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Hey, mein wunderschöner Engel... Schläfst du schon wieder, während ich dich hier besuche? Was machst du in meiner Abwesenheit... versuchst du zu fliegen? Oder erschöpfe ich dich zu sehr?

Heute habe ich dir was Neues mitgebracht: Eine Schale mit auserlesenen Früchten wie Trauben und Kirschen – sogar ein paar Pfirsiche habe ich auftreiben können. Ein Hauch von Luxus in einer Wüste voller Felsen und Eis, der dir hoffentlich ein bisschen gefällt. Nächstes Mal werden es ein warmer Mantel und eins von diesen langen Gewändern sein, die du immer getragen hast, denn die häufigen Schneestürme machen dir Schwierigkeiten. Ich sehe es an deiner Haut, wo dein türkiser Fetzen Stoff es nicht verbirgt.

Mein einflügeliger Engel... für mich lässt du Sonne und Mond aufgehen, und mich schmerzt die Gewissheit, dass du diese Liebe niemals erwidern wirst.

Komm schon, öffne deine Augen. Auch wenn sie mich wieder kalt und ablehnend anschauen, ich möchte mich in ihnen spiegeln, wissen, dass ich es bin, den du siehst. Du runzelst die Stirn... träumst du?

„Ai shiteru...“

Siehst du, Tetei? Die Worte kommen über meine Lippen, bevor ich darüber nachdenken kann. Aber es ist richtig so, keine Lüge. DU bist der Meister der Täuschung, nicht wahr? Und während ich durch dein Haar streiche, wünsche ich mir, dass – wenn auch nur ein Funke – Wahrheit hinter dem war, was du mich glauben ließest. Ein törichter Wunsch, ich weiß. Aber sind wir nicht alle Toren, wenn wir verliebt sind? Sogar dein geliebter Laures wird zum Idioten, wenn es um seine Hilda geht…

Ich möchte dich mit Blumen überschütten wie ein alberner Galan – welche Ironie, ich bringe dir jeden Tag eine von Karôn, damit du nicht noch einmal vor meinen Augen stirbst – und dann mit dir drin liegen und Liebe mit machen. Die Art von Liebe, die von beiden kommt, die kein Gestern und kein Morgen kennt. Ich möchte in deinem Duft baden, meine Finger in deinen verschränken, während unsere Körper erhitzt gegeneinander reiben... Aber alles… alles was ich tun kann, ist, dich mit meiner Eifersucht überschütten, die Wunde aufreißen, die niemals verschwindet. Ich zwinge deine Lippen auf, genauso wie deine Schenkel, verschlinge dich, wie der Wolf seine Beute...

Ergib dich mir. Bitte. Gib dich mir hin, sonst verliere ich den Verstand. Ich kann nicht anders, bin grob und ungeschickt, rau wie der Schneesturm hier, selbst wenn ich sanft sein will. Aber ich bin fähig zu lieben, DICH zu lieben. Wozu brauche ich Erlösung? Ich will dich, und ich werde dich haben, ganz egal was passiert. Ich werde dir alles geben, was ich habe, solange du nur bleibst. Ich weiß, ich habe vorerst nur mein Herz, das ich dir geben kann… nicht viel in einer Welt voller Kriege, aber…

Warum wendest du dich ab? Tetei…

Ich zittere, wenn ich an dich denke, meine Wangen glühen, und mir wird heiß. Kennst du diese Gefühle, Tetei? Weißt du, wie es sich anfühlt, wenn man neben jemandem sitzt und ihm beim Schlafen zusieht, so wie ich es gerade tue? Wie vorsichtig Finger sind, die über den Nasenrücken streichen und wie zärtlich über die Unterlippe...?

Aaaah... Nun schlägst du die Augen auf. Ich möchte dir so gerne was sagen, etwas, das dich lächeln lässt, aber ich kann nicht so schöne Worte machen, wie du sie vielleicht zu hören gewohnt bist oder zu hören wünschst.

„Wie lange sitzt du schon hier und starrst mich an, Zâdei?“

Hm, charmant wie immer. Aber ehrlich gesagt… keine Ahnung. Vielleicht eine kleine Ewigkeit. Deine Stimme lässt mir kleine Schauer den Rücken hinunterlaufen, weißt du?

