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Whether you want to or not

Chapter Text

 

 

Genau als er die Ecke erreichte, trat die Unbekannte aus der Sackgasse heraus und der stürmende Kandomere prallte mit ihr zusammen. Seine Nase traf hart ihre Stirn. Die Handtasche, und eine Zeitschrift, die sie in dem Tabak-Laden gerade kaufte, flogen ihr aus der Hand. Sie verlor das Gleichgewicht, und war kurz davor, rückwärts zu stürzen.
Augenblicklich hat er sie mit seiner elbischen Behändigkeit gefangen. Gott, ja, das war sie, das war die menschliche Frau mit diesem am unwiderstehlichen Duft, der mit absolut nichts auf der Welt verglichen werden konnte.
Kandomeres Aufmerksamkeit wurde gelenkt zu dem körperlichen Kontakt mit ihr. Er könnte sie jetzt direkt riechen, sie berühren. Das wirkte sich stark auf ihn aus, er fühlte sich noch merkwürdiger. Sein Atem wurde schwerer, er war wie benommen. Wie versteinert stand er da, als er sie so sanft, aber fest, und auch lang in seinen Armen hielt. Zu lang, aber er hatte nicht vor, sie loszulassen. Eher das Gegenteil, er verfestigte den Griff. Kandomere hatte das Gefühl, dass er nicht in der Lage sein wird, sich von ihr zu loslösen.
Er dachte in dem Moment kaum daran, warum dem so ist. Sein Verstand war vernebelt. Die Seele die nach diesem Wesen hungerte, übernahm die Handlung. Ob es ein Fluch ist - ja, mehr davon bitte, wenn es ein Zauber ist, will er für den Rest seines Lebens verzaubert bleiben. Wenn er wüsste dass es sich so anfühlt, hätte er darum gebettelt, verzaubert zu sein.
Kandomere schluckte. Er konnte diesem herrlich duftenden Geschöpf jetzt auch ins Gesicht schauen, aus nächster Nähe. Sie war hinreißend - diese junge Frau war das anmutigste, was er je sah. Berge der edelsten Blumen würden verblassen neben ihr, nichts auf der Welt könnte faszinierender sein als sie. Hypnotisiert beobachtete er in ihren Augen den endlosen Kosmos mit einem goldenen Sternenstaub. War sie etwa eine Gottheit, die zur Erde herabstieg?

Er schaute sich langsam jeden Zentimeter ihres sehr jung aussehenden Gesichts an. Sie war so wunderschön. Ihr ehrlicher, unschuldiger Ausdruck rundete diese atemberaubende Perfektion ab. Ihre Lippen begannen ihn unwiderstehlich anzulocken, und er bekam eine Lust, sie zu küssen. Dann blickte er zu ihrem Hals, schluckte noch lauter, und wusste plötzlich genau, was er will. Er wollte sie nicht nur jetzt, sondern für immer küssen können. Er wollte sie kräftig beißen, ihr Blut schmecken, und sie markieren. Für die Ewigkeit markieren.
Verdammt, unzählige Male war er immer wieder von jemanden angetan, den er gerne beißen wollte, aber nicht so, bei weitem nicht so, auf so eine endgültige Art. Meistens entfernte er seine Bisse schon gleich nach dem Sex-Akt, und manchmal markierte er jemanden für eine Weile als sein Eigentum, aber er hat noch nie verspürt das Verlangen, jemanden am blauen Lotos für immer und ewig zu markieren.
Heißt das alles etwa vielleicht...
In Kandomeres Bauch begann es zu kribbeln, und er bekam plötzlich Gänsehaut - hat er seine Schicksal-Gefährtin erkannt? Seine wahre Schicksal-Gefährtin?! Oh, Gott, was könnte es denn anderes bedeuten, er spürte es doch bereits mit jedem Faser seines Körpers!
Also ist es passiert, er hat also doch die Schicksal-Begegnung erfahren, obwohl er daran nicht mehr glaubte! Kandomere wurde von mächtigen Emotionen überwältigt.
Aber - eine menschliche Schicksal-Gefährtin? Gut, denn dann ist es ein Glück. Denn er würde diesen kostbarsten Schatz für keine Elfe eintauschen wollen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, sie nur zu halten. Wie sich dann erst die Paarung-Nacht anfühlen wird?
Kandomere spürte, wie sich das Glück in ihm ausbreitete. Also so unendlich himmlisch fühlte es sich an, wenn man seine Gefährtin erkennt.
Willenlos fügte sich Kandomere nun der Zugehörigkeit zu diesem reizvollen Geschöpf. Ab jetzt gehört sie wirklich ihm, nur ihm, und er hat nun auch offiziell das Recht sie zu markieren. Allerdings wäre es angebracht, wenn er sie erst in der Paarung-Nacht markieren wird, und nicht auf der Straße vor irgendeinem Tabakladen. Er sollte also noch etwas warten? Kandomere keuchte – ihre Nähe ließ jetzt auch erwachen seinen seit 15 Jahren schlummernden physischen Instinkt, mehr noch, er verspürte so ein leidenschaftliches Verlangen, das er selbst aus seinen Zeiten der Sexsucht nicht kannte. Und er spürte, wie diese Mauer in seiner Seele fiel, hinter der er so lange seine Sehnsucht nach der Schicksal-Gefährtin verschlossen hielt.
Das alles kam nun über ihn – wie konnte er sich noch beherrschen? Nein, er wollte nicht mehr warten. Er möchte sie gleich, jetzt gleich markieren. Es ist ihm doch egal wo das geschehen sollte, vor einem Tabakladen, einer Currywurst-Imbissbude, oder vor den öffentlichen Toiletten. Er wartete so lange, so extrem lange. Er konnte sich kaum noch kontrollieren.
Kandomere bloßlegte die Spitzen seiner scharfen Zähne, roch jetzt intensiv an ihr, und erkannte überrascht noch etwas - eine spezielle, versteckte Duftsträhne. Es war der Duft der jungfräulichen Reinheit. Sie ist eine Jungfrau? Mit einer Wucht traf ihn endgültig eine wilde Begierde, und er verlor die Reste seiner Beherrschung. Kandomere atmete schwer, kam mit seinen Zähnen fast an ihren Nacken heran. Jetzt fehlte nur noch eins – bevor er sie markiert, will er unbedingt auch ihre Gefühle riechen, er wollte spüren auch ihre Leidenschaft für ihn. Wenn er in ihrem Blut das Verlangen schmeckt, wird es vollkommen, dann erfährt er das allergrößte Schicksal-Glück.
Er wusste, sofort passiert es. Sofort wird er den Duft aufnehmen, wie sehr sie ihn will, und ihr sehnsüchtiges Empfinden für ihn. Gleich wird sie, seine Schicksal-Gefährtin, seine Umarmung erwidern, und er wird ihre Erregung riechen.
Gott, ja, er wollte es so sehr, er wollte schnell ihre erste brennende, leidenschaftliche Zuneigung spüren...

