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Wie weit würdest du gehen um bei mir zu sein? (Alternativtitel: Der Apotheker)

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Er war gelangweilt.

Es war 10.12 Uhr ein ruhiger Vormittag zwischen den Jahren… Freitag. Es war ruhiger als sonst…alle hatten ihre Einkäufe vor Weihnachten erledigt, zumal das was man in einer Apotheke besorgen wollte war eh unangenehm in den meisten Fällen. Man war froh, wenn man dies erledigt hatte.

Er schaute durch seine gläserne Bürotür in die Offizin seiner Apotheke. Seine Angestellte Frau Dittmer stand auf einem Hocker und rückte die Schmerztabletten zurecht. Das Glasregal auf der rechten Seite seiner Apotheke war zu hoch. Er hätte daran denken sollen die Regale auf die Größe seiner Angestellten anzupassen… sie waren alle recht klein und zudem, Frauen!

Frau Dittmer war recht schlank für eine Deutsche, sie hatte langes hellbraunes Haar und trug gern japanische Kleider. Ihm war es egal was seine Angestellten trugen, so lange ein Kittel darüber war. Er hätte sie bestimmt hübsch gefunden, ihre großen grün-braunen Augen und ihr freundliches fröhliches Lächeln bezauberte nicht nur seine Kunden, ihre Taille war so schmal wie bei einer Japanerin… seine Mutter wäre begeistert von so einer Partnerin…doch Osamu Dazai war nicht an Frauen interessiert, er liebte Männer.

Dazai war recht groß für einen Japaner, seine braunen leicht gelockten Haare fielen ihm oft ins Gesicht. Er hatte eine schlanke, leicht muskulöse Statur die sich unter seinen Hemden und enganliegenden Anzughosen leicht abzeichnete. Was sonst noch zu sehen war… nicht viel. Weiße Mullbinden die sich unter dem Hemd bis zu seinem Hals und seine Handgelenke bis zu den Händen runter schlangen, verdeckten den Blick auf die Haut die darunter war. Seinen haselnussfarbenen Augen entging nichts, was in seiner Apotheke vorging, er war nicht umsonst der jüngste Apotheker in Deutschland. Lernen fiel ihm leicht. Überhaupt liebte er alles, was mit Logik und Wissen zu tun hatte.

Osamu Dazai war 25 Jahre alt, Japaner und in Deutschland aufgewachsen. Seine Eltern betrieben das berühmte Tokio Sushi Restaurant und waren vor 24 Jahren nach Deutschland gekommen.

Es war so ruhig das er sogar die Kaffeemaschine blubbern hörte, er beschloss in die Teamküche zu gehen um nach seinem Bento zu schauen, dass ihm seine Mutter mitgegeben hatte.

„Guten Morgen Frau Kromer, war ihr Weihnachtsfest schön?“ Fragte er seine Mitarbeiterin die gerade durch die Küchentür kam. Sie hatte einen auberginefarbenen langen Mantel an und eine schwarze Röhrenjeans, sie lachte: Klar, es war wunderbar vor allem das Essen! Der Mantel verschwand mit einem Griff im Schrank und schon hatte sie ihren weißen Kittel an. „Der Kaffee läuft wohl schon? Gut, ich bin immer noch total müde von diesen Feiertagen.“ Ohne eine Zustimmung von ihm zu erwarten trat sie durch die Tür hindurch, an seinem Büro vorbei, in die Offizin. Er hörte sie mit ihren anderen Kolleginnen sprechen und sie lachen. Dazai war froh das sich alle gut verstanden. Er starrte auf die Kaffeemaschine und nahm dann die schwarze Box vom Küchentisch, langsam schob er das rote Band zur Seite und öffnete die Bento Box. Lachs-Mayonnaise Onigiri! Seine Mutter wusste genau was er liebte, er dachte an Odasaku… dieser wusste das auch.

XXX

Während des Studiums lernte er Odasaku oder eigentlich Sakunosuke Oda kennen und lieben. Er studierte Pharmazie in Braunschweig und Odasaku Deutsch und Englisch auf Lehramt. Fünf Jahre lang waren sie ein Paar, unzertrennlich bis Oda sich entschied nach Japan zurückzukehren und Lehrer zu werden an einer Mittelschule in Sapporo. Dazai hätte nie geglaubt das es dazu kommt er liebte es alles unter Kontrolle zu haben, er vertraute Odasaku und wurde bitter enttäuscht. Vielleicht hätte er das kommen sehen, wenn er nicht so verliebt gewesen wäre. Eigentlich war der Plan klar, er würde die Apotheke kaufen und Odasaku am Gymnasium hier in der Stadt unterrichten. Doch ein Urlaub in Japan bei seinen Verwandten änderte alles bei Odasaku, er wollte nicht mehr in Deutschland leben, er fühlte sich fremd und die Kinder strengten ihn an. Odasaku versuchte Dazai von Japan zu überzeugen, es wäre doch auch seine Heimat! Dazai konnte damit nichts anfangen, er kannte Japan nur von Urlauben, klar er sprach fließend japanisch… konnte lesen und schreiben…alles kein Problem seine Eltern legten viel Wert darauf und auch auf ihre Religion den Shintoismus. Aber er war hier aufgewachsen, er liebte Deutschland. Außerdem war er hier viel freier als er es in Japan je hätte sein können. Hier hätten Oda und er sogar heiraten können und keiner hätte sie komisch angeschaut, es gab hier sogar schwule Politiker. Anders als in Japan wo alles nur sehr traditionell war.

XXX

---Wiep--- der Kaffee war fertig.

Er konnte doch nicht um 10.20 Uhr schon Onigiri essen. Er schob den Deckel zurück auf die Box, griff zur Kaffeekanne und ging mit einem wunderbar heißen Kaffee zurück in sein Büro. Die Offizin war leer und draußen fing es wieder an zu schneien.

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Frau Dittmer ärgerte sich über die Unordnung, überhaupt war ihr jegliche Unordnung zuwider… geschickt schob sie die Packungen alle in Reih und Glied.

---Ping---die Tür schob sich leise surrend auf… ----Ping--- oh tatsächlich ein Kunde, sie drehte sich auf dem Hocker und stieg nach unten vor den HV Tresen. „Guten Morgen, wie kann ich ihnen helfen?“

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