sinnen. Die elbische Höflichkeit-Regel schrieb vor, dass jeder Gast sollte respektiert werden. Das gab ihr das Gefühl, als würde sie jetzt irgendwie mit den anwesenden Elfen auf einer Stufe stehen, als wäre sie eine von ihnen. Und dieses Gefühl war für Rose einfach göttlich.
Sie hat immer alles mögliche getan, sich den Elfen anzunähern. Einmal hat sie sogar schon überlegt, sich ihre Ohren operativ formen lassen, damit sie als die elbischen aussehen, aber dieses Gehabe war zu recht von allen verspottet, und es würde sie ja sowieso nicht zu einer Elfe machen. Sie konnte aber immerhin gerade zufrieden sein. Sie hat bereits das erreicht, was nur wenigen Menschen gewährt wurde. Denn zu einer solchen großen elbischen Feier eingeladen worden zu sein, war eine Ehre, und für einen Mensch wahrlich keine Selbstverständlichkeit.
Rose war begeistert von Kiras liebenswürdigen und freundlichen Eltern, sie waren die sympathischsten Elfen, denen sie jemals begegnet war.. Natürlich spielte es eine wesentliche Rolle, dass sie die Freundin ihrer geliebten Tochter war. Aber bei den bisherigen paar gelegentlichen Treffen, haben sie Rose immer wie eine Elfe behandelt.

Sie war nun im siebten Himmel, mitten in diesem lichtdurchfluteten elbischen Luxus, goldenem Glanz, erstklassiger Mode, feinsten Parfums und wunderschönen Spitzohrigen Wesen. Und sie registrierte schon die interessierte Blicke von ein paar umher stehenden offensichtlich ungebundenen männlichen Elfen. Oh ja, Rose war glücklich.

Wenig später kam Kiras andere Freundin, eine Elfe. Nach Kiras Angabe waren sie befreundet schon seit den Studien-Zeiten. Das, sowie ein gemeinsames Foto von ihr und Kira, von einer lustigen College-Party, das Kira zu Hause ausgestellt hatte, war alles, was Rose über diese elbische Freundin kannte. Nun sie glaubte, diese gelbhaarige Elfe auf dem Foto, tatsächlich als Kiras andere Freundin zu erkennen.
Aber... jetzt, wenn sie diese Junge Elfe auch in echt vor sich sah, empfand Rose etwas Seltsames.. Sie bekam eine Vermutung, aber das könnte nicht sein, überhaupt nicht! Sie beobachtete diese Kiras elbische Freundin. Nein, sie irrt sich. Es ist nur eine Ähnlichkeit, mehr nicht. Und dann bemerkte sie das erhöhtes Aufsehen der Gäste - und als diese Kiras Freundin, diese junge vornehme Elfe mit Sonnenblumen-gelben langen Haar zu Mortice ging, um ihm zu gratulieren, beobachtete Rose erstaunt etwas Unerwartetes. Der uralte Elf und Samilla verneigten sich vor der jungen Elfe, die aber sofort mit der Hand beide angewiesen hat sich wieder aufzurichten. Rose hörte nicht ihr Gespräch, aber sie hörte die Worte neben stehenden Elfen. „Wer hätte so was gedacht, solche Ehre, die königliche Hoheit, zweite Prinzessin...“

WAS?! Oh Gott, es ist wirklich so! Rose war verdutzt. Sie bemerkte natürlich die Ähnlichkeit schon auf dem Party-Foto, aber es war einfach zu verrückt zu glauben, dass Kiras Freundin tatsächlich die Tochter des Elfen-Königs sein sollte. Sie hielt es nur für zufällige Ähnlichkeit. Und Kira hat daraus natürlich keine Sensation machen wollen, und sprach nie darüber. Ja, Kira, war immer eine Geheimniskrämerin! Gütiger Gott..! Aber wenn Kira ihre gemeinsame Freundin ist, macht es sie nicht alle drei miteinander zu Freunden? Rose, befreundet mit der Elfen-Prinzessin! Diese Unvorstellbare Idee wurde zur denkbaren, greifbaren Realität. Rose war der Ohnmacht nahe.
Schnell griff sie nach einem von den Gläser mit Champagner, die die Kellner auf den Tabletts zwischen den Gästen herum trugen – aus dem Anlass dieser Hoffnung musste sie sofort eins trinken. Und natürlich um sich aus diese schockierende Überraschung zu erholen.
Sie wird natürlich einen gemeinsamen Abend vorschlagen. Aber erst, sobald sie Kira erreicht hat, wird sie sie zur Rechenschaft ziehen. Wie konnte ihre Freundin ihr so etwas antun, und solche Sache verheimlichen?!
Jedenfalls - jetzt war Rose an einem neuen Punkt angelangt, von dem sie nie zu träumen gewagt hatte.
Sie bemerkte einen Elf-Mann mit schulterlangen lila Haaren, der ihr etwas bekannt vorkam, und der sie gerade sinnlich ansah. Sie schenkte ihm das entzückendste Lächeln, zu dem sie fähig war.
Jetzt war Rose endgültig wunschlos glücklich.

Der Restaurant-Manager und seine Helfer gingen umher, fragten nach Namen denen, den noch kein Platz zugewiesen wurde, und führten sie zu ihren Plätzen hin, zu Tischen für jeweils 8 Personen. Glückliche Rose war überwältigt, als sie zusammen mit der Königstochter zu dem Gastgeber-Tisch navigiert wurde. Sie bekommt ein Platz am Ehren-Tisch, zusammen mit der Prinzessin?!

Noch zwei männliche Elfen gesellte sich gleich dazu, Freunde von Vater Mortice. Beide offensichtlich noch Single. Sie waren als Gesellschaft für die jungen Frauen bedacht, und damit auch abwechselnd männliche und weibliche Anwesende nebeneinander sitzen könnten. Ah, einer davon war dieser Elf von eben, der mit den lila Haaren. Jetzt fiel es Rose ein, er war ein bekannter Geigenspieler. Dass er sich nun an sein Platz setzte, der direkt neben dem von Roses war, störte sie nicht im geringsten.

Mortice und Samilla wollten es für Kira möglichst unterhaltsam gestalten und planten ein, dass sie auf der Feier zusammen mit ihren Freundinnen sitzen könnte, wobei - einen königlichen Mitglied dabei am Tisch zu haben war eine besondere Ehre. Und sie wussten – sie hatten es ihrer Tochter zu verdanken. Sie freundete sich mit der Prinzessin ganz von allein an. Ja, sie könnten mehr als stolz auf sie sein, mehr als sie je wagten zu hoffen, sie war genauso fähig wie die Elfen, nein, eigentlich fähiger als die Elfen.
Und bald, sehr bald wird sie auf der anderen Ebene den Elfen komplett gleichkommen. Gleich werden sie Kira die vorbereitete Überraschung präsentieren, und es wird nicht mehr lange dauern, und ihr gemeinsames Glück wird vollkommen sein.

Mortice und Samilla waren sich nun absolut sicher, sie sind die glücklichste Eltern der Welt.

 

Chapter Text

 

Es war ein warmer und sonniger Spätherbst-Tag. Der leitende Agent Kandomere fuhr mit seinem roten Sportwagen Aston Martin-DBC durch das Nobelviertel Western Hills, entlang einer Straße an einem felsigen Hang mit kleinen, aber luxuriösen Läden.
Sein Musikplayer spielte gerade 'Nights in White Satin', und Kandomere überlegte – hatte er einen Liebling-Song..? Nein, er hatte keinen, aber wenn er einen hätte, könnte es vielleicht dieser sein? Ja, möglicherweise. Obwohl er ihn immer sehr traurig machte.
Aber hat er sich selbst nicht verboten, an diese Sache zu denken? Ja, das hat er, also muss er seine eigene Regel befolgen.
Er erinnerte sich jetzt stattdessen an die damalige Zeit. Ist denn seit diesem Song ein halbes Jahrhundert vergangen?
Wieder 50 Jahre vorbei. Ja, das wird wohl wirklich nichts mehr...
Verdammt, er denkt immer noch daran. Er stoppte diese unerfreuliche Gedanken.

Wieder kontrolliert dachte er nun an aktuelle Angelegenheit - er sollte die Familie heute besuchen gehen. Seine Eltern werden auf ihn warten, wie jedes Jahr an diesem Tag. Auch in der Vergangenheit, egal wo er sich befand, immer hofften sie, dass er doch noch nach Hause kommt, um in dem Familienkreis zu feiern.
Jetzt befinden sie sich nicht mehr auf verschiedenen Kontinenten. Die Eltern wohnen in derselben Stadt. Also erwarten sie automatisch den Besuch ihres Sohnes. Denn heute hat er Geburtstag. Er ist.. ja wieviel war es verdammt noch Mal? Ah ja, 549. Er ist heute 549 geworden.

Eigentlich gab es keinen besonderen Grund, einen „kleinen“ Geburtstag zu feiern, aber seine Eltern sahen darin einen geeigneten Anlass, und selbst solche Kleinigkeiten haben sie ergriffen, um einige Zeit mit ihm zu verbringen. Letzte Jahre vernachlässigte er sie etwas, also haben sie angeordnet, dass an allen Feierlichkeiten sich die Familie füreinander genug Zeit nehmen soll.

Es war ihr Recht dies zu fordern, Kandomere wird es aber auch dieses Jahr versuchen, den Besuch zu vermeiden. Denn zunehmend entwickelten sich seine Geburtstage eher zu einer traurigen Feier. Seine normale kurze Besuche liefen friedlich und angenehm ab, aber bei seinen Geburtstagen gab es einfach zu viel Wein und Alkohol, und er war wieder ein Jahr älter, und immer noch allein. Das Unheil nahm somit jedes Mal unweigerlich seinen Lauf.
Ja am Anfang herrschte immer Glückseligkeit, das schon, aber dann tranken alle zu viel, und irgendwann wurde seine Mutter traurig, weil er zu einer ewigen Einsamkeit verurteilt wurde. Danach fing sie häufig an zu weinen, und später auf etwas rätselhaftes zu schimpfen, und begann irgendwelche mysteriöse Regeln zu verfluchen. Sein Vater betrank sich auch, jedoch erwähnte er Kandomeres einsames Schicksal mit keinem Wort, aber das musste er gar nicht, sein trauriger Blick war aussagender als tausend Worte. Genauso wie Cassian, die meistens nur traurig war und schwieg. Kandomeres Geschwister gestalteten es auch nicht entspannter. Sie drückten Kandomere an sich, wollten sie ihn nicht loslassen, und meinten: 'Wir sind immer für dich da...'

So endeten also immer Kandomeres Geburtstage. Mit einer Trauerfeier-Stimmung. Und auch diesmal wird es sicherlich wieder dasselbe sein. Auf so was würde er wirklich gerne verzichten. Er hasste dieses Mitleid. Selbstverständlich werden sie seine Beteuerung, dass es ihm nichts ausmacht, allein zu bleiben, absolut ignorieren.
Nun, Kandomere hat sich zwar mit seinem Schicksal abgefunden, und das hat er auch seiner Familie erklärt, aber insgeheim hat er doch gelitten. Also hat er dieses Leiden in sich vergraben, und sich selbst verboten daran zu denken. Demzufolge wollte er nicht, an sein zukünftiges einsames Leben erinnert zu werden. Seine Familie machte es ihm allerdings mit dem Gejammer nicht leicht.
Und deshalb, diese Feier auszulassen wäre eine gute Entscheidung. Gut, er ruft an, und sagt, dass er heute nicht kommt. Erst im nächsten Jahr, wenn er den 'Zehnten', 550sten hat. Problem verschoben, Thema erledigt.

 

Kandomere hielt jetzt seinen Sportwagen direkt vor dem noblen elbischen Restaurant 'Safran' an, und stieg aus. Er reichte gleich dem Parkservice-Mann, der zu ihm eilte, den Autoschlüssel. Der junge Mann parkt das Auto gleich um die Ecke in der Tiefgarage. Dessen Hand zitterte leicht, als er den Schlüssel hielt, er wird dieses atemberaubend heißes rotes Ding wieder fahren dürfen, und er wollte auch Mr. Kandomere etwas fragen. Schließlich wagte er es, bevor dieser feine Elf in dem Restaurant verschwindet.

„Sir, wenn ich mir die Frage erlauben darf – es geht um Ihr Wagen. Dieser Aston Martin-DBC dürfte doch gar nicht existieren. Dieses Modell wird überhaupt nicht produziert, oder irre ich mich?“

„Richtig, es existiert nur als Konzept. Das hier ist ein Einzelstück, also keine Kratzer, o.k.? Ersatzteile zu bekommen ist umständlich,“ erwiderte Kandomere, und ging in das Restaurant.

Heilige Scheiße, dachte sich der Parkservice-Mann. Das ist sogar für elbische Verhältnisse krass, denn der Wagen ist ein Unikat. Und dann grinste er - er darf diesen Wagen fast jeden Tag fahren. Wenn auch nur zum parken. Aber – jetzt weiß er auch - er würde sehr lange arbeiten müssen, um einen möglichen Kratzer zu bezahlen. Er schwitzte, als er vorsichtshalber mit einer Schrittgeschwindigkeit in die Tiefgarage fuhr.

 

Kandomere machte Mittagspause, wollte aber noch bisschen über neueste Fälle auf dem Tablet-PC recherchieren, bevor ihm sein Essen serviert wird. Er hätte gerne Montehugh dabei gehabt, um mit ihm die Fälle durchzugehen, aber der Riese hat sich für zwei XXL-Burger aus der Imbissbude und eine Parkbank entschieden.

'Boss, solch einen Spaß, in Lokalen wie in diesem 'Safran' zu dinieren, kann ich mir nicht leisten,' meinte er. 'Also, nicht nur dass dort ein kleiner Bach aus einem echten Brunnen durch das Lokal fließt, und die Pissoirs vergoldet sind. Dort werden die Gäste sogar von Elfen bedient! Also verlängern sie die Preise um eine zusätzliche Null. Wobei es auch ohne diese zusätzliche Zahl schon extrem teuer wäre. Selbst die Rühreier kosten da einen dreistelligen Betrag! Ich kann es zwar verstehen, dass sich von einem Elfen bedienen zu lassen hat nun mal logischerweise seinen Preis, aber - selbst wenn ich reich wie ein Maharadscha wäre, würde ich für eine Mahlzeit nicht soviel ausgeben wollen. Man sagt ja, dass Rothaarige sparsam sind, und damit hat man definitiv recht.'

'Du bist selbstverständlich eingeladen, Ulysses. Ich dachte dass ich es nicht jedes Mal zu erwähnen brauche' meinte Kandomere, aber Montehugh hatte etwas dagegen:

'Eben, Boss, du hast mich bereits gestern, vorgestern, sowie vorvorgestern eingeladen, und da spreche ich nur über diese Woche. Was bekomme ich bitteschön als nächstes, ein Schmuck, Eigentumswohnung und einen Heiratsantrag? Lass mir doch wenigstens die Reste meines Stolzes behalten,' grinste er. 'Übrigens, ein solcher Burger ist gar nicht mal so übel. Mein Bierbauch braucht es,' tätschelte er sich den Bauch.
Aber eigentlich wollte Montehugh auch eine Pause, die wirklich eine Pause ist - der Boss redet die ganze Mittagspause Tag für Tag nur über die Arbeit. Wenn er gelegentlich bloß auch etwas Persönliches beisteuern würde, zum Beispiel welche Weiber oder BH-Größe er bevorzugt, oder ähnliche anständige Themen. Genau wie es sich für eine Mittagspause unter Männern gehört. So wie bei Pausen mit Hadrien. Montehugh grinste für sich, er kennt womöglich Hadriens Vorlieben inzwischen besser als Hadrien selbst.
Na ja, Boss ist da halt anders. Montehugh wählt jedenfalls heute mal die Parkbank, da kann er wenigstens vorbeilaufenden vollbusigen Weibern zugucken.
Also nahm der rothaarige sparsame Riese den schwarzen Infiniti-Wagen, und Kandomere holte seinen Sportwagen aus der MTF-Tiefgarage - er fährt zu dem 'Safran' allein.

Das Restaurant war in der noblen Gegend unweit des MTF, und es war in der Tat erstklassig, luxuriös, und wie Montehugh recht hatte, sehr teuer. Es war in dieser Stadt die einzige Gaststätte außerhalb von Elftown, wo sich Gäste von elbischem Service-Personal bedienen lassen könnten.
Vor allem die wohlhabenderen Elfen, die in den Western Hills und Umgebung beschäftigt waren, dinierten im 'Safran'.

Es war stilisiert wie ein Gewächshaus, mit vielen Fenstern und einem Glasdach. Es war angelehnt direkt an einer echten Felswand, wo eine Wasserquelle aus einem mit Farnen bewachsenen Spalt sprudelte - sie floss zur Mitte des Raumes, in einen angelegten bepflanzten Mini-Teich mit Fischen. Ein paar Service-Tische waren direkt aus dem Fels zuteil gehauen und poliert. Was nicht aus Naturstein, Glas oder Edelholz war, war vergoldet.
Der Speiseraum war mittags nur halbvoll gefüllt, also könnte sich Kandomere wie immer selbst einen Platz aussuchen. Er setzte sich an seinen Lieblingsplatz - einen Tisch unter einer kleinen Fächerpalme, dicht an dem Teich.
Er überlegte, was er sich bestellen könnte. Abends mochte er zum essen am liebsten blutige Beefsteaks, manchmal gänzlich roh, aber zum Mittag nahm meistens etwas Leichteres. Nach einem Blick auf die Speisekarte hat er sich entschieden. Heute nimmt er Hühnerbrust vom Grill, mit Kompott-Pfirsich und Schlagsahne garniert, und ein paar Trüffel-Kastanien als Beilage, ganz in elbischer Tradition der Hauptmahlzeit-Kombination vom Fleisch mit Früchten oder Gemüse. Es war nicht nur allein einer genetischen Veranlagung zu verdanken, dass es so gut wie keine korpulente Elfen gab.
Er gab die Bestellung auf, und schaltete seinen Tablet-PC ein - er wird zu dem letzten Fall die Zeugen-Aussagen und Test-Ergebnisse vergleichen.

Auch nach dem Essen analysierte Kandomere an dem Tablet-PC weiter den Magie-Fall, als er bemerkte, dass er etwas Schwierigkeiten bekam, bei der Sache zu bleiben. Er konzentrierte sich irgendwie nicht ausreichend, könnte aber nicht herausfinden, woran es liegen könnte. Als wäre hier plötzlich etwas Seltsames in der Luft, das ihn zerstreute. Vielleicht war das eine Rebellion seines Geistes und der Seele, die ihn zwangen, sich einfach endlich zu entspannen und die Pause nicht auch noch mit einer zusätzlichen Arbeit zu füllen. Na gut, ausnahmsweise gab er nach. Er schaltete den Tablet-PC aus.

Er bestellte sich einen Kaffee und ein paar Vanuatu-Schokoladenpralinen mit den feinen Goldblättchen. So wie alle Elfen hatte Kandomere eine Schwäche für Schokolade.
Jetzt beobachtete er die Koi Karpfen in dem Teich, und deren verschiedene Muster, und dabei überlegte, ob er heute Abend sein sexuelles Bedürfnis in seinem privaten Zimmer hinter dem Büro schnell befriedigen soll. Damit hätte er aber Limahls Wünsche ignoriert, und nebenbei auch sein Gejammer ertragen müssen. Sein neuer Sekretär Limahl war fordernder als seine Vorgängerinnen. Büro-Sex war ihm zu wenig, er strebte eine Beziehung, offizielle Beziehung an, und wollte immer öfter in Kandomeres Wohnung übernachten, er verlangte einen ausdauernden heißen Sex, am liebsten über die halbe Nacht. Kandomere war aber einfach nicht dazu bereit. Seine lauwarme Lust wollte nur eine schnelle Befriedigung ohne die lästige Aufregung. Er hätte vorgezogen Limahls paar Minuten Handjob, damit er so schnell wie möglich abspritzen könnte. Danach würde er ihn idealerweise zum Abendessen mitnehmen, und ihm dann ein Taxi bestellen, und er selbst nach Hause fahren. Allein.

Früher hätte er es allerdings definitiv anders gewollt. Vor langer Zeit mochte er intensiven Sex, nicht selten genoss er es stundenlang. Eigentlich könnte und wollte er immer, wenn sich die Gelegenheit bot. Er war zwar nicht mehr extrem sexsüchtig wie vor ein paar Jahrhunderten, war aber immer noch sexuell hungrig, hungriger als ein durchschnitt-Elf. Gerne nahm er sich gleich zwei Frauen in sein Bett mit, oder ab und zu eine Frau und einen Mann, er mochte die Abwechslung. Aber diese Zeiten sind längst vorbei - seit Jahren verspürte er nahezu keinen Sex-Trieb mehr. Das seltsame war, es änderte sich nicht allmählich, sondern abrupt.
In Gedanken versunken, fütterte Kandomere jetzt die Koi-Karpfen. An dem Teich-Rand standen für diesen Anlass vorbereitet ein Paar Schalen mit trockenem Fischfutter, damit die Gäste sich mit der Fütterung beschäftigen könnten, wenn sie es wollten.

Kandomere könnte sich an den Tag, als er die Leidenschaft und Verlangen verloren hat, gut erinnern. Immerhin hat er jahrelang versucht, dieses Rätsel zu lösen.
Es geschah vor 15 Jahren, an einem seltsamen Freitag, dem nicht minder seltsamer Donnerstag vorausging.
Also damals an dem Donnerstag wurde von einem Radar-Pylon außerhalb der Stadt auf einer unbedeutenden Straße in den Bergen ein magisches Feld gemeldet. Kandomere überlegte, wen er da schicken wird, aber dann entschied er sich, den Fall mit dem jungen Neuling Montehugh selbst zu untersuchen.
Es stellte sich heraus, dass es sich aus magischer Sicht um einen eher kleineren Vorfall handelte, jedoch mit tragischen Nebenfolgen. Der mutmaßliche Täter, ein Elf in einem Druiden-Kostüm, befand sich noch am Ort, konnte aber mit einem Portal fliehen als der gerade angekommene Kandomere mit ihm in Sichtkontakt kam. Was der Druide beabsichtigte, konnte man nicht mehr herausfinden. Jegliche magische Spuren verflüchtigten sich, bevor die Agenten das Speicher-Gerät zur Erfassung morphogenetischen Informationen aus dem Koffer geholt haben. Eigentlich konnte Kandomere keine Magie mehr wittern, bereits als er aus dem Wagen ausgestiegen ist. Dieser Druiden-Elf war offensichtlich sehr erfahren und fähig.
Am Tatort befanden sich zwei verunglückte Fahrzeuge, die etwa an der Stelle des magisches Kraftfeldes kollidierten, wobei zwei Famer bei dem Unfall ums Leben kamen. Wurden die Wagen nur versehentlich darin verwickelt, oder wollte der Druide diesen Unfall verursachen? Beabsichtigte dieser offensichtlich mächtige Elf auf diese plumpe Weise unbedeutende Farmer zu töten? Irgendwie unwahrscheinlich, aber es wird noch alles untersucht. Kandomere hat auch angeordnet, einen Überlebenden für paar Tage in MTF-Krankenstation zu hospitalisieren, von den restlichen nahm Montehugh alle Daten - er und Hadrien werden später Befragungen durchführen, und den Fall bearbeiten.
Es war eine tragische Sache, aber so weit war der Fall an dem Tatort auch schon vorläufig beendet.

Allerdings, als Kandomere mit Montehugh zurück zu MTF fuhr, bekam er auf einmal ein seltsames, nervöses Gefühl. Er versuchte ruhig zu bleiben, aber ohne Erfolg. Es war anscheinend eine äußere Wirkung, die er mit einer Selbstbeherrschung kaum beeinflussen konnte. Kandomere fühlte sich richtig seltsam, er begann zu schwitzen. An der ersten Tankstelle mussten sie stoppen, damit ihm Montehugh eine Flasche Mineralwasser kaufen konnte.

Hat sich der Boss nur seltsam benommen, weil er mit dem Tod und Blut in Berührung kam? Dieser alte erfahrene Elf? Montehugh schaute seinen nervösen Boss an. Er war vom Blut der Unfall-Opfer verdreckt, weil er an dem Tatort seine physische Elfen-Kraft einsetzen musste. Es bedurfte einer schnellen Hilfe, denn die Feuerwehrleute noch nicht angekommen sind.

Als dann Kandomere versuchte die Mineralwasser-Flasche zu öffnen, und sie ihm das zweites Mal aus der Hand flog, wagte selbst der noch unerfahrener Montehugh zu anmerken, was Kandomere allerdings auch schon vermutete.

'Boss, wäre möglich, dass das Ziel des Elfen-Druiden eigentlich du selbst sein könntest?'

Aber Kandomere war mit seinen Überlegungen auch schon wieder paar Schritte weiter:

'Das war das erste was mir auch einfiel, aber wir sahen von weitem schon, den Druiden-Bastard samt seinem Portal zu verschwinden. Als wir angekommen sind, blieb es von jeglicher Magie keine Spur, rein gar nichts, nicht mal an der Stelle wo das Portal stand. Es gab keine magische Energie, die auf mich wirken könnte. Abgesehen davon, die Sache war nicht bedeutend genug, in der ein leitender Agent ermitteln müsste. Niemand könnte ahnen, dass ich da persönlich gehen würde. Die Wahrscheinlichkeit war sehr gering.
Aber ich werde mich natürlich im Labor gleich testen lassen, damit wir es ausschließen können.'