„Sir, würden Sie mich bitte loslassen?“

Kandomere drückte sie noch näher an ihn heran. Gleich, gleich erkennt sie ihn auch...

„Sir..?“

Aber wieso riecht er überhaupt nichts davon, es musste doch gleichzeitig auftreten..

„Sir, sind Sie verletzt?“

Das einzige was Kandomere riechen konnte, war ein Anflug einer leichten Furcht, Furcht vor ihm, weil er sie bedrängte. Seine Nähe wurde mit jeder Sekunde unangenehmer für sie. Sie fühlte nichts für ihn. Absolut gar nichts...
Kandomere nahm nochmal tief Luft ein. Nichts.

Und plötzlich verspürte er den schrecklichsten Schmerz, als würde sein Seelenkörper unter heftigsten Krämpfen absterben.

„Brauchen Sie einen Arzt?“

„...nein, mir war nur etwas schwindlig, es tut mir leid...“

Er ließ sie los, er ließ sie tatsächlich los. Sein Körper wurde kraftlos, dieser innere Schmerz war unerträglich. Hassen ihn denn die Götter so sehr?

„Sir, bitte kommen Sie mit.“

Was? Kandomeres Herz aufsprang, er sah sie hoffnungsvoll an. Aber selbstverständlich kommt er mit ihr mit!
Zurück in das Restaurant? Ah ja, er hat da seine Sachen liegen lassen. Und auch der Parkservice-Mann schaut ihn mit fragendem Blick und dem Autoschlüssel in der Hand.

Sie führte ihn zu dem Empfangschef.

„Können Sie dem Herr ermöglichen sich hier irgendwo hinzulegen und auszuruhen, und würden Sie für ihn einen Arzt anrufen? Er fühlt sich nicht wohl.“ Sie legte ihren Handrücken auf seine Wange – Kandomere ächzte leise, Gott, sie hat ihn berührt. „Er hat Fieber.“

„Selbstverständlich, Miss, wir werden uns darum kümmern.“ Den Empfangschef überraschte es nicht, Mr. Kandomere hat sich eben wirklich für ihn untypisch verhalten, er dachte schon, dass da mit ihm etwas nicht stimmte.

Die junge Frau schaute Kandomere prüfend noch mal an, dann verabschiedete sich und ging. Kandomere blieb verdutzt stehen. Was, das war es? Genau als er neue Hoffnung schöpfte, und dachte, dass sie mit ihm doch etwas Zeit verbringen wollte, verließ sie ihn? Sie wollte ihn also nur loswerden.
Er hörte, wie draußen ein Auto startete. Das Taxi! Aber er weiß doch nicht mal wer sie ist, wo er sie suchen soll! Was tut er bloß, er verliert sie! Wieder stürmte Kandomere aus der Tür raus. Das wartende Taxi stand nicht mehr da, er sah es nur in die Straße einbiegen, die ins Zentrum führte. Die Taxi-Nummer schaffte er nicht mehr zu lesen. Er kniff die Augen zusammen, er muss jetzt rational handeln. Eine Sekunde lang überlegte er, und dann drehte sich um, lief zurück, unterwegs wies er den Parkservice-Mann an, seinen Wagen aus der Tiefgarage zu fahren. Der zuvor gerammte Kellner wartete jetzt hilfsbereit in dem Eingang zum Speiseraum - Kandomere forderte ihn auf, seine Sachen vom Tisch zu holen. Bezahlen wird er nächstes Mal. Dann wandte er sich an den Empfangschef:

