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Nachts im Hochsommer

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Der Mond stand hell und in seinem vollen Umfang über Konoha. Die Sonne war bereits vor Stunden untergegangen, aber durch das offene Fenster ihres Schlafzimmers hörte Sakura nach wie vor die Bewohner des Dorfes, die lachten, schrien und über die Straßen eilten, um an ihr nächstes Ziel zu gelangen. Sakura stöhnte, denn sie wünschte sich nichts sehnlicher als endlich schlafen zu können, war sie doch bereits seit heute morgen um fünf Uhr auf den Beinen.
Sie drehte sich auf den Rücken und schob ihre viel zu dicke Decke nach unten. Es war einer der heißesten Tage des Jahres gewesen und die Hitze stand nach wie vor im Zimmer. Da half es auch nicht, dass sie extra ihre Tür zum Gang offen gelassen hatte, um für einen angenehmen Durchzug des Windes zu sorgen.
Entnervt stöhnte sie auf und drehte sich auf den Bauch, sie wendete das Kissen so, dass die kühle Seite nun nach oben zeigte, obwohl sie wusste, wie schnell ihr eigener Körper dieses ebenfalls aufwärmen würde. Sie hasste solche Nächte; konnte sie bei zu hohen Temperaturen doch nicht einschlafen.
Und so war es kein Wunder, dass sie nach ein paar Minuten erneut ihr Kissen drehte, sich eine neue Schlafposition suchte, die nun kühle Decke wieder über ihren Körper zog und gleich wieder von sich schob. Es war schrecklich! Ein kleiner Schrei der Frustration entwich ihrer Kehle und sie schlug mit ihren Handflächen links und rechts neben sich wütend auf ihre weiche Matratze.
Ein leises Lachen ertönte hinter ihr.
Sakura drehte sich ruckartig Richtung Tür und erschreckte beim Anblick einer dunklen Silhouette, deren Körperbau ihr nur zu gut bekannt war. Ein schiefes Grinsen schlich sich auf ihre Lippen und sie setzte sich auf.
»Dir ist schon klar, dass es ziemlich gefährlich ist, so heim zu kommen, oder?« Die Hitze war vollkommen vergessen.
Er zuckte nur mit den Achseln, während er ins Schlafzimmer trat, schließlich sein Oberteil über den Kopf zog und es auf die Kommode neben der Zimmertür legte.
Sakura folgte ihm mit ihren Augen, wie er um das Bett herum ging und wartete ein wenig ungeduldig darauf, dass er sie endlich begrüßte. Es waren erneut drei Monate gewesen, in denen er nichts von sich hatte hören lassen. Und auch, wenn sie sich freute ihn endlich wieder zu sehen, keimte deshalb ein wenig Wut in ihr auf. Sie biss sich auf die Unterlippe, um nicht etwas Unbedachtes zu sagen.
Er ließ sich auf der andere Seite des Bettes nieder und sah für ein paar Augenblicke still aus dem Fenster. Sakura setzte sich nun auf ihre Knie, beugte sich vor und berührte vorsichtig seinen nackten Rücken mit ihren Fingern, um ihm zu verdeutlichen, dass sie auch hier war.
Keine Reaktion.
Mürrisch fuhr sie seine Schulterblätter nach und hoch zu seinem Nacken. Endlich spürte sie die Bewegung seiner Muskeln unter ihren Berührungen und im nächsten Moment griff er mit seiner Hand nach ihrer.
»Ein 'Hallo' wäre nett gewesen, weißt du?«, fragte sie und versuchte gar nicht erst ihren Missmut zu unterdrücken.
»Hallo«, antwortete er monoton, drückte ihre Hand aber ein wenig fester, bevor er sie wieder los ließ und sich endlich zu ihr drehte.
Sakura beugte sich vor, um ihn besser betrachten zu können, da ihnen der Vollmond von außen nur spärlich Licht spendete, obwohl es eine klare Nacht war.
»Du siehst müde aus«, sagte sie schließlich, nachdem sie ihn eingängig gemustert hatte und strich ihm eine Strähne seiner dunklen und nun recht langen Haaren aus dem Gesicht.
»Hn.«
Sie hob eine Augenbraue. Es war manchmal wirklich anstrengend mit ihm. Gerade dann, wenn er nicht zugeben wollte, dass sein Körper sich nach ein paar Tagen Ruhe sehnte – der einzige Grund, warum er überhaupt zurück nach Konoha kam.
Sakura wusste, dass Versuche ihn zum hier bleiben zu überreden, niemals von Erfolg gekrönt sein würden. Sie fand es schlicht furchtbar ihn jedes Mal aufs neue gehen zu lassen und zu warten, bis er wiederkam, nur, um dann drei Tage nichts anderes zu tun als ihm dabei zuzusehen, wie er schlief, aß, sich auf die nächste Reise vorbereitete und kurz bei Kakashi-sensei vorbei schaute, um Bericht zu erstatten.
Es blieb nicht viel Zeit für sie als Paar, für gemeinsame Ausflüge, Stunden vor dem Fernseher oder einem netten, kleinen Abendessen. Wofür er aber vielleicht auch so kein sonderlich großes Interesse aufbringen würde, selbst wenn er länger hier bliebe.
Ihr Blick wanderte zu seinen Augen, die sogar in diesem fahlen Licht schrecklich müde wirkten – sie konnte dunkle Schatten unter ihnen erahnen.
»Du solltest dich wirklich hinlegen«, sprach sie weiter und wollte sich ein Stück zurück fallen lassen, sodass er sich ins Bett legen konnte. Allerdings griff er nach ihrem Arm und hielt sie so davon ab.
