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Mehr als Freunde, enger als Brüder

Chapter Text

Es war spät, an diesem Juliabend mitten in London. Albus hatte den Beginn der Sommerferien genutzt, um einige Gänge in der großen Stadt zu erledigen. Unwichtige Dinge: Treffen im Ministerium, um seine politische Loyalität (soweit sie möglich war) zu unterstreichen, ein Gespräch mit einem Mittelsmann, der ihn über Gellerts Machenschaften auf dem Laufenden hielt und ihm bestätigte, dass der Mann weiterhin Großbritannien fernblieb. Albus war den Schmerz leid, den er fühlte, wenn er an Gellert dachte und daran, was aus ihm geworden war. Von all der Sehnsucht, all den Fragen nach dem ‚Warum?‘ war am Ende nur bittere Galle übriggeblieben. Die Erinnerungen waren schon lang nicht mehr frisch, die Gefühle vertrocknet mit jedem Jahr, das verging. Er sehnte sich nach etwas, das ihn auf andere Gedanken brachte, als dröge Treffen und unschöne Gespräche zur politischen Lage.
Es war mehr ein unbewusstes Sehnen als ein tatsächlicher Plan, der hinter seinem nächsten Apparieren stand. Doch als er sich vor Newt Scamanders Wohnung in dem Mehrfamilienhaus im Norden Londons wiederfand, erschien es ihm richtig, hier zu sein.
Einen Moment lang ließ Albus den Blick über das Gebäude schweifen. In der Küche, die zur Straße hinausführte, brannte Licht. Also war Newt zu Hause. Vielleicht war es eine seltsame Laune des Schicksals, die ihn ausgerechnet heute ausgerechnet hierhergezogen hatte. Aber Albus vertraute von jeher seinem Bauchgefühl. Deshalb zögerte er nicht, erklomm die Stufen zur Haustür und betätigte die Klingel, ehe er wieder ein paar Schritte zurück tat. Er wusste nicht, was er seinem ehemaligen Schüler sagen würde, wenn er ihm öffnete… Zuletzt waren sie viel in Gesprächen gewesen wegen des Obscurials aus New York, Credence. Doch Albus stand heute nicht der Sinn nach derlei Gesprächen. Vielmehr nach angenehmer Gesellschaft, die ihn von den schweren Themen ablenkte, mit denen er heute seine Schultern belastet hatte.

*

Newt befand sich gerade in der Küche, in der einen Hand ein Sandwich, in der anderen seine Notizen, die er überflog. Seit der Sache in Paris war es vorerst recht still geworden um Grindelwald, fast wie die Ruhe vor dem Sturm. Doch Newts Motto war nicht umsonst 'Wer sich sorgt, leidet zwei mal.' - dementsprechend nutzte er die Zeit für Dinge, die auf der Strecke geblieben waren. Nämlich endlich sein Buch zu Ende zu schreiben.
Als es plötzlich klingelte, schaute er irritiert mit zusammen gezogenen Augenbrauen von seinen Notizen auf. Wer klingelte so spät bei ihm? Wer klingelte überhaupt bei ihm?
Er nahm seinen Zauberstab von der Küchenablage und ging zum Frenster, um hinunter auf die Straße zu blicken.
Als er Dumbledore dort unten erkannte, der vor seiner Tür stand und zu ihm hinaufschaute, blinzelte er verwundert. Augenblicklich legte er sein Sandwich zur Seite und machte sich zur Tür auf, um seinem Ex-Professor zu öffnen, während er sich fragte, weswegen dieser ihn so spät am Abend aufsuchte. War irgendetwas passiert oder gab es Neuigkeiten bezüglich Grindelwald?

*

Albus musste nicht lang darauf warten, dass Newt reagierte. Er sah den roten Schopf hinter dem Fenster entlang huschen und ging schmunzelnd zur Tür hin.
Wenig später wurde sie geöffnet. Und da stand er: Mit rotem, zerzaustem Haar und glänzenden Augen war er direkt vor ihm und Albus wusste plötzlich, warum er hierhergekommen war: Weil das hier von jeher mehr als eine politische Partnerschaft für ihn gewesen war. Eine tiefe, unausgesprochene vertrauensvolle Verbundenheit, eine Freundschaft. Und, wenn Albus die geröteten Wangen Newts zu seinem Vorteil interpretieren wollte, freute sich der Jüngere ebenso, ihn zu sehen. Er schenkte ihm ein charmantes Lächeln. „Guten Abend, Newt“, sprach er und senkte leicht den Kopf zum Gruß, „Ich hoffe, ich komme nicht ungelegen.“
“Guten Abend, Professor”, grüßte Newt höflich zurück, doch sein Lächeln verflog und machte einer sorgenvollen Miene Platz. “Sie stören nicht, ganz und gar nicht”, beteuerte er, “Ist etwas passiert?”
Mit einem wohlwollenden Funkeln in den Augen schüttelte Albus den Kopf. „Nein, es ist nichts passiert“, sagte er und seufzte dann, um seiner Erschöpfung Ausdruck zu verleihen. „Zumindest nichts… schlimmes.“ Er schenkte Newt ein weiteres Lächeln. „Ich war nur zufällig in der Gegend und dachte, es wäre nett, einen Freund zu besuchen und mit ihm eine Tasse Tee zu trinken.“ Er ließ eine Kunstpause, damit Newt begreifen konnte, dass er mit der Bezeichnung ‚Freund‘ gemeint war und fragte dann: „Lässt du mich rein?“
Seine Worte führten immerhin dazu, dass Newts angespannte Haltung etwas lockerließ. “Oh”, entwich es ihm überrascht und, als die Frage schließlich zu ihm durchsickerte, trat er schnell zur Seite und senkte den Blick. “N-Natürlich, gern!”
Albus‘ Lächeln verstärkte sich. „Sehr schön“, sagte er und ging, da Newt ihm den Weg freimachte, an ihm vorbei. Im Hausflur blieb er stehen, um ihm den Vortritt zu lassen und folgte ihm dann in seine Wohnung. Er war schon einmal hier gewesen, aber es war lange her und damals hatten sie sich mit ernsteren Themen beschäftigt, die ihm nicht die Zeit gegeben hatten, sich umzusehen. Die Wohnung sagte einiges über Newts Charakter aus: Sie war wenig gefüllt mit Annehmlichkeiten, die ihm etwas wie persönlichen Luxus geben konnten und viel mehr ein Ort, an dem er alles hatte, was er zur Pflege magischer Geschöpfte brauchte. Wagschalen, voluminöse Eimer und große Messer, ein riesiger Kühlschrank voller – wie Albus vermutete – Futter für die Tiere. Albus sah sich in der Küche um, bemerkte das aufgeschlagene Notizbuch auf dem Tisch und musste schmunzeln. Was das anging, hatte sich Newt seit seiner Schulzeit kein bisschen verändert. Er hatte noch immer den Hang, jede Kleinigkeit, die ihm an Tierwesen auffiel, für die Nachwelt zu notieren.
Albus stellte sich neben einen Stuhl und legte die Hand auf die hölzerne Lehne. „Darf ich?“, fragte er höflich, bevor er Anstalten machte, sich zu setzen.
Newt, der eben eilig damit beschäftigt war, den Tisch freizuräumen (Albus machte ihm keinen Vorwurf über das Chaos, er hatte sich schließlich nicht angemeldet), nickte eilig. “Ja, bitte”, setzte er höflich hinzu.
Albus ließ sich auf den Stuhl sinken und sah Newt dabei zu, wie dieser hektisch durch die Küche stob. Er musste über das Verhalten des Jüngeren schmunzeln. Er war schon immer ein wenig unbeholfen, wenn von ihm die Einhaltung sozialer Konventionen gefordert wurde. Albus hätte ihm gern gesagt, dass er sich nicht verbiegen musste, nur, weil er jetzt Besuch hatte, doch aus Erfahrung wusste er, dass Newt einfach eine Weile brauchte, um sich an Gesellschaft zu gewöhnen. Also blieb er mit einem amüsierten Lächeln auf den Lippen sitzen.
Als der junge Mann ihm über die Schulter einen Blick zuwarf und fragte: “Wollen Sie einen Earl Grey?”, nickte er.
„Sehr gern“, sagte Albus und fragte dann, um ein wenig der Hektik aus Newt zu nehmen, „Darf ich dir zur Hand gehen?“ Er zog seinen Handschuh aus, der durch die Küche schwebte und zwei Tassen aus dem Regal holte. Mit einem leisen Klirren landeten sie auf dem Tisch. Dann schwebte der Handschuh erneut fort und griff die Teedose, die auf der Theke stand.
"Oh, das ist wirklich nicht nö-", begann Newt, als der Handschuh bereits neben ihm alles vorbereitete. "Danke", murmelte er schließlich mit einem schüchternen Lächeln und griff dann die beiden Tassen mit heißem Tee. Sichtlich nervös trug er sie zum Tisch und stellte eine vor Albus ab, ehe er sich ihm gegenübersetzte.
Albus ließ seinen Handschuh auf den anderen gleiten, den er neben sich auf den Tisch gelegt hatte und griff seine Tasse, aus der nun heiße Schwaden emporstiegen. Ihm entging die Anspannung nicht, die Newt in Atem hielt. „Ich habe dich mitten in deinen Studien unterbrochen, wie es scheint“, sagte er, um ihn von dem Druck zu befreien, über belanglose Dinge sprechen zu müssen. Wie er Newt einschätzte, dachte dieser gerade fieberhaft über Small-Talk-taugliche Themen nach und scheiterte daran. „Woran arbeitest du gerade?“, fragte Albus.
Newt blickte zögernd auf. "Oh, ich schreibe immer noch an meinem Buch”, erklärte er, “Die letzten Monate blieb das etwas auf der Strecke und ich dachte, ich nutze die Ruhe etwas." Ein kleines Lächeln begleitete seine Ausführungen, ehe er fragte: "Und Sie? Was führt Sie nach London?"
Seine Frage klang skeptisch, als wartete er immer noch auf einen Haken. Albus konnte es ihm nicht verübeln. Ihre letzten Unterhaltungen hatten sich auf Donnervögel, Newt York, Credence und Paris beschränkt und Albus hatte Newt mehr als einmal um Hilfe gebeten. Dass dieser nun erwartete, dass er einen neuen Auftrag brachte, wunderte Albus nicht.
Er seufzte und winkte dann lächelnd ab. “Gespräche mit dem Ministerium“, sagte er, „Keine große Sache. Sie misstrauen mir glücklicherweise nicht mehr so sehr wie noch vor einigen Monaten. Was, nicht zuletzt, daran liegt, dass ich nun dafür sorge, sie regelmäßig zu kontaktieren.“ Er zwinkerte Newt zu. “Manche Gespräche muss man führen, damit man den Rest der Zeit das Leben führen kann, das einem vorschwebt“, sagte er und seine Augen funkelten, als er verschwörerisch hinzufügte: “Aber das brauche ich dir nicht zu erzählen, nicht wahr?“ Er trank einen Schluck Tee und ließ die Wärme in seinen Magen sinken. Sein Blick blieb einen Moment prüfend auf seinem Gegenüber liegen, ehe er aussprach, wovon er vermutete, dass Newts Frage eigentlich darauf abzielte: “Ich bin nicht hier, um dich wieder auf eine Reise zu schicken, ich verspreche es. Ich möchte wirklich nichts lieber als eine Tasse Tee… und ein wenig Gesellschaft, die sich mit schöneren Dingen beschäftigt als diesem leidigen Thema.“

*

Newt musste über Dumbledores Ausführungen bezüglich des Ministeriums schmunzeln. Ja, er konnte definitiv nachvollziehen, dass Dumbledore lieber von sich aus geplant den Kontakt suchte, statt sich erneut von dem Minister oder dem Direktor für magische Strafsicherheit 'überfallen' zu lassen.
Dass er Newt allerdings versicherte, dass er tatsächlich nur auf eine Tasse Tee hier war, ließ Newt verlegen den Blick senken. "Und da dachten Sie von all Ihren Bekannten ausgerechnet an mich?”, fragte er überrascht, “Also nicht, dass es mich stören würde!", beeilte er sich schnell nachzusetzen ehe der Ältere ihn falsch verstand und vielleicht dachte, dass Newt etwas gegen seinen Besuch hatte. "Ich bin nur normalerweise nicht gerade die erste Wahl, wenn es um Gesellschaft geht”, setzte er kleinlaut hinzu.
Dumbledore lachte leise. „Nun, meine offensichtlich schon“, sagte er und lehnte sich mit einem Schmunzeln zurück, während er Newt mit einem freundlichen Blick bedachte, „Und ich finde, wenn du mir die Bemerkung gestattest, dass du dich in ein ziemlich schlechtes Licht rückst. Du bist ein weitaus angenehmerer Gesprächspartner, als du vielleicht glaubst.“ Er beugte sich wieder vor, stellte die Ellbogen auf dem Tisch ab, die Tasse hielt er zwischen den Fingerspitzen. Über den Rand der Tasse warf er Newt ein weiteres Lächeln zu. „Was nicht zuletzt an deiner Fähigkeit liegt, auch die kleinsten Regungen und Stimmungsschwankungen zu erfassen und dich dementsprechend auf dein Gegenüber einzulassen. Was, meiner Meinung nach, eine große Gabe ist – die dir nicht zuletzt bei deinen Tierwesen zugutekommt.“
Bei den Worten errötete Newt peinlich berührt. "Oder vielleicht stellen Sie mich auch in ein zu gutes Licht", entgegnete er mit einem zaghaften Lächeln. "Und die kleinsten Regungen und Stimmungsschwankungen zu erkennen, gelingt mir bisher hauptsächlich bei Tierwesen. Bei Menschen hätte ich manchmal ganz gerne einen ähnlichen Verhaltensratgeber zur Hand wie den, den ich gerade über Tierwesen verfasse. Wobei der sicher bedeutend länger wäre als mein Buch." Er konnte ein kleines Schmunzeln nicht verhindern, ehe er einen großen Schluck Tee nahm.
Dumbledore schmunzelte. „Ich denke, du hast ein weitaus größeres Potenzial als das, was du bisher anwendest“, sagte er, ehe er die Aufmerksamkeit endlich von Newt nahm und stattdessen den Blick durch die Küche schweifen ließ. „Ich bin neugierig“, gab er zu, als sein Blick an etwas auf der anderen Seite des Raumes hängen blieb, „Ich hatte mit deutlich mehr Tierwesen gerechnet. Wo hast du sie untergebracht?“
Newt wollte bereits antworten, als ihm allerdings die Formulierung klar wurde. MEHR Tierwesen?
Er riss den Kopf herum und folgte Dumbledores Blick zur Spüle. Man konnte von hier aus gut beobachten, wie eins der Nifflerbabys in der Spüle an der Kette zog, die den Stöpsel am Becken hielt.
"Oh nein, nicht schon wieder", seufzte Newt, sprang auf und lief zur Spüle. Das kleine Nifflerbaby hielt erschrocken inne und wollte bereits davonspringen, doch Newt war schneller und erwischte es zuerst.
Mit zusammengezogenen Augenbrauen und einem strengen Blick hob er das Tierchen vor sein Gesicht. "Im Ernst, das kann so nicht weitergehen. Ihr könnt nicht jedes Mal ausbrechen, wenn ich mal länger als zehn Minuten nicht in der Nähe bin", tadelte er in strengem Tonfall. Der Niffler verstand es, unschuldig zu tun. Er blickte Newt mit großen Augen an und legte irritiert den Kopf schief.

*

Albus unterdrückte ein leises Lachen. Er genoss es, Newt dabei zuzusehen, wie dieser seine Befangenheit vergaß, sobald es um die Tierwesen ging. Dann öffneten sich die Schlösser, die sonst sein Inneres vor der Welt verbargen und nicht zeigten, wer er wirklich war. In diesen Momenten begann er zu strahlen. Und Albus hatte schon von jeher Schwierigkeiten gehabt, seine Augen abzuwenden, wenn er ihn in diesem Zustand erblickte – mit zunehmender Zeit und je älter Newt wurde, desto schwieriger wurde es, sich davor zu verschließen.
Er blieb wo er war, während er zusah, wie Newt das kleine Ding auf liebevolle Weise ausschimpfte.
Als das beratungsresistente Nifflerbaby ihn nur weiter irritiert anblinzelte, seufzte Newt schließlich resigniert. "Hoffen wir einfach, dass deine Geschwister es nicht bis hier hoch geschafft haben", murmelte er, ehe er erstarrte, als würde ihm plötzlich wieder einfallen, dass er nicht allein war. Er schob das Nifflerbaby in seine Westentasche und wandte sich zu Albus herum.
"Nun, die Gehege sind unten”, antwortete er auf Albus’ Frage, “Ich müsste sowieso hinunter und das Nifflerbaby zurückbringen, also wenn Sie möchten”, begann er, ehe er sein Angebot unterbrach und schnell einlenkte: “Sie können aber natürlich auch hier warten, ich brauche sicherlich nicht lange."
Albus erhob sich und schenkte Newt ein charmantes Lächeln. „Ich dachte schon, du fragst nie“, sagte er mit einem amüsierten Funkeln in den Augen und stellte die Tasse auf dem Tisch ab. „Ich würde mich freuen, mir ansehen zu dürfen, was du geschaffen hast.“ Wie um es zu demonstrieren, trat er einen Schritt auf die Tür zu, blieb dann allerdings stehen, um Newt den Vortritt zu lassen. „Es versteht sich von selbst, dass ich darauf achten werde, deine Tierwesen nicht unnötig zu reizen. Ich vermute, sie sind menschlichen Besuch im Allgemeinen nicht gewohnt.“
Auf dem Gesicht seines Gegenübers breitete sich ein aufrichtiges Lächeln aus, das deutlich zeigte, wie wenig er ehrliches Interesse an seinen Tierwesen gewohnt war. Es steigerte seinen Enthusiasmus. Auf federnden Schritten lief er an Albus vorbei und während dieser ihm hinab folgte, begann er zu plaudern. "Oh, die meisten sind eigentlich recht ruhig, solange man auf den Wegen bleibt und ihre Gehege nicht betritt”, erklärte er nun unbefangen, “Generell sollten Sie sich nur nicht all zu schnell oder frontal auf die Tierwesen zubewegen und nicht zu laut sprechen."
Albus wollte gerade antworten, da setzte Newt eilig hinzu: "Oh, um die Murtlaps sollten wir vielleicht einen Bogen machen. Die befinden sich gerade in der Paarungszeit und sind da etwas eigen. Wussten Sie, dass Murtlap Babies ohne das typische Gewächs auf ihrem Rücken geboren werden? Es bildet sich erst nach zwei Monaten und die Ausprägung und Farbe hat viel mit der Ernährung und der Wasserqualität zu tun."
Albus folgte seinem ehemaligen Schüler lächelnd. Es war immer wieder ein Phänomen, wie sich Newt vom unscheinbaren, leisen jungen Mann in jemanden verwandelte, der strahlte und redete wie ein Wasserfall – durch einen simplen Themenwechsel und das Gefühl, gehört zu werden. Er nickte freundlich, um zu suggerieren, dass er zuhörte. Er konnte nicht einmal leugnen, dass es interessant war. Viel interessanter war aber, dass Newt sich die Zeit nahm, all das in Erfahrung zu bringen. Sein Beitrag half den Zauberern, Tierwesen besser zu verstehen. Vermutlich war ihm nicht einmal selbst bewusst, welch großen Einfluss er damit hatte – spätestens, sobald sein Buch es auf den Markt geschafft hatte. Albus machte sich im Geiste eine Notiz, bei Professor Dippet vorzuschlagen, dieses Thema in den Schullehrplan mit aufzunehmen. Wenn das Buch so strukturiert und sachlich war, wie Albus es vermutete, könnte man es als Lehrmaterial für die jüngeren Generationen verwenden.
Um Newt nicht das Gefühl zu geben, ihm nicht zuzuhören, beendete Albus seine geistige Notiz und folgte den weiteren Erklärungen zu Murtlaps und später zu Grindelohs und Wasserdrachen. Sie kamen an Gehegen vorbei und zu jedem von ihnen hatte Newt etwas zu berichten. In Kurzfassung führte er die wichtigsten Eckdaten aus und gab bei einigen die neusten Ergebnisse seiner Studien zum Besten. Nebenher sammelte er aus allen Ecken Nifflerbabys ein, die herumstreunten.
Albus‘ Lächeln wurde mit jeder Erklärung Newts wärmer. Es wäre komisch gewesen, auf eine belustigende Art, dass er nun von seinem Schüler unterrichtet wurde – wenn Albus noch in solchen Schubladen gedacht hätte. Stattdessen hing er förmlich an Newts Lippen, vor allem glitt sein Blick permanent dort hin. Newt war es vermutlich gar nicht klar, wie sehr es seine ohnehin große Anziehung noch steigerte, wenn er derart aufblühte. Albus hielt sich zurück, hielt seine Emotionen unter Verschluss, damit sie nicht an die Oberfläche traten und wünschte sich doch, Newt einfach am Unterarm zu greifen und zu sich herum zu ziehen, um ihn für einen kurzen Moment zum Schweigen zu bringen… Seine Lippen sahen weich und einladend aus und Albus fühlte seine Fingerspitzen kribbeln.
Statt das, was er sich vorstellte, in die Tat umzusetzen, blickte er weiterhin auf Newts Rücken, während dieser voranging und griff dann mit einem leisen Lachen nach einem Nifflerbaby, das auf Newts rechter Schulter gekrabbelt war und versuchte, erneut zu entkommen. „Flinke kleine Geschöpfe“, kommentierte er amüsiert, hielt den Niffler in einem vorsichtigen, aber entschiedenen Griff und schob die Hand über Newts Schulter, sodass er ihn halb umarmte, während er ihm das Tierchen hinhielt. Den Arm über die rechte Schulter gelegt, den Niffler in der ausgestreckten Hand und den Kopf nah an Newts linkem Ohr, raunte er: „Es ist bewundernswert, wie du es schaffst, sie alle in Schach zu halten.“

*

Newt drehte bereits halb den Kopf und wollte selbst nach dem Niffler greifen, doch Dumbledore kam ihm zuvor. Er zuckte aus Gewohnheit kurz zusammen als der Ältere plötzlich so nah bei ihm stand und ihn halb umarmte, mahnte sich dann aber sich zu entspannen. Dies war schließlich Dumbledore. Es gab keinen Grund sich in seiner Nähe unwohl zu fühlen. Er war ein guter Freund, hatte das der Professor nicht vorhin noch betont? Und die meisten Menschen drückten Freundschaft und Zuneigung ganz selbstverständlich durch Körperkontakt aus.
"Ich... Ich würde es nicht 'in Schach halten' nennen”, murmelte er mit einem schüchternen Lächeln und versuchte die Gänsehaut zu ignorieren, die Dumbledores warmer Atem so dicht an seinem Ohr verursachte. “Wir leben einfach zusammen hier."
Dumbledores gab ein bestätigendes Brummen von sich und ließ den kleinen Niffler in Newts erhobene Hände fallen. Sein Arm blieb auf Newts Schulter liegen. „Und ich bin sicher, deine Geschöpfe werden nichts tun, was dir schaden könnte“, sagte er bestätigend, „Was ich meinte, war der enorme Verwaltungsaufwand, alles zu organisieren, damit deine Tierwesen glücklich sind.“ Er trat einen Schritt zurück und ehe Newt sich umdrehen konnte, um ihn anzusehen, legten sich warme Hände auf seine Schultern. Daumen drückten probeweise in die festen Muskeln. „Ich frage mich nur, ob du dabei auch ausreichend auf dich selbst achtest?“ Seine Daumen drückten stärker. „Du scheinst ein wenig verspannt zu sein.“
"Uhm, ich... ich denke schon", murmelte Newt irritiert. "A-also dass ich auf mich achte...mein ich..."
Als die Finger einen Knoten trafen und ihn zu kneten begannen, konnte Newt ein überraschtes Keuchen nicht unterdrücken.
Er hörte Dumbledore leise lachen. „Wie ich schon sagte“, raunte er ihm amüsiert ins Ohr, „Du bist verspannt. Vielleicht würden dir eine Pause und ein entspannter Abend guttun, sobald deine Tierwesen versorgt sind.“

*

Albus konnte nicht verhindern, seiner Stimme einen verheißungsvollen Ton zu geben und hoffte, dass seine Worte nicht allzu offensichtlich waren. Sie waren noch nicht an dem Punkt angelangt, an dem er zulassen konnte, dass man ihm offen in die Karten schaute. Dafür waren da noch zu viele Grenzen, die er austesten musste, ehe er sagen konnte, wie sie im Augenblick zueinander standen… und ob Newt der Stimmung, die Albus erfüllte, ebenfalls erliegen würde.
Während er die Schultern weiter massierte, bemerkte er, dass Newt sich Mühe gab, kein weiteres Keuchen entweichen zu lassen. Zwar sah Albus sein Gesicht nicht, doch seine Ohren waren rot angelaufen. Und lehnte er sich wirklich ein wenig in die Berührung oder bildete Albus sich das nur ein?
“Die... die Tierwesen sind versorgt”, hörte er den Jüngeren leise sagen, nach ein paar Augenblicken der Stille, als hätte er beinahe vergessen zu antworten, "Sie haben alle feste Fütterungszeiten und werden unruhig, wenn ich diese nicht einhalte. Deswegen ist es a- aah..!" Newt warf einen Augenblick den Kopf in den Nacken und ließ ihn dann eilig wieder nach vorn fallen, als wäre es ihm peinlich.
Was als unschuldige Massage begann (nun, vielleicht nicht ganz unschuldig), geriet zu einer Situation, die Albus unerwartet erregte. Er hatte Faszination für Newt gefühlt, als der Jüngere vorhin in der Küche gesprochen hatte, hatte begonnen, die zarten romantischen Bande, die er irgendwo im Verborgenen gespürt hatte, aufzudecken und ihnen nachgehen zu wollen. Doch er hatte nicht damit gerechnet, so schnell auch körperlich gereizt zu werden – und das nur durch Geräusche, die Newt von sich gab, weil er ihn massierte. Sein Stöhnen war verboten gut. Er biss sich auf die Innenseite seiner Wange, während er darüber schmunzelte, wie Newt gegen sich selbst ankämpfte und drückte noch ein-zwei Mal fester in den Knoten hinein, ehe er ihn aus seinem Griff entließ. „Nun, dann schlage ich vor, dass wir die Kinder noch ins Bett bringen und dann wieder zurück in die Küche gehen“, sagte er lächelnd und trat einen Schritt zurück. Sein Blick fiel auf die Nifflerbabys, die aus den vielen Taschen in Newts Weste herausschauten und ihre Schnauze in die Luft streckten, als suchten sie etwas Glitzerndes, Goldenes.
Newt taumelte ein Stück, als hätte er einen Moment den festen Boden unter den Füßen verloren. Fahrig drehte er sich zu Albus um, blickte ihm für einen Sekundenbruchteil in die Augen und dann eilig zu Boden. “J-ja... sicher, ich...ich bringe sie eben... ich bin gleich wieder da", stotterte er überfordert und mit erhitztem Gesicht. "Ich..." Er atmete flach, als wollte er sich zum Sprung bereit machen. Dann siegte sein Fluchtinstinkt. "Bis gleich." Damit wandte er sich bereits um und bog in den nächsten Gang ein, an dessen Ende sich vermutlich das Nifflergehege befand.
Albus‘ Schmunzeln wurde breiter, während er dabei zusah, wie Newt davoneilte. Er hatte es zuvor schon geahnt und war sich aber lange nicht sicher gewesen. Nun hatte er einen deutlichen Hinweis erhalten, dass sich seine Theorie bestätigte, dass Newts Gefühle für ihn nicht gänzlich verschwunden waren. Damals, als Schüler, hatte Newt ihm an den Lippen gehangen – im übertragenen Sinne – und Albus hatte geahnt, dass es mehr gewesen war als die Bewunderung für einen Lehrer. Ihm war nie in den Sinn gekommen, etwas mit einem Schüler anzufangen, doch da ihr Kontakt auch nach Newts Verstoß nicht abgebrochen war, hatte er die letzten Jahre damit verbracht, ihn zu beobachten – und war selbst immer mehr in Bewunderung verfallen. Er hatte nie sonderlich viel Hoffnung darauf verwendet oder es in konkrete Ziele formulieren können. Zu wenig Zeit, zu viele politische Konflikte, die ihn auf Trapp hielten und Newt war ständig auf Reisen.
Nun, da das Schicksal ihn an diesem lauen Sommerabend hierher verschlagen hatte, fragte er sich, ob er etwas beginnen sollte, dessen Ende er nicht kannte. Andererseits wäre es ein Jammer, es nicht zu tun. Newts roten Wangen nach zu urteilen würde er sich über ein wenig Aufmerksamkeit in dieser Richtung freuen und er hätte es verdient, mal einen Moment an sich selbst zu denken.
Noch immer das Schmunzeln auf den Lippen, verließ Albus mit federndem Schritt die Kellergewölbe und trat wieder zurück in die Küche. Sein siebter Sinn zeigte ihm den kleinen Weinvorrat noch bevor er ihn mit eigenen Augen sah. Er wählte eine der besseren Rotweinflaschen aus, entkorkte sie und füllte zwei Gläser.

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Newt musste erst mal seinen Herzschlag beruhigen, als er vor dem Nifflernest stand. Und vor allem musste er sich klar werden, warum sein Herz überhaupt so aufgeregt pochte! Es war doch gar nichts passiert... Nun, außer, dass sein Ex-Professor ihm überaus intensiv die Schultern massiert hatte. Seufzend rieb er sich mit seinen Händen über seine glühenden Wangen. Es war nur eine Massage gewesen unter Freunden – kein Grund nervös zu werden! Tief durchatmend griff Newt nach den Nifflerbabies und setzte sie in das Nest, ehe er sich zurück auf den Weg nach oben machte.
Vielleicht hatte Dumbledore recht und er brauchte wirklich eine Pause und einen entspannten Abend? Er überlegte, ob er nicht vielleicht baden gehen sollte. Sicher würde sich Dumbledore nun auf den Weg machen wollen. Immerhin hatte Newt ihm schon genügend seiner Zeit gestohlen, mit seiner ausgiebigen Führung durch die Gehege.
Als Newt in die Küche kam, fühlte er sich bestätigt, weil er Dumbledore dort stehen sah anstatt am Tisch sitzend. "Alle ausgebüchsten Niffler sind wieder sicher verstaut. Es war wirklich schön, dass Sie...", wollte er sich bereits von dem Älteren verabschieden, als sein Blick allerdings auf die Weingläser fiel. Er erstarrte überrascht.
Dumbledores Mundwinkel zuckten. „… geholfen haben?“, fragte er, um den Satz zu beenden. Er schenkte Newt ein charmantes Lächeln und trat, die Gläser in den Händen, auf ihn zu. „Unter anderen Umständen würde ich mich nun höflich verabschieden und dir für die Führung und die Vorstellung deiner Tierwesen danken“, sagte er und seine Augen funkelten, als ihre Blicke sich begegneten. Eilig wandte Newt den seinen ab. „Allerdings habe ich die Befürchtung, dass du dich, sobald ich aus dem Haus bin, wieder in die Arbeit stürzt und dich selbst vernachlässigst”, setzte Dumbledore hinzu und als Newt dieses Mal scheu aufblickte, zwinkerte Dumbledore ihm zu und reichte ihm das zweite Glas.
Bei der doch sehr treffenden Analyse färbten sich Newts Wangen erneut rosa. Ja, er hätte tatsächlich weiter an seinem Buch gearbeitet, sobald der Ältere gegangen wäre.
“Daher würde ich es vorziehen, zu bleiben“, fuhr Dumbledore fort und nachdem Newt das Glas entgegengenommen hatte, nutzte Dumbledores‘ ausgestreckte Hand die Chance und strich langsam von Newts Schulter über den Oberarm hinunter zu seinem Ellbogen, wo sie einen Augenblick verweilte.
"E-es ist mehr Vergnügen als Arbeit für mich", murmelte Newt, während er mit seinem Blick der Hand folgte, welche seinen Arm hinab wanderte. Als Dumbledore ihn dann losließ, wagte er kurz einen scheuen Blick in die blauen Augen des Älteren. Erneut merkte er, wie sein Herz aufgeregt zu schlagen begann.
“Und morgen ist ein weiterer Tag, an dem du dein Vergnügen ausleben kannst“, sagte Dumbledore mit einem sanften Lächeln. “Aber vergiss nicht: Auch positiver Stress ist Stress. Und deine Muskeln sprechen eine eindeutige Sprache.“ Er legte Newt eine Hand auf die Schulter und dirigierte ihn aus der Küche hinaus und zum Wohnzimmer hin. Bereitwillig ließ Newt sich führen.
“Ein-zwei Stunden Ruhe auf dem Sofa können da wahre Wunder wirken“, setzte Dumbledore einschmeichelnd hinzu, während er ihn zu besagtem Sofa hinführte und sich dann neben ihm in die weichen Polster sinken ließ.
"In ein-zwei Stunden wäre es ein Wunder, wenn ich noch vom Sofa hochkomme”, scherzte Newt. “Zumindest, wenn Sie vorhaben bis dahin Wein mit mir zu trinken", fuhr er mit einem Schmunzeln fort.
Dumbledore erwiderte das amüsierte Schmunzeln. “Wenn das nötig ist, um dir ein wenig Ruhe zu verschaffen, trinke ich sehr gern ein-zwei Stunden lang Wein mit dir. Da sind noch einige Vorräte, die wir leeren können.“
Newt lachte leise. "Versuchen Sie gerade mich abzufüllen, Professor?", hakte er spaßeshalber nach.
Dumbledore ging nicht sofort darauf ein. Newt, der mit einer sofortigen Ablehnung solcher Unterstellungen gerechnet hatte, wurde nervös, als sein Gegenüber lediglich vor sich hinlächelte, ehe er ihm ein charmantes Lächeln zuwarf. „Und wenn es so wäre?“, fragte er.
Newt fühlte sein Herz schneller schlagen.
Ehe er sich fragen konnte, wie das gemeint war und was er hineininterpretieren sollte, wandte Dumbledore erneut den Blick von ihm ab und lenkte ihn stattdessen auf sein Glas. “Du hast einen ausgezeichneten Wein-Geschmack“, stellte er fest und lächelte dann, “Oder sollte ich für diesen Vorrat eher deinem Bruder danken, der dir die Flasche zu Weihnachten geschenkt hat?“
Sein scharfer Verstand führte dazu, dass Newt auflachte und die Fragezeichen in seinem Kopf für einen Moment vergaß. Der Mann hatte ein unglaubliches Gespür für Details. "Richtig”, gab er also zu, “Theseus gebührt der Dank."
Dumbledore nickte anerkennend, nahm einen weiteren Schluck und schien sich dann in Gedanken zu verlieren. Den Stil seines Glases rollte er zwischen den Fingern. Deutlich nachdenklicher und ruhiger fuhr er fort: „Weißt du, ich hatte mich schon immer gefragt, welche Art von Leben du wohl eines Tages führen würdest. Du hast sehr früh erkannt, dass ein Leben im Büro nicht das ist, was dir vorschwebt. Du wolltest immer schon raus in die große weite Welt.“ Er schaute auf und suchte Newts Blick. „Ich finde es beneidenswert, derart frei sein zu können. Doch ich frage mich, ob dabei nicht andere Dinge für dich auf der Strecke bleiben. Dinge, die dir nur ein fester Wohnsitz geben kann.“
Der plötzliche Themenwechsel überraschte Newt. "Ich fürchte, ich kann Ihnen nicht ganz folgen”, gestand er, “Ich habe hier einen festen Wohnsitz."
Dumbledore nickte. „Sicher, du besitzt eine Wohnung“, bestätigte er, „Aber du bist kaum hier. Hattest du je das Bedürfnis, selbst eine Familie zu gründen? Jemanden zu finden, mit dem du alt werden kannst?“ Als wollte er die Schwere aus seinen Worten nehmen, wurde Dumbledores Lächeln wärmer und er schüttelte leicht über sich selbst den Kopf. „Es waren nur Gedanken, die mir gekommen sind“, schmunzelte er, „Ich kenne dich schon viele Jahre und habe deine Entwicklung beobachtet. Da ist dieser eine Punkt, der für dich nie in Frage zu kommen schien. Das erscheint mir einfach… ungewöhnlich. Wo in deinem Alter doch alle damit beschäftigt sind, zu heiraten und sesshaft zu werden.“
Newt schaute peinlich berührt drein, weil er bei diesem Thema tatsächlich nicht mitreden konnte. Sesshaft werden, heiraten, vielleicht sogar Kinder... Das erinnerte ihn sehr an Diskussionen, die er mit Theseus immer und immer wieder geführt hatte und teilweise noch heute gelegentlich ertragen musste.
Allerdings war Dumbledore nicht Theseus und es sah ihm nicht ähnlich, Newt über seine Lebensführung belehren zu wollen. Er machte im Moment auch gar nicht den Eindruck, als wollte er das. Dennoch war Newt etwas vorsichtiger bei der Wahl seiner nächsten Worte: "Ich habe in gewisser Weise meine Familie durch meine Tierwesen”, sagte er langsam, “Auch, wenn das sicher die meisten nicht so sehen oder gar verstehen können." Newt warf Dumbledore einen unsicheren Blick zu. "Und ungewöhnlich war ich schon immer”, sagte er, als müsste er sich dafür entschuldigen.
Dumbledore schenkte ihm ein warmes Lächeln, von dem er nicht wusste, womit er es verdient hatte. “Für Menschen wie dich und mich bevorzuge ich die Bezeichnung ‚besonders‘“, sagte Dumbledore und trank noch einen Schluck Wein. Beinahe verschwörerisch fügte er hinzu: “Es ist nicht schlimmes daran, ‚besonders‘ oder ‚ungewöhnlich‘ zu sein. Es ist in gewisser Weise sogar sehr befreiend. Wenn man dazu steht, kann man tun, was man möchte. Das ist eine Freiheit, die viele nicht nachfühlen können.“ In einem unerwarteten Anflug von Kameradschaftlichkeit lehnte sich Dumbledore ein Stück zur Seite, bis ihre Schultern aneinander lagen. Sonderbarerweise störte das Newt nicht. Er dachte gerade noch über das nach, was Dumbledore eben gesagt hatte. Sein Professor hatte schon immer ein Talent für Worte gehabt. Eine Eigenschaft, für die ihn Newt durchaus bewunderte und ein wenig beneidete, machte es doch mit Sicherheit so vieles leichter im Umgang mit anderen. "Nur ecken Sie durch Ihre 'Besonderheiten' nicht an", sagte Newt schmunzelnd, während er an seinem Wein nippte.
Dumbledores Lächeln wurde amüsiert. “Du würdest dich wundern“, sagte er mit einem Lachen und warf Newt einen Blick zu. “Ich habe nur ein paar Jahre mehr Lebenserfahrung und dementsprechend gelernt, mit Menschen zu sprechen, die nicht meine Einstellung teilen, ohne sie vor den Kopf zu stoßen.“ Er wandte den Blick wieder ab, noch immer schmunzelnd und trank einen weiteren Schluck.
„Ein wenig anzuecken, gehört zum Leben dazu“, sinnierte er weiter, „Doch jeder, der dich wirklich kennen lernen möchte, merkt sofort, dass dein Herz den Tierwesen gehört. Ein überaus tugendhaftes Lebensziel, das du da hast, die Zauberer aufzuklären und so vielen Tieren wie möglich zu helfen. Es lässt dich strahlen. Und als einer von denen, die das Glück haben, dich näher zu kennen, kann ich dir sagen, dass es schwer ist, nicht fasziniert zu sein von deiner Leidenschaft und deinem Engagement. Genau diese Begeisterung ist es, die andere in deinen Bann schlägt. Du solltest mehr darauf achten. Dann hättest du weniger das Gefühl ‚anzuecken‘.“
Nun schaute Newt doch von seinem Weinglas auf und blickte mit einer Mischung aus Unglauben und Faszination hinüber zu seinem ehemaligen Professor. Fast fühlte er sich ein wenig wie damals, wenn er Dumbledore im Unterricht bei jedem Wort an den Lippen gehangen hatte, nicht nur bei den Lektionen in Verwandlung, sondern auch allen anderen Geschichten, Anekdoten und Lebensweisheiten.
"Mir reicht es, wenn ich bei ein paar wenigen Menschen nicht anecke", sagte er schließlich nach einem kurzen Augenblick mit einem schüchternen Lächeln.

*

Albus tanzte um das eigentliche Thema herum, das wusste er. Er hatte Newt nicht daran erinnern wollen, dass er in den Augen einiger als ‘sonderbar’ galt. Nein, seine Anspielungen hatten einen anderen Hintergrund gehabt: Er wollte nur… in gewisser Weise… Gewissheit; dass Newt nicht vergeben war; dass Albus keinen Fehler beging, der ihre Freundschaft riskierte.
Er konnte spüren, wie schwer es Newt fiel, sich diesem Thema zu öffnen, doch es sollte Albus den Weg ebnen für seine nächsten Schritte.
„Nun, bei mir definitiv nicht“, antwortete er mit einem warmen Lächeln auf Newts Worte. Er drehte sich mit dem Oberkörper zu Newt hin, der ebenfalls ihm zugewandt saß, und schaute ihm einen Moment in die Augen. Da war dieses Funkeln in ihnen, das Albus in seinen Bann schlug.
Ohne, dass er es bewusst steuerte, sank sein Kopf ein Stück nach vorn. Ihre Gesichter näherten sich und Albus‘ Augen fielen wieder auf Newts volle Lippen, die vom Rotwein nun noch roter waren. Er ließ sein Glas zum Couchtisch schweben, konnte aber sonst keine Entscheidung treffen. Unfähig, sich wieder fortzubewegen, verharrte er, leicht nach vorn gebeugt, viel zu nah an Newts Lippen und doch so unendlich fern. „Ich glaube, ich bin nicht mehr in der Lage, meine Augen von deinem Strahlen fortzunehmen“, gestand er leise. Es war beinahe ein Flüstern. Sein Blick wanderte wieder hinauf, zu Newts Augen.
Etwas an seinen Worten oder seiner Handlung musste Newt überraschen. Denn dessen Augen waren geweitet und er schien vergessen haben, zu atmen.

*

Es fiel Newt sehr schwer, seine neu aufflammende Hoffnung nicht sofort von sich zu schieben. Das musste Einbildung sein. Es war unmöglich, dass Albus Dumbledore sich tatsächlich in diesem Moment zu ihm herüber beugte. Dass er ihm ein Kompliment machte, das über alles hinaus ging, was jemals jemand zu ihm gesagt hatte und das dazu führte, dass sein Herz einen immensen Sprung machte. Dass er ihm näherkam, als Freunde sich kamen...
Die Vorstellung davon, dass just in diesem Moment tatsächlich etwas eintrat, das er sich nicht einmal ausmalen konnte, überforderte Newts Geist. Er hielt den Atem an, sein Herz raste ihm in der Brust und sein Körper erstarrte. Newt wagte es nicht, sich zu bewegen, als Dumbledores Kopf dem seinen immer näher kam. Sein Hirn suchte noch nach irgendeiner Antwort auf diese Situation, die nicht bedeutete, dass Dumledore gerade versuchte, etwas Romantisches zu beginnen. Nein, das war nicht möglich! Wieso sollte er auch? Bisher hatte noch nie jemand Interesse an Newt gezeigt und dann ausgerechnet Dumbledore?
Anstatt sich zurück zu ziehen, wie Newt es beinahe von Dumbledore befürchtet hatte, spürte er mit einem Mal dessen Hand in seinem Nacken. Und dann, um jeglichen Zweifel auszuräumen und jede Frage zu beantworten, senkte Dumbledore langsam den Kopf und legte seine Lippen auf Newts.

Kaum, dass ihre Münder sich trafen, schloss Newt seine Augen und spürte das warme Kribbeln, das in seinem Bauch begann und sich in seinem ganzen Körper ausbreiten wollte. Es war kein zaghafter Kuss, doch er war auch nicht dominant stürmisch. Er zeugte von einer gewissen Selbstsicherheit und fühlte sich an wie ein Geschenk. Kein Zwang. Keine Angst vor Zurückweisung oder ein Aufdrücken von Gefühlen. Der Kuss, den Dumbledore ihm gab, war leicht und frei, als könne Newt ihm die Bedeutung geben, die er ihm geben wollte.
Und, sehr zu seinem Leidenswesen, dauerte er keine drei Sekunden an.
Der Kuss war so schnell vorbei, wie er für Newt unerwartet begonnen hatte und er fragte sich vor allem, warum. In seinem Magen bildete sich ein Kloß, während die Sorge in ihm aufkam, ob er es vielleicht falsch gemacht hatte. Gut, Newt hatte nicht gerade viel Erfahrung im Küssen. Genau genommen keine, außer einmal eine eher unbeholfene Knutscherei mit Leta, als sie beide 14 Jahre alt gewesen waren. Daher wäre es vermutlich nicht überraschend, wenn Dumbledore bereits nach dem Versuch, ihn zu küssen so enttäuscht war, dass er ihn gleich wieder abgebrochen hatte. Mit Überwindung zwang sich Newt nach ein paar Sekunden dazu, die Augen wieder zu öffnen und nervös den Blick zu heben.

*

Als Albus die Lippen wieder fortgenommen hatte, den Geschmack von Wein und Newt auf der Zunge, fühlte er, dass es seinen Puls beschleunigt hatte. Wenig brachte ihn aus der Ruhe, doch das hier ließ seine Nervenenden wohlig kribbeln. Langsam hatte er sich ein wenig von Newt entfernt, um zu sehen, wie dieser reagierte. Und um, sollte es tatsächlich der falsche Schritt gewesen sein, schnell alles geraderücken zu können. Er ließ die Hand in Newts Nacken liegen, wo sie sich warm an seine Haut schmiegte.
Bei dem unsicheren Blick, den Newt ihm zuwarf, musste Albus schmunzeln. „Du siehst enttäuscht aus“, stellte er fest und sein Daumen strich Newts Nacken entlang. „War der Kuss so schlecht?“
Newts Augen wurden größer bei der Frage. "N-nein!", versicherte er wie aus der Pistole geschossen. "Und für Sie?" setzte er dann kleinlaut hinterher, während seine Wangen noch eine Spur roter wurden.
Albus erlaubte sich ein leises Lachen. Es entsprang der Erleichterung, dass Newt dem Ganzen nicht abgeneigt zu sein schien. Es versetzte ihn in ein leichtes Hochgefühl. „Um das beurteilen zu können, muss ich das wohl noch einmal wiederholen“, sagte er und senkte den Kopf erneut langsam zu Newt herunter. Er ließ sich mehr Zeit dieses Mal, schob sich Zentimeter für Zentimeter nach vorn, um Newt die Chance zu geben, sich darauf einzustellen. Er fühlte den heißen Atem des Anderen bereits auf seinen Lippen und sein Griff in Newts Nacken wurde eine Spur stärker, ohne ihn zu sich zu ziehen. Er sehnte eine neue Berührung ihrer Lippen herbei.
Newt kam ihm dieses Mal sogar ein Stück entgegen. Das löschte auch noch Albus‘ letzte Zweifel aus. Er genoss ihr erneutes Zusammentreffen, hörte das leise Seufzen, das Newt ausstieß, als ihre Münder miteinander verschmolzen, schloss die Augen und konzentrierte sich auf das Gefühl. Newts Lippen waren so unendlich weich und sein Seufzen ging Albus durch den ganzen Körper und beschleunigte seinen Puls. Er konnte fühlen, wie das, was er begonnen hatte, dabei war, ihn abhängig zu machen. Eben noch war es nicht viel mehr gewesen als ein Austesten, ein Versuch. Er hatte darauf geachtet, nicht zu viel Emotionen hinein zu investieren, um am Ende Newt gegenüber versichern zu können, dass sie Freunde bleiben würden. Doch mit jeder Sekunde, die die Lippen des Jüngeren länger an den seinen hingen, fiel es ihm schwerer und schwerer, an diesem Vorhaben festzuhalten. Er bemerkte, dass es etwas in ihm auslöste, ein rastloses, hungriges Verlangen nach mehr. Als sie einige Zeit lang nur die Lippen gegeneinander bewegt hatten, schob er seine Zunge vor und stupste damit Newts Unterlippe an.

*

Newt wusste gar nicht wo ihm der Kopf stand und das allein von diesem Kuss. Wie oft hatte er sich als Teenager vorgestellt, Dumbledore zu küssen oder war dank ihm morgens mit einer eindeutigen Erektion aufgewacht? Natürlich war diese übertrieben Schwärmerei für seinen Professor mit den Jahren abgeflaut, hatte sich von einer hormongesteuerten, rosaroten Teenagerobsession zu einer realistischeren, stillen Bewunderung für den Mann gewandelt. Und doch war es nun so viel besser und aufregender als jede Vorstellung und jeder Traum, den er damals gehabt hatte!
Als er Dumbledores Zungenspitze gegen seine Lippen stupsen spürte, lief ihm ein angenehmer Schauer den Rücken hinab und er öffnete zaghaft seine Lippen.
Newt keuchte leise in den Kuss, als Dumbledores Zunge sich tiefer schob und seinen Mundraum plünderte. Warme Hände legten sich an seine Wangen und drehten seinen Kopf zur Seite, um Dumbledore besseren Zugang zu verschaffen.
Newt erwiderte den Kuss so gut wie möglich, auch, wenn es eher zaghaft wirkte, da es eine völlig neue und überwältigende Erfahrung für ihn war.
Völlig auf die Lippen und die Zunge des Anderen konzentriert, bemerkte Newt erst, dass er sein Weinglas zur Seite kippen ließ, als dieses plötzlich umfiel und den teuren Wein über seinen eigenen Schoß verteilte. Erschrocken zuckte er ein wenig zurück, löste dadurch den Kuss und lugte kurz hinunter, ehe er bis zu den Ohrenspitzen rot anlief.
"V-Verzeihung, ich...", begann er bereits leise zu stottern.
Dumbledore, der einen Moment ähnlich überrascht zu sein schien, wie er, lachte leise auf, als würde ihn die Situation erheitern. Er griff nach dem Glas, stellte es auf den Tisch und schenkte Newt ein entschuldigendes Lächeln. "Ich bin es, der sich entschuldigen sollte", sagte er höflich, "Verzeih meine überstürzte Handlung. Ich hatte nicht an den Wein gedacht."
Newt wich dem Blick des Mannes aus und griff nach seinem Zauberstab, ehe er mit feuerrotem Gesicht einen leisen Zauber murmelte, um seine Hose zu säubern. “A-alles gut", murmelte er, etwas aus dem Konzept gebracht, während er den Blick gesenkt hielt und sich innerlich selbst ohrfeigte. Natürlich musste ihm so etwas in SO einer Situation passieren. Sicher hatte er sich nicht nur als tollpatschiger Idiot dargestellt, sondern damit auch die Stimmung komplett zerstört!

Chapter Text

Albus sah, wie Newts Wangen glühten und er peinlich berührt den Blick abwandte. Er fühlte die Unsicherheit, die den Jüngeren überwältigen wollte. Unsicherheit, die in seinen Augen nicht notwendig war. Umsichtig legte er einen Finger unter Newts Kinn und hob es an, in einer stummen Bitte, ihn anzusehen. "Ich... danke dir", sagte er leise, "Der Abend wurde angenehmer als ich erwartet hatte." Seine Augen lächelten und sein Mund schmunzelte. "und das will etwas heißen, denn ich hatte bereits einen angenehmen Abend erwartet." Unbewusst fuhr seine Zungenspitze über seine Unterlippe, als seine Augen erneut auf Newts Mund fielen. "Wenn... Wenn du möchtest, können wir es hierbei belassen. Ich möchte dir nicht den Rest deines Abends rauben."
Seine Worte schienen Newt nur zusätzlich zu irritieren und zu enttäuschen, wenn er den Blick richtig deutete. Newt schluckte und schaute verunsichert zur Seite. "W-wenn Sie gehen möchten, ist das in Ordnung für mich", murmelte er und zwang sich zu einem tapferen Lächeln.
Albus schmunzelte. Er konnte mit Stolz behaupten, Newt besser zu kennen als viele andere Menschen. Und Newt verstand offensichtlich im Augenblick nicht, wie Albus’ Worte gemeint waren. Daher konkretisierte er seine Aussage noch einmal: "Ich werde gehen, wenn du es wünschst." Er lehnte seine Stirn gegen die des Jüngeren. "Wenn es nach mir ginge, würde ich bleiben. Zumindest... ein wenig länger." Seine Hand hob Newts Kinn weiter an. Er wollte sich noch nicht von dieser neuen Sucht trennen. Wer wusste schon, ob er bei ihrem nächsten Zusammentreffen wieder die Gelegenheit bekam? Erneut näherte er sich, doch er wollte Newt Zeit geben, selbst zu entscheiden.
"Ich... fände es schön, wenn Sie blieben...", murmelte Newt nah an seinen Lippen und seine Augenlider sanken hinab, als Albus sich zu ihm vorbeugte. Albus’ Herz schlug einen Moment schneller in seiner Brust. Er wusste um die Berührungsempfindlichkeit des Jüngeren. Dass er ihn all diese Dinge tun ließ und für einen weiteren Kuss sogar die Augen schloss, beschleunigte Albus’ Puls.
Da ging noch mehr, das wusste er. Albus hielt die Augen offen und auf Newts Lippen gerichtet, bewegte sich aber keinen Zentimeter. Er wollte sehen, wie Newt ihm entgegenkam. Wollte fühlen, dass es ihm genauso gefiel wie Albus selbst. Ihre Münder waren so nah beieinander, dass ihn Newts warmer Atem streifte. Er genoss den Moment mehr als den teuren Wein zuvor. Jede Sekunde davon.

Albus musste nicht lang auf Newt warten. Der Jüngere kam ihm schneller entgegen als noch das letzte Mal, überbrückte die gesamte Distanz und setzte einen kurzen Kuss auf Albus’ Lippen, ehe er in einem Anflug von experimenteller Verwegenheit mit der Zunge über seine Unterlippe leckte.
Albus lief unerwartet ein wohliger Schauer über den Rücken. Wäre er impulsiver gewesen, hätte diese kleine Geste ausgereicht, damit er Newt auf Sofa presste und sich über ihr beugte. Doch Albus genoss die langsamen Schritte, genoss es, alles auszukosten. Also gab er ein leises Brummen von sich, um zu zeigen, dass es ihm gefiel und schob den Kopf endlich vor, um aus dem kleinen Kuss, den Newt begonnen hatte, erneut einen größeren zu machen. Ihre Lippen schmiegten sich aneinander und er musste über sich selbst schmunzeln, denn sein Magen flatterte. Er hatte beinahe vergessen, was gute Küsse mit dem Körper anstellen konnten. Ihm wurde warm, seine Nackenhaare stellten sich auf und sein Puls beschleunigte sich, während er langsam begann, die Intensität, mit der er Newt küsste, zu steigern.
Er fühlte Newt an seinen Lippen lächeln und musste darüber schmunzeln. Die Hormone schienen auch mit dem Jüngeren einiges anzustellen. Seine Küsse wurden mit jedem Moment, der verging, verlangender – als wäre er ein Verdurstender, dem man Wasser angeboten hatte. Darüber hinaus lernte Newt schnell. Seine anfangs steife Lippenbewegung wurde immer fließender und spielerischer. Bei Merlins Bart, wer hätte gedacht, dass Albus sich ausgerechnet einen derart lernwilligen (ex)Schüler ausgewählt hatte für seine Laune?
Jede Geste bedeutete unendlich viel mehr, wenn sie von jemandem so menschenscheuen wie Newt kam. Und so schlug Albus’ Herz schneller in seiner Brust, als Newt zaghaft seine Hand darauflegte. Er platzierte seine freie Hand darüber und drängte sich Newt nun ein wenig mehr entgegen, bestätigte ihn, forderte von ihm. Er küsste ihn, bis sie beide keine Luft mehr bekamen und sich atemlos voneinander trennen mussten, um zu Atem zu kommen.
Albus warf Newt einen Blick zu, während sich seine Lungen mit Luft füllten. Dessen Atem ging zittrig, seine Augen hatte er weiterhin geschlossen und in einer Geste der Ergebenheit lehnte er die Stirn gegen Albus’. Albus' Lippen umspielte ein Lächeln, das seine Augen warm funkeln ließ. "Es scheint dir zu gefallen", stellte er mit einem leisen Raunen fest. Jene Hand, die eben noch unter Newts Kinn lag, wanderte seinen Hals entlang. Sie blieb unter seinem Ohr liegen und sein Daumen strich bedächtig über Newts Wange.
Fasziniert beobachtete Albus, wie sich Newt auf die Unterlippe biss. "Hmhmm…", brachte er nur mit einem kleinen, schüchternen Lächeln heraus und lehnte sich dann in Albus’ Hand.
"Dann wirst du wohl erlauben, dass ich fortfahre?", fragte Albus, doch es war eher rhetorisch. Er ließ Newt keine Zeit, zu antworten, legte seine Lippen auf dessen Schläfe und wandere dann langsam über die Wange hinunter, erneut zu Newts Mund. Er biss ihm sanft in die Unterlippe und leckte dann entschuldigend über die Stelle, was ihm ein atemloses Keuchen einbrachte.
Newt lehnte sich gegen ihn und die Hand, die eben noch auf Albus’ Brust gelegen hatte, strich hinauf zu seiner Schulter. Es bestätigte Albus, dass Newt immer weniger die Finger von ihm lassen konnte. Er griff die Hand, die über seine Schulter strich und zog sie von sich, während er ihre Finger miteinander verwob. Dann griff er mit der anderen Hand Newts Kinn fester, presste ihre Münder gegeneinander und schob erneut die Zunge vor. Aber nicht nur seine Zunge: er lehnte auch seinen Oberkörper nach vorn, drängte sich gegen Newt und bedeutete ihm damit, sich nach hinten aufs Sofa sinken zu lassen.
Newt folgte bereitwillig und Albus gab ihnen nicht die Zeit, diese neue Position zu bewerten oder zu interpretieren. Er bemerkte das Sehnen in sich stärker erwachen und es war keine rein sexuelle Erregung, geboren aus der Situation. Es war viel mehr Verbundenheit, dieses Gefühl, das er in den letzten Jahren in sich hatte wachsen sehen, immer, wenn er Newt traf. Er hatte es nie wirklich in diese romantische Richtung interpretiert, war heute viel mehr einer Laune und einem Gefühl gefolgt und war nun doch überrascht, wie gut es sich emotional anfühlte. Sicher, Newt war körperlich attraktiv und Albus spürte, wie er mehr und mehr darauf ansprang – doch im Vordergrund stand, und das hatte er nicht kommen sehen, sein Herz, das sich plötzlich mit Romantik füllte. Mit dem Wunsch, Liebe zu geben und sich so weit vorzutasten, wie Newt ihn ließ. Er hatte keine Erwartungen, keine Ansprüche. Er folgte schlichtweg weiterhin seiner Intuition. Sie hatte ihn bis hier geführt…. Und sicher würde sie ihn weiterführen.
Als Newt endlich unter ihm lag, fühlte Albus darüber hinaus noch etwas anderes: Den Wunsch, ihn vollends für sich zu gewinnen, sein Herz, seinen Körper, alles. Er fühlte Hitze in sich aufsteigen, fühlte das Reiben ihrer Kleidung übereinander überdeutlich und hatte zugleich das Verlangen, Newt besinnungslos zu küssen.
Für den Anfang begnügte er sich damit, doch seine Finger zuckten bereits in Richtung Hosenbund, um unter Newts Hemd zu gelangen.
Dass Newt die verschlungenen Finger drückte, als würde er nach Halt suchen, und sich mehr und mehr unter Albus wand, führte nicht gerade dazu, dass er einen kühlen Kopf behielt. Albus entwich unerwartet ein Seufzen, als Newt sich intensiver gegen ihn drängte. Er hatte umsichtig sein wollen, hatte die freundschaftliche Ebene in den Vordergrund schieben wollen, damit sie einen Fluchtpunkt hatten, an den sie zurückkehren konnten. Er hatte sich zurückhalten wollen – nur ein-zwei verstohlene Küsse vielleicht – und hatte sich nicht gleich von seinen Emotionen überrennen lassen wollen. Doch es gelang ihm immer schwerer. Newts Stöhnen vorhin, als er ihm die Schultern massiert hatte, seine Schüchternheit, als er zugab, dass er gern weiterhin geküsst werden mochte, seine Hand, die über Albus‘ Brust gewandert war und nun diese offensichtlichen Bewegungen, das Drängen und Sehnen. Es führte dazu, dass es Albus immer schwieriger fiel, einen klaren Kopf zu behalten und seine Emotionen zu zügeln. Wäre er maßloser gewesen, hätte er Newt bereits entkleidet und wäre zum nächsten Schritt übergegangen.
Stattdessen ließ er seine Hand über Newts Seite fahren, die Hüfte entlang und zu seinem Hosenbund. Er strich einen Moment darüber, den Saum entlang, ehe seine flache Hand den Weg über den Bauch des Jüngeren hinaufnahm und ihm über die Brust streichelte. In all der Zeit hingen seine Lippen weiterhin an Newts. Er saugte sich an seiner Unterlippe fest, ließ ihre Zungen miteinander spielen und fühlte, dass die Hitze ihm mehr und mehr zu schaffen machte.

*

Newt, der die ganze Zeit über fürchtete, etwas falsch zu machen, vergaß seine Ängste immer mehr. Die Wärme, die von Dumbledore ausging, beruhigte ihn und heizte ihm zugleich ein. Eine angenehme Gänsehaut hatte sich auf seiner Haut ausgebreitet und etwas in ihm erbebte vor Ehrfurcht, seit Dumbledore ihn unter sich begraben hatte.
Newt wusste nicht, wo ihm der Kopf stand. Für ihn hatte sich diese Situation so unvorhergesehen entwickelt, dass er gar keine Zeit gehabt hatte, sich wirklich Gedanken zu machen - geschweige denn, dass er sie jetzt gerade hätte. Und doch sorgte Dumbledore dafür, dass es sich gut und richtig anfühlte. Also schob er alle Gedanken und Zweifel beiseite und konzentrierte sich nur auf die Gefühle, die der Andere in ihm auslöste. Und in dieser neuen Position waren das einige.
Als die Hand dann seine Seite hinab strich, konnte Newt das rastlose Winden, das er im Zaum gehalten hatte, nicht mehr mindern. Er bog unwillkürlich den Rücken durch und seufzte erneut gegen Dumbledores Lippen. Kurz verspannte sich Newt ein wenig, als die Finger über seinen Hosenbund strichen – nicht, weil es ihm nicht gefiel, aber weil der Gedanke, wie weit dies gehen KÖNNTE, ihm ein deutliches Nervenflattern verschaffte. Würde es vielleicht sogar weiter gehen als nur Küsse und Hände, die über Stoff strichen? Und wenn ja, würde er überhaupt mit Dumbledores Erfahrung diesbezüglich mithalten können? Sein ehemaliger Professor schien schließlich genau zu wissen, was er tat - im Gegensatz zu Newt. Seine Gedanken wurden unterbrochen, als die Hand wieder hinauf strich, dieses Mal allerdings über seinen Bauch hinauf zu seiner Brust.
Vorsichtig hob Newt seine eigene freie Hand und legte diese zögerlich auf Albus Schulter, um sich etwas an ihm fest zu halten. Ihm entwich ein weiteres sehnsuchtsvolles Keuchen.
„Deine Stimme ist bezaubernd, wenn du seufzt, Newt“, raunte Dumbledore ihm zu. Die geraunten Worte sorgten dafür, dass Newts Wangen vor Scham begannen zu glühen. Er war froh, als Albus das Gesicht an seinem Hals vergrub, zumindest bis er die warmen Lippen dort spürte und keuchend zusammenzuckte. Offenbar war er am Hals besonders empfindlich und der warme Atem nahe seinem Ohr jagte ihm einen angenehmen Schauer den Rücken hinunter. Dazu stellte er peinlich berührt fest, dass sich seine Hose langsam deutlich zu eng anfühlte. Newt biss sich auf die Unterlippe und schaffte es dadurch gerade so, ein kleines Stöhnen zu dämpfen. Nun beide Hände in Albus Schultern krallend, versteckte er sein Gesicht eilig an dessen Schulter.

*

Albus nahm das kleine Stöhnen und das verstärkte Festhalten des Jüngeren als Bestätigung. Die vielen zaghaften Seufzer trafen ihn jedes Mal ins Herz und – wie er schmunzelnd bemerkte – ließen auch seine tieferen Regionen nicht kalt. Er fuhr mit der Zunge eine feuchte Spur den Hals hinunter und legte dann die Lippen auf die weiche Haut, um sich daran festzusaugen, während er das Winden des Körpers unter sich nun deutlicher fühlen konnte. Je näher er ihm kam, desto mehr stieg ihm Newts Geruch in die Nase. Er roch nach Stroh und warmem Sommerregen. Nach Rotwein und darunter vollkommen nach sich selbst. Es war eine anziehende Mischung. Sie heizte seine Fantasien an und baute einen verheißungsvollen Erwartungsdruck in ihm auf. Albus schob sein Becken vor, ohne es direkt zu beabsichtigen. Vorhin noch hatte er geglaubt, etwas Zwangloses beginnen zu können. Nun fühlte er sich mehr von Newts ehrlichen und offenen Reaktionen, die seine Unerfahrenheit durchscheinen ließen, um den Finger gewickelt. Es versetzte einen auf ganz eigene Art in ein Hochgefühl, wenn man die Erlaubnis hatte, Dinge mit jemandem zu tun, der sich sonst vor solchen Taten verschloss. Es war unergründetes Terrain mit einem großen Schloss davor. Albus fühlte sich geschmeichelt, dass Newt sich trotzdem auf ihn einließ, wo er doch sonst so menschenscheu war.
Albus fühlte, wie der Jüngere seine Hände in seine Schultern krallte. Sein Atem ging mittlerweile ähnlich schnell und flach. Albus strich mit den Händen Newts Seiten entlang und wünschte sich, er könnte über die nackte Haut fahren. Doch er mahnte sich zu Geduld. Das hier war weiter gegangen, als er es beabsichtigt hatte. Und er wollte nun, trunken von Hormonen und mit vollkommen überfluteten Reizen, keine Dummheiten begehen, die sie beide morgen bereuen würden. Daher ließ er von Newts Hals ab und richtete sich auf, obwohl es ihn mehr Überwindung kostete, als er erwartet hatte. Er war an einem Punkt angelangt, an dem er am Scheideweg stand: Es vollkommen zu wagen oder dem Ganzen Einhalt zu gebieten. Aus Rücksicht auf ihre Freundschaft entschied er sich für letzteres.
„So sehr ich es genieße, dich zu küssen und zu berühren…“, begann er und blickte zu Newt herunter, der mit bezaubernd roten Wangen und fiebrig glänzenden Augen zu ihm hinaufblickte, „… Ich denke, wir sollten es vorerst dabei belassen. Für heute.“
Er holte tief Luft, um wieder zu klarem Verstand zu kommen. Sein innerer Druck war mittlerweile stark gestiegen, doch Triebe waren nicht das, was seine Entscheidungen für ihn fällte.
Der plötzliche Stimmungsumschwung schien Newt offensichtlich zu verwirren. “O-okay”, brachte er atemlos hervor. Er klang enttäuscht und Albus konnte es gut nachfühlen. Ihm ging es ähnlich.
Ein wenig verloren warf Newt ihm einen Blick zu, aber er sagte nichts mehr.
Albus ahnte, dass Newt ihn nicht nach den Gründen fragen würde. Doch eventuell würde er sich nach ihrem Abschied den Kopf darüber zerbrechen. Daher hatte er das Bedürfnis, sich zu erklären. Während er sich aufsetzte, um Newt Platz zu lassen, das Gleiche zu tun, sagte er ernst: „Du bist mehr als ein One-Night-Stand. Und ich möchte nicht, dass du glaubst, dass es nur eine Laune war, die mich dazu bewogen hat, dich zu küssen oder die mich dazu bewegen würde, weiter zu gehen. Ich möchte vermeiden, dass wir uns danach beide schäbig fühlen, weil wir mehr gegeben haben, als wir bereit waren.“ Er schmunzelte und erhob sich. „Ich danke dir für deine Gesellschaft. Und ich möchte sie mit dem Respekt behandeln, den sie verdient.“ Seine Worte kamen ihm leicht über die Lippen, obwohl sie eine schwere, tiefere Bedeutung hatten. Er gab sich Mühe, die Schwere nicht nach außen dringen zu lassen und seiner Stimme einen gutgelaunten Klang zu geben. Er wollte nicht, dass die Stimmung unter seiner Entscheidung litt. Oder dass Newt sich trotzdem schäbig fühlte.

*

Newt lauschte aufmerksam Dumbledores Worten, während er sich seine Kleider und zerzausten Haare etwas zurechtzupfte.
Die Worte des Älteren verwirrten ihn mit jedem Satz mehr. Er war nicht davon ausgegangen ein One-Night-Stand zu sein - Genau genommen war er bis eben von gar nichts ausgegangen, da er gar nicht dazu gekommen war, überhaupt einen klaren Gedanken zu fassen. Doch nun zu hören, dass Dumbledore ihn für mehr erachtete, ließ einerseits ein warmes Kribbeln in seinem Bauch, andererseits einen Kloß wegen der implizierten Tragweite in seinem Magen zurück.
Als sich sein Ex-Professor dann erhob, griff Newt hastig nach seiner Hand.
Mit immer noch roten Wangen und einem zaghaften Lächeln schaute er hinauf zu ihm. "Ich würde nie glauben, dass Sie mich aus einer Laune heraus oder ohne Respekt behandeln", versicherte er ihm. Er wollte nicht, dass Dumbledore glaubte, er hätte einen unangenehmen Eindruck bei Newt hinterlassen.
Seine Worte führten dazu, dass Dumbledore sich noch einmal ganz zu Newt herumdrehte und ihm ein Lächeln schenkte. "Nun, dann bin ich beruhigt", sagte er charmant mit einer leichten Verbeugung. "Ich werde jetzt gehen", wiederholte er, beugte sich noch weiter herunter und küsste die Hand, die ihn festhielt. "Ruh dich aus. Ich freue mich auf unser nächstes Treffen."
Dann zwinkerte Dumbledore ihm zu. "Bis bald. Bleib ruhig sitzen, ich lass mich selbst heraus." Mit diesen Worten und einem letzten wohlwollenden Blick in Newts Richtung drehte sein Gast sich auf dem Absatz herum und verließ das Wohnzimmer.
Newt schaute Dumbledore hinterher. Als er die Tür ins Schloss fallen hörte, ließ sich Newt gegen die Couchlehne sinken und vergrub sein glühendes Gesicht in seinen Händen.
Was, bei Merlins Bart...?
Erst jetzt schaffte es sein Verstand langsam, aufzuholen und wirklich zu erfassen, was gerade passiert war. Er hatte Albus Dumbledore geküsst. Oder genauer gesagt: Dumbledore hatte IHN geküsst! Und nicht nur geküsst... Seine Wangen glühten heißer, als er sich daran erinnerte, wie es sich angefühlt hatte, unter seinem ehemaligen Professor zu liegen, seine Lippen an seinem Hals zu spüren und, bei Merlin, diese Hände!
Und wie war es überhaupt dazu gekommen? So plötzlich aus dem Nichts! Ja, er war mit Dumbledore befreundet, aber das war es auch schon gewesen. Es hatte nie Anzeichen gegeben, dass der Ältere Interesse an ihm gehabt hätte, oder? Konnte schon sein, immerhin wusste Newt, wie schlecht er darin war, solche Anzeichen zu erkennen.
Nicht, dass es Newt stören würde, im Gegenteil. Schließlich war Albus Dumbledore ein intelligenter, charismatischer und überaus fähiger Zauberer, ganz zu schweigen von seiner Attraktivität. Nicht umsonst war Newt während seiner Schulzeit bis über beide Ohren in seinen Verwandlungslehrer verschossen gewesen. Aber er hätte nie geglaubt, dass Dumbledore sich jemals auf etwas mit ihm einlassen oder gar selbst die Initiative ergreifen würde.
Seufzend ließ er seine Hände in seinen Schoß sinken, während sein Blick auf die zwei Weingläser fiel. Er angelte sich das noch halbvolle Glas von Dumbledore, schenkte es sich noch einmal voll und beschloss dann, sich auszuruhen und Theseus Weihnachtsgeschenk zu würdigen.

Chapter Text

Dumbledores abendlicher Besuch war mittlerweile drei Wochen her. Newt hatte gehofft, dass sie sich relativ bald wiedersehen würden, doch Dumbledore hatte ihm geschrieben und ihn darüber informiert, dass er es vorerst nicht einrichten könne. Er wäre unvorhergesehen noch beschäftigter als ohnehin schon und könne keine freie Zeit erübrigen. Es täte ihm leid und er freue sich auf ein Treffen in der Zukunft.

Newt hatte auf den Brief gestarrt und war sich nicht sicher gewesen, was er mit dieser Information anfangen sollte. Er war verwirrt über das deutliche Gefühl der Enttäuschung, das sich in seinem Magen eingenistet hatte, doch er hatte versucht, es so gut wie möglich zu ignorieren.

Anfangs hatte er sich gesagt, dass Dumbledore sicher einen guten Grund hatte. Doch dem ersten Brief war ein zweiter gefolgt, der ähnlich formuliert war und spätestens beim dritten war sich Newt nicht mehr sicher, ob es tatsächlich der Wahrheit entsprach. Ihn beschlich mehr und mehr das Gefühl, dass Dumbledore es sich anders überlegt hatte.... Das, was auch immer das zwischen ihnen gewesen war an jenem Abend, war nun vorbei. Schließlich hatte er an ebenjenem Abend gesagt, dass er nicht weitergehen wollte, damit sie es nicht im Nachhinein bereuen. Offensichtlich war Dumbledore zu dem Schluss gekommen, dass das alles keinen Sinn machte. Und da er One-Night-Stands ausschloss, blieb wohl nur noch der Weg der freundschaftlich-neutralen Bekanntschaft. Newt schluckte bei dem Gedanken. Diese Feststellung schmerzte und enttäuschte ihn mehr als er erwartet hätte. Newt zwang sich, es nicht zu schwer zu nehmen. Wenn er ehrlich war, hatte er selbst kaum Zeit. Sein Buch war seit einigen Tagen auf dem Markt und er hatte zuletzt einen Brief von Professor Dippet erhalten. Offenbar überlegte der Schulleiter von Hogwarts tatsächlich, ein neues Fach auf Grundlage seines Buches einzuführen: Pflege magischer Geschöpfe.

Er hatte höflich um ein Treffen zur Besprechung eines eventuellen Lehrplans gebeten und natürlich hatte Newt zugestimmt.

 

So kam es, dass er sich heute Nachmittag in Hogwarts einfand: Dem Schloss, das er zuletzt vor Jahren bei seinem Rauswurf betreten hatte.

Das Gespräch lief äußerst gut und entgegen Newts Befürchtungen war Dippet überaus aufgeschlossen gegenüber Newts Ideen und Vorschlägen. Doch was ihn am meisten überraschte, war, dass Dippet ihm eine Lehrerstelle anbot. Newt wollte unter Hinweis auf seine eigene kurze Schullaufbahn und seine niedrige soziale Kompetenz ablehnen, aber Professor Dippet schien diese Gründe nicht zu akzeptieren. Er versuchte, Newt davon zu überzeugen, dass es wenigstens für das erste Jahr von Vorteil wäre, um das Fach einzuführen. Bis sie eine ordentliche Lehrkraft gefunden oder ausgebildet hätten, die das Fach unterrichten konnte. Newt wusste nicht so recht, was er davon halten sollte und bat um ein wenig Bedenkzeit.

Dippet gewährte sie ihm, bestand aber dennoch darauf, ihm ein paar mögliche Klassenzimmer und Gelände nahe den Gewächshäusern zu zeigen, wo es möglich wäre, Pflege magischer Geschöpfe zu unterrichten. Also machten sie sich in der Mittagspause auf den Weg und trieben dabei einen Keil in die Masse an Schülern, die ihnen auf den Gängen entgegen kam oder mit ihnen in die gleiche Richtung lief.

Newt war so damit beschäftigt, Professor Dippet zuzuhören und gleichzeitig den Schülerscharen auszuweichen, dass er den Lehrer, der ihnen entgegenlief, gar nicht bemerkte.

Erst als Dippet ihn freundlich begrüßte, schaute Newt auf und fand sich Dumbledore von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Newt spürte, wie sein Herz einen Schlag aussetzte und sich ein Kloß in seinem Hals bildete. Das letzte Treffen und die Tage, die darauf gefolgt waren, wogen schwer in seinen Erinnerungen.

Newt zwang sich schnell zu einem höflichen Lächeln und nickte Dumbledore zur Begrüßung zu, während Dippet bereits zu erklären begann, weshalb er hier war. Dippet bot Dumbledore an, sie zum Außengelände zu begleiten, um ihre gemeinsamen Vorstellungen für die Umsetzung des neuen Fachs zu erörtern.

Doch Dumbledore lehnte mit einem höflich-distanzierten Lächeln und einigen typischen Floskeln unter Hinweis auf die Stunden, die er vorzubereiten hatte, freundlich ab. Nicht jedoch, ohne Newt zu seinem Buch und seinem Einfluss in das Schulsystem offiziell zu beglückwünschen.

Newt nickte schwach. Er kannte Dumbledore vielleicht nicht so gut, wie er ihn gern kennen würde, aber das, was er sagte, wirkte aufgesetzt und einstudiert, nicht aufrichtig. Das war ihm Zeichen genug. Es bestätigte seine Vermutung, dass Dumbledore es bei der einmaligen Sache ihres letzten Zusammentreffens belassen wollte. Ansonsten wäre er wenigstens ein bisschen vertrauter gewesen und hätte nicht so getan, als würden sie sich seit Jahren nicht gesehen haben. Er fühlte die Enttäuschung darüber in sich, doch er versuchte sie wegzuschieben, indem er sich sagte, dass er es schon hatte kommen sehen. Außerdem war er nicht für Dumbledore hier.

Mit einem letzten höflichen Nicken wandte Dumbledore sich zum Gehen. Newt folgte dem Schulleiter hinaus zum Außengelände, um den bestmöglichen Einsatz für das neue Fach zu besprechen, ehe Dippet ihn zum Mittagessen in die große Halle führte.

Sie gingen zum Lehrertisch. Der einzige andere Platz, der außer dem des Schulleiters noch frei war, war der neben Dumbledore.

Newt schluckte tapfer gegen seine Nervosität an und ließ sich dann leise und so unauffällig wie möglich, neben seinem ehemaligen Lehrermaligen Lehrer nieder. Er atmete tief ein. Was für ein ungünstiger Zufall, gerade jetzt, wo er sich in der Nähe des Mannes nicht unbedingt wohl fühlte... Es erinnerte ihn an das paradoxe Gefühl, abgewiesen worden zu sein, bevor überhaupt etwas begonnen hatte.

Einige Minuten vergingen in unangenehmem Schweigen, während Newt sich verstohlen etwas Essen auftat und sich Kürbissaft einschenkte.

Dann lehnte sich Dumbledore unerwartet ein Stück zu ihm hin und Newt, der nicht damit gerechnet hatte, schrak zusammen. Bevor er sich von Dumbledore fortlehnen konnte, sagte dieser: "Mr. Scamander, wenn Sie im Anschluss nichts geplant haben, möchte ich Ihr Händchen für magische Tierwesen gern nutzen. Es haben sich am Rand des Verbotenen Waldes einige Kreaturen, eingenistet, die Sie sicher interessieren würden.”

Newts Herz schlug schneller in seiner Brust, doch vielmehr vor Nervosität, denn alles andere. Dumbledores Frage enttäuschte ihn ein wenig. Natürlich, Dumbledore nutzte seine Anwesenheit für einige Probleme mit Tierwesen. Warum sollte er auch über Privateres sprechen, wo er doch seinen Standpunkt so deutlich klargemacht hatte?

Bemüht sachlich antwortete Newt: “Meinen Sie die Bowtruckles hinter der großen Eiche? Um die brauchen Sie sich keine Sorgen machen, ich habe sie vorhin schon besucht und sie sind nicht sehr aggressiv gestimmt.”

Dumbledores Lächeln wurde ein wenig breiter. “Nein, ich rede von anderen Tierwesen”, raunte er ihm verschwörerisch zu und die Art, wie seine Stimme klang, erinnerte Newt an etwas, an was er eigentlich nicht denken wollte.

Mit einem vielsagenden Blick fuhr Dumbledore fort: “Ich kann sie schlecht beschreiben. Ich würde sie Ihnen lieber zeigen.”

“Oh”, hauchte Newt, der noch immer nicht begriff, was genau Dumbledore ihm sagen wollte. Aber sein intensiver Blick machte ihn verlegen. Eilig wandte Newt sich wieder seinem Essen zu, während er fühlte, wie seine Wangen heiß wurden. “Okay”, murmelte er.

Der Rest des Essens verging in Schweigen.

Newt, der verstanden hatte, dass Dumbledore nicht wirklich über ein Tierwesen sprechen oder ihm eines zeigen wollte, zermarterte sich das Gehirn darüber, worüber er sonst mit ihm reden wollte? Viele Optionen gab es da nicht und die wahrscheinlichste war wohl eine Entschuldigung.

Ihm sank das Herz in die Hose.

Natürlich. Dumbledore war höflich genug, um sich dafür zu entschuldigen, dass er sich an dem Abend hatte gehen lassen. Wenn es nach Newt gegangen wäre, hätten sie es weiterlaufen lassen, aber er muste Dumbledores Wunsch nach Distanz akzeptieren.

Weil ihm das Essen vergangen war, schob Newt seinen Teller von sich – just in dem Moment, in dem Dumbledore sich von seinem Platz erhob und ihn mit einem Seitenblick bedachte.

Newt, der nicht sonderlich erpicht auf das Gespräch war, in dem er den Korb von dem Mann bekommen würde, zu dem er am meisten aufschaute, stand ebenfalls auf. Er verabschiedete sich höflich von Professor Dippet und folgte Dumbledore dann hinaus.

Nervös und mit schnell schlagendem Herzen lief er ihm hinterher, bis er ihn eingeholt hatte. Dumbledore war geschlendert. Er führte Newt übers Schlossgelände, am Waldrand entlang und zum See hin. Stumm und darauf wartend, dass Dumbledore endlich etwas sagen würde, ging Newt neben ihm am Ufer entlang. Er ließ seinen Blick gedankenverloren über den See schweifen. Und, um die Nervosität ein wenig zu verdrängen, verstrickte er sich in Gedanken darüber, ob er Professor Dippets Erwartungen wohl gerecht werden konnte und ob er all das überhaupt wollte. Das würde seinen Alltag ganz schön umkrempeln. Die Überlegungen ließen ihn nach einiger Zeit beinahe vergessen, dass er nicht allein hier am Ufer entlanglief.

“Herzlichen Glückwunsch”, hörte er Dumbledore da plötzlich sagen und als er aufblickte, lächelte der Ältere ihn an. “Zum Erfolg deines Buches”, fügte Dumbledore hinzu. “Ich habe die Veröffentlichung und den Verkaufsansturm verfolgt. Du kannst sehr stolz auf dich sein.“

Newt blinzelte und nickte dann. Sein Buch schien über all die sich überschlagenden Gedanken in weite Ferne gerückt worden zu sein. "D-danke...”, stammelte er, während er noch versuchte, sich auf eine freundschaftlich-höfliche Ebene zu besinnen und seine Furcht vor dem weiteren Verlauf dieses Gesprächs endlich hinten anzustellen, “Ich bin wirklich froh, dass es so gut angenommen wird."

Dumbledore nickte lächelnd. „Ich freue mich aufrichtig für dich“, sagte er und ließ den Blick über den See schweifen, „Durch die Einführung des Faches für die Pflege magischer Geschöpfe kannst du die jungen Generationen mit Wissen bereichern, das den älteren noch fehlt.“ Sein Lächeln wurde verschmitzt. „Es verspricht, interessant zu werden, mit dir zusammen zu arbeiten.“

Newt erwiderte das Lächeln schüchtern. "Ich habe die Stelle ehrlich gesagt noch nicht angenommen”, murmelte er, weil er keine falschen Hoffnungen wecken wollte. Es wunderte ihn nicht, dass Dumbledore wusste, dass Dippet ihn als Lehrer haben wollte. Dem Mann entging nichts.

Doch bei seinen Worten war Dumbledore überrascht stehen geblieben. “Tatsächlich?“, fragte er verwundert, als könne er sich das nicht vorstellen. Doch dann nickte er verständnisvoll. “Weil du dich dann nicht ausreichend um deine eigenen Geschöpfe kümmern kannst?“, fragte er. “Ich bin sicher, Professor Dippet würde dir in der Einteilung deiner Stunden und in der Wahl deiner Unterkunft im Schloss entgegenkommen. Und vielleicht würde er auch gestatten, das ein oder andere Tierwesen hier in offenen Gehegen hausen zu lassen.“

Newt unterdrückte ein Schmunzeln, als Dumbledore ihm all die Optionen aufzeigte. Jetzt, bei einem Gesprächsthema, das ihm nicht fremd war, entspannte er sich spürbar. "Er ist mir dahingehend schon entgegen gekommen um mich zu überzeugen”, wandte er ein, “Aber darum geht es mir weniger.” Nachdenklich blickte Newt in die Ferne. Er wusste nicht, wie er es in Worte fassen sollte, was ihn beschäftigte. Da war so viel, das ihm durch den Kopf ging. "Ich bin mir nur nicht sicher, ob ich als Lehrer besonders geeignet wäre. Natürlich kenne ich mich auf dem Gebiet aus, aber... Sie wissen schon... Ich bin nicht sonderlich gut darin, mit Menschen in Kontakt zu treten.”

Mit einem Schulterzucken wandte er sich zu Dumbledore herum. Der Mann wusste um seine mangelnden sozialen Kompetenzen. Es fiel Newt nicht schwer, sie ihm gegenüber zuzugeben. An ihrer Freundschaft hatte sich schließlich - zumindest, wenn es nach ihm ging – nichts geändert.

Dumbledore legte den Kopf einen Moment zur Seite. “Newt, du erinnerst dich doch an meine Worte zu deinem inneren Strahlen, richtig?“, fragte er und trat einen Schritt auf ihn zu. Er legte Newt eine Hand auf die Wange, was dazu führte, dass Newt überrascht die Augen weiter öffnete und sein Herz schneller schlug.

“Solange du über Tierwesen sprichst, strahlst du so hell, dass du alle in deinen Bann schlägst“, sagte Dumbledore und als er ihm ein einnehmendes Lächeln schenkte, wich Newt eilig seinem Blick aus. “Deine Schüler werden dich lieben“, stellte Dumbledore fest, als würde es daran keinen Zweifel geben.

“Ich... werde es mir überlegen...", murmelte Newt mit roten Wangen.

“Solltest du“, bestätigte Dumbledore mit Nachdruck.

Newt hoffte schon, dass sie damit jetzt ihr Gespräch beenden könnten. Er ertrug es nicht, dass Dumbledore ihm so nah war, nur, um mit ihm über etwas Labidares wie den Job in Hogwarts zu sprechen. Ergeben wartete er darauf, dass Dumbledore die Hand von seiner Wange nahm, damit sie gehen konnten. Newt brachte es nicht über sich, den Kopf selbst fortzuziehen.

Doch Dumbledore schien noch nicht fertig zu sein. “Newt”, raunte er und seine Hand wanderte zu Newts Kinn, um dessen Gesicht zu sich zurück zu führen. Er hob es an, bis sich ihre Blicke trafen und schenkte ihm ein Lächeln, das sein Herz schmerzhaft zusammenzog. „Es ist schön, dich zu sehen.“ Er holte tief Luft, ehe er fortfuhr: “Ich hatte dich schon viel früher wiedersehen wollen, aber ich konnte es nicht einrichten.“

Newt verspannte sich. Also war das tatsächlich der Moment, in dem Dumbledore ihm sagen wollte, dass es in Zukunft keine Zeit mehr gemeinsam gab... Newt wollte seinen weiteren Entschuldigungen gern zuvorkommen. Er wollte sie nicht hören. "Sie müssen sich wirklich nicht erklären, Professor”, sagte er leise und trat einen Schritt zurück, sodass Dumbledores Hand in der Luft hing, “Das ist in Ordnung für mich und ich hatte mir auch nichts erhofft."

Die Abfuhr wollte er sich wirklich ersparen.

 

*

 

Albus war selten getroffen, doch er war es jetzt. Er wusste, dass Newt hin und wieder begriffsstutzig war. Dass er Gesten und versteckte Bedeutungen nicht so schnell verstand wie die Körpersprache seiner Tierwesen. Doch er hatte geglaubt, er wäre eindeutig gewesen. Sicher, die letzten Wochen war er tatsächlich beschäftigt gewesen. Aber er hatte deshalb nicht weniger an Newt gedacht. Er hatte ihn vermisst, hatte seine Lippen und das Gefühl seiner Hüfte unter Albus’ Fingern vermisst. Er hatte das kleine niedliche Lachen vermisst und das Funkeln in seinen Augen. Die Schüchternheit und das Aus-sich-Herausgehen. Und Albus hatte aus einem langsam wachsenden Wunsch heraus gehofft, dass es Newt ebenso gehen würde. Dass er ihn ebenso vermisst hatte.

Da er nun aber die gegenteilige Richtung einschlug, war sich Albus nicht mehr sicher, ob Newt das alles wollte. War es ein Missverständnis oder Ablehnung? Wo hörte Unverständnis auf und wo begann eine klare Abneigung, sich weiter in etwas zu investieren? Wollte Newt all das gar nicht? Albus war sich nicht sicher. Und er wollte selbst die Zeichen sehen, die Newt aussandte, wenn er widerwillig den Blick erwiderte und davon sprach, nichts weiter in die Richtung tun zu wollen.

Er kam Newts Geste nach und trat ebenfalls einen Schritt zurück, während er die Enttäuschung nicht zu nah an sich heran ließ. „Dann verzeih“, sagte er und nahm ihren Weg wieder auf, um sich etwas zu tun zu geben. Er versteckte den herben Beigeschmack, den diese Reaktion in ihm hinterlassen hatte, hinter einem freundlichen Lächeln, wie er es stets trug. Eines, das die Stimmung angenehm und ihn unangreifbar hielt. „Doch wir sind Freunde und deshalb möchte ich zugeben, dass es in mir einige Hoffnung geschürt hatte.“ Er lachte leise über sich selbst. Und dann nach einigen weiteren Schritten, fuhr er ernster fort: „Mir hat der Abend gefallen. Ich hoffe, dass er kein negatives Licht auf unsere Freundschaft wirft.“

Er hörte Newt hinter sich stolpern.

Verwunderte drehte Albus sich um. Newt, der eben wieder festen Stand fand, warf ihm einen fassungslosen Blick zu. “W-was?”, hauchte er.

Newts Reaktion ließ Albus schmunzeln, weil sie typisch für ihn war. Albus war sich nicht sicher, welcher Teil davon für Newt so überraschend kam. Dass er ihn als Freund sah? Hoffnung hatte? Weiterhin mit ihm befreundet sein wollte?

„Was davon verwundert dich?“, fragte er freundlich. So, wie er Newts Wesen hinsichtlich sozialer Interaktionen verstand, konnte es alles sein.

Newt antwortete nicht sofort auf die Frage. Eine Weile lang starrte er Albus noch an und man konnte deutlich sehen, wie es in ihm arbeitete. Er blinzelte, dann wandte er eilig den Blick ab. "I-ich dachte, Sie hätten es sich anders überlegt... weil-... also..." Newt schloss die Augen und holte tief Luft, als wollte er sich beruhigen. Das war es also.

Albus‘ Lächeln wurde wärmer. Also war es wohl doch keine Ablehnung gewesen, lediglich ein Missverständnis. Er trat auf Newt zu und blieb recht nah vor ihm stehen. Ihn mit glühenden Wangen vor sich stehen zu sehen, erinnerte Albus an das erste Mal vor vielen Jahren, als er vermutete, dass sein Schüler eine gewisse Bewunderung für ihn empfand. Es beruhigte ihn. Bis zuletzt hatte er sich nicht sicher sein können, ob sich an Newts Gefühlen für ihn viel verändert hatte.

Nun, zumindest lag ihm genug an Albus, um über das Gespräch peinlich berührt zu erröten.

Albus schüttelte nach Newts Worten den Kopf. „Ich habe es mir nicht anders überlegt“, sagte er, „Ich hatte leider wirklich viel zu tun. Wie ein gewisser Jemand ebenfalls, der in den letzten drei Wochen aus dem Nichts einen Bestseller veröffentlichte.“ Sein Ton wurde spielerisch, leicht. Er wollte diese unangenehme Stimmung zwischen ihnen vollends aus der Welt schaffen.

“Ich... ich glaube ich...”, stammelte Newt, biss sich sichtlich nervös auf die Unterlippe und senkte dann schuldbewusst den Blick. “Ich glaube, ich habe es falsch... falsch verstanden.”

“So etwas kommt vor“, sagte Albus schmunzelnd. “Aber, wo wir schon beim Thema sind…“, begann er mit sanfter Stimme und kam noch ein wenig näher, sodass sie sich beinahe berührten. Sein Blick fiel auf Newts Unterlippe, die im festen Griff seiner Zähne hing. Er wurde neidisch. “… darf ich dich küssen, Newt?“

Bei der Frage riss Newt überrascht die Augen auf. “Ich...H-hier?!”, brachte er atemlos heraus und sein Blick wanderte verstohlen hinter sie, als fürchtete er Beobachter.

Albus lachte leise. „Hier“, sagte er. “Hast du dich nicht gewundert, dass ich dich in so eine entlegene Ecke führe, wo man uns nicht so leicht findet?“ Er warf Newt einen vielsagenden Blick zu.

Newt blinzelte, als müsste er sich sammeln. "D-doch, schon...", murmelte er. "S-sicher... einen Kuss... Also wenn Sie m-möchten..." stotterte er nervös und seine Ohren liefen rot an.

Albus schmunzelte über sein überfordertes Gebaren. Newt war so unbedarft und rechnete nicht damit, dass jemand ein Interesse an ihm haben könnte. Ein Jammer, wo er doch eine so aufregende und attraktive Gesellschaft war.

Albus verzichtete darauf, ihn zu berühren. Das tat sein Handschuh für ihn. Er schwebte unter Newts Kinn und hob es an, sodass Albus, die Hände in den Manteltaschen vergraben, sich nur nach vorn beugen musste, damit sich ihre Lippen trafen.

Newts Mund war so weich, wie er ihn in Erinnerung hatte. Die Haut so zart und warm, dass ihre Lippen in einem geschmeidigen Kuss miteinander verschmolzen. Dieses Mal fühlte Albus es deutlicher: Das Flattern in seiner Magengegend, die Ausschüttung der Endorphine, seinen beschleunigten Puls. Es versetzte ihn in ein angenehmes Hochgefühl.

 

*

 

Newt lehnte sich genießend in den Kuss und seufzte leise. Erst jetzt wurde ihm klar, wie sehr er das hier in den letzten Wochen vermisst hatte. Und er jubelte innerlich darüber, dass er all das nur falsch interpretiert hatte. So gefiel ihm die Wendung weitaus besser und bei Merlin, wie hatte er es vermisst, geküsst zu werden!

Als Dumbledore den Kuss schließlich löste, erblühte ein verhaltenes Lächeln auf Newts Gesicht. Die Endorphine, die durch seine Blutbahn rauschten, machten ihn mit einem Mal verwegener. "Wenn ich hier anfange zu unterrichten...”, murmelte er, “...bekomme ich dann jeden Tag einen Kuss?" Ein schalkhaftes Funkeln schlich sich in seine Augen, als er den Kopf hob.

Seine Frage schien Dumbledore zu amüsieren. Dessen Mundwinkel zuckten, als er erwiderte: “Wenn du es wünschst?“ Die verwegene Stimmung schien auf ihn überzuspringen, denn er fragte: „Heisst das, dass du die Stelle annehmen wirst? Oder soll ich größere Anstrengungen unternehmen, um dich zu überzeugen?“

Mühsam versuchte Newt, den Blick nicht von Dumbledores Augen abzuwenden, obwohl ihn die Scham noch immer dazu trieb. "Sie... könnten es versuchen", antwortete er zaghaft und fragte sich bereits, ob er sich zu viel Hoffnung machte, wenn er auf weitere Küsse spekulierte.

Dumbledores Lächeln wurde breiter und eine Spur verschlagen. „Das nehme ich als Einladung“, sagte er verheißungsvoll, ließ seinen Handschuh zwischen ihnen fortschweben, legte seine Arme um Newts Taille und zog ihn mit einem Ruck näher. Dadurch brachte er Newt aus dem Gleichgewicht und noch während dieser erschrocken nach Luft schnappte, sich haltsuchend an Dumbledores Schultern festkrallte und versuchte, einen festen Stand zu finden, fing Dumbledore seine Lippen erneut ein und küsste ihn leidenschaftlicher als vorhin. Er zog Newt an sich und hielt ihn fest. Dann schob er seine Zunge vor, strich damit über Newts, sodass es einen wohligen Schauer bei dem Jüngeren auslöste und er aufstöhnte. Nun, in der Hitze des Augenblicks, vergaß Newt für einen Moment seine Schüchternheit und soziale Unbeholfenheit und schlang die Arme um Dumbledores Nacken. Genießend nahm er jede Regung, jedes Zeichen der Zärtlichkeit auf und hoffte, dass es nicht allzu schnell enden würde.

 

*

 

Albus war positiv überrascht, wie schnell Newt sich ihm nun öffnete, nach diesem holprigen Start. Und das nicht nur im übertragenen Sinne. Er öffnete den Mund weiter, erwiderte den Kuss und drückte sich an Albus heran. Bei Merlin, nun wünschte Albus sich, er hätte nicht einen kalten, nassen, steinigen Ort für die Fortsetzung seiner Avancen gewählt, sondern etwas gemütlicheres, ruhigeres, wärmeres. Er hätte apparieren können, als einer jener weniger, die es auch innerhalb des Schulgeländes vermochten. Doch jedes Apparieren wurde genauestens überwacht und er vermutete, dass Dippet kein Verständnis dafür haben würde, wenn er seine Sonderrechte dafür einsetzte, seine erblühende Liebschaft in seine Privaträume zu bringen.

Als sie sich wieder voneinander lösten, bemerkte er, dass er nicht der einzige war, der flach atmend nach Luft schnappte. Newt, der sich wieder ein wenig zu besinnen schien, zog die Arme von Albus’ Nacken, als fürchtete er, zu weit gegangen zu sein. Seine Wangen färbten sich rot, aber zu Albus’ Zufriedenheit versuchte er nicht, sich freizumachen oder sonst in irgendeiner Weise zurück zu schrecken. "Ich bin froh, dass es ein Missverständnis war", gestand er leise und warf Albus einen verstohlenen Blick zu.

Albus nickte. „Ich auch“, stimmte er schmunzelnd zu und als ihm nach einigen Moment auffiel, wie lange seine Augen schon unbewegt auf Newt lagen, blinzelte er und trat einen Schritt zurück. „Also“, sagte er schmunzelnd, „Konnte dich das überzeugen?“

Er wusste selbst, wie untypisch solches Drängen für ihn war. Glücklicherweise schien das Newt nicht zu stören. Im Gegenteil, er ließ ein hinreißendes Kichern vernehmen und nickte dann. "Ich denke, ich werde es probieren", antwortete er zaghaft.

Albus konnte fühlen, wie sich seine Miene noch weiter aufhellte, bei diesen Worten. „Eine gute Entscheidung“, sagte er und versuchte dann, weniger so zu klingen, als würde es hier um ihn gehen. Es ging um das Wissen der Schüler! Eine wichtige Aufgabe.

„Du wirst einer Menge junger Hexen und Zauberer ein ganz neues Wissen vermitteln. Es wird ihre Sichtweisen von Grund auf verändern.“

Newt senkte etwas verlegen den Blick. "Ich werde auf jeden Fall mein Bestes ge-", begann er, wurde dann aber von einem Schwall Wasser unterbrochen, der sie beide bis auf die Knochen durchnässte.

Albus, der fühlte, wie eisiges Wasser seine Kleidung durchnässte und ihm auf die Haut lief, versuchte noch, zu verstehen, was geschehen war, als er Newt neben sich schon einen freudigen Ruf ausstoßen hörte, der verdächtig nach “Lizzy!” klang.

Er musste sich erst das Wasser aus dem Gesicht wischen und an die Stelle im See schauen, die Newt gerade anstarrte, als ihm klar wurde, dass es sich bei ‘Lizzy’ um den Riesenkraken handelte, der seit einigen Jahren im schwarzen See wohnte.

Albus lachte leise. „Wieso überrascht mich das nicht?“, fragte er, mehr zu sich selbst, weil Newt ihm bereits einen entschuldigenden Blick zugeworfen hatte und dann, ohne Schuhe, Socken und Mantel, in den See gewatet war. Hätte Albus sich denken können, dass das Tier von Newt stammte.

Er machte sich im Geiste eine Notiz: Nächstes Mal würde er definitiv etwas Wärmeres auswählen. Etwas Gemütlicheres. Etwas in einem geschlossenen Raum, in dem sie nicht von unerwarteten (tierischen) Gästen unterbrochen wurden.
Trotzdem konnte er ‚Lizzy‘ nicht böse sein. Newt dabei zuzusehen, wie sich sein Gesicht auf diese ganz besondere Art aufhellte, war jeden Tropfen Wasser wert, der durch seinen Anzug rann.

Lizzy schlang augenblicklich zwei ihrer Tentakel um Newt, kaum, dass dieser näher kam, und zog ihn eng an sich, während Newt glücklich lachte und den Kraken zärtlich tätschelte. "Hallo, meine Süße!”, säuselte er in dieser typisch mütterlichen Stimme, die er immer auflegte, wenn er mit Tierwesen sprach, “Du bist ja unglaublich gewachsen...", plauderte er mit ihr.

Albus konnte sein Schmunzeln nur schwer zurückhalten. Newt war perfekt für den Job. Albus fiel niemand sonst ein, der das Wissen, das Newt über die Jahre gesammelt hatte, so gut an andere weitergeben konnte. Was ihm an sozialer Kompetenz fehlte (zumindest bei den Menschen), machte er mit seiner Faszination für Tierwesen wieder wett. Und die Liebe schien auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Da machte es Spaß, ihm zuzusehen, wie er voll in seinem Element aufging. Mit einem Zauber trocknete Albus sich die Kleidung und spazierte dann ein wenig am Ufer entlang, um Newt und Lizzy Zeit zu geben, ihre Wiedersehensfreude zu genießen.

Ein paar Minuten hatte er für sich, dann hörte er Newt rufen: “Professor?”

Albus’ Mundwinkel zuckten. Einige Dinge würden sich nie ändern, vermutete er. Die Tatsache, dass Newt ihn nach all den Jahren noch immer ‘Professor’ nannte, war wohl eine davon.

Er blickte auf und bemerkte, dass sowohl Newt als auch der Kraken ihn ansahen. Newt hatte ein verlegenes Lächeln aufgelegt. "Ich glaube, Lizzy möchte Sie kennen lernen”, sagte er.

Albus stutzte. Das Tier hatte ihn die vergangenen Jahre nicht kennen lernen wollen. Andererseits hatte er zwar vermutet, dass Newt einige Tiere hiergelassen hatte, doch er war sich bei keiner seiner Vermutungen wirklich sicher gewesen. Und da er sonst nicht viel Zeit am See verbrachte, war es wohl kein Wunder, dass ‚Lizzy‘ und er sich noch nicht über den Weg gelaufen waren.

Er zog sich das Jackett aus und während Schuhe und Socken folgten, dachte er bei sich, dass er nicht glauben konnte, dass er das tatsächlich tat. Andererseits war sein Leben in letzter Zeit viel zu eintönig und ernst gewesen. Es konnte etwas Abwechslung gebrauchen.

Er watete ins kalte Wasser, versuchte, sich den Schauer, der ihn wegen der Kälte durchlief, nicht anmerken zu lassen und trat näher. Vermutlich hätten die meisten Leute Angst gehabt, sich direkt neben einen riesigen Kraken zu stellen, den sie nicht kannten. Aber Albus hatte vor recht wenigen Dingen Angst. Und ein großes Vertrauen in Newts Urteilsvermögen, wenn es um Tiere ging.

Er wusste zwar nicht, wie genau er sich verhalten sollte, doch er folgte seiner Intuition und streckte langsam eine Hand nach einer von Lizzys Tentakeln aus. „Hallo, Lizzy“, sagte er in einer sanften, geduldigen Stimme, mit der er sonst einen sehr jungen Schüler begrüßen würde.

 

*

 

Newt hatte schon damit gerechnet, dass Dumbledore ablehnen würde. Er hätte es ihm nicht verübeln können. Schließlich war das Wasser alles andere als warm und Newt war bewusst, dass die meisten Leute sich spaßigeres vorstellen konnten, als mit einem Riesenkraken in einem kalten See zu planschen.

Umso überraschter war er, als der Ältere tatsächlich ins Wasser kam. Newt fühlte eine Welle der Dankbarkeit in sich aufkommen, weil diese simple Geste bewies, wie ernst Dumbledore ihn und seine Geschöpfe nahm.

Als Dumbledore seine Hand ausstreckte und Lizzy freundlich begrüßte, betrachtete diese ihn einige Sekunden bewegungslos, fast etwas skeptisch. Dann gab sie ein eindringliches Blubbern von sich, bei dem mehrere hundert Blasen aus dem See aufstiegen. Kurz darauf klatschte es und ein langer Tentakel mit Saugknöpfen glitschte über Dumbledores Gesicht.

Newt entgleisten die Gesichtszüge. Eilig half er, den Tentakel zu entfernen und begann, mit dem Kraken zu schimpfen. "Lizzy! Ich habe es dir schon damals gesagt: Keine Tentakel ins Gesicht!” Dann wandte er seine Aufmerksamkeit eilig Dumbledore zu, der zu überrascht gewesen zu sein schien, um irgendwie anders zu reagieren, als den Arm von sich zu schieben. “Oh Merlin, das tut mir wirklich Leid", beteuerte Newt.

Er hätte es verstanden, wenn Dumbledore nun gegangen wäre. Doch der Mann lachte nur, als hätte er den Spaß des Tages und winkte über Newts Entschuldigungen ab. „Alles in Ordnung“, beteuerte er und wischte sich mit einem Handrücken Kraken-Sekret von der Stirn. „Ich schätze, es war als Kompliment gemeint.“

“Als Kompliment, definitiv”, beteuerte Newt eilig. Er trat an Dumbledore heran und wischte ihm Sekret aus dem Bart.

Er bemerkte, dass Dumbledore lächelte. „Wenn ich dafür deine Aufmerksamkeit bekomme, sollte ich wohl öfter Krakenarme in meinem Gesicht zulassen“, raunte der Ältere ihm zu.

Newt wandte eilig den Blick ab und sein Herz schlug schneller. "I-ich hoffe eher, dass sie sich das a-abgewöhnt", stammelte er, ehe er eilig die Hand zurückzog.

Er hörte Dumbledore wohlwollend lachen. „Du wirst rot, Newt“, stellte der Mann lächelnd fest. „Gibt es dafür einen Grund?“

Newts Wangen färbten sich augenblicklich ein paar Nuancen tiefer, während er den Mund öffnete um stotternd zu widersprechen. "N-nein, ich... d-das... liegt an der Kälte...!", sagte er wenig aussagekräftig und wünschte sich einmal mehr, ähnlich wortgewandt wie andere Menschen zu sein.

„Tatsächlich?“, fragte Dumbledore und seine Augen funkelten amüsiert. „Ich hatte eher vermutet, an der Hitze“, raunte er ihm zu. Newt presste die Lippen aufeinander und tat sein Möglichstes, nicht noch weiter zu erröten.

Dumbledore schien ihm eine Pause gönnen zu wollen, denn er nahm seinen Blick von ihm und beugte sich erneut zu Lizzy hinunter. Sie schien die angespannte Stimmung zwischen ihnen falsch zu deuten, denn trotz seiner vorsichtigen Annäherung spuckte sie ihm einen Schwall Wasser ins Gesicht und blubberte dann warnend.

Newt, der ebenso verdutzt war, wie Dumbledore, musste ein Lachen unterdrücken. Er fühlte, wie der Tentakel, der um seine Hüfte lag, ihn besitzergreifend näher an Lizzy heran zog, aber er war zu beschäftigt damit, sein Grinsen hinter der Hand zu verstecken.

Als wollte er zeigen, dass er sich ergab, hob Dumbledore die Hände. „In Ordnung“, sagte er, während er sich das Wasser vom Gesicht wischte. „Ich denke, das reicht an erstem tierischen Kontakt für heute”, stellte er mit einem Schmunzeln fest.

Er machte sich daran, zu gehen. Nicht allerdings, ohne vorher Newt noch einen Blick zuzuwerfen. „Sobald du Unterricht gibst, werde ich hospitieren“, sagte er, „Offensichtlich gibt es viel zu lernen, selbst für mich.“

Newt nickte. “Das würde mich sehr freuen”, beteuerte er. Dumbledore zwinkerte ihm zu, dann watete er zurück zum Ufer und ließ Lizzy und Newt etwas Zeit für sich.

Lizzy nutzte die Gelegenheit, wand alle Arme um Newt und warf ihn ins Wasser, um ihn unter der Wasseroberfläche zu umarmen. Newt hielt gerade noch rechtzeitig die Luft an, kitzelte sie unter den Armen und als sie ihn wieder freigab, schnappte er nach Luft.

Newt rangelte mit ihr, blödelte mit ihr herum und kitzelte sie weiter und als ihm langsam kalt wurde, verabschiedete er sich liebevoll von ihr und lief ebenfalls zum Ufer zurück.

Er schlang die Arme um sich, weil er den Zauberstab im Mantel gelassen hatte und sich nun nicht trocknen konnte. Das holte Newt eilig nach, kaum, dass er am Ufer angelangt war. Er zog sich seine Schuhe und seinen Mantel an und blickte dann zu Dumbledore auf, der geduldig neben ihm gestanden hatte. "Nicht unbedingt das beste Wetter um im See zu baden", sagte Newt mit einem schiefen Lächeln während er sich die Arme rieb um sich etwas aufzuwärmen.

„Wohl wahr“, stimmte Dumbledore zu. Sein Blick fiel auf Newts bebende Schultern. „Wie wäre es mit einer Tasse Tee?“

Newts Gesicht hellte sich augenblicklich auf. "Tee klingt wundervoll!"

Dumbledore schmunzelte. „Sehr gut“, sagte er und lief in die Richtung, aus der sie gekommen waren.

Newt folgte ihm. In ein paar Minuten wären sie wieder im Schloss und könnten sich ordentlich aufwärmen.