„Diese Frau, wer war sie, war sie allein hier? Ich brauche den Namen, Adresse, alle Details!“

Der angesprochene Elf schaute zuerst unsicher auf das Bildschirm. Nicht deswegen, nach den Daten der jungen Frau in den Reservierungen zu suchen, sondern um 2 Sekunden Zeit zu gewinnen, um sich eine schonende Antwort zu überlegen. Denn er roch jetzt, dass für diesen geschätzten Gast die Frau irgendwie wichtig ist, und er ihn gleich gründlich enttäuschen wird. Dann seufzte er:

„Bedauere, das kann ich Ihnen beim besten Willen nicht sagen, Sir. Die junge Dame ist keine von unseren Stammgästen oder einigermaßen bekannten Gästen. Und ich erlaube mir zu vermuten, soviel ich mich erinnern versuche, dass sie gar das erste Mal hier war. Sie ist allein gekommen, zahlte bar, und hat nicht reserviert. Ich rufe Ihnen jetzt den Arzt an, wenn Sie es erlauben, Sir.“

„Gut. Und nein, das ist in Ordnung, mir fehlt nichts.“ Kandomere dachte konzentriert nach: Er darf sich jetzt keinen Fehler leisten. Er muss pragmatisch vorgehen. Wenn er versucht, ihr direkt zu folgen, wird er das Taxi oder auch sie womöglich nicht mehr finden, und damit verliert er die Zeit, um eine anständige Fahndung einzuleiten, die mit der frischen Spur eine hohe Erfolgschance hat.
Er nahm seine Sachen und ging raus. Draußen wartete kurz auf seinen Wagen, sprang sofort rein und fuhr zurück zur Arbeit. Noch unterwegs gab er bei der MTF-Belegschaft die Anweisung – Montehugh, oder ein Special-Agent der gerade am wenigsten ausgelastet ist, soll sich in seinem Büro umgehend melden.

 

Bei MTF angekommen, wartete bereits Hadrien auf ihn. Er hatte zwar einiges zu tun, ergriff aber sofort die Chance und Gelegenheit, sich bei dem Boss auf direktem Weg endgültig zu beweisen. Als noch junger 55jähriger Elf, hatte den leitenden Agenten als Vorbild, und sah zu ihm auf. Jetzt schien sein Boss irgendetwas wichtiges im Augenmerk zu haben, etwas, was nicht warten könnte. Alles klar, er, Hadrien, wird sich dieser Mission annehmen, und sie erfolgreich durchführen. Er musste aber Montehugh, der eigentlich als Chefs Partner agierte, überreden, ihm diese Aufgabe zu überlassen. O.k., Montehugh grinste. Klar, Hadrien kann die Aufgabe haben, muss dafür aber den gemeinsamen Kneipen-Abend am Samstag bezahlen. Er sagte es zwar nur aus Spaß, er machte sich nur lustig über den eifrigen fleißigen Hadrien, den manche Agenten schon kleiner Kandomere nannten - aber Hadrien wird trotzdem alles bezahlen. Und das auch mit Freude! Er war froh, die Gelegenheit dazu zu bekommen, denn Montehugh leistete immer stolz den Widerstand. Aber Hadriens Gehalt war fünfmal höher als das seines besten Kumpels Montehugh, also war es Hadriens Meinung nach eigentlich eine Pflicht.

Nun, Hadrien verstand alles, der Boss suchte nach einer menschlichen jungen Frau, mit genauerer Beschreibung, Zeit, Ort, Angaben, nein, sie ist nicht gefährlich. Er muss die Suche sofort beginnen, die Spur ist noch ganz frisch. Er bekam den Zugriff auf alle MTF-Ressourcen. O.k. Boss, auf Hadrien kann man sich verlassen, er wird sie finden.

Nachdem Hadrien schnell gegangen war, um die Suche zu starten, erstellte Kandomere ein Fahndungsbild der schönen unbekannten Frau auf seinem Computer und schickte es ihm. Dann ging er in das Hinterzimmer, zog sich das Jackett aus, legte sich auf das Ledersofa und machte seine Augen zu. Jetzt rief er sich in den Gedanken die Begegnung mit ihr wieder auf, und versuchte verstehen was da passierte. Warum fühlte es sich so an, als hätte er seine Schicksal-Gefährtin erkannt, obwohl es doch keine Schicksalsbegegnung sein könnte. Sie reagierte auf ihn doch gar nicht. Aber war es nicht selbsterklärend? Glaubte er wirklich, dass ein Mensch ein Schicksal-Gefährte eines Elfen sein könnte?