„Wenn ich bei dir bin, kann ich alles um mich rum vergessen“, gestehe ich dir. „Sogar der Schneesturm verliert seine stechende Kälte.“

„Ich schätze, dein Umhang wärmt auch ohne mein Zutun sehr gut.“

Ich mag die hintergründige Ironie deiner Worte nicht, Tetei. Die amüsierte Karikatur eines angedeuteten Lächelns in deinem Gesicht erinnert mich zu sehr an Laures.

„Auf dem liegst’e.“

Erstaunen malt sich auf deinen Zügen, eine Regung, die ich ihrer Seltenheit wegen mag. Unfähig, mich zurückzuhalten, beuge ich mich über dich und raube dir einen Kuss. Zuerst spannst du deinen Körper an, dann zwingst du ihn, weich und nachgiebig zu werden... Hast du Angst vor dem, was ich dir gleich antun werde? Es tut auch mir weh, aber was kann ich tun?

Beinah apathisch liegst du da, erlaubst meinen Händen über deinen Körper zu streichen, so sanft ich es vermag, um dir wenigstens EINEN Laut des Gefallens zu entlocken. Doch du schließt nur deine Augen, zitternd und mit klappernden Zähnen... Ich erinnere mich, auf meinem ersten Streifzug hier eine Höhle mit einer heißen Quelle gefunden zu haben. Kurz entschlossen hebe ich dich hoch und trage dich dort rein – wenn du dich schon fürchtest, musst du nicht auch noch frieren, denn zumindest vor dem Wind schützen die mit glitzernden Salzkristallen bedeckten Wände.

Wieder breite ich meinen wasserdichten Umhang dort aus, wo ich dich Kunstwerk von einem Dämon absetze, nahe dem Wasser, wo es am wärmsten ist. Schweigend beobachte ich, wie du in der Wärme aufblühst, wie die geröteten und bläulichen Stellen auf deiner Haut, soweit ich sie sehen kann, wieder ihren porzellanfarbenen Ton annehmen und dieses fürchterliche Zittern aufhört. Trotzdem lässt du mich nicht aus den Augen, immer noch verwundert dreinblickend. Fällt dir die geheimnisvolle Schönheit deiner Umgebung nicht auf? Die hellen Wände glitzern, und das heiße Wasser in der Quelle schimmert im restlichen Tageslicht so blaugrün wie deine Augen. Durch ein Loch in der Decke fallen Lichtstrahlen genau dorthin.

„Du siehst überrascht aus, Tetei“, sage ich grinsend, nachdem ich mich aus Gewohnheit kurz umgesehen habe. „Wieso?“

„Ich hätte nie gedacht, dass es dich kümmert, ob mir kalt ist oder nicht“, antwortest du ruhig und völlig unbeeindruckt.

Ich kann nicht anders und kauere mich über dich, küsse dich rau, um das Begehren zu besänftigen, das in mir tobt. Mein sollst du sein, nur mein, ich verfluche das Schicksal, das uns zusammengeführt hat und die Entfernung, die ich niemals überwinden kann. Wieder wird dein Körper nachgiebig, keine Hand kommt, um mich aufzuhalten oder sich mir in den Weg zu stellen. Wie leblos hältst du still, den schönen Kopf zur Seite gedreht, die Augen geschlossen.

Nein! Heute will ich nicht blindlings drauflos preschen, heute will ich wissen, wie du schmeckst, wenn du mir die Kehle hinunterrinnst, ich will deine Beine um meine Hüften geschlungen fühlen, während du vor Verlangen bebst! Und dieses Mal wirst du mich ANSEHEN, verdammt, du wirst nicht deine Stirn auf die Unterarme stützen und warten, bis alles vorbei ist! Diesmal wirst du es sein, der sich nach mehr sehnt und deine grausame Kälte vergessen!

Ich bin selbstsüchtig, ich weiß. Aber ich glaube daran, dass es möglich ist...

Und so zügele ich meine Ungeduld und wende mich dem zu, was ich zwar nicht besonders gut kann, was jedoch von Nöten ist. Deshalb wird mein Kuss sanfter und meine menschlich scheinende linke Hand liebkost die weiche Fläche deiner sahnigen Haut.

