Actions

Work Header

Whether you want to or not

Chapter Text

 

Kandomere stand mit den Händen in den Hosentaschen vor dem raumhohen Fenster seines geräumigen Büros in der obersten Etage des MTF-Gebäudes, aus dem er die ganze Stadt überblicken könnte. Könnte, wenn er da hinschauen würde. Obwohl seine Augen auf die Stadt gerichtet waren, genoss er nicht die Aussicht, sondern beobachtete in der Fensterscheibe die schwache Spiegelung der verglasten Wand mit der Bürotür hinter ihm. Oder besser gesagt, des Raumes dahinter.

Gleich ist es so weit.

Widerwillig registrierte er dort allerdings erst mal nur die verstohlene Blicke seines elbischen Sekretärs, der in diesem Vorraum am Schreibtisch saß, und sich offensichtlich unbeobachtet fühlte. Es war nicht das, was Kandomere sehen wollte, also schwenkte er die Aufmerksamkeit zu den Palmen-Kronen in dem Fenster weiter hinter dem Elf.

Einem Windspiel mit dem Palmen-Laub zusehen, war eins von den wenigen Sachen, bei denen sich Kandomere noch entspannen könnte, auch wenn es in den schalldichten Büroräumen eine steril lautlose Schau war. Aber etwas besseres war gerade nicht im Angebot. Als ein Stadt-Elf mochte er die Stadt, sehnte sich aber die letzte Zeit zunehmend nach der Ruhe der Natur und der schattigen Frische des richtigen Waldes – am besten eines solchen mit den riesigen Mammutbäumen, den man mit allen Sinnen fühlen könnte.

Kandomeres Blick glitt in der Spiegelung unwillkürlich über zu seinem Sekretär. Der wickelte sich gerade eine Strähne von seinen kinnlangen blonden Haaren um den Finger - wobei er jetzt von den verstohlenen Blicken zu einem schamlosen Anstarren wechselte. Das reichte ihm anscheinend nicht, also leckte er sich gerade dazu auch noch sinnlich über die Oberlippe.

Kandomere war überhaupt nicht amüsiert über dieses freche Verhalten hinter seinem Rücken - als er es es jäh begriff. Dieser junge Elf will, dass seine scheinbar heimliche Aktion entdeckt wird. Natürlich.  Er hätte sich sonst gar keine direkte Annäherungsversuche zu ihm, seinem Vorgesetzten, erlauben dürfen. Trotz der gemeinsamen Vergangenheit.

Es war ihm unangenehm. Er hat doch diesmal  einen männlichen Sekretär ausgewählt, der Hoffnung wegen, dass der nicht so überempfindlich wird wie die meisten Weibchen. Selbstverständlich schlief er mit allen, die jemals hinter dem Sekretären-Tisch saßen, und selbstverständlich forderte er von ihnen allen immer eine absolute Professionalität auf dem Arbeitsplatz, und besonders dann, wenn die Affäre vorbei war. Aber nicht immer hielten sich die Weibchen daran, und dann musste er die Stelle jedesmal mit jemand anderem neu besetzen, denn einen Ungehorsam war er nicht bereit zu dulden.

Wie lange ist es jetzt, als er die Sache mit diesem starrenden hübschen Elf beendet hatte, schon ein Jahr? Etwas über ein Jahr.

Ja, da fing es mit dem Leiden erst recht an, deshalb hat er ihn ungewöhnlich kurz, nur ein Paar Wochen gefickt. Schließlich musste er die Sache dann vorzeitig beenden. Ist der Kleine etwa darüber nicht hinweg? Eigentlich wurde er großzügig entschädigt... Trotzdem, die Endgültigkeit der Trennung hat er, so wie es aussieht, also noch nicht akzeptiert.

Aber wieso hat Kandomere das bei seinem Scharfsinn bis jetzt nicht bemerkt...