„Schatz, brauchst du etwas? Du siehst müde aus.“ Kandomere merkte gar nicht dass Limahl reinkam.

„Ich brauche nichts.“

Limahl ignorierte es, ging zu ihm und setzte sich neben seinem Kopf, und fing an, ihm sanft die Schläfen zu massieren. Plötzlich hörte er auf und sagte vorwurfsvoll:

„Süßer, du hast ja Fieber, wieso sagst du es nicht? Warte, ich bringe dir etwas.“

Kandomere antwortete nicht. Aber als sein Sekretär mit einer Tablette und Glas Wasser wieder kam, schluckte er es widerstandslos. Limahl legte jetzt seine Hände auf Kandomeres Stirn auf, um mit seiner heilender Kraft die Wirkung der Tablette zu unterstützen.

„Ich werde runter gehen und dir einen von unseren Ärzten holen, das Fieber hat sicher eine Ursache.“

„Nein.“

„Ich verstehe, das bedeutet wohl dass du auf meine Anwesenheit nicht verzichten möchtest.“ Der blonde Limahl lächelte ihn an.

Nach einer Weile sank Kandomeres Fieber spürbar. Limahl beugte sich über seinen Boss, küsste ihn und flüsterte:

„Möchtest du jetzt meine spezielle Behandlung?“

Er wartete allerdings keine Antwort ab, wechselte seinen Sitzplatz zu Kandomeres Hüfte, beugte sich leicht über ihn und fing ihm über die Brust zu streicheln, glitt weiter nach unten bis zu dem Schritt. Dann öffnete seine Hose, steckte die Hand rein und streichelte langsam seinen Geschlechtsteil.

„Süßer, was ist mit dir, hast du keine Lust?“
Denn nach Minuten des geübten Hätschelns versteifte sich Kandomeres Penis kaum. Limahl war besorgt, erregt er seinen Boss nicht mehr? „Dann mach ich ihn hart in meinem Mund, das gefällt dir immer."

Kandomere bewegte sich jetzt. Er griff nach Limahls Hand, die in seiner Hose steckte. Es war jedoch keine Geste der Aufforderung, weiterzumachen. Der Sekretär hat es plötzlich verstanden, es war eine Geste der Ablehnung. Auch roch er es jetzt, sein Boss fühlte absolut keine sexuelle Lust. Es war zwar normal so, dass Kandomeres Verlangen allgemein nicht sehr stark war, und auch seine Erektion sich gewöhnlich nur langsam aufbaute, wahrscheinlich aufgrund von Überarbeitung und Arbeitsstress, wie Limahl glaubte. Aber zumindest wurde er immer hart, wenn Limahl sich anstrengte und ihn richtig berührte, und dann könnte Kandomere auch manchmal sehr lang anhaltenden Sex haben. Vielleicht nur deshalb, weil er Schwierigkeiten mit der Ejakulation hatte, aber Limahl wollte es nicht hinterfragen, und genoss lieber diese Kandomeres Ausdauer.
Diesmal regte sich aber der Schwanz seines Bosses gar nicht.

... könnte es vielleicht diese eine verdammte Sache bedeuten? Wäre es möglich, dass Kandomere jetzt seine Schicksal-Gefährtin erkannte?! Ausgerechnet wenn sie beide so schöne Beziehung führten?
Limahl wollte diesen unangenehmen Gedanken kaum laut aussprechen:

„Kandomere, Süßer, hattest du eine Schicksalsbegegnung?“

„..nein.“

Limahl atmete etwas erleichtert aus.

„Dann hast du jemanden neuen kennengelernt, hab ich recht?“ Das wäre zwar auch schlimm, aber dennoch ein viel kleineres Übel als der Anmarsch der echten Gefährtin.

Kandomere zog Limahls Hand raus und machte seine Hose zu. Eigentlich hoffte er auf die schnelle Befriedigung durch den Handjob, aber unerwartet ging es nicht, es erregte ihn gar nicht. Und er vermutete - es wird ihn auch nicht mehr erregen. Es wurde ihm sogar unangenehm, dass Limahl ihn intim angefasst hat. Es hatte keinen Sinn.

„Limahl...“

„ Ist es eine Frau? Kann sie dich besser befriedigen als ich es kann?“

Ja, das war es. Er hat eine Frau kennengelernt. Limahl glaubte sogar, dass er ihr Geruch noch an Kandomeres Händen riecht...

„Limahl, wir beenden heute die Beziehung.“

Ob er will oder nicht, Kandomere kann es nicht ändern.

„... beenden...?“

„Es tut mir leid dass es so gekommen ist, glaub es mir.“

„...es endet, heute...?“ Limahl wiederholte mechanisch diese grausame Worte, was genau passierte da gerade? Er verstand es nicht.

„ Ja, ab jetzt nennst mich also nicht mehr 'Süßer' sondern Sir, bitte denk daran.“

„..ich, ich will es aber nicht beenden, ich bin damit nicht einverstanden!“ Der arme schockierte Limahl schrie nun, dann schluchzte laut auf.

Kandomere hob Limahls Hand an seine Lippen und küsste sie. Der junge blonde Elf war hübsch und aufmerksam, lieblich devot, seine satte rosafarbene Bisse der Leidenschaft grenzten fast an das Rot der Schicksal-Gefährten. Kandomere war mit ihm zufrieden, aber er muss es beenden. Durch die Trennung spart er Limahl übrigens nur die Frust, denn offensichtlich erregt er ihn nicht mehr.
Aber Kandomere befürchtete, dass nicht nur Limahl, sondern auch niemand andere ihn erregen wird. Er fühlte es.

„Du kannst dir aussuchen, was du als Abschiedsgeschenk haben möchtest...“

„Kandomere Schatz, ich will keine Abschiedsgeschenke! Ich will dich! Ist doch nicht schlimm, dass du gerade keine Lust auf Sex hast, das kann passieren."
Limahl versuchte es, aber wusste, dass es vergebens war. Kandomeres Wille ließ sich selten umstimmen. Trotzdem machte er noch einen Versuch:

„Wir müssen doch nichts überstürzen. Das ist sicherlich nur vorübergehend, dass du nicht in der Stimmung bist. Deshalb müssen wir uns doch nicht gleich trennen! Bitte, tu es nicht...“

Jedoch Kandomere meinte nur:

„Egal was du möchtest..."

Ja, Kandomere mochte vor einer langen Zeit einen harten Sex, mit allen dazugehörenden Elementen, aber jemanden so emotional zu verletzen, war niemals ein Hobby von ihm, das war es keinesfalls. Deshalb versuchte er immer jede Geliebte reichlich entschädigen, wenn er es beenden wollte. Er machte immer schnell den Schluss, denn sich auf lange Diskussionen einzulassen brachte den Geliebten immer nur noch mehr Tränen. Er könnte aber diesmal ohnehin nichts anderes tun. Oder würde Limahl etwas anfangen können mit einem Geliebten, der höchstwahrscheinlich nicht mehr ficken kann?

"... du kannst dir auch etwas richtig teures wünschen.“

Limahl hat verloren. Nun sagte er nichts mehr, er stand nur auf und ging zur Tür. Dann drehte sich doch noch um.

„Wenn es dem so ist, Sir, wünsche ich mir eine Luxus-Wohnung, aber nicht irgendwelche, ich möchte Ihre Wohnung, mit Ihrem Bett drin. Und all den Kissen...“

„Natürlich, ich gebe es dir.“

Als Antwort gab es nur Limahls neues Schluchzen.
Verstört und weinend ging Limahl zu seinem Schreibtisch zurück. Es war eine zu kurze Beziehung mit diesem traumhaft anziehenden blauhaarigen Elf, dessen Gunst er sich einst musste erkämpfen.
Aber noch darf er anscheinend seinen Arbeitsplatz behalten. Also wird er auf eine neue Gelegenheit warten, in seiner Nähe. Trotz dem allem fing Limahl sich eine neue Hoffnung machen. Es ist sicher nur irgendwelche Stress-Phase seines Bosses, und es wird bestimmt erneute Chance geben. Und wenn es kommt, wird er es ergreifen.

 

 

Hadrien brauchte für den Jagd-Auftrag nach Kandomeres weiblichen Menschen den halben Nachmittag.
Der Befehl lautete – die Identität und Adresse der Frau unauffällig herausfinden und sie fortan beobachten. Er nutzte alle Ressourcen. Stadt-Kameras, Satelliten-Bildübertragung, und ein paar Kamera-Drohnen. Mehrere Spezialisten saßen an Computern und verfolgten im Zielgebiet die Schritte und elektronische Spuren vorläufig mehrerer junger dunkelhaariger Frauen, auf die die Beschreibung passte. Hagens Männer wurden einbezogen, und durchsuchten alle Geschäfte und Nebenstraßen, es bestand ein Kontakt mit den Taxi-Zentralen, und Streifen-Polizisten in dem Gebiet wurden angewiesen. Alle suchten herum dem Ziel des Taxis – einer langen Einkaufsstraße im Zentrum des Stadtviertels Western Hills, wo die gesuchte Frau ausstieg.

Und dann hatte Hadrien die richtige gefunden. Auf der gespeicherte Kamera-Aufzeichnung stieg sie aus dem Taxi, das von 'Safran' losfuhr. Es war nur eine Aufzeichnung, aber er konnte so ihren weiteren Schritten folgen. Sie ging in einen Buchladen, und dann in mehrere Modehäuser. Nur leider wollte die junge Frau, nichts über sich preiszugeben. Alles was sie kaufte, zahlte sie bar, und somit keine Daten hinterließ. Sie hat sich mit niemanden getroffen. Hadrien konnte auch keine brauchbare Aufnahme machen, die er mit dem Identifikation-Programm verwenden wollte. Die Bild-Aufnahmen, die er machte, ergaben nur Ähnlichkeit-Erkennung mit zu vielen Treffern. Die Stadt schien voll mit dunkelhaarigen hübschen jungen Menschenfrauen zu sein. Und zu seinem Ärgernis liefen viele von denen auch noch in dunkelroten Pullovern und Sandalen herum. O.k., dann eben verwendet Hadrien andere Methode, denn schlussendlich fand er eine heiße Spur.

Es gab keine Aufzeichnungen, dass sie aus dem letzten Modegeschäft rausging, also müsste sie noch dort sein. Und da fand er sie auch. Noch hat er die junge Frau nur auf den Kameras beobachten können, aber ein paar seiner Leute waren schon unterwegs in die Etage des Modegeschäfts, wo sie zuletzt von einer Kamera aufgenommen wurde. Sie kaufte Nylonstrümpfe, die sie bar bezahlte, und dann wurde sie schon direkt überwacht. Sie verließ unter Beobachtung das Modehaus, und stieg in ein Taxi. Ausgezeichnet. Jetzt könnte er sie nicht verlieren, und es gab Chancen auf neue Daten. Gegebenenfalls lässt er von Streifen-Polizisten ihren Ausweis überprüfen. Sofort hat Hadrien von der Taxi-Zentrale die Zieladresse angefordert, und schickte Leute und Drohne dorthin, sowie hinter dem Taxi her. Und bald darauf hatte er endlich ihre Identität.

 

Hadrien wartete sehr unruhig an seinem Schreibtisch. Der Boss war draußen, einen wichtigen Fall überprüfen. Dann kam Montehugh, der mit ihm da war, und meinte, dass Kandomere wieder in seinem Büro wäre. Gut, Hadrien wird dem Boss sein schriftliches Ergebnis nachher schicken, jetzt geht er es ihm erst Mal persönlich berichten - er will Chefs zufriedenen Gesichtsausdruck mit eigenen Augen sehen und auskosten. Mit seinem PC-Tablet rannte Hadrien in den sechsten Stock, denn der Aufzug war gerade besetzt, vorbei am Chefs Sekretär Limahl, der sich mit geröteten Augen gerade laut die Nase putzte und ihn nur wortlos mit der Handbewegung weiter wies.

Als Hadrien Kandomeres unverhüllt erwartungsvollen Blick sah, wusste er, diese Aufgabe war in der Tat von einer Wichtigkeit. Er präsentierte seinen Erfolg: Foto mit persönlichen Daten.
Kandomere schaute es sich eine Weile aufmerksam an. Dann sagte er:

„Das ist sie nicht.“

„Sir...“

Special-Agent Hadrien könnte nicht zerrütteter sein.

Allerdings war er nicht längst so zerrüttet wie Kandomere. Egal dass die süße Unbekannte nicht seine Gefährtin war, egal dass sie keine Interesse an ihm zeigte, er musste sie wieder sehen, er brauchte ihre Nähe. Aber er selbst fühlte sich zu verstört, und fürchtete, er könnte dadurch bei der Verfolgung einen Fehler machen, und damit verpasste die Gelegenheit ihr nachlaufen wenn er noch konnte, und verließ sich auf Hadrien. ... er war sich so sicher, dass der sehr fähige Agent sie findet.

„... dennoch gute Arbeit, Hadrien, die Ähnlichkeit ist bemerkenswert. Sie hatte die beschriebene Kleidung, oder?“

„Ja Sir, hatte sie,“ flüsterte fast Hadrien. „ Samt einer wirklich süßen Stupsnase und dunkelroten Riemensandalen...“
Er roch sehr gut die Kummer und Enttäuschung seines Chefs. Der Boss versuchte es zu verbergen, jedoch war die Emotion der Enttäuschung sichtlich zu stark. Anscheinend war die Sache von noch größere Bedeutung als Hadrien vermutete, womöglich privater Art.

„Gut, danke, du kannst gehen.“

Auf dem Weg zurück in sein Büro verfluchte Hadrien die ganze Modewelt, die sich dieses Jahr für die Trendfarbe dunkelrot entschieden hatte, und den Markt mit Pullovern und Riemensandalen dieses Farbtons überflutete.
Ja, Hadrien konnte seinen Chef in der Tat über seinen Qualitäten überzeugen. Besonders von der Tatsache, dass er komplett inkompetent ist. Er ist nichts anderes als ein Schandfleck der Agenten-Welt. Es war doch eine so simple Aufgabe...

„Hadrien, ist Kandomere oben?“

Er hob den Blick, und sah – einen dunkelroten Pullover. Hadrien machte einen angeekelten Gesicht - als er bemerkte dass in dem Pulli der wunderschöne Engel, diese blonde Laborantin Rose steckte, es war aber zu spät seinen abfälligen Ausdruck irgendwie verbergen. Sollte er erklären, dass sein angewiderter Blick nicht seine Meinung über sie zum Ausdruck bringt, sondern dass er nur ihren eigentlich sehr hübschen Pullover nicht ausstehen kann? Was war schlimmer, dass sie ihn für ein Arschloch oder einen Idioten hielt?

„Ja, Rose, ist er..“

„O.k., danke dir.“ Rose antwortete kalt. Sie war enttäuscht. Der Agent, den sie wirklich mochte, und sie ihn für den sympathischsten in MTF hielt, hat sie gerade angesehen, als wäre sie eine Kakerlake in seiner Suppe.

Hadrien kam in sein Büro, setzte sich hinter den Tisch und legte den Kopf auf die kühle Oberfläche. War dem hinterhältigen Schicksal sein Pech nicht grauenhaft genug? Kandomere hält ihn jetzt für einen unfähigen Schwachkopf. Der Misserfolg hat den immer kontrollierten Boss persönlich so getroffen, sodass er seine Emotionen vor Hadrien nicht mal geschafft hatte zu verbergen. Die Sache war dem Boss sehr wichtig, und Hadrien hat es vermasselt.
Und jetzt hasst ihn auch noch seine blonde Traumfrau.

„Ja was ist denn heute los hier, mit euch allen? Du erweckst den Eindruck, als würdest planen von der Brücke zu springen, der Boss ist in einer Beerdigung-Stimmung, und der kleine Limahl heult nur. Nun gut, Hadrien, beweg dich, es ist Feierabend, wir gehen!“

Montehugh zog Hadrien aus dem Büro, und nicht nur ihn, denn kurz später fanden sich in einem Lieblingsbar alle vier: Hadrien, Montehugh, Limahl und Kandomere.

„So, Jungs, genug mit dem Trübsal,“ eröffnete den Abend Montehugh und bestellte viermal 'on the rocks'.

„Und jetzt hebt jeder eine Hand, wo eine Frau die Ursache seines jämmerlichen Zustandes ist!“
Der rothaariger Riese wusste wie man einen Männerabend einleitet.
Er schielte zu Kandomere.

„O.k., der Boss darf es nur mit seinem düster-resignierten dreinblickenden Ausdruck zugeben, sei denn er erhebt jetzt einen Widerspruch.“ entschied er.
Kandomere blinzelte ihn an, sagte aber nichts.

"Kein Widerspruch? Alles klar."

Montehugh zählte:

„Boss – düsterer Blick, das bedeutet ein Weib, Limahl – ebenfalls eine? Na das ist eine echte Überraschung, und Hadrien – sogar zwei? Großartig, Hadrien wird heute doppelt ernten. Also alles ist wie ich mir dachte, hinter eurem Geheul stecken tatsächlich Weiber. Na dann verschreibe ich euch jetzt eine Medizin. Das heißt ihr werdet jetzt trinken, singen, und tanzen! Wer von euch nicht mitmacht, ist der glückliche Gewinner der Tombola, derer erster Preis ist die Teilnahme an einem intensiven Boxtraining mit mir persönlich!“


Dann schaute er auf die drei Elfen, und wurde ihm bewusst ihre Stärke. Sie blieben unbeeindruckt von Montehughs Gewicht, Größe und Box-Erfahrungen. Uhm, selbst der zarte Limahl hatte bestimmt eine enorme Kraft, dachte sich Montehugh, also sagte er schnell:

„Aber ich bin sicher, das riskiert keiner von euch, hab ich recht? Nochmal vier, eh, nein, drei und einen doppelten. Barmann, der braunhaarige Elf trinkt heute für zwei!“

Der Abend war ein Erfolg. Es gab zum Schluss keine Gewinner der Box-Training-Tombola. Am Anfang war es etwas lustlos, aber eine Stunde später hat sich Montehugh als begabter Witz-Erzähler bewiesen und es wurde gelacht. In der nächsten Stunde fing das Gejammer wieder an, Hadrien und Limahl hingen vollgetrunken zu beiden Seiten an Kandomere, und heulten auf seiner Schulter. Dass sie sich als männliche Elfen für irgendwelche Tränen schämen sollten, schienen sie völlig ignoriert zu haben. Nach einer weiteren Stunde haben alle drei Elfen gesungen, in Övüsi, tausende Jahre alte elbische Lieder. Montehugh widerstand nicht der Versuchung, davon heimlich ein Video zu machen. Ein wertvoller Fang, grinste er für sich. Dafür wird ihn Boss grausam killen, aber nur wenn er das Video finden sollte, versteht sich.
Und dann, noch etwas später, übertrumpfte es die nächste geheime Videoaufnahme auf Montehughs Handy, als Kandomere sich das Jackett auszog und fing an zu tanzen, uralte elbische Männer-Tänze, wunderschön, faszinierend, kraftvoll und geschmeidig. Er tanzte zum Hadriens und Limahls Liedern - sie sangen laut, der eine trommelte dazu in den Rhythmus auf einen leeren Schnaps-Karton, der andere spielte auf eine Ukulele, die er von der Wand nahm, die dort als Dekoration hing, und die ganze Bar klatschte begeistert dazu.

Kandomere fiel auf – also hat er doch irgendwie zum Schluss des Tages seinen 549. Geburtstag gefeiert, wenn auch nur insgeheim, für ihn allein.

 

 

Am Morgen kam Kandomere zur Arbeit wieder fit – Elfen könnten Alkohol schnell abbauen. Fit war er allerdings nur körperlich, in der Seele machte ihm das Ereignis mit der verlorenen schönen Unbekannten weiterhin sehr zu schaffen. So sehr, dass es Montehugh schon gestern bemerkte, als sie beide zusammen einen Fall überprüfen gingen, und später oben im Büro, beunruhigte es schon ziemlich den guten Mann, als er Kandomere nach einem Gespräch mit Hadrien in einem ausgesprochen niedergeschmetterten Zustand erwischte. Deshalb hat er ihn dann gezwungen mit ihm was trinken gehen - wenn ihm danach wird, kann er auch darüber reden was ihn bedrückt, und wenn er darüber nicht reden will, ist es auch in Ordnung. Ein entspannter Abend ist nicht verkehrt, es wird ihn wenigstens ablenken von seinem geheimnisvollen Problem. Als Montehugh dann auch den heulenden Limahl sah, an dem er vorbei ging, hat ihn prompt auch dazu eingeladen. Montehugh, der Retter der traurigen Elfen.

Der Abend war amüsant, aber nicht ablenkend genug, Kandomere dachte die ganze Zeit an die schöne unbekannte menschliche Frau und wie lange es dauern wird sie zu finden, und ob er überhaupt einen Erfolg haben wird. Was wenn sie in dieser Stadt nur zum Besuch war? Dann kann er die ganze Welt anfangen zu absuchen.

Seit er aufwachte, könnte er wieder an nichts anderes denken als an sie.
Er wird sich zu seiner gewohnten Routine zwingen müssen, wenn er irgendwie funktionieren soll. Er sollte zuerst etwas essen, und dann sich auf die Arbeit stürzen. Er muss die ganze Zeit beschäftigt bleiben, damit er keine Zeit hat, über die unbekannte junge Frau nachzudenken und sich selbst nicht zu quälen. Aber er wird einem von den Praktikanten die Aufgabe geben, eine systematische Suche nach ihr zu starten. Seine Abende wird er ab heute mit dem Analysieren den eingrenzenden Ergebnissen verbringen.

Bei MTF angekommen, ging er zuerst in die Cafe-Bar, bestellte sich bei Billy einen starken Kaffee und begutachtete das Angebot. Er hatte keine Lust etwas zu essen, aber er muss alles wie immer machen, Schritt für Schritt. Das hat er sich selbst doch gerade auferlegt. Soll er also das Hummer- oder Kaviar-Sandwich nehmen? Nein, er hatte keinen Hunger.
Sein hübscher blonder Sekretär schien heute wieder bereit zu sein, sich professionell zu verhalten und ihn zu begrüßen, als ob nichts passieren würde. Sehr gut. Er verdient seine Wohnung. Es war eigentlich viel mehr als ein großzügiges Abschiedsgeschenk. Normalerweise verschenkte Kandomere teuren Schmuck oder Automobil, das hing manchmal auch von der Art der Beziehung ab, und der Farbe des Bisses. Je tiefere Gefühle oder Leidenschaft hatten für ihn seine Geliebten, umso wertvollere Entschädigung als Trost bekamen sie. Limahls Bisse hatten sattes rosa, er spürte den Schmerz des jungen Elfen über die Trennung. Ja, er soll bekommen was er verlangte.

Es heißt es aber auch, dass er sich jetzt eine andere Wohnung nehmen sollte, und auch umziehen muss. Im Büro setzte sich Kandomere mit seinem PC-Tablet und dem Kaffee in einen von den großen bequemen Clubsesseln. Er wird sich zunächst den Tagesplan erstellen. Ah ja, etwas hat er doch vergessen. Etwas vergessen? So was passiert ihm nicht sehr oft. Er muss sich also bei dem gewöhnten Ablauf mehr Mühe geben, konzentrierter vorgehen – nun, sein Handy hat er seit dem gestrigen Trink-Abend noch nicht wieder eingeschaltet. Er schaltete es ausnahmsweise aus, weil ihn die Anrufe von seiner Familie nur noch zusätzlich deprimiert hätten. Bestimmt haben sie gestern auf ihn mit der Geburtstag-Feier doch noch lange gewartet. Trotz seiner Absage.
Wenn es arbeitsbedingt einen Notfall gäbe, wäre ja Montehugh benachrichtigt, er schaltete ja sein Handy nicht aus, er hatte sogar das Ding fast ständig in der Hand.
Ja, er sah nun auf dem Handy, es gab mehrere Anrufe. Er legte das Handy auf den Tisch, er trinkt zuerst seinen Kaffee und er macht den Tagesplan, dann beantwortet alles.

Abgesehen von dem kleinen Familien-Stress, seinem Leiden durch die unechte Schicksalsbegegnung, und der zunehmenden Sehnsucht nach der unbekannten Frau, war es ein friedlicher Morgen.
Eine ganze halbe Minute lang. Denn dann marschierte mit raschen Schritt Montehugh in sein Büro, und meldete:

„Boss, es gibt mächtig viel Kacke am dampfen.“