Chapter Text

Sie erreichten das Büro, das sich an seinen Klassenraum anschloss und Dumbledore führte Newt zur Tür auf der anderen Seite, hinter der seine Räume lagen. Er öffnete und ließ Newt den Vortritt in sein kleines Wohnzimmer, in dem ein Sofa direkt neben einem Kamin stand, in dem ein Feuer prasselte. Neben dem Kamin war ein breites Bücherregal, gefüllt mit Büchern über Verwandlung und andere Lehrthemen. Newt schaute sich alles neugierig an. Er war noch nie hier gewesen. Es war gemütlich. Ehe er sich in die Titel der Buchrücken vertiefen konnte, hörte er Dumbledore hinter sich fragen: “Welchen Tee möchtest du?” Er wandte sich herum. Auf einer Minibar auf der anderen Seite standen Gläser und Tassen. Dumbledore stand daneben und sah ihn aufmerksam an.
“Earl Grey, bitte", antwortete Newt zaghaft lächelnd, während er in der Nähe des Kamins stehen blieb, der seine kalten Glieder angenehm wärmte. Er schaute gedankenversunken in die Flammen. Sich vorzustellen, bald wieder jeden Tag hier zu sein, löste gemischte Gefühle in ihm aus. Natürlich waren die letzten Erinnerungen an Hogwarts nicht seine schönsten. Aber er würde lügen, wenn er behauptete, dass es ihm hier nicht gefallen hätte. Es hatte einige schöne Zeiten gegeben. Er hatte Freunde gehabt (wenn auch nicht viele menschliche) und in Hufflepuff war er sich nie fehl am Platz vorgekommen. Zumindest nicht mehr als sonst irgendwo.
Eine Tasse schwebte in sein Blickfeld, getragen von einem Handschuh. Newt nahm ihm den Tee ab und sein Blick folgte dem Handschuh, der zu Dumbledore zurück schwebte. Der Ältere hatte es sich auf seinem Sofa gemütlich gemacht und wirkte sehr entspannt. Unter seinem aufmerksamen Blick trat Newt vom Kamin fort und ließ sich ebenfalls auf dem Sofa nieder. Er schloss seine Hände enger um die warme Tasse und nahm einen kleinen Schluck, ehe er zu Dumbledore hinüberschaute. "Haben Sie heute gar keinen Unterricht mehr?"
Dumbledore schüttelte den Kopf. „Nein, dies ist der einzige Tag in der Woche, an dem ich nur vormittags eine Klasse unterrichte. Die Nachmittage nutze ich meist für Besuche im Ministerium, Korrekturen der Aufsätze oder ähnliches.“ Er trank einen Schluck und lächelte. „Hin und wieder aber auch für angenehmere Sachen“, sagte er und sein Blick streifte Newt.
"Dann habe ich wohl Glück, dass ich heute hergekommen bin", sagte Newt leise und mit einem schüchternen Lächeln über den Rand seiner Teetasse hinweg. Der Tee und das prasselnde Kaminfeuer sorgten nicht nur dafür, dass ihm schnell wieder warm wurde, sondern auch, dass er sich mehr und mehr in den fremden Räumen entspannte.
Wer hätte gedacht, dass er heute hier mit Dumbledore sitzen würde, nachdem er die letzten Wochen überzeugt gewesen war, dass der Ältere gar kein Interesse mehr an ihm hatte? Doch das hatte Dumbledore mit den leidenschaftlichen Küssen am See ganz klar widerlegt.
Allerdings kamen damit auch ganz andere Gedanken und Überlegungen wieder auf, die er vorher verdrängt hatte...
Sicher, Dumbledore hatte ihm gesagt und gezeigt, dass ihm offenbar etwas an Newt lag und dass es keiner Laune oder einfach nur der Lust auf ein schnelles Abenteuer entsprang. Doch was genau Dumbledore von ihm erwartete, war Newt noch nicht klar... oder zumindest machte es ihm Sorgen, ob er diese Erwartungen erfüllen konnte. Schließlich hatte Newt noch nie zuvor eine Beziehung geführt und war in allem, was dazugehörte, weder besonders begabt noch erfahren. Bis vor kurzem hatte er eine Beziehung mit niemandem in Erwägung gezogen. Er war selbst überrascht gewesen, wie sehr ihm die Küsse und Berührungen Dumbledores gefallen hatten. Und wie süchtig sie ihn nach mehr machten. Doch wie weit wäre er selbst bereit zu gehen? Und wenn er an seine Grenzen stieß, würde Dumbledore dann beschließen, dass sie es ganz sein lassen sollten? Hätte er dann seine Chance (die er sich in seiner Teenagerzeit mehr als gewünscht hatte) vollends vertan?
Newt bemerkte, dass er schon eine Weile schweigend ins prasselnde Kaminfeuer starrte und sich die Unterlippe zerkaute. Es kam ihm unhöflich vor, schweigend und gedankenverloren in Dumbledores Räumen zu sitzen, anstatt mit ihm zu sprechen. Einen Moment dachte Newt daran, ein unverfängliches Thema anzusprechen, aber ihm lagen diese Gedanken schwer auf der Seele und wenn er sie fortschob, hätte er keine Gewissheit. Er würde sich nur sorgen. Und das war nicht sein Stil. Also holte er tief Luft und rang sich dann zu einem zögernden: "Darf ich Sie etwas fragen?", durch.
Dumbledore blickte von seinem Tee auf und nickte freundlich. "Natürlich."
Newt brauchte noch ein paar Sekunden, um sich die Worte einigermaßen zurecht zu legen, ehe er schließlich fragte. "Was genau erwarten Sie eigentlich von... von dieser Sache zwischen uns?"
Seine Frage schien Dumbledore zu überraschen, denn für einen Bruchteil einer Sekunde schien durch seine kontrolliert freundliche Fassade etwas wie ehrliche Verwunderung hindurch. Dann schwieg er, als würde er über seine Antwort nachdenken und sagte dann, nachdem er sich die Worte sorgsam zurechtgelegt hatte: “Ich erwarte nichts.”
Newt kam diese Antwort reichlich schlicht vor und er musste zugeben, dass sie ihn ein wenig enttäuschte. Aber bevor er sie allzu negativ interpretieren konnte, fügte Dumbledore mit einem ehrlichen Lächeln hinzu: "Doch ich muss gestehen, ich bin neugierig, wo es hinführt." Nach einer kurzen Pause fragte er: "Was möchtest du, wo es hingeht?"
"I-ich weiß nicht...", murmelte Newt unsicher. Leiser Zweifel daran, wie ernst es Dumbledore war, klang in ihm nach. Aber zugleich musste er einsehen, dass er selbst Schwierigkeiten damit hatte, sich eine gemeinsame Zukunft vorzustellen. Nicht, weil er sie nicht wollte. Vielmehr, weil er einfach... Er fürchtete einfach, dass er dem großen Zauberer nicht gerecht werden konnte. Welches Recht hatte er, diese besondere Stellung im Leben seines ehemaligen Lehrers einzunehmen?
"Ich würde Sie nur ungern enttäuschen", fasste er seine Sorgen leise zusammen.
Seine Worte schienen Dumbledore zu amüsieren. "Newt, du kannst mich nicht enttäuschen", sagte er. "Wieso lassen wir es nicht einfach weiterlaufen und beobachten, wohin es uns führt? Wichtig ist nur, ob du dich wohlfühlst mit dem, was wir tun. Und wenn das für dich in Ordnung ist, dann besteht kein Grund, es zu beenden." Er lächelte ihm beruhigend zu und entlockte Newt damit ein erleichtertes Schmunzeln.
Newt wusste selbst nicht, woher seine Unsicherheit kam. Er zog es für gewöhnlich vor, sich nicht zu sorgen. Damit wandelte man seine Zukunft nur in eine selbsterfüllende Prophezeiung und er hatte sich abgewöhnt, sich über negative Auswirkungen den Kopf zu zerbrechen. Er wusste selbst nicht genau, weshalb es ihm hierbei so schwerfiel, einfach zu schauen, wie und wohin es lief. Vermutlich, weil er die Chance auf etwas sah, was er bisher für unmöglich gehalten hatte und es einfach nicht verderben wollte. Doch Dumbledore hatte ihn immer schon gut verstanden und Einfühlungsvermögen und Geduld mit ihm bewiesen. Wenn er sich also keine Sorgen machen brauchte, dann wohl bei seinem ehemaligen Professor.
"In Ordnung", sagte er also besänftigt.
"Sehr schön", antwortete Dumbledore zufrieden. Er leerte seinen Tee und, als er bemerkte, dass Newt ihn verstohlen beobachtete, sagte er mit einem leicht verschlagenen Lächeln: "Lust, etwas Neues auszuprobieren?"
Newt errötete augenblicklich bis unter die Haarspitzen, als ihm Dumbledore diesen Blick zuwarf. Es würde lange dauern, bis er sich daran gewöhnt hatte, dass sein einstiger Jugendschwarm ihn so ansah. Er wusste gar nicht, womit er all das verdient hatte. Anstatt aber ungeduldig ‘JA!’ zu rufen und damit zu leicht zu haben zu wirken, fragte er mit einem leichten Beben in der Stimme: "W-was denn?"
"Nennen wir es ein Experiment", sagte Dumbledore, hob die Hand und mit einem deutlichen Klicken verschloss sich hinter ihnen die Tür, die seine Räume vom Büro trennte. "Wie wäre es, wenn du deine Augen schließt und auf dein Gefühl hörst?"
Newt fühlte, wie sich sein Puls bei dieser Verheißung beschleunigte. ‘Experiment’ klang in seinen Ohren überaus verlockend. Er stellte die Tasse ab, die in seinen bebenden Fingern ohnehin falsch platziert war, und schloss dann vertrauensvoll und aufgeregt die Augen. An dem Stoffrascheln konnte Newt hören, dass Dumbledore näherrutschte. Sein Herz klopfte schneller. Er würde so gern die Augen öffnen, vor allem, da er den Blick des Älteren so deutlich auf sich spürte. Dass er nicht sah, was Dumbledore tat, machte das Ganze aufregender und ihn nervöser. Er zuckte zusammen, als sich unerwartet eine Hand in seinen Nacken legte. Konzentriert hielt er die Augen weiterhin geschlossen, auch, als er eine zweite Hand fühlte, die sein Kinn sanft anhob.
Newt vergaß einen Moment zu atmen, folgte der Bewegung bereitwillig, sehnte sich einen weiteren Kuss herbei und spürte dann vertraute Lippen auf seinen. Er seufzte auf und seine Anspannung wandelte sich in sehnsüchtiges Verlangen. Er wollte die Augen öffnen. Er wollte die Hände heben und Dumbledore berühren. Aber er hielt sich zurück. Stattdessen entwich ihm ein weiteres Seufzen, als Dumbledores Zunge über seine Lippen strich. Er ließ sie ein, empfing sie zögernd mit seiner eigenen und unterwarf sich ihr, weil sie forsch und dominant wurde und schnell den Ton vorgab, ohne sich zu sehr aufzudrängen.
Newt wäre in den Kuss geschmolzen, wenn ihn nicht eine neue Bewegung abgelenkt hätte. Die Hände Dumbledores waren noch wo er sie platziert hatte, doch Newt fühlte ein weiteres Paar, das seine Seiten entlang strich. Er griff irritiert danach, während sein Herz einen erschrockenen Hüpfer machte – und atmete dann auf, als er fühlte, dass es die Handschuhe waren.
"Kein Grund zur Beunruhigung", hörte er Dumbledore an seinen Lippen schnurren, "Ich möchte nur sichergehen, dass du es bestmöglich genießen kannst." Er leckte ihm langsam über die Unterlippe, um seine Konzentration wieder mehr zu seinem Gesicht zu ziehen, während die Handschuhe fortfuhren, über seinen Oberkörper zu streichen. Sie hinterließen ein angenehmes, warmes Kribbeln und Newt konnte bald nicht anders als sich der zusätzlichen Berührung mit einem genießenden Seufzen entgegen zu strecken.
Bestätigt von seiner Reaktion wanderten die Handschuhe zu Newts Kragen und begannen damit, seine Hemdsknöpfe einen um den anderen zu öffnen. Kurz darauf fühlte er bereits Dumbledores warme Hand seinen Nacken hinab und unter sein Hemd zu seiner Schulter streichen. Diese fähigen Hände direkt auf seiner Haut zu spüren, war noch einmal etwas ganz anderes und entlockte ihm ein leises, zittriges Stöhnen. Zu seiner Freude begann Dumbledore, seine Hände wandern zu lassen. Sie strichen seine Schultern entlang und über seine schlanke Brust. Während seine Handschuhe auch die letzten Knöpfe öffnen, schlüpften die Hände bereits unter das geöffnete Hemd und strichen über den Bauch und die Seiten entlang. Er beendete ihren Kuss und ließ seine Lippen vom Mund des Jüngeren über dessen Wange und die Kante des Unterkiefers wandern. Er bedeckte den Hals mit Küssen und saugte sich für einen Moment an einer Stelle unter dem Ohr fest. Seine Streicheleinheiten und Erkundungen machten Newt unruhig. Nicht nur, weil er unentwegt berührt wurde und so viel Berührung und Liebkosung nicht gewohnt war – auch, weil es zusätzlich erregend war, nichts sehen zu können und sich zugleich vor Augen zu führen, dass Dumbledore (!) ihn berührte. Es ließ seine Fingerspitzen kribbeln. Er wollte den Gefallen so gern erwidern. Wollte ebenfalls erkunden, wollte streicheln und Haut berühren. Aber Newt wagte sich nicht weiter vor. So mutig er in anderen Situationen war, so schüchtern war er auf diesem unbekannten Terrain, von dem er wusste, dass es ihm schwerer fiel als anderen. Das Wissen allein ließ ihn lediglich verstohlen die Hände auf Dumbledores Schultern legen und sich nicht weiter vorwagen.
Dumbledore ließ ihn gewähren, was an sich schon beruhigend war. Fast hatte Newt befürchtet, er würde etwas anderes von ihm erwarten und Newt hätte etwas falsch gemacht. Nun fühlte er in die Berührung hinein und ließ sich zugleich einen Moment mehr Zeit, die neuen Empfindungen genauer auf sich wirken zu lassen. Er war froh, dass Dumbledore es langsam anging. Dass er immer wieder die gleichen Stellen berührte, anstatt sich weiter vorzuwagen. Dass seine Hände in steten, beinahe beruhigenden Kreisen über Newts Haut wanderten und ihn in seiner neu erwachsenden Nervosität besänftigten. So konnte Newt sich daran zu gewöhnen, an die Nähe. An das Gefühl von Dumbledores Fingern auf seiner Haut. Und an seine eigenen Hände auf Dumbledores Schultern.
Als Dumbledore auch nach einigen Sekunden keine Anzeichen gab, dass es ihm nicht gefiel, fuhr Newt weiter mit seinen Händen über dessen Brust. Er versuchte, sich die Konturen des Anderen einzuprägen, auch, wenn er sich noch nicht traute, seine Kleidung aufzuknöpfen. Stattdessen versuchte er, Dumbledores Streicheleien zu imitieren. Was sich bei ihm selbst gut anfühlte, konnte ja nicht so verkehrt sein.
Er wurde mutiger, je mehr Zeit verging und beugte sich schließlich weiter vor, um sein Gesicht in Dumbledores Halsbeuge zu vergraben, wo er zaghafte Küsse auf die warme Haut setzte. Er fühlte Dumbledore erschaudern und hoffte, dass das ein gutes Zeichen war.
Es musste wohl eines sein, denn Dumbledore schien seinen eigenen Vorstoß als Zeichen zu nehmen, weiter zu gehen. Newt konnte fühlen, wie die großen Hände über seinen Oberkörper strichen, hinauf zum unteren Rippenbogen, wo sie verharrten, bevor ein lustvolles Kribbeln durch Newts Körper flutete, weil Dumbledore die Daumen auf seine Brustwarzen gelegt hatte und sie in kreisenden Bewegungen reizte.
Das Gefühl war ungewohnt. Newt musste in seinem eigenen Tun einen Moment innehalten, krallte seine Hände in Dumbledores Hemd und schmiegte sein Gesicht keuchend enger an Dumbledores Hals. Er sog zittrig den Duft des Älteren ein, von dem er schon damals nicht genug bekommen konnte, wenn sein ehemaliger Professor dicht neben ihm stand.
Während Dumbledores Berührungen ihn benebelten, bemerkte er, wie eine Hand von seiner Brust hinunterglitt und sich in seinen unteren Rücken legte. Sie drückte Newt näher zu Dumbledore hin. Newt kam dem Wunsch entgegen, indem er den Rücken durchbog und keuchte dann auf, als er etwas Warmes, Feuchtes an seiner Brustwarze fühlte und bemerkte, dass es Dumbledores Zunge war, die ihn reizte. Überrascht schnappte er nach Luft und krallte reflexartig die Hände in Dumbledores Haar. “P-Prof-.. ess- haah…!", stammelte er, überfordert von den plötzlich intensiveren Reizungen.
Ein atemloses Stöhnen entwich ihm, als Dumbledores Zähne leicht an der empfindlichen Haut zogen und ihn scharf ein Blitz der Erregung durchfuhr. Sein Stöhnen schien etwas auszulösen. Dumbledore presste ihn noch enger an sich und bestätigte damit Newt, dass er es genauso genoss.
Newt presste die Lippen aufeinander, um keine weiteren Geräusche verlauten zu lassen. Er war so schnell erregt, dass es fast peinlich war. Jede Berührung Dumbledores, jede Reizung, wanderte unbarmherzig in seinen Schritt und sammelte sich dort in der stärker werdenden Hitze. Um Dumbledore näher zu sein, löste sich Newt aus der geradlinig sitzenden Position, auf der er noch immer auf dem Sofa saß und drehte sich seitlich, um sich Dumbledore zuzuwenden. Er hob sein Bein an, drehte sich Dumbledore ganz zu und stellte das Bein neben der Lehne ab, sodass Dumbledore, sollte er näherkommen, direkt vor seinem Schoß saß. Es war vielmehr die Bequemlichkeit und das Verlangen als eine bewusst Einladung, die ihn dazu trieben. Aber er musste sich eingestehen, dass ihm selbst diese kleine Bewegung leichter fiel, weil er die Augen geschlossen hielt. Es machte ihn sogar so mutig, dass er dem Drängen in seinem unteren Rücken nachkam, ein Stück nach vorn rutschte und, als er fühlte, dass sich sein Schritt gegen Dumbledores Bein drückte, ein leises Wimmern von sich gab.
Dumbledore reagierte mit sanften Küssen auf Newts geschlossene Augenlider, während er das Gesicht in beide Hände nahm. „Möchtest du weiter gehen?“, raunte er ihm zu und küsste seinen Nasenrücken, während einer der Handschuh den Zeigefinger von Newts Hals hinab bis zu seinem Bauchnabel gleiten ließ, sich dann in Newts Hosenbund einhakte und demonstrativ daran zupfte.
Newt biss sich unschlüssig auf die Unterlippe, die Augen noch immer geschlossen. Wollte er? Bis jetzt hatte sich alles fabelhaft angefühlt und er konnte nicht leugnen, dass er sich nach mehr sehnte. Er war neugierig, was noch kommen würde. Newt erinnerte sich an Dumbledores Worte, dass er es einfach auf sich zukommen lassen und schauen sollte, ob es ihm gefiele. Sicher würde er aufhören, wenn Newt bemerkte, dass er an eine Grenze kam, die er nicht überschreiten konnte. Zuversichtlich nickte er also und schmiegte sich in die Hände, die sein Gesicht umfasst hielten.
Dafür bekam er einen kleinen Kuss auf den Mund. „Sieh mich an”, bat Dumbledore nah an seinen Lippen, “Ich möchte es in deinen Augen sehen.“
Newt bekam eine Gänsehaut bei den Worten. Zögerlich öffnete er die Augen, blinzelte ein paar Mal und schaute dann aus lustverhangenen Augen nervös zu Dumbledore auf.
„Merlin“, flüsterte der Ältere atemlos und Newts Wangen färbten sich einige Nuancen tiefer bei dem faszinierten Blick, mit dem er betrachtet wurde. Dumbledores Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. „An diesen Blick könnte ich mich gewöhnen“, raunte er Newt zu und bevor der Jüngere reagieren konnte, hob er sein Gesicht an und küsste ihn leidenschaftlich. Seine Handschuhe machten sich bereits an Newts Hosenbund zu schaffen und öffneten den Gürtel, während Newt sehnend in den Kuss seufzte und die Arme um Dumbledores Nacken legte. Er genoss das Spiel ihrer Lippen und Zungen in vollen Zügen. Bei Merlin, wenn er sich vorstellte, dass er Dumbledore vielleicht bald sogar jeden Tag derart küssen konnte...
Nur am Rande bekam Newt mit, wie die Handschuhe begonnen hatten, Dumbledores Weste und Hemd aufzuknöpfen, während die Hände des Älteren damit beschäftigt waren, Newt sein eigenes Hemd von den Schultern zu schieben. Dann zogen die Handschuhe Dumbledore den Stoff vom Oberkörper und ließen es zu Boden fallen.
Kaum waren sie beide bis zur Hüfte nackt, griff Dumbledore eine von Newts Händen und legte sie auf seine Brust. Newt bekam eine wohlige Gänsehaut. Für einen Moment ließ er seine Hände dort ruhen und fühlte die warme Haut unter seinen Fingerspitzen, ehe er vorsichtig über die Brust strich. Er konnte den Herzschlag unter seinen Fingern spüren und musste leicht in den Kuss lächeln. Schließlich siegte die Neugierde und so wanderten seine Hände tiefer hinab über die Bauchmuskeln und die Seiten entlang. Alles, ohne den Kuss zu unterbrechen, den Dumbledore ebenso verlangend aufrechterhielt, wie er selbst.

*

Albus verfolgte einige Zeit lang, wie Newt schüchtern über seinen Körper strich. Er wirkte so unschuldig, dass Albus beinahe ein schlechtes Gewissen bekam, ihn derart zu verführen. Doch dann besann er sich auf das, was er mit ihm vorhatte und das Gewissen verschwand und machte der Lust Platz. Es war höchste Zeit. Er hatte Newt lange genug aus der Ferne beobachtet und nie seine eigenen Gefühle zugelassen. Jetzt war der Moment da, es doch zu tun.
Und so ließ er es einige weitere Augenblicke zu, dass der Jüngere ihn mit den Händen erkundete, ehe er dem Ganzen Einhalt gebot. Er ließ seine Handschuhe herbeischweben. Sie nahmen Newts Hände auf, verschränkten sich mit seinen Fingern und hoben sie über seinen Kopf nach hinten. Albus tat sein Übriges, drängte den schlanken Körper zurück und hatte ihn endlich da, wo er ihn sich ersehnte: Unter ihm auf dem Sofa liegend, halbnackt, mit roten Wangen und flach atmend vor Erregung. Seine Finger waren noch immer mit denen der Handschuhe verflochten, die seine Hände über dem Kopf in einem sanften Griff hielten. Sein Blick war erregt, aber auch nervös und neugierig. Ein zauberhaft schüchternes Lächeln erblühte auf seinen Lippen, das Albus sanft erwiderte. Er beugte sich zu Newt herunter, küsste ihn erneut und ließ seine Hand über die nackte Haut wandern, während er sich mit der anderen neben ihm abstützte. Die Hand wanderte tiefer, an seinem Bauchnabel vorbei und zu seinem Hosenbund. Er strich mit einem Zeigefinger den Bund entlang, in einer langsamen, andächtigen Bewegung, darauf lauernd, wie Newt reagieren würde.
Ein Keuchen, das im Kuss unterging, und die eindeutige Bewegung seiner zuckenden Hüfte waren Antwort genug und bestätigten Albus in seinem Tun.
Newt war um einiges ungeduldiger als er, nun, da er ihn einmal um den Finger gewickelt hatte. Es ließ Albus schmunzeln. Er schob die Hand tiefer, in die offene Hose und hin zu Newts Glied.
Seine Finger umschlossen es.
Newt stieß einen überraschten Laut zwischen Stöhnen und Wimmern aus, der ebenfalls von ihren Mündern aufeinander gedämpft wurde, doch bei dem Albus ein wohliger Schauer durchlief. Die Hüfte zuckte wieder, als wäre Newt nicht mehr in der Lage, sich zurückzuhalten - und das, obwohl Albus im Moment nichts mehr tat, als das Glied zu halten.
Seine Reaktionen waren so rein, so unverfälscht und natürlich, dass Albus ihn darüber nur noch mehr begehrte. Er fühlte seine eigene Erregung deutlich wachsen. Sein Kuss wandelte sich von zärtlich und geduldig hin zu leidenschaftlich und hungrig. Er ließ seine Finger über Newts Glied gleiten, in einer entschlossenen aber langsamen Bewegung und als er an der Spitze ankam, beschrieb sein Daumen darauf kleine Kreise. Dass bereits erste Lusttropfen ausgetreten waren, machte das Ganze einfacher und, auf gewisse Weise, verruchter. Für Newt musste es intensiver sein, als er verkraften konnte, denn er warf mit einem unterdrückten Stöhnen den Kopf in den Nacken, wodurch er den Kuss unterbrach, und krallte sich fester in die Handschuhe, die seine Hände noch immer über dem Kopf zusammenhielten. Albus nutzte die Gelegenheit, in der Newt den Kopf in den Nacken gelegt hatte, um heiße Küsse auf seinem Hals zu verteilen. Er saugte sich sanft an einer Stelle fest. Ein Drang hatte sich in sein Bewusstsein eingenistet, zaghaft, aber nicht zu ignorieren: Newt besitzen zu wollen. Ihn kennzeichnen zu wollen. Oder ihm wenigstens ein kleines Andenken in Form eines Knutschlecks zu verschaffen.
Albus' Hand wanderte spielerisch Newts Glied entlang, reizte ihn, kam seinem unausgesprochenen Wunsch entgegen und heizte ihn immer weiter an. Es war zu köstlich, um aufzuhören.
Newt, der sich unter ihm immer heftiger wand und zuckte, stöhnte mit jeder Sekunde lauter und war bald an einem Punkt, an dem ihm ein gekeuchtes “D-Dumble-dore...” über die Lippen kam.
Albus lief ein wohliger Schauer über den Rücken, als Newt seinen Namen stöhnte. Er musste zugeben, dass ihm der Klang, mit dem er es sagte, mehr als gefiel. Es motivierte ihn, Newt weiter zu treiben, seine Hand noch geschickter einzusetzen, um Newt um den Verstand zu bringen. Seine Handschuhe entließen den Jüngeren aus ihrem Griff, während er mit der freien Hand nach einer von Newts langte und ihre Finger ineinander verschränkte.
Newt, von den Handschuhen befreit, nutzte die Gelegenheit, um seine freie Hand in Albus’ Haar zu legen, ehe er ihn zu sich zog und verführerisch küsste.
Albus hatte nicht damit gerechnet, dass Newt direkt auf so sinnliche Weise aktiv wurde.
Aber noch weniger hatte er es kommen sehen, dass die Hand, die eben noch seinen Kopf gehalten hatte, zwischen ihnen hinabwandern würde, über seinen Bauch streichen und schließlich an seinem Schritt ankommen würde.
Nicht, weil er ihn für schüchtern hielt. Albus wusste, dass Newt alles andere sein konnte als schüchtern. Vielmehr, weil er es selbst so sehr genossen hatte, Newt zu berühren, dass er seinen eigenen Körper darüber fast vergessen hatte. Ihm entwich ein kehliges Keuchen, als er Newts zarte Fingerspitzen mehr als deutlich an seiner Hose fühlte.
Und, weil er das Gefühl hatte, dass Newt unsicher war, ob er es wagen durfte, ließ er einen Moment von dem Glied es anderen ab, griff nach der Hand, die an seinem Schritt lag und drückte sie fordernd stärker gegen sich. Zugleich suchte er Blickkontakt. Wenn sein Blick annähernd so erhitzt war, wie er sich fühlte, dann würde Newt ihn verstehen.

*

Das Keuchen ermutigte Newt bereits, doch als Dumbledore dann seine Hand fester gegen seinen Schritt presste und ihn derart intensiv ansah, bestanden gar keine Zweifel mehr. Newt lief ein Schauer den Rücken hinab und seine Wangen färbten sich noch dunkler. Weniger aus Scham darüber, wo er Dumbledore gerade berührte, sondern mehr wegen der überwältigenden Erkenntnis, dass ER dafür verantwortlich war, dass sein Gegenüber derart erregt war. Es war eine völlig neue Erfahrung für ihn, begehrt zu werden. Ermutigt zögerte er nicht länger und begann damit, fester über die Beule in Albus Hose zu reiben. Er konnte das harte Glied hinter dem Stoff deutlich fühlen, wurde gierig danach und hielt in all der Zeit den erhitzten Blick Dumbledores aufrecht.
Zufrieden bemerkte er, wie sich nun auch Dumbledores Atmung beschleunigte. Doch er hatte wenig Zeit, sich darüber zu freuen, denn nachdem der Ältere im ersten Moment überwältigt in seiner eigenen Bewegung innegehalten hatte, fuhr er nun fort, Newt direkt zu massieren und Newt entwich ein weiteres Stöhnen.
Dumbledore senkte den Kopf, küsste ihn fordernder als zuvor und raubte ihm den Atem. Newt konnte über die Vielzahl an Reizungen nicht anders, als genießend die Augen zu schließen, auch, wenn er damit den Blickkontakt unterbrach. Er bog den Rücken durch, weil Dumbledores Hand ihn so erregte und stöhnte erneut, während seine eigene Hand schwach über die Beule strich. Er wollte nicht der Einzige sein, der hier vollkommen den Verstand verlor. Trotz der Erregung, die seinen Kopf in einen Rausch versetzte, gelang es ihm, Dumbledores Hose ebenfalls zu öffnen und seine Hand hinein zu schieben. Dumbledore keuchte auf, als Newt die Finger um ihn legte, unterbrach seine eigenen Bemühungen aber keine Sekunde.
Ihre Atmung wurde schneller, ihre Hüften zuckten immer öfter und Newt war sich nicht sicher, was er mehr mochte: Das Gefühl der seidigen Haut unter seinen Fingerspitzen und das Geräusch von Dumbledores überwältigtem Keuchen oder die Hand, die ihn umfasst hatte und so berauschend massierte, dass er meinte, jeden Moment zu schmelzen vor innerer Hitze.
Er genoss es, Dumbledore zu erregen und zugleich selbst weitergetrieben zu werden. Ihre Hüften hatten ein Eigenleben entwickelt. Newt bewegte die seine in kreisenden Bewegungen gegen Dumbledores Hand, um so viel Reibung wie nur möglich zu erzeugen. Gleichzeitig schloss er seine Finger um das Glied des Anderen fester, befreite es aus der engen Hose und massierte es schneller, bis sie beide das gleiche Tempo hatten. Seine Bewegungen, die er bisher an niemand anderem als sich selbst ausprobiert hatte, waren von Erfolg gekrönt. Dumbledore, der Mühe zu haben schien, sich auf den Armen zu halten, legte die Stirn auf Newts Brust ab, während sie sich unermüdlich weitermassierten. Heißer Atem traf Newts verschwitzte Haut.
Newt konnte fühlen, wie ihn Schauer um Schauer durchliefen. Er konnte die Laute, die seine Lippen verließen nicht mehr kontrollieren. Jegliche Scham hatte er längst über Bord geworfen und stöhnte hemmungslos, während er immer wieder abgehackt den Namen Dumbledores keuchte. Gleichzeitig massierte er ihn fordernder, fast schon gierig und schloss seine Hand fest um das harte, pochende Glied. Als sich die Hitze immer weiter in ihm anstaute und er bereits fast das Gefühl hatte, zu verglühen, spürte er endlich, wie die Anspannung und Erregung ihren Höhepunkt erreichten und sein Orgasmus wie eine Welle über ihn hereinbrach. Mit einem unterdrückten Schrei und zusammengebissenen Zähnen bäumte er sich unter Dumbledore auf, während sein Sperma die Hand des Älteren benetzte.

*

Newts Geräusche machten es nicht gerade einfacher, ihm zu widerstehen. Albus massierte ihn entschiedener, als er merkte, dass Newt hart an der Grenze war und fühlte dann, wie heißes Sperma ihm entgegenspritzte, seinen Bauch traf und seine Hand benetzte. Obwohl er für gewöhnlich nicht sonderlich schnell kam, versetzte ihn all das so sehr in Erregung, dass er fühlte, wie seine eigene Erektion mit einem Schlag deutlich härter wurde und er dem eigenen Orgasmus entgegensprintete. Das Hochgefühl, Newt einen Orgasmus beschert zu haben, steigerte seine Lust. Sein Atem ging holprig, während er die Bewegung seiner Hand ausklingen ließ und sich weiter auf die Hand des Jüngeren konzentrierte. Nur, dass diese nun, da Newt von seinem Orgasmus erschöpft war, deutlich an Geschwindigkeit und festem Griff eingebüßt hatte. Albus konnte es ihm nicht übelnehmen, sah es viel mehr als Kompliment und mit einem Lächeln legte er seine eigene Hand um die des Jüngeren und massierte sich. Es war nicht mehr viel nötig, einige entschiedene, gut geführte Züge und Albus ergoss sich ebenfalls. Ein brummendes Stöhnen kam über seine Lippen und er fühlte, wie die Anspannung und der Druck aus ihm wichen.
Er atmete tief durch. Mit einer schwachen Handbewegung säuberte Albus sie beide von den Flüssigkeiten, die sie benetzten und beugte sich dann herunter, um Newt einen kleinen Kuss auf die Lippen zu setzen. Dann schob er sich zwischen ihn und die Sofalehne in eine seitlich liegende Position – sein Sofa war glücklicherweise groß genug, damit beide nebeneinanderliegen konnten – und nahm die Wärme Newts auf. Seinen Geruch. Seine weiche Haut, die sich an Albus‘ nackte Brust schmiegte. Sein Blick fiel auf die rostroten Locken und die vielen Sommersprossen, die Newts Haut bedeckten. Er hatte etwas Wildes, Ungezähmtes. Etwas, das Albus von jeher in seinen Bann gezogen hatte.
Und obwohl Albus beinahe geglaubt hatte, dass Newt nun nach dem Orgasmus alle Kräfte verlassen hatten, war noch genug Energie in ihm, um sich ebenfalls zur Seite zu drehen, sodass sie sich gegenüberlagen. Newt warf ihm einen nervösen Blick zu, der aussagte, dass er nicht wusste, wie man sich nach so einer Erfahrung verhielt.
Albus gedachte, die peinliche Stille zu überbrücken. „Also“, sagte er sanft und er bemerkte, dass seine Stimme von all dem Keuchen und flachen Atmen ganz rau klang. Er räusperte sich. „Wie gefiel dir das Experiment?“, fragte er mit einem Schmunzeln und einem wissenden Funkeln in den Augen. Seine Hand strich Newt eine verirrte Strähne hinters Ohr.
Sein Lächeln sprang auf Newt über. “Sehr gut”, hauchte er und schmiegte sich in die Hand, die Albus noch einen Augenblick länger auf seiner Wange verweilen ließ, weil er den Anblick von Newt mochte, der sich in seiner Handfläche rieb wie ein Kätzchen
„Das freut mich“, sagte Albus zufrieden. Sein Lächeln wurde eine Spur verrucht. „Dann spricht wohl nichts dagegen, es irgendwann zu wiederholen“, stellte er fest und er konnte nicht leugnen, dass ihm die Aussicht darauf bereits jetzt schon ein wohliges Kribbeln bereitete.
Newts Wangen färbten sich erneut rot. "Das... wäre schön", brachte er verlegen heraus.
Dann öffnete er den Mund, um noch etwas zu sagen, doch ihm schienen die richtigen Worte zu fehlen und er schloss ihn wieder. Albus, der ihn nicht drängen wollte, schwieg geduldig.
“Darf ich...”, begann Newt schließlich und er klang nun wieder unsicher, “Darf ich Sie noch einmal küssen?”
Mehr brauchte es nicht, damit Albus’ Herz ein wenig schneller schlug. Wie konnte eine bescheidene Bitte nur so herzerwärmend sein? „So oft du willst“, antwortete er sanft.
Newts Augen leuchteten auf. Dennoch dauerte es noch einen Moment, in dem er unschlüssig zwischen Albus Augen und dessen Lippen hin und herblickte.
Albus schmunzelte über die plötzliche Hemmung nach allem, was sie zuvorgetan und nach den unzähligen Küssen, die sie bereits ausgetauscht hatten. Er fand Newts Unsicherheit zum Anbeißen. Geradezu süchtig machend. Aber ein weiteres Lachen konnte den Jüngeren verunsichern, also nahm er sich zurück. Darüber hinaus lenkten ihn Newts Lippen, die seinen nach einigen weiteren Sekunden schließlich entgegenkamen, zu sehr von allem ab.
Als sich ihre Lippen trafen, begann der Kuss zart und vorsichtig. Doch als Newt dann fragend die Zungenspitze über seine Unterlippe gleiten ließ, überkam ihm neues Verlangen und er erwiderte den Kuss entschiedener als er vorgehabt hatte.
Als sie sich atemlos wieder voneinander lösten, musste er lachen. Vermutlich waren es die Hormone. „So gern ich dich noch hierbehalten möchte“, raunte er an Newts Lippen, nachdem sich ihre Atmung wieder beruhigt hatte, „Ich schätze, es wäre besser, wenn wir uns für heute trennen. Ich habe noch ein paar Stunden vorzubereiten und ich vermute, dass du nun mehr als genug zu tun hast: Deinen Unterricht planen und deine Tierwesen vorbereiten.“
Newt nickte mit roten Wangen und glasigem Blick und Albus widerstand dem Drang, ihn direkt wieder aufs Sofa zu drücken. Stattdessen machte er Anstalten, sich zu erheben und Newt kam ihm nach. Sie zogen sich an, gingen zur Tür, die zu seinem Büro führte und Albus gab Newt einen letzten Kuss, ehe sie sich verabschiedeten.
Als die Tür hinter Newt ins Schloss gefallen war, klopfte sich Albus innerlich auf die Schulter. Das versprach, ein sehr angenehmes Jahr zu werden.

Chapter Text

Newt hatte noch am selben Abend begonnen mit seiner Assistentin diverse Dinge bezüglich seines anstehenden Jobs als Lehrer in Hogwarts zu klären. Schließlich konnte er auf keinen Fall alle seine Geschöpfe mitnehmen und jemand musste in der Zeit auf sie achtgeben.
Am nächsten Tag schickte er bereits eine Eule an Dippet, um ihm mitzuteilen, dass er sich entschieden hatte und umgehend beginnen könnte, wenn denn gewünscht. Die Antwort kam bereits am Abend. Dippet hatte überschwänglich zugestimmt und den Start seines Unterrichts für kommende Woche anberaumt.
Am verabredeten Tag fand sich Newt morgens in Dippets Büro in Hogwarts ein und wurde dann zu dem Gelände geführt, das für seinen Unterricht genutzt werden würde. Einige eingezäunte Gehege standen neben einem großen Gewächshaus, das beim Eintreten sogar noch größer war. Hier gab es weitere Gehege, ebenfalls mit ordentlichen Bannzaubern versehen, die Newt zur Sicherheit noch einmal verstärken würde. Daneben befand sich ein langer Tisch mit mehreren Hockern und dahinter eine Reihe Einzeltische mit Stühlen und ein Lehrerpult. Alles, was er zum Unterrichten benötigen würde.
Newt verbrachte die Zeit bis zu seiner ersten Unterrichtsstunde am Nachmittag damit, das Gewächshaus mit allerlei Pflanzen zu füllen und für die geeignete Luftfeuchte und Temperatur zu sorgen. Er würde heute damit beginnen, den Schülern Bowtruckles vorzustellen – als einfachen Einstieg, sozusagen.
Als die Schüler am Nachmittag zaghaft ins Gewächshaus eintraten, stellte Newt sich vor und begann seine erste Stunde mit einer zwanglosen Fragerunde darüber, welche Tierwesen den Kindern bereits bekannt waren. Anschließend ließ er einen Kübel mit einem magischen, kleinen Baum auf das Lehrerpult schweben, in dem einige seiner Bowtruckles saßen und sich neugierig umschauten.
Newt bat seine Schüler, vorsichtig näher zu treten und erklärte ihnen dann, worauf man bei Bowtruckles achten musste und was ihre Besonderheiten waren.
Ein Geräusch weiter vorn im Gewächshaus ließ ihn aufschauen und er erstarrte, als er Albus Dumbledore in der Tür stehen sah, leutselig lächelnd und ganz so, als hätten sie sich verabredet.
Newt lief augenblicklich rot an. Eilig wandte er den Blick von Dumbledore ab, während er tief durchatmete, um sein rasendes Herz zu beruhigen. Die letzten Tage waren anstrengend gewesen und in reger Geschäftigkeit vergangen und doch hatte er oft genug an den Älteren gedacht und ihn vermisst. Sie waren sich, seit Newt wieder in Hogwarts war, nicht begegnet und ihn nun so unvorbereitet zu sehen, nach dem, was sie zuletzt getan hatten, warf Newt deutlich aus dem Konzept.
Eine Weile starrte er auf die Bowtruckles, während ihm klar wurde, wie heiß seine Wangen waren und wie offensichtlich peinlich er sich gerade verhielt, ehe er den Mut zusammennahm und tapfer den Kopf hob. “Pr-Professor Dumbledore”, sagte er mit nervöser Stimme und versuchte, sie ruhig zu halten. “Kann ich Ihnen irgendwie helfen?”
Dumbledore winkte in einer eleganten Geste ab und trat näher an den Halbkreis der Schüler heran. „Fahren Sie fort, Mr. Scamander, fahren Sie fort“, sagte er, „Ich wollte lediglich mein Versprechen einlösen, bei Ihnen zu hospitieren. Sie erinnern sich doch daran, dass ich es ankündigte?“, fragte er nach und lächelte Newt zu.
Newts Wangen färbten sich dunkler. Ja, das hatte er tatsächlich angekündigt, draußen am See. Allerdings hatte Newt nicht erwartet, dass er es gleich in seiner ersten Stunde tun würde. Vor allem, da sie sich noch gar nicht wiedergesehen hatten, seit sie... Nein, jetzt nicht daran denken!
"S-sicher, wenn Sie möchten?", stotterte Newt und raffte sich zu einem gezwungenen Lächeln auf, ehe er sich fahrig zurück an die Schüler wandte.
Obwohl er den Faden wiederfand, war es nicht so leicht, sich auf den Unterricht zu konzentrieren. Zumal er Dumbledores ruhigen Blick permanent auf sich spürte und der Mann unentwegt lächelte.
Newt gab sein Bestes, ihn für einen Moment zu ignorieren und stellte stattdessen den Schülern Pickett vor, der sich von allen Bowtruckles noch am ehesten anfassen und sogar streicheln ließ.
Trotz seines kleinen peinlichen Moments verlief seine erste Stunde erfolgreich. Die Schüler schienen ehrlich interessiert, aufmerksam und höflich. Sie benahmen sich bei Weitem besser als seine Klassenkameraden von damals und er atmete auf, weil er mit einem Haufen Rüpel gerechnet hatte, die er hätte bändigen müssen. Stattdessen waren sie lammfromm (was höchstwahrscheinlich auch Dumbledores Anwesenheit zu verdanken war) und als der Unterricht endete, hatte Newt allen Grund, erleichtert aufzuatmen. Er sah den Schülern hinterher, die fröhlich miteinander sprachen, während sie das Gewächshaus verließen.
Dann, als er sicher war, dass sie allein waren, hob er zaghaft den Blick und warf Dumbledore ein Lächeln zu. “Hallo”, sagte er leise.
“Hallo“, grüßte Dumbledore sanft zurück und trat näher. Er warf einen Blick über die Schulter, ehe er sich nach vorn beugte und Newt einen Kuss auf die Lippen setzte, bei dem sein Herz vor Freude höherschlug. Schon wünschte Newt sich, er würde den Kuss vertiefen, da löste sich Dumbledore wieder von ihm.
“Willkommen unter der Lehrerschaft“, sagte er lächelnd, “Wie fühlst du dich an deinem ersten Tag?“
"Sehr gut”, antwortete Newt und erwiderte das Lächeln verträumt, “Und gerade wurde es noch besser.” Würde er sich wohl daran gewöhnen können, von Dumbledore geküsst zu werden? Bis dahin verging wohl noch einige Zeit.
Sein Gegenüber lachte leise. „Gern geschehen“, sagte er, ohne falsche Bescheidenheit vorzutäuschen. „Möchtest du mich zum Mittagessen begleiten?“
Über die Antwort musste Newt nicht lange nachdenken. Er nickte und griff nach einigen Unterlagen, die er eilig verstaute. "Gern!", sagte er und verließ gemeinsam mit Dumbledore das Gewächshaus, schloss es ab und begleitete ihn zum Schloss.
„Sag, Newt“, begann Dumbledore in einem freundschaftlich interessierten Ton, den Blick beiläufig über das leere Gelände schweifend, „Wie oft hast du an uns gedacht, in den letzten Tagen?“ Er warf Newt einen Blick zu, der den Anschein einer unschuldigen Frage verstärkte, doch seine Augen funkelten verrucht.
Newt, dem es schwerfiel, an irgendetwas anderes zu denken, als an ihr letztes Treffen, wich Dumbledores Blick aus. “I-ich... a-ab und an", murmelte er und scheiterte kläglich bei dem Versuch, ganz unberührt und entspannt zu antworten.
„Ab und an?“, fragte Dumbledore mit einem weiteren Seitenblick. „Nun, ich für meinen Teil“, sagte er und seine Stimme wurde leiser, „habe ehrlich gesagt Schwierigkeiten, dich aus dem Kopf zu bekommen.“ Seine Lippen umspielten ein Lächeln, als einziges Zeichen seiner wahren Gefühle, während seine ganze Körperhaltung die einer teilnahmslosen Autoritätsperson war. Newt beneidete ihn um seine Fähigkeit, seine Gefühle hinter einer Fassade zu verstecken.
Während sie ins Schloss hineintraten und den Weg zur großen Halle nahmen, wurde es um sie herum geschäftiger. Hunderte Schüler strömten mit ihnen gemeinsam in die Halle. Newt war froh, als es etwas voller um sie wurde und sich Dumbledore dementsprechend mit weiteren Kommentaren zurückhielt. Dadurch konnte Newt wenigstens seinen Herzschlag beruhigen und musste auf die Anspielungen nicht antworten. Doch Dumbledore nutzte die Enge, um Newt näher zu kommen und raunte ihm ins Ohr: „Ich stelle mir unentwegt vor, wie es wäre, es zu wiederholen.“ Er warf Newt einen vielsagenden Blick zu. „Oder unser kleines Experiment vielleicht zu erweitern.“
Newt wurde heiß. Bei den Erinnerungen an ihr letztes 'Experiment' fehlte nicht mehr viel, um ihn in eine mehr als unangenehme Situation zu bringen, die eine viel zu enge Hose beinhalten würde.
Doch zu seinem Glück wandte sich Dumbledore ab und schritt in die große Halle zum Lehrertisch, wodurch er Newt die Möglichkeit gab, tief durchzuatmen und sich zu beruhigen, ehe er folgte und sich mit gesenktem Blick neben Dumbledore setzte.
Er war froh, dass dieser direkt ein Gespräch mit Dippet begann und zugleich neidisch darauf, wie er es schaffte, so unbeteiligt und ruhig zu wirken, nachdem er all diese Dinge gesagt hatte. Während Newt sich mit glühenden Wangen Essen auftat und dann seinen Becher füllte, mahnte er sich zu Ruhe.
Immerhin schien Dumbledore ihn nicht weiter reizen zu wollen. Während des Essens unterhielt er sich ununterbrochen mit Dippet. Doch der Klang seiner Stimme, sein Geruch, der Newt in der Nase hing, und die Nähe zu ihm, befeuerten Newts Gedanken auch ohne, dass Dumbledore in seinen Verheißungen weiter ausholte. Er fragte sich, wie das neue Experiment aussehen könnte. Seine Gedanken verloren sich in Mutmaßungen darüber, dunklen Fantasien, die nicht gerade dazu beitrugen, dass er sich beruhigte, und als er dann auch noch Dumbledores Blick auf sich fühlte, hatte er bereits das Gefühl, sein Körper stand in Flammen. Zaghaft und ein Keuchen unterdrückend hob Newt den Kopf und sah Dumbledore an.
Er bereute es augenblicklich, denn er sah das wissende Funkeln in Dumbledores Augen und die Scham kroch ihm den Nacken hinauf. Dumbledore wusste ganz genau, wie er sich gerade fühlte und das kleine unscheinbare Schmunzeln sagte Newt, dass er genau das erwartet hatte. Peinlich berührt senkte Newt den Blick wieder. Er wollte Dumbledore mehr, als er es aussprechen konnte. Aber hier inmitten der großen Halle zu sitzen und zu fürchten, dass alle Welt ihm das sofort ansah, brachte ihn in eine unangenehme Situation. Er fürchtete beinahe, dass Dumbledore seinen Zustand ansprechen würde.
Doch dieser sagte stattdessen: “Nun, Mr. Scamander, wie ich zuvor schon sagte“ Er legte ein unverbindliches Lächeln auf, “vielen Dank für Ihre kurze Einführung in das neue Fach. Es hat durchaus Potenzial.“ Sein Lächeln wurde eine Spur wärmer. “Meine nächste Stunde beginnt in wenigen Augenblicken. Doch da Sie noch neu auf dem Gebiet sind, dachte ich, es wäre vielleicht hilfreich, einige Tipps zum Thema ‚Unterrichten‘ zu bekommen. Was halten Sie davon, wenn wir uns diesbezüglich heute Abend zusammensetzen?“
Newt ahnte, dass es ein Code war. Dumbledore drückte sich nie direkt aus. Und unter den gegebenen Umständen musste er nicht lange raten, was genau Dumbledore mit ihm heute Abend tun wollte.
“G-Gern”, antwortete er mit kratziger Stimme, “Wann wäre es Ihnen recht?”
“Nach dem Abendessen?”, fragte Dumbledore und seine Stimme nahm einen schnurrenden Ton an, als er fragte: “Wenn Sie das einrichten können?“
Newt konnte seinem hitzigen Blick nicht lang standhalten. Er senkte den seinen eilig auf die Tischplatte. “Natürlich”, hauchte er atemlos.

 

Newts Gedanken wanderten den ganzen restlichen Tag immer wieder zu seinem ehemaligen Professor. Er war froh, als es endlich Abend wurde. Seine Tierwesen hatte er bereits versorgt und sein Unterrichtsmaterial für den nächsten Tag pflichtbewusst vorbereitet. Obwohl er sich den Abend herbeigesehnt hatte, klopfte sein Herz aufgeregt, als er nun endlich vor der Tür von Dumbledores Büro stand. Er musste ein paar Mal tief durchatmen, ehe er zaghaft anklopfte.
Die Tür schwang auf und gab den Blick auf Dumbledore frei, der gegen die Kante seines Schreibtisches gelehnt stand, die Hände in den Hosentaschen, und ihm ein Lächeln schenkte. “Guten Abend“, sagte er und wies einladend in den Raum. “Bitte, komm rein.”
Nervös erwiderte Newt das Lächeln, trat ein und schloss die Tür hinter sich. “Guten Abend”, erwiderte er den Gruß, "Ich hoffe, ich bin nicht zu früh?" Sein Blick fiel auf einen Stapel Aufsätze, der neben Dumbledore auf dem Schreibtisch lag. "Ich könnte auch später nochmal wiederkommen, wenn...", begann er eilig.
„Das wäre ein Jammer“, unterbrach ihn Dumledore lächelnd und trat auf Newt zu.
Ein plötzlicher Stoß in seinem Rücken ließ Newt das Gleichgewicht verlieren. Er fiel mit einem überraschten Laut in Dumbledores Arme, während er die Handschuhe an sich vorbeischweben sah.
„Wo ich mich doch so darauf gefreut hatte, meinen Abend mit dir zu verbringen“, raunte Dumbledore ihm zu. „Alles andere kann warten.“
Als Newt klarwurde, dass die Handschuhe ihn geschubst hatten, damit er sich direkt in Dumbledores Arme warf, errötete er. Nervös blickte er zu ihm auf. "W-wenn Sie das sagen", murmelte er überfordert und nahm die Hände, mit denen er sich hatte auffangen wollen, zögernd von Dumbledores Brust. Er legte sie stattdessen auf die Schultern des Älteren.
„Tu ich“, bestätigte Dumbledore und beugte sich zu Newt hinunter, als wollte er ihn küssen.
Newt schlug das Herz bis zum Hals. Oh Merlin, wie er diese Lippen vermisst hatte. Doch zu seiner Enttäuschung verharrten sie wenige Zentimeter vor seinem Mund.
„Also“, schnurrte Dumbledore sanft, „Wonach steht dir der Sinn?“ Er senkte den Kopf noch tiefer, bis sie sich fast berührten. Aber nur fast. Newt drängte sich gegen ihn, legte den Kopf weiter in den Nacken, um ihm entgegenzukommen. Doch Dumbledore küsste ihn nicht.
Stattdessen fragte er: „Möchtest du etwas trinken? Einen Wein?“

*

Albus schmunzelte. Er kam Newt noch ein Stück weiter entgegen, sodass sich ihre Lippen beinahe streiften. Aber nur fast. Einen Moment lang verharrte er so nah an ihm, mit einem Schmunzeln um die Mundwinkel, ehe er den Kopf zurück und eine Hand hob, um den Wein zu sich zu rufen. Er schwebte aus dem Nebenzimmer zu ihm hin, samt zweiter Gläser.
Albus fühlte sich sehr sicher in seiner derzeitigen Situation. Er hatte alles, wonach es ihm verlangte, direkt in seinen Armen. Womit er nicht gerechnet hatte, war, dass Newt den verweigerten Kuss selbst einforderte, ihm die Arme um den Hals schlang und ihn sehnsüchtig küsste. Albus entwich überrascht die Luft aus den Lungen. Sein Herz schlug vor Überwältigung so kräftig in seiner Brust, dass er meinte, sein Brustkorb würde zerspringen. Er war von Newts Reaktion auf seine kleine Reizung so abgelenkt, dass er alles andere vergaß. Der Zauber löste sich in Luft auf und neben ihnen zerschellten die Flasche und die Gläser mit einem lauten Klirren auf dem Boden. Albus hörte es nicht einmal, es kümmerte ihn auch nicht. Er schlang einen Arm um Newts Taille und zog ihn näher, während er den sehnsüchtigen Kuss mit ebenso viel Verlangen erwiderte. Diese Bestätigung zu fühlen, tat gut.
Er vertiefte den Kuss, bis er Newts Körper an seinem erbeben fühlen konnte, und zog dann den Kopf ein Stück zurück.
“Ich bin sowieso nicht besonders durstig", wisperte Newt an seinen Lippen, während er ihm in die Augen sah.
Albus schmunzelte. „Dann ein andermal“, antwortete er schnurrend und mit einem Fingerzeig reparierten sich Flasche und Gläser und blieben neben dem Tisch stehen. „Und wonach steht dir dann der Sinn?“, fragte er.
Er konnte förmlich sehen, was Newt durch den Kopf ging, als dessen Augenlider ein Stück hinabsanken und seine Wangen sich weiter röteten. “Nach wiederholen und erweitern”, flüsterte er. Albus schmunzelte geschmeichelt und beeindruckt. Das war sehr direkt, vor allem für Newts Verhältnisse.
„Wenn du möchtest?“, fragte er, aber es war mehr rhetorisch. Newt hatte ja bereits geantwortet. Albus löste seine Arme von ihm. „Dann folge mir“, sagte er mit einem liebevollen Lächeln, „Ich vermute, dass wir es nicht in meinem Büro austesten wollen.“ Und mit diesen Worten öffnete er die Tür zu seinen Räumen weiter und hielt sie für Newt auf. Hinter ihnen verschloss er sie magisch und ging dann tiefer ins Wohnzimmer hinein, ehe er vor einer weiteren Tür stehen blieb. Er warf Newt einen Blick zu, suchte in seinen Augen etwas, das aussah wie ein Rückzug.
Stattdessen trat Newt näher, ein überaus einnehmendes Funkeln im Blick, das Albus ungeduldig machte. Bevor es verschwinden konnte, ließ Albus die Tür aufschwingen. Während sie den Blick aufs Schlafzimmer freigab, hielt er Newt eine Hand hin. „Ein Bett ist in vielerlei Hinsicht gemütlicher als ein Sofa“, sagte er lächelnd, als wollte er sich erklären. Es wäre ihm wie ein plumper Vorstoß vorgekommen, wenn Newt sich nicht gerade eben so deutlich über seine Ziele des heutigen Abends geäußert hätte. Als dieser die Hand in seine legte, führte er ihn hinein in den großzügig geschnittenen Raum, der Platz für ein großes Bett und einen Wandschrank bot. Ein bodenlanger Spiegel stand neben dem Schrank, eine Kommode auf der anderen Seite. Alles war in hellem Holz gehalten, was dem Raum eine gewisse Leichtigkeit und Freiheit gab.
"Gefällt mir", sagte Newt mit einem erwartungsvollen Lächeln, das Albus erwiderte, während er in langsamen, gemächlichen Schritten, wie eine geduldig lauernde Raubkatze, auf Newt zulief, die Augen funkelnd auf ihn gerichtet.
“Freut mich“, antwortete er, blieb vor ihm stehen und legte ihm eine Hand auf den Rücken. Sie strich bedächtig hinauf bis zu seinen Schulterblättern und dann ebenso langsam hinunter, bis sie auf Newts Hintern zum Liegen kam. Er trat noch einen Schritt vor, presste sich gegen ihn und küsste ihn hungrig, während er fortfuhr, seine Hände über Newts Körper wandern zu lassen. Es lockte ihn, ihm die Kleidung ohne Umschweife vom Körper zu hexen. Zumal Newt sich so wunderbar in seine Küsse ergab, weich wurde in seinen Armen und sich näher drängte. Albus entwich ein leises zufriedenes Brummen. Er vertiefte den Kuss, während er Newt noch mehr an sich drückte, fühlte, dass den Anderen die Nähe ebenso erregte wie ihn selbst und, als er es nicht mehr ertrug, dass so viel Stoff zwischen ihnen war, beendete er den Kuss, blickte Newt in die Augen, die bereits einen verführerischen Schlafzimmerblick präsentierten und raunte heiser: „Newt, zieh mich aus.“
Newt löste keuchend den Kuss. Er schaute Albus überrascht an und Albus fürchtete schon, mit dieser eindeutigen Forderung hätte er ihn verschreckt, da strichen seine Hände bereits über die breiten Schultern über die Brust hinab und hielten schließlich an der Weste inne. Langsam öffnete er jeden einzelnen Knopf, schob die Weste auseinander und legte seine Hände flach auf Albus Bauch. Fast bewundernd strich er mit beiden Händen über den dünnen Hemdstoff wieder hinauf bis zu seinem Hals, wo er mit seinen Fingern unter die Krawatte fuhr um diese zu lockern.
Albus ließ Newt nicht aus den Augen. Äußerlich blieb er ruhig und gefasst, doch in seinem Magen flatterten Schmetterlinge, als er dem Jüngeren dabei zusah, mit welchen andächtigen, fast bewundernden, Bewegungen er ihn berührte. Albus hob den Kopf ein wenig an, damit Newt besseren Zugriff hatte, doch seine Augen lagen weiterhin auf ihm. Er genoss es, mit welcher Rücksicht und Ehrfurcht Newt sich ihm näherte. Als wäre er zu kostbar, um ihn anders zu behandeln.
Und das nicht wegen Albus‘ Namens. Seines Einflusses. Seiner Macht. Newt strebte nach keiner dieser Dinge. Das machte die Handlung umso bedeutender.
Als Newt die Krawatte gelockert und gelöst hatte, ließ er sie achtlos zu Boden sinken, beugte sich stattdessen vor und setzte kleine Küsse auf Albus’ Hals. Gleichzeitig öffneten seine Finger zielstrebig die Hemdknöpfe, zuerst die des Kragens und dann weiter hinab. Jedem Stück freigelegte Haut folgte Newt mit seinen Lippen. Albus lief ein wohliger Schauer über den Rücken. Nicht zum ersten Mal bemerkte er, dass Newt seine Erwartungen noch bei weitem übertraf. In seiner Vorstellung war es nicht auf diese Art erregend gewesen. Er hatte erwartet, einen hochroten, stammelnden Newt vor sich zu haben, der ihn mit zitternden Fingern auszog. Doch dass er dabei nach Strich und Faden verführt und um den Finger gewickelt wurde, hatte er nicht kommen sehen. Er fühlte die Kontrolle, die er bis eben noch in seinen Händen wähnte, schwinden, mit jedem Zentimeter, den Newt tiefer wanderte. Bei Merlin und allen Göttern! Es machte ihn so hart, dass ihm schwindelig wurde von dem plötzlichen Blutverlust im Hirn.
Nachdem Newt sein Hemd komplett aufgeknöpft hatte, schaute er von dort, wo er den letzten Kuss auf Albus’ Bauch gesetzt hatte, hinauf, als wollte er Bestätigung suchen, während er ihm Hemd und Weste von den Schultern strich. Dann, als würde ihm Albus’ Blick alles verraten, was er wissen musste, strichen seine Hände über Albus’ Bauch, während er auf die Knie sank, den Kopf senkte und begann, Albus die Schuhe auszuziehen.
Albus musste dem Drang wiederstehen, seine Hand an den Hinterkopf des Jüngeren zu legen und ihn gegen seinen Schritt zu pressen. Er ballte die Hände zu Fäusten, den Blick erhitzt auf Newt liegend. Ihm fielen eine Menge Szenarios ein, die damit begannen, dass Newt vor ihm auf die Knie sank. Er hatte bis eben gar nicht gewusst, dass sein Gehirn eine derart rege Vorstellungskraft hatte. Merlin, war er froh, dass Newt kein geborener Legilimentor war. Und dass er seine Gedanken gut verstecken konnte.
Albus raffte sich zu einem anerkennenden Lächeln auf, das ihn anstrengte, weil er seine ungewöhnlich starke Gier im Zaum halten musste. “Du überraschst mich immer wieder“, stellte er fest und bemerkte, wie rau und heißer seine Stimme klang.
Newt schmunzelte bei der Bemerkung. "Das höre ich öfters”, sagte er leise, zog Albus Schuhe und Socken aus und strich dann mit den Handflächen Albus’ Unterschenkel hinauf, über seine Oberschenkel, bis zur Hüfte. Seine Finger näherten sich Albus’ Hosenbund, öffneten den Knopf und hielten dann, wie um Erlaubnis wartend, inne.
“Newt, Darling“, sagte Albus heiser und griff die Finger, die ihn auch noch des letzten bisschen Stoffs entledigen wollten. Er holte zittrig Luft, trat einen Schritt zurück und lachte kurz über seine eigene Überwältigung auf. Er konnte sich nicht entsinnen, in den letzten Jahren etwas derart Heißes erlebt zu haben.
“Du bist überwältigend“, keuchte er, hielt Newt eine Hand hin und zog ihn auf die Füße. Als der Jüngere wieder stand, zog er ihn zu sich und drückte ihm einen erhitzten Kuss auf den Hals. “Aber ich fürchte, wenn du so weitermachst, bin ich in wenigen Sekunden nicht mehr zu gebrauchen“, raunte er ihm ins Ohr, “Und das wäre sehr schade, wo du selbst noch nicht einmal ansatzweise entkleidet bist.“
Newt kicherte leise. “Ja, das wäre schade”, seufzte er und legte den Kopf zur Seite, wie um Albus mehr Platz zu bieten.
“Dann lass mich dir mit deiner Kleidung helfen“, schnurrte Albus, der nun, da er wieder ein wenig mehr Herr der Lage war, deutlich klarer denken konnte. Wenn er daran dachte, dass er sich schon einen Plan zurechtgelegt hatte, wie er Newt erfolgreich verführen konnte, grenzte es beinahe an Komik, wie schnell ihm der Jüngere die Kleidung vom Leib gezogen und ihn dabei fast bis zum Orgasmus getrieben hatte. Er hatte geglaubt, dass ihm wenige das Wasser reichen konnten, wenn es um Verführung ging und darum, jemanden tun oder fühlen zu lassen, was er wollte. Newt gelang es ganz spielerisch auf eine unschuldige Art ohne Hintergedanken. Es verdiente mehr als Albus‘ Anerkennung.
Er legte eine Hand um Newts Hals und die Fliege entknotete sich unter seiner magischen Berührung. Das Band fiel zu Boden, während Albus die Handfläche über die Knopfleiste von Newts Hemd gleiten ließ und die Knöpfe aufsprangen. Ungeduldig schob er eine Hand unter den Stoff, strich über die weiche Haut und zog Newt schließlich das Hemd ganz aus. “Du bist zu schön, um angezogen zu bleiben“, raunte Albus Newt ins Ohr, während seine Hände beinahe andächtig Newts Seiten entlang strichen und sich dann in seinen unteren Rücken legten, um ihn näher zu ziehen. So, wie sie standen, bestand kein Zweifel daran, dass Newt Albus‘ hartes Glied deutlich an seinem Oberschenkel spürte.
Dem Jüngeren entwich ein leises Keuchen. Er schmiegte sein Gesicht eng gegen Albus Hals, während er seine eigene Hüfte gegen ihn presste.
Albus schmunzelte zufrieden über die bestätigende Reaktion. Er wollte ihn nicht länger warten lassen. Daher führte er Newts Hände wieder zu seinem Hosenbund. “Ich hatte dich vorhin unterbrochen“, sagte er schmunzelnd, “obwohl du es so talentiert gemacht hast. Oder gerade deswegen. Wie wäre es, wenn du es noch beendest?“ Und noch während er fragte, legte er seinerseits die Hände an Newts Gürtel und öffnete ihn, ehe er sich dem Knopf zuwandte, der Newts Hose verschlossen hielt.
Das, was sie taten, schien Newt in Hochstimmung zu versetzen. "Wenn Sie sich jetzt wieder gefasst genug dazu fühlen, Professor?", fragte er neckend.
Albus schmunzelte. “Nun, da du so freundlich warst, mir eine Pause zu genehmigen“, antwortete er amüsiert. “Darüber hinaus ist es ein großes Kompliment“, fuhr er fort, während seine Hände Newts Hose öffneten und hinein glitten. Zu seiner Freude war Newt ebenso erregt wie er. Er umfasste den Schaft des Jüngeren und zog das Glied aus der Hose heraus. „Schließlich ist es dein Verdienst, dass ich so schnell in derartiger Verfassung war.“ Er lächelte in Erinnerung daran und ließ seinen Daumen über Newts Spitze kreisen, während seine andere Hand die Hose ganz hinunterzog, sodass sie bis zu den Knöcheln fiel.
Seine Berührung blieb nicht ohne Folgen. Newt sog scharf die Luft ein und keuchte dann zittrig, während er sich haltsuchend in Albus’ Seiten krallte. Dass Albus ihn aufgefordert hatte, ihm die Hose auszuziehen, schien er vor Erregung völlig zu vergessen.
"Ich... fühle mich geehrt", seufzte er gegen Albus Hals.
“Solltest du auch“, bestätigte Albus amüsiert und obwohl es ihn nach mehr verlangte, konnte er doch die Hand nicht von Newt lösen, da es den Jüngeren derart erregend zum Zittern brachte. Er beschloss, Newts Handlung von vorhin zu imitieren, küsste sich einen Weg von dessen Hals hinab über die Brust und tiefer, während er vor ihm auf die Knie sank. Die Hand noch immer an seinem Glied, setzte er seine Lippen in eine gerade Linie bis zum Bauchnabel und kam schließlich an seinem Schritt an. Er zögerte nicht lange, umfasste das Glied am Schaft und küsste die Spitze, ehe er in einer langsamen, kreisenden Bewegung darüber leckte. Newts abgehackter Atem und die Hände, die sich fahrig in Albus’ Schultern krallten, waren Bestätigung genug, dass er das Richtige tat. Albus fuhr fort, Newts Schaft bis zur Wurzel mit der Hand zu massieren und seine Zunge über die Spitze gleiten zu lassen. Er legte die Lippen um die Eichel und saugte daran, ehe er erneut mit der Zunge fortfuhr. Dieses Spiel wiederholte er ein paarmal und nahm das Glied dabei jedes Mal tiefer in den Mund. Über ihm konnte Newt den Augenkontakt offensichtlich nicht mehr länger aufrechterhalten. Er kniff die Augen zusammen und rang keuchend um Fassung, schwankte, als würden ihm die Knie weich werden und sein Griff an Albus’ Schultern wurde haltsuchend fester. Albus schmunzelte, während er ihn tiefer aufnahm, mit der Zunge über ihn fuhr und ihn dabei beobachtete, wie Newt sich in der Lust verlor.
Dann, als Albus an der zunehmenden Härte bereits ahnte, dass Newt nicht mehr weit war, krallten sich dessen Hände in sein Haar und zogen daran.
"S-stop", brachte Newt mit zittriger Stimme heraus.
Albus lachte leise, was durch das Glied in seinem Mund gedämpft wurde. Er genoss das leichte Ziehen in seinen Haaren, das verzweifelte Hineinkrallen des Jüngeren. Unter anderen Umständen hätte er Newts Wunsch berücksichtigt, aber nicht in dieser Situation. Es mochte unfair sein – in Anbetracht der Tatsache, dass er vorher in einer ähnlichen Situation gewesen war und Newt ihm eine Pause gegönnt hatte. Doch der Gedanke, Newt so weit zu treiben, dass dieser sich nicht mehr zurücknehmen konnte und in seinem Mund kam, war zu verführerisch. Darüber hinaus war er sich sicher, dass es nicht lange brauchen würde, ihn danach ein weiteres Mal zu erregen. Also kam er dem Wunsch nicht nach, intensivierte im Gegenteil seine Anstrengungen und nutzte all sein Können, um Newt über die Klippe zu bringen.
Seine Liebkosungen entlockten Newt ein verzweifeltes Aufstöhnen. “N-nicht... ich-.. nnnhh..!"
Fahrig versuchte er, sich irgendwie Albus zu entziehen, doch offensichtlich konnte er dafür nicht die Kraft aufbringen, die es brauchte.
Albus fühlte, wie das Beben durch Newt ging, auf das er hingearbeitet hatte und im gleichen Moment fühlte er die heiße Flüssigkeit, die in seinen Mund strömte und seinen Rachen benetzte. Newt stöhnte und keuchte über ihm, krallte sich noch immer an ihm fest und taumelte ein wenig.
Albus schluckte, schob den Kopf dabei ein paar letzte Male vor und zurück, um Newts Orgasmus nicht abrupt zu beenden und als er sich sicher war, dass Newt ihm alles gegeben hatte, löste er sich von ihm. Er ließ ihn los und kam wieder auf die Füße, wobei er einen Arm um Newts Taille legte, weil dieser wirkte, als würden ihm jeden Moment die Beine wegknicken.
„Faszinierend“, stellte er mit leiser Stimme fest. Newt derart zitternd und stöhnend zu erleben, schlug ihn jedes Mal aufs Neue in seinen Bann.
Er konnte nicht einmal sein Grinsen verkneifen. Es lag auf seinem Gesicht und ließ sich nicht wegwischen. Dafür war sein eigenes Hochgefühl zu groß.
Einen Moment blieb er nah an Newt stehen und ließ ihn zu Luft kommen.
Es dauerte nicht lang, bis sich Newt soweit gefangen hatte, dass der verklärte Ausdruck in seinem Blick verschwand und einem neuen, panischeren Ausdruck Platzmachte. Er versuchte, sich von Albus zu lösen.
"D-das tut mir leid... ich-”, stotterte er, “Ich wollte nicht... in Ihren Mund-... Oh Merlin."
Albus lachte und bevor Newt weiterstammeln konnte, nutzte er den Griff um dessen Taille, um ihn näher zu ziehen und zu küssen. Er knabberte an seiner Unterlippe, leckte darüber und küsste Newt so lang und intensiv, bis sie beide keine Luft mehr bekamen. Als sie sich wieder voneinander lösten, schaute er ihm in die Augen. „Newt, dir ist bewusst, dass ich das eingeplant hatte, oder?“ Er schenkte ihm ein Lächeln, ehe er den Kopf vorschob und Newt ins Ohr raunte: „Und dass es mir gefallen hat. Fast so sehr wie dir, würde ich behaupten.“
Seine Worte schienen Newt peinlich. Er versteckte sein glühendes Gesicht an Albus Hals und murmelte kaum hörbar: "O-okay"
Albus schmunzelte. „Was hältst du davon…“, raunte er ihm ins Ohr und seine Hand strich Newts Rücken hinauf, „… wenn wir uns ins Bett legen? So nackt ist es frisch hier, ohne Decke.“ Natürlich könnte Newt verwundert ablehnen und sich anziehen. Albus hoffte, dass der Jüngere das Spiel weitertreiben wollte und er es nicht zu schnell mit seiner impulsiven Handlung beendet hatte.
Statt einer Ablehnung antwortete Newt damit, sich enger an Albus zu schmiegen. Er schien noch immer zu peinlich berührt, um ein Wort herauszubringen, aber immerhin wollte er sich nicht trennen, wie Albus zufrieden zur Kenntnis nahm. Er führte Newt zum Bett, schlug die Decke zurück und wies mit einer einladenden Geste hinein. Während Newt es sich bequem machte, ging er zur anderen Seite, um dazu zu kommen. Zwar trug er noch seine Hose und sein Schritt war noch immer unbequem eng, aber er hatte nicht sonderlich viele Optionen. Entweder er zog sie aus, woraufhin sein hartes Glied herausspringen und Newt womöglich unter Druck setzen würde… Oder er hielt es aus und behielt die Hose an, um Newt eine Pause zu gönnen und es weiterhin langsam anzugehen. Newt musste es wollen, egal, was sie als nächstes tun würden. Und Albus zog es vor, wenn man seinen Partnern anmerkte, dass sie es mehr wollten, als er selbst. Dann gab es keine Zweifel mehr, die ihm später hinderlich wären.
Nur mit der Hose bekleidet rutschte er also unter der Decke näher an Newt heran und legte ihm einen Arm um die Taille, während er ihm einen Kuss auf die Spitze seiner Schulter setzte.
Das reichte aus, damit Newts Mund den seinen suchte und sie sich sanft küssten. Albus genoss es, wie sich Newt an ihn schmiegte und zog ihn ein wenig näher. Er würde so schnell nicht genug bekommen von diesen Lippen. Sie waren zum Anbeißen.
Albus keuchte in den Kuss, als er plötzlich Newts Hand in seinem Schritt fühlte. Der Jüngere hatte sie in seine Hose geschoben und berührte ihn so intim, dass sein Herz schneller schlug. Er fragte sich, ob er jemals nicht von Newt überrascht werden würde. Immer dann, wenn er glaubte, ihn einschätzen zu können, tat Newt etwas, das ihn überwältigte. Er löste den Kuss und, weil er nicht wollte, dass Newt sich zu irgendetwas gezwungen fühlte, sagte er leise: „Du musst das nicht tun.“
“Ich weiß”, flüsterte Newt und seine Augen flackerten unsicher. “Oder möchten Sie nicht?”, fragte er.
Albus musste schmunzeln bei der Frage. „Doch“, sagte er heiser und unbewusst folgte sein Becken der Hand, die ihn verlassen wollte. Er küsste Newt noch einmal. „Wie könnte ich da ‚nein‘ sagen?“
Newt lächelte sichtbar erleichtert, küsste Albus zaghaft erneut und befreite Albus endlich aus der viel zu engen Hose. Seine Fingerspitzen kreisten über Albus’ Spitze. Albus gab ein genießendes Brummen von sich und schloss einen Moment die Augen. Das letzte Mal war erst eine Woche her gewesen, doch ihm erschien es wie eine halbe Ewigkeit, seit er die zierlichen Hände zuletzt auf sich gespürt hatte. Während er betete, dass Newt nun, da er angefangen hatte, nicht aufhören würde, schmiegte er sich näher an ihn. Er bedeckte seinen Hals mit Küssen, während die Hand rastlos über Newts Haut wanderte. Er konnte einfach nicht still daliegen bleiben, während Newt ihn berührte.
Dann unterbrach ihn Newts freie Hand in seinem Tun, legte sich auf seine Brust und schob ihn von sich, bis Albus auf dem Rücken lag und milde überrascht zu Newt hinaufschaute.
Albus war es nicht gewohnt, seine Kontrolle vollkommen abzugeben. Er hatte stets, auch wenn er entspannt und gelassen wirkte, ein Auge darauf, Herr der Situation zu bleiben. Selbst, wenn man es auf den ersten Blick nicht erkennen mochte, weil er es vorzog, die Fäden aus dem Hintergrund zu ziehen. Doch selbst diese Kontrolle hatte er jetzt nicht mehr. Die Hand an seinem Glied machte es einfacher, loszulassen. Er war schon so lang so hart, dass er keine großen Einwände hegte. Als Newt ihn dann zusätzlich reizte, indem er seine Brust mit Küssen bedeckte und dann an seinen Brustwarzen ankam, schloss er endgültig die Augen und ergab sich in die forschenden Hände des Jüngeren. Newt lernte schnell – obwohl das für Albus keine Überraschung war.
Er fühlte, wie sein Puls sich hoffnungsvoll beschleunigte und sein Atem flacher wurde. Albus war nicht so empfindlich an den Brustwarzen wie Newt. Doch es reichte, um ihm ein zusätzliches feines Kribbeln zu geben, das durch seinen Körper wanderte und seine Erregung verstärkte.
Aufmerksam und aufgeregt verfolgte er, wie Newt sich tiefer küsste, immer tiefer und dann, zögernd erst, doch dann entschieden, Küsse auf Albus’ steifes Glied setzte. Albus sog scharf die Luft ein und riss die Augen auf, die er eben genießend geschlossen hatte. Nicht, dass es ihn erschreckt hatte – viel mehr so sehr erregt, dass alles in ihm in hellen Aufruhr geriet. Sein Blick glitt hinunter zu Newt, der nun vorsichtig an ihm leckte und es fehlte nicht mehr viel und er wäre vor Überwältigung ohnmächtig geworden. Er biss sich hart auf die Unterlippe, um nicht zu fluchen. Dieses Bild war durch Newts unschuldige, unerfahrene Art noch viel heißer als er erwartet hatte – und zusammen mit den Empfindungen an seinem Schwanz viel erregender als es vorhin war. Bereits da hatte es Albus beinahe den Verstand gekostet. Er streckte eine Hand nach Newts Kopf aus und fuhr durch das dichte, lockige Haar, während er keuchte. Wie sollte er das nur überstehen, ohne an einem Herzinfarkt zu sterben? Der Anblick von Newt und die Dinge, die er tat, waren beinahe zu viel.
Dann letzte er die Lippen um Albus, seine Wangen bogen sich nach innen, als er an ihm saugte, und Albus durchlief ein heftiger Schauder. Er hätte über sich selbst und seine übertriebene Reaktion gelacht, wenn er dafür noch einen Nerv gehabt hätte. Doch er war zu sehr damit beschäftigt, nach Luft zu schnappen und seine Gehirnwindungen zu sortieren. Es wollte ihm nicht in den Kopf, dass Newt tatsächlich dort unten lag und seinen Schwanz im Mund hatte. Das war zu gut um wahr zu sein. Weil es sich aber durchaus echt anfühlte und er verblüfft feststellte, dass bereits diese kleine Sache ihn endlos erregte, ließ er schwach den Kopf nach hinten fallen. Er legte ihn in den Nacken, während er fühlte, dass ihm mit jedem neuen Zungenschlag des Jüngeren der Schweiß ausbrach und ihm Schauer über den Rücken liefen. Seine Hand krallte sich sehnsüchtig in Newts Haar, während er die Augen schloss und sich in dem Gefühl verlor. Newt indes nahm ihn tiefer auf und immer tiefer. Albus biss sich hart auf die Unterlippe, aber der Schmerz konnte seine körperliche Reaktion auf so viel erregende Reizung kaum mildern.
Er konnte nicht einmal sagen, dass Newt besonders erfahren war, in dem was, er tat. Aber genau in dieser experimentellen, unschuldigen Art lag die ganze Verführung, die Albus nun um den Finger wickelte. Die leicht unbeholfene aber entschlossene Art, ungeschönt und aufrichtig, verdrehte ihm vollkommen den Kopf. Noch mehr, als Newt begann, seinen Kopf langsam hinauf und wieder hinunter zu schieben, in einem steten Rhythmus, während seine Hand Albus’ Wurzel massierte.
Albus entwich ein weiteres unterdrücktes Stöhnen. Er machte den Fehler, seine Gedanken frei wandern zu lassen und vor seinen geschlossenen Augen zogen die Fantasien an ihm vorbei, die ihn die letzten Tage beschäftigt hatten. Fantasien von Newt, wie er vor ihm kniete, heimlich, in Albus Büro, unter seinem Schreibtisch. Merlin, die Umsetzung seiner Tagträume rückte mit einem Mal in greifbare Nähe. Als wäre es nicht genug, dass ihn Newt bereits im Hier und Jetzt erregte – tat seine Fantasie noch ihr übriges.
Albus‘ Hand fuhr fahrig über Newts Kopf, wollte sich festhalten, aber nicht an ihm zerren und wagte es daher nicht, in sein Haar zu greifen.
„Verdammt“, keuchte er, als er fühlte, dass er seinem Orgasmus näher war, als er gehofft hatte. Aber er war vorher bereits so lange so erregt gewesen, dass es nicht verwunderlich war. Kurz war er versucht, sich einen Orgasmus-Block-Zauber aufzuhexen, um Newts Bemühungen länger genießen zu können. Doch er war zu weit, um den Gedanken zu verfolgen. Er fühlte seinen Orgasmus immer näherkommen, so schnell und intensiv, dass er nicht einmal die Kraft aufbrachte, Newt vorher zu warnen. Er dachte gerade noch daran, seinen Griff in Newts Haar zu lockern, um ihn nicht zu zwingen, es zu schlucken. Doch Newt blieb, wo er war, und nahm es auf und Albus fühlte, wie die Wellen durch ihn hindurchwanderten, bis er schließlich zur Ruhe kam, während Newt nach der Hälfte den Kopf hob und hustete.
Vom Druck befreit und mit etwas klarerem Kopf öffnete Albus die Augen und blickte zu Newt herunter. Sperma lief seine Mundwinkel hinab. Albus schmunzelte. Er setzte sich auf, beugte sich zu Newt hin und leckte die Spur des Samens hinauf bis Newts Lippen, die er dann mit einem Kuss versiegelte. Das Seufzen, mit dem der Jüngere darauf reagierte, war Musik in seinen Ohren.
Als sie sich voneinander lösten, warf Newt ihm einen unsicheren Blick zu. "Gut?", fragte er leise gegen Albus’ Lippen.
„Überwältigend“, antwortete Albus und küsste ihn erneut.

Chapter Text

Einige Tage später fand sich Albus zu einer weiteren Hospitation in Newts Unterricht ein. Dieses Mal bei den Fünftklässlern, mit denen Newt heute Mondkälber durchnehmen wollte.
Es war Albus’ zweite Hospitation und Newt hatte bereits einige Unterrichtsstunden hinter sich. Man merkte ihm an, dass er Fortschritte machte. Nicht, dass er, was das Wissen um die Tierwesen ging, sich würde weiterbilden müssen – aber er wurde selbstbewusster, war deutlich weniger nervös und seine Augen flackerten nicht mehr so verräterisch unsicher, wenn jemand die Hand hob, um eine Frage zu stellen.
Nachdem Newt der Klasse eines seiner Mondkälber vorgeführt hatte und die Mädchen in der ersten Reihe es füttern durften, wies er darauf hin, wie stimmungsempfindlich sie seien. Die vielen Ah’s und Oh’s, die die Mädchen vor Verzücken ausgestoßen hatten, als sie das Mondkalb zum ersten Mal gesehen hatten, hatten es zutraulich werden lassen. Newt bat die giggelnde Mädchenschar, sich ein wenig zu beruhigen, weil das Mondkalb neben ihm fühlbar unruhig und aufgekratzt wurde.
Sie rissen sich für eine Weile zusammen, wie Albus anerkennend aus seiner Ecke im hinteren Teil des Raumes beobachtete, wo er auf einem Stuhl saß und dem Unterricht interessiert folgte.
Dann jedoch kam Newt auf das Paarungsverhalten der Tiere zu sprechen und die Teenager begannen erneut, zu kichern. Aufgeregt tuschelten sie miteinander, als Newt erklärte, dass es bei den Mondkälbern Paarungshierarchien gab und sich die ranghöchsten Tiere als erstes einen Partner aussuchten, ehe die anderen dran waren. Je weiter er sprach, desto lauter wurde die Klasse. Kein Wunder, bei all den unkontrolliert ausgestoßenen Hormonen der Teenagerschar.
Hilfesuchend warf Newt Albus einen Blick zu. Sie merkten beide, dass die Gruppe ihm aus den Fingern glitt. Albus hatte Vorbehalte, direkt einzugreifen, obwohl er die Unruhestifter gut genug kannte und wusste, wie er mit ihnen umgehen musste, damit sie sich wieder beruhigten. Wenn er für Newt in die Bresche sprang, hätte dieser sich nicht selbst behauptet. Das würde der Klasse im Gedächtnis bleiben.
Anstatt also die gesamte Klasse zur Ordnung zu rufen, sagte er mit leiser, milde mahnender Stimme nur “Miss Abbott” und das Mädchen, das am lautesten gekichert und seine Freundinnen angestachelt hatte, verstummte, wandte sich um und warf ihm einen schuldbewussten Blick zu.
Er würde sie nach dem Unterricht noch einmal abfangen und sie bitten, dem neuen Lehrer eine Chance zu geben, gehört zu werden. Doch dass es viel mehr ihre Hormone waren als ein Unwillen, Newt zu folgen, war offensichtlich gewesen. Albus würde nicht allzu streng mit ihr sein.
Nachdem ein wenig Ruhe eingekehrt war, fuhr Newt nach einem tiefen Atemzug und einem dankbaren Blick zu Albus fort: “Also, wie ich bereits sagte: Die ranghöchsten Männchen suchen sich ein Weibchen ihrer Wahl aus. Das geschieht allerdings nur, wenn besagtes Weibchen fruchtbar ist.”
“Woher wissen die Männchen das, Professor?”, warf Aberdeen dazwischen.
“Sie merken es am Geruch”, antwortete Newt dem Jungen. “Die Weibchen senden einen Duftstoff aus. Auf diese Weise wird bei vielen Tierwesen die Paarung eingeleitet. Erumpets, die wir dieses Jahr auch noch behandeln werden, verhalten sich da übrigens ganz ähnlich. Nur, dass es da das Männchen ist, das den Lockstoff aussendet und das Weibchen reagiert darauf.”
Obwohl das Thema für Teenager ausreichend Gesprächsstoff bot, blieben sie nun aufmerksam und stumm. Die Tierwelt schien sie zu faszinieren. Davon ermutigt, dass die Klasse ihm nun wieder vollkommen gebannt lauschte, fuhr Newt fort: “Die Weibchen sind etwa drei Tage lang fruchtbar. In dieser Zeit erhöht sich ihre Körpertemperatur, der Duftstoff wird ausgesandt und sie reagieren positiv auf balzende Männchen.” Er ließ eine Kunstpause, ehe er fortfuhr: “Die Männchen wiederrum loten mitunter am ersten Tag noch einmal ihren Stand in der Hierarchie aus. Es kommt zu Kämpfen, um die Überlegenheit gegenüber anderen Männchen zu demonstrieren. Wer als Sieger daraus hervorgeht, darf das Weibchen begatten.”
Die Jungs stießen sich grinsend in die Seiten.
Albus hörte Newt, ebenso wie die Klasse, aufmerksam zu, während er ausführte, dass es zum Balzverhalten der Mondkälber gehörte, gewisse Schwingungen auszusenden, die das Gegenüber in die gewünschte Stimmung brachten. Da Mondkälber sehr feine Sensoren für Emotionen hatten, nutzten sie das in der Herde für die Kommunikation.
Newt wollte noch viel mehr sagen, doch als vom Schloss her der Gong ertönte, der die Pause einläutete, musste er sich unterbrechen. Er verabschiedete die Klasse und während sie kichernd und schwatzend das Gewächshaus verließen, brachte Newt das Mondkalb zurück in das Gehege, in dem die Herde bereits auf ihn wartete. Sie war im Gewächshaus untergebracht, der Weg war also kein weiter.
Albus, der sitzengeblieben war, beobachtete ihn versonnen dabei.
Das Unterrichtsthema hatte ihn nachdenklich gestimmt... vor allem die letzten Minuten.
Newt und er hatten sich in den letzten Tagen wenig zu Gesicht bekommen. Der Unterrichtsalltag hatte sie eingeholt und weil Newt die Abende nutzte, um Unterrichtsstunden vorzubereiten und sich um seine Tierwesen zu kümmern, während Albus Hausaufgaben und Aufsätze kontrollierte und mindestens einmal die Woche ins Ministerium reiste, war kaum Zeit geblieben, um das zu vertiefen, was sie begonnen hatten.
Die wenige Zeit, die sie gemeinsam hatten verbringen können, hatten sie genutzt, um sich zu unterhalten, eng aneinandergeschmiegt auf dem Sofa. Albus hatte nicht den Eindruck erwecken wollen, dass es ihm nur um das Eine ging, also hatte er sich mit allem weiteren zurückgehalten. Es war in den ersten Tagen alles so schnell gegangen und er hatte Newt nicht bedrängen wollen.
Nur musste Albus nun zugeben, dass er allmählich ungeduldig wurde. Er wollte wissen, wie es sich anfühlte, in Newt zu sein. War begierig darauf, sich in ihm zu versenken. Sich mit ihm zu vereinen.
Albus war froh, dass man ihm seine Gedanken niemals ansah und dass er sie so tief in sich verbarg, dass man sie selbst unter Zuhilfenahme des Legilimens nicht so leicht finden konnte.
In ihm reifte der Entschluss, ihr erstes Mal zu etwas besonderem zu machen. Er wollte, wenn es endlich so weit war, eine Erinnerung schaffen, die ihresgleichen suchte. Die sich so sehr einbrannte, dass Newt gar nicht anders könnte, als für mehr zurückzukommen.
Und er hatte auch schon eine Idee, wie er das anstellen könnte.

 

*



Zwar festigte sich sein Entschluss in den nächsten Tagen mehr und mehr, eine geeignete Situation blieb allerdings aus. Eine weitere Woche verging, ohne, dass sie einen Abend fanden, der ausreichend Zeit bot, das zu tun, was Albus vorschwebte. Und während Albus, wie jede Woche, zum Ministerium apparierte, dachte er noch daran, wie er es anstellen sollte, dass sich ihnen die passende Gelegenheit bot. Er ahnte, dass Newt nicht abgeneigt sein würde, aber die Zeit spielte im Augenblick gegen sie und ihr erstes Mal sollte nicht in wenigen Minuten vorbei und von Hektik bestimmt sein.
Er grübelte noch darüber nach, als er im Ministerium durch die Gänge lief und erst, als er den Minister zum Gespräch traf, schob er sein persönliches emotionales Dilemma weit von sich.
Das Gespräch lenkte ihn ab, zog Albus’ Aufmerksamkeit zu anderen, weltbedeutenderen Dingen hin – und auch zu Gellert.
Der Minister sprach von Grindelwalds Vormarsch in Frankreich und Russland, von der brenzlichen Lage und dem drohenden Unheil und bat Albus abermals, gegen ihn zu kämpfen. Nun, da sich ihm weitere bedeutende Persönlichkeiten mit beachtlichen Fähigkeiten angeschlossen hätten (Credence Barebone und Queenie Goldstein), sei es doch unabdingbar, endlich gegen ihn vorzugehen und Flagge zu zeigen.
Albus knirschte mit den Zähnen, lehnte erneut so diplomatisch ab, wie er konnte, ohne den Blutpakt zu erwähnen, den zu brechen ihm bisher nicht gelungen war, und fand sich nach einigen sehr quälenden Stunden voller Diskussionen, versteckten Anschuldigungen und dem Versuch, konstruktive Lösungen zu finden, schließlich am späten Abend wieder in Hogwarts ein, auf dem Astronomieturm, auf den er appariert war. Zu dieser Uhrzeit war der Turm nie besucht und für ihn ein willkommener Punkt, um zu apparieren.
Der Frust der Unterhaltung steckte Albus noch in den Knochen, als er bemerkte, dass er nicht allein war. Und war augenblicklich vergessen, als er sah, dass Newt neben ihm stand – allerdings nicht mit ihm auf einer Höhe, sondern mit den Zehenspitzen auf dem Geländer. Albus blieb einen Moment das Herz stehen, während er beobachtete, wie sich Newt außen am Geländer entlang hangelte. Der Oberkörper war nach oben gestreckt und wegen des Dachs nicht mehr sichtbar. Newt schien nach etwas greifen zu wollen, das sich darauf befand. Aber es gab keinen Zweifel, auch, wenn Albus sein Gesicht nicht sehen konnte. Er hatte den Körper lang genug mit Augen ausgezogen, um die Beine zu erkennen. Und wer sonst wäre so wagemutig, zu abgelenkt von irgendetwas, um die vielen Meter Höhenunterschied zwischen ihm und dem Erdboden zu bemerken?
„Newt?“, fragte Albus und trat langsam näher, weil er den Jüngeren nicht erschrecken und damit schlimmeres auslösen wollte. „Was treibst du da?“ Wer Newt kannte, wusste, dass man ihn an den ungewöhnlichsten Orten traf. Und dass die erste Erklärung, die man dafür fand (‚er will sich in den Tod stürzen‘) selten die richtige war.
Newt beugte sich zu ihm hinunter, sodass sein Gesicht knapp unter dem Dach hing. “Oh, hallo!”, sagte er mit einem fröhlichen Lächeln.
Albus hob die Augenbrauen und musste unwillkürlich schmunzeln über diese unbedarfte Begrüßung. “Einer der Feuerschwänze ist aus seinem Gehege geflohen und sitzt dort oben", erklärte Newt, löste eine Hand vom Geländer und zeigte zur Verdeutlichung hinauf. Dann, wohl erneut abgelenkt von dem Tierwesen, verschwand sein Kopf wieder und Albus hörte ihn streng sagen: "Bleibst du wohl da!"
Er hangelte sich weiter das Geländer entlang.
Albus war versucht, ihn zu greifen und ins Sichere zu ziehen. Dann erinnerte er sich, dass Newt bisher weitaus Schlimmerem ausgesetzt gewesen war und auch das überlebt hatte. Also entschied er sich stattdessen für ein leises Lachen. "Kann man dir irgendwie zur Hand gehen?", fragte er und verschloss die Sorge um Newt tief in sich. Einer der Vorteile davon, ein großer Zauberer zu sein, war, dass man sich sehr vielen Situationen sicher fühlte, in denen andere bereits kalte Füße bekamen. Albus hielt die Luft an, als Newt sich auf die Zehenspitzen stellte und sein Herz schlug schneller vor Aufregung – doch er erinnerte sich daran, dass er ihn notfalls im Fall abfedern konnte. Wichtig war, dass er bei ihm blieb. Solange er blieb, wäre Newt verhältnismäßig sicher. Newt würde ohnehin nicht auf ihn hören, wenn Albus ihn bitten würde, runter zu kommen. Er würde sich nur unverstanden und bevormundet fühlen und so groß Albus’ Angst um ihn auch war, er musste sich zurückhalten und Vertrauen beweisen.
Newt überlegte kurz und schüttelte dann den Kopf. "Vielleicht könnten Sie ihn mir abnehmen, wenn ich ihn eingefangen habe... Er reagiert etwas scheu auf Magie, also muss ich ihn mit der Hand zufassen bekommen", erklärte er mit dem Blick nach oben, ehe er den Zauberstab wieder zwischen die Zähne nahm und sich auf die Zehenspitzen stellte. Mit einer Hand am Geländer streckte er sich, hielt kurz inne und packte schließlich zu, ehe er das fiepende Wesen vorsichtig herunter und in seine Arme zog. "Geht doch", murmelte er undeutlich mit dem Zauberstab zwischen den Zähnen und grinste Albus triumphierend an, der konzentriert nähergetreten war und das kleine Tier entgegennahm. Kaum hielt Albus es an seine Brust gedrückt, damit es nicht erneut verschwand, kletterte Newt hinunter und sprang neben Albus zurück auf die Plattform. Albus atmete auf. Nun, da Newt wieder auf festem Untergrund stand, umgeben von Geländer, fühlte er sich sehr viel besser. Er beobachtete, wie Newt grinsend den Stab wegsteckte, ehe er Albus den Feuerschwanz wieder abnahm und das Wesen sanft kraulte.
"Dankeschön”, sagte er schließlich mit einem warmen Lächeln.
Albus nickte, während er sich bereits die Worte zurechtlegte, die ihm auf dem Herzen lagen. Er konnte sie einfach nicht unausgesprochen lassen. Dennoch gab er sich Mühe, sie so freundlich und verständnisvoll wie möglich zu formulieren.
“Manch einer hätte deine Handlung für waghalsig gehalten“, sagte er und schüttelte dann schmunzelnd den Kopf, “Newt, es mag dir nicht bewusst sein, aber das, was du wie selbstverständlich für deine Tierwesen auf dich nimmst, versetzt die Menschen in deiner Umgebung hin und wieder in Sorge… Sorge um dich“, präzisierte er. “Sollte ich also einmal ungewöhnlich angespannt oder übertrieben aufgelöst wirken, könnte es daran liegen, dass du dich in dem Moment in, aus meiner Sicht, große Gefahr begibst.“
Newt schaute mit großen, blauen Augen zu Albus auf und senkte dann mit einem beschämten Lächeln den Blick. "Ich achte stets darauf, mich nicht in Gefahr zu bringen”, murmelte er.
Albus lehnte sich vor und gab Newt einen Kuss auf die Stirn. “Man sieht, dass du weißt, was du tust“, stimmte er zu. “Aber Sorge kann parallel entstehen. Selbst, wenn ich weiß, dass du gewisse Gefahren gewohnt bist, kommt es vor, dass ich fürchte, dass dir etwas zustößt.“ Er lehnte sich wieder zurück und schenkte Newt ein friedfertiges Lächeln. “Ich möchte dich nicht einschränken“, sagte er und fuhr mit einem breiteren Grinsen fort, “Ich weiß sehr gut aus Erfahrung, dass du dich ohnehin nicht daranhalten würdest.“ Albus ließ seine Hände in die Hosentaschen gleiten und trat ein paar Schritte von Newt fort, hin zur Tür, die ins Schloss führte. Er warf Newt über die Schulter einen Blick zu.
“Ich wollte dir lediglich mitteilen, wie ich fühle“, sagte er mit einem weiteren Lächeln.
Newt nickte. “Okay”, murmelte er. Er schien nachdenklich, hatte den Feuerschwanz fest im Arm und die Augen von Albus abgewandt. Aber er wirkte nicht verstimmt oder gekränkt. Lediglich so weit weg, dass er nicht einmal mitbekam, dass das Tier in seinen Armen begann, sich ungeduldig zu winden.
Albus hoffte, dass seine Worte keine falschen Botschaften gesendet hatten.
“Willst du…“, fragte er und deutete mit dem Kopf zu dem Tier hin, um Newt ein wenig aus seiner Trance zu holen, “… ihn nicht hinunterbringen?“
Newt blinzelte und schaute zu ihm auf und dann zu dem Feuerschwanz.
“Doch, sicher”, sagte er, als wäre er eben noch ganz weit weg gewesen. Nun straffte er die Schultern und ging zur Tür.
Albus schmunzelte, folgte ihm und ging mit ihm durchs Schloss. In den Gängen herrschte der ganz normale Trubel vor Eintreten der Nachtruhe. Schüler kamen ihnen entgegen, auf dem Weg zu ihren Gemeinschaftsräumen, von der Bibliothek oder der Großen Halle.
Während er neben Newt hinunterlief, fragte Albus: “Wie läuft es sonst? Haben sich deine Tierwesen an die neue Umgebung gewöhnt?“
Newt nickte. "Die meisten, ja. Ich habe sowieso hauptsächlich die dabei, die ich auch öfter auf Reisen mitnehme. Von daher sind sie Umgebungswechsel gewohnt. Auch, wenn das den einen oder anderen von ihnen nicht davon abhält, hin und wieder aus dem Gehege zu verschwinden." Er warf der geflügelten Echse in seinen Armen einen belustigten Blick zu.
Albus nickte schmunzelnd. “Ich muss ehrlich zugeben, ich bin neugierig, seit du dort auf dem Geländer gestanden hast: Was ist das für ein Wesen? Von Feuerschwänzen habe ich bisher noch nie etwas gehört.“
Newts Augen leuchteten auf, wie jedes Mal, wenn er eingeladen wurde, über seine Tierwesen zu sprechen. "Feuerschwänze gehören zu den harmloseren Tierwesen", erklärte er mit einem Blick hinunter. “Sie ähneln zwar einem Miniaturdrachen, sind aber eigentlich sehr harmlose und freundliche geflügelte Echsen. Den Namen tragen sie wegen des leichten Glühens und weil ihr Schwanz Funken sprüht, wenn sie aufgeregt sind. Allerdings ist das nachts besser sichtbar als am Tag, dafür sind die Funken zu klein."
Albus nickte. “Ich sollte wohl regelmäßiger in deinen Unterricht kommen”, stellte er fest.
Seine Worte brachten Newt zum Kichern. "Ich fürchte, Sie würden mich zu sehr ablenken, Professor.”, sagte er und wieder fühlte Albus dieses wohlige Kribbeln im Nacken und in der Brust, das er jedes Mal hatte, wenn Newt ihn ‘Professor’ nannte.
Als Newt dann hinzufügte: “Ich kann Ihnen gerne ein paar persönliche Nachhilfestunden geben” und ihm ein unschuldiges Lächeln schenkte, konnte Albus nicht verhindern, die Worte doppeldeutig zu interpretieren.
Er schmunzelte wölfisch. “Nachhilfestunden klingen gut”, schnurrte er, “Ich bin sicher, du kannst auch noch etwas von mir lernen. Wie wäre es, wenn wir heute Abend damit anfangen?“
Entweder Newt kannte ihn mittlerweile gut genug, oder die Bedeutung hinter seinen Worten war eindeutig gewesen. So oder so lief Newt dunkelrot an und konnte den Blick zu Albus nicht länger aufrechterhalten. Fahrig senkte er den Blick. "Mit Ihren Nachhilfestunden oder mit meinen?", fragte er atemlos.
Albus warf einen Blick nach vorn und dann über die Schulter nach hinten. Im Augenblick waren sie allein. Er lehnte sich zu Newt herüber und raunte ihm ins Ohr: “Mit deinen, wenn es recht ist?“ Zufrieden beobachtete er, wie sich auf Newts Nacken eine Gänsehaut ausbreitete.
"Klingt gut", murmelte Newt und warf Albus einen verstohlenen Blick zu.
Albus erwiderte den Blick lächelnd. Die Aussicht auf den Abschluss seines Tages machte all den Stress, den er heute hatte, wett. „Sehr schön“, sagte er und weil er Schüler nahen hörte, brachte er wieder ein wenig Abstand zwischen sie, „Dann erwarte ich dich demnächst in meinem Büro.“ Sie waren mittlerweile soweit hinuntergelangt, dass ihre Wege gleich in unterschiedliche Richtungen gingen. Er blieb an der Weggabelung stehen, die sie trennen würde und zwinkerte Newt zu.
„Lass mich nicht zu lang warten“, sagte er mit einem vielsagenden Blick.
Newt schüttelte eilig den Kopf. “Natürlich nicht”, sagte er und mit einem Mal wieder er gehetzt, als würde es ihm unter den Nägeln brennen, sich zu beeilen.
Albus lachte leise über so viel Enthusiasmus. Es heizte seine eigenen Gedanken umso mehr an. Er nickte Newt noch einmal zu, dann ging er in den Gang, der zu seinen Räumen führte.

 

~*~



Nachdem Newt Sorge dafür getragen hatte, dass der Feuerschwanz wieder sicher und wohlbehalten in dem Gehege seiner Artgenossen untergebracht war, ging er zurück ins Schloss und in seine eigenen Räume.
Newt durchkramte seinen Kleiderschrank auf der Suche nach einem ordentlichen Hemd, nachdem das, was er am Leib trug, von der Arbeit mit den Tierwesen verschwitzt und dreckig war. Er fand eines, zog das alte aus und das neue an, ehe er einen nervösen Blick in den Spiegel warf. Treffen mit Dumbledore waren immer ein Grund für Aufregung – wenn auch positiver Natur. Bisher war keines ihrer Treffen langweilig gewesen, vor allem in den letzten Wochen. Es hatte stets etwas gegeben, das Newt in besonderer Weise im Gedächtnis geblieben war und er freute sich darauf, heute weitere Erfahrungen mit ihm zu machen.
Weil Newt sein eigenes Aussehen auch dann nicht beurteilen konnte, wenn er nicht nervös war, gab er den Versuch auf, sich zu fragen, ob er gut genug für das Treffen aussah, und machte sich auf den Weg.
Als er schließlich vor Dumbledores privaten Räumen stand, klopfte er nervös.
Ihm wurde geöffnet und Dumbledore stand ihm gegenüber, in einen dunkelroten, eng geschlossenen Morgenmantel gehüllt und einen ebenso dunkelroten Rotwein in der Hand. Newt konnte nicht anders, als den Blick wandern zu lassen. Er mochte es, Dumbledore in dieser Aufmachung zu sehen, stellte er fest. Es strahlte Entspannung aus... und zugleich eine gewisse Note Erotik.
Bevor sich Newt zu schnell in seinen eigenen Gedanken verlieren konnte, bemerkte er Dumbledores freundliches Lächeln und hörte das “Guten Abend”, mit dem er ihn begrüßte.
“Guten Abend”, antwortete Newt und trat, da Dumbledore die Tür weiter aufzog, in den Raum hinein. Er war schon aufgeregt gewesen, als er hierhergekommen war. Die Wiedersehensfreude, obwohl sie nur kurz getrennt gewesen waren, verschaffte Newt nun einen neuen Hormonrausch, der ihn mutiger machte. "Tragen Sie das immer, wenn Sie Nachhilfe geben?", fragte er schmunzelnd.
“Nur bei besonderen Schülern“, antwortete Dumbledore mit einem anrüchigen Schmunzeln und schloss die Tür hinter Newt. Er griff nach dem zweiten Weinglas und hielt es Newt hin. “Rotwein?“, fragte er und seine Augen nahmen einen zärtlichen Ausdruck an, bei dem Newts Brust warm wurde.
"Gern." Newt nahm das Weinglas dankend entgegen und schenkte Dumbledore erneut ein warmes Lächeln. Je mehr Zeit sie miteinander verbrachten, desto tiefer wurden seine Gefühle, bemerkte er. Sie nahmen ernsthafte Züge an, wandelten sich von Schwärmerei in aufrichtige Zuneigung. Und er meinte, in Dumbledores Augen etwas ähnliches zu sehen. Es ließ ihn hoffen – darauf, dass das, was sie begonnen hatten, noch lange weitergehen würde. Newt hatte solche Dinge noch nie für eine andere Person gefühlt. Er wollte sie nun nicht aufgeben.
Als Dumbledore sich zu ihm vorbeugte und ihn küsste, schmolz Newt in den Kuss. Er seufzte auf und ließ sich, nachdem sie sich wieder voneinander gelöst hatten, von Dumbledore zum Sofa schieben.
“Also“, sagte Dumbledore im Plauderton und warf ihm einen amüsierten Blick zu, während sie sich setzten, “Wie geht es deinem kleinen Ausreißer? Ist er wieder wohlbehalten in seinem Heim?“
"Oh, es geht ihm sehr gut. Er hat sich gleich in sein Nest verzogen, um nach dem ganzen Trubel zu schlafen", erzählte Newt mit einem leisen Lachen, ehe er einen Schluck des Weins nahm. "Aber ich vermute, der Ausflug hat ihm trotzdem gefallen. Feuerschwänze lieben hohe Aussichtspunkte."
Dumbledore nickte. “Nun, das ist beruhigend, dass er jetzt ein wenig zur Ruhe kommt.“ Er nippte an seinem Wein. “Vielleicht kann man sich, wenn etwas Zeit vergangen ist und die Menschen erkannt haben, wie gewinnbringend deine Forschungen sind, dafür einsetzen, die Feuerschwänze in ein Gehege auf dem Astronomieturm umzusiedeln. Das würde ihnen sicher gefallen“, sinnierte er.
Newts Herz schlug höher. "Meinen Sie wirklich?", fragte er, begeistert von dieser Idee. Warum war er selbst nicht darauf gekommen? Sie waren schließlich nicht gefährlich... solange man nicht seine Finger in ihre Käfige steckte.
Dumbledore nickte erneut. “Sicher“, bestätigte er und schenkte Newt ein Lächeln. “Vorausgesetzt, wir haben auch in den nächsten Jahren Lehrer für Pflege magischer Geschöpfe, die ihr Handwerk so gut verstehen wie du.“
Newt lächelte verhalten. "Ich hoffe es wirklich sehr", sagte er leise. Es war schließlich ein neues Fach. Sicher, sein Buch hatte es direkt in die Bestseller geschafft und eine Begeisterung für magische Wesen ausgelöst, aber würde es reichen, um Leute zu motivieren, wirklich eine Karriere in diese Richtung einzuschlagen?
Seine Gedanken verloren sich in Zukunftsvisionen und er fragte sich, wohin das alles führen konnte. Es klang so vielversprechend und er wünschte es seinen Tierwesen so sehr, dass sie durch ein ununterbrochenes Unterrichtsprogramm in den Schulen mehr Verständnis bei den Menschen bekamen.
Weil Dumbledore nicht mehr sprach, schaute Newt versonnen ins Feuer. Es entspannte ihn ebenso wie die angenehme Gesellschaft und der Rotwein, der eine ausgezeichnete Wahl war. Er hatte eine unterschwellige Süße, die er so von anderen Weinen nicht kannte, die ihm aber sehr gefiel. War das eine Honignote? Vanille? Er konnte es nicht genau zuordnen.  
Newt fühlte, wie die Anspannung des Tages mehr und mehr von ihm abfiel. Einem Impuls folgend, rückte er näher an Dumbledore heran und lehnte seinen Kopf gegen ihn.
Dumbledore ging auf die Bewegung ein, legte ihm einen Arm um die Schulter und zeichnete mit den Fingerspitzen kleine Kreise auf Newts Oberarm, während er einen weiteren Schluck nahm.
Newt seufzte glücklich. Schade, dass er durch die Doppelbelastung ‘Tierpfleger’ und ‘Lehrer’ so viel zu tun hatte. Er könnte es sich gut vorstellen, jeden Abend auf diese Weise ausklingen zu lassen.
Während Newt einen weiteren großen Schluck seines Rotweins nahm, spürte er Dumbledores Fingerspitzen überdeutlich auf seinem Oberarm und bekam eine leichte Gänsehaut. Leise seufzend schmiegte er sein Gesicht näher gegen den Älteren und schloss die Augen. Tief atmete er den Duft ein, der so typisch für Dumbledore war.
Er hörte ihn leise lachen, als würde seine Anschmiegsamkeit Dumbledore amüsieren. Der tiefe Ton vibrierte in Dumbledores Brust und streichelte Newts Ohren. Er schaute zu ihm auf, fühlte ein wohliges Kribbeln bei dem Blick der blauen Augen und beugte sich dann vor, auf der Suche nach einem Kuss.
Dumbledore kam ihm entgegen, verschloss ihre Münder miteinander und küsste Newt so, wie er geküsst werden wollte: Zärtlich erst, dann leidenschaftlicher, tiefer, intensiver. Als die Zunge über Newts Unterlippe strich, öffnete er seinen Mund weiter und seufzte. Alles in ihm verlangte danach, sich noch mehr gegen Dumbledore zu drängen und ihn besinnungslos zu küssen. Newt wandte sich Dumbledore zu, schob seine freie Hand zwischen sie und strich über Dumbledores Brust, die vom Morgenmantel bedeckt aber leicht zugänglich war. Verwegener als bisher schob Newt seine Hand unter den flauschigen Stoff, um direkt über die warme Haut zu streichen, die seine Fingerspitzen wohlig kribbeln ließ.
Nur am Rande bekam er mit, wie Dumbledore ihm das Weinglas aus der Hand nahm und es mit seinem eigenen zum niedrigen Tisch schweben ließ. Dann kehrten die Hände zu ihm zurück, strichen über seine Arme und dann seine Seiten entlang, was bei Newt ein angenehmes Zittern auslöste. Die Hitze nahm durch die Berührungen zu. Ungeduldig schob Newt den Stoff des Morgenmantels zur Seite und strich über Dumbledores nackte Brust, seine Schultern hinauf und dann wieder hinab zu seinem Bauch.
Zu seiner Überraschung knurrte Dumbledore ungewohnt animalisch, ehe er den Kuss löste und Newt sanft ins Ohrläppchen biss. Ihm lief ein wohliger Schauer über den Rücken, der noch verstärkt wurde von dem heißen Atem an seinem Hals und den Fingern, die sich darangemacht hatten, seine Fliege zu lösen. Dumbledore schien dabei ebenso ungeduldig wie er selbst. Seine Hand glitt von Newts Kragen über die Knopfreihe hinunter und unter seiner Handfläche sprangen die Knöpfe von selbst auf.
Newt zuckte zusammen, als er plötzlich den kühlen Luftzug und anschließend die warmen Finger auf seiner Brust spürte. Mit einem Schnurren schmiegte er sich in die Berührung. Als Dumbledore ihm dann plötzlich in den Hals biss, konnte Newt einen kleinen Schrei nicht zurückhalten, teils vor Überraschung, teils vor Schmerz und teils vor Lust, die das Blut direkt zwischen seine Beine schießen ließ. Mit einem leisen Stöhnen schloss er die Augen und ließ seinen Kopf zurücksinken, um Dumbledores Liebkosungen an seinem Hals zu genießen. Die heiße Zunge leckte über die malträtierte Haut, bevor sich ebenso warme Lippen an ihm festsaugten. Zugleich war Dumbledores Hand an Newts’ Brustwarze angekommen, reizte sie, bis sie sich aufstellte und rollte sie dann zwischen den Fingern.
Newt lehnte sich haltsuchend gegen ihn, hatte er doch das Gefühl, dass ihm der Kopf schwirrte vor Lust und dieser unglaublichen Hitze. Er konnte das Seufzen und Stöhnen, welches ihm über die Lippen kam, kaum noch zurückhalten.
Seine Hände lösten tapfer aber mit fahrigen Bewegungen den Morgenmantel und strichen schließlich tiefer über Albus Hüfte direkt zu seinem Schritt. Bevor er dort ankommen konnte, legten sich Dumbledores Hände auf seine Hüften und gaben ihm mit einem fordernden Ziehen zu verstehen, dass er näherkommen sollte. Newt ließ sich nicht zweimal bitten. Er stieg auf Dumbledores Schoß, ohne zu zögern. Einen Moment stützte er sich haltsuchend auf Dumbledores Schultern ab, dann hatte er sein Gleichgewicht wiedergefunden und presste auffordernd seine Hüfte gegen die von Dumbledore.
Der Ältere kam ihm entgegen, legte den Kopf in den Nacken, um Newt erneut in heiße Küsse zu verwickeln und strich zugleich mit den Händen über Newts Oberschenkel. Seine Erektion war deutlich zu fühlen. Sie rieb gegen Newts eigene Härte. In den Kuss stöhnend, bewegte Newt seine Hüfte fordernd gegen Dumbledore, wollte noch mehr Körperkontakt, noch mehr Reibung, noch mehr... Er war sich selbst nicht sicher, was genau er mehr wollte, doch die Lust und die Hitze, die sich in seinem Unterleib sammelte, verlangte nach mehr von allem. Er war rastloser und hungriger, als er sich kannte, gieriger, verlangender, ungehemmter. Etwas schien ihn von seinen sonstigen Vorbehalten befreit zu haben. Er kam sich mutiger vor, weniger zögernd, gieriger nach Erfüllung.
Als Dumbledore die Hände fest auf seinen Hintern legte, um ihn noch enger gegen sich zu pressen, zuckte Newt allerdings zusammen und das berauschende Gefühl in ihm strauchelte einen Moment. Da war etwas, das ihn aus dem Konzept brachte. Etwas, das nicht da sein sollte. Erschreckt löste Newt den Kuss und schaute peinlich berührt zu Dumbledore hinunter.
Irgendetwas zwischen seinen Beinen fühlte sich feucht an. Auf eine sehr unangenehme, unpassende Art.
“Ist alles in Ordnung, Darling?“, fragte Dumbledore mit rauerer, tieferer Stimme, als Newt sie von ihm kannte. Es klang animalischer als sonst.
Dumbledore war Newts Unbehagen offensichtlich nicht entgangen. Er strich in langsamen, kreisenden Bewegungen über Newts Oberschenkel.
Hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, bei Dumbledore zu bleiben und dem Unwohlsein wegen der sonderbaren Feuchte, die aus seinem Hintern trat, warf Newt ihm einen gehetzten Blick zu. Er lehnte sich etwas zurück, fast so, als ob er überlegte, sich von ihm zu lösen, auch wenn sich alles in ihm dagegen sträubte. "I-ich... ich glaube, irgendetwas stimmt nicht", brachte er mit heiserer Stimme heraus.