 

Bei MTF ergab es nachher einen negativen Befund - laut den Tests war Kandomere nicht verhext. Gut, aber dieses merkwürdige Gefühl ist geblieben. Als es Kandomere versuchte, zu beschreiben, war einfach nur ratlos, es war nichts, was er je schon gefühlt hatte. Es war wie ein Gemisch verschiedenen, sogar gegensätzlichen Empfindungen, von denen manche so stark zu spüren waren, wie noch nie. Freude, Angst, Ekstase, Trauer, Erwartung, Verlangen, Depression, Erregung, Liebe. Liebe? Er empfindet Erregung und Liebe, weil er eben unschuldige verunglückte menschliche Opfer sah? Na, er hat so paar raue Vorlieben, und kann sicherlich kaltblütiger handeln, als irgendjemand vermuten würde, aber ein Psychopath ist er definitiv nicht.
Er schaffte es jedoch nicht, diese Mischung von Emotionen bis zu Ende der Arbeitszeit abzuschütteln. Also, beschloss er, ausnahmsweise pünktlich seine Arbeit zu beenden. Er wird früher essen und nach Hause gehen, und dann ausgehen.

Also ging er dann etwas später direkt in seine Lieblingsbar, wo er anfing, dieses Emotionale Problem weg zu saufen. Später wechselte er noch in ein paar andere Luxus-Bars, bis er schließlich in einem erstklassigen Tanzclub landete. Dieser gehörte Thyral, einem von seinen Bekannten. Und der kam auch schon prompt zu Kandomere, als er ihn sah.

'Mein Teuerster, es ist immer eine Freude, dich zu sehen.'

Es klang wie eine höfliche Gastgeber-Floskel, aber Kandomere konnte riechen, dass es Thyral wirklich freut, ihn zu sehen. Offensichtlich sogar mehr als das, denn gleich unterstrich Thyral seine Worte mit einer Tat – er neigte sich zu Kandomere, ja er lehnte sich direkt an ihn, und ins Ohr flüsterte ihm so, dass seine Lippen Kandomeres Ohr berührten:

'Mein Schatz, ich rieche, dass du heute irgendwie emotional hin und her gerissen bist. Und ich vermute, dass du gekommen bist, um nach einer entspannten Erlösung zu suchen. Ausgezeichnete Wahl, denn ich bin der richtige dafür. Ich werde mich um dich kümmern. Mit meinen Methoden wirst du dich noch heute Nacht viel besser fühlen, das garantiere ich dir.'

Und dann Thyral leckte an der Spitze von Kandomeres Ohr, bis Kandomere grunzend ausatmete:

'Nur zu, mach weiter so, und ich abspritze auf der Stelle, hier in deinem Lokal.'

Die Spitze eines männlichen Elfenohrs war bekanntermaßen fast so empfindlich wie die Penis-Eichel.
Der hübsche Thyral hatte allerdings Spaß daran. Noch einmal leckte an Kandomeres Ohr, aber gleich dann musste flüsternd zugeben:

'Ja, jetzt bin ich in meine eigene Falle getappt. Ich berührte dich, und schon bin ich hart. Aber wir sollten diesen Spaß für später aufheben Ich organisiere für dich jetzt etwas. Du wirst heute absolut keine Sekunde übrig haben, sich seltsamen oder traurigen Launen hinzugeben.'

Der Elf Thyral war attraktiv und extravagant, nur wenig kleiner als Kandomere, schlank. Seine hüftlange Haare waren gefärbt, leuchtend rot. Er trug elegante Hose und eine Weste aus feinem schwarzen Leder, schwarzes Hemd, und rote Krawatte. Seine Lieblingsfarben waren offensichtlich rot und schwarz, mit diesen Farben war auch der Club ausgestattet.
Jetzt schnippte er mit den Fingern, und sofort kamen zwei hübsche junge menschliche Frauen, die Kandomere zu einer Sitzecke begleiteten, und sich zu ihm setzten. Danach gesellte sich zu ihnen noch eine umwerfende Elfen-Frau, und erstaunlicherweise auch eine Orkin. Das war Thyrals neue Leibwächterin Roxie, und zum Schluß kam auch Thyral selbst. Dann war die Gruppe komplett. Sie tranken Champagner und flirteten ein bisschen und wechselten wenig später zu einer privaten Party in Thyrals große Wohnung über dem Club.

Es gab reichlich Alkohol und die Unterhaltung entwickelte sich noch heißer und aufregender, und dann wechselte Thyral die bisherige Musik nach Kandomeres Geschmack um. Er wusste, was Kandomere bevorzugt - Slow Blues. Eine langsame Bassgitarre-Version des Musik-Stücks 'I Loved Another Woman' im ekstatischen tiefen Bass erklang im Raum. Dann schnippte Thyral wieder mit den Fingern, und zeigte auf die schöne Elfe. Sie stand sofort auf, im Tanzschritt kam sie zu Kandomere, und fing vor ihm an, zu dieser sinnlichen Musik erotisch zu tanzen. Nur dabei blieb sie aber nicht, langsam begann sie sich auszuziehen, bis sie alle ihre nackten Reize präsentieren könnte. Kandomere ließ seine Augen nicht von ihr ab, es gefiel ihm. Mit der Handbewegung zeigte er ihr, dass sie näher kommen sollte. Das tat sie, mit gespreizten Schenkeln setzte sie sich auf ihn. Ihre Sitzposition gewährte nun überschaubar einen Blick auf ihr unbehaartes Geschlecht. Kandomere blinzelte, sein Glied in der Hose zuckte sichtbar. Er legte seine Hände auf ihre Beine, und begann sie zu streicheln.
Sie lächelte ihn an, schob sich enger an ihn, und drückte ihre nackte Mitte an seinen erhärteten Schwanz. Dann griff sie nach seiner Krawatte, lockerte sie ein wenig und öffnete seinen oberen Hemdknopf. Dann lehnte sie sich mit ganzem Oberkörper an Kandomere, strich mit ihren Lippen über seine Wange, kam zu seinem Ohr, wo sie ihn begann zu lecken und schließlich knabberte sie an seiner Ohrspitze. Kandomere knurrte kurz, ergriff mit den Händen ihren Arsch und drückte sich die Elfe fest gegen seine Erektion. Thyral sah zu, und neckend fragte:

'Willst du sie? Sag ja und 'Bitte', und ich gebe meine Erlaubnis. Dann kannst du mit ihr tun, was immer du willst.'

Kandomere ignorierte Thyrals Frage, er blinzelte ihn nur an. Und dann musste wieder grunzen. Die Elfe auf seinem Schoß begann, sich reizvoll mit ihrer Mitte an seinem Schwanz zu reiben:

Er wollte nicht mehr warten. Er befehligte der Elfe:

'Mach es mir.'

Die Elfe schaute etwas fragend zu Thyral, aber der reichte ihr nur wortlos und lächelnd einen Zahn-Schutz, den Elfen zum Oralsex verwendeten. Sie verstand, stand von Kandomeres Schoß auf, und kniete sich auf den Boden zwischen seine Beine. Zuerst streichelte sie die Beule unter seinem Bauch - wieder zuckte es dort. Dann machte sie seine Hose auf. Augenblicklich sprang sein erigierter Schwanz ihr entgegen. Mit ihrem Gesicht rieb sie sich an Kandomeres entblößten Schwanz, und dann nahm sie ihn, vor allen Anwesenden, in den Mund, und begann ihn oral zu befriedigen. Kandomere grunzte. Er wird es nicht lange aushalten, er war irgendwie heute sehr erregt, und in der Tat, alsbald, nach nur paar Minuten dieser heißen Behandlung, kam er. Unter den Blicken aller anderen ejakulierte er in den Mund der Elfe.

Bald darauf nahm sich Kandomere in das anliegende große Schlafzimmer die zwei menschlichen Frauen. Thyral schaffte ihm nur zuflüstern:

'Aber bitte nur einmal. Denk daran, du sollst dich nicht ganz ausgeben, Schatz. Ich bin auch noch da.'

Ebenfalls diese Worte wurden von Kandomere ignoriert.
Und dann hörte man aus dem Schlafzimmer nur Geräusche, bei denen man sich unmissverständlich vorstellen könnte, was da wohl vor sich ging.
Eine Weile später kamen alle drei wieder heraus, die Frauen mit rosigen Wangen, und es wurde weiter getrunken. Als aber Kandomere eindeutig vorhatte, die Elfe, die ihn oral befriedigt hatte, auch in das Schlafzimmer mitzunehmen zu wollen, schickte Thyral sie und die zwei Menschen-Frauen unter einem Vorwand wieder nach unten in den Club. Denn jetzt will er Kandomere für sich haben. Er blieb nur mit seiner orkischen Leibwächterin Roxie und Kandomere allein. Sofort wandte sich Thyral zu Kandomere, und fragte:

'So, Schatz, ich hoffe, du hast noch Saft, und möchtest weiter machen...'

Kandomere ließ ihn aber nicht ausreden. Er sagte nur trocken:

'Geh in das Schlafzimmer.'

'Uh, ja, wie ich sehe, willst du. Hervorragend, ' blinzelte Thyral freudig, und ging in das anliegende Zimmer.
Seine Leibwächterin Roxie war nun unsicher, aber sie wurde nicht instruiert in anderem Raum zu warten, also blieb sie in Thyrals Nähe, und verlegen versuchte sie sich irgendwie unsichtbar zu machen. Und gleich wurde sie sich der Situation voll bewusst, und errötete. Wird sie gleich etwa aus nächster Nähe erleben, wie ihr Boss und dieser heiße blauhaarige Muskel-Elf miteinander einen Männersex haben werden?

 

Chapter Text

 

 

'Zieh dich aus.'

Kandomeres Anweisungen waren karg und bündig.

Aber natürlich, gerne wird er das tun! Rasch zog sich Thyral aus. Nun könnte er seine Erektion nicht mehr verstecken. Vielleicht sollte er jetzt für etwas Privatsphäre sorgen. Ja, das wird er machen. Er wies die Leibwächterin an, das Schlafzimmer zu verlassen.

'Nein. Sie bleibt hier.' Jetzt war es Kandomere, der hier die Befehle erteilen wird. Und gleich folgte der nächste:

'Knie dich hin!'

Thyral sank auf den Teppich. Kandomere wollte heute also ein Publikum. Gut, wenn er es möchte, soll er es bekommen.
Jetzt griff Kandomere zu der Gerte, die auf der Kommode lag, und schwippte einmal mit der kleinen Peitsche über Thyrals nackte Schulter, und gleich folgte nochmal ein kräftiger Hieb über seine Wange. Brennender Schmerz überkam Thyral.

'Also, du hast es tatsächlich gewagt? Ich sollte dich um die Erlaubnis, eine Frau zu haben, anbetteln? Und dann hast du sie auch weggeschickt, obwohl du gesehen hast, dass ich sie ficken wollte? Ich glaube du hast eine Menge Züchtigung nötig.' Nochmal bekam Thyral paar Schläge.

'Ah..' Thyral stöhnte.

Thyral wusste natürlich, dass Kandomere sehr dominant war. Die Peitsche wurde speziell für ihn dort hingelegt - paarmal ist sie auch schon von ihm zum Einsatz gekommen. Aber diese heutige Schläge waren etwas heftiger als sonst, und ohne Vorwarnung. Und es war das erste Mal, dass er Thyral mit der Peitsche ins Gesicht geschlagen hatte.

Roxie blieb nun nicht mehr still am Rande stehen. Als sie sah, dass ihr Boss geschlagen wird, war sie sich nicht sicher, ob es Teil des Sex-Vorspiels war, aber sie stellte sich auf alle Fälle als Schutzschild zwischen ihren Boss und Kandomere. Sie war auf Befehl bereit, ihren Job zu machen, und Thyral zu beschützen, falls er entscheiden sollte, dass ihm diese heiße Spielchen doch zu heiß sein sollten. Mit dieser Tat geriet sie aber nun in den Fokus.

'Zieh dich aus.'

Die Ork-Frau Roxie schaute Kandomere überrascht an. Der Boss ist doch schon nackt.

'Bist du schwerhörig?'

Er meint sie?
Ebenfalls Thyral schaute jetzt überrascht aus. Kandomere steht auf Orks? Aber war er nicht jederzeit darauf vorbereitet, dass er von seinem heißen blauhaarigen Freund eigentlich absolut alles erwarten kann?

'… darf ich wissen, wieso, Sir?' Sie schluckte, wenn sie sich die möglichen Gründe vorstellte. Will er sie nackt anschauen, sie ebenfalls auspeitschen, oder.... mit ihr Sex haben wollen?

'Ja, das kann ich dir verraten. Ich brauche heute einen etwas härteren Sex. Bei den zwei menschlichen Mädchen musste ich mich aber zurückhalten, sonst hätten sie jetzt überall blaue Flecken wie du. Also wollte ich die Hübsche ficken, die so nett den Blowjob erledigte. Als Elfe hätte sie alles aushalten können, aber sie wurde gerade von jemanden weggeschickt. Demzufolge brauche ich einen Ersatz.'

'Sir, ich bin mir nicht sicher, ob ich es möchte.' Roxie versuchte höflich abzulehnen.
So war ihre Regel - wenn sie sich in diesen Dingen unsicher fühlte, sagte sie lieber immer 'nein'. Obwohl dieser Elf wirklich heiß, sehr heiß war.

Und schon hat sie mit der Gerte ebenfalls einen Hieb übers Gesicht bekommen, zusammen mit dem Befehl:

'Du wirst dich jetzt ausziehen und auf die Knie gehen. Noch mal wiederholen werde ich es nicht.'

Roxie wird wohl ausdrücklicher versuchen müssen sich zu weigern, aber eine Tatsache erschwerte es ihr. Für die Elfen war der orkische Duft noch deutlicher zu riechen, als der Duft der Menschen. Und er roch an ihr bestimmt gerade unverkennbar, dass sie erregt ist. Das er sie erregt. So sehr, dass sie bereits die Nässe in ihrem Slip fühlte. Aber sie konnte sich dagegen nicht wehren. Roxie konnte nicht mehr aufhören, an die erregende Szene zu denken, wie die Elfe das Glied dieses heißen muskulösen Kandomere saugte. Sie erinnerte sich an seinen entblößten dicken Penis, der den Mund der Elfe füllte, und wie diese Elfe mühevoll versuchte, mit ihren Lippen an Kandomeres Glied vor und zurück zu gleiten. Sie strengte sich an, aber sie bekam kaum die Hälfte seines Stücks in den Mund. Natürlich, weil sie keine professionelle erfahrene Begleitung für erotische Dienste war. Thyral hat sie angestellt um hauptsächlich seine Gäste am Tisch zu unterhalten.

Auf der Hälfte des Schafts, die nicht mehr in den Mund hinein passte, könnte Roxie dann die sichtbare, kräftig pulsierende Kontraktionen beobachten, als er in dem Mund der Elfe ejakulierte. Angespannt neigte er den Kopf nach hinten, ein grunzendes kurzes Stöhnen entging ihm, als er die höchste Wonne auskostete. Ja, Roxie wollte ihn in dem Augenblick als er kam. Sie wollte, dass er sie mit Gewalt nimmt, und mit ihr schmutzige Dinge tut, und sie will es immer noch. Die selbstbewusste Dominanz dieses blauhaarigen Elfen wirkte sich stark erregend auf sie aus. Sie wusste selbst nicht, wie weit sie bereit wäre zu gehen. Ja, sie wollte es nur in ihrer Fantasie, aber sein Geruchssinn wird es nicht als bloße Fantasie definieren.

'Sir, ich weiß dass Sie es an mir riechen, aber... ich möchte es wirklich nicht ...' sie könnte nicht zu Ende sprechen, denn plötzlich bekam sie paar kräftige Gerte-Hiebe über beide Wangen.

'Ich glaube, du wirst lernen müssen zu gehorchen.'

Und noch ein Hieb und Befehl folgten:

'Übrigens, von jetzt an wirst du sprechen, nur wenn ich es dir erlaube.'

Roxie, gerötet vom Scham, vor Erregung und den brennenden Streifen auf ihrer Haut, schaute ihren Boss an, er wird sie irgendwie aus dieser Situation retten müssen, aber das tat er gar nicht. Er befiehlt ihr nur:

'Mach, was er verlangt.'

Roxie wehrte sich nicht mehr. Und danach hatten die drei ausdauernden Sex, wobei alles nach Kandomeres Wünschen und Anweisungen geschah. Diesmal zog sich Kandomere ebenfalls vollständig aus - und spürte die sofortige Aufregung der beiden, die ihn beim Ausziehen beobachtet hatten. Ja, für einen Elfen war er tatsächlich äußerst muskulös.

Zuerst mussten sie beide vor ihm knien und nacheinander an Kandomeres Schwanz lecken, und ihn so tief in den Mund nehmen, wie sie es schafften. Kandomere behielt die Peitsche in der Hand, und wenn es ihm so vorkam, als würden sie sich nicht anstrengen, spürten sie die Peitsche. Oder wurden geschlagen, nur weil es ihm einfach gefiel, den beiden weh zu tun. Trotzdem bekam Roxie seinen Schwanz nicht viel weiter in den Mund als die Elfe. Thyral war dagegen ein anderes Kaliber, er war alt, erfahren, und überwiegend schwul. Und er hatte eine Schwäche für Kandomere. Wenn sich Kandomere wünschte seinen Schwanz bis zum Anschlag in Thyrals Mund rein zu drücken, dann wird es so geschehen.

Dann zogen sie zu dem großen Bett. Dort musste Roxie auf allen vieren halten, und Kandomere drang von hinten in sie ein. Nach nur paar langsameren Stößen begann er sich in ihr schneller zu bewegen. Sie stöhnte, es hat etwas wehgetan, aber sie wollte mehr, noch mehr davon. Er zog immer wieder den Schwanz heraus, schlug auf ihren Arsch, und danach hat er sie wieder gefickt, zunehmend immer gröber. Dabei musste sie nun auch noch Thyrals Schwanz in dem Mund nehmen, der vor ihr kniete. Sie schämte sich zutiefst das zu tun, aber beide mussten tun was Kandomere verlangte, und er wollte es so.

Danach wurden ihr die Hände hinten gefesselt, und Kandomere hat ihr befohlen, sich an Thyral zurückzulehnen, der hinter ihr saß, und sie in einen Würgegriff gleich packen musste. Dann drückte Kandomere ihre Beine breit auseinander, und band fest ihre Fußknöchel an jeder Seite des Bettes. Als sie nun hilflos vor ihm lag, gefesselt, und mit gespreizten Beinen, konnte er den Blick auf ihren offengelegten Kern voll auskosten. Sie hatte eine extrem große Klitoris, die vor Erregung deutlich geschwollen und erigiert war. Es sah aus wie ein kleiner Penis eines Mannes. Kandomere strich sich über seine Erektion, und griff wieder nach der Peitsche. Roxie zuckte zusammen, als sie es sah. Sie erkannte, dass sie nicht darüber nachdachte, wie weit er gehen würde. Sie versuchte sich zu winden, aber die Fesseln waren stabil, der elbischen Stärke angepasst. Thyrals Griff um ihr Hals verfestigte sich. Kandomere hat es mit halb geschlossenen Augen beobachtet, er genoss diese Szene, sowie ihre Furcht.

'Nein, nicht,' wimmerte sie, aber das war für Kandomere nur ein neuer Anlass, sie über den frechen Mund mit der Gerte zu schlagen.
Und dann bekam sie unzählige Schläge über die Schenkel und zwischen ihre Beine. Diese Schläge waren nicht so stark, sie spürte sie aber immer noch deutlich. Überrascht stellte Roxie nun fest, dass es weh tat, aber gleichzeitig verstärkte es ihre Geilheit noch mehr. Obwohl sie Schmerzen nicht wirklich mochte. War es so, weil es dieser aufregende Kandomere tat? Er kniete zwischen ihren gespreizten Beinen, mit seiner Peitsche, nackt und muskulös, wie ein böser und wunderschöner Dämon.

Nach dem es zwischen ihren Beinen schon ziemlich brannte, überging er zum nächsten Schritt. Er befeuchtete seine Finger an der glitschigen Nässe, die aus ihrer Vagina herauskam, und fing an, ihren riesigen Klitoris zu massieren. Unerwartet zärtlich, aufmerksam, und mit einem hohen Feingefühl widmete er sich ihrem geröteten Geschlechtsteil. Diese Handlung stand in krassem Gegensatz zu seiner bisherigen harten Dominanz. Aber Roxie hatte keine Gelegenheit sich zu wundern, denn sie befand sich bald in einer ekstatischen Stimmung - das was er mit ihrem Kitzler anstellte, war so göttlich. Wenn er so was mit den Fingern tun kann, was würde er wohl mit seiner Zunge können? Gegen ihren Willen stöhnte sie nun sehr laut vor Vergnügen.
Und als sie viel zu tief zu atmen begann, und Kandomere ihren nähernden Höhepunkt witterte, hörte er auf, sie zu streicheln.

'Nein, ich lasse dich noch nicht kommen,' sagte er ihr, und stand vom Bett auf. Er brachte sich aus dem Wohnzimmer ein Glas Brandy, dann kehrte zurück, und setzte sich in einen großen weichen Sessel gegenüber dem Bett, so dass sie sich beide gegenseitig beobachten könnten. Er winkte zu Thyral, der Roxie losließ und zum Kandomere kam. Wortlos zeigte Kandomere zum Boden zwischen seinen Beinen. Thyral sank gleich auf die Knie, und nahm Kandomeres Schwanz in den Mund. Kandomere nippte an dem Brandy, und beobachtete die immer noch vor Lust keuchende Roxie, während Thyral an seinem Schwanz saugte.

Etwas später witterte er in Roxies Richtung - ja, sie ist zwar immer noch sehr erregt, er wird es aber fortsetzen. Er ging zu ihr, befreite sie von den Fesseln, dafür hat jetzt aber Thyrals Hände festgebunden, der sich in dem Sessel gemütlich machte. Dieser langhaariger hübscher Elf soll inzwischen nicht etwa auf die Idee kommen zu masturbieren und abzuspritzen.

Und dann befiehl Kandomere Roxie, sich an ihm sehr fest zu halten. Er wollte sie jetzt sehr kräftig ficken. Er nahm ihre gespreizte Beine hoch, drückte seinen Schwanz in sie rein, und sogleich begann er grob zu stoßen. Sie schrie auf – er tat ihr jetzt wieder weh. Eine menschliche Frau an ihrer Stelle wäre wohl bereits ohnmächtig, und womöglich ernsthaft verletzt.
Zu dem Schmerz spürte sie aber auch zunehmend eine große Lust. Mit ihren gelben Augen schaute sie in Kandomeres männlich kantiges Gesicht, seine lange Haare berührten sie im Takt seiner Stöße. Er war definitiv der attraktivste Elf, den sie jemals sah, und dieser Elf brachte sie gerade an den Rand des Orgasmus. Als er sie in die Matratze so fest drückte, und sie sehr hart fickte, zuflüsterte sie ihm heißer, dass sie seinen muskulösen Körper und das blaues Haar mag und dass sein Schwanz so dick ist wie der eines großen Orks, woraufhin sie heftig kam. Dabei zogen sich die vaginale Kontraktionen so stark um seinen Schwanz, und sie machte sie so tiefe kehlige erregende Geräusche, so dass Kandomere ebenfalls sofort seinen Höhepunkt erlangte. Er ergoss sich direkt in sie, während ihres Orgasmus.

Er ließ sie nicht ausatmen. Gleich wurde Roxie von Thyral gefickt, denn Kandomere wollte die beide dabei beobachten, bis er erneut hart wird, das nicht lange dauerte.
Und dann war Thyral an der Reihe – nun musste er auf allen vieren bleiben. Kandomere hat ihn von hinten etwas mit Gleitgel und dem Finger vorbereitet, dann setzte er die Eichel an seinen Arsch, und drückte ihm den Schwanz langsam rein bis zum Anschlag. Allerdings absichtlich nicht langsam genug, und Thyral zuckte vor Schmerz und schrie auf, wollte sich ihm entziehen. Aber Kandomere hielt ihn fest, er ignorierte nicht nur Thyrals Schmerz, er genoss ihn, und fing sofort an, sich in ihm zu bewegen, immer schneller, immer kräftiger. Er wusste dass als Elf hält er noch einiges mehr aus als ein Ork, und nach wenigen Momenten fickte Kandomere den hübschen leidenden Thyral noch roher als zuvor Roxie. Thyral blutete bereits leicht trotz dem benutzten Gleitmittel, aber dem Schmerz mischte sich bald auch ein lustvolles Gefühl, dann ließ auch der Schmerz etwas nach. Nun stöhnte Thyral endlich nur vor Vergnügen.
Über den ganzen Abend war er sehr hart, er wartete nur darauf, von Kandomere gefickt zu werden. Und Kandomere wusste es, aber beachtete ihn absichtlich bis jetzt kaum. Ja, er wusste ganz genau mit was er Thyral foltern kann.