Ah ja, weil er wohl pausenlos damit beschäftigt war, vor anderen verheimlichen, dass es ihm dreckig geht. Zu dreckig, um auch noch das Gefühlsleben der anderen registrieren zu können.

Kandomere seufzte. Auch wenn er es nicht gerne tat, wird er wieder einen Neuen einstellen müssen. Diesmal wäre es aber ratsam es gänzlich professionell zu managen. Kein Sekretären-Sex samt belästigenden Folgen mehr.

 Er sah sich jetzt in dem reflektierenden Fenster selbst an – und konnte nicht unterdrückten  dieses bittere ironische Lächeln. Es bleibt ihm doch ohnehin nichts anderes übrig.

Er schaute auf seine Platintaschenuhr und sofort wurde er sich seines eigenen Pulses bewusst. Es dauert nicht mehr lange. Er zählte die Sekunden.

Also, nochmal – aus der medizinischer Abteilung erstmal raus, die all Fluren entlang, das Warten vor dem Aufzug A2, der Zeitpunkt der frequentierten Abschluss-Stunden des Freitag-Abends mitzurechnend, anschließend die Aufzug-Fahrt nach oben. Ein Dauer von 2 Minuten und 20 Sekunden. Wenn alles planmäßig abläuft. Gestern, spät am Abend, ist er es achtmal durchgegangen, als er mit nur der Nachtschicht der Wachmänner und den paar Krankenpflegern im Haus alleine blieb. Ihre fragenden Mienen gingen ihm auf die Nerven, als er auf dem Flur stereotypisch hier und her rumlatschte, als er wiederholtemale mit dem Aufzug hoch und runter fuhr, sowie nur vor ihm stand, und ihn fest anstarrte als er die Wartezeit nachahmte. Wenigstens haben sie es nicht gewagt, ihn mit dämlichen Fragen anzusprechen.

Ja, Kandomere wusste es selbst dass er sich wie ein Wahnsinniger benahm. Er fühlte sich ja schon seit längerer Zeit komisch, oder eher - irgendwie krank. Und wütend. Er war wütend weil die Sonne schien, dann weil sie doch nicht schien, und weil die Wolken andauernd die Form wechselten wie sie wollten. Und natürlich weil er kaum noch abspritzen könnte. Ja, er fühlte sich überhaupt nicht gut. Er glaubte, er ist tatsächlich wahnsinnig geworden.

Aber das wird er für sich behalten, er wird es auch gut wissen es vor anderen geheim zu halten.

Mit solchen Überlegungen kann er sich aber später befassen. Jetzt muss er aufpassen, und den Vorraum vor seinem Büro beobachten, damit ihm keine wertvolle Sekunde entgeht.

 


 

Kira klebte fast mit ihrer Nase an dem kalten Glas der Gebäck-Vitrine. Diese Kaffee-Bar im Erdgeschoss des MTF hatte eine kleine, aber extra feine Auswahl, denn ein Viertel der Mitarbeiter hier Elfen waren, die auf ihre gewöhnte Snacks nicht verzichten mochten.  Diese Tatsasche konnte man schon aus der Ferne erkennen - an dem exquisitem Kaffeeduft der speziellen und teuren Mischungsorte Elfclass-Deluxe.

„Such dir endlich etwas aus, denn diese kleine Pause ist nur erschlichen, und erschlichenen Pausen haben ein kurzes Leben.“

Die blonde Rose, die sich zu Kira vertraut gesellte, schaute ihr über die Schulter.