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„Inwiefern?“, hakte Dumbledore sanft nach und eine seiner Hände strich Newt beruhigend über den Rücken. Er schien von Newts Gebaren nicht im Geringsten verunsichert.
Doch Newt lehnt sich weiter zurück und machte Anstalten aufzustehen.
„Ich... ich bin gleich wieder da. Ich fühle mich nicht gut", sagte er aufgewühlt, während er bereits Richtung Bad schielte. In ihm stieg die Panik auf, während er sich fragte, ob er krank wurde.
Als er Anstalten machte, sich von Dumbledores Schoss zu erheben, zog ihn dieser allerdings mit dominanter Entschiedenheit zurück.
„Newt“, sagte er und seine Stimme klang trotz aller Sanftheit streng und ließ keine Widerrede zu, „Sag mir, was dich beschäftigt.“
Newt entwich ein leises Wimmern. „I-ich... ich möchte nur kurz ins Bad... auf Toilette, bitte", sagte er und konnte Dumbledore vor Scham nicht einmal in die Augen sehen.
Anstatt ihn zu lassen, hielt Dumbledore ihn unbarmherzig weiter auf seinem Schoß.
„Wieso?“, fragte er freundlich, aber unnachgiebig, „Warum gerade jetzt?“
Verzweifelt zerbiss sich Newt die Unterlippe. Nein, das war wirklich nichts, was er in Worte fassen wollte. Es war ihm so unangenehm, verunsicherte ihn zutiefst und nun sollte er, in einem Moment, der so schön begonnen hatte, auch noch darüber reden und damit sein Bild bei Dumbledore schädigen? Dumbledores Tonfall war fordernd gewesen und Newt fiel es genauso schwer, sich zu einer Antwort durchzuringen, wie es unbeantwortet zu lassen.
„Ich.... weil ich…", begann er mit brüchiger Stimme und presste dann die Lippen feste aufeinander, während seine Augen feucht wurden.
Dumbledore strich ihm beruhigend über den Rücken.
„Schhh, Darling“, raunte er ihm zu und drückte ihn an sich. Newt ließ ein weiteres Wimmern vernehmen, das aussagte, wie gern er ins Bad verschwinden wollte.
Dumbledores nächste Worte ließen ihn jedoch innehalten.
„Es ist nicht das, was du denkst“, sagte er sanft, während er fortfuhr, Newt zu streicheln. „Es lag ein Zauber auf dem Wein. Ein Zauber, der dich vorbereiten soll.“ Er küsste ihm den Hals. „Du fühlst dich feucht, dort unten, nicht wahr?“
Newts Herz setzte einen Schlag aus. Er riss den Kopf hoch, verwirrt von den Worten, und nickte zögernd. „Ein Zauber?”, hakte er atemlos nach.
„Ein weiteres Experiment“, fuhr Dumbledore leise und mit einem nachsichtigen Lächeln fort. „Deine Reaktion ist vollkommen normal. Ehrlich gesagt sogar erwünscht.“
„A-aber... wieso?”, hauchte Newt fassungslos.
Dumbledores Lächeln wurde liebevoll. Zärtlich strich er Newt über die Wange.
„Damit wirst du dich sehr gut fühlen, Darling“, schnurrte er und drückte Newt einen heißen Kuss auf den Hals, „Vertrau mir.“
Newt, der bemerkte, wie schnell ihn Dumbledores Worte beruhigten, nickte.
„Okay”, murmelte er und sog Dumbledores Duft ein, der ihm das Herz wärmte, während der Ältere damit fortfuhr, ihn erst beruhigend und dann immer sehnender zu streicheln. Newt schloss die Augen und konzentrierte sich auf die Empfindungen. Widerwillig löste er sich ein wenig von Dumbledore, damit dieser sein Hemd von seinen Schultern streichen konnte, ehe er sich mit einem Schnurren erneut gegen ihn schmiegte. Dann nestelten Dumbledores Hände an seiner Hose, öffneten den Gürtel und dann den obersten Knopf, den Reißverschluss und schließlich glitt seine Hand hinein. Newt schnappte nach Luft und bog den Rücken durch.
Dann sog er scharf die Luft ein, als Dumbledore einen unausgesprochenen Zauber wirkte und er plötzlich vollkommen nackt auf ihm saß, eine Hand an seinem harten Glied und Dumbledore vollkommen ausgeliefert.
Dumbledore schien zu gefallen, was er sah. Er drängte Newt mit der einen Hand näher, knurrte nah an seinem Ohr: „Du riechst so gut”, und fuhr fort, ihn mit der anderen zu massieren.
Newt entwich ein sehnsüchtiges Stöhnen. Seine Hüften zuckten Dumbledore entgegen.
Es war auf einmal alles so viel. Die Eindrücke, Dumbledores warmer beruhigender Duft, seine Nähe, die Hand an Newts Glied, das ihn um den Verstand brachte. Haltsuchend, weil ihm vor Lust ganz schwindelig wurde, krallte Newt die Hände in Dumbledores Schultern.
„B-bitte”, keuchte er atemlos, während seine Nervenenden kribbelten.
„Worum bittest du?“, schnurrte Dumbledore. Seine Hand, die eben noch in Newts Rücken gelegen hatte, wanderte über seinen Hintern und dann zu seinem Eingang hin. Er strich über die Rosette, aus der glitschige Feuchtigkeit tropfte und ließ den Finger darüber kreisen. Newt zuckte heftig zusammen. Die Berührung fühlte sich an, wie ein kleiner elektrischer Schlag, der ihm durch den Unterleib fuhr. Newt stöhnte auf.
„Darum?“, fragte Dumbledore. Er strich fester über Newts Eingang und Newt entwich ein atemloses Wimmern, während er fahrig nickte. Er versuchte, Dumbledore seinen Po noch deutlicher entgegenzustrecken, während er seine Arme um Dumbledores Hals schlang und sein Gesicht erneut an dessen Schulter vergrub.
„Du bist so feucht für mich geworden, Darling“, knurrte Dumbledore anerkennend.
Newt gab einen leisen überraschten Aufschrei von sich, als Dumbledore ohne Vorwarnung einen Finger in ihn hineinschob. Und als er ihn dann anwinkelte und leicht an Newts Muskelring zog, der sich weicher und nachlässiger anfühlte, als er es gewohnt war, wimmerte er auf. Lustvolle Blitze zuckten heftig durch seinen Unterleib und machten ihn ganz schwach.
Bevor er die neue Empfindung einordnen konnte, schob Dumbledore bereits einen zweiten Finger hinterher, spreizte sie und füllte Newt damit so schnell aus, dass ihm der Kopf schwirrte. Er war im Inneren sonderbar empfindlich, konnte jede noch so kleine Bewegung fühlen, die Dumbledores Finger taten, und spürte, wie es ihn weiter anheizte. Es war ein seltsames Gefühl, aber um so vieles besser als er es sich jemals vorgestellt hatte. Seine Hüfte zuckte und in ihm entstand ein Zug, als wollten seine Muskeln Dumbledores Finger tiefer ziehen.
„So gierig”, kommentierte Dumbledore mit einem leisen Lachen. Er klang recht zufrieden und schob einen dritten Finger in ihn.
Newt grub die Zähne in Dumbledores Schulter und schrie gedämpft auf, während er fühlte, wie seine empfindlichen Muskeln um Dumbledore zuckten.
„B-bitte”, wimmerte er gegen die Schulter des Älteren, während sein ganzer Körper bereits vor Anspannung zitterte.
Flehend und in der Hoffnung, Dumbledore damit erweichen zu können, setzte er ihm eine Reihe von Küssen unters Kinn, an den Hals und auf die Schulter.
Er konnte Dumbledore zufrieden brummen hören. Dann zog er die Hand aus Newt heraus und Newt, der die plötzliche Leere nicht ertrug, wimmerte leidend.
„Ruhig, Liebes”, besänftigte ihn Dumbledore mit tiefer Stimme. „Bist du bereit für mich?” Seine Finger strichen über Newts Hintern und er grub die Hände in die weiche Haut, während er ihn hinunter drückte, sodass sie im Schritt übereinander rieben.
Newt nickte hastig und stöhnte auf.
„Ja”, hauchte er atemlos und setzte flehend hinzu: „Bitte.”
Auf seine Worte hin verwickelte Dumbledore ihn in einen leidenschaftlichen, hitzigen Kuss, während er seinen Morgenmantel öffnete. Wie Newt zuvor schon vermutet hatte, war er darunter nackt.
Newt durchlief ein wohliger Schauer bei dem Anblick, doch Dumbledore ließ ihm keine Zeit, sich allzu lang damit zu befassen.
Er hob Newt ein Stück hoch, ehe er ihn langsam wieder hinunterließ, direkt auf das harte Glied, das gleich darauf ungehindert in ihn eindrang und Newt überwältigt nach Luft schnappen ließ. Ihm entwich ein überwältigtes Stöhnen, als Dumbledores Glied ihn so sehr ausfüllte, dass es gegen seine Prostata rieb und ihn heftig erschaudern ließ. Seine Muskeln verkrampften sich zuckend um den breiten Schaft.
Dumbledore drückte ihn gierig tiefer, als würde es noch tiefer gehen, und hob sein Becken an, um sich auch noch den letzten Millimeter mehr hinein zu drängen.
Newt holte zittrig Luft. Es füllte ihn auf so überwältigende Weise aus, dass es ihm vollkommen den Atem raubte.
Unter ihm knurrte Dumbledore hungrig. Seine Augen lagen auf Newt. Einen Moment lang gab er ihnen beiden Zeit, sich an die neuen Empfindungen zu gewöhnen. Seine Hände wanderten zu Newts Taille und strichen darüber, ehe er ihn fordernd näher zog. Er küsste Newts Hals, grub die Zähne in sein Ohrläppchen und ließ sein Becken ein wenig kreisen.
„Fühlt es sich gut an, so von mir ausgefüllt zu werden, Darling?“, raunte er Newt ins Ohr, „Willst du mehr?“
Newt konnte kaum noch klar denken. Ein Zittern durchlief seinen Körper.
„S-so gut", bestätigte er atemlos. „Mehr, b-bitte..."
„Dann beweg dich, Liebes“, hörte er Dumbledore mit samtiger Stimme knurren, ehe der Ältere sich zurücklehnte und ihm einen auffordernden Blick zuwarf.
Newt blinzelte und versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen. Unter anderen Umständen wäre er zu schüchtern gewesen… Hätte sich Sorgen gemacht, ob seine schwachen Versuche ausreichen würden.
Aber nun war er zu erregt und von Dumbledore und dem was er tat, zu berauscht. Seine Hände legten sich auf die Schultern des Älteren und er begann testend, sein Becken wie zuvor kreisen zu lassen. Genießend schloss er die Augen und keuchte auf. Er konnte Dumbledores Schwanz bei jeder Bewegung tief in sich spüren und bald wandelte sich seine abgehackte Atmung erneut in ein Stöhnen. Gleichzeitig entbrannte eine Gier in ihm, die gepaart mit der Hitze in seinem Unterleib, nach mehr forderte. Anstatt weiter auf Dumbledore zu kreisen, hob er sein Becken an. Er sog scharf die Luft ein, weil er spürte, wie Dumbledore ein paar Zentimeter aus ihm herausglitt. Sein Inneres war so dermaßen empfindlich, dass es auf jede noch so kleine Reibung reagierte.
Als er sich wieder hinunter sinken ließ, entwich Newt ein zittriges Stöhnen und er legte den Kopf in den Nacken.
Das, was er tat, schien auch Dumbledore zu gefallen. Er gab ein leises Knurren von sich und schnurrte: „Du siehst bezaubernd aus, Darling.“
Seine Hände zuckten an Newts Hüfte, als würde er sich krampfhaft davon abhalten, sich selbst mit aller Kraft in ihn hineinzustoßen. Schwer atmend setzte er hinzu: „Und es fühlt sich so gut an in dir.“
Newt gab ein genießendes Stöhnen als Antwort. Er konnte dem nur zustimmen. Selbst wenn er sich nicht bewegte, sandte Dumbledores pulsierendes Glied Wellen der Lust durch seinen Körper. Es füllte ihn aus, genau richtig, bis auf den letzten Zentimeter.
Und seine Hüfte schien ein Eigenleben entwickelt zu haben, ein innerer Drang der darauf bestand sein Becken immer wieder in einem langsamen Rhythmus anzuheben, nur um sich dann erneut bis zum Anschlag auf Dumbledore zu senken. Er wurde rastloser, schneller und seine Hüfte zuckte verlangend.
Dumbledore entwich ein atemloses Keuchen. „Du machst das sehr gut“, raunte er lobend und in Newts Brust breitete sich ein warmes Gefühl aus. Plötzlich bemerkte er, dass er sich nichts sehnlicher zu wünschen schien, als Dumbledore zufrieden zu stellen, ihm zu gefallen, ihm in all seinen Aufforderungen nachzukommen. Lag das am Zauber oder an ihm selbst?
Newt hatte keine Kraft dafür, sich auf die Frage zu konzentrieren. Dumbledores Stimme hatte rauer geklungen, abgehackt. Der Ältere gab ein weiteres Knurren von sich, während sich seine Hände sehnsüchtig in Newts Hüfte festkrallten. Er schob sein Becken hoch und kam Newt entgegen, als dieser wieder hinabsank, um den Stoß zu intensivieren und Newt entwich ein lustvoller Aufschrei. Der Stoß hatte ihn Sterne sehen lassen. Er hatte irgendetwas in ihm getroffen, das sich sogar noch besser anfühlte als alles davor. Überwältigt von dem intensiven Gefühl, das selbst danach noch kleine, lustvolle Wellen durch seinen Unterleib sandte, ließ Newt sich ein gegen Albus sinken und schmiegte sich an ihn.
„N-noch… mal… bitte...", stöhnte er gegen dessen Schulter.
Dumbledore lachte leise. „Gieriges kleines Ding“, kommentierte er heiser, „Sag mir, wie gut es dir gefällt, von mir genommen zu werden.“ Er ließ die Hände zu Newts Hintern wandern, griff fest hinein, um ihn zu positionieren und dirigierte seine Bewegung, ehe er erneut fest zustieß.
Newt gab einen weiteren erstickten Aufschrei von sich. Er krallte sich haltsuchend an Dumbledore, schmiegte sein Gesicht in dessen Halsbeuge und versuchte, zu Atem zu kommen.
„S-sehr...", seufzte er gegen dessen Schulter, „Ich w-will ni-" Bei dem erneuten Stoß entwich Newt ein erneutes Stöhnen und er erbebte heftig. „N-nie wieder aufhören!"
Seine Worte schienen Dumbledore gnädig zu stimmen, denn dieser hielt ihn weiter so, wie er ihn brauchte, und stieß in einem immer schneller werdenden Rhythmus ungehindert in ihn – direkt gegen diesen süßen Punkt, der Newt Sterne sehen ließ und ihn tiefer in die Ekstase trieb.
Newt hatte Mühe, zu Atem zu kommen, weil ihn jeder der Stöße aufstöhnen ließ, verlangend nach mehr. Er hätte niemals geglaubt, dass er einen derartigen Ausdruck gebrauchen würde, aber Dumbledore fickte ihm wortwörtlich jeglichen Gedanken aus dem Kopf – auf die bestmögliche Weise. Newt genoss den Ritt auf den Wellen der Lust so sehr, dass er begann, alles andere um sich herum zu vergessen.
Derart trunken von Hormonen bekam er erst mit, wie Dumbledore ihn aufs Sofa warf, als er bereits mit dem Rücken auf dem Polster landete und benebelt zu Dumbledore aufschaute. Dumbledore hielt sein Becken noch immer in den Händen, einen ungewohnt fiebrigen, animalischen Ausdruck in den Augen. Er schraubte sich erneut in Newt hinein, stieß hart zu, nun mit deutlich mehr Kraft.
Vor Überwältigung verdrehte Newt die Augen, den Kopf in den Nacken geworfen und die Lippen zu einem stummen Schrei geöffnet.
Dumbledore schien regelrecht entfesselt. Er legte eine Intensität an den Tag, die Newt noch den letzten klaren Gedanken aus dem Bewusstsein trieb, beugte sich zu Newt hinunter und biss ihm in den Hals, ehe er über die verschwitzte, salzige Haut leckte.
Newt zitterte mittlerweile vor Erregung und Anspannung, fühlte, wie ihn die harten Stöße immer höher und weiter in seiner Lust trieben. Er hatte den Rücken durchgebogen und wimmerte bei jedem gezielten Stoß sehnsüchtig, fühlte wie sein Orgasmus sich so unglaublich nah anfühlte und doch unerreichbar fern, als ob noch irgendetwas fehlte, um ihm endlich Erlösung zu bringen.
„Ich werde dir so viele Babys schenken, mein hübscher kleiner Omega“, knurrte Dumbledore und biss Newt sanft ins Ohrläppchen. „Ich werde sie alle tief in dich hineintreiben und du wirst sie für mich austragen.“
Newt wollte über die Worte stutzten, doch sie törnten etwas in ihm an. Etwas, von dem er bis eben nicht geglaubt hatte, dass es existierte. Geheime Wünsche, die er nie gehabt hatte. Gedanken, die ihm neu waren und seine Lust doch steigerten. Er stellte sich vor wie Albus tief in ihm kam, ihn mit seinem Samen füllte und schwängerte, sein flacher, durchtrainierter Bauch sich in den nächsten Monaten wölben würde, mit Dumbledores Kind in ihm. Er begann, eifrig zu nicken und warf Dumbledore die Arme um den Nacken.
„B-bitte...schwänger‘ mich!", stöhnte er flehend. Euphorisch von dem Gedanken kam er den harten Stößen mit seinen Hüften entgegen und schlang dabei seine Beine fester um Dumbledores Taille.
Er zog Dumbledore zu einem Kuss herunter.
„Komm in mir, bitte!" keuchte er atemlos gegen dessen Lippen.
Auf seine Worte antwortete Dumbledore mit einem erregend dunklen Knurren.
Das Geräusch sandte einen Schauer seinen Rücken hinab und brachte ihn dazu sein Gesicht eng gegen Dumbledores Hals zu pressen. Die Stöße nahmen noch einmal an Intensität zu, während Dumbledore in seiner Gier immer fordernder und ungestümer wurde. Newt spürte, wie es ihm schwerer fiel den anderen komplett aufzunehmen. Nicht weil er selbst enger als zuvor war, sondern weil es schien als würde Albus noch größer werden. Mit jedem Stoß wimmerte Newt leise, spürte das Ziehen an seinem Muskelring, welches schon fast an Schmerz grenzte. Obwohl ihm der rationale Teil seines Verstands sagte, dass es nicht möglich war, noch weiter gedehnt zu werden, drängte sich Newt Dumbledore bei jedem Stoß entgegen. Bei Merlin, er wollte ihn in sich, tief in sich vergraben bis zum Anschlag, egal wie groß Dumbledore noch werden würde. Als es schließlich schien, als wäre ein erneutes Eindringen unmöglich, biss sich Newt fest auf die Unterlippe und hielt die Luft an. Doch Dumbledore drängte sich unnachgiebig gegen ihn. Als sein Muskelring schließlich nachgab und er spürte wie der dicke Knoten in ihn eindrang, schrie Newt laut auf. Er konnte fühlen wie Dumbledore erschauderte und endlich seinen heißen Samen tief in ihn spritzte. In dem Moment zogen sich Newts Muskeln krampfartig zusammen und er spürte den Knoten des anderen so überdeutlich in sich, wie er sich genau an der richtigen Stelle gegen ihn drückte, dass endlich der langersehnte Orgasmus über ihn hereinbrach.
Für einige Minuten rührte sich keiner von beiden. Newt fühlte sich immer noch benebelt und lag mit geschlossenen Augen da, während er versuchte, seine Atmung zu beruhigen. Seine Beine waren locker um Albus Hüfte geschlungen und er fühlte das stete Pumpen und Zucken von Dumbledores Glied. Es dauerte ungewöhnlich lang an. Vermutlich auch ein Teil des Zaubers. Aber durchaus kein unangenehmer. Mit jedem Schwall, den Dumbledore in ihn pumpte, kam ihm ein genießendes Seufzen über die Lippen. Seine Muskeln zuckten im gleichen Rhythmus um Dumbledores Glied, fast so, als wollte sein Körper ihn bis auf den letzten Tropfen melken.
Er begann, zu dösen, in diesem erhebenden Gefühl von Geborgenheit, Glück und Befriedigung, das ihm der Hormoncocktail in seinem Blut bescherte.
Erst nach einigen weiteren Minuten, als Dumbledores Glied so weit abgeschwollen war, dass es aus ihm herausglitt, als dieser sich bewegte, öffnete Newt träge wieder die Augen. Er beobachtete, wie Dumbledore sein Becken losließ, das er bis dahin noch immer festgehalten hatte, und ihm dann den Hals küsste.
Ein Schmunzeln schlich sich auf Newts Lippen. Er strich Dumbledore über den Rücken.
„Wie fühlst du dich?“, fragte Dumbledore. Seine Stimme klang rau und belegt und er räusperte sich.
„Gut", murmelte Newt mit einem erschöpften Lächeln.
Dumbledore erwiderte das Lächeln. Er rollte zur Seite und legte sich neben Newt. Sein Arm schlang sich um Newts Taille und er setzte ihm einen kleinen Kuss auf die Wange, ehe er den Kopf sinken ließ und mit einem zufriedenen Seufzen die Augen schloss.
Newt schmiegte sich zufrieden an ihn, ehe die Erschöpfung vollends ihren Tribut forderte und der Schlaf ihn holte.

*



Als sie am nächsten Morgen erwachten, hatten sie wenig Zeit. Weder, um über das zu sprechen, was letzte Nacht geschehen war, noch, andere Dinge zu teilen. Newt stahl sich heimlich aus seinem Büro, ehe Albus folgte und als sie dann am Frühstückstisch saßen – Newt deutlich verschlafen aussehend – versuchten sie beide, sich nicht allzu viel anmerken zu lassen.

Trotzdem gingen Albus die Erinnerungen an das Erlebte nicht aus dem Kopf. Die Bilder, die sich in ihn eingebrannt hatten, begleiteten ihn durch seinen Tag. Sie suchten ihn heim, während er versuchte, sich auf seine Klasse zu konzentrieren. Sie erschienen in den Pausen und er hatte das Gefühl, Newt überall zu erspähen – nur, um dann zu erkennen, dass er sich geirrt hatte.
Als es Abend wurde und seine letzte Stunde endete, ging Albus zu seinem gewohnten wöchentlichen Treffen mit dem Schulleiter. Seine Aktivität als diplomatischer Berater des Ministeriums war von großer Wichtigkeit für die Zukunft der Schule und er hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, Dippet stets auf dem Laufenden zu halten.
Er war überaus überrascht, als er an der Tür des Schulleiterbüros klopfte und auf dessen „Herein“, eintrat, nur, um ihn nicht allein anzutreffen. Der Leiter der Abteilung für magischen Strafverfolgung war bei ihm – begleitet von einigen Auroren, darunter auch ihrem Abteilungsleiter, Theseus Scamander.
„Guten Abend“, grüßte Albus höflich und blieb unschlüssig in der Tür stehen. Sein Blick wanderte von den Herrschaften zu Dippet hin. „Ich kann später wiederkommen“, bot er an.
Doch Dippet schüttelte den Kopf. „Nein, Dumbledore, Sie kommen gerade recht“, sagte er und winkte ihn zu sich, „Schließlich haben Sie eine gewisse Schlüsselposition inne.“
Albus nickte. Er trat ein, schloss die Tür hinter sich und ging zum Schreibtisch des Schulleiters, um sich neben ihn zu stellen. Aufmerksam blickte er dem Leiter der magischen Strafverfolgung ins Gesicht, der ihm nur kurz zugenickt hatte und sich dann wieder an Dippet wandte. Er fragte sich, was der Mann hier wollte. Schließlich sprachen sie beide oft genug miteinander und er konnte sich sicher sein, dass Albus die Botschaften, die er ihm mitgab, an Dippet überbrachte.
„Wie ich also bereits ausgeführt habe, ist die Lage derzeit äußerst kritisch“, wiederholte der Leiter der magischen Strafverfolgung eben, „Nach den letzten Monaten wissen wir aus verlässlichen Quellen, dass Grindelwald kurz vor seinem Schlag gegen Europa steht. Er wird schlussendlich auch vor England nicht haltmachen. Wir müssen schnell handeln."
Albus lauschte seinen Worten. Er bemerkte, mit welchem Blick der Leiter der magischen Strafverfolgung ihn dabei bedachte und gab sich ungerührt. Obwohl es ihm jedes Mal einen leisen Stich versetzte, Gellerts Namen zu hören. Es war mittlerweile so oft geschehen, dass er sich an das leichte Zusammenziehen seines Herzens mittlerweile gewöhnt hatte.
„Da sich Mr. Scamander bereits zweimal gegen Grindelwald behauptet hat, möchten wir ihn auch dieses Mal in diese Offensive mit einbeziehen. Ich bin mir sicher, Sie verstehen, dass dies Priorität hat, auch wenn er aktuell bei Ihnen als Lehrer für magische Geschöpfe angestellt ist."
Albus versteifte sich kaum merklich und biss die Zähne zusammen, als er begriff, worum es bei diesem Gespräch ging. Sein Blick wanderte für einen kurzen Moment zu Theseus Scamander hin. Der ältere der Scamander-Brüder sah recht unbeteiligt aus und sein Gesicht zeigte keinerlei Emotion. Aus seiner Sicht war diese Aufgabe vermutlich ein edles Unterfangen. Sein Ruf als junger Kriegsheld ging ihm voraus. Sorgte er sich nicht um das Wohl seines Bruders?
Albus bemühte sich, ebenso unbeteiligt dreinzuschauen, während Dippet sich in seinem Stuhl zurücklehnte und über die Worte des Ministers nachzudenken schien.
„Es ist ein überaus unglücklicher Zeitpunkt“, gab der Schulleiter zu bedenken, „Scamander hat eben ein neues Unterrichtsfach eingeführt, das wir für wegweisend in der zukünftigen Bildungspolitik halten.“ Und, um es noch einmal zu betonen, fuhr er fort: „Er unterrichtet das Fach ‚Pflege magischer Geschöpfe‘.“
Albus hörte, wie Theseus ein abfälliges Schnauben von sich gab, das er kaum zu verstecken versuchte.
„Sein Wissen wird hunderte junge Zauberer neuerer Generationen einen besseren Umgang mit Tierwesen zeigen“, sagte Albus, aus dem Gefühl heraus, das Fach verteidigen zu müssen. Dabei blickte er Theseus an, statt den Minister. Der junge Mann hielt seinem Blick ungerührt stand.
„Es wäre ein Jammer, so viel Potenzial einfach verkommen zu lassen“, setzte Albus leiser hinzu.
Der Leiter der magischen Strafverfolgung fixierte Albus mit einem kühlen Blick.
„Ich dachte eigentlich, gerade Sie würden verstehen, dass der Konflikt mit Grindelwald Priorität vor Lehrplänen von Schülern hat, Dumbledore“, giftete er mühsam beherrscht. Albus beobachtete interessiert, wie sich sein Kiefer anspannte.
„Wo Sie doch immer so bemüht sind zu verdeutlichen, dass wir Grindelwald nicht unterschätzen sollten" merkte der Mann mit einem provozierenden Ton an.
Albus fühlte den Blick aller auf sich ruhen. Aller, außer Dippet, der die Seitenhiebe, die Albus für seine ehemalige Liebschaft einstecken musste, ebenso leid war, wie er selbst.
„Es ist lediglich überraschend“, erwiderte Albus ruhig, aber mit einer gewissen Kühle in der Stimme, „Dass dem Ministerium gerade jetzt auffällt, dass Mr. Scamander gebraucht wird, wo eben das neue Schuljahr begonnen hatte. Wenn ich mich nicht irre, war die Bedrohung bereits vor einigen Wochen existent. Wieso sind Sie nicht schon auf Mr. Scamander zugegangen, als er aus New York wiederkam?“
Er tat, als würde er nachdenken, ehe er mit einem süßlichen falschen Lächeln hinzufügte: „Ahh, ich erinnere mich.“ Er nickte. „Weil Sie es für wichtiger befanden, ihn zu überwachen, anstatt von vornherein auf seine Fähigkeiten und seine Treue zu vertrauen. Und nun sind Sie zu verzweifelt.“
Dippet neben ihm räusperte sich.
„Albus“, sagte er warnend und Albus, der noch mehr sagen wollte, schwieg.
„Diese Diskussionen führen zu nichts“, stellte Dippet fest. „Rufen Sie Scamander her. Er soll für sich selbst sprechen.“
Mit den Zähnen knirschend hob Albus seinen Zauberstab. Er rief seinen Patronus herbei und trug ihm auf, Newt zu ihnen zu bringen.
Der Leiter der magischen Strafverfolgung nickte. Ein eklig blasiertes Lächeln erschien auf seinen Lippen, während er Albus einen triumphierenden Blick zuwarf.  „Das halte ich für eine sehr gute Idee. Befragen wir Mr. Scamander doch einfach selbst."
Die darauffolgenden Minuten vergingen in eisigem Schweigen.
Weder Albus noch der Leiter der Abteilung für magischen Strafverfolgung richteten ein Wort aneinander. Sie taxierten sich mit kühlen Blicken, während alle anderen es ebenfalls vorzuziehen schienen, zu schweigen.
Als es endlich klopfte, löste Dippet die Stille mit einem deutlichen „Kommen Sie herein.“
Die Tür wurde aufgeschoben und Newt trat ein, den Blick verwirrt durch die Gruppe der Anwesenden schweifend. Albus fühlte, wie sein Herz einen kleinen Sprung machte, als er ihn sah.
„G-Guten Abend", grüßte Newt überrascht, während er die Tür hinter sich schloss.
„Guten Abend“, grüßte Dippet und schenkte ihm ein distanziert-höfliches Lächeln. „Kommen Sie bitte zu uns, Mr. Scamander. Die Herren kennen Sie ja bereits, wenn ich mich nicht irre.“
Er winkte ihn zu sich und Albus widerstand dem Drang, zu Newt zu gehen und ihn von den anderen abzuschirmen. Er biss sich auf die Innenseite seiner Wange, um einen kühlen Kopf zu bewahren, während er sah, wie Theseus Newt einen Blick zuwarf, der wohl aussagen sollte, dass er kooperieren soll.
Newt kam der Aufforderung des Schulleiters nach und gesellte sich zu ihm.
„Sie wollten mich sehen, Sir?" fragte er.
Bevor Dippet antworten konnte, schaltete sich der Leiter der magischen Strafverfolgung ein und trat ein paar Schritte näher zu Dippet und Newt. Albus fühlte, wie ein Grollen in seiner Brust entwuchs. Er konnte es zum größten Teil unterdrücken und trat lediglich einen Schritt vor, um hinter Newt zu stehen und den Leiter der magischen Strafverfolgung von dort aus genauer beobachten zu können. Es gelang ihm, seine Finger im Zaum zu halten, damit sie sich nicht beschützend auf Newts Taille legten.
„Das ist richtig, Mr. Scamander" begann der Mann in einem höflich-distanzierten Tonfall und tat so, als wäre Albus nicht da. Er hob zu einer Erklärung an: „Wie Sie sicher wissen, sind wir stetig mit unseren internationalen Verbündeten in Kontakt um die Bedrohung, die von Grindelwald ausgeht zu überwachen."
Er schien zufrieden damit zu sein, Newt erschaudern zu sehen. Albus hätte ihm am liebsten allein dafür einen Fluch ins Gesicht geworfen, aber er zügelte sich.
„Wir arbeiten gerade an einem Plan um Grindelwald zuvor zu kommen“, fuhr der Leiter der magischen Strafverfolgung fort, „und da Sie nun bereits zweimal Grindelwald gegenüber standen - und unverletzt aus diesen Konfrontationen hervorgegangen sind - möchten wir Ihre Erfahrungen und Fähigkeiten für diesen Plan nutzen."
„Das Ministerium ist auf der Suche nach fähigen Männern, die sich bereit erklären, aktiv gegen Grindelwald zu kämpfen“, schaltete sich Dippet ein, „Sie würden, wenn ich es richtig verstanden habe, mit Ihrem Bruder zusammenarbeiten.“
Theseus, der aufmerksam auf Newts Reaktion wartete, nickte.
Und Albus, der das Warten schwerer ertrug als üblich, mahnte sich zu einer ruhigen Atmung.
Er sah Newt schüchtern lächeln.
„Verstehen Sie mich nicht falsch, Minister, aber ich bin weder ausgebildeter Auror, noch ein großartiger Kämpfer“, sagte er höflich, „Ich glaube nicht, dass ich dafür der richtige Mann bin."
Der Leiter der magischen Strafverfolgung nickte ernst.
„Keine Sorge, Mr. Scamander, das ist uns durchaus bewusst. Wir haben nicht vor, Sie in ein Duell Mann gegen Mann gegen Grindelwald zu schicken." Er lachte gönnerhaft, aber keiner lachte mit ihm.
Also setzte er ernst hinzu: „Vielmehr hoffen wir darauf, Credence Barebone und Queenie Goldstein zurück auf unsere Seite zu ziehen. Sie kennen beide persönlich. Sicher haben Sie einen gewissen Einfluss auf sie."
„Wenn ich recht informiert bin, ist bereits eine amerikanische Aurorin auf den Fall angesetzt“, gab Albus skeptisch zu bedenken. „Ihr Name ist Tina Goldstein. Sie hatte, wenn man der Presse glauben darf, bereits früher Kontakt zu dem Jungen. Und ihre Motivation ihre Schwester betreffend dürften eindeutig sein.“
Er legte Newt eine Hand auf die Schulter. „Ich denke, sie wird weitaus besser geeignet sein, zwei Menschen aus Grindelwalds Fängen zu locken als einer unserer Lehrer.“ Er warf Theseus einen Blick zu. „Sicherlich können Sie mit ihr in Kontakt treten und mit ihr zusammenarbeiten. Es wäre nicht verkehrt, die Amerikaner mit einzubeziehen.“
Er schaute wieder den Leiter der magischen Strafverfolgung an und ein höfliches falsches Lächeln erschien auf seinen Lippen. „Aber, dass ich diese Ansicht vertrete, ist Ihnen ja bereits bekannt.“
Der Leiter der magischen Strafverfolgung funkelte Albus wütend an.
„Wenn ich mich recht erinnere, haben wir Mr. Scamander herbestellt, damit er für sich selbst sprechen kann“, knurrte er mit deutlich hörbarer eisiger Wut in der Stimme. „Wären Sie nun also so freundlich, ihm dieses Recht einzuräumen? Abgesehen davon ist Ihre Bewertung unseres Vorhabens nicht notwendig und mit Verlaub, es geht Sie auch überhaupt nichts an, Dumbledore“, fauchte er.
„Es geht mich sehr wohl etwas an“, knurrte Albus und seine Hand flog zu Newts Taille hin. Noch während er ihn an sich zog, bemerkte er, dass diese Reaktion überaus eindeutig war und ihn verriet. Eine Nachwirkung des Alpha-Trankes, wie er vermutete. Das wurde ihm nun zum Verhängnis.
Er ließ Newt los, als hätte er sich verbrannt, blieb aber nah bei ihm stehen. Sein Blick wanderte zu Theseus hin.
„Sie werden ihn beschützen“, wies er ihn an, den Ton ungewohnt befehlend. Neben ihm räusperte Dippet sich hörbar.
Theseus‘ Blick verfinsterte sich, doch er reagierte professionell. „Unterstellen Sie mir, dass ich nicht für die Sicherheit meiner Einsatzkräfte garantieren kann?“, fragte er kühl.
„Nun, nicht so sehr, wie ich mir das wünschen würde, Mr. Scamander“, erwiderte Albus.
Theseus‘ Blick wurde wütend. „Und Sie sind da besser?“, fragte er pikiert, „Wir wissen, dass Sie Newt nach New York geschickt haben, um das Obscurial zu finden. Ganz zu schweigen von seinem unerwartet kooperativen Einsatz in Paris. Glauben Sie, mir gefiel es, zu sehen, wie mein Bruder Hals über Kopf quer durch die Weltgeschichte reist?“
„So etwas wird nicht noch einmal vorkommen“, stellte Albus klar.
„Wieso?“, fuhr der Leiter der magischen Strafverfolgung dazwischen, „Wieso glauben Sie, dass das Risiko, in das SIE Mr. Scamander hineinreden, geringer ist als unser Angebot? Woher nehmen Sie sich das Recht?“
„Weil ich ihn nirgendwo mehr hinschicken werde!“, entfuhr es Albus, lauter als geplant.
„Nun, das ist offensichtlich“, raunte Dippet leise gegen seine Tischplatte. Er schien sie ungeheuer interessant zu finden.
Albus überhörte ihn. Er bemerkte, dass er heftig atmete und holte tief Luft, während er einen Schritt zurücktrat. Was war nur in ihn gefahren? Der Trank schien ihn noch immer mit seinen Nachwirkungen zu berauschen, brachte sein Blut in Wallung und machte ihn ungewohnt ungezügelt und territorial. Er musste sich dringend eine Notiz machen. Sein Verhalten war ohne Zweifel dem Trank zuzuschreiben. Er wäre sonst nicht derart aufbrausend gewesen.
Mühsam um einen kühlen Kopf ringend, fuhr Albus mit beherrschter Stimme fort: „Newt wird nirgendwo hingehen. Nicht auf meinen Wunsch hin, jedenfalls. Ich sage nicht, dass meine Handlungen von damals richtig waren, aber ich handelte mit guten Absichten.“
Der Leiter der magischen Strafverfolgung sah ihn skeptisch an. Er glaubte ihm nicht. „Und woher der Sinneswandel?“, fragte er und sein Blick wanderte von Newt zu Albus und wieder zurück. Er schien es zu ahnen und nicht wahrhaben zu wollen…
Albus fühlte, dass seine Wangen rosa anliefen. Er überging es und hoffte, dass es den anderen Anwesenden ebenso wenig auffiel. „Er ist zu kostbar“, sagte er schlicht. „Und so sehr ich Sie in dieser Position schätze… Das wissen Sie“, fuhr er mit Nachdruck fort, weil der Mann ihm einen misstrauischen Blick zuwarf. „… so sehr ich Sie auch unterstütze, kann ich diese Wandlung nicht gutheißen. Wenn Newt gehen will, werde ich ihn nicht aufhalten. Aber Sie werden ihn nicht hineinrennen lassen und ihn Grindelwald zum Fraß vorwerfen.“
Der Leiter der magischen Strafverfolgung schien sich diese Unterhaltung anders vorgestellt zu haben. Sein Gesicht wurde eine wutverzerrte Grimasse. Er öffnete erneut den Mund, um etwas zu sagen, doch Newt kam ihm zuvor.
„Ich würde es mir gern ein-zwei Tage durch den Kopf gehen lassen, wenn das möglich wäre“, sagte er ruhig. Und, als würde auch unter seiner ruhigen, schon fast schüchternen, Ausstrahlung etwas wie Zorn brodeln, funkelte er seinen Bruder an.
„Und ich habe letztendlich immer selbst entschieden, irgendwohin zu gehen. Genau, wie ich es dieses Mal selbst entscheiden werde“, warf er ihm pikiert entgegen.
Albus atmete auf. Newts Entscheidung gab Albus immerhin einen kleinen Hoffnungsschimmer.
Und sie beendete jegliche Diskussion. Der Leiter der magischen Strafverfolgung gab sich damit zufrieden, warf Albus noch einen letzten prüfenden Blick zu und pfiff dann seine Auroren zu sich, während er sich zum Gehen wandte. Theseus war der letzte, der den Raum verließ.
Als Albus und Newt mit Dippet allein waren, entspannte sich Albus ein wenig.
„Professor Scamander“, sagte der Schulleiter mit ausgesucht sanfter Stimme und Albus ahnte, dass das nichts Gutes verhieß, „Sie dürfen wieder zurück gehen. Ich habe noch etwas mit Professor Dumbledore zu besprechen.“
Und obwohl Albus wusste, dass er dem Mann – so wie dem größten Teil der Zauberergemeinschaft – in magischen Dingen überlegen war, fühlte er sich mit einem Mal wie ein Schuljunge, der etwas unsagbar Dummes gemacht hatte. Sein Blick streifte ein letztes Mal Newt, der zur Tür heraus ging, ehe er auf Dippets Geste hin auf dem Stuhl ihm gegenüber Platz nahm.
„Albus“, begann der Mann mit einem tadelnden Tonfall, „Es war töricht, wie Sie sich verhalten haben. Ich möchte hoffen, dass Sie sich im Ministerium nicht bei jedem Treffen derart aufführen. Sollte dem so sein, muss ich Ihnen Ihre Erlaubnis, auf dem Gelände apparieren zu dürfen, entziehen.“
Albus knirschte mit den Zähnen und nickte, während er sich auf die Standpauke gefasst machte, die folgen sollte

Chapter Text

Newt entspannte sich deutlich als der Leiter der magischen Strafverfolgung samt Auroren den Raum verlassen hatte. Auf Dippets Bitte hin zu gehen, nickte er und antwortete mit einem leisen "Danke, Sir, Gute Nacht“, bevor er sich auf den Weg machte. Gerade verlangte es ihn einfach nach ein paar ruhigen Momenten allein, um sich Gedanken zu machen.
Doch weit gefehlt. Er hatte kaum das Büro verlassen, da wurde er von Theseus abgefangen.
„Newt!“, zischte er und kam in langen Schritten auf ihn zu. Er griff ihn an der Schulter. „Was, in Merlins Namen, war das gerade?“
Newt löste die Hände von seinen Schultern.
„Was war was gerade?", fragte er abweisend. Wollte Theseus ihm Vorhaltungen machen, weil Newt nicht mit dem gleichen Eifer zugestimmt hatte, mit dem Theseus es getan hätte?
„Das mit dir und Dumbledore“, zischte Theseus und widerlegte damit Newts Ahnung. Seine Augen verengten sich zu missbilligenden Schlitzen.
„Was sollte das? Seit wann spricht er für dich?“ Er verschränkte die Arme vor der Brust. „Merkst du nicht, dass er dich vollkommen in der Hand hat?“
Newt seufzte und wandte den Blick zum Fenster.
„Wirklich Theseus?" fragte er entnervt, „Wir hatten diese Diskussion schon mehr als einmal... Ich bin in der Lage, gut selbst auf mich aufzupassen."
„Ich glaube, du unterschätzt ihn“, beharrte Theseus, „Er benutzt dich nach Strich und Faden. Es war offensichtlich, dass er seinen Einfluss auf dich nicht verlieren will.“ Er griff Newt erneut bei den Schultern und drehte ihn zu sich hin, damit er ihn eindringlich ansehen konnte.
„Newt, du darfst ihm nicht so leichtfertig vertrauen“, beharrte er, „Das Ministerium beobachtet ihn noch immer. Sie haben ihre Gründe dafür. Du solltest auf der Hut sein.“
Newt fühlte, wie Wut in ihm hochkochte.
„Du kennst ihn überhaupt nicht wirklich! Woher willst du wissen, was in seinem Kopf vorgeht?!“, fragte er zornig und fauchte dann: „Ach, warte, das Ministerium ist schließlich unfehlbar! Hatte ich vergessen."
Newts plötzlicher Wutausbruch traf Theseus unvorbereitet. Er ließ ihn irritiert los.
„Newt“, sagte er beschwichtigend, „Ich will doch nur, dass du vorsichtig bist. Irgendetwas stimmte da vorhin nicht. Er war anders als sonst. Das muss dir doch aufgefallen sein!“
Newt runzelte die Stirn. Seine Wut wich milder Skepsis.
„Was war anders?", fragte er misstrauisch.
„Er war… besitzergreifend“, fasste Theseus seine Beobachtungen zusammen.
„Als würdest du ihm gehören“, setzte er irritiert hinzu, „Er hat dich behandelt, als wärst du sein Eigentum.“
Newt schaute Theseus verständnislos an. „Er sagte lediglich, dass er nicht möchte, dass ich mich Hals über Kopf in Gefahr begebe. Solltest nicht gerade DU das nachvollziehen können, wo du mir immer zu Vernunft und Vorsicht rätst?", fragte er verwirrt.
„Es geht weniger darum, was er gesagt hat, als viel mehr, was er getan hat“, presste Theseus zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
Dann trat er plötzlich vor, legte Newt erneut die Hand auf die Schulter und drückte sie ein wenig.
Newt wollte schon instinktiv einen Schritt zurücktreten, da sagte Theseus: „Bleib so stehen und sag mir, dass dir das nicht unangenehm ist“.
Sein Verhalten verwunderte Newt immer mehr. „Ist es“, gab er zu. Er verstand nicht, worauf Theseus hinauswollte. „Und weiter?“
„Nun, bei Dumbledore vorhin schien es dich nicht zu stören… “, Theseus beugte sich vor, um Newt Blickkontakt aufzuzwingen, „…. oder du wagtest es nicht, dich zurück zu ziehen.“ Er trat einen Schritt zurück und ließ Newt los.
„Newt, ich bin dein Bruder. Ich weiß, dass du Körperkontakt weniger gut verträgst als die meisten Menschen. Daher meine Frage von Anfang: Was sollte das? Und wieso hast du es zugelassen?“ Erneut verschränkte er die Arme vor der Brust. „Und wenn du glaubst, dass du allein schon damit fertig wirst, dass er dich in irgendeiner Form unter Druck setzt, dann lass mich dir sagen, dass es in Ordnung ist, um Hilfe zu bitten.“
Newt öffnete perplex den Mund, um etwas zu sagen, doch dann schloss er ihn wieder. Er starrte Theseus sprachlos an. Also war das sein Problem? Er glaubte, Dumbledore würde Newt erpressen?
Dieser Gedanke war so fernab von der Wahrheit und eine so dreiste Unterstellung, dass es Newt empörte. Nicht nur empörte, auch erneut wütend machte. Theseus glaubte immer, die Dinge seien genau so, wie er sie sich zurechtlegte. Er hörte nie zu, wenn Newt ihm erklären wollte, dass es anders wäre, weil er so weit oben auf seinem hohen Ross saß und selbstgefällig über alle anderen hinwegschaute.
Zornig zischte Newt: „Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass du mein Bruder bist und nicht mein Partner!"
Erst, als Theseus‘ Augen sich weiteten und er nun derjenige war, der starrte, ahnte Newt, dass das nicht die beste Antwort gewesen war.
Seine Wut fiel in sich zusammen wie ein Kartenhaus und ein unwohles, flaues Gefühl legte sich in seinen Magen. Oh Mercy Lewis, wie sollte er das wieder geradebiegen?
Nervös beobachtete er, wie Theseus versuchte, die Information zu verarbeiten. Die verschiedenen Emotionen, die über sein Gesicht huschten, sprachen Bände.
Dann, nach einem schier endlosen Augenblick, in dem Newt sich fragte, wie er unauffällig die Zeit zurückdrehen oder Theseus einen Vergessenszauber aufhexen konnte, stieß Theseus fassungslos hervor: „Was?“
Newt schluckte bei dem Ausdruck mit dem Theseus ihn fixierte, konnte allerdings auch nicht den Blick abwenden. Nervös trat er einen Schritt zurück.
Er steckte so dermaßen in der Klemme!
„I-ich meine...“, stammelte Newt, versucht, irgendetwas zu sagen, das die Information in ihrer Wucht abwiegelte, „H-hypothetisch gesprochen... ist das etwas anderes... und...", stotterte er. Er war in Erklärungsnot. Ihm fiel einfach nichts ein, was Theseus besänftigen konnte.
„Neeewt“, begann Theseus drohend und lief ihm hinterher. „Ist das dein Ernst?! Wie lange läuft das schon?“
Newt wich einen weiteren Schritt vor Theseus zurück.
„N-nein...! G-genau genommen nicht... glaube ich... ich...", stammelte er, völlig überfordert mit der Situation und den vielen Fragen. Vor allem der Blick, mit dem Theseus ihn bedachte, als hätte er Hochverrat begangen, brachte ihn ganz durcheinander.
„Wieso ist das überhaupt so wichtig?", fragte er, halb verunsichert und halb frustriert über die ganze Situation. In der ganzen 'Beziehung' mit Dumbledore war es schließlich nie um irgendetwas bezüglich dem Ministerium oder Grindelwald gegangen! Dumbledore hatte nicht versucht ihn zu beeinflussen oder unter Druck zu setzen. Mal abgesehen davon, dass sie schließlich alle auf derselben Seite standen! Also was daran war so schrecklich, dass er sich nun vor Theseus rechtfertigen musste?
„Für mich ist es wichtig, Newt!“, brauste Theseus auf und Newt zuckte zusammen.
Offensichtlich reichte es, zu sehen, wie aufgeschreckt Newt war, um stehen zu bleiben und ihn nicht weiter zu bedrängen. Theseus holte tief Luft und ließ sie dann mit einem Seufzen entweichen, während er den Kopf schüttelte.
Deutlich ruhiger aber mit einer gewissen Enttäuschung in der Stimme sagte er: „Newt, ich dachte, wir hätten ein vertrauensvolles Verhältnis zueinander. Ich hatte geglaubt, du würdest mir erzählen, wenn du mit einem der mächtigsten Zauberer der Welt ausgehen würdest… deinem ehemaligen Lieblingsslehrer.“
Newt schwieg und presste die Lippen aufeinander. Theseus missverstand die Situation, aber wie sollte er ihm das erklären? Es war ja nicht so, dass er bereits seit Monaten etwas mit Dumbledore hatte. Und dazu kam, dass es alles so unglaublich neu für ihn war. War es da nicht verständlich, dass er nicht sofort eine Eule seinem Bruder schickte, um ihm davon zu berichten?
„Wenn ich es dir gesagt hätte, hättest du anders als jetzt reagiert?", fragte er mit leiser Skepsis nach, „Oder hättest du dann gehofft, es mir noch ausreden zu können, wenn ich es dir ganz zu Beginn gesagt hätte?"
Es war offensichtlich, dass sein Bruder Dumbledore nicht ausstehen konnte. Als hätte Newts Geständnis irgendetwas daran geändert! Dann wären sie bereits vor Wochen in genau derselben Situation gewesen wie jetzt. Viel eher wünschte sich Newt gerade, er hätte ihm gar nicht geantwortet und hätte seinen Bruder einfach stehen gelassen...
„Sicher“, sagte Theseus bitter, „Sicher hätte ich dann anders reagiert. Weil ich dich dann vielleicht besser verstanden hätte. Und mitunter wäre es mir dann vorhin nicht in den Sinn gekommen, Dumbledores Aussagen falsch zu deuten.“
Er trat einen Schritt zurück, offensichtlich verletzt von Newts Zweifel an ihm. „Ich hätte eventuell dafür gesorgt, dass er weniger überwacht wird und hätte dem Direktor der magischen Strafverfolgung andere Hinweise gegeben.“ Er schüttelte den Kopf und Newt fühlte, wie ihn ein schlechtes Gewissen befiel. Er hätte gern irgendetwas gesagt, damit Theseus sich nicht so vor den Kopf geschlagen fühlte. Irgendetwas, das ihm deutlich machte, dass Newt ihm nicht primär große Änderungen in seinem Leben verheimlichte. Wie sollte er ihm klarmachen, dass er selbst nicht einmal wusste, was genau das zwischen Dumbledore und ihm eigentlich war?
Also schwieg er betreten, während er sich das Hirn zermartere, auf der Suche nach den richtigen Worten.
„Wie dem auch sei“, sagte Theseus, der nicht mit einer Antwort zu rechnen schien.
Er wandte sich zum Gehen.
„Es ist spät. Ich werde noch im Ministerium erwartet“, verkündete er – just in dem Moment, in dem Dumbledore die steinerne Wendeltreppe verließ und auf den Gang hinaustrat, in dem sie standen.

*



Albus wurde das Gefühl nicht los, dass er zur falschen Zeit aus Dippets Büro gekommen war. Ihre Unterredung hatte bis eben gedauert und als er es nun verließ, hörte er noch Theseus‘ letzte Worte und wenig später Newts Erwiderung. Also wusste Theseus es. Nun, es war mitunter das Beste so und so, wie Albus sich vorhin hatte gehen lassen, wohl auch kein Wunder. Er stieg die letzten Treppenstufen der Wendeltreppe hinab, die zu Dippets Büro führte und trat damit in Newts Sichtfeld, während Theseus sich ihm eben zuwandte.
Zu seiner Überraschung schien es Theseus die Streitlust verschlagen zu haben.
Albus brauchte keine hellseherischen Fähigkeiten, um zu erkennen, dass das Gespräch zwischen den beiden nicht gut gelaufen war. Er sah den verletzten Blick in Theseus‘ Augen, als dieser ihm zunickte und Newts Körpersprache und Mimik sprach Bände.
Albus konnte beinahe fühlen, wie sehr die Ereignisse Newt innerlich zerrissen. Er trat auf ihn zu und legte ihm eine Hand auf den unteren Rücken, um ihn zu beruhigen.
„Theseus“, sagte er leise – aber laut genug, dass Theseus ihn hörte.
Der junge Mann blieb widerwillig stehen und wandte sich um.
Albus schenkte ihm ein friedfertiges Lächeln. „Ihren Bruder trifft keine Schuld. Bis gerade eben wusste er selbst nicht einmal, dass wir miteinander gehen.“
Theseus hob irritiert eine Augenbraue. „Bitte?“, fragte er. Er klang deutlich so, als glaubte er, Albus würde ihn an der Nase herumführen.
Albus hielt sein wohlwollendes Lächeln aufrecht. „Es ist wahr“, sagte er leise und sein Blick streifte liebevoll den jüngeren der Scamanders. „Bis zu dieser Frage waren wir bisher nicht gekommen.“
Theseus blickte ebenfalls zu Newt hin. „Newt?“, fragte er, „Ist das wahr?“ Er trat zu ihnen zurück. „Gerade eben noch sagtest du, er wäre dein Partner.“
Albus verkniff sich ein leises Lachen. „Ist das so?“, fragte er und seine Stimme nahm einen schnurrenden Unterton an.
Er beobachtete, wie Newts Gesicht eine sehr dunkelrote Farbe annahm.
„I-ich... sagte h-hypothetisch gesprochen...", stammelte er und versuchte offensichtlich, überall hinzusehen, nur nicht zu einem von ihnen.
Albus schmunzelte bei Newts Reaktion. Er war zum Anbeißen.
„Das lässt sich ändern, wenn du möchtest“, sagte Albus sanft. Und mit einem weiteren Lächeln fügte er hinzu: „Damit du nicht mehr in Erklärungsnot kommst, wenn du mit deinem Bruder sprichst.“
Obwohl er ihm liebend gern einen Kuss auf die Schläfe gedrückt hätte, hielt er sich vor Theseus zurück. Der junge Mann schien ohnehin überfordert von der Information.
Stattdessen verstärkte Albus nur den Druck seiner Hand in Newts Rücken. „Also?“, fragte er, „was sagst du?“
„I-ich.. ich... I-...", stotterte Newt überfordert. Er war mittlerweile so rot, dass Albus sich beinahe Sorgen gemacht hätte.
Dann stieß Newt panisch aus: „Ich muss noch nach den Okamis sehen!"
Fluchtartig hastete er an Theseus vorbei, als wollte er der gesamten Situation entkommen.
Albus war ein wenig überrascht, doch noch während der Jüngere den Gang entlang rannte, erkannte er seinen Fehler und machte nicht einen weiteren, indem er ihm hinterher stürzte. Er blieb wo er war und nahm sich vor, mit Newt noch einmal zu sprechen, wenn sie wieder unter sich waren.
Theseus warf Albus ein kleines Lächeln zu. „Das müssen Sie noch üben“, stellte er fest.
Albus hob die Schultern. „Einen Versuch war es wert“, antwortete er schmunzelnd, bemerkte dann allerdings, dass Theseus‘ Blick finster wurde. Er sah offenkundig danach aus, als überlegte er, wie er die Frage stellen sollte, die ihm auf der Zunge lag.
„Es ist mir ernst“, beantwortete Albus sie, bevor sie Theseus‘ Mund verlassen konnte und er blickte ihm dabei fest in die Augen. „Glauben Sie mir. Es liegt mir fern, Newt verletzen zu wollen.“
Theseus knirschte mit den Zähnen, während er den Blick abwandte, doch er nickte. „Es ist nicht gut…“, murmelte er nach einiger Weile, „… dass Sie sich so nah stehen. Es ist gefährlich für ihn.“
Albus nickte. „Mehr im Scheinwerferlicht der politischen Aufmerksamkeit“, bestätigte er ernst. „Verstehen Sie jetzt, warum ich ihn nicht gehen lassen kann?“
Theseus warf ihm einen Blick zu. „Grindelwald würde ihn gegen Sie einsetzen, wenn er davon Wind bekäme.“
Albus nickte erneut. „Ich habe eine Menge Verbündete, die ich auf Missionen schicke, um Grindelwald zu stoppen, wie Sie wissen. Grindelwald weiß das auch. Es liegt ihm fern, einen von ihnen zu verfolgen, weil er glaubt, sie sind nichts weiter für mich als…“
„Marionetten“, fügte Theseus das Wort ein, das ihn schon den ganzen Abend über beschäftigte.
Albus nickte. „Keiner von ihnen ist das. Doch sie reichen nicht an Newt heran, er…“
„Ich habe gehört, was Sie vorhin gesagt haben“, unterbrach Theseus ihn, „Er sei ‚zu kostbar‘. Es war eindeutig.“
„Dann verstehen Sie es“, sagte Albus.
Theseus nickte finster. „Das tue ich… Und glauben Sie mir, ich habe ebenso wenig Spaß an der Vorstellung, dass er in irgendeiner Form in die Nähe Grindelwalds kommt. Doch auch meine Möglichkeiten stoßen an ihre Grenzen.“
Albus warf ihm einen prüfenden Blick zu, den Theseus ernst erwiderte. Es war, als würden sie ein stummes Abkommen finden, das keiner Aussprache bedurfte.
„Ich werde sehen, was ich tun kann“, lenkte Theseus schließlich ein.
Und, als Albus schon erleichtert aufatmen wollte, setzte er hinzu: „Aber unter einer Bedingung.“
Albus hob eine Augenbraue. „Ja, bitte?“, fragte er höflich.
„Als großer Bruder muss ich eine Sache klarstellen“, begann Theseus und Albus nickte.
„Sie hatten schon immer eine klare Vorstellung von ritterlichen Tugenden“, stellte er fest.
Theseus hob seinen Blick. „Sollten Sie Newt jemand willentlich verletzen“, sagte er, „Dann bekommen wir beide ein ernstes Problem.“
Albus schmunzelte. Sie wussten beide, dass Theseus ihm in einem Duell nicht das Wasser reichen könnte, aber die Geste allein machte deutlich, worauf der ältere Scamander hinauswollte.
„Verstanden“, sagte Albus.
Theseus nickte. Dann trat er einen Schritt zurück. „Gute Nacht, Professor.“
„Gute Nacht, Theseus“, antwortete Albus, während er Theseus dabei zusah, wie er den Gang entlang lief und in der Ferne verschwand. Irgendwann, nachdem er die letzten Ereignisse revue passieren gelassen hatte, machte er sich selbst auf den Weg.

*



Newt hastete auf direktem Weg zu seinen Geschöpfen in das große Gewächshaus, das er als Klassenzimmer nutzte. Außerhalb der Unterrichtszeit durften sich eine Vielzahl der Tierwesen darin frei bewegen.
Newt ließ die erste Tür hinter sich und schloss sie sorgsam, ehe er die zweite öffnete, die mit der ersten gemeinsam als eine Art Schleuse fungierte. Sein Weg führte ihn an seinen Tierwesen vorbei, von denen ihm einige einen neugierigen Blick zuwarfen. Er ging weiter in den Raum hinein, bis zum Ende des Gewächshauses, und blieb einen Moment vor den hochgewachsenen Farmen stehen, die dort wucherten.
Er seufzte, ging in die Knie und schob sich unter das dichte Blätterdach. Manchmal brauchte er ein derartiges Versteck, um sich sicher zu fühlen. Mit hochrotem Kopf und angezogenen Knien machte er es sich auf dem Boden bequem und lehnte den Rücken gegen die Gewächshauswand. Er atmete tief durch.
Das war definitiv zu viel gewesen für einen Tag. Nicht nur, dass er ein Gespräch mit dem Leiter der magischen Strafverfolgung bezüglich Grindelwald hatte führen müssen und anschließend einen Streit mit Theseus. Nein, sein ... Noch-nicht-Partner hatte ihm auch noch ganz direkt vor Theseus angeboten, sein Partner zu werden! Und Newt war nichts Besseres eingefallen als wegzulaufen.
Schnell vergrub er sein Gesicht in den Händen und merkte, wie ihm bei dem Gedanken daran erneut das Blut in die Wangen schoss. Er fluchte leise.
Dass er ohne eine Antwort geflüchtet war, war vermutlich nicht besonders gut angekommen. Nein, es war ganz sicher nicht besonders gut angekommen!
Mit Entsetzen fragte er sich, ob Dumbledore das wohl als ein 'Nein' gedeutet hatte. Ob er wegen dieser Reaktion sein Angebot vielleicht einfach zurücknehmen würde? Schließlich war das nicht gerade eine Reaktion gewesen, die man von einem erwachsenen Mann erwartete, mit dem man sich eine Beziehung vorstellen konnte.
Newt atmete tief durch und legte seine Stirn auf den Knien ab. Ihm schwirrte langsam der Kopf von all den Ereignissen. Er wusste gar nicht, an welches der vielen Themen er zuerst denken sollte. Theseus? Dumbledore? Grindelwald?
Schritte, die von der Tür herkamen, lenkten ihn von seinem inneren Chaos ab. Es klang nicht wie Theseus. Und sonst hatte niemand einen Grund hierher zu kommen oder ihn aufzusuchen. Niemand außer…
„Komme ich ungelegen?“, fragte Dumbledore leise. Newt konnte sehen, dass seine Schuhe vor dem Farnbusch stehengeblieben waren, unter dem er hockte.
Eine seltsame Kombination aus Erleichterung und dem Wunsch, sich tiefer im Busch zu verstecken, machte sich in Newts Brust breit.
„Kommt darauf an", murmelte er zögernd und drückte sich ein wenig mehr an die Wand in seinem Rücken.
Dumbledore ging in die Knie, bis er mit Newt auf Augenhöhe war, doch er kam nicht näher. Er war noch immer zwei Schritte von ihm entfernt. „Worauf?“, fragte er sanft.
Newt biss sich auf die Unterlippe.
„Darauf, wozu Sie hier sind", antwortete er leise. Er versuchte, herauszufinden, wie Dumbledore sich fühlte. Das war schwer, weil der Ältere viele seiner Gefühle hinter Masken und entspannten Lächeln verbarg.
Aber Newt war sich sicher, dass Dumbledore nicht so wütend oder enttäuscht klang, wie es nach seiner vorherigen Reaktion üblich gewesen wäre. Das waren sonst die häufigsten Reaktionen, die er auslöste, wenn er vor einem Gespräch floh
„Ich wollte nachsehen, wie es dir geht“, antwortete Dumbledore freundlich und blieb weiterhin vor ihm hocken, „Da ist eine Menge auf dich eingeprasselt in der letzten Stunde.“ Nach einem Moment des Schweigens fügte er fast bedauernd hinzu: „Und für einen Teil davon bin ich verantwortlich.“
Newt warf ihm einen verstohlenen Blick zu.
„Tut mir leid, dass ich… Ich konnte nicht mehr…“, murmelte er, in einem halbherzigen Versuch, in Worte zu fassen, was in ihm vorging.
Dumbledore schenkte ihm ein sanftes Lächeln und winkte ab. „Du brauchst dich nicht zu erklären“, sagte er, „Deine Reaktion war verständlich.“ Er setzte eine entschuldigende Miene auf und fügte an: „Verzeih, dass ich dich unter Druck gesetzt habe. Es ist nur…“ Er schmunzelte. „… ich muss ehrlich zugeben, dass es mich gefreut hatte, dass du deinem Bruder gegenüber von mir als deinem ‚Partner‘ gesprochen hast. Das hat mich wohl etwas übermütig werden lassen.“
Newt wich seinem Blick eilig aus. Er fühlte, wie seine Wangen wieder zu glühen begannen und ein warmes Kribbeln legte sich in seinen Bauch.
„Sie sind nicht sauer?“, fragte er vorsichtig.
„Nein“, antwortete Dumbledore sanft. Newt fiel ein Stein vom Herzen.
Dann überraschte der Mann ihn abermals, weil er zu ihm unter den Farn kroch, sich drehte und schließlich neben ihn auf die Erde setzte. Er machte nicht einmal den Anschein, als würde es ihn stören, hier unter einem Busch zu sitzen, im … Dreck.
„Was ist mit dir?", fragte er, „Wie fühlst du dich?"
Newt schwieg. Er hatte noch nicht viel Zeit gehabt, Bilanz zu ziehen.
„Erschöpft“, gab er zu, „und erleichtert.“
„Erleichtert?“, fragte Dumbledore verwundert.
Newt nickte und schenkte ihm ein zaghaftes Lächeln. „Ich hatte Angst, Sie würden meine Reaktion falsch verstehen.“
Dumbledore streichelte ihm die Wange. „Ich bin wohl einer der wenigen, die von sich behaupten können, dich ein bisschen zu kennen", antwortete er milde lächelnd.
Newt erwiderte das Lächeln. Wenn man bedachte, wie viele Jahre sie sich schon kannten, konnte er dem vorbehaltlos zustimmen.
Er schmiegte sich in die Berührung, schloss die Augen und öffnete sie erst wieder, als Dumbledore sagte: „Was hältst du von einer Tasse Tee? Bei mir?" Schmunzelnd setzte er hinzu: "Oder hast du erst mal genug von mir?"
Newt kicherte. „Noch lange nicht“, gestand er zaghaft grinsend.
Dann atmete er tief durch. „Tee klingt großartig.“

*



„Earl Grey für dich?“, fragte Albus, kurz nachdem sie seine Räume betreten hatten. Seine Handschuhe gingen ihm bereits zur Hand.
Newt, der sich, wie gewohnt, auf dem Sofa niederließ, nickte. „Milch und Zucker, bitte“, sagte er.
Albus nickte, ließ das Milchkännchen und den Zucker herbeischweben und fügte alles dem Tee zu, ehe einer der Handschuhe zu Newt herüber schwebte. Währenddessen bereitete sich Albus seinen eigenen Tee, nahm die Tasse dem anderen Handschuh ab und gesellte sich zu Newt.
Weil er das Thema nicht wieder auf Dinge bringen wollte, die Newt dazu trieben, zu flüchten, schwieg er. Er wusste nicht, worüber er reden sollte, in Anbetracht der Tatsache, dass es für Newt heute einige Themen gegeben hatte, die ihn jetzt wohl beschäftigten. Also lenkte er sich damit ab, mit einem Schlenker seiner Hand den Kamin zu entfachen und trank dann einen Schluck Tee, während er sich mit der Ruhe anfreundete, die sich zwischen ihnen ausbreitete.
„Danke, dass Sie die Sache vorhin gegenüber Theseus aufgeklärt haben", ließ sich Newt irgendwann leise vernehmen.
Albus nickte und konnte nicht verhindern, dass sein Lächeln eine Spur schmerzvoll wurde. Er versteckte es hinter seiner Teetasse und nahm einen Schluck, ehe er sagte: „Gern geschehen. Ich hatte das Gefühl, dass da ein Missverständnis vorlag und ich weiß, wie schmerzlich es ist, mit dem eigenen Bruder im Streit auseinander zu gehen.“
„Wir haben oft Missverständnisse“, erwiderte Newt leise, „Das ist eigentlich nichts Neues. Und meist fängt Theseus sich nach einiger Zeit wieder. Er ist nur oft sehr… überfürsorglich und besorgt.“
Albus schmunzelte. „Nimm es ihm nicht allzu übel“, bat er leise, um Frieden zu stiften. „Schlussendlich ist das nur ein Zeichen dafür, dass er das Beste für dich will. Sorge und Angst kann man nur schwer kontrollieren.“ Er trank erneut einen Schluck Tee. „Ich kann verstehen, dass du dadurch das Gefühl bekommst, dass er nicht in deine Fähigkeiten und dein Urteilsvermögen vertraut…. Aber ich schätze, dass er es nicht so meint. Es ist einfach nur Angst. Und Angst gehorcht keiner Logik.“
Newt nickte. „Ich weiß“, sagte er. „Manchmal vergesse ich, dass es daran liegt.“
Mit einem Seufzen ließ er sich gegen die Sofalehne sinken. „Ich sollte es deshalb wohl als Kompliment nehmen, dass er mich für kompetent genug hält, Grindelwald gegenüberzutreten. Jetzt da das Ministerium es ausdrücklich wünscht."
Albus konnte nicht verhindern, dass seine innere Stimmung deutlich absank. Er hielt das sanfte Lächeln tapfer und mit geübter Professionalität aufrecht und nickte. „Es ist ein Kompliment“, bestätigte er. „Und es beweist, dass er dir durchaus etwas zutraut.“ Er ließ den Blick einen Moment durchs Zimmer schweifen, ehe er seiner Stimme einen milde interessierten Klang gab und fragte: „Wirst du dem Wunsch des Ministeriums nachkommen?“
Newt schwieg einen Moment, als müsse er darüber nachdenken.
„Ich weiß es nicht“, gestand er schließlich leise. „Mir ist nicht einmal klar, was der Leiter der magischen Strafverfolgung überhaupt von mir erwartet. Ich kann ihm keine neuen Informationen geben. Und ein sonderlich talentierter Auror bin ich ebenso wenig."
Er nahm einen weiteren Schluck des Tees.
„Andererseits will ich helfen. Vor allem, da es um Credence und Queenie geht.“
Albus nickte und blieb stumm, weil er nicht die passenden Worte fand. Er wollte Newt einen Rat geben, der ihm bei der Entscheidung half, aber wie konnte er das, wenn er fürchten musste, ihn zu verlieren? Also schwieg er, weil er nicht egoistisch sein und Newt seinen Willen aufdrücken wollte. Er hatte die wage Vermutung, dass das bereits einige Leute versuchten. Er wollte nicht einer von ihnen sein.
„Und Tina arbeitet an dem Fall...“, fuhr Newt fort, von Albus‘ innerer Zerrissenheit nichts ahnend, „…wenn ich für das Ministerium arbeiten würde, dann könnte ich ihr vielleicht helfen. Vielleicht wäre ich sogar das Bindeglied, um endlich enger mit dem MACUSA zusammen zu arbeiten. Ich könnte eine internationale Brücke schlagen."
Er hielt inne und schaute Albus an. „Sie sagten schließlich auch, dass das wichtig wäre.“
Ja, das hatte Albus gesagt. Nur, dass er jemand anderen damit beauftragt hätte. Irgendjemand anderen, nur nicht Newt. Trotzdem nickte Albus und tat, was er in solchen Situationen stets tat, wenn seine Gefühle begannen, hinderlich zu werden. Er antwortete diplomatisch.
„Das ist richtig“, bestätigte er ruhig, aber er konnte Newt dabei nicht in die Augen sehen. Stattdessen schaute er in seinen Tee.
„Meiner Meinung nach ist es ungeheuer wichtig, dass wir uns mit anderen großen Nationen verbünden. Dann würden wir uns nicht gegenseitig ein Bein stellen, bei dem Versuch, ihn zu stoppen.“ Aber wer war er schon, darüber zu sprechen? Hätte er den Blutpakt bereits auflösen können, hätte er Newt diese Zukunft ersparen können. Doch es war ihm nicht gelungen und er war dazu verdammt, dazusitzen und zuzusehen, während alle anderen sich mobilisierten – einschließlich Newt.
Obwohl er sich Mühe gegeben hatte, sachlich und unberührt zu klingen, bemerkte Albus nun, dass Newt ihn prüfend betrachtete.
„Eine ziemlich vage Antwort für Sie", bemerkte er mit einem schiefen Lächeln.
Albus hielt den Atem an und sammelte sich. Er hatte nicht vor, Newt anzulügen. Und obwohl es nicht viele gab, denen er stets seine ehrliche Meinung sagte, war Newt doch einer von denen, bei denen er es gern versuchen wollte. Auch auf die Gefahr hin, egoistisch zu wirken.
Also blickte er von seinem Tee auf, schaute Newt in die Augen und sagte leise: „Newt, ich möchte nicht, dass du gehst.“
Er sah, wie Newt, wie zu erwarten, stutzte.
„Wieso nicht?", fragte er verwundert.
Albus lächelte schmerzerfüllt, während es ihm ins Herz stach, es auszusprechen, was er fühlte. Das war nicht so leicht wie seine gewohnte Methode, die Dinge zu verschleiern. Er fühlte sich sonderbar angreifbar und verletzlich.
„Weil ich fürchte, dass du nicht zurück kommst“, murmelte er, leiser als gewöhnlich.
Seine Worte entfachten Angst in Newt. Er konnte es in seinen Augen sehen.
Der Jüngere senkte den Blick fahrig und sagte mit belegter Stimme: „Oh.“
Er starrte auf seine Teetasse herunter.
„Aber, wie ich vorhin schon dem Leiter der magischen Strafverfolgung sagte“, lenkte Albus ein und mühte sich um einen geschäftigeren, optimistischeren Ton, „Wenn du gehen möchtest, werde ich dich nicht aufhalten. Ich würde dich unterstützen, so gut ich kann. Nur leider sind mir, wie du weißt, bei gewissen Maßnahmen die Hände gebunden, also bin ich dir vermutlich nicht eine so große Hilfe, wie ich es gern wäre.“
Newt nickte schwach und schwieg einen Moment. Er schien über das, was Albus gesagt hatte, nachzudenken.
„Und was wäre die Alternative?", fragte er leise und schaute ratsuchend zu Albus auf.
„Hier bleiben und nichts tun?"
Sein Blick war verzweifelt. Albus ahnte, dass er sich um seine Freunde sorgte.
Dennoch, wenn er Albus nach seiner Meinung fragte, würde dieser sie auch teilen.
„Hierbleiben und es andere tun lassen“, stimmte er deshalb zu. „Ich gebe zu, es ist eine schwache Alternative.“ Er raffte sich zu einem Lächeln auf, das nicht lange hielt. „Und ich kann verstehen, wenn dir das nicht reicht.“ Albus blickte nachdenklich in seine Tasse. Über Alternativen hatte er sich bisher keine Gedanken gemacht, denn bis gerade eben hatte er selbst die Wendung der Ereignisse nicht kommen sehen. Er dachte nach.
„Wie genau der Rettungsversuch von Queenie Goldstein und Credence Barebone aussehen soll, steht vermutlich ohnehin in den Sternen“, sagte er, mehr zu sich selbst. „Es gibt nicht viele Möglichkeiten, an Grindelwald und seine Leute heranzukommen, munkelt man. Sie verschanzen sich in Nurmengard.“ ‚So, wie ich mich in Hogwarts‘, fügte er in Gedanken hinzu.
„Sollte es dir irgendwie gelingen, dich Miss Goldstein zu nähern, wird sie dich schon weit vorher hören können“, setzte Albus nachdenklich hinzu, „Wie willst du die Gelegenheit bekommen, mit ihr zu sprechen, ohne, dass sie direkt Alarm schlägt? Oder mit Mr. Barebone, der einer tickenden Zeitbombe gleichkommt?“
Newt schwieg nachdenklich und mit gerunzelter Stirn. Dann seufzte er.
„Vielleicht sollte ich mir lieber morgen weiter darüber Gedanken machen", lenkte er mit einem kleinen Lächeln ein.
Albus nickte. Eine Nacht über all die neuen Informationen zu schlafen, schien ihm das Passendste zu sein. Manche Dinge musste man erst einmal verarbeiten.
Er trank noch einen Schluck Tee und ließ den Blick zum Feuer schweifen. Ihm lagen tausende Dinge auf der Zunge, doch er sprach keins davon aus. Nach diesem schweren Thema, das sie beide beschäftigte, erschienen die anderen Dinge wertlos. Darüber hinaus musste er sich selbst erst einmal Gedanken machen, wie er zu all dem stand. Zu Newt, zu seiner Zukunft … und ihrer Zukunft. Es bereitete ihm Kopfschmerzen, so sehr, wie seine Gedanken krampfhaft darum kreisten und er wünschte sich, sie für einen kurzen Moment ruhen lassen zu können. Die Dinge waren einfacher, wenn man allein in Hogwarts lebte. Man konnte sich vor der Außenwelt verstecken und Albus erkannte, dass er das mehr oder weniger getan hatte. Er konnte sich nicht einmal schlecht fühlen dabei, wo die Außenwelt doch voll von Grindelwalds Gesicht und seinen Hetzparolen war. Es lockte Albus, sich vor den Spiegel Nerhegeb zu stellen – obwohl er sich vor Wochen geschworen hatte, sich nicht noch einmal darin zu verlieren. Es brachte nichts. Nur Trübsinn, Vorwürfe und Erinnerungen an eine Zeit, die lang vorbei war.
Erst, als Newt an ihn heranrückte, ihn dadurch daran erinnerte, dass er nun in weitaus besserer Gesellschaft war, und seinen Kopf auf Albus‘ Schulter legte, ließ Albus von seinen trübsinnigen Gedanken für einen Moment ab. Er beobachtete, wie Newt seine Hand griff und ihre Finger miteinander verflocht.
Es verursachte ein kleines wärmendes Gefühl in Albus‘ Brust, als hätte Newt mit dieser Geste einen Funken in seinem Herzen entzündet. Er drückte dem Jüngeren einen Kuss aufs Haar und strich mit dem Daumen über seinen Handrücken.
„Das hier ist zu schnell zu viel geworden“, murmelte er, beinahe belustigt. Nicht, weil er über ihre Gefühle lachen wollte. Vielmehr, weil er nicht fassen konnte, wie schnell er sich in Newt verliebt hatte. Wie wichtig ihm der junge Mann mit einem Mal geworden war. So unendlich wichtig.
Nun, da die wahre Welt sich um sie weiterdrehte und die Gefahren, die schon zuvor da gewesen waren, erneut an die Oberfläche kochten, ahnte er, dass es dumm gewesen war, sein Herz an jemanden zu binden. Es würde ihnen beiden Schmerz bringen. Er hätte es nicht tun dürfen. Dann wäre er nun nicht so versucht, ihn weiter an sich binden zu wollen – mit Zuneigungsbekundungen, schönen Worten und heimlichen Tränken.
Newt hob den Kopf und warf ihm ein verhaltenes Lächeln zu.
„Bereuen Sie es?" fragte er vorsichtig.
Albus schwieg. Er war sich nicht sicher. Einerseits fühlte er sich so lebendig und beseelt wie schon lange nicht mehr. Andererseits… war da Grindelwald … und Newts verständlicher Wunsch, seine Freunde zu retten. Etwas, das sie beiden über kurz oder lang entzweien würde. Wenn er jetzt schon an den Schmerz dachte, den er in seiner Abwesenheit fühlen würde, an die Unsicherheit und die Ungewissheit, dann hätte er gern darauf verzichtet. Während sein Daumen fortfuhr, kleine Kreise auf Newts Handrücken zu zeichnen, gelang es ihm nicht, die richtigen Worte zu finden.
Auch, weil Newt, wenn er einmal Grindelwald gegenübertreten würde, in größerer Gefahr schwebte als alle anderen Bauern, die Albus ins Feld schicken konnte. Denn er war Albus‘ Schwachstelle. Ein Blick in Newts Gedanken und Grindelwald würde das erkennen. Und es gegen ihn verwenden. Es würde Newt zusätzlich verwundbar machen. Albus begann, sich Vorwürfe zu machen, weil er sich auf Newt eingelassen hatte. Ohne ihn wäre Newt sicherer.
Aber wie sollte er ihm das alles sagen? Und wie konnte das Newt überzeugen, nicht zu gehen?

Chapter Text

Als Dumbledore auf seine Frage, ob er es bereute, dass sie sich aufeinander eingelassen hatten, nicht antwortete, spürte Newt einen feinen Stich in der Brust, gepaart mit einem Hauch Enttäuschung und Angst davor, dass sich Dumbledore sein Angebot von vorhin tatsächlich anders überlegt hatte. Widerwillig wandte er seinen Blick von dem Älteren ab. Er wollte ihm nicht das Gefühl geben, dass er ihn zu einer Antwort drängte, wenn er offensichtlich nicht antworten wollte. Seine eigene innere Unruhe darüber hinunterschluckend, lehnte Newt seinen Kopf zögernd gegen Dumbledores Schulter und mahnte sich dazu, den Moment zu genießen, anstatt mehr zu fordern. So, wie es jetzt war, war es schön. Er sollte dankbar sein, egal, wie lang es anhalten würde.
Aber ihm blieb nicht viel Zeit, noch länger darüber zu grübeln.
Dumbledores Hand legte sich unter sein Kinn und hob es an.
Als Newt der Bewegung folgte, küsste Dumbledore ihn, noch sanfter und beinahe verzweifelter, als er es je getan hatte. So liebevoll er konnte, erwiderte er den Kuss. Er spürte das Sehnen dahinter, ein ungewohntes Festhalten. Newt kam ihm entgegen, versuchte, ihn zu bestätigen und als sie ihre Lippen schließlich wieder voneinander lösten, verharrte Newt nah an den Lippen des anderen und öffnete seine Augen.
„Ich wäre gern Ihr Partner", flüsterte er leise, ehe er nervös hinzufügte: „...wenn Sie das noch möchten..."
Seine Worte hatten etwas ausgelöst.
Dumbledore küsste ihn erneut, nun stürmischer und fordernder, bis Newt keine Luft mehr bekam.
Als sie sich atemlos wieder voneinander lösten, lachte Dumbledore leise.
„Liebend gern", raunte er Newt zu, ehe er die Zungenspitze langsam über Newts Unterlippe gleiten ließ. „Wann hast du morgen deinen ersten Unterricht?"
Newts Herz schlug höher.
„Erst nachmittags", hauchte er und bemerkte bereits, wie seine Lider halb herabgesunken waren, zu einem offensichtlichen Schlafzimmerblick.
„Was hältst du davon, morgen auszuschlafen?", fragte Dumbledore weiter und erwiderte den Blick mit einem verruchten Lächeln.
Newt musste grinsen. Er stellte seine Tasse fort, damit sie die Stimmung nicht zerstören konnte, und schmiegte sich dann an Dumbledore.
„Kommt darauf an...", säuselte er, während er beobachtete, wie der Ältere seinem Beispiel folgte und die Tasse fortschweben ließ, um die Hände freizuhaben.
Mit einem vielsagenden Blick zu Newt schnurrte er: „Wenn du damit meinst, dass du nur ausschlafen willst, wenn du ausreichend müde bist, kann ich dir eines versichern: Du wirst in den nächsten Stunden nicht zu Schlaf kommen."
Newt errötete. Doch bevor er es sich anders überlegen konnte, schob er sich auf Dumbledores Schoß und schlang seine Arme um den Hals des Älteren.
„Das meinte ich nicht", sagte er mit einem leisen Kichern, „Ich wollte lediglich wissen, ob ich morgen Frühstück im Bett bekomme."
Er küsste Dumbledore, der ein zufriedenes Brummen von sich gab und ihm die Hände auf die Hüften legte.
„Einer der Vorteile, sich mit dem Hauspersonal gut zu stellen", sagte er schmunzelnd, „Die Küche steht einem immer offen." Er ließ den Mund zu Newts Hals wandern und drückte ihm einen heißen Kuss auf, bei dem Newt eine Gänsehaut bekam und aufseufzte.
„Wenn das deine einzige Sorge ist, hast du nichts zu befürchten", raunte Dumbledore ihm ins Ohr.
„G-gut", antwortete Newt atemlos und neigte den Kopf zur Seite, um ihm mehr Platz an seinem Hals zu bieten.
Dumbledore biss ihm sanft in den Hals. Der Trank, den sie gestern zu sich genommen hatten, schien noch immer nachzuwirken. Zumindest wenn Newt daran dachte, wie besitzergreifend Dumbledore gerade knurrte und wie weich Newts Inneres darauf wurde und sich ergeben wollte.
Er fühlte die Zunge auf seiner Haut, die über den Biss leckte, und ein Wimmern entwich ihm.
Dumbledore kommentierte es mit einem weiteren tiefen, grollenden Brummen, packte seinen Hintern und zog ihn fordernd näher, sodass Newt aufkeuchte. Er bemerkte, wie die bekannte Hitze in freudiger Erwartung erneut entflammte. Es war nicht so überwältigend und sinnesberauschend wie am Vorabend, viel mehr eine schwelende Glut, die sich langsam in seinem Körper ausbreitete.
Sehnsüchtig nach mehr Körperkontakt begann er, seine Hüften in lasziven, kreisenden Bewegungen gegen Dumbledore zu reiben, der über die Reizung leise schnurrte.
Seine Hände gruben sich fester in Newts Hintern und er drängte ihn gegen sich, um die Reibung noch zu intensivieren. Zugleich hob er den Kopf von Newts Hals, der nun deutliche Spuren trug und legte die Lippen stattdessen hungrig auf Newts Mund. Er zog mit den Zähnen an Newts Unterlippe, ehe er die Zunge vorschob.
Newt entwich ein zufriedenes Seufzen. Er schlang die Arme enger um Dumbledore und stieg nur allzu begeistert auf das Spiel ihrer Zungen ein.
Es schien, als wären sie sich beide einig, sich heute keine Zeit zu nehmen, es allzu langsam anzugehen.
Zumindest, wenn es ums Ausziehen ging: Dumbledore rief seinen Stab zu sich, schwang ihn und plötzlich war Newt splitterfasernackt.
Newt keuchte erschrocken auf, aber Dumbledore ließ ihm keine Zeit, an sich herunterzublicken.
Fordernd hielt der Ältere den Kuss aufrecht und dämpfte damit jegliche Geräusche, die Newt entweichen wollten. Seine Hände fassten Newt fester, als fürchtete er, dass dieser flüchten würde.
Und Newt war für den Bruchteil einer Sekunde tatsächlich versucht, sich freizumachen und in Deckung zu springen.
Er hielt seinen Fluchtinstinkt mühsam im Zaum, doch seine Nacktheit bremste seinen eigenen Eifer deutlich. Die Küsse erwiderte er nun deutlich passiver, krallte sich stattdessen haltsuchend in Dumbledores Hemd und spürte sein Gesicht heiß werden.
„Alles ist gut", raunte Dumbledore in angenehm tiefer Stimme, bei der Newt ein wohliger Schauer über den Rücken lief, „Vertrau mir." Etwas taten diese Worte mit ihm. Er beruhigte sich, bestärkt von Dumbledores Zusicherung und seinen Händen, die besänftigend über Newts unteren Rücken strichen. Seufzend bog Newt sich Dumbledore entgegen, während er die Streicheleien genoss.
Er wollte mehr von diesen warmen Händen auf seinem Körper spüren. Als Dumbledore ihn erneut küsste, erwiderte er den Kuss sehnsüchtig.
Seine Hände strichen über Dumbledores bekleidete Brust.
„Was ist mit Ihren Sachen?", hauchte er und zupfte fragend an der Krawatte.
Mit einem Schmunzeln und einem Fingerzeig ließ Dumbledore seine Handschuhe herbei schweben. Aber nicht um sich auszuziehen, wie Newt es erst vermutet hatte. Stattdessen setzten sie auf seinem nackten Körper zusätzliche Reize, strichen über die Stellen, an denen Dumbledores Hände gerade nicht waren und beschrieben kleine Kreise auf seiner Haut.
Dumbledores Finger strichen wie zufällig über Newts Brustwarzen.
„Was soll damit sein?", fragte er neckend.
Newt schloss seufzend die Augen. Dumbledores Fingerspitzen, die sanft in seine Brustwarzen kniffen, ließen ihn sehnsüchtig wimmern.
„I-ich...", begann er flachatmend und öffnete die Augen wieder. „S-sie... haben noch alles... hah... alles an."
Dumbledore schenkte ihm ein verruchtes Lächeln.
„Das ist richtig", stellte er mit einem Schnurren fest und sein Mund wanderte tiefer. Er leckte über eine der Brustwarzen, während die eine Hand entschiedener in die zweite Brustwarze kniff und seine andere Hand zu Newts unterem Rücken glitt, um ihn fester gegen Dumbledore zu drücken. Die Handschuhe wanderten Newts Beine hinauf bis zu seinen Oberschenkeln und strichen ihm über die Seiten.
Newt hielt die Luft an. Seine Hände fanden automatisch den Weg in die Haare des Älteren und krallten sich haltsuchend hinein. Jedes Mal stärker, wenn ihn ein neuer erregender Blitz durchfuhr. Überfordert von den Liebkosungen an seiner Brust und den Handschuhen, die seine Beine hinaufglitten, gab Newt eine Mischung aus Seufzen und Stöhnen von sich, während er seinen Kopf in den Nacken legte.
Dumbledore saugte fordernd an seiner Brustwarze und die Empfindungen wanderten direkt tiefer und ließen Newts Sehnsucht nach ihm nur wachsen.
Newt bemerkte, wie seine Atmung unregelmäßiger wurde. Er keuchte und wimmerte.
Die Hände und an verschiedenen Stellen fühlten sich zu viel und doch nicht genug an, was ihn dazu verleitete, seine Hüften ungeduldig anzuheben, in der Hoffnung der Hand, die seinen Bauch hinabstrich, entgegen zu kommen.
Doch die Hand wanderte nach hinten, zu seinem Hintern und begann, ihn zu kneten.
Newt seufzte auf und verfolgte, wie die Hand zwischen seine Pobacken glitt.
Ein zufriedenes Knurren drang aus Dumbledores Brust, während er die Finger tieferwandern ließ.
„Newt, Darling", sagte Dumbledore mit rauer Stimme und ließ von Newts Brustwarze ab. Sein Kopf kam wieder zu dem Jüngeren herauf.
„Du bist so feucht für mich." Seine Fingerspitzen kreisten über Newts Muskelring, während die andere Hand erneut in die Brustwarze kniff. Newt hatte bis eben nicht bemerkt, dass er feucht war. Irritiert blinzelte er bei Dumbledores Worten und spürte schließlich, wie die Finger die warme Feuchtigkeit zwischen seinen Pobacken verteilten und über seinen Eingang rieben. Ein verlangendes Stöhnen kam ihm über die Lippen und sein Muskelring zuckte bereits ungeduldig.
„B-bitte...", hauchte er fiebrig gegen Dumbledores Lippen und presste seinen Hintern den Fingern entgegen.
Sein sehnsüchtiges Bitten entlockte Dumbledores ein animalisches Grollen. Er küsste Newt hitzig, während er einen Finger in ihn hinein schob und Newt aufstöhnen ließ. Der Muskelring gab leicht nach, weichgeworden durch die Dosis an Omega-Trank, die nun schon einen Tag lang durch Newts Blutbahn wanderte.
Dumbledore ließ den Finger nur bis zum ersten Knöchel hinein gleiten und beschrieb dann damit einen Kreis am Muskelring entlang.
Doch es war zu wenig, viel, viel zu wenig! Newt wollte Dumbledore tiefer in sich spüren und vor allem deutlicher! Die neckende, kreisende Bewegung heizte dieses Verlangen nur zusätzlich an und er konnte spüren, wie seine ungeduldig zuckenden Muskeln die warme Flüssigkeit in einem kleinen Schwall nach draußen beförderten.
Er krallte sich in Dumbledores Schultern fest, den Kuss nur mäßig erwidernd.
„Bitte, bitte, bitte!", begann er mit abgehackter Stimme gegen die fordernden Lippen zu keuchen, während er versuchte, seinen Hintern dem Finger entgegen zu stoßen, um ihn endlich tiefer in sich zu spüren.
Es schien, als würde Dumbledore seinem Wunsch nachkommen. Er schlang den einen Arm um Newts Oberkörper und zog ihn näher, ehe er den Finger der anderen Hand tiefer schob.
Und als Newt bereits ein weiteres unzufriedenes Wimmern entwich, zögerte er nicht und drängte einen zweiten Finger hinzu. Er stieß sie tiefer, spreizte sie und schloss sie wieder, drehte sie, zog sie heraus, wobei er sie anwinkelte und damit leicht am Muskelring zupfte und schob sie dann wieder hinein – nur, damit sie für einen Bruchteil einer Sekunde Newts Prostata streiften, ehe sie sich wieder um sich selbst bewegten.
Newt fühlte, wie die plötzliche Überreizung ihn anstrengte. Nach Luft schnappend und zitternd sank er nach vorn, vergrub das Gesicht in der Halsbeuge des Älteren und stöhnte auf. Er konnte jede einzelne Bewegung der Finger überdeutlich spüren, fast als stünden seine Nervenenden unter Dauerbeschuss. Er fühlte sich nicht so völlig benebelt und in seinem Rausch versunken wie die Nacht zuvor. Aber das machte es ungleich intensiver, war er doch dadurch in der Lage, sich ganz auf dieses eine Gefühl zu konzentrieren.
Als die Finger dann aber gezielt mehrere Male gegen seine Prostata stießen, schrie Newt kurz erstickt auf. Sterne flammten vor seinen Augen auf und ließen ihn wohlig erbeben.
„M-mmh...-erlin", stieß er abgehackt aus, während er sein glühendes Gesicht gegen Dumbledores Schulter presste.
Dann fühlte er einen feinen Schmerz und wurde geradezu willenlos in Dumbledores Armen, als dieser ihm fordernd in die Halsbeuge biss. Ihn durchströmte ein aufgeregtes Glücksgefühl, das sich in die Lust einfügte und ihn hingebungsvoll seufzen ließ.
Als dann aber ein dritte Finger in ihn eindrang, biss sich Newt auf die Unterlippe.
„Hhnnn...", keuchte er. Seine Muskeln protestierten. Er konnte fühlen, wie sie sich anstrengten, ehe sie schließlich doch nachgaben und Dumbledores Finger einließen. Newt schnappte zittrig nach Luft.
Dumbledore küsste ihm die Stelle, in die er zuvor noch gebissen hatte und schnurrte: „So ist es gut, Darling. Öffne dich für mich."
Die lobenden Worte fluteten Newts Nervenbahnen mit weiteren Endorphinen. Er tat sein Bestes, um der Bitte nachzukommen.
Doch als Dumbledores Finger dann erneut gegen seine Prostata stießen und es vor seinen Augen flimmerte, krampfte er sich wieder eng zusammen und stöhnte auf.
Das hielt Dumbledore nicht auf. Während Newt noch versuchte, sich so gut wie möglich zu entspannen, streifte er wieder und wieder diesen überempfindlichen Nervenballen in Newts Innerem.
Und dann spreizten sich die Finger auf einmal und das intensive Gefühl, das dies begleitete, ließ Newt heftig erschaudern und halb schmerzerfüllt und halb begehrend wimmern. Süße, überwältigende Lust schoss durch seinen Unterleib und verstärkte sich noch einmal, kaum, dass Dumbledore die Finger nun fordernder gegen Newts Prostata stieß.
Er fühlte, wie sich sein gesamtes Denken und Fühlen nur darauf konzentrierte, dem nächsten Stoß gegen diesen Punkt entgegen zu fiebern, sodass er Mühe hatte, gleichmäßig zu atmen und sich nicht an der Luft zu verschlucken, die er immer wieder gierig einsog und dann einige Momente vor Reizüberflutung anhielt.
Das süße sehnende Verlangen in ihm wurde von jedem Stoß mehr in Ekstase getrieben und während Newt keinerlei klaren Gedanken mehr fassen konnte, weil vor seinem Augen unentwegt Sterne aufflammten, raste er mit solcher Geschwindigkeit auf seinen Orgasmus zu, dass ihm schwindelig wurde.
Er bäumte sich auf, als er endlich kam, wimmernd und stöhnend und sich an Dumbledore festkrallend, um nicht von seinem Schoß zu rutschen – während seine Muskeln heftig in ihm um die Finger zuckten, als suchten sie nach mehr als einer Hand.
Doch als Dumbledore die Finger aus ihm herauszog, blieb Newt leer und mit einem seltsam unbefriedigten Gefühl zurück. Er schmiegte sich an den Älteren und wimmerte protestierend.
„N-nein", hauchte er atemlos, während sein Rausch allmählich abflaute, „Bitte, mehr."
Flehend bedeckte er Dumbledores Hals mit Küssen und rieb sein Becken über der Hose, sodass er sie ganz feucht machte.
Aus irgendeinem Grund hatte der Orgasmus ihn nicht so befriedigt zurückgelassen, wie er es gestern erlebt hatte. Er wollte mehr. Er BRAUCHTE mehr!
„Oh, Darling", säuselte Dumbledore und strich ihm über den Rücken, „Willst du mich so dringend in dir?"
Newt nickte eilig.
Es wurde von einem zufriedenen Brummen beantwortet.
Dann griff Dumbledore seinen Hintern fester und stand auf.
Instinktiv schlang Newt die Beine um ihn, während er sich von ihm in sein Schlafzimmer tragen ließ und dabei versuchte, seine unendliche Gier im Zaum zu halten. Er biss sich auf die Zunge, um nicht weiter zu flehen, obwohl alles in ihm danach verlangte, endlich von Dumbledores Glied ausgefüllt zu werden. Er wollte es wieder spüren. Und er wollte fühlen, wie Dumbledore in ihm kam... Wie der Knoten sich in ihn drängte und Welle um Welle des Spermas neue Wogen der Lust bei Newt entfachten, während sie ihn zugleich befriedigten.
Dumbledore beugte sich nach vorn und legte Newt auf dem Bett ab, ehe er ihm einen sanften Kuss gab.
„Geh auf die Knie, Newt. Ich möchte deinen Hintern frei zugänglich, Darling."
Newts Wangen färbten sich tiefrot bei diesen Worten und er wich schnell dem intensiven Blick aus den hellen, blauen Augen aus. Etwas ungelenk und mit zittrigen Gliedmaßen nahm Newt die Beine von Dumbledores Hüfte und drehte sich folgsam herum, ehe er es sich vor entfachter Scham doch noch anders überlegen konnte. Nervös kaute er auf seiner Unterlippe, während er abwartete.
„So ist es gut", lobte Dumbledore ihn. Seine Hand wanderte zwischen Newts Pobacken, während er sprach. Der Daumen kreiste über den feuchten Eingang, der von der Behandlung zuvor bereits ein wenig geschwollen war. Newt konnte ein kleines Seufzen nicht zurückhalten.
Er erinnerte sich an das überwältigende Gefühl der Finger tief in ihm. Es ließ ihn seine Scham vergessen und den Muskel erwartungsvoll zucken.
Als wollte Dumbledore ihn weiter hinhalten, schob er erneut zwei Finger in ihn. Geweitet, wie Newt war, fiel es ihm nicht schwer, sie aufzunehmen. Aber nun, da er durch den Orgasmus zusätzlich überreizt war, fühlte er sie noch deutlicher in sich, als zuvor schon.
Und als Dumbledore dann abermals gegen seine geschwollene Prostata stieß, krallte sich Newt mit einem erstickten Aufschrei in die Decke unter sich.
Seine Beine begannen zu zittern. Es fiel ihm schwer, sich auf den Knien zu halten.
Dann fühlte er ledrige Hände an seinen Hüften und als er heruntersah, waren es die Handschuhe, die ihn festhielten, als hätte Dumbledore mitbekommen, wie wenig er sich selbst oben halten konnte. Newt war dankbar dafür. Sonst wäre er sicher bei den nächsten Stößen, die Dumbledores Hand tat, zusammengesackt. Seine Oberschenkel zitterten bereits heftig, während seine Hände unruhig über die Decke fuhren, auf der Suche nach irgendetwas, in das er sich hineinkrallen konnte.
Newt entwich ein sehnsüchtiges Wimmern. Er wollte nicht weiter gereizt werden. So gut, wie sich die Finger auch anfühlten, so könnten sie ihn schlussendlich nicht ganz befriedigen.

Er bemerkte, wie sich Dumbledore über ihn beugte. „Du bist bezaubernd", schnurrte er ihm ins Ohr, ehe er einen Kuss auf Newts Schulter setzte. Dann schien er einen Zauber gewirkt zu haben, denn plötzlich presste sich sein nackter Oberkörper gegen Newt.
Newt stöhnte auf, bäumte sich Dumbledore entgegen und versuchte, noch mehr von ihm zu spüren zu bekommen.
Doch dann zog Dumbledore die Hand aus ihm heraus. Und Newt, der nicht wollte, dass das Gefühl aufhörte und der die Leere nicht ertrug, die sich in ihm ausbreitete, stieß ein Wimmern aus. Er war langsam an dem Punkt, an dem seine Erregung drohte in Frustration umzuschlagen. Der letzte Orgasmus hatte die schwelende Glut in ihm doch immer weiter angefacht, aber noch nicht vollkommen befriedigen können. Und er ertrug es nicht länger!
„Ich will dich", schluchzte er, „Bitte, bitte, bitte!"
Dumbledore setzte ihm einen Kuss auf den Rücken.
„Dreh dich auf den Rücken, Liebes", bat er, „Dann sollst du mich bekommen."
Bei diesen verheißungsvollen Worten schlug Newts Herz abermals höher. Auf sein Gesicht stahl sich ein warmes Lächeln, welches dem warmen Glücksgefühl, das sein Herz erfasste, jedoch kaum gerecht wurde.
So schnell er konnte, drehte er sich herum – was nicht so leicht war, weil sein Körper allmählich keine Kraft mehr hatte.
Als er endlich lag, schaute er mit halb geschlossenen, glasigen Augen zu Dumbledore auf, während er die Arme zittrig hob, um sie um den Nacken des Älteren zu schlingen. Er wollte diesen Mann so sehr wie nichts und niemanden je zuvor, wollte ihn über und in sich spüren, bis sie miteinander verschmolzen.
Glücklicherweise schien Dumbledore ihn nicht länger hinhalten zu wollen. Er legte die Hände unter Newts Hintern, während er sich zwischen die halbgeöffneten Beine schob, und hob ihn ein wenig an. Dabei beugte Dumbledore sich vor, um Newt zu küssen, während sein Glied bereits gegen den Eingang drückte. Durch all die vorherigen Reize war Newt so feucht, dass die ersten Lusttropfen auf Dumbledores Spitze ausreichten, ihm beim Hineingleiten zu helfen. Er sank in einer langsamen, entschiedenen Bewegung bis zum Anschlag hinein, als seien sie füreinander gemacht.
Allein das Wissen, dass es Dumbledore war, der ihn so komplett ausfüllte, reichte, damit sich Newts Muskeln fest um ihn schlossen und seine Hüfte ungeduldig zuckte. Keuchend unterbrach Newt den sanften Kuss und blickte Dumbledore tief in die Augen während er ihn noch näher an sich zog.
„B-bitte, nimm mich", flüsterte er mit deutlichem Verlangen in der Stimme, das bereits fast an Verzweiflung grenzte. Er hielt das Warten nicht mehr aus.

In Dumbledores Augen war ein leicht fiebriger Ausdruck gewandert. Er schmunzelte.
„Wie könnte ich da widerstehen?", schnurrte er und griff Newts Hintern fester. Er zog sich aus ihm heraus und stieß dann beinahe sanft hinein.
Newt keuchte bei dem Stoß und biss sich dabei leicht auf die Unterlippe. Es fühlte sich so unglaublich gut an, wie sich der Ältere immer wieder tief in ihm versenkte. Mit glasigen Augen schaute er zu Dumbledores hinauf, der den Kopf senkte und begann, seinen Hals zu küssen.
Nach den ersten sanften Stößen wurde er endlich, ENDLICH fordernder. Er beschleunigte das Tempo und visierte deutlich Newts Prostata an, während er sich hart in ihn hineintrieb.
Newt krallte sich an Dumbledore fest, stieß einen erstickten Aufschrei aus und dann einen weiteren. Nun, da er derart heftig penetriert wurde, schienen ihm die Synapsen durchzubrennen. Jedes Mal, wenn sich Dumbledore erneut in ihm versenkte, war sich Newt sicher, dass er gleich kommen würde. Doch jedes Mal wurde er eines Besseren belehrt und noch weiter und höher in seiner Lust getrieben.
Seine Beine schlangen sich um die Hüfte des Älteren, pressten ihn so noch enger gegen sich, während seine Fingernägel rote Striemen auf Dumbledores Rücken hinterließen.
„B-bitt..e.. nicht-... n-nicht aufhör-hah.. en!", keuchte er verzweifelt mit brüchiger Stimme, weil er spürte, wie sehr er auf einen neuen und hoffentlich befriedigenderen Orgasmus zusteuerte.
Newt wimmerte verzweifelt, während ihm Tränen in die Augen schossen. Er brauchte diesen Orgasmus gerade so dringend. Er war sich sicher, er würde verbrennen, wenn er nicht endlich kommen würde! Er spürte, wie Dumbledores Glied anschwoll. Dann begann der Knoten, unentwegt bei jedem Stoß an seinem Muskelring ziehen und schließlich war das Glied so angeschwollen, dass es schien, als würde es unter keinen Umständen erneut in ihn eindringen können.
Ein aufgelöstes Schluchzen entwich Newt bei diesem Gedanken. Er brauchte ihn in sich!
Doch dann trieb sich Dumbledore mit einem festen, unnachgiebigen Stoß erneut in ihn. Newt konnte den schmerzvollen Aufschrei nicht zurückhalten, als der Knoten schließlich seinen Muskelring überdehnte und durchdrang, doch keine Sekunde später brach endlich der lang ersehnte Orgasmus über ihn herein. Er spürte wie der Knoten perfekt gegen seine geschwollene und überreizte Prostata drückte. Seine krampfenden Muskeln taten ihr Übriges, pressten ihn noch fester dagegen, sodass sein Orgasmus nicht annähernd so schnell abflaute wie der davor. Er fühlte wie ihm im selben Rhythmus, in dem Dumbledore Wellen von Sperma in ihn schoß, immer wieder Lusttropfen aus seiner Spitze quollen, fast als würde der Knoten in ihm seine Prostata bis auf den letzten Tropfen leer melken wollen.
Erst nach einer ganzen Weile ebbte die Sensation dieses anhaltenden Orgasmus langsam ab, sodass nur ein angenehmes Pochen tief in ihm blieb, welches ihn zufrieden seufzen ließ.
Dumbledore, der seinen Hintern vorsichtig hatte aufs Bett sinken lassen, lag noch immer halb auf ihn gestützt und küsste ihm nun die Tränenspuren von den Wangen.
Es ließ Newt lächeln.
In ihm kam der Wunsch auf, dass sie einfach für immer so verbunden bleibenkönnten. Und er wusste, dass es nicht nur an dem Trank oder den Endorphinen seines Orgasmus lag.
Er wollte diesen Mann für immer an seiner Seite haben und nie wieder missen. Ein Wunsch, der ihm zugleich Angst machte, als er ihn sich selbst so offen eingestand. Er wusste nicht, wie es Dumbledore gelungen war, sein Herz in so kurzer Zeit zu erobern. Denn das war es, stellte Newt fest. Er, Newt Scamander, der sich normalerweise gar nicht emotional an Menschen band, nicht mal das Bedürfnis da verspürte, liebte Albus Dumbledore von ganzem Herzen.
Überwältigt von seinen eigenen Gefühlen und dieser Erkenntnis bemerkte Newt, wie ihm neue Tränen in die Augen stiegen. In Ermangelung anderer Alternativen wich er Dumbledores Lippen aus, die immer noch zärtlich seine Wangen küssten, und versteckte sein Gesicht hastig in der Halsbeuge des Älteren.
Sein Verhalten ließ Dumbledore innehalten.
„Newt, Darling?", fragte er mit heiserer Stimme und seine Hand strich über Newts Hinterkopf, „Ist alles in Ordnung?"
Newt nickte eilig. Er traute seiner Stimme gerade nicht, wollte aber auch nicht den Eindruck erwecken, dass etwas nicht stimmte. Um Fassung ringend versuchte er, die Tränen irgendwie herunter zu schlucken, doch die Erschöpfung förderte nicht gerade seine emotionale Stabilität und so spürte er kurz darauf bereits neue, heiße Tränen seine Wangen hinablaufen.
Dumbledore zog ihn näher und drückte ihm einen Kuss auf den Scheitel, während Newt versuchte, sich zu beruhigen.
Aber die Tränen liefen einfach ungehindert weiter.
„E-Entschuldigung", murmelte er peinlich berührt. Dieses Erlebnis war alles andere als zum Heulen gewesen und er hoffte, dass Dumbledore es nicht falsch verstand.
„Du brauchst dich nicht entschuldigen", raunte Dumbledore ihm sanft zu.
Und dann fragte er leise: „Ist es etwas, das ich getan habe?"
Newt brauchte einen Moment, um überhaupt zu verstehen, was Dumbledore meinte. Als er verstand, dass dieser es tatsächlich falsch auffasste und seine Tränen auf ihren Sex bezog, zog Newt den Kopf zurück und schaute ihn mit großen, feuchten Augen an.
„N-nein!", sagte er entschieden und als er sah, mit welch besorgtem Blick Dumbledore ihn bedachte, wollte er ihn besänftigen und gab ihm einen kleinen Kuss.
„Wirklich nicht", flüsterte er gegen die warmen Lippen und versuchte dann, sich zu erklären.
„I-ich... Es ist nur alles etwas viel gewesen", murmelte er.
„Nicht DAS hier", fügte er mit einem kleinen Schmunzeln hinzu und rang sich zu einem schiefen Lächeln durch.
Dumbledore brummte bestätigend.
„Ich verstehe, was du meinst", sagte er lächelnd, „Das war ziemlich viel auf einmal."
Und es war eigentlich wirklich kein Wunder. Neben dem berauschenden Sex und Newts zwei Orgasmen hatten sie davor immerhin eine ziemlich ernste Unterhaltung geführt. Dann war da noch die Sache, dass der Ältere ihm angeboten hatte, dass sie exklusiv miteinander wurden. Und das Thema mit Grindelwald... Newt sollte sich wahrscheinlich nicht wundern, dass ihm der Kopf schwirrte und vor Überwältigung die Tränen liefen.
Als Dumbledore ihm einen neuen Kuss auf die Stirn setzte, seufzte er auf und erlaubte sich einen Moment, die Augen zu schließen. Doch der Moment währte länger. Und die Anstrengungen des Tages forderten offensichtlich ihren Tribut. Newt schlief in Dumbledores Armen ein.

~*~


Während der Herbst Einzug ins Land hielt und der Oktober anbrach, hatte Newt alle Hände voll zu tun. Die Klassen waren begeistert von seinem Unterricht, aber die Stunden vorzubereiten erforderte einiges an zeitlichem Aufwand und Konzentration. Er hatte dem Schulleiter versichern müssen, die gefährlicheren Tierwesen nicht in die Schule zu bringen, hatte allerdings zusätzlich auch Auflagen zur Sicherheit zu erfüllen, selbst, wenn er etwas harmloses wie die Feuerkrabbe präsentierte, die er zum Prüfungsstoff in den ZAGs machen wollte und demzufolge vorstellen musste.
Aber Newt war nicht nur damit beschäftigt, seinen Unterricht im Spagat zwischen Sicher und Unterhaltsam zu halten, er stand nun auch im regelmäßigen Kontakt mit dem Ministerium.
Er traf sich alle zwei Wochen mit Theseus und einigen Auroren in London, besprach mögliche Taktiken und bemerkte, dass es wahrlich nicht leicht war, diese Aufgabe zu lösen. Grindelwald schien gemeinsam mit Credence und Queenie ein unbesiegbares Team gebildet zu haben. Und selbst, wenn Queenie ihn nicht vor Newts Ankunft warnen würde, war doch auch Vinda Rosier nicht zu verachten, Grindelwalds rechte Hand, die ebenfalls – so hieß es – ein geborener Legilimentor war.
Das Vorhaben, Credence und Queenie schnell zu befreien und zur Vernunft zu bringen, wurde also deutlich erschwert und auch, wenn das Ministerium die Unternehmung schnell über die Bühne bringen wollte, sahen sie doch auch ein, dass es einem Himmelfahrtskommando glich, wenn sie ohne Plan vorpreschten. Oder mit einem schlechten Plan.
Newt berichtete Dumbledore von jedem Treffen, weil er ihn ins Vertrauen ziehen wollte. Natürlich wollte er Grindelwald seine beiden Freunde wieder entreißen, aber einerseits hatte er ein reges Interesse daran, lebend aus dieser Unternehmung herauszukommen (und da konnten Dumbledores Erfahrungen sehr helfen) und zudem war Newt zugleich nur halb frustriert, dass sie nicht vorankamen. Immerhin bedeutete das auch, dass er mehr Zeit mit Dumbledore hätte.
Sie nutzten diese Zeit, wann immer sie konnten.
An ihren freien Abenden trafen sie sich bei Dumbledore, und obwohl es als Experiment begonnen hatte, das der Ältere offensichtlich nicht ständig hatte anwenden wollen, nahmen sie die Alpha- und Omega-Tränke hin und wieder doch, um ihren Erfahrungshorizont zu erweitern.
Überhaupt war seine Gesellschaft der beste Ausgleich, den Newt sich wünschen konnte. Ihre Stunden zu zweit waren Balsam für seine gestresste Seele und dass er sich bei ihm fallenlassen konnte, erlaubte ihm, all das, was ihm sonst durch den Kopf schwirrte, loszulassen.
Er liebte Dumbledore jeden Tag mehr dafür. Und er hoffte, dass seine Abreise nicht allzu früh wäre. Denn wenn es einmal soweit wäre, dann...
Doch darüber wollte Newt nicht nachdenken. Noch nicht.