Sie wartete darauf, dass er etwas sagte, aber stattdessen strich er einfach mit seinem Daumen über ihren Unterarm, ihr Blick wanderte nach unten und ein kleines Lächeln umspielte ihre Züge.
»Hast du mir was zu sagen?«, fragte sie neckisch und hob ihren Kopf wieder. Er kam ein Stück näher, sie konnte seinen warmen Atem auf ihren Wangen fühlen und eine Gänsehaut überzog ihren ganzen Körper.
Es waren genau diese kleinen, intimen Momente, die er ihr viel zu selten schenke, wegen denen sie es schaffte so lange auf ihn zu warten.
Geduldig zu sein, obwohl die Ungeduld in ihr schlummerte und versuchte zu keimen. Das Verlangen nach seiner Nähe, seinen Berührungen, zu kontrollieren, die sie jedes Mal in ein Stadium der vollkommenen Zufriedenheit fallen ließen. Sie liebte es, wie sie fühlte, wenn er bei ihr war. Weshalb es schlussendlich sie war, die sich vorbeugte und ihn vorsichtig auf den Mund küsste.
Seine Hand wanderte ihren Arm entlang nach oben und er legte sie schließlich auf ihre Wange, während sie sich noch näher an ihn schob, darauf bedacht, nicht ihr Gleichgewicht zu verlieren.
Viel zu früh lösten sich seine Lippen von ihren und er richtete sich wieder gerade auf. Im Schimmer des Mondlichts konnte sie ein angedeutetes Lächeln erkennen und Schmetterlinge begannen in ihrem Bauch herumzufliegen. Es war einfach wundervoll ihn so vor sich zu haben oder wie vorhin sein Lachen zu hören, dass er ihr nur sehr selten schenkte.
»Und warum hast du vorhin die Matratze gequält?«, fragte er sie plötzlich und Sakura merkte, wie ihr ein peinlich berührter Rotschimmer über die Wangen kroch.
Sie räusperte sich leise.
»Ich kann nicht schlafen, wenn es so heiß ist und das frustriert mich einfach«, gestand sie schließlich und wagte es nicht ihm direkt in die Augen zu blicken. Sein schiefes Grinsen wollte sie erst gar nicht sehen, weil es ihr nicht gefiel, wenn er sich über ihre Macken lustig machte. Obwohl es gleichzeitig jedes Mal einfach atemberaubend war ihn genau dann anzuschauen, wenn seine Gesichtszüge weicher, jünger wurden. Sie konnte nicht oft genug an diese seltenen Momente denken.
»Dann sollten wir vielleicht nicht im selben Bett schlafen«, flüsterte er ihr zu.
Sakura wusste, dass er dabei nur daran dachte, wie ein Körper den anderen aufwärmen konnte, aber ihre Schmetterlinge sanken augenblicklich nach unten und sie spürte wie sich ein großer Stein in ihrem Magen bildete.
»D-das geht schon«, antwortete sie hastig, umschlang seinen Nacken mit ihren Armen und legte die Wange gegen seine. »Siehst du?« Sie wollte nicht, dass er für die Nacht ins Wohnzimmer umzog. Nicht jetzt, wo er ihr seit langem einmal wieder die Gelegenheit gab ihn zu umarmen, seine Nähe zu fühlen und darauf hoffen zu können, dass er neben ihr einschlief, sie vielleicht sogar fest hielt, und am nächsten Morgen gemeinsam mit ihr aufwachte.
Es brauchte keine großen, romantischen Gesten, er sollte seinen Schlaf bekommen – musste er sogar. Aber ein bisschen Aufmerksamkeit, ein paar Augenblicke des Glücks, konnte er ihr nicht verwehren, oder?
»Sakura«, begann er und strich ihr mit seinem Zeigefinger über ihren Rücken. Sie spürte diese sanfte Berührung nur allzu deutlich durch ihr dünnes Top hindurch und ein Prickeln überzog ihre Haut. »Ich bleibe hier. Aber du bist warm.«
Ein Lachen entwich ihrer Kehle als sie sich von ihm löste und sie schob sich eine ihrer widerspenstigen Haarsträhnen hinter das Ohr.
»Also rutsch.«
»Willst du mir etwa einen Befehl erteilen?«, erwiderte sie halb belustigt, halb ernst, machte ihm allerdings platz und wartete darauf, bis er sich neben sie gelegt hatte und sie sich so an seine warme, nackte Brust kuscheln durfte. Sie hörte seinen Herzschlag, spürte die leicht beschleunigten Atemzüge und genoss einfach seinen herben Duft, der ihr in die Nase stieg.
Erneut bildete sich ein kleines Lächeln auf ihren Lippen und sie schloss glücklich die Augen, während er seinen gesunden Arm auf ihre Hüfte legte.
Und auch, wenn ihr immer noch heiß war und der Durchzug es nicht schaffte, die stehende Luft aus ihrem Schlafzimmer zu wehen, machte es ihr plötzlich nichts mehr aus. Langsam kroch die Müdigkeit in ihre Knochen und sie drückte sich noch ein wenig näher an ihn.
»Es freut mich, dass du heim gekommen bist«, flüsterte sie, bereits halb im Schlaf, »auch, wenn du nicht direkt wegen mir zurück gekommen bist, Sasuke.«
Sakura merkte kaum, wie er sich neben ihr anspannte und als er nach einem langen Augenblick sprach, war sie bereits eingeschlafen.
»Du bist wirklich nervig.«