„Und überhaupt, tu nicht so als müsstest dich entscheiden.“ Rose schnitt jetzt eine lustig-leidvolle Grimasse. „Selbst wenn du jetzt von jeder dieser Kuchensünde zwei Stück nimmst, merkt es weder dein Geldbeutel, noch deine Figur. Du behältst wie gewöhnlich deine OHara Taille, während ich fett werde schon wenn ich die Leckereien vom Weiten nur ansehe.“

„Wie immer am Übertreiben,“ schaute Kira mit einem breiten Lächeln zu der sehr schlanken Rose, und fügte neckend hinzu: „Manche Elfen bevorzugen doch lieber kurvige Frauen. Und übrigens, ich hab schon gewählt, ich warte nur noch kurz mit der Bestellung. Billy scheint heute nämlich  keinen guten Tag zu haben.“ Dabei deutete sie in die Richtung des schwitzenden Barista, der schnell wischte den Kaffee vom Boden ab, der gerade - warum zum Teufel auch - aus der Kaffeemaschine an falscher Stelle austrat.

„Wohl wahr, er hat mir heute mittag aus Versehen ein Thunfisch-Zwiebel Sandwich verkauft anstatt das mit Schinken das ich wollte.“

 

„...was mir immer noch unendlich leid tut!“ Barista Billy schaute Rose schuldbewusst an – er war mit dem wischen fertig, und könnte jetzt endlich die jungen Frauen bedienen.

Die haben sich für den himmlisch schmeckenden und natürlich teuren elbischen Kirschkuchen mit Rosen-Streusel entschieden.

Elbische Snacks für Vormittags, sowie allgemein zwischendurch, anders als ihre proteinreichen Hauptmahlzeiten, waren - wohl als Ausgleich - meistens feine Gebäckstücke. Selbstverständlich nur aus der Auslese der besten und gesunden Zutaten zubereitet.

Beim bezahlen wurden beide junge Frauen nochmals Zeugen von einer weiteren Billys Pannen, als er die Schale mit dem Popcorn für den Zwerg Fred aus dem Archiv tolpatschig erfasste und sie unglücklich durch die Luft schleuderte. Sie gingen danach zügig und kichernd  in ihre Abteilung zurück, bevor sie Billys Pechsträhne anstecken könnte.

 

„Hast das Thunfisch Sandwich danach gegessen?“ fragte unterwegs Kira grinsend ihre Kollegin. Es war eine überflüssige Frage. Sie hätte es selbst bemerkt wenn es dem so wäre. Ihr Arbeitsplatz war nicht weit entfernt von Roses Labor.

„Na sag mal , denkst dass ich geisteskrank bin?“ lachte schallend Rose. „Ich liebe zwar Thunfisch und Zwiebel, aber noch mehr liebe ich den blauhaarigen Zucker-Kandie,“ und glättete sich theatralisch eine unsichtbare Weste, so wie es der Chef-Agent Kandomere manchmal tat. „Ist doch klar, ich muss immer perfekt gepflegt sein, wenn ich einem solchen erstklassigen und begehrten Elf gefallen möchte. Und weil er letzte Zeit hier immer unvorhergesehen herum schleicht, darf ich selbstverständlich keine Millisekunde wie ein Fischerboot stinken .“

 

Beide Freundinnen haben es sich guter Laune mit ihrem Milchkaffee und Kuchen in der Pausenecke ihrer Abteilung in den Sesseln gemütlich gemacht.

 

„Also wenn du unbedingt einen Elfen willst – es gibt hier außer Kandomere auch andere Elfen-Jungs. Zum Beispiel Agent Hadrien hätte bereits sichtlich Interesse an dir, ihn müsstest du gar nicht erst bezirzen. Ich hörte ihn neulich, wie er im Gespräch mit dem Riesen Montehugh betonte, dass er blonde Menschenfrauen hübscher als elbische findet, und dabei hat er dich mit dem Blick geradeaus eingesaugt. Die zwei Blondinen aus der Buchhaltung, die neben dir standen, ignorierte er – interessanterweise – völlig.“

Kira überlegte - sie kannte Roses Schwäche für die attraktiven Elfen, insbesondere für den leitenden Agent Kandomere. Sie akzeptierte ihre Vorliebe,  hörte immer schweigend ihren Schwärmereien zu, aber sie wäre eine falsche Freundin, wenn sie Rose nicht warnen würde – sie muss sie daran erinnern, das diese Münze auch eine Kehrseite hat, selbst wenn sie wusste dass Rose es nicht gerne hören wird.