 

Chapter Text

Es war Tradition in Hogwarts, dass man eine Vielzahl der heidnischen Bräuche der Vorfahren feierte. Kaum einer der Hexen und Zauberer der britischen Zauberergemeinschaft würde sich als Christ bezeichnen. Dieser Glauben war eher den Muggeln vorbehalten. Aber der Glaube an Naturgeister, an Feen und Wesen aus der Zwischenwelt war allein schon dadurch für Hexen und Zauberer einfach zu verstehen, da viele dieser ‚Fabelwesen‘ zu ihrem Alltag gehörten. Die Geister verstorbener Zauberer wandelten durch die Gänge von Hogwarts und in Verteidigung gegen die dunklen Künste leerte man die Schüler allerlei Möglichkeiten, sich gegen kleine Feen, wie Pixies, genauso zur Wehr zu setzen wie gegen die mächtigeren Geisterwesen, Irrwichte und Poltergeister.
Der Wechsel von der hellen Jahreshälfte in die dunklere wurde daher sehr ernst genommen: Sollte schließlich in dieser Nacht das Tor zu der Geisterwelt weiter offen stehen und der ein oder andere Dämon sich in diese Welt schleichen, so hieß es.
Die heidnischen Muggel kannten den Brauch, sich in dieser Nacht ganz besonders mit gruseligen Masken, leuchtenden Kürbissen und großen Feuern und Kerzen zu schützen, ebenso wie die Zauberergemeinschaft. Und so wurde in Hogwarts jedes Jahr zu Halloween ein Fest ausgerichtet, um die Feuer zu entzünden und sich mit Kürbissen gegen böse Geister zu wehren, die, von den Fratzen erschreckt, die Flucht ergreifen sollten.
So viel zur Tradition.
In der Realität war das Ganze weit weniger dramatisch:
Hogwarts richtete eine Halloween-Feier aus.
Die Feier würde am frühen Abend beginnen und die gesamte Schule war eingeladen.
Jene Schüler, die alt genug waren, verantwortungsvoll zu handeln, würden an diesem Abend von der Sperrstunde befreit werden und durften zum Ball bleiben, der sich an die Feier anschließen würde. Dies betraf vor allem die Schüler aus dem sechsten und siebten Jahr, sowie die gesamte Lehrerschaft.
Und so kam es, dass Albus sich am späten Nachmittag in Vorbereitung auf die Feier in einen Festumhang kleidete und prüfend vor seinem Spiegel stand, während er sich fragte, ob er gut genug aussah. Für gewöhnlich versuchte er, seine ausgeprägte Eitelkeit ein wenig klein zu halten. Doch zu wissen, dass dies ein besonderer Abend war und Newt ebenfalls anwesend sein würde, änderte die Dinge. Er versuchte, sich nicht allzu viel darauf einzubilden, während sein Blick über seinen dunkelroten Festumhang glitt. Der Umhang betonte und schmeichelte seinem Körperbau, wie er nicht ohne Stolz erkannte. Die Taille war eng geschnitten und zwei goldene Knopfreihen wanderten vom Kragen seine Brust hinab. Er drehte sich, eitel wie ein Pfau und musste über sich selbst lachen, weil ihm sein Aussehen heute so übertrieben wichtig war. Doch er war mit dem, was er sah, sehr zufrieden.
Als Albus schließlich nichts mehr zu verbessern fand, ließ er von seinem Anblick im Spiegel ab und verließ das Schlafzimmer. Er hatte Newt zuvor bereits angekündigt, dass er ihn abholen würde. Es wurde Zeit.
Also ging er aus seinen Räumen heraus, grüßte auf dem Weg durch die Korridore den einen oder anderen Schüler mit einem Nicken und kam schließlich an der Tür an, die Newts Räume von seinem Büro trennten. Er war bisher noch nicht hier gewesen. Wenn sie sich getroffen hatten, dann stets bei ihm. Albus klopfte. Er bemerkte, dass sein Puls sich beschleunigt hatte und seine Hände ein wenig zitterten, als wäre er ein nervöser Schuljunge. Er biss sich auf die Innenseite seiner Wange, um sich zusammen zu nehmen.
Newt öffnete ihm mit einem schüchternen Lächeln.
„Ha-", begann er und stockte mitten in der Begrüßung, da ihm Albus‘ Anblick in dem dunkelroten Festumhang offensichtlich die Sprache verschlug. Also hatte Albus wenigstens dahingehend alles richtig gemacht. Er schmunzelte und ließ den Blick über Newt gleiten, der in seinem dunkelblauen Festumhang zum Anbeißen aussah. Der Kontrast zu seinem rostroten Haar war fabelhaft, Albus konnte gar nicht den Blick abwenden. Und dann erst der körperbetonte Schnitt des Festumhangs! Albus ahnte, wenn Newt sich umdrehte, würde er einen ziemlich guten Blick auf dessen festen kleinen Hintern bekommen, so eng, wie der Umhang an seiner schlanken Statur anlag.
„Guten Abend“, grüßte er Newt mit samtiger Stimme, „Du siehst hinreißend aus, Darling.“
„G-Guten Abend", brachte Newt stotternd heraus und errötete schließlich bei dem Kompliment, ehe er dem Blick auswich, „D-danke... S-sie auch."
Albus‘ Lächeln wurde breiter.
„Vielen Dank“, sagte er und beugte sich vor, um Newt einen Kuss zu stehlen.
„Wollen wir?“, fragte er an seinen Lippen, als sie sich wieder voneinander lösten.
„S-sicher", murmelte Newt und schloss hinter sich die Tür, ehe er schnell an Albus vorbeitrat um los zu gehen und zugleich ein wenig Abstand zwischen sie zu bringen.
Albus schmunzelte, als Newt an ihm vorbei eilte. Er wusste gut genug, dass es zu Newts Naturell gehörte, vor Dingen fliehen zu wollen, die ihn emotional überforderten. Also nahm er die Reaktion als Kompliment und lief ihm langsam hinterher, während sein Blick tatsächlich hinunter zu Newts Hintern wanderte. Er biss sich auf die Unterlippe. Verdammt. Er musste entweder dafür sorgen, Newt nach dem Ball noch ins Bett zu bekommen oder ihn überzeugen, diesen Festumhang bald wieder zu tragen, wenn sie ungestört waren. So, wie er jede Bewegung der Muskeln unter dem engen Stoff sehen konnte, führte das nicht gerade dazu, dass er einen kühlen Kopf bewahrte. Solche Umhänge gehörten verboten! Albus zwang sich, den Blick fortzunehmen, bevor seine körperliche Reaktion sich zu deutlich in seinem engen Schritt abzeichnete und konzentrierte sich stattdessen auf eine Stelle zwischen Newts Schulterblättern. Den Punkt, an den er gern seine Hand legen würde, um ihn beschützend zum Schloss zurück zu führen. Er zügelte sich. Newt brauchte offensichtlich einen Moment, um sich zu sammeln.
Sie gingen über die breiten Wiesen und zum Schlosseingang hin.
Als sie schließlich die Tore passierten, verlangsamte Newt seine Schritte, sodass er wieder neben Albus lief, statt vor ihm.
Es waren bereits viele Schüler auf dem Weg zur großen Halle und Albus fühlte sich wohler damit, Newt neben sich zu wissen. Er war an diesem Abend von dem sonderbaren Drang ergriffen, Newt nah sein zu wollen und als sie der großen Halle immer näher kamen, wo sich die Schülerschar am Eingang staute, legte er tatsächlich eine Hand zwischen Newts Schulterblätter, um ihre Nähe auch in der Menge aufrecht zu halten. Sie liefen mit den Schülern hinein in die festlich geschmückte Halle und Albus ließ das Bild auf sich wirken: Statt der vier Haustische standen mehrere kleine Tische verteilt im Raum. In der Mitte, wo später die Tanzfläche sein würde, war im Moment noch ein riesiges Buffet aufgebaut. Lehrertische gab es keine. Dieser Abend stand frei unter dem Motto, dass sich alle Häuser miteinander austauschen und da wollten die Lehrer nicht als graue, wachsame Eminenz über allem schweben. Dass ihre Anwesenheit nicht deutlich sichtbar war, half den Schülern, sich mehr zu entspannen, während sie schwatzend in die Halle liefen und sich ihre Plätze suchten. Auch Albus hatte bereits einen Tisch ausgemacht, nah an einem großen Kürbis, in den eine Fratze geschnitzt worden war. Bisher war der Tisch leer. Er übte leichten Druck mit der Hand aus, um Newt hin zu bewegen.
Als sie an dem leeren Vierertisch ankamen, zog Albus wie selbstverständlich einen Stuhl für Newt zurück und nachdem dieser sich gesetzt hatte, ließ er sich neben ihm nieder.
„Die Hauselfen haben sich mal wieder selbst übertroffen“, sagte er, während sein Blick anerkennend durch die Halle wanderte. Sie hatten einen Tisch an der Wand ergattert, sodass er den Kopf gar nicht groß drehen musste, um alles aufzunehmen. Ihm schien, als würden noch mehr Kerzen über ihren Köpfen hängen als üblich. Und war das die Illusion eines Fledermausschwarms, die unter dem Nachthimmel der Hallendecke ihre Kreise zog?
Newt folgte Albus‘ Blick durch die große Halle.
„Ja“, murmelte er gedankenverloren. Er schien nostalgisch zu werden. Albus fragte sich mit einem Schmunzeln, woran er dachte. Vielleicht an seine eigene Schulzeit. Es war lange her, dass er in Hogwarts einem Fest beigewohnt hatte.
Während um sie herum Ruhe einkehrte und sich die Schüler auf den Plätzen niederließen, stellte sich Dippet in die Mitte zum Buffet und begrüßte alle Anwesenden. Er eröffnete die Feier und das Essen mit einigen ermutigenden Worten, die in diesen Zeiten nie falsch waren. Kaum hatte er geendet, stürmten die Schüler bereits zum Buffet.
Albus wartete einige Zeit, bis er Newt einen Blick zuwarf.
„Hunger?“, fragte er mit einem Schmunzeln.
Newt nickte lächelnd.
„Ich verhungere gleich", gestand er mit einem kleinen Grinsen.
Albus erwiderte das Lächeln mit einem schelmischen Funkeln in den Augen.
„Kann ich nachvollziehen“, antwortete er, ehe er etwas leiser raunte: „Dein Festumhang steht dir so gut, dass ich auch Heißhunger bekommen habe.“ Er biss sich wie zufällig auf die Unterlippe, während sein Blick langsam an Newt herunter glitt.
Newts Augen weiteten sich. Er lief feuerrot an. Sein Mund klappte auf als wolle er etwas erwidern, doch nach ein paar Sekunden schloss er ihn wieder und wich Albus intensivem Blick aus, während er fast hilfesuchend zum Buffet schielte.
Albus entwich ein leises Glucksen. Es war nicht einmal so, als hätte er bewusst Dirty Talk angewandt, um Newt auf etwas mehr als Flirten vorzubereiten. Vielmehr hatte er einfach ausgesprochen, was ihm durch den Kopf gegangen war. Er liebte es, Newt mit solchen Dingen aus der Fassung zu bringen. Weil Newt nun sichtbar rot glühte, erhob sich Albus. Seine Worte waren direkt gewesen und so intensiv wie selten. Er wagte keine weitere Aussage in die Richtung. Albus wollte nicht riskieren, dass Newt ohnmächtig wurde. Also rückte er seinen Stuhl zurück.
„Ich hole uns etwas zu essen“, sagte er mit einem Augenzwinkern, während einer seiner Handschuhe sich selbstständig machte. Er strich mit der Spitze des Zeigefingers Newts Kiefer bis zum Kinn entlang. Albus pfiff ihn zurück, ein schalkhaftes Funkeln in den Augen.
„Du solltest mir lieber zur Hand gehen“, kommentierte er die Annäherungsversuche des Handschuhs schmunzelnd, ehe er sich zum Gehen wandte.
Er steuerte auf die Mitte der Großen Halle zu und reihte sich in die Schlange am Buffet ein, die langsam, aber stetig vorwärtsrückte.
Als er dort angekommen war, wo er hinwollte, häufte Albus Essen auf zwei Teller und sparte dabei nicht am Kesselkuchen. Er kannte Newt gut genug, um zu wissen, wie sehr dieser Süßes mochte. Seine Handschuhe halfen ihm beim Tragen und als er wieder zurück an den Tisch kam, war Newts Gesichtsfarbe schon wieder deutlich unauffälliger. Die Handschuhe stellten den Teller vor ihm ab, während Albus sich mit dem seinen ihm gegenüber niederließ.
„Nun denn“, sagte er mit einem unschuldigen Lächeln, „Auf einen angenehmen Abend.“ Und er hob den Kelch mit Kürbissaft, der schon neben ihm stand und prostete Newt damit zu.
„Danke“, sagte Newt und wies mit dem Kopf zu dem Teller hin, für den er sich bedankte, ehe er ebenfalls den Kelch an die Lippen setzte. Kurz, bevor er trank, hielt er jedoch inne, schielte hinein und dann etwas skeptischer zu Albus.
„Das ist nur Kürbissaft, richtig?", fragte er zögerlich nach.
Albus stutzte. „Davon gehe ich aus“, sagte er, „Da er schon hier stand, als wir uns gesetzt haben.“ Er nippte daran und nickte dann. „Kürbissaft“, bestätigte er. „Ich schätze, die alkoholischen Getränke werden später folgen, wenn die Sperrstunde beginnt und die jüngeren Schüler in die Betten geschickt werden.“
Newt zog dabei die Augenbrauen zusammen.
„Ich meinte auch keinen Alkohol", murmelte er und warf Albus einen vielsagenden Blick zu.
Albus war schon fast verletzt, dass Newt ihm so etwas zutraute. Glaubte er tatsächlich, dass Albus es in Kauf nehmen würde, Newt in einem vom Trank berauschten Zustand der gesamten Schule vorzuführen? Er ließ den versteckten Vorwurf auf sich wirken. Dass Newt das in Betracht zog, hatte einen herben Beigeschmack von mangelndem Vertrauen, um nicht zu sagen Misstrauen. Er fragte sich, ob ein solches Urteil gerechtfertigt war.
„Ich habe nichts hineingetan“, sagte er ruhig, stellte den Kelch ab und bedachte Newt mit einem langen, ernsten Blick. „Und ich werde so etwas auch niemals in der Öffentlichkeit tun, Newton. Es sei denn, du bittest mich darum.“
Newt öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, doch dann hielt er inne und stutzte.
„Sie darum bitten?", fragte er irritiert.
Albus zuckte leicht mit den Schultern. „Nun, falls du irgendwann den Wunsch verspüren solltest, einen der Tränke ausprobieren zu wollen, während wir nicht unter uns sind, will ich deinen Wunsch nicht von vornherein abschlagen“, antwortete er ruhig und wandte sich seinem Essen zu, um der Unterhaltung ein wenig von der Schwere zu nehmen. Er wollte darüber nicht hier reden. Er fühlte sich damit sonderbar verletzlich. Dies war ein Thema für geschlossene Räume und unter einem Muffliato – Nicht für die Schulfeier, auf der sie sich im Augenblick befanden.
„Schließlich müssen die Experimente nicht immer von mir ausgehen. Wenn du möchtest, kannst du auch eigene Vorschläge machen“, fuhr er fort und nahm einen Bissen von dem Braten.
Seine Worte schienen Newt nachdenklich zu stimmen.
Anstatt direkt zu antworten, trank er nun endlich einen Schluck von seinem Saft und begann dann ebenfalls zu essen.
„Und... wenn ich etwas probieren wollen würde, ohne Ihnen vorher zu erklären, was genau?", fragte er nach einigen Augenblicken neugierig nach. „Würden Sie mitmachen?"
Albus hob verwundert eine Augenbraue. Er hatte nicht damit gerechnet, dass die Unterhaltung in diese Richtung gehen würde und hatte sich eigentlich am Buffet vorgenommen, Newt nicht weiter mit Flirterei zu bedrängen. Dass sie nun doch über dieses eindeutige Thema sprachen, war unerwartet.
„Das… kommt darauf an“, sagte er nachdenklich, „Wieso würdest du mir nicht von vornherein sagen wollen, was du vorhast?“ Er schenkte ihm ein Lächeln. „Ich stimme generell recht vielen Dingen zu. Du müsstest dir also keine Sorgen machen, ob ich ablehnen würde, wenn ich es vorher wüsste.“
Newt legte bei dieser Antwort den Kopf schief.
„Also sagen Sie mir öfter nicht, was Sie vorhaben, damit ich nicht ablehne?", fragte er verwundert.
Albus stutzte. „Geht es hier um etwas, was du tun willst oder etwas, das ich getan habe?“, fragte er irritiert. Er konnte Newt nicht mehr ganz folgen und fragte sich, warum sie das ausgerechnet jetzt besprechen mussten.
„Um beides“, sagte Newt langsam, „Ich bin nur neugierig."
Als Albus darauf nicht wusste, was er sagen sollte, fragte Newt: „Soll ich lieber nicht darüber reden?“
Albus versteckte seine Irritation hinter einem Lächeln.
„Nein, das ist es nicht“, sagte er freundlich, weil er Newt nicht den Abend verderben wollte, „Allerdings glaube ich, dass ich dir auf deine Fragen besser antworten könnte, wenn wir unter uns sind. Hier ist es…“ Er machte eine ausschweifende Geste zu dem regen Treiben hin, das sie umgab. „.. doch recht laut und geschäftig dafür, findest du nicht?“
Und als würde es seine Situation noch unterstreichen, gesellten sich zwei Siebtklässlerinnen zu ihnen, mit Tellern voll Essen in den Händen.
„Verzeihung, Professor Dumbledore, Sir?“, fragte die Slytherin-Schülerin, die er in Verwandlung unterrichtete, mit roten Wangen, „Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn wir uns zu Ihnen setzen? Alle anderen Plätze sind schon belegt.“
Albus hätte lieber abgelehnt, aber mit welcher Begründung? Stattdessen wurde sein Lächeln breiter, einladender und er nickte.
„Gern“, sagte er und wies auf die beiden freien Plätze. Die Mädchen setzten sich und grüßten Newt ebenso höflich wie sie eben Albus gegrüßt hatten.
Albus war nicht gerade froh über die Anwesenheit der beiden Schülerinnen, die kichernd an ihrem Tisch saßen. Während er sich seinem Essen widmete, genauso wie Newt, entging ihm nicht, wie das Hufflepuff-Mädchen Newt verstohlene Blicke zuwarf und mehr und mehr errötete.
„Professor Dumbledore?“, riss ihn die Slytherin aus seinen Beobachtungen und er schaute auf.
Das Mädchen schenkte ihm ein bewunderndes Lächeln.
„Ihr Festumhang steht Ihnen, Sir“, sagte sie anerkennend. Albus nickte und griff sein höfliches Schmunzeln wieder auf.
„Nun, vielen Dank“, antwortete er und weil er das Gefühl bekam, dass eine Erwiderung erwartet war, sagte er unverfänglich: „Ihre Auswahl sieht auch recht hübsch aus.“
Die Slytherin kicherte. „Danke, Professor“, sagte sie.
Albus warf einen Seitenblick auf die Hufflepuff-Dame. Sie hing an Newts Lippen, die sich beim Kauen gemächlich bewegten. Es versetzte Albus einen kleinen Stich. Er wandte den Blick ab, um nichts Dummes zu tun und konzentrierte sich wieder auf sein Essen.
Eine Hand legte sich auf Albus‘ Schulter.
„Was für ein Stoff ist das?“, fragte die Slytherin, während ihre Hand seinen Oberarm hinunterglitt, um den Stoff zu erfühlen „Seide?“
Ihre Frage lenkte ihn ein weiteres Mal vom Essen und von der Beobachtung ihrer Hufflepuff-Freundin ab.
„Satin“, antwortete Albus abwesend und aus den Augenwinkeln sah er die Hand hinuntergleiten bis zu seinem Ellenbogen.
„Fühlt sich gut an“, stellte das Mädchen fest und ihre Stimme hatte einen weichen Ton angenommen, den Albus bewusst überhörte. Er nickte nur und nahm einen weiteren Bissen seines Essens. Mit jeder Sekunde, die verging, wurde Albus das Gefühl weniger los, dass es hier um mehr ging als um seinen Anzug. Als die Hand langsam von seinem Ellbogen zu seinem Handgelenk wanderte, griff er sie entschieden und hielt sie von sich. Er warf dem Mädchen einen finsteren Blick zu.
„Das reicht“, sagte er in einer für ihn ungewöhnlich warnenden Tonlage, ehe er seine Gefühle erneut hinter einer Maske der Freundlichkeit verbarg.
„Genug davon“, setzte er mit einem leutseligen Lächeln hinzu, das die Stimmung wahren sollte. An ihrem Blick erkannte er, dass sie den Wink verstanden hatte. Sie senkte ihn beschämt und wandte sich dem Essen zu, während ihre Freundin, die davon nichts mitbekommen hatte, schüchtern zu Newt sagte: „Professor Scamander? Stimmt es, dass Sie schon als Schüler wussten, dass Sie eines Tages Tierwesen helfen wollten?“
Albus blickte zu Newt auf, der von der Frage ebenfalls aus seinen Gedanken gerissen schien.
„Bitte?“, fragte er irritiert, ehe er sich auf die Antwort konzentrierte und antwortete: „Nun… genau genommen, wusste ich das schon bevor ich nach Hogwarts ging."
Albus lauschte seinen Worten und es schien, als würde die Slytherin keine weiteren Anstalten machen, etwas Unverfrorenes zu tun.
„Das ist so faszinierend!“, sagte das Hufflepuff-Mädchen begeistert und ihre Augen strahlten, „Und ist es wahr, dass Sie es waren, der den Kraken in unseren See gebracht hat? Ich füttere ihn manchmal mit Toast, wissen Sie?“ Albus hob eine Augenbraue, während er auf seinen Teller schaute. Hatten die beiden Mädchen sich verabredet, sich heute an ihre Professoren heran zu wagen? Ein törichtes, wenngleich mutiges Unterfangen. Als Hauslehrer von Gryffindor konnte er das beinahe bewundern, wenn ihre Strategie nicht derart durchschaubar gewesen wäre.
Newt schaute überrascht.
„Ja, sie hat eine Vorliebe für frisches Toast“, sagte er mit einem Lächeln, „Ich habe sie als kleine Krake mit Toast aufgepäppelt. Es war so ziemlich das Einzige, was sie die ersten Wochen essen wollte... Ziemlich ungewöhnlich für eine Riesenkrake, aber ich war froh, dass sie irgendetwas zu sich genommen hat." Er schien aufzutauen – so, wie jedes Mal, wenn jemand mit ihm über Tierwesen sprach.
Interessiert fragte er: „Hat sie Ihnen denn auch erlaubt, sie zu streicheln?"
Das Mädchen hatte den Ellbogen auf die Tischplatte gestellt und das Kinn auf der Handfläche abgestützt, während sie an Newts Lippen hing. Sie nickte eifrig.
„Ich habe Ihr Buch gelesen, sobald es veröffentlicht worden war“, sagte sie begeistert. Der Ton, in dem sie das sagte und das Strahlen ihrer Augen rief Albus‘ Aufmerksamkeit stärker auf den Plan.
„Sie schaffen es so gut, einem ein echtes Gefühl für Tierwesen rüberzubringen“, schwärmte sie, „Da war es ganz leicht. Ich habe ihr Toast mitgebracht und mich ihr langsam genähert, so wie Sie es beschrieben haben. Es hat so gut geklappt, dass ich total überwältigt war. Ich bin so froh, dass Sie nun auch Unterricht geben.“ Ihr Blick hatte etwas Schmachtendes, das Albus deutlich gegen den Strich ging. Er gab sich Mühe, es zu ignorieren.
Newt errötete bei den vielen Komplimenten.
„Oh... d-das freut mich natürlich, dass Ihnen das Buch so hilfreich war", antwortete er mit einem ehrlichen Lächeln. „Ich bin froh, wenn ich durch meine Arbeit und Erfahrungen anderen näherbringen kann, wie wundervoll und wichtig magische Wesen doch sind! Wobei ich Ihnen natürlich nicht raten möchte, sich einer wilden Riesenkrake genau so zu nähern wie der in unserem See.“
Das Mädchen nickte zustimmend. „Natürlich“, sagte sie, ganz die folgsame Schülerin. Sie wollte weitersprechen, doch der Schulleiter hatte sich erneut vor das – nun deutlich leerere – Buffet gestellt und begann nun, die große Feier mit einigen Worten zu beenden. Enttäuschtes Gemurmel ertönte, als er alle Schüler, die noch nicht volljährig waren, aus der Halle und in ihre Schlafsäle bat. Die Vertrauensschüler sorgten dafür, dass sich die Kinder daran hielten.
Um den Tisch herum entstand ein reges Treiben, als der Großteil der Anwesenden sich erhob und sich anschickte, den Raum zu verlassen, während Dippet mit einigen geübten Schlenkern seines Zauberstabes das Buffet zu einer Seite der Halle schob und eine Vielzahl Tische verschwinden ließ, um Platz zu schaffen.
Die beiden Mädchen, die an Albus‘ und Newts Tisch saßen, waren beide volljährig. Auf diese Weise würde sich Albus also nicht von ihnen verabschieden können. Er knirschte mit den Zähnen und griff nach seinem Kürbissaft, während er sich mühte, sanft zu lächeln. Zugleich wünschte er sich, er hätte bereits etwas Stärkeres in seinem Kelch.
„Wissen Sie, Professor…“, hörte er das Hufflepuff-Mädchen sagen und er spitzte erneut die Ohren, „Ich möchte nach der Schule genau das Gleiche machen wie Sie! Ich möchte Tierwesen helfen und den Menschen mehr Verständnis dafür entgegenbringen. Ist es vielleicht möglich, das…“ Sie unterbrach sich und mit einem Seitenblick auf sie bemerkte Albus, dass sie erneut errötete. „… also, ich habe überlegt, ob… ob es in Ordnung wäre…“
Sie machte es spannend. Albus richtete den Blick nun offen auf sie und auch ihre Freundin schaute auf.
„… Ich dachte, ich könnte vielleicht schon ein wenig Erfahrung sammeln“, sprach sie endlich aus, „Und eventuell brauchen Sie ja eine Assistentin, die Ihnen hilft, die Stunden vorzubereiten oder sich um die Tierwesen zu kümmern? Wir könnten das gemeinsam tun…“
Ihre letzten Worte führten dazu, dass Albus seinen Kelch lauter abstellte, als er geplant hatte.
„S-sicher!", antwortete Newt, den dieses Interesse zu überfordern schien. „Also... wenn Sie möchten und es nicht mit Ihrem Stundenplan kollidiert... Zu tun gibt es immer etwas“, fügte er mit einem warmen Lächeln an.
Noch während sich auf dem Gesicht der Schülerin ein warmes Lächeln abzeichnete und sichtbare Herzchen in ihren Augen entstanden, hörte Albus, dass endlich die Band zu spielen begonnen hatte. Er fühlte sich so besitzergreifend wie selten. Die Mädchen hatten sich einfach zu ihnen gesetzt und sie als mögliche Beziehungsoptionen (oder zumindest Affären) in Betracht gezogen und er war es leid. War es leid, dass seine Schüler Newt mit den Augen auszogen und ihm verträumte Blicke zuwarfen. War es leid, mit welchem Blick ihn die Hufflepuff just in diesem Moment bedachte. Und war es erst recht leid, dass ihre Slytherinfreundin erneut verstohlen zu ihm hinschielte. Es wurde Zeit, eine klare Grenze zu ziehen. Er erhob sich in seinem Wechselbad der Gefühle derart ruckartig, dass der Tisch wackelte. Als die anderen drei überrascht zu ihm aufschauten, schenkte er Newt ein warmes Lächeln. Sie waren alle fertig mit essen und er wollte der Gesellschaft schnellstmöglich entfliehen.
Also sagte er: „Newt, Darling. Begleitest du mich zur Tanzfläche?“
Aus den Augenwinkeln sah er, wie den Mädchen bei der Bezeichnung einen kurzen Moment die Gesichtszüge entglitten, ehe sie sich fragten, ob sie sich verhört hatten und dann zu dem Schluss zu kommen schienen, dass es nur Albus‘ gewohntes Vokabular war und nichts zu sagen hatte. Doch er hatte nicht vor, sie darüber weiter im Unklaren zu lassen. Er hielt Newt eine Hand hin.
Newt lief erneut dunkelrot an und schaute fahrig von Albus‘ Gesicht zu der dargebotenen Hand.
„Ich… bin kein wirklich guter Tänzer“, murmelte er.
„Keine Sorge“, sagte Albus mit deutlich wärmerer Stimme und einem liebevollen Funkeln in den Augen, „Ich führe.“

Chapter Text

Newt senkte noch einmal den Blick und biss sich auf die Unterlippe, ehe er schließlich die Hand ergriff.
„Ich übernehme keine Verantwortung für schmerzende Zehen, auf die ich trete", sagte er leise.
Albus schmunzelte. Dann führte er Newt an der Hand zur Mitte der Halle. Sie waren nicht das erste Paar, das zu Tanzen begann. Aber definitiv das Auffälligste. Obwohl Homosexualität in der Zauberergemeinschaft nicht so verpönt war wie in der Welt der Muggel und obwohl viele Leute den Gerüchten glaubten, dass Albus schon seit seiner Jugend mit Grindelwald schwul war, ging ein Raunen durch die Menge, als sie auf der Tanzfläche ankamen. Albus fühlte den Blick der Mädchen im Nacken, die sie an dem Tisch zurückgelassen hatten. Er biss sich auf die Innenseite seiner Wange, um nicht allzu triumphierend zu grinsen, ehe er seine Arme in der üblichen Tanz-Pose hob und Newt dasselbe tat, sodass Albus ihn im Arm halten konnte. Bevor er einen zweiten Gedanken daran verschwenden konnte, dass sich morgen die Schule an dem neuen Gerücht aufheizen würde, begann er, in den Takt der Musik einzusteigen und zog Newt mit sich.
Es war spürbar, dass Newt unsicher war. Sein Blick ging immer wieder zwischen ihnen hinunter, als würde er seinen Füßen nicht trauen.
Albus gelang der Tanz weitaus leichtfüßiger. Er führte sie geübt und ohne Probleme an den anderen Paaren vorbei und war beinahe selbst begeistert davon, mit welcher Eleganz ihm das gelang. Er warf Newt einen Seitenblick zu und schmunzelte.
„Du machst das fabelhaft, Darling“, raunte er ihm anerkennend zu, „Und offensichtlich bin ich nicht der Einzige, der das so sieht. Ich werde das Gefühl nicht los, dass dich alle anstarren.“
Er sah Newt über seine Worte lächeln. „Ich glaube eher, dass alle bewundern, dass Sie sogar einen solchen Grobmotoriker wie mich beim Tanzen führen können", erwiderte er bescheiden.
Albus‘ Schmunzeln wandelte sich zu einem Grinsen.
„Unsinn“, tat er es ab, „Aber es war wohl doch keine gute Idee, dich in den Mittelpunkt zu rücken“, schnurrte er und schwang Newt in einer gewagten Drehung herum. „Dabei wollte ich doch deutlich machen, dass du zu mir gehörst.“
Newt, der sich an ihm festkrallte, sobald Albus ihn wieder zu sich zog, als würde er sonst das Gleichgewicht verlieren, schaute ein wenig orientierungslos zu ihm auf.
„Ich denke nicht, dass man daraus etwas schließen kann, nur weil wir miteinander tanzen", murmelte er.
Albus schenkte ihm ein Lächeln. Es war nicht so, als hätte er es bei einem Tanz belassen. Dass das nicht eindeutig genug war, war ihm selbst bewusst und er wollte dahingehend keine Zweifel offen lassen.
„Ist das eine Einladung, Mr. Scamander?“, fragte er neckend. Er ließ Newt keine Zeit zu antworten. Albus nutzte das Finale des Liedes, um Newts Oberkörper nach hinten fallen zu lassen, während er ihn in der Mitte festhielt, und beugte sich zugleich nach vorn, sodass Newt halb in seiner Umarmung hing. Er küsste ihn, während er die Figur mühelos hielt und bemerkte, wie sich Newt an ihm festkrallte, als fürchtete er, zu fallen. Das war, zugegebenermaßen, ein recht angenehmes Gefühl.
Amüsiert beobachtete Albus, wie sich Newts Augen immer mehr weiteten und wie ihm die Röte ins Gesicht schoss.
Er zog ihn wieder hinauf.
„Ich denke, jetzt dürfte es eindeutig sein“, raunte Albus Newt zu. Es war still geworden um sie herum. Das Lied hatte geendet und das neue begann erst leise. Er fühlte, wie die gesamte Aufmerksamkeit der Halle auf ihnen lag und schmunzelte. Es wurde Zeit, dass sie es erfuhren. Er war froh darüber. Und so begann er den langsamen, wiegenden Schritt des nächsten Liedes anzustimmen, nicht mehr ganz so dominant führend, und vollbrachte keine weiteren großen Gesten und Figuren. Ein langsames Sich-Wiegen zum sanften Takt der Musik, während er Newt näher zu sich zog und seine Wange gegen die glühende des Jüngeren legte. Er spürte, wie sich die Anspannung aus dem Newts Körper verflüchtigte, je länger sie nun nah beieinander zur langsamen Musik tanzten.
Um sie herum hörte er, wie das Gemurmel des Publikums nach dem ersten Schock anschwoll.
Albus war beinahe froh, dass sie starrten. Sollten sie alle starren. Es sollte sich in ihre Netzhaut einbrennen und in ihre Erinnerungen und sie sollten es in den nächsten Tagen den anderen Schülern berichten. Damit alle wussten, dass Newt vergeben war – und es keine Annäherungsversuche mehr seitens seiner Schüler gab, die ihn ohne Zweifel aus ähnlichen Gründen bewunderten, wie Albus selbst. Newt war liebenswert in seiner schusselig-schüchternen Art. Allein für sein großes Herz musste man ihn lieben. Und mit allem, was er tat, wollte er stets Gutes in die Welt bringen. Es war kein Wunder, dass sie ihm verfallen waren. Albus war es ebenso. Und obwohl er es zuvor noch nie in diese Worte gefasst hatte und obwohl es vielleicht schönere, vertrautere Momente gab, sagte er es. Just in diesem Moment sprach er aus, was ihm auf dem Herzen lag und raunte es Newt wie eine heimliche Melodie ins Ohr: „Ich liebe dich, Newt.“
Wie zu erwarten, lösten seine Worte etwas aus. Er konnte hören, wie Newt scharf die Luft einzog und dann sein glühendes Gesicht gegen Albus‘ Schulter presste, als könnte ihn das verstecken.
„Ich Sie auch", murmelte er leise.
Albus lächelte. Seine Brust wurde warm bei den bestätigenden Worten. Er hatte sie erahnt, hatte Newts Gefühle vermutet, doch eine letzte Sicherheit hatte Newt ihm erst durch diese Antwort gegeben. Er drückte ihn enger an sich.
„Wunderbar“, sagte er mit brüchiger Stimme und vor Aufregung trockener Kehle. Er räusperte sich.
„Was meinst du?“, fragte er nach einer Weile, „Wollen wir noch ein wenig tanzen oder den Abend zu zweit ausklingen lassen?“
Newt antwortete nicht sofort. Er schien einen Moment zu brauchen, bis er seiner Stimme wieder traute.
„Ich würde gerne noch etwas tanzen...“, gestand er und setzte mit einem schüchternen Lächeln hinzu: „…zu zweit in Ihren Räumen?"
Albus‘ Schmunzeln wurde verrucht.
„Zauberhafte Idee“, stimmte er zu und gab seiner Stimme bewusste Zweideutigkeit, „Im Augenblick halte ich mich krampfhaft davon ab, meine Hand auf deinen Hintern zu legen, der in deinem Festumhang unverschämt gut zur Geltung kommt.“
Newt runzelte einen Moment die Stirn, ehe er erneut errötete.
„Ich meinte tatsächlich Tanzen“, betonte er und peinlich berührt.
„Ich auch“, schnurrte Albus und schmiegte sich ein wenig mehr an ihn, „Glücklicherweise habe ich in dieser Position eine gute Möglichkeit, deinen Hintern zu fassen zu bekommen.“
Er lachte leise. „Aber das demonstriere ich besser nachher. Wir wollen die anderen nicht unnötig überfordern.“
Voll Scham wich Newt seinem Blick aus. Er war zum Anbeißen, wenn er sich so zierte. Albus fühlte seine Finger zucken, die er mühsam im Zaum hielt.
„Sie sind unmöglich", murmelte Newt leise.
Albus lachte leise. Auf die Art, die Newt meinte, konnte er wohn nicht widersprechen.
Als das Lied schließlich endete, löste er sich von Newt, doch hielt seine Hand fest.
„Wollen wir?“, fragte er charmant. Und bevor Newt antworten konnte, führte er ihn von der Tanzfläche, stolzierte beinahe, während er sich durch die gaffende Menschenmenge schob, die ihnen bereitwillig platzmachte und schenkte allen, die nicht schnell genug fortsahen, ein zufriedenes Lächeln.

Albus führte sie in seine Räume, wo er mit einer Handbewegung Sofa und Sessel vor dem Kamin zur Seite schob, um Platz zu schaffen. Einer seiner Handschuhe schwebte zum kleinen Radio und schaltete es ein. Er drehte am Regler, bis etwas spielte, das Albus gefiel und er zufrieden nickte. Dann zog er Newt langsam wieder zu sich, der sich bereitwillig gegen ihn schmiegte und damit dafür verantwortlich war, dass sich Albus‘ Herzschlag beschleunigte.
„Ein Jammer, dass ich dich nicht gleich ausziehen darf“, schnurrte Albus und seine Hand wanderte tatsächlich zu Newts Hintern, während sie sich im langsamen Takt der Musik wiegten.
„Dein Festumhang betont deine Figur. Du kannst dir nicht vorstellen, wie schwer es ist, die Finger von dir zu lassen.“

„Ich sagte nicht, dass Sie Ihre Finger von mir lassen müssen“, erwiderte Newt neckend. „Aber ich wollte definitiv noch ein bisschen tanzen.“
„Und ich sage, dass ich glücklich sein kann, dich hier zu haben und nicht länger auf der Tanzfläche“, sagte Albus schmunzelnd und kniff Newt leicht in den Hintern, „Denn da wären meine Hände an einigen Stellen unangebracht gewesen.“ Er setzte einen Kuss auf Newts Hals und lachte leise. „Bedeutet das“, sagte er neckend, als er die ganze Tragweite von Newts Worten verstand, „dass wir auch nackt tanzen können?“
Seine Frage brachte ihm ein Kichern ein.
„Meinen Sie denn, dass Sie sich dann besser auf das Tanzen konzentrieren können, Professor?", fragte Newt und die Art, wie er ‚Professor‘ sagte, führte dazu, dass Albus ein wohliger Schauer über den Rücken lief.
„Höchstwahrscheinlich nicht, nein“, gab er schmunzelnd zu und ließ von Newts Hintern ab.
„Ich werde es vorerst dabei belassen“, sagte er und seine Pose wurde wieder ein wenig disziplinierter, „Allerdings solltest du im Hinterkopf behalten, was ich dir zu deinem Aussehen gesagt habe.“ Er küsste Newt die Stirn.
„Du wirst heute Nacht noch unter mir liegen“, versprach er leise, „Und ich werde dich für deinen perfekt geformten Hintern bewundern.“
Newt schwieg darauf. Albus konnte fühlen, wie den schlanken Körper ein Schaudern durchlief.
Newt schmiegte sein Gesicht gegen Albus Schulter.
„Und wie sähe dieses Bewundern aus?", fragte er schließlich doch nach. Er klang neugierig.
„Nun, zuallererst werde ich dir den Festumhang vom Körper ziehen, auch wenn er noch so fabelhaft an dir aussieht“, schnurrte Albus und küsste sich langsam einen Weg von Newts Stirn über die Schläfe hinunter zu seinen hohen Wangenknochen.
„Dann werde ich dich auf dem Bett ausbreiten wie das Geschenk, das wir beide verdient haben.“ Er war an Newts Ohr angekommen, nahm sein Ohrläppchen zwischen die Zähne und zog leicht daran, während sie sich noch immer im Takt der Musik wiegten. „Und dann werde ich das tun, was ich schon all die Male zuvor getan habe“, setzte er schmunzelnd fort und gab Newt einen heißen Kuss auf den Hals. „Ich werde meine Hände in deinen Hintern graben und es genießen, zu fühlen, wie sich jeder Muskel unter meiner Hand bewegt. Ich werde meine Finger zu deinem perfekten kleinen Eingang wandern lassen und ihn mit dem Daumen umkreisen, bis du mich bittest, endlich in dich einzudringen.“ Er meinte, zu fühlen, wie ein weiterer Schauer durch Newt ging und zog ihn besitzergreifend ruckartig näher. „Dann werde ich langsam meine Finger einführen“, flüsterte er ihm ins Ohr, „Einen nach dem anderen, bis du weit, nachgiebig und bereit für mich bist, Darling.“
Newt keuchte. Seine Hände gruben sich fester in Albus‘ Rücken, ehe er mit etwas kratziger Stimme ein leises „Das klingt gut" flüsterte.
„Finde ich auch“, sagte Albus schmunzelnd und drückte ihn noch einmal enger an sich. Dann ließ er seinen Griff lockerer werden und dann gab seiner Stimme einen weniger verruchten, beinahe lockeren Klang, als hätten sie eben für das Wetter gesprochen.
„Was meinst du, Liebes, eine Drehung?“ Und er hob den Arm, damit Newt sich neben ihm drehte, bevor er ihn wieder in die Grundstellung ziehen würde.
Newt kicherte.
„Da ich nun herausgefunden habe, dass Sie außerdem noch ein fantastischer Tänzer sind... Gibt es eigentlich irgendetwas, in dem Sie nicht gut sind?", fragte er und schaute Albus neugierig an.
Albus dachte einen Moment darüber nach. „Blumenkränze flechten“, sagte er nickend, während er versuchte ernst zu bleiben und blickte Newt ins hübsche Gesicht. Er seufzte theatralisch.
„Egal, ob per Hand oder mit dem Zauberstab, sie wollen mir einfach nicht gelingen.“ Er schmunzelte. „Körbe flechten übrigens genauso wenig.“
Newt blinzelte und musste dann lachen.
„Sie nehmen mich auf den Arm", murmelte er grinsend.
„Ein wenig“, gab Albus mit einem amüsierten Funkeln in den Augen zu. „Nicht, dass es nicht wahr wäre“, fuhr er schmunzelnd fort, „Aber wohl nicht das, was du hören wolltest.“ Er hob den Arm, um Newt in eine weitere Drehung zu führen und als der Jüngere wieder bei ihm angelangt war, fuhr er fort: „Ich bin nicht sonderlich gut darin, mir selbst Fehler zu verzeihen, selbst, wenn sie sehr lang her sind.“ Seine Worte hatten etwas ernstes, das er gern an diesem Abend vermieden hätte und er bettete sie in ein weiches Lächeln, um die Bitterkeit zu verstecken.
Newt beugte sich vor und küsste ihn sanft auf die Lippen.
„Ich glaube, darin sind wir alle nicht gut“, flüsterte er und schmiegte sich enger gegen ihn.
Es ließ Albus aufrichtig lächeln. „Vermutlich“, murmelte er und fuhr damit fort, Newt und sich im Takt der Musik zu wiegen. Eine seiner Hände verirrte sich in Newts Nacken und begann, ihn zu kraulen, während Albus die Augen schloss und den Moment in sich aufnahm.
„Ich liebe Sie“, flüsterte Newt kaum hörbar.
Albus stutzte einen Moment. Die Worte waren unerwartet gekommen. Es ließ ihn schmunzeln und seine Brust wurde so warm wie vorhin, als Newt sein eigenes Geständnis erwidert hatte. Er drückte den Jüngeren enger an sich.
„Schön zu hören“, sagte er mit warmer Stimme. „Und, wo wir gerade dabei sind“, fuhr er fort, „Was hältst du davon, mich ab sofort zu duzen, wenn wir unter uns sind?“ Er küsste Newts Schläfe. „Das ist unter Anbetracht der Gegebenheiten passender, findest du nicht?“
Newt schaute scheu lächelnd zu Albus auf und zögerte einen Moment.
„Ist das ein Angebot oder eine Aufforderung?", fragte er vorsichtig.
„Es ist ein Angebot“, sagte Albus mit leisem Lachen, „Du kannst selbst entscheiden. Es ist nicht so, als würde ich dich dazu zwingen wollen.“ Sein Blick fiel auf Newts Unterlippe, die dieser sich zerbiss und er widerstand dem Drang, sie zu küssen. „Ich persönlich duze meinen Liebhaber lieber, aber das ist dir ja nicht neu“, setzte er mit einem Zwinkern hinzu und dachte darüber nach, dass er Newton eigentlich nie lang gesiezt hatte. Sie waren, nachdem der Jüngere die Schule verlassen hatte, schnell zu einer partnerschaftlichen Freundschaft gelangt, in der er es von Anfang an gemocht hatte, Newt beim Vornamen zu nennen. Es hatte etwas Vertrautes, Verbundenes, das ihm schon immer gefallen hatte.
Newts Wangen färbten sich rot. „A-also nicht, dass ich es nicht wöllte, weil ich Ihnen nicht vertraue o-oder nah sein w-will“, begann er, während er Albus Blick auswich, „I-ich... mag es nur ganz gerne, Sie zu siezen."
Bei dem Geständnis wurde Albus‘ Schmunzeln verruchter. „Tatsächlich?“, raunte er Newt ins Ohr, während er ihn näher drückte. Es hatte etwas Verbotenes, ohne dass Albus sagen konnte, warum. Vielleicht ein Überbleibsel von Newts Schulzeit? Durfte er sich tatsächlich einbilden, dass Newt einst für ihn geschwärmt hatte?
Die Tatsache, dass Newt sie auf diese Weise auf unterschiedliche Level hob, weckte Fantasien in Albus. Er lachte leise darüber, wie schnell ihn Newt mit seinen unschuldigen, ehrlichen Worten um den Finger wickeln konnte, obwohl er sein Angebot abgelehnt hatte. „Also möchtest du das Siezen beibehalten?“, fragte er und küsste Newts Hals.
Seine Küsse lösten eine Gänsehaut auf Newts Haut aus.
Verlegen vergrub er sein Gesicht in Albus Halsbeuge.
„W-wenn das i-in Ordnung für Sie ist?", stammelte er atemlos.
„Es ist vollkommen in Ordnung“, bestätigte Albus sanft und fuhr dann in der gleichen verruchten Tonlage wie vorhin fort: „Nun, abgesehen davon, dass es mich auf unanständige Gedanken bringt, wenn du daran festhältst. Aber ich schätze, damit wirst du dann leben müssen.“
„J-ja?“, murmelte Newt überrascht. Er klang aufgeregt. „Ich schätze, das werde ich wohl müssen, Professor", setzte er zögerlich hinzu, während er seine Hüften enger gegen ihn presste.
Albus entwich ein Keuchen als Newt ihn (un)absichtlich empfindlich berührte und anschließend ein Knurren. Es überraschte ihn jedes Mal, wenn Newt eine verbotene Seite offenbarte, wirkte er doch sonst stets so unschuldig und unerfahren.
„Fürs Protokoll sollte ich wohl festhalten, dass es mich für gewöhnlich nicht erregt, so genannt zu werden“, raunte er Newt mit einem leisen Lachen ins Ohr und seine Hände wanderten zu Newts Hintern. „Aber bei dir ist das offensichtlich etwas anderes.“ Er schob sein Becken ein wenig mehr vor, um Newt spüren zu lassen, was die Worte mit ihm machten.
Newt sog scharf die Luft ein.
„Fürs Protokoll...“, antwortete er keuchend, „… mich normalerweise auch nicht, wenn ich jemanden sieze, Professor."
„Gut zu wissen“, kommentierte Albus mit einem Schmunzeln und dass Newt ebenso schnell erregt war wie er selbst, bestätigte ihn. „Ich bin dafür, dass wir zu dem Punkt kommen, an dem der Tanz endet und ich dir den Festumhang ausziehe“, raunte er Newt ins Ohr, während er den Hintern des anderen knetete.
Newt schien davon nicht abgeneigt. Im Gegenteil, er nickte eifrig.
„Bitte“, hauchte er sehnsüchtig und krallte seine Hände in Albus‘ Schultern.
Albus holte tief Luft, um sich nicht zu vergessen. Weil er den ganzen Abend schon darauf hingearbeitet hatte, war er nun mehr als bereit, sich zu holen, was er wollte. Doch da er gerade eine von Newts dunklen Fantasien zu entdecken meinte, wäre es schade, diese Chance zu vergeuden.
Seine Hände strichen von Newts Hintern zu seinen Seiten und dort langsam hinauf und hinunter, während er heiße Küsse auf dem weichen Hals verteilte. Langsam wanderten seine Hände über Newts Brust hinauf zu dessen Kragen. Er öffnete ihn Knopf um Knopf, bis er an der Hüfte angelangt war und der Umhang in einem Stück zu Boden glitt. Dass Newt darunter Hemd und Hose trug, war abzusehen gewesen, doch es hielt ihn nicht auf. Albus beschleunigte die Prozedur, indem er mit der Hand die Knopfleiste hinunterfuhr und die Knöpfe sich unter seiner Berührung öffneten. Er schob Newt das Hemd vom Körper und trat einen Schritt zurück, um das Bild davon, wie er in einem kleinen Haufen Kleider stand, in sich aufzunehmen.
Newts Gesicht war wieder dunkelrot angelaufen und er keuchte mit halb geöffneten Lippen, die so einladend aussahen, dass Albus sich zusammenreißen musste.
„Fehlt nur noch deine Hose“, sagte er mit einem schnurrenden Unterton in der Stimme und lächelte. „Zieh sie aus, Newt“, verlangte er und seine Stimme nahm einen leicht autoritären Tonfall an. Er testete aus, wie weit Newts Vorliebe ging. Wie viel Lehrer sollte Albus sein?
Auf seine Worte sah er Newt erschaudern. Er biss sich verlegen auf die Unterlippe und senkte scheu den Blick, ehe er mit vor Aufregung leicht zitternden Händen begann, seine Hose zu öffnen und sie schließlich von seinen Beinen zu streifen. Als sie hinab zu seinen Knöcheln sank, stieg er vorsichtig hinaus und schaute dann scheu unter seinen rostroten Strähnen zu Albus hin. Dafür, dass Newt anfangs so scheu gewesen war, seine eigene Nacktheit zu präsentieren, war das nun beinahe verwegen für seine Verhältnisse.
Albus nickte zufrieden und außer dem Funkeln in seinen Augen verriet kaum etwas, wie es in seinem Inneren aussah. Er war ungeduldig und gierig und hätte Newt am liebsten direkt zum Bett gezogen, doch andererseits wäre er enttäuscht gewesen, wenn es so schnell vorbei war, ohne, dass sie es auskosten konnten.
„Sehr gut, Scamander“, sagte er mit einem kleinen Schmunzeln und trat an ihn heran. Er senkte den Kopf zu Newts Gesicht hin, doch einen Millimeter vor den weichen Lippen hielt er inne. Statt ihn zu küssen, wie er es eigentlich geplant hatte, öffnete er nur den Mund und sein warmer Atem traf die empfindliche Haut.
„Sag, Newt“, begann er langsam, darauf bedacht, dass sich ihre Lippen nur fast berührten. Er bemerkte, dass Newt die Augen in Erwartung des Kusses geschlossen hatte. Es ließ ihn schmunzeln. Unbeirrt fuhr er fort: „Hast du oft daran gedacht, so vor mir zu stehen? Damals schon?“
Newt riss die Augen auf. Er warf Albus einen ertappten Blick zu, ehe er eilig den Kopf senkte. Offensichtlich war es ihm peinlich, was Albus angedeutet hatte.
„I-ich...", stotterte er mit brüchiger Stimme.
Albus schmunzelte. „Gib mir eine ehrliche Antwort, Newt“, verlangte er mit warnender Autorität in der Stimme, doch seine Augen blieben sanft. Er legte erneut eine Hand auf Newts Hintern und strich über die nackte Haut. „Tu, was dein Lehrer dir sagt.“
Newt zuckte zusammen und erschauderte.
„I-ich", begann er erneut mit tiefroten Wangen. „M-manchmal", gestand er schließlich so leise, dass es kaum mehr war als ein Flüstern.
Albus hob schmunzelnd eine Augenbraue.
„Nun, an der Anrede müssen wir noch arbeiten“, sagte er und gab Newt einen kleinen Klapps auf den Po, vielmehr als Geste denn mit Kraft. Er ließ von Newts Lippen ab, ohne sie geküsst zu haben und schob den Kopf zu seinem Ohr vor.
„Es heißt ‚Professor‘, Scamander“, schnurrte er mit einem leisen drohenden Unterton, „Das solltest du in deinen Antworten nicht vergessen.“
Newt seufzte sehnsüchtig. Die kleine Maßregelung schien ihn nicht zu stören. Im Gegenteil, er schob sich der Hand an seinem Hintern weiter entgegen, als wollte er sie animieren. Albus gefiel die Richtung, in die das hier ging.
„V-Verzeihung, Professor", hauchte Newt folgsam.
Albus brummte zufrieden. Wie üblich, lernte Newt sehr schnell. Er begann wieder, den kleinen festen Hintern zu kneten und musste sich zusammennehmen, Newt nicht direkt umzudrehen und ihn sich zu nehmen.
„Und jetzt“, sagte er mit tieferer Stimme als gewöhnlich, „möchte ich, dass du mir ausführlicher antwortest.“ Er setzte Newt einen heißen Kuss auf den Hals. „Sag mir, was du dir vorgestellt hast. Nenn mir einen deiner Tagträume.“ Albus wanderte langsam mit der Zunge hinauf zu Newts Ohr und biss dann sanft in sein Ohrläppchen. „Wenn du es gut machst, bekommst du eine Belohnung.“

Chapter Text

Newt erzitterte unter Albus‘ Lippen und keuchte leise bei den verheißungsvollen Worten.
Er schluckte schwer, um den Knoten, der sich in seinem Hals gebildet hatte, etwas zu lösen und sich zusammen zu nehmen. Das war nicht gerade leicht, wenn Albus ihm so nah war.
Eilig ging er ein paar der Tagträume durch, die er damals gehabt hatte und entschloss sich schließlich für einen, der ihn mehr als nur einmal nachts wachgehalten hatte.
„Ich... Ich sitze in Ihrem Unterricht", begann er zögerlich zu erzählen, „Ich habe nicht aufgepasst u-und dazu noch die Hausaufgaben vergessen und Sie sagen mir, dass ich nach der Stunde noch bleiben soll."
Er spürte, wie ihn die Vorstellung bereits leicht ungeduldig machte und seine Erregung anfachte. Im Gegensatz zu Albus wusste er immerhin genau, wie diese Fantasie weitergehen würde. Doch trotz der Erregung waren da Scham und Angst. Er fragte sich, was Albus davon halten würde und ob er sich hier gerade lächerlich machte.
Albus schmunzelte und biss Newt sanft in den Hals. „Und weiter?“, fragte er mit rauer Stimme und nahm damit Newt jegliche Sorge, dass es albern war, was er da von sich gab. Besitzergreifend krallte er eine Hand in Newts Hintern.
„Erzähl mir die ganze Fantasie.“
Newt gab eine Mischung aus Wimmern und Stöhnen von sich.
„N-nachdem alle weg sind... stehe ich vor Ihnen und Sie lehnen mit verschränkten Armen an Ihrem Schreibtisch", hauchte er leise und schluckte. „Sie… Sie ermahnen mich, dass ich mich trotz meiner Geschöpfe auf den Unterricht und meine Noten konzentrieren muss."
Newt zögerte einen Moment. Jetzt kam der Teil, der es schwerer machen würde, weiterzusprechen.
„D-dann sagen Sie, d-dass ich offenbar... etwas a-anderes brauche, um das zu verinnerlichen... Und plötzlich bin ich über Ihren Schreibtisch gebeugt u-und meine Hände sind darauf festgehext." Mit hochrotem Kopf endete Newt und versteckte sein Gesicht beschämt an Albus‘ Schulter. Merlin, das auszusprechen, war wirklich peinlich!
Aber Albus schien das nicht so zu sehen. Im Gegenteil.
Er lachte leise, aber wohlwollend, und schnurrte dann: „Nun, ich schätze, zwanzig Punkte für Hufflepuff, Scamander.“
Newt erschauderte, als er die Lippen so nah an seinem Ohr fühlte, wie sie ihm zuraunten: „Für ausgesprochene Ehrlichkeit und Folgsamkeit gegenüber der Autorität.“
Er drückte erneut einen heißen Kuss auf Newts Hals und löste sich dann von ihm. Mit einem langsamen Blick über Newts nackten Körper und einem beinahe teuflischen Schmunzeln sagte er: „Wir sollten keine Zeit vergeuden. Schließlich“, er senkte den Kopf verschwörerisch, „muss ich dich doch dazu bringen, es zu verinnerlichen.“ Er wandte sich um und ging zur Tür. Mit einem Fingerschnippen hinaus und durch das Büro ins Klassenzimmer schloss sich die Tür am anderen Ende mit einem leisen Klick und wurde verriegelt.
Albus warf Newt einen Blick zu und wies mit dem Kopf schmunzelnd aus seinen Räumen hinaus ins Klassenzimmer.
„Worauf wartest du noch?“, fragte er.
Newt blickte mit großen Augen zu Albus hinauf. War das sein Ernst?
Newts Wangen glühten so sehr, dass er sich fühlte, als würden Feuersalamander darüber kriechen. Deutlich überfordert blieb er nackt und mit einer sichtbaren Erektion dort stehen, wo er war und starrte Albus an.
Als Albus nichts weiter tat, als seinen Blick abwartend zu erwidern, schluckte er.
„A-auf nichts", stotterte er, deutlich aus dem Konzept gebracht, ehe er schnell ein „...P-Professor“, anfügte. Dass aus seiner Fantasie plötzlich ein Rollenspiel werden würde, ließ seine Nervenenden aufgeregt kribbeln – und zugleich musste er seinen Fluchtreflex im Zaum halten.
Tapfer atmete er durch und trat dann an Albus vorbei ins Klassenzimmer ein.
Er hörte, dass Albus ihm folgte.
Als Newt unschlüssig am Lehrertisch vorbei gegangen war und stehenblieb, fühlte er eine Hand auf der Schulter, die ihn weiterschob, bis er zur ersten Pultreihe kam.
Dann ließ die Hand ihn los. Newt drehte sich herum und sein Herz schlug aufgeregt schneller, als er beobachtete, wie sich Albus in der für ihn typischen Pose gegen den Lehrertisch lehnte und die Arme vor der Brust verschränkte.
Albus schmunzelte. „Also“, sagte er mit raubtierhaft weicher Stimme, „Newton, du weißt, warum du hier bist?“
Newt senkte den Blick. Sein Herz schlug schneller. Er kam nicht umhin, sich plötzlich tatsächlich wie ein Schuljunge zu fühlen. Nur, dass er früher nie nackt vor seinem Professor gestanden hatte.
Die samtene Stimme und der Fakt, dass sie sich in Albus‘ Klassenzimmer befanden, ließ seine Scham ansteigen und doch hatte diese Situation etwas so aufregend Verruchtes, dass Newt dieses 'Spiel' unter keinen Umständen abbrechen wollte. Dennoch faltete er seine Hände etwas beschämt vor seiner Mitte, um zumindest seine deutliche Erektion vor dem anderen zu verbergen, der voll bekleidet und scheinbar ungerührt vor ihm stand.
„W-weil ich... meine Hausaufgaben nicht gemacht habe, S-Sir?", fragte er mit unsicherer Stimme und gesenktem Blick.
„Richtig“, sagte Albus nickend und sein Blick glitt langsam an Newts Körper hinunter - bis zu den Füßen und dann wieder hinauf. „Und kannst du mir auch sagen, wieso du deine Hausaufgaben nicht gemacht hast?“, fragte er und hob eine Augenbraue, während er Newt erneut ins Gesicht blickte. „Meinst du, du hast es nicht nötig, dich mit meinem Fach zu beschäftigen?“
Newt schluckte und musste anerkennend feststellen, dass Albus wirklich gut in dieser 'Rolle' war. Der tadelnde, unzufriedene Unterton in der Stimme des Älteren traf Newt genau da, wo es sollte und machte es ihm noch einfacher, sich in seine Rolle des Schülers einzufinden.
„N-nein, Professor!", sagte er eilig und setzte dann vage hinzu, „Ich... hatte nur viel zu tun."
„Zu viel zu tun“, wiederholte Albus mit einem unzufriedenen Zug um den Mund und nickte. „Nun, es ist leicht zu erraten, was du damit sagen willst.“ Er schenkte ihm ein gefährliches Lächeln. „Deine Vorliebe dafür, deine Zeit mit Tierwesen zu verbringen, ist kein sonderlich gut gehütetes Geheimnis.“ Albus stieß sich vom Schreibtisch ab und trat einen langsamen, lauernden Schritt auf Newt zu, die Arme verschränkt.
„Ich werde das Gefühl nicht los, dass du dadurch einige sehr wichtige Dinge vernachlässigst. Und egal, wie oft du darauf angesprochen wirst, du scheinst es nicht ändern zu wollen.“ Nun, da er direkt vor Newt stand, warf er ihm einen tadelnden Blick zu.
Newt biss sich auf die Unterlippe und musste sich dazu zwingen, ruhig stehen zu bleiben und nicht zurückzuweichen, wie er es eigentlich gern wollte.
„E-es tut mir wirklich leid, Professor... Es wird nicht wieder vorkommen", versicherte er erneut und senkte den Blick, da Albus‘ Anblick sein Herz schneller schlagen ließ. Es war eine aufregende Mischung aus Vorfreude und tatsächlicher 'Angst', wohin dies führen würde, wie hart Albus wäre, was er konkret vorhatte und inwieweit er Newts Fantasie abwandeln würde.
„Ich meine, mich daran zu erinnern, dass du das auch das letzte Mal versichert hattest“, sagte Albus mit einem gefährlichen Lächeln und beugte sich vor. „Und das Mal davor“, knurrte er ihm ins Ohr und Newt bekam eine Gänsehaut.
„Mir scheint, dass es mehr braucht als mündlichen Tadel, um dir begreiflich zu machen, wie ernst ich dein vermehrtes Fehlverhalten nehmen muss“, raunte er.
Newt fiel es schwer, sich auf die Worte zu konzentrieren. Albus‘ Geruch, sein warmer Atem und seine wundervoll dunkle Stimme lenkten ihn zu sehr ab. Newt spürte wie sein Glied aufgeregt und vorfreudig gegen seine Handfläche zuckte, mit der er es immer noch bedeckt hielt.
Als Albus sich wiederaufrichtete und einen Schritt zurücktrat, unterdrückte Newt ein leises, sehnsüchtiges Wimmern. Er wollte nicht, dass Albus von ihm fortging.
Doch Albus schien diesen Wunsch nicht zu teilen. Zumindest nicht in der Rolle, in der er sich gerade befand.
„Es ist besser, du widersetzt dich nicht“, sagte er leichthin, während er sich herumwandte.
Newt versuchte noch, zu begreifen, was er meinte, da legten sich plötzlich Albus‘ Handschuhe um seine Handgelenke, packten fest zu und zogen ihn zum Schreibtisch hin, zu dem Albus zurückging.
„P-Professor...?", fragte Newt mit zittriger Stimme und gab ihr einen irritierten, leicht ängstlichen Klang.
Er sah, wie sich Albus in aller Seelenruhe an seinen Schreibtisch setzte, die Beine überschlug und die Ellbogen abstützte, ehe er sein Kinn auf die aufeinanderliegenden Handflächen legte.
Newt wurde in der Zeit zum Schreibtisch gezogen und als er dort angekommen war, legte sich ein Handschuh um beide Handgelenke und hielt sie im festen Griff auf dem Schreibtisch fixiert. Der andere legte sich in Newts Rücken und schob seinen Oberkörper hinunter, sodass sein Kopf auf Augenhöhe mit Albus‘ kam. Newt keuchte auf. Sein Blick begegnete dem des Älteren. Albus schenkte ihm ein teuflisches Lächeln und seine Augen funkelten.
„War es das, was du provozieren wolltest, Scamander?“, fragte er mit samtiger Stimme, während sein Handschuh langsam den Rücken hinauf und hinunter fuhr. „Eine etwas andere Art, es zu verinnerlichen?“
Newt konnte nicht anders, als in die blauen Augen zu starren. Für einen Moment fühlten sich sein Mund und seine Kehle ungewöhnlich trocken an. Er brauchte ein paar Anläufe, ehe er antworten konnte.
„I-ich... würde Sie n-niemals p-provozieren, Professor", brachte er leise heraus. Allerdings konnte er nicht widerstehen, unauffällig auszutesten, wie fest der Griff des Handschuhs um seine Handgelenke war und ob er sich nicht herauswinden könnte.
„Und dennoch“, sagte Albus leise, als müsste er abwägen, „dennoch glaube ich, du brauchst etwas mehr Härte, um dich wirklich zu bessern.“ Er lehnte sich zurück und schenkte Newt ein weiteres Lächeln. „Ich denke, fünf Schläge sollten genügen“, sagte er.
Bei dem Wort 'Schläge' hielt Newt einen Moment lang die Luft an.
Er bemerkte, dass Albus es zwar ankündigte, aber sich nicht erhob. Dann fühlte er, wie einer der Handschuhe seine Wirbelsäule hinabstrich und auf seinem nackten Hintern liegen blieb.
Newt reckte seinen Hintern automatisch der Berührung entgegen und kaute nervös auf seiner Lippe in freudiger Erwartung, was dieser nun mit ihm anstellen würde.
Als ihn kurz darauf der angekündigte Schlag traf, weiteten sich Newts Augen überrascht und ihm kam ein Keuchen über die Lippen.
Newt war nicht sonderlich schmerzempfindlich. Das wäre bei der Arbeit mit den Tierwesen auch eher hinderlich.
Dennoch hatte der Schlag durchaus genug Kraft gehabt, um ihn in Kombination mit dem Leder deutlich auf seinem Hintern zu merken. Während Newt das leichte Ziehen, welches der Handschuh auf seinem nackten Po hinterlassen hatte, noch versuchte einzuordnen, klatschte dieser ein zweites Mal auf dieselbe Stelle. Mit tiefroten Wangen und beschämt darüber, dass Albus‘ Blick immer noch beobachtend auf ihn gerichtet war, während er ihm den Hintern versohlte, ließ Newt den Kopf senken und presste seine Stirn gegen die kühle Tischplatte.
„B-bitte nicht...", wimmerte er bei dem dritten Schlag schließlich, konnte aber den sehnsüchtigen Klang in seiner Stimme nicht ganz verbergen, da ihn die Hiebe gerade weniger störten, als er zugeben wollte.
Er hörte Albus in falschem Bedauern seufzen. „Dafür ist es nun zu spät, Newt", sagte er sanft. „Du lässt mir keine andere Wahl."
Newt biss sich bei dem vierten Schlag auf die Unterlippe und keuchte.
„Aber... es tut weh!", behauptete er und gab seiner Stimme einen weinerlichen Klang. Er versuchte, in einer offensichtlichen Geste, sich wehren zu wollen, die Hände aus dem festen Griff zu ziehen, mit denen der andere Handschuh sie auf dem Schreibtisch gepinnt hielt.
„Nun, es soll sich immerhin auch einbrennen“, sagte Albus in einem sanften, selbstverständlichen Ton. „Schließlich scheint alles andere bei dir nicht geholfen zu haben.“
Der Handschuh holte aus und traf Newts Hintern ein fünftes Mal. Laut hallte das Klatschen durch den Raum.
Newt war fast ein wenig enttäuscht, dass es bereits vorbei war. Die Stelle an seinem Hintern fühlte sich angenehm warm an und verstärkte das Ziehen in seinem Schritt umso mehr.
„Das ist nicht fair", flüsterte er dementsprechend bockig, um Albus aus der Reserve zu locken.
Wenn sie dieses Rollenspiel durchzögen, dann wollte Newt keinen verständnisvollen, sanften Professor. Genau genommen gab ihm die Frage, wie hart und konsequent Albus in dieser Rolle sein konnte, sogar einen zusätzlichen Kick.
„Nicht fair?“, fragte Albus mit einem Schmunzeln und erhob sich. „Und was wäre deiner Ansicht nach fair?“, fragte er, während er langsam um Newt herum ging, der vom Handschuh bereits wieder unten gehalten wurde.
Er blieb hinter Newt stehen, der sich auf die Unterlippe biss und versuchte, nicht zu grinsen, während er seine nächsten Worte wählte.
„Meine Tierwesen brauchen mich und sind viel wichtiger als eine blöde Hausaufgabe in Verwandlung!", brach es schließlich ungewöhnlich selbstsicher aus ihm heraus, während er erneut an dem Griff des Handschuhs zerrte. „Gar keine Strafe dafür ist fair!"
Er hörte Albus leise glucksen.
„Nun, Scamander“, sagte er und legte eine Hand auf Newts roten Hintern. Er drückte fest genug zu, damit Newt das leichte Brennen fühlte, das die Berührung auslöste.
„Mir scheint, du hast dein Vergehen noch immer nicht verstanden“, sagte Albus leise. Er griff Newt von hinten ins Haar und riss seinen Kopf zurück, während er sich vorbeugte. Newt sog scharf die Luft ein, weil die Behandlung nun doch ungewohnt grob war. Nicht, dass es ihm nicht gefiel. Seine Kopfhaut kribbelte. Darüber hinaus konnte er Albus‘ Schritt gegen seinen Hintern pressen fühlen – und die deutliche Erektion, die sich gegen ihn drückte.
„Die Regeln, Newt“, knurrte er ihm ins Ohr und bei der dunklen Stimme hatte Newt Mühe, sich nicht gegen ihn schmiegen zu wollen, „sind da, um eingehalten zu werden. Und ich weiß, dass du mehr als genug Zeit in deine Tierwesen investierst, mehr als nötig. Es nützt nichts, das zu leugnen.“
Albus ließ ihn los, trat zurück und ging um Newt herum. Newts Blick folgte ihm, wie er zu seiner Seite des Tisches ging und beiläufig eine Schublade öffnete.
„Diese ‚blöde Hausaufgabe‘, wie du sie nennst, gehört zu den festen Regeln dieser Schule.“
Albus nahm einen schwarzen Federkiel mit Holzgriff aus der Schublade.
Newts Augen weiteten sich zusehends, als der Federkiel sich in Albus‘ Hand verformte. Er wurde schlanker und länger und glitt bald bis zum Boden. Das Ende, das Albus in der Hand hielt, war dicker als der Rest. Er ließ das Ding durch die Luft sausen und ein Peitschenknall ertönte.
Newt erschauderte. Weniger wegen des Knalls, aber vielmehr, weil er es so unheimlich sexy fand, wie vielseitig und gewaltig Albus‘ magische Talente waren.
„Sollte ich dir die Regeln mit der Strafe noch nicht fest genug eingetrieben haben, dann werde ich es wohl mit härteren Maßnahmen versuchen“, sagte Albus mit einem kühlen Lächeln.
Newt schluckte schwer. Er hoffte nur, dass er sich da nicht übernommen hatte...
Aber andererseits vertraute er Albus. Der Ältere würde wissen, wie weit er gehen konnte. Also würde Newt sich darauf einlassen.
„D-das dürfen Sie nicht!", hauchte er mit zittriger Stimme, ganz der dickköpfige Schüler.
„Verzweifelte Situationen erfordern verzweifelte Maßnahmen“, erwiderte Albus mit einem gefährlichen Schmunzeln, während er langsam an ihm vorbei ging. Er beugte sich hinunter. „Und wer sollte mich aufhalten?“, raunte er ihm zu.
Als er hinter Newt angekommen war, legte er erneut die Hand auf den erröteten Hintern. „Wie bereits gesagt“, wiederholte er, „Da du dich uneinsichtig zeigst, war wohl das Strafmaß nicht gravierend genug. Um nicht zu sagen, nicht einschneidend.“ Sein Daumen strich in einer langsamen geradlinigen Bewegung quer über Newts Hintern. Newt zuckte bei der Berührung zusammen.
„Ich denke, wir beginnen mit zehn Hieben“, sagte Albus bedächtig, als würde er darüber nachdenken. „Zeigst du dich dann noch immer uneinsichtig, werde ich selbstverständlich Anzahl und Intensität erhöhen.“
Newt warf Albus über die Schulter einen flehenden Blick zu, die Unterlippe zwischen seinen Zähnen. Ein letztes Aufbäumen, um der Strafe vielleicht doch zu entgehen.
„Bitte n-nicht! E-es tut mir leid, Professor", bat er eindringlich und gab seiner Stimme einen verzweifelten, ängstlichen Klang.
„Ich erinnere mich daran, dass du auch vorhin schon ‚Bitte nicht‘ sagtest“, sprach Albus und um seinen Mund wanderte ein harter Zug, bei dem Newt ein Schauer durchlief.
„Und danach zeigtest du dich wenig einsichtig.“ Er ließ Newt los und trat einen Schritt zurück.
„Du wirst zählen“, sagte er und schwang testweise die Peitsche. Bei dem Knall zuckte Newt zusammen.
„Jedes Mal, wenn die Peitsche dich getroffen hat, sagst du laut und deutlich die Zahl der erfolgten Hiebe.“
„Bitte...!", wimmerte Newt mit Nachdruck. Seine Augen waren auf die Peitsche fixiert und er fragte sich mit wachsender Nervosität, wie diese sich wohl anfühlen würde. Da ihm bewusst war, dass Albus definitiv nicht auf seine gespielten Bitten eingehen würde, ballte er schon mal die Fäuste und biss in Erwartung des ersten Schlages die Zähne zusammen.
Albus beachtete das Wimmern nicht. Er hob die Peitsche.
„Mach dich bereit“, sagte er. Dann schwang er sie.
Newt tat wie ihm geheißen. Als ihn die Peitsche traf, musste er nicht einmal etwas vorspielen. Ein unterdrückter Schmerzenslaut drang durch seine zusammengebissenen Zähne und seine Hüften zuckten reflexartig nach vorne, sodass sie gegen die Tischkante stießen.
Okay... Der Hieb saß und war deutlich stärker zu fühlen als die Schläge der Handschuhe, die im Vergleich eher wie ein Klaps gewirkt hatten.
Bemüht darum, weiter gleichmäßig zu atmen, um sich auf die nächsten Hiebe gefasst zu machen, war sich Newt nun sicher, dass die zehn Hiebe definitiv anspruchsvoller auszuhalten werden würden.

*



Albus hatte anfangs noch vermutet, Newt würde das Rollenspiel abbrechen und ablehnen, aus den vertrauten Räumen hinauszutreten, als er ihn aufgefordert hatte, in den Klassenraum zu kommen.
Dass sie nun hier standen, nachdem Newt all diese Dinge über sich hatte ergehen lassen, zeigte seinen ganz eigenen verborgenen Mut, um den Albus ihn oft genug bewunderte. Newt hatte diese Gabe, selbst in unangenehmen Situationen die Zähne zusammen zu beißen und zu tun, was nötig war. Es verdiente Albus‘ Anerkennung. Er hielt den Blick auf den blanken Hintern des Jüngeren gerichtet und fragte sich, ob er den Bogen erneut überspannte. Er vergaß sich so leicht in Newts Anwesenheit und tat dann mehr als erforderlich war – zu viel, möchte man meinen.
Albus kaufte Newt den leisen Schrei sogar ab. Er wirkte echt und überrascht.
Allerdings war ihm nicht entgangen, dass Newt nicht gezählt hat. Er schmunzelte. Hatte er Newts unterdrückt herausforderndes, freches Verhalten etwa ins Wanken gebracht?
Albus konnte gut genug mit diesem Instrument umgehen, um ihn mit der Peitsche nur zu streicheln, wenn er wollte. Doch er wollte nicht. Newt wollte nicht. Wenn dieser mehr Kraft verlangte, würde er sie bekommen. Und das, was nun kam, hatte er vorhin in aller Deutlichkeit provoziert.
Albus wartete noch einen weiteren Augenblick ab. Als dann noch immer keine Zahl genannt wurde, sagte er ruhig: „Ich sagte dir, du sollst zählen.“ Er seufzte scheinbar enttäuscht.
„Jeder Hieb, den du nicht zählst, wird nicht in die Zehn gewertet. Ich rate dir also, ab sofort entsprechend auf die Hiebe zu reagieren.“ Er holte aus und seine Peitsche traf Newt erneut.
„V-verzeihung, Profe- hnn…!", begann Newt hastig eine Entschuldigung, doch er wurde dabei von dem gezielten Hieb unterbrochen.
„Eins!", stieß er aus und seine Stirn sank gegen die Tischplatte.
Albus nickte anerkennend. Er ließ es unkommentiert. Dass Newt die Regel befolgte, die er sogar hatte wiederholen müssen, war kein Lob wert. Zumindest noch nicht. Er holte abermals aus und seine Peitsche traf Newt erneut. Von den drei Hieben hatte Newt bereits drei rote Striemen auf dem Hintern. Er würde danach deutlich gezeichnet sein. Etwas in Albus schnurrte wohlig bei dem Gedanken und er vermutete nicht zum ersten Mal, dass der Alpha-Trank etwas mit ihm gemacht hatte, das seine dominante Seite gefördert hatte.
„Zwei“, keuchte Newt folgsam und stieß den Atem aus, den er offensichtlich angehalten hatte.
Albus ließ ihm keine Zeit, Luft zu holen. Die nächsten Hiebe trafen Newt ebenso hart und nun, da der Jüngere die Regeln begriffen hatte, zählte er artig. Sie hatten sieben Hiebe hinter sich, sechs davon waren gezählt wurden, als Albus das Tempo ein wenig drosselte. Jeder weitere Hieb würde mehr brennen als der vorherige. Es wäre ein Jammer, wenn der Schmerz im nächsten Treffer untergehen würde. Dann könnten sie es gar nicht auskosten. Newts Hintern war mittlerweile deutlich gerötet. Albus‘ Blick wanderte langsam über ihn. So würde er morgen nicht sitzen können, ohne sich an diese Nacht zu erinnern. Ihm fiel der leichte Schweißfilm auf der nackten Haut auf. Die Anstrengung schien Newt zuzusetzen. Es ließ Albus schmunzeln.
Albus fragte sich, warum sie dieses Spiel nicht schon eher begonnen hatten. Newt dabei zuzusehen, wie er sich wand, während man ihm den Hintern versohlte, war ausgesprochen anziehend. Dass Newt es vorzüglich verstand, diesem Rollenspiel zu folgen und sich wehrte, obwohl er es zugleich herbei sehnte, hatte etwas ungeheuer Faszinierendes. Albus war beinahe enttäuscht, dass es nach vier weiteren Schlägen vorbei sein würde… Auch, wenn er ahnte, dass es allmählich tatsächlich schmerzte. Und er wollte Newt nicht mehr als nötig quälen.
Also holte er aus und ließ die Peitsche erneut auf Newts Hintern niedersausen.
Newt zuckte stärker zusammen als bei den Hieben davor. Offensichtlich war er nun wirklich schmerzempfindlicher, nach der vorherigen Behandlung.
„Fuck“, fluchte er atemlos und sank auf dem Tisch zusammen. Seine Finger zuckten, als wollten sie sich in etwas hineinkrallen.
Albus lachte leise. Sie hätten vorher über ein Safeword sprechen sollen, … wenn er da noch vermutet hätte, dass es diese Richtung einschlägt. Es war faszinierend, wohin das hier geführt hatte.
„Das ist keine Zahl, Newt“, sagte er ruhig und erneut traf Newt Nummer sieben.
Newt konnte dieses Mal einen leisen Schrei nicht unterdrücken und presst sich enger auf den Tisch, fast als könnte er den Hieben dadurch entgehen.
„A-acht?", keuchte er schwer atmend und mit einem Hauch Hoffnung in der Stimme.
Albus räusperte sich. „Sieben trifft es wohl eher“, sagte er mit sanfter Strenge, „Da du nicht gezählt hattest, ging der Hieb nicht in die Rechnung, wie du weißt. Und sieben wird die nächste Zahl sein, die du sagst, denn sich eine Zahl vor zu schummeln, gehört ebenfalls bestraft.“
Seine Peitsche traf Newt erneut.
Newt schrie schmerzerfüllt auf.
„Sieben“, setzte er mit heiserer Stimme eilig hinterher.
Albus hörte, wie tränenerstickt Newt klang. Er fühlte, wie Mitleid in ihm aufkam. Eisern schob er es fort. Es brachte ihn nicht dazu, einzuknicken. Nicht, wenn seine Autorität in dem Moment aus dem Spiel stand. Newt hatte bestraft werden wollen. Nun würde er die Strafe ertragen müssen. Er ließ ihm einen Augenblick, sich besser zu sammeln, ehe er den achten Hieb mit der gleichen Kraft ausführte, wie die anderen zuvor – obwohl er den Blick nicht von den dunklen Striemen fortnehmen konnte, die Newts Hintern zierten und ihn langsam aber sicher ehrliches Mitgefühl beschlich.
Er holte noch einmal aus.
Der Streich traf Newt und dieser schluchzte auf und ein Wimmern kam ihm über die Lippen.
„A-acht“, stammelte er.
Albus schwieg und widerstand dem Drang, ihn in die Arme zu ziehen. Gleich wäre es vorbei, dann hätte Newt es hinter sich.
Er blieb einen Augenblick unbewegt stehen, um Newt Luft holen zu lassen. Dass er damit den Moment in die Länge zog und damit die Spannung erhöhte, war ein unbeabsichtigter Nebeneffekt. Die Ungewissheit und dann der plötzliche Schmerz würden die Wirkung verstärken.
Dann wäre Newt die nächsten Male entweder nicht so provozierend – oder er würde wenigstens wissen, worauf er sich einließ.
Albus holte tief Luft, ehe er erneut ausholte. Bald war es vorbei.
Bei dem nächsten Hieb schluchzte Newt laut auf und robbte auf dem Tisch weiter nach vorn, als wolle er vor dem letzten Hieb flüchten.
„N-neun, b-bitte ich...", begann er und hatte Mühe die Worte überhaupt deutlich auszusprechen während er nach Luft schnappte.
Newt lag mittlerweile zitternd auf dem Tisch, die Finger verkrampft in die Tischplatte gekrallt.
Albus bemerkte seine eigenen Finger schwach beben und hielt die Peitsche fester. Er war nicht sonderlich gut darin, kalt zu bleiben, wenn Newt weinte. Aber eben so wenig mochte er es, Dinge unbeendet zu lassen. Also holte er ein letztes Mal aus und ließ die Peitsche durch die Luft flirren. Sie landete mit einem überdeutlichen Knall auf Newts rotem Hintern und der Jüngere heulte laut auf. Er sackte deutlich auf dem Tisch zusammen, während er zwischen den Schluchzern die letzte Zahl hervorpresste.
Noch während sie von der wunden Haut herunter glitt, zog Albus die Peitsche zurück und in seiner Hand verwandelte sie sich wieder in den unscheinbaren Federkiel. Er warf Newt einen Blick zu und holte Luft, um sich selbst zu beruhigen und sich zu ermahnen, nicht aus der Rolle zu fallen. Das war bei Newts bebenden Schultern und seinem offensichtlichen, aufrichtigen Weinen gar nicht so einfach.
Albus lief um Newt und den Schreibtisch herum und stützte sich dann mit den Händen Newt gegenüber an der Tischplatte ab. „Newt, sieh mich an“, sagte er ruhig zu dem nassen Häufchen Elend, das sich gegen das glänzend polierte Holz schmiegte und es mit Salzwasser befeuchtete.
Es brauchte einen Moment, bis Newt tat, worum Albus ihn gebeten hatte. Er schluchzte und hatte offensichtlich Mühe, seine flache Atmung zu kontrollieren.
Dann hob er zögernd den Kopf und schaute aufgelöst, mit feuchten Wangen und roten Augen zu Albus auf.
„Ist dir klar, warum du die Hiebe bekommen hast?“, fragte Albus sachlich und ließ sich nicht anmerken, dass Newts verheultes Gesicht ihm nahe ging.
Newt schluckte. Er öffnete den Mund, um etwas zu sagen. Seine Unterlippe bebte. Eine Sekunde lang schwieg er noch, dann sagte er leise: „Weil ich… uneinsichtig … war, Sir.“
Albus nickte ernst, aber seine Gesichtszüge wurden weicher. Zumindest schien Newt nicht auf weitere Schmerzen aus zu sein. Er musste zugeben, dass es ihn selbst an eine Grenze gebracht hätte, wenn Newt ihn erneut provoziert hätte.
„Sag mir, was du heute gelernt hast“, verlangte er ruhig.
Newt holte tief und zittrig Luft. „I-ich... soll meine Hausaufgaben machen und... und auf Sie hören u-und auf die Regeln achten", zählte er mit brüchiger Stimme auf.
Albus nickte. Auf einen Wink seiner Hand hin ließ der Handschuh Newts Handgelenke los und fiel leblos auf den Tisch. Newt bewegte vorsichtig seine verkrampften Hände.
Albus ging erneut um den Tisch herum und legte eine Hand auf Newts Schulter. „Du hast deine Strafe tapfer ertragen, Scamander“, sagte er lobend, während die Hand von der Schulter über den oberen Rücken strich.
Newt zuckte unter der Berührung zusammen, als fürchtete er weitere Bestrafungen. Dann atmete er tief durch, entspannte sich fühlbar unter Albus‘ Fingerspitzen und sank erneut kraftlos auf den Tisch. Er zitterte leicht. Die letzten Minuten mussten anstrengend für ihn gewesen sein.
Albus schmunzelte, als Newt leise seufzte und dann flüsterte: „Es tut mir leid, P-Professor.“
Zufrieden nahm Albus die neue Entschuldigung an. Der Strafen waren heute genügend verteilt worden.
Er fuhr damit fort, Newt über die weiche Haut zu streichen, ohne dabei in erogene Zonen abzurutschen. Half dem Jüngeren dabei, die aufwühlenden Erfahrungen zu verarbeiten und sein bebendes Herz zu besänftigen. Zeigte ihm, dass er ihm nicht länger zürnte.
„Weißt du, Newton“, begann er nach einigen Augenblicken, „Es schmerzt mich, dich bestrafen zu müssen. Ich halte dich für sehr besonders, herausragend in deinen Fähigkeiten. Umso enttäuschter bin ich, wenn du dich mir widersetzt.“
„Das werde ich nicht mehr, Professor“, versicherte Newt so eilig, dass Albus‘ Brust warm wurde.
Nun, immerhin schienen die Peitschenhiebe ihm jeglichen Trotz ausgetrieben zu haben.
Albus schmunzelte und drückte kurz Newts Schulter. „Ich bin froh, dass wir uns da einig sind“, sagte er, „Denn es gibt eines, das du nicht von mir weißt.“
Er beugte sich verschwörerisch vor und raunte Newt ins Ohr: „Von allen, die ich unterrichte, bist du mein Lieblingsschüler.“

*



Newts Herz setzte einen Moment aus. Dann begann es, lauter und heftiger zu schlagen. Diese Worte trafen so genau den Kern seiner Lehrer-Schüler-Fantasie und seiner damaligen Schwärmerei für seinen Professor. Er hatte immer schon etwas Besonderes für seinen Professor sein wollen, wer wollte das nicht, wenn man für jemanden schwärmte?
Seine Wangen begannen zu glühen. Zittrig flüsterte er: „W-wirklich?“
Er hörte Albus leise nah an seinem Ohr lachen.
„Wirklich", bestätigte er sanft, „und ich muss gestehen, dass ich sehr viele Dinge sehr viel lieber mit dir täte, als dich zu bestrafen."
Newt schmunzelte leicht gegen die Tischplatte. Seine Tränen von eben waren vergessen.
„Ich werde in Zukunft brav sein, Professor", versicherte er abermals in reumütigem, süßem Tonfall.
„So ist es gut“, antwortete Albus lobend und seine Hand wanderte von Newts Schulter langsam die Wirbelsäule hinab. Newt schloss die Augen und genoss das Gefühl, wie die Hand langsam über seine Haut strich, bis sie schließlich seinen geschundenen Hintern erreicht. Er gab ein leises Wimmern von sich, als Albus ein wenig zudrückte. Fast war er versucht, sich trotz des pochenden Schmerzes gegen die Hand zu schmiegen, doch ihm fiel gerade noch rechtzeitig ein, dass sie in diesem Rollenspiel keine Beziehung führten. Also hielt er sich notgedrungen zurück.
Betont irritiert flüsterte er: „P-professor?"
„Wie wäre es“, schnurrte Albus ihm ins Ohr, „wenn du mir beweist, wie ernst du es meinst?“ Er beugte sich vor und hauchte einen Kuss auf Newts Schulter, während er erneut zudrückte. „… damit, dich mir nicht länger zu widersetzen?“
Newt bekam eine Gänsehaut. Er biss sich auf die Unterlippe um keine genießenden Geräusche von sich zu geben.
„I-ich... Ich verstehe nicht, Sir“, gab er schließlich keuchend von sich.
Albus lachte leise. „Ich denke, du weißt sehr genau, wie ich das meine, Newt“, sagte er und strich über den Hintern, den Newt versuchte, von ihm wegzuschieben.
„Du stehst hier nackt an meinem Schreibtisch und meine Hand liegt auf deinem Hintern. Ich denke, das wird dir eine Ahnung geben, was genau mir vorschwebt.“
Newt keuchte leise, als Albus ein wenig zudrückte.
„I-ich... Aber... Ich habe noch n-nie", gab er beschämt von sich und lugte mit einem unsicheren, hilfesuchenden Blick über seine Schulter zu Albus.
Er sah den Älteren amüsiert schmunzeln, als dieser die Anspielung auf angebliche Jungfräulichkeit begriff.
„Keine Sorge, Liebes“, schnurrte er, „Es wird dir gefallen.“ Seine Hand wanderte zwischen die Pobacken und fand Newts Eingang.
Newt biss sich erneut auf die Lippe und konnte ein unterdrücktes Stöhnen nicht verhindern, als er den Finger über seinen Muskelring kreisen spürte und anschließend merkte, wie etwas Warmes, Flüssiges sein Inneres befeuchtete.
„A-aber... Sie sind... m-mein Lehrer", keuchte er und hatte Mühe, seine Hüfte still zu halten.
„Das ist richtig“, stimmte Albus zu und beugte sich vor, um Newt ins Ohr zu raunen: „Und genau deshalb wirst du dich mir nicht widersetzen, nicht wahr, Newt? Du möchtest doch nicht, dass ich dich erneut bestrafen muss?“ Sein Finger schob sich tiefer. Als er dabei Newts Prostata streifte, wimmerte Newt sehnsüchtig und krallte seine Hände in die Tischkante.
Er schüttelte eifrig den Kopf. „N-nein, w-werde ich nicht", keuchte er also und setzte ein verzweifeltes "Alles was Sie wollen, nur bitte nicht wieder bestrafen..." hinzu.
Albus drang mit einem zweiten Finger in Newt ein und weitete ihn weiter, was Newt damit quittierte, dass er ihm sein Becken stärker entgegendrückte.
„Dann sind wir uns einig“, schnurrte Albus dunkel und setzte dann hinzu: „Du wirst niemandem davon erzählen, was wir heute getan haben. Das wird unser Geheimnis bleiben.“
„Hnn...!" Newt presste seine Stirn erneut gegen die Tischplatte.  Seiner eigenen Stimme nicht trauend, nickte er auf Albus Forderung.
„Und du wirst wieder zu mir kommen, wenn ich es verlange“, setzte Albus hinzu und biss Newt in den Übergang vom Hals zur Schulter. Er schob einen dritten Finger hinzu.
Newt schloss die Augen und ergab sich ganz in das Gefühl der Finger in ihm und Albus Zähne an seinem Hals, während er benommen nickte. Auch wenn die Hiebe zuvor seiner Lust einen deutlichen Dämpfer versetzt hatten, so kehrte sie nun ungleich stärker und drängender zurück.
Ein atemloses Stöhnen kam ihm über die Lippen als der Ältere sein Glied umfasste und er begann augenblicklich in die warme Hand zu stoßen. Als er jedoch den Zauber spürte, wimmerte er leidend und schüttelte den Kopf.
„Bitte, nicht!", flehte er und dieses Mal war es nicht gespielt. Er wollte nicht länger hingehalten werden. Sie hatten schon so lang darauf hingearbeitet und nun wollte Albus ihn nicht kommen lassen?
„Eines der Dinge, die du lernen sollst, an diesem Abend“, schnurrte Albus ihm ins Ohr, „Dein Orgasmus gehört mir. Ich bestimme, wann du kommst.“ Er biss ihm ins Ohrläppchen und zog sanft daran. Newt wimmerte auf, teil wegen der Worte, teils wegen der Zähne an seinem Ohr.
Sein Wimmern wandelte sich in sehnsüchtiges Stöhnen, als Albus begann, mit den Fingern wieder und wieder gegen seine Prostata zu stoßen. Sanft, aber eindringlich und oft. Es machte Newt ganz berauscht.
Er wusste selbst nicht, ob er die Vorstellung genoss oder nicht leiden konnte, dass er höchstwahrscheinlich nicht allzu schnell kommen würde. Vermutlich beides. Zumindest zuckte sein Glied ungeduldig zwischen seinen Beinen bei dem Gedanken, dass er Albus komplett gehörte und keine Wahl hatte, außer sich zu ergeben.
Als die Finger ihn verließen, folgte er diesen mit seinen Hüften, wollte unbedingt weiter die wundervollen Sensationen spüren, die diese in ihm auslösten. Doch Albus hielt seine Hüften in einem festen Griff. Kurz darauf fühlte Newt jedoch etwas deutlich Besseres an seinem Eingang und er ließ seine Hüften so gut wie möglich kreisen, um Albus Spitze an seinem Eingang noch besser zu spüren.
Er hörte Albus leise knurren. „Mir gefällt dein Drang, mir deine Folgsamkeit zu beweisen“, sagte er amüsiert, doch seine Stimme war rau geworden.
Er grub die Finger fester in Newts Hüfte und schob sich langsam hinein. So langsam, dass Newt jeden Zentimeter fühlen konnte, der in ihn eindrang, bis Albus bis zur Wurzel in ihm war. Sie stöhnten leise auf. Doch offenbar hatte der Ältere ihn heute noch nicht genug gequält, wenn er so frustrierend langsam blieb. Newt biss die Zähne zusammen und krallte seine Finger fester in die Tischkante, um sich zusammenzureißen. Doch seine Hoffnung auf ein paar feste, harte Stöße wurde erneut enttäuscht als sich der Ältere quälend langsam wieder zurück zog.
„P-professor... bitte!", keuchte er also schließlich.
„Ja?“, fragte Albus unschuldig und er schob sich langsam wieder hinein, ehe er in Newt verharrte. Eine seiner Hände strich über Newts Rücken. „Was möchtest du?“
Newt legte keuchend den Kopf in den Nacken.
„B-bitte... quälen Sie mich nicht", wimmert er schließlich.
Albus legte eine Hand auf Newts wunden Hintern und knetete ihn. „Mir ist nicht bewusst, dass ich dich quäle“, behauptete er, während er sich kurz hinauszog und sich in einem kleinen Stoß wieder in Newt hinein stieß.
Newt gab einen kleinen Schrei der Überraschung von sich von sich, bemerkte dann aber, dass Albus wieder unbewegt in ihm verharrte.
„Schneller... bitte", brachte er schließlich beschämt mit feuerroten Wangen hervor, da er sich sicher war, dass er es nicht mehr länger aushalten würde. Er brauchte Albus, der tief und hart in sich stieß, und zwar jetzt sofort!
Albus ließ sein Becken ein wenig kreisen und Newt schnappte nach Luft, weil er die Bewegung überdeutlich an seiner Prostata spürte.
„Schneller?“, fragte der Ältere mit samtener Stimme und beugte sich vor zu Newts Ohr, „Hast du dir das denn verdient?“
Newt nickte eilig. Ein sehnsüchtiges, verzweifeltes Schluchzen entwich ihm.
„Bitte, bitte, bitte!“, flehte er, „Ich tue alles!"
„Alles?“, fragte Albus und ließ sich das Wort auf der Zunge zergehen. „Dann verlange ich dein Wort, Newt“, sagte er und bewegte sich quälend langsam hinein und hinaus, „Du wirst morgen Abend ebenfalls hierherkommen. Direkt nach dem Abendessen. Und du wirst tun, was ich dann von dir verlange. Versprichst du das?“
Newt zitterte bereits am ganzen Körper vor Erregung. Er konnte Albus Glied deutlich in sich spüren, während sich seine Muskeln verzweifelt um dieses krampften.
Albus hätte in diesem Moment tatsächlich so ziemlich alles von Newt verlangen können.
„J-ja", keuchte er ungeduldig. „Ich verspreche es...bitte!", wimmerte er verzweifelt.
„Braver Junge“, antwortete Albus. Er krallte sich erneut in Newts Hüfte.
Newt wollte bereits erneut betteln, doch da stieß Albus endlich kraftvoll in genau dem richtigen Winkel in ihn und ließ ihn Sterne sehen. Der erste Stoß nahm ihm noch den Atem, doch bereits bei dem zweiten gezielten Stoß schrie Newt unterdrückt auf und schnappte nach Luft.
„D-da-aah...nke!", brachte er zwischen zwei Stößen brüchig heraus und konzentrierte sich ganz auf das Gefühl, wie Albus sich fest immer wieder tief und ohne Zurückhaltung in ihn versenkte.
Seine Stöße wurden unbarmherzig, hart und fordernd, wie Newt sie haben wollte. Und weil sie so zielgenau Newts Prostata trafen, war er bald nicht mehr in der Lage, Oben von Unten zu unterscheiden. Er lag einfach nur auf dem Schreibtisch, die Hände in die Kante gekrallt, während Albus immer wieder mit einer Wucht in ihn stieß, die ihm wortwörtlich den Atem nahm.
Sein eigenes Glied tropfte und zuckte bereits ungeduldig und mehr als einmal war sich Newt sicher, gleich endlich seinen Höhepunkt zu erreichen, der jedoch kurz davor immer wieder abflaute – gehemmt durch den Zauber. Bei dem dritten versagten Orgasmus schluchzte Newt aufgelöst und begann unzusammenhängend darum zu betteln endlich kommen zu dürfen.
Albus schien andere Pläne zu haben. Statt ihn von dem Zauber zu befreien, sagte er sanft: „Ich denke, ein wenig länger wirst du noch aushalten“, während er fortfuhr, gegen Newts Prostata zu stoßen.
Newt bekam die Worte bereits gar nicht mehr mit, genau wie die Schreie, die ihm immer wieder bei jedem Stoß über die Lippen kamen, zu sehr überfluteten die Reize sein Gehirn.
Während die Stöße also andauerten und die Erlösung immer noch nicht in Reichweite schien, löste Newt seine zittrigen Hände von der Tischkante und griff stattdessen nach hinten, krallte sich dort auf der Suche nach Halt in Albus Unterarme, der immer noch seine Hüften in einem eisernem Griff festhielt. Newts Stimme war langsam bereits heiser und ihm liefen die Tränen die Wangen hinunter während sich alles in seinem benebelten Kopf nur noch darum drehte, dass es endlich enden sollte und er kommen wollte. Langsam, aber sicher hatte er Probleme, ordentlich Luft zu bekommen.
Verzweifelt krallte er sich fester an Albus, versuchte die Tränen aus den Augen zu blinzeln, um seine Sicht zu klären. Doch egal wie viel er blinzelte, es schien dennoch verschwommen und schließlich merkte er wie ihm schwummrig wurde.
„Ah-..Al..bus", versuchte er noch, Albus mit kratziger Stimme auf sich aufmerksam zu machen. Doch dann wurde ihm bereits schwarz vor Augen und er sackte auf dem Tisch zusammen, während sich seine Hände von den Armen des Älteren lösten und schlaff hinabfielen.

 

*



Als Newt vor ihm zusammenbrach, war Albus sich sicher, dass sie das Erlebnis garantiert nicht vergessen würden. Nur nicht aus den von ihn erhofften Gründen. Er hielt reflexartig Newts Hüfte fest, während dem Jüngeren die Beine wegknickten und ließ ihn dann langsam los, sodass der bewusstlose Körper sacht auf den Boden glitt. Zugleich versuchte er, seine Überraschung und Überforderung zu verarbeiten. Auf dieses Ziel hatte er definitiv nicht hingearbeitet.
Während er den Orgasmus-Block-Zauber löste, brachten ihm seine Handschuhe eine Decke aus dem Wohnzimmer. Er wickelte Newt darin ein, bevor er sich die Hose hochzog und dann den leblosen Körper hinüber, in vertrautere Gefilde, trug. Während er ging, führte er sich vor Augen, wie viel heute geschehen war. Der Ball, die gegenseitigen Liebesgeständnisse, Rollenspiel, Schmerzen, Anspannung und dann Sex…. Es war beinahe kein Wunder, dass Newt nun, da er ihn hatte zappeln lassen, das Bewusstsein verloren hatte vor Überanstrengung. Albus schüttelte den Kopf über sich selbst, während er Newt sacht auf das Sofa legte. Er schob ihm einige Kissen unter die Beine, damit das Blut wieder in seinem Gehirn ankam und ging dann zur Minibar, um ihm einen Stärkungstrank heraus zu suchen.
Eigentlich hatte er sich den Ausgang des Abends anders erhofft. Die Striemen, die Newts hübschen Hintern zierten, sollten das Einzige sein, das er morgen in Erinnerung behalten würde. Er hatte Albus den ganzen Abend lang hingehalten, war vor ihm herumgetänzelt in seinem Festumhang, der seine Vorzüge bestens in Szene setzte und nun hatte Albus sich das, was er den ganzen Abend lang hatte haben wollen, so heftig holen wollen, dass er übers Ziel hinausgeschossen war.
Ja, er wollte Newt besitzen, wollte sich in ihn gravieren, sich in ihn brennen. Newt sollte an niemand anderen denken als an ihn und er sollte dieses Ereignis nie vergessen. Aber seine Besitzsucht hatte Grenzen. Und eine davon war definitiv Ohnmacht. So weit hatte er es nicht kommen lassen wollen.
Albus hatte sich durch unzählige kleine Fläschchen gekramt und endlich den Trank gefunden, den er brauchte, als er Newt vom Sofa her leise „W-was…?“, murmeln hörte.
Er blickte auf, gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie er dabei war, bei dem Versuch, sich aufzusetzen, vom Sofa zu rollen. Albus‘ Handschuhe stoben zu ihm hin, um ihn zu stützen.
„Langsam“, mahnte er sanft und lief, das Fläschchen in der Hand, zu Newt hin. Er entkorkte es und hielt es Newt vors Gesicht, während er neben ihm auf die Knie sank und die Aufgabe, ihn zu stützen, von den Handschuhen abnahm.
„Hier, trink das.“
Newt, der desorientiert schien, blickte blinzelnd zu Albus auf.
„Was ist passiert?", fragte er mit kratziger Stimme.
Albus schmunzelte schuldbewusst. „Nun, ich schätze, ich habe dich überanstrengt“, sagte er, „Offensichtlich war das zu viel Aufregung, zu viele Reize. Du bist ohnmächtig geworden.“
Newt öffnete den Mund, deutlich irritiert. Und schloss ihn dann wieder.
Ein Hauch von Rosa legte sich auf seine blassen Wangen.
„Oh Merlin... das tut mir Leid", murmelte er schuldbewusst und beschämt. „S-Sind Sie wenigstens...?"
Albus schmunzelte. „Das ist unwichtig", sagte er und hielt die Phiole höher. „Bitte trink das", wiederholte er, „Ein Stärkungstrank, damit dein Kreislauf sich stabilisiert."
Newt nickte und griff mit zittrigen Händen nach der Phiole, die er in einem Zug leerte und dann wieder Albus reichte. Er ließ sich zurück gegen das Sofa sinken, während er Albus‘ Blick auswich.
„Entschuldigen Sie", murmelte er noch einmal.
„W-wenn Sie wollen, dann könnte ich…", begann er mit einem scheuen Blick hinunter zu Albus Schritt und leckte sich kurz nervös über die Lippen.
„Newt", sagte Albus mit sanfter Strenge und griff Newts Kinn, um seinen Blick zu Albus' Gesicht zu heben, „Ich bin derjenige, der sich entschuldigen sollte. Ich habe es übertrieben und mehr von dir verlangt, als du leisten konntest." Er küsste ihm die Stirn. "Verzeih mir."
„I-Ist schon in Ordnung… So etwas passiert… sicher ab und an“, murmelte er und wurde gegen Ende unsicher, als sei er sich nicht sicher, ob man bei Sex oft ohnmächtig werden konnte. Kein Wunder, er hatte keine Erfahrungswerte.
Er rappelte sich auf, sank nach vorn zu Albus hin und schmiegte sich an ihn.
„Sie sind ganz sicher nicht enttäuscht?", fragte er leise.
Albus lachte leise, legte Newt eine Hand auf den Rücken und strich darüber.
„Nein", sagte er sanft, „Nur besorgt. Ich denke, wir sollten uns jetzt erst einmal ein wenig Ruhe gönnen." An Sex war jetzt ohnehin nicht mehr zu denken. Newts Ohnmacht hat dafür gesorgt, dass Albus alles andere fühlte als sexuelle Erregung.
Newt schenkte Albus ein ehrliches Lächeln, von dem Albus nicht wusste, womit er es verdient hatte. Nach allem…
Er vergrub sein Gesicht an Albus Hals und schlang die Arme um dessen Taille.
„Ich bin froh, dass Sie damals vorbei gekommen sind", flüsterte er schließlich. „In meiner Wohnung meine ich", ergänzte er.
Albus stutzte und schwieg einen Moment. Diesen Themenwechsel hatte er nicht erwartet. Aber er verstand, was Newt damit sagen wollte und dass er es jetzt tat, nachdem Albus es übertrieben hatte, besänftigte seine Sorge um den Jüngeren und das, was sein Faux-Pas angerichtet hatte.
Mit einem Schmunzeln drückte er Newt einen Kuss auf den Schopf.
„Ich auch“, sagte er sanft, löste vorsichtig die Arme von sich und ließ sich dann neben Newt auf dem Sofa nieder.
Der Jüngere rutschte fort, um ihm Platz zu machen und griff die Decke fester, um sich besser darin einzuwickeln. Als Albus den Arm hinter ihm auf die Lehne legte, schmiegte Newt sich gegen ihn.
„Meinen Sie…“, begann Newt langsam. Er schien in Gedanken zu sein. Nach allem, was heute geschehen war, wunderte es Albus, dass er noch an etwas anderes denken konnte.
„Meinen Sie, wir… wir säßen jetzt auch hier, wenn Sie damals nicht…?“ Seine Frage verlief ins Leere.
Albus gab ein bestätigendes Brummen von sich. „Früher oder später vermutlich.“
Newt schwieg einen Moment. Wenn seine Frage darauf abzielte, ob das alles aus einer Laune heraus entstanden war, dann hatte Albus ihm gerade die Gewissheit gegeben, dass es tiefer ging als das.
„Wie… wieso?“, fragte Newt leise, „Ich meine, nach allem…“
Albus seufzte. „Wir hatten nie viel Zeit, oder?“, fragte er und seine Hand legte sich auf Newts Schulterspitze. Er strich zärtlich darüber. „Du warst viel in der Weltgeschichte unterwegs, ich musste mich mit dem Ministerium auseinandersetzen und muss es noch immer. Irgendetwas stand immer im Weg.“
Newt keuchte. Als Albus zu ihm hinunter sah, bemerkte er, dass die eben noch blassen Wangen nun wieder dunkelrot waren und er den Kopf schüttelte.
„D-Das… Sie nehmen mich auf den Arm“, murmelte er.
Albus schmunzelte. „Vielleicht war es einfach der richtige Moment?“, fragte er sanft, „Newt, wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich schon recht früh bemerkt, dass du für mich schwärmst.“
Als Newt darauf nichts sagte und stattdessen das hochrote Gesicht in Albus‘ Halsbeuge versteckte, lachte er leise.
„Du warst nie sonderlich gut darin, deine Gefühle zu verstecken, Liebes“, sagte Albus sanft, legte ihm eine Hand in den Nacken und kraulte ihn liebevoll. Er fühlte, wie ein Schauer Newts schlanke Statur durchlief.
Newt schnaubte unwillkürlich. „Wenn Sie jetzt behaupten, dass Sie verstehen, was in meinem Kopf vorgeht, dann wären Sie der erste“, murmelte er leise.
„Vielleicht bin ich der Erste, der sich die Zeit genommen hat, dich lang genug zu beobachten?“, fragte Albus leise, „Dich zu verstehen. Jedes kleine Zeichen zu bemerken, das aussagt, was dir durch den Kopf geht. Findest du so etwas ein normales Verhalten für einen Freund?“
Auf seine Worte folgte ein neues Schaudern. Newts Gesicht glühte an Albus‘ Schulter.
„Ich… ich weiß nicht, ich… ich habe nie…“, murmelte er fahrig.
Albus legte ihm den Arm um die Schulter und zog ihn näher an sich heran.
„Newt, Darling, es hat mich einige Zeit gekostet, zu erkennen, dass ich deine Gefühle vielleicht erwidern könnte“, sagte er leise, „Obwohl ich wusste, dass deine Empfindungen schon lang vergangen sein könnten.“
Er fühlte, wie Newt den Kopf schüttelte. „W-waren sie nicht“, gestand er flüsternd. Seine Stimme bebte. Er war so hinreißend, dass Albus sich fragte, warum er überhaupt so lang gewartet hatte. Aber andererseits konnte er sich nicht beklagen. Wenn man die drohende Zukunft einmal außer Acht ließ, dann konnte Albus von sich behaupten, in diesem Moment glücklich zu sein.
„Offensichtlich nicht“, kommentierte er milde amüsiert. Seine Fingerspitzen malten Kreise auf Newts nackter Schulter. Er beobachtete, wie sich eine Gänsehaut darauf ausbreitete.
„Also, die Antwort auf deine Frage ist ja“, raunte er Newt zu, „Ich denke, wir säßen auch dann hier. Weil ich bereits Monate vorher dieser Sehnsucht nach dir auf den Grund gehen wollte. Aber du warst nie greifbar und mir erschien ein direkter Vorstoß ein wenig plump…. Es wäre dir nicht gerecht geworden.“
Newt sog tief und holpernd die Luft ein. Seine Hände legten sich auf Albus‘ Schultern.
„Es… hätte mich nicht gestört“, murmelte er leise.
Albus lachte leise. „Eine deiner anziehendsten Eigenschaften“, sagte er sanft, „Genügsamkeit.“ Er legte auch noch den anderen Arm um Newt, sodass dieser, in seine Decke gewickelt, nah an seiner Brust war und Albus seine Wärme deutlich fühlen konnte.
„Nach all den Jahren, die du warten musstest, bin ich froh, dass noch nicht alles zu spät ist. Ich liebe dich, Newt. Egal, was kommt. Vergiss das nicht.“
An seiner Brust fühlte er, wie Newt die Hände in sein Hemd krallte.
„O-okay“, murmelte er. Seine Stimme klang erstickt.
Und Albus wollte gern glauben, dass es vor Rührung war.

Chapter Text

Die darauffolgenden Wochen verliefen für Albus mit rosaroter Brille.
Es war offensichtlich, dass sich die Kunde darüber, dass zwei der Professoren miteinander gingen, nach dem Halloweenball wie ein Lauffeuer verbreitet hatte, obwohl nur die älteren Schüler zugegen gewesen waren. Albus war das ganz recht. Nun, da Newt und er sich gegenseitig ihre Gefühle füreinander versichert hatten, stellte er fest, dass er deutlich besitzergreifender war, als er von sich angenommen hatte.
Natürlich hätte er noch immer dem Alpha-Trank die Schuld daran geben können… Aber er hatte ihn schon einige Zeit lang nicht mehr genommen und die körperliche Wirkung, die der Trank hatte, blieb aus, weil die restlichen Stoffe in Albus‘ Körper mehr und mehr abgebaut waren.
Trotzdem begehrte er Newt unverändert, stahl sich heimlich in sein Klassenzimmer, um ihm in einer unbeobachteten Minute einen Kuss zu rauben, traf sich abends mit ihm und widmete sich, wann immer er die Zeit fand, seinem liebsten Hobby: Newt verführen.
Mittlerweile hatten sie sich einen beachtlichen Erfahrungsschatz aufgebaut. Das Rollenspiel und die Alpha-Omega-Tränke waren nur ein Teil der Experimente gewesen, die Albus initiiert und die Newt so bereitwillig mit ihm durchgespielt hatte.
Es erfüllte Albus mit einem gewissen Stolz, dass Newt überdies einem weiteren besonderen Training zugestimmt hatte, bei dem Albus es sich zur Aufgabe gemacht hatte, ihn jedes Mal, wenn er auf seinem Bett lag, so lang zu dehnen und zu weiten, bis Newt durch die reine Prostatastimulation kam. Nicht nur das, mittlerweile hielt er vier Finger in sich aus. Albus träumte von dem Tag, an dem er Newt so weit hätte, dass er seine Hand ganz in sich aufnahm. Es verlangte ihm danach, mit den Fingerknöcheln über Newts Prostata zu reiben und leicht dagegen zu stoßen.
Bei dem Gedanken daran wurde Albus jedes Mal ganz aufgeregt und es kribbelte in ihm, in freudiger Erwartung.

Doch ihre Zukunft sah nicht nur rosig aus.
Sie konnten sich nicht in jeder freien Minute einander widmen.
Denn das Zaubereiministerium setzte Newt zunehmend unter Druck und während die Wochen ins Land zogen, es kälter und kälter wurde, waren Auroren öfter in Hogwarts zugegen, als es Albus lieb gewesen wäre.
Theseus und seine Mitarbeiter trafen sich mit Newt, planten mit ihm ihr Vorhaben, Queenie und Credence zu befreien, und wann immer es möglich war, leistete Albus ihnen in ihren Meetings Gesellschaft.
Sie kamen nur schleppend voran.
Das war Albus ganz recht. Er war noch immer nicht begeistert von der Idee, Newt allein in den Kampf zu schicken. Mit jedem Tag, der verging, sogar immer weniger.
Aber Theseus hatte einen großen Einfluss auf seinen Bruder, obwohl Newt es nicht zugeben wollte.
Newt war so überzeugt davon, dass er der Einzige war, der seinen Freunden helfen konnte, dass Albus dagegen nur schwer anreden konnte. Egal, was er sagte, Newt brachte immer wieder das gleiche emotionale Argument vor: Dass sie seine Freunde waren. Dass er seine Freunde nie im Stich lassen würde. Dass er alles tun würde, damit sie in Sicherheit waren.
Die große Stärke der Hufflepuffs trat dieser Tage deutlicher zutage als jemals zuvor.
Und obwohl Albus wusste, dass er stolz auf ihn sein sollte, konnte er es nicht. Im Gegenteil: Er sorgte sich. So sehr, dass er um Weihnachten, nachdem sie erneut einen Plan verworfen hatten, schließlich genug hatte.
„Na schön“, sagte er zerknirscht in die Runde und Travers, der Leiter der magischen Strafverfolgung, der ausnahmsweise ebenfalls zugegen war, schaute auf.
„Ich bin dabei.“
Stille trat ein. Alle Augen waren auf ihn gerichtet. Nicht nur die von Newt und Theseus, sondern auch die aller anderen Auroren, die für das gemeinsame Meeting hierhergereist waren.
Albus seufzte und fuhr sich mit der Hand durchs Gesicht. Es war eine lange Woche gewesen. Ein langer Monat. Eigentlich war es generell recht anstrengend, seit er sich unterbewusst jede Sekunde um Newts Zukunft sorgte, stellte er fest.
„Erleuchten Sie uns, Dumbledore“, sagte Travers kühl, „Wo genau sind Sie dabei? Ich hatte angenommen, Sie gehören ohnehin zum eingeschworenen Kreis?“
Albus schenkte ihm ein kleines gequältes Lächeln. „Ich werde Mr. Scamander begleiten“, sagte er.
Travers war nicht der einzige, dessen Augen sich bei der Aussage weiteten.
„Wie war das?“, fragte er.
„Sie haben mich verstanden“, sagte Albus leise und noch immer mit einem höflichen Lächeln. „Ich werde Newt begleiten.“ Müde schaute er auf die unzähligen Pläne, die auf dem Tisch verteilt lagen. Keiner von ihnen versprach ausreichend Sicherheit, dass er mit gutem Gewissen glauben konnte, dass Newt zu ihm zurückkehrte.
Abermals legte sich Stille über sie.
Die Auroren schwiegen. Einige schielten verstohlen zu Theseus, Newt oder Travers hin.
Letzterer hob eine Augenbraue. „Wurde auch Zeit“, kommentierte er bissig. „Dass Sie endlich einmal Verantwortung übernehmen.“
Albus erwiderte seinem Blick ungerührt und ließ die Beleidigung unkommentiert.
Er wies auf die Pläne. „Trotzdem funktioniert keiner davon“, sagte er ruhig. „Sie alle scheitern daran, dass weder Credence noch Miss Goldstein je außerhalb von Nurmengard gesichtet worden sind.“
Albus schüttelte den Kopf. „Wenn wir keinen offenen Feldzug beginnen wollen – zu dem wir weit mehr brauchen werden als ein Dutzend Auroren – dann müssen wir uns einer List bedienen.“
Travers nickte langsam. „Nun, Sie kennen Grindelwald am besten, nicht wahr, Dumbledore?“, sagte er und verteilte damit abermals eine unnötige Spitze. „Was würde ihn genug ablenken?“
Albus hob den Kopf und sein Blick streifte einen Moment Newt, der deutlich nervöser aussah und ihn anschaute, als wollte er ihn bitten, das nicht zu tun.
Aber Albus hatte keine Wahl. Niemand würde Newt so gut schützen können, wie Albus. Niemand war mächtig genug.
Also schaute Albus zu Travers zurück.
„Ich“, sagte er.

 

*



Albus wünschte, es gäbe eine leichtere Lösung. Aber so sehr er sich auch seit Wochen das Hirn zermarterte, ihm fiel keine andere ein als ein Ablenkungsmanöver.
Während er sich in der Nähe von Nurmengard zeigen würde und hoffte, dass er Grindelwald wichtig genug war, um persönlich vorbei zu kommen, würde Newt sich ins Schloss schleichen, nach Queenie und Credence suchen und sie rausbringen.
Lieber zog Albus die Aufmerksamkeit des Mannes auf sich und riskierte, ihm zu nah zu kommen – von ihm angegriffen und gefangengenommen zu werden – als dass das gleiche Schicksal Newt ereilen sollte.
Außerdem war Albus zäh. Und er verstand sich auf Worte. Er würde Grindelwald schon irgendwie wieder entwischen.
Albus zweifelte keine Sekunde daran, dass sein Opfer groß genug sein würde. Grindelwald würde ihn sich nicht entgehen lassen. Auch, wenn sie keine gemeinsame Vergangenheit hätten, so war Albus doch der Inbegriff der Gegenbewegung, die Grindelwald in Schach hielt. Sich mit dem Widersacher zu treffen, so nah am eigenen Revier, musste Grindelwald locken. So gut meinte Albus ihn noch zu kennen, dass er glaubte, dass der Mann sich diese Chance nicht würde entgehen lassen können.

Kurz nach Silvester hatten sie die Feinheiten soweit besprochen.
Es würde eine kleine Operation werden.
Er hatte sich noch das eine oder andere Mal mit Theseus Scamander getroffen, dessen Gesellschaft ihm weitaus lieber war als die von Travers. Besprach die Details mit ihm, plante Eventualitäten und traf Vorkehrungen. Ab und an war Newt anwesend, aber weil es hauptsächlich darum ging, wie Albus seine Rolle als Ablenkungsmanöver erfüllen wollte, war das nicht unbedingt nötig.
Albus brauchte keinen Geleitschutz. Das wäre nur Kanonenfutter. Wenn Albus sich nicht vor Gellert schützen könnte, dann würden ihm ein paar Auroren auch nicht nutzen. Aber sie würden für ihn ordentlichen Radau schlagen, in Albus‘ Nähe, um die Aufmerksamkeit von Newt wegzuziehen. Und Theseus sicherte ihm seine Unterstützung glücklicherweise zu.
Newt wiederum konnte ebenso wenig ein Geschwader gebrauchen, das nur unnötige Aufmerksamkeit auf ihn zog.
Und so machten sie sich zwar gemeinsam mit Theseus und einer Handvoll Auroren nach Österreich auf… Verabschiedeten sich aber von ihnen, als sie nah genug herangekommen waren, dass sie wussten, dass es nicht mehr weit war.

Bevor sie sich trennten, zog Albus Newt noch einmal zur Seite.
„Pass auf dich auf“, raunte er leise und küsste ihm die Lippen, die in der eisigen Kälte der verschneiten Alpen ein wenig kühl geworden waren.
„Du auch auf dich“, antwortete Newt, „Ich… ich komme schon zurecht, aber… aber du…“
Albus schüttelte den Kopf.
Sie hatten darüber gesprochen, kurz nachdem Albus verkündet hatte, dass er aktiv betreten würde. Newt fürchtete um Albus, so wie Albus um Newt fürchtete.
„Ich weiß eher, wie man ihn nehmen muss, als irgendjemand sonst“, sagte er zuversichtlich. „Du wirst sehen. Heute Abend werden wir wieder raus sein und alles ist gut.“
„Versprochen?“, fragte Newt leise an Albus‘ Lippen.
Albus nickte. „Versprochen“, sagte er und küsste ihn noch einmal. „Ich liebe dich.“
Newt schob den Kopf vor und fing ihre Lippen erneut ein. „Ich dich auch“, hauchte er.
Albus setzte ihm einen letzten kleinen Kuss auf die Lippen, dann einen weiteren auf die Stirn.
„Das Reinkommen ist das Schwerste“, erinnerte er ihn sanft an das, was sie besprochen hatten, „Sobald du Queenie hast, wird es leichter.“
„Ich weiß“, sagte Newt nickend, „Sie hat mich schon mal vor dem Tod bewahrt.“

 

*



Es hatte so leicht sein sollen.
Vielleicht kein Spaziergang, aber… hatte Albus sich wirklich so sehr verkalkuliert?
Wurde er alt? Oder hatte er etwas von seiner berechnenden Schärfe eingebüßt?
Was es auch war… Als er nah genug ans Schloss herangekommen war, dass er die Zinnen über den Berghang ragen sehen konnte, traf er, wie erwartet auf Grindelwald – und wurde augenblicklich umringt von einem Dutzend seiner Anhänger.
Soweit so gut.
Allerdings hatte er nicht mit diesem Grinsen gerechnet.
Oder damit, dass Gellert gedehnt sagte: „Ich fühle mich geehrt, Albus. Mit Mr. Scamanders Besuch hatte ich bereits gerechnet, aber dich hier zu sehen, ist überraschend."
Albus sackte das Herz in die Hose.
Sie wussten von Newt.
Sie hatten ihn.
Sein Herz zog sich voll Sorge zusammen.
„Es ist ein wenig kalt hier draußen für einen Plausch, findest du nicht?“, fragte Gellert leichthin und noch immer ein eisiges Lächeln auf den Lippen. „Lass mich dir einen Tee anbieten.“

 

*



Newt war tatsächlich nicht weit gekommen.
Und es hatte wirklich nicht daran gelegen, dass er es schlecht angegangen war.
Im Gegenteil, er hatte sehr auf seine Deckung geachtet. War vorsichtig gewesen, hatte sich versteckt und bedeckt gehalten, hatte Tarnzauber auf sich geworfen und alles getan, was nötig war.
Trotzdem hatte er, als ihn noch fünfhundert Meter vom Schloss trennten, einen Zauberstab im Nacken gespürt.
Schwer schluckend hatte er die Arme gehoben. War vorsichtig aufgestanden, gefesselt worden und wurde hinunter geführt. Zu Grindelwald, der auf der Brücke vor den großen Flügeltoren seines Schlosses gestanden hatte, gemeinsam mit Queenie, die ihm etwas ins Ohr flüsterte.
Newt hatte mit vielem gerechnet. Aber nicht damit, dass Queenie ihn so schnell an Grindelwald verraten würde. Wenn sie seine Gedanken gehört hatte, dann hatte sie auch seine Absichten gehört. Wieso hatte sie ihn hintergangen?
Es tat weh.
Trotzdem musste er zugeben, dass er unheimlich erleichtert war, zu sehen, dass es ihr gutging.
So sehr diese Erkenntnis auch durch Grindelwalds kühles Lächeln und Queenies offenkundiger Loyalität zu diesem Wahnsinnigen gedämpft wurde.

Man führte ihn ins Schloss. Schob ihn in einen Raum, der recht luxuriös eingerichtet war und einem großen Wohnzimmer glich. Befahl ihm, sich auf einen Sessel zu setzen.
Newt hatte keine Wahl. Widerstand würde nur bedeuten, dass man ihn gefügig machen würde. Also ließ er sich nieder und hoffte, dass ihm bald irgendetwas einfallen würde, wie er hier herauskäme. Sein Herz schlug schnell und seine Atmung ging flach.
Albus war noch da draußen. Sicher würde er ihn irgendwie hier herausholen können.
Doch die Hoffnung verflüchtigte sich wenige Minuten später, als die Tür abermals aufging und Grindelwald, gefolgt von Albus, hineintrat, der von zwei Männern flankiert und ebenfalls gefesselt war.
Newts Brust zog sich schmerzvoll zusammen.
Grindelwald ließ sich Newt gegenüber auf einem Sessel nieder und bedeutete Albus, sich neben Newt zu setzen.
Einen kurzen Moment lang begegneten sich Albus‘ und Newts Blicke.
Es behagte Newt ganz und gar nicht, in Albus‘ Augen die gleiche Ratlosigkeit zu sehen. Es verunsicherte ihn. Wenn Albus sich sorgte, dann musste es schlimm sein.
„Geht es dir gut?“, murmelte Albus leise.
Newt nickte leicht. „Ja“, hauchte er, während er dabei zusah, wie Queenie sich neben Grindelwald stellte, der die Szenerie beobachtete.
Eilig verschloss er seinen Geist so gut er konnte. Versuchte, nicht an Albus zu denken. Oder an das, was er vorhatte. Dachte stattdessen an Jacob. An Tina. An all die Menschen, die Queenie vermissten. Vielleicht half das, um sie zum Umdenken zu bewegen.
Grindelwald überschlug die Beine, stützte seine Ellbogen auf den Armlehnen des Sessels ab und verflocht seine Hände auf Höhe seiner Brust, während er die beiden aufmerksam ansah.
„Nun denn, was verschafft mir das Vergnügen eures Besuchs?", fragte er lächelnd und schaute dann Albus an. „Sind etwa Ferien in Hogwarts?"
Albus, der es offensichtlich viel besser verstand, seine Nervosität in dieser Situation zu verstecken, als Newt es konnte, zuckte nicht einmal mit der Wimper.
„Kann man so sagen“, erwiderte er gelassen. „Wir waren auf der Suche nach gemeinsamen Freunden“, fuhr er in scheinbarem Plauderton fort. „Newt hier“, er nickte zu Newt hin, „hatte zuletzt mit Queenies Schwester Tina Kontakt und da sie lange nichts von ihr gehört hatten, schürte das verständlicherweise die Sorge um ihr Wohlbefinden.“
Er zuckte mit den Schultern und Newt bewunderte ihn für die Ruhe, die er in dieser ausweglosen Situation ausstrahlen konnte.
„Darüber hinaus hatte ich mich gefragt, was aus dem jungen Credence Barebone geworden war…“, fuhr Albus fort, „Und so führte eines zum anderen.“
Etwas in Grindelwalds Augen funkelte auf, als Albus das sagte.
„Ja, man sollte gute Freundschaften nicht aus den Augen verlieren“, sagte er mit einem vielsagenden Schmunzeln, ehe er sich Newt zuwandte.
„Nun, wie Sie sehen, Mr. Scamander, hat Miss Goldstein sich hier hervorragend eingelebt“, sagte er mit einem freundlichen Lächeln und wies auf Queenie, die Newt ein verstohlenes Lächeln schenkte, das er nur schwer erwidern konnte.
Er nickte langsam. Sie wirkte tatsächlich, als ginge es ihr hier gut. Zu gut.
„Das freut mich“, murmelte er, mehr an Queenie gewandt, denn an Grindelwald.

 

*



Albus bemerkte, dass sich Gellert kaum verändert hatte.
Und dass ihn das selbst, sehr zu seinem Missfallen, nicht kalt ließ.
Fiebrig überlegte er, wie sie hier wieder rauskommen konnten. Albus bezweifelte, dass sie sich einfach verabschieden könnten und ungeschoren davon kommen würden. Es war besser, erst einmal nach Gellerts Launen zu spielen, bevor er sich weiter vorwagen konnte.
Er lehnte sich zurück, soweit die Fesseln es zuließen und ließ den Blick durch den Raum gleiten. „Schön hast du es hier“, stellte er betont gleichmütig fest, „Sagtest du nicht, es gibt Tee?“
Damit erreichte er immerhin, dass Gellert die Aufmerksamkeit von Newt nahm und sich wieder ihm zuwandte. Er meinte, ihn schmunzeln zu sehen. Wenn auch nur leicht.
„Drolly“, sagte Gellert und mit einem leisen Plopp erschien ein Hauself neben ihm, der sich tief verbeugte.
„Bring uns Tee und Kaffee für unsere Gäste. Und ein wenig Gebäck."
Er ließ kurz den Blick über Newt gleiten, ehe er wieder Albus ansah. „Wie ich es bereits vermutet hatte“, sagte er mit einem gefährlichen Funkeln in den Augen, „Scheint es, als hättest du eine Vorliebe für 'Süßes' entwickelt, Albus."
Albus bemerkte den Hinweis. Er kannte ihn gut genug, um seine Anspielungen zu verstehen. Solche Dinge änderten sich nicht in den vielen Jahren. Doch er beschloss, keine weitere Angriffsfläche zu bieten.
„Alles hat seine Vorzüge“, erwiderte er vage.
Gellerts Schmunzeln wurde breiter. „Das kann ich mir vorstellen."
Offensichtlich wollte er dem noch etwas hinzufügen, doch ein Klopfen an der Tür unterbrach ihn.
„Herein“, sagte er gebieterisch und als eine junge Frau mit schwarzem Haar und vollen roten Lippen den Kopf hineinsteckte und ihn bat, Queenie sprechen zu dürfen, nickte er.
„Geh nur mit Rosier, meine Liebe“, sagte er an Miss Goldstein gewandt, „Ich bin mir sicher, dass du später noch Zeit finden wirst, mit Newt zu sprechen."
Sie nickte folgsam und verschwand. Hinter ihr fiel die Tür ins Schloss.
Wenige Sekunden später erschienen die gewünschten Getränke und das Gebäck auf dem Couchtisch.
Gellert schenkte ihnen mit einer Handbewegung magisch Tee ein, sich selbst Kaffee, ehe er die Handfesseln der beiden löste.
„Bitte", sagte er mit einer einladenden Geste.
Albus rieb sich einen Moment die Handgelenke.
Dann griff er nach der Teetasse.
Dass Queenie gegangen war, verhieß nichts Gutes. Keine Zeugin aus Gellerts Rängen, die mitbekam, was hier vorging… Das war eher zu Newts und seinem Nachteil, schätzte er. Aber selbst, wenn…. Was hätte sie ausrichten können? Sein Blick streifte Newt, der deutlich angespannt wirkte. Er hoffte, dass sie das hier heil überstanden.
Noch immer zermarterte er sich das Hirn auf der Suche nach einer Lösung. Er musste sie irgendwie hier herausbringen. Unter allen Umständen!
Als Gellerts Blick ihn traf, verschloss Albus diese Gedanken tief in sich. So tief, dass Gellert sie nicht finden würde, wenn er suchte.
Gellerts Blick war kühl. Berechnend.
„Nun, Albus“, sagte er und gab Albus damit abermals das Gefühl, dass außer ihnen beiden niemand im Raum war. Albus war sich nicht sicher, ob er es als gutes oder schlechtes Zeichen interpretieren sollte.
Er war auf der Hut, während Gellert ohne Umschweife fragte: „Wieso bist du hier? Ich möchte nicht glauben, dass du bereits so senil bist, um einfach so um meine Festung herum zu schleichen, in der Hoffnung, dass du und deine zugegebenermaßen recht interessante Begleitung nicht entdeckt werdet. Das wäre sehr enttäuschend."
Albus unterdrückte ein Zähneknirschen. Dass er nicht geglaubt hatte, dass Newt so schnell aufgegriffen werden würde, behielt er lieber für sich. Auf eine Situation wie diese, die so skurril war, war er nicht vorbereitet. Albus ließ sich von seiner inneren Ratlosigkeit nichts anmerken und gab sich entspannt.
„Vielleicht hatte ich mich einfach nur gefreut, aus Hogwarts raus zu kommen und mir andere Schlösser anzusehen?“, fragte er mit einem einnehmenden Lächeln. „Ich habe von Nurmengard schon so viel Gutes gehört.“
Er verzichtete darauf, zu betonen, dass Newt und er zufällig am gleichen Tag hier waren. Gellert war nicht so dumm, ihm das zu glauben. Und Newt hatte Albus bereits berichtet, dass Gellert ihn in New York gefragt hatte, wieso Albus ihm so zugetan war. Damals war es noch kein Vergleich zu dem gewesen, was Albus ihm gegenüber heute fühlte und doch hatte Gellert ein Auge darauf gehabt. Dass sie gar keine Verbindung zueinander hatten, würde er ihnen nicht abkaufen.
Aber auch seine kleine Ausrede stimmte Gellert nicht milde. Er zog skeptisch die Augenbrauen zusammen und schaute dann zu Newt.
Betont freundlich sagte er: „Ich hoffe, Ihnen schmeckt der Tee, Mr. Scamander?"
Newt zuckte kaum merklich zusammen, blickte dann aber auf und antwortete mit einem distanzierten, aber höflichen „Ja, danke."
Gellerts Lächeln wurde eine Spur wölfischer. „Haben Sie Dumbledore gebeten, Sie zu begleiten oder wollte er Sie nicht allein gehen lassen?"
Albus hielt seine lockere Fassade aufrecht, obwohl die Spitze ihn traf. Natürlich musste Gellert es auskosten, dass er sie beide mehr oder weniger zusammen aufgegriffen hatte. Noch hatten sie sich nicht auffällig verhalten, also konnten es bisher nur seine Vermutungen sein. Albus würde es mit keiner Faser seines Körpers zeigen, was er für Newt empfand. Es würde ihn nur in Gefahr bringen. Als trank er seinen Tee und überging die letzte Frage, während er hoffte, dass Newt so klug war, nicht ehrlich oder detailliert zu antworten.
Newt blickte Gellert so ruhig wie möglich an, ehe er antwortete: „Das Ministerium hat es ihm aufgetragen."
Bei dieser Antworte lachte Gellert allerdings amüsiert auf. „Oh bitte, Mr. Scamander“, sagte er und schüttelte den Kopf. „Das Ministerium versucht bereits seit Jahren, ihn dazu zu bekommen, die Sicherheit und den Komfort von Hogwarts zu verlassen. Sie hatten weder mit Bitten noch mit Befehlen oder gar Drohungen Erfolg“, zählte er mit einem süffisanten Lächeln auf. „Darum schickt er für gewöhnlich Leute wie Sie ins Feld. Also beantworten Sie meine Frage: Haben Sie ihn gebeten oder hat er es angeboten?", fragte er erneut nach.
Newt hatte die Finger fest um seine Tasse geschlungen.
„Ich sagte bereits, es war der Wunsch des Ministeriums", wiederholte er.
Albus schwieg. Er hoffte, dass Gellert es ihm glaubte. So sehr er auch überlegte, er wusste, wenn er jetzt für Newt in die Bresche springen würde, hätte Gellert seine Antwort.
Also blieb er wo er war. Beobachtete das Schauspiel.
Gellerts Lächeln wandelte sich in einen bedauernden, enttäuschten Ausdruck.
„Ich bin ein wirklich geduldiger Mann, Mr. Scamander", begann er eindringlich, als würde er mit einem Kind reden, und beugte sich dabei etwas nach vorn, während er Newt mit seinem Blick fixierte. „Aber ich kann es nicht leiden, wenn man mir ins Gesicht lügt. Besonders nicht zweimal nacheinander“ Er richtete seinen Stab auf Newt. „Crucio."
Albus sprang auf die Füße, als Gellert gerade den ersten Buchstaben über die Lippen gebracht hatte. Seine Tasse fiel scheppernd zu Boden, während Newt neben ihm aufkeuchte, sich heftig verkrampfte und ebenfalls die Tasse fallenließ, den Mund zu einem stummen Schrei geöffnet.
„Aufhören“, brüllte Albus, unternahm aber keinen Versuch, Gellert anzugreifen. Er war erschrocken, er war in Sorge um Newt – aber er war kein Idiot.
„Gellert!“
Gellert schaute ruhig zu Albus auf, saß immer noch scheinbar tiefenentspannt da, während er keine Anstalten machte den Fluch zu lösen.
„Setz dich“, zischte er.
„Lös den Fluch“, sagte Albus betont beherrscht. Jede weitere Sekunde, die verstrich, waren Höllenqualen für Newt. Er konnte nicht seelenruhig daneben sitzen und zusehen, wie es ihn von innen heraus zerriss. Newt verkrampfte sich immer mehr, hatte die Hände in die Polster des Sessels gekrallt und ein dumpfes, mühsam unterdrücktes, schmerzerfülltes Stöhnen kam ihm über die Lippen. Er hatte sich so hart auf die Unterlippe gebissen, dass sie blutete.
Albus war kurz davor, Gellert überwältigen zu wollen. Einzig die Sorge, dass das Newts Todesurteil wäre, hielt ihn zurück.
„Setz. Dich!", wiederholte Gellert mit Nachdruck und machte Albus mit einem Blick deutlich, dass ein Cruciatus gleich Newts geringstes Problem wäre, wenn er seiner Aufforderung nicht folgen würde.

Chapter Text

Albus biss die Zähne so sehr zusammen, dass sein Kiefer wehtat, während er sich in verkrampfter, angespannter Haltung wieder setzte. Er hasste es, sich derart hilflos zu fühlen. Seinem Zauberstab beraubt zu sein, war für gewöhnlich kein Dilemma für ihn, da er mit den Händen zu zaubern vermochte. Doch damit hatte er gegen Gellert, der den Elderstab führte, keine Chance.
Hätte er nur auf sein ursprüngliches Gefühl vor einigen Monaten vertraut und Newt überredet, sich nicht durch die Bitten des Ministeriums erweichen zu lassen, säßen sie nicht hier.
Kaum, dass sein Hintern das Polster berührte, löste Gellert den Zauber.
Er zog den Stab zurück und lehnte sich gegen die Rückenlehne seines Sessels, als hätte er nicht gerade über lange Sekunden hinweg einen Unaussprechlichen aufrecht erhalten.
Newt sank bebend in sich zusammen und schnappte heftig nach Luft, während seine Muskeln immer noch zuckten. Zitternd hob er den Kopf.
Albus biss sich hart auf die Innenseite seiner Wange. Er wollte Newt berühren. Wollte ihn in seine Arme ziehen, sich schützend vor ihn stellen. Aber wenn er es täte, wüsste Gellert, wie groß seine Schwäche für den Jüngeren war. Und das würde Newt nicht gut bekommen.
„Nun, Mr. Scamander, zurück zu meiner Frage", sprach Gellert ruhig und sah Newt abwartend an.
Dieser schluckte schwer, während ihm das Blut seiner aufgesprungenen Lippe das Kinn hinab tropfte.
Er hatte den Blick auf Grindelwalds Stab gerichtet.
„D-das Ministerium-..." begann er, offensichtlich gewillt, erneut zu lügen, um Albus aus der Sache herauszuhalten. So sehr Albus ihn für diesen Heldenmut auch liebte, so wenig ertrug er nun, dass Newt bereit war, sich weiter foltern zu lassen, um ihn zu schützen.
„… bat Newt darum, mit Queenie in Kontakt zu treten“, fuhr Albus fort, ehe Schlimmeres geschah. Albus konnte darauf verzichten, ihn erneut zu beobachten, wie er unter dem Cruciatus zusammensackte.
„Ich habe Newt überredet, mich ihn begleiten zu lassen.“ Er schenkte Gellert ein halbherziges Lächeln. „Sobald ich auf dich treffen würde, sollte ich dich ablenken, damit Newt mit Queenie sprechen kann. Da du und ich uns bereits bekannt sind, ergab es sich von selbst, dass ich dafür am ehesten in Frage komme und in gewisser Weise hat es funktioniert.“
Sein Lächeln wurde säuerlich. „Nur das Ende hatten wir uns anders ausgemalt, um ganz offen zu sein.“
Er atmete tief durch. Seiner Meinung nach klang seine Antwort nicht allzu verfänglich. Aber er war kein Idiot. Und Gellert war auch keiner. Selbst, wenn er nun nicht mit Sicherheit sagen könnte, was Albus und Newt verband, so würde er es doch als eine mögliche Option ins Auge gefasst haben.
Aber das war Albus mittlerweile lieber, als noch einmal mit anzusehen, wie Newt wegen einer Lüge mit dem Cruciatus belegt wurde.
Gellert bedachte Albus mit einem eindringlichen Blick.
„Ist das so?“, kommentierte er, ehe er mit einem Schlenker seines Zauberstabs die zerbrochenen Teetassen wieder zusammenfügte und die Kanne neuen Tee einschenken ließ.
„Ich bin mir sicher, Mr. Scamander wird ausgiebig Zeit haben, um mit Miss Goldstein zu sprechen. Ich vermute, ihr wünscht eine gemeinsame Unterbringung? Nicht, dass wir nicht genügend Gästezimmer hätten."
Albus kam nicht umhin, jedem von Gellerts Worten zu misstrauen. Doch da die Katze jetzt mehr oder weniger aus dem Sack war, nickte er.
„Wenn du es schon anbietest?“, sagte er. Es abzulehnen, hätte nichts gebracht. Und das Einzige, was ihn frösteln ließ, war die Aussicht auf eine ‚Unterbringung‘. Wie vermutet, sie würden Gellerts Festung nicht so schnell verlassen.
Gellert nickte. Neben ihm schwebte eine Schatulle aus einem Schrank herbei.
Sie blieb vor Albus in der Luft stehen und gab, als sie sich öffnete, ein paar mit Runen verzierte Armreifen preis.
„Eine Sicherheitsmaßnahme“, sagte Gellert mit einem überfreundlichen Lächeln, „Wenn ich bitten darf."
Albus war nicht überrascht von den Armreifen. Sie würden seine Magie unterdrücken und damit verhindern, dass er stablos zaubern konnte. Nachdem er es dem Ministerium zu verdanken hatte, lange Wochen mit Überwachungsreifen herumzulaufen, waren diese Reifen, die Magie gänzlich unterdrückten, zwar eine Steigerung, aber zu erwarten gewesen. Er nahm sie aus der Schatulle und legte sie sich an. Gellert konnte zwar ihn nicht angreifen, wegen des Blutpaktes. Aber Newt schon. Und das wollte Albus nicht noch einmal mit ansehen.
Gellert nickte zufrieden. Dann erhob er sich.
„Es war, wie immer, angenehm mit Ihnen zu plaudern, Mr. Scamander“, sagte er mit einem Lächeln, von dem Albus ahnte, dass er es bewusst falsch wirken ließ.
Als Gellerts Blick dann den seinen streifte, lief Albus ein Schauer über den Nacken.
„Dich zu sehen, hingegen, war eine unerwartete Überraschung, Albus“, sagte Gellert mit einem, für Albus‘ Definition, recht bedrohlichen Funkeln in den Augen.
Er schluckte und bemerkte erst, dass er nicht mehr geatmet hatte, als Gellert den Blick abwandte und zur Tür ging.
„Trinkt euren Tee ganz in Ruhe“, hörten sie ihn sagen, „Die Wachen werden euch zu eurem Zimmer bringen, wenn ihr soweit seid. Aber lasst euch nicht zu viel Zeit.“
Dann öffnete er die Tür und hinter ihm fiel sie wieder ins Schloss.
Albus hörte Newt neben sich aufatmen.
Er konnte es nachfühlen, aber er war nicht annähernd so erleichtert wie Newt. Sie mochten die Situation jetzt überstanden haben, doch das bedeutete bei Gellert nichts. Wer wusste schon, welchen Vorteil er aus ihrer Anwesenheit ziehen wollte? Albus war nur froh, dass Newt noch heil genug geblieben war, um den Raum allein verlassen zu können. Und überrascht, dass Gellert ihnen tatsächlich ein gemeinsames Zimmer zur Verfügung stellte.

Gemeinsam mit Newt ging er, von Wachen begleitet, zu ihrem Gästezimmer.
Natürlich hatte es ein Doppelbett, statt zwei einzelner Betten. Diese Überfreundlichkeit ihres ‚Gastgebers‘ grenzte schon an Verspottung.
Und wenn nicht das, dann konnte Albus sich wenigstens sicher sein, dass Gellert ihre Verbindung mit absoluter Treffsicherheit richtig interpretierte.
Als sie allein waren, zog Albus Newt in seine Arme. Er flüsterte ihm beruhigende Worte zu, während er ihm den Rücken streichelte und in Gedanken bereits bei ihrer Flucht war. Da hatten sie sich ja etwas Schönes eingebrockt. Blieb nur zu hoffen, dass sich Theseus klüger anstellte. So gesehen war nicht alle Hoffnung verloren, doch sie mussten sich auf einige sehr unschöne Wochen einstellen.

*

 

Albus und Newt hatten den ganzen Tag Zeit, um sich verhalten Gedanken zu machen. Das war nicht so leicht, wenn man wusste, dass die Legilimentikerin, den sie hatten befreien wollen, nun offensichtlich so sehr die Seiten gewechselt hatte, dass sie jeden ihrer Gedanken sofort an Grindelwald weitergab.
Also waren sie sich sehr schnell einig geworden, dass sie über eine mögliche Flucht, einen Hinterhalt oder sonst irgendeine Form von widerspenstigem Verhalten nicht weiter nachdenken wollten. Es brachte sie nur zusätzlich in Gefahr.
Albus aber konnte nicht aufhören, darüber zu grübeln. Er wusste, dass seine mentalen Mauern dick genug waren, damit kein Gedanke nach außen drang. Er hatte schon mit geborenen Legilimentikern zusammengearbeitet und keiner von ihnen hatte seine Gedanken zufällig lesen können.
Also sprach er zwar mit Newt nicht darüber, der ohnehin andere Sorgen hatte – der Cruciatus hatte ihm übel mitgespielt und er war nun vollkommen erschöpft und gebeutelt – aber während er sich beruhigend an ihn schmiegte, dachte er selbst nach.
Die Gedanken trieben ihn um, während er mit Newt auf der Couch in dem Raum saß, den Gellert ihnen zugeteilt hatte. Es war ein recht großes Zimmer, mit der Couch und einem kleinen Tisch, an dem Stühle standen, im vorderen Teil. Und einem Ehebett im hinteren Teil. Links davon ging eine Tür zu einem großen Bad ab. Dahingehend hätten sie es schlimmer treffen können.

Als es abends klopfte, hatte Albus eigentlich noch nicht damit gerechnet, dass man sie sehen wollte.
Und es stimmte auch zum Teil.
Man wollte nicht ‚Sie‘ sehen. Sondern ihn.
Mit einem unguten Gefühl in der Magengegend ließ Albus Newt in dem Gästezimmer zurück und war sich nicht sicher, um wen von ihnen beiden er sich mehr sorgen musste.
Er straffte die Schultern und atmete tief durch, während die Wachen ihn zu Räumen brachten, die weiter oben im Schloss waren. Private Räume, wie es schien.
Albus wusste nicht, warum er herbestellt worden war. Also trat er wachsam ein, nachdem man ihn angekündigt hatte, und sah Gellert inmitten eines Wohnzimmers auf einem Sessel sitzen.
„Guten Abend“, sagte Gellert mit einem freundlichen Lächeln, das die Skepsis nicht aus Albus‘ Haltung vertreiben konnte.
„Bitte, setz dich“, forderte er Albus auf und wies einladend auf einen freien Sessel neben seinem.
Albus ließ den Blick durch den Raum schweifen. Er war luxuriös gehalten, so wie alle Räume im Schloss. Die Sessel standen neben einem Kamin, den man mitunter auch mit Flohpulver verwenden könnte. Albus machte sich eine mentale Notiz.
Er bemerkte die Flasche Wein und die zwei Gläser auf dem Couchtisch. Ebenso die Snacks. Ein paar Sandwichs und kleine Happen. Sein Magen grummelte. Albus hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen.
Es lag ihm fern, sich Gellerts Anweisungen zu widersetzen. Das erschien ihm unter den derzeitigen Umständen und der Tatsache, dass sein Liebhaber (seine Schwachstelle) ebenfalls hier eingesperrt war, äußerst unklug. Also setzte er sich und wartete darauf, was Gellert als nächstes sagen würde.
Gellert, der von seinen Gedanken nichts ahnte, lächelte unbeirrt freundlich und schenkte ihm Wein ein.
„Ich dachte, es würde nicht schaden, unser Wiedersehen bei einer guten Flasche Wein zu zelebrieren. In Erinnerung an alte Zeiten." Er ließ seinen Blick interessiert über Albus wandern, was einen Schauer in Albus‘ Nacken auslöste.
„Ich hoffe, er ist nach deinem Geschmack“, fuhr Gellert fort, „Zumindest damals hat dieser Wein dir sehr gefallen, wenn ich mich recht erinnere."
Albus nickte höflich. „Sehr freundlich“, sagte er schlicht, während er jede von Gellerts Handlungen wachsam beobachtete. Er hatte nicht vor, auf das andere einzugehen. Er hatte lange aufgehört, in Erinnerungen an alte Zeiten zu schwelgen. Dass Newt und er sich nähergekommen waren, hatte geholfen, auch noch die letzten Verbindungen, die ihn emotional an Gellert gebunden hatten, zu kappen.
Gellert nahm beide Gläser, beugte sich vor und reichte Albus eines, ganz ohne Magie.
Ihre Sessel standen nah genug beieinander, dass Albus seinen Atem auf der Haut spüren konnte, als Gellert ihm zuraunte: „Du magst es mir nicht glauben, aber ich freue mich sehr, dich zu sehen."
„Das zu glauben fällt mir in der Tat sehr schwer“, gab Albus zu und nahm das Weinglas entgegen. Dass Gellert ihm die Worte zugeraunt hatte, hatte ein nervöses Kribbeln in seiner Magengegend freigesetzt, das er auf die Aufregung und die Angst vor dem Ungewissen bezog.
Er hatte das Weinglas kaum angenommen, da legte Gellert die Hand, die nun frei geworden war, auf seine Schulter und beugte sich noch ein wenig weiter vor.
„Ich habe dich vermisst, Albus", sprach er nun deutlich sanfter und Albus‘ Herz schlug schneller. „Ich muss dir nicht sagen, dass ich in den letzten zwanzig Jahren die komplette Welt bereist habe."
Er strich Albus Schulter entlang und ließ seine Hand schließlich in Albus‘ Nacken ruhen.
„Nirgends habe ich jemanden gefunden, der auch nur ansatzweise an das heranreicht, was du für mich warst."
Der Schauer, der über Albus‘ Nacken und seinen Rücken hinabgewandert war, verstärkte sich und seine Nackenhaare stellten sich auf. Er schob die Hand sacht, aber bestimmt von sich und schaute zu Gellert auf.
Ihn nun erneut zu sehen, löste gemischte Gefühle in Albus aus. Die Stimme, die er schon seit Jahren nicht mehr gehört hatte. Das amüsierte Zucken seines Mundes… Es hatte etwas Nostalgisches. Und obwohl die vergangenen Jahre ihm einiges seiner jugendlichen Schönheit geraubt haben, fühlte Albus die Anziehung noch immer schwach von ihm ausgehen. Nicht genug, um den Kopf zu verlieren, natürlich. Aber ausreichend, um es zu bemerken. Es ließ ihn umso vorsichtiger werden.
„Gellert, was wird das?“, fragte er und erhob sich, weil er sich nicht gut dabei fühlte, Gellert so nah bei sich zu haben. „Du weißt, warum es beim ersten Mal nicht funktioniert hat. Nichts davon hat sich geändert, ich denke noch immer anders als du. Ich bin nicht hierhergekommen, um mich deiner Gefolgschaft anzuschließen, also tu mir den Gefallen und interpretiere da nichts hinein.“
Obwohl seine Worte seiner Meinung nach nicht lustig gewesen waren, sah er Gellert schmunzeln.
Er hatte den Kopf zur Seite gelegt.
„Oh, Albus“, sagte er mit einem Schnurren in der Stimme, „Wem willst du erzählen, dass es nicht geklappt hat, weil unsere Ansichten sich unterschieden haben?"
Er erhob sich langsam und obwohl Albus vor ihm zurückwich, kam Gellert unbeirrt hinter ihm her, bis Albus den Kamin im Rücken hatte und Gellert sich vor ihm aufbaute.
Er sah ihn mit seinen verschiedenfarbigen Augen so eindringlich an, dass Albus einen Moment der Atem stockte.
„Wir hatten beide eine Vision“, flüsterte Gellert, „Und wir hätten sie gemeinsam verwirklicht. Jeder hätte seinen Teil beigetragen, wir hätten Kompromisse gefunden und wir hätten großartiges vollbracht. Du und ich, wie es damals geplant gewesen war."
Albus biss sich auf die Innenseite seiner Wange. „Unsere Methoden haben sich unterschieden“, murmelte er, „und sie tun es noch. Es gibt kein ‚Wir‘ mehr, Gellert. Schon lange nicht mehr.“
Gellert seufzte leise. „Wirfst du mir nun vor, dass ich die Dinge nicht auf deine Weise erledigt habe, nachdem du dich von unserem Plan abgewandt hast? Ich habe mich damals auf viele deiner Einwände eingelassen und ich hätte es weiterhin getan, mit dir an meiner Seite."
Er warf Albus einen derart entschlossenen Blick zu, dass ihm die Knie weich wurden.
Dann hob Gellert die Hand. Legte sie an Albus‘ Wange, fuhr mit ihr erneut nach hinten, um sie in Albus Nacken zu legen, so wie er es früher oft getan hatte, zog ihn aber nicht zu sich.
Albus konnte nicht aufhören, ihn anzusehen. Er biss sich auf die Innenseite seiner Wange, aber es konnte ihn nicht aus der Trance reißen, in die er sich immer mehr zu verstricken schien.
„Keiner von uns wollte, dass es so endet, wie es damals geendet ist. Auch ich nicht", versicherte Gellert ihm mit besänftigender, aufrichtiger Stimme. Er beugte sich zu Albus vor.
„Ich habe dich vermisst und tue es immer noch."
Albus fühlte sein Inneres erzittern und ein Knoten legte sich in seine Brust. Das waren so viele emotionale Themen auf einmal. So viele wunde Punkte, die Gellert drückte. Die er aufriss, damit all die Trauer und der Schmerz hervortreten konnten.
Der Streit, der sie entzweit hatte, der Tod Arianas, Aberforth… Und dieses alte Hin- und Hergerissen-Sein zwischen seiner Familie, die er hatte beschützen wollen und seiner Vision, die ihn von dort fortgetrieben hätte. Musste Gellert sie noch einmal alle ausbreiten? Sie waren lange her und Albus war es leid, an seine Verfehlungen in dieser Zeit zu denken.
Er machte sich abermals aus Gellerts Griff frei und trat einen Schritt zur Seite. Fort von Gellert und diesen widersprüchlichen Gefühlen, die seine Nähe in Albus wachrief.
„Ich würde mich geehrt fühlen“, sagte er ruhig, ohne jeden Spott in der Stimme. „Doch dein Hang dazu, Unverzeihliche Flüche anzuwenden, hat heute erneut jemanden verletzt, den ich liebe. Und um ehrlich zu sein, schmälert das meine eigene Wiedersehensfreude um ein Vielfaches.“ Er schüttelte den Kopf. „Wenn du glaubst, dass ich dir positiv gegenüberstehen kann, nachdem du meinen Wunsch, einen Cruciatus abzubrechen, eiskalt ignorierst, dann kennst du mich schlechter, als ich gedacht hatte.“
Gellert neigte den Kopf zur Seite und sah Albus prüfend an.
„Und womit hast du dir verdient, dass ich den Fluch auf deinen 'Wunsch' hin hätte abbrechen sollen?", fragte er, nun deutlich kühler. Er ging Albus den Schritt hinterher, den er von ihm fortgetreten war. „Indem du um meine Festung herum schleichst, um Informationen für meine Feinde zu sammeln? Indem du mir ausweichende Antworten und Lügen entgegenwirfst? Indem du aufspringst und mich anbrüllst?" Seine Augen wurden schmaler und nahmen einen raubtierhaften Ausdruck an.
Albus lächelte traurig. „Das unterscheidet uns“, stellte er betrübt fest, „Du behauptest, dass du vermisst, doch du zeigst es nicht. Wie kannst du von Entgegenkommen sprechen, wenn du nicht bereit bist, es zu leisten? Außer dann, wenn es dir in den Plan passt und du weißt, dass du etwas dafür zurück bekommst. Also, was willst du von mir, Gellert? Eine Entschuldigung? Eine ausführliche Erklärung, warum das Ministerium Newt geschickt hat oder warum ich ihn begleitet habe? Du weißt genauso gut wie ich, wie wertvoll der Barebone-Junge und Miss Goldstein sind. Welche Informationen könnte ich dir also noch geben, die du versuchst, dir nun von mir zu erschleichen, indem du mich um den Finger wickelst?“ Es war mutig – um nicht zu sagen, waghalsig – Gellert all das ins Gesicht zu werfen. Andererseits kannte Albus es nicht anders. Sie hatten sich schon immer direkt die Meinung gesagt, ohne falsche Bescheidenheit. Deshalb war ihre Zusammenarbeit auch so produktiv gewesen.
Offensichtlich war Gellert es nicht mehr gewohnt, so direkte Worte zu hören.
Albus beobachtete, wie er die Zähne zusammenbiss, sodass die Muskeln an seinem Kiefer deutlich hervortraten.
Obwohl er deutlich wütend aussah, kamen ihm seine nächsten Worte eisig über die Lippen.
„So siehst du das also", sagte er und schnaubte abfällig. „Dann sollte ich vielleicht den Heiler zurückpfeifen, der sich gerade um Scamander kümmert. Ich würde ungern dein komplett negatives Bild von mir zerstören, wo du doch so bemüht bist, daran festzuhalten."
Albus entging das grollende Knurren nicht, das in Gellerts Stimme mitschwang, obwohl er sich offensichtlich so bemühte, ruhig zu bleiben. Und wirkte er… getroffen?
Es war fast schon erschreckend, wie sehr er sich vor Albus aufzublättern schien, wie ein offenes Buch, wo der Rest der Welt doch keine Chance hatte, auch nur irgendwie in seinen Kopf zu kommen.
Albus gedachte, seine Beobachtungen zu seinem Vorteil zu nutzen.
Er zuckte nicht einmal mit der Wimper. Er wusste, wann Gellert etwas antäuschte und wann er kurzen Prozess machte. Dies hier war eine Prüfung, keine Drohung.
„Es war nicht eleganteste Weg, hier heute auf diese Art aufzutauchen“, lenkte Albus besänftigend ein, weil Gellert im Moment am längeren Hebel saß und Albus ihn nicht herausfordern wollte.
„Und es ist verständlich, dass du mehr als aufgebracht bist, da ein Ministeriums-Spitzel vor deiner Festung herumlungerte“, gestand Albus ein. Er setzte ein schiefes Lächeln auf. „Und ich noch dazu.“ Er schüttelte den Kopf und seufzte, ehe er sanft fortfuhr: „Die vielen Jahre, die wir nicht miteinander gesprochen haben, mal abgesehen, gleichen deine Worte von eben beinahe einer Liebeserklärung. Sie passen nicht mit deinem Verhalten vorhin zusammen, deinem Unverzeihlichen Fluch. Ich versuche es zu verstehen, aber ich nehme dir den Crucio übel. Wieso meinst du, dass wir weiterhin zusammenarbeiten können und tust gleichzeitig etwas, von dem du weißt, dass ich es verabscheue? Was willst du, Gellert?“
Seine offenen Worte führten nicht gerade dazu, dass Gellert sich beruhigte.
Nur, dass er nun nicht einmal mehr versuchte, seine Wut zu verstecken.
„Verstehst du es wirklich nicht oder geht es dir darum, dass ich um Verzeihung betteln soll?“, fauchte er Albus an.
Albus schwieg und schaute ihn prüfend an.
Er ließ sich nieder, auf das Sofa, an dessen Kante seine Kniekehlen bereits vorhin gestoßen waren und blickte zu Gellert auf – aus einer Position, die Gellert hoffentlich allein schon besänftigen würde, da er nun unter ihm war und es nicht mehr wirkte, als wollte er sich mit ihm anlegen.
„Nein“, sagte er ruhig. „Es gibt keinen Grund für eine Entschuldigung. Ich möchte nur verstehen, warum du tust, was du tust.“ Er ließ die Luft entweichen und nahm endlich einen Schluck von dem Wein. Es stimmte, der Wein war gut. Während er sich selbst entspannte und hoffte, dass seine Köpersprache auf Gellert abfärbte, blickte er wieder zu ihm auf.
„Gellert, wir haben uns seit Jahren nicht gesehen. So viele Dinge haben sich verändert. Natürlich habe ich Fragen.“ Er schenkte ihm ein Lächeln. „Und ich bestreite ja auch nicht, dass ich in den letzten Jahren einige Fehler gemacht habe… und auch heute.“ Er holte tief Luft und ließ sie in einem Seufzen wieder entweichen, während sein Blick aus dem Fenster wanderte.
„Es ist nur…“ Albus lachte leise und schüttelte den Kopf, weil er es nicht fassen konnte, ehe er den Blick wieder hob und Gellert ansah. „… unerwartet, dass deine ersten Worte sind, dass du mich vermisst hast. Eulen wurden schon erfunden, weißt du?“
Beruhigt bemerkte er, dass sein Einlenken immerhin dazu geführt hatte, dass Gellerts aufgekochte Wut in sich zusammenfiel. Zwar beobachtete der Mann ihn prüfend, verschränkte dann aber die Arme vor der Brust und murrte: „Eulen werden abgefangen..."
Albus musste unwillkürlich schmunzeln. Es war seltsam, den großen Revolutionär, der im Moment die Welt in Atem hielt und die Massen spaltete, nun beinahe in jugendlicher Sturheit zu erleben. Es erinnerte Albus mehr an früher, als es sollte. Er fühlte, dass seine Brust sich wärmte.
Noch stärker, als Gellert ruhiger hinzufügte: „Darüber hinaus war ich nicht sicher, ob es überhaupt erwünscht wäre nach... allem."
Albus gluckste bei den Worten, die entspanntere Stimmung zwischen ihnen bewusst ausnutzend. Wenn er Gellert bespaßen sollte, würde er das tun. Diese Stimmung der beinahe dickköpfigen Aussprache schien dabei zu helfen, also fuhr er damit fort.
„Es wäre eine interessante Abwechslung gewesen, zu den langweiligen Schreiben, die ich sonst von den besorgten Eltern meiner Schüler erhalte.“ Er nahm noch ein Schluck des Weines und schaute versonnen in den Raum hinein.
„Also“, sagte er nach einer Weile. Sie schienen mittlerweile an einem Punkt angelangt zu sein, an dem Gellert sich vor ihm nicht mehr vollkommen verschloss. Das wollte Albus nutzen.
Er gab seiner Stimme einen lockeren, unbefangenen Klang und fragte beiläufig: „Nun, da du zwei unerwartete Gäste in deiner Festung beherbergst… Was gedenkst du mit ihnen zu tun?“
Zu seiner Überraschung schien Gellert darauf keine einfache Antwort zu haben.
Statt etwas zu sagen, bedachte er Albus mit einem nachdenklichen Blick.
„Was möchtest du?“, fragte er, unerwartet entgegenkommend, „Und bitte realistische Wünsche."
Albus stutzte. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Gellert so leicht in eine Bahn zu lenken wäre, die Albus zusagte. Er räusperte sich und nahm noch einen Schluck Wein, um etwas Zeit zum Nachdenken zu haben.
„Ist es ein realistischer Wunsch, Newts und meine Freiheit zu verlangen?“, fragte er, sich bewusst naiver gebend als er war.
Gellert zog bei diesen Worten eine Augenbraue nach oben und trat dichter an Albus heran, sodass er direkt vor ihm stand.
„Versuch's nochmal", antwortete er mit einem kleinen Schmunzeln.
Albus wurde ernst. „Das ist mein Wunsch“, insistierte er ruhig. „Was muss ich tun, damit du ihn mir erfüllst?“
Gellerts Lächeln verschwand. „Definiere Freiheit“, verlangte er.
Albus runzelte nachdenklich die Stirn. Plötzlich waren sie in ein Verhandlungsgespräch gekommen. Es hätte schlimmer laufen können. Dass Gellert zu einer Verhandlung bereit war, bedeutete immerhin, dass er Albus noch so viel Macht zusprach, ihn dahingehend als ebenbürtig zu akzeptieren – obwohl Albus faktisch im Moment nichts in der Hand hatte. Nicht einmal Magie in seinen Fingerspitzen. Und Gellert darüber hinaus seine größte Schwäche gefangen hielt.
Meinte Gellert etwa seine emotionalen Worte von vorhin tatsächlich ernst?
Welchen Grund könnte er sonst haben, nun so entgegenkommend zu sein? Albus hatte ihn in den letzten Jahren aus der Ferne beobachtet. Und solche Gnade passte nicht zu ihm.
Aber Albus würde sein Glück oder die Sonderstellung, die Gellert ihm gab, nicht hinterfragen.
„Keine Fesseln. Wir bekommen unsere Zauberstäbe zurück…“, begann Albus und setzte dann den unwahrscheinlichsten Punkt hinzu: „Und idealerweise lässt du uns gehen.“
Gellert schnaubte ungläubig.
„Und dann kehrst du mit Scamander nach Hogwarts zurück, machst weiter wie zuvor und ich habe was genau davon?", fragte er.
„Ein reines Gewissen?“, fragte Albus mit einem schiefen Lächeln. Als er bemerkte, dass sein Witz nicht sonderlich gut ankam, ließ er die Luft in einem Seufzen entweichen und schaute Gellert wieder in die Augen, um ihn zu ergründen.
„Daher meine Frage von vorhin“, sagte er, beinahe sanft, „Ich habe sie mehrmals gestellt und ich glaube, es würde uns helfen, wenn du sie mir beantwortest: Was willst du von mir? Was erwartest du? Welchen Nutzen hast du davon, uns nicht wieder gehen zu lassen?“
Das zu wissen, war immerhin unheimlich wichtig für Albus. Dass Gellert einen Wert in ihm sah, war nicht mehr zu leugnen. Aber in welche Richtungen sich dieser Wert erstreckte und wie Gellert ihn zusätzlich befähigen wollte, das interessierte Albus ungemein. Denn es bestimmte seine Zukunft… und wie er mit ihr verfahren wollte. Was Gellert in ihm sah, gab Albus Macht über ihn. Er wäre das Angebot für Gellerts Nachfrage. Er könnte ihn besser spielen als es im Moment möglich war, wo die Unterhaltung einem permanenten Drahtseilakt glich.
Womit er nicht gerechnet hatte, war, dass Gellert ihn entschlossen anschaute und in voller Überzeugung sagte: „Dich. Bevorzugt hier an meiner Seite, um dort weiter zu machen wo wir aufgehört haben."
Albus schluckte, während er zu Gellert hinaufstarrte. Das war so weit entfernt von seinem jetzigen Leben. So unrealistisch. Und so viel, dass es über Albus‘ kühnste Vorstellungen hinausging.
„Gellert“, sagte er ausweichend, konnte aber nicht verhindern, dass Gellerts direkte Worte ihn erröten ließen. Seine kalkulierende Seite aufrecht zu erhalten, fiel ihm schwerer, wenn Gellert solche Dinge sagte. Etwas in ihm reagierte emotional darauf und vereitelte seine eigenen Vorhaben.
„Es gibt eine Menge Dinge, die dagegen sprechen“, wandte Albus tapfer ein. Er nahm einen großen Schluck Wein. „Wir hatten eine Sommeraffäre. Die Zeit, die wir uns nicht gesehen haben, schlägt die, in der wir jeden Tag miteinander verbracht haben, um Längen. Wie kannst du dir so sicher sein, dass du mich überhaupt kennst?“
Seine Worte ließen Gellert nicht zweifeln. Im Gegenteil. Er schmunzelte und beugte sich zu Albus hinunter.
„Ich wäre keinen Blutpakt mit dir eingegangen, würden mich etwas mehr als zwanzig Jahre Trennung davon abbringen, dich an meiner Seite zu wollen", raunte er Albus zu.
Albus bemerkte, dass seine Wahl, sich aufs Sofa zu setzen, ihre Nachteile mit sich brachte: Er konnte nicht zurückweichen, als sich Gellert zu ihm herunterbeugte. Also versuchte er es nicht erst. Stattdessen bemühte er sich, weiterhin seine Vernunft sprechen zu lassen, obwohl die Worte einen Nerv in ihm trafen, der wohlig erzitterte.
„Ich bin mir nicht sicher, ob irgendetwas an meinem Auftreten vorhin missverständlich gewirkt hat“, setzte er vorsichtig an, „Aber für den Fall, dass es nicht klar sein sollte: Newton ist mein Liebhaber.“

Chapter Text

*
~ 3 Stunden später ~

 

Newt saß nervös auf dem Sofa ihres luxuriös eingerichteten Zimmers und blickte zum einhundertsten Mal, seit Albus vor drei Stunden gegangen war, auf die Uhr.
Kurz nachdem Albus von Wachen abgeholt worden war, die ihn zu Gellert bringen sollten, war ein Heiler gekommen, um sich um seine Verletzungen zu kümmern. Eher widerwillig hatte Newt die Behandlung über sich ergehen lassen, hatte die Wunde an seiner Lippe heilen und sich einen Stärkungstrank und einen Schmerztrank für die Nachwirkungen des Cruciatus geben lassen. Deutlich zu spät, wenn man bedachte, dass das alles heute Morgen passiert war und erst am Abend der Heiler gekommen war. Aber Newt sollte vermutlich sogar dankbar sein… Bei dem Gedanken lachte etwas in ihm giftig auf.
In der Zeit danach war er nervös durch das Zimmer gelaufen, hatte ein Dutzend Mal nach diversen Möglichkeiten gesucht, die ihnen vielleicht zur Flucht verhelfen würden - erfolglos. Doch je mehr Zeit vergangen war, umso mehr machte sich die Sorge um Albus‘ Wohlergehen breit.
Wieso war er solange weg? Abgesehen davon, dass Grindelwald nicht schien, als wäre er derjenige, der gerne lange, gemütliche Gespräche bei einer Tasse Tee führte, schienen er und Albus nicht gerade so, als würden sie sich lange ruhig unterhalten können, ohne sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Was ihn erneut auf seine Befürchtungen brachte: Ging es Albus gut? Wurde er vielleicht in der Zeit, die Newt hier saß, gefoltert? Oder war er vielleicht gar nicht mehr-
Newt schüttelte vehement den Kopf und zwang sich, diese grauenvollen Gedanken eilig von sich zu schieben. Nein, es würde ihm sicher gut gehen und sie würden bereits bald von hier verschwinden, unversehrt und gemeinsam...
Er atmete tief durch, krallte seine zitternden Hände in seine Knie und wartete.
Und wartete.
Als sich die Tür plötzlich öffnete, sprang Newt wie von dem Doxy gestochen auf. Sein Herz setzte einen Moment aus, ehe ihn die Erleichterung überrollte, als Albus den Raum betrat, scheinbar unversehrt.
„Albus", stieß Newt mit brüchiger Stimme aus und hastete zu ihm. Die Sorge sprach aus jeder Faser seines Körpers. Als er bei Albus ankam, zog er ihn in seine Arme und drückte ihn fest an sich. Er holte tief Luft und versuchte, sich zu sammeln, aber das Verlangen, zu erfahren, wie es Albus in den drei Stunden seit ihrer Trennung ergangen war, ließ ihn nicht.
Newt löste sich ein Stück und schaute zu Albus auf.
„Geht es dir gut?"
Albus schenkte ihm ein beruhigendes Lächeln, bei dem ein großer Teil von Newts Anspannung fühlbar von ihm abfiel.
„Mir geht es gut“, sagte Albus und schenkte Newt ein Lächeln. „Alles in Ordnung.“
Newt bemühte sich, ebenfalls zu lächeln. Es wollte ihm nicht ganz so gut gelingen. Die Angst saß ihm noch zu sehr in den Knochen.
Er wollte gerade etwas sagen, als sein Blick auf Albus‘ Hals fiel und sich seine Augen weiteten.
„Du bist verletzt!", sagte er mit leichter Panik in der Stimme und wollte seine Hand auf die Stelle legen. Doch Albus griff die Hand aus der Luft, bevor sie die Stelle berühren konnte.
„Mach dir darüber keine Sorgen, Darling“, sagte er mit einem sanften Lächeln und küsste die Hand, die er hielt.
Newt runzelte die Stirn. Wollte Albus es herunterspielen, wie übel man ihm zugesetzt hatte?
Bevor er ihn das fragen konnte, ließ Albus seine Hand los und wurde ernst.
„Viel wichtiger ist: Wie geht es dir?“, fragte er, „Gellert sagte, ein Heiler wäre bei dir gewesen? Ich hoffe sehr, dass er das ernst meinte.“
„Jetzt geht es mir gut", sagte Newt leise und schmiegte sich wieder näher an Albus. Er hatte sich solche Gräuel ausgemalt und war nun umso glücklicher, dass Albus wieder wohlbehalten bei ihm war. Beinahe ganz ohne einen Kratzer. Newt hatte mit weitaus schlimmerem gerechnet.
„Es war ein Heiler da“, berichtete er, „Er hat meine Lippe geheilt und mir einen Stärkungs- und Schmerztrank gegeben."
Albus gab ein zustimmendes Brummen von sich und strich ihm über den Rücken.
Sie schwiegen einen Moment. Aber Newt wollte wissen, was so lang gedauert hatte. Selbst, wenn Albus äußerlich nicht verletzt war… Was hatte er in all der Zeit erleiden müssen?
„Was ist passiert?“, fragte er, „Was wollte Grindelwald von dir? Hat er dich gefoltert? Für Informationen?“
Albus schwieg einen Moment. Dann hörte Newt, wie er tief Luft holte.
„Nein“, sagte Albus schließlich. „Newt, mein Herz, wir müssen reden.“

 

*
~ 3 Stunden zuvor ~

 

„Ich bin mir nicht sicher, ob irgendetwas an meinem Auftreten vorhin missverständlich gewirkt hat“, sagte Albus und schaute zu Gellert auf, „Aber für den Fall, dass es nicht klar sein sollte: Newton ist mein Liebhaber.“
Er fragte sich, was Gellert nun tun würde.
Sicher hatte er es bereits geahnt, aber es würde seinen Vorstellungen davon, Albus ‚zu besitzen‘, in die Quere kommen.
Wenn Gellert Newt also als Hindernis sah, würde Albus es jetzt bemerken – und hoffentlich etwas dagegen tun können, dass Newt dadurch noch weiter in Gefahr geriet.
Gellert reagierte nicht so, wie Albus es erwartet hatte.
Er zog lediglich eine Augenbraue hoch, fast als wolle er fragen 'Und weiter?'.
„Ich habe mit keinem Wort gesagt, dass du ihn aufgeben sollst, wenn ich mich recht erinnere“, sagte er ruhig.
Albus erwiderte die Mimik und hob ebenfalls eine Augenbraue.
„Ich spreche nicht davon, ihn aufzugeben“, sagte er langsam, „Ich versuche, dir klarzumachen, dass ich gebunden bin. Emotional. Geistig.“
Gellert ließ sich von seinen Argumenten nicht in die Knie zwingen. Er legte Albus eine Hand unters Kinn und sah ihm tief in die Augen.
„Sag mir, dass du rein gar nichts mehr für mich empfindest und mich nicht vermisst hast“, forderte er ihn mit samtiger Stimme auf, „Ohne mich anzulügen, Albus.“
Albus wich seinem Blick aus und schaute hinunter auf die Hand, die sein Kinn festhielt. Er fühlte, wie er einknickte. Die Berührung an seinem Gesicht machte etwas mit ihm. Löste eine weitere seiner inneren Blockaden, die Gellert hatten auf Abstand halten sollen.
Bilder von den letzten Jahren gingen Albus durch den Kopf. Die Tatsache, dass er niemals Hogwarts verlassen wollte, weil der Spiegel Nerhegeb, der dort stand, ihm zeigte, was er begehrte. Sein Schwur an sich selbst, sich von dort abzuwenden, weil es Ausmaße angenommen hatte, die nicht mehr feierlich gewesen waren. Er hatte Nächte gehabt, in denen er kein Auge zugetan hatte, weil er den Blick nicht von Gellert hatte abwenden können. Er konnte es nicht bestreiten. Als Travers mit seinem Team aus dem Zaubereiministerium gekommen war und ihm gesagt hatte, dass er gegen Gellert kämpfen sollte, hatte er nicht nur wegen des Schwurs abgelehnt. Seine Worte von damals „Ich kann nicht“, hatten sich auf sein Herz bezogen. Er konnte nicht gegen ihn kämpfen. Weil er ihn nach all den Jahren nicht hatte vergessen können.
Er liebte Newt tief und innig. Aber offensichtlich war sein Herz groß genug, um beides zustande zu bekommen, denn so schnell, wie es nun schlug, war es eindeutig. Er biss sich auf die Unterlippe und blickte mit einem ungewohnt unsicheren Augenaufschlag zu Gellert auf.
„Das kann ich nicht“, hauchte er.
Auf Gellerts Lippen erschien ein Lächeln und in seinen Augen erwachte ein besitzergreifender Ausdruck.
„Wir werden einander nie vergessen können, Albus", raunte er Albus dunkel zu. „Es bringt nichts, es weiter zu versuchen."
Dabei beugte er sich weiter hinunter, sodass ihre Lippen nur noch wenige Zentimeter voneinander trennten. Aber er berührte Albus nicht. Er blieb einfach dort. Als würde er warten.
Albus fühlte die Anziehung, die von Gellert ausging, nun stärker. Er fühlte, wie sehr in ihm der Wunsch entbrannte, ihm die letzten Zentimeter entgegen zu kommen, um ihn zu küssen. Der Wunsch rang mit seinem schlechten Gewissen gegenüber Newt. Er hatte nie mit ihm über mehr als eine monogame Beziehung gesprochen, weil es nie zur Debatte gestanden hatte.
Andererseits war Gellert so nah. Und so verführerisch. Und nach den Jahren des Wartens und des Hoffens auf das Unmögliche gab es nun endlich eine Wendung in eine ersehnte Richtung. Jetzt, da er es bereits abgeschrieben hatte. Er fragte sich, wie ihre Zukunft aussehen mochte. Sie waren mit einem Auftrag hierhergekommen. Dieses Schloss nie wieder verlassen zu dürfen – oder nur in Gellerts Begleitung – war etwas, das er sich nie vorstellen konnte. Noch dazu Gellerts grobe Methoden, seine Revolution durchzudrücken. Aber hatte er nicht vorhin gesagt, dass er Albus zuliebe einiges ändern würde? Was, wenn es ihm gelang, Gellert in eine Richtung zu überreden, die der Welt guttat und sie nicht so sehr verletzte, wie seine Aktionen es im Moment taten? Es klang so vielversprechend… Und die Anziehung, die von Gellert ausging, wurde mit jedem positiven Gedanken stärker. Albus fühlte das Kribbeln in seinem Unterleib und seine Finger zuckten ungeduldig an seinem Weinglas. Es war so lange her gewesen, ihr letzter Kuss.
Gellerts Atem streifte seine Lippen. Sein Geruch war betörend.
Albus entwich ein sehnsüchtiges Seufzen, das so leise war, dass man es kaum hören konnte.
Er überwand die letzte Distanz, weil er wusste, dass es das Richtige war, und verschloss ihre Lippen in einem Kuss, der zögernd begann und dann schnell hungrig wurde, als sich sein Körper an den Geschmack erinnerte und er spürte, wie sehr er das vermisst hatte.
Gellerts Hand wanderte in seinen Nacken und zog ihn näher. Er erwiderte den Kuss ebenso begierig, als wären seine Worte davon, dass er Albus wollte, tatsächlich wahr.
Albus fühlte, wie der Gedanke sein Herz höherschlagen ließ.
Mittlerweile rang er nach Atem, doch er wollte den Kuss nicht unterbrechen, aus Angst, dass es den Zauber brechen würde, der sie zu umgeben schien. Als Gellert ihm das Weinglas abnahm und sich neben ihm abstützte und Albus von ihm umgeben war, spürte er seine Aufregung wachsen. Sein Körper reagierte bereits verlangend. Er erinnerte sich zu gut an Gellert, obwohl es bereits so lange her war. Sehnsüchtig fuhr er fort, Gellert zu küssen.
Als er fühlte, wie Gellert ein Knie zwischen seine Beine schob und es gegen Albus‘ Schritt presste, seufzte er auf. Er zerfloss förmlich bei Gellerts Küssen, seiner Nähe, seiner Berührung. Es war so schrecklich lang her gewesen, dass ihm nun jedes kleine Detail wie ein Wunder vorkam.
Während Gellert weiterhin Albus‘ Mund mit seiner Zunge plünderte, wanderte seine Hand von Albus‘ Nacken nach vorn und legte sich um seine Kehle. Sein Griff war sicher und fest. Er löste seine Lippen von Albus, verharrte allerdings dicht an dessen Lippen.
„Sag mir, dass du mich vermisst hast“, forderte er mit dunkler Stimme, während er sein Knie gegen Albus Schritt rieb.
Albus keuchte auf und seine Wangen nahmen ein dunkleres Rot an. Er horchte in sich hinein. Hörte auf das nicht enden wollende Sehnen seines Herzens.
„Ich... habe dich vermisst“, sagte er wahrheitsgemäß. Es war nicht die Hand an seinem Hals, die ihn nicht zu Atem kommen ließ. Viel mehr der Schauer der wohligen Erregung, der ihm den Rücken hinabrann, und ihre stürmischen Küsse.
Gellert schmunzelte. Er hauchte ihm noch einen Kuss auf die Lippen, ehe er seinen Kiefer entlang küsste.
„Wie oft hast du dir das vorgestellt? Wieder unter mir zu liegen und dich mir hinzugeben, bis du ein stöhnendes Wrack bist?", raunte Gellert nah an seinem Ohr.
Albus lief ein wohliger Schauer über den Rücken. Er lachte leise. Rau und bitter.
„So oft, dass man sich schämen sollte“, gab er zu und fühlte, dass die Hand an seinem Hals ihn bereits benommen machte, als hätte er zu viel Wein getrunken. Dunkel erinnerte er sich daran, dass er auch das vermisst hatte. Dass Gellerts Hand ihm ein wenig den Atem nahm, hatte er immer geliebt.
Er schloss die Augen und gab sich dem Gefühl hin, während er Gellerts Lippen an seinem Kiefer genoss. Jetzt, da er sich bereitwillig von seinen verborgenen Sehnsüchten leiten ließ, war ein Feuer in ihm entfacht, das sich nur schwer aufhalten ließ. Es erinnerte ihn an seine explodierenden Gefühle für Newt vor einigen Monaten. Er sollte dringender anfangen, ehrlicher mit sich zu sein, damit er nicht jedes Mal von seinen Gefühlen überrascht wurde.
Gellert lachte leise. Er küsste tiefer hinab zu Albus Hals und leckte dort über die Haut, wo sie nicht von seiner Hand bedeckt wurde.
„Ich bin ganz Ohr“, brummte er, ehe er sich an Albus‘ Hals festsaugte.
Albus schluckte und versuchte, sich zu konzentrieren, trotz seines leicht benebelten Zustandes und dem Überschuss an Hormonen, der sein Gehirn flutete.
„Da… gibt es nicht viel… zu erzählen“, keuchte er, „Irgendwann … ähneln sich die Vorstellungen… wenn man nichts Neues erlebt.“
Am Rande bemerkte er, wie sich seine Krawatte löste und die oberen Knöpfe seines Kragens aufsprangen.
Gellerts Hand wurde ein wenig weicher, als wollte er Albus wieder ein wenig Sauerstoff zugestehen.
„Und ich dachte, ich hätte dir in dem Monat mehr als genügend Erinnerungen verschafft", knurrte er. Dann fühlte Albus einen scharfen Schmerz an seinem Hals und gab einen überraschten Schmerzenslaut von sich. Gellert hatte ihm in den Hals gebissen, als wollte er ihn kennzeichnen.
Die Wärme, die von dem Biss ausging, wanderte durch Albus‘ Körper und steigerte seine innere Hitze noch zusätzlich.
Gellert schob ihn zur Seite und dirigierte ihn herum, bis er auf dem Rücken lag.
Ein wenig unsicher, weil er sich lange nicht mehr in einer so angreifbaren Position gewähnt hatte, schaute Albus zu Gellert auf, der sich zwischen seine Beine gekauert hatte.
Doch als Gellert sich hinunterbeugte und ihn erneut verlangend küsste, sanken Albus‘ Augenlider zu einem Schlafzimmerblick herab.
„Zeit, deine Erinnerungen etwas aufzufrischen und zu erweitern", hörte er Gellert raunen. Er packte Albus‘ Hüften mit beiden Händen und zog ihn eng an sich, sodass ihr Schritt gegeneinander rieb.
Albus stöhnte auf. Er krallte sich in den Stoff an Gellerts Brust, um Halt zu finden, in dem Wirbel an Eindrücken, der über ihm hereinbrach. Gellert hörte nicht auf, sein Becken in langsamen, kreisenden Bewegungen gegen ihn zu reiben. Albus fühlte deutlich, dass er nicht der einzige war, den es erregte.
Dann wanderte Gellerts Hand zwischen ihnen Albus‘ Brust hinab, woraufhin sich die Knöpfe von Weste und Hemd nacheinander öffneten.
Albus gab ein sehnsüchtiges Seufzen von sich, als Gellerts Hände über seine nackte Haut strichen. Er unternahm den Versuch, Gellert ebenfalls zu entkleiden, öffnete einen Knopf seines Hemdes um den anderen und arbeitete sich immer weiter hinunter. Ohne Magie, die ihm sonst behilflich war, dauerte es frustrierend lange.
Seine Bemühungen brachten Gellert zum Schmunzeln.
Als er Albus leicht in die Brustwarze kniff, seufzte Albus auf. Dann spürte er die zweite Hand in seinem Schritt, wo sie ihn fest packte und ihm ein überraschtes Keuchen entlockte.
Gellert begann, ihn fordernd zu massieren.
Es fühlte sich zu gut an, als dass Albus nicht darauf reagieren könnte. Er bog den Rücken durch und legte den Kopf in den Nacken, während seine Hände an Gellerts Hemd zu beben begannen und er sich nicht mehr darauf konzentrieren konnte, ihn weiter auszuziehen. Er versuchte, sich zusammen zu nehmen und Gellert zu entkleiden, doch es wollte ihm nicht gelingen. Die Art, wie Gellert ihn reizte, war zu gut. Es war so einfach, sich dem zu ergeben.
Er fühlte Gellerts Blick auf sich, aber es war ihm gleich. Was er mit ihm tat, war zu berauschend, als dass er sich unangenehm fühlen konnte, dabei mit Argusaugen beobachtet zu werden.
Seine ehrliche Reaktion schien Gellert zu bestärken. Mit einem leisen Lachen reizte er ihn weiter, in Albus‘ Schritt und an seinen Brustwarzen, und Albus fühlte sich bald wieder so berauscht wie vorhin, als die Hand ihm die Luft abgeschnürt hatte.
Doch schließlich zog er seine Hand zurück.
Sehr zu Albus‘ Leidenswesen. Er hatte gerade angefangen, die wunderbare Behandlung zu genießen.
Als hätte Gellert seine Gedanken gelesen, sagte er schmunzelnd: „Wir wollen doch nicht, dass es endet, bevor es überhaupt richtig angefangen hat."
Er schob Albus‘ Beine aus der angewinkelten Position hinunter in eine liegende, stieg auf ihm höher und kniete schließlich auf Albus‘ Brust, sein Schritt nicht weit entfernt von dessen Gesicht.
„Abgesehen davon bin ich sicher, dass du nicht vorhast, mich die ganze Arbeit allein machen zu lassen, richtig?", hakte er mit einem verruchten Lächeln nach.
Albus schmunzelte.
Während seine Hände zu Gellerts Hosenbund wanderten, sagte er: „Ich fing gerade an, mich daran zu gewöhnen.“ Seine Stimme klang ganz rau.
Er war nicht abgeneigt. Im Gegenteil. Schließlich war es in seinem Interesse, Gellert ebenso wahnsinnig zu machen. Er befreite Gellerts erhärtetes Glied aus der engen Hose und war neidisch. Seine eigene Hose fühlte sich mittlerweile Dank Gellerts Aufmerksamkeit auch mehr als eng an. Einen Moment leckte er sich über die Lippen, dann lagen sie bereits an Gellerts Glied und er saugte an ihm.
Gellert stöhnte unterdrückt auf.
Es ließ Albus wohlig erzittern, daran zu bemerken, dass es Gellert nicht kalt ließ, was er tat. Er öffnete den Mund weiter, entspannte seinen Kiefer und begann damit, Gellert tiefer in sich aufzunehmen. Seine Hände legten sich auf die Oberschenkel des Mannes, während er die Zunge spielen ließ und den Kopf, so gut es in der Position ging, vor und zurück bewegte.
Als er den Blick hob, um Gellert dabei anzusehen, knurrte Gellert ein atemloses „Fuck“. Seine Hüfte schnellte nach vorn.
Albus gab ein zufriedenes Brummen von sich. Als Gellert begann, seine Hüfte gegen ihn zu bewegen, kam er ihm bereitwillig entgegen. Seine Hände krallten sich in Gellerts Oberschenkel und sein Schritt wurde immer enger, angeheizt von Gellerts Reaktion. Er wand sich ungeduldig unter ihm, während sich sein Mund auf den Blow Job konzentrierte.
Er war so darauf fixiert, dass er nicht bemerkte, dass die Handschuhe aus seiner Westentasche schwebten. Als seine Hose dann geöffnet wurde und sich das unverkennbare Gefühl des Leders gegen seine Haut schmiegte, keuchte er auf, bevor ihm ein Stöhnen entwich. Er musste zugeben, auf die Idee war er selbst bisher noch nicht gekommen. Dass Gellert ihm offensichtlich doch so gut kannte und seine Zauber für (oder gegen) ihn nutzte, erregte ihn. Sein Stöhnen wurde von dem Schwanz in seinem Mund erstickt. Er fuhr damit fort, ihn tief in sich aufzunehmen, doch der neue Reiz ließ ihm erschaudern und beben und er brachte es nicht mehr so gut zustande, wie am Anfang.
Eine Hand langte in sein Haar und ließ seine Kopfhaut wohlig kribbeln. Albus hob den Blick und bemerkte, dass Gellert ihn eindringlich ansah, ehe er begann, das Tempo vorzugeben – offensichtlich erkennend, dass Albus das nun, da er ebenfalls gereizt wurde, eher schlecht als recht auf die Reihe bekam.
In fordernden, langsamen, intensiven Stößen drängte sich Gellert in Albus‘ Rachen hinein.
Bereitwillig ließ Albus von dem Versuch, den Blow Job selbst zu kontrollieren, ab und überließ Gellert die Führung.
Nicht viele Menschen wussten, dass Albus es durchaus genießen konnte, sich beim Sex mit Gesten wie dieser dominieren zu lassen. Genau genommen vermutlich nur Gellert. Nach ihrer Liebschaft vor vielen Jahren hatte er sich einfach nicht mehr so sehr bei jemanden fallen lassen und Newt stand auf einem anderen Blatt.
Der Handschuh an seinem Glied tat sein Übriges, um Albus noch einen zusätzlichen Kick zu geben. Er fühlte, wie der Rausch der Erregung ihm jegliche Vernunft und seine klaren Gedanken raubte.
Am Rande bemerkte er, dass Gellert zufrieden lächelte.
„So ist es gut“, raunte er lobend und stieß tief in Albus Kehle, wo er einen Moment verharrte. Albus versuchte, wenigstens bestätigend zu stöhnen, doch der Schwanz in seiner Kehle hinderte ihn daran.
Als der Handschuh langsamer wurde, raubte er ihm den Verstand. Der Rausch durch den kurzen Sauerstoff-Verlust tat sein Übriges. Er fühlte, wie die Gedanken in ihm, die für Vorsicht und eigenständiges Handeln zuständig waren, vollkommen losließen. Er wurde weich, die Hände nun haltsuchend in Gellerts Oberschenkel gekrallt und seine Augen vor Lust und Überwältigung verleiert, und fühlte in seiner Brust, dass ihm ein bittendes Wimmern entweichen wollte.
Gellert zog sich halb aus ihm heraus, ließ ihm damit die Möglichkeit, tief Luft zu holen – was Albus begierig nutzte – und stieß dann erneut tief in ihn.
„Fuck... Dein Mund ist einfach gemacht für meinen Schwanz, Liebling“, stöhnte er und stimmte dann einen schnelleren, intensiven Rhythmus an.
Albus' Finger zitterten an Gellerts Beinen und Wellen der Schauer durchwanderten ihn, während er versuchte, sich auf den Rhythmus einzustellen. Er war es nicht mehr gewohnt, nicht wenigstens ein bisschen Kontrolle zu haben und musste sich konzentrieren, Luft zu holen, wenn er die Möglichkeit dazu hatte. Seine Augen füllten sich mit Tränen, die ihm seitlich das Gesicht hinunter liefen, weil die permanenten Stöße seine Kehle reizten. Er stieß belastungstechnisch an seine Grenze, aber er gab sein bestes, es durchzuhalten.
Als er bereits fühlte, wie steinhart Gellerts Schwanz wurde und ahnte, dass es nicht mehr lang dauern konnte, bis sein Sperma heiß Albus‘ Rachen benetzen würde, zog sich Gellert unerwartet aus ihm zurück.
Nach Luft ringend schaute Albus zu ihm auf und bemerkte, dass Gellert ebenso flach atmend seinen Blick erwiderte. Fiebrig und erhitzt, wie er sich selbst sich fühlte. Albus atmete zittrig ein und versuchte, gegen die Benommenheit anzukämpfen, die ihn gefangen hielt.
Dann schob sich Gellert von Albus‘ Brust hinunter und positionierte sich abermals zwischen seinen Beinen. Er beugte sich hinunter und küsste Albus verlangend.
Albus erwiderte die Küsse atemlos, aber genießend. Das sehnsüchtige Ziehen in seiner Brust war unverändert da. Als er fühlte, dass Gellerts Finger den Handschuh ablösten, stöhnte er in den Kuss. Sie massierten ihn mindestens genauso talentiert. Er legte die Hände in Gellerts Nacken, um ihn noch mehr zu sich zu ziehen, während sie sich küssten.
Eine Weile ließ Gellert es zu, dann löste er sich von ihm und schob sich tiefer, bis sein Gesicht mit Albus‘ steifem Glied auf einer Höhe war.
So sehr Albus es auch genoss, wie viel Aufmerksamkeit Gellert ihm zukommen ließ, so nervös wurde er auch. Er ahnte, wohin das hier führen würde und unabhängig von seiner deutlichen Erregung und den eindeutigen Signalen, die sein Körper aussandte, wusste er nicht, ob er bereit dafür war.
Er schloss die Augen und legte den Kopf in den Nacken, während Gellert langsam seinen Schaft entlang leckte und dann die Zunge über die Spitze kreisen ließ. Obwohl die Nervosität im Hintergrund brodelte, könnte er sich nicht darauf konzentrieren. Zu gut war das Gefühl und er bereits zu weit fortgeschritten in seiner Lust.
Dann nahm Gellert ihn ganz in den Mund und begann, an ihm zu sagen.
Albus' Hände fuhren hinunter. Nicht, weil er Gellert hindern wollte. Er krallte sich in sein Haar, unentschlossen, ob er daran ziehen oder Gellert weiter hinunter drücken sollte. Dass Gellert ihn mit einem Zauber von jeglicher Kleidung befreite und dann mit dem Mund tieferwanderte, ließ Albus nervös die Luft einziehen, aber seine Aufregung war auch einer gewissen Vorfreude geschuldet.
Gellert ließ ihm keine Zeit, nachzudenken. Er leckte Albus‘ Hoden entlang hinab, bis seine Zungenspitze auf den kleinen, straffen Muskelring traf. Dann spreizte er die Pobacken und leckte eindeutiger über Albus‘ Eingang.
Albus zuckte zusammen. Er war es nicht mehr gewohnt, dort berührt zu werden. Aber sein Körper erinnerte sich schnell. Ein wohliges Kribbeln, das ihm durch den Unterleib wanderte, war Beweis genug.
Albus entwich ein Stöhnen und sein Griff in Gellerts Haar wurde fester. Mit jeder Sekunde, die verging, genoss er Gellerts Können mehr. Die Zunge machte Albus trunken vor Lust und ihre feuchte Hitze ließ den Muskelring, über den sie kreiste, aufgeregt zucken. Albus fühlte, wie sein Verlangen wuchs. Bis gerade eben war er entweder zufrieden oder überfordert gewesen mit dem, was Gellert tat, doch nun wurde er ungeduldig. Sie steuerten auf etwas hin und er hatte entschieden, dass er dem zu sehr entgegen fieberte, um nervös zu sein. Mit einem weiteren Stöhnen drückte er Gellert sein Becken fordernd entgegen und zog ihn näher.
Gellerts Hände fuhren unter seine Oberschenkel, packten sie und hoben sie etwas an. Er ließ seine Zunge weiter um den zuckenden Muskelring kreisen, presste seine Spitze ein paarmal neckend mit Druck dagegen, drang aber nicht in Albus ein. Dabei begann Albus gerade, auf den Geschmack zu kommen.
„Bei Merlin, Gellert“, keuchte Albus und seine Finger bebten immer stärker mit jedem provozierenden Stupsen der Zunge gegen seinen Eingang. Er stöhnte und bog den Rücken durch, in einem offensichtlichen Versuch, sich dem anderen noch mehr anzubieten. Sehnsüchtig wand er sich unter Gellert. Die Hände rutschten fahrig aus seinen Haaren.
„Fick mich“, hauchte Albus atemlos und vollkommen fertig mit den Nerven, weil die Eindrücke derart seine Sinne fluteten. In seinem Kopf war nur noch Platz für diesen einen Wunsch. „Bitte.“
Gellert lachte leise.
„So gerne ich deinem Wunsch nachkommen würde, und glaub mir, das will ich wirklich...", begann er und befeuchtete seine Finger magisch ehe er mit einem Finger ohne Umschweife tief in Albus eindrang, woraufhin dieser scharf die Luft einzog und ein Beben seinen Körper durchlief.
"... fürchte ich, du bist etwas aus der Übung, als dass ich dich direkt ficken könnte, Liebling."
Albus versuchte, sich an das Gefühl in sich zu gewöhnen, doch ihm blieb keine Zeit, weil Gellert direkt seine Prostata fand und entschieden dagegen stieß. Haltsuchend krallte Albus sich ins Sofapolster neben sich und stöhnte. Es fühlte sich jetzt schon so verboten gut an, dass er es hasste, auf mehr warten zu müssen. Er biss sich auf die Unterlippe, zerrissen vor Sehnsucht, die mehr verlangte und der Überwältigung über den Finger – Gellerts Finger! – der in ihm war und genau wusste, wo er hinmusste.
„Verdammt“, keuchte er. So langsam wurde es wirklich schwierig, ruhig und gleichmäßig zu atmen.
Am Rande bemerkte er, dass Gellert die Innenseite seiner Oberschenkel küsste, während er in sanften kleinen Kreisen über Albus‘ Prostata rieb.
„Sshh, du bekommst mehr, Liebling, gedulde dich noch etwas", raunte er ihm halb neckend, halb liebevoll zu, ehe er einen zweiten Finger durch den engen Muskelring schob.
Albus entwich schneller ein Wimmern als er es bemerken konnte. Es klang selbst in seinen Ohren ungewohnt flehend. Er war bereits zu weit abgedriftet, um es noch eindämmen zu können, weil er zu sehr damit beschäftigt war, sich gierig den Fingern entgegen zu drücken und zu hoffen, dass sie bald ersetzt werden würden. Dass Gellert ihn bereits zum dritten Mal an diesem Abend ‚Liebling‘ nannte, führte nicht gerade dazu, dass er sich zusammenreißen konnte. Solche Worte triggerten im Moment sein Lustzentrum zusätzlich.
Gellerts Finger hielten ihn noch einen weiteren Moment hin. Dann schien auch er die Geduld zu verlieren. Er zog seine Finger aus Albus zurück, ehe er wieder zu ihm hinauf kam. Mit einem sicheren Griff packte er Albus‘ Beine und legte sie sich über seine Schultern.
„Sei so gut und spreiz deinen Hintern für mich, Liebling", raunte er ihm zu.
Albus nutzte den Moment, in dem Gellerts Reizungen kurz aufhörten, um zu Atem zu kommen. Mit einem fiebrigen Glanz in den Augen schaute er zu Gellert auf, während er folgsam seine Hände an seinen Hintern legte und ihn wie gewünscht auseinanderzog. Er war so kurz davor, das zu bekommen, wonach er sich verzehrte und zugleich so unsicher, weil er fürchtete, Gellert würde in letzter Sekunde einen Rückzieher machen. Er bemerkte, dass er es wirklich nicht mehr gewohnt war, vollkommen die Kontrolle abzugeben. Es machte ihn sonderbar verwundbar und angreifbar für Sorgen, die er sonst nicht hatte.
Gellert ließ ihn nicht länger warten. Er positionierte sich und presste dann die Spitze seines Glieds, das er zuvor mit einem Zauber befeuchtet hatte, gegen Albus‘ Eingang.
Es war weitaus größer als zwei seiner Finger.
Albus‘ Atem ging keuchend. Er fühlte, wie Gellerts Schwanz immerhin ein paar Zentimeter in ihn eindrang und spürte, wie es seinen Muskelring dehnte. Es ließ ihn aufstöhnen und den Kopf in den Nacken legen. Er versuchte, sich darauf zu konzentrieren, sich zu entspannen, doch er wollte keinen Gedanken auf sich selbst verwenden. Stattdessen holte er tief Luft, streckte eine Hand nach Gellert aus und legte sie auf seine Brust, wo er das Herz ungewöhnlich stark schlagen fühlte. Zu spüren, dass es Gellert ebenso wenig kalt ließ wie ihn selbst, flutete sein Herz mit weiteren Gefühlen. Albus war atemlos, seine Nerven waren wund und lagen blank und alles, was er sich ersehnte, war nur wenige Zentimeter von ihm entfernt.
„Bitte“, keuchte er, „Gellert.“
Sein Flehen schien Gellert zu erweichen.
Er hatte den Namen noch nicht zu Ende gekeucht, da drängte sich Gellert mit einem harten Stoß bis zur Hälfte tiefer in ihn.
Albus schrie überwältigt auf.
„M-Merlin“, stöhnte er, die Hand noch immer krampfhaft an Gellerts Brust gepresst und halb hinein gekrallt. Er atmete flach, der Schweiß trat ihm auf die Haut und das Beben, das seinen Körper erfasst hatte, verstärkte sich.
Gellert griff nach der Hand. Er führte sie zu seinen Lippen und hauchte einen Kuss in Albus Handfläche, ehe er sich zu ihm hinunter beugte.
„Du machst das wunderbar, Liebling", flüsterte er gegen seine Lippen, ehe er sie mit einem hungrigen Kuss verschloss. Gleichzeitig begann er, seine Hüften zu bewegen, zog sich langsam ein Stück aus ihm heraus, um dann genau so langsam wieder in ihn einzudringen, wobei er sich jedes Mal ein Stück tiefer in die feuchte Enge trieb.
Albus gab ein genießendes Brummen von sich. Er stieg gierig auf das Spiel ihrer Lippen und Zungen ein. Sein Stöhnen und Seufzen untermalte ihre Küsse und als sie sich voneinander trennten, raffte er sich zu einem Lächeln auf, was aufgrund seines ekstatischen Gesichtsausdrucks gar nicht so leicht war.
„Du ebenso“, antwortete er atemlos. Albus war so ausgefüllt von ihm und zugleich noch so gierig nach mehr. Er wusste, dass Gellert noch nicht vollkommen in ihm war. Er konnte fühlen, wie sich der Mann zurückhielt und allein die Tatsache, dass er es tat, ließ Albus‘ Herz schmelzen. Doch Rücksicht war nicht das, was er wollte.
„Komm schon“, keuchte er ihm ins Ohr, ungeduldig und in der Vorfreude auf etwas mehr Geschwindigkeit, mehr Kraft, mehr Intensität und Aufschreien. „Nimm mich endlich richtig.“
Er hörte Gellert leise und rau lachen.
„Gieriges Stück", knurrte er, ehe er in dessen Ohrläppchen biss.
Dass es ein schmaler Grad war, auf dem er wandelte, wenn er Gellert herausforderte, war Albus bewusst. Bis zu einem gewissen Punkt ließ sich Gellert über Herausforderungen gut manipulieren – beziehungsweise überreden. Doch Albus hatte keine Gelegenheit, seinen Triumph in Worten auszuschmücken oder auf den Kommentar Gellerts etwas zu erwidern. Obwohl ihm die Bezeichnung, mit der der Andere ihn bedachte, wie ein Kosename vorkam und seine Erregung steigerte, konnte er doch nur überrascht aufschreien, als Gellert sich derart schnell seinen Wünschen fügte. Er zog sich fast komplett aus ihm zurück und trieb sich dann mit einem festen Stoß tief in Albus. Dann begann er, in einem harten schnellen Rhythmus in ihn zu stoßen.
Albus krallte die Hände in Gellerts Schultern, zerkratzte ihm die Haut und stöhnte laut auf mit jedem weiteren Stoß, mit dem sich Gellert in ihm versenkte. Als er dann gezielt die Prostata traf, wieder und wieder, bereute Albus seine Forderungen beinahe. Er hatte vergessen, wie schwach es ihn machte, auf diese Weise gevögelt zu werden. Es raubte ihm den Verstand, den Atem und jegliche Kontrolle über seinen Körper. Er hörte sein eigenes Stöhnen und Wimmern wie von weit her, fühlte nur die Stöße, die seine Nervenenden so perfekt trafen, dass sie Feuerwerke in seinem Hirn auslösten und spürte, wie er mehr und mehr abdriftete.
„Gellert“, keuchte er und er konnte nicht mitzählen, wie oft er den Namen rief, „Hahh, Gel-lert.“
Dass Gellert immer wieder gezielt seine Prostata traf, steigerte seine sexuelle Anspannung. Er fühlte, wie es ihn weitertrieb. Gellert war einfach verboten talentiert in dem was er tat. Es reizte ihn in einer solchen Geschwindigkeit, dass er nicht anders konnte, als dem nahenden Orgasmus entgegen zu fiebern. Und er würde so unheimlich gut werden!
Als er dann den kühlen Zauber fühlte, der sich um sein Glied legte, stöhnte Albus frustriert auf. Ein Orgasmus-Block-Zauber. Gellert wollte ihn hinhalten. Doch Albus bekam nicht ausreichend Luft, dagegen zu protestieren, denn Gellert fuhr fort, ihm das Hirn raus zu vögeln.
„Ge-llert“, keuchte Albus und krallte sich stärker an Gellert fest, „Das ist… hah… nicht sonder-… -lich fair.“
Er hörte Gellert atemlos lachen.
Unverändert erbarmungslos trieb er sich in Albus hinein.
„Da hast du recht, Liebling", raunte er ihm mit einem süffisanten Grinsen zu, beugte sich hinunter und stahl Albus einen Kuss.
Albus hob den Kopf, legte die Hände in Gellerts Nacken und zog ihn zu sich herunter, als er sich nach dem Kuss bereits wieder entfernen wollte. Er begann einen neuen Kuss, in dem er ebenso atemlos stöhnte wie bei dem letzten und biss dann in Gellerts Unterlippe – stärker als geplant, weil der andere ihn in diesem Moment erneut empfindlich traf.
„F-fuck“, fluchte er abgehackt und sein Kopf fiel zurück aufs Sofa. Er stöhnte und biss sich auf den unteren Mittelfingerknochen, als würde der feine Schmerz in der Hand irgendetwas ändern. Es war zu viel. Er spürte es deutlich, wie es ihn an seine emotionalen Grenzen brachte. Zugleich aber löste es jedes Mal ein süßes, beinahe schmerzhaftes Ziehen aus, das sich in kleinen Stromstößen entlud, die ihm durch den Unterleib wanderten. Obwohl alles in ihm um den erlösenden Orgasmus schrie, der die weiter steigende sexuelle Anspannung endlich beenden würde, konnte er sich noch nicht dazu durchringen, darum zu bitten. Ein Teil von ihm genoss die Überreizung und das Gefühl der durchbrennenden Synapsen in seinem Gehirn. Die Benommenheit, das atemlose Stöhnen, das Flimmern vor den Augen und das Feuerwerk in seinem Hirn. Es war zu viel, es schien ihn von innen heraus zu verbrennen, aber auf eine derart verführerische, einnehmende Art, dass Albus nicht mehr klar entscheiden konnte, dass es genug war. Tränen liefen ihm in Strömen aus den Augen, ohne dass er sie bemerkte. Seine Stimme klang rau und kratzig und brach, während er stöhnte. Er fühlte seine Prostata wund werden und dort, wo Gellert die Finger in seine Hüfte grub, vermutete er bald blaue Flecke. Aber er konnte noch nicht um ein Ende bitten. Er wollte nicht, dass es vorbei war. Es sollte ewig andauern. Er wollte darin verbrennen, in Flammen aufgehen und mit Gellert gemeinsam aus der Asche auferstehen.
Dann, mitten in seinem überreizten Rausch, legte sich Gellerts Hand um seine Kehle und drückte leicht zu. Die Hand war das, was Albus noch gebraucht hatte, um sich endlich für eine Seite zu entscheiden. Er stöhnte und bemerkte, dass er nicht mehr konnte. Er hatte keine Kraft mehr. Und obwohl dieses gierige Etwas in ihm sich gegen die Hand drücken wollte, um den Druck zu intensivieren, widerstand er.
„Gell-ert“, keuchte er abgehackt und ein Wimmern folgte seinen Worten, „Bitte… hah… ich kann…ich“ Als Gellert ihn erneut traf, stöhnte er beinahe gequält auf und ein weiteres Wimmern entwich ihm.
„Ich kann … nicht mehr“, sagte er und blinzelte durch die Tränen hindurch, die ihm unentwegt aus den Augen liefen, während er versuchte, dem nächsten Stoß gegen seine Prostata Stand zu halten. Es war nicht so einfach, denn er sah die Sterne vor seinen Augen tanzen.
„Erlöse mich … Gellert", keuchte er atemlos und am Ende seiner Kräfte, "Bit-te.“
Und dieses Mal schien Gellert Erbarmen mit ihm zu haben.
Albus fühlte, wie der Zauber, der bewirkte, dass sich sein Druck nur weiter aufbaute, ohne sich lösen zu können, verschwand. Es war ihm, als könnte er mit einem Mal freier atmen (was eine Illusion war, wenn man die Hand an seinem Hals bedachte) und die Tatsache, dass Gellert ihn nicht länger als nötig gequält hatte, führte dazu, dass ihm berührt weitere Tränen übers Gesicht liefen. Willig ergab er sich in den klammernden Griff an seinem Hals, legte seine Hände an Gellerts Unterarm und genoss die festen Stöße, die nun nicht mehr quälend und überreizend wirkten, sondern ihn endlich, endlich über die Klippe trieben. Kein Orgasmus hatte sich je so süß angefühlt wie dieser, als er fühlte, wie jegliche aufgebaute Anspannung ihn mit einem Mal verließ, in einem großen, unkontrollierten Beben und Zittern. Sein Bewusstsein schwebte, halb im Rausch durch die Hormone und den Sauerstoffmangel. Und obwohl das Band, das seinen Orgasmus unter Gellerts Kontrolle hielt, nun verschwunden war, fühlte Albus, dass ein anderes Band sich um sein Herz legte und daran zog. Die Verbindung, von der er sich so lang eingeredet hatte, dass sie nie existiert hatte, war auf einen Schlag wieder vollkommen hergestellt und obwohl sie noch immer zwei Menschen waren, fühlte er sich mit Gellert in diesem Moment so sehr als eins, dass sein Herz erbebte. Ein Schluchzen entwich ihm, während ihm weitere Tränen über die Wangen liefen, als hätte dieses Erlebnis jegliche Mauern eingerissen, die er sich über die letzten Jahre so mühsam aufgebaut hatte. Und dahinter konnte er Gellert sehen, der auf der anderen Seite stand, als hätte er auf ihn gewartet.
Gellert, der ebenfalls heftig erbebte, ließ seinen Hals los und sackte auf ihm zusammen. Mit zitternden Armen stützte er sich zu Albus‘ Seiten ab.
Er warf Albus einen prüfenden Blick zu. Dann küsste er ihn sanft.
„Sshh, Liebling“, flüsterte er mit heiserer Stimme.
Albus nickte und versuchte, seinen Tränen Einhalt zu gebieten, während er den Kuss sehnsüchtig erwiderte. Er schlang die Arme um den Hals des anderen und zog ihn eng an sich, während er versuchte, seinen inneren Tumult ein wenig zu ordnen, damit er hier nicht herumschluchzte wie ein Teenager nach dem ersten Mal. Dafür war er deutlich zu alt. Er holte tief Luft, verbot sich weitere Tränen und konzentrierte sich darauf, den Herzschlag Gellerts an seinem eigenen zu fühlen. Es beruhigte ihn, ließ ihn runterkommen und half ihm, zu verarbeiten, was in den letzten Stunden geschehen war. Zu wenig davon hatte er kommen sehen. Und zu emotional hatte es ihn getroffen. Ihm wurde schwummrig, wenn er versuchte, sich klarzumachen, dass das hier nun Teil seines neuen Lebens wäre. Er wusste noch nicht recht, was er von der Aussicht halten sollte. Sie freute und besorgte ihn zu gleichen Teilen.
Gellert, der zu ahnen schien, wie aufgewühlt Albus nach ihrem unerwarteten Sex war, schwieg, legte sich neben ihn und zog ihn in seine Arme.
Dass er so rücksichtsvoll war, half deutlich dabei, sich zu beruhigen. Albus gab ein unterdrücktes leidendes Stöhnen von sich, als er sich zu Gellert hindrehte. Die Bewegung seines Beckens bemerkte er zu deutlich. In ein paar Minuten würden vermutlich die Schmerzen in seinem Hintern den Hormonrausch durchbrechen, der ihn nun recht taub hielt, als wäre sein Körper in Watte gepackt. Gellert war grob gewesen, weil Albus es gewollt hatte. Er würde sich nicht beklagen und er durfte sich nicht wundern. Es ließ ihn nur, trotz aller Tränen und dem kurzen schmerzerfüllten Gesicht, schmunzeln. Wer hätte gedacht, dass er Gellert Grindelwald anflehen würde, ihn härter zu nehmen?
Er seufzte wohlig auf, als Gellert begann, seine Schulter mit Küssen zu bedecken, schloss die Augen und erlaubte sich, einen Moment zur Ruhe zu kommen und all die Gedanken, die in ihm um ihre Aufmerksamkeit rangen, einfach zu ignorieren. Es war zu angenehm, als dass er sich nun weiter den Kopf zerbrechen wollte. Das konnte bis nachher warten.
Einige Minuten der entspannten Ruhe waren ihm vergönnt.
Dann fragte Gellert schmunzelnd: „Dusche und Schmerztrank?“
Albus gluckste. „Das klingt nach einer guten Idee.“

*

 

So sehr Albus auch die Zeit mit Gellert genossen hatte (mit jeder Minute, die verstrichen war, mehr), so sehr war er nun angespannt, wenn er daran dachte, Newt gegenüber zu treten. Es war nicht so, als wollte er sich von ihm trennen. Newt war nicht irgendjemand, der als Lückenfüller diente. Er war so viel mehr, so liebenswert auf seine eigene Art. Gellert hatte, während er ihm nach der Dusche mit einem weichen Handtuch den Körper getrocknet und den Schmerztrank gereicht hatte, noch einmal in einem Nebensatz fallen lassen, dass das, was sie hatten, aus seiner Sicht nicht im Konflikt mit Albus‘ Beziehung zu Newt stand. Und so war nicht die Entscheidung gefragt, wen von beiden er wählen würde, wenn er müsste: Sondern eine ehrliche Aussprache und die Frage an Newt, ob und wie er selbst weitergehen wollte. Dass sie hier zusammen festsaßen, sollte nicht bedeuten, dass Albus ihn an sich binden wollte. Wenn Newt die Zeit hier lieber getrennt von ihm verbrachte, würde er das akzeptieren. Auch, wenn er bei dem Gedanken schwermütig wurde, Newt nicht mehr durch sein lockiges rotes Haar fahren oder ihn auf die roten Lippen küssen zu dürfen, wenn ihm danach war.
Auf dem Weg von Gellerts Räumen zurück zu dem Zimmer, das Albus mit Newt bewohnte, versuchte er, sich selbst klar zu machen, was er fühlte. Albus konnte nicht länger die Augen davor verschließen, wie Gellert die Welt veränderte und damit ihren Traum allein lebte. Nicht, wenn er das Gefühl nicht loswurde, dass er sich nur selbst belog und schadete, wenn er weiterhin darauf beharrte, nichts davon wissen zu wollen. Es führte zu nichts, eine heile Welt vorzugaukeln, wenn da keine heile Welt war und er die wirkliche Welt durch sein Nichtstun verriet.
Er biss die Zähne zusammen, als er vor Newts und seinem Zimmer zum Stehen kam. Obwohl er keine Ahnung hatte, wie er das Gespräch führen sollte und keine Zeit gehabt hatte, sich Sätze zurecht zu legen, öffnete er. Er war nicht ohne Grund ein Gryffindor.

Als Newt sich augenblicklich vom Sofa erhob, kaum, dass Albus eingetreten war, verschloss Albus tief in sich, was er die letzten Stunden erlebt hatte, damit es nicht alles auf einmal aus ihm herausbrach.
„Albus“, sagte Newt und zog ihn in eine Umarmung. „Geht es dir gut?“
Albus hatte schon damit gerechnet, dass Newt krank vor Sorge war. Er war lang genug fort gewesen. „Mir geht es gut“, sagte er und schenkte Newt ein Lächeln, das seine Aussage bestätigen sollte. „Alles in Ordnung.“
Newts Blick wanderte über ihn.
„Du bist verletzt!", bemerkte er mit leichter Panik in der Stimme, während seine Hand bereits besorgt zu seinem Hals wanderte.
Albus griff die Hand aus der Luft, bevor sie die Stelle berühren konnte. Er hatte Gellert gegenüber zuvor versichert, dass er nicht von ihm geheilt werden wollte. Es wäre, als würde er versuchen, das, was sie getan hatten und was sie füreinander empfanden, zu verheimlichen. Und Albus hatte keine Lust mehr, seine Meinungen und Gefühle zu verstecken.
„Mach dir darüber keine Sorgen, Darling“, sagte er mit einem sanften Lächeln und küsste die Hand, die er hielt. Dann ließ er sie los und wurde ernst. „Viel wichtiger ist: Wie geht es dir? Gellert sagte, ein Heiler wäre bei dir gewesen? Ich hoffe sehr, dass er das ernst meinte.“ Schließlich hatte er, als er das gesagt hatte, noch keinen Grund gehabt, Albus gegenüber ehrlich zu sein.
„Jetzt geht es mir gut", murmelte Newt und schmiegte sich näher. „Es war ein Heiler da. Er hat meine Lippe geheilt und mir einen Stärkungs- und Schmerztrank gegeben“, bestätigte er Albus Frage.
Albus gab ein zustimmendes Brummen von sich. Er strich Newt sanft über den Rücken.
„Was ist passiert?“, fragte Newt schließlich, „Was wollte Grindelwald von dir? Hat er dich gefoltert? Für Informationen?“
„Nein“, sagte Albus und holte Luft. Er wünschte, er könnte es mehr hinauszögern. Newt klammerte sich an ihn. Sobald er wüsste, was geschehen war, würde er Albus nicht mehr berühren wollen. Oder ansehen… Das war Albus‘ größte Sorge vor dem Ausgang des Gesprächs. Dennoch wappnete er sich und zwang sich, sich zu überwinden. Es hinauszuzögern, würde nichts bringen.
„Newt, mein Herz, wir müssen reden.“

Chapter Text

Newt nickte fahrig, als Albus sagte, dass sie reden müssten.
Er fragte sich, was Albus erfahren hatte. Es machte ihn nervös, nicht zu wissen, was nun kommen würde.
Nachdem Albus sanft seine Arme von sich schob und ihn bei der Hand nahm, ließ Newt sich von ihm zum Sofa führen. Sie setzten sich.
„Newt, es hat einen Grund, warum ich so lang fort war“, sagte Albus und Newt nickte langsam.
Mit einer Mischung aus Nervosität und Sorge wartete er darauf, dass Albus mit der Sprache herausrückte.
„Um ehrlich zu sein, mehrere“, setzte Albus hinzu. Er schluckte.
Newt wollte ihn bitten, ihn nicht länger auf die Folter zu spannen, da begann Albus endlich zu erzählen.
„Newt, du weißt, dass ich Gellert schon seit meiner Kindheit kenne. Dass wir eine Zeit hatten, in der wir als junge Erwachsene Tag und Nacht die Köpfe zusammengesteckt hatten, ist mittlerweile ziemlich vielen Leuten bekannt, auch, wenn mir das nicht so recht gefällt.“ Er ließ eine Kunstpause, in der Newt aufmerksam nickte. Ja, das hatte er in letzter Zeit oft genug gehört. Travers schien stets Gefallen daran gefunden zu haben, Albus an seine Vergangenheit zu erinnern.
„Nach… einem Unfall…“, fuhr Albus langsam fort, „…bei dem ich meine Schwester verlor, haben wir komplett den Kontakt zueinander abgebrochen. Ich“, betonte er, „… habe den Kontakt abgebrochen.“
Albus blickte gedankenverloren auf seine Hände, die er auf den Knien miteinander verschränkt hatte. „Ich habe Gellert die Schuld am Tod von Ariana gegeben und wollte nicht wahrhaben, dass es unser gemeinsamer Streit war, der sie am Ende getötet hatte.“
Er blickte auf und Newt fragte sich, wieso er ihm ausgerechnet jetzt all diese unheimlich privaten und schmerzhaften Details aus seiner Jugend erzählte. Zwar ahnte Newt, dass es eine Einleitung zu einem größeren Thema werden sollte… aber er verstand noch immer nicht, worauf genau Albus hinauswollte.
„Wir hatten Pläne“, sagte Albus, „Für eine bessere Welt. Für ein größeres Wohl.“ Er lächelte bitter. „Das ‚größere Wohl‘, mit dem Gellert seine Anhänger um sich schart, ist eine Bezeichnung, die von mir stammt. Sie erschien uns passend. Er hat sie übernommen.“
Newt nickte erneut, doch dieses Mal langsamer. Er hatte nicht gewusst, dass diese Worte von Albus waren. Ihn beschlich mehr und mehr ein ungutes Gefühl.
WAS wollte Albus ihm nur sagen?
Als würde er mit sich selbst hadern, schüttelte Albus den Kopf.
„Worauf ich hinauswill, ist: Ich habe mich seit dem Tag vor allem verschlossen, was Gellert und mich einst verbunden hatte. Gemeinsame Träume. Gemeinsame Ideen, wie wir die Welt zu einem besseren Ort machen können. Seine Visionen haben viel mit meinen eigenen zu tun und …die Methoden, die er bisher nutzte… lassen sich leicht abwandeln, um der Menschheit den Wandel angenehmer beizubringen.“
Newt wollte abermals nicken.
Dann stockte er. Die Bedeutung der Worte drang allmählich zu ihm durch.
Es ließe sich ‚abwandeln‘, um den Wandel ‚angenehmer‘ zu gestalten?
„Was?“, hauchte Newt perplex. Albus war selten direkt in seinen Aussagen. Aber meinte er tatsächlich das, was Newt zwischen den Zeilen befürchtete? Spielten ihm seine wunden Nerven einen Streich?
„Gellerts Vision ist lange auch meine Vision gewesen“, antwortete Albus in einer Ruhe, die er bei diesem Thema nicht haben dürfte. „und sie ist es noch, wenn ich ehrlich bin. Ich will eine freie Welt, für Muggel und Zauberer, Seite an Seite. Mit Gellert gemeinsam kann ich diese Welt erschaffen.“
Newt fühlte, wie blankes Entsetzen sich seiner bemächtigte.
Sagte Albus ihm gerade tatsächlich, dass... er sich Grindelwald anschließen wollte?!
Das konnte Newt nicht fassen. Das konnte Albus nicht ernstmeinen!
Newts Mund öffnete sich und schloss sich wieder. Doch dann schien sich sein Gehirn endlich von dem Schock zu erholen und wieder funktionieren. Der Ausdruck in seinem Gesicht wurde kühler und härter.
„Wer sind Sie?" fragte er eisig. Innerlich schalt er sich dafür, dass er nicht viel eher daran gedacht hatte. Es hätte ihm gleich auffallen müssen! Das hier konnte nicht Albus sein. Albus würde solche Dinge niemals sagen!
„Albus Percival Wulfric Brian Dumbledore”, antwortete der angebliche Albus ruhig und fügte dann ungefragt, aber mit einem unerträglich liebevollen Lächeln hinzu: „Dein Irrwicht ist ein Schreibtisch, weil du am meisten fürchtest, in einem Büro arbeiten zu müssen. Picket, der stets in deinem Jackett herumlungert, war der erste Bowtruckle, mit dem du Freundschaft geschlossen hast. Er lebte vorher in einem Weidenbaum, aus dem später Zauberstäbe gemacht wurden.“
Er machte eine Kunstpause, in der Newt betroffen schluckte.
Dann sagte er: „Oder du stellst mir selbst eine Frage, die nur ich wissen kann.“
Stille legte sich zwischen sie.
Stille, in der Newt versuchte, sich gegen die Vorstellung zu wehren, dass dieser Mann tatsächlich Albus sein sollte. Sein Albus, der stets das Licht zu Grindelwalds Dunkelheit verkörpert hatte. Für so viele Hexen und Zauberer war er die Hoffnung! Und auch für Newt!
Newt weigerte sich, zu glauben, dass sich daran etwas geändert hatte.
Also nahm er das Angebot der Frage an.
„Was mag Lizzy an dir am liebsten?", fragte er angespannt.
„Dass ich sie in Ruhe lasse“, antwortete sein Gegenüber mit einem leichten Schmunzeln. „Oder viel mehr, dass ich dich nicht zu sehr ärgere, wenn sie in der Nähe ist. Weil sie mich sonst wieder mit Wasser bespritzt, um mich zu vertreiben, oder mir einen ihrer Arme ins Gesicht wirft.“
Newt starrte Albus ungläubig an und hatte Mühe seine harte, unnachgiebige Fassade aufrecht zu halten. Wie könnte jemand anderes das alles so genau wissen? Albus war einer der mächtigsten Zauberer. Er würde selbst unter Folter in drei Stunden niemals so viele und detailgetreue Informationen herausgeben, vor allem zu verhältnismäßig belanglosen Dingen wie einer Krakendame. Genau so, wie ein Imperius ihn sicher nicht so einfach unter Kontrolle halten könnte, selbst Grindelwalds Imperius nicht! Und doch saß er hier und eröffnete ihm, dass er sie alle verraten wollte!
„Ich glaube Ihnen nicht", stieß Newt hervor und er hasste sich dafür, dass in seinen Augen Tränen brannten. Was war mit Albus geschehen? Was hatten sie mit ihm angestellt?
Der Fremde ihm gegenüber, der behauptete, sein Liebhaber zu sein, nickte.
„Das hatte ich erwartet“, sagte er ruhig, „Nachdem Gellert dich bereits einmal belogen und sich als jemand anderes ausgegeben hatte, ist deine Reaktion nur verständlich.“
Er zog einen Stab aus der Innentasche seiner Weste und hielt ihn Newt hin.
„Bitte“, sagte er, „Prüf es selbst nach.“
Schockiert blickte Newt auf den Stab hinunter. Es war eindeutig Albus‘ Stab. Daran bestand kein Zweifel.
Aber der angebliche Albus reichte ihm ihn herüber. Einfach so. War das eine Falle?
Newt starrte auf den Stab herab und fragte sich, was er tun sollte.
Dann nahm er ihn an sich und richtete ihn auf Albus‘ Doppelgänger.
„Revelio“, sprach er.
Der Zauber verließ den Stab. Newt konnte es deutlich fühlen.
Er machte sich dafür bereit, einen Fluch nachzuschicken, sobald dieser die Gestalt änderte.
Doch nichts geschah. Der Zauber ging ins Leere.
Nein. Das durfte nicht sein!
„Finite Incantatem", setzte Newt mit zitternder Stimme hinterher und schaute Albus abwartend und fast hoffnungsvoll an. Er wünschte sich nichts mehr, als dass er tatsächlich aus einem Imperius aufwachen würde.
Aber Albus begegnete seinem Blick nur genauso ruhig und geduldig, wie er die ganze Zeit über gewesen war.
Newt holte tief und zitternd Luft. Er bemerkte, wie flach seine Atmung gewesen war. Panisch starrte er Albus an, während ihm die Tränen die Sicht verschleierten.
„Newt, ich meine es ernst“, sagte Albus besänftigend. „Und ich weiß, wie abstrus es klingt. Vor einigen Stunden war ich selbst einer anderen Meinung gewesen.“ Er holte tief Luft und entließ sie dann mit einem Seufzen wieder. „Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich mir die letzten Jahre nur etwas vorgemacht und mich vor der Wirklichkeit verschanzt. Ich kann so nicht mehr weiterleben. Nicht mit dieser neuen Gelegenheit, das zu tun, wonach es mich im Inneren drängt.“
Newt fühlte, wie schnell sein Herz in der Brust schlug, die ihm unangenehm eng wurde. Er legte eine Hand darauf und krallte sich dann haltsuchend in sein Hemd.
Kopfschüttelnd sagte er: „Bitte, hör… hör auf.“
Den Stab noch immer mit der Hand umklammert, die nun bedrohlich zitterte, liefen ihm die Tränen über die Wangen.
Er konnte es nicht akzeptieren. Albus war alles gewesen, was richtig war. Alles, was gut war. Drei Stunden bei Grindelwald und er war vollkommen gehirngewaschen? Wie ausgewechselt?
Das war für Newt ein noch größeres Horrorszenario als irgendetwas anderes es hätte sein können.
Albus‘ Augen nahmen einen traurigen, mitfühlenden Blick an.
„Dann sag mir, was ich stattdessen tun soll“, sagte er sanft und streckte die Hand aus.
Als Albus nach dem Stab griff, zog Newt panisch die Hand zurück und sprang vom Sofa auf, den Stab immer noch auf Albus gerichtet als hätte dieser versucht, ihn anzugreifen.
„Was hat er mit dir gemacht?!", schrie er ihm aufgelöst entgegen, „Du würdest so etwas nie sagen! Wie kannst du hier seelenruhig sitzen und mir weismachen wollen, dass du vorhast, uns alle an diesen Wahnsinnigen zu verraten?!"
Albus, der in einer deeskalierenden Geste die Hände offen neben dem Kopf hielt, sagte mit sehr ruhiger, sanfter Stimme: „Newt, ich habe ihn nie einen Wahnsinnigen genannt. Und ich habe ihn nie für einen gehalten. Ich sage ja nicht, dass das, was er bisher getan hat, nicht phasenweise schrecklich war. Aber diese Revolution wird gebraucht und auch, wenn es ihm an Feingefühl mangelt, hat sein Motiv einen Sinn."
Er blickte traurig zu Newt auf. „Du hast New York doch gesehen, Darling. Du weißt, warum deine Freundin Queenie und auch Credence hier sind. Ihre Leben hätten um einiges besser verlaufen können, wenn die Muggel von ihnen gewusst und sie und ihre Lebensweise akzeptiert hätten."
Newt schüttelte ungläubig den Kopf. Er biss die Zähne zusammen, da sich Wut zu seinem Unverständnis mischte.
„Und du glaubst Grindelwald wird von seinen bisherigen 'phasenweise schrecklichen' Methoden abweichen? Wieso sollte er, Albus? Hörst du dich überhaupt reden?!" Newts Stimme überschlug sich gegen Ende. Der Schmerz, den Newt bei jedem weiteren Wort aus Albus‘ Mund fühlte, wandelte sich mehr und mehr in Wut.
Nicht nur, weil er langsam das Gefühl hatte, selbst mit einem fanatischen Wahnsinnigen zu reden, aber weil es Albus war, der doch bisher immer der Fels in der Brandung gewesen war. Derjenige, der mit Vernunft und Bedacht nach Wegen gesucht hatte, um Grindelwalds Terror zu stoppen. Und nun versuchte ausgerechnet er, ihm zu erklären, dass es nicht so furchtbar sei, sich ihm anzuschließen.
Albus blieb von seinem anklagenden Ton vollkommen unberührt.
„Das glaube ich“, sagte er sanft, als würde er mit einem Kind sprechen.
Newt schaute ihn schweigend an. Es machte keinen Sinn. Albus würde nicht sein komplettes Weltbild in drei Stunden ändern. Dazu bedürfte es mehr. So sprunghaft war dieser mächtige und hochintelligente Mann nicht. Es war nicht möglich, es sei denn...
In Newts Gefühlstumult mischte sich ein Gedanke, der dazu führte, dass Newt sich fühlte, als hätte man ihn mit eiskaltem Wasser übergossen. Ihm kamen Theseus‘ Worte in den Sinn, dass er Albus nicht trauen solle, dass er ihn manipulierte, dass er seine Marionette sei, dass das Ministerium Gründe hatte, Albus zu überwachen. Die Skepsis des Leiters der magischen Strafverfolgung bezüglich seiner Loyalität über die Jahre hinweg...
War Albus von Anfang an nicht auf ihrer Seite gewesen?
Newt bewegte sich rückwärts von Albus weg. In Richtung Tür, ihn immer noch im Auge behaltend.
Vor der Tür standen Wachen, doch wenn Newt das Überraschungsmoment nutzen konnte...
Er würde Queenie und Credence nicht retten können, dazu würde die Zeit nicht reichen. Weder dazu, sie zu überzeugen, geschweige denn, sie allein außer Gefecht zu setzen und sie unbemerkt aus dem Schloss zu bringen. Doch vielleicht würde er es wenigstens selbst hinaus schaffen. Er würde dem Ministerium von dieser unerwarteten Wandlung berichten können.
Seine Vernunft warf ein, dass er es vermutlich nicht einmal aus diesem Raum schaffen würde, auch wenn er Albus‘ Zauberstab hatte. Ihm war bewusst, dass Albus auch ohne Stab fähig genug war, um sich zu verteidigen. Aber wenn Newt es nicht versuchte, wenn er diese Chance nicht ergriff, dann hatte er doch bereits verloren, oder nicht?
Newt kam nicht dazu, sein Glück auf die Probe zu stellen.
Er hatte noch einen Schritt weiter gemacht, da riss ihm Albus mit einem Wink der erhobenen Hand den Stab magisch aus den Händen.
Newt machte sich bereit, los zu sprinten, doch Albus war schneller. Er erhob sich, fing den Stab aus der Luft und war wenige Sekunden später bei Newt, packte ihn fest am Oberarm und drängte ihn gegen die nächste Wand.
Newt fand sich nah an ihn gedrückt wieder, von Albus‘ Körper an der Flucht gehindert und – und das schmerzte ihm am meisten – die Spitze von Albus‘ Stab gegen seine Kehle gedrückt.
Er schielte hinunter auf den Zauberstab.
„Tu das nicht, Liebes", raunte Albus ihm unerträglich sanft zu.
Newt hob den Blick langsam wieder. Er fühlte, wie sein Herz bei der Erkenntnis brach, dass der Mensch, den er liebte und dem er bis gerade eben bedingungslos vertraut hatte, vor ihm stand und ihm drohend einen Stab an die Kehle hielt.
„Wenn du diesen Raum verlässt und etwas Undurchdachtes tust, wird Gellert dich nicht so leicht davonkommen lassen“, sagte Albus leise, „Du stehst unter meinem Schutz, aber auch der hat Grenzen."
Newt schluckte. Ein Kloß hatte sich in seinem Hals gebildet und neue Tränen traten ihm in die Augen.
„Wieso?“, flüsterte er mit brüchiger Stimme und versuchte, die Tränen mit aller Macht hinunterzuschlucken.
„Wofür braucht ihr mich?“, setzte er hinzu, weil er wenigstens Klarheit haben wollte, wenn er schon seine Freiheit einbüßen sollte. „Warum hast du mich nach New York und Paris geschickt? War das dein Plan gewesen, um mich am Ende hierher zu begleiten? Warum das alles mit... mit uns...?"
Gegen Ende verlor er den Kampf gegen die Tränen und merkte, wie sie ihm aus den Augen traten.
Alles zwischen ihnen wirkte nun so falsch. Als sei es reine Berechnung gewesen. Nicht echt. Es brach ihm das Herz.
„Newt", hauchte Albus und nun klang er bestürzt. Beinahe kaufte Newt es ihm ab.
Albus zog den Stab fort.
„Nichts davon war geplant. Ich wollte lediglich verhindern, dass Gellert Credence gegen seinen Willen benutzt und, um ganz offen zu sein, das will ich noch immer."
Er seufzte und wischte eine Träne von Newts Wange.
„Gellert und ich haben uns seit Jahren nicht gesprochen. Heute das erste Mal wieder. Das war kein Plan, von langer Hand geschmiedet. Es war Zufall. Und es hat rein gar nichts mit meinen Gefühlen für dich zu tun."
Er beugte sich ein wenig vor und raunte: „Die sind aufrichtig."
Newt ließ sich widerwillig in Albus‘ Arme ziehen und lehnte seine Stirn gegen dessen Schulter. Er schüttelte wieder den Kopf.
„Wie kannst du ihm glauben?", flüsterte er verzweifelt. „Er will Credence benutzen. Er hat so viele Menschen auf dem Gewissen. Er hat mich gecruciot… Wie kannst du ihm nur ein Wort glauben?"
Er konnte ein leises Schluchzen nicht unterdrücken. Mehr und mehr fühlte er sich, als würde man ihm den Boden unter den Füßen wegziehen.
„Weil ich ihn kenne", murmelte Albus, „Und weil ich daran glaube, dass etwas Gutes in ihm ist. In jedem von uns ist etwas Gutes."
Newt atmete tief durch. Er versuchte, sich irgendwie zu beruhigen und das Ganze von einer rationalen und vernünftigen Seite zu sehen.
„Was wenn nicht?“, fragte er leise, „Wenn er sich weigert die Sachen, die du dir wünschst umzusetzen?" Er glaubte nicht, dass Grindelwalds Vision von einer neuen Weltordnung mit der von Albus kompatibel wäre… wenn Albus tatsächlich die Wahrheit sprach und unverändert für seine eigene Gerechtigkeit kämpfte, anstatt wortlos diesem Fanatiker zu folgen.
„Dann werde ich mit ihm reden", sagte Albus sanft, „Und er wird zuhören"
Newt blickte mit immer noch feuchten Augen wieder zu Albus auf.
„Albus, das ist Wahnsinn", flüsterte er und krallte sich an Albus‘ Hemd fest.
„Und gefährlich! Lass uns nach einer Möglichkeit suchen, zu fliehen und Queenie und Credence mitzunehmen. Bitte!"
Es war sonst nicht Newts Art, zu betteln. Besonders nicht, wenn er das Gefühl hatte, dass es aussichtslos war. Doch er konnte das so nicht stehenlassen. Zu groß war seine Angst, Albus dabei zu verlieren oder zusehen zu müssen, dass er am Ende doch Grindelwald in seinen Gräueltaten unterstützte.
Aber Albus schien sich durch nichts, was Newt sagte, zum Umdenken bewegen zu lassen.
„Es ist kein Wahnsinn, wenn man es richtig angeht“, sagte er und küsste Newt liebevoll die Stirn.
„Vertrau mir, Darling, ich habe in meinem Leben bereits einige Erfahrungen gesammelt, die mir nun nützlich sein werden. Ich werde mich nicht von Gellert daran hindern lassen, mir eine eigene Meinung zu bilden, wenn es das ist, was du befürchtest."
Er schmiegte sich ein wenig mehr an Newt.
„Darüber hinaus ist es gut, dass Queenie und Credence hier sind. Sie wollen einen Krieg, das Töten und das Leid ebenso wenig wie wir. Damit haben wir genügend einflussreiche Persönlichkeiten um uns, die helfen können, Gellerts Weg für die Welt angenehmer zu gestalten."
Newt schloss die Augen und ließ sich resignierend gegen Albus sinken.
Er hatte das Gefühl, dass das alles nicht richtig war, doch er fühlte sich langsam aber sicher erschöpft und am Ende seiner emotionalen Kräfte. Der Tag war hart gewesen.
„Ich will dich nicht verlieren“, flüsterte er mit brüchiger Stimme, während er sich haltsuchend enger an Albus presste. „Und es fühlt sich so an als ob ich das tue..."
„Du wirst mich nicht verlieren", versprach Albus. Er schlang die Arme fester um den Jüngeren. „Ich liebe dich, Newton."
Newt schniefte und wischte sich mit seinem Ärmel die restlichen Tränen von den Wangen, während er leicht nickte.
„Ich dich auch", murmelte er erschöpft gegen Albus Schulter.
Albus drückte ihn kurz fester an sich.
„Das freut mich“, sagte er leise, dann ließ er Newt los und nahm stattdessen seine Hand.
„Komm“, sagte er und zog ihn zum Sofa zurück, „Setzen wir uns.“
Newt ließ sich bereitwillig mitziehen.
Er war zu entkräftet und ein Kampf oder ein Fluchtversuch schienen nicht erfolgsversprechend.
Und auch, wenn er sich noch immer nicht sicher war, ob er Albus seine Worte tatsächlich glauben konnte, so entschied er, dass er ihm glauben WOLLTE. Weil alles andere seine Welt zu sehr durcheinander gebracht hatte.
Sie setzten sich auf das Sofa.
Newt fiel auf, dass Albus ihm zugewandt saß und einigen Abstand zwischen ihnen gelassen hatte.
Einerseits wollte er sich an ihn schmiegen. Wollte von ihm hören, dass am Ende alles gut werden würde.
Doch andererseits fürchtete er, dass das nicht der Wahrheit entsprach. Zumindest nicht nach Newts Vorstellungen von einem guten Ende.
„Ich verstehe es trotzdem nicht“, gestand er nach einigen Minuten des betretenen Schweigens schließlich ein, nachdem er versucht hatte, alles zu verarbeiten, was Albus gesagt hatte.
„Wenn Grindelwald nicht auf dich gewartet hat, wie du sagtest… und wenn es wahr ist, dass ihr seither keinen Kontakt hattet und im Streit auseinander gegangen seid… Wieso…“ Seine Frage verlor sich. Newt war sich nicht sicher, ob er wirklich eine Antwort haben wollte. Darüber zu sprechen, fiel ihm schon schwer genug.
„Was möchtest du wissen, Newt?“, fragte Albus, der geduldig gewartet hatte. Aber er hatte ein Funkeln in den Augen, als wüsste er, worauf die Frage abzielte.
Zu jeder anderen Zeit hätte es Newt besänftigt. Oder ihn in Aufruhr versetzt, auf positive Art.
Jetzt beunruhigte es ihn, das Gefühl zu haben, dass Albus ihn durchschauen könnte.
„Wieso vertraut er dir?“, fragte Newt schließlich direkt, weil er es nicht verstand. „Ich hatte ihn für skeptischer gehalten. Du kommst hierher und schließt dich ihm an, nachdem wir zuvor so eindeutig klar gemacht haben, dass wir das nicht tun. Hat er dein Gedächtnis gelesen?“
Albus‘ Mundwinkel zuckten. „Nein“, sagte er in einem Ton, als wäre das eine amüsante Vorstellung.
Doch dann wurde er ernst. Sehr ernst. Das Funkeln verließ seine Augen und ein harter Zug erschien um seinen Mund.
„Newt, ich habe… dir nicht alles erzählt, was mein Gespräch mit Gellert angeht“, sagte er.
Newt schluckte. Noch mehr Geheimnisse? Noch mehr Themen, bei denen Albus seine Meinung geändert hatte?
„Was meinst du?“, fragte er nervös.
„Wir haben nicht nur gesprochen“, gestand Albus und als sich ihre Blicke dieses Mal trafen, lag etwas wie Reue in Albus‘ Blick.
„Newt, ich… ich habe mit ihm geschlafen.“
Newt erstarrte.
Er versuchte, zu begreifen, was er gehört hatte, aber sein Gehirn wollte nicht so recht nachkommen.
Es hörte sich so unglaublich an. So unwirklich.
„W-wozu?“, fragte Newt schließlich zögerlich. Er hoffte auf eine rationale Erklärung. Vielleicht eine Bedingung Grindelwalds oder Teil eines Plans von Albus, um sich Gellerts Vertrauen zu sichern?
Bei der Frage wich Albus Newts Blick jedoch aus.
„Es...hat sich so ergeben", sagte er schlicht.
Newt starrte Albus irritiert an. Es hat sich so ergeben? Das klang nicht nach 'gezwungenermaßen und mit Motiv miteinander geschlafen', wie Newt im ersten Moment gehofft hatte.
„Du… willst mir sagen, du hast mich mit Grindelwald betrogen?", fragte er ungläubig. Er schnaubte bitter und lachte freudlos auf, ehe er Albus fassungslos anschaute.
„Während ich hier sitze und stundenlang in Sorge auf dich warte?"
Albus nickte.
„Ja", sagte er.
Newt konnte es nicht fassen. Noch weniger, als Albus es ihm lediglich mit einem einfachen ’Ja‘ bestätigte.
Wie konnte dieses eine Wort ausreichen, um diese massiven Gefühle des persönlichen Verrats in ihm auszulösen?
„Und... kommt da noch eine Entschuldigung?", fragte er mit erneut feuchten Augen, ehe er bitter schmunzeln musste. „Oder tut es dir überhaupt nicht leid?"
„Es tut mir leid", erwiderte Albus, „Und mir ist klar, dass es, was uns angeht, ein Fehler war.“
Zum ersten Mal, seit er wieder hier war, wirkte er nicht sanft in sich ruhend.
Zerknirscht blickte er zu Boden.
Aber es war nur ein fahler Abklatsch dessen, was Newt in diesem Moment empfand.
Er hörte sich die dürftige Entschuldigung stumm an, auch, wenn in ihm alles schrie vor Wut, Enttäuschung und Verletzung darüber.
„Ich hätte zuerst mit dir darüber sprechen sollen bevor ich etwas tue“, sagte Albus, „Ich glaube nur, dass eine platte Entschuldigung allein nicht das ist, was ich dazu sagen sollte... Und ebenso wenig, dass dir das ausreicht oder dir gerecht werden würde."
Bei diesen Worten musste sich Newt stark beherrschen, nicht vollkommen aus der Haut zu fahren.
Albus stand vor ihm, beichtete ihm, dass er ihn betrogen hatte und hatte die Dreistigkeit zu sagen, dass er Newt erst hätte EINWEIHEN sollen, bevor er mit Grindelwald schlief?!
Newt war für gewöhnlich kein aufbrausender Mensch und eher pazifistisch veranlagt, doch in diesem Moment kam seine Selbstbeherrschung und Friedfertigkeit an eine gefährlich Grenze.
„Was meinst du mit 'sprechen bevor du etwas tust'?", fragte er mit geballten Fäusten und zusammengebissenen Zähnen.
„Soll das auch zu deiner Vision einer besseren Welt und deiner Zukunft an Grindelwalds Seite gehören?!"
Versuchte Albus, ihm gerade ernsthaft beizubringen, dass dies kein einmaliger Ausrutscher war?
Hatte er vor, es Normalität werden zu lassen?
Albus schien seine Gefühle wieder hinter einer Fassade zu verstecken. Dass er sich ihm entzog, schmerzte Newt beinahe so sehr, wie der Verrat an ihrer Beziehung.
„Es gehört zu keiner 'Vision'", antwortete er ruhig und warf Newt einen bittenden Blick zu.
Newt reichte das als Antwort. Generell reichte es ihm diesen Abend an Antworten. Sein Kopf schwirrte und schmerzte trotz des Schmerztranks. Seine Brust wollte abwechselnd aufgrund von Wut, Schmerz oder Verzweiflung bersten.
Er sprang vom Sofa auf und stapfte, in Ermangelung von Alternativen, zum Badezimmer.
Obwohl es gewöhnlich nicht seine Art war, knallte er die Tür mit voller Wucht hinter sich zu und drehte den Schlüssel herum. Er wusste, dass es Albus im Zweifelsfall nicht aufhalten würde. Doch irgendetwas musste er tun, um Abstand zwischen sie zu bringen. Zitternd stützte er sich mit beiden Händen am Waschbecken ab und starrte wütend sein eigenes verheultes Spiegelbild an.
Newt stand eine Weile so vor dem Spiegel.
Er versuchte, sich zu beruhigen und doch half alles nichts. Wie sollte es auch, nach den vielen Hiobsbotschaften?
Newt brauchte ein paar weitere Minuten, ehe er beschloss, seine Flucht ins Bad zu nutzen, um duschen zu gehen. Zum einen fühlte er sich nach dem ganzen Stress definitiv, als hätte er eine nötig, zum anderen hoffte er darauf, dass sie seinen Kopf etwas klären würde. Er zog sich aus und stieg in die Dusche, drehte das Wasser auf warm und versuchte, sich nur auf das angenehm heiße, auf ihn niederprasselnde Wasser zu konzentrieren.
Newt versuchte wirklich, den Kopf frei zu bekommen.
Doch es half alles nicht. Das heiße Wasser nahm ihm wenigstens die schmerzende Anspannung aus den Gliedern. Als er irgendwann doch den Versuch aufgab, innere Ruhe zu finden, stellte er das Wasser ab und verließ die Dusche. Er trocknete sich grob ab. Dann nahm Newt einen der besonders flauschig aussehenden Bademäntel vom Haken und streifte ihn sich über.
Seine Kleider einfach auf dem Boden liegen lassend, verließ Newt das Bad wieder... Und blieb einen kurzen Moment in der Tür stehen, als er Albus unverändert ruhig wartend auf dem Sofa sitzen sah. Den Blick von ihm abwendend, lief Newt zu dem großen Bett, zog die Tagesdecke zurück und stieg dann unter die weichen, warmen Daunendecken.
Er fühlte Albus‘ Blick auf sich. Dann hörte er, wie sich der Ältere erhob und dann erklangen leise Klickgeräusche von der Tür und den Fenstern her, als würden sie sich verriegeln.
Mit einem leisen Rutschgeräusch trennte sich die leere Hälfte des Bettes von der, in der Newt schlafen würde.
Auf der einen Seite war er froh darum, dass Albus ihre Betten auseinanderschob. Auf der anderen schmerzte es ihn.
„Ich weiß, dass es schwer zu verstehen ist", sagte Albus leise. „und ich kann mir nicht mal annähernd vorstellen, wie du dich in Augenblick fühlen musst."
Er kam zum Bett.
„Aber ich möchte, dass du weißt, dass es mir aufrichtig leidtut. Ich wollte dich nie verletzen."
Newt schob den Kopf tiefer und zog die Decke höher. Er wusste nicht, was er darauf antworten sollte.
Es mochte sein, dass Albus ihn nie hatte verletzen wollen, doch er hatte es in Kauf genommen und getan. Daran änderte auch keine Entschuldigung etwas.
Emotional erschöpft schloss Newt die Augen und versuchte, irgendwie einzuschlafen. In der naiven Hoffnung, dass morgen alles anders aussehen würde, oder es nur ein absurder Traum gewesen war.
Die körperliche und emotionale Anstrengung des Tages half ihm, dass er nach ein paar Minuten tatsächlich in einen unruhigen Schlaf abdriftete.

Chapter Text

Newt wachte am nächsten Morgen auf, als die Sonne gerade aufging und das Zimmer mit ihren warmen Strahlen erleuchtete. Im ersten Moment kuschelte er sich tiefer in das weiche Kissen und die warmen Decken und seufzte kurz, bis die Erkenntnis durchsickerte, dass es sich nicht um sein Bett handelte. Verwirrt und noch im Halbschlaf blinzelte er und sah hinüber zu Albus, der ein Stück entfernt von ihm in seinem Bett noch zu schlafen schien.
So sehr ihn für gewöhnlich der Anblick seines Geliebten am Morgen erfreute, so bescherte es ihm dieses Mal ein schmerzhaftes Ziehen in der Brust, kaum, dass die Erinnerung an den vergangenen Abend zurückkehrte.
Ein paar Minuten lang lag Newt nur da und starrte hinüber in das entspannte Gesicht des Älteren.
Er hing seinen Befürchtungen nach, die, obwohl er sich etwas gefasster als gestern fühlte, nicht an Intensität abgenommen hatte.
Irgendwann hatte er genug davon, seinen eigenen negativen Gedanken zuzuhören. Er setzte sich auf und ließ den Blick durch den Raum schweifen. Neben seinem Bett auf einer Kommode lag seine Kleidung von gestern Abend, offenbar von einem Hauselfen frisch gewaschen und ordentlich zusammengelegt. Daneben war ein weiterer Stapel mit neuer Kleidung, die anscheinend für ihn bereitgestellt worden war.
Leise stieg er aus dem Bett und begann, sich anzuziehen. Dabei wählte Newt seine eigene Kleidung anstatt die fremde neue. Seine Kleider waren gewohnt. Und etwas Gewohntes konnte er gerade gut gebrauchen.

*

Albus hatte lange nicht in den Schlaf gefunden in dieser Nacht. Zu viele alte Gedanken waren nun neu an die Oberfläche gewirbelt worden, zu viele Ideen und Vorstellungen, die er endlich in die Tat umsetzen wollte. An den Sex mit Gellert dachte er nicht mehr. Wenn er sich von seinem letzten Treffen mit ihm wirklich eins vorzuwerfen hatte, dann, dass er Newt betrogen hatte... Er hoffte, dass er ihm verzeihen würde. So weit zu gehen, zu hoffen, dass er ihn verstand, bis dahin wäre es noch ein langer Weg. Das wäre im Augenblick vermutlich zu viel verlangt.
Aber vielleicht – nur vielleicht – meinte es das Schicksal gut mit Albus.
Newt war stark. Das konnte nun zu Albus‘ Vor- oder Nachteil sein.
Den Kopf voller Gedanken an ein größeres Wohl, alte und neue Liebschaften, schlief Albus schließlich weit nach Mitternacht ein.
Er hatte einen traumlosen Schlaf.
Und einige Stunden später, als Geräusche der Bewegung durch den Raum schwangen, wurde Albus von ihnen geweckt.
Er öffnete die Augen, von der plötzlichen Angst ergriffen, dass Newt seine geistige Abwesenheit nutzte, um sich in einer undurchdachten Aktion zu befreien. Das würde gefährlich für ihn werden und Albus wollte nicht noch einmal Zeuge davon werden, wie er einen Cruciato ertragen musste.
Als Albus aber erkannte, dass Newt sich nur anzog, war er darüber beinahe beruhigt. Er wollte ihm ein 'Guten Morgen' und ein Lächeln schenken, doch er war unsicher, wie erwünscht das war. Nach allem.
Daher setzte er sich auf, ließ den Blick offen durch den Raum wandern und erspähte das Frühstück auf der anderen Seite, das auf dem Tisch aufgebaut worden war. Man konnte über Gellert sagen, was man wollte, aber er verstand es, ein guter Gastgeber zu sein.
„Guten Morgen“, hörte er Newt von der Seite leise nuscheln.
Als Albus seine Aufmerksamkeit zu ihm zurückwandern ließ, wich Newt seinem Blick aus.
„Guten Morgen", antwortete Albus mit einem schwachen Lächeln. Immerhin schien Newt ihn nicht weiter ignorieren zu wollen. Auch, wenn er nun von dort, wo er sich angezogen hatte, hinüber zum Tisch ging – und sich dadurch weiter von Albus entfernte.
„Wie geht es dir?", fragte Albus vorsichtig und versuchte, seiner Stimme keinen allzu mitleidigen Klang zu geben.
Newt schwieg auf die Frage vorerst.
Er ließ sich am Tisch nieder und schenkte sich Tee ein.
Als er antwortete: „Den Umständen entsprechend“, klang er dabei deutlich distanzierter und kühler, als Albus es von ihm kannte.
Albus nickte nur. Er hatte nichts anderes erwartet. Die Frage war vielmehr ein kurzes Austesten gewesen, wie sehr sich Newt nun, am nächsten Tag, auf ein Gespräch mit ihm einließ. Es sah nicht allzu vielversprechend aus.
Daher erhob er sich, griff nach der Kleidung, die Gellerts Hauselfen ihm zusätzlich zu seiner eigenen Kleidung hingelegt hatten und ging ins Bad. Eine Dusche war wirklich dringend nötig, allein schon für seine Nerven. Er war von dem gestrigen Wandel ziemlich ausgelaugt.

Zu duschen half mäßig, aber immerhin fühlte Albus sich danach körperlich besser.
Die Kleidung, die man ihm hingelegt hatte, entsprach seinem Stil und Albus musste schmunzeln, als er sich Hose, Hemd und Weste anzog, während er sich fragte, woher Gellert die Kleidung auf die Schnelle besorgt hatte.
Sein Lächeln erlosch allerdings, als ihm klar wurde, dass er es nicht länger hinauszögern konnte, wieder zurück zu gehen. Die Stimmung war in Newts Anwesenheit angespannt und er hoffte, dass das nicht immer so bleiben würde.
Also trat er, obwohl er fühlte, wie sehr ihn das letzte Gespräch angestrengt hatte, zurück in ihr Gästezimmer, wo Newt eben ein paar Happen aß. Das war ein trügerisch gutes Zeichen, wenn man bedachte, dass der Jüngere selbst bei guter Stimmung ab und an das Essen vergaß.
Albus gesellte sich zu ihm und goss sich ebenfalls eine Tasse Tee ein, während er überall hinsah, nur nicht zu Newt. Dass sie hier zusammen ‚festhingen‘, auf kleinstem Raum, schien nun ein Nachteil zu werden. Newt würde nirgends vor ihm fliehen können. Albus wollte es ihm nicht noch schwerer machen, indem er ihn mit Worten oder Gesten belästigte, also war er vorsichtig darauf bedacht, ihm nicht zu nahe zu treten.
Angespannte Stille legte sich zwischen sie, während Albus einen Schluck des Earl Grey trank und dann seinen Blick über die Frühstücksauswahl wandern ließ. Gellert hatte ihnen die Option eines typischen English Breakfast geboten, neben einem süßen, das Albus als deutsch erkannte. Sie konnten sich vermutlich glücklich schätzen über die Auswahl. Im Rest des Schlosses aß man vermutlich ausnahmslos deutsch und hatte die Option eines herzhaften Mahls nicht.
Es waren diese kleinen Gesten des Entgegenkommens, die Albus Mut machten. In dieser angespannten Stille, in der er mit Newt saß, fühlte er sich dadurch weniger allein. Als würde Gellert ihn nach all den Jahren noch immer kennen und auf seine Vorlieben achten. Erst die Kleidung, nun das Essen…
„Wie geht es jetzt weiter?", fragte Newt neben ihm leise, „Mit uns?“
Albus unterbrach seine Gedanken.
„Das liegt ganz bei dir", antwortete er, nachdenklich und ernst, „Ich vermute, meine Wünsche habe ich gestern deutlich zum Ausdruck gebracht. Jetzt ist die Frage, wie du dazu stehst und... was du dir vorstellen kannst."
Er sah Newt betroffen schlucken. Noch immer hatte der Jüngere den Blick auf den Tisch geheftet.
Es war ein Jammer, wo er doch so hübsche Augen hatte und Albus sie nun gar nicht sah.
Aber er verstand, dass er es im Moment nicht verdient hatte, dieses Privileg zu genießen.
„Das... zwischen Grindelwald und dir“, sagte Newt langsam, „Was genau ist da?"
Albus' Mundwinkel zuckten, weil es so typisch für Newt war, mit der Tür ins Haus zu fallen. Auch, wenn er damit direkt das unangenehmste Thema zuerst anschnitt.
„Es... ist kompliziert", gestand Albus, während er sich fragte, wie viel er erzählen sollte, ohne Newt allzu sehr zu verletzen. „Wir haben uns als Teenager kennen gelernt, kurz bevor ich 17 wurde... Und hatten sehr schnell einen Draht zueinander. Nicht nur bei politischen Dingen, auch insgesamt. Unser Streit brachte mich dazu, alle Verbindungen zu kappen. Um ehrlich zu sein, habe ich dass lange Jahre nicht überwunden."
Beherrscht und entschlossen, von seinen Worten und den Erinnerungen nicht sentimental zu werden, trank Albus einen Schluck Tee.
„Ihn wieder zu treffen, zeigte mir, dass sich zwischen uns nichts verändert hatte. Trotz all der Jahre“, sagte er aufrichtig. Dann seufzte er.
„Ich kann kein Wort dafür geben, das passend beschreibt, was das zwischen uns ist. Es ist mehr Gefühl als Denken."
Es war schwer zu erkennen, was Newt mit dieser Information anstellte.
Er starrte in seine Teetasse und schwieg eine Weile, nachdem Albus geendet hatte.
„U-und... zwischen uns?", flüsterte er.
Albus lächelte ein warmes Lächeln und sah ihn liebevoll an. Die Frage machte ihm Hoffnung. Also legte er alles Gefühl in seine Antwort.
„Du bist in mein Leben gekommen, ohne dass ich damit gerechnet hatte und obwohl ich lange Jahre darauf konzentriert war, nichts als Freundschaft und Vertrauen aufzubauen, bin ich doch sehr froh darüber, in welche Richtung sich unsere Beziehung entwickelt hat."
Er nahm noch einen Schluck, ehe er mit Nachdruck sagte: „Sehr froh."
Erfreut beobachtete er, wie sich ein leichter rosa Schimmer auf Newts Wangen legte.
„A-also... willst du weiter mit mir... zusammen sein?", fragte Newt zaghaft und beehrte Albus dann mit einem fragenden Blick aus moosgrünen Augen.
Albus fühlte, dass dies der Moment war, der alles verändern konnte. Newt war es, der alles Recht hatte, nichts mehr mit Albus zu tun haben zu wollen. Dass er nun beinahe unsicher fragte, zeigte Albus, dass er ihn noch nicht verloren hatte. Er nickte und hielt das sanfte Lächeln aufrecht.
„Wenn du es erlaubst?", fragte er.
Newt biss sich auf die Unterlippe.
„Aber auch mit Grindelwald?", fragte er mit einem fast schmerzlichen Unterton.
Albus konnte es nicht verhindern, einen Moment unangenehm berührt den Mund zu verziehen. Es war vermessen, das wusste er selbst. Dennoch nickte er ernst.
„Das... wäre meine Vorstellung, ja."
Newt starrte erneut in seine Teetasse.
Er schwieg, als müsste er das erst einmal verarbeiten.
Dann fragte er mit einer Stimme, die klang, als würde er sich bemühen, so ruhig und gefasst zu bleiben, wie Albus: „Also willst du auch weiterhin mit ihm... schlafen?"
Albus antwortete nicht sofort.
Ja, das wollte er. Sex mit Gellert war anders, es war unglaublich und nicht zu beschreiben. Albus liebte seine dominante, besitzergreifende Art.
Aber genauso gern verführte er Newt. Es hatte etwas für sich, ihn unter sich beben und zittern zu sehen...
Albus wollte auf keine der beiden Seiten verzichten. Daher nickte er.
„Ja", sagte er leise. Es brachte nichts, es zu bestreiten. Und sinnlose Erklärungen waren nicht angebracht. Zu viele Details konnten Newt eher verletzen.
Newt nickte fahrig und atmete tief durch. Sein Blick ging zum Fenster und hinaus, auf die schneebehangenen Berge.
„Was, wenn ich das nicht möchte?", fragte er schließlich und drehte den Kopf wieder Albus zu.
„Dann werde ich darüber noch einmal nachdenken müssen", antwortete Albus langsam.
Eine Beziehung ohne Sex zu führen, erschien ihm undenkbar. Und er hatte keine Vorstellung, für wen von beiden er sich entscheiden würde, wenn er es deshalb müsste. Beides würde schmerzen. Newt, den er in den letzten Monaten lieben gelernt hatte, war ihm mit seiner rücksichtsvollen, sensiblen Art und seiner anhaltend guten Laune schnell ans Herz gewachsen. Mit Gellert auf der anderen Seite hatte er eine unbeschreiblich starke Verbindung, die selbst über die langen Jahre nicht abgebrochen war. Er fühlte sich zu ihm hingezogen und würde nicht an ihm vorbei gehen können, ohne ihn küssen zu wollen.
Er schien nicht der einzige zu sein, der in Gedanken war.
Auch Newt blieb ein paar Minuten still und in sich gekehrt.
Doch als er wieder sprach, hörte Albus heraus, wie sehr es ihn bereits innerlich aufwühlte.
„Und... und wenn du merkst... d-dass du mich doch nicht mehr brauchst?", fragte er zittrig. Gegen Ende klang er gebrochener als je zuvor. Tränen stiegen ihm in die Augen.
Albus stach es ins Herz, Newt weinen zu sehen.
„Newt, Darling", flüsterte er mit belegter Stimme und hob die Hand, um Newt eine Träne von den Wangen zu wischen. „Ich werde dich immer brauchen. Seit ich dich kenne, erhellt deine Anwesenheit meinen Tag. Jetzt, wo unsere Beziehung tiefer geht, noch mehr als zuvor. Es ist, als wärst du meine eigene kleine Sonne." Er schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln.
Seine Worte schienen Newt nicht zu besänftigen. Eher im Gegenteil.
„A-aber ich reiche dir nicht", schluchzte er leise.
„Das ist es nicht", beharrte Albus sanft, aber nachdrücklich, „Merlin, das ist es wirklich nicht. Ich liebe dich unheimlich, Newt. Es ist nur so, dass ich vorher schon viel für Gellert empfunden habe und unser Zusammentreffen es mir wieder klar gemacht hat. Aber das macht meine Liebe zu dir nicht ungeschehen oder wertlos für mich. Du bist mir noch immer genauso wichtig wie zuvor."
Newt hielt den Atem an. Er versuchte sichtlich, sich zusammenzureißen. Mit Nachdruck wischte er sich die Tränen aus dem Gesicht, auch, wenn sofort wieder neue seine Wangen hinab liefen.
Er krallte seine Finger in seine Hose, während er wieder auf die Tischplatte starrte.
„K-kannst du mich umarmen?", flüsterte er.
Albus hatte sich selbst krampfhaft zurückgehalten, um Newt seine Nähe nicht aufzuzwingen. Doch nun war Albus so schnell bei ihm, dass sein Stuhl noch kippelte, als er bereits bei ihm stand, sich hinunterbeugte und ihn in seine Arme zog.
Als Newt seinerseits die Arme um ihn schlang, atmete Albus innerlich ein wenig auf.
Er strich ihm beruhigend über den Hinterkopf und drückte ihn gegen sich.
„Ich liebe dich, Newton", raunte er ihm zu, „und das wird nie aufhören."
Er fühlte Newt an seiner Schulter nicken.
Es dauerte einige Zeit, bis er sich soweit beruhigt hatte, dass die Tränen versiegten.
Schließlich löste er sich ein Stück von Albus, die Arme immer noch eng um ihn geschlungen, um zu ihm aufzusehen.
„Dir…" begann er mit krächzender Stimme und musste sich kurz räuspern. „Dir ist das wirklich wichtig?"
Aus geröteten Augen schaute er Albus an.
„U-und es muss... er sein? Nicht irgendjemand anders?"
„Wenn es nicht Gellert wäre, würde ich es überhaupt nicht wollen", antwortete Albus geduldig, „Darum betone ich, dass es nicht daher kommt, dass mir etwas fehlen würde, das sich mit einem weiteren Menschen regeln lassen würde. Das ist es nicht."
Newt atmete tief durch.
Er schloss die Augen, als müsse er sich sammeln, dann nickte er.
„Okay", flüsterte er leise. Es klang resignierend.
Albus fühlte, wie ein starkes Glücksgefühl ihn durchströmte, als Newt es schließlich 'erlaubte'.
Er wollte ihm schon dafür danken, da fragte Newt: „Könntest...“ Er stockte, brach die Frage dann ab, und setzte noch einmal an: „Könntest du... vorerst warten mit... also mit ihm zu…“
Albus hielt nachdenklich inne. Er hatte noch gar nicht so weit gedacht und es war noch so neu für ihn, dass er keine Vorstellung davon hatte, wie viel intime Zweisamkeit er mit Gellert überhaupt haben würde. Schließlich war Gellert vielbeschäftigt und Albus wäre es bald auch.
„Du meinst Sex?", fragte er, weil er es noch einmal präzisieren musste, nicht, dass es bei Newt schon mit Küssen losging.
Newt warf ihm einen beschämten Blick zu.
„N-nur... ein paar Tage v-vielleicht. Ginge das?", fragte er verstohlen.
Albus nickte. Er hatte Newt in den letzten Stunden viel abverlangt. Da war dieses kleine Entgegenkommen das Mindeste.
„In Ordnung. Sagen wir vorerst eine Woche", bot er an und küsste Newts Stirn, „Und dann sprechen wir noch einmal. Einverstanden?"
„Ja“, antwortete Newt und setzte mit einem scheuen kleinen Lächeln hinzu: „Ich liebe dich.“
Albus fühlte, wie die Worte ihm das Herz wärmten.
Er setzte einen kleinen Kuss auf Newts Lippen.
„Ich dich auch“, flüsterte er.

*


Nach der dringend notwendigen Aussprache und einem kleinen Frühstück waren Newt und Albus auf die große, gemütliche Couch umgezogen. Albus lag halb aufrecht gegen die Armlehne gelehnt, während es sich Newt vor ihm gemütlich gemacht hatte, mit dem Rücken an Albus‘ Brust gelehnt.
Sie saßen schweigend eng aneinandergeschmiegt und Newt fühlte, dass der Körperkontakt ihm half, alles zu verwinden, was gestern und heute geschehen war. Dass Albus‘ Hände seine Schultern und Arme streichelten, bestärkte den heilsamen Effekt noch.
Nachdem sie eine ganze Weile lang friedlich beieinandergesessen hatten, sagte Newt, weil es ihm eben einfiel: „Wusstest du, dass Fwuuper nicht monogam leben?"
Er nahm eine von Albus‘ Händen, die ihm eben über die Armbeuge strich, und zog sie zu sich, um ihre Finger gedankenverloren ineinander zu verweben.
„Sie sind polygam und sehr treu. Für gewöhnlich besteht ein 'Pärchen' aus bis zu drei Fwuupern, einem Männchen und zwei Weibchen, wobei jede Partnerin gleichgestellt in Rang und Aufmerksamkeit ist."
Er hörte Albus leise glucksen.
„Ist das so?", fragte er belustigt.
Newt bemerkte, dass Albus‘ Lachen ihn ansteckte.
„Ja“, sagte er schmunzelnd, „Es läuft meist sehr harmonisch. Allerdings beobachtete ich auch schon ein Dreier-Pärchen hatte, bei dem die Fetzen geflogen sind, weil ein Männchen es nicht geschafft hatte, sich um beide ausreichend zu kümmern. Dann gehen nämlich beide Weibchen geschlossen gegen das Männchen. Aber das betroffene Männchen war auch noch recht jung und unerfahren..."
Als ihm auffiel, wie das im Vergleich zu ihrer Situation klingen mochte, errötete er.
„A-also... ich wollte nicht andeuten, d-dass ich glaube, du würdest mir nicht genügend Aufmerksamkeit schenken", ergänzte er hastig und peinlich berührt.
„Es ist anders bei uns, Darling", sagte Albus amüsiert, „Ich würde mich nicht in beiden Beziehungen als das Männchen bezeichnen. Daher... kümmere ich mich einfach ausgiebig um dich."
Er küsste Newt den Scheitel.
Newt blinzelte einen Moment irritiert, ehe er tiefrot anlief. Bisher hatte er sich darüber gar keine Gedanken gemacht. Obwohl natürlich klar war, dass einer der beiden der passive Part sein müsste. Auch, wenn man jederzeit wechseln konnte…
Aber sich Albus passiv vorzustellen, wollte nicht so recht in Newts Vorstellung passen, der ihn bisher nur als dominant und aktiv erlebt hatte.
„D-das heißt bei ihm b-bist du passiv?", fragte er, bevor er sich die neugierige Frage verkneifen konnte.
Albus lachte leise.
„Durchgehend, ja", sagte er, „Irritiert dich das?"
Newt gab sich Mühe, von der Information unbeeindruckt zu bleiben… und scheiterte kläglich daran. Mit großen Augen warf er Albus einen Blick über die Schulter zu.
„Ein bisschen", gestand er.
Albus gluckste erneut. Er küsste Newt.
„Es ist schier unmöglich, Gellert dominieren zu wollen“, sagte er schmunzelnd, „Gegen ihn wirken die meisten Menschen weich."
Newts Wangen glühten immer noch rot, während er scheu zu Albus aufblickte.
„Schon mal probiert?", entfuhr es ihm, ehe er sich zügeln konnte.
Seine Frage schien Albus weiter zu erheitern. Er lachte kurz und offensichtlich überrascht auf.
„Du bist ziemlich neugierig", stellte er amüsiert fest.
Doch dann verschwand das Lächeln aus seinem Gesicht.
„Bist du sicher, dass du Details wissen willst?", fragte er ernst.
Betreten wich Newt Albus‘ Blick aus.
„Wenn du kein Problem hast, es zu erzählen?", fragte er leise.
Albus wurde still. Er schien sich die Worte zurechtlegen zu müssen… oder vielleicht haderte er auch damit, ob er Newt solche pikanten Informationen wirklich anvertrauen wollte.
Newt wollte schon einlenken, dass er es ihm nicht sagen müsste, da begann Albus zu sprechen.
„Viel gibt es da nichts zu erzählen", sagte er langsam, als würde er sich zurückerinnern, „Wir waren jung und haben alles Mögliche ausprobiert. Eines Tages plötzlich Küsse. Dann Handjobs. Schließlich Sex. Anfangs sah es so aus, als wären wir da gleich. Ebenbürtig, wie in allem.“
Albus seufzte und schmunzelte, aus einem Grund, den Newt nicht kannte.
Dann fuhr er fort: „Ich wurde übermütig, drückte ihn zu Boden, doch er lachte nur und hatte mich so schnell herumgewirbelt, dass ich gar nicht reagieren konnte.“
Albus zuckte mit den Schultern und sein Blick fand den von Newt, der an seinen Lippen hing.
„Ich hatte ihn zu sehr herausgefordert“, fuhr er fort, „Er drückte mich am Hals hinunter, sodass ich Abdrücke auf der Haut hatte und keine Luft mehr bekam, und nahm mich sehr hart und sehr schnell..."
Obwohl es für Newt eher schmerzhaft klang, bemerkte er den seltsam entrückten Ausdruck in Albus‘ Augen, als dieser fortfuhr: „Ab dem Tag war ich süchtig. Das Gefühl war so intensiv gewesen, dass ich danach gar nicht mehr versuchte, irgendetwas daran zu ändern. Zumindest nicht bei Gellert. Ich hatte nie vor, an dieser einseitigen Rollenverteilung etwas zu ändern. Und Gellert auch nicht."
Albus beendete seine Erklärungen.
Dann blinzelte er.
Das gedankenverlorene Funkeln in seinen Augen verschwand.
Er zuckte mit den Schultern und schaute zu Newt herunter, der nicht so recht wusste, was er von dieser Ausführung halten sollte. Er blickte ein wenig skeptisch zu Albus.
„Du... magst es, wenn man dich würgt?", fragte er und versuchte, nicht allzu verständnislos zu klingen.
Albus verzog ein wenig den Mund.
„Nicht generell, nein", sagte er nachdenklich, „Ich würde mich eigentlich von niemandem würgen lassen..."
Weil er wohl bemerkte, dass er sich widersprach, setzte er zur Erklärung hinzu: „Deshalb muss es Gellert sein. Weil er der Einzige ist, bei dem ich solche Dinge zulasse. Alles, was mich unterwirft, was mich zu seinem macht... Es ist prinzipiell vergleichbar mit unseren Alpha-Omega-Tränken. Der eine verschreibt sich dem anderen. Und ich würde niemanden sonst akzeptieren."
Er warf Newt einen erneuten Blick zu und lächelte.
„Dich vielleicht, wenn du es probieren willst."
Grübelnd schaute Newt ihn an. Er konnte sich nicht vorstellen, dass es angenehm sein könnte gewürgt zu werden. Bei der Vorstellung, es selbst zu tun, lief ihm ein unwohler Schauer über den Rücken.
„Danke, aber ich glaube nicht, dass ich dich würgen möchte“, sagte er.
„Das ist in Ordnung“, antwortete Albus mit einem Schmunzeln und küsste ihm die Stirn, „Ich liebe unseren Sex so wie er ist. Da braucht es keine Zugabe."

 

Chapter Text

Albus fing verwundert die kleine Papiermaus auf, die sich eben durch den kleinen Spalt unter der Tür geschoben hatte und auf sie beide zu gesaust war.
Kaum saß sie in seiner Handfläche, faltete sie sich zu einer Nachricht auf:
Gellert wünschte, ihn zu sehen. Jetzt gleich.
Newt, der verstohlen zu Albus aufgeschaut hatte, fragte: „Von Grindelwald?“
Albus nickte, faltete das Blatt zusammen und ließ es mit einem ungesagten Zauber verschwinden.
Er küsste Newt den Nacken.
„Wirst du ohne mich zurechtkommen?“, fragte er, obwohl er nicht viele Optionen hatte. Er würde gehen und Newt würde das Zimmer allein nicht verlassen dürfen.
Er meinte, in Newts Blick erneut zu erkennen, dass es ihn aufwühlte. Nachdem sie den Morgen zusammen verbracht hatten, hatte es sich ein wenig gelegt, doch nun schienen all die Emotionen zurückzukehren.
„Werde ich“, sagte Newt dennoch und nickte tapfer.
Albus küsste ihm die Lippen.
„Ich werde mich an unsere Absprache halten“, versprach er noch einmal, weil er ahnte, dass Newt sich bereits gedanklich damit beschäftigte, was Albus und Gellert gleich tun würden.
Es war sicher ein schwacher Trost.
Aber falls Newt das Wissen weiterhin quälte, Albus teilen zu müssen (und nach den wenigen Stunden, die sie erst hier waren, war das mehr als wahrscheinlich), versteckte er das sehr konsequent.
„Ich liebe dich“, hauchte er.
Albus küsste ihn erneut.
„Ich dich auch“, flüsterte er und wollte noch mehr sagen, doch da klopfte es.
Albus runzelte die Stirn.
Dem Gellert, den er zu kennen glaubte, sah es nicht ähnlich, zu hetzen.
Misstraute er Albus‘ Bereitschaft, von selbst zu ihm zu kommen? Wo er ihn doch gestern erst mit so großen Worten um den Finger gewickelt hatte?
Mit einem Seufzen löste sich Albus von Newt und erhob sich – jedoch nicht, ohne ihm noch einen Kuss auf die Wange zu geben.
„Bis später“, sagte er.
Newt nickte.
Als Albus sich umwandte und zur Tür ging, fühlte er seinen Blick auf sich.
Und als er die Tür öffnete, stutzte er überrascht.
„Miss Goldstein“, grüßte er die blonde junge Dame, die ihm ein einnehmendes Lächeln schenkte.
Sie war wahrlich weit aufgestiegen in Gellerts Rängen, wenn er sie schickte, um Albus zu holen.
Albus wusste nicht, wieso, aber er war auf der Hut. Dass sie Newt verraten hatte, rückte sie in seinen Augen nicht gerade in ein positives Licht.
„Hallo, Mr. Dumbledore“, sagte sie und warf einen Blick über seine Schulter zu Newt hin.
„Ich bin hier, um Newt zu besuchen“, sagte sie.
Albus stutzte. Dann begriff er, dass sie tatsächlich nicht sein Geleit wäre, sondern höchstens Newts.
Er nickte und machte den Weg frei.
„Ich verstehe“, sagte er mit einem höflichen, salbungsvollen Lächeln, hinter dem sie seine Vorsicht nicht erahnen konnte. Er wies in einer einladenden Geste hinein.
„Bitte“, sagte er und nachdem sie eingetreten war, ging er hinaus und machte sich auf den Weg zu Gellerts Räumen.

*

 

Newt sah Albus mit gemischten Gefühlen hinterher, auch, als Queenie zwischen ihnen die Tür schloss. Er wollte nicht darüber nachdenken, was Albus nun mit Grindelwald tat. Sein Herz zog sich bereits wieder schmerzerfüllt zusammen, obwohl er sich daran erinnerte, dass er sich daran gewöhnen müsste, dass Albus nun nicht mehr nur ihm allein gehörte. Dass er all diese Dinge mit jemand anderem tat. Diese Dinge und noch mehr. Mit Grindelwald.
Es schüttelte Newt innerlich.
Vorsichtig und behutsam kam Queenie näher, bis sie in Newts direktes Blickfeld trat und ihn dadurch zwang, sich mit ihr zu beschäftigen.
„Hallo, Queenie“, sagte er in dem Versuch eines Lächelns. Es wollte ihm nicht gelingen. Er fühlte sich von ihr betrogen.
„Ich weiß, Darling“, sagte sie mit einem offen entschuldigenden Blick und sank in einigem Abstand neben ihm aufs Sofa.
„Es tut mir leid.“
Newt wich ihrem Blick aus. Er konnte ihr nicht in die Augen sehen.
„Wieso hast du mich verraten, Queenie? Wieso an… IHN?“
Als sie nicht antwortete, schaute er wieder auf.
Bestürzt sah er, dass sie die Lippen aufeinandergepresst hatte. Ihre Augen schwammen in Tränen.
„Er kann uns wirklich helfen“, sagte sie in einem Ton, als versuchte sie, ihm etwas klar zu machen, das für sie selbst offensichtlich war. Eindringlich aber auch verzweifelt.
Sie holte tief und zitternd Luft und schlang die bebenden Finger ineinander.
„Wenn du ins Schloss hineingekommen wärst, ohne, dass dich jemand gesehen hätte, und dann zu mir gekommen wärst…“, sagte sie leise, weil sie selbstverständlich seinen Plan kannte. Sie hatte ihn sicher laut und deutlich in ihrem Kopf gehört, als er nah genug an Nurmengard herangekommen war.
Sie schüttelte den Kopf, mit einem Lächeln, als wollte sie um Vergebung bitten.
„Ich wäre nicht mit dir gekommen, Newt“, sagte sie leise und die Tränen liefen ihr nun über die Wange. „Ich kann nicht, ich…“
Sie schluchzte und hickste. Ihre Handrücken wischten die Wangen mehr schlecht als recht trocken.
„Ich liebe Jacob“, hauchte sie, schluckte und schien sich dann zusammenzureißen. Sie holte tief Luft.
Ihre Tränen verebbten.
Mit festem Blick schaute sie zu Newt auf, der zu enttäuscht von ihr war und zugleich zu sehr mitfühlte, wie sie sich fühlen musste, als dass er sie unterbrechen wollte.
„Aber einer von uns musste mutig sein“, sagte sie mit selbstsicherer Stimme. „Ich weiß jetzt, dass dieses Umfeld hier für Jacob nicht gut gewesen wäre. Er ist trotz allem ein No-Maj.“
Sie stieß einen frustrierten Seufzer aus.
„Also muss ich für uns kämpfen. Gemeinsam mit Grindelwald.“
„Queenie“, sagte Newt sanft, weil er ihr die Hoffnung, an die sie sich klammerte, nicht vollkommen entreißen wollte. Aber er konnte es auch nicht ertragen, sie so fehlgeleitet zu sehen.
Bevor er noch nach Worten suchen konnte, um sich auszudrücken, legte sich ein bitterer Zug um Queenies Mund. Sie lächelte, aber es wirkte enttäuscht.
„Du verstehst es nicht“, stellte sie leise fest.
Newt schüttelte den Kopf. Er dachte an Albus und daran, wie verletzt er noch immer war, weil der Ältere Grindelwald so schnell in die Arme gefallen war. Wie schnell auch Queenie beschlossen hatte, ihm zu folgen.
„Es ist kein Fluch, wenn du das meinst“, sagte Queenie und nun klang sie ein wenig pikiert.
„Wir folgen ihm aus freien Stücken. Weil er die richtigen Ideen hat.“
Newt schwieg. Er wollte erneut den Kopf schütteln, aber er war nicht gut darin, Konflikte zu lösen und es behagte ihm nicht, der Freundin, die er so lang vermisst hatte, nun sagen zu müssen, dass er anderer Meinung war.
Queenie schenkte ihm ein nachsichtiges Lächeln.
„Du wirst es bald verstehen“, sagte sie sanft.
Newt nickte halbherzig. Er bezweifelte das.
„Es ist schön, dich zu sehen", sagte Queenie versöhnlich.
Newt, der zu der Erkenntnis gelangte, dass sie die Meinung des jeweils anderen nicht würden ändern können, gab den Versuch auf, sie verstehen zu wollen.
Friedfertig schenkte er ihr ein Lächeln.
„Finde ich auch“, sagte er.
Queenie war einer der Gründe gewesen, weshalb sie überhaupt hier waren. Sie unversehrt zu sehen und endlich die Möglichkeit zu haben, mit ihr zu reden, ließ einen großen Teil seiner Sorge von ihm abfallen. Er hoffte nur, dass es Credence ebenfalls gut ging.
„Uns geht es sehr gut“, sagte Queenie, die ihm offensichtlich zugehört hatte.
Sie legte eine Hand auf Newts Schulter und strich sacht darüber.
„Und dir?“, fragte sie teilnahmsvoll.
Newt wusste, dass sie bei ihrem Eintreten seine Gedanken zu Albus gehört haben musste. Er wich ihrem Blick aus. Er wusste nicht, was er antworten sollte. Wie es ihm ging, war schwer einzuschätzen.
Sicher, besser als gestern Abend.
Aber doch deutlich schlechter als an jedem Tag, den er in den letzten Monaten gemeinsam mit Albus in Hogwarts verbracht hatte.
„Den Umständen entsprechend“, murmelte er.
Queenie warf ihm einen verständnisvollen Blick zu.
„Ganz schön viel auf einmal, was?", fragte sie und ließ von ihm ab, um seine berührungsscheue Art zu respektieren.
„Könnte man so sagen", sagte Newt leise.
Er dachte an sein letztes Gespräch mit Tina über das Flohnetzwerk. Das Zaubereiministerium hatte den MACUSA nicht über ihre Rettungsaktion informiert, um weniger Mitwisser zu haben, aber Newt hatte es nicht über sich bringen können, Tina nicht wenigstens zu sagen, was sie geplant hatten.
Tina hatte gesagt, Newt solle Queenie ausrichten, dass man sie schmerzlich vermisste. Dass sie ihr vergeben würde, wenn sie doch nur endlich Grindelwalds Seite verlassen würde. Und dass Jacob sich sehr nach ihr verzehrte.
Newt brachte nichts davon über die Lippen.
Aber als er aufsah und bemerkte, dass in Queenies Blick erneut Tränen schwammen, wusste er, dass sie seine Gedanken erneut gelesen hatte.
Bestürzt wollte er sich entschuldigen, weil seine Gedanken sie offensichtlich mehr aufgewühlt hatten, als ihn.
Sie winkte ab, bevor er etwas sagen konnte, wischte sich die Tränen aus den Augenwinkeln und raffte sich zu einem breiten Lächeln auf.
„Es ist so schön, dass du da bist!“, rief sie in falscher Euphorie, die er das letzte Mal an ihr gesehen hatte, als sie mit einem liebeskranken Jacob über seine Türschwelle getreten war.
Das schien ein Abwehrmechanismus von ihr zu sein.
Er ging darauf ein, weil er ohnehin nichts tun konnte, um ihre Situation zu ändern und einsah, dass es ihnen beiden besser bekam, wenn er ihr entgegenkam.
Er erwiderte das Lächeln.
„Ja“, sagte er, obwohl er nicht der Meinung war, dass es schön war, hier zu sein. Er kannte sich nicht aus und alles hier war ihm fremd. Das machte es ihm noch schwerer, sich mit seiner neuen Situation zu arrangieren.
„Ich kann dich herumführen", bot Queenie aufgeregt an und ihr Lächeln wurde breiter, „Solange du von einem von uns begleitet wirst, darfst du beinahe überall hin gehen." Voller Vorfreude auf ihr kleines Abenteuer blickte sie ihn abwartend an.
„Also?", fragte sie, „Was sagst du? Lust auf einen Spaziergang?"
Newt stutzte. Diese Option war ihm bis eben nicht bekannt gewesen.
„W-wirklich?“, fragte er verwundert. Er war davon ausgegangen, dass er die Räume nicht verlassen dürfte, ehe er sich nicht Grindelwald angeschlossen hatte.
Doch die Aussicht darauf, die nächsten Monate in diesen vier Wänden eingesperrt zu sein, behagte ihm jetzt schon nicht.
„Wenn das möglich ist, dann sehr gern!“, sagte er.
Queenie kicherte zufrieden.
„Sehr schön", sagte sie und klatschte in die Hände. „Dann lass uns gehen." Newt erhob sich mit ihr und musste über ihre Freude schmunzeln, die nun echt wirkte. Sie lief zur Tür und blieb stehen, die Hand auf der Klinke.
„Eine Sache noch, Darling", sagte sie sanft und wandte sich zu Newt herum, „Tu bitte nichts Unüberlegtes. Solange du dich hier an die Regeln hältst, hast du wenig zu befürchten."
Newts Lächeln erlosch.
Ernst nickte er.
„Ich werde daran denken“, versprach er.
Queenie nickte zufrieden und öffnete Tür. Sie lief voran und wartete dann im Gang darauf, dass Newt zu ihr aufschloss.
„Die Festung ist recht weitläufig", begann sie fröhlich zu erklären, „Es gibt Etagen, in denen ausschließlich Meeting- und Strategieräume liegen. In anderen sind die Gästezimmer angelegt. Wir befinden uns hier gerade im Westflügel. Im Ostflügel liegt die Küche und ein großer Teil der Hauselfen ist dort beschäftigt. Wichtige Strategen werden woanders untergebracht als Gäste, die unerwartet zu uns stoßen, wie du.“
„Stoßen denn öfter unerwartet Gäste zu euch?", fragte Newt verwundert. Er konnte sich nicht vorstellen, dass allzu viele sich trauten, mal eben um Grindelwalds Festung zu schleichen so wie er und Albus.
Queenie kicherte.
„Wenn man es so betrachtet, bin ich auch ein unerwarteter Gast gewesen“, sagte sie und dann erlosch ihr Lächeln, weil sie offensichtlich an den schicksalhaften Abend in Paris dachte, der sie getrennt hatte.
„Jedes Mal, wenn neue Anhänger sich anschließen, stranden sie erst einmal dort, wo ihr jetzt euer Zimmer habt.“
Newt nickte langsam.
Dann folgte er Queenie in den Flügel, in dem sich die Küche befand. Sie sagte, dass es ganz in der Nähe davon einen kleinen Saal gäbe, in dem man gemütlich Mittagessen konnte.
Newt folgte ihr.

 

Chapter Text

Gellert hatte Albus den Weg beschrieben, den er nehmen musste, um zu dem Meetingraum zu gelangen, in dem sie sich treffen würden.
Er stieg eine Wendeltreppe hinauf, die zwei Etagen höher führte, und kam dann in einem breiten Gang an – in unmittelbarer Nähe zu einer Doppeltür, deren Flügel weit geöffnet waren.
Albus ahnte, dass er hier richtig war.
Er ging zur Tür und sah Gellert inmitten des Raumes stehen, wo er sich über einige Landkarten beugte.
Albus ließ den Blick durch den Raum wandern. Neben dem großen Tisch befand sich, in einiger Entfernung, eine recht gemütlich wirkende Sitzecke. Auf einem kleinen Tischchen daneben standen Tee und Kaffee bereit.
Albus klopfte gegen die offene Tür, ehe er eintrat.
„Hallo, Gellert“, grüßte er mit einem unverbindlichen Lächeln, weil er sich nicht recht sicher war, in welcher Stimmung Gellert ihn empfangen würde. Oder wie offen er zu dem stehen wollte, was er gestern gesagt und was sie im Anschluss getan hatten.
Er ging auf ihn zu und Gellert richtete sich auf, kam ihm entgegen und setzte ihm, als sie nah beieinanderstanden, einen Kuss auf die Lippen.
„Hallo, Liebling“, sagte er und erwiderte das Lächeln so warm, dass Albus‘ Herz ein Stück schmolz.
Als ihm Gellert eine Hand in den unteren Rücken legte, fühlte Albus die angenehme Wärme und zugleich ein wohliges Kribbeln.
Er ließ sich bereitwillig von ihm zur Sitzecke dirigieren.
„Tee?“, fragte sein Gastgeber aufmerksam.
Albus nickte. „Gern.“
Er ließ sich auf dem reich bestickten Polster nieder und Gellert tat es ihm nach, die Beine überschlagen und einen Arm auf die Rückenlehne gelegt.
Sie saßen im rechten Winkel zueinander und Albus mochte es, dass sie sich ansehen konnten, während sie sich unterhielten. Worüber auch immer… Denn den Grund seiner Einladung hatte Gellert ihm nicht genannt. Albus rechnete mit strategischen Unterhaltungen, schließlich war ihr Treffpunkt sicher nicht ohne Grund ein Meetingraum.
Trotzdem kam etwas wie entspannte Glückseligkeit in ihm auf, als eine volle Teetasse zu ihm herüberschwebte und Gellert zärtlich fragte: „Wie war deine Nacht?“
Albus bemerkte, wie aufmerksam Gellert ihn betrachtete, als gäbe es für ihn in diesem Moment nichts wichtigeres als Albus‘ Wohlbefinden.
Es freute ihn. Doch die Antwort auf die Frage überschattete das kurze Glücksgefühl.
Das Lächeln verging ihm. „Er hat mich angehört und das hier vorläufig als meinen Weg akzeptiert", antwortete er. „Es bleibt abzuwarten, ob er nur versucht, tapfer zu sein oder ob er sich mit den Gedanken selbst anfreunden kann." Albus raffte sich zu einem neuen Lächeln auf. „Dementsprechend hatte ich schon ruhigere Nächte. Aber es war notwendig."
Gellert nickte verständnisvoll.
„Die Zeit wird es wohl zeigen“, sagte er, ehe er einen Schluck Kaffee nahm.
Albus nickte und hob die Tasse Tee ebenfalls an seine Lippen.
„Also dann“, sagte Gellert, „Wieso beginnen wir die Unterhaltung nicht wie damals?“
Auf seinen Lippen erschien ein Lächeln und seine Augen funkelten.
Seine Worte schafften es so schnell, Albus an schönere Tage zu erinnern, dass er nicht anders konnte, als zurück zu schmunzeln.
„Mit den Grundlagen und Prinzipien?“, fragte er.
Gellert nickte.
„Gute Idee“, sagte Albus. Er konnte einen Themenwechsel gut gebrauchen und seit der Nacht dachte er unentwegt darüber nach. Darüber zu sprechen, wo er sich in Gellerts zukünftigen Plan einbinden konnte, reizte ihn jetzt bereits.
„Wieso beginnst du nicht erst einmal mit den Dingen, die dich stören?“, schlug Gellert vor.
Albus nickte, auch wenn er dafür etwas zurückdenken musste.
Ihm fiel recht schnell etwas ein, was ihn in den letzten Monaten erzürnt hatte.
„Die vermehrten Anschläge auf Muggel in Paris. Sobald das Opfer unverhältnismäßig groß zum erreichten Nutzen wird, kann ich es nicht gutheißen."
Gellerts Augenbraue wanderte bei diesen Worten nach oben.
Albus ahnte, dass er ebenso an den Brief dachte, den Albus ihm einst mit 17 geschickt hatte, und in dem Albus genau das betont hatte.
„Da bin ich völlig bei dir“, sagte Gellert sachlich, „Allerdings wäre es wohl hilfreich, wenn du deine Vorstellung von ‚unverhältnismäßig groß‘ genauer definieren könntest, damit ich dir folgen kann.“
Konzentriert runzelte Albus die Stirn. Er erinnerte sich gut an das Beispiel, das ihn damals erschreckt hatte.
„Du hast eine hochrangige Diplomatenfamilie ausgelöscht, weil du eine Wohnung in Paris brauchtest", sagte er und schüttelte sanft den Kopf, „Das kann ich nicht gutheißen."
„Es war die unkomplizierteste Lösung mit dem geringsten Risiko“, verteidigte Gellert seine Entscheidung. Doch da er zu merken schien, dass diese Antwort Albus nicht gefiel, fragte er: „Was hättest du stattdessen vorgeschlagen?"
„Ich hätte die Beziehungen des Diplomaten genutzt", antwortete Albus nachdenklich, „Üblicherweise haben sie Einfluss in die Politik vieler Länder. Muggelpolitiker, aber dennoch. Statt sie zu töten, weil dir die Politik im Weg war, die der Familienvater unterstützt hatte, hätte ich den Versuch unternommen, sie für deine Seite zu gewinnen. Du hättest sie benutzen können, um den Wandel von Muggelseite durchzuführen, was zwar einiges mehr an Zeit und Arbeit erfordert, sich aber durchaus lohnt. Es hätte die Gerüchte darüber, dass du muggelfeindlich bist, außerdem schnell zerstreut."
Er schmunzelte. „Und ich hätte mich in einem Hotel niedergelassen. Es gibt recht viele teure Hotels in Paris. Da hätte sicherlich eines deinen Geschmack getroffen."
Gellert runzelte die Stirn.
„So ...“, sagte er langsam. Er klang nicht überzeugt. „Und wenn er sich nicht hätte für meine Seite gewinnen lassen?“
Er schnalzte mit der Zunge.
„Ach, richtig, dann hätte ich ja in ein Hotel gehen können. Ich bin mir sicher, dass das keinerlei Risiko birgt, wenn der meistgesuchte Zauberer nach seiner Flucht vor dem MACUSA in ein Pariser Nobelhotel eincheckt. Inklusive seiner engsten Vertrauten und einigen Kontaktmännern."
Albus ließ sich von Gellerts offener Skepsis nicht verunsichern. Im Gegenteil, es forderte ihn gerade genug heraus, um seine Gedanken zu beflügeln. Es erinnerte ihn an früher, wenn sie über Feinheiten diskutiert hatten.
„Es wäre einen Versuch wert gewesen. Als wärst du jemand, der eine Sache unversucht lässt." Er hob eine Augenbraue. „Wieso schon von dem Misserfolg ausgehen? Das sieht dir nicht ähnlich... Abgesehen davon", fuhr er fort und sein Blick hielt den Gellerts, „versuch nicht, mich zu täuschen. Ich weiß genauso gut wie du, wie überzeugend du sein kannst. Vermutlich sogar noch mehr“, setzte er mit einem kleinen Schmunzeln hinzu, schließlich war er Gellert erst gestern erlegen.
Seine Braue wanderte weiter nach oben, amüsiert.
„Also sei so gut und erkläre mir, warum es weniger auffällig sein soll, eine hochrangige Diplomatenfamilie auszulöschen und sich in ihrer Wohnung einzunisten, als mit Verwandlung in einem Hotel ein und aus zu gehen? Es täte dir gut, Muggelzeitungen zu lesen. Der MACUSA tut das. Sie haben von dem mysteriösen Verschwinden der Familie gewusst. Selbst ich habe es erfahren und ich habe nicht einmal danach recherchiert."
Gellert begegnete seinem Blick ungerührt.
„Ich lese diverse Muggelzeitungen“, sagte er trocken. Er seufzte, als wollte er nicht länger über diesen einen Fall diskutieren, und sagte: „Es musste schnell gehen. Und die Lage war gut."
Albus nickte. „Du hast mich gefragt, was mich stört“, erinnerte er ihn behutsam, aber friedfertig. Er wollte nicht streiten und sein Standpunkt war mittlerweile klar.
„Das war ein Beispiel dafür", sagte er und trank ebenfalls einen Schluck seines Tees. „Ich bin ziemlich sicher, dass man das in Zukunft anders regeln kann. Es würde gewinnbringender sein können, als du vielleicht im ersten Moment ahnst?", setzte er hinzu und wartete milde interessiert auf Gellerts Reaktion.
Gellert schwieg einen Moment.
„Sicher, ich werde es berücksichtigen, sollte es noch einmal dazu kommen“, lenkte er schließlich vage ein, „Weitere Punkte?"
Albus lächelte ein undefinierbares Lächeln, während er sich innerlich eine Notiz machte, dass das hier nicht so einfach werden würde, wie es gestern gewirkt hatte. Er wusste nicht, was er erwartet hatte... und er hatte noch nicht einmal selbst konkrete Pläne beizusteuern, weil er so plötzlich eingestiegen war. Aber er hoffte, dass diese Unterhaltungen nicht auch in Zukunft so anstrengend werden würden. Gellerts Antwort klang nicht gerade danach, als meinte er das ernst. Und sie beide würden ernsthafte Probleme bekommen, wenn dem nicht so war.
Er nickte, während er das Lächeln aufrechterhielt.
„Der Barebone-Junge", sagte er und sprach damit das aus, was er sich schon seit Monaten fragte: „Was hast du mit ihm vor?"
Seine Frage schien Gellerts beginnende Abwehrhaltung schnell wieder zu durchbrechen.
Er schmunzelte.
„Du willst wissen, was will ich mit einem mächtigen Zauberer und Obscurial in meinen Rängen will? Ist das eine ernsthafte Frage?"
„Du weißt, was ich meine", sagte Albus sanft. „Du hast einen Haufen fähiger Leute in deinen Rängen und bist selbst nicht gerade wenig begabt. Was willst du mit einem Obscurial? Du hast doch gesehen, wie schnell es sie zerreißt." Er biss sich auf die Unterlippe, aber er wollte das Thema jetzt nicht persönlicher machen als es war. „Sie sind schwer zu kontrollieren und darüber hinaus dienen Obscuri nur der Vernichtung." Sein Blick wurde kühl. „Ich persönlich finde das den falschen Weg. Das kannst du dir sicher denken."
Gellert antwortete nicht gleich.
Es schien, als wolle er seine Worte dieses Mal bewusster abwägen.
Um Arianas Willen, ahnte Albus. Trotz des Themas, bei dem er selbst emotional reagierte, fühlte er doch etwas wie Dankbarkeit, dass Gellert diese Rücksicht auf ihn nahm.
„Wir werden in diesem Krieg nicht um Schlachten herumkommen, Albus“, sagte er leise, „Selbst, wenn wir uns bis dahin darum bemühen, möglichst wenig Opfer in Kauf zu nehmen. Und wenn es soweit ist, werden uns jeder fähige Mann und jede begabte Frau nützlich sein."
„Wieso glaubst du, dass es nur mit einem Krieg gelöst werden kann?", fragte Albus leise, „Wenn man jede Chance nutzen würde, sich diplomatische Beziehungen aufzubauen, wie vorhin beim Beispiel der Familie... dann kann der Wechsel auch gelingen, ohne, dass die andere Seite sich wehren kann. Wir können nach und nach jeden von der Idee überzeugen."
Gellert seufzte.
„Albus, bitte", begann er und warf ihm einen ungläubigen Blick zu. „Meinst du wirklich, ich hätte das nicht versucht? Weißt du, wie viele meiner Vorschläge bei verschiedenen Politikern und Regierungen abgelehnt wurden? Weißt du, auf wie vielen Beobachtungslisten in ganz Europa ich zu Beginn landete, weil meine diplomatischen Vorschläge zu 'radikal und unerwünscht' waren?"
Seine Stimme war knurrend geworden. Albus nahm es nicht persönlich. Er ahnte, dass es der Frust darüber war, nicht leichter zu erreichen, was sie angestrebt hatten.
„Gib dich nicht naiv, Albus“, sagte Gellert kühl, „Du weißt selbst, wie viel Wert diejenigen, die an der Macht sind, auf unsere Ratschläge und Ideen geben. Schau dir an, wie sie dich jahrelang behandelt haben! Sie beobachten dich jetzt noch und misstrauen dir wegen eines gemeinsamen Sommers in Godric's Hollow!"
Albus schluckte. Er fragte sich, woher Gellert das wusste.
Wohl durch Spitzel im Ministerium. Albus hatte immer schon geahnt, dass Travers‘ Abteilung nicht ganz seiner Meinung war. Und seine Politik der Angst und Unterdrückung hatte einige Zauberer und Hexen bereits in Gellerts Arme getrieben, lange bevor Albus entschieden hatte, Newt zu begleiten.
Gellerts Groll flaute fühlbar ab, nachdem er eine Kunstpause gelassen hatte.
„Sie wollen keine Veränderung, die ihr System und ihre Positionen ins Schwanken bringen könnte, Albus“, sagte er und nun klang er resigniert. „Zu diesem Zeitpunkt wird niemand auf uns hören, es sei denn, sie sehen die Notwendigkeit aus Furcht."
Albus schluckte betroffen. Er ließ die Worte wirken.
„Mag sein", sagte er mit belegter Stimme nach einer langen Zeit, in der er nicht gesprochen hatte. Er trank einen Schluck Tee, damit seine Hände etwas zu tun hatten.
„Aber es muss einen anderen Weg geben. Eine Welt, in der die Furcht regiert, wird nie überleben. Es wird immer Rebellen geben, die gegen den Auslöser der Angst angehen. Überzeugung ist stets stärker als Gefolgsleute, die Angst haben."
„Glaub mir, Albus, mir gefällt es ebenso wenig wie dir“, sagte Gellert. „Ich bin kein Kriegstreiber, der Tod und Leid genießt. Aber ich bin bereit, zu tun, was nötig ist, um eine neue, bessere Weltordnung herzustellen."
Albus knirschte mit den Zähnen, aber bevor er antworten konnte, fuhr Gellert fort: „Nicht die Bevölkerung soll in Furcht leben, sondern diejenigen an der Spitze, die einen Wandel verhindern wollen. Wer meinen Gegnern folgt und sich dabei in die Schusslinie begibt, der wird mit den Konsequenzen leben müssen. Wir alle wissen, was wir für unsere Überzeugungen riskieren und bringen dieses Opfer."
Albus schwieg. Die Realität, wie Gellert sie zeichnete, gefiel ihm nicht. Das, was Gellert sagte, schien den Tatsachen zu entsprechen, aber das stimmte Albus nicht glücklicher. Er schüttelte den Kopf. „Ich sage nicht, dass ich eine bessere Idee habe. Aber so wie es im Augenblick ist, kann ich es nicht akzeptieren."
In seinen Augen loderte ein neues Feuer der Entschlossenheit, als er Gellert wieder anblickte. „Jetzt, da ich ausreichend Zeit dafür habe, mich damit auseinander zu setzen, bin ich zuversichtlich, dass wir eine andere Lösung finden werden. Ich ertrage den Gedanken nicht, es so stehen zu lassen. Ich werde mich einbringen, so gut es geht."
Er schenkte Gellert ein verschlagenes Lächeln. „Schließlich solltest du auch meinen Einfluss im Ministerium nicht unterschätzen, Überwachung hin oder her. Mir misstrauen längst nicht alle. Und wenn ich es richtig anstelle, werden mir die, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben, auch weiterhin zuhören."
Gellert erwiderte das Lächeln nicht minder verschlagen.
„Wenn du einen effektiven Weg findest, um einen Krieg zu verhindern, werde ich es sicher nicht ausschlagen. Und an deinem Einfluss würde ich niemals zweifeln, du kannst sehr überzeugend sein, Liebling.“
Albus‘ Schmunzeln wurde wärmer.
„Wenn du es bist, der dieses Kompliment ausspricht, macht es die Worte noch gewaltiger", sagte er, „Wo du schließlich selbst bei deinen Feinden gefürchtet bist für deine silberne Zunge."
Er wurde ernst und nickte erneut. „Ich werde tun, was ich kann", sagte er und dann zog er die Stirn in Falten. „Allerdings muss ich es noch einmal ansprechen: Credence ist besorgniserregend alt, dafür, dass er einen Obscurus in sich trägt. Man kann den Obscurus nicht kontrollieren. Früher oder später frisst er Credence von innen auf und zerreißt ihn, wenn der Junge nicht davon geheilt wird."
Er holte tief und zittrig Luft. „Ich weiß, du kannst jede Macht brauchen, die du hast", sagte er, „Aber nicht den Jungen. Lieber schlage ich mich mit dir durch."
Gellert neigte den Kopf zur Seite und betrachtete Albus ruhig.
„Wer sagt, dass ich den Obscurus in ihm will, Albus?", fragte er, „Credence ist ungewöhnlich alt, trotz Obscurus. Allein das deutet auf ein überdurchschnittliches, magisches Potential hin. Die Kraft seines Obscurus ist nur ein Bruchteil von dem, zu was er fähig sein könnte, wenn er es schaffen würde, seine Magie zu entfalten und zu nutzen."
Albus stutzte. Dann schüttelte er den Kopf. „Du hättest es mir vorhin auch sagen können, als das Gespräch das erste Mal auf ihn fiel", sagte er irritiert. „Schon da bin ich von sinnloser Zerstörung durch den Obscurus ausgegangen." Er schloss die Augen und holte tief Luft, ehe er sagte: „Aber das ändert die Dinge natürlich. Ich hoffe nur, dass ihn das heilt."
Gellerts Mundwinkel zuckten. „Ich kann nicht ahnen, dass du denkst, ich hätte Interesse an einer unkontrollierbaren Waffe“, sagte er, „Er macht bereits Fortschritte, seit er einen Zauberstab hat und unterrichtet wird. Auch wenn seine Magie oft noch sehr impulsiv und unkontrolliert ist."
Albus nickte.
Er dachte darüber nach, was sie besprochen hatten. Und worum ihn Gellert anfangs gebeten hatte. Ihm fielen keine weiteren Punkte ein, die sich nicht später besser klären ließen, sobald das Thema von selbst darauf fiel.
„Das wäre dann wohl erst einmal alles“, sagte er, trank seinen Tee aus und schenkte Gellert ein Lächeln. „Und nun?“
Gellert lehnte sich nachdenklich zurück. „Wir sollten uns vor allem Gedanken machen, wie wir bezüglich Mr. Scamanders wund deinem Aufenthalt hier weiter verfahren wollen. Ihr werdet nicht zurückkehren. Ab welchem Zeitpunkt hältst du es also für sinnvoll, zu verkünden, dass du die Seiten gewechselt hast?"
Albus schwieg einen Moment.
Gellert hatte Recht, darüber sollten sie nachdenken.
„Nicht sofort“, sagte er langsam, während er im Geiste die einzelnen Punkte gegeneinander abwog. „Das könnte einige meiner Kontakte von vornherein verschrecken und die Kommunikation erschweren. Und da meine Abwesenheit in Hogwarts für die nächsten Wochen unter einem Vorwand stattfindet, wird auch niemand Verdacht schöpfen."
Während er noch weitergrübelte, runzelte er unvermittelt die Stirn.
„Für Newt wird es schwieriger", sagte er nachdenklich, „Sein Bruder ist auf den Fall angesetzt, Theseus. Sollte sich Newt nicht innerhalb von ein-zwei Wochen bei ihm zurückmelden, wird er einen Aurorentrupp auf die Suche schicken und, wie ich ihn kenne, selbst dabei sein." Er blickte auf. „Ich möchte ungern mit ansehen, wie Theseus gegen deine Männer kämpft. Es würde Newt zerstören. Also muss er ihm in ein paar Tagen wenigstens ein Lebenszeichen schicken, damit er keinen Verdacht schöpft."
Gellert nickte.
„Das sollte kein Problem sein“, sagte er und Albus war überrascht, wie schnell er zustimmte.
„Auch meine Männer können auf unnötige Konflikte verzichten. Wie lange werden wir seinen Bruder mit einem Lebenszeichen beruhigen können?"
Albus bemerkte, dass er bei dieser Frage an eine Grenze stieß.
Er zuckte mit den Schultern, weil er keine Antwort dafür parat hatte. Allmählich fühlte er sich, als würde er als Figur auf einem Schachbrett teilnehmen, in einem Spiel, das schon seit Ewigkeiten in Gange war - nur er war neu.
Deshalb schenkte er Gellert ein Lächeln und sagte, weil Gellert es in seinem Eifer zu vergessen schien: „Wir sind seit nicht einmal 24 Stunden hier. Und es ist kaum 12 Stunden her, dass du mich überzeugt hast, bei dir zu bleiben. Ich brauche ein wenig Zeit, wenn ich dir darauf eine realistische Antwort geben soll. Und Newt auch."
Er seufzte. „Wir müssen es beide erst einmal verarbeiten. Ich werde darauf achten, dass wir es nicht unnötig in die Länge ziehen, damit wir solche Konflikte nicht heraufbeschwören."
Gellert schwieg einen Moment, als wenn er die Worte verinnerlichen wollte.
Dann nickte er.
„In Ordnung“, sagte er, ehe er seinen Kaffee austrank und die Tasse auf den Tisch stellte.
„Nun, da wir das Geschäftliche vorerst geklärt hätten: Ich hoffe, dir gefällt deine neue Garderobe? Ich habe Drolly angewiesen dir einige Anzüge in den Kleiderschrank zu hängen und einen bereit zu legen. Der dir übrigens fabelhaft steht, Liebling."
Er lächelte charmant und ließ demonstrativ den Blick über Albus gleiten, der geschmeichelt errötete.
„Vielen Dank", sagte er lächelnd. „Sehr aufmerksam von dir."
Er gab der Teekanne einen Wink und sie schenkte ihm neuen Tee ein.
„Und ja, mir gefällt der Anzug. Ich hatte bisher noch keine Gelegenheit, mir die anderen anzusehen. Aber dafür bleibt sicher noch ausreichend Zeit."
In Gellerts Augen trat ein verruchtes Funkeln. „Vielleicht sollte ich dir noch ein passendes Set Unterwäsche dazu besorgen, das dir genau so sehr schmeichelt?"
Albus lachte leise. „Solltest du", bestätigte er und wich Gellerts Blick aus, weil es ihn sonderbar nervös machte.
„Ich bin gespannt, welche Art Unterwäsche du für mich auswählen würdest", sagte er, während er einen Schluck Tee nahm.
Mit einem Grinsen sagte Gellert: „Definitiv Strapse.“
Albus verschluckte sich an seinem Tee und prustete ungewollt einen großen Schwung über den Rand der Tasse.
Seine Handschuhe flogen zu Hilfe, reichten ihm einige Servietten und trockneten die Hand, die die Tasse hielt.
„Ich bezweifle, dass ich in Strapse annähernd so gut aussehe, wie du es dir ausmalst", sagte er peinlich berührt. Er war es nicht gewohnt, in etwas derart Weibliches gesteckt zu werden und hatte es sich nie vorgestellt. Aber er meinte es ernst, wenn er sagte, dass diese Fantasie auf ihn bezogen von Gellert vermutlich überschätzt wurde.
Aus den Augenwinkeln sah er, wie Gellert sein Kinn auf eine Hand stützte und ihn mit einem intensiven Blick fixierte.
„Ich denke doch“, schnurrte er, „Du hast wundervoll lange Beine, Liebling."
Albus schmunzelte, während er sich vom ersten Schock erholte und wieder zu seiner alten Kontenance zurückfand.
„Ich denke, Newt würde es um einiges besser stehen als mir", sprach er das erste aus, das ihm in den Sinn kam. Er fragte sich, warum er nicht schon eher auf die Idee gekommen war, es dem Jüngeren vorzuschlagen. Sie hatten bereits einige Dinge ausprobiert.
Gellert lachte leise. „Nur fürchte ich, dass Newt mir diese kaum vorführen würde, Liebling."
„Vermutlich nicht", bestätigte Albus mit einem amüsierten Kopfschütteln und blickte dann zu Gellert hin. „Und du glaubst, ich würde es tun?" Seine Augen funkelten belustigt.
Gellert betrachtete ihn einen Moment lang schmunzelnd. Albus war sich nicht sicher, ob er über die Antwort nachdachte oder sich schon vorstellte, wie Albus wohl aussehen würde.
Dann sagte er sehr schlicht, aber nicht minder selbstsicher: „Ja.“
Albus musste leise lachen. „Sehr von dir überzeugt“, stellte er fest, beugte sich zu Gellert hin und gab ihm einen kleinen Kuss. „Aber du kannst es dir leisten", raunte er schmunzelnd.
Gellert umgriff sein Kinn, als er sich wieder zurückziehen wollte.
Dann sah er Albus so tief in die Augen, dass ihn ein Schauer durchlief.
„Du wirst Strapse für mich tragen", raunte er ihm mit Nachdruck zu.
Albus fühlte, wie etwas in ihm willig aufschnurrte.
Er schlug die Augen nieder, weil er Gellerts intensiven Blick nicht länger aushielt, und nickte.
„In Ordnung", sagte er mit belegter Stimme.
Gellert schenkte ihm ein zufriedenes Lächeln, zog ihn näher und belohnte ihn mit einem verführerischen Kuss.
„Wer weiß, vielleicht habe ich bereits ein Paar in meinen Räumen für dich?", raunte er gegen Albus‘ Lippen.
Albus fühlte, wie ihn die Enttäuschung traf. So sehr er es auch wollte… Er konnte nicht.
Albus hatte gehofft, Gellert mit diesem Versprechen wenigstens noch ein wenig hinhalten zu können und wand sich mit einem unangenehm berührten Lächeln aus der Umarmung.
„So vielversprechend das auch klingt", sagte er sanft, „würde ich das gern auf später verschieben." Schließlich hatte er Newt ein Versprechen gegeben. Und er wäre unzufrieden, wenn er Gellert seine neue 'Unterwäsche' vorführte und das nicht in Sex endete. Daher durfte er das nicht riskieren.
Gellerts Augenbraue hob sich. „Und aus welchem Grund?“, hakte er nach.
Albus holte tief Luft und ließ sie dann in einem Seufzer entweichen, weil er erkannte, dass Gellert ohne Erklärung nicht zufrieden sein würde.
„Weil ich Newt ein Versprechen gegeben habe, dass ich in den nächsten sieben Tagen keinen Sex mit dir habe", antwortete er schmunzelnd, „Und ich vermute, wenn du mich jetzt in Strapse steckst, wird es schwerer, sich an dieses Versprechen zu halten."
Gellerts Augenbraue wanderte noch höher. Skeptisch fragte er: „Und der Sinn hinter diesem Versprechen ist was genau?"
Albus wurde ernst. „Sich an den Gedanken zu gewöhnen", antwortete er und als Gellert noch immer nicht wirkte, als könne er es nachvollziehen, entwich Albus ein Seufzen. Er sank zurück.
„Deiner Reaktion entnehme ich, dass du keine Vorstellung davon hast, wie sich unser Leben in den letzten Stunden verändert hat", sagte er mit einem nachsichtigen Lächeln, „Wir sind nicht hierhergekommen, um uns dir anzuschließen. Ich bin nicht gekommen, um mit dir zusammen zu sein." Er blickte in seine halbleere Teetasse und fuhr bedächtig fort: „Wir müssen von jetzt auf gleich unser gesamtes Leben hinter uns lassen und die Tatsache, dass die einzige Sicherheit, die er in dem Moment noch hat - nämlich die Beziehung zu mir - ebenfalls eine herbe Änderung erfährt, trägt nicht gerade dazu bei, dass er sich mit der Gesamtsituation anfreunden kann. Ein kleiner Aufschub erschien mir daher gerechtfertigt. Er hat darum gebeten und, um ehrlich zu sein, ist es mir lieber so, als wenn er weiterhin in einer Ecke sitzen und sich die Augen ausweinen würde." Er blickte wieder zu Gellert auf. „Newt wird in den nächsten Tagen viele Kompromisse machen müssen. Es ist mir wichtig, ihm wenigstens in der einen Sache entgegen zu kommen."
Gellert schien nicht begeistert, aber immerhin hörte er zu. Auch, wenn sein Stirnrunzeln eine eindeutige Sprache sprach.
Albus rechnete schon mit weiteren Gegenargumenten, doch Gellert nickte nur knapp.
„Nun, ich denke, nach zwanzig Jahren schaffe ich es auch noch, sieben weitere Tage auf dich zu verzichten. Zumindest in dieser Hinsicht."
Seine Reaktion beruhigte Albus. Er schenkte Gellert ein Lächeln. „Sehe ich ebenso“, sagte er.

Chapter Text

Queenie hatte Newt gesagt, dass er es bald verstehen würde, doch das tat er nicht.
Auch zwei Wochen nachdem sie hier angekommen waren, konnte er es einfach nicht nachvollziehen, was Queenie und Albus in Grindelwald sahen.
Sicher, Albus zu verstehen, war ein wenig leichter (wenn auch nicht weniger schmerzhaft). Wenn Gefühle eine Rolle spielten, war es schwerer, sich zu entziehen. Niemand wusste das besser als Newt, den seine einzige Freundschaft in seiner Schulzeit immerhin dazu gebracht hatten, eine Strafe auf sich zu nehmen, die eigentlich Leta hätte treffen sollen. An ihrer statt war er von der Schule geworfen worden. Er hatte es nie bereut.
Aber das war nicht gleichzusetzen und so gern Newt Albus deshalb auch zürnen wollte, so sehr fühlte er sich doch selbst auf viel zu dünnem Eis. Nicht nur, weil er fürchtete, dass Albus sich ihm vollkommen entziehen würde, wenn er seinen neuen Weg allzu sehr in Frage stellte. Auch, weil damit noch der letzte Halt verschwinden würde, der ihm hier in Nurmengard ein einigermaßen angenehmes Leben gab. Sicherheit und Halt. Emotionale Stabilität.
Die Zeit mit Albus war trotz aller Gefangenschaft schön. Er liebte ihn einfach zu sehr, um den Fehler zu begehen, Albus mit seiner abweisenden Haltung noch weiter in Grindelwalds Arme zu treiben. Wenn es nach ihm ging, war Albus ohnehin zu oft in besagten Armen. Spätestens seit einer Woche… Seit es keinen Grund mehr gegeben hatte, den Newt hätte vorbringen können, damit Albus und Grindelwald weiter sexuell enthaltsam blieben. Er wusste keine Details, aber das machte es nicht unbedingt besser.
Und wer war Newt, sich zu beklagen? Wer war er überhaupt in diesem Konstrukt? In diesem Spiel, das da gefochten wurde, wo Könige die Seiten wechselten und er als kleiner Bauer nur am Rand stehen und zusehen konnte, darauf hoffend, dass die Gunst des einen Königs anhielt und die Grausamkeit des anderen ihn und die, die er liebte, verschonte.
Newt vermisste seine Tierwesen schrecklich. Solange auch nur eines von ihnen anwesend wäre, hätte er einen Freund. Aber er war ohne sie hierhergekommen, um sie nicht zu gefährden. Er bereute es jetzt. Pickett hätte ihm die Stunden versüßen können, in denen er allein in den Räumen saß und auf Albus wartete. Der Niffler hätte mit ihm Münztricks geübt. Newt fragte sich, wie es ihnen ging. Ob die Mondkälber wohl spürten, dass er nicht wiederkommen würde? Würde Dougal, der das sicher vorausgesehen hatte, sich um sie kümmern? Waren die Feuerschwänze nun sicher verwahrt oder hatten sie sich wieder befreien können, um quer durchs Schlossgelände zu fliegen und sich auf dem Astronomieturm niederzulassen? Newt hoffte, dass Bunty ab und an nach ihnen sah. Und er hoffte, dass Theseus seine versteckte Botschaft verstanden hatte. Albus hatte ihn gebeten, seinem großen Bruder zu schreiben. Newt zweifelte nicht daran, dass man die Zeilen, die er schreiben sollte, noch einmal genauestens lesen würde, bevor man die Eule verschickte. Er hatte sich Albus – und letztendlich Grindelwald – in dieser Sache gebeugt, ahnend, dass Albus ihn nicht darum bitten würde, wenn es anders gehen würde.
So hatte er Theseus lediglich geschrieben, dass es ihm gut ging. Dass er sich keine Sorgen machen musste. Dass es keinen Grund gab, nach ihm zu suchen.
Er hatte es vermieden, zu behaupten, dass er übergelaufen sei – obwohl das Grindelwald höchstwahrscheinlich am liebsten gewesen wäre. Glücklicherweise verlangte es niemand von ihm. Man wollte lediglich einen offenen Konflikt mit dem Zaubereiministerium vermeiden und Newt wollte genauso wenig eine Schlacht. Er wollte nicht noch jemanden an Grindelwald verlieren. Paris war schlimm genug gewesen. Er durfte nicht daran denken. Sonst hätte er es Albus entgegengeschrien und all seine bittere Enttäuschung an ihm ausgelassen.

Albus hatte sich bereits Ende letzte Woche öffentlich dazu bekannt, die Seiten gewechselt zu haben. Newt bekam keine Zeitungen. Aber er ahnte, wie die Welt diese Neuigkeit aufgenommen haben musste. Und er wusste, dass Theseus eins und eins zusammenzählen konnte. Er selbst hatte Newt damals gewarnt. Seine alten Zweifel würden sicher ausreichen, um nicht zu denken, dass Newt sich ebenfalls angeschlossen hatte. Mehr konnte Newt nicht tun. Er wusste nicht, wie seine Zukunft aussehen würde. Newt konnte nur eines mit Sicherheit sagen. Er würde sich niemals beugen.
Die ‚Loyalität der Hufflepuffs‘ hatte es Albus vor einigen Tagen liebevoll genannt und ihn nicht weiter gedrängt.
Blieb nur zu hoffen, dass Newt auch die anderen Eigenschaften in sich trug, die Hufflepuffs ausmachten. Allen voran Geduld.
Eines Tages würde er vielleicht hier herauskommen. Man konnte ihn nicht ewig im Schloss halten wie einen Gefangenen in einem zugegebenermaßen recht goldenen Käfig. Egal, wie es ausging, etwas würde sich ändern.
Newt dachte nicht mehr an Flucht. Nicht ohne Queenie und Albus. Aber er würde seine politische Haltung deshalb nicht ändern. Ein geduldeter Bewohner, der er war, war er dankbar für Albus‘ Nähe und versuchte, alles andere auszublenden. Er kam sich naiv vor, weil er vorher nie eine solche Zukunft in Betracht gezogen hatte. Weil er in Albus immer nur seinen Lieblingslehrer und später einen charismatischen Gegenspieler Gellerts gesehen hatte. Nie den hochrangigen Diplomaten, der nun sein gesamtes Potenzial zu entfalten schien. Newt hatte immer gewusst, wie klug Albus war. Er war dennoch ein wenig eingeschüchtert davon, wenn Albus ihm von seinen Tagen erzählte. Von langen und zähen Verhandlungen. Von Meetings mit Akolythen und anderen Vertrauten Grindelwalds. Von persönlichen Erfolgen, die darauf hindeuteten, dass Grindelwald den Kurs für ihn tatsächlich ein wenig abschwächte. Von seiner milden Enttäuschung, wenn es ihm einmal nicht gelang.
Albus schien zu wissen, was er tat. Er war so fähig und Newt hatte von all dem gar keine Ahnung, sodass er sich neben ihm immer unbedeutender vorkam – trotz all der Aufmerksamkeit, die Albus ihm unverändert schenkte. Er spürte die Kluft zwischen ihnen wachsen, egal, was Albus tat und sagte.
Es tat weh.
Aber Newt schwieg. Und nahm, was er bekommen konnte.

~*~

Am frühen Abend neigte sich Albus‘ und Gellerts Besprechung dem Ende entgegen. Sie hatten in größerer Runde zusammengesessen und nun waren nur noch sie beide übrig. Zwei Stunden länger als alle anderen. Sie gingen die Einzelheiten der baldigen Mission durch.
Albus schwirrte ein wenig der Kopf, doch er mahnte sich zur Konzentration.
Immerhin hatten sie, als alle anderen gegangen waren, zu zweit in Gellerts Strategieraum platzgenommen, in der gemütlichen Sitzecke, während vor ihnen die große Strategiekarte in der Luft schwebte.
Albus hatte die vergangene halbe Stunde damit zugebracht, Gellert zu einem anderen Vorgehen zu überreden, das aus seiner Sicht weniger unschuldige Opfer treffen würde. Gellert hatte dagegengehalten, weil Albus‘ Strategie zugegebenermaßen ein höheres Risiko für den Erfolg der Mission barg, dass Gellert nicht einzugehen bereit war.
Es hatte in den letzten zwei Wochen immer wieder solche Momente gegeben. Gespräche, in denen Albus bemerkte, dass sein Einfluss Grenzen hatte. Er ahnte, dass es nicht nur daran lag, dass Gellert das gemeinsame Ziel nun schon viele Jahre lang selbst weiterverfolgt hatte und sich seine Gedankengänge verhärtet hatten… Auch, dass Albus noch immer recht neu in den gemeinsamen Unternehmungen war, würde ihm wohl noch lang im Weg stehen. Erst, wenn einige Zeit ins Land gegangen war, wären sie wieder so sehr aufeinander abgestimmt, dass über solche Dinge nicht diskutiert werden musste. Bis dahin musste Albus einfach geduldig bleiben und seine eigenen Vorstellungen nicht aus den Augen verlieren.
Als Gellert neben ihm mit den Schultern rollte, unterbrach Albus seine Ausführungen. Sie hatten den ganzen Tag nichts anderes getan, als über die Mission und ihre langfristigen Auswirkungen zu sprechen. Also hielt er inne. Es gab wichtigeres, als weiter auf Gellert zu drängen, den die letzten Stunden offensichtlich ebenso angestrengt hatten, wie Albus. Auch Albus spürte die konzentrierte Planung deutlich in den Knochen. Es war notwendig gewesen, so wie vieles auf ihrem Weg zu einer freien Welt – aber deshalb nicht weniger anstrengend. Er beendete seinen Satz und schenkte Gellert ein Lächeln.
„Ich denke, wir sind sehr gut aufgestellt“, lenkte er ein, „Die Feinheiten lassen sich ohnehin erst kurz vorher klären.“ Sie könnten darüber später noch einmal sprechen, wenn beide einen klareren Kopf hatten. Sein Lächeln wurde wärmer. „Wollen wir es dabei für heute bewenden lassen? Eine Pause würde uns guttun.“
Gellert nickte und ließ die Karte mit einem Wink verschwinden. Er nahm einen Schluck seines Kaffees, ehe er Albus ein kleines Lächeln schenkte. „Pausen sind derzeit ein seltener Luxus für mich."
„Das ist mir bewusst“, antwortete Albus schmunzelnd. Er hatte Gellert schließlich in den letzten Tagen aus nächster Nähe beobachten können. „Wenn niemand auf dich achtet, überarbeitest du dich vollkommen.“ Er erhob sich und beugte sich zu Gellert hinunter, um ihm einen Kuss auf die Schläfe zu geben. „Komm“, sagte er sanft, „Wir sind deutlich vorangekommen. Lass es für heute gut sein.“
Wenn er Gellert auch nicht in der Strategie hatte überzeugen können, so schien er nun mehr Erfolg zu haben, ihn zu überreden.
Gellert schmunzelte. „Du hast, wie so oft, recht, Liebling."
Albus erwiderte das Lächeln. Vielleicht dachte Gellert ja dann doch noch einmal darüber nach, ihm in der Planung entgegenzukommen. „Darf ich dir beim Abendessen Gesellschaft leisten?“, fragte er guter Dinge und setzte mit einem weiteren kleinen Lachen hinzu: „Ich bin am Verhungern.“
Gellert wirkte im ersten Moment überrascht, legte Albus dann aber eine Hand in den Nacken, um ihn erneut tiefer zu ziehen und sich einen weiteren Kuss zu stehlen. „Liebend gern“, schnurrte er, „Wenn es in deinen straffen Zeitplan passt?“ Er sagte die letzten Worte mit einem gut hörbaren Schmunzeln.
Albus musste grinsen. Ihm war klar, dass Gellert nicht das Berufliche meinte. Damit hatten sie schließlich beide genug zu tun. Er spielte auf Newt an, der heute den Tag damit verbracht hatte, die Bücher zu lesen, die Queenie ihm aus der Bibliothek mitgebracht hatte. Und eine zweite Nachricht an Theseus verfassen sollte, um ihn weiter zu besänftigen – obwohl der erste Brief noch nicht einmal beantwortet worden war.
Albus stand nicht der Sinn danach, sich von Gellert zu lösen. Aus verschiedenen Gründen. Vorrangig aber, weil er hoffte, dass sein Bedürfnis nach der Nähe des anderen auf Gegenseitigkeit beruhte. Mehr gemeinsame private Zeit würde sie noch enger zusammenbringen. Es würde sich auch in späteren Verhandlungen auszahlen und Gellert vielleicht ein wenig milde stimmen. Außerdem mochte Albus Gellerts Gesellschaft.
Er seufzte auf, als Gellerts Küsse entschiedener wurden. Das hier entschädigte bereits für seine verspannten Muskeln und die, während der Besprechung gekommenen, milden Kopfschmerzen. Er löste den Kuss schweren Herzens aufgrund des lauten Knurrens seines Magens und schenkte Gellert ein Lächeln, während er sich wiederaufrichtete. „Nichts würde ich im Augenblick lieber tun wollen“, sagte er.
Gellert gluckste. Trotz seiner deutlichen Erschöpfung schien er guter Stimmung zu sein.
„Ich möchte dich ungern durch einen plötzlichen Hungertod verlieren“, sagte Gellert schmeichelnd, erhob sich und setzte mit einem wissenden Funkeln in den Augen hinzu: „Abendessen in meinen Räumen?"
„Klingt perfekt“, sagte Albus nickend und folgte Gellert schließlich hinaus. Newt wusste, dass er den Tag heute für Gellert reserviert hatte. Es gab also keinen Grund, früher zu verschwinden. Nun, nach einigen Tagen und nachdem das ‚Verbot‘, Sex mit Gellert zu haben, verjährt war, bemühte Albus sich, beiden zu gleichen Teilen seine Aufmerksamkeit zu schenken. Er wollte keinen von beiden vernachlässigen. Dafür liebte er sie zu sehr.
Er folgte Gellert gemächlich durch die langen Gänge, bis zu seinen Räumen und kam dann im Essbereich der Einladung nach, sich zu setzen.
Gellert schritt zur Minibar. „Wein?“, fragte er, während er einen Wink mit seiner Hand vollführte, woraufhin eine Feder den Befehl für Abendessen auf ein Stück Papier schrieb. Das Papier faltete sich zu einer Maus und huschte davon.
Albus nickte. „Sehr gern“, sagte er. Er ließ den Blick durch den Raum schweifen. Je öfter er hier war, desto mehr gewöhnte er sich an die Umgebung.
Gellert, der eben zwei Gläser und eine Flasche Rotwein gegriffen hatte, kehrte damit zum Tisch zurück, schenkte ein und reichte Albus ein Glas.
„Auf einen Abend voller luxuriöser Pausen", prostete er Albus mit einem neckenden Augenzwinkern zu.
„Das klingt vielversprechend“, sagte Albus schmunzelnd und fragte dann mit kaum verhaltener Neugier: „Was hast du uns zu Essen bestellt?“
Gellert ließ sich am Tisch nieder und kostete den Wein. „Fasanenbrust auf Champagnerkraut“, antwortete er mit einem Lächeln. „Nach deinem Geschmack?"
Albus schmunzelte. Gellert hatte schon immer ein Faible für ausgewählte Speisen gehabt. Er nickte. „Erlesen, wie nicht anders von dir zu erwarten“, sagte er, ehe er an seinem Rotwein nippte. Dann rollte Albus das Glas am Stil gedankenverloren zwischen Daumen und Zeigefinger.
Er hatte in den letzten Wochen viele seiner alten Gedanken und Einstellungen hinterfragt. Einige davon hatte er gegen neue Glaubenssätze ausgetauscht. Je mehr er sich in dieses neue Leben einfand, desto mehr bekam er einen festen mentalen Stand, der sicher genug war, um auch weiter voraus zu sehen.
„Sag, wenn das alles hier geschafft ist“, sprach er sinnierend, „Und allmählich Ruhe einkehrt…“ Er blickte zu Gellert auf. „Wo würdest du gern leben wollen?“ Mit einem Lächeln setzte er hinzu: „Uns würde die Welt offenstehen. Würdest du in Nurmengard bleiben?“
Seine Frage schien Gellert zu amüsieren. „Ich zweifle stark daran, dass wir jemals 'zur Ruhe kommen', wie du es bezeichnest. Nach der Revolution werden starke Führungspersonen gefragt sein“, gab er zu bedenken.
„Ich meinte damit nicht ein Ende des Stresses“, sagte Albus nachdenklich, „Vielmehr einen Zustand der Welt, der unsere Anschauung akzeptiert. Wo du nicht länger von deinen Feinden verfolgt wirst, die dich im Gefängnis sehen wollen… dann kann man sich seinen Wohnort freier wählen als aktuell.“
„Nun, wo du sein wirst, ist offensichtlich“, sagte Gellert grinsend. Ein wissendes Funkeln lag in seinen Augen. „Du wirst mit dem jungen Scamander durch die Dschungel jagen, nehme ich an?“, fragte er grinsend.
Albus fühlte einen feinen Stich, als Gellert von vornherein eine gemeinsame Zukunft ausschloss. So viel zum Thema ‚Seelenverwandschaft‘. Er wich seinem Blick aus und schaute stattdessen mit einem Lächeln auf den Lippen versonnen in sein Weinglas. Warum traf es ihn so, dass Gellert nicht von ‚uns‘ gesprochen hatte? Albus machte sinnlos aus einer Mücke einen Elefanten und ärgerte sich selbst darüber.
„Ich habe keine Vorstellung davon, was Newt möchte, sobald er sich wieder freier bewegen kann“, sagte er tapfer, während er sich unverändert entspannt gab. „Ich schätze, dadurch, dass er es im Moment nicht in Betracht zieht, weiß er das selbst nicht. Vielleicht kehrt er vorerst nach Hogwarts zurück und vervollständigt den Lehrplan, für den er dort begonnen hatte.“ Ein mildes Lächeln schlich sich auf sein Gesicht, während er an Newt dachte. „Den Menschen die Tierwesen besser begreiflich zu machen ist für ihn beinahe ebenso wichtig, wie sich um hilfsbedürftige Tiere zu kümmern. Es ergibt ja auch Sinn: Wenn die Menschen es besser verstehen, geraten weniger Tierwesen in Gefahr.“
Als er bemerkte, wie viel er über Newt gesprochen hatte, schüttelte er den Kopf.
„Wie dem auch sei“, sagte er und schaute wieder zu Gellert auf. Er zuckte mit den Schultern. „Es war nur so ein Gedanke.“
Gellert schenkte ihm ein undefinierbares Schmunzeln. Albus wurde nicht so recht schlau daraus, doch bevor er fragen konnte, erschien vor ihnen das Essen und Gellert, dem das ebenso aufgefallen war, sagte einladend: „Guten Appetit.“
Albus war von dem Themenwechsel beinahe erleichtert. Dass Gellert sich zu einer gemeinsamen Zukunft ausgeschwiegen hatte, stach ihm in die Brust, obwohl er wusste, dass das nicht bedeuten musste, dass Gellert sie nicht in Betracht zog. Er hielt sich nur gern geheimnisvoll.
Albus drängte jegliche milde Enttäuschung zurück, versuchte, sich zu sagen, dass Gellert sicher gute Gründe dafür hatte, und griff nach dem Besteck.
„Guten Appetit“, antwortete er und ließ den Blick über das Essen wandern. Seit er hier wohnte, wurde er das Gefühl nicht los, dass die Hauselfen in Hogwarts deutliche Konkurrenz hatten. Wenn nicht sogar weit hinter den Künsten von Gellerts Hauselfen zurückblieben. Er nahm einen Bissen und musste unvermittelt genießend aufstöhnen, als ihm das Fleisch auf der Zunge zerging.
Als er bemerkte, dass Gellert ihn beobachtete, schenkte er ihm ein Lächeln. „Das Essen schmeckt vorzüglich“, sagte er, als wollte er sich für seine Reaktion rechtfertigen. „Eine sehr gute Wahl.“
Er trank noch einen Schluck des guten Rotweins, während er daran dachte, danach ein genauso fabelhaftes Dessert zu bekommen. So anstrengend, wie der Tag gewesen war, so angenehm klang nun der Abend aus.
Gellert antwortete nicht sofort. Seine verschiedenfarbigen Augen lagen unverändert auf Albus. Er beobachtete ihn beim Essen. Albus fühlte sich selten in eine Ecke gedrängt oder einem Raubtier ausgeliefert, aber dieser Blick jagte ihm einen Schauer über den Rücken. Ohne ihn aus den Augen zu lassen, trank Gellert einen großen Schluck Wein. Dann schenkte er Albus ein Lächeln. Es war wärmer, als Albus erwartet hatte.
„Könnte ich jeden Abend so hier mit dir sitzen, ich würde danach friedlich und glücklich schlafen", raunte er Albus zu.
Seine Worte taten gut.
Albus musste amüsiert grinsen. Für Gellerts Verhältnisse klangen sie verboten schnulzig. „Nun, dann weiß ich wenigstens, dass du diese Nacht zu ausreichend Schlaf kommst“, sagte er neckend und auch in seine Augen trat ein Funkeln. Er musste eingestehen, dass die Worte ihre Wirkung nicht verfehlt hatten. Sein Herz schmolz ein Stück. Doch Gellert war ebenso talentiert darin, jemanden bewusst um den Finger zu wickeln, wie er selbst. Er sagte solche Dinge nicht einfach, weil sie ihm auf dem Herzen lagen. Albus fragte sich nicht, was Gellert damit bezwecken wollte.
„Ich fürchte, der Kaffee wird mir das unmöglich machen“, antwortete Gellert schmunzelnd, neigte dann sinnierend den Kopf und setzte mit schnurrendem Unterton hinzu: „Obwohl ich auch damals in Godrics Hollow den friedlichsten Schlaf meines Lebens hatte. Trotz übermäßigem Kaffeegenuss."
Sein Schmunzeln wurde breiter. „Was sicher auch an dem angenehmen Beischläfer lag."
Albus erinnerte sich daran. Die Erinnerungen wärmten seine Brust. Sie hatten damals in vielen Nächten eng aneinandergeschmiegt und umschlungen in Gellerts Bett geschlafen, umringt von aufgeschlagenen Büchern und vollgeschriebenen Pergamenten, während die Kerzen im Raum hinunter brannten. Es war eine so aufregende Zeit gewesen, so voller Wunder und Hoffnung.
Als Albus sich wieder auf die Realität konzentrierte und damit darauf, sich von Gellerts schönen Worten nicht zu leicht fangen zu lassen, kehrte der Schalk in seine Augen zurück. „Die Lösung sieht also zwei Teile vor“, sagte er nickend, um einen sachlichen Tonfall bemüht, doch seine Mundwinkel zuckten verräterisch. „Teil eins: Weniger Kaffee, vor allem nach Mittag.“ Er nahm einen weiteren Bissen und kaute ihn bedächtig, um eine Kunstpause zu schaffen, ehe er mit einem scheinheiligen Lächeln fortfuhr: „Teil zwei: Nach Möglichkeit die Nacht mit einem Beischläfer verbringen.“
Gellerts Mundwinkel zuckten. „Liebling, langsam wirst du gierig.“
Albus lachte verblüfft auf. „Bitte?“, fragte er amüsiert und setzte dann ein charmantes Lächeln auf. „Ich habe lediglich die Fakten offen ausgesprochen. Du solltest weniger Kaffee trinken und nicht allein schlafen.“
Als er seine Worte selbst hörte, stockte er. Das bezog sich nicht nur auf ihn selbst, erkannte er. Und Albus bemerkte, dass er sich nie gefragt hatte, mit wem Gellert das Bett teilte, wenn Albus nicht zugegen war. Nicht zugegen gewesen war, in all den Jahren.
Doch dann verwarf er den Gedanken wieder. Gellert konnte tun und lassen, was er wollte und auch Albus hatte mehr als einen Liebhaber. Er fragte sich nur, ob Gellert es ihm sagen würde, wenn er nicht der Einzige wäre… Ein seltsames Gefühl wanderte in seine Brust.
Er fühlte Gellerts Blick auf sich.
„Was geht dir durch den Kopf, Albus?" fragte er ruhig, als spürte er Albus‘ plötzlichen Stimmungsumschwung.
„I-ich…“, begann Albus und seine Stimme brach. Er räusperte sich, irritiert von seiner eigenen plötzlichen Verletzlichkeit und atmete tief durch. „Ich hatte mich nur gefragt, ob… ob es außer mir noch andere gibt“, sagte er aufrichtig und jegliche Neckerei war aus seiner Stimme verschwunden. Aufmerksam blickte er Gellert entgegen. „Andere, die dir beim Einschlafen helfen“, setzte er hinzu mit dem Versuch eines schiefen Lächelns.
Gellert stützte seinen Ellbogen auf den Tisch und lehnte sein Kinn auf seine Hand, während er Albus mit einem ruhigen Lächeln betrachtete. „Was glaubst du?"
Albus hielt den Blickkontakt tapfer aufrecht, obwohl er die Antwort fürchtete. Er versuchte, sich unbeeindruckt und sachlich zu geben. „Ich weiß es nicht“, sagte er nüchtern, ehe er ein Seufzen ausstieß und seinen Wein in einem Schluck leerte. „Es würde Sinn ergeben“, sprach er es schließlich selbst aus, „Immerhin haben wir beide nicht damit gerechnet, uns so bald wieder zu sehen und… zusammen sein zu wollen.“ Er zerbiss sich die Unterlippe, während er einen Moment auf die Tischplatte starrte, ehe er sich an sein mutiges Herz erinnerte. Er war noch nie der Typ dafür gewesen, vor unangenehmen Gesprächen zu kuschen. Mit neuer Tapferkeit richtete er den Blick wieder auf Gellert. „Es würde mich nicht überraschen“, sagte er ruhig. „Ich muss nur gestehen, dass ich bis eben nicht darüber nachgedacht hatte.“
Gellert antwortete nicht sofort. Mit einem Wink seiner Hand hob sich die Weinflasche in die Luft und schenkte Albus erneut ein.
„Ich habe durchaus hin und wieder die ein oder andere Bekanntschaft, die mir hilft, zu entspannen", antwortete er schließlich sachlich. „Aber diese sind weit davon entfernt, in meinem Bett schlafen zu dürfen."
Albus biss sich auf die Innenseite seiner Wange und zwang sich zu einem Lächeln, während er versuchte, sich geehrt zu fühlen, dass er der einzige war, der bei ihm schlafen durfte. Er nickte knapp.
Doch die Unterhaltung hatte ihn aufgewühlt. Er schloss die Augen und nahm einen tiefen Atemzug, gefolgt von einem großen Schluck Wein, sobald seine Augen wieder offen waren. Es wurde besser.
Gellert, der zu spüren schien, dass seine Antwort Albus nicht gefallen hatte, setzte in beiläufigem Ton hinzu: „Bekanntschaften, deren Gesellschaft ich weder gesucht, noch vermisst habe seit du hier bist." Er schenkte sich selbst Wein nach.
Albus schluckte gegen den Kloß in seinem Hals an und nickte. Innerlich schüttelte er den Kopf darüber, wie unausgeglichen er war. Wie sehr er an jedem von Gellerts Worten hing und wie verletzlich ihn diese Abhängigkeit machte. Jahrelang hatte er geglaubt, er wäre innerlich gefestigt. Und nun brachte ihn eine kleine Unterhaltung mit Gellert über potenzielle Liebhaber bereits ins Wanken… und das, obwohl er kein Recht hatte, in irgendeiner Form zu verlangen, der Einzige zu sein. Nach einigen Momenten, in denen er sich gesammelt hatte, räusperte er sich. „Das ist gut zu wissen.“
Gellert betrachtete ihn ein paar stille Momente. Dann stellte er das Glas ab, legte die Gabel zur Seite und beugte sich vor. Er nahm Albus‘ freie Hand.
„Ich habe dir schon vor zwei Wochen gesagt, dass ich dir jeden Wunsch erfülle, der realistisch ist“, begann er und sah Albus dabei ernst in die Augen. „Ich erlaube dir, Newt neben mir zu haben, und ich erlaube dir freie Meinungsäußerung zu meiner Vision der Zukunft. Du weißt, dass mir das Wohl einzelner Individuen nicht viel bedeutet." Er hob Albus‘ Hand an seine Lippen und setzte einen sanften Kuss darauf. „Ich will dich glücklich sehen. Also sag mir, was du dir wünschst. Ich habe kein Problem damit, für dich auf irgendwelche Affären zu verzichten."
Albus schenkte Gellert ein gerührtes Lächeln.
„Ich weiß“, hauchte er sanft und drückte Gellerts Hand sanft, „Ich weiß, dass du das alles für mich tun würdest und ich bin dir dankbar dafür.“ Sein Ausdruck wurde ein wenig schmerzlich. „Aber ich kann nicht von dir verlangen, für mich monogam zu leben, wenn ich nicht auf Newt verzichten kann. Das ist nicht fair und ich will dir nicht ein Recht vorenthalten, das du mir einräumst. Es reicht mir, zu wissen, dass ich dir wichtiger bin als andere.“ Er schmunzelte. „Und vielleicht würde es nicht schaden, wenn du mir diejenigen, die dich unterhalten, wenn ich nicht bei dir bin, bei Gelegenheit vorstellst.“
Als Gellerts verständnisloser Blick ihn traf, ahnte Albus, dass er falsche Unterstellungen gemacht hatte. Schmunzelnd schüttelte Gellert den Kopf. „Ach, Liebling", murmelte er und umfasste Albus‘ Hand fester, ehe er ihm einen weiteren Kuss auf den Handrücken setzte, bei dem Albus ein wohliger Schauer über den Rücken lief. „Du enthältst mir damit nichts vor. Und mit Sicherheit gibt es da niemanden, der es wert ist, vorgestellt zu werden. Sie alle verblassen neben dir.“
Albus errötete bei den Worten. „Du schmeichelst mir“, stellte er leise fest.
Gellert antwortete nicht sofort. Seine weichen Lippen bedeckten Albus‘ Hand mit weiteren Küssen. So hingebungsvoll, dass Albus ganz schwach wurde.
„Du hast keine Vorstellung davon, wie wichtig du mir bist, Liebling", flüsterte Gellert gegen Albus‘ Hand.
Albus merkte, wie die Worte seinen Mund zu einem Lächeln verzogen, das er nicht mehr kontrollieren konnte. All das, was er die letzten Jahre nicht hatte haben können, nun leibhaftig vor sich sitzen zu sehen und zu spüren, dass die Gefühle erwidert wurden, berührte ihn so tief, dass es nichts Weiteres brauchte, um ihn glücklich zu machen. Er liebte Gellert. Mehr, als er jemals irgendjemanden geliebt hatte.

 

Chapter Text

Im Allgemeinen konnte sich Albus glücklich schätzen. Er hatte die Gelegenheit, an der Umsetzung seines Jugendtraums beteiligt zu sein, lebte in einem luxuriösen Schloss, wurde von Gellert beinahe so sehr verhätschelt wie eine verwöhnte Prinzessin und hatte dazu seinen jungen Liebhaber behalten dürfen, der ihm die Zeit versüßte, in der er nicht mit Gellert zusammen an ihrem gemeinsamen Ziel arbeitete.
Er konnte zufrieden sein. Albus wünschte, er wäre es. Aber es traf nicht gänzlich zu.
Gellert bewies ihm jeden Tag wieder, wie gern er ihn an seiner Seite hatte. Er hörte ihm aufmerksam zu und gestattete kleine Änderung in seinem Plan. Und doch hatte Albus mit jedem weiteren Tag, der verging, mehr das Gefühl, dass es da eine Grenze gab. So nah, wie sich ihre Herzen waren, sollten auch ihre gemeinsamen Vorstellungen sein. Wieso schien es dann, als würden sie durch eine dünne Glaswand voneinander getrennt sein?
Es war nicht leicht zu erkennen und wäre Albus emotionaler und leichter durch Gellerts schöne Worte um den Finger zu wickeln, wäre es ihm nicht aufgefallen. Er hätte nicht darüber nachgedacht, hätte Gellert blind vertraut und dabei nicht bemerkt, wie dieser seine Änderungen zur Mission zwar angehört aber nicht berücksichtigt hatte.
Und, was Albus in den nächsten Tagen unzufriedener stimmte, war, dass es nicht nur bei dieser einen Mission blieb. Gellert ließ ihm in keinem der Themen wirklich freie Hand, überwachte sie alle und wenn Albus von seinen Vorstellungen abwich, machte er ihm sanft aber entschieden klar, dass dies nicht die Art war, wie er es handhaben würde.
Albus nahm es zerknirscht hin. Er mahnte sich zu Geduld und Verständnis. Schließlich war er neu dazugekommen. Außerdem behauptete Gellert zwar vielleicht, dass er ihm nichts nachtrug, aber Albus wusste, wie vielschichtig er war. Vielleicht machte Gellert das nicht bewusst, aber offensichtlich stand da, wenn es um den gemeinsamen Plan ging, noch immer etwas zwischen ihnen.
Albus fragte ihn nicht, was es war. Er meinte, die Antwort zu kennen: Ihre Vergangenheit.
So rosig und glorreich die gemeinsamen Tage in Godrics Hollow begonnen hatten, so entschieden hatte Albus sie am Ende beendet. Nach Arianas Tod hatte er Gellert aus dem Haus geworfen, zerrüttet vom Streit und dem darauffolgenden Unfall, und mit der Aussage auf den Lippen, dass ihr gemeinsames Ziel für ihn Geschichte war.
Dass Gellert nun nicht gewillt war, die Zügel allzu leichtfertig aus der Hand zu geben, vielleicht auch aus Angst, dass Albus es sich wieder anders überlegte, war nachzuvollziehen.
Also bemühte sich Albus, ihm weiter sein Vertrauen und seine Loyalität zu beweisen, damit Gellert ihn nach und nach immer mehr einließ. Damit er es mehr zu ihrer gemeinsamen Sache werden ließ. Damit Albus den Einfluss bekam, den er brauchte, um Schrecklicheres abzuwenden.

*

 

In der dritten Woche seit ihrer Ankunft in Nurmengard hatte Albus unverändert alle Hände voll zu tun. Gemeinsam mit Gellert saß er in einem Meeting, doch er wünschte, dass es sich nicht länger hinziehen würde. Er hatte Hunger.
Albus‘ Hungergefühl war im Allgemeinen nicht sonderlich stark ausgeprägt. Es gab wichtigere Dinge als Essen. Trotzdem musste er nun, nachdem Gellert und er seit dem frühen Morgen im Meeting saßen – ohne, dass er zuvor gefrühstückt hatte – feststellen, dass sein Magen sehr unzufrieden war.
Ein wenig bedauerte er es, deshalb das Meeting unterbrechen zu müssen, doch sein lautes Magengrummeln war Gellert nicht entgangen. Das Obst und die Kekse, die sie hatten bringen lassen, hielten einfach nicht lang vor und Albus verzehrte sich nach einer ordentlichen Mahlzeit.
Eine der Dinge, die er an Gellert liebte, war, dass dieser ihm die wirklich bedeutenden Sachen nicht ausschlagen konnte. Auf seine Gesundheit zu achten, gehörte dazu.
Und so war er es, der nach dem dritten lauten Grummeln einen Hauch entnervt aber schmunzelnd vorschlug, dass sie alle eine Mittagspause einlegten.
Albus nahm das Angebot dankbar an und folgte ihm hinaus, so wie die anderen Teilnehmer des Meetings. Auf dem Flur zerstreuten sie sich. Und bald waren Albus und Gellert allein auf dem Weg in Gellerts Räume, wo sie ihr Mittagessen einnehmen würden, während alle anderen dafür in den vorgesehenen Speisesaal gingen.
Gerade fragte Albus sich, wie Newt wohl den Morgen verbracht hatte, als dieser mit Queenie im Schlepptau um die Ecke bog. Albus fühlte einen Funken Wiedersehensfreude, obwohl sie sich erst am Morgen gesehen hatten. Es verbesserte seine Stimmung umgehend.
Newt schien nicht annähernd so froh, ihn zu sehen. Oder vielmehr seine Begleitung.
Sein Lächeln, das eben noch Queenie gegolten hatte, fiel in Sekundenschnelle in sich zusammen.
Und als sie schließlich alle vier stehenblieben und sich ansahen, respektvollen Abstand zwischen sich, war es Gellert, der das Wort ergriff.
„Queenie“, sagte er und aus den Augenwinkeln sah Albus, dass Gellert erst Newt und dann ihr ein Lächeln schenkte. „Wie passend, dass wir uns treffen. Hast du Rosier bereits sprechen können?“
Queenies höfliches Schmunzeln machte Überraschung Platz. „Nein, Sir“, sagte sie.
Gellert brummte verstehend. „Ich hatte angenommen, dass sie dich noch vor unserem nächsten Meeting aufsuchen wird. Sie wollte mit dir sprechen, bevor sie uns ihre Einschätzung gibt.“
Er wies mit dem Kopf minimal in die Richtung eines Ganges, der in den mündete, in dem sie eben standen. „Vermutlich ist sie auf der Suche nach dir. Sei so gut und sprich mit ihr.“
Queenie nickte eilfertig, ehe sie Newt einen entschuldigenden Blick zuwarf. Dann sah sie zu Gellert zurück.
„Ich mache mich besser auf den Weg“, sagte sie mit einem weiteren Lächeln und als Gellert sie mit einem schlichten Nicken entließ, wandte sie sich auf dem Absatz herum und bog in den Korridor ein.
Zurück blieb Newt, der sich offensichtlich unwohl in dieser Situation fühlte.
Albus schenkte ihm ein kleines Lächeln, das Newt eher schlecht als recht erwiderte. Er hoffte jeden Tag, dass Newt sich mehr an ihre jetzige Situation gewöhnte, aber ihm entging nicht, dass der Jüngere damit deutlich mehr Probleme hatte als er selbst.
Und dass ihm dann auch noch seine Freundin ‚entzogen‘ wurde, stimmte ihn zusätzlich enttäuscht.
Albus versuchte, sich jetzt zurück zu halten. Er hielt Gellert nicht nur für den Stärkeren, sondern auch für den, der besser einen kühlen Kopf behielt. Newt war unerfahren, ein wenig naiv und ließ sich von seinen Emotionen treiben. Albus vermied es tunlichst, sich jetzt auf eine Seite zu stellen. Gellert wusste, wie wichtig Newt für Albus war und Albus traute ihm zu, dass er sich dementsprechend verhielt. Sie würden es unter sich ausmachen, wie sie miteinander umgingen.
Albus warf Gellert einen Seitenblick zu, weil ihm der Gedanke gekommen war, Newt zum Essen einzuladen. Er war sich unsicher, ob Gellert es gutheißen würde, aber Newt wirkte so verloren, wie er hier plötzlich stehengelassen worden war.

*

 

Newt hatte den Blick gesenkt, als Queenie gegangen war. Er fragte sich einen Moment, ob Albus und Grindelwald ihn wohl in sein Zimmer zurückbringen würden, schließlich durfte er sich nur in Begleitung bewegen. Oder ob sie dafür keine Zeit hätten und einfach eine Wache abstellen würden.
Nach einem kurzen Schweigen sprach ihn jedoch Grindelwald an: „Wir sind auf dem Weg zum Mittagessen in meinen Räumen. Wenn du dich also anschließen möchtest..."
Dabei lächelte er so leutselig höflich, dass sich alles in Newt zusammenzog. Sie hatten sich in den letzten Wochen so gut wie nicht zu Gesicht bekommen. Und jetzt, da er ihm ins Gesicht sehen musste, brodelte alles wieder hoch. New York, Paris, Grindelwalds ständige Fragen nach Albus und nach ihrer Beziehung zueinander. Sein Todesurteil im MACUSA. Seine Folter auf den unterirdischen Bahngleisen, die Newt noch immer den Knochen saß. Da war so viel Wut in Newt, so viel Abscheu und Abneigung.
Bei jedem anderen Menschen hätte Newt mehr oder weniger erfreut zugestimmt.
Aber bei ihm konnte er es nicht. Er konnte ihm ja nicht einmal ins Gesicht sehen, ohne sich zu wünschen, dass diesem das scheinheilige Lächeln vergehen würde. Außerdem konnte er gut darauf verzichten, zu beobachten, wie Albus und er miteinander umgingen. Wahrscheinlich ebenso liebevoll, wie Albus Newt zu behandeln pflegte. Davon Zeuge zu werden, bereitete ihm schon in der Vorstellung Übelkeit.
Die Worte verließen seinen Mund, ohne dass er sich stoppen konnte: „Ich verzichte darauf, mich Ihnen anzuschließen. Egal, in welcher Sache.“
Es war keine sonderlich höfliche Antwort.
In jedem Fall war sie nicht amüsant.
Und doch entging ihm nicht, dass Albus versuchte, ein leises Lachen als Husten zu tarnen, als wäre seine Reaktion nicht verständlich, sondern amüsant und naiv.
Auch Grindelwald schmunzelte minimal.
Bevor Newt über diese Reaktion ernsthaft wütend werden konnte, warf ihm Albus einen freundlich bittenden Blick zu. „Möchtest du über deine Antwort nicht lieber noch einmal nachdenken?“, fragte er sanft, „Die Hauselfen, die Gellerts Essen servieren, sind die schnellsten und besten Köche. Und ich versichere dir, dass wir sehr entspannt essen.“
Newt biss die Zähne zusammen. Er wusste, dass der Ältere nur versuchte, zu schlichten und zu vermitteln. Doch es schmerzte ihn auch, dass Albus sich nicht in ihn hineinversetzen wollte. Nicht darüber nachdachte, wie Newt sich fühlte und was es für ihn bedeuten würde, jetzt nachzugeben.
Er hatte sich in all den letzten Wochen mit Kritik an Grindelwald zurückgehalten, aber das bedeutete nicht, dass er nachvollziehen konnte, wie Albus so leichtfertig einem Mann verzeihen und ihn sogar lieben konnte, der all diese grausamen Dinge getan hatte. Newt hatte kein Bedürfnis danach, den Kontakt zu diesem Wahnsinnigen zu vertiefen. Dass er von ihm festgehalten wurde, war schlimm genug.
„Du magst es entspannend finden, mit tyrannischen Mördern zu Mittag zu essen. Ich allerdings nicht!“, fuhr er Albus an. Dafür erntete er von ihm eine erhobene Augenbraue und einen tadelnden Blick, der ihn ins Herz traf.
Er konnte sich damit nicht beschäftigen, denn Grindelwald schnaubte amüsiert auf und sagte: „Ein 'tyrannischer Mörder'... Harte Worte, um jemanden zu beschreiben, der in einem Krieg kämpft."
Sein Ton war so ekelhaft entspannt und wohlwollend, dass sich alles in Newt sträubte.
Er funkelte Grindelwald zornig an. „Es sind keine harten Worte, es sind wahre Worte! Und Sie kämpfen in keinem Krieg, Sie sind einfach ein grausamer Fanatiker!"
Nach seinen Worten wurde Grindelwald schon eher zu dem Mann, den er vorher kennengelernt hatte. Seine Miene war eiskalt und sein Lächeln noch kälter.
„Fanatiker…“, wiederholte er, ohne jegliche Emotion durch seine Worte dringen zu lassen. „Jeder Visionär wurde anfangs so bezeichnet. Ich hatte angenommen, dass gerade du nachvollziehen kannst, wie wichtig Veränderung und Umdenken sind, wenn es um ungerechte Ansichten geht, die andere nicht gewillt sind, zu ändern.“
Dass Grindelwald es wagte, seine Arbeit als Magizoologe mit den harten Methoden zu vergleichen, die er für seine Revolution gewählt hatte! Newt biss sich auf die Zunge und schüttelte voll Unverständnis den Kopf.
„Ich vergaß“, sagte er und ihm stieg beinahe die Galle auf. All der Schmerz, den Grindelwald ihm und denen, die er liebte, bisher angetan hatte. Tinas und sein Todesurteil. Letas Opfer. Theseus‘ Trauer.
„Alles lässt sich rechtfertigen, solange es einem edlen Ziel dient“, sann er bitter weiter, „für Ihr ‚Größeres Wohl‘. Eine Bezeichnung, die nur Ihnen wirklich etwas dient, Ihnen allein. Keiner Allgemeinheit. Eine Rechtfertigung für Ihre Gier nach Macht und Kontrolle!“ Er wurde mit jedem Wort lauter, doch es war ihm egal. All der Schmerz, die Trauer und die Wut kochten in ihm über und es machte ihn krank, wie alle in diesem Schloss die Augen davor zu verschließen schienen, was dieser Mann alles getan hatte. Oder, was noch schlimmer war, wie sie ihn sogar bei seinen Gräueltaten unterstützten. „Auf dem Weg dorthin nehmen Sie Leid, Tod und Zerstörung in Kauf, solange es Sie selbst nicht betrifft!", rief er. „Sie sind der schlimmste Heuchler, den ich je…“
„Das reicht, Newton!“
Es war nicht Grindelwald, der ihn unterbrochen hatte. Es war Albus.
Newt fühlte sich, als hätte er ihm einen Dolch in den Bauch gerammt. Er sah ihn fassungslos an.
„Du bist unhöflich und anmaßend“, sagte Albus in einer autoritären, strengen Stimme, die er Newt gegenüber sonst nie verwende. Seine Miene war sehr ernst und sein Gesicht erschreckend bleich. „Ich, an deiner Stelle, würde mich für mein Verhalten entschuldigen.“
Newt entwich alle Luft aus den Lungen.
Sprachlos starrte er Albus an, ehe er mit zittriger Stimme antwortete: „ICH soll mich entschuldigen?" Aller Unglauben schwang in seiner Stimme mit. All die Fassungslosigkeit, die er die letzten Wochen hinuntergedrückt hatte. Er hatte nicht weiter mit Albus darüber sprechen wollen. Hatte es totschweigen und die Augen davor verschließen wollen. Aber er stieß an seine Grenzen.
„Tut mir leid, Albus, aber ich kann das nicht“, sagte er schwach und meinte damit nicht die Entschuldigung. „Du siehst ihn als strahlenden Revolutionär und lässt dich von ihm einlullen.“
Weil er nicht mehr wusste, was er dazu sagen sollte, und weil er seit Tagen darüber grübelte, was Albus nur so verblendet hatte, schüttelte er den Kopf. „Ich kann nicht dasselbe tun.“
Sein Blick verschleierte sich. Er bemerkte, dass ihm Tränen in die Augen gestiegen waren. Dass Albus in dieser Diskussion Grindelwalds Seite gewählt und ihn angefahren hatte, stach tief.
„Ariana war vielleicht ein Unfall. Aber Leta war es nicht. Und mein Tod wäre es auch nicht gewesen, für den er verantwortlich gewesen wäre, wenn es mir nicht gelungen wäre, aus dem MACUSA zu fliehen.“
Er sah, wie Albus‘ bleiches Gesicht noch weißer wurde, doch es bereitete ihm keine Befriedigung. Im Gegenteil, die gesamte Stimmung erdrückte ihn so sehr, dass er es nicht länger ertrug, in der Nähe der beiden zu sein. Newt wirbelte auf dem Absatz herum und eilte in den Gang, in dem zuvor schon Queenie verschwunden war. Es war ihm egal, wohin er ging. Hauptsache, fort von Grindelwald.

