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Sherlock Eats

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„Komm essen, Sherlock.“ John teilte das Rührei auf zwei Teller auf und untersuchte den Salz- und Pfefferstreuer auf chemische Rückstände, bevor er beides bei seinem Essen benutzte.

„Nicht hungrig.“

„Du hast gestern nichts gegessen.“

Schritte aus dem Wohnzimmer, in dem Sherlock hin und her lief. „Ich habe einen Fall, John. Ich esse nichts, wenn ich an einem Fall dran bin.“

John schaute missbilligend, schob dann Sherlocks Rührei auf seinen eigenen Teller.


***


„Ich hab dir ein Sandwich gemacht.“

„Nein.“ Sherlock streckte seine unmöglich langen Beine noch weiter über die Sofakissen und presste seine Fingerspitzen gegen die Schläfen. „Ich kann jetzt nicht übers Essen nachdenken.“

John brachte ihm trotzdem das Sandwich und schmiss es Stunden später unangerührt in den Müll.


 ***


„Ich koche heute Abend und ich meine richtiges Kochen und ich erwarte, dass du etwas isst.“ John stellte die Tesco-Taschen auf den überraschenderweise sauberen Küchentisch. „Wenn du Hühnchen und Klöße nicht magst, solltest du mir es jetzt sagen – dann kann ich mir noch etwas anderes ausdenken, wenn du willst.“

Sherlock steckte seinen Kopf durch den Kücheneingang. „Wieso bist du so erpicht darauf mich zu füttern, John? Mir geht’s gut.“

„Dir geht’s verdammt noch mal nicht gut. Du hast zwei Tage nichts gegessen. Und ja, ich weiß, dass du die meiste Zeit davon in deinem verdammten Gedächtnispalast verbracht hast, aber da isst du ja auch nicht. Dein Gehirn kann ohne Treibstoff nicht laufen – das weißt du sicherlich. Oder hast du das gelöscht?“

„Ich denke besser, wenn ich hungrig bin.“

„Nein, tust du nicht.“ John setzte den Topf auf den Herd, um das Wasser zum Kochen zu bringen und nahm das Schneidebrett und fing mit dem Hühnchen an. Als er sich wieder umdrehte, sah er wie sich Sherlock theatralisch auf das Sofa fallen ließ in seiner „Lass mich in Ruhe, ich denke nach“-Pose. Verdammte Dramaqueen.

Die nächste Stunde verbrachte John mit dem Kochen, genoss das Gefühl von Mehl an seinen Händen und den Geruch von dampfender Hühnerbrühe. Hühnchen und Klöße war kein besonders schweres Gericht, um ehrlich zu sein. Es war nur ein zeitaufwändiges. Eine nette Abwechslung von der Praxis – keine Eile, keine Genauigkeit erforderlich, einfach das Hühnchen kleinhacken und es in den Topf werfen und dann den Klößchenteig mixen und sie dazugeben. Es roch himmlisch, und John dachte sich, wenn Sherlock jetzt nicht hungrig war, dann war er vielleicht wirklich ein Roboter, wie Donovan ihn immer beschuldigte zu sein.

„Komm essen,“ rief er, sobald er fertig war.

Sherlock drehte sich auf dem Sofa herum. „Ich sagte dir schon, dass ich nicht hungrig bin.“

„Doch, bist du.“

Stille.

John lehnte sich gegen den Türrahmen und dachte nach. Wenn Sherlock schlechte Laune hatte, war es nicht leicht, ihn zu etwas zu überreden, aber das wurde lächerlich. John hatte viel Mühe in die Zubereitung des Essens gesteckt – naja, Zeit, und es war unverschämt von Sherlock, ihn durch und durch zu ignorieren. Wenn es doch nur eine Möglichkeit, gäbe ihn zu konditionieren –

Wie ein Geistesblitz kam ihm die Idee, wie er sie sonst nur bei seinem Mitbewohner sah.

„Sherlock, du bist schwul, oder?“, fragte er so beiläufig wie er nur konnte.

Sherlock wurde regungslos und drehte sich um ihn anzuschauen. „Woher kam das?“

John zuckte mit den Schultern. „Einfach – bist du doch, oder nicht?“

Sherlock nickte langsam. „Wenn du eine Bezeichnung willst, ist diese so gut wie jede andere.“

„Und du hattest vorher einen Orgasmus. Mit einem Mann.“

"Das ist ein ziemlich großer Part an dieser Definition, ja." Sherlock drehte sich auf dem Sofa ganz in Johns Richtung. „Obwohl da nicht nur ein Mann war, wenn du schon pedantisch sein möchtest. Warum? Du bist nicht homophob, und selbst wenn du es wärst, wäre es jetzt etwas spät, um damit anzufangen.“

„Und du empfandest Sex im Allgemeinen als eine positive Erfahrung, nehme ich an?“
Sherlock kniff die Augen zusammen. "Sicher brauchst du mich nicht, um die Neurochemie zu erklären, die in einen Orgasmus involviert ist."

John biss sich auf die Lippe und nickte. „Also gut. Ich meine, nein, ich habe die Medizinische Hochschule tatsächlich besucht, und ich weiß über die Neurochemie Bescheid.  Ich wollte nur sicher gehen, dass ein Orgasmus eine angemessene positive Bestärkung für dich wäre.“

Sherlock schaute so aus, als wollte er etwas sagen, aber stattdessen schloss er seinen Mund wieder und blinzelte einige Male.

Nun, er schreit wenigstens nicht. John stellte sich gerade hin und kreuzte die Arme und versuchte, nicht so nervös darüber auszusehen, wie er sich gerade fühlte. „Wir werden so vorgehen,“ gab er bekannt, „du wirst von dem Sofa aufstehen und mit mir am Küchentisch platznehmen wie eine zivilisierte Person. Ich werde dir eine Schüssel mit Hühnchen und Klößen geben und du wirst sie essen.“ Er hielt eine Hand hoch um Sherlocks sofortigen Protest zu unterbinden. „Das ist der konditionierte Stimulus.“

John konnte die Rädchen, die sich in Sherlocks Kopf drehten förmlich sehen. „Klassische Konditionierung?“ fragte Sherlock endlich.

John senkte den Kopf als Zustimmung. „Der unkonditionierte Stimulus wird wortwörtlich Stimulation sein – meine Hand an deinem Schwanz, dir einen Orgasmus zu verschaffen, solange wie du isst. Wenn du kommen willst, musst du nur so viel essen, bis es passiert.“

Sherlock schaute missbilligend, aber seine Augen strahlten. „Du willst mich darauf konditionieren, dass ich geil werde, wann immer ich esse?“

„Zu versuchen dich hungrig zu machen hat nicht funktioniert, also dachte ich, dass wäre der nächste logische Schritt.“

Es klang ohne jeden Zweifel lächerlich, wenn er es so ausdrückte, aber Sherlock sah nicht so aus, als würde er eine kränkende Bemerkung vorbereiten. Er sah eher danach aus, als würde er es ernsthaft in Betracht ziehen, um ehrlich zu sein. „Warum würdest du es wollen?“ fragte er schließlich.

Das gleiche Frage ich mich auch. John fühlte wie sein eigenes „nicht schwul“-Label ein bisschen verblasste, aber im Moment hätte es ihm nicht weniger am Arsch vorbeigehen können. „Vielleicht möchte ich einmal bestimmen, wo es langgeht“, antwortete er. „Oder vielleicht möchte ich auch nur sehen, wie du kommst. Vielleicht bin ich am Ende doch schwul. Wer zum Teufel weiß das schon? Ich will einfach nur, dass du isst.“

Sherlock wartete einen Moment länger, stemmte sich dann aber plötzlich vom Sofa hoch. „Also gut. Ich denke, ein paar Bissen könnte ich schaffen.“