 „...obwohl ich immer noch nicht ganz verstehen kann, warum du unbedingt eine Affäre mit einem Elfen anstrebst. Bedenke, männliche Elfen sind meistens unter ihrem distinguierten Äußeren räuberisch roh, besitzergreifend und über alle Maßen eifersüchtig. Und du kannst kaum mit einem von denen eine - aus unsere Sicht - stabile Beziehung eingehen, und mit gar keinem eine Familie gründen, sowie von ihm keine zusätzliche Lebensdauer erhalten, weil er dich - einen Menschen - nicht als seine wahre Gefährtin erkennen würde.“

„Aber ich kann mit ihm ficken bis zum Umfallen. Elfen sind erfahrener und bessere Liebhaber als menschliche Männer. Und viel attraktiver. Und definitiv wohlhabender.“ Rose schloss sinnlich halb ihre Augen.

„Ich bitte dich, jemand könnte dich hören,“ Kira schaute belustigend zur geöffneter Tür.

 

 „Ja, ich zum Beispiel!“ hallte die Stimme eines älteren Kollegen aus dem offenen Raum gegenüber.

 

Beide Frauen prusteten los vor lachen. Aber wurden leiser.

Rose fand jetzt diesen Augenblick geeignet, um etwas ihre Freundin zu fragen, etwas, was sie seit paar Wochen beschäftigte:

„Sag mal, Kira, du kennst dich da aus, wäre möglich dass die Elfen eine sexuelle Orientierung wechseln können?“

„Wie man es nimmt...“

Dürfte Kira direkt darüber reden? Aber - wenn Rose etwas wirklich wissen will, wird sie keinesfalls davon ablassen. Na ja, so extrem streng geheim ist diese Sache ja auch wieder nicht.

„Geht es dir um etwas oder jemand bestimmten?“

„Also ist doch etwas dran? Hm, die Sache ist - ich glaube dass mein Kandie ist möglicherweise schwul geworden. Was natürlich echt blöd wäre. Das würde meine Chancen ja ziemlich verringern. Dabei hatte er, soviel ich gehört habe, immer etwas nur mit Frauen gehabt, sogar mit einer Menge Frauen."

 

Kira schaute plötzlich emotionslos aus. Nur ganz kurz, für einen Moment, aber Rose hatte eine Beobachtungsgabe, sowas entging ihr nicht. Sie bemerkte es schon mehrmals – manchmal setzte Kira diese seltsam unbeteiligte Miene auf, als wäre es ihr jedoch selbst nicht bewusst dass sie es tat.

Wollte sie etwas verbergen? Etwa einen aufgewühlten Gemüt-Zustand? Am meisten hat sie solchen undurchdringlichen kalten Blick, wenn sie von den Sitzungen mit Kandie zurückkommt. Ob es mit ihm, oder ihrer neuen Aufgabe etwas zu tun hat..?

Dem leitenden Agent fiel da vor einiger Zeit ein, dass er einen persönlichen Berichterstatter und Berater aus der medizinischen Abteilung regelmäßig konsultieren möchte. Also kam er, nahm auf der Stelle ausgerechnet die Dienst-jüngste Kira mit, und verschwand mit ihr in seinem Büro.

Allerdings - Roses zuversichtliche Antennen haben bis jetzt nicht mal einen Hauch irgendeiner Zuneigung oder verräterischen Konflikt zwischen den beiden registriert. Na gut.

„Wie kamst denn überhaupt zu diesem neuesten Klatsch?“

Schien es Rose, als wäre ihre Freundin interessierter als sonst? Die Gerüchte über die Kollegen ließen sie doch normalerweise - zum Roses Leid - immer kalt.