Mmh... sie schmeckt nach Schnee und Wind... dein langes Haar riecht wie Jasminblüten.

Meine Lippen gleiten tiefer, deinen Hals hinunter, und du hältst den Atem an. Angst? Fürchtest du mich, mein Engel? Niemand hat mehr Grund dazu als du, obwohl gerade du es nicht sollst.

Ich lege meinen Kopf auf deine Brust und höre deinem Herzschlag zu, diesem wundervollen Pochen, das in mir seinen Widerhall findet. Sein Rhythmus wird schneller, als ich verspielte Muster auf dein Schlüsselbein, den Brustkorb und die Bauchmuskeln male. Dein Atem stockt kurz, dann wird er schneller… Das gefällt mir. Als meine Fingerspitzen gegen deinen Bauchnabel streifen, stöhnst du leise. Noch immer kann ich nicht sagen, ob aus Angst oder ob dir gefällt, was ich mit dir tue.

Ich lege meine Hand flach auf deine Haut, die nun warm geworden ist und spreize die Finger so weit wie möglich, um so viel von dir zu spüren wie es nur geht. Durch weniger angenehme Erfahrungen weiß ich, dass die Haut unterhalb des Nabels, an der Hüfte und vor allem an der Innenseite der Oberschenkel am empfindsamsten ist, deshalb streicht meine Linke langsam sanft darüber hinweg. Vor und zurück... Der Erfolg meiner Bemühungen reckt sich mir langsam entgegen und verrät dich genauso wie deine zusammengepressten Lippen, die ein weiteres Stöhnen unterdrücken sollen. Nun, wir werden sehen.

Dein Atem entweicht dir zitternd, und deine Finger krallen sich in den salzigen Boden, während ich scheinbar entspannt neben dir liege und meine Hand dich erforschen lasse. Ich kenne die Hitze, die diese Berührungen entfachen, weiß, wo sie sich sammelt. Doch ich werde ihre Mitte nicht einmal mit meinen Fingerspitzen streifen, wenn du mich nicht darum bittest, wenn du es nicht willst. Du warst es, der diese Form der Liebe „schmutzig“ genannt hat, doch dein Körper bebt wie meiner. Noch habe ich mich unter Kontrolle...

„Hnnngh...“

Du bäumst dich auf, meiner Hand entgegen, eine Strähne deiner Haare klebt feucht an deiner Stirn Hilflos wirfst du die Arme über den Kopf, während deine kalte, dunkle Stimme heiser aus deiner Kehle hervorbricht. Ich mag den dunklen, leicht samtigen Klang, den sie jetzt hat. Gefällt dir, was ich tue? Oder bist du immer noch weit weg in Gedanken bei Laures, diesem Bastard?

„Zâdei...“

Ein Windhauch flüstert meinen Namen, verrät, dass du tatsächlich hier bei mir bist, selbst in Gedanken. Doch deine folgenden Worte verblüffen mich.

„Bitte... bitte unterlasse ein... weiteres Vorgehen...“, flüsterst du scheu. „Erniedrige dich... nicht weiter...“

Was ist demütigend an dem, was ich tue? Ich mache es gern, und du belohnst mich dafür mit einem Anblick, der alles wert ist.

„Warum kümmert’s dich so sehr?“, will ich von dir wissen und lehne mich über dich, um keine Regung in deinem Gesicht zu verpassen.

Dein Blick ist zwar verschleiert, trotzdem schaust du mich an. Was versuchst du in meinem Gesicht zu lesen, wonach wägst du deine Antwort ab? An deinem Zögern sehe ich, wie verlegen du bist, wie ratlos.

„Was du zu tun beabsichtigst, ist schmutzig“, rückst du schließlich mit der Sprache heraus, noch leise, aber nicht kleinlaut. „Es ist brutal und barbarisch. Warum willst du mich, wenn dir die Liebe zu einer Frau wesentlich mehr Annehmlichkeiten bereiten kann?“

„Vielleicht reizt's mich ja am meisten, was zu erobern, was als uneinnehmbar gilt?“, versuche ich zu scherzen. „Frauen haben nun mal das Pech, dass sie nicht halb so aufregend sind wie du.“

Obwohl sie auch ihre Vorzüge haben. Dennoch…

Ich werde dir nicht sagen, dass ich dich liebe, nicht noch einmal. Ich möchte dir nicht noch mal so viel Macht in die Hände legen, dir, der mich mit einem Wort, mit einer Geste vernichten kann.