Aufgewühlt stürmte er die Gänge entlang und merkte erst nach der dritten Abbiegung, dass er überhaupt nicht wusste, wohin er gerade floh. Natürlich wäre es vernünftig gewesen, zurück in ihre Räume zu gehen. Schließlich durfte er nicht allein umherstreunen. Doch alles in ihm sträubte sich dagegen.
Außerdem ahnte und befürchtete er, dass nicht nur Grindelwald ihm nun zürnte. Auch Albus würde das, was er ihm an den Kopf geworfen hatte, nicht einfach so hinnehmen. Und Newt wollte sich ihm nicht stellen. Er wollte nicht reden. Genau genommen wollte er gerade einfach nur an einen Ort, an dem er all das vergessen konnte. Den Schmerz, die Wut und seine ausweglose Situation.
Nicht zum ersten Mal vermisste er seine Geschöpfe. Wenn er seinen Koffer dabeigehabt hätte, dann wäre er sein erster Anlaufpunkt gewesen. Newt hätte sich in irgendeines der Gehege zurückgezogen, bis er wieder einigermaßen klar denken konnte.
Doch das stand nicht zur Auswahl, also lief Newt weiter, nahm eine Treppe in die oberen Stockwerke und bemerkte an all den offenen Türen, dass er wohl in den Flügel mit den Gästezimmern gekommen war, von dem Queenie ihm erzählt hatte. Die meisten davon waren unbelegt. Newt hatte nicht vor, in eines davon zu gehen. Es behagte ihm nicht sonderlich, dass sich hinter ihm eine Tür schließen könnte. Also ging er bis zum Ende des Ganges, wo er eine breite, steinerne Fensterbank fand, halb hinter einem schweren, dunkelroten Vorhang verdeckt.
Kurzentschlossen stieg Newt darauf, schloss den Vorhang ganz, zog die Knie an und drückte sein tränennasses Gesicht dagegen.
Die Ruhe, die er brauchte, um durchzuatmen und sich zu sammeln, war von kurzer Dauer.
Ein paar Minuten war ihm die Einsamkeit vergönnt.
Dann hörte er leise Schritte, die auf dem Steinboden näherkamen.
Ohne auch nur den Kopf zu heben, wusste er, dass es Albus war. Schon seltsam, wie man einen geliebten Menschen allein an solchen Kleinigkeiten erkennen konnte.
Das Rascheln von Kleidung ertönte. Und dann, hinter dem Vorhang, Albus‘ ruhige Stimme, die fragte: „Möchtest du darüber reden?“
Die Stimme kam von unten, als hätte sich Albus neben der Fensterbank auf den Boden gesetzt.
Newt zog die Knie weiter an und vergrub sein Gesicht darin.
Worüber sollte er schon mit Albus reden? Darüber, dass er sich verraten fühlte, weil Albus Partei für Grindelwald ergriff? Darüber, dass er sich hier einfach nicht wohl fühlte? Dass er seine Geschöpfe vermisste? Oder darüber, dass er mit einem Mann, der andere tötete, ohne mit der Wimper zu zucken, nichts zu tun haben wollte?
Er wusste, dass es Albus wichtig war. Sowohl Grindelwald, als auch dessen Ziel. Er versuchte, es zu akzeptieren. Da verletzte es ihn umso mehr, dass Albus nicht nachvollziehen konnte, dass Newt seine Probleme damit hatte, sich mit dem Mörder seiner Kindheitsfreundin zu einem entspannten Mittagessen an einen Tisch zu setzen. Und nicht nur das, er ermahnte ihn sogar und forderte eine Entschuldigung von ihm dafür, dass er Grindelwald die Meinung sagte.
Newt hatte sich früher schon unverstanden und allein gefühlt. Aber es war nie so grausam gewesen wie jetzt, wo er geglaubt hatte, jemanden getroffen zu haben, der ihn wirklich kannte – und ihm nun mit so viel Ignoranz entgegenging. Ausgerechnet Albus, der es als einziger geschafft hatte, einen Weg in sein Herz zu finden. Und zwar so, dass Newt dessen Anwesenheit genoss und ersehnte. Es fühlte sich schrecklich an, säte Angst und Zweifel in ihm. Newt fragte sich, ob das zwischen ihnen halten würde, ob das alles hier sie entzweien würde und ob Newt am Ende allein und mit einem gebrochenen Herzen dastünde.
Bei dem Gedanken krallte Newt seine Finger in seine Arme und konnte ein leises, gedämpftes Schluchzen nicht ganz verhindern.
Als wäre das Geräusch ein Startschuss gewesen, schob sich neben ihm der Vorhang zurück und Albus legte die Arme um ihn.
Newt hatte sich fest vorgenommen, still sitzen zu bleiben und nicht zu reagieren, bis er sich entweder wieder gefangen hätte oder es Albus zu blöd würde. Doch nun, da Albus ihn umarmte, brachen alle Dämme und spülten die Vorsätze gleich mit davon. Mit einem aufgelösten Schluchzen vergrub er sein Gesicht an Albus‘ Brust und schlang seine eigenen Arme so fest um Albus, als hätte er Angst, dass sich dieser jeden Moment in Luft auflösen könnte.
Er fühlte, wie Albus ihn bestätigend näher zog. Seine Hand strich Newt besänftigend über den Rücken.
Und Newt, der nun endlich wieder ein wenig klarer denken konnte, bemerkte, dass seine Wut und die Fassungslosigkeit über Albus‘ Verhalten allmählich einem schlechten Gewissen wich – und der Angst, Albus mit seinen Worten verletzt zu haben. Er hätte Ariana nicht anbringen dürfen. Albus sprach nie über sie und doch hatte Newt seit damals, als Albus ihm gestanden hatte, dass er nicht gut darin sei, sich selbst alte Fehler zu verzeihen, das Gefühl, dass das Schicksal seiner Schwester ihn schmerzte. Und Newt hatte es einfach für seinen Standpunkt genutzt. Er fühlte sich schäbig damit. Nur, weil Grindelwald grausam war, hatte Newt es nicht sein wollen.
„Es tut mir leid“, murmelte er gegen Albus‘ Schulter, „Das… das alles, ich… Ich kann einfach nicht mehr.“
Albus drückte ihn noch einmal fester gegen sich. „Ganz ruhig, Darling“, raunte er ihm zu, „Alles ist gut.“
Newt schluckte und schüttelte den Kopf.
Bevor er widersprechen konnte, setzte Albus mit ernster Stimme hinzu: „Aber du musst vorsichtiger sein, mein Herz. Du kannst Gellert nicht auf diese Weise anfahren und erwarten, dass er es hinnimmt. Vergiss nicht, wer er ist.“
Newt knirschte mit den Zähnen. Ausgerechnet er sagte ihm, er sollte nicht vergessen, wer dieser Tyrann war? Wo es doch Albus war, der über alles hinwegsah, was in der Vergangenheit geschehen war?
Doch dann kam ihm ein neuer Gedanke.
Seine Wut vorhin hatte ihn in Gefahr gebracht. Und damit auch Albus in eine prekäre Lage.
Hatte Albus deshalb die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt? Hatte er deshalb Partei ergriffen? Um Newt vor Gellerts Reaktion zu schützen? Vor einem weiteren Cruciatus oder schlimmerem? Er hatte ihm ja schon anfangs gesagt, dass sein Schutz nicht ausreichte, um Newt alles durchgehen zu lassen. Wer wusste schon, wie es ausgegangen wäre, wäre Albus nicht dabei gewesen?
Newt schluckte betroffen. Er krallte seine Finger fester in Albus‘ Rücken und versuchte, neu zu bewerten, was geschehen war.
Ja, vielleicht hatte sich Albus zwischen sie geworfen, um Schlimmeres zu verhindern. Aber dennoch änderte das nichts daran, dass er weiterhin mit diesem Mörder verkehrte. Und wenn Newt Albus nicht aufgeben wollte, musste er es wohl oder übel hinnehmen.
Newt konnte ihn nicht aufgeben. Bei der bloßen Vorstellung sträubte sich schon alles in ihm. Selbst, wenn Albus sich Grindelwald angeschlossen hatte, so war er doch einer der besten Menschen, die Newt kannte. Und das konnte Newt behaupten, obwohl er nicht so naiv war zu glauben, dass in Albus nur Licht und Liebe vorherrschte.
„Ich weiß, es ist nicht einfach“, sagte Albus nach einiger Zeit leise, „Sich hier einzufinden und sich mit den fremden Gedanken anzufreunden. Ich kann mir nur vage vorstellen, wie schwierig es für dich sein muss, hier zu leben.“
„Ist es", bestätigte Newt leise. „Aber ich will dennoch bei dir sein."
„Das freut mich“, raunte Albus warm und drückte Newt einen Kuss auf die Schläfe. „Newt, ich möchte, dass du glücklich bist“, fuhr er leise fort, „Das möchte ich wirklich. Es ist mir lieber, dich lachen zu sehen als weinen. Aber das kann ich nur im Rahmen meiner Möglichkeiten ermöglichen… und im Rahmen deiner.“
Newt schluckte und nickte zögerlich. Er wusste, dass das, was er sich eigentlich wünschte - nämlich ihr vorheriges Leben in Hogwarts - nicht mehr möglich sein würde. Selbst, wenn Newt zurückkehren könnte, ohne Albus… Was dann? Er würde Albus vermutlich nie wieder sehen können. Alle Brücken wären verbrannt. Würden das Ministerium oder der MACUSA Albus in die Finger bekommen, würden sie ihn entweder nach Askaban schicken oder hinrichten. Also musste Newt darauf hoffen, dass die Revolution Erfolg hatte, obwohl er es zugleich nicht wünschte.
Als Newt sich erneut vor Augen führte, wer daran schuld war, dass Albus nun zum Staatsverräter geworden war, kniff er die Augen zusammen. „Ich möchte keinen Kontakt mit ihm", flüsterte er. „Ist das möglich?"
Albus antwortete nicht sofort.
Er schien seine Worte mit Bedacht zu wählen. „Ich denke nicht, dass er den Kontakt erzwingen wird“, sagte er langsam. „Und ich werde dich genauso wenig zwingen. Ich möchte nur, dass du dir über eine Sache klar wirst: Die Situation, in der du dich befindest, unterscheidet sich von der, in der ich bin. Ich habe mehr Freiheiten, mehr Privilegien und genieße ein größeres Vertrauen.“ Er hielt einen Moment inne und fuhr dann fort: „Das hat vor allem mit meinem Verhalten ihm gegenüber zu tun und mit den Äußerungen, die ich von mir gebe. Das meinte ich mit dem Rahmen meiner Möglichkeiten.“ Er seufzte. „Es geht schon bei Privilegien wie unbewachtem Freigang los. Dass ich mich frei bewegen kann, erleichtert mir vieles.“
Newt hob den Kopf und sah Albus stirnrunzelnd an. „Du willst, dass ich mich bei ihm einschmeichle?“
Albus schüttelte den Kopf. „Nein, das halte ich für keine gute Idee“, erwiderte er ernst, „Zu lügen wird dir nicht den erwünschten Erfolg bringen. Gellert durchschaut das.“ Er küsste ihm die Stirn. „Allerdings ist er eher bereit, dich weniger unter Beobachtung zu stellen, wenn du nicht den Anschein machst, eine akute Bedrohung zu sein oder unsere Pläne durchkreuzen zu wollen.“ Er schenkte Newt ein sanftes Lächeln. „Es ist vielleicht ein wenig viel verlangt“, sagte er, „Aber ich denke, wenn du dich für den Anfang mit Anschuldigungen und Beleidigungen zurückhalten würdest, wäre das ein Schritt in die richtige Richtung… und würde dir zugutekommen.“
„Dazu würde es ja nicht kommen, wenn ich ihn nicht sehe", gab Newt leise zu bedenken.
Seine Worte schienen Albus zu amüsieren. „Zusammentreffen lassen sich offensichtlich nicht gänzlich vermeiden“, sagte er und spielte damit auf ihr unerwartetes Treffen gerade eben an. „Und dann wäre es klug, nicht alles auszusprechen, was dir auf der Zunge liegt. Für dein eigenes Wohlbefinden.“
Newt biss sich auf die Innenseite seiner Wange. Die Aussicht, Grindelwald wieder über den Weg zu laufen, behagte ihm nicht sonderlich. Trotzdem nickte er. „Okay“, murmelte er.
„Ich weiß, dass es nicht leicht für dich ist, Darling“, sagte Albus sanft, „ich möchte nur, dass du es dir hier so einfach wie möglich machst und dir nicht selbst Steine in den Weg legst.“ Er setzte einen Kuss auf Newts Scheitel. „Was hältst du von Mittagessen?“, fragte er, als wollte er das Thema nun beenden.
Newt versteifte sich. Er hatte doch klargemacht, dass er auf dieses ‚harmonische‘ Beisammensein sehr gut verzichten konnte!
Bevor er Albus daran erinnern konnte, setzte dieser wissend hinzu: „Nur du und ich. Wir könnten in den großen Wintergarten gehen.“
Überrascht sah Newt ihn an. „Ich dachte, du seist mit Gellert verabredet?“
Albus schmunzelte. „Das war ich auch“, bestätigte er und setzte mit einem vielsagenden Lächeln hinzu: „Doch wichtigere Dinge verlangten nach meiner Aufmerksamkeit. Also? Lust auf einen Spaziergang durchs Schloss?“
Newts Wangen färbten sich rot. Teils aus Scham darüber, dass er Albus seine Verabredung zum Mittagessen verdorben hatte, teils weil er sich geschmeichelt fühlte, dass dieser Gellert abgesagt hatte, um nach ihm zu sehen.
„Wenn das geht?", murmelte er. Schließlich hatte er schon damit gerechnet, nun erst recht eine Ausgangssperre zu haben.
„Das geht“, sagte Albus mit einem selbstbewussten Lächeln, „Ich mache es einfach möglich.“ Er legte eine Hand unter Newts Kinn und hob es an. Sein Kopf senkte sich für einen Kuss hinab.
Newt reckte sich ihm sehnsüchtig entgegen. Als die warmen Lippen seine berührten, seufzte er genießend in den Kuss. Er konnte sich definitiv nur wenig vorstellen, was er lieber täte, als nun mit Albus zu Mittag zu essen - und selbst die Dinge, die er für schöner empfand, beinhalteten alle den Älteren.
Albus zog Newt näher und vertiefte den Kuss. Dann ließ er von Newt ab und reichte ihm eine Hand, um ihm auf die Füße zu helfen. Es war viel mehr eine zuvorkommende Geste als der Glaube, dass Newt es nicht allein hinbekommen würde.
Dann führte er ihn aus den oberen Etagen des Schlosses hinunter ins Erdgeschoss.
Sie traten in einen Wintergarten ein, den Newt bisher noch nicht besucht hatte. Staunend sah Newt sich um. Er war so voll mit Pflanzen, dass es den Anschein eines Dschungels machte. Einige der Pflanzen erinnerten ihn an die Auswahl, die er in Hogwarts in seinem Gewächshaus gehabt hatte, auch wenn die Auswahl hier natürlich viel größer und auf Ästhetik ausgelegt war.
Diese ungewohnte und zugleich doch vertraute Umgebung half Newt deutlich, sich zu entspannen.
Er folgte Albus einen breiten Weg entlang, an riesigen Büschen und stattlichen Bäumen vorbei, ehe sie schließlich im Herzen des Wintergartens an einen kleinen runden Tisch mit vier Stühlen ankamen.
Newt hatte für den Tisch keinen zweiten Blick übrig. Denn auf einer der Stuhllehnen thronte ein so majestätisches Geschöpf, dass es ihn die Sprache verschlug.
Ein Phönix.
Seine schwarzen Knopfaugen richteten sich auf die Neuankömmlinge, als sie nähertraten.
„Ein Phönix?“, hauchte Newt überrascht, während sie langsam an den Tisch herantraten.
Er sah Albus schmunzeln. Der Ältere trat an den Vogel heran, als würden sie sich bereits kennen.
„Ja“, sagte er und ließ sich auf dem Stuhl neben dem Phönix nieder, „Gellert hat einen interessanten Sinn für Humor.“
Newts Augen weiteten sich, als Albus wie selbstverständlich über den Kopf des seltenen Tieres streichelte und der Vogel es nicht nur erduldete, sondern offensichtlich zu mögen schien.
Albus hatte zuvor stets so vorsichtig im Umgang mit Tierwesen gewirkt, dass Newt den Verdacht hatte, dass sie sich kannten.
Umsichtig trat er näher, blieb aber in deutlich größerem Abstand vor dem Vogel stehen, um nicht respektlos zu sein.
„Er ist noch jung“, sagte er mit einem bewundernden Blick über das feurige Gefieder des Tieres. „Warst du dabei als er geschlüpft ist?" Das würde ihre Vertrautheit erklären.
Zu seiner Verwunderung schüttelte Albus den Kopf. „Nein, das muss schon ein-zwei Jahre her sein“, sagte er, „Aber etwas an mir scheint vertrauenserweckend genug zu sein, um ihn so zutraulich werden zu lassen.“ Er schmunzelte, während er den Blick ebenfalls über das farbenfrohe Gefieder des Vogels gleiten ließ und dann dem Phönix in die Augen sah. Das Geschöpf erwiderte seinen Blick mit ruhiger Tiefe, ehe es wieder zu Newt schaute und seine Bewegungen beobachtete. Der Vogel gab einen leisen melodischen Ton von sich.
Es war eine Begrüßung, erkannte Newt.
„Auch hallo“, antwortete er mit sanfter Stimme und einem freundlichen Lächeln, behielt seine Hände aber respektvoll bei sich, um den Phönix nicht zu bedrängen.
Albus, der den kurzen Austausch beobachtet hatte und, wie Newt, dabei zusah, wie der Phönix als Antwort den Kopf ein wenig neigte, fragte: „Wollen wir Essen bestellen?“
Newt nickte. Er ließ sich dem Phönix gegenüber nieder und konnte sich nicht sattsehen an ihm. Sein flammendes Gefieder, seine elegante Haltung, die hübschen langen Schwanzfedern und alles leuchtete so farbenfroh. Es ließ ihn vergessen, wie er sich noch vor einigen Minuten gefühlt hatte.
Neben sich hörte er Albus glucksen.
Dann sagte der Ältere gut hörbar „Bubbles“ und neben ihnen erschien ein Hauself.
Albus bestellte etwas für sie, der Hauself verschwand und Newt, der dabei den Vogel nicht aus den Augen gelassen hatte, fragte: „Hat er einen Namen?"
Albus ließ ebenfalls den Blick über den Phönix wandern. „Eine gute Frage“, sagte er, „Ich bin noch nicht dazu gekommen, Credence zu fragen.“
Newts Augen wurden riesig. „Das ist Credences Phönix?", fragte er ungläubig. Nicht, dass er dem Jungen nicht zutraute, sich mit einem Phönix anzufreunden. Allerdings war er davon ausgegangen, dass das Tier Grindelwald gehörte.
Albus nickte. „Ein Geschenk von Gellert“, antwortete er. „Ähnlich wie du, war Credence wohl sehr aufgewühlt, als er hierherkam. Es verlangte ihm nach Gesellschaft, die ihn nicht noch weiter verwirrte. Da ein Phönix von Natur aus friedvoll und sanftmütig ist, entschied sich Gellert, ihm dieses Tier als Begleiter zu schenken.“ Er schmunzelte und warf Newt einen Blick zu. „Gellert hat es mir kurz nach unserer Ankunft erzählt.“
Newt konnte nicht verhindern, skeptisch zu werden. Dass Grindelwald dem jungen Mann einen Phönix aus reiner Herzensgüte geschenkt hatte, klang für ihn reichlich unwahrscheinlich. Aber er wollte nicht erneut etwas sagen, das Albus zwischen die Fronten geraten ließ.
Also wagte er ein vorsichtiges: „Das ist nett von ihm.“
Albus nickte. „Ja, in der Tat“, sagte er ruhig.
Als das Essen auf dem Tisch erschien, trällerte der Phönix etwas, das nach einem Abschied klang und schwang sich in die Lüfte. Er segelte davon, hinein in den künstlichen Dschungel.
Newt fragte sich, ob er das Tier einmal wiedersehen würde. Es kam ihm wie ein kleiner Lichtblick in der Dunkelheit vor. Ein Hoffnungsschimmer am Horizont. Ein Zeichen, dass vielleicht doch alles gar nicht so schrecklich werden würde, wie er sich die Zukunft ausmalte.
Newt hoffte, dass er diesem Zeichen glauben konnte.

Chapter Text

Es war ein langer Tag gewesen. Ein anstrengender Tag. Aber auch ein guter.
Mit dem erhebenden Gefühl, etwas bewirkt zu haben, nahm Albus die daraus resultierende Erschöpfung willig in Kauf, während er sich auf den Weg zu seinen und Newts Räumen machte. Es verlangte ihn nach einer heißen Dusche, ehe er noch einmal mit Gellert sprach und ihn zu einigen Dingen abholte, damit sie beide über das Gleiche informiert waren.
Der Raum war, als Albus eintrat, ungewöhnlich ruhig. Und, als er den Blick schweifen ließ, konnte er niemanden ausmachen. Das war eigenartig. Newt hätte hier sein sollen. Gut, in den letzten Tagen war er hin und wieder von Queenie abgeholt wurden, die ihm liebend gern ein wenig Gesellschaft leistete. Doch als geborene Legilimentikerin war sie bei Albus‘ Meeting gerade eben dabei gewesen. Sie, Rosier und ein-zwei außenstehende Politiker, die sich nach Albus‘ geduldigem, unermüdlichem Zureden, dazu hatten erweichen lassen, Gellerts Weg für die Welt in Betracht zu ziehen. Queenie sollte Sorge dafür tragen, dass sie mit den richtigen Gedanken gekommen waren. Sie war nicht der Grund, weshalb Newt nicht hier war.
Albus stellten sich die Nackenhaare auf, während er, um sicher zu gehen, ins Bad spähte. Es gab keinen Zweifel: Newt war verschwunden.
Dieser Umstand behagte Albus nicht.
Er lief unschlüssig einige Schritte im Raum herum. Das Meeting war seit einigen Minuten beendet, doch der Rest des Schlosses hatte ruhig gewirkt. Vermutlich war Newts Verschwinden noch nicht lange bekannt. Und wenn Albus es sich aussuchen konnte, war es ihm lieber, ER fand Newt, bevor ihm einer der Wachen oder Gellert zuvorkamen…. Sie alle würden nicht so zimperlich mit Newt umgehen, wie er selbst.
Eilig verließ Albus das Zimmer und machte sich auf den Weg. Er wusste nicht, wo er als erstes suchen wollte, aber untätig herumsitzen konnte er auch nicht. Also schlug er die erstbeste Richtung ein und versuchte dabei, so ruhig und kontrolliert zu wirken, wie möglich, damit niemand Verdacht schöpfte, dass etwas nicht stimmte.
Er war keine zehn Schritte gegangen, da bog Newt um die Ecke. In Begleitung von Gellert!
Albus blieb wie angewurzelt stehen. Es war seltsam, sie beieinander zu sehen. So ungewöhnlich, dass es nicht gewollt gewesen sein konnte. Sein Blick wanderte zwischen den beiden hin und her und bevor er es verhindern konnte, wurde sein Mund zu einer festen, angespannten Linie.
Als Gellert mit einem Lächeln sagte: „Albus! Ist das Meeting schon zu Ende?“, nickte Albus knapp und murmelte: „Ist es“, bedachte Gellert aber kaum mit einem zweiten Blick. Stattdessen musterte er Newt. Die Frage danach, wie Gellert Newt gefunden hatte, brannte ihm auf der Zunge. Er versuchte, in Newts Haltung etwas davon zu erkennen, wie es ihm die letzten Stunden ergangen war. Er wirkte nicht reumütig, als hätte er etwas angestellt und wäre ertappt worden. Oder, was Newt ähnlicher sah: Eingeschnappt darüber, dass man ihn erwischt hatte. Ebenso wenig sah er verletzt aus, doch Albus wusste, dass der Crucio keine äußerlichen Spuren hinterließ.
„Ist… ist alles in Ordnung?“, fragte Albus und er war sich selbst nicht sicher, an wen von beiden er die Frage richtete.
Gellert schmunzelte. „Von meiner Seite aus durchaus“, sagte er in buttriger Stimme. Er warf Newt einen Seitenblick zu. „Newt?“
Newt nickte hastig. „J-ja“, murmelte er.
Albus hob eine Augenbraue. Nun kam es ihm nicht mehr so vor, als hätte Newt versucht zu fliehen. Dann hätte Gellert jetzt nicht so entspannt gewirkt – selbst, wenn er die Bestrafung bereits selbst übernommen hätte. Trotzdem… irgendetwas war da unausgesprochen zwischen ihnen. Etwas, das nur Newt und Gellert wussten. Es war ungewohnt.
Einen Moment lang überlegte Albus, ob er weiter auf die Hintergründe ihrer Zweisamkeit drängen wollte, doch dann beschloss er, die Frage fahren zu lassen. Er erzählte Newt nicht alles, was er mit Gellert tat oder besprach. Und Gellert nicht jedes Detail seiner Zweisamkeit mit Newt. Solange beide wohlauf waren – und Newt wirkte zwar unsicher, aber gesund – waren andere Dinge wichtiger.
Er entließ die angestaute Luft in einem Seufzen.
„Nun denn …“, sagte er und wandte sich dann an Gellert: „Wenn ihr fertig seid, würde ich dich gern sprechen. Bezüglich des Meetings von eben.“
Gellert nickte. „Natürlich“, sagte er, ehe er sich an Newt wandte. „Ich nehme an, du findest den direkten Weg zurück selbst?"
Albus‘ Augen weiteten sich. Eigentlich hätte er sich darüber freuen sollen, dass Gellert ihm nun solche Freiheiten einräumte, doch es war unerwartet und er wusste diese Wendung nicht so reicht einzuordnen.
Newt nickte und murmelte „Sicher...", ehe sein nervöser Blick Albus traf. Er schien zwar nicht verletzt, aber aufgewühlt in Gellerts Gegenwart. „Bis gleich?“, fragte er Albus.
Albus schenkte ihm ein Lächeln. „Ich bin in einer halben Stunde bei dir.“
Newt erwiderte das Lächeln schwach, ging an Albus vorbei und in ihre Räume. Albus hörte, wie er die Tür öffnete. Er drehte sich nicht um. An Gellert sah er gut genug, dass alles in Ordnung war.
„In deinem Besprechungsraum?“, schlug er vor.
Gellert nickte knapp. „Natürlich.“
Während sie die Richtung einschlugen, in der die vertrauten Räumlichkeiten lagen, fragte Gellert: „Wie lief dein Gespräch mit diesen starrsinnigen, zugeknöpften Politikern?“
Albus schmunzelte. „Recht angenehm“, antwortete er, nicht ohne einen gewissen Stolz in der Stimme. Es war nun einen Monat her, seit Newt und er in Nurmengard angekommen waren. Beinahe genauso lang feilte Albus nun für Gellert an den politischen Beziehungen. Er hatte Gellert von Anfang an geraten, sich mehr Verbündete aus der Politik zu suchen und nun konnte er da erste Erfolge verbuchen, die ihren Wandel hoffentlich friedvoller und sanfter gestalteten, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren.
„Ich habe Rosier anfangs das Wort überlassen. Sie ist wirklich überaus kompetent. Ich bin jeden Tag mehr und mehr begeistert von ihr.“ Als sie am Besprechungsraum ankamen, trat er ein, da Gellert ihm den Vortritt ließ. „Sie traf schnell den richtigen Ton“, fuhr er fort, „Allerdings zweifelten unsere Gäste genau dort, wo wir es vorausgeahnt hatten. Gemeinsam mit Rosier gelang es mir, sie zu überzeugen.“
Gellert wirkte nicht überrascht. „Rosier ist für unsere Sache überaus kostbar“, bestätigte er und schmunzelte dann. „Allerdings nicht so unverzichtbar wie du offenbar, wenn man bedenkt, dass du diese verbohrten Greise bereits nach einem Meeting positiv gestimmt hast."
Albus gab ein geschmeicheltes Lachen von sich. Dass Gellert ihm diese kleinen Erfolge anerkannte, gefiel ihm mehr als es sollte. „Das ist mein britischer Charme, Darling“, erwiderte er zufrieden, während er sich gegen den Besprechungstisch lehnte, die Hände in den Hosentaschen, und Gellert zulächelte. „Und, um ganz ehrlich zu sein, vollkommen übereingekommen sind wir noch nicht in unseren Vorstellungen. Sie haben Forderungen gestellt, um sich bei der Opposition und ihren Parteifreunden weniger angreifbar zu machen, natürlich. Aber Queenie schätzt die beiden so ein, dass sie sich leicht mit einem kleinen Entgegenkommen um den Finger wickeln lassen. Wir haben sie nach Hause geschickt, mit der Aufgabe, sich über ihre genauen Forderungen noch einmal Gedanken zu machen. Wenn sie die zu Papier gebracht haben, reden wir weiter.“
„Ich bin sicher, du wirst sie noch dorthin bekommen, wo du sie haben willst, Liebling“, sagte Gellert schmunzelnd.
Albus nickte. An Tagen wie heute war er wirklich stolz auf sich – und froh, dass Gellert seinen Anteil an der Unternehmung zu schätzen wusste.
Während der letzten Tage hatte er noch manches Mal das Gefühl gehabt, dass er zwar agieren durfte, aber irgendwie außen vor war. Als wäre er in einem Glaskasten gefangen. Mitten unter ihnen und doch von ihnen getrennt.
Das Gefühl, dass er nicht vollständiger Teil der Unternehmung sein konnte, hatte sich heute mehr und mehr verflüchtigt. Und nun, da er Gellert diese frohe Kunde bringen konnte, war er sich sicher, dass Gellert deutlich genug vor Augen hatte, wie wichtig Albus‘ Beitrag war – und wie sehr er ihm damit helfen konnte!
„Ja, das denke ich auch“, sagte er mit einem selbstbewussten Lächeln.
Gellert lachte leise. „Das klingt aber sehr überzeugt. Ich dachte, Bescheidenheit wäre auch eine britische Tugend?"
„Bescheidenheit wird überschätzt“, konterte Albus amüsiert und noch immer erfolgstrunken von seinem Meeting.
Gellert bedachte ihn mit einem eindringlichen Blick aus funkelnden Augen, bei dem sich Albus nicht sicher war, ob er seine Aussage bestätigen wollte oder ob er versucht war, ihn und seinen Stolz in einem kleinen Spiel zu unterwerfen. So oder so lief Albus ein Schauer über den Rücken.
Eine Bewegung aus den Augenwinkeln lenkte ihn ab: Gellert zog seine Uhr an der goldenen Kette aus der Jackett-Innentasche und warf einen Blick darauf. Er seufzte. „Ich muss ins nächste Meeting“, sagte er, steckte die Uhr wieder weg und griff nach einer von Albus‘ Händen. Er drückte ihm einen Kuss auf den Handrücken.
„Gute Arbeit, Liebling“, lobte er ihn sanft und Albus schmunzelte. Doch sein Lächeln verblasste, als Gellert bedauernd hinzufügte: „Heute werden wir uns nicht mehr sehen. Mein Tagesplan ist bis Mitternacht gefüllt und ich werde diese Nacht vermutlich nicht einmal dazu kommen, zu schlafen.“
Albus versteckte sein Bedauern hinter einem liebevollen Lächeln.
„Ich kann helfen“, erinnerte er ihn sanft. „Sag mir, was ich tun kann. Ich habe den restlichen Tag keine Verpflichtungen mehr, wie du sehr gut weißt.“
Gellert schüttelte sanft den Kopf. „Das sind alles Themen, in die ich dich bisher noch nicht habe einweihen können. Mit Menschen, die du nicht kennst. Du könntest unseren Standpunkt nicht so gut vertreten, wie ich es von dir erwarten würde.“
Albus schwieg. Er wollte gern dagegen argumentieren. Und wenn es nur war, weil er wollte, dass Gellert diese Nacht ein wenig Schlaf bekam. Doch er mochte es nicht, unvorbereitet in ein Gespräch zu gehen, also musste er Gellert rechtgeben.
Er seufzte ergeben. „Nun gut“, lenkte er ein und raffte sich dann zu einem Lächeln auf. „Dann wünsche ich dir gutes Gelingen.“
Gellert ließ seine Hand los und trat zurück. „Danke“, sagte er.
Er war schon fast zur Tür heraus, als Albus bemerkte, dass ihm noch etwas auf der Zunge lag.
„Gellert?“, rief er ihm hinterher und Gellert blieb stehen und drehte sich zu ihm herum. „Eine Sache ist da noch“, sagte Albus mit leichtem Stirnrunzeln, stieß sich vom Tisch ab und ging auf ihn zu. Er warf Gellert einen abschätzenden, besorgten Blick zu. „Hat Newton vorhin etwas angestellt?“
Gellerts Lippen kräuselten sich zu einem Lächeln. „Angestellt?", wiederholte er amüsiert. „Wie kommst du nur darauf?"
Verwundert beobachtete Albus, wie entspannt Gellert auf die Frage reagierte. Aber was war dann der Grund dafür gewesen, dass er sie zusammen aufgefunden hatte? Er runzelte die Stirn, weil er versuchte, zu begreifen, was da war, das er nicht verstand.
„Nun, bisher schien es nicht so, als würdet ihr gern Zeit miteinander verbringen“, fasste er seine Beobachtungen in Worte, „Ich war überrascht, als ich ihn nicht in unseren Räumen fand und er dann in deiner Begleitung dorthin zurückkehrte. Da hatte ich mit einem eher unschönen Grund gerechnet.“
Gellert lachte leise. „Ich habe ihn auf einen Spaziergang mitgenommen. Wir haben uns... unterhalten.“
Albus‘ Gesichtszüge entglitten. Dass die beiden sich ‚unterhielten‘ erschien ihm so unwirklich, dass er einen Moment um Fassung ringen musste. Es war nur ein kurzer Augenblick, doch er wusste, dass Gellert es gesehen hatte. Er zwang sich, die Information als gegeben hinzunehmen und nicht unnötig aufzublasen und musste zugeben, dass ihm das einfacher fiel, weil Gellert über seine Reaktion leise lachte.
„Oh“, sagte er nickend und nach Worten ringend, „Nun, wenn das so ist.“
Gellert nickte noch einmal, wandte sich dann herum und war eine Sekunde später verschwunden.

Albus verließ den Raum auf dem Weg, den sie zuvor gekommen waren und steuerte erneut das Zimmer an, in dem Newt und er untergebracht waren. Sein Herz schlug schneller, während er darauf zuging. Es noch einmal leer aufzufinden, war offensichtlich eine Sorge, die stets in seinem Unterbewusstsein schwamm. Obwohl er sich nicht sicher war, ob diese Angst noch begründet war oder ob Gellert Newt nun freies Geleit erlaubt hatte.
Andererseits würde das ein Zugeständnis Newts voraussetzen, dass dieser niemals geben würde. Oder hatte ihr Gespräch ihn umstimmen können, sich Gellert nun doch anzuschließen?
Da waren so viele Fragen in Albus, so viele ungeklärte Dinge, von denen er sich nicht sicher war, ob sie nur Gellert und Newt etwas angingen oder ob er davon auch erfahren sollte, dass er atemlos war, als er an der Tür angelangte.
Albus trat ein. Und atmete erleichtert aus, als er Newt auf dem Sofa sitzen sah, als wäre er nie fort gewesen.

 

*

 

Newt war von dem Gespräch noch immer ein wenig überwältigt. Grindelwald war unangemeldet bei ihm aufgetaucht, wenige Minuten, nachdem Albus zum Meeting aufgebrochen war. Das allein hatte Newts Puls schon in die Höhe getrieben, doch der Inhalt des Gespräches war noch einmal zusätzlich aufwühlend gewesen. Er war sich nicht sicher, wie er die Ereignisse der letzten Stunde einordnen sollte.
Als Albus eintrat, blinzelte er ein wenig irritiert. Die Zeit, die er hier gewartet hatte, war ihm vorgekommen wie ein Wimpernschlag. Aus seinen Gedanken gerissen blickte er auf.
„Hey", murmelte er und raffte sich zu einem Lächeln auf.
Albus schenkte ihm zur Antwort ein warmes Schmunzeln und sagte: „Hallo, mein Herz.“ Er schien entspannter als noch vorhin, als sie sich im Gang getroffen hatten. Dort hatte er einen Moment lang panisch gewirkt und dann skeptisch. Grindelwald hatte Newt gesagt, dass Albus von dieser Unterhaltung nichts wusste und offensichtlich war er damit ehrlich gewesen.
Nun beobachtete Newt, wie Albus zu ihm herüberschlenderte und ihn seinerseits genaustens musterte, als würde er nach Spuren suchen. Natürlich fand er keine.
Er ließ sich neben Newt ins weiche Polster des Sofas sinken und fragte sanft: „Wie war dein Tag?“
„Ungewöhnlich", antwortete Newt nach einem kurzen Zögern.
Albus gluckste. „Das kann ich mir vorstellen. Treffen mit Gellert sind alles, nur nicht langweilig.”
Bei den Worten zuckten Newts Mundwinkel ein wenig. Er blickte hinab auf seine Hände.
„Hat er dir mittlerweile erzählt, worum es ging?“, fragte er.
„Nein“, sagte Albus ruhig, „Dazu sind wir nicht gekommen.”
Newt warf ihm einen verstohlenen Blick zu. Er bemerkte, dass Albus ihn erneut eindringlich musterte, als wäre er sich nicht sicher, ob er dem Frieden trauen durfte.
„Ich muss zugeben, dass ich neugierig bin”, gestand er schließlich, „Aber wenn du es mir nicht erzählen möchtest, ist es in Ordnung.”
Newt runzelte irritiert die Stirn. „Wieso sollte ich das nicht wollen?“
Albus schmunzelte. „Weil das so funktioniert in einer polygamen Beziehung. Ihr dürft eure eigenen Geheimnisse haben.” Er setzte sich seitlich, stützte sich mit einem Ellbogen auf der Sofalehne ab und legte die Schläfe gegen die aufgestellte Hand. „Allerdings mindert das trotz allem nicht meine Neugier”, sagte er lächelnd und zwinkerte Newt zu, „Wenn du es mir also erzählen möchtest, bin ich ganz Ohr.”
Bei diesen Unterstellungen lief Newt dunkelrot an. „I-ich habe weder Geheimnisse, noch eine Beziehung mit ihm!", rief er aufgewühlt. Was auch immer Albus sich da ausmalte (oder erhoffte?), das würde nie und nimmer eintreten! Er tolerierte Grindelwald nur, weil er wusste, wie wichtig dieser für Albus war.
Seine Reaktion schien auszureichen, damit Albus beschwichtigend die Hände hob.
„Ich wollte dir nichts unterstellen”, sagte Albus sanft. „Ich wollte lediglich betonen, dass du mir nicht alles erzählen musst, weil ich dir vertraue.”
Newt atmete auf. Gut. Denn allein bei dem Gedanken konnte Newt innerlich nur den Kopf schütteln. „Er hat einen jungen, verletzten Greifen im Keller", rückte er also endlich mit der Sprache heraus. „Offenbar haben ihn einige seiner Gefolgsleute bei einer Mission gefunden und er hat mich gefragt, ob ich mich um das Jungtier kümmern möchte."
Nun horchte Albus sichtlich auf. „Tatsächlich?”, fragte er überrascht. „Was für ein Glück für den Greifen, dass du hier bist.” Mit einem wissenden Schmunzeln setzte er hinzu: „Ich nehme an, du hast zugestimmt.”
Newt nickte entschieden. „Selbstverständlich“, sagte er nachdrücklich und lehnte sich gegen Albus. „Es ist mir erlaubt, zum Greifen zu gehen, wann immer ich es für richtig und notwendig erachte. Solange mich eine Wache begleitet."
„Das klingt doch vielversprechend”, sagte Albus und die Hand, die eben noch seinen Kopf gestützt hatte, legte sich um Newts Schultern und zog ihn näher. Er drückte ihm einen sanften Kuss auf die Schläfe. „Der Greif wird froh sein, dich zu haben.”
„Mhm", murmelte Newt und schmiegte sich in die liebevolle Berührung. Einige Zeit lang verharrte er so und genoss mit geschlossenen Augen Albus‘ Nähe. Dann sagte er schließlich, weil er es nicht für sich behalten konnte: „Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht so naiv bin zu glauben, dass er mich diesen Greifen aus reiner Herzensgüte aufpäppeln lässt."
Albus lachte leise auf. Er wirkte nicht überrascht. Vielmehr so, als hätte er nichts anderes erwartet.
„Und trotzdem hast du zugestimmt?", fragte er milde interessiert, „obwohl du einen Hintergedanken vermutest?"
„Natürlich!", antwortete Newt mit Nachdruck und lehnte seinen Kopf gegen Albus Schulter. „Den Greifen trifft keine Schuld. Darüber hinaus“, setzte er fort und merkte, dass er ein wenig bockig klang. „vermute ich es nicht nur. Er hat es selbst zugegeben."
„Tatsächlich?”, fragte Albus und nun klang er überrascht. „Und welche Hintergedanken sind es, die ihn dazu getrieben haben, dich um Unterstützung zu bitten?”
Newt zögerte einen Moment. „Hintergedanken ist vielleicht etwas zu viel" murmelte er. „Er sagte, es soll eine Geste der Versöhnungsbereitschaft sein. Er würde es begrüßen, wenn wir trotz unterschiedlicher Ansichten eine Basis fänden, um ohne Konflikte miteinander hier zu leben."
Das waren Grindelwalds Worte gewesen. Eins zu eins. Auf seiner Zunge fühlten sie sich fremd an.
Verstohlen sah er zu Albus auf, der ihn so warm anlächelte, als hätte er ihm vom Frieden auf Erden berichtet. Zu sehen, wie glücklich ihn diese Vorstellung machte, war kaum zu übersehen, obwohl Albus zu gerührt von dieser zweifelhaften Geste Grindelwalds zu sein schien, um etwas zu sagen.
Beschämt senkte Newt den Blick. Neben Grindelwalds ‚Großmut‘ kam er sich nun unzureichend und unnötig starrsinnig vor. Grindelwald war bereit, jegliche Konflikte - und mit Sicherheit auch Rachegelüste wegen New York - zwischen ihnen fallen zu lassen, weil es Albus glücklich machen würde. Und Newt selbst saß hier und hatte immer noch Probleme damit, obwohl er behauptete, Albus mehr als jeden anderen zu lieben.
„Das würde dich glücklich machen, oder?“, fragte er leise.
Albus blinzelte und warf Newt einen Blick zu, als würde er ihn erst jetzt wieder richtig sehen. Er nickte langsam. „Ja, würde es”, sagte er mit belegter Stimme und räusperte sich.
Newt biss sich auf die Unterlippe. „Und... was genau?", hakte er nach und hielt den Blick tapfer aufrecht. „Was genau würde dich glücklich machen? Was muss ich tun?"
Albus drückte Newt bei der Frage stärker an sich und küsste ihm den Scheitel. „Es würde mich glücklich machen, dir dabei zuzusehen, wie du dich hier einlebst”, sagte er. „Es würde mich glücklich machen, dich aufblühen zu sehen. Damit du nicht mehr jeden Tag so viel Energie in den Kampf investieren musst. Du bist nicht für den Kampf gemacht, Newt. Nicht auf diese Art. Nicht mit kleinen Spitzen, die dich mehr zermürben als dein Ziel.” Er holte tief Luft und ließ sie in einem weichen Seufzen wieder entweichen. „Zu sehen, dass du dein Leben wieder für Dinge nutzt, die dich aufrichtig interessieren und begeistern, das würde mich glücklich machen.”
Newt stutzte. Er hatte mit etwas anderem gerechnet, doch Albus‘ Worte wärmten ihm die Brust. Mit einem warmen Lächeln beugte er sich zu ihm hin und küsste ihm sanft die Lippen.
„Danke“, flüsterte er.
Aber während er zurücksank, bemerkte er, dass es seine Frage nicht ganz beantwortet hatte. Also stellte er sie noch einmal anders.
„Was ist mit Grindelwald?“, fragte er, „Was... wünschst du dir in Bezug auf ihn und mich?"
Nach dem letzten Konflikt hatten sie darüber bereits gesprochen, aber da war es vielmehr um Newts Widerstand gegangen. Und nicht um das, was er tun musste, damit er es Albus nicht schwerer machte, als ohnehin schon. Grindelwald hatte ihm da etwas voraus und Newt würde sich von ihm nicht schlagen lassen! Wenn das bedeutete, dass er sich bei gewissen Dingen beugen musste, würde er das vielleicht sogar tun… für Albus.
Albus schmunzelte. „Fürs erste, dass ihr zusammen in einem Raum sein könnt, ohne, dass eure negative Ausstrahlung alle anderen erdrückt”, gestand er. „Ich liebe dich und du weißt, dass er mir viel bedeutet. Ich möchte euch nicht unentwegt streiten sehen.” Er seufzte leise und fuhr dann versonnen fort: „Mein idealer Abend sieht so aus, dass ich mit euch beiden entspannt Abendessen kann, ohne, dass sich irgendjemand an die Gurgel springt.” Sein Blick klärte sich, als die Vorstellung vorbeizog. Er warf Newt einen prüfenden Blick zu. „Ist das zu viel des Guten?”, fragte er nachsichtig.
Newt antwortete nicht sofort. Was sich für Albus wie eine Traumvorstellung anhörte, bereitete ihm selbst zutiefstes Unbehagen. Es war unvorstellbar, dass er mit ihnen essen konnte, ohne, dass er sich irgendwann von Grindelwalds schierer Existenz so sehr provoziert fühlte, dass es eskalieren musste. Aber das lag nicht an ihm allein, wie er wusste.
„Was, wenn er anfängt?“, murrte er.
Albus gluckste. „Mir ist vollkommen gleich, wer anfängt”, sagte er. „Aber nach dem, was du erzählt hast, scheint Gellert bemüht, auf dich zuzugehen. Ich schätze also, dass du dich darum nicht sorgen musst.”
Newt seufzte. „Solange er nicht anfängt, fange ich auch nicht an“, versprach er. So viel Entgegenkommen würde er sicher aufbringen können.
Er schmiegte sich mehr an Albus, wandte sich ihm zu und legte ihm die Arme um den Schultern.
„Bitte sag mir, dass es noch nicht heute Abend soweit sein soll“, murmelte er.
Er hörte Albus leise lachen.
„Nein“, sagte er sanft, „Den Rest des Tages gehöre ich ganz dir.“ Er küsste Newt sanft die Stirn.
Newt schmunzelte. Das klang vielversprechend. Er ließ seine Hände über Albus‘ Schultern und dann über seine Brust wandern.
„Das bedeutet, du musst heute nirgendwo mehr hin?“, raunte er Albus zu und vertiefte den Kuss.
Albus‘ wohliges Seufzen führte dazu, dass ihm Schmetterlinge im Magen kribbelten.
„Nein, Darling“, schnurrte Albus. Er erwiderte den Kuss so leidenschaftlich, dass das Kribbeln sich verstärkte und Newt ein Schauer über den Rücken lief. Seine Hände strichen Newts Seiten entlang, bis sie an seinem Hintern angekommen waren. Dann gab er ihm mit sanftem Druck zu verstehen, dass er sich auf seinen Schoß setzen sollte.
Newt kam der Aufforderung nur zu gerne nach. Er ließ sich auf Albus Schoß nieder, während seine Hände bereits Albus‘ Krawatte lösten. „Gut“, wisperte er.
Albus brummte bestätigend. Seine Hände hatten damit begonnen, Newts Hintern zu kneten und ihn näherzuziehen, sodass sie im Schritt übereinander rieben. Seine Krawatte löste sich ganz von seinem Hals und sank zu Boden, ehe sich die ersten Knöpfe von Albus‘ Hemd öffneten.
Bevor Newt seine Hände auf die nackte Haut legen konnte, umfassten die Handschuhe, die herbeigeschwebt waren, seine Handgelenke. Newt entwich ein überrasches Keuchen, als sie seine Arme in den Rücken führten und einer der Handschuhe beide Handgelenke umfasste. Ein erregender Schauer durchlief Newt, als er Albus plötzlich so ausgeliefert war. Genießend schloss er die Augen, während er Albus weiter küsste. Er fühlte eine von Albus‘ Händen in seinem Rücken. Die andere fuhr seine Knopfleiste entlang. Das Hemd sprang unter seinen magischen Fingern auf und Albus ließ die Hand unter den Stoff gleiten, während er sich mit den Lippen an Newts Hals festsaugte.
Mit einem leisen Stöhnen presste Newt seine Hüften stärker gegen Albus, ehe er seinen Kopf zur Seite neigte, um den warmen Lippen mehr Platz zu bieten. Albus gab ein zufriedenes Brummen von sich.
Ein kalter Luftzug umwirbelte Newt und plötzlich war er nackt. Überrascht sog er die Luft ein und öffnete die Augen. Gerade noch zeitig genug, um zu sehen, wie Albus seinen Zauberstab wieder wegsteckte.
Newt hatte kaum Zeit, auf seine plötzliche Nacktheit zu reagieren, da legte sich bereits der freie Handschuh um sein Glied und begann ihn zu massieren. Mit einem kleinen Wimmern biss sich Newt auf die Lippen und legte den Kopf in den Nacken. Bei Merlin, war es eigentlich bedenklich, wie sehr es ihn antörnte, wenn der Ältere seine Handschuhe beim Sex miteinband? Einerseits, weil sie ein typisches Merkmal für Albus waren und andererseits, weil sie sich so ungewöhnlich ‚fremd‘ und zugleich vertraut anfühlten. Genau im richtigen Maß, dass es Newt jedes Mal einen vorfreudigen Schauer der Aufregung über den Rücken jagte.
Er bekam kaum mit, wie sich Albus unter ihm gegen die Sofalehne lehnte, um ihn besser sehen zu können. Erst, als Albus‘ Hände seine Hüfte fester griffen, öffnete Newt die Augen. Ihm stieg die Röte in die Wangen bei dem verruchten Blick, mit dem Albus ihn bedachte.
„Ist es das, was du willst, Darling?”, schnurrte Albus mit erregend samtiger Stimme, „Dass ich ein wenig mit dir spiele?” Er schenkte Newt ein anrüchiges Lächeln.
Newt keuchte auf, als im gleichen Moment der Handschuh an seinem Glied fester zupackte.
„N-nicht nur... ein bisschen“, antwortete er mit geröteten Wangen und konnte ein verräterisches Zucken seines Beckens nicht verhindern.
Albus beantwortete seine Reaktion mit einem verlangenden Knurren. „Keine Sorge, mein Herz”, schnurrte er, ließ eine Hand in Newts Rücken wandern und schob seinen Oberkörper zu sich heran, sodass Newts Brust sich gegen seine Schulter drückte und der Hintern freier zugänglich war. Bereitwillig kam Newt der Bewegung nach. Er vergrub sein Gesicht in Albus‘ Halsbeuge und atmete tief den vertrauten, angenehmen Geruch ein.
Dann fühlte er, wie der Handschuh seine Handgelenke losließ. Gerade wollte er die Arme schon nach vorn nehmen, um sich besser abstützen zu können, doch Albus schien andere Pläne zu haben: Ein dünner seidiger Stoff umwickelte seine Handgelenke und Newt ahnte, dass es Albus‘ Krawatte war. Der Handschuh, der Newt eben noch festgehalten hatte, strich nun mit den Fingerspitzen Newts Rücken hinauf bis zu seinen Schulterblättern.
„Wir werden viel Zeit haben, um ausgiebig zu spielen”, raunte Albus Newt verheißungsvoll zu.
Newt lief ein heißer Schauer über den Rücken. Sein Glied zuckte voll Vorfreude.
Er fühlte, wie ihm Albus die Zähne ins Ohrläppchen grub und sanft daran zog.
„Das… klingt gut“, seufzte Newt und stöhnte dann auf, weil ihm der freie Handschuh einen unerwarteten Klaps auf den Hintern gegeben hatte und die Stelle nun angenehm kribbelte. Zugleich massierte der andere Handschuh ihn unentwegt weiter und verdrehte ihm den Kopf. Newt streckte sich den Berührungen entgegen, auf der Suche nach noch mehr Aufmerksamkeit. Ihm entwich ein Wimmern, weil er von dem einen fortmusste, wenn er näher an den anderen heranwollte.
Albus verteilte heiße, feuchte Küsse an Newts Nacken, während seine Hände das Becken leicht erhoben über seinem Schritt hielten, damit die Handschuhe überall hinkamen, wo er sie hin sandte. Der Handschuh, der Newt eben einen Klaps gegeben hatte, strich nun beinahe entschuldigend über die Stelle und wanderte dann weiter, zwischen die Pohälften. Er fuhr langsam die kleine Furche mit einem Zeigefinger entlang, über den Eingang und tiefer bis zum Hoden. Dann kam er ebenso langsam wieder hinauf. Doch dieses Mal verharrte er an Newts Muskelring. Ein Wink von Albus’ Hand und der Zeigefinger des Handschuhs war von Gel benetzt. Er begann, um den Muskelring zu kreisen, in sanften langsamen Bewegungen, die bald fordernder worden.
Newt versuchte geduldig zu sein, er versuchte es wirklich. Doch mit jeder Berührung und jedem weiteren Kuss fiel es ihm schwerer, seine Hüften in Albus Griff still zu halten.
Als der feuchte Handschuh auch nach einigen Sekunden nichts anderes tat, als um seinen Eingang zu streichen, gab Newt ein leidendes Wimmern von sich.
„Albus... b-bitte", keuchte er flehentlich.
Albus lachte dunkel. „Du bist gierig heute”, schnurrte er. „Hast du es dir denn verdient, dass ich gnädig mit dir bin?” Wie um Newt zu provozieren, ließ er die Fingerspitze des Handschuhs nur für wenige Zentimeter in Newt hinein gleiten. Sie fuhr den inneren Rand des engen Muskels entlang.
Newt nickte hastig. „Ja, i-ich war brav", beteuerte er. Um Albus zu erweichen, bedeckte er den Hals des Älteren mit feuchten, gierigen Küssen. „Bitte, Albus", keuchte er sehnsüchtig in sein Ohr.
Albus lachte leise. „Newt, Darling, du weißt doch, wie das läuft”, säuselte er ihm liebevoll zu. „An erster Stelle steht die Vorbereitung.”
Newt wimmerte leidend.
Doch dann, als würde sich Albus erbarmen, schob er den Handschuhfinger bis zum zweiten Knöchel in Newt hinein. Dort drehte sich der Finger, strich hin und wieder wie zufällig über den gewissen Punkt, der Newt schwach machte. Newt sog scharf die Luft ein.
Unruhig versuchte er erneut seine Hüften zu bewegen, wenn schon nicht den Fingern entgegen, dann doch wenigstens, um den Winkel zu optimieren. Er wollte definitiv mehr davon spüren. Wollte, dass Albus ihn mit gezielten, harten Stößen gegen diesen einen Punkt halb wahnsinnig machte!
Newt gab ein unzufriedenes Stöhnen von sich. „M-mehr!", hauchte er halb bittend, halb fordernd. „Bitte, Albus, mehr!“
Albus schmunzelte und nahm eine Hand von Newts Hüfte, um sie an seinen Hinterkopf zu legen. Er griff in das lockige Haar und zog daran, bis Newt den Kopf in den Nacken legte. Newt schloss ergeben die Augen und konnte ein kleines Lächeln nicht unterdrücken. Der Ältere traf immer so wunderbar genau den richtigen Grad an Schmerz, der es noch lustvoll machte.
„Du wirst mehr bekommen”, versprach Albus dunkel, „sehr viel mehr.” Seine Zungenspitze leckte über Newts Adamsapfel und dann hinauf bis zu seinem Kiefer. Newt hielt den Atem an. Er wollte sich gegen den Griff in seinem Haar stemmen, um Albus‘ Zunge mit seiner eigenen entgegenzukommen.
Doch Albus‘ Hand hielt ihn unnachgiebig fest.
„Schließlich ist das letzte Training schon ein wenig her“, schnurrte er an Newts Hals, „Wir wollen doch nicht, dass dein Körper alles vergisst?”
Newt stutzte. Seit sie hier in Nurmengard waren, hatte es kein solches ‚Training‘ mehr gegeben. Er wollte darauf gern etwas antworten, doch da schob sich ein zweiter Handschuhfinger in ihn hinein. Newt wollte eben dagegen anatmen, um sich zu entspannen, als Albus seine Hand zwischen ihnen nach unten schob und einen weiteren Finger in Newt hineindrängte.
„Hnnn…!“, stöhnte Newt überfordert auf, nicht in der Lage, sich vor der Überreizung zu retten. Albus Hand war noch immer in seinem Haar und hielt ihn in Position, während er einen vierten Finger hinzuschob. Zu schnell! Viel zu schnell! Newt würde reißen! Trotz des Gleitgel-Zaubers, den Albus eben gewirkt hatte. Newts Muskelring spannte sich so straff um die vier Finger, von denen zwei leibhaftig zu Albus gehörten. Es überreizte ihn. Ihm schossen die Tränen in die Augen. Gerade, als er meinte, dass es ihm nicht gelänge, sich ausreichend zu entspannen, zog Albus einen der Finger hinaus und hakte den anderen in seinen Muskelring. Er zog daran und Newt sah Sterne vor den Augen aufflammen. Lustvolle Blitze schossen durch seinen Unterleib. Das Gleitgel tropfte aus ihm heraus. Albus fing es mit den Fingern auf und massierte seinen Eingang, während sich der Handschuh unermüdlich in Newt bewegte. Überfordert schnappte Newt nach Luft. Er atmete in den Unterleib, so gut er konnte. Die Berührung hatte ihn so schnell an seine Grenzen getrieben und doch fühlte es sich so unglaublich gut an.
„Stöhn für mich, Darling”, forderte Albus mit samtener Stimme, die Zähne bereits wieder an Newts Kehle, und ließ den Handschuh in schnellen, entschiedenen Bewegungen in Newt hineinstoßen. So, dass er die Prostata traf, wieder und wieder. Newt konnte kleine, lustvolle Schreie nicht länger zurückhalten – selbst, wenn er es gewollt hätte. Albus‘ Name kam ihm immer wieder stöhnend und wimmernd über die Lippen. Sein ganzer Körper spannte sich an, während sich seine Finger haltsuchend in seine eigenen Hände krallten. Für einen kurzen Moment war sich Newt nicht sicher, ob er die Augen offen oder geschlossen hatte, da ihn die Sensationen, die Albus ihm bescherte, derart überwältigten, dass es ihm wortwörtlich die Sicht nahm.
Dann schob der Handschuh abermals einen weiteren Finger hinein. Und dann noch einen, bis Newt erneut vier Finger tief in sich spürte. Er keuchte auf. Sie rutschten tiefer als noch vorhin. Newt war von ihnen nicht mehr so überwältigt, dass ihm die Tränen kamen. Doch Albus schien das zu spüren. Denn der Handschuh schob den letzten Finger dazu.
Newt würgte ein überreiztes Stöhnen hervor. „N-nicht!“, wimmerte er, ehe er den Kopf wie von selbst in den Nacken warf, weil die Fingerspitzen gezielt seine Prostata getroffen hatten. Blitze durchzuckten ihn und seine Muskeln krampften. Newt zitterte. Er keuchte, japste, rang nach Atem.
Soweit waren sie beim letzten Training gekommen, erinnerte er sich dunkel. Und als es ihm klarwurde, rutschten die Finger automatisch tiefer, als hätten sich seine Muskeln bei der Erkenntnis von allein entspannt.
Weiteres Gleitgel flutete warm sein Inneres. Erschöpft sackte Newt nach vorn. Sein ganzer Körper zitterte, als wäre er eben einen Marathon gelaufen, doch jedes Mal, wenn die Finger in ihn stießen, zuckte seine Hüfte heftig und ein Schaudern durchlief seinen ganzen Körper.
Allmählich sanken die Finger tiefer. Dann kribbelte warm ein Entspannungszauber an seinem Eingang, der Newt erschöpft schmunzeln ließ. Albus war zu gut zu ihm.
Als daraufhin die Finger noch tiefer rutschten, bis zu den zweiten Knöcheln, und Newt überdeutlich fühlen konnte, wie sie über seine inneren Wände strichen, durchwanderte ihn ein heftiger Schauer.
Albus brummte zufrieden. „Du bist so unersättlich, Darling, schäm’ dich”, schnurrte er, hörbar erregt.
Ein kleines, weggetretenes Schmunzeln legte sich auf Newts Gesicht. Er wollte in diesem Punkt nicht widersprechen.
„Du nimmst die Finger so gut auf, als könntest du nicht genug bekommen“, hörte er Albus samten sagen. Es klang wie ein Lob. „Möchtest du es weitertreiben?”
Newt seufzte genießend. Er nickte schwach. Zwar fühlte er sich bereits bis zum Anschlag ausgefüllt und konnte sich kaum vorstellen, wie er noch mehr aufnehmen sollte, doch andererseits schien er so kurz davor. Er wollte den Triumph erleben, wenn ihm endlich gelang, was sie all die letzten Male nicht hatten erreichen können. Albus hatte Recht. Newt war furchtbar gierig.
Er zuckte zusammen, als er Albus‘ Fingerspitzen an seinem straff gespannten Muskelring fühlte. Dann flutete ihn abermals weiteres Gleitgel. Und dann begann der Handschuh, sich auf eine neue Art zu bewegen, die Newt vollkommen den Atem raubte. Der Handschuh stieß sich nun nicht mehr hinein und zog sich hinaus, sondern er drehte sich. Hin und her, als wollte er sich hineinschrauben.
Atemlos und von der neuen Empfindung überwältigt keuchte Newt gegen Albus‘ Hals. Er konnte fühlen, wie sich der Handschuh tieferschob. Tiefer und immer tiefer. Er büßte seine Form nicht ein, fiel nicht zusammen, blieb ausgefüllt, als sei er eine echte Hand.
Newts Beine begannen zu zittern. Diese neue Art der Reizung brachte ihn an seine Grenzen.
Es war ein seltsames Gefühl und schwierig zu beschreiben. Kein Schmerz, doch ein enormer, stetiger Druck. Es fühlte sich fast an, als würde er jeden Moment bersten.
„A-Albus!", stöhnte Newt überfordert. Unsicherheit mischte sich in seine überreizte Erregung. So weit waren sie bisher noch nie gegangen.
Er fühlte, wie ihm Albus eine Hand auf den Po legte und ihn dann ein wenig auseinanderzog, um das Eindringen zu erleichtern. Die andere Hand lag an seiner Hüfte. Sanft strich sie über seine verschwitzte Haut. Albus‘ Lippen bedeckten Newts Hals mit feuchten Küssen.
„Weiter, Darling”, raunte er ihm liebevoll zu, „Du bist schon so weit gekommen, du schaffst das.” Er küsste Newt die Wange und schmiegte sich an ihn. „Entspann dich, Newt. Lass es geschehen. Ich hab’ dich.” Und er ließ die Hand erneut tiefer wandern, wirkte einen weiteren leichten Entspannungszauber auf Newts Muskelring und tränkte den Handschuh in Gleitgel.
Newt nickte tapfer. Er wollte keinen Rückzieher machen. Er schmiegte sich enger an Albus und gab sein Bestes, sich zu entspannen.
„Du kennst dein Safeword”, raunte Albus ihm zu und der Handschuh schob sich mit einem schmatzenden Geräusch tiefer. Nun waren seine Knöchel beinahe drin.
Newt nickte erneut. Mit einem atemlosen Keuchen legte er den Kopf in den Nacken und bog den Rücken durch.
„F-fuck", kam ihm zittrig über die Lippen, obwohl das nicht das Safewort war. Trotzdem glitt der Handschuh aus ihm heraus und ließ Newt unangenehm leer zurück. Irritiert hob Newt den Kopf, weil er sich fragte, wieso Albus aufhörte, da dirigierte dieser sein Becken mehr zu sich. Newt schaute zwischen ihnen hinunter, doch er fühlte es, bevor er es sah: Albus hatte den Handschuh durch seine eigene Hand ersetzt. Sie war von Gleitgel bedeckt und schob sich tief in ihn hinein.
In dem Moment, in dem Newt begriff, dass es Albus‘ Hand war, die begann, ihn auszufüllen, warf er den Kopf erneut in den Nacken und als die Finger seine Prostata streiften, stöhnte er laut auf. Willig nahm er sie entgegen, nahm alles, was Albus ihm geben wollte, obwohl seine Muskeln vehement protestierten. Das vertraute Kribbeln eines weiteren Entspannungszaubers lief durch seinen Unterleib und neues Gleitgel flutete ihn. Dann schob Albus seine Hand vorsichtig tiefer.
„Du machst das großartig, Newt”, raunte er ihm liebevoll zu, „Es fehlt nicht mehr viel.”
Newt war damit beschäftigt einigermaßen gleichmäßig zu atmen und sich auf das intensive Gefühl von Albus warmen, feuchten Fingern in sich zu konzentrieren, als diese sich noch einmal stetig in ihn pressten und dann... riss Newt die Augen auf und schnappte überrascht nach Luft. Er spürte wie seine Muskeln nachgaben und schließlich - endlich! - Albus Hand ganz ihn in sank.
Einerseits war er erleichtert, da der stetige Druck auf seine Muskeln nachgegeben hatte, andererseits noch angespannter als zuvor, durch die Hand tief in ihm. Am ganzen Körper zitternd sackte er auf Albus zusammen. Das Gefühl war Triumph, Ekstase, Anstrengung und Erschöpfung zugleich.
Er fühlte, wie ihm Albus einen heißen Kuss auf die Schulterspitze setzte. „Gut gemacht, Newt”, lobte er mit heiserer Stimme. Und dann drehte er die Hand in Newt und reizte damit Newts Prostata so sehr, wie er es noch nie zuvor erlebt hatte.
„A-aaah-…lbus!“, stöhnte er überwältigt, beinahe schluchzend.
Albus brummte zufrieden. „Fühlst du das, Darling?“, schnurrte er, „Fühlst du meine Hand in dir?” Und er drehte sie erneut, wobei sie überdeutlich über Newts Prostata strichen, sodass dieser vor Überreizung fast von seinem Schoß gesprungen wäre. Seine Muskeln verkrampften sich spastisch. Sie intensivierten noch das Gefühl des Ausgefülltseins. Heiße Blitze schossen durch seinen Unterleib, die dazu führten, dass dicke, klare Lusttropfen sein Glied hinabrannen.
Albus schmunzelte zufrieden und drehte die Hand noch einmal. „Zu viel für dich, Darling?”, fragte er unschuldig. Er ließ die Hand kurz gegen die Prostata zucken.
Newt gab einen leisen erstickten Schrei von sich. Er wusste nicht genau, was er überhaupt zwischen den sehnsüchtigen Stöhnen und Seufzern herausbrachte, hauptsächlich Wortfetzen, die Albus‘ Namen, Merlin und mehr beinhalteten. Gleichzeitig presste er sein Gesicht eng gegen Albus‘ Hals und verteilte dort feuchte, gierige Küsse, während er zwischen der deutlichen Überreizung und dem Wunsch, dass Albus Hand ihm mehr von diesen überwältigenden Gefühlen bescherte, völlig hin und hergerissen war.
„Merlin, du bist so eng, Darling”, schnurrte Albus. Er drehte die Faust erneut. Dieses Mal stieß Albus stärker gegen die Prostata, während er Newts Hüfte fester packte. Newt reagierte so heftig auf die Berührungen, dass das bitter nötig war, damit er nicht vom Sofa fiel. Noch einmal stieß er gegen die Prostata, während die andere Hand Newt näher an ihn heran drückte. „Ich will dich kommen sehen, mit meiner Hand in deinem Hintern”, raunte er ihm ins Ohr.
Newt entwich ein sehnsüchtiges Stöhnen. Fahrig bewegte er seine Hüften vor und zurück. Vollkommen überreizt und doch so gierig darauf, noch mehr zu spüren.
„B-bitte“, brachte er mit heiserer, zittriger Stimme hervor, „Bitte, mach weiter. Fick mich mit deiner Faust!“ Worte, die ihm im nüchternen Zustand nie über die Lippen gekommen wären. Nun dominierten ihn Ungeduld und Lust zu sehr, als dass er sich zurückhalten konnte. Er wollte Albus‘ Hand spüren, wie sie ihn hart und ohne Rücksicht an seine Grenzen und darüber hinausbrachte.
Albus lachte leise. „Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, Newt, Darling”, raunte er Newt verheißungsvoll zu, ehe er die Hand erneut gegen Newts Prostata stieß. Seine Handschuhe legten sich auf Newts Hüften, um ihn festzuhalten. Einen kurzen Moment konnte Newt noch Luft holen. Dann trieb Albus seine Faust in Newt hinein, wirkte nur zwischendurch einen weiteren Befeuchtungszauber, und visierte dann bei jedem Stoß Newts Prostata an.
Albus hatte definitiv recht mit seiner 'Warnung'. Newt hatte sich schon oft in seiner Gier Dinge gewünscht, die am Ende doch zu überwältigend gewesen waren. Doch wer konnte es ihm verübeln, wo die Gefühle doch so berauschend waren und alles in ihm nach mehr schrie?
Als Albus seine Faust immer wieder in ihn trieb und dabei sowohl seinen Muskelring als auch seine Prostata auf unglaubliche Weise reizte, verlor alles andere an Bedeutung.
Vor seinen Augen tanzten Sterne und mit jedem Stoß schrie Newt überwältigt auf. Er spürte, wie ihn die Faust geradewegs auf einen heftigen Orgasmus zutrieb. Er zerging geradezu in den Empfindungen. Hin- und hergerissen, zwischen dem Wunsch, dieses Erlebnis noch so lange wie möglich hinzuziehen, und dem, endlich zu kommen.
Am Ende lag die Entscheidung schon lange nicht mehr in seiner Hand, sondern in Albus' - oder in seiner Faust.
Newt konnte nichts anderes tun, als den Stößen zu gut wie möglich entgegenzukommen, wenn es ihm auch eher schlecht als recht gelang, so überreizt und zittrig, wie er war. Er ließ sich vollkommen in die Empfindung fallen. Es dauerte nicht lang und schließlich spannte sich alles in ihm bis zum Bersten an, ehe sich die Anspannung beim nächsten gezielten Stoß in einer sinnesberauschenden Welle entlud. Mit einem erstickten Schrei entlud sich Newt zwischen ihnen, mit unkontrolliert zuckender Hüfte. Die Schauer durchliefen ihn heftig, bis es schließlich abebbte. Noch während Newt nach Atem ringend gegen Albus sackte und die Nachbeben des Orgasmus über ihn hinwegrauschten, löste Albus mit einem Fingerzeig die Krawatte, die sich um seine Handgelenke gelegt hatte. Dann zog er langsam die Hand aus Newt heraus.
Newt seufzte auf, als er fühlte, wie sich eine warme Decke um seine Schultern legte, und Albus‘ Arme ihn umschlungen. Seine eigenen Arme ließ er kraftlos an den Seiten herunterhängen, während er sich an Albus schmiegte. Er fühlte sich von dem atemberaubenden Orgasmus vollkommen benebelt und unglaublich befriedigt, als würde er schweben.
Sanfte Lippen drückten ihm einen Kuss auf die Schläfe.
„Du bist atemberaubend, Darling”, raunte Albus ihm zu und setzte mit einem kleinen liebevollen Lachen hinzu: „Und mein liebstes Spielzeug.”
Newt gab ein kleines Kichern von sich und schmiegte sich dann wohlig an Albus, als dieser ihn näherzog und seinen Rücken in langsamen, beruhigenden Kreisen streichelte. Er genoss die Ruhe und das Gefühl der Geborgenheit, das ihn umgab.
„Ich liebe dich“, raunte Albus ihm voll Zärtlichkeit ins Ohr.
Schwach legte ihm Newt die Arme um die Mitte. Mit halb geöffneten Augen fing er Albus‘ Lippen in einen sanften Kuss ein, ehe er ein leises „Und ich dich", antwortete.

Chapter Text

Albus war beschwingt, als er an diesem Tag zum zweiten Meeting mit den Politikern lief, die er schon bei ihrem ersten Gespräch so gut um den Finger hatte wickeln können. Er würde sie noch vollends auf Gellerts und seine Seite ziehen und Gellert würde ihm das mit größerem Vertrauen zurückzahlen.
Mit federnden Schritten lief er in den Meetingraum hinein, in dem die beiden Herren und Rosier bereits auf ihn warteten.
„Guten Morgen, die Herren“, begrüßte er sie, während er sich setzte. „Fangen wir direkt an. Sie haben sich noch einmal Gedanken gemacht, nehme ich an?“
Das hatten sie. Und noch dazu überaus zufriedenstellende, wie es schien.
Das Gespräch verlief noch reibungsloser als das erste und als sie nach einer Stunde alles Wichtige geklärt hatten, war Albus überaus guter Dinge.
„Wunderbar“, sagte er. „Halten Sie sich an die Vorgaben und es wird alles nach Plan verlaufen.“
Er reichte den beiden zum Abschied die Hand, Rosier brachte sie zur Tür und er rief einen der Hauselfen zu sich, damit dieser hier aufräumte.
Als er in den Gang hinausschritt, sah er Gellert in Begleitung von zwei Akrolythen herannahen.
Ein Lächeln lag auf seinen Lippen. „Wie lief dein Gespräch, Albus?“, fragte er.
Albus erwiderte das Lächeln und warf sich ein wenig in die Brust. „Hervorragend“, sagte er schmunzelnd.
Gellert nickte, legte ihm im Vorbeigehen eine Hand auf die Schulter, drückte sie kurz und sagte: „Lass uns nachher gemeinsam Mittagessen. Dann kannst du mir die Details erzählen.“
„Liebend gern“, sagte Albus, beobachtete dann, wie Gellert an ihm vorbei schritt und sah die beiden Anhänger folgen.
Bis zum Mittagessen wären es noch ein paar Stunden. Albus hatte bis dahin nichts weiter vor, außer ein wenig Nachbearbeitung des Meetings zu betreiben. Er ging dafür in seine und Newts Räume, weil er diese Kleinigkeiten auch in Gesellschaft tun konnte, setzte sich dort an den Schreibtisch, der direkt am Fenster stand, und machte sich Notizen. Dabei hatte er die Pergamentrollen mit den Zusicherungen der beiden Politiker vor sich aufgerollt. Er überflog sie noch einmal. Nachher beim Essen würde er Gellert alles ganz genau berichten können.
„Hast du noch zu tun?“, hörte er Newt neben sich, der eben vom Greifen zurückgekehrt war, um den er sich morgens um diese Zeit immer kümmerte.
Albus nickte, ohne aufzusehen. „Ja“, sagte er. „Noch ein Brief, dann bin ich bei dir.“
„Lass dir Zeit“, sagte Newt. „Ich gehe duschen. Der Greif wollte in seinem neuen Gehege unbedingt einen Flug ausprobieren und hat eine Menge Sand und Erde aufgewirbelt.“
Albus schmunzelte und schrieb weiter.
Er hatte den Brief gerade beendet, als es an der Fensterscheibe klopfte. Mit einer Handbewegung öffnete sich das Fenster und die Eule hüpfte hinein. Sie warf einen Brief auf den Schreibtisch, stieß einen kleinen Schrei aus und flog wieder hinaus.
Albus runzelte die Stirn. In letzter Zeit hielt er viel Briefkontakt zu anderen, weil er mehr und mehr in Gellerts Tagesgeschäft eingebunden wurde. Doch diese Eule kannte er nicht.
Er öffnete den Umschlag, zog den Brief hervor und erkannte an dem Siegel, dass er von einem der beiden Politiker war, die eben bei ihm gewesen waren.
Er überflog ihn.
Dann kam sein Verstand nicht mehr mit. Gelähmt blickte er auf die dunkelblauen Tintenbuchstaben auf gelblichem Pergamentpapier und versuchte, zu begreifen, was er da las.
Er las es noch einmal.
Dann fuhr er so schnell hoch, dass der Stuhl umfiel.
Mit den Hände auf die Tischplatte abgestützt, starrte Albus auf den Brief hinab, der vor seinen Augen verschwamm. Seine Hände zitterten. Sie fühlten sich plötzlich heiß an. Er bekam keine Luft mehr. Anspannung schoss ihm durch die Muskeln, Adrenalin flutete seine Adern. Um seine Handflächen stieg Qualm auf und dann fing das Schreibtischholz Feuer.
Keuchend trat Albus zurück, wedelte eilig mit der Hand, um das Feuer zu löschen, und starrte dann auf den Brief wie auf ein sehr hässliches, unliebsames Haustier. Er presste den Kiefer zusammen, mahnte sich zu Besonnenheit, atmete tief durch. Es half nicht. Er bemerkte es daran, dass seine Kaffeetasse zu zittern begann. Und daran, dass einer seiner Handschuhe mit geballter Faust gegen eine Wand schlug. Albus stieß die Luft aus.
Dann kritzelte er eine Notiz für Newt auf einen Zettel, nahm den Brief und verließ den Raum so fluchtartig, als sei der Teufel hinter ihm her.
Albus stürmte durch die Gänge, ohne ein Ziel. Er wusste nur, dass er nicht untätig sitzen bleiben konnte. Seine Wut musste irgendwie abgebaut werden, damit sie sich nicht in magischen Ausbrüchen entlud. Zugleich fühlte er den Schmerz in der Brust. Stechender Verrat, der ihn lähmen wollte und sich bleiern auf seinen Rücken und seinen Nacken legte.
Er konnte nichts tun. Erst musste er warten. Musste mit Gellert sprechen.
Und so lief Albus durchs Schloss, bis er seiner Gefühle allmählich wieder Herr geworden war, ging dann zu Gellerts Räumlichkeiten, die er bisher nicht ohne ihn betreten hatte, und ließ sich selbst ein.

*

Als Gellert zur Mittagszeit in sein Wohnzimmer eintrat, als hätte er Albus hier gespürt, saß Albus auf dem Sofa und schaute ihm dabei zu.
Gellert schenkte ihm ein Lächeln. „Du bist früh dran, Liebling“, sagte er. „Und noch dazu nicht im Esszimmer.“
Albus machte ein wegwerfende Handbewegung. „Das kann warten“, sagte er ruhig.
Er wusste, dass Gellert seine Anspannung unter der Oberfläche brodeln fühlen konnte.
Gellert hob eine Augenbraue. „Oh?“, fragte er sanft, ging auf ihn zu und musterte ihn. „Du bist aufgebracht“, stellte er fest. „Was ist vorgefallen?“
Albus kam ruckartig auf die Füße, bevor Gellert noch näherkommen konnte. Das brachte den Blonden dazu, innezuhalten.
„Das hier“, sagte er und hielt den Brief in die Höhe, sodass Gellert ihn lesen konnte.
Der schaute hinauf aufs Siegel und überflog dann die Zeilen. Sein Blick verhärtete sich mit jeder weiteren Zeile. „Liebling“, sagte er langsam.
„Komm mir nicht damit“, zischte Albus eisig. „Es war alles eine Farce, Gellert! Du hast mich an der Nase herumgeführt! Hast mich beschäftigt gehalten, damit ich dir nicht bei anderen Angelegenheiten dazwischenfunke, bei denen du anderer Ansicht bist als ich. Ist es nicht so?“
Gellert knirschte mit den Zähnen. Er wirkte nicht sehr erfreut darüber, dass Albus es herausgefunden hatte. Selbstverständlich nicht.
Der Brief, den einer der Politiker Albus geschickt hatte, drückte Verwunderung aus. Man habe die wichtigsten Dinge bereits mit Grimmson besprochen und befand dieses zusätzliche Meeting als überflüssig. Man drücke Überraschung darüber aus, dass in dem Meeting mit Albus nichts neues festgelegt worden war.
„Du hast mich glauben lassen, dass es mein Verdienst war, dass sie sich deiner Gefolgschaft anschlossen, dabei hat dein Handlanger es schon vor mir geregelt!“, rief Albus, außer sich vor Wut. „Hast du eine Ahnung, wie erniedrigend das ist?!“
Gellert schwieg sich weiter aus. Er schien darüber nachzudenken, was er sagen konnte, um Albus zu beschwichtigen. Doch egal was er sagen würde – er konnte die Tatsachen nicht leugnen.
„Ich hatte geglaubt, du vertraust mir“, setzte Albus bitter hinzu, faltete den Brief zusammen und steckte ihn in eine seiner Westentaschen. „Und dass du meine Fähigkeiten zu würdigen weißt, anstatt mich hinzuhalten, aus Angst vor Kontrollverlust.“
Gellert warf ihm einen zornigen Blick zu. „Verzeih, dass ich dich nicht mit offenen Armen empfange, nachdem du jahrelang für meine Gegner gearbeitet hast“, knurrte er.
Aha. Also ging er nun lieber zum Angriff über, anstatt sich zu rechtfertigen.
„Du HAST mich mit offenen Armen empfangen!“, rief Albus. „Oder zumindest hast du mir das vorgegaukelt. Wozu diese Scharade, wenn du es nicht wolltest? Was soll das alles?“
Gellert schwieg sich aus. Er knirschte noch immer mit den Zähnen.
„Habe ich dir nicht genug bewiesen, dass ich auf deiner Seite stehe?“, fragte Albus leise. „Was muss ich noch tun, damit du mir vertraust?“
„Ich vertraue dir“, murrte Gellert. Dann schloss er einen Moment die Augen und als er sie wieder öffnete, sah er Albus direkt an. „Ich denke nur nicht, dass deine Vorstellungen von der Revolution umsetzbar sind, Liebling. Und es hat dich glücklich gemacht, das Gefühl zu haben, gebraucht zu werden und etwas bewirken zu können. Was hätte ich denn tun sollen?“
Albus entwich die Luft aus den Lungen. Er starrte Gellert an. Dann schüttelte er den Kopf.
„Dann lass mich gehen“, hauchte er, weil etwas in ihm gebrochen war, bei der Erkenntnis, dass ‚ihr Plan‘ nicht länger ‚ihr Plan‘ war, sondern Gellerts Plan. „Wieso bin ich dann noch hier?“
Gellert trat auf ihn zu und strich ihm über die Wange. Albus ließ es geschehen.
„Weil ich nicht ohne dich sein will, Liebling. Ich möchte abends zu dir nach Hause kommen. Ich möchte meine wenigen freien Stunden mit dir verbringen. Und ich möchte, dass du die kleineren Dinge im Hintergrund erledigst, die alles hier zusammenhalten.“
Albus presste die Lippen aufeinander. Das klang wie bei einem kleinen Hausfrauchen. War Gellerts Vorstellung mittlerweile wirklich so verhärtet, dass er keine andere Denkweise als seine eigene mehr zuließ?
„Zum Beispiel?“, fragte er leise.
„Zum Beispiel weiß ich, dass du großartig darin bist, Events zu organisieren“, schmeichelte Gellert ihm. „Wenn du im Raum bist, strahlst du eine gewisse Ruhe aus, die sich auf andere überträgt. Außerdem kannst du sehr überzeugend sein und ich würde mir wünschen, dass du diese Fähigkeit nutzt, um darauf zu achten, dass die, die uns bereits folgen, ihren Pfad nicht aus den Augen verlieren.“
Albus schluckte. Also kein aktives Eingreifen mehr in das Größere Wohl. Kein Beitrag zur Revolution. Sondern nur das intakt halten, was bereits gewonnen war. Albus war nichts weiter als eine hübsche Trophäe, eine Kriegsbeute. Ein Ratgeber, wenn Gellert einen wollte. Aber nur in den weniger wichtigen Entscheidungen. Jemand, der ihm das Bett wärmte.
Albus fasste einen Entschluss.
Und nickte schließlich. „Okay“, sagte er leise und wagte ein kleines Lächeln. „Das kann ich versuchen.“
Gellert erwiderte das Lächeln. Er drückte ihm einen Kuss auf die Lippen. „Ich weiß, dass du das großartig machen wirst, Liebling“, sagte er. „Und wo wir gerade davon sprechen. Was hältst du davon, ab sofort öfter bei mir zu schlafen?“
Albus nickte ergeben. „Wenn du das wünschst, sehr gern.“ Er dachte nicht an Newt dabei. Newt würde es verstehen.
„Sehr schön“, sagte Gellert und küsste ihn erneut. „Lass uns essen. Ich habe nicht mehr viel Zeit bis zum nächsten Meeting.“
Albus nickte, löste sich von ihm und folgte ihm ins Esszimmer.
Als sie sich dort niederließen, sagte Gellert: „Ich bin froh, dass du hier drin auf mich gewartet hast.“
„Zuvor hatte ich den Anstand, deine Privatsphäre zu wahren“, sagte Albus mit einem schiefen Lächeln.
Gellert lachte leise. Er nahm Albus‘ Hand und drückte einen Kuss auf den Handrücken. „Du kannst gern öfter hier ein und aus gehen“, sagte er und setzte mit einem Funkeln in den Augen hinzu: „Oder ganz bleiben.“
Albus schmunzelte geschmeichelt. „Danke, Darling“, sagte er. „Das weiß ich zu schätzen.“

~*~

Als Newt aus der Dusche gekommen war, hatte er sich gewundert, wo Albus abgeblieben war. Doch die Notiz hatte ihm alles verraten, was er wissen musste. Er hatte sich vorgenommen, darüber nicht zu genau nachzudenken und hatte sich beschäftigt gehalten, bis Albus zurückkehrte.
Er wirkte irgendwie… verändert.
Zwar sagte er auf Newts Nachfrage hin, dass bei ihm alles in Ordnung wäre, doch etwas ging in ihm vor. Etwas, das Newt nicht ganz benennen konnte. Er wirkte gebrochen und deprimiert. Aber wenn er es Newt nicht sagen wollte, musste dieser wohl oder übel damit leben.
Weitere Wochen zogen ins Land.
Einen Monat später erschütterte eine Angriffserie Europa. Sie war schlimm, Queenie hatte Newt eine Zeitung dagelassen. Mehrere tausend Tote. Alle Opfer von Grindelwald.
Newt fragte sich, wie Albus damit leben konnte. Damit, dass sein Zutun ihn mitverantwortlich machte für all die Toten. Doch er fand keine Gelegenheit, mit ihm darüber zu sprechen. Albus war kaum bei ihm, sagte, dass Gellert ihn nun noch mehr brauchte, als ohnehin schon, und ließ Newt mit seinen Gedanken allein. Die einzige, mit der er über solche Dinge sprechen konnte, war Queenie. Doch sie verstand ihn nur zum Teil.
„Ja, es ist schrecklich, Newt, ich weiß“, sagte sie dann etwa, ehe wieder dieses fanatische Funkeln in ihre Augen trat. „Aber am Ende ist es doch für eine gute Sache, oder nicht? Grindelwald betont doch immer wieder, wie wichtig es ihm ist, dass seine Botschaft verstanden wird. Und dafür greift er nur diejenigen an, die es auch verdient haben.“
„Kinder, Queenie! Zivilisten, ganze Familien! Wie können die es verdient haben?!“
Daraufhin bebte ihre Unterlippe und Tränen traten in ihre Augen, während sie versuchte, sich zu einem neuen Lächeln aufzuraffen. Sie konnte ihm nicht mehr in die Augen sehen.
„Es hat alles einen Sinn“, beharrte sie.
Newt schüttelte den Kopf und ließ es dabei bewenden.
Er wusste, dass er hier in diesem Schloss mit seiner Meinung allein dastand. Albus war sonst stets ein guter Zuhörer gewesen, selbst, wenn er nicht seiner Ansicht war. Aber wenn er da war, schrieb er weiter Briefe, verschickte ohne Ende Eulen und Newt fragte sich, was Grindelwald von ihm verlangte, dass er sich mit einem Mal so totzuarbeiten schien. Oder kam er, wenn er bei Grindelwald war, nicht zum arbeiten? Eilig verwarf Newt diesen Gedanken wieder An das Bild hatte er sich noch immer nicht gewöhnt.
Mit jeder weiteren Woche wirkte Albus gestresster. Seine ruhige Fassade begann zu bröckeln. Newt fragte ihn, was mit ihm los war, doch Albus wollte es ihm nicht anvertrauen, faselte nur etwas davon, dass eine Revolution eben stressig sei, und ging dann wieder fort.
Newt fühlte sich vernachlässigt. Außerdem machte er sich Sorgen um Albus. Und was dabei am schwersten wog, war das Gefühl, rein gar nichts ausrichten zu können. Ihm waren die Hände gebunden. Das Einzige, was er tun konnte, war, sich um den Greifen zu kümmern. Er war heilfroh, dass er es tat, denn ohne diesen Ausgleich wäre er wahrscheinlich durchgedreht.
Seine Beziehung litt unter dieser grauenvollen Revolution. Und er fragte sich, wann Albus sich von ihm lossagte, um nicht mehr zwischen seinen zwei Liebhabern zerrieben zu werden. Das würde ihm mehr Zeit für Gellert und die Revolution verschaffen. Für Newt stand außer Frage, dass er sich schlussendlich so entscheiden würde.

Chapter Text

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"You say you miss me and I wanna say I miss you so much
But something keeps me really quiet, I'm alive, I'm a lush
Your love, your love, my love

I can see my baby swinging
His Parliament's on fire and his hands are up
On the balcony and I'm singing
Ooh baby, ooh baby, I'm in love"

(Lana del Rey - 'Westcoast')

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Im Nachhinein war es schon fast zu einfach gewesen.
Als Albus auf Gellert hinunterschaute, der vor ihm kniete und so wissend zu ihm heraufsah, als hätte er es von Anfang an geahnt, und sich doch nicht wehrte, zitterte die Hand, die den Elderstab hielt, den er ihm eben mit dem Entwaffnungszauber abgenommen hatte.
Viel hatte es am Ende nicht mehr gebraucht. Einen Abendspaziergang, um zu besprechen, wie sie England einnehmen wollten. Da hatte er Gellert noch in dem Glauben gelassen, dass er seiner Meinung war. Und das, obwohl sein tyrannischer Liebhaber vor zwei Tagen brutal Spanien unterjocht hatte. Albus hatte es innerlich zerrissen, die Zahl der Toten in den Zeitungen zu sehen.
Vorhin, während ihres Spazierganges, hatte Gellert gesagt: „Ich hatte vor einigen Tagen übrigens eine interessante Vision“, und hatte mit der Hand in die Innenseite seiner Tasche gelangt.
Albus hatte befürchtet, dass Gellert ihm dahintergekommen war. Er hatte den Stab blitzschnell gezogen, hatte ihn entwaffnet und das Signal an die Auroren gegeben, die nun schon seit Tagen auf eine günstige Gelegenheit gewartet hatten. Er hatte in Briefkontakt zu ihnen gestanden.
Mit einem weiteren Zauber war Gellert auf die Knie gesunken. Er hatte sich nicht einmal dagegen gewehrt.
Nun legte er den Kopf schief und schürzte die Lippen, während er zu Albus hinaufsah. Sein Blick sprach Bände.
Albus fasste den Elderstab fester, der ihm durch die schweißnassen Hände rutschen wollte.
„Der Pakt ist also gebrochen“, sagte Gellert und nickte langsam, als würden sie nur mäßig interessante Details austauschen. „Seit wann schon?“
Albus schluckte. „Seit einem halben Jahr“, antwortete er.
Gellert lächelte ein falsches Lächeln. „Noch bevor du hierhergekommen warst. Clever, Albus.“
Albus hielt den Atem an. Er war nicht stolz darauf. Gellert ließ es so klingen, als hätte er ihm seine Gefühle vorgespielt, doch das war nicht war. Er schüttelte den Kopf, während ihm Tränen in den Augen die Sicht verschleierten.
„Ich liebe dich, Gellert“, sagte er leise zu ihm. Gellert schaute ihn ausdruckslos an. Erwiderte nichts. Sein Blick war kalt geworden.
Albus bemerkte, wie die zahlreichen Auroren, die die Festung umstellten, den Kreis um sie enger zogen.
Noch hatte Albus Zeit. Zeit, sich zu verabschieden. „Das habe ich immer getan und ich werde es immer tun“, sagte er voll trauriger Aufrichtigkeit, beugte sich hinunter und küsste ihm die versteinerten Lippen. Ein letztes Mal. „Aber ich kann nicht länger zulassen, dass du der Welt deinen Willen aufzwingst. Deine barbarischen Pläne. Dafür war das Größere Wohl nie gedacht.“ Er richtete sich wieder auf und trat einen Schritt zurück, den Stab unverändert auf Gellert gerichtet. „Vielleicht kannst du deine Taten irgendwann bereuen.“
Gellert hob eine Augenbraue und schenkte ihm ein süffisantes Lächeln. Doch er sagte nichts darauf.
Theseus war nicht mehr weit.
„Verzeih mir“, bat Albus leise. Dann trat er weiter zurück.
Die Auroren umringten Gellert.
Er unternahm keinen Versuch, sich freizukämpfen. Und während sie ihn auf die Füße zerrten und ihm magische Handschellen anlegten, schaute er unverwandt zu Albus hin, als wollte er ihm die Schuld an seinem Schicksal aufbürden. Albus wusste, dass sein Handeln nötig gewesen war. Dass es richtig gewesen war, weil es Menschenleben rettete.
Dennoch war er emotional gebeutelt, als er dabei zusah, wie einige Auroren mit Gellert disapparierten und die restlichen die Festung stürmten. Der Schlange war der Kopf abgeschlagen worden. Es würde nicht mehr lange dauern, bis die Gefolgsleute in Gewahrsam genommen worden waren.

Theseus war es, der Albus schließlich in die Festung hineinbegleitete. Nachdem Albus einen tiefen, zitternden Atemzug genommen und sich abgewandt hatte, um sich Tränen aus den Augen zu wischen.
Als sie das Schloss betraten, war die Gefangennahme von Gellerts Gefolge noch in vollem Gange, doch mit dem Elderstab fühlte sich Albus noch sicherer als ohnehin schon.
Er schob ihn in die Innentasche seiner Weste, behielt seinen eigenen Stab in der Hand und ging mit Theseus hinauf zu den Räumen, in denen Newt und er gewohnt hatten. Um sie herum waren kleinere und größere Kämpfe entbrannt. Die Auroren waren zu so später Stunde, wo nur jene in Nurmengard waren, die auch hier lebten, deutlich in der Überzahl. Außerdem waren einige der Anhänger so überrumpelt, dass sie sich gar nicht erst wehrten.
Als Albus und Theseus schließlich vor den Räumen ankamen, die er in den letzten Monaten mit Newt bewohnt hatte, warf Newt gerade die Tür auf, als hätte er sie herannahen hören, starrte dann Theseus an und warf sich in seine Arme.
„Es ist vorbei, Newt“, sagte Theseus, der die Umarmung erleichtert erwiderte. „Grindelwald ist gefangen. Du bist frei.“
Newt antwortete lange nichts, drückte das Gesicht gegen Theseus‘ Schulter und hob dann schließlich den Kopf, um Albus anzusehen.
„Aber du …“ Ein schmerzlicher Ausdruck wanderte über sein Gesicht. Er schaute zu Theseus auf. „Wirst du Albus festnehmen?“, fragte er und trat einen Schritt zurück.
Theseus schmunzelte. „Nein“, sagte er.
Newt runzelte die Stirn, als wollte er dazu etwas sagen. Dann schien er es sich anders zu überlegen und murmelte: „Gut.“
Albus schenkte ihm ein müdes Lächeln und reichte ihm die Hand. „Komm, Newt“, sagte er. „Zeit, nach Hause zu gehen.“
Bei den Worten leuchteten Newts Augen auf. Albus wandte den Blick ab. Er ertrug das Strahlen im Moment nicht.

*

 

Ein halbes Jahr in einer Festung zu wohnen, bedeutete, dass man einige Habseligkeiten dort verteilt hatte. Newt hatte vor der Abreise darauf bestanden, dass man den Greifen nach Hogwarts übersiedeln würde. Albus hatte in Gellerts privatem Büro die Dokumente eingesteckt und einige davon bereits widerwillig an Travers ausgehändigt, der zur Festung appariert war, sobald die Nachricht eintraf, dass Gellert gestürzt war.
Erst, als sie sich sicher sein konnten, dass sich nichts mehr hier befand, das für einen von ihnen von Wert war, waren Newt, Theseus und Albus nach Hogwarts appariert, wo man sie bereits erwartete. Dippet stand am Eingang zum Schulgelände.
„Wie schön, Sie wiederzusehen“, sagte er nur, als wären Newt und Albus nur eben im Urlaub gewesen.
Sie folgten ihm über die dunklen Schlossgründe (mittlerweile musste es Mitternacht sein) und dann hinauf ins Büro des Schulleiters. Dort berichtete Theseus davon, dass Grindelwald gestürzt worden war und Dippet schenkte allen ein kleines Glas Feuerwhiskey ein, um darauf anzustoßen.
Albus tat es mit gemischten Gefühlen. Etwas in ihm wollte weinen, doch dafür fühlte er sich insgesamt noch zu taub. Ausgebrannt und leer. Die letzten Wochen waren so anstrengend für ihn gewesen wie sonst kaum etwas in seinem Leben.
„Wie?“, hauchte Newt schließlich, nachdem sie eine Weile in Schweigen beieinandergestanden hatten. Sein Blick galt Albus. „Wie ist es dir gelungen, ihn zu überwältigen?“
Albus schenkte ihm ein schmerzerfülltes Lächeln. Nun, irgendwann musste er es jemandem sagen. Sonst würde man sich noch fragen, ob er überhaupt beteiligt gewesen war oder ob er eigentlich ebenso eingesperrt gehörte wie die anderen. Schließlich hatte es niemand gesehen, wie er Gellert unterworfen hatte.
Er sah einen Moment zu Theseus hin und suchte nach den richtigen Worten.
Dann sagte er langsam: „Theseus und ich haben die Zusammentreffen analysiert. Damals, in unseren Vier-Augen-Meetings rund um Weihnachten. Die von dir, Credence und Queenie mit Gellert. Wir haben ein festes Schema erkannt“, begann er zu erklären. „Er sammelt Zauberer mit Einfluss oder besonderen Fähigkeiten wie Trophäen. Selbst, wenn er keinerlei Gefühle für mich gehabt hätte, hätte er nicht an mir vorbei gehen können, ohne den Versuch zu unternehmen, mich in seine Reihen aufzunehmen. Jemand wie ich, der von allen als sein größter Feind angesehen wird und ihm an Macht gleichkommt… konnte er nicht ziehen lassen, wenn er das Gefühl hatte, eine Chance zu haben.“
Newt schluckte. Er schien die Information zu verdauen. Stirnrunzelnd schüttelte er den Kopf. „Also hast du… das alles nur vorgespielt? Die Liebe und eure Verbundenheit … und alles?“, fragte Newt leise. Es hörte sich hoffnungsvoll an.
Doch die Frage brach die Schutzhülle auf, hinter die Albus sich zurückgezogen hatte, seit Gellert ihn so wissend angesehen hatte. Seit sie ihre letzten Worte miteinander gewechselt hatten. Seitdem fühlte er sich sonderbar taub. Und nun zerriss es sein Herz in Stücke.
„Nein“, krächzte er und in dem Moment, in dem er es aussprach, fühlte er, wie die Tränen, die sein taubes Herz bis eben nicht hatte zulassen wollen, nun aus seinen Augen traten und über seine Wangen liefen. Er schüttelte den Kopf. Unfähig, sein Gewicht länger zu tragen, gaben seine Knie nach. Albus sank auf den Stuhl hinter sich. „Nein, das… das war echt“, hauchte er und schluckte.
Es war ihm egal, dass neben Newt noch andere zusahen. Es war ihm alles egal. Er hatte Monate seines Lebens damit verbracht, eine Möglichkeit zu finden, Grindelwald zu entkommen. Monate, in denen ihm klargeworden war, dass Gellert nie aufhören würde, nach Newt zu suchen, oder nach ihm selbst, sobald ihnen eine Flucht gelänge. In denen er erkannt hatte, dass er, wenn er auch nur ein wenig länger bleiben würde, sich vielleicht tatsächlich anschlösse. Und sich dann nie wieder ins Gesicht sehen könnte. Er war sogar kurz davor gewesen. Einen kleinen Moment lang hatte er sich vergessen, hatte gehofft, dass es an Gellerts Seite einen Platz für ihn gebe. Die Versuchung war so groß gewesen. Er hatte geglaubt, er könne neben ihm alles werden. Doch dass Gellert ihm bis zuletzt nicht getraut hatte, dass er ihn dazu sogar belogen hatte, hatte es Albus am Ende ermöglicht, sich loszusagen. Hatte ihm die Kraft gegeben, Gellert zu hintergehen. So zu tun, als ob. Zu sein, was Gellert in ihm sehen wollte, und hinter seinem Rücken einen Fluchtplan zu schmieden, der an seine Vorbereitungen mit Theseus angeknüpft hatte.
„Theseus wusste, was er zu tun hatte, sobald wir an dem Abend und an den Tagen darauf nicht zurückkämen“, fuhr er leise fort, während er mit dem Oberkörper nach vorn sank und sich mit den Händen durch die Haare fuhr. „Er wusste, dass Gellert uns dann in seiner Gewalt hätte. Dich hatte er schon einmal beseitigen wollen, aber wenn Queenie dich aufgedeckt hätte, hatten wir gehofft, dass sie deinen Tod nicht zugelassen hätte. Und da er mich glücklicherweise ebenso fand…. Reichte es aus, zu wissen, dass du mir etwas bedeutest, damit er dir nichts antat. Er wollte es sich nicht mit mir verscherzen.“
Newt schluckte sichtbar. „Also… als du sagtest, dass ich unter deinem Schutz stehe…“
Albus nickte. „Das war einkalkuliert. Hätte ich nicht zügig dafür gesorgt, herauszufinden, was Gellert will und wie ich derjenige sein kann, der es ihm gibt, damit ich in seinem Ansehen und seinem Vertrauen steige… dann hätte ich das nicht gewährleisten können. Glücklicherweise war Gellert nicht so dumm, zu riskieren, das Vertrauen eines neu gewonnenen Anhängers direkt zu zerstören.“
Newt schüttelte sprachlos den Kopf. „Aber der Blutpakt …“
„Der Pakt wurde zerstört, Newt“, schaltete Theseus sich ein, der neben Albus an der Wand lehnte. „Kurz bevor ihr abgereist seid, war es Dumbledore und mir gelungen, ihn zu brechen.“
Albus, der Newts fassungslosen Blick auf sich fühlte, nickte und wischte sich das Gesicht trocken. „Ich habe nur auf einen passendenden Moment gewartet“, sagte er leise, als wolle er Newts unausgesprochene Frage, wieso es so lange gedauert hatte, beantworten. „Und wollte vorher so viel Einfluss gewinnen, damit ich einige seiner Operationen vereiteln oder in ihrer Wucht abmildern konnte.“ Es war nur halb gelogen. Seine Schwäche für eine perfekte Welt und ein Leben an Gellerts Seite hatte ihn ein paar Wochen lang vom Kurs abgebracht. Doch danach hatte er sich wieder gefangen und hatte erneut auf einen geeigneten Moment hingearbeitet.
„Du hast ihn verraten“, hauchte Newt fassungslos.
Albus nickte und neue Tränen liefen ihm über die Wangen. „D-die Welt…“, begann er mit belegter Stimme, wandte sich einen Moment ab und holte tief Luft. „… die Welt ist wichtiger. DAS sollte das Größere Wohl sein. Nicht das, was er daraus gemacht hat.“
„Wieso?“, fragte Newt und nun klang er aufgewühlt. „Wieso hast du es mir nicht gesagt? All die Monate habe ich geglaubt, er… er hat dich… du wirktest so glücklich und… “
„Newt, eine Frau, von der du glaubtest, dass sie deine Freundin ist, hat deine Gedanken gelesen und dich sofort bei Grindelwald gemeldet“, sagte Theseus, für Albus‘ Begriffe ein wenig zu schroff. Es war ein sensibles Thema. Queenie würde für ihre Loyalität zu Grindelwald ins Gefängnis gehen. Man hatte sie retten wollen, aber ihre Handlungen waren zu offenkundig freiwillig geschehen und nun würde man ihr den Prozess machen, wie allen anderen. Das tat Newt vermutlich in der Seele weh.
„Was meinst du, wie lange hätte der Plan Bestand gehabt, wenn Dumbledore dich eingeweiht hätte?“, fragte Theseus unnachgiebig.
Newt schwieg und senkte den Kopf. „Ich… ich habe dir wirklich geglaubt“, murmelte er, an Albus gewandt.
Albus nickte. „Das war das Ziel“, sagte er. „Entschuldige, dass ich dich angelogen habe. Dazu, dass ich seine Vorstellungen von einer besseren Welt teilen oder verstehen würde, das… war gelogen. Größtenteils.“
Er sah, wie Newt abermals ungläubig den Kopf schüttelte. „Du hattest den Pakt gebrochen“, zählte er atemlos auf, „du… du warst bereit, ihm gegenüber zu treten. Wieso hast du so lang gewartet? Wieso hast du alle glauben lassen, dass du übergelaufen seist?“
Albus schenkte Newt ein Schmunzeln. Es war offensichtlich, dass der Jüngere keine Ahnung davon hatte, wie Politik funktionierte.
Bevor er sich dazu äußern konnte, schaltete sich abermals Theseus ein: „Newt, Gellert hatte hunderte Anhänger. Vielleicht sogar tausende. Was meinst du, wäre passiert, wenn wir ohne Vorbereitung der Schlange den Kopf abgeschlagen hätten? Das Chaos wäre ausgebrochen und die Ratten wären in den Löchern verschwunden.“
„Also war es alles von langer Hand geplant?“, fragte Newt, der offensichtlich noch viele Fragen hatte, „Dass wir uns einfangen lassen?“
„Nein“, sagte Albus. Er war müde. Aber geduldig fuhr er fort: „Es war ein Plan B.“
Als Newt ihn noch immer verständnislos ansah, insistierte er: „Newt, überleg doch! Wir hätten ohnehin nicht fliehen können. Anhand von Credence und Queenie wussten wir bereits, dass Gellert seine Trophäen hütete wie einen Augapfel und sie nicht aus dem Schloss ließ. Wären wir geflohen, wären wir nicht weit gekommen. Also waren wir gezwungen, zu warten, wenn wir im Schloss überleben wollten. Wieso die Zeit nicht nutzen, um ein wenig Einfluss zu gewinnen? Informationen zu sammeln? Und sie an die richtigen Leute zu übermitteln, sobald man uns genug vertraut, um uns Briefe aus der Festung hinausschicken zu lassen, ohne sie vorher noch einmal zu lesen.“
Theseus nickte, als Newt ihn sprachlos ansah. „Dumbledore hat uns in den letzten Wochen sehr detaillierte Informationen zukommen lassen, über Dinge, die Grindelwald geplant hatte.“
Fassungslos schaute Newt von Theseus zurück zu Albus. „Wieso … hat er es nicht gewusst, dass du dahinter stecktest?“
Albus schenkte ihm ein trauriges Lächeln. „Weil er mich liebt, Newt“, wiederholte er leise, „weil er mir glauben wollte. Er wollte mir so gern glauben, dass ich auf seiner Seite stehe. Dass ich ihm nach all den Jahren bereitwillig folge und unseren alten Plan wieder aufnehme.“ Er holte tief und zittrig Luft. Seine Brust schmerzte. „Natürlich, ein Restzweifel blieb, der mich am direkten Handeln hinderte. Ich musste geschickter vorgehen, mich umhören und durfte selbst keine Aktion ergreifen. Und ich konnte nicht alle retten. Die Anschläge in Spanien habe ich nicht vereiteln können.“
Albus presste die Lippen zusammen, doch Theseus übernahm das Reden für ihn.
„Dafür konnten wir dank Dumbledores Briefen eine Reihe andere Anschläge vereiteln. Allerdings haben wir uns bemüht, es nicht allzu offensichtlich werden zu lassen, damit Grindelwald keinen Verdacht schöpft.“
Newts Augen wurden groß. „Er hat sich nicht gewundert? Oder hat vermutet, dass es einen Maulwurf gibt?“
„Doch“, sagte Albus und starrte trüb auf den Boden zu seinen Füßen. „Ich denke, dass er das hat. Und ich denke, er wusste, dass ich es war. Zumindest am Ende.“
Er erinnerte sich an den wissenden Blick. Die traurige Erkenntnis, von Albus verraten worden zu sein. Und die Ohnmacht, zu erkennen, sich dagegen nicht wehren zu wollen.
Albus holte zittrig Luft. „Es war kein… fairer Kampf, Newt. Als ich Gellert überwältigte und ihm den Stab abnahm… Er hatte nicht einmal mit der Wimper gezuckt. Er schien nicht im Geringsten überrascht. Sonst sind seine Reflexe tadellos, von seinem siebten Sinn ganz zu schweigen. Aber heute Abend war es anders.“
„Er hat dich gelassen?“, hauchte Newt fassungslos.
Albus nickte langsam und erneut stiegen Tränen in ihm auf. Er hasste sich so sehr für das, was er getan hatte. Wie lange würde es brauchen, bis er sich nicht mehr dafür verabscheute? Sein Gewissen und seine Vernunft wussten, dass es das einzig Richtige gewesen war. Aber sein Herz war in Stücke gerissen und würde er sich nicht immer wieder vorbeten, dass er damit viele Leben gerettet hatte, dann würde es ihn zugrunde richten.
Er wischte sich die Tränen von den Wangen, holte tief Luft und kam auf die Füße.
„Ich denke, das reicht fürs Erste“, sagte er. „Ich… brauche einen Moment Ruhe, die… die Rückreise ist so anstrengend gewesen.“
„Lassen Sie sich alle Zeit, die Sie brauchen, Albus“, sagte Professor Dippet entgegenkommend, „Die Schüler werden auch noch ein-zwei Tage länger auf Sie verzichten können.“
„Danke, Sir“, sagte Albus höflich. Dann nickte er Theseus noch einmal zu. Sein Blick blieb ab Newt hängen, der so furchtbar durcheinander wirkte. So wie damals, als Albus ihm eröffnet hatte, dass er Gellerts Plan folgen und das Bett mit ihm teilen würde.
Albus ahnte, was ihm durch den Kopf ging. Dass er nicht wusste, wer Albus war. Wochenlang hatte er versucht, die Ideologien Grindelwalds mit der Person von Albus zu vereinen. Und nun erklärte Albus ihm, dass das alles eine Farce gewesen war.
Albus wusste, würde er in einen Spiegel sehen, er hätte ebenfalls Probleme damit, sich darin zu sehen.
Der Spiegel Nerhegeb fiel ihm ein und seine Brust zog sich so schmerzhaft zusammen, dass ihm die Luft wegblieb. Eilig wandte Albus den Blick von Newt ab, ging schnellen Schrittes aus dem Raum und verschwand auf der Wendeltreppe, die hinunter in den Korridor führte.
Es war ein langer Tag gewesen. Alles in ihm tat weh. Seine Seele lag in Stücken… und sein Herz lag zerbrochen daneben.
Albus wusste nicht, ob die Liebe von Newt je ausreichen würde, seinen Schmerz zu heilen. Ob Newt das nun überhaupt noch wollte. Oder ob er es so ungeheuerlich fand, wie einfach Albus ihn über Wochen hinweg hatte anlügen können, dass er ihm nun nicht mehr traute.
Er hatte keine Kraft mehr, darüber nachzudenken.
Sein Herz schmerzte so sehr, dass er es sich aus der Brust reißen wollte. Wie hatte er den, den er mehr geliebt hatte, als alles andere, nur so sehr hintergehen können?
Die Antwort war leicht: Geplant. Und weil er anfangs geglaubt hatte, dass die Gefühle vergangen gewesen waren. Damals, kurz vor ihrer Abreise.
Außerdem hatte Albus Angst um das Schicksal der Welt gehabt. Und Angst um die Andersdenkenden, wie Newt einer war.
Er hatte schmerzhaft lernen müssen, dass sein Einfluss auf Gellerts Methoden Grenzen gehabt hatte. Hätte Gellert ihn weiter gelassen, hätte er ihm mehr Verantwortung übertragen, wäre es schwerer gewesen, sich dem Gefühl der Macht zu entziehen.
Hätte Gellert ihn am Ende nicht herabgewürdigt und hätte hinter seinem Rücken Dinge für ihn erledigt, bei denen er seine Einmischung nicht wünschte, hätte er ihm sogar folgen können. Doch so hatte seine Vernunft schon lange gewusst, was zu tun gewesen war.
Das bedeutete aber nicht, dass sein Herz damit einverstanden war.
Er weinte wieder, während er durch die dunklen Korridore der vertrauten Schule ging. Aber Albus musste nicht sehen, wo er hinlief. Er fand den Weg zu seinen Räumen auch blind.
Kaum war er dort angelangt, sank er müde und kraftlos aufs Bett.
Er fiel in die Kissen, die staubig und muffig rochen, weil die Hauselfen nicht über seine Rückkehr informiert worden waren, und hielt einen Moment den Atem an, um nicht weiter zu weinen.
Der Blick, mit dem Gellert ihn angesehen hatte, stach ihm ins Herz.
Albus wusste, wie es für ihn aussehen musste: Er hatte ihn abermals enttäuscht, mehr als jemand anderes es konnte. Hatte ihre gemeinsamen Ziele erneut verraten. Nachdem Gellert ihm, aus seiner Sicht, eine zweite Chance gegeben hatte. Albus war sich sehr sicher, dass Gellert niemandem sonst eine zweite Chance gegeben hätte.
Albus schluchzte ins Kissen. Er würde keiner Menschenseele gegenüber zugeben, dass er sich jetzt so gehen ließ. Er wusste, dass er das Richtige getan hatte. So, wie er es nach ihrem Streit damals als Teenager gewusst hatte. Trotzdem brannte es ihm ein heißes, brutales Loch in die Brust.
Albus heulte Rotz und Wasser, während er versuchte, gegen das Gefühl anzukämpfen, dass ihm jemand bei lebendigem Leibe das Herz herausriss.

*

 

Er wusste nicht, wie lang er geweint hatte, bis ein leises Trillern an seine Ohren drang.
Albus ignorierte es im ersten Moment, schniefte und versuchte, sein inneres Auge von Gellerts Anblick zu befreien.
Dann ertönte noch ein Trillern. Eindringlicher. Melodisch.
Albus hob den Kopf.
An seinem offenen Fenster stand ein kleiner roter Vogel auf dem Sims und schaute ihn aus schwarzen Knopfaugen an. Seine Schwanzfedern glommen, als würden sie in Flammen stehen.
Albus schluckte.
Ein Phönix. Aber nicht Credences Phönix, sondern ein vollkommen fremder.
Das erschien ihm… so unwahrscheinlich.
Albus erinnerte sich daran, dass es in seiner Familie hieß, ein Phönix erscheine einem Dumbledore in großer Not. Aber er war in den letzten Jahren oft in großer Not gewesen. Merlin, allein seine Kindheit war von großer Not geprägt gewesen. Und wenn nicht seine, dann die seiner Schwester. Oder das Leben seines Vaters. Keiner von ihnen hatte je einen Phönix zu Gesicht bekommen.
Albus wischte sich das Gesicht und die Augen trocken und schaute noch einmal hin.
Da stand er: Ein kleiner, junger Phönix, mit weichem, flaumigem orangerotem Gefieder, der trillerte und ihn anschaute.
„H-hey“, murmelte Albus stockend und setzte sich auf. „Hallo, Kleiner.“
Der Phönix trillerte noch einmal, als wolle er ihn grüßen. Oder als frage er um Erlaubnis, einzutreten.
Albus seufzte. „Na komm schon rein“, sagte er und wies mit der Hand hinein.
Der Phönix stieß einen leisen Pfiff aus und hopste über den Sims, ehe er die Flügel ausbreitete und zu Albus aufs Bett schwebte.
Albus blieb, wo er war, beobachtete den Vogel und bemerkte, dass er überaus zutraulich war. Wie der, den er in Nurmengard getroffen hatte. Große Vögel schienen ihn also tatsächlich zu mögen.
Zaghaft strich er dem Tier über das brennende Gefieder. Es kitzelte an seinen Fingerspitzen.
Gerade wollte er fragen, womit er die Gesellschaft verdient hatte, da flatterte der junge Phönix mit den Flügeln, kam auf seinen Schoß und legte den Kopf gegen Albus‘ Brust. Genau dorthin, wo es schmerzte.
Albus schluckte. „Das fühlst du, hmm?“, fragte er.
Er sah den Phönix eine Träne vergießen und lächelte gequält. „Danke“, sagte er. „Ich weiß das zu schätzen. Aber ich glaube nicht, dass es bei dieser Art von Schmerz funktioniert.“
Der Phönix trillerte noch einmal. Dann hüpfte er von Albus‘ Schoß, schwang sich in die Lüfte und ließ sich auf dem Bettgestell nieder. Dort stimmte er eine kleine Melodie an, die Albus direkt ins Herz ging. Sie wand sich durch all die Mauern, die er zum Schutz vor der Trauer aufgebaut hatte, traf ihn direkt dort, wo es wehtat, und nachdem Albus schmerzerfüllt aufgeschluchzt und einige weitere Tränen vergossen hatte, schien sie sich wie Balsam auf seine geschundene Seele zu legen und erlaubte ihm, einen Moment durchzuatmen.
Albus tat es, schloss die Augen und holte tief Luft. Er sank in die Kissen zurück, nun von unendlicher Müdigkeit ergriffen und fiel in tiefen, traumlosen Schlaf.

Chapter Text

Newt hatte noch lange mit Theseus und Dippet zusammengesessen und über das gesprochen, was sie in den letzten Wochen erlebt hatten. Was er erlebt hatte. Wie er es empfunden hatte.
Theseus war darüber ins Detail gegangen, wann Albus ihm welche Nachricht hatte zukommen lassen. Dass sie anfangs spärlich gewesen waren, weil Albus ahnte, dass seine Nachrichten abgefangen werden könnten. Dass sie immer zahlreicher geworden waren, je mehr Wochen ins Land gegangen waren.
Als es weit nach Mitternacht war, hatte Newt genug gehört.
Er hatte in den letzten Monaten erlebt, WIE TIEF Albus‘ Liebe für Grindelwald ging. Während er mit seinem Bruder aus dem Büro des Schulleiters ging, jeder in seine eigenen Gedanken vertieft, fragte er sich, was für ein Mensch es schaffte, jemanden nach Strich und Faden zu betrügen und seinen Feinden auszuhändigen, den er zugleich abgöttisch liebte. Albus hatte gesagt, dass die Gefühle nicht vorgespielt gewesen waren. Wie schmerzhaft musste es für ihn selbst gewesen sein, all das zu tun, von dem er wusste, dass es seinen Geliebten in die Knie zwingen würde.
Sich auch nur vorzustellen, vor die gleiche Situation gestellt zu werden und zu tun, was nötig war, obwohl es jemanden, den er liebte, mehr verletzte als alles andere… Newt presste fest die Lippen aufeinander. Er empfand Mitleid für Albus, den das Ministerium über die letzten Jahre so weichgekocht hatte, dass er sich dazu hatte breitschlagen lassen, sich Grindelwald zu stellen. Auch, wenn am Ende Newts Reise den Auslöser gegeben hatte.
Newt erinnerte sich an ihr erstes Gespräch mit Grindelwald. Er hatte ihm gesagt, dass Albus sich den Bitten des Ministeriums immer verweigert hatte. Wäre Newt nicht so gewillt gewesen, nach Nurmengard zu gehen, dann hätte er Albus damit nicht in eine Lage gebracht, in der dieser seine alte Liebe konfrontieren musste. Solange Albus hier im Schloss gewesen war, hatte er nicht gegen Grindelwald handeln müssen. Aber Newts Entscheidung hatte ihn dazu gezwungen…
Als ihm, nachdem er sich von Theseus verabschiedet hatte und über das Schulgelände zum Gewächshaus ging, klarwurde, dass er der Auslöser gewesen war, der Albus dazu gebracht hatte, Gellert Grindelwald zu stürzen… konnte er sich darüber nicht freuen. Natürlich hatte er sich bis zuletzt nicht mit Grindelwalds Ideologien anfreunden können. Aber seiner eigenen Verbohrtheit war es geschuldet, dass Albus gezwungen gewesen war, Grindelwald mit einer List in die Knie zu zwingen. Sicher machte sich Albus nun riesige Vorwürfe. Und sicher machte er die gleichen Vorwürfe auch Newt, den schützen zu wollen ihn in das Schlamassel manövriert hatte.
Newt bemerkte erst, dass er weinte, als er nur noch durch einen dichten Tränenschleier sah. Er wusste, er sollte erleichtert sein, dass Grindelwald endlich das Handwerk gelegt worden war. Nun gab es für viele Menschen nichts mehr zu fürchten. Aber zu welchem Preis? Queenie und Credence würden ins Gefängnis gehen. Grindelwald würde der Prozess gemacht werden…
Albus hatte vorhin so gebrochen gewirkt, dass Newt sich nicht sicher war, ob seine Liebe ausreichte, um ihm wieder auf die Füße zu helfen. Ob Albus das überhaupt wollte. Oder ob er in ihm nun nur noch den Grund sehen würde, aus dem er Gellert hatte hintergehen müssen.
Newt schluchzte und wischte sich mit dem Ärmel die Tränen von den Wangen, während er die Tür zum Gewächshaus aufzog, sie sorgsam hinter sich schloss und dann die zweite öffnete.
Der vertraute Geruch nach Pflanzen und Tierwesen schlug ihm entgegen.
Newt musste unwillkürlich schmunzeln, obwohl ihm die Tränen liefen.
Er hatte das alles hier so sehr vermisst.
Schwach und fertig mit den Nerven sank er auf den Boden und wurde bald darauf umringt von Diricawls, Mondkälbern, Skarabäen, Bowtruckles und Fwuupern, die ihn allesamt begrüßen wollten.
Obwohl er schluchzte und weinte, lachte er doch auch, weil sie sich so an ihn schmiegten und ihn so stürmisch zu Hause willkommen hießen. Seine Brust wurde warm – so sehr der Schmerz auch an ihm zerrte – und er schloss seinen Niffler in die Arme, der ihm fiepend an die Brust gesprungen war.
„Ich habe dich auch schrecklich vermisst“, sagte er und hielt dann Pickett die Hand hin, der wütend piepsend darauf stieg und die kleinen Ärmchen verschränkte.
„Ich weiß, ich weiß, Pickett“, besänftigte Newt ihn schmunzelnd, während er sich die Tränen aus den Augen wischte. „Aber ich wollte euch nicht in Gefahr bringen. Grindelwald kannte euch schon, er hätte nach euch gesucht und wer weiß was mit euch angestellt, wen er euch an mir entdeckt hätte. Jetzt sieh mich nicht so an.“
Pickett drehte ihm den Rücken zu und reckte dickköpfig die Nase in die Luft.
Newt seufzte und musste unwillkürlich schmunzeln. So lang ohne seine Tierwesen gewesen zu sein, hatte ihn auf Dauer sehr unglücklich gemacht. Das merkte er nun, da er von ihnen umringt wurde, noch deutlicher.
„Es ist so schön, euch alle zu sehen“, sagte er mit einem Blick in die wilde Runde.
Eins der Mondkälber betrachtete ihn eingehend, die großen Augen voller Tränen, und Newt hielt eilig die Luft an und mühte sich, sich zusammenzunehmen, damit die Mondkälber nicht noch weiter seine Stimmung aufgriffen und ebenso traurig wurden, wie er. Er zwang sich zu einem Lächeln.
„Jetzt ab ins Bett mit euch, es ist schon spät“, sagte er schmunzelnd, behielt den Niffler aber bei sich.
„Mama ist wieder da, es ist alles wieder gut. Geht schon.“ Er machte eine fortscheuchende Handbewegung, damit sie ihm ausreichend Platz ließen, um wieder aufzustehen, ohne Gefahr zu laufen, einen von ihnen zu treten. Die meisten von ihnen kamen seinem Wunsch mehr oder weniger zögernd nach – als fürchteten sie, er würde gleich wieder verschwinden, wenn sie zu schnell wegliefen.
Pickett, der noch immer auf seiner offenen Handfläche stand, wandte sich bockig wieder zu ihm herum, während Newt umsichtig auf die Füße kam.
„Verzeihst du mir?“, fragte Newt ihn mit einem entschuldigenden Lächeln. „Ab sofort kannst du immer bei mir bleiben“, versprach er. „Glaub mir, ich hätte dort, wo ich war, gern das eine oder andere Mal deine Hilfe gehabt. Hey, jetzt sieh mich nicht so an.“
Pickett machte noch immer einen Schmollmund.
„Pickett“, redete Newt eindringlicher auf ihn ein. „Du weißt, dass ich dich nie ohne Grund zurücklassen würde. Jetzt komm schon. Alles wieder gut?“
Der Bowtruckle schien sich noch nicht ganz sicher zu sein, ob alles wieder gut war.
Er machte eine sehr eindeutige Geste als würde er theatralisch seufzen, dann ließ er die Arme zur Seite baumeln und nickte.
Auf Newts Gesicht breitete sich ein Grinsen aus. „Danke“, sagte er aufrichtig. „Wir reden morgen weiter, ja? Ich bin schrecklich müde.“
Pickett gab eine piepsige Antwort, die schon deutlich freundlicher klang, als das, was er eben zu hören bekommen hatte. Newt nickte, als würde er jedes Wort verstehen. Er ahnte, dass Pickett ihm unbedingt noch Dinge mitteilen wollte, bevor der Schlaf sie trennte. Vermutlich, wie schrecklich seine letzten Wochen gewesen waren, weil er sie gemeinsam mit den anderen Bowtruckles hatte verbringen müssen.
Newt schmunzelte, ging, den Bowtruckle in der einen Hand und den Niffler mit der anderen an seine Brust gedrückt, zum Ende des Gewächshauses und zog eine weitere Tür auf. Er hatte ein Büro und ein eigenes Zimmer im Schloss, aber im Moment wollte er nicht allein sein. Er wollte bei seinen Tierwesen sein. Also trat er in den kleinen Raum hinein, der so eingerichtet war, wie das kleine Häuschen, in das man kam, wenn man den Koffer hinabstieg, zog den Zauberstab und das Feldbett klappte sich auf. Newt entzündete ein Licht, weil das Feuer der Feuerschwänze nicht ausreichte, damit er alles sah, und trat ein. Er ließ die Tür weit offen. Newt schlief selten so nah bei seinen Tierwesen, wenn er nicht im Koffer übernachtete, doch nun wollte er keinen von ihnen ausschließen. Die Tierwesen hatten ihn vermisst. Er hatte sie vermisst und freute sich nun über ihre Gesellschaft. Nachdem er Pickett und den Niffler auf dem Bett abgesetzt hatte, machte er sich fertig und als er wenig später in die vertrauten Laken sank, die nach ihm rochen – und nach Stroh, Heu und Tierwesenfutter – konnte er fühlen, wie sich der Niffler an seine Brust schmiegte, während Pickett auf seiner Schulter entlangspazierte, auf der Suche nach einer geeigneten Schlafposition.
„Jetzt komm schon her“, sagte Newt, langte vorsichtig nach dem Bowtruckle, umfasste ihn mit der Hand und platzierte die Hand neben seinem Gesicht im Kissen. Er fühlte, wie dünne Arme sich um seinen Daumen schlangen, dann gab Pickett endlich Ruhe.
Newt seufzte. In der Dunkelheit wollten die Erinnerungen wieder aufkommen… und sein Geist wollte all das verarbeiten, was er heute von Albus gehört hatte. Aber das musste warten. Newt hatte im Moment keine Kraft mehr, irgendetwas zu bewerten oder zu zerdenken. Er genoss die Wiedersehensfreude mit seinen Tierwesen zu sehr und zwang sich, sich auf nichts anderes zu konzentrieren.
Keine zwei Minuten später war er bereits eingeschlafen.

 

~*~

Als er wieder erwachte, musste sich Albus erst einmal orientieren. Er blinzelte gegen das Sonnenlicht an, das in sein Schlafzimmer schien, erkannte dann, wo er war, und spürte den dumpfen Schmerz in der Brust deutlicher, ehe er den Vogel ausmachte, der ihm gegenüber auf dem Spiegel hockte und ihm mit einem leisen melodischen Trillern ein ‚Guten Morgen‘ wünschte. Der Phönix hatte Albus also auch am nächsten Tag nicht verlassen, obwohl Albus das Fenster bewusst offengelassen hatte.
„Morgen“, nuschelte Albus, rieb sich die vom Weinen geschwollenen Augen und blieb einen Moment unbewegt liegen. Ihm war hundeelend. Seine Brust war schwer und taub, als hätte über Nacht ein Troll darauf gesessen. Der brennende, reißende Schmerz war so sehr abgeblockt, dass Albus ihn kaum noch fühlen konnte. Es war, als würde er ihn hinter einer dicken Milchglasscheibe sehen. Und das war vermutlich auch besser so. Denn dieses Gefühl zuvor, dass ihm jemand mit einem heißen Nagel das Herz durchbohrte, ertrug er nicht länger, ohne zusammenzubrechen.
Albus setzte sich mühsam auf… nutzte seine neue Position dann aber nur, um die Handschuhe zu sich zu rufen.
Mit ausgestreckter Hand befahl er ihnen, die Vorhänge zu schließen, weil das Licht ihn blendete.
Nichts geschah.
Albus schaute auf und ließ den Blick durch den Raum wandern. Er sah seine Handschuhe neben sich auf dem Berg Kleidung, aus dem er sich gestern Abend geschält hatte. Wieder streckte Albus die Hand nach ihnen aus. Sie zuckten nicht einmal.
Albus erschauderte. Seine Brust wurde eng und er fühlte durch den Kloß in seinem Hals, wie neue Tränen in ihm aufsteigen wollten.
Er hatte davon gehört. Davon, dass Zauberer, die Schreckliches durchgemacht hatten, nicht mehr zaubern konnten. Dennoch… Während ihm neue Tränen über die Wangen liefen, versuchte er, sich einzureden, dass es das nicht sein konnte. Immerhin hatte er schon Schlimmeres erlebt, nicht wahr? Damals, als Ariana gestorben war. Damals, als er sich von Gellert abgewandt hatte. Da war seine Magie ungebrochen gewesen. Wieso dann jetzt?
Mit zitternden Fingern nahm Albus den Elderstab, den er unter das Kopfkissen gelegt hatte. Alles an ihm fühlte sich wie Gellert an.
Albus keuchte auf und brachte es nicht über sich, den Stab zum Zaubern zu verwenden. Er öffnete die Schublade seines Nachtschranks, legte ihn hinein und schloss sie wieder. Dann wischte er sich die Tränen aus den Augen, suchte nach einem Taschentuch und kam schwach auf die Beine. Mit der Hand zog er die Vorhänge zu. Er bemerkte, dass seine Arme zitterten.
Albus ging, den Phönix ignorierend, der ihm besänftigend hinterher trillerte, in sein Wohnzimmer, schnippte dort mit den Fingern und sagte: „Pinky.“
Vor ihm erschien einer der Hauselfen des Schlosses.
Dessen große Augen weiteten sich.
„Master Dumbledore, Sir“, piepste er, sichtbar überwältigt, und verbeugte sich tief. „Pinky hat Sie vermisst, Sir. Wir … wir dachten schon, Sie seien ... gegangen, Sir.“
Albus hatte nicht die Kraft für ein Lächeln. Er nickte nur.
„Wie du siehst, bin ich zurück“, sagte er mit krächzender Stimme und bemüht, keine weitere Träne zu vergießen. „Ich möchte dich um etwas bitten.“
„Alles, Sir“, sagte Pinky und verneigte sich erneut.
„Wie du… unschwer erkennen kannst, geht es mir nicht sonderlich gut“, sagte Albus. Warum es verstecken? Es war offensichtlich. Er hatte noch nicht in einen Spiegel gesehen, aber sein Gesicht fühlte sich kratzig an, als hätte er es mehrere Stunden durch die Wüste geschleift. Vom Zustand seiner wunden Augen ganz zu schweigen.
„Ich werde mich auch in den nächsten Tagen nicht danach fühlen, in der Großen Halle zu essen. Kannst du mir zu den Mahlzeiten einen Teller hierher schicken? Mit irgendetwas darauf, mach dir keine allzu großen Umstände.“
„Natürlich, Sir“, sagte Pinky eilfertig und seine großen Augen sahen Albus so bewundernd und zugleich mitfühlend an, dass Albus spürte, wie es ihn zu stören begann.
„Wäre das alles, Master Dumbledore, Sir?“, hakte Pinky freundlich nach. „Soll Pinky noch mehr tun? Master Dippet informieren, vielleicht, Sir? Oder Sie zum Krankenflügel begleiten?“
Albus wusste, dass der Hauself es nur gut meinte. Sehr gut sogar, wenn er sich solche Mühe gab. Aber seine Hilfe konnte Albus nicht gebrauchen. Er schüttelte den Kopf.
„Nein, das wäre dann alles, Pinky“, sagte er schwach, „Danke.“
„Sehr wohl, Sir“, piepste Pinky, dann verschwand er in einer Rauchwolke.
Albus starrte noch eine Weile an die Stelle, an der der Hauself gestanden hatte, dann trottete er zurück in sein verdunkeltes Schlafzimmer. Der Phönix auf dem Spiegel glomm orange in der Dunkelheit. Albus spürte seinen Blick auf sich.
„Wieso siehst du mich so an?“, fragte er kraftlos und sank zurück ins Bett.

 

~*~

In der zweiten Woche nach ihrer Rückkehr begann Newt, sich ernsthafte Sorgen zu machen.
Er hatte Albus seit Tagen nicht gesehen. Eigentlich seit jenem Tag nicht, an dem sie zurückgekehrt waren. Niemand hatte das. Albus schien sich in seinen Räumen zu verschanzen und wenn Newt gegen seine Tür klopfte, erhielt er keine Antwort. Versuchte er, die Klinke herunterzudrücken, stellte er fest, dass die Tür verriegelt war. Selbst ein gemurmelter Alohomora, wie er ihn eben gewagt hatte, öffnete die Tür nicht.
Newt schluckte und starrte ratlos auf das Holz. Er war seit ihrer Rückkehr jeden Tag hier gewesen, hatte gegen das Holz geklopft und doch keine Antwort erhalten. Nachdem er selbst zwei-drei Tage gebraucht hatte, um das Erlebte zu verarbeiten – und sich dabei in die Arbeit mit seinen Tieren geworfen hatte, die ihn so wunderbar wieder aufzubauen verstanden – gab Newt sogar schon Unterricht. Es war mehr das Gefühl, etwas zu tun haben zu wollen, als eine sinnhafte Tätigkeit. In etwa einem Monat würden die Sommerferien beginnen und er war vorher zu lang weg gewesen. Niemand hatte seinen Unterricht übernehmen können. Bunty hatte sich um die Tierwesen in London gekümmert und ab und an nach denen hier im Schloss gesehen, aber das war auch schon das höchste der Gefühle gewesen. Newt machte niemandem einen Vorwurf, dass sein Unterricht - anders als der von Albus, der einen Ersatz gehabt hatte – nicht weiterführt worden war. Immerhin gab es niemanden, der das konnte.
Aber im Gegensatz zu ihm war Albus seither zu keiner seiner Stunden wieder aufgetaucht. Newt ahnte, dass niemand es wagte, ihn dahingehend unter Druck zu setzen. Albus hatte gerade den gefährlichsten dunklen Zauberer besiegt. Wer würde ihm da Vorhaltungen machen, weil er seiner Aufgabe als Lehrer für ein paar Tage nicht gerecht wurde?
Aber wenn Albus schon aus einem Pflichtgefühl heraus nicht zum Unterricht erschien (und Newt wusste, wie skurril unwichtig Unterricht im Vergleich zu dem schien, was sie in den letzten Wochen erlebt hatten), dann hätte er es doch wegen der Leidenschaft am Unterrichten wieder tun können. Newt kannte Albus lang genug, um zu wissen, wie gern er lehrte.
Er fragte sich besorgt, was Albus die ganze Zeit über in seinen Räumen trieb. Ob er genug aß. Ob er sich die Augen ausweinte oder Schlimmeres. Ob er sich Vorwürfe machte. Vermutlich. Zwar war allen klar, wie richtig seine Entscheidung gewesen war und waren froh, dass er sich der Sache endlich angenommen hatte… Aber Newt wusste, wie wenig die Moralvorstellungen der Gesellschaft bedeuteten, im Vergleich zu dem, was das eigene Herz einem sagte. Albus hatte sie alle befreit. Aber das Richtige zu tun, bedeutete nicht, dass es nicht trotzdem schmerzte.
Was Newt daran am meisten besorgte, war, dass Albus nicht einmal ihn zu sich ließ. Dass er ihn auf Abstand hielt, so wie alle anderen. Hatte er also tatsächlich mit Newt abgeschlossen? Gab er Newt so sehr die Schuld an dem, wozu es ihn getrieben hatte, Queenie und Credence retten zu wollen, dass er ihn nicht mehr sehen wollte? Hatten sie sich bereits in Nurmengard zu sehr auseinandergelebt, dass Albus nun nicht mehr erkennen konnte, was sie verband?
Betrübt, besorgt und durcheinander verließ Newt auch an diesem Abend wieder die Tür, vor der er gestanden und um Einlass gebeten hatte. Er wusste nicht, was er tun sollte. Und versuchte, sich mit der Situation zu arrangieren.

Chapter Text

Albus sah ihn. So, wie er ihn jede Nacht sah. Lächelnd und ihn küssend. Er hörte ihn lautlos schöne Worte sagen.
Ihm schnürte sich die Kehle zusammen, während er schluchzte. Seine Fingerspitzen berührten das kalte Glas, das sie voneinander trennte.
Er war nicht so tief gesunken wie beim letzten Mal, als er ihn verlassen hatte.
Es war tiefer.
Albus konnte den Blick nicht von Gellert abwenden: Von seinen verschiedenfarbigen Augen, die ihn so intensiv und liebevoll ansahen. Von dem kleinen Schmunzeln, das um seine Lippen lag. Das blonde Haar, der kantige Kiefer, die breiten Schultern.
Albus schluckte. Er wünschte, er könnte in den Spiegel hineinsteigen, um bei dem ewig lächelnden Gellert zu sein. Auf immer mit ihm vereint… ohne all die unschönen Ideologien, die sie in dieser Welt voneinander trennten und immer voneinander distanzieren würden.
„Ah“, hörte er hinter sich eine leise Stimme seufzen und fuhr so erschrocken herum, dass die Hand, die eben noch auf dem Spiegel gelegen hatte, unabsichtlich dagegen stieß.
Hinter ihm stand Dippet, in einiger Entfernung, bei der Tür.
Albus wich seinem Blick aus.
„Dachte ich es mir doch“, sagte Dippet, der nicht überrascht zu sein schien, ihn hier zu sehen.
Albus, dem sehr wohl bewusst war, wie es aussehen musste, dass er vor dem Spiegel kniete, die Hand an das kühle Glas gelegt, antwortete nichts darauf.
„Albus“, hörte er Dippet hinter sich unerträglich sanft sagen, während der Schulleiter näherkam.
„Sie haben einen herben Verlust erlitten.“
Albus presste die Lippen aufeinander. Er fühlte, dass Dippets empathische Art ihn in die Knie zwingen wollte. Aber er würde nicht vor ihm weinen.
Dennoch konnte er nicht verhindern, dass seine Schultern bebten. „Was wollen Sie?“, murmelte er leise.
„Ich wäre ein schlechter Schulleiter, wenn ich nicht nach meinem Kollegium sehen würde, nicht wahr?“, konterte Dippet sanft. Er lehnte sich neben Albus an die Tischkante eines alten Schreibpults, das, wie einige andere, in diesem leeren unbenutzten Klassenzimmer stand.
Albus fühlte seinen Blick auf sich. Er schwieg eisern, die Fingerspitzen noch immer am Spiegel, als würde Gellert, der verschwunden war, seit Dippet ebenfalls so nah am Spiegel stand, ihm trotzdem Halt geben können.
„Es ist keine Schande, sich so zu fühlen, wie Sie sich gerade fühlen“, fuhr Dippet ungebeten fort. Albus presste den Kiefer zusammen und hielt den Atem an.
„Sie spüren Schmerz, weil Sie lieben“, sprach Dippet weiter. „Ist das nicht etwas Gutes?“
Albus schüttelte wortlos den Kopf und senkte ihn. „Was spielt das schon für eine Rolle?“, murmelte er. Er legte sich eine Hand auf die schmerzende Brust. „Es ist egal“, hauchte er tonlos.
Dippet schwieg. Dann sagte er so behutsam, wie Albus ihn noch nie gehört hatte: „Nun, Ihnen ist es nicht egal, nicht wahr, Albus?“
Albus fühlte, wie sich ein Kloß in seinen wunden Hals legte. Er hatte so viel geweint und gejammert. Er wollte nicht mehr. Aber der Schmerz ließ ihn nicht aufhören.
Als wüsste Dippet, wie es in ihm aussah, fuhr er fort: „Im Gegenteil, es ist Ihnen so wichtig, dass Sie das Gefühl haben, Sie würden an den Schmerzen verbluten, die Sie fühlen.“
Albus entwich ein würgendes Schluchzen. Er riss sich zusammen und nickte schwach. Ja, so fühlte es sich an.
„Wie lang wollen Sie sich hier noch verstecken, Albus?“, fragte Dippet leise. „Und sich in Ihrer Trauer verlieren?“
„So lange es nötig ist“, murmelte Albus.
Dippet schüttelte sanft den Kopf. „Albus“, sagte er, als würde er mit einem törichten Kind reden. „Sie haben jedes Recht auf Ihren Schmerz. Aber bitte lassen Sie sich davon nicht so sehr einnehmen, dass Sie alles andere vergessen. Die Zeit, in der Sie ihn vermisst haben, schlägt die Zeit, die Sie gemeinsam hatten, bereits um Längen. Der Spiegel hilft Ihnen nicht.“
„Woher wollen Sie das wissen?“, widersprach Albus, ungewöhnlich angriffslustig. Schwächer setzte er hinzu: „Vielleicht tut er das?“
Er hörte Dippet seufzen. Dann trat der Schulleiter an ihn heran und legte ihm eine Hand auf die Schulter.
„Lassen Sie ihn los, Albus“, sagte er leise und Albus ahnte, dass Dippet nicht den Spiegel meinte.
Er presste den Kiefer aufeinander und schüttelte den Kopf. Das konnte er nicht.
„Wenn ich Ihnen einen Rat geben darf“, sagte Dippet freundlich. Albus hob den Blick und sah Dippets Spiegelbild in die Augen. Der Schulleiter lächelte. „Es tut nicht gut, wenn Sie Ihren Träumen nachhängen und das wahre Leben dabei an Ihnen vorüberziehen lassen. Sie sind nicht allein zurückgekommen. Vergessen Sie das nicht.“
Albus senkte den Kopf und presste die Lippen aufeinander. Natürlich hatte er Newt nicht vergessen. Das könnte er nicht. Aber er hatte damals nicht geglaubt, dass sein Wiedersehen mit Gellert so intensiv sein würde. Dass die Gefühle, die das Ganze auslösen würde, so tief gehen würden. Als er mit Theseus Pläne geschmiedet hatte, hatte er sein Herz dabei vollkommen außer Acht gelassen. Wenige Monate mochten wie eine kurze Zeit aussehen, für jeden anderen Menschen. Aber wenige Wochen hatte es gebraucht, damit sich Albus in jenem schicksalhaften Sommer in Gellert verliebte. Und wenige weitere Monate waren nun notwendig gewesen, damit er sich dieser Liebe umso sicherer war, die er fühlte.
Albus schluckte gegen den Kloß in seinem Hals an und schüttelte den Kopf. Während er ihn senkte, tropften ihm Tränen aus den Augen auf den kalten Stein, auf dem er saß.
Die Hand an seiner Schulter drückte leicht zu.
„Ich lasse den Spiegel morgen an einen anderen Ort bringen“, sagte Dippet leise. „Und ich möchte, dass Sie nicht mehr nach ihm suchen, Albus.“
Bei der Aussicht darauf, Gellert nicht mehr sehen zu können, schnürte sich Albus‘ Brust so heftig zu, dass er aufschluchzte. Es fühlte sich an, als würde eine dunkle Masse ihm das Herz zerdrücken wollen. Er gab ein ersticktes Geräusch von sich, das er lieber für sich behalten hätte, und legte sich die Hände aufs Gesicht, damit Dippet seine Tränen nicht sah, die ihm nun wieder stärker über die Wangen liefen.
„Was Sie getan haben, war richtig“, sagte Dippet sanft. „Dass es Sie trotzdem so sehr trifft, zeigt nur, wie sehr Sie lieben können. Lassen Sie es zu, dass die Liebe Ihnen hilft, zu heilen.“
Albus schnaubte ungläubig, trotz der Tränen. Gellert war fort und wenn Dippet ihm den Spiegel nahm, konnte er nicht einmal mehr sein Antlitz sehen. Inwieweit sollte ihn das heilen?
„Ich bin in Begleitung gekommen“, hörte er Dippet ruhig sagen. „Vor der Tür steht ein junger Mann, der seit Tagen darauf brennt, bei Ihnen zu sein.“
Albus schaute sprachlos zu ihm auf, durch verquollene Augen und mit tränennassem Gesicht. Er ahnte, dass er im Moment nicht der angenehmste Anblick war. Andererseits hatte er auch nicht um Gesellschaft gebeten.
Dass Dippet dennoch Newt mitgenommen hatte… Albus war unschlüssig, was er mit der Information anfangen sollte. Er war sich nicht sicher, ob er sich Newt schon wieder stellen konnte. Er hatte ihn belogen, über Wochen hinweg, so, wie er Gellert belogen hatte. Hatte ihn so viele Dinge glauben lassen, die nicht stimmten. Hatte ihm jemanden vorgespielt, der er nicht war.
Wie sollte er Newt nun entgegentreten können? Der junge Mann würde Antworten verlangen. Würde Fragen stellen, weil er daran zweifeln würde, ob er Albus überhaupt kannte. Und Albus würde es gut verstehen können. Dass Newt mit ihm sprechen wollte, überraschte ihn. Er hatte geglaubt, dass er sich stattdessen abwenden würde, mit dem Wissen, dass er Albus nie wieder vertrauen könnte und dass er ihn gar nicht wirklich kannte. Mit der Vermutung, dass Albus ihn nie so tief würde lieben können, wie er Gellert geliebt hatte.
Dippet musste all die Gedanken und Gefühle, die in ihm miteinander rangen, auf seinem Gesicht abgelesen haben. Er schüttelte sanft den Kopf.
„Bitte verschließen Sie sich nicht vor ihm“, bat er leise. „Die Zeit, die wir mit denen haben können, die wir lieben, ist zu kostbar, als dass wir sie einfach wegwerfen sollten, um stattdessen in Selbstmitleid zu versinken.“
Mit diesen ungewohnt weisen Worten ließ er Albus los, drehte sich zur Tür herum und ließ sie mit einem Schlenker seines Zauberstabs aufschwingen. Dahinter stand, wie Albus vermutet hatte, Newt, der deutlich nervös wirkte und von einem Bein aufs andere trat.
„Ich lasse Sie beide allein“, sagte Dippet, der auf die Tür zuging, während Newt zögernd hinein trat. „Sie haben sicher einiges zu besprechen.“
Albus, der aus den Augenwinkeln sah, dass Gellert wieder neben ihm im Spiegel stand, kaum, dass Dippet sich weit genug entfernt hatte, legte eine Hand aufs kalte Glas, während er Newt zusah, der scheu wie ein junges Fohlen zu ihm ging.
„H-hey“, murmelte Newt nervös, während sich die Tür hinter Dippet schloss.

 

~*~

Newt hatte nicht den Eindruck machen wollen, als würde er sich bei seinen eigenen Problemen direkt an den Schulleiter wenden müssen. Aber der Zufall hatte es gewollt, dass sie zur gleichen Zeit beim Abendessen gewesen waren und nachdem Dippet gefragt hatte, wie es Albus ginge, hatte Newt eingestehen müssen, dass er ihn seit ihrer Rückkehr nicht mehr gesehen hatte. Dippet hatte darüber nur die Stirn gerunzelt und genickt. Und hatte ihn dann gebeten, zu späterer Stunde in einen der ausgestorbenen Korridore in den höheren Etagen zu kommen, in denen sie die Klassenräume nicht benutzten.
Dass er Albus hier finden würde, hatte Newt nicht erwartet. Er hatte geglaubt, dass Albus seine Räume nie verließ.
Er war, weil Dippet die Tür nur angelehnt hatte, nicht umhin gekommen, das Gespräch mit anzuhören, und als er nun, da er eintrat, Albus vor einem großen Spiegel auf dem Boden sitzen sah, hatte er sich genug zusammengereimt, um zu ahnen, was den Älteren hierhergetrieben hatte.
„Newt“, sagte Albus mit brüchiger Stimme. Er erwiderte das schwache Lächeln nicht, das Newt ihm schenkte. Überhaupt machte sein Anblick Newt ernste Sorgen. Die Augen waren so rot geweint, das Gesicht wundgerieben und leicht aufgedunsen, die Lippen gesprungen.
Newt wusste, wie eitel Albus war. Es war eine seiner Schwächen, die Newt so liebenswert an ihm fand. Wenn er sich so gehen ließ, musste es wirklich schlimm sein.
Newt ging langsam zu ihm herüber. „Wie geht es dir?“, fragte er vorsichtig und wollte sich neben Albus hocken, aber der kam auf die Füße und ging von ihm und dem Spiegel fort. Tiefer in den Klassenraum hinein, rückwärts, als wollte er Newt nicht den Rücken zukehren.
Er schüttelte den Kopf, den Blick von Newt abgewandt. „Was machst du hier?“, fragte er zurück.
Newt runzelte die Stirn. „Nach dir sehen“, sagte er aufrichtig, „Ich habe mir Sorgen gemacht.“
Überraschenderweise schnaubte Albus auf seine Worte ungläubig. Sein abweisendes Verhalten stach Newt schmerzhaft in die Brust.
Zaghaft trat Newt näher heran und betrachtete den Spiegel, von dem Albus weggegangen war.
Er spürte den Blick des Älteren im Nacken.
„Der Spiegel zeigt dir deinen sehnlichsten Herzenswunsch“, hörte er Albus hinter sich trüb sagen.
Newt schluckte. „Also… siehst du Grindelwald darin?“, fragte er leise und wandte sich zu Albus herum. Er versuchte, nicht allzu viel Schmerz darüber zu empfinden, dass er selbst in Albus‘ Wünschen offensichtlich keine Rolle spielte. „Bist du deshalb hier?“, hauchte Newt mit brüchiger Stimme. „Weil du… lieber bei ihm wärst?“
Albus antwortete nicht darauf. Aber der schmerzerfüllte Ausdruck in seinen Augen sagte Newt alles, was er wissen musste. Statt eine Antwort zu geben, wies Albus auf die verspiegelte, dunkle Oberfläche.
„Schau in den Spiegel, Newton“, forderte er ihn auf, mit einer lehrerhaft autoritären Stimme, die die Kluft zwischen ihnen zu vergrößern schien. Newt kam sich plötzlich klein und unbedeutend neben ihm vor. Wie einer seiner Schüler. Aber dieses Mal nicht auf eine gute Art. Sondern auf die, die sie in verschiedene Welten zwang.
Zaghaft wandte er sich um und schaute hinein.
Erst sah er nur sich – und Albus, der in einiger Entfernung hinter ihm stand und ihn düster beobachtete.
Während der Ältere noch fragte: „Was siehst du?“, veränderte sich das Bild.
Tierwesen umrahmten seine Gestalt. Alle möglichen Arten. Mondkälber und Donnervögel. Nundus, Graphörner, Niffler und Kappas. Demiguises, Diricawls, Bowtruckles, … Die Liste ließe sich endlos fortführen. Sie alle schienen frei. Und glücklich. Newt meinte sogar, irgendwo weiter hinten den Kopf eines Drachen auszumachen.
„Mich… und einen Haufen Tierwesen“, sagte er leise.
Aber das war nur die halbe Wahrheit. Während er bereits hörte, wie Albus leise und freudlos lachte und sich dann seine Schritte entfernten, setzte er zögernd hinzu: „… und dich… du stehst neben mir.“
Newt sah es ganz deutlich. Sein größter Wunsch war eine Zukunft gemeinsam mit glücklichen, freien Tierwesen… und Albus an seiner Seite. Im Spiegel wirkte er zufrieden. Glücklich. Nicht so schrecklich gebeutelt und leidgeplagt, wie Newt ihn im Augenblick erlebte.
Albus seufzte und schüttelte den Kopf. Als Newt von seinem Spiegelbild aufsah und zu dem echten, traurigen Albus hinüberschaute, schenkte dieser ihm einen entschuldigenden Blick. „Tut mir leid, Newt“, sagte er leise, während er sich immer mehr entfernte, „aber ich glaube, dass ich deinem Wunsch nicht gerecht werden kann.“ Die Art, wie er das sagte – so hoffnungslos und gebrochen – stach Newt so heftig in die Brust, dass ihm die Luft aus den Lungen wich. Er fühlte, wie sich alles in ihm zusammenzog.
Nicht gewillt, das, was er für Albus empfand, nun einfach aufzugeben, wirbelte er zu ihm herum, bevor der Ältere einfach verschwinden konnte. „Albus!“, sagte er eindringlich und besorgt. Er fürchtete die Richtung, in dieses Gespräch ging. Es wühlte ihn so furchtbar auf. Aber er konnte sich nicht einfach so geschlagen geben. Früher hätte er vielleicht nachgegeben. Hätte geglaubt, dass er es nicht wert war, dass man um ihn kämpfte. Nicht jemand Großes wie Dumbledore. Aber jetzt ertrug er den Gedanken nicht, Albus kampflos ziehen zu lassen.
„W-wieso willst du das zwischen uns auch abbrechen?“, fragte er flehend, wenn auch mit bebender Stimme. Er lief hinter Albus her.
„Es hat nichts mit dir zu tun, Newton“, sagte Albus abwehrend, blieb aber stehen. Er wandte sich zu Newt herum und sah ihm so müde und kraftlos in die Augen, dass Newt spürte, wie der Schmerz, der in Albus wüten musste, direkt in sein eigenes Herz fuhr.
Schlicht und ungeschönt fuhr Albus fort: „Als ich beschlossen habe, mit dir nach Nurmengard zu gehen, wollte ich dich beschützen. Ich wollte, dass wir frei sein können und dass du nicht länger von Gellert verfolgt wirst. Beides habe ich erreicht. Du bist frei und in Sicherheit.“
Er wandte sich wieder zum Gehen. Und Newt ahnte, wenn er ihn jetzt verschwinden ließ, dann hätte er alles zwischen ihnen verloren. Dann würde es nur Verlierer geben. Die Angst, die in ihm aufgekommen war, kaum, dass Albus ihm bei ihrer Ankunft in Nurmengard eröffnet hatte, dass er etwas mit Grindelwald begonnen hatte… die Angst, dass Albus ihn stehenließ und sich von ihm abwandte, weil er bemerken würde, dass er ihn nicht so sehr liebte, wie Grindelwald, kehrte nun mit beeindruckender Macht zurück. Sie raubte Newt den Atem, machte seine Knie ganz weich und führte dazu, dass er Albus eilig hinterherschritt und nach seiner Hand greifen wollte. Er bekam den Ärmel zu fassen und hielt Albus daran fest.
„Was nützt mir meine Freiheit, wenn ich sie nicht mit dir gemeinsam genießen kann?“, fragte Newt aufgelöst und setzte dann flehender hinzu: „Bitte!“
Albus antwortete nicht. Er sah ihn nicht einmal an.
Newt senkte den Blick, während seine Augen zu brennen begannen, und sagte leise: „Bitte lass nicht zu, dass das…“ Er schniefte und hauchte: „Du sagtest, du liebst mich.“

 

~*~

Albus ließ es einen Moment lang zu, dass sich Newt an seinen Ärmel klammerte. Dann machte er sich ruhig und entschieden aus Newts Griff frei. „Vielleicht ist es dir noch nicht aufgefallen, aber meine Liebe ist nicht sonderlich viel wert“, sagte er bitter. Sie hatte Gellert nicht vor seinem Schicksal bewahren können. Sie hatte Albus‘ Gewissen nicht aufhalten können oder seine Vernunft, die dann das getan hatte, wofür er sich nun hasste.
Newt schüttelte ungläubig den Kopf. „Wie kannst du sowas sagen?“, hauchte er.
Albus hatte keine Kraft mehr dafür, jemandem etwas vorzuspielen. Er bedachte Newt mit einem traurigen Blick. „Newt. Sieh mir ins Gesicht und sag mir, dass du mir vertrauen kannst“, verlangte er.
Albus ahnte, dass es eine Überwindung für Newt sein musste. Er kannte sich ja im Moment selbst nicht. Alles, was er von sich wusste, war, dass er Gellert liebte… Dass er ihn vermisste und sich schrecklich fühlte.
Aber Newt zögerte nicht. Er hob den Blick und schaute Albus so eindringlich durch seine Tränen hindurch an, dass es Albus überraschte. „Ich vertraue dir“, sagte er leise aber entschieden.
Seine Entschlossenheit änderte nichts an Albus‘ Verachtung für sich selbst. Er lächelte spöttisch und Newt, der diesen Ausdruck nicht von ihm kannte, wich zurück.
„Das ist dumm von dir“, sagte Albus kühl, „Also glaubst du mir alles, was ich dir sage? Ist es so leicht?“ Er schritt auf Newt zu, der, verunsichert von seinem Verhalten, einen Schritt zurückging.
Albus lief ihm hinterher. „Wenn ich dir sagen würde, dass das zwischen uns von Anfang an eine Lüge war, was würdest du tun?“, fragte er hochmütig.
Newt schluckte und schüttelte tapfer den Kopf. „D-Das ist nicht wahr“, hauchte er und schlang die Arme um sich, als wollte er sich selbst Halt geben. Ihm liefen die Tränen über die Wangen.
Albus machte eine wegwerfende Handbewegung. „Woher willst du das wissen?“, fragte er unbarmherzig. „Vielleicht brauche ich dich nur, um einen geheimen Plan auszuführen?“
„A-Albus“, hauchte Newt und nun zitterte er heftiger, während die Tränen ihm mehr und mehr die Sicht verschleierten. Er schüttelte abermals den Kopf. „Du hast mich… nie zu deinen Gefühlen belogen.“
Die Worte ließen Albus innehalten. Er bemerkte, dass Newt recht hatte. Er hatte wegen seiner Weltanschauung gelogen. Und zu seinen Absichten. Aber nicht wegen seiner Gefühle.
Die Wut auf sich selbst und der Unglauben, dass er all das getan und auf sich genommen hatte, was ihm nun das Herz brach, hatte er an Newt auslassen wollen. Doch jetzt, da der Jüngere es ihm so treffend vor Augen geführt hatte, verpuffte sein Zorn und machte abermals der tiefen, lähmenden Trauer Platz, die ihn erdrücken wollte.
Müde und abgekämpft fuhr sich Albus mit der Hand durchs Gesicht. „Newt, tut mir leid, ich… Ich bin einfach… entschuldige“, murmelte er und trat zurück.
Newt ließ ihn nicht weiterreden. Er ging zu ihm und nahm sanft seine Hand. Die warme Berührung wollte die Blockaden lösen, die Albus daran hinderten, erneut zu weinen. Er konnte nicht mehr. Er hatte so viele Tränen vergossen, dass es ihn wunderte, dass da noch Wasser in ihm war.
„Lass uns in deine Räume gehen“, hörte er Newt leise sagen. „So wie früher… bitte?“
Albus verzog schmerzerfüllt das Gesicht. Er holte tief Luft und schüttelte den Kopf, während sich seine Kehle zuschnürte.
Newt zog ihn mit so viel Liebe in seine Arme, dass es sein geschundenes Herz ein wenig beruhigte. „Bitte“, murmelte Newt leise, „Wir sind zu Hause. Lass uns ins Bett gehen und einfach nur schlafen.“
Als Newts vertrauter Geruch ihn umfing, holte Albus tief Luft. „Newt, ich… ich…“ Er wollte so vieles sagen. Dass er sich selbst dafür hasste, was er Gellert angetan hatte. Dass er ihn schrecklich vermisste und sich nie würde verzeihen können, wie er Gellerts Liebe ausgenutzt hatte. Dass es ihm leidtat, dass er Newt ebenfalls hatte anlügen müssen und dass er hoffte, dass Newt ihm verzeihen könnte. Dass er nicht wusste, wie Newt das anstellen sollte, weil Albus seine Taten so ungeheuerlich vorkamen. Genial. Aber erschreckend. So skrupellos, dass er sich selbst verabscheute.
Dass er nicht wusste, ob er je wieder lieben konnte. Ob sein totes Herz je wieder etwas fühlen konnte, das Newts Liebe gerecht werden konnte. Dass er sich nicht an Newt klammern wollte, bis dieser nichts außer Mitleid für ihn übrig hatte. Dass er mehr sein wollte als das Häufchen Elend, das er nun seit Tagen war.
Nichts davon kam ihm über die Lippen.
Aber Newt schien ihn zu verstehen. Er zog ihn näher an sich. „Ich weiß“, murmelte er. „Ist schon gut.“
Und obwohl Albus es nicht für möglich gehalten hatte, hatte er das Gefühl, dass Newt ihn tatsächlich verstand. Er schlang die Arme um Newts Taille, vergrub das Gesicht in seiner Schulter und schmiegte sich an ihn.

An anderen Tagen wäre Albus appariert. Er hatte immerhin die Genehmigung des Schulleiters und konnte jederzeit gehen, wohin es ihn beliebte. Aber er war noch nie in einer Situation gewesen, in der seine Magie ihn so sehr verlassen hatte. Im Augenblick gelangen ihm nur kleine Zauber und auch nur, wenn er seinen Stab zu Hilfe nahm. Den alten, nicht Gellerts Stab.
Albus konnte in seinem Zustand gut auf Experimente verzichten und Apparieren wäre definitiv ein Experiment. Also nahm er Newt bei der Hand und zog ihn aus dem Klassenraum heraus. Es war spät am Abend, die Schüler waren schon alle in ihren Häusern. Während sie gingen, sprachen sie kaum ein Wort. Albus genoss Newts Nähe. Sie war Balsam auf seiner geschundenen Seele. Er war die ganzen letzten Tage allein gewesen. Hatte sich nachts zum Spiegel gestohlen und tagsüber mehr geweint und trüb an die Decke gestarrt als geschlafen. Die einzige Gesellschaft, die er gehabt hatte, war der Vogel gewesen, der es sich zum Ziel gemacht zu haben schien, sich irgendwie in sein Leben zu schleichen.
Am dritten Tag hatte Albus eingesehen, dass der Phönix wohl nun bei ihm bleiben würde und hatte ihn ‚Fawkes‘ getauft. Fawkes hatte all seine Stimmungen mit ihm ausgehalten, ab und an leise gesungen, wenn es besonders schlimm wurde. Er hatte Albus damit irgendwie immer noch genug Kraft eingeflößt, die Tage zu überstehen. Daran zu denken, etwas zu essen. Zu atmen. Zu leben. Und sich immer seltener auszumalen, was nun mit Gellert geschehen würde.

Als Albus die Tür öffnete, die in seine Räume führte, fühlte er sich seltsam. So, als würde er sich selbst zusehen, wie in einem Film. Dass er gemeinsam mit Newt hierher kam, war das letzte Mal vor so vielen Monaten passiert. Es kam ihm vor, als sei das alles in einem anderen Leben gewesen.
Albus ließ einen trüben Blick über die Unordnung wandern, die in seinem Wohnzimmer herrschte. Normalerweise würden ein paar Handgriffe genügen. Oder eher einiges Wedeln mit seiner Hand. Aber nun konnte er das nicht mehr. Also unterließ er den Versuch, hoffte, dass Newt ihm die Unordnung nachsah, die hauptsächlich aus verstreuten Büchern, alten Fotos und auf den Boden geworfene Kleidung bestand, und war froh, dass die Hauselfen in seiner Abwesenheit aufgeräumt hatten. So blieb Newt wenigstens der Anblick von halbleeren Tellern und Bergen benutzter Taschentücher erspart.
„Tee, Newt?“, fragte Albus, während er hinter ihnen die Tür schloss und dann zu der kleinen Minibar ging, über der er ein paar Tassen und Teebüchsen aufbewahrte.
Ihm selbst war zumindest nach einem Tee.
Newt, der in der Mitte des Raumes stehengeblieben war und einen Blick durch das Zimmer geworfen hatte, schaute zu ihm auf und nickte. „Gern“, sagte er mit einem kleinen Lächeln und so viel Mitgefühl in den Augen, dass Albus es nicht ertrug.
Er wandte Newt den Rücken zu, zog den Zauberstab und deutete auf die Tassen. „Aguamenti“, murmelte er.
Während die Tassen sich mit Wasser füllten, hörte er Newt leise „M-Merlin“ hauchen.
Albus wandte sich zu ihm herum. Erst hatte er geglaubt, dass Newt ihm bereits dahintergekommen war, dass seine magischen Fähigkeiten stark nachgelassen hatten, doch Newts Überraschung hing nicht mit ihm zusammen. Fawkes, der sie reinkommen gehört haben musste, war eben aus dem offenen Schlafzimmer gesegelt und hatte sich auf die Lehne eines Stuhles gesetzt. Er trillerte höflich auf Newts Laut der Überraschung.
„Das ist Fawkes“, stellte Albus den Phönix vor, während er die Teebüchse öffnete und ein wenig Tee herausholte. „Er ist mir zugeflogen, kurz nachdem wir wieder hier angekommen waren.“
„Er… was?“, hauchte Newt fassungslos, der die Hand nach dem Vogel ausgestreckt hatte und nun verblüfft zu Albus hinsah.
Albus schenkte ihm ein Lächeln, das trauriger wurde, als er es beabsichtigt hatte. „Ich habe es dir erzählt“, erinnerte er ihn leise, „Kurz bevor du nach Paris aufgebrochen bist.“
Er sah, wie Newt die Stirn runzelte, als müsse er nachdenken. Er schien sich zu erinnern und wiederholte, was Albus damals gesagt hatte: „Ein… Ein Phönix erscheint jedem Dumbledore… der …“
„… in großer Not ist“, beendete Albus den Satz für ihn.
Er wich Newts fragendem Blick aus. Was genau seine Not ausgelöst hatte, wussten sie beide sehr genau.
Dennoch schien der Jüngere den Wunsch zu haben, noch etwas dazu zu sagen. Er ließ von Fawkes ab und ging am Sofa vorbei, auf Albus zu. „A-albus…“, begann er leise.
Albus schüttelte den Kopf. Er fühlte sich schwach. Müde. Um Jahre gealtert. „Nicht“, bat er leise und widmete sich wieder den Tassen. Er gab den Tee hinein. „Was auch immer du sagen möchtest, sag es nicht“, sagte er betrübt und deutete mit dem Zauberstab auf die Tassen. „Ich will es nicht hören.“
Seine Finger zitterten. Der Zauber, der das Wasser erhitzen sollte, gelang ihm nicht – obwohl er sogar einen Stab benutzte, um seine Magie zu kanalisieren.
Albus fühlte sich gehandicapt. Behindert in der einen Sache, in der er stets besser gewesen war als alle anderen – abgesehen von seinem brillianten Verstand, der nun von Trauer gelähmt war. Es führte ihm nur deutlicher vor Augen, wie gebrochen er war. Albus presste die Lippen aufeinander und versuchte es noch einmal. Aber seine Finger zitterten zu stark und der unausgesprochene Zauber verpuffte.
„Lass mich das übernehmen“, bot Newt sanft an, der das Trauerspiel beobachtet hatte. Er zog seinen eigenen Stab und richtete ihn auf das kalte Wasser. Es kochte kurz brodelnd auf. Dann begann der Tee, dunkle Schlieren im heißen Wasser zu ziehen und Dampf stieg aus den Tassen heraus.
Newt nahm eine der Tassen und schob sich den Stab wieder in die Innenseite seines Jacketts. Er griff nach Albus‘ kalter Hand. „Komm“, sagte er sanft und zog ihn zum Sofa.
Albus nahm die andere Tasse und folgte ihm. Sie ließen sich auf dem Polster nieder und Newt zog erneut den Stab. Er wies auf den Kamin und ein Feuer loderte darin auf. Dann trank er einen Schluck Tee, zog die Knie an und schmiegte sich an Albus, der starr neben ihm saß, sich unnütz und erschreckend schwach fühlte und sich fragte, ob er nun alles verloren hatte, was sein Leben je ausgemacht hatte. Gellert war in den letzten Jahren sein Lebensinhalt gewesen – wenn auch nicht immer auf die positive Art. Am Ende war es wie eine Wage gewesen. Wenn Gellert in die eine Richtung gegangen war, hatte sich Albus für die andere entschieden.
Nun war all das vorbei. All das heimliche Hoffen und Sehnen. All das stete auf-der-Hut-Sein. Und der Preis, den er für diese zweifelhafte Freiheit hatte zahlen müssen, war ein Teil seiner Magie gewesen. Ein beträchtlicher Teil, wenn er nicht einmal Wasser dazu bringen konnte, aufzukochen.
„Du solltest mich so nicht sehen“, murmelte er in seine Tasse.
Newt neben ihm schwieg einen Moment. Dann sagte er leise: „Ich sehe dich lieber so, als dich gar nicht zu Gesicht zu bekommen.“
Es war ein schwacher Trost. Albus lachte freudlos auf und trank dann einen Schluck Tee. „Ich hätte nicht geglaubt, dass ich deinem Bild von mir einmal so wenig gerecht werden würde, wie jetzt“, antwortete er betrübt.
Newt hatte ihn immer auf ein Podest gestellt. Für Newt war er stets der mächtige, einflussreiche, intelligente Zauberer gewesen, der zu edelmütig war, um sich an der Macht zu vergreifen und stattdessen lieber unterrichtete. Nicht… dieses Häufchen Elend, das er jetzt war, nachdem er sich beinahe an der Macht die Finger verbrannt hätte.
Albus wusste, dass Newt mit Gellert bis zuletzt nicht richtig warm geworden war. Sicher konnte er nicht nachvollziehen, wie man Grindelwald hinterherweinen konnte. Aber trotzdem war er jetzt hier.
Albus dachte betrübt bei sich, dass das nichts ändern würde. Spätestens jetzt, da Newt wusste, wie sehr es Albus auch magisch gebrochen hatte, was geschehen war… Er würde feststellen, dass er Albus nicht wiedererkannte. Albus war nicht mehr der, der er gewesen war, als sie vor einigen Monaten aufgebrochen waren.
All diese Gedanken gingen ihm durch den Kopf, während er fühlte, wie Newt ihm die Tasse aus der Hand nahm, beide Tassen auf den Couchtisch stellte und Albus dann in eine Umarmung zog, bei der dessen Kopf auf Newts schlanke Brust gebettet wurde. Albus blinzelte. Das war ungewohnt.
„Ich… bin nicht gut in so etwas“, hörte er Newt leise flüstern und über diese Lüge musste er schmunzeln. Newt bemerkte es vielleicht selbst nicht, doch er half Albus schon jetzt. „Aber ich denke, dass du zu hart mit dir bist“, fuhr Newt sanft fort. „Du hast eine Entscheidung getroffen. Eine sehr mutige Entscheidung. Und du hast Opfer gebracht.“
Albus presste seine bebenden Lippen aufeinander und hielt den Atem an. Ein Kloß legte sich in seine Kehle. Er fühlte, wie ihm bei Newts verständnisvollen Worten neue Tränen kommen wollten. Seine Augen brannten und sein Kopf tat weh davon, so viel geweint zu haben. Er konnte nicht mehr.
„Es ist alles gut“, sagte Newt. „Ich bin da.“ Er strich ihm zärtlich über den Hinterkopf. Albus fühlte sich unwillkürlich mit einem Tierwesen verglichen. Er hatte Newt bisher nur mit ihnen so sanft sprechen gehört, nie mit einem Menschen. Doch Albus musste zugeben, dass es funktionierte.
Zaghaft schlang er die Arme um Newts Taille und schmiegte sein Gesicht in Newts Hemd. Er atmete tief ein und Newts Geruch flutete sein Bewusstsein. Sich von Newt auffangen zu lassen, hatte einen überraschend besänftigenden, heilsamen Effekt. Albus hatte geglaubt, das nichts den reißenden Schmerz in seiner Brust je lindern konnte. Zugegeben, er war noch weit davon entfernt, zu behaupten, dass der Schmerz weg war. Aber er wurde leichter zu ertragen.
„Lass uns ins Bett gehen“, sagte Newt in diesem mütterlichen Ton, den er bei verwundeten Tierwesen anschlug.
Albus nickte. Ein wenig Schlaf klang gut. Dass er dabei nicht allein wäre, sogar noch besser.

Chapter Text

~ 8 Wochen später ~

 

Albus stand auf dem Astronomieturm und schaute der Sonne dabei zu, wie sie langsam auf die schottischen Hügel hinunter sank. Fawkes zog gut sichtbar über dem verbotenen Wald seine Kreise und er hörte ihn einen melodischen Ruf ausstoßen, als wollte er ihm versichern, bald wieder zurück zu sein. Nun, da Albus sein Leben mit jedem Tag wieder mehr annehmen konnte, verließ der Vogel ihn ab und an für ein paar Stunden. Vermutlich wurde es ihm auf Dauer zu langweilig, den ganzen Tag in den gleichen Räumen auf der Stange zu hocken, die Newt für ihn gefertigt hatte.
Während Albus den Blick durchs Schulgelände schweifen ließ, sah er Newt über das Feld laufen. Sein roter Haarschopf war unschwer zu erkennen. Vermutlich bereitete er die ersten Stunden für das neue Schuljahr vor, das in wenigen Tagen beginnen würde. Die Sommerferien neigten sich dem Ende zu. Es war ein langer und schwüler Sommer gewesen, voller schlafloser Nächte und Trauer. Aber Newt hatte ihn in all der Zeit kaum allein gelassen, hatte abends darauf bestanden, dass sie gemeinsam in einem Bett schliefen, egal in welchem. Und tagsüber hatte er Albus, wann immer er fürchtete, dass dieser in der Trauer versinken könnte, mit Aufgaben für die Tierwesen betraut. Sie hatten sie gemeinsam versorgt, waren sogar ein paar Wochen in London gewesen, um dort in Newts kleiner Wohnung zu wohnen, und hatten sich damit beschäftigt, die Tierwesen, die so gesund waren, dass sie keine weitere Pflege brauchten, auszuwildern.
Schritt für Schritt war Albus‘ Magie wiedergekommen. Und jeden Tag hatte sein Herz ein wenig leiser nach Gellert verlangt.
Er würde ihn nie vergessen. Das stand außer Frage.
Während Albus beobachtete, wie die Sonne sich immer roter färbte, bis sie wie ein großer roter Blutstropfen den Horizont berührte, dachte er daran, was Gellert wohl im Moment trieb.
Nicht viel. Man hatte ihn in Nurmengard in eine Zelle gesperrt und dort würde er bleiben, bis zu seinem Lebensende. Credence und Queenie waren dem MACUSA übergeben worden, der über seine Staatsbürger das Urteil richten würde. Rosier, Abernathy und all die anderen Gefolgsleute Gellerts waren gefasst worden. Auch sie erwartete der Prozess.
Albus fragte sich, ob Gellert sein Handeln nachvollziehen könnte. Dies war immerhin der eine Punkt gewesen, an dem sie sich nie einig geworden waren. Albus‘ Prinzipien und sein Wunsch nach einer perfekten Welt hatten immer im Gegensatz zu Gellerts Konsequenz und seiner beinahe wahnhaften Vision davon, die Welt zu unterwerfen, gestanden.
Vermutlich würde Gellert ihn nicht verstehen. Schlimmer noch, er würde ihm nicht verzeihen. Wenn Gellert eines wichtig war, dann war es Loyalität. Ein Verrat war für ihn schwer zu verkraften. Zweimal verraten worden zu sein… bedeutete, dass er, sollten sie sich je wieder begegnen, sicher nicht so entgegenkommend sein würde, wie bei ihrem letzten ersten Treffen.
Albus zwang sich, die Gedanken von ihm fortzunehmen.
Er hatte seit jenem Abend, an dem Dippet ihm gesagt hatte, dass der Spiegel fortgeschafft werden würde, nicht nach Nerhegeb gesucht. Auch, weil Newt so oft in seiner Nähe gewesen war, dass er sich dafür nicht hatte fortstehlen können.
Newts sonniges Gemüt hatte ihn vor einer Depression bewahrt, ahnte er. Albus war froh, ihn zu haben. Er liebte ihn. Er war ihm dankbar, dass er Albus all die Verfehlungen nachsah, die dieser sich in den letzten Monaten geleistet hatte. Dass er ihm sogar verzieh, wegen einem anderen ein gebrochenes Herz zu haben, ohne dass Newt dafür an ihrer eigenen Liebe zweifelte.
Albus schmunzelte.
Und disapparierte.

Mit einem leisen Knall erschien er ein paar Meter neben Newt auf dem grünen Rasen.
Der Jüngere zuckte zusammen und fuhr zu ihm herum.
„Albus!“, stieß er aus und lachte dann. Über den Sommer hatte er noch mehr Sommersprossen bekommen und seine grünen Augen leuchteten nun wieder stärker, als sie es je in Nurmengard getan hatten.
„Hallo, Newton“, sagte Albus mit einem lehrerhaften Schmunzeln und zwinkerte ihm zu.
„Du hast mich erschreckt!“, echauffierte sich Newt, der ihm einen belustigten Blick zuwarf.
„Verzeih, Darling“, entschuldigte sich Albus liebevoller und kam zu Newt hin, der bei näherem Hinsehen eine Kiste trug, die… etwas enthielt.
„Nicht zu nah ran“, warnte ihn Newt und streckte stattdessen den Kopf, damit Albus ihm einen Kuss auf die Wange geben konnte. „Sie sind gerade erst geschlüpft und noch ziemlich ängstlich. Ich will nicht, dass sie sich erschrecken.“
Albus spähte durch die Ritzen zwischen den Holzplanken der Kiste. Darin hockten kleine Wesen, die er kaum voneinander unterscheiden konnte. Er sah schwach Konturen im Dunkel und helle Augen blitzten ihn an.
„Möchtest du uns nicht vorstellen?“, fragte er schmunzelnd.
Newt lächelte und als sein Blick in die Kiste ging, wurde er so weich und warm, dass es Albus‘ Herz wärmte. „Walter und Wilhelmine“, sagte er, „Walisische Grünlinge. Ein Geschwisterpaar.“
Albus‘ Augen weiteten sich. „Drachen?“, fragte er und nachdem er die erste Überraschung verwunden hatte, lachte er. „Dippet lässt dich Drachen hierherbringen?“
„Bunty hat sie jemandem auf dem Schwarzmarkt abgeluchst“, sagte Newt mit einem besorgten Blick zu den Drachenbabys. „Und weil sie zu groß für die Wohnung in London werden würden, hat sie sie hierher geschickt. Außerdem hat sie keine Erfahrung im Umgang mit Drachen.“
Albus gluckste. „Ich zweifle nicht an deinen Fähigkeiten, mein Herz, aber meinst du nicht, dass Drachen eine Nummer zu groß für deine Schüler sind?“
Newt schüttelte den Kopf. „Die Walisischen Grünlinge sind vollkommen harmlos“, beharrte er, während er seinen Weg wieder aufnahm.
Albus hob eine Augenbraue. Das hatte er schon oft von Newt gehört. Eigentlich bei jedem Tierwesen, das er beherbergte. Sogar bei dem Nundu.
„Sie speien kein Feuer, sie fressen nur Pflanzen und im Prinzip verhalten sie sich nicht anders als… zu groß geratene Elefanten. Oder Giraffen“, zählte Newt auf.
Albus atmete auf. Nun, das klang tatsächlich deutlich ungefährlicher, als er erst befürchtet hatte. Er nickte und folgte Newt zu seinem Gewächshaus.
„Aber sie sind vom Aussterben bedroht“, setzte Newt leise hinzu und nun klang er erneut besorgt. „Wir konnten sie nicht einfach sich selbst überlassen. Sie sind so gutmütig und tun keiner Fliege etwas zu leide. Wenn sie groß genug sind, werde ich sie in Wales auswildern.“
Albus schmunzelte. Ganz gleich, wie viel Newt über seine Tierwesen sprach, es wurde Albus niemals zu viel. Er genoss es, ihm dabei zuzuhören. Die Begeisterung in seinen Augen zu sehen. Hatte das immer an ihm gemocht. Newt war sein Hoffnungsschimmer.
Blinzelnd unterbrach sich Newt und errötete. „Wieso siehst du mich so an?“
Albus’ Lächeln wurde breiter. Er beugte sich behutsam vor, damit er die Drachen nicht bedrängte, und setzte Newt einen Kuss auf die Stirn.
„Weißt du noch?“, fragte er. „Wie ich vor einem Jahr in deiner Tür stand und dich um deine Abendbeschäftigung gebracht habe?“
Newt kicherte. „Ich hatte eine Abendbeschäftigung, wenn ich mich recht entsinne“, erwiderte er neckend.
Sein Lachen steckte Albus an. „Und ich werde dafür sorgen, dass dir auch die nächsten Abende nicht langweilig werden.“
Seine Worte rührten den Jüngeren. Er konnte es sehen, in der Art, wie Newt verlegen die Augen niederschlug. Das Rot in seinen Wangen verstärkte sich.
„Das wäre schön.“

Chapter Text

Tom war selten an Dingen interessiert, die keinen erkennbaren Wert für ihn hatten. Die meisten Menschen fielen unter diese Beschreibung. Bis vor kurzem hätte er auch geglaubt, dass der nervöse, schüchterne, neue Lehrer für Pflege magischer Geschöpfe in die Kategorie 'uninteressant', um nicht zu sagen 'wertlos' fiel.
Allerdings war Tom, wie viele andere Siebtklässler, auf dem Halloween-Ball gewesen. Er hatte Professor Scamander in dem enganliegenden, teuer aussehenden Festumhang gesehen, der ihn in ein ganz neues Licht gerückt hatte. Das war nicht nur Tom aufgefallen, wie er wusste. Und was ihm auch aufgefallen war, war die Art, wie er mit Professor Dumbledore getanzt hatte.
Seit Dumbledore ihn im Waisenhaus aufgegabelt hatte, konnte er ihn nicht so recht einschätzen, aber Tom interessierte dahingehend nur, wie er die Regeln brechen konnte, die Dumbledore aufstellte, ohne sich von ihm dabei erwischen zu lassen. An dem Mann selbst hatte er kein Interesse.
Dass sich die beiden Professoren aber so nah zu stehen schienen, reichte als Anreiz aus, diese Schwachstelle Dumbledores ein wenig mehr zu erforschen. Wenn diese Schwachstelle dann noch bemerkenswert attraktiv war, machte das Ganze noch mehr Spaß.
Seit er gesehen hatte, wie Professor Dumbledore ihn besitzergreifend über die Tanzfläche geschoben hatte, war Tom von dem Gedanken besessen, diesem nervigen Mann sein Spielzeug wegzunehmen. Spielzeuge zu stehlen war von jeher seine Spezialität gewesen.
Er freute sich jetzt schon auf den Triumph, Scamander unter sich liegen zu haben. Wohlwissend, welche Qualen es Dumbledore zufügen würde, davon zu erfahren.
So gefiel es Tom also, sich, wann immer er die Gelegenheit hatte, bei Professor Scamander gut zu stellen, um ihm näher zu kommen. Er nutzte jede Unterrichtsstunde, zeigte sich übermäßig interessiert und stellte neugierige Fragen, die genau den Geschmack des Professors zu treffen schienen. Natürlich war er umso eifriger bei der Sache, wenn er bemerkte, dass Professor Dumbledore wieder hospitierte. So auch heute. Der Professor saß im hinteren Teil des Raumes, machte sich still Notizen und lauschte aufmerksam dem Unterricht. Tom fragte sich, wen er damit täuschen wollte.
Während er seinen Niffler mit einer Goldmünze ablenkte, damit dieser nicht verschwand, hob Tom seine Hand.
„Professor?", fragte er. „Woran erkenne ich, ob ich ein Weibchen oder ein Männchen habe?"
Professor Scamanders Augen leuchteten auf.
„Das ist eine wirklich sehr gute Frage, Mr. Riddle!", lobte er. Er kam zu Toms Tisch und nahm den Niffler hoch. „Es gibt eine Reihe von Unterscheidungsmerkmalen zwischen Weibchen und Männchen. Zum einen sind die Weibchen für gewöhnlich in ihrer Urform kleiner. Da sie ihre Größe beliebig ändern können, können wir das aber nicht als Anhaltspunkt nehmen.“ Er schenkte Tom ein Lächeln. „Dafür haben die Weibchen in ihren Beuteltaschen ein größeres Fassungsvermögen, was daran liegt, dass sie durch ihren Nachwuchs mehr Platz für den Nestbau benötigen. Aber auch das ist für einen Laien recht schwierig nachzuweisen und dementsprechend ..." Damit drehte er den Niffler herum und hielt ihn Tom so hin, dass dieser einen guten Blick auf dessen Schritt hatte. „Ist das sicherste Zeichen wohl die äußeren Geschlechtsteile. In Ihrem Fall haben Sie ganz klar ein Weibchen, wie Sie hier, wenn Sie das Fell zur Seite schieben, gut erkennen können.“
Tom nickte artig, obwohl ihn keines der Worte, die Professor Scamander sprach, interessierte. Was er allerdings bemerkte, war die Faszination, mit der der Ältere über das Thema sprach, die Art, wie seine Augen auf funkelten und sich seine sommersprossige Haut vor Freude rötete.
„Vielen Dank", sagte er mit einem charmanten Lächeln, von dem er wusste, dass es die meisten Menschen aus der Fassung brachte und für ihn einnahm. „Sagen Sie, Professor", fügte er gedehnt hinzu, „mir ist zuvor bereits aufgefallen, dass Nifflermännchen und Nifflerweibchen sich nicht groß unterscheiden. In Ihrem Buch habe ich gelesen, dass diese Tiere - anders als andere Nager - keine Pheromone bilden, um einen Partner anzulocken. Bedeutet das nicht, dass Homosexualität bei Nifflern durchaus gängig wäre? Denn ... wie sollten sie es unterscheiden?" Er lachte gönnerhaft. „Und bei der hohen Fruchtbarkeit, die man ihnen nachsagt, wäre das eine oder andere homosexuelle Pärchen auch gar nicht schlimm, oder?"

 

~*~

 

Albus hatte seither nichts Seltsames am Unterricht gefunden, obwohl es nicht das erste Mal war, dass Tom mit bewusst platzierter, einschmeichelnder Freundlichkeit mit Newt sprach. Tom war von jeher wissbegierig gewesen, aber er hatte auch schnell die Welt in schwarz und weiß eingeteilt. Albus hätte geglaubt, dass Tierwesen eines der Themen wären, die ihn nicht interessierten. Die unter seiner Würde waren. Dass er offensichtlich Interesse bekundete, schien nicht zu ihm zu passen.
Und Albus saß nun im Unterricht, beobachtete Toms Verhalten und fragte sich, was es war, was ihm an seinem Verhalten nicht gefiel. Er kam nicht dahinter.
Doch bei diesen Worten horchte er auf. Der Halloween-Ball, auf dem Albus Newt vor aller Augen geküsst hatte, war noch nicht lange her und bisher war ihm kaum eine Reaktion der Schüler aufgefallen. Dies allerdings war Tom Riddle, der als einer der Klügsten des Jahrganges galt. Wenn er eine Frage wie diese stellte, dann wollte er nicht auf Niffler heraus. Albus ließ es sich nicht anmerken, doch er spitzte die Ohren und behielt Tom im Auge.
Newt, dem solche Kleinigkeiten entgingen, sah ihn verwundert an und nickte.
„Eine gute Beobachtung, Mr. Riddle. Ja, Niffler produzieren keine Pheromone, allerdings scheinen sie dennoch in der Lage zu sein, Männchen von Weibchen zu unterscheiden. Das erkennt man daran, dass Niffler einen potenziellen Partner je nach Geschlecht anders umwerben. Ein Männchen umwirbt ein Weibchen anders, als er ein anderes Männchen umwerben würde. Sie liegen jedoch richtig mit Ihrer Annahme, dass gleichgeschlechtliche Nifflerpaare durchaus vorkommen, auch wenn es nicht die Regel ist. Danke für diesen anregenden Einwand, Mr. Riddle, und 10 Punkte für Slytherin."
Tom strahlte Professor Scamander an.
„Ich kann noch weitere anregende Gedanken mit Ihnen teilen, wenn Sie es wünschen, Professor", sagte er mit unschuldiger, strebsamer Miene, doch er konnte den verführerischen Unterton nicht ganz aus seiner Stimme verbannen. „Vielleicht nach dem Unterricht? Damit ich Sie nicht am Unterrichten hindere?" Er lächelte höflich.
Newt, der den verführerischen Unterton natürlich nicht wahrnahm, lächelte ihn warm an.
„Gern. Solange Sie dadurch nicht zu Ihrer nächsten Stunde zu spät kommen."
Albus hatte den Ton gehört. Aber Tom war geschickt. Schlauer und gerissener als die Mädchen, die sie auf dem Ball belästigt hatten. Es gab keinen Grund, aus der Haut zu fahren und überhaupt war das ein schlechter Zeitpunkt. Er war als hospitierender Lehrer hier, nicht als eifersüchtiger Liebhaber. Trotzdem verengten sich seine Augen einen Moment zu Schlitzen, als Tom mit einem Lächeln sagte: „Keine Sorge, Professor. Professor Dumbledore wird Verständnis dafür haben, wenn ich wegen Pflege magischer Geschöpfe zu spät zu Verwandlung komme. Bei einem wichtigen neuen Fach wie diesem", fügte er einschmeichelnd hinzu. Albus knirschte mit den Zähnen. Nein, dafür hatte er kein Verständnis! Aber so weit musste es erst kommen, bevor es angebracht war, Tom zu rügen.
Newt hob irritiert die Augenbrauen.
„Es mag sein, dass Professor Dumbledore dafür Verständnis hätte. Allerdings möchte ich nicht, dass Sie andere Fächer vernachlässigen, selbst, wenn es für Tierwesen ist.“
Tom straffte augenblicklich die Schultern und versicherte: „Natürlich, Sir." Ganz der strebsame Schüler, bemerkte Albus. Und damit schien die Unterhaltung beendet. Albus verzichtete darauf, erleichtert aufzuatmen. Er verstand Toms Charakter gut genug, um zu wissen, dass das Thema damit nicht beendet war. Aus irgendeinem Grund hatte Tom es auf Newt abgesehen und ganz gleich, welcher Grund dahinter lag, es verhieß nichts Gutes.
Die nächsten zwanzig Minuten hielt Tom sich zurück. Dann endete die Stunde. Die Schüler schwirrten aus dem Gewächshaus. Alle bis auf Tom, wie Albus bemerkte. Irgendwie hatte er es geschafft, seinen Niffler zurückzuhalten, als Newt sie alle in den Käfig schob. Nun zog er ihn aus seiner Umhangtasche und trat an Newt heran.
„Hier ist noch einer", sagte er höflich. „Er wollte sich eben davonstehlen." Newt nahm ihm den Niffler ab.
„Oh, danke Ihnen, zum Glück!", sagte er erleichtert. „Manchmal sind sie schwerer zu hüten als ein Sack Flöhe."
Albus beobachtete sie verstohlen. Er verzichtete auf einen Kommentar zu Toms Lüge.
Tom sagte eben: „Es stimmt, dass ich jetzt besser in den nächsten Unterricht gehen sollte, Professor. Allerdings finde ich Ihre Stunden immer ungeheuer lehrreich. Ich würde gern das Wesen der Niffler noch einmal tiefer mit Ihnen erörtern. Hätten Sie dafür Zeit?"
Auf Newts Gesicht erschien ein begeistertes Lächeln.
„Natürlich, sehr gern.“ Dann schien er sich zu besinnen und räusperte sich. „Allerdings außerhalb Ihrer Unterrichtsstunden", betonte er.
Tom nickte eilig.
„Wann hätten Sie Zeit?“
Albus hätte zu gern länger zugehört. Er musste sich seiner eigenen Pflichten besinnen und Newt mit dem tiefgründigen, unberechenbaren jungen Mann allein lassen. Obwohl der Rest des letzten Alphatranks noch durch seine Adern floss, riss sich Albus von dem Anblick Toms, der viel zu nah an Newt stand, los und verließ das Gewächshaus. Newt würde allein zurecht kommen, hoffte er.
Erst draußen, als ihn niemand mehr hören konnte, entwich Albus ein lautes, besitzergreifendes Knurren, das er bis dahin mühsam unterdrückt hatte. Es half nichts, er musste zu seiner Klasse. Wenn Tom auch nur eine Sekunde zu spät kam, würde Albus seine Wut an ihm auslassen.

 

*

 

Albus ließ sich neben Newt am Lehrertisch nieder, als sie sich in der großen Halle zum Abendessen trafen. Er war erleichtert, Newt wohlbehalten zu sehen und zugleich wusste er, dass das nichts zu sagen hatte.
„Wie war dein Tag?", fragte er.
Newt schenkte ihm ein erfreutes Lächeln.
„Sehr gut. Und deiner?"
„Angenehm", behauptete Albus, obwohl er den Rest des Tages damit verbracht hatte, sich auszumalen, was Tom alles geplant haben konnte. Er versuchte nie, Newt vor wilden Tieren zu schützen und das hatte ihm sein Vertrauen eingebracht. Er würde nun nicht den Fehler machen und Newt den Umgang mit Tom verbieten. Wenn man Newt etwas verbot, machte er es erst recht, das wusste Albus mit Gewissheit.
„Wann wirst du dich mit Riddle treffen?", fragte er beiläufig, weil er es trotzdem wissen musste. Er würde sich besser fühlen, wenn er es wusste.
Newt stutzte sichtlich. „Ehm... Heute Abend nach dem Abendessen. Wieso? Er war doch nicht zu spät zu deiner Stunde?"
„Nein", knurrte Albus und versuchte, sich nicht auszumalen, was geschehen war, seit er Newt und Tom allein gelassen hatte. Er vertraute Newt. Was sie verband, konnte selbst ein talentierter manipulativer Mistk-... Slytherin nicht zerstören.
„Ich möchte, dass du vorsichtig bist", raunte Albus Newt leise zu, damit die anderen seine Worte nicht verstanden. „Er ist nicht das, was er zu sein scheint. Schnelles Vertrauen ist bei ihm sehr riskant."
Newt runzelte die Stirn.
„Ich glaube, ich verstehe nicht so recht ...", murmelte er.
Albus nickte. Wie sollte er auch? Er kannte die Schüler nicht so gut wie Albus, vor allem nicht diesen einen.
„Tom ist in einem Waisenhaus aufgewachsen", erklärte er. „Als Zauberer ohne Eltern aufzuwachsen, die einem all die Dinge erklären können, die um einen herum passieren, Ist schon schwer genug. Aber Tom musste sich auch noch gegen andere Kinder behaupten. Es hat ihn abgehärtet, in gewisser Weise. Er ist schneller gereift als andere Kinder. Darüber hinaus ist er sehr klug. Er nutzt diese Intelligenz, um sich einen Vorteil zu verschaffen - vermutlich, weil es im Waisenhaus notwendig gewesen war, um zu überleben. Doch er erschleicht sich noch heute viel. Er verrät sein wahres Ziel niemals. Und wenn er etwas tut, dann, weil er etwas anderes damit im Sinn hat." Albus goss Newt noch ein wenig Kürbissaft ein, ehe er sein eigenes Glas auffüllte. „Daher meine Warnung", sagte er, „Tom mag sich eventuell gar nicht für Tierwesen interessieren."
Newt schwieg. Er schien es zu verarbeiten, doch dann schüttelte er sanft den Kopf.
„Was soll ein 17jähriger Schüler von mir wollen, außer Wissen über Tierwesen?“, fragte er nicht nur ahnungslos, sondern fast schon abwehrend.
„Könntest du wenigstens so tun, als würdest du meine Sorge ernst nehmen?", fragte Albus mit einem leisen Seufzen. „Nur, weil ich keine Idee habe, macht es das nicht weniger gefährlich." Er knirschte mit den Zähnen. Es stimmte, dass er Newt nicht beschützen wollte, wenn er das Gefühl hatte, dass er darauf vertrauen konnte, dass dieser allein zurechtkam. Aber das Gefühl hatte er hier nicht. Dass Newt seine Warnung direkt in den Wind schoss, schmerzte. Und trotzdem wollte Albus seine Hilfe nicht aufdrängen. „Er ist in seiner Zeit im Waisenhaus durch kriminelle Machenschaften aufgefallen. Seit er hier ist, nicht mehr. Nicht, weil er es nicht mehr versucht. Aber er ist jetzt gerissener", sagte Albus und das sollten die letzten Worte der Warnung an Newt sein. Er konzentrierte sich auf sein Essen und fragte sich, wie er es anstellen konnte, auf Newt zu achten, ohne dass dieser das Gefühl bekam, überwacht zu werden.
Eine Hand legte sich unter dem Tisch auf seinen Oberschenkel.
„Ich nehme dich ernst, entschuldige", murmelte Newt. „Ich werde aufpassen und deine Warnung im Hinterkopf behalten. Versprochen."
Newts Worte besänftigten Albus.
„Danke", sagte er aufrichtig. Er schenkte ihm ein Lächeln. „Und jetzt tu mir den Gefallen und trink deinen Kürbissaft."
Das brachte Newt zum Lachen. Folgsam griff er nach seinem Becher.
„Natürlich, Professor."
Albus nickte beruhigt.

 

~*~

 

Der Rest des Abendessens lief entspannt. Albus verzichtete darauf, weiter über seine düsteren Befürchtungen zu sprechen und Newt, der ahnte, dass er aus übertriebener Sorge sprach, war ihm dankbar dafür.
Als sie schließlich die große Halle verließen, drückte Newt dem Älteren noch einen kleinen Kuss auf die Wange, ehe er versprach, danach noch bei ihm vorbei zu schauen.
So machte sich Newt also zurück auf den Weg zum Gewächshaus. Dort angekommen schloss er die Tür auf und setzte derweil in einem abgetrennten Nebenraum Tee auf, während er auf den Slytherin wartete.
Pünktlich zur vereinbarten Zeit hörte er Tom hineinkommen und gegen die Tür des kleinen Hinterzimmers klopfen.
„Guten Abend, Professor. Bin ich zu früh?", fragte er mit einem höflichen Lächeln.
Newt schaute auf, als Tom klopfte. Er hatte sich die Zeit damit vertrieben, an seinem kleinen Tisch über die nächsten Stunden nachzudenken. Nun begrüßte er den jungen Mann mit einem freundlichen Lächeln.
„Nein, gar nicht. Bitte, setzen Sie sich." Er wies auf den Stuhl ihm gegenüber, auf der anderen Seite des Tisches. „Tee?"
Tom näherte sich geschmeidig und ließ sich auf einem der Stühle nieder.
„Sehr gern. Vielen Dank"
Newt ließ ihm eine Tasse herüberschweben.
„Sie hatten noch einige Fragen bezüglich Nifflern?", fragte er, während die Teekanne ihnen schwebend Tee einschenkte.
„Anregungen", korrigierte Tom mit einem charmanten Lächeln. „Ich kam nicht umhin zu bemerken, dass Ihr Kapitel zu Nifflern recht lang ist. Aber es lässt einige wichtige Punkte aus. Zum Beispiel das Gefahr der Überpopulation. Wäre es nicht vernünftig, auch dazu Ihre Ideen in das Buch und in den Unterricht einzubringen, damit zukünftige Generationen angemessen darauf reagieren können?"
Newt blickte ihn verwundert an.
„Überpopulation?“, fragte er. „Niffler - genau wie andere Nager - bekommen große Würfe, weil sie viele Fressfeinde haben. Und besonders junge Niffler sind sehr... risikofreudig bei ihren Exkursionen. Selten überlebt ein ganzer Wurf. Eine Überpopulation eher unwahrscheinlich."
Tom nickte höflich, sagte dann aber: „Es gibt Teile Großbritanniens, in denen die Niffler eine regelrechte Plage bilden, die sich nicht mehr eindämmen lässt. Wenn die Zauberer um ihren Nutzen wissen würden, würden sie keine groß angelegten Säuberungsaktionen veranstalten und stattdessen daran arbeiten, die Bestände moderat zu halten.“
Newt lächelte Tom milde an. „Es ist schwierig, Menschen von etwas zu überzeugen, was sie nicht wahrhaben wollen." Er nippte an seinem Tee. „Abgesehen davon sollte Wertschätzung gegenüber einem Lebewesen nicht auf reiner Nützlichkeit basieren. Ich möchte, dass die Zaubererschaft erkennt, wie faszinierend und schützenswert magische Geschöpfe sind, unabhängig von ihren nützlichen Fertigkeiten oder Bestandteilen in Zaubertränken. "
Tom nickte, als würde er aufmerksam zuhören und nahm einen Schluck Tee, ehe er in seine Tasche griff und das Buch ‚Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind‘ herauszog. Er klappte es bei dem Nifflerkapitel auf und überflog die erste Seite.
„Ich kann nirgendwo die Begründung finden, warum Niffler so süchtig nach Gold sind." Er reichte es rüber. „Vermutlich schaue ich einfach an der falschen Stelle", sagte er mit einem entschuldigenden Lächeln.
Hilfsbereit nahm Newt das Buch zur Hand.
„Es steht in den Fußnoten“, erklärte er. „Deshalb ist es nicht so leicht zu finden. Moment …“ Er blätterte das Buch zielstrebig durch und klappte dann die betreffende Stelle auf, ehe er das Buch wieder zwischen sie legte.
Tom rückte mit Stuhl um den Tisch herum, bis sie seitlich zueinander saßen. Er beugte sich über das Buch und Newt tat es ihm nach.
„Hier ist es“, sagte er und deutete auf die Stelle.
Tom nickte wissbegierig und rutschte noch näher. Dabei stieß er das Buch aus Versehen zu Boden.
„Oh, entschuldigen Sie", sagte er erschreckt.
Newt hob das Buch vom Boden auf und winkte lächelnd ab, während er sich ein paar wirre Locken aus dem Haar strich.
Während der Slytherin interessiert besagte Textpassage las, griff Newt nach seinem Tee und trank einen ordentlichen Schluck.
Tom las derweil die Fußnote zu Ende. Newt rieb sich über die Augen. Irgendwie fühlte er sich mit einem Mal äußerst... unausgeglichen. Ihm kam der Gedanke, dass er eigentlich längst hätte den Abend mit Albus genießen können, wenn dieser Slytherin ihn nicht mit irgendwelchen Fragen bezüglich Nifflern aufgehalten hätte, die er genauso gut hätte selbst nachlesen können.
„Überaus interessant", lobte Tom, schob das Buch zu ihm zurück und schenkte Newt ein weiteres charmantes Lächeln. „So wie Ihr gesamtes Leben, wie mir scheint."
Newt erwiderte das Lächeln angestrengt.
„Nun... ja. Haben Sie sonst noch irgendwelche Fragen?"
„Nein", sagte Tom unentwegt lächelnd und ließ sich davon nicht beirren. „Und Sie? wollen Sie mir etwas sagen?"
Newt hob die Brauen. Tom hatte ihn am Abend um Zeit gebeten um diverse wichtige Dinge bezüglich des Unterrichtsstoffes zu besprechen und nun fragt er ihn, ob ER ihm etwas sagen wollte?
„Ich dachte, Sie seien hier, weil Sie solch anregende Gedanken hätten, Mr. Riddle", antwortete Newt ruhig und bemüht, seinen Frust über diese Zeitverschwendung nicht zu zeigen, der mit jeder Sekunde größer wurde. „Oder brauchten Sie einfach jemanden, der für Sie in ihrem Buch blättert und Ihnen die entsprechenden Textstellen heraussucht?"
Tom wirkte einen Moment irritiert. Dann erhob er sich.
„Sie wissen, warum ich hier bin, Professor", raunte er ihm charmant zu, während er sich zu Newt vorbeugte. „Es geht mir nicht um die Niffler, sondern um Sie."
„Wie bitte?", fragte Newt. Er war davon so überrascht, dass er die unerklärlich große Wut, die er fühlte, einen Moment sogar vergaß.
Toms Lächeln wurde wärmer.
„Professor, Ich schwärme für Sie", sagte er und legte eine Hand auf eine von Newts. Er beugte sich weiter zu ihm vor. „Schon sehr lange.“
Newts Augen weiteten sich ungläubig. Sein Blick wanderte hinunter zu der Hand, die sich auf seine legte. Also deswegen saßen sie hier an seinem freien Abend mit vorgeschobenen Fragen über magische Geschöpfe, die ihn davon abhielten Zeit mit seinem eigentlichen Partner zu verbringen?
Newt merkte, wie die Wut über diese Dreistigkeit des Schülers erneut in ihm aufflammte. Er hatte Mühe, den anderen nicht einfach zu packen und persönlich hinaus zu werfen.
„Das... ist nicht Ihr Ernst ...", brachte er bemüht ruhig hervor.
„Doch, ist es", sagte Tom sanft und hielt dann inne. Er hob den Kopf, als hätte er etwas gehört.
Dann schmunzelte er, als wirkte er sehr zufrieden.
Ohne weitere Zeit zu verlieren, beugte er sich wieder zu Newt herunter und küsste ihn auf den Mund.
Newt konnte gar nicht so schnell schauen, wie er plötzlich die fremden Lippen auf seinen spürte. Die Lippen eines Schülers. Und dazu noch ungefragt!
Es dauerte weniger als eine Sekunde, da stand Newt bereits und drehte dem jungen Mann mit einem gezielten Griff den Arm auf den Rücken. Kurz darauf lag Tom auf dem kleinen Tisch, das Gesicht auf die Tischplatte gepresst und seinen Lehrer im Rücken, der seinen Arm in einem eisernen Griff hielt.
„Und Sie meinen ...", knurrte er mit deutlicher Wut in der Stimme „, das gibt Ihnen das Recht, mich an meinem freien Abend unter vorgespielten Tatsachen zu belästigen und sich mir dann auch noch aufzudrängen?“
Zur Verdeutlichung, was er von so etwas hielt, drehte er den Arm ein wenig höher.
Tom keuchte auf.
Dann sah Newt einen Handschuh herannahen. Er schob sich in den Ärmel des Armes, mit dem sich Tom auf dem Tisch abstützte, und holte eine kleine Phiole heraus.
Was, bei Merlins Bart …?

 

~*~

 

Albus hatte es nicht über sich bringen können, dem Treffen zwischen Tom und Newt fernzubleiben. Er hatte nicht lang warten müssen, bis das Knurren aus Newts Kehle ertönte. Wie geplant. Mit den Vorkehrungen, die Albus getroffen hatte, würde Newt sich gut selbst verteidigen können.
Albus war nur deshalb durch das Gewächshaus geschlichen, um am Ende Riddles Reste aufzusammeln, falls er mit seiner Vermutung richtig lag.
Er war näher an die Tür herangetreten - seitlich, so dass die beiden ihn nicht bemerkten – und hatte die Hände zu Fäusten geballt, als Tom scheinheilig nachfragte, ob Newt ihm etwas sagen wollte. Es war eindeutig, worauf er wartete. Auf die Wirkung des Tranks, den er ihm in den Tee geträufelt hatte, nachdem er das Buch zu Boden gestoßen hatte.
Albus sah seine Vermutungen bestätigt. Tom hatte es auf diese Art auf Newt abgesehen. Aber sicher nicht aus einem aufrichtigen Gefühl heraus. Albus fürchtete, dass es etwas mit ihm zu tun hatte... Wenn er sich das einbilden durfte. Er spitzte die Ohren und lugte um die Ecke in den Raum hinein.
Just in dem Moment küsste Tom seinen Lehrer.
Albus biss sich auf die Innenseite seiner Wange, bis er Blut schmeckte und versuchte, sich zu beherrschen. Er zog seine Handschuhe hervor. Sie schwebten unbemerkt in den Raum hinein.
Albus ließ seine Handschuhe in die Taschen des Umgangs gleiten, den Tom trug, und dann in den weiten Ärmel des Armes, der vor ihm abgestützt auf dem Tisch lag. Der Handschuh war nicht länger unbemerkt, doch er zog eine silberne Phiole hervor und bevor Tom ihn greifen konnte, flog er mit seiner Beute zu Albus zurück.
„Sie enttäuschen mich, Tom", ließ sich Albus vernehmen, während er eintrat und die Phiole dem Handschuh abnahm. Er hielt sie ins Licht. „Ihr Lehrer für Zaubertränke wird den Amortentia sicher in seinem Beständen vermissen. Ich hatte geglaubt, Sie hätten verstanden, dass Diebstahl und das Erschleichen von etwas, das einem nicht gehört, nie ein gutes Ende nimmt?"
Tom antwortete nicht. Er presste die Lippen aufeinander und funkelte Albus wütend an, doch er wagte es offensichtlich nicht, sich aus Newts Griff zu befreien.
Newt dagegen griff mit der freien Hand zu seiner Tasse und roch daran. Als er sie wieder abstellte, klirrte sie. Er schob den Arm des Jungen höher. Tom entwich ein überraschter Schmerzlaut.
„Sie haben mir einen Liebestrank untergemischt?", fauchte er bedrohlich. Dann wandte er sich an Albus. „Und DU!", keifte er ihn nicht weniger wütend an. „Ist DAS der Hauptpunkt deiner Strafpredigt? Dass er einen verdammten Trank gestohlen hat? Nicht etwa, dass er ihn einem Lehrer untermischt?"
Albus sah ihn ungerührt an. „Den Teil wollte ich dir überlassen.“
Newts Wut perlte an ihm ab. Es war abzusehen gewesen, dass er jetzt auf alle losging. Mit dem, was er neben dem Amortentia noch alles im Blut hatte.
„Mr. Riddle, Ich werde mich bei dem Schulleiter dafür aussprechen, Sie der Schule zu verweisen", sagte Albus mit einem geringschätzigen Blick und obwohl er Newts Ärger gut nachvollziehen konnte (am liebsten wollte er Tom lynchen) fürchtete er ernsthafte Verletzungen. Noch ein kräftiger Ruck und die Schulter wäre ausgerenkt. Daher legte er Newt eine Hand auf den Oberarm.
„Lass ihn los, Newt", sagte er sanft, aber bestimmt.
„Und wieso sollte ich ihn nicht einfach so selbst zum Schulleiter schleifen?", fuhr Newt ihn an.
Albus' Mundwinkel zuckten. „Bitte, tu dir keinen Zwang an", sagte er und trat einen Schritt zurück. Wenn Newt den Part mit dem Lynchen übernehmen wollte, würde endlich mal jemand Tom eine Grenze aufzeigen.
Doch trotz der Aggression, die nun seinen Körper in Aufruhr brachte, nahm sich Newt einen Moment Zeit, um nachzudenken. Er sah zu Tom herunter, der immer noch schweigend auf dem Tisch lag und sich nicht rührte.
Tief durchatmend zog er den Slytherin schließlich wieder auf die Beine, ließ ihn los und gab ihm dann einen kleinen Stoß nach vorne.
„Gehen Sie zurück in Ihren Gemeinschaftsraum", brachte er durch zusammengebissene Zähne hervor.
Albus ging aus dem Weg, als Tom sich aufrappelte und an ihm vorbei lief, ohne ihn anzusehen. Er folgte dem Jungen mit seinem Blick, beobachtete, wie er mit gestrafften Schultern an einem neugierigen Mondkalb vorbei lief, durch das Gewächshaus ging und dann die Tür hinter sich schloss.
Albus wandte sich zu Newt um. So froh er auch war, dass Newt nichts geschehen war, so verbissen sah er jetzt dem Gespräch entgegen. Seine Voraussicht hatte geholfen, dass Newt nichts Schlimmeres widerfahren war, aber der Preis war, dass Newt nun nicht er selbst war. Er war wütender, aggressiver, gewissermaßen gefährlicher.
Abwartend blickte Albus ihn an. Newt hatte die Arme vor der Brust verschränkt.
„Wusstest du, was er vorhatte?", knurrte er.
„Und selbst wenn, hättest du dich von mir aufhalten lassen?", fragte Albus ruhig, aber mit einer erhobenen Augenbraue. Er erinnerte sich zu gut an die Skepsis, mit der Newt seine Warnung vor wenigen Stunden angehört hatte.
„Vielleicht hätte ich das, wenn du nicht mit ominösen, vagen Warnungen angekommen wärst, sondern zur Abwechslung mal mit einer ganz konkreten Äußerung!", fauchte er wutentbrannt zurück.
Albus schüttelte seufzend den Kopf. „Du willst mit erzählen, du hättest mir geglaubt, wenn ich dir gesagt hätte, dass einer deiner Schüler versucht, dich mit Amortentia rumzukriegen?" So, wie Newt vorhin schon reagiert hatte, hielt er das für mehr als unwahrscheinlich. „Außerdem sagte ich es dir vorhin schon: Ich hatte keine Ahnung, was er geplant hat. Aber eine Kombination aus Schutztränken in deinem Kürbissaft hat immerhin das schlimmste verhindert."
„Du hast mir etwas in meinen Kürbissaft gemischt?!", keifte er völlig fassungslos.
Albus nickte. „Der Alphatrank wirkt aggressionsfördernd, wenn er mit Amortentia in Verbindung kommt. Daher deine Wut auf alles, selbst darauf, dass ich dich vor dieser Ratte beschützt habe." Er schmunzelte und trat an Newt heran. „Du bist den Alphatrank nicht gewohnt, Newt. Das wühlt dich zusätzlich auf. Aber, wenn ich das sagen darf, ich fand deine Verteidigung gegen Riddle überaus eindrucksvoll."
Newt starrte ihn an. Dann seufzte er schwer und fuhr sich mit der Hand durchs Gesicht.
„Ich bin nicht wütend auf alles!“, fauchte er, nachdem er sie wieder hatte sinken lassen.
„Und das war keine Verteidigung. Ich habe ihm nur die Leviten gelesen!“
„Und das sehr eindeutig", stimmte Albus einschmeichelnd zu und strich Newt über die Wange. „Entschuldige, dass ich dich nicht eher eingeweiht habe, Darling. Aber ich war nicht sicher, was auf dich zukommt und ich wollte einfach für alles gewappnet sein... ohne dir jede meiner haarsträubenden Ideen unter die Nase zu reiben."
Newt warf ihm einen zornigen Blick zu, packet ihn an den offenen Seiten seines Jacketts und zog ihn mit einem entschiedenen Ruck näher.
„Ich will von dir nicht bis zum Ende im Unklaren gelassen werden, Albus“, knurrte er.
Albus' Augen weiteten sich überrascht. Er war von der Geste nicht so eingeschüchtert, wie es von Newt vielleicht geplant war. Vielmehr erregt. Albus musste zugeben, dass ihm diese herrische Seite an Newt durchaus gefiel. Er fragte sich einen Moment, ob er vielleicht hin und wieder ihre Rollen tauschen sollte und errötete bei dem Gedanken, schob ihn allerdings eilig von sich und lächelte, um seine roten Wangen zu vertuschen.
„Und wenn doch?", schnurrte Albus und saugte das zornige Funkeln Newts gierig in sich auf. Hin und wieder konnte er sich Newt durchaus dominant vorstellen. Vielleicht nicht mehr als die Hälfte der Zeit, aber dennoch...
„Es macht dich an, dass ich wütend auf dich bin?!“, fuhr Newt ihn an, doch in seinen Ärger hatte sich Unglauben und ein wenig Faszination geschlichen.
„Das kann ich nicht leugnen", sagte Albus mit einem kleinen Lachen und legte seine Hände auf die, die ihn näher zogen. Er strich mit den Daumen über die Handrücken. „Wenn du mich nicht unnötig erregen willst, solltest du also besser nicht mehr so wütend sein", fügte er mit einem Zwinkern hinzu.
Newt blinzelte perplex.
Dann drängte er Albus entschieden zurück, bis dieser mit dem Po gegen den Tisch stieß.
Er presste sich eng gegen ihn.
„Vielleicht will ich das ja", raunte er ihm zu.
Albus’ Mundwinkel zuckten. Dafür, dass Newt gerade eben noch wütend darüber gewesen war, dass er sein Verhalten erregend fand, hatte er sich nun erstaunlich schnell auf Albus’ Stimmung eingestellt. Auch das war ein Nebeneffekt des Alpha-Tranks: Gesteigerte Potenz, höherer Druck. Man konnte quasi immer und überall. Albus hatte nur nicht geglaubt, dass es auch noch funktionierte, wenn der Amortentia die Wut ausgelöst hatte. Andererseits... wenn das Blut einmal in Wallung war... Albus machte sich im Geiste eine Notiz. Wer wusste schon, wofür diese Erkenntnisse ihres unerwarteten neuen Experiments noch gut sein würden?
„Und was wirst du jetzt tun?”, schnurrte Albus an Newts Lippen und warf ihm dann einen dunklen Blick zu.
Newt hob amüsiert die Augenbrauen.
„Nun …“ Er strich mit einer Hand langsam Albus‘ Brust hinab, als würde er nachdenken. „Da du eben noch von meiner 'Verteidigung' so begeistert gewesen bist …"
Bevor Albus reagieren konnte, griff Newt nach seinen Handgelenk und drehte ihm mit einem geübten Griff den Arm auf den Rücken.
Albus entwich ein überraschtes Keuchen, ehe er sich auf dem Tisch wiederfand, entschieden nach unten gedrückt. Ihm lief ein wohliger Schauer über den Rücken.
„Den Griff beherrschst du, das wissen wir jetzt”, neckte er amüsiert und einer seiner Handschuhe gab Newt einen frechen Klaps auf den Hintern. Wenn er glaubte, dass sich Albus so leicht in die passive Rolle schieben ließ, dann würde er spätestens merken, dass er im Irrtum war, wenn Albus sich in ihm versenkte.
Hinter sich hörte er Newt leise lachen.
„Ich glaube, Sie haben ein ernsthaftes Problem damit, Ihre Hände bei sich zu behalten, Professor." raunte er ihm ins Ohr. „Ich nehme mir daher einfach dasselbe heraus."
Seine freie Hand wanderte Albus‘ Seite entlang, bis zur Hüfte hinunter, wo sie unter der Anzugsweste verschwand und neckend den Hosenbund nach vorne entlangstrich.
Albus’ nächstes leises Lachen war heiser, weil Newts Hand seine halbsteife Länge streichelte. Er quittierte es damit, den Handschuh ihn Newts Hintern kneifen zu lassen.
„Das halte ich für fair”, sagte er atemlos, schob sein Becken zurück und rieb damit lasziv über Newts Schritt.
Newts Reaktion folgte umgehend. Er knurrte tief. Albus fühlte sein Inneres erwartungsvoll kribbeln.
Dann spürte er Newts Lippen am Hals, wie sie heiße Küsse darauf setzten. Zugleich kam die Hand von seinem Schritt hinauf und begann, seinen Krawattenknoten zu lösen.
Albus spielte mit dem Gedanken, sich zu ergeben. Dieses eine Mal vielleicht. Vielleicht würde er heute nicht den Ton angeben.
Doch spätestens, als Newts Hand an seinen Hemdknöpfen nestelte, wusste er, dass er nicht so lang stillhalten konnte. Er legte seine Hand auf Newts, führte sie beide über seine Brust und seinen Bauch hinunter und unter ihren Händen sprangen die Knöpfe seines Dreiteilers und seines Hemdes auf.
Er ließ die Fingerspitzen seiner anderen Hand, die ihm auf den Rücken gedreht worden war, knistern, bis der Funke übersprang und Newt einen kleinen Schlag bekam, der ausreichte, damit er ihn losließ. Während Albus sich umwandte, hielt er die Hand umgriffen, mit der er sein Hemd geöffnet hatte, langte nach Newts anderem Handgelenk und schob ihn hart gegen den deckenhohen Schrank in seinem Rücken, der, von dem leichten Klirren zu urteilen, voller Tinkturen und Fläschchen war.
Albus baute sich vor ihm auf, drückte Newts Hände links und rechts von Newt gegen das Holz und drängte ein Knie zwischen seine Beine. Es ließ Newt überrascht aufkeuchen.
Als Albus ihm leicht in den Hals biss, stöhnte er auf. Albus biss fester zu. Er trug noch immer einen Rest Alphatrank in sich, von ihren letzten Spielen. Vielleicht nicht so hochprozentig, wie er im Moment durch Newts Adern floss, aber ausreichend, um ihn in Schach zu halten.
„Mistkerl", knurrte Newt, während er seine deutliche Erektion bereits auffordernd gegen Albus‘ Knie rieb.
„Na na, Newt, so spricht man nicht mit seinem Lehrer”, knurrte Albus Newt tadelnd ins Ohr und leckte über die Stelle, an der ein Abdruck seiner Zähne zu sehen war. Seine Zunge glitt hinauf zu Newts Ohrläppchen. Er biss hinein.
Newt gab ein Schnauben von sich, das gleichermaßen amüsiert und erregt sein konnte.
„Verzeihung", murmelte er und fing dann Albus Lippen zu einem Kuss ein. Er biss ihm in die Unterlippe. „Sie sind ein Mistkerl, Sir", schnurrte Newt mit einem provokanten Grinsen.
Albus lachte leise, trotz des kurzen Schmerzes in seiner Lippe. „Besser”, sagte er amüsiert und ließ Newts Hand los, um ihm seinerseits das Hemd zu öffnen. Eine fließende Bewegung und es flog auseinander, sodass Albus seine sommersprossige Haut sehen konnte. Er gab ein zufriedenes Knurren von sich, während seine Hand am Hosenbund angelangte.
Newt schlang den freien Arm um seine Schulter.
„Ich will dich", raunte er atemlos gegen Albus Lippen und krallte dann fordernd die Hand in Albus‘ Haar.
Albus verwickelte Newt in einen hitzigen Kuss. Seine Hand wanderte tiefer, über die deutliche Beule in Newts Hose.
Er rieb darüber und als Newt den Kuss löste, um aufzukeuchen, schnurrte er: “Ich weiß.”
Newt streckte sich ihm auffordernd entgegen, während er sich haltsuchend an ihm festhielt.
„Dann mach endlich!", befahl er ungeduldig.
Sein herrisches Verhalten amüsierte Albus. Es war überaus erfrischend, diese Seite an ihm zu sehen. Zwar waren sie mittlerweile beim Sex an einem Punkt angekommen, an dem Newt sich nicht mehr zierte, aber so direkt war er selten.
„Ganz schön fordernd”, kommentierte Albus schmunzelnd, griff seinen Zauberstab aus der Innenseite seiner Weste und zog ihnen beiden mit einem lässigen Schlenker die Kleidung aus. Der Handschuh ließ Newts andere Hand los, während Albus seinen Zauberstab ablegte. Dann drängte er sich nackt zwischen Newts Beine, sodass ihre Erektionen gegeneinander strichen, und legte seine Hände auf Newts Hüften, um ihn gierig näher zu ziehen.
Newts Hände wanderten über seine Brust.
„Und es gefällt dir", schnurrte er, ehe er ihn in einen erneuten Kuss verwickelte.
„In der Tat”, bestätigte Albus mit rauer Stimme, ließ die Hände von Newts Hüften hinab zu seinen Oberschenkeln wandern und hob eines von Newts Beinen an. Albus legte es über seine Hüfte, ehe er mit der Hand erneut tiefer wanderte und seine Fingerspitzen den Eingang des Anderen ertasteten. Er befeuchtete seine Finger mit einem Zauber und ließ sie über den Muskelring kreisen.
Newt runzelte die Stirn. „Nicht so“, knurrte er.
Albus schmunzelte über den abermals herrischen Ton. „So? Wie denn dann?“
„Das weißt du ganz genau, Albus!“, grollte Newt, schob mit einem entschiedenen Ruck die Hand von seinem Hintern, senkte das Bein und stieß Albus zurück.
Albus stolperte nach hinten, zu fasziniert von dem dominanten Ton seines sonst so unterwürfigen Liebhabers, als dass er sich wehren wollte.
Newt ließ ihm kaum Zeit, es gebührend zu bewundern. Er kam ihm hinterher, legte ihm die Hände auf die Hüften und drehte ihn herum, bis Albus ihm den Rücken zukehrte.
„Heute machen wir es so herum“, knurrte er in Albus Ohr.
Albus durchlief ein wohliges Kribbeln. Wie es aussah, würde er sich ergeben. Ausnahmsweise. Wenn er ehrlich mit sich war, war er ohnehin neugierig darauf, wie es wohl wäre. Mit Newt in ihm.
Ganz in seine Vorfreude versunken, bemerkte er die Hand an seinem Rücken zu spät.
Newt stieß ihn kraftvoll nach vorn, sodass Albus, der überrascht das Gleichgewicht verlor, wenig später bereits wieder mit dem Oberkörper auf der Tischplatte lag.
Er fühlte, wie sich ein Fuß zwischen seine schob.
„Öffne deine Beine weiter“, hörte er Newt knurren.
Albus kam ihm bereitwillig nach und sog dann scharf die Luft ein, als er eine Sekunde später spürte, wie sich ein feuchter Finger ohne Vorwarnung in ihn hineinschob.
Albus war eng. Sehr eng. Einerseits, weil der Alphatrank den Eingang nicht so sehr vorbereitete, wie ein Omegatrank das tat. Andererseits, weil es viel zu lang her gewesen war, dass er auf diese Weise Sex gehabt hatte. Er stöhnte auf, halb vor Lust, halb vor Schmerz. Der Finger hinterließ ein reißendes Brennen in ihm.
Newt beugte sich über ihn, sodass er seine Wärme im Rücken spürte. Ein zärtlicher Biss in seine Schulter lenkte ihn von seinen sich krampfenden Muskeln ab.
Albus atmete in den Bauch und entspannte sich.
„Bin ich zu hart mit dir?“, hörte er Newt an seinem Ohr schnurren. Drängte sich da Fürsorge durch den Lustrausch des Alphatranks?
Albus lachte leise. Es schmeichelte ihm, dass Newt in seinem Zustand noch auf so etwas achten konnte.
„Oh, ich hoffe doch, dass du gleich noch viel härter wirst“, konterte er.
Seine Provokation führte dazu, dass Newt einen zweiten Finger in ihn schob.
Albus entwich ein Keuchen. Er hätte es wissen müssen.
„So?“, schnurrte Newt neckend.
Albus lachte heiser und angestrengt. Die Finger in ihm beschäftigten ihn zu sehr, als dass er sich auf eine Antwort konzentrieren könnte.
Als er nach einiger Zeit endlich spürte, dass seine Muskeln weicher wurden, zog Newt die Finger aus ihm heraus. Er schmiegte sich deutlicher an Albus, während die Spitze seines Glieds gegen Albus‘ Eingang drückte.
Albus erwartete ihn gleichermaßen nervös und vorfreudig. Es war schon Jahrzehnte her, dass ihn das letzte Mal jemand auf diese Weise genommen hatte. Und damit meinte er nicht unbedingt die Technik. Vielmehr das grobe, raue Verlangen und der feine Schmerz, der mit jeder Berührung einherging. Es ungleich intensiver machte.
Als hätte Newt geahnt, wie er es brauchte, machte er einen kleinen, fordernden Stoß, der Albus‘ Muskelring keine Chance ließ, sich zu wehren.
Albus entwich ein untypischer, hoher Laut, während ihn leichter Schmerz durchfuhr.
Hinter sich hörte er den Alpha zufrieden knurren.
Albus drängte sein Becken auffordernd zurück. Das bisschen Schmerz machte ihm nichts aus. Im Gegenteil. Er schloss die Augen, atmete in den Bauch und wappnete sich für den nächsten Stoß.
Der kam plötzlich, trieb Newts Glied bis zur Hälfte in ihn hinein und ließ Albus die Augen wieder aufreißen und nach Luft schnappen. Seine Muskeln krampften sich so eng um den breiten Schaft, dass er sich auf gar nichts anderes konzentrieren konnte.
Obwohl er es nicht für möglich gehalten hatte, war Albus nun leicht überfordert. Er krallte die Hände in die Kante der Tischplatte und keuchte.
Hinter ihm schnaufte Newt leise.
„Mercy Lewis“, fluchte er atemlos und keuchte dann: „Albus.“ Er hatte die Hände so sehr in Albus‘ Hüfte gekrallt, dass Albus gut ihr Zittern fühlen konnte.
Es schmeichelte ihm, dass er nicht der Einzige war, dem das hier viel abverlangte.
„Komm schon, Newt“, schnurrte er auffordernd und ließ sein Becken neckend kreisen, wodurch Newts Glied so angenehm über sein Inneres rieb, dass Albus die Lust wachsen fühlte. Der Schmerz ließ nach.
„Du wolltest es doch.“
Er warf ihm über die Schulter einen verruchten Blick zu. „Oder bist du nicht Alpha genug dafür?“
In Newts Augen flackerte Unsicherheit auf. Dann wurde Albus Zeuge davon, wie der Alpha in ihm wieder die Oberhand gewann. Sein Blick wurde so dunkel, dass Albus ein wohliger Schauer über den Rücken lief.
Ein fordernder, tiefer Stoß versenkte ihn endgültig in Albus.
Mit einem überwältigten Stöhnen warf Albus den Kopf in den Nacken.
Es brauchte nicht mehr Aufforderung als das.
Newts Fingernägel gruben sich so stark in Albus‘ Haut, dass er ahnte, dass er Male davon tragen würde. Dann zog der Jüngere sich aus ihm heraus und stieß hart und fordernd wieder in ihn hinein.
Albus hatte vergessen, wie gut es sich anfühlte, ab und an mal auf der empfangenden Seite zu sein. Dass Newt ihm wortwörtlich das Hirn rausvögelte, raubte ihm nicht nur den Atem, auch den Verstand. Und nachdem die ersten Züge eher ungeduldig und unkontrolliert gewesen waren, bekam Newt doch immer mehr Übung darin, mit jedem seiner Stöße Albus‘ Prostata zu treffen.
Es war überaus verführerisch. Albus spürte, wie sein Körper mehr und mehr darauf reagierte. Wie er sich um Newts Schwanz schlang, um ihn tieferzuziehen. Wie ihm bei jedem Stoß Blitze durch den Unterleib und die Wirbelsäule hinaufschossen, bis in sein Gehirn.
Irgendwann musste Albus nicht mehr, wo er war oder wie lange das hier schon ging.
Er war zu beschäftigt damit, das Gefühl in sich zu genießen und zu priorisieren, ob er atmen oder stöhnen wollte.
Als der Knoten seinen Muskelring das erste Mal passierte, zuckte Albus überrascht zusammen. Das fühlte sich anders an, als er erwartet hatte. Er hatte nicht gewusst, dass sein Muskelring so empfindlich war.
Newt stieß sich wieder in ihn hinein. Sterne flammten vor Albus‘ Augen auf, als er kraftvoll die Prostata traf.
Beim Herausziehen durchfuhren Albus abermals Blitze. Merlin, das war überwältigend.
Jeder neue Stoß trieb Albus an die Grenze. Er meinte, jede Sekunde zu kommen, und zugleich war es auf berauschende Art zu viel.
Als sich der Knoten erneut durch seinen Muskelring zwängte, blieb Albus die Luft weg. Es war so intensiv, dass ihm schwindelig wurde.
Newt zog sich wieder heraus.
„N-nicht“, keuchte Albus, als der große Knoten an seinen Muskeln zog. Es würde ihn reißen.
Doch stattdessen gaben seine Muskeln nach.
Bevor er sich darüber freuen konnte, stieß sich Newt erneut in ihn hinein, mit so viel Kraft, dass seine Muskeln keine Chance hatten.
Der Knoten war noch größer geworden. Er drückte in Albus gegen jeden empfindlichen Punkt und während sich seine Muskeln eng darum krampften, fühlte er, dass er kurz davor war, zu kommen. Es war einfach zu viel, als dass es ihn noch länger hinhalten könnte.
Newt zog den Knoten zurück.
Zog damit an Albus‘ Muskelring.
Und während die scharfen Blitze durch Albus‘ Nervenbahnen schossen, kam er mit einem Stöhnen - und Newt, der den Muskeln, die nun stärker um ihn zuckten, ebenfalls in größere Höhen getrieben wurde, verharrte tief in ihm und sackte auf Albus zusammen.
Sie rangen nach Atem, während Newts Orgasmus sie beide wieder und wieder erschaudern ließ. Albus fühlte den Knoten in sich überdeutlich. Fühlte jedes Zucken des harten Gliedes. Jeden Schwall Sperma, der aus ihm herausschoss.
Merlin!
Vielleicht … nur vielleicht … würde er Newt demnächst wieder Alphatrank in den Kürbissaft mischen.