 „Also Kira, du weißt noch, letzter Monat hatte unser Chef-Direktor Jubiläum, 700 Jahre – also das ist schon Wahnsinn, das fasziniert mich immer, dieses elbische Alter, was er für interessante Geschichte erzählen könnte, nicht wahr? Also auf der Feier hab ich zufällig einen Gespräch mitangehört. Kandies hübscher Sekretär Limahl sprach vertraulich mit dem schwulen Analytiker Melwer, und hat vor ihm stolz angegeben, dass er seit einem Jahr der geheime Lover seines begehrten Bosses ist. Und wie er von ihm vergöttert wird. Entweder dachte er nicht dass ich Övüsi genug beherrsche um alles zu verstehen, oder wusste er es schon, und beabsichtigte auf diese Weise die Information zu verbreiten. Wie auch immer, der Süße sagte wörtlich, 'wir treiben es täglich wie die Kaninchen,' und dass der Boss von ihm Kandy-Daddy genannt werden will. Und wenn er, Limahl, eines Tages seinem Schicksal-Gefährten begegnet, wird Kandy-Daddy aus Kummer eigenes Leben beenden.“

Mit vielsagenden Blick machte Rose eine kurze Pause um an ihrem Kaffee zu nippen, und setzte dann gleich ihre Rede fort:

„Ich hab ihm schon fast den Quatsch abgenommen, aber bei dem Karnickel war dann Schluss. Schande über mich, dass ich es für selbst einen kurzen Moment glaubte. Der Melwer schmunzelte da nachsichtig  schon de ganze Zeit, aber er ist ja ein hervorragender Analytiker aus dem Psychologischen Sektor. Und er kennt Kandis schon sehr lange. Aber - wie auch immer Limahls bunte Details nur einer offensichtlichen Wunsch-Fantasie entsprangen, er hätte sich sicher nicht erlaubt den Kandomere als seinen Lover zu bezeichnen, wenn es gar nicht wahr wäre, denke ich. Die Konsequenzen dafür wären für ihn bestimmt sehr unangenehm, so gut kennt man den strengen Kandie schon.

Ohne persönliche Meinung zu äußern, antwortete nun Kira sachlich:

“Nun, die Sache ist so - es gibt keine rein schwule oder hetero Elfen. Alle sind zu unterschiedlichen Intensität bisexuell. Der einzelne kann dabei über längere Zeit bevorzugen mehr das eine oder das andere Geschlecht - die Vorliebe der Mehrheit ist aber meisten zu den gegensätzlichen Geschlechtern, deshalb fällt es nicht so auf. Es kann es also wechselnde Phasen geben. Bis sie schließlich alle eines Tages ihre Gefährten erkennen. Die Paarung ist dann immer Heterosexuell, und aktiviert ihre Fruchtbarkeit, die sie dann bewusst steuern können. Das ist dir aber schon bekannt.“

„Na großartig, also ich studiere die Biologie aller Rassen, und trotzdem bleibt mir so etwas essentielles, so wie dass alle Elfen eigentlich bisexuell sind, unbekannt. Wie schaffen die Elfen bloß vor anderen immer irgendetwas zu verheimlichen...“

Es war nur eine rhetorische Frage. Kira musste nichts mehr zufügen, aber sie tat es .

„Die Elfen werden wohl immer die Verbreitung von Informationen, die sie geheim halten möchten, verhindern können. Und auch wenn etwas durchkommt - für den elbischen Herrscher gelten ja praktisch keine Zauberverbot-Gesetze. Womöglich verfügt er über Mächte, mit denen beim Bedarf alle, samt des eigenen Elfen-Volkes, auf mentaler Ebene beeinflussen kann. Allerdings ist ausgeschlossen, dass es jemals jemand bestätigen wird.“

„Oh....“ Rose wurde durchaus bewusst, was das bedeutet.

Ja, nicht zufällig waren die Elfen die mächtigste Rasse.