„Aber reicht es dir, wenn du dir nur meinen Körper gefügig machst?“

NEIN!!! Ärger brodelt in mir hoch, bevor ich es verhindern kann. Deine übliche Kälte hat dich wieder, die ich so hasse. Du zitterst nicht mehr, nur ein leichter Rotschimmer ziert noch deine Wangen. Außer mir vor Wut unterwerfe ich dich, nehme dich ohne Rücksicht, während deine gequälten Schmerzensschreie von den Wänden widerhallen.

Wie leblos hängst du dann in meinen Armen, schweißüberströmt, die Zähne fest zusammengebissen, um jeden weiteren Laut zu ersticken. Dein Atem geht betont ruhig und gleichmäßig aber zischend, wohingegen ich mich dafür verabscheue, dir schon wieder Gewalt angetan zu haben. Wenn ich jetzt ganz still halte, flaut der Schmerz in deinem Inneren dann vielleicht ein wenig ab?

„Warum tust du das?“

Deine leise Frage reißt mich aus meinen trübsinnigen Gedanken, und ich verstehe nicht gleich, was du meinst.

„Weil ich nicht anders kann“, antworte ich, auch wenn ich pathetisch klinge. „Ich will alles von dir, nicht nur deinen Körper... Und ich will, dass du MICH willst.“

„Wie kannst du, obwohl du weißt, dass nichts für dich zurückkommt?“

Du bist so süß, wenn du versuchst, Dinge zu ergründen, die ich selbst nicht mal verstehe. Jeden Tag komme ich zu dir, um dir mit Karôns Blume einen weiteren Tag Leben zu bringen, obwohl du Widerstand leistest, manchmal wegläufst oder dich versteckst... Manchmal liegst du auch nur einfach schlafend auf dem Boden oder ignorierst mich. Ich wünschte, ich könnte deine Brust aufbrechen und dir die Liebe aus dem Herzen reißen, aber nach der Sache mit deinem Flügel lassen wir das mal lieber. Nicht einmal mein Siegel über deinem Herzen hat dich die Loyalität zu Laures vergessen lassen, trotz der Tatsache, dass es dich töten würde, wenn du mich verrätst.

Ich bin willens, sogar die Demütigung, auf der Seite der Menschen zu kämpfen, zu ertragen – diese Momente, in denen ich dich sehen und in den Armen halten kann, sind mir genug. Na ja... eigentlich belüge ich mich selbst, aber wenn ich meine Augen davor verschließe, kann ich mich der Hoffnung hingeben, dass wir nur Zeit brauchen, bis wir...

Eine kleine Bewegung deinerseits, weil du aufrichtest, erinnert mich an das Verlangen in dir, das noch nicht gestillt worden ist und nun intensiver als vorher zurückkehrt. Was fühlst du, Tetei?

Noch immer in dir und hart drehe ich uns beide, damit du auf meinem Schoß sitzt. Meine rechte Hand streicht durch dein Haar, die Finger trennen einzelne Strähnen von flüssigem Silber, ein sanftes Ziehen, kein Reißen. Mit meiner anderen Hand umfasse ich vorsichtig dein Kinn, damit du meinem Kuss nicht ausweichen kannst. Zuerst wehrst du dich, legst die Handflächen auf meine Brust und drückst dagegen, dann aber lässt du es zu. Meine Hände streichen über die weiche Haut deines Rückens, und ich bewege meine Hüften ein wenig, hebe dich mit meinem Becken hoch. Du bist nicht schwer, streichst jedoch mit deinen heißen Muskeln über mich, dass es mich bald vor Verlangen schüttelt.

Als ich dich stöhnen höre, öffne ich meine Augen und sehe den Rotschimmer auf deinen Porzellanwangen, den verschleierten Blick. Du bist genauso erregt wie schön, jeder Zoll deines Körpers verrät es, und du wirst noch ein wenig mehr rot, als du siehst, dass ich es bemerke. Aufregend...

Ich lege uns beide zurück auf den Umhang, froh darüber, dass du nicht alles vom felsigen Boden in deinem Rücken spüren wirst. Die Bewegung meiner Hüften bleiben langsam, werden aber tiefer, während ich mich auf den Unterarmen abstütze, damit du nicht mein ganzes Gewicht tragen musst. Ich will dir nicht die Rippen brechen, nur die Wärme deiner Haut spüren, wo immer es geht.

Jaaa... schling deine Arme um mich, mein Engel. Halt’ mich fest. Ich werde sterben, ich weiß es. Wenn du danach wieder aus deinen kalten Augen auf mich herabschaust, werde ich tot sein. Du hast mich in der Hand...

Unsere Haut reibt gegeneinander, glänzend von Schweiß atmen einander in den Mund, hungrig gewordene Küsse unterbrechend. Du hast deine Beine um mich geschlungen, wie ich es mir immer erträumt habe, und doch fühle ich mich jetzt wie in einem reißenden Fluss, schwach, kurz vor dem Ertrinken. Tetei, mein Engel...

„Hnngh... aaah...!“

Dein Körper zuckt, du bäumst dich auf, alle Muskeln ziehen sich zusammen, danach kann ich nichts mehr sehen, nichts mehr hören, fühle nur noch, wie auch ich die Klippe erreiche und hinunterstürze, schneller als jemals zuvor. Wieder und wieder ergieße ich mich in dich, beschmutze meinen Engel mit der Saat eines Dämons. Meine Arme geben nach, und ich breche auf dir zusammen, kann mich nicht mal mehr zur Seite rollen.

Es dauert eine Weile, bis sich unser Herzschlag wieder beruhigt hat und noch länger, bis einer von uns beiden etwas sagt.

„Warum hast du das getan?“

Mein umnebeltes Gehirn versteht deine ruhig gestellte Frage nicht.

„Warum hab’ ich was getan?“

„Warum willst du meinen Körper unbedingt dazu bringen, alles, woran ich glaube, zu verraten?“

Das beunruhigt dich, ja? Ich kann nicht anders: Grinsend schaue ich dich an.

„Vielleicht wollt’ ich wissen, ob’s geht.“

„Und nun bist du zufrieden?“

Das klingt, als ob du verärgert darüber bist, außerdem verziehst du gereizt das Gesicht. Mit einem Finger fahre ich über meinen Bauch, wo deine Erregung ihre glänzende Spur hinterlassen hat und lecke den Finger ab.

„Macht Appetit auf mehr.“

Ich schätze, ich bin ein hoffnungsloser Fall.

„Darüber macht man keine Witze.“

Vielleicht. Ich drehe mich auf den Rücken und ziehe dich mit mir, nehme dein wunderschönes Gesicht in beide Hände und küsse dich mit wachsender Begeisterung.

Manchmal trifft man Wesen, die es wert sind, jeden Stolz und jede Ehre wegzuwerfen. In deinen Augen mag ich arm sein, doch genau in diesem winzigen Moment bin ich glücklich, obwohl ich weiß, dass er nicht lange andauern wird.

Chapter Text

Warum kannst du es nicht sein? Ich will dir geben, was du dir ersehnst und brauchst, aber wie kann ich das, wenn ich nicht weiß, was es ist? Warum bist du, selbst wenn wir einander so nah sind, so weit weg?

KANN ICH DENN GAR NICHTS TUN?

Das Verlangen flammt wieder in mir auf, als ob mein Körper meinen Verstand von solchen trübsinnigen Gedanken abhalten will. Überall ist Krieg, bei den Menschen genauso wie in MaKai – nur hier in dieser Höhle ist Frieden. Ist dir ersteres etwa lieber, du schöne Kreatur, zieht es dich dorthin? Kann ich dir wirklich gar kein Gefühl der Zuneigung entringen?

„Woran denkst du, Zâdei?“

Eeh? Willst du das wirklich wissen, obwohl du völlig gleichgültig dreinschaust?

„Daran, dass ich bald zurück muss“, seufze ich.

Du krümmst still eine Augenbraue. Glaubst du mir nicht? Du kennst den Grund, warum ich für dein Leben zahle, nur den Preis dafür werde ich dir niemals sagen können.

„Warum lässt du mich nicht einfach sterben?“, forschst du weiter, nicht willens nachzugeben, bis du eine Antwort hast, die dich und deine Vernunft zufriedenstellt. „Du gewinnst nichts dabei, und ich bin nicht von Nutzem für dich.“

Noch immer liegst du auf mir und nachdem du alles ins Rollen gebracht hast, glaubst du so was? DU warst es, der den Kampf eröffnet hat, in dem Augenblick, als du mich freigelassen hast! Du dienst mir nicht, um Laures zu vernichten, das stimmt. Aber du meinst, nutzlos für mich zu sein? DU bist der Grund dafür, dass ich will, dass wir BEIDE leben!

Ein Hauch von Bedauern hat deine Stimme gefärbt, den ich auch irgendwo in deinen meergrünen Augen zu finden glaube. Merkst du, wie schwer mir das Lachen fällt, in das ich meine Worte jetzt kleide?

„Du gehörst MIR, also stirbst du erst, wenn ICH es erlaube!“

Ich bin ein selbstgerechter Bastard, ich weiß. Du hasst mich für das, was ich dir antue, und doch bist du wehrlos dagegen...

Du bist so schön... ob hochmütig oder überrascht, gleichgültig oder wütend. Ich will dich...

Wie zufällig streift mein Blick zu den Früchten, bei deren Auswahl ich mir so viel Mühe gegeben und die ich nicht vergessen habe. Sie stehen nicht weit von uns, und so streck’ ich meinen Arm aus, um einen der Pfirsiche zu nehmen, breche ihn vorsichtig in kleine Stücke, um dich damit zu füttern. Auch wenn du es nie zugeben würdest – du musst Hunger wie ein Flugdrache haben. Dass du dir dieses kleine Spielchen gefallen lässt, beweist es. Du bleibst sogar auf mir liegen und stützt dich mit verschränkten Armen auf meinem Brustkorb ab, erlaubst, dass sich meine Arme für jeden weiteren Bissen erneut um dich schlingen – nachdem der Versuch, mir eine Hälfte aus der Hand zu nehmen, um selbst abzubeißen, gescheitert ist. Auf die Idee, mir in den Finger zu beißen, bist du zu meinem Glück noch nicht gekommen.

Ooooh, dir läuft Saft am Kinn runter... Grinsend ziehe ich deinen Kopf zu mir runter und lecke die süße Flüssigkeit auf, bevor deine Hand mir zuvorkommt. Meine Zunge legt eine feuchte Spur dein Kinn entlang, die Kehle runter, während meine Hände dich an ihrem Platz halten, auch wenn du Widerstand leistest.

„Zâdeiiiii...“, zischst du zappelnd.

„Ein Engel mit Pfirsichgeschmack, da kann ich einfach nich’ anders“, verteidige ich mich halbherzig und grinse.

„Ha ha“, entgegnest du zynisch.

Verstehst du wirklich keinen Spaß, oder willst du bloß nicht? Gern kannst du Gleiches mit Gleichem vergelten, aber du weigerst dich stur. Also beschränke ich mich missmutig darauf, dich zu füttern… was auch seinen Reiz hat. Du hast so einen schönen Mund…

Während ich stumm beobachte, wie du sorgfältig kaust, frage ich mich, wo deine Leidenschaft für Laures herkommt und ob du wirklich in ihn verliebt bist. Du bist nichts weiter als eine schöne, geschickte Marionette für ihn, der sich in seine Traurigkeit einhüllt wie in einen Mantel, weil seine Elise wegen ihm starb. Ja, auch ich kenne die Geschichte, und ich gönne ihm das Leid, das er empfindet, weil in EINEM MaKai für uns beide kein Platz ist.

Warum? Alles wonach ich strebe, ganz gleich was, dieser halbmenschliche Bastard besitzt es schon. Ihm gehört das Reich, die Macht, die Anerkennung, er hat die Wiedergeburt seiner Liebsten, und er hat DICH. Mir bleibt nur der Staub unter seinen Stiefeln.