Thyral hielt es folglich nicht mehr aus - bald wollte er die Erlösung, aber er wurde aufs Neue wieder einer speziellen Folter ausgesetzt.
Kandomere erlaubte es ihm nicht abzuspritzen – er hielt inne, als er roch, wie Thyrals Orgasmus näher rückte. In den Pausen peitschte er Thyral mit der Gerte über den Rücken, aber das reichte ihm nicht. Er hob ihn zu sich hoch, und biss ihn mehrmals wild in die Schulter. Und dann biss er ihn plötzlich sehr stark, und trank das Blut aus der Wunde, bis Thyral nur leise und erschöpft nach Luft schnappte. Seine helle Schulter war mit den Biss-Spuren übersät. Aber Kandomere zeigte kein Mitleid, er fesselte Thyrals Hände hinter dem Rücken, damit er sich nicht wehren oder bewegen kann, und drückte dessen Gesicht zwischen Roxies Schenkel, die vor ihm saß, gelehnt an großen Kissen.

'Jetzt wirst du sie befriedigen. Dann werde ich dir erlauben zu kommen. Schaffst du es nicht, oder ich empfinde, dass es zu lange dauert, darfst heute Nacht nicht abspritzen. Dann bleibst du gefesselt, und wirst nur noch zuschauen.'

Kandomeres Anweisungen waren klar und grausam. Thyral und Roxie schwitzten, Kandomere hat sie unter Druck gesetzt. Roxie schämte sich auch noch mehr als sie den Penis ihres Bosses in den Mund nehmen musste. Ihr Boss wird jetzt gezwungen, sie so lange lecken, bis sie den Höhepunkt erreicht. Was wenn sie zu nervös wird, und nicht kommen kann? Gott, und wird sie dem Boss noch morgen vor dem Scham in die Augen schauen, und für ihn noch arbeiten können? Und dann hatte er schon seine Zunge auf ihrer riesigen Klitoris. Thyral war jedoch ein alter erfahrener Elf, er konnte beim Oralsex definitiv Techniken einsetzen, deren Feinheiten garantiert keinem von Roxies orkischen Ex-Lovern bekannt waren. Und tatsächlich war er so gut, dass sie schon nach kurzer Weile keuchte, und dann kam ihr Orgasmus, begleitet von ihrem erregenden kehligen Stöhnen.
Thyral hat sich nun seine Freilassung verdient, aber Kandomere wusste es, ihn wieder mit einer neuen Methode zu foltern. Er drückte den dicken Schwanz ganz in Thyrals Arsch, und blieb in ihm bewegungslos drinstecken. Somit hielt er ihn ganz knapp vor dem Gipfel. Thyral atmete schwer, er bettelte nun Kandomere an:

'Fick mich, und fasse mich an, bitte, nimm meinen Schwanz in deine Hand, mach es mir, Schatz.'

Aber Kandomere flüsterte ihm grausam ins Ohr:

'Nein. Du musst so kommen, Thy, Mit meinem bewegungslosen Schwanz in deinem Arsch, und ohne meine Hand.'

Als aber Thyral anfing weinend zu stöhnen, begann ihn Kandomere doch wieder zu ficken, und griff nach Thyrals steinhartem Schwanz, um ihn ordentlich zu reiben. Er hat ihn immerhin genug gefoltert.
Thyral spritzte so heftig ab, dass er für paar Sekunden ohnmächtig wurde. Danach wurde er von Kandomere lang, und so sinnlich geküsst, dass er fast nochmal in Ohnmacht fiel, und wieder hart wurde.

Nach einer sehr kurzen Verschnauf-Pause nahmen beide Elfen Roxie gleichzeitig, Tyral vaginal, und Kandomere anal. Und dann machten nochmal das gleiche in der Dusche, denn Kandomere bekam nicht genug davon, wie sich Roxie wieder tiefrot schämte. Diesmal weil sie von beiden gleichzeitig gefickt wurde, und auch noch in den Hintern. Und er wollte genießen den Duft ihres Schmerzes, den er ihr mit seinem dicken Schwanz in ihrem jungfräulich engen Arsch verursachte.
Dann bekam Kandomere Lust nochmal Roxie zu fesseln, und ihre große Klitoris zu saugen, was er auch tat, bis sie vor Vergnügen schrie. Er hatte mit Frauen definitiv mehr Erfahrungen als Thyral, und hat ihre Vermutung über seine Fähigkeiten nicht enttäuscht. Während Kandomere sie leckte, war sie die ganze Zeit in der Ekstase, und kam gleich zweimal schnell hintereinander.

Und so und ähnlich ging es noch etwas weiter, bis alle todmüde eingeschlafen sind.

Ja, Kandomere hatte in der Tat in dieser Nacht keine Sekunde Zeit, sich diesem merkwürdigen Gefühl, das an seiner Arbeit bekam, hinzugeben. Da versprach Thyral wirklich nicht zu viel.

Kandomere war zufrieden - er hat sich wie immer bei allen mit einem Geschenk bedankt. Jeder von denen, der seine etwas rohe Bedürfnisse bereit war zu befriedigen, erhielt einen Schmuck als ein Dankeschön. Die schüchterne Roxie bekam einen besonders wertvollen. Die ganze Nacht erregte sie ihn mit ihrer unschuldigen Scham. Sie war keinen Dreier gewöhnt, für sie war es etwas perverses, und er hat sie dazu gezwungen. Das stellte für ihn eine besondere Befriedigung dar, obwohl er wirklich nicht auf Orks stand. Ein bekannter Juwelier erledigte dann wie immer die Versendungen.

Nun, das war also dieser allerletzte, heiße, aufregende Sex, den Kandomere hatte – damals, vor 15 Jahren. Er konnte sich noch an alle Details erinnern, denn manchmal dachte er mit Nostalgie an diese Nacht zurück.

Am darauffolgenden Tag, am Freitag, besuchte er die medizinische MTF-Abteilung, insbesondere wegen des Vorfalls am Donnerstag, als etwas noch Seltsameres passierte als am Vortag.
Er sprach zum Schluß noch mit der zuständigen Ärztin, und dann ging er wieder, durch den Korridor aus der Abteilung, Richtung Ausgang, als alles um ihn stark erschütterte. Der Boden stark bebte. Er verlor das Gleichgewicht, und musste sich an der Wand stützen, damit er nicht zum Boden fiel. In diesem Augenblick kam Montehugh aus einer Tür, mit seinem Notizblock in der Hand. Kandomere schrie Montehugh an:

'Evakuieren! Wir müssen schnell alle aus der Krankenstation evakuieren!'
Wobei er versuchte sich umzudrehen, und zurücklaufen - er muss bei der Evakuierung aus der medizinischer Abteilung und aus aus dem Gebäude zu helfen. Mit mäßigem Erfolg, denn er musste sich weiterhin an der Wand halten. Montehugh lief sofort aufgeschreckt zu ihm, und ebenfalls schrie - was ist los, wollte er wissen, warum muss man alle evakuieren?

'Ulysses, verdammt nochmal, versuchst du in dieser Situation witzig zu sein? Das Erdbeben haut uns gleich auf den Kopf ein paar Erdstöcke! Wir müssen von hier alle und jeden rausholen! Zuerst aber die Patienten!
Und dann beobachtete Kandomere, wie sich Montehugh seelenruhig und etwas verlegen am Hinterkopf kratzte.

'Erdbeben, o.k. Boss, ich bin hier noch nicht lang genug, und weiß noch nicht alles. Natürlich werde ich aber mein Bestes geben, mich anzupassen. Ich bräuchte mich nur etwas orientieren. Ist das hier eine gespielte Katastrophen-Übung?''

Kandomere dachte, er hört nicht recht. Wütend traf er eine Entscheidung – wenn er das hier überlebt, wird er alle Verantwortlichen, die diesen rothaarigen riesigen Komiker rekrutiert und eingestellt haben, nicht nur entlassen, sondern ihre Existenzen von Grund auf vernichten. Denn solch ein unprofessioneller Abschaum verdient es nicht anders. Hier sind Patienten, die Hilfe benötigen, und der spielt hier den Clown. Nicht zu fassen! Alles wackelte, aber nochmals versuchte Kandomere, wenigstens gerade zu stehen, und plötzlich hörte dieses Erdbeben auf.
Sofort eilte Kandomere zu der medizinischen Station zurück, um sicherzustellen, dass alle in Ordnung sind - nur dann um zu erfahren, dass niemand von irgendwelchem Erdbeben etwas mitbekommen hatte.
War das etwa nur eine Einbildung, und eine Fortsetzung der merkwürdigen Wahrnehmung nach dem gestrigen Vorfall auf der Landstraße in den Bergen?

An diesem Freitag, etwas später, als er abends in die Bars ging, stellte er fest, dass er die Clubs satt hatte, das Interesse an Frauen und Männern war nicht mehr vorhanden, und er kein sexuelles Bedürfnis verspürte.
In den folgenden Wochen versuchte er dieses Handicap verbissen zu ignorieren, und verabredete sich mit besonders schönen Frauen. Er hoffte, dass ihr Sexappeal ihm die Lust zurückbringen würde. Aber dem war nicht so, das Verlangen kam nicht mehr zurück.
Für den mageren Höhepunkt, zu dem er noch fähig war, hat er sich später nur noch seine Sekretärinnen in das Zimmer hinter dem Büro genommen. Zu ihm nach Hause brachte er sie immer seltener. Sein kaltes Verhalten diesen Frauen gegenüber kompensierte er mit teuren Geschenken.
Auf diese Weise hat er es dann die letzte 15 Jahre praktiziert.

Was die Ursache dieser grundlegenden Veränderung war, hatte er nicht herausfinden können. Die Tests ergaben, dass es sich um keine Zauber und Flüche handelt. Aber ein Test verriet etwas anderes. Etwas, was eigentlich nicht möglich war – in seinem Blut wurde gefunden Oxytamin. Zwar nur eine kleine Menge, aber es war da. Das Hormon kam in dem Blut der Elfen vor, die bereits ihre Schicksal-Gefährten erkannten. Kandomere fiel auf – er hatte die Einbildung von Erdbeben, und das ist doch ein bekanntes Symptom bei der Erkennung des Schicksal-Gefährten. Aber er hat doch keine Gefährtin erkannt. Das würde er doch mitkriegen.

Kandomere sind dann aus Mangel an plausiblen Erklärungen nur absurde Ideen eingefallen, die er zuerst nicht ernst nehmen könnte, sie aber dann doch einbeziehen musste. Wie zum Beispiel dass er irgendwie nur zum Teil, flüchtig doch aus der Ferne mit nur einem Sinn seine Schicksal-Gefährtin erkannte, was anscheinend ausreichte, um die Interesse an anderen Frauen zu verlieren. Zum Teil? Das hat er noch nie gehört dass so was schon mal passierte.

Nun gut, er wird es theoretisch annehmen. In Frage kamen also alle geschlechtsreife weibliche Elfen, ohne Gefährten, die er mit mindestens einem Sinn wahrnehmen könnte, und mit denen er in Kontakt kam etwa 24 Stunden vor dieser Erdbeben-Einbildung. Also irgendwann ab dem Vorfall mit dem magischen Kraftfeld auf der Landstraße in den Bergen, über dem Party-Abend in Thyrals Wohnung bis zu dem Moment des Erdbeben-Gefühls am darauffolgenden Tag, wo er in der medizinischer Abteilung des MTF Gebäudes kurz vorher mit den Ärzten sprach.

Aber er könnte keine bestimmte Elfe als Gefährtin identifizieren - oder war sie keine Elfe? Oh. Eine Frau anderer Rassen als eine Schicksal-Gefährtin? Wäre es denn überhaupt möglich? Als Agent war er gewöhnt, nichts auszulassen. Also musste er auch die menschliche und orkische Frauen sowie weibliche Zwerge und Goblins als potentielle Partnerin berücksichtigen, denn ein paar davon sind ihm an dem Abend über den Weg gelaufen. Oder zur Sicherheit die Frauen aller Rassen. Denn es war unmöglich sich alle weibliche Wesen und Details in den allen Bars dieses Abends merken können.

Er fing an, es methodisch anzugehen, mit einem Ausschluß-Verfahren. Er begann mit den weiblichen MTF-Ärzten, und arbeitete sich durch jedes weibliche Wesen, das er zurückverfolgen konnte. Er spürte alle auf, die er konnte, und unter irgendwelchen Vorwand suchte ausreichend persönlichen Kontakt zu ihnen, wobei er beobachtete, ob es auf ihn irgendwelche Wirkung haben würde. Die wahre Gefährtin tauchte jedoch nicht auf.
Er durchfuhr dann bei sich selbst nachts in verlassenen Laboren gängige neurologisch-elektroenzephalografische und psychologische Tests. Bei denen hat er sich Frauen-Bilder aller Rassen, Konstitutionen, Hautfarben, Haarfarben, sogar Frisuren und anderen körperlichen Merkmalen anschaute, und dann seine Reaktionen auf den Aufzeichnungen des Detektors analysierte. Er wollte die Suche zumindest so einschränken. Schlussendlich hatte aber keine der Typologie-Frauen auf ihn eine besondere Wirkung, also hat er diese Untersuchung irgendwann eingestellt.
Er kam schließlich zu der Überzeugung, dass er keine Schicksal-Gefährtin finden kann, weil es schlicht keine gab.
Es musste also eine psychisch bedingte Veränderung bei ihm selbst sein, deren Grund er nicht mehr enträtseln konnte. Ihm blieb nur noch die Eventualität, sich Cassian anzuvertrauen. Hat er dann aber nie gemacht, stattdessen hat er sich an den lustlosen Sex gewöhnt.

 

 

Kandomere stoppte diesen Gedankenfluss, und wandte den Blick von den Koi Karpfen. Er hatte kein Fischfutter mehr für sie, er hat ihnen alles gegeben, was in der vorbereiteten Schale am Rande des Teiches vorhanden war.
Er roch in dem Haupt-Speiseraum des Restaurants 'Safran' immer noch dieses seltsame Etwas, das ihn unkonzentriert und nervös machte. Zuerst dachte er, es liege an seiner Müdigkeit, aber dann bekam er den Verdacht, dass es sich um einen Einfluss von außen handeln musste. Plötzlich fiel ihm etwas auf. Dieses Gefühl war dem vor 15 Jahren nach dem magischen Ereignis auf der Landstraße in den Bergen sehr ähnlich. Ja, exakt.
Hat das ganze etwas zu bedeuten? Gibt es jemanden, der es auf ihn abgesehen hat? Kandomere wurde wütend, ist er etwa ein Spielzeug in Händen irgendwelches Magiers, der mit ihm seit 15 Jahren Experimente veranstaltet, und gegen dem er sich nicht verteidigen kann? Also jetzt reichte es. Er muss dieser Sache auf den Grund gehen. Und jetzt scheint es, dass er eine neue Chance bekommen hat, es zu enträtseln. Gut, zuerst wird er diesen gegliederten Speiseraum genauer inspizieren. Er schaut in alle Ecken, hinter die Sichtschutzgitter, Palmen und Separees dieses Restaurants, und sucht nach der Quelle.
Plötzlich summte sein Handy. Er nachschaute wer ihn anrief und seufzte.

„Alles Gute zum Geburtstag, Kan. Und, wann können wir dich erwarten?“

„Danke. Aber ich denke wir sollten das heute auslassen, ich hab keine besondere Lust aufs Feiern. Übrigens bin ich zu beschäftigt. Ich hoffe dass du mir nicht böse bist. Wir machen dann nächstes Jahr etwas größeres, denn dann habe ich einen Zehnten, also verspreche ich, mich auf alles einzulassen, was ihr euch einfallen lässt."

„Nein nein, Kan, so geht das nicht. Das kannst du uns nicht antun. Dein Vater hat für dich etwas vorbereitet, und Lorin hat für dich ein großartiges Geschenk.“

„Es tut mir leid, Mutter. Sag Lorin, dass ich...“

Kandomere sprach den Satz nicht zu Ende. Er roch in der Luft. Diese seltsame Sache, die ihn mit einer Mischung von Emotionen unruhig machte, kam plötzlich näher, und ist klarer geworden. Fieberhaft versuchte er jetzt, es zu identifizieren, und es wurde noch deutlicher. Es zog ihn jetzt auch mächtig an, dabei verursachte einen ziemlichen Chaos in seiner Seele und dem Geist.
Mit verschärften Sinnen Kandomere witterte, um das Ding aufzuspüren.. es war etwas.. nein, es war jemand... ein Wesen, eine Frau, menschlich.. Wer ist sie, und wo ist sie? Kandomere schaute sich rasch um, sah aber keine Menschen-Frau, nur paar Elfen, die an ihren Tischen saßen. Und plötzlich wurde dieser Duft wieder etwas schwächer. Nein! Er darf diesen Duft nicht verlieren. Der Ausgang! Kandomere sah zu dem weit entfernten Ausgang, und dann hat er sie gefunden. Da! Da war sie! Er sah sie nur von hinten. Wunderschöne dichte Schwarzbraune Haare, die leicht auf natürliche Weise in großen Bögen herabflossen, ihr den ganzen Rücken bedeckten und ihr bis zu der sehr schmaler Taille reichten. Einer Taille die sich in einer atemberaubender Proportion zu einem runden Hintern zeichnete - es erinnerte ihn an eine Mandoline.
Sie trug einen anliegenden Minirock, dunkelroten Pullover und hochhackige Riemchensandalen. Über der Schulter hatte sie eine braune Wildlederhandtasche.

Sie bewegte sich sehr graziös, Kandomere glaubte, dass er noch nie gesehen hatte eine Frau, die sich so bewegte. Wie gebannt musste er sie anstarren. Und dann verspürte er aufeinmal eine Erregung.
Und im nächsten Moment verschwand sie schon aus seiner Sicht.

Nein, nein, warum trödelt er hier noch, sie darf ihm nicht entkommen! Er sprang wie gestochen von seinem Stuhl, ließ auf dem Tisch liegen seinen Tablet-PC, Bankkarte, und das Handy, wo an dem anderen Ende seine Mutter vermutlich immer noch wartete. Dabei stieß er den Kellner um, der gerade mit dem Kaffee und seinen Pralinen ankam - er landete hart am Boden. Die Tasse flog in den Teich, wo versenkte, die Pralinen beendeten ihre Flugbahn irgendwo in den Farnen. Der Kellner auf dem Boden und auf allen vieren rief seine tiefsten Entschuldigungen Kandomere hinterher, ja, es war ein wirklich extrem teures Restaurant, wo die Gäste nicht Könige waren, sondern gleich Götter.

„Sir, war etwas nicht in Ordnung?“
Der Empfangschef versuchte es zumindest. Der vorbei flitzende Kandomere ignorierte ihn, und als Antwort bekam er nur das Knallen der Haupttür. Er seufzte nur. Mr. Kandomere war ein alter Stammgast, er darf in dieser Empfang-Halle rennen wie ihm lieb ist, sowie auch Fußball spielen oder Fahrrad fahren, wenn ihm danach wäre. Mr. Kandomere stand hier noch ein Stück über den Göttern.

Kandomere stürzte aus der Restaurant-Tür auf die Straße und schaute in alle Richtungen. Sie war nirgends zu sehen. Wo ist sie wohl hingegangen? Die gegenüberliegenden Mode-Geschäfte könnte er ausschließen. Sie sind zu weit weg, um dorthin in so kurze Zeit zu gelangen. Links war ein Blumen-Laden. Er einatmete tief die Luft in diese Richtung. Nein. Sie ist nach rechts gegangen. Dort war ein Taxistand mit einem parkenden Taxi, er sah sich um, nein, kein anderes wegfahrendes Taxi konnte er sehen. Rechts neben dem Restaurant war ein Tabak-Geschäft an der Ecke. Ist sie da hin gegangen? Ihr Duft verriet, dass sie nicht raucht. Hinter der Ecke war eine kurze Sackgasse mit dem Eingang zu diesem Tabak-Laden und Einfahrt in die Tiefgarage. Da ist sie also hingegangen. Parkt sie da? Würde sie mit den hohen Absätzen Auto fahren? Wartet jemand auf sie? Er stürmte nach rechts, in die Richtung der Gasse.

 

 

Chapter Text

 

 

Genau als er die Ecke erreichte, trat die Unbekannte aus der Sackgasse heraus und der stürmende Kandomere prallte mit ihr zusammen. Seine Nase traf hart ihre Stirn. Die Handtasche, und eine Zeitschrift, die sie in dem Tabak-Laden gerade kaufte, flogen ihr aus der Hand. Sie verlor das Gleichgewicht, und war kurz davor, rückwärts zu stürzen.
Augenblicklich hat er sie mit seiner elbischen Behändigkeit gefangen. Gott, ja, das war sie, das war die menschliche Frau mit diesem am unwiderstehlichen Duft, der mit absolut nichts auf der Welt verglichen werden konnte.
Kandomeres Aufmerksamkeit wurde gelenkt zu dem körperlichen Kontakt mit ihr. Er könnte sie jetzt direkt riechen, sie berühren. Das wirkte sich stark auf ihn aus, er fühlte sich noch merkwürdiger. Sein Atem wurde schwerer, er war wie benommen. Wie versteinert stand er da, als er sie so sanft, aber fest, und auch lang in seinen Armen hielt. Zu lang, aber er hatte nicht vor, sie loszulassen. Eher das Gegenteil, er verfestigte den Griff. Kandomere hatte das Gefühl, dass er nicht in der Lage sein wird, sich von ihr zu loslösen.
Er dachte in dem Moment kaum daran, warum dem so ist. Sein Verstand war vernebelt. Die Seele die nach diesem Wesen hungerte, übernahm die Handlung. Ob es ein Fluch ist - ja, mehr davon bitte, wenn es ein Zauber ist, will er für den Rest seines Lebens verzaubert bleiben. Wenn er wüsste dass es sich so anfühlt, hätte er darum gebettelt, verzaubert zu sein.
Kandomere schluckte. Er konnte diesem herrlich duftenden Geschöpf jetzt auch ins Gesicht schauen, aus nächster Nähe. Sie war hinreißend - diese junge Frau war das anmutigste, was er je sah. Berge der edelsten Blumen würden verblassen neben ihr, nichts auf der Welt könnte faszinierender sein als sie. Hypnotisiert beobachtete er in ihren Augen den endlosen Kosmos mit einem goldenen Sternenstaub. War sie etwa eine Gottheit, die zur Erde herabstieg?

Er schaute sich langsam jeden Zentimeter ihres sehr jung aussehenden Gesichts an. Sie war so wunderschön. Ihr ehrlicher, unschuldiger Ausdruck rundete diese atemberaubende Perfektion ab. Ihre Lippen begannen ihn unwiderstehlich anzulocken, und er bekam eine Lust, sie zu küssen. Dann blickte er zu ihrem Hals, schluckte noch lauter, und wusste plötzlich genau, was er will. Er wollte sie nicht nur jetzt, sondern für immer küssen können. Er wollte sie kräftig beißen, ihr Blut schmecken, und sie markieren. Für die Ewigkeit markieren.
Verdammt, unzählige Male war er immer wieder von jemanden angetan, den er gerne beißen wollte, aber nicht so, bei weitem nicht so, auf so eine endgültige Art. Meistens entfernte er seine Bisse schon gleich nach dem Sex-Akt, und manchmal markierte er jemanden für eine Weile als sein Eigentum, aber er hat noch nie verspürt das Verlangen, jemanden am blauen Lotos für immer und ewig zu markieren.
Heißt das alles etwa vielleicht...
In Kandomeres Bauch begann es zu kribbeln, und er bekam plötzlich Gänsehaut - hat er seine Schicksal-Gefährtin erkannt? Seine wahre Schicksal-Gefährtin?! Oh, Gott, was könnte es denn anderes bedeuten, er spürte es doch bereits mit jedem Faser seines Körpers!
Also ist es passiert, er hat also doch die Schicksal-Begegnung erfahren, obwohl er daran nicht mehr glaubte! Kandomere wurde von mächtigen Emotionen überwältigt.
Aber - eine menschliche Schicksal-Gefährtin? Gut, denn dann ist es ein Glück. Denn er würde diesen kostbarsten Schatz für keine Elfe eintauschen wollen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, sie nur zu halten. Wie sich dann erst die Paarung-Nacht anfühlen wird?
Kandomere spürte, wie sich das Glück in ihm ausbreitete. Also so unendlich himmlisch fühlte es sich an, wenn man seine Gefährtin erkennt.
Willenlos fügte sich Kandomere nun der Zugehörigkeit zu diesem reizvollen Geschöpf. Ab jetzt gehört sie wirklich ihm, nur ihm, und er hat nun auch offiziell das Recht sie zu markieren. Allerdings wäre es angebracht, wenn er sie erst in der Paarung-Nacht markieren wird, und nicht auf der Straße vor irgendeinem Tabakladen. Er sollte also noch etwas warten? Kandomere keuchte – ihre Nähe ließ jetzt auch erwachen seinen seit 15 Jahren schlummernden physischen Instinkt, mehr noch, er verspürte so ein leidenschaftliches Verlangen, das er selbst aus seinen Zeiten der Sexsucht nicht kannte. Und er spürte, wie diese Mauer in seiner Seele fiel, hinter der er so lange seine Sehnsucht nach der Schicksal-Gefährtin verschlossen hielt.
Das alles kam nun über ihn – wie konnte er sich noch beherrschen? Nein, er wollte nicht mehr warten. Er möchte sie gleich, jetzt gleich markieren. Es ist ihm doch egal wo das geschehen sollte, vor einem Tabakladen, einer Currywurst-Imbissbude, oder vor den öffentlichen Toiletten. Er wartete so lange, so extrem lange. Er konnte sich kaum noch kontrollieren.
Kandomere bloßlegte die Spitzen seiner scharfen Zähne, roch jetzt intensiv an ihr, und erkannte überrascht noch etwas - eine spezielle, versteckte Duftsträhne. Es war der Duft der jungfräulichen Reinheit. Sie ist eine Jungfrau? Mit einer Wucht traf ihn endgültig eine wilde Begierde, und er verlor die Reste seiner Beherrschung. Kandomere atmete schwer, kam mit seinen Zähnen fast an ihren Nacken heran. Jetzt fehlte nur noch eins – bevor er sie markiert, will er unbedingt auch ihre Gefühle riechen, er wollte spüren auch ihre Leidenschaft für ihn. Wenn er in ihrem Blut das Verlangen schmeckt, wird es vollkommen, dann erfährt er das allergrößte Schicksal-Glück.
Er wusste, sofort passiert es. Sofort wird er den Duft aufnehmen, wie sehr sie ihn will, und ihr sehnsüchtiges Empfinden für ihn. Gleich wird sie, seine Schicksal-Gefährtin, seine Umarmung erwidern, und er wird ihre Erregung riechen.
Gott, ja, er wollte es so sehr, er wollte schnell ihre erste brennende, leidenschaftliche Zuneigung spüren...