 

Kira trank ihren vorzüglichen Kaffee aus. Sollte sie sich zum diesem Thema äußern? Nein, dürfte sie nicht. Die elbischen Schweige-Gesetze galten für sie doch ebenso wie für die Elfen.. Warum passierte ihr dann dieser Fehler? Lag es daran, dass sie sich plötzlich seltsam verwirrt fühlte...?

 

 „Wegen deiner Familie, kennst du absolut alles über Elfen, oder?“ Rosa beneidete sie unverhüllt.

„Definitiv nicht alles.“

„Sei nicht so bescheiden. Als einem stillen Beobachter mit einem besonderen Status wird dir bestimmt mehr bewusst als den Elfen selbst. Also - wirst du so lieb und erstellst mir jetzt eine Prognose? Welche Chancen habe ich bei unserem blauhaarigen Chef-Agent?"

„Rosa...“ Kira räusperte sich. „ Sei dir sicher, du würdest ihn nicht wollen. Wenn es aber schon ein Elf sein muss, versuch es lieber mit dem für elbische Verhältnisse relativ liebenswerten Hadrien, der ist auch noch jung, mit bisschen Glück könntest du ihn für sehr lange behalten. Oder eher er würde dich behalten. Vergiss nicht, alle Elfen halten Menschen, mit denen sie Sex haben, für ihr Eigentum. Für Kandomere wären es wohl gar Sklaven.“

„Und wer sagt, das mich das stören würde?“ Rosa kicherte.

„Ich gebe auf.“ Kira seufzte, aber lächelte jetzt wieder. „Jedenfalls, ich meine es nur gut. Mit Hadrien hättest du sicher mehr Spaß im Leben. Denn Kandomere ist nicht nur unangenehm und extrem gebieterisch, sondern auch übermäßig unterkühlt und staubtrocken. Oder hast du ihn jemals lächeln gesehen?“

„Ach so ist es also! Jetzt raffe ich es endlich! Du willst den Kandie für dich selbst  und deshalb willst ihn mir verleiden. Gib es zu!“ Dieses Teufling grinste Kira an.

„Nein Rose, so ist es nicht...“ Eigenes Handy unterbrach sie. Zum Glück, denn ihr fiel nichts ein, was sie einwenden könnte. Sie schaute nach, wer sie ruft, dann nahm das Handy an.

 

 „Ja Sir?“

....

„Ab heute...?“

....

„Ja Sir, das wäre in der Tat jetzt gleich.

....

„Es ist vorbereitet.“

....

Nein Sir, es steht dem nichts im Wege.

....

 

Kira steckte das Handy zurück in die Tasche ihres Labormantels.

 

„Uuh, verlangt Zucker-Kandie nach dir heute früher als sonst?“

Natürlich, Rose beneidete sie um den persönlichen Kontakt mit diesem Befehle-erteilenden Elf. Egal wie diktatorisch er sein mag.

Kira seufzte, und sagte nur noch:

„Ach Rose, hör doch endlich auf, ihn so zu nennen. Denn glaub es mir, in Wirklichkeit ist der Chef genau so zuckersüß wie ein ausgewachsener T-Rex!"

 


 

Kandomere nochmal überlegte - vielleicht soll er doch noch kurz in den gegenüber liegenden Konferenz-Raumteil seines Büros zu gehen, zu dem hohen, zum Park ausgerichteten Fenster. Von da könnte er dem Wind-Laub Spiel in den letzten Tageslicht-Minuten dieses Dezember-Tages direkt zusehen. Wenigstens für einen Moment. Es hätte ihn wirklich etwas beruhigt.

Nein. Er muss bereit sein, er will doch nichts verpassen, während er irgendwelches wackelige Gestrüpp anglotzt. Egal. Er braucht es nicht, er wird sich wie immer beherrschen, ganz gleich in welchem Zustand er sich befindet. Aber.. er könnte sich ein bisschen von diesem konzentrierten Druck befreien. Vielleicht hilft, sich bis dahin mit etwas beschäftigen, wobei er den Vorraum im Blickfeld behalten kann. Gut, er wollte doch den Anruf erledigen.