Und du hast Schachrade gespielt, als du mich befreitest, hast keinen einzigen Gedanken an dein Werkzeug verschwendet, das du mit deiner Schönheit und deinen Lügen betörtest, bis du hattest, was du wolltest. Ich hasse dich dafür.

Nein. Genau das ist das Problem.

Aber ich verabscheue mich dafür, dass ich es nicht kann. Gefangen in einer Spirale aus Hass und Lust, Bedauern und Liebe kann ich nichts tun, außer mich der Illusion hingeben, dass du irgendwann selbst erkennst, wieviel mehr echte Zuneigung einem Herrscher vorzuziehen ist, dessen Ziele das Reich nicht betreffen...

„Du schweifst mit deinen Gedanken ab, während ich in deiner unmittelbaren Nähe bin?“, spottest du leise. „Das ist ungewöhnlich für dich.“

Es tut weh, wenn man sich ignoriert glaubt, hm? Wenn ich noch andere Dämonenengel sehen würde, wären die dann auch so schön wie du? Was hast du an dir, dass es mich gerade nach dir verlangt? War es die sprichwörtliche Liebe auf den ersten Blick?

Ich merke, wie sich meine Lippen zu einem Lächeln verziehen, spüre wieder die Verführung, deiner leichten Last auf meiner bloßen Haut, das erregte Kribbeln, das meinen Körper erwartungsvoll durchläuft, bis hin zu den Zehenspitzen. Fragend streichen meine Hände deinen Rücken hinunter, bis hin zu deiner entzückenden Kehrseite.

Sie bleiben dort liegen, knapp über deinen Schenkeln, und du schließt verlegen die Augen. Gekränkt über deine Ablehnung bleibe ich so lange still liegen, bis du etwas sagst...

Allerdings hätte ich wissen müssen, dass deine Geduld beharrlicher ist als meine, und so hebe ich meine Linke und streiche damit vorsichtig durch die schimmernden, weißen Federn deines Flügels. Du kannst mit ihnen töten... sind sie auch scharf? Nein, aber unheimlich flauschig. Ich bin so damit beschäftigt, diesen Gegensatz von Schönheit und Gefahr zu erforschen, dass ich das leichte Beben, das deine zierliche Gestalt durchläuft, beinah nicht bemerke. Ein kaum wahrnehmbares schnurrendes Geräusch aus deiner Kehle verrät dich – und mir, wie empfindlich die großen Schwingen sind, von denen ich dir im Zorn eine nahm.

Dein Kopf liegt zu Seite gewandt auf meiner Brust, trotzdem sehe ich, wie du dir verstohlen die Lippen leckst. Lust auf mehr? Lass es mich wissen...

Was geschieht, wenn ich mit zwei Fingern deine Wirbelsäule hinabfahre? Ganz, ganz langsam... Du windest dich auf mir wie eine Schlange, reibst jeden Zoll deines Körpers gegen meinen und stöhnst leise. Meine Klaue liebkost immer noch deinen intakt gebliebenen Flügel, und deine Hände krallen sich rechts und links neben meinem Kopf in den Boden. Dem feinen Schweiß, den ich auf deinen Oberarmen und deiner Schulter sehe, geht der Geruch von Sahne, Eis und Wind aus, dein Geruch, den ich zu begehren gelernt habe. Mmmmmh...

Meine Lust, dich ein zweites Mal zu nehmen, wächst. Nachdem ich mich dir immer aufgezwungen habe, ist das hier eine reizvolle Entdeckung, denn trotz deiner kalten Fassade sehnst du dich wohl doch nach der Ekstase, der deine Sinne jetzt entgegenfiebern. Ich hätte nicht gedacht, dass die Flügelansätze von Dämonenengeln so empfindlich sind. Wie lange wird dich dein Stolz noch davon abhalten, mir zu sagen, was ich machen soll? Dein Atem geht zischend, wenn du ihn zwischen zusammengebissenen Zähnen hervorstößt, und ich höre den salzigen Felsboden zwischen deinen Fingern knirschen, als du deine schmalen Hände zu Fäusten ballst.

Aufgeheizt küsse ich dich, und du lässt es zu. Wie lange hältst doch noch durch? Mmh... Pfirsich und Teteiii...

Völlig perplex registriere ich, wie deