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Zur falschen Zeit am falschen Ort

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Sie spürte Sand zwischen ihren Fingern, fein und staubtrocken. Die Metallplatte an ihrer Wange war hart und auf einer komischen Art und Weise warm und kühl zugleich. Sie war von Müll bedeckt: Metallstücke, Fetzen aus Papier und Stoff und weitere Dinge, die sie nicht sofort erkennen konnte und vom Geruch her auch nicht weiter identifizieren wollte. Die Luft war heiß und genau so trocken wie der Sand.

Als sie sich langsam und leicht benommen auf der Metallplatte aufsetzte, auf der sie bäuchlings gelegen hatte, fand sie sich im Schatten einer seltsamen Felsformation mitten in einer Wüste wieder. Der Sand um sie herum reflektierte das Sonnenlicht auf eine fast blendende Weise und ließ lediglich eine kleine Straße unweit von dem Schutthaufen, auf dem sie saß, erkennen. Der Schatten der Felsen ging bis auf die Straße und noch ein kleines Stück darüber hinaus.

Ihr Kopf war leer. Einige Momente lang starrte sie nur orientierungslos in die Gegend, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen.

Dann stellten sich die Verwirrung und die Fragen ein: Wo in aller Welt war sie? Wie ist sie hierhin gekommen? Warum war sie hier? Wurde sie entführt? Was ist passiert?

Sie kletterte von der Metallplatte herunter und ging langsam, sich immer und immer wieder umsehend auf die Straße zu. Als sich an der Straße angekommen weder eine Antwort auf ihre Fragen noch eine Möglichkeit der Orientierung oder sonst etwas Bekanntes fand, begann Verwirrung zu Panik zu werden und sie vergrub die Hände in ihren langen Haaren, während sie wiederholt zwischen umschauen und auf die Straße starren wechselte.

Was sollte sie jetzt tun? Wo sollte sie jetzt hin? Was ist, wenn man sie einfach hier hingeworfen hat und sie niemals heim finden wird? Was, wenn sie überhaupt nirgends mehr hin finden wird?

Sie schloss die Augen und versuchte langsam zu atmen, die Panik niederzukämpfen und ihre Gedanken zu ordnen.

Okay, hier zu bleiben machte keinen Sinn. Weit und breit war kein Leben geschweige denn Wasser zu erkennen. Sie wäre elendig verdurstet. Also entschied sie sich die Straße in irgendeine Richtung zu verfolgen; schließlich musste sie ja mit einem Ziel gebaut worden sein.

Bevor sie in die Sonne trat, zog sie ihre Lederjacke aus und hielt sie sich zum Schutz vor ebendieser über den Kopf. Dann ging sie los.

Es war wirklich Wüste soweit das Auge reichte, bis auf weitere Felsen; einige wie Hügel geformt,andere wie Säulen und wiederum andere wie Brücken aus dem Nichts ins Nichts. Zwischen diesen Felsen schlängelte sich die Straße weiter und wurde schließlich von ihnen verborgen.

Während sie ihrem Weg folgte, ging sie in Gedanken ihre Situation durch: Sie trug noch ihre Klamotten, die sie auf dem Heimweg von der Arbeit an hatte – Jeans, eine schlichte, weinrote Bluse, schwarze, nicht sonderlich hohe Stiefel und die Lederjacke – und konnte sich nicht entsinnen, zu Hause angekommen zu sein. Das heißt, was auch immer passiert ist, es muss auf dem Weg nach Hause passiert gewesen sein. Sie fühlte sich, mal von der Hitze - die sie zwar nicht ins Schwitzen brachte, aber bestimmt umbringen würde, wenn sie nichts zu trinken findet – abgesehen, körperlich recht gut. Sie durchsuchte beim Gehen ihre Hosentaschen: Portemonnaie, Papiere, Geld, Schlüssel. Es war alles noch da. Also konnte man Raub, eine Vergewaltigung oder ähnliche Misshandlungen ausschließen.

Das war beruhigend, verwirrte aber noch mehr, denn es erklärte immer noch nicht, warum man sie zu so einem Ort gebracht hatte. Die nächste Wüste, an die sie denken konnte, lag viele tausend Kilometer von ihrem Wohnort entfernt und wer würde denn einen solchen Aufwand für eine unwichtige Studentin betreiben? Für eine Frau in einer Großstadt, in der es wesentlich lohnendere Ziele gab?

Auf jeden Fall stand fest, dass man sie verschleppt haben musste. Von selber, war sie jedenfalls nicht hierher gekommen.

Mit diesem Gedanken erreichte sie den Schatten des ersten Felsen, hinter dem man den weiteren Verlauf der Straße und weitere spitze, bergartige Felsen viel weiter weg erkennen konnte. Ihr Blick blieb allerdings an einer großen, demolierten Plakatwand, keine 100 Meter von ihr entfernt, hängen und mit einem Schlag zweifelte sie an ihrem eigenen Verstand.

Das Plakat begrüßte alle Passanten: Welcome to Pandora. Your final destination. Guaranteed.