Er wandte sich von dem Panorama-Fenster ab, nahm sein Handy, und tippte auf eine gespeicherte Nummer. Dann schaute er zu dem Sekretär, und erteilte er ihm gleich einen eisigen warnenden Blick durch die Glaswand, woraufhin der junge Elf mit geröteten Wangen seine Augen auf die Tastatur senkte.

 

 ....

„Ja, Kandomere.“

....

„Ebenfalls.“

....

„Bestellnummer 23.“

....

„In einer halben Stunde, in meinem Büro. Es ist das MTF Gebäude, sechster Stock.“

....

 

Der Aufzug klimperte kurz, als er in das oberste Geschoss ankam. Kandomeres linkes Ohr zuckte und er verschärfte seinen Blick.

 

„Exakt. Magic Task Force, in den Western Hills.“

....

„Gibt es ein Problem mit der Uhrzeit..?“

 

Ohne zu blinzeln folgten Kandomeres Augen einer kleinen und zarten jungen Frau, die sich von dem Fahrstuhl mit anmutigen Bewegungen näherte. Ihr offener weißer Laborkittel enthüllte ein Minikleid aus fließendem weichen Stoff, das wiederum kaum den aufregenden Körper verbarg. Ihre schlanke athletische Figur mit anziehend weiblichen Kurven und unglaublich schmaler Taille war atemberaubend.

Mit ihren schönen feinen Gesichtszügen, der Stupsnase und vollen Lippen wirkte sie sehr jung. Man könnte fast denken, dass die eigentlich 25jährige Schöne noch eine Jugendliche wäre.

Bei der Arbeit trug sie ihre lange schwarzbraune Haare immer hochgesteckt in einem chaotischen Dutt, so wie jetzt auch. In dieser, auf eine sympathische Art durchgewühlten, entzückend wirkenden Frisur steckte wie so oft ein Bleistift.

 

Energisch ging sie entlang der verglasten Bürowand, dabei grüßte sie mit einem liebreizendem Lächeln den Sekretär. Ihre große Mandelaugen waren auf den jungen Elf zu lang gerichtet, und zu intensiv, empfand Kandomere.

Flirtet sie etwa mit ihm?

Kandomeres Blick verengte sich. Sie will.... einen anderen... Seine Fantasie verselbstständigte sich, er sah nun diese hübsche Menschenfrau nackt, in den Armen seines blonden elbischen Sekretärs, seine Hand auf ihrem Hintern ... drückte er sie auf seine Erektion...

Augenblicklich kam in ihm eine wilde Wut auf. 'Ein Rivale!' schrien die Instinkte und übernahmen seinen seelischen und physischen Körper. Er bekam den Ausdruck eines Raubtieres, dem ein anderer seine mühsam erjagte Beute streitig macht. Die Sinne verschärften sich auf äußerste, alle Muskeln verhärteten sich wie für einen Konkurrenzkampf. Sein eigener Herzschlag trommelte ihm in den Ohren. Und dann spürte er einen seltsamen undefinierten Druck in seinen Augen.

 

 ....

„Das... ist perfekt...“ Seine Stimme klang gruselig.

....

„Es ist die oberste Etage.“ Doch, er ist kontrolliert. Er ist immer kontrolliert.

....

„Nein, mir geht es gut. Ausgesprochen blendend.“

 

Er beendete das Gespräch, machte das Handy aus und steckte es in seine Hosentasche.

 

Die junge Frau im weißen Kittel klopfte kurz, eher symbolisch auf die Glasscheibe, und nahm die Türklinke in die Hand. Gleich hob sie auch schon ihre Augen hoch, in seine Richtung.

Kandomere wandte sich schnell von ihr ab, zurück zu dem Panorama-Fenster.

Er muss versuchen sich mit aller Kraft zu beruhigen.