„Sir, würden Sie mich bitte loslassen?“

Kandomere drückte sie noch näher an ihn heran. Gleich, gleich erkennt sie ihn auch...

„Sir..?“

Aber wieso riecht er überhaupt nichts davon, es musste doch gleichzeitig auftreten..

„Sir, sind Sie verletzt?“

Das einzige was Kandomere riechen konnte, war ein Anflug einer leichten Furcht, Furcht vor ihm, weil er sie bedrängte. Seine Nähe wurde mit jeder Sekunde unangenehmer für sie. Sie fühlte nichts für ihn. Absolut gar nichts...
Kandomere nahm nochmal tief Luft ein. Nichts.

Und plötzlich verspürte er den schrecklichsten Schmerz, als würde sein Seelenkörper unter heftigsten Krämpfen absterben.

„Brauchen Sie einen Arzt?“

„...nein, mir war nur etwas schwindlig, es tut mir leid...“

Er ließ sie los, er ließ sie tatsächlich los. Sein Körper wurde kraftlos, dieser innere Schmerz war unerträglich. Hassen ihn denn die Götter so sehr?

„Sir, bitte kommen Sie mit.“

Was? Kandomeres Herz aufsprang, er sah sie hoffnungsvoll an. Aber selbstverständlich kommt er mit ihr mit!
Zurück in das Restaurant? Ah ja, er hat da seine Sachen liegen lassen. Und auch der Parkservice-Mann schaut ihn mit fragendem Blick und dem Autoschlüssel in der Hand.

Sie führte ihn zu dem Empfangschef.

„Können Sie dem Herr ermöglichen sich hier irgendwo hinzulegen und auszuruhen, und würden Sie für ihn einen Arzt anrufen? Er fühlt sich nicht wohl.“ Sie legte ihren Handrücken auf seine Wange – Kandomere ächzte leise, Gott, sie hat ihn berührt. „Er hat Fieber.“

„Selbstverständlich, Miss, wir werden uns darum kümmern.“ Den Empfangschef überraschte es nicht, Mr. Kandomere hat sich eben wirklich für ihn untypisch verhalten, er dachte schon, dass da mit ihm etwas nicht stimmte.

Die junge Frau schaute Kandomere prüfend noch mal an, dann verabschiedete sich und ging. Kandomere blieb verdutzt stehen. Was, das war es? Genau als er neue Hoffnung schöpfte, und dachte, dass sie mit ihm doch etwas Zeit verbringen wollte, verließ sie ihn? Sie wollte ihn also nur loswerden.
Er hörte, wie draußen ein Auto startete. Das Taxi! Aber er weiß doch nicht mal wer sie ist, wo er sie suchen soll! Was tut er bloß, er verliert sie! Wieder stürmte Kandomere aus der Tür raus. Das wartende Taxi stand nicht mehr da, er sah es nur in die Straße einbiegen, die ins Zentrum führte. Die Taxi-Nummer schaffte er nicht mehr zu lesen. Er kniff die Augen zusammen, er muss jetzt rational handeln. Eine Sekunde lang überlegte er, und dann drehte sich um, lief zurück, unterwegs wies er den Parkservice-Mann an, seinen Wagen aus der Tiefgarage zu fahren. Der zuvor gerammte Kellner wartete jetzt hilfsbereit in dem Eingang zum Speiseraum - Kandomere forderte ihn auf, seine Sachen vom Tisch zu holen. Bezahlen wird er nächstes Mal. Dann wandte er sich an den Empfangschef:

„Diese Frau, wer war sie, war sie allein hier? Ich brauche den Namen, Adresse, alle Details!“

Der angesprochene Elf schaute zuerst unsicher auf das Bildschirm. Nicht deswegen, nach den Daten der jungen Frau in den Reservierungen zu suchen, sondern um 2 Sekunden Zeit zu gewinnen, um sich eine schonende Antwort zu überlegen. Denn er roch jetzt, dass für diesen geschätzten Gast die Frau irgendwie wichtig ist, und er ihn gleich gründlich enttäuschen wird. Dann seufzte er:

„Bedauere, das kann ich Ihnen beim besten Willen nicht sagen, Sir. Die junge Dame ist keine von unseren Stammgästen oder einigermaßen bekannten Gästen. Und ich erlaube mir zu vermuten, soviel ich mich erinnern versuche, dass sie gar das erste Mal hier war. Sie ist allein gekommen, zahlte bar, und hat nicht reserviert. Ich rufe Ihnen jetzt den Arzt an, wenn Sie es erlauben, Sir.“

„Gut. Und nein, das ist in Ordnung, mir fehlt nichts.“ Kandomere dachte konzentriert nach: Er darf sich jetzt keinen Fehler leisten. Er muss pragmatisch vorgehen. Wenn er versucht, ihr direkt zu folgen, wird er das Taxi oder auch sie womöglich nicht mehr finden, und damit verliert er die Zeit, um eine anständige Fahndung einzuleiten, die mit der frischen Spur eine hohe Erfolgschance hat.
Er nahm seine Sachen und ging raus. Draußen wartete kurz auf seinen Wagen, sprang sofort rein und fuhr zurück zur Arbeit. Noch unterwegs gab er bei der MTF-Belegschaft die Anweisung – Montehugh, oder ein Special-Agent der gerade am wenigsten ausgelastet ist, soll sich in seinem Büro umgehend melden.

 

Bei MTF angekommen, wartete bereits Hadrien auf ihn. Er hatte zwar einiges zu tun, ergriff aber sofort die Chance und Gelegenheit, sich bei dem Boss auf direktem Weg endgültig zu beweisen. Als noch junger 55jähriger Elf, hatte den leitenden Agenten als Vorbild, und sah zu ihm auf. Jetzt schien sein Boss irgendetwas wichtiges im Augenmerk zu haben, etwas, was nicht warten könnte. Alles klar, er, Hadrien, wird sich dieser Mission annehmen, und sie erfolgreich durchführen. Er musste aber Montehugh, der eigentlich als Chefs Partner agierte, überreden, ihm diese Aufgabe zu überlassen. O.k., Montehugh grinste. Klar, Hadrien kann die Aufgabe haben, muss dafür aber den gemeinsamen Kneipen-Abend am Samstag bezahlen. Er sagte es zwar nur aus Spaß, er machte sich nur lustig über den eifrigen fleißigen Hadrien, den manche Agenten schon kleiner Kandomere nannten - aber Hadrien wird trotzdem alles bezahlen. Und das auch mit Freude! Er war froh, die Gelegenheit dazu zu bekommen, denn Montehugh leistete immer stolz den Widerstand. Aber Hadriens Gehalt war fünfmal höher als das seines besten Kumpels Montehugh, also war es Hadriens Meinung nach eigentlich eine Pflicht.

Nun, Hadrien verstand alles, der Boss suchte nach einer menschlichen jungen Frau, mit genauerer Beschreibung, Zeit, Ort, Angaben, nein, sie ist nicht gefährlich. Er muss die Suche sofort beginnen, die Spur ist noch ganz frisch. Er bekam den Zugriff auf alle MTF-Ressourcen. O.k. Boss, auf Hadrien kann man sich verlassen, er wird sie finden.

Nachdem Hadrien schnell gegangen war, um die Suche zu starten, erstellte Kandomere ein Fahndungsbild der schönen unbekannten Frau auf seinem Computer und schickte es ihm. Dann ging er in das Hinterzimmer, zog sich das Jackett aus, legte sich auf das Ledersofa und machte seine Augen zu. Jetzt rief er sich in den Gedanken die Begegnung mit ihr wieder auf, und versuchte verstehen was da passierte. Warum fühlte es sich so an, als hätte er seine Schicksal-Gefährtin erkannt, obwohl es doch keine Schicksalsbegegnung sein könnte. Sie reagierte auf ihn doch gar nicht. Aber war es nicht selbsterklärend? Glaubte er wirklich, dass ein Mensch ein Schicksal-Gefährte eines Elfen sein könnte?

„Schatz, brauchst du etwas? Du siehst müde aus.“ Kandomere merkte gar nicht dass Limahl reinkam.

„Ich brauche nichts.“

Limahl ignorierte es, ging zu ihm und setzte sich neben seinem Kopf, und fing an, ihm sanft die Schläfen zu massieren. Plötzlich hörte er auf und sagte vorwurfsvoll:

„Süßer, du hast ja Fieber, wieso sagst du es nicht? Warte, ich bringe dir etwas.“

Kandomere antwortete nicht. Aber als sein Sekretär mit einer Tablette und Glas Wasser wieder kam, schluckte er es widerstandslos. Limahl legte jetzt seine Hände auf Kandomeres Stirn auf, um mit seiner heilender Kraft die Wirkung der Tablette zu unterstützen.

„Ich werde runter gehen und dir einen von unseren Ärzten holen, das Fieber hat sicher eine Ursache.“

„Nein.“

„Ich verstehe, das bedeutet wohl dass du auf meine Anwesenheit nicht verzichten möchtest.“ Der blonde Limahl lächelte ihn an.

Nach einer Weile sank Kandomeres Fieber spürbar. Limahl beugte sich über seinen Boss, küsste ihn und flüsterte:

„Möchtest du jetzt meine spezielle Behandlung?“

Er wartete allerdings keine Antwort ab, wechselte seinen Sitzplatz zu Kandomeres Hüfte, beugte sich leicht über ihn und fing ihm über die Brust zu streicheln, glitt weiter nach unten bis zu dem Schritt. Dann öffnete seine Hose, steckte die Hand rein und streichelte langsam seinen Geschlechtsteil.

„Süßer, was ist mit dir, hast du keine Lust?“
Denn nach Minuten des geübten Hätschelns versteifte sich Kandomeres Penis kaum. Limahl war besorgt, erregt er seinen Boss nicht mehr? „Dann mach ich ihn hart in meinem Mund, das gefällt dir immer."

Kandomere bewegte sich jetzt. Er griff nach Limahls Hand, die in seiner Hose steckte. Es war jedoch keine Geste der Aufforderung, weiterzumachen. Der Sekretär hat es plötzlich verstanden, es war eine Geste der Ablehnung. Auch roch er es jetzt, sein Boss fühlte absolut keine sexuelle Lust. Es war zwar normal so, dass Kandomeres Verlangen allgemein nicht sehr stark war, und auch seine Erektion sich gewöhnlich nur langsam aufbaute, wahrscheinlich aufgrund von Überarbeitung und Arbeitsstress, wie Limahl glaubte. Aber zumindest wurde er immer hart, wenn Limahl sich anstrengte und ihn richtig berührte, und dann könnte Kandomere auch manchmal sehr lang anhaltenden Sex haben. Vielleicht nur deshalb, weil er Schwierigkeiten mit der Ejakulation hatte, aber Limahl wollte es nicht hinterfragen, und genoss lieber diese Kandomeres Ausdauer.
Diesmal regte sich aber der Schwanz seines Bosses gar nicht.

... könnte es vielleicht diese eine verdammte Sache bedeuten? Wäre es möglich, dass Kandomere jetzt seine Schicksal-Gefährtin erkannte?! Ausgerechnet wenn sie beide so schöne Beziehung führten?
Limahl wollte diesen unangenehmen Gedanken kaum laut aussprechen:

„Kandomere, Süßer, hattest du eine Schicksalsbegegnung?“

„..nein.“

Limahl atmete etwas erleichtert aus.

„Dann hast du jemanden neuen kennengelernt, hab ich recht?“ Das wäre zwar auch schlimm, aber dennoch ein viel kleineres Übel als der Anmarsch der echten Gefährtin.

Kandomere zog Limahls Hand raus und machte seine Hose zu. Eigentlich hoffte er auf die schnelle Befriedigung durch den Handjob, aber unerwartet ging es nicht, es erregte ihn gar nicht. Und er vermutete - es wird ihn auch nicht mehr erregen. Es wurde ihm sogar unangenehm, dass Limahl ihn intim angefasst hat. Es hatte keinen Sinn.

„Limahl...“

„ Ist es eine Frau? Kann sie dich besser befriedigen als ich es kann?“

Ja, das war es. Er hat eine Frau kennengelernt. Limahl glaubte sogar, dass er ihr Geruch noch an Kandomeres Händen riecht...

„Limahl, wir beenden heute die Beziehung.“

Ob er will oder nicht, Kandomere kann es nicht ändern.

„... beenden...?“

„Es tut mir leid dass es so gekommen ist, glaub es mir.“

„...es endet, heute...?“ Limahl wiederholte mechanisch diese grausame Worte, was genau passierte da gerade? Er verstand es nicht.

„ Ja, ab jetzt nennst mich also nicht mehr 'Süßer' sondern Sir, bitte denk daran.“

„..ich, ich will es aber nicht beenden, ich bin damit nicht einverstanden!“ Der arme schockierte Limahl schrie nun, dann schluchzte laut auf.

Kandomere hob Limahls Hand an seine Lippen und küsste sie. Der junge blonde Elf war hübsch und aufmerksam, lieblich devot, seine satte rosafarbene Bisse der Leidenschaft grenzten fast an das Rot der Schicksal-Gefährten. Kandomere war mit ihm zufrieden, aber er muss es beenden. Durch die Trennung spart er Limahl übrigens nur die Frust, denn offensichtlich erregt er ihn nicht mehr.
Aber Kandomere befürchtete, dass nicht nur Limahl, sondern auch niemand andere ihn erregen wird. Er fühlte es.

„Du kannst dir aussuchen, was du als Abschiedsgeschenk haben möchtest...“

„Kandomere Schatz, ich will keine Abschiedsgeschenke! Ich will dich! Ist doch nicht schlimm, dass du gerade keine Lust auf Sex hast, das kann passieren."
Limahl versuchte es, aber wusste, dass es vergebens war. Kandomeres Wille ließ sich selten umstimmen. Trotzdem machte er noch einen Versuch:

„Wir müssen doch nichts überstürzen. Das ist sicherlich nur vorübergehend, dass du nicht in der Stimmung bist. Deshalb müssen wir uns doch nicht gleich trennen! Bitte, tu es nicht...“

Jedoch Kandomere meinte nur:

„Egal was du möchtest..."

Ja, Kandomere mochte vor einer langen Zeit einen harten Sex, mit allen dazugehörenden Elementen, aber jemanden so emotional zu verletzen, war niemals ein Hobby von ihm, das war es keinesfalls. Deshalb versuchte er immer jede Geliebte reichlich entschädigen, wenn er es beenden wollte. Er machte immer schnell den Schluss, denn sich auf lange Diskussionen einzulassen brachte den Geliebten immer nur noch mehr Tränen. Er könnte aber diesmal ohnehin nichts anderes tun. Oder würde Limahl etwas anfangen können mit einem Geliebten, der höchstwahrscheinlich nicht mehr ficken kann?

"... du kannst dir auch etwas richtig teures wünschen.“

Limahl hat verloren. Nun sagte er nichts mehr, er stand nur auf und ging zur Tür. Dann drehte sich doch noch um.

„Wenn es dem so ist, Sir, wünsche ich mir eine Luxus-Wohnung, aber nicht irgendwelche, ich möchte Ihre Wohnung, mit Ihrem Bett drin. Und all den Kissen...“

„Natürlich, ich gebe es dir.“

Als Antwort gab es nur Limahls neues Schluchzen.
Verstört und weinend ging Limahl zu seinem Schreibtisch zurück. Es war eine zu kurze Beziehung mit diesem traumhaft anziehenden blauhaarigen Elf, dessen Gunst er sich einst musste erkämpfen.
Aber noch darf er anscheinend seinen Arbeitsplatz behalten. Also wird er auf eine neue Gelegenheit warten, in seiner Nähe. Trotz dem allem fing Limahl sich eine neue Hoffnung machen. Es ist sicher nur irgendwelche Stress-Phase seines Bosses, und es wird bestimmt erneute Chance geben. Und wenn es kommt, wird er es ergreifen.

 

 

Hadrien brauchte für den Jagd-Auftrag nach Kandomeres weiblichen Menschen den halben Nachmittag.
Der Befehl lautete – die Identität und Adresse der Frau unauffällig herausfinden und sie fortan beobachten. Er nutzte alle Ressourcen. Stadt-Kameras, Satelliten-Bildübertragung, und ein paar Kamera-Drohnen. Mehrere Spezialisten saßen an Computern und verfolgten im Zielgebiet die Schritte und elektronische Spuren vorläufig mehrerer junger dunkelhaariger Frauen, auf die die Beschreibung passte. Hagens Männer wurden einbezogen, und durchsuchten alle Geschäfte und Nebenstraßen, es bestand ein Kontakt mit den Taxi-Zentralen, und Streifen-Polizisten in dem Gebiet wurden angewiesen. Alle suchten herum dem Ziel des Taxis – einer langen Einkaufsstraße im Zentrum des Stadtviertels Western Hills, wo die gesuchte Frau ausstieg.

Und dann hatte Hadrien die richtige gefunden. Auf der gespeicherte Kamera-Aufzeichnung stieg sie aus dem Taxi, das von 'Safran' losfuhr. Es war nur eine Aufzeichnung, aber er konnte so ihren weiteren Schritten folgen. Sie ging in einen Buchladen, und dann in mehrere Modehäuser. Nur leider wollte die junge Frau, nichts über sich preiszugeben. Alles was sie kaufte, zahlte sie bar, und somit keine Daten hinterließ. Sie hat sich mit niemanden getroffen. Hadrien konnte auch keine brauchbare Aufnahme machen, die er mit dem Identifikation-Programm verwenden wollte. Die Bild-Aufnahmen, die er machte, ergaben nur Ähnlichkeit-Erkennung mit zu vielen Treffern. Die Stadt schien voll mit dunkelhaarigen hübschen jungen Menschenfrauen zu sein. Und zu seinem Ärgernis liefen viele von denen auch noch in dunkelroten Pullovern und Sandalen herum. O.k., dann eben verwendet Hadrien andere Methode, denn schlussendlich fand er eine heiße Spur.

Es gab keine Aufzeichnungen, dass sie aus dem letzten Modegeschäft rausging, also müsste sie noch dort sein. Und da fand er sie auch. Noch hat er die junge Frau nur auf den Kameras beobachten können, aber ein paar seiner Leute waren schon unterwegs in die Etage des Modegeschäfts, wo sie zuletzt von einer Kamera aufgenommen wurde. Sie kaufte Nylonstrümpfe, die sie bar bezahlte, und dann wurde sie schon direkt überwacht. Sie verließ unter Beobachtung das Modehaus, und stieg in ein Taxi. Ausgezeichnet. Jetzt könnte er sie nicht verlieren, und es gab Chancen auf neue Daten. Gegebenenfalls lässt er von Streifen-Polizisten ihren Ausweis überprüfen. Sofort hat Hadrien von der Taxi-Zentrale die Zieladresse angefordert, und schickte Leute und Drohne dorthin, sowie hinter dem Taxi her. Und bald darauf hatte er endlich ihre Identität.

 

Hadrien wartete sehr unruhig an seinem Schreibtisch. Der Boss war draußen, einen wichtigen Fall überprüfen. Dann kam Montehugh, der mit ihm da war, und meinte, dass Kandomere wieder in seinem Büro wäre. Gut, Hadrien wird dem Boss sein schriftliches Ergebnis nachher schicken, jetzt geht er es ihm erst Mal persönlich berichten - er will Chefs zufriedenen Gesichtsausdruck mit eigenen Augen sehen und auskosten. Mit seinem PC-Tablet rannte Hadrien in den sechsten Stock, denn der Aufzug war gerade besetzt, vorbei am Chefs Sekretär Limahl, der sich mit geröteten Augen gerade laut die Nase putzte und ihn nur wortlos mit der Handbewegung weiter wies.

Als Hadrien Kandomeres unverhüllt erwartungsvollen Blick sah, wusste er, diese Aufgabe war in der Tat von einer Wichtigkeit. Er präsentierte seinen Erfolg: Foto mit persönlichen Daten.
Kandomere schaute es sich eine Weile aufmerksam an. Dann sagte er:

„Das ist sie nicht.“

„Sir...“

Special-Agent Hadrien könnte nicht zerrütteter sein.

Allerdings war er nicht längst so zerrüttet wie Kandomere. Egal dass die süße Unbekannte nicht seine Gefährtin war, egal dass sie keine Interesse an ihm zeigte, er musste sie wieder sehen, er brauchte ihre Nähe. Aber er selbst fühlte sich zu verstört, und fürchtete, er könnte dadurch bei der Verfolgung einen Fehler machen, und damit verpasste die Gelegenheit ihr nachlaufen wenn er noch konnte, und verließ sich auf Hadrien. ... er war sich so sicher, dass der sehr fähige Agent sie findet.

„... dennoch gute Arbeit, Hadrien, die Ähnlichkeit ist bemerkenswert. Sie hatte die beschriebene Kleidung, oder?“

„Ja Sir, hatte sie,“ flüsterte fast Hadrien. „ Samt einer wirklich süßen Stupsnase und dunkelroten Riemensandalen...“
Er roch sehr gut die Kummer und Enttäuschung seines Chefs. Der Boss versuchte es zu verbergen, jedoch war die Emotion der Enttäuschung sichtlich zu stark. Anscheinend war die Sache von noch größere Bedeutung als Hadrien vermutete, womöglich privater Art.

„Gut, danke, du kannst gehen.“

Auf dem Weg zurück in sein Büro verfluchte Hadrien die ganze Modewelt, die sich dieses Jahr für die Trendfarbe dunkelrot entschieden hatte, und den Markt mit Pullovern und Riemensandalen dieses Farbtons überflutete.
Ja, Hadrien konnte seinen Chef in der Tat über seinen Qualitäten überzeugen. Besonders von der Tatsache, dass er komplett inkompetent ist. Er ist nichts anderes als ein Schandfleck der Agenten-Welt. Es war doch eine so simple Aufgabe...

„Hadrien, ist Kandomere oben?“

Er hob den Blick, und sah – einen dunkelroten Pullover. Hadrien machte einen angeekelten Gesicht - als er bemerkte dass in dem Pulli der wunderschöne Engel, diese blonde Laborantin Rose steckte, es war aber zu spät seinen abfälligen Ausdruck irgendwie verbergen. Sollte er erklären, dass sein angewiderter Blick nicht seine Meinung über sie zum Ausdruck bringt, sondern dass er nur ihren eigentlich sehr hübschen Pullover nicht ausstehen kann? Was war schlimmer, dass sie ihn für ein Arschloch oder einen Idioten hielt?

„Ja, Rose, ist er..“

„O.k., danke dir.“ Rose antwortete kalt. Sie war enttäuscht. Der Agent, den sie wirklich mochte, und sie ihn für den sympathischsten in MTF hielt, hat sie gerade angesehen, als wäre sie eine Kakerlake in seiner Suppe.

Hadrien kam in sein Büro, setzte sich hinter den Tisch und legte den Kopf auf die kühle Oberfläche. War dem hinterhältigen Schicksal sein Pech nicht grauenhaft genug? Kandomere hält ihn jetzt für einen unfähigen Schwachkopf. Der Misserfolg hat den immer kontrollierten Boss persönlich so getroffen, so dass er seine Emotionen vor Hadrien nicht mal geschafft hatte zu verbergen. Die Sache war dem Boss sehr wichtig, und Hadrien hat es vermasselt.
Und jetzt hasst ihn auch noch seine blonde Traumfrau.

„Ja was ist denn heute los hier, mit euch allen? Du erweckst den Eindruck, als würdest planen von der Brücke zu springen, der Boss ist in einer Beerdigung-Stimmung, und der kleine Limahl heult nur. Nun gut, Hadrien, beweg dich, es ist Feierabend, wir gehen!“

Montehugh zog Hadrien aus dem Büro, und nicht nur ihn, denn kurz später fanden sich in einem Lieblingsbar alle vier: Hadrien, Montehugh, Limahl und Kandomere.

„So, Jungs, genug mit dem Trübsal,“ eröffnete den Abend Montehugh und bestellte viermal 'on the rocks'.

„Und jetzt hebt jeder eine Hand, wo eine Frau die Ursache seines jämmerlichen Zustandes ist!“
Der rothaariger Riese wusste wie man einen Männerabend einleitet.
Er schielte zu Kandomere.

„O.k., der Boss darf es nur mit seinem düster-resignierten dreinblickenden Ausdruck zugeben, sei denn er erhebt jetzt einen Widerspruch.“ entschied er.
Kandomere blinzelte ihn an, sagte aber nichts.

"Kein Widerspruch? Alles klar."

Montehugh zählte:

„Boss – düsterer Blick, das bedeutet ein Weib, Limahl – ebenfalls eine? Na das ist eine echte Überraschung, und Hadrien – sogar zwei? Großartig, Hadrien wird heute doppelt ernten. Also alles ist wie ich mir dachte, hinter eurem Geheul stecken tatsächlich Weiber. Na dann verschreibe ich euch jetzt eine Medizin. Das heißt ihr werdet jetzt trinken, singen, und tanzen! Wer von euch nicht mitmacht, ist der glückliche Gewinner der Tombola, derer erster Preis ist die Teilnahme an einem intensiven Boxtraining mit mir persönlich!“


Dann schaute er auf die drei Elfen, und wurde ihm bewusst ihre Stärke. Sie blieben unbeeindruckt von Montehughs Gewicht, Größe und Box-Erfahrungen. Uhm, selbst der zarte Limahl hatte bestimmt eine enorme Kraft, dachte sich Montehugh, also sagte er schnell:

„Aber ich bin sicher, das riskiert keiner von euch, hab ich recht? Nochmal vier, eh, nein, drei und einen doppelten. Barmann, der braunhaarige Elf trinkt heute für zwei!“

Der Abend war ein Erfolg. Es gab zum Schluss keine Gewinner der Box-Training-Tombola. Am Anfang war es etwas lustlos, aber eine Stunde später hat sich Montehugh als begabter Witz-Erzähler bewiesen und es wurde gelacht. In der nächsten Stunde fing das Gejammer wieder an, Hadrien und Limahl hingen vollgetrunken zu beiden Seiten an Kandomere, und heulten auf seiner Schulter. Dass sie sich als männliche Elfen für irgendwelche Tränen schämen sollten, schienen sie völlig ignoriert zu haben. Nach einer weiteren Stunde haben alle drei Elfen gesungen, in Övüsi, tausende Jahre alte elbische Lieder. Montehugh widerstand nicht der Versuchung, davon heimlich ein Video zu machen. Ein wertvoller Fang, grinste er für sich. Dafür wird ihn Boss grausam killen, aber nur wenn er das Video finden sollte, versteht sich.
Und dann, noch etwas später, übertrumpfte es die nächste geheime Videoaufnahme auf Montehughs Handy, als Kandomere sich das Jackett auszog und fing an zu tanzen, uralte elbische Männer-Tänze, wunderschön, faszinierend, kraftvoll und geschmeidig. Er tanzte zum Hadriens und Limahls Liedern - sie sangen laut, der eine trommelte dazu in den Rhythmus auf einen leeren Schnaps-Karton, der andere spielte auf eine Ukulele, die er von der Wand nahm, die dort als Dekoration hing, und die ganze Bar klatschte begeistert dazu.

Kandomere fiel auf – also hat er doch irgendwie zum Schluss des Tages seinen 549. Geburtstag gefeiert, wenn auch nur insgeheim, für ihn allein.

 

 

Am Morgen kam Kandomere zur Arbeit wieder fit – Elfen könnten Alkohol schnell abbauen. Fit war er allerdings nur körperlich, in der Seele machte ihm das Ereignis mit der verlorenen schönen Unbekannten weiterhin sehr zu schaffen. So sehr, dass es Montehugh schon gestern bemerkte, als sie beide zusammen einen Fall überprüfen gingen, und später oben im Büro, beunruhigte es schon ziemlich den guten Mann, als er Kandomere nach einem Gespräch mit Hadrien in einem ausgesprochen niedergeschmetterten Zustand erwischte. Deshalb hat er ihn dann gezwungen mit ihm was trinken gehen - wenn ihm danach wird, kann auch erzählen über seinem Problem, und was ihn bedrückt, und wenn er darüber nicht reden will, ist es auch in Ordnung, ein entspannter Abend ist nicht verkehrt, es wird ihn wenigstens ablenken von seinem geheimnisvollen Problem. Als Montehugh dann auch den heulenden Limahl sah, an dem er vorbei ging, hat ihn prompt auch dazu eingeladen. Montehugh, der Retter der traurigen Elfen.

Der Abend war amüsant, aber nicht ablenkend genug, Kandomere dachte die ganze Zeit an die schöne unbekannte menschliche Frau und wie lange es dauern wird sie zu finden, und ob er überhaupt einen Erfolg haben wird. Was wenn sie in dieser Stadt nur zum Besuch war? Dann kann er die ganze Welt anfangen zu absuchen.

Seit er aufwachte, könnte er wieder an nichts anderes denken als an sie.
Er wird sich zu seiner gewohnten Routine zwingen müssen, wenn er irgendwie funktionieren soll. Er sollte zuerst etwas essen, und dann sich auf die Arbeit stürzen. Er muss die ganze Zeit beschäftigt bleiben, damit er keine Zeit hat, über die unbekannte junge Frau nachzudenken und sich selbst nicht zu quälen. Aber er wird einem von den Praktikanten die Aufgabe geben, eine systematische Suche nach ihr zu starten. Seine Abende wird er ab heute mit dem Analysieren den eingrenzenden Ergebnissen verbringen.

Bei MTF angekommen, ging er zuerst in die Cafe-Bar, bestellte sich bei Billy einen starken Kaffee und begutachtete das Angebot. Er hatte keine Lust etwas zu essen, aber er muss alles wie immer machen, Schritt für Schritt. Das hat er sich selbst doch gerade auferlegt. Soll er also das Hummer- oder Kaviar-Sandwich nehmen? Nein, er hatte keinen Hunger.
Sein hübscher blonder Sekretär schien heute wieder bereit zu sein, sich professionell zu verhalten und ihn zu begrüßen, als ob nichts passieren würde. Sehr gut. Er verdient seine Wohnung. Es war eigentlich viel mehr als ein großzügiges Abschiedsgeschenk. Normalerweise verschenkte Kandomere teuren Schmuck oder Automobil, das hing manchmal auch von der Art der Beziehung ab, und der Farbe des Bisses. Je tiefere Gefühle oder Leidenschaft hatten für ihn seine Geliebten, umso wertvollere Entschädigung als Trost bekamen sie. Limahls Bisse hatten sattes rosa, er spürte den Schmerz des jungen Elfen über die Trennung. Ja, er soll bekommen was er verlangte.

Es heißt es aber auch, dass er sich jetzt eine andere Wohnung nehmen sollte, und auch umziehen muss. Im Büro setzte sich Kandomere mit seinem PC-Tablet und dem Kaffee in einen von den großen bequemen Clubsesseln. Er wird sich zunächst den Tagesplan erstellen. Ah ja, etwas hat er doch vergessen. Etwas vergessen? So was passiert ihm nicht sehr oft. Er muss sich also bei dem gewöhnten Ablauf mehr Mühe geben, konzentrierter vorgehen – nun, sein Handy hat er seit dem gestrigen Trink-Abend noch nicht wieder eingeschaltet. Er schaltete es ausnahmsweise aus, weil ihn die Anrufe von seiner Familie nur noch zusätzlich deprimiert hätten. Bestimmt haben sie gestern auf ihn mit der Geburtstag-Feier doch noch lange gewartet. Trotz seiner Absage.
Wenn es arbeitsbedingt einen Notfall gäbe, wäre ja Montehugh benachrichtigt, er schaltete ja sein Handy nicht aus, er hatte sogar das Ding fast ständig in der Hand.
Ja, er sah nun auf dem Handy, es gab mehrere Anrufe. Er legte das Handy auf den Tisch, er trinkt zuerst seinen Kaffee und er macht den Tagesplan, dann beantwortet alles.

Abgesehen von dem kleinen Familien-Stress, seinem Leiden durch die unechte Schicksalsbegegnung, und der zunehmenden Sehnsucht nach der unbekannten Frau, war es ein friedlicher Morgen.
Eine ganze halbe Minute lang. Denn dann marschierte mit raschen Schritt Montehugh in sein Büro, und meldete:

„Boss, es gibt mächtig viel Kacke am dampfen.“

 

 

Chapter Text

 

 

Beide Büro-Telefone und das Handy ertönten gleichzeitig. Kandomere schaute durch die Glaswand zu Limahl, und mit einer Geste gab ihm zu verstehen was zu tun ist. Der blonde Sekretär machte sich flink an die Arbeit – er wird alle Anrufe schnellstens bedienen, den Betreff und den Grad der Dringlichkeit notieren und Notsituation-Antwort geben. Das hieß, die Anrufer werden gleich nach Möglichkeit zurückgerufen. Seine eingehende Handy-Anrufe leitete Kandomere ebenfalls zu dem Sekretär um. Er wollte sich zuerst von Montehugh anhören, worum es da überhaupt ging.

„Boss, der Leiter des FBI-Hauptquartiers hat gerade angerufen. Er fragte, warum er dich an deinem Handy nicht erreichen kann, und dass wir dich schleunigst finden sollen, dann erklärte er kurz was passiert ist, dass es dein Fall ist, und dass er dir sofort Unterstützung schickt.“

Montehugh versuchte berichten alles in einem Atemzug, jetzt jedoch einen Moment innehalten musste, um Luft zu holen.
Kandomeres scharfer Blick hing an ihm - was zum Teufel ist es so dramatisches passiert, so dass der immer gefasste Montehugh sich nervös verhielt, und der FBI-Leiter sich persönlich an die MTF wandte?

„Boss, es geht um...“

Montehugh wollte gerade Auskunft über die 'dampfende Kacke' abgeben, wenn zwei neue Besucher ohne zu klopfen hereinstürmten. Sie waren alte Elfenkollegen vom FBI-Hauptquartier. Noch in der Tür fragte einer von ihnen eilig:

„Wurdest du schon benachrichtigt, Boss?“

„Womit seid ihr denn angekommen? Mit einem Kampfjet?“ meinte trocken zu den zwei Kollegen Montehugh. Der FBI-Leiter hat doch soeben angerufen. Und wieso zum Teufel sagen die Agenten von FBI-Hauptquartier zu Kandomere Boss? Aber für diese Gedanken war keine Zeit, Montehugh musste das Wesentliche fortsetzen:

„Also Boss, es geht um den Thronfolger, anscheinend wurde er ermordet.“

Dann drehte er sich zu den FBI-Agenten, und hat ihnen mitgeteilt:

„Ja, er wurde benachrichtigt.“

„...Thronfolger? Verstehe ich es richtig?“

„Boss, wenn du darunter den einzigen Sohn des Elfen-Königs verstehst, dann ja.“ Montehugh wurde sich nun bewusst, dass die Bezeichnung 'dampfende Kacke' für diese Katastrophe eine Untertreibung war. Denn es könnte sogar den Beginn eines verheerenden Weltkrieges bedeuten, falls der König aus Trauer und Wut verrückt werden würde.

„...“

„Wenn du was Spezielles benötigst, Boss, also, ähm.., Kandomere, alles bereit. Der Hubschrauber wartet übrigens auf dem Dach.“

Nur einige wenige Elfen in höheren Positionen waren mit der Tatsache vertraut, dass Kandomere mit seiner zweiten verdeckten Funktion stand im Dienst des Königs. Seine genaue Tätigkeit war allerdings absolut niemandem bekannt, nur dass er als ein hochrangiger königlicher Geheimagent in Notfall-Angelegenheiten als Haupt-Ermittler fungierte. Diese zwei FBI-Agenten waren in diesem königlichen Dienst Kandomere unterstellt. Natürlich dürften sie es nicht öffentlich machen, oder ihn, vor Zeugen, als ihren Boss bezeichnen. Aufgrund des Ausnahmezustands waren sie jedoch einem enormen Stress ausgesetzt, und machten den kleinen Fehler.

„Wo ist die Leiche?“

Einer den FBI-Agenten übernahm das Recht Kandomere weiter zu informieren:

„Das dürfte kein Zufall sein, auf dem King's Square,..“

„Dann lasst uns gehen.“

„...und auf der Bortafor Avenue,..“

„Was?“

„...und auch im Westpark, sowie noch an drei anderen Orten.“

„Spielt hier etwa jemand mit einer versteckten Kamera? Wenn ja, werde ich diese Kamera persönlich mit Marmelade schmieren und dem Verantwortlichen zum essen servieren. Mit meiner Waffe auf seinem Kopf wird er dann garantiert alles sauber aufessen.“

Ja, alle drei ihm gegenüberstehenden Agenten waren sich sicher, er würde das tatsächlich machen.

„Sorry Kandomere, damit meinte ich, dass das Opfer wurde ermordet und in sechs Teile zerstückelt, und an verschiedenen Orten so platziert, damit sie gezielt zur gleichen Zeit am Morgen entdeckt werden konnten. Die Untersuchung wurde eingeleitet, wobei die Ermittler eine Platinbankkarte fanden, in einer intakten Westentasche. Die Überprüfung ergab, dass es sich um eine Bankkarte der A-Klasse handelt, die keine Identifizierung ermöglichte. Das bedeutete, dass das Opfer wahrscheinlich der elbischen Oberschicht angehörte, da bekanntlich nur diese Elfen diese Bankkarten verwenden. Also wurde eine gründliche Überprüfung vorgenommen, aus der hervorging, dass es sich um ein Stück des königlichen Bankkarten-Sets handelte, das sich nur im Besitz der Königsfamilie befindet. Die Beschreibung des Toten, soviel man das vorläufig an den Körperteilen, und den grünen Haaren beurteilen könnte, verstärkte dann den Verdacht. Also wurde die bisherige Ermittlung an den Fund-Orten gesichert, und sofort entschieden, dass du übernehmen sollst.“

Beide FBI-Kollegen nickten unisono.

Alle vier waren hartgesottene Agenten, jetzt hielt aber jeder für einen kurzen Moment wortlos inne.

Auf die Glastür wurde kurz laut geklopft, und Limahl fiel ins Büro ein. Seine Hände zitterten.

„Sir, es geht um einen Ihren privaten Handy-Anruf. Jemand behauptet, er ruft aus dem königlichen Palast an, und als ich sagte, Sie, Sir, werden gleich zurückrufen, hat er mir mit einer Stimme, grausiger als der Tod, mitgeteilt, dass er zählt bis drei , und wenn Sie bis da nicht an Ihr Handy gehen, soll ich anfangen zu beten, denn dann kommt er mich persönlich zu häuten.“

Kandomere zog sein Handy raus, tippte etwas, und sagte zu Limahl:

„Gut, geh zurück an die Arbeit,“ und schaute kurz zu den Agenten. Sie verstanden es, und gingen raus aus dem Büro.

„Kann mir jemand sagen was los ist?“ Limahl flüsterte den Agenten seine Bitte auf dem Weg zum Vorraum zu.

„Ist noch offen, aber anscheinend ist der königlicher Thronfolger tot. Ermordet,“ erlöste ihn Montehugh.

„WAS?!“ Limahl fasste sich an der Stelle, an der sich das Herz befand.
Bevor sie die Tür schlossen, hörte sie noch den Boss sich mit demjenigen zu verbinden, der doch noch mehr als nur bis drei zählen musste.

„Belfour?“

….

„Ja, ich bin es, Kandomere.“

 

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Nachdem Kandomere alle Tatorte besichtigte, die Leichenteile beschnupperte und die Untersuchung und Speicherung allen Spuren bewachte, führte er ein leises Gespräch mit den zwei FBI Agenten und gab ihnen dann weitere Anweisungen.
Montehugh beobachtete den Boss, es war eine höhere Angelegenheit. Bisher notierte er nur paar Daten zu den Uhrzeiten und Orten, sowie Einzelheiten, die Kandomere diktierte, und fuhr den Wagen von Ort zu Ort, falls ihn der Boss brauchen sollte. Kandomere selbst flog zwischen den Tatorten mit dem Hubschrauber.
Bei der letzten Szene des grausamen Vorfalls stieg er jedoch in das Auto und gab Montehugh die Anweisung zu fahren.

"Hier sind wir jetzt fertig."

„O.k., wohin jetzt, Boss?“

„Wir besuchen den König.“

„Jep.“

Gott, er meint es ernst? O.k., das war nun wohl unvermeidlich. Allerdings, ob es sich um einen König handelt oder nicht, sein Sohn, einziger Sohn, ist tot, und den Eltern Leichen-Fotos ihrer Kindern zu präsentieren, ganz egal ob diese Kinder 5 oder 500 Jahre alt sein sollten, war die schlimmste Pflicht in diesem Job.

„Ulysses, keine Sorge, heute wirst du keinen weinenden Elfen zu Gesicht bekommen. Zumindest keinen männlichen Elfen.“

Ah ja, das war ein Hinweis auf den gestrigen Abend in der Bar, mit Hadrien und Limahl. Die zwei weinten eine Weile so sehr, dass es zum Teil fast lustig aussah. Versucht ihn sein Boss irgendwie aufmuntern? Er wusste ja, dass Montehugh nur widerwillig den Familien berichtete über die Details des Todes ihren Angehörigen.
Jedenfalls hat Montehugh gestern tatsächlich zum ersten Mal Elfenmänner gesehen zu weinen, auch wenn dies natürlich unter dem Alkohol-Einfluss geschah. Und wahrscheinlich, weil Limahl etwas weiblich war, und Hadrien zu viele menschliche Züge hatte. Der Herrscher dieser Welt ist sicherlich von härterer Natur, aber...

„Sicher, Boss, der König hat keinen Grund zu weinen, womöglich wird er sogar vor Freude tanzen, wenn er hört in wie viele Teile wurde sein Sohn zerhackt.“

„Der Tote ist nicht der Thronfolger.“

Der rothaariger Riese verstummte. Er ist es nicht? Also werden andere unglückliche Elfen-Eltern bitterlich weinen...
Aber auf jeden Fall bleibt er den königlichen Tränen tatsächlich erspart, sowie die Welt einer möglichen schlimmen Katastrophe. Denn die Ermordung des Königssohnes könnte den ganzen Erdball in einen Konflikt stürzen.
Hm, aber vielleicht ist es jetzt überflüssig, in den Palast zu gehen...? Nach Kandomeres Information, dass es sich bei dem Toten nicht um den Sohn des Herrschers handelt, fühlte sich Montehugh etwas weniger angespannt, aber trotzdem freute er sich nicht besonders auf die Begegnung mit dem mächtigsten Elfen der Welt. Weil er sich normalerweise nicht um die gesellschaftlichen Regeln der elbischen Elite kümmerte, deren Vorschriften er nur bei seiner Arbeit notwendigerweise berücksichtigte, und nun hatte er Bedenken, ob er sich dort angemessen manierlich verhalten würde. In eine Etikette-Falle wollte er jetzt in dem Palast nicht unbedingt treten. Und er war sich sicher, er wird in alle diese Fallen stapfen, die da aufgestellt werden..

„Ist es dann noch dennoch notwendig, da hin zu fahren, Boss?“

Montehugh versuchte das Unvermeidbare zu verhindern – aber sie waren bereits unterwegs. Übrigens wurde bei dem Toten ein königliches Gegenstand gefunden, und grundlos würde der Boss wohl kaum den König wagen zu stören.

„Ich kannte den Toten. Er arbeitete für das Königshaus, die Bankkontokarte die er bei sich hatte, gehört einer der Prinzessin - in ihrem Auftrag erledigte er Einkäufe. Ich kann die Karte zurückbringen, sie wurde bereinigt für die Überprüfung, und enthält keine Spuren mehr.

Kandomere zog aus der Tasche besagte Bankkarte, winkte mit ihr kurz, und steckte sie wieder ein.

„Die Art der Präsentation der Leichenteile deutet nicht auf einen affektiven Mord hin. Es wurde geplant. Das erhöht nebenbei auch die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um ein Warnsignal handeln könnte, und gezielt dem Königshaus gilt.“

Montehugh nickte resigniert zu. Wenn der tote Elf so eine direkte Verbindung zur Familie des Königs hatte, ist der Besuch natürlich unvermeidlich.

Kandomere zeigte Montehugh, auf welche Landstraße er abbiegen soll, und fuhr mit seinen Überlegungen fort:

„Da die Öffentlichkeit den Thronfolger aufgrund des bekannten Schutzes der königlichen Familie nicht genau identifizieren kann, legt die Hypothese nahe, dass das Ziel tatsächlich der Thronfolger sein sollte und dass das Mordopfer mit ihm verwechselt wurde. Viel spricht dafür. Der getötete Elf hatte eine ähnliche Statur, trug sein Haar ebenso lang und grün gefärbt wie der Thronfolger, als Assistent der zweiten Prinzessin bezahlte er mit der königlichen Bankkarte, und lebte in dem Palast.
Falls der Tote aber doch selbst das Ziel war, muss man berücksichtigen, dass er im persönlichen Dienst der Königsfamilie stand. Auch in diesem Fall könnte es bedeuten, dass der Mord war eine Drohung oder Attacke direkt gegen das Königshaus.“

 

Sie fuhren nachdenklich durch die wilde Natur außerhalb der Stadt.
Montehugh verspürte plötzlich Hunger, verdammt, er hatte nur einen Kaffee am Morgen. Direkt danach ging die Hölle los. Den ganzen Vormittag hetzte er nur dem Hubschrauber hinterher, von einem Tatort zu anderem. Ja hier draußen gab es keine Hotdog-Buden mehr. Na schön, dann eben nicht. Es blieb ihm nur die Hoffnung, dass seine Majestät Kaffee und dazu Kekse anbieten wird.

Kandomere navigierte Montehugh an einer Kreuzung weiter höher in die Berge.

„Boss, ich würde sagen, dass zu viele Elfen dem Königssohn nacheifern. Ist es die elbische Mainstream-Mentalität, oder färben die jüngeren Elfen ihre Haare grün, nur um die Frauen glauben zu lassen, dass einer der Sohn des Königs sein könnte? Also aus Erfahrung weiß ich, dass sich die menschliche Weiber schon automatisch nach allem umdrehen, was grün ist. Jedoch, wie wir sehen, kann es für einen freiwilliger Doppelgänger auch Nachteile haben.“

„In diesem Fall ging es nicht um Nachahmung, der Tote war ein bodenständiger Elf.“

Montehugh warf seinem Chef einen Blick zu. Er wirkte etwas traurig. Er sagte, dass er den Toten kannte. War er vielleicht mit ihm befreundet? Na dann hätte er auch einen persönlichen Grund, den Psychopathen zu schnappen, der den Elf tötete.

 

Bald kamen sie in die Hügel an, von wo aus sie die ganze Stadt überblicken konnten, und da endete auch schon die Landstraße, vor einem kunstvoll geschmiedeten Tor, das verziert war mit goldener elbischen Schrift, und eine Sicht auf einen weitläufigen Park mit alten knorrigen Eichen dahinter gewährte. Vor dem Tor standen uniformierte Elfen des Sicherheitsdienstes. Sie schauten in den Wagen hinein, und als sie Kandomere drinnen sahen, öffneten sie das Tor, und ließen sie ihn und Montehugh ohne Fragen passieren.

Die Agenten fuhren weiter durch den Park, bis endlich ein leuchtendes weißes Gemäuer zwischen den immergrünen Steineichen auftauchte, und dann ließen sie die alte Bäume auch schon hinter sich, und erreichten eine sonnige, offene Ebene, wo sich ein weißer, fantastischer Palast befand.
Es war ein atemberaubender Bau - in einem ganz alten klassischen elbischen Stil, mit vielen Terrassen und Säulen aus weißem Marmor, der in der Sonne schimmerte. Der Palast hatte originelle, schwungvoll weich geformte Fenster, die Montehugh an Gaudís architektonische Werke erinnerten. Teilweise war der Bau bewachsen mit Kletterpflanzen, von denen manche um diese Jahreszeit keine Blätter mehr hatten - deren verflochtene Äste und Wurzeln schlängelte sich weitläufig über den Terrassen und in den Spalten der Steinmauer. Der ganze riesige Palast-Komplex war um einen verwitterten Felsen erbaut, der ein Teil des Baus war - beide Elemente flossen auf harmonische Art ineinander. Seitlich brauste ein kleiner Wasserfall beruhigend hervor, und füllte auf dem Weg nach unten kleine kunstvolle Steinbehälter, die in Kaskaden natürliche Springbrunnen bildeten.

Kandomere zeigte zu dem Haupteingang, wo Montehugh anhalten sollte. Sie wurden von einem großen muskulösen Elfen mit kurzgeschnittenem hellem Haar bereits erwartet, der von Wachen begleitet wurde.

„Willkommen, Lord Kandomere.“

Darauf blinzelte ihn Kandomere ohne Worte an, er nickte dem Elf nur zu.

Huh, Lord? Der überraschte Montehugh wurde völlig ignoriert. Oder auch nicht ganz, denn dann hat der Muskel-Elf fragend angemerkt:

"Ich dachte, keiner der MTF-Unterstellten weiß von deiner wirklichen Arbeit im königlichen Dienst, nicht einmal dein Partner?"

Kandomere schaute ihn mit seinem undurchdringlichen Blick an:

„Das dachtest du vollkommen richtig. Er wusste es in der Tat nicht, bis du es ihm soeben freundlicherweise mitgeteilt hast.“

Montehugh beschloss, vorerst eine ruhige, neutrale Haltung zu diesem Gespräch, sowie zu den explosiven Informationen einzunehmen - er hatte vernünftigerweise erwartet, dass er an der Spitze der Elite der elbischen Arroganz begegnen würde, anstatt gutmütigen menschenfreundlichen Elfen wie Hadrien. Außerdem musste er jetzt versuchen, die verblüffende Neuigkeiten schnell zu verdauen.

Das Gesicht des muskelbepackten Elfen mit der Igel-Frisur wurde allerdings sehr bleich, er erstarrte. Hat er es jetzt dämlich aus Versehen verraten? Dachte er dass der Mensch eingeweiht wurde, weil Kandomere ihn hierher gebracht hatte? Und wieso ist der überflüssige Mensch überhaupt da? Ist es ein Test um seine Reaktionen zu prüfen? Ja, es war eine Falle, um seine Inkompetenz in Notsituationen zu beweisen, was sich leider als gerechtfertigt erwies.
Verdammt, normalerweise würde er niemals einen solchen Fehler begehen, aber der enorme Stress dieses Morgens lastete immer noch auf ihm und forderte schlussendlich seinen Tribut. Zuerst kam ein Anruf, dass möglicherweise der Thronfolger zerstückelt wurde, und weil er ihn nirgends erreichen könnte, musste er zu dem königlichen Paar gehen, und die Sache ihnen melden. Woraufhin er sich um die Königin kümmern musste, die im Schock schrecklich weinen und schreien begann, so wie auch um den König, der am Boden zerstört in die Knie ging, und sein Gesicht in den Händen hielt.
Es waren ohne Übertreibung die grausigsten Momente seines bisherigen Lebens. Wenig später stellte sich zwar heraus, dass es sich um eine Fehlermeldung handelte, aber er blieb angespannt, als er von Kandomere erfuhr, dass der Tote sein Kumpel aus dem Palast war.

Kandomere beachtete die sichtliche Bestürzung und das grobe Missgeschick des Elfen nicht weiter, und stellte ihn nun vor:

„Ulysses, das ist Belfour, er hat hier das Kommando.“

Und zu Belfour meinte er nur:

„Den Ulysses kennst du ja, da vertraue ich deiner Spionagearbeit."

Uhm, dieser Belfour ist der Sicherheits-Chef des Königs, und trotzdem fürchtet er offensichtlich Kandomere? Wer zum Teufel ist eigentlich sein Boss wirklich?
Bereits am Morgen schien es Montehugh seltsam, dass die FBI-Agenten Kandomere als ihren Boss nannten und der FBI-Chef ihm den Fall übergab. Denn da in diesem Fall kein Verdacht auf magischen Missbrauch bestand, gab es keinen Grund, sich an MTF zu wenden. Vielmehr wäre logischer, dass jemand von der privaten Einheit des Königs die Ermittlungen übernimmt. Nun, und genau das ist anscheinend passiert. Sein Boss hat es übernommen, denn er ist dieser Jemand - der Geheimagent des Königs. Und so wie es aussieht, der Furcht in Belfours Augen nach zu urteilen, sogar ein hochrangiger. Aber, so etwas zu wissen könnte sehr ungesund zu sein. Obwohl er um diese Information nicht gebeten hat. Dieser Belfour war schuld.

Jetzt fiel ihm aber eine Nebensache ein. Nicht er, sondern einer aus dem königlichen Team hat den ersten Fauxpas begangen! Es war zwar keine wichtige Sache, aber die Besorgnis, dass er vielleicht nicht richtig die Etikette befolgt, wurde ein wenig kleiner.
Nun, der Kommandant nannte den Boss auch noch 'Lord'. Gehört sein Chef also auch noch nebenbei zu dem Adel? Tja, seit einer Ewigkeit arbeiten sie zusammen, und er weiß gar nichts über ihm.

„Lord Kandomere, ich..,“ Belfour schwitzte - er wusste, wenn er jetzt degradiert wird, verdient er es.

„Ist in Ordnung, Ulysses wird damit nicht hausieren gehen. Vergiss die Sache und lass uns gehen, ich hab etwas zu erledigen.“

„Selbstverständlich. Hier rechts lang. Der Lord und die Lady warten im Grünen Salon.“

Der nervöse Belfour begleitete sie durch breite, hell beleuchtete Korridore, ausgestatteten mit weißen Statuen und Kokos-Palmen. An den mit goldenen Mustern verzierten Marmorwänden leuchteten kleine, blütenförmige Lampen aus Edelsteinen und Halbedelsteinen mit gedämpften, farbigen Lichtern. Hier war alles auf die klassische elbische Art eingerichtet, und noch etwas strahlender als im Elftown.

„Boss,“ flüsterte Montehugh, „ ist der Begriff mit dem 'Hausieren' eine codierte Bezeichnung für ein Befehl für eine magische Gehirnwäsche, die mich jetzt erwartet?“

„Was redest du da?“

„Na weil ich jetzt etwas erfahren hab, was ich nicht sollte. Ich kenne jetzt dein Geheimnis, Boss. Oder wird man mich hier gleich direkt liquidieren?“ fragte er spaßeshalber, aber gleich wurde er sich des Ernstes seiner Lage bewusst. Der Elfen-König ist der Herrscher der ganzen Welt, und Kandomere, als sein hochrangiger Geheimagent, verfügt womöglich über die Lizenz, ganze Städte auszulöschen. Er, Montehugh, weiß jetzt zu viel. Die Vorstellung seiner Liquidation nahm reale Umrisse an.

Kandomere sah ihn mit einer hochgezogene Braue:

„Kommt darauf an. Wenn du mir jeden Tag nach Feierabend die Füße massieren wirst, werde ich dich als 'noch brauchbar' einstufen.“

Montehugh sah ihn nun halb unsicher, halb argwöhnisch an:

„Boss, machst du dich gerade über mich lustig?“

„Jep, Glückwunsch zu deinem Scharfsinn.“

Also echt - liquidieren? Macht er denn auf Montehugh so einen kaltblütigen Eindruck?

„Tja, das weiß einer ja nie...,“ murmelte für sich der rothaarige Riese.

„Als ich sagte dass du mit diesem neuen Wissen nicht hausieren gehst, meinte ich es genau so, wie ich es sagte - dass du es von selbst als vertrauliche Angelegenheit verstanden hast, und behandeln wirst, ohne dass ich dich dazu auffordern muss. Oder irre ich mich?“ Kandomere musterte Montehugh mit seinen silbrigen Augen.

„Natürlich irrst du dich nicht, Boss! Selbstverständlich behalte ich es für mich!“

Uff, ist es jetzt gut gelaufen? Wirklich? Montehugh hoffte es.

Belfour lauschte still diesem Gespräch, und kurz nervös räusperte sich. Er selbst hat diesen Sicherheitsleck verursacht, das war ihm bewusst. Aber egal, wessen Schuld es ist, seiner Meinung nach sollte Kandomere die Erinnerung dieses Menschen an diesen Inzident wirklich auslöschen lassen.

Bevor sie den Grünen Salon erreichten, flüsterte Montehugh zu Kandomere noch mal seine Gedanken:

„Aber.., auch ein Lord? Boss, bist du auch noch ein Aristokrat? Und wieso weiß das im MTF niemand?“
Allerdings, wenn er nachdachte, ergab durchaus Logik, dass ein hochrangiger Geheimagent des Königs auch von der adligen Herkunft abstammt.

„Doch, manche Elfen bei MTF, die schon eine Weile dabei sind, wissen es. Und die wissen auch, dass ich es nicht mag, bei der Arbeit als Lord tituliert zu werden. Das würde bei dem MTF-Alltag nur Komplikationen mit sich bringen.“

Montehugh blieb nun still. Sein Boss wusste immer was er tat und warum er es tat.

 

Sie betraten den großen lichtdurchfluteten Grünen Salon, mit seltenen Pflanzen-Arten, einer Musik-Ecke wo ein Klavier und eine Harfe standen. Durch ungewöhnlich geformten Bogentüren mit gravierter Verglasung sah man zu einer Terrasse mit Palmen. Inmitten des Salons, neben einer Fontäne, war eine weich gepolsterte Sesselgruppe, wo das königliche Paar saß und auf sie wartete. Belfour fuhr die Agenten zu ihnen, und stellte sich wortlos hinter die königliche Elfen.

Kandomere und Montehugh wurden aufgefordert sich zu setzen, um mit dem Herrscher-Paar den Mordfall und die Situation zu bereden. Besser gesagt, es war Kandomere, der redete, Montehugh beisteuerte nur mit den notierten Daten und Details zum Fall. Angesichts diesen mächtigsten Elfen wurde er wieder etwas nervös, wenn auch er versuchte, es sich nicht anmerken zu lassen. Es war eine vergebliche Mühe, die Elfen müssten einen starken Schnupfen haben um seine unprofessionelle Nervosität nicht zu riechen. Er fing an zu schwitzen. Gott, er muss sich in den Griff kriegen. Vielleicht mit Beobachten? Ja, er beruhigt sich mit einer Beobachtung und Analyse. Montehugh sah sich um, er braucht Material zum einem konzentrierten Analysieren. Die Pflanzen und die Fontäne waren angenehm anzusehen, jedoch kein Recherche-Stoff. Sein Blick heftete sich also auf die Elfen. Es fiel ihm auf – es war wirklich erstaunlich, wie ungezwungen sich der Boss mit dem Herrscher-Paar unterhalten könnte. Er muss schon lange für sie gearbeitet haben.

Die kleine, umwerfend schöne Königin war angezogen in ein fließendes weiches langes Kleid, und trug eine aufwendige Frisur mit eingeflochtenem Perlen-Haarschmuck. Ihr naturschwarzes Haar war bei der elbischen Rasse etwas Besonderes, diese Haarfarbe kam bei den Elfen äußerst selten vor. Sie schien strenger und härter zu sein, als ihr silberhaariger, gutmütig wirkender königlicher Gefährte. Sie war temperamentvoll und direkt und verhielt sich sehr natürlich.
Der König war hochgewachsen und gutgebaut, hatte einen lässigen Hosenanzug ohne Jackett an, mit einer Ascot-Krawatte. Sein langes silbernes Haar war nach hinten glatt gekämmt. Er trug einen goldenen Kopfschmuck, der funktionell seine Frisur fixierte. Er war elegant, gutaussehend, und überraschend sehr sympathisch. Er machte auf Montehugh den Eindruck eines wohlbedachten und weisen Elfen, der den friedlichen Weg bevorzugte, aber durchaus mit einer eisernen Hand herrschen könnte, wenn es die Situation erforderte. Montehugh musste zugeben, sie beide waren charismatische Elfen, er wunderte sich nun nicht mehr, dass sie von dem elbischen Volk verehrt wurden.

Zu Anfang der Unterhaltung redete die Königin über ihrer Angst, als sie dachte, dass es sich bei dem Toten um ihren Sohn handelte. Sie war definitiv eine harte Elfe, aber auch sie war eine Mutter, die sich Sorgen um ihre Kinder machte. Sie benahm sich wirklich direkt - sie sprach über den emotionalen Schmerz den sie an diesem Morgen erlebte, und daraufhin fing sogar an zu weinen. Der König musste seine Gefährtin schnell trösten, aber auch er sah sehr bedrückt aus. Sie befanden sich noch in den Nachwirkungen des Schocks, obwohl sie bereits mit ihrem Sohn gesprochen hatten und sich davon überzeugten, dass er tatsächlich am Leben war. In dem Moment erschien dieses mächtigste Paar der Welt wie gewöhnliche Menschen, die sich nicht schämten, Emotionen zu zeigen bei der natürlichsten Aufgabe. Sie waren gerade einfach nur Eltern.

Im Laufe des Gesprächs wurde der Blick der Königin immer finsterer, besonders wenn es um das Thema Identität und die Entstellung der Leiche ging. Als Kandomere die mögliche Verwechslung des Opfers mit dem Thronfolger ansprechen wollte, hielt er inne, und schaute die Königin zögernd an. Er wollte sie nicht noch mehr beunruhigen, aber er dürfte seinen Verdacht nicht verschweigen, dass das Ziel wahrscheinlich wirklich der Thronfolger war. Also mittelte er es dem Herrscherpaar, woraufhin erschien in dem Gesicht der Königin ein gefährlicher Ausdruck - es sah kurz fast so aus, als würden ihre Augen feuerrot aufblitzen. Montehugh erschauderte es unwillkürlich. Es war wohl nur eine unheimliche, seltsame, und zufällige Reflektion einer der Hängelampen aus Rubinsteinen, die den Lichtstrahl der niedrig stehenden spätherbstlichen Mittagssonne brach, und der sich in den Augen der Königin spiegelte, dachte sich Montehugh. Aber er hatte auch das Gefühl, dass sie trotz ihrer außergewöhnlichen Schönheit auch ohne den roten Reflektionen jetzt gerade sehr furchterregend aussah. Allerdings war ratsam, keine Furcht vor dieser mächtigen Elfe zu zeigen, denn angeblich könnte sie ängstliche Schwächlinge nicht leiden.
Montehugh erinnerte sich jetzt auch an Gerüchte, die er über sie gehört hatte - dass sie früher eine harte Kriegerin war und ihre Fähigkeiten die eines durchschnittlichen Elfen weit übertrafen. Sie sollte sogar in dem großen Krieg im 3. Jahrhundert kämpfen, obwohl es sich offensichtlich nur um einen erfundenen Mythos handelte - kein Elf könnte so lang leben. Oder doch könnte? Mit der Hilfe irgendwelcher Magie? Wie dem auch sei, diese Elfenfrau war sagenumwoben.

Der Boss dann meinte, dass er noch mit ihrer Tochter, der zweiten Prinzessin, reden muss, als sich Montehughs leerer Magen plötzlich laut zum Wort meldete – das Mittagessen war längst fällig, und Pausen-Snacks wurden ausgelassen. Er eilte nur von einem Tatort zum anderen, ohne Zeit zum Essen zu haben. Und leider gab es auch keine Kekse oder Kuchen zu dem angebotenem königlichen Tee, wie sich Montehugh erhoffte. Natürlich. Jetzt erinnerte er sich an eine Hadriens Aussage - Süßigkeiten oder Gebäck essen kurz vor der Mittagszeit zeugte nicht nur von schlechten Manieren, mehr noch, es war für die Elfen ein Verbrechen. O.k., Pech für Montehugh.
Sein Magen knurrte jetzt noch einmal, störrischer und lauter. Verdammt, er kann versuchen sich korrekt zu benehmen wie er will, nun hat ihn sein eigener Körper mit diesen grauenhaften Magen-Geräuschen hinterhältig bloßgestellt. Sein Gesicht wurde durch die Peinlichkeit röter als sein Bart, aber die Königin ließ nicht zu, dass sich ihre Gäste unwohl fühlen müssten. Sehr nett entschuldigte sie sich, dass sie die Lunch-Zeit verschoben hat auf die Zeit nach dem Gespräch, und sagte dass sie beide natürlich zum Mittagessen eingeladen seien. Es war ein erstaunlicher Wechsel gegenüber ihrem wilden, gefährlichen Gesichtsausdruck, den sie soeben gehabt hatte. Sie winkte Richtung Salon-Tür, und eine hübsche rotblonde Elfen-Frau mit hüftlangem welligen Haar und Sommersprossen kam herein, schenkte Kandomere einen kaum merklichen verstohlenen Lächeln und wartete auf Anweisungen.

„Elmiri, führst du bitte unseren Gast, Agent Montehugh zu der Bar, er nimmt vielleicht vor dem Lunch gerne einen Aperitif.“

„Natürlich, Lady Kassandre.“
Es war eine indirekte Instruktion, diesen Gast begleiten, bis der Butler alle zum Tisch gebeten wird.

„Lord Kandomere, Ich wollte mit dir noch etwas bereden, aber wir verschieben es nach dem Essen. Du kannst dich jetzt mit unserer Tochter unterhalten,“ aufforderte ihn der König. Er schaute den Elfen-Agent mit seinen eisblauen Augen durchdringend an: „Sie ist in ihrem Palastflügel, du kennst den Weg. Begleite sie danach bitte ins Speisesaal.“

König Silvius' Bitte war natürlich ein Befehl.

„Du musst es ihr schonend mitteilen,“ merkte er noch an, „sie weiß es noch nicht.“
Und dann verhärtete sich seine Miene. Normalerweise bevorzugte er friedliche Lösungen, aber der Verantwortliche dieser abscheulichen Tat verdiente keine Gnade. Derjenige, der seinen treuen Untergebenen ermordet hat, wird ihn am Ende anbetteln, sterben zu dürfen.

Kandomere ging durch das Labyrinth der langen Palast-Korridoren und Treppen, er musste noch zwei Stockwerke höher gehen. Ja, er kannte den Weg.

Der ganze Vormittag war stressig, er versuchte Spuren zu dem Täter zu entdecken, leider ohne Erfolg. Dieser Psychopath hat genauestens alles geplant, er hat alle Spuren sauber verwischt. Viel zu perfekt für Menschen, Orks, oder Zwerge, denn die wären nicht in der Lage, alle verräterische Feinheiten zu beseitigen. Falls es sich um einen Einzeltäter handelte, der keine Helfer hatte, gehörte er keinen diesen Rassen an.
Das ist alles was er für den Anfang hatte. Er muss jetzt abwarten den medizinischen Befund, Ergebnisse der Bevölkerung-Befragung, alle Kamera-Aufzeichnungen, die Antwort der Magie-Abteilung, und die Bilanz der Analytikern. Sie setzten den Bioindikator, den morphogenetischen Oszillator und Speicher-Kristall ein. Vielleicht finden sich doch noch irgendwelche Spuren.

Für erst könnte er sich also entspannen. Aber das bedeutete, dass das bestimmte Thema, das durch die Arbeit vorübergehend verschoben wurde, wieder die Oberhand gewinnen wird. Es war der Gedanke an sie, die Menschen-Frau, die er gestern kennenlernte. Wieder verspürte er die bittere Schuld, dass er die schöne Frau durch seinen eigenen unzulänglichen Einsatz verlor. Er könnte aufzählen Methoden und Ressourcen, die er zusätzlich nutzen könnte, und es nicht getan hatte. Warum griff er nicht auf verbotene Magie zurück? Das Glas mit ihrem Lippenabdruck, aus dem sie im 'Safran' getrunken hat, oder ein Haar das vielleicht in dem Taxi geblieben ist, wären magische Utensilien, um sie zu orten. Aber dafür war es nun zu spät.

Kandomere ging die Treppen hoch. Zwischen zwei Stockwerken hielt inne, bei einem Fenster, aus dem er die ganze Stadt sehen könnte. War die junge menschliche Frau immer noch in dieser Stadt? Lebt sie hier? Er hoffte dass sie es täte. Welche hilfreichen Hinweise zu ihrer Identität hatte er also bisher? Kandomere überlegte – sie musste für einen Menschen finanziell sehr gut situiert sein, wenn sie sich für das exquisite Restaurant 'Safran' in dem Edel-Viertel Western Hills entscheiden könnte.
Übrigens bemerkte er die Modemarke ihrer Wildleder-Handtasche. Die Tasche stammte von Tagore, genau wie seine Stiefeln, die er gerade eben trug. Kandomere erfreute der Beweis einer gemeinsamen Vorliebe für die Produkte dieser allerfeinste Modemarke.
Bei Tagore jedoch kauften nur die Elfen der Oberschicht, sowie die wohlhabendsten der anderen Rassen, weil diese Marke als Status dementsprechend extrem teuer war. Es war nun mal das besondere Prestige nur für wenige. Das könnte den Such-Radius nochmal enger eingrenzen.

Hat sie einen wohlhabenden Geliebten? Kandomere verspürte eine wilde Eifersucht bei diesem Gedanken, aber es gelang ihm, sofort dieses störende Element aus seinen Überlegungen verbannen. Er muss bedacht bleiben und konzentriert analysieren. Also - hat sie einen reichen Geliebten? Sie war eine Jungfrau. Wäre dieser Mann bereit viel ausgeben, und die Früchte seiner Abmühe nicht schmecken wollen? Die Tasche wurde wochen- oder sogar monatelang getragen, weil sie ein paar kleine Gebrauchsfalten aufwies. Also musste dieser Mann schon eine Weile da sein. Wie lange würde dieser Mann es schaffen, sich vor dieser Schönheit zurückzuhalten? Ja, es war eher nur ein Gefühl, aber Kandomere vermutete, dass sie keinen Geliebten hatte.
Ist sie dann etwa selbst wohlhabend? Sie war keine bekannte Persönlichkeit, und soweit er sich an die VIP erinnern könnte, gehörte sie auch nicht zu den bekannten Bestverdienern. Lebte sie in Ausland? Oder stammte sie aus einer wohlhabenden Familie?

Des weiteren gab es noch eine andere Indizie. In dem Tabak-Laden an der Ecke kaufte sie diese bestimmte Zeitschrift, deren Überschrift er blitzschnell registrierte, als ihr das Ding aus der Hand flog. Er kannte es, es war eine Monatszeitschrift mit wissenschaftlichen Reiseberichten, in der etwa ein Viertel der Artikel in Övüsi publiziert wurden. Spricht sie Övüsi? Die elbische Sprache lernten menschliche Studenten an manchen ihren besten privat-Schulen und Hochschulen. Es gab auch einzelne menschliche Studenten an den elbischen Universitäten, sie waren entweder besonders begabt oder hatten Eltern, die es sich leisten konnten. Sie waren aber seltene Ausnahmen. Gehörte sie dazu?

Sie schien sehr jung zu sein. Nach Kandomeres Ansicht hat sie vielleicht gerade mit dem Studium begonnen. Er fängt also an, alle Universitäten der Stadt durchchecken. Er lässt erstellen Listen allen weiblichen menschlichen Studierenden der letzten fünf Jahren. Und weil diese schöne Unbekannte gehört höchstwahrscheinlich zu den privilegierten, und einem Bezug zu der elbischen Sprache hat, beginnt er mit den besten privaten und elbischen Universitäten.
Wenn er nach dem Mittagessen zu MTF zurückkehrt, gibt er einem der Praktikanten spezifische Anweisungen für den priorisierten Suchbereich.

Kandomere erreichte nun das Stockwerk, wo sich die Wohnräume der Prinzessin befanden.
Jetzt rief er sich wieder die gestrige aufregende Szene auf. Er dachte daran, wie einzigartig es war, als er seine schöne Unbekannte in den Armen hielt. Er erinnerte sich an ihren herrlichen Duft, und wie betörend dieses Erlebnis war. Sogar die bloße Erinnerung daran hat sich jetzt göttlich angefühlt. Er verlor sich darin, es war ihm, als würde er nochmal ihre Nähe stark spüren, als wäre sie jetzt gerade anwesend.
Er ging träumerisch den Flur entlang, dabei ergab er sich noch intensiver der fast materialisierten Erinnerung, wie er die schöne junge Frau sah, roch, hörte und berührte. Es kam ihm, als würde er sie jetzt tatsächlich riechen, der Duft schien, als würde direkt vor ihm zu liegen.

Und dann plötzlich stockte sein Atem, nein, es ist nicht nur eine Erinnerung, er wittert sie wirklich! Unmöglich! Aber es musste real sein, es war stark wahrzunehmen, und verwechseln würde er diesen Duft definitiv nicht. Es kam sogar irgendwie direkt auf ihn zu. Automatisch lief er schneller, ja, der himmlische Duft der unbekannten Frau kommt ihm entgegen! Kandomere wusste, dass es absolut nicht möglich sein kann, trotzdem könnte er sich nicht aufhalten zu diesem Duft zu laufen. Er muss nur noch schneller sein, schneller, und dann wird er sie erreichen, dann wird er diese Frau finden!

 

 

Chapter Text

 

 

Kandomere bog mit Geschwindigkeit scharf in den Korridor ein, in dem sich nur die Wohnräume der Prinzessin befanden - und stieß mit jemandem an der Ecke zusammen. Einem weiblichen Jemand. Sein Kinn schlug auf ihre Stirn - sie erschreckte sich, stöhnte leise auf.
Ein stark aufregender Gefühl dieses bestimmten Déjà-vu explodierte in seinen Nervenzellen, es wurde real - er sah sie, schaute in ihr hübsches Gesicht. Sie schwankte durch den Aufprall und er reagierte mit seiner Elfengeschwindigkeit, fing sie auf, und dann hatte er sie wieder in seinen Armen. Sie, sie war es wirklich!
Diese unbekannte Frau, das himmlische Wesen! Eine Glückseligkeit breitete sich in ihm aus und erfüllte seine Seele. Er, Kandomere, hat die schöne Frau, die er suchte, wieder gefunden, und diesmal wird er sie nicht mehr verlieren.
Sie schien kleiner sein als gestern, gestern traf ihre Stirn seine Nase, heute aber sein Kinn. Ja, sie hatte jetzt Schuhe mit etwas niedrigeren Absätzen.
Konzentriert versuchte er sich absolut alle Details dieser körperlichen Nähe zu ihr in den Gedanken dauerhaft zu behalten, er wollte sich alles einprägen, um in dieser Erinnerung später schwelgen zu können. Denn diese Umarmung wird nicht ewig dauern, auch wenn er versucht, diese Frau so lange festhalten, wie nur möglich. Heute reagierte er blitzschnell bedacht und gezielt. Sein Arm schlang sich um ihre Taille, und mit seiner Hand und den Fingern tastete er ihren Körper über einen weichen Kaschmir-Stoff ihres sportlich-eleganten, langärmeligen roten Minikleides. Seine andere Hand hielt ihren oberen Rücken fest.
Diesmal nutzte er es geschickt aus, tarnte es als Teil der Rettung vor dem Sturz, und sofort drückte er sich eng an sie, fester als gestern. Er spürte nun den erregenden Körper ab dem Nabel abwärts bis zu den Knien an ihm. Die großflächige Berührung fühlte sich so gut an – aber es weckte auch den Bedarf nach mehr, er wollte noch mehr davon. Ihren ganzen Körper wollte er spüren. Ihren nackten Körper.

Seine Vorstellungskraft begann diese Szene zu entwickeln, wie es wohl weiter ginge, wenn er etwas aktiver sein werden sollte. Was würde er jetzt tun, wenn er alle Freiheiten hätte? Er würde nicht warten. Mit seinem Knie würde er sich zwischen ihre Beine zwingen. Mit Gewalt, weil sie es ihm nicht erlauben würde. Er würde mit seinem Schenkel spüren die Wärme in ihrem Schritt. Und dann würde er sie gegen die Wand drücken. Mit seinem anderen Bein hätte er dann ihre Schenkel auseinandergespreizt, und seinen Schwanz an sie gedrückt. Dann würde er in ihre Augen schauen, und ihr allein mit einem Blick verdeutlichen dass sie ihm gehört. Er würde ihre Handgelenke festhalten, und ihren Hals küssen. Sie würde sich wohl versuchen zu wehren, und vielleicht ihn in sein Ohr beißen. Kandomeres Atem vertiefte sich. Das wäre natürlich schmerzhaft, aber auch extrem erregend, er würde sofort eine steinharte Erektion bekommen.

Diese undurchführbare Fantasie folterte ihn aber nur, denn er dürfte gerade nehmen nur das, was die Situation erlaubte. Und die Situation erlaubte rein gar nichts von dieser Vorstellung. Gut, dann nimmt er das was er hat, und wird es auch genüsslich auskosten. Sein Bein befand sich fast zwischen ihren Oberschenkeln, wenn er sich ganz unmerklich, nur ein wenig, weiter dazwischen rein drücken würde?  Seine ganze Willenskraft setzte er darauf ein, es nicht zu versuchen. Wenn er sein Ziel erreichen möchte, braucht er einen Plan, einen guten Plan um ihr näher zu kommen,  denn er roch an ihr immer noch keine Zuneigung oder wenigstens Sympathie, schon gar keine Erregung, von Gefühlen ganz zu schweigen. Wenn er jetzt seinem Verlangen nachgibt, verbaut er sich mit unüberlegten Trieb-Handlungen den Weg zum Erfolg.

Besser gesagt als getan. Er spürte diesen warmen Körper an sich, und ein unglaublich starkes kribbelndes Verlangen fing durch ihn zu pulsieren, vor allem an den Stellen wo sie sich berührten. Von da an ausgehend, wo ihr Schritt an seinen Schenkel drückte, breitete sich in alle seinen Nervenzellen ein Feuer aus.
Sie versuchte sich jetzt leicht zu befreien, die Zeit der heißen Umarmung war um, aber seine Hände ließen sie kein Millimeter weichen, mit seinem stählernen Griff hielt er sie fest, er konnte sie nicht loslassen. Damit allerdings folterte er sich selbst, und befürchtete, er wird es nicht lange aushalten können, er spürte den Hunger nach ihr. Sein Verstand verabschiedete sich langsam, seine Triebe drohten ihn zu übernehmen.
Was passiert wenn er sie einfach nimmt und sie beißt, tief, blutig..? Verrückte Idee. Sie ist weder seine Schicksal-Gefährtin, noch hat sie Interessen an ihm, und wenn er sie mit Gewalt beißt, wird sie nie wieder welche Interesse haben. Nein, er darf es nicht. Und wenn er sie an sich bisschen mehr presst, wird aus einer Rettungsaktion sofort ein sexueller Übergriff, für den er sicherlich keine Zuneigung ernten wird. Sie könnte auch anfangen, ihn zu hassen. Und das wäre eine Katastrophe.

Kandomere schaute ihr in die Augen, er konnte gestern deren Farbe nicht beschreiben, es war so etwas wie.. heißer Kakao? Zimt? Nein, etwas dunkler. Karamell.. immer noch dunkler. Honig? Schokolade? Er mag Schokolade, und er … mag diese Augen... Kandomere vergaß wo er ist, warum ist er da, und was er da eigentlich will. Er sah nur eines - diese Schokoladen-Augen mit der einzigartigen roten Schattierung. Und plötzlich wusste er die Bezeichnung dieser Farbe – es war rostige Milchschokolade mit einem goldenen Sternenstaub.
Die Wärme ihres Körpers stimulierte stark seinen Körper, er spürte ihren Puls überall wo sie sich berührten, und dann bemerkte er, dass er anfing, sie viel zu kräftig an seinen Schwanz zu drücken.

Plötzlich ließ er sie abrupt los, atmete schwer, verdammt, gerade noch im letzten Augenblick, halbe Sekunde später, und sie hätte gespürt seinen Schwanz deutlich zu zucken. Kandomere brachte sich schnell unter Kontrolle, bevor er es wirklich vermasselt. Er erkannte seinen Fehler – er war so beschäftigt damit, nach ihr zu suchen, sodass er sich keine Strategie vorbereitete für den Fall, wenn er sie wieder finden, und ihr begegnen sollte. Gut, dann muss er improvisieren, und natürlich keinen Fehler machen. Er darf sie mit keinem unüberlegten Handeln verschrecken. Diesmal muss er taktisch vorgehen.

„Wer bist du, und was tust du hier?“ ein guter Anfang.

„Sir, ich...“

Natürlich erkannte sie ihn wieder, sie war auch offensichtlich von diesem seltsamen Zufall überrascht. Sie rieb sich die Stirn. Verwirrung spiegelte sich in ihrem Gesicht wider. Was für eine Fügung, wie groß kann die Wahrscheinlichkeit sein, mit diesem Elf, der sich so merkwürdig verhält, nochmals zusammenstoßen? Wieder an einer Ecke, und diesmal auch noch in dem Königs-Palast?

„Ich habe dich etwas gefragt.“

„Sie ist eine Freundin von mir. Sie heißt Kira.“ Die zweite Prinzessin stand mit verschränkten Armen in der Tür ihres Zimmers.

Kira.. Gott, er hat ihren wunderschönen Namen erfahren, ja!

„Gut, danke Lady Mayan. Also Kira, und weiter?“

„Sie hat keinen menschlichen Nachnamen, Lord Kandomere, vor dem Gesetz hat sie Elfen-Rechte.“ Prinzessin Mayan schaute ihn frech an.

„Noch mal danke, aber ich würde gerne die Antwort von Miss Kira selbst hören, Lady Mayan.“

Ihre Stimme, er will wenigstens seinen Gehörsinn befriedigen, mit ihrer reizenden süßen Stimme..

„Ich bin Kira, Adoptiv-Tochter von Samilla und Mortice, die die Angehörigen des Elfen-Volkes sind, und ich bin hier, um meine Freundin Mayan zu besuchen, Sir.“

Kira beantwortete nochmal geduldig die schon eigentlich geklärte Frage. Am heutigen Morgen, meinte Mayan vorhin, gab es irgendeinen kurzen Aufruhr in dem Palast, was sich als falscher Alarm herausstellte. Mehr wusste sie darüber selber nicht.
Nun was auch immer es war, anscheinend wurden die Nerven vom Personal noch nicht ganz beruhigt. Kira nahm an, dass die Neugier dieses harschen Elfen, der hier wohl für die Sicherheit zuständig war, noch eine Nachwirkung dieses Aufruhrs sei, und hoffte, dass ihre Information ihn nun zufriedenstellte. Weil er nichts erwiderte, hielt sie das Gespräch für beendet, und wollte gehen. Bevor sie zweiten Schritt machen könnte, ergriff er ihren Ellbogen:

„Wohin gehst du?“

Hat sie etwas falsch gemacht? Nicht, dass sie es gewusst hätte. Mayan kam ihr nochmal schnell zu Hilfe:

„Sie möchte aus dem Auto paar Bücher holen, und sie zurückbringen, die sie sich aus unserer Bibliothek ausgeliehen hat. Brauchst noch etwas wissen? Vielleicht die Farbe ihrer Unterwäsche? Oder wer steht auf ihrer Liste der nervigsten Elfen? Da bin ich sicher, dass die Liste leer war, bevor du hierher kamst."

Farbe ihrer Unterwäsche..., ja, das würde er tatsächlich wissen wollen.
Nun, das Wichtigste ist jetzt, dass er sie gefunden hat, und er sie nie mehr verlieren wird, das beruhigte ihn. Er soll sich jetzt beherrschen, Mayan muss nicht wissen dass er für diesen Mensch Schwäche hat. Er ließ Kira los. „Gut, du kannst die Bücher abholen.“ Sie kommt wieder zurück. Er schaute ihr noch kurz hinterher, zwang sich aber gleich den Blick abwenden und sein Empfinden zu verbergen.

„Teurer Lord Kandomere, gehört jetzt auch zu deinen neuen Pflichten meine Freunde zu schikanieren? Oder bedeutete diese Aufführung, dass du dich für Kira interessierst?
Ich kann an deiner herrischen Haltung nie unterscheiden, ob du mit jemanden flirtest, oder ihn disziplinierst. Übrigens, was ist der Anlass deines Besuchs? Wolltest du, der geschäftigste Elf dieser Stadt, nur mit mir reden und ein Glas Wein trinken?“ fragte ihn Mayan halb belustigt, und halb argwöhnisch.

Ja, deshalb ist er hier. Ganz recht, er muss mit Mayan reden, ihr paar Fragen stellen, vor allem ob sie weiß, ob ihr Assistent Feinde hatte, oder sich letzte Zeit ungewöhnlich verhielt, und ihr mitteilen dass er tot ist. Er wird auslassen die Details, das Wort 'zerhackt' wird erst recht nicht fallen. Mayan war noch jung, viel zu jung für solche Grausamkeiten. Wenn sie die Wahrheit trotzdem erfährt, wird er wenigstens behaupten, dass es sich um einen anderen grünhaarigen Elf handelt.

 

---

 

Als Kira mit den Büchern zurück kam, fand sie Mayan und Kandomere in dem Wohnzimmer der Prinzessin. Sie standen am Fenster, vertraut in einer Unterhaltung, so dicht beieinander, dass sie sich fast berührten. Kira blieb in der Tür stehen, sie beobachtete die beiden Elfen, sie schauten sich gegenseitig intensiv an, redeten leise. Um was ging es wohl? Mayan schaute bestürzt aus, und dieser Kandomere... hat sie sanft umarmt. Sie standen sich also nahe, mehr als Kira anhand ihres vorherigen Gesprächs annahm. Sofort, und doch zu spät beherrschte sich Kira – Mayan war damit voll beschäftigt, sich die Nase putzen, aber Kandomere drehte seinen Kopf zu ihr, er hat sie bemerkt, roch er was sie gerade kurz empfand? Das wäre nicht gut. Überhaupt nicht gut.

Kandomere hat es in der Tat gerochen - und wünschte sich plötzlich, er hätte es lieber nicht getan. Weil er gerade das Geheimnis Kiras absoluten Desinteresses für ihn gelöst hat. Jetzt wusste er, warum sie auf den leicht erotischen, physischen Kontakt zwischen ihnen gar nicht reagierte. Die Erkenntnis durchstach ihn wie ein scharfer Pfeil, gefolgt von einem Gefühl, als würde er einen kräftigen Schlag auf den Kopf bekommen, und nun spürte er einen Druck, als hätte ein schwerer Stein auf seine Brust gefallen, und dort liegen geblieben. Er fühlte etwas, was er überhaupt nicht mochte. Es war Hoffnungslosigkeit.

Er wusste gar nicht dass sich eine Hoffnungslosigkeit so ungeheuerlich schmerzhaft anfühlen kann.
Das, was er gerade ganz kurz, aber deutlich an Kira roch, war ihre Eifersucht. Es war nur schwach, aber dennoch definitiv da. Es wurde schlimmer. Nun fühlte es sich so an, als wäre dieser scharfer Pfeil, der ihn durchbohrte, vergiftet, und dieser Gift dabei wäre, alle seine Nervenzellen zu zersetzen.

Wenn sie hetero oder bisexuell wäre, hätte sie auf ihn wenigstens ein bisschen reagiert, besonders bei der etwas intensivere Berührung. Selbst den kleinsten Hauch davon hätte er aufgespürt, wenn sie leicht erregt wäre.
Das war sie aber nicht, weil sie es nicht könnte. Sie konnte durch seine Berührung nicht erregt werden, denn Kira, diese Frau, die er haben wollte, war offensichtlich lesbisch. Auf ihre menschliche, unabwendbare Art, ohne die Chance dass sie ihre sexuelle Neigung wie die Elfen nach Laune steuern könnte. Ihr kurzer Eifersucht-Stich roch er genau in dem Moment, als er Mayan umarmte - Kira verspürte Eifersucht, weil er Mayan berührte. Er hat es jetzt verstanden. Kira war lesbisch, und offensichtlich war sie in Mayan verliebt. Ihm wurde jetzt schlecht. Er brauchte raus gehen, in die Luft, und sich irgendwo hinsetzen. Er ließ Mayan los, entschuldigte sich, sagte nur noch dass es gerade den Lunch gibt, und dass der König wünscht dass Mayan gleich dazukommt, und ging weg, schnell an Kira vorbei, ohne sie anzusehen.

Gleich wendete sich Kira der Prinzessin zu.

„Was ist los, May?“

„Mein.. mein Assistent, er hatte einen Unfall, er ist tot... Der Schuldige ist geflüchtet. Aber Kandomere sucht nach ihm.“ Mayan hielt bestürzt in der Hand die Platin-Karte, die ihr Kandomere wiederbrachte.

Eine Weile hielten sich beide Junge Frauen umarmt, Kira tröstete sie, bis sich Mayan etwas beruhigte. Langsam mussten sie in den Speisesaal gehen. Sich Vaters Wunsch zu widersetzen wollte Mayan nicht, und Kira, als ihre Freundin, sobald sie zu Besuch kam, war automatisch mit eingeladen. Sich dagegen zu sträuben wäre beleidigend wie zwecklos, sie kannte die elbische Gepflogenheiten.

„Sag mal, dieser Lord Kandomere,..“ Kira wollte auf dem langen Weg in den Speisesaal etwas fragen, ihre Freundin ließ sie aber den Satz nicht beenden.

„Hat er dich verärgert?“ Mayan dachte zu wissen was Kira beschäftigte. „Ich entschuldige mich für ihn. Er ist manchmal etwas schroff, besonders wenn er denkt, dass jemand aus meiner Familie in Gefahr ist. Manchmal übertreibt er auch. Zum Beispiel darf ich den Palast gerade nicht verlassen, ohne Belfour vorher zu informieren. Und dann darf ich nur noch mit zehn Bodyguards raus gehen. Ich hab so einen Eindruck, dass hinter dem Unfall mit meinem Assistenten mehr steckt. Wie du siehst, ich hab auch Ärger mit Kandomere. Bist du sehr sauer auf ihn?“

„Nein nein, das ist in Ordnung. Ich wollte nur..,“ Kira hielt inne, sie war sich nicht sicher ob sie es ansprechen soll. Noch weniger war sie sich sicher, ob sie die Antwort hören wollte.

Die junge Elfe sah sie fragend an. Und dann sagte sie sich, Kira wurde von Kandomere grundlos unhöflich befragt, und sie möchte sicher wenigstens den Grund dafür erfahren. Irgendwie war ihr Mayan eine Erklärung schuldig. Also verriet sie:

„Er arbeitet für meinen Vater, aber ich weiß nicht genau was alles er für ihn erledigt. Mir wurde immer nur gesagt, dass sein Job ist, unsere Familie zu beschützen. Zur Zeit kommt er aber nicht so oft hier her, weil er ja viel beschäftigt ist bei Magic Task Force. “

Mayan kannte Kandomeres spezifischeren Aufgaben-Bereich in der Tat nicht, nur das, was sie erläuterte, aber selbst diese Information war vertraulich. Aber Mayan war sich Kiras Vertrauenswürdigkeit sicher. Übrigens hat sich Kandomere mit der autoritären Befragung selbst entlarvt. Sein Verhalten machte deutlich, dass er für das Königshaus arbeitet, und zwar definitiv nicht als ein Suppen-Koch.

„Da fällt mir ein, dazu gibt es eine lustige Geschichte. Als Kind erschrak ich einmal, als ich hörte, wie ein Wächter einem anderen sagte, Kandomere sei ein kaltblütiger Auftragsmörder. Als ich Vater darauf ansprach, lachte er viel, und meinte 'jawohl, das ist er', und deutete auf Kandomere, der gerade hereinkam und eine tote Ratte am Schwänzchen hielt. Kandomere fand das ganze aber gar nicht lustig, und sagte dann, dass diese Ratte wohl nicht die einzige im Palast ist, die kleine Mädchen erschreckt. Ich wollte später dem Wachmann sagen dass er sich nicht fürchten muss, und dass Kandomere nur Schädlinge tötet, aber er war nicht mehr da, es wurde mir gesagt, dass er ab jetzt eins von unseren Anwesen weit im Norden bewachen wird.“ Mayan versuchte zu lächeln: „Kandomere ist nur manchmal barsch, ist aber garantiert kein Mörder.“

"Ich denke, ihr zwei habt euch wirklich gern, oder? “ Kira könnte nicht anders. Es war nicht ihre Art jemanden so  hartnäckig auszufragen, und erst recht nicht nach privaten Angelegenheiten, aber sie wollte es wissen.  „Es sieht sogar so aus, als würdet ihr füreinander tiefere Gefühle haben.“

Mayan schaute Kira zögerlich an, überlegte kurz, und dann sagte sie:

„Gut, aber behalte es für dich. Wir hatten eine Liebesbeziehung.“

Also war es wirklich so. Das wollte Kira wissen - gleichzeitig wollte sie es aber nicht hören.

„Du hattest..?“
Warum kann sie es nicht ruhen lassen... Und übrigens, wieso weiß sie nichts davon, Kira kannte doch sonst absolut alle Mayans Liebesgeschichten als sie beide studiert hatten, und Mayan erzählte ihr doch immer alles mit allen Details.

„Es ist vorbei.“

„Er war vorhin sehr zärtlich zu dir.“

„Bestimmt nur weil ich weinte.“

„Aber du magst ihn immer noch, stimmt?“

„Wir sind... gute Freunde. “ Mayan senkte den Blick, sie wirkte bisschen unruhig.

Kira hat es verstanden, Mayan empfindet bestimmt noch etwas für ihn, und will darüber nicht reden.
Sie wurde auf sich selbst sauer - warum musste sie Mayan quälen, wenn sie doch spürte, dass es für ihre Freundin eine heikle, vielleicht auch eine schmerzhafte Sache ist. Vielleicht ging es sogar um verbotene Gefühle.
Sie hat mit diesen Fragen nur unnötig ihrer Freundin weh getan, und mit den erzwungenen Antworten verletzte sie sich auch selbst, obwohl sie nicht genau wusste, wieso, und warum sie auf einmal dieses merkwürdige Unbehagen verspürte.

 

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In der Haus-Bar neben dem Speisesaal füllte gerade die vollbusige Elfe Elmiri drittes Mal Montehughs Aperitif-Glas. Montehugh konnte seinen Blick nicht von ihr abwenden. Die Tatsache, dass er sie außerordentlich umwerfend fand, versuchte er zu verbergen, aber das war natürlich zum Scheitern verurteilt, und so gab er schließlich auf. In Ordnung, dann wird diese rothaarige Schönheit halt wissen, dass er sie geil findet.
Sie lächelte ihn die ganze Zeit an, selbstverständlich roch sie Montehughs Interessen für sie. Irgendwann musste er aber seine Aufmerksamkeit doch in irgend eine andere Richtung lenken, denn langsam wurde es peinlich, wie er auf ihre makellose Figur und diese seidigen Haare starrte.


Sein Blick wanderte umher und blieb bei einigen den ausgestellten Bildern der königlichen Familie stehen. Da war ein neueres Foto, auf dem war das regierende Paar mit allen drei ihren erwachsenen Kindern, sowie sehr alte, kleine Porträts. Montehugh schaute sich die königliche Kinder aufmerksam an. Die jüngste, die zweite Prinzessin, hatte lange sonnenblumengelbe Haare, und fröhlichen Gesichtsausdruck. Er erkannte sie, denn über sie wurde öfters berichtet. Sie war nicht scheu wie ihre Geschwister. Die ältere, die erste Prinzessin, hatte auf dem Bild ihre natürliche silberne Haarfarbe und trug eine modische Kurzhaarfrisur, und dann war da der älteste, der grünhaarige Thronfolger. Die beide älteren trugen stylische Augenmasken. Sogar auf dem Familien-Foto. Wirklich konsequent, aber verständlich, sonst wäre es sinnlos. Das Foto konnte ja jedermann sehen, der zur Besuch hierher kam.
Bei repräsentativen Angelegenheiten, wo sie sich zeigen mussten, in der Zeitung oder Fernsehen, hatten die beiden älteren immer die Maske, oder zur Abwechslung sah man sie mit großen Sonnenbrillen.
Sie anwendeten diese Maßnahme, weil die beiden ihr privates Leben zurzeit in der Anonymität genießen wollten. Soviel war allgemein bekannt, das wusste Montehugh. Natürlich würde sich niemand trauen, nicht autorisierte Paparazzi-Fotos zu veröffentlichen. Es wäre für diese Medien ein sofortiger Selbstmord, mit sehr unangenehmen persönlichen Auswirkungen für alle mitverantwortlichen. Die mächtigste Familie der Welt zu verärgern war definitiv nicht ratsam. Die beiden Älteren zu finden war übrigens ohnehin schwierig, da sie sich mit ihren grenzenlosen Mitteln aller Art und der Magie gut tarnen konnten. Das Magie-Verbot galt für die Familie des Herrschers nicht. Und letztendlich - ihre königlichen Frisuren und Haarfarben wurden zum Trend, die Welt war somit reich an deren Doppelgängern. Einen besseren Schutz der Anonymität könnten sie sich kaum wünschen.
Elmiri beobachtete Montehugh und bemerkte:

„Die erste Prinzessin und der Thronfolger leben derzeit nicht hier. Ebenfalls Lord Silvius und Lady Kassandre verweilten auch immer oft in ihren anderen Palästen. In den letzten Jahren haben sie dieses Gebiet jedoch aufgrund des Studiums ihrer jüngeren Tochter nur selten verlassen. Die zweite Prinzessin hat sich entschieden für eine Fakultät in dieser Stadt, und der Lord und die Lady wollten ihre Tochter hier nicht allein lassen, denn sie ist ja noch so jung.“

Montehugh schaute sich auch die anderen Bilder an. Elmiri kommentierte es mit einem Hinweis, dass es die drei Kinder sind, als sie zehn Jahre alt waren.
Von einem Mädchen gab es ein farbiges Foto, das könnte die jüngste sein. Die Fotografie des anderen Mädchens war schwarz-weiß und nachkoloriert. Das musste also die ältere, erste Prinzessin sein. Von dem Jungen gab es ein gemaltes Porträt, damals existierten wohl noch gar keine Kameras. Das Jahrhundert konnte Montehugh nicht bestimmen, denn an den Bildern hatten alle drei alte klassische elbische Kleidung, und einfache langhaarige Frisuren. Er sah auch, dass die Naturhaarfarbe beider Mädchen silberblond war, wie das Haar ihres Vaters, der Junge hatte sehr dunkle Haare.
Montehugh fiel ein, dass man eigentlich elbische Kinder nur selten sieht. Wohl weil sie sorgsam im Verborgenen und höchster Sicherheit gehütet waren, dabei kaum nur 2% des Lebens im Kindesalter verbrachten.

Elmiri erzählte auch ein wenig über die Königsfamilie. Sie enthüllte keine Geheimnisse, doch es handelte sich um unbekannte private Details - dass die erste Prinzessin plant eine große eigene Familie mit mindestens zehn Kindern, und die jüngere Prinzessin anstatt Medizin ursprünglich die Tierwissenschaft studieren wollte, und mit ihrer besten Menschen-Freundin gleich zum Essen kommt. Und dass der Sohn talentiert ist für alle Kampfsport-Arten. Dann wurden sie von Bediensteten unterbrochen und zum Tisch gebeten. Als nächsten kamen Silvius und Kassandre, dann Mayan mit ihrer Freundin Kira.

Zuletzt kam dazu Kandomere. Der entschuldigte sich, dass er die Prinzessin nicht persönlich begleitete, denn er musste etwas Wichtiges zu erledigen.

Etwas wichtiges... es war nicht gelogen, er musste sich in den Garten zurückziehen, sich auf die Parkbank hinlegen, und in den Himmel starren, weil er die neue Situation nicht aushalten könnte. Er brauchte nach draußen gehen, aber vergeblich hoffte er, dass ihm die frische Luft gut tut, oder sein Leid mildert. Er lag da, auf dieser Bank, verzweifelt, kraftlos, und schaute ins Nichts vor sich hin. Er fühlte sich so schrecklich. Noch schrecklicher als an dem Tag zuvor, als er Kira kennenlernte, und gleich erfuhr, dass sie keine Emotionen für ihn verspürte. In der Brust und der Kehle breitete sich dieser wachsende erdrückende Schmerz, der zunehmend nicht auszuhalten war.

Kira... nachdem er sie jetzt wieder gefunden hat, erkannte er, dass sie sein Licht war, ohne sie war er nicht mehr fähig zu überleben. Diese wunderschöne Kira war das Einzige, was er wollte. Er brauchte sie, nur sie, sonst nichts.
Aber egal wie sehr er sie brauchte, er wird es niemals schaffen, sie zu seiner Geliebten zu machen. Weil sie Frauen mochte. Sie wird nie Gefühle für ihn hegen, ihn sehnsüchtig berühren oder küssen wollen. Auf seine sinnlichen Annäherung-Versuche würde sie sicher nur mit einem Ekel reagieren. Der Schmerz in seiner Brust wurde so heftig, dass er nicht mehr atmen könnte.
Den schönen sonnigen Tag, und alles was ihn umgab, nahm er nicht mehr wahr. Er spürte nur eine dunkle schaurige Kälte, und diesen unerträglichen Schmerz.

Er konnte es nicht mehr ertragen. Er sah auch keinen Ausweg mehr.

Kandomere knöpfte seinen Jackett auf, öffnete mit dem Daumen das dort versteckte Waffenholster, und nahm von da seine Waffe heraus. Das war es jetzt. Er kann nicht, und will nicht mehr. Er wird es beenden.

Plötzlich fiel ihm auf, dass dieses Leiden den Symptomen der akut ausgebrochenen Partner-Krankheit ähnelt. Genau so wie er, benahmen sich doch die Elfen, die ihren Gefährten verloren haben. In seinem resignierten Zustand blitzte nun eine schwache, aber rettende Wut durch. Die Wut auf ihn selbst riss ihn aus der tödlichen Lethargie. Ja, gegen diese Partner-Krankheit könnte man sich kaum wehren - sie verwandelte starke Elfen in hilflose, weinerliche, lebende Tote, aber er hat seine Schicksal-Gefährtin weder erkannt, noch verloren. Er hatte diese Krankheit nicht. Verdammt, ist er so schwach, und lässt er sich von einer Krankheit zerstören, die er gar nicht hat?!
Er muss doch etwas unternehmen können gegen dem Zwang sterben zu wollen, und muss sich dazu bringen, die Waffe zurück in die Halterung zu stecken. Er versuchte ganze seine Wille zu mobilisieren. Ja, er muss so gut er es kann, wenigstens für ein paar Momente, die Aktivität seines Seelen-Körper unterdrücken – er war der folternde Element, der mit dem übermäßigen Leid seine Vernunft blockierte. Er wird nur den Mental-Körper agieren lassen. Er wird es nicht lange halten können, aber er nutzt schnell den Moment, der ausreicht, um die unmittelbare Selbstmordgefahr abzuwenden.

Kandomeres Geist erlangte einigermaßen die Oberhand - rasch zwang er sich die Waffe wieder rein schieben, und die Gartenbank zu verlassen. Er kehrte zurück ins Palast, und ging direkt in den Speisesaal. Er kam als Letzter, also nahm er den letzten Platz ein, der noch frei war. Neben Kira. Verdammt. Ihr Duft schwächte seine Kontrolle. Er fühlte sich wie benommen. Einen Plan, was er nun tun sollte, hatte er nicht. Alle Reste seiner Kraft verwendete er, um seinen erbärmlichen Zustand vor den anwesenden Elfen zu verbergen. Es gelingt ihm nicht hundertprozentig, aber alle Elfen waren selbst noch bedrückt wegen dem Mordfall, also wird er wenigstens nicht auffallen.

 

Dass er tatsächlich an der Partner-Krankheit litt und sich in ernster Gefahr befand, wusste Kandomere zu dem Zeitpunkt nicht. Er konnte es auch nicht mehr beurteilen. Er war so beeinträchtigt, dass er nicht mehr beim klaren Verstand war. Er erkannte nicht mehr, dass seine einzige Chance darin bestand, seinen Zustand nicht mehr zu verbergen und Hilfe von den Elfen zu bekommen.

 

Die rothaarige Elmiri, die bei dem Tisch zwischen Montehugh und Kandomere saß, merkte leicht, dass mit ihm etwas nicht stimmt, sie war ja direkt neben ihm. Jedoch konnte sie die Art des Problems, und das Ernst der Lage nicht erkennen, denn Kandomere hat mit aller Kraft sein Leiden unterdrückt.
Also kommentierte es Elmiri mit keinem Wort, und brachte ihm schweigend nur ein Glas des trockenen Sherry, das auch Montehugh vorhin bekam. Kandomere hat es wortlos genommen und es sofort getrunken.

Elmiri wollte ihm nun Kira vorstellen, Kandomere hob allerdings die Hand.

„Danke, Elmiri, ich habe Kira soeben kennengelernt.“

Sein Schmerz kam zurück. Gott, es soll aufhören... Seine vorgetäuschte Gelassenheit wird nicht mehr lang halten.

Kira wurde wieder etwas unruhig. Sie saß bei diesem runden Tisch zwischen Mayan und Kandomere. Er war jetzt viel zu nah. Das wollte sie nicht, aber es gab keine Sitzordnung. Kandomere kam als letzter dazu, also setzte sich auf das einzige freie Platz – neben sie.

Es fiel ihr auf, dass Kandomere hat, wie sie selbst, ebenfalls nicht angesprochen, dass sie sich nicht erst heute kennenlernten. Was mochten seine Gründe dafür sein?

„Wir beten jetzt für unseren treuen verstorbenen Freund, und bitten die Gottheit um Gerechtigkeit,“ begann König Silvius. „Wenn wir seine sterbliche Überreste erhalten, wird er in dem Palast-Friedhof beerdigt.“ Daraufhin beteten stillschweigend alle für den toten Elfen.

Kandomere wagte einen Blick zur Kira. Sie hatte ihre Augen geschlossen, die Hände gefaltet. Sie war dabei so wunderschön. Er roch ihr Duft jetzt aus nächster Nähe. Sie war so nah, dass er sie berühren könnte. Aber das dürfte er nicht tun. Niedergeschlagen ergab er sich seinem Schicksal, das ihn in den Abgrund führte. Sein Verstand wich langsam wieder dem seelischen Leid. Das bedeutete, dass er bald ganz aufhört, sich zu beherrschen. Was passiert dann mit ihm? Wird er sich dann unter dem enormen seelischen Schmerz weinend auf den Boden werfen, wie es die frische Witwer tun? Ja, das wird passieren, er spürte es. Er, der unempfindliche Kandomere, dem über Jahrhunderte keine Schwierigkeiten bereitete, kaltblütig zu agieren in absolut jeder Situation.

Kandomere verspürte nun den Wunsch, mit dem toten Elfen die Plätze zu tauschen. Er schloss seine Augen wie alle andere betende.

Gleich wurden Speisen gebracht, es gab Muschelsuppe, gebratene Wachteln, mehrere Sorten Fische vom Grill, wie auch diverse Kleinigkeiten, und reichlich Obst und Gemüse. Als Nachtisch gab es eine Schokoladentorte und andere Desserts, und viele verschiedene Schokoladenpralinen.

Kandomere aß jedoch kaum etwas. Er tat eher nur so, als würde er essen.
In seinem Kopf war nur noch der Gedanke an Kira.
Er hat diese Kira gefunden, aber trotzdem verloren, denn freiwillig wird sie nie die seine sein. Auch wenn sie keine Gefährten waren, tat es trotzdem unerträglich weh, so unvorstellbar weh. Der Seelen-Körper gewann wieder die Oberhand.
Die Nähe zu Kira quälte ihn. Der Druck in seiner Brust wurde noch kräftiger. Der Schmerz und die Hoffnungslosigkeit ließen sich nicht weiter unterdrücken.

Gut, er wird jetzt schnell handeln müssen, bevor die Elfen an ihm die Verzweiflung riechen werden, und ihn fesseln und sedieren. Das lässt er aber nicht zu. Es ist allein seine Sache, ob und wann er sein Leben beenden möchte. Er wird diese Augenblicke wenigstens noch mit Kira verbringen, sowie ihre süße Stimme genießen. Er hat sich jetzt entschieden für eigenen Weg. Er wird nicht mehr gegen diesen unerträglichen Schmerz kämpfen, seine ganze Kraft war aufgebraucht. Er muss diese fürchterliche Folter nicht länger ertragen.
Um ihre Stimme noch mal zu vernehmen, wird er sie etwas fragen. Und er wusste auch, was er sie fragen wird. Er war nun bereit, dieses Gespräch zu führen, ihre süße Stimme zu hören, mit der sie ihm die vernichtende Antworten geben wird.
Danach wird er zu der Gartenbank zurückkehren und sich dort erschießen.

„Miss Kira,“ Kandomere wandte sich zu seiner menschlichen Nachbarin am Tisch, „erzähl mir, gehst zurzeit mit jemanden aus, hast einen Freund? Oder wohl eher Freundin? Hast eine Beziehung?“
Kira schaute überrascht zu ihm, alle anderen am Tisch wurden neugierig. Er fühlte, dass ihn Mayan unerfreulich anschaute, am liebsten würde sie ihn sicher unter dem Tisch treten, wenn ihr Fuß ihn erreichen würde, aber das interessierte ihn nicht, er beobachtete Kira und ihre Reaktion, lauschte dem Klang ihrer Stimme.

„Nein, Sir, ich bin nicht liiert.“

„Aber du wünschst es dir, eine Beziehung zu haben, richtig? Ich meine, du magst doch jemanden? Eine Frau vielleicht? Und in dem Fall - eine, die womöglich gerade anwesend ist? Sag, hast du ein Verlangen nach ihr?“

Kandomeres Verstand war betäubt von dem Schmerz. Er machte sich keine Gedanken mehr über ein korrektes Verhalten, es war ihm egal, was jeder um ihn herum denken würde, er ignorierte die Wahl seiner direkten schamlosen Worte und den Mangel an Diplomatie.

„Antworte mir.“ Kandomere wollte es nun schnell. Er wollte endlich den Todesstoß.

„Lord Kandomere, muss es sein?“ Mayan meldete sich jetzt zur Wort, noch war sie aber höflich. Was will er von Kira, warum fragt er sie wieder aus? Und was ist das für seltsame Fragen? Sie witterte in seine Richtung – Interesse an ihr hat er irgendwie keine, oder hat er doch? Mayan spürte ein Durcheinander aus seiner Richtung. Er schien sonderbar nervös zu sein. Merkwürdig, so hat sie ihn noch nie erlebt. Hat es etwa mit dem Mord zu tun, und hat er vielleicht, treu seinem Beruf, einen schwerwiegenden Verdacht, und das Kreuzverhör hier ist Teil der Ermittlung?
Also echt, ihm muss doch bewusst sein, dass Kira bereits von Belfour gründlich überprüft worden war, bevor sie als vertrauenswürdige Palastbesucherin eingestuft wurde. Schon damals hat sie sich darüber geärgert, dass ihre Freundin als Mensch einer doppelt strenge Prozedur ausgesetzt wurde, weil Belfour die Menschen nie sonderlich mochte, und jetzt fängt es aufs neu an?

Kira war etwas verwirrt über die all Fragen, aber dann erinnerte sie sich – hat das Verhör etwa damit zu tun, was er an ihr zuvor roch? Also bemerkte er diesen Moment der Eifersucht, der über sie kam, und nun wollte er etwas über die Details erfahren. Wie verstand er es eigentlich?
Sie muss ruhig bleiben.
Kira antwortete etwas angespannt:

„Sir, falls ich es richtig verstehe, verlangen sie Angaben meiner sexuellen Orientierung, oder eher verlangen sie von mir direkt ein Geständnis der homosexuellen Neigung?“

„Offensichtlich stuft die Magic Task Force lesbische Frauen als besonders gefährlich ein,“ ersparte sich nicht Mayan und forderte Hilfe: „Papa, sag ihm doch er soll mit dem Unsinn aufhören.“

„Miss Kira, wenn es dir keine Umstände macht, könntest du Lord Kandomere diese paar Fragen trotzdem beantworten?“
Der majestätischer Elf ignorierte das Meckern seiner Tochter, und ergänzte:
„Wir lassen ihn sich einfach selbst vergewissern, dass du keine Gefahr darstellst, egal welches Geschlecht du nun magst. Er soll sich selbst überzeugen, dass du sogar geradezu ein Engel bist, in Ordnung?“ König Silvius war sich aber auch sicher, Kandomere würde nicht einfach etwas sinnlos fragen. Es war zwar schleierhaft warum er über dieses goldige Mädchen solche Sachen wissen muss, aber er wird schon seine Gründe haben.

Mayan seufzte, Vater war keine Hilfe, und Mama sagte auch gar nichts. Sie warf also Kira einen entschuldigenden Blick, und schob sich frustriert einen großen Stück Schokoladenkuchen in den Mund.

„Natürlich, Lord Silvius.“ Und dann schaute Kira Kandomere in die Augen:

„Ich bin weder lesbisch noch bisexuell, Sir, und auch nicht asexuell. Und damit es nicht zu Missverständnissen führt, oder zusätzlichen Fragen kommt - ich habe auch keine sonstigen speziellen sexuellen Neigungen. Ich bin definitiv an keinen Beziehungen der romantischen Art mit Frauen interessiert, und ich verspüre kein Verlangen nach Frauen, und daher ebenfalls nicht nach denen, die gerade anwesend sind. Wenn ich mich irgendwann in der Zukunft für jemand entscheide, wird es ein Mann sein. Ein männlicher Mann des männlichen Geschlechts. Gibt es noch weitere Fragen?“

Mayan gluckste vor Lachen: „Richtig so, Kira!“ Und dann schaute sie siegreich zu Kandomere, soll er wissen dass ihre Freundin antworten weiß, und sich nichts gefallen lässt, natürlich auf höfliche Art. Aber dann stockte Mayan abrupt, Kandomere sah plötzlich so sonderbar aus, eine Mischung aus Schock und Freude, oder so, und als würde er weinen wollen, oder, doch nicht, er ist wie immer, hatte sie sich getäuscht? Jedenfalls sah es so aus, als ob seine Neugierde endlich ein Ende gefunden hätte.

Kandomere unterdrückte schnell das wilde Karussell der Gefühle, das in ihm ausbrach. Gott, er hat sich absolut fatal geirrt. Ja, kein Wunder, er hat es unter der Anspannung einfach falsch interpretiert. Kiras Eifersucht bestand nicht aus sexuellen Motiven oder Liebesgefühlen für Mayan. Sie wollte einfach nur mit ihrer Freundin entspannte Zeit verbringen, die Mädels wollten alleine bleiben und plaudern, und er störte sie dabei. Ja, so war es. Bestimmt. Oder... war sie etwa... wegen ihm.. Ja, Wunschdenken ist eine feine Illusion, aber irreführend und irreal. Sie konnte keine Eifersucht wegen ihm empfinden. Dafür müsste sie erst mal wenigstens einen Gefallen an ihm verspüren, oder Sympathie, jedenfalls keine Gleichgültigkeit.

Nun, der ganze fundamentale deprimierende Suizid-Zwang und tiefste Hoffnungslosigkeit verschwanden auf der Stelle. Fast hat er tatsächlich angefangen zu weinen, allerdings diesmal vor Erleichterung und Freude. Er beherrschte sich, brachte schnell sein emotionales Chaos in Ordnung.
Kira will also irgendwann einen Mann? Gut, er wird dieser Mann sein. Er alleine. Der erste und einzige.

"Danke, Miss Kira. Entschuldige die Befragung. Als Mitarbeiter des Sicherheitsteams wollte ich nur unsere Datenbank mit Informationen über Besucher vervollständigen, denn der Sicherheits-Standard wird ständig verbessert.“
Gut, er hoffte dass es genug glaubwürdig klang. Dann fügte er hinzu:

„Ich habe zwar keine weiteren spezifischen Fragen, aber du kannst ein wenig über dich erzählen, wenn du möchtest, Miss Kira. Ist selbstverständlich freiwillig,“ sagte er, und versuchte nicht mal zu verbergen, dass diese Aufforderung, ihre privaten Angaben preiszugeben, nichts anderes ist als ein schlichter Befehl, dem man lieber Folge leisten sollte.

Kira verhielt sich weiterhin neutral, dachte sich aber: Gut, dieser blauhaariger Elf könnte doch einfach in ihre Akte genauer rein blicken, die der strenge Belfour anlegte, als sie sich mit Mayan anfreundete, aber Kandomere schien offensichtlich ein Faible zu haben, seine Opfer persönlich zu plagen, also bediente sie ihn mit Informationen von einem gerade abgeschlossenen Medizin-Studium über alle Rassen, mit Sonder-Spezialisierung auf Menschen und Elfen. Das königliche Paar nickte dabei stolz zu, als wäre Kira ihre dritte Tochter.

„Sie war übrigens mit einem großen Abstand die beste Studentin,“ meinte Mayan, „ Sie ist halt überdurchschnittlich intelligent. Kira mag damit natürlich nicht angeben, weil sie auch bescheiden ist, es muss aber auch gesagt werden.“

„Ja, sie ist wirklich fabelhaft, und es erwartet sie eine erfolgreiche Karriere, ich sage es auch immer wieder,“ lobte jetzt auch Lady Kassandre die junge Frau, und fragte sie: „Welchen Plan hast du jetzt, meine liebe Kira?“

„Ich möchte zuerst annehmen eine Stelle als Assistent-Ärztin, dann überlege ich es mir, wie es weiter geht. Es wird etwas schwierig, ich werde mein Wissen wohl nicht voll verwenden können. Mir wurde das Studium an der besten medizinischen Fakultät ermöglicht, aber die Elfen lassen sich lieber von Elfen-Ärzten behandeln. Was auch nachvollziehbar ist. Im Notfall kann ich nicht mit dem Geruchssinn diagnostizieren, oder mit heilenden Händen dienen. Ich werde wahrscheinlich etwas Zeit brauchen eine passende Stelle zu finden.“ Kira sagte es ohne Bitterkeit, es waren für sie einfach nur Tatsachen wie die Naturgesetze.

„Das ist wirklich sehr Schade, ich kenne dich als sehr fleißige Studentin, und bin überzeugt, dass du eine herausragende Ärztin sein wirst. Du hast auch stets unsere Mayan zum lernen animiert, so gesehen stehen wir sogar in deiner Schuld.“ Lady Kassandre überlegte kurz etwas, dann wandte sich an Kandomere: „Mein teure Lord Kandomere, besteht vielleicht ein Bedarf an vielversprechenden Assistent-Ärzten bei MTF?

 Alle Augen richteten sich auf Kandomere, aber er sagte zuerst nichts. Dachte er darüber nach? Sein wieder undurchdringlicher Gesichtsausdruck verriet seine Meinung nicht.

„Du könntest vielleicht fragen den Manager, oder den Leiter der medizinischen Abteilung, ob sie jemanden brauchen, oder geradewegs den Direktor überzeugen, ich würde ihn persönlich anrufen und die Sache unterstützen.“ Lady Kassandre ließ nicht locker.

Nun reagierte Kandomere. Er sagte nur kurz:. „Nicht nötig, Miss Kira ist angestellt.“

„Ah...“ Kira schaute verdutzt, langsam traute sich aber zu fragen:

“...Sir, brauchen Sie den nicht zuerst meine Unterlagen, oder Vorstellungsgespräch? Muss ich denn nicht zuerst den Eignungstest bestehen?“

Kandomere wandte sich zu Kira:

„Nein, ich kümmere mich darum. Also, falls du bei MTF überhaupt arbeiten willst.“

Nun sah ihn Kira verlegen an: „Ja, sehr gerne, Sir, natürlich möchte ich es,“ antwortete sie, und ihre Wangen wurden etwas rosig vor Aufregung.

„Gut, melde dich am Montag in der Personalabteilung.“

Kira könnte es kaum fassen. Sie erwartete nicht, dass sie ihr Ziel so schnell und leicht erreicht. Sie rechnete mit langen Jahren Geduld und Mühe, bis sie irgendwann in das medizinische Team bei MTF aufgenommen wird. Doch dann flog ein kleiner Schatten über ihre Freude. Nein, sie wird daran noch nicht denken, noch nicht, vielleicht muss sie es nicht, wenn die Situation nicht günstig wird...

Kandomeres Herz schlug wie wild. Die Gottheit hatte Gnade mit ihm, das Schicksal umschlug abrupt unerwartet um 180 Grad. Nur wenig fehlte, und er läge jetzt gerade in eigener Blutlache unter einer Parkbank in dem Garten, nur weil er überzeugt war, dass seine wunderschöne Kira nur Frauen mag, und damit für ihn unerreichbar bleibt.

Kandomere wusste - Kira empfand immer noch nichts für ihn, was weiterhin ein Grund zum Verzweifeln war, aber im Vergleich zu der Tragik ihrer vermeintlichen Homosexualität stellte es ein fast lächerlich kleines Problem dar. Die Chance, dass sie ihm irgendwann doch gehören könnte, empfand Kandomere jetzt als einen großen Triumph. Und nun darf er auch mit ihr an den Arbeitstagen im Kontakt bleiben. An jedem dieser Tage darf er sie sehen, sie riechen, mit ihr reden.

Er wird es langsam angehen, sie muss zuerst ein Vertrauen zu ihm gewinnen. Sie wird sich an ihn gewöhnen, und dann, Schritt für Schritt, für ihn bestimmt auch immer mehr Sympathie entwickeln.
Durch diese Hoffnung war er nun wie betrunken vor Glück.
Es war eine große Erleichterung, in diesem Moment nur die einzige Sorge zu haben, sein vor Freude laut trommelndes Herz vor den anwesenden Elfen zu verbergen. Er setzte auch seine gewöhnliche kalte Miene auf, keiner wird etwas merken, aber drinnen, da war er mit goldenem Feuerwerk der Hoffnung durchflutet, es war so schön, so wunderschön. Entspannt ergab er sich nun völlig Kiras betörendem Duft, und griff sogar nach einer Schokoladenpraline. Er fühlte, wie seine Kraft zurückkehrte.

Der Lunch endete, und beim Kaffee und Digestif wurden noch ein paar private Themen beredet. Jeder war mit etwas beschäftigt, und niemand langweilte sich.
Mayan sprach darüber, dass sie vielleicht noch ein neues Studium beginnen wird, speziell im Bereich Tierwissenschaften. Kira nickte ihr zu, und dachte über ihren seltsamen zwei letzten Tagen, und deren Auswirkung auf ihre Zukunft. Lord Silvius verleitete Montehugh zu einem Trink-Duell, wobei Montehugh die Sorgen aufgab, wer ihn und Kandomere jetzt zurück fahren wird, denn die hübsche vollbusige Elmiri die Schiedsrichter-Rolle übernommen hat. Montehugh wollte ihr unbedingt beweisen, dass er mit den Elfen, ja sogar mit dem Elfen-König, mithalten kann.

Kandomere wich nicht von Kiras Seite. In seinem heimlichen Rausch genoss er mit allen Zügen ihre unmittelbare Nähe. Dabei dachte er optimistisch an den zukünftigen täglichen Kontakt mit ihr, und ergab sich einer Hoffnung auf vielversprechende Aussichten, und nur beiläufig schenkte er Lady Kassandre Aufmerksamkeit, die zu ihm sprach. Die redete über einem Telefon-Gespräch, das sie mit Kandomeres Mutter gestern führte. Kandomeres Mutter hat sich dabei bei der Königin bitter beklagt, dass Kandomere gestern an seinem Geburtstag der ganzen wartenden Familie den Besuch kurzfristig absagte. Danach hat die Königin Kandomere streng befohlen, dass er die Sache wieder gut zu machen muss, und mit seinen Eltern wenigstens den nächsten Sonntag verbringen soll.

 

Belfour alles beobachtete von seinem Wachposten. Heute wollte er lieber den Wachdienst persönlich übernehmen, Gründe dafür hatte er genug.
Kandomeres Befragung der Miss Kira hat ihn zwar etwas verwirrt, sowie die Aussage über die Datenbank, aber das gehörte wohl zu der Vertuschung der tatsächlichen Kandomeres Funktion und Stellung in diesem Haus. Miss Kira sollte wahrscheinlich glauben, dass Kandomere nur zum Sicherheitsteam gehört. Also blieb Belfour still im Hintergrund, ohne sich wieder einzumischen. Er wollte nicht auffallen, nachdem er bei Montehugh bereits einen Fehler gemacht hatte.

Nun, jetzt schien hier alles ruhig zu sein, also wird er auch endlich zu Mittag essen. Belfour seufzte erleichtert. Es ist nichts mehr unerfreuliches passiert. Alles ist zum Glück gut gelaufen bei diesem Lunch. Und er erfuhr gerade eine neugewonnene Erkenntnis - seit dem heutigen Tag soll er mehr schätzen wissen die ruhige langweilige Tage, und danken für die Gottes Gnade, die sich manchmal entscheidet, ein Unglück abzuwenden. Er wusste selbst nicht, wie sehr er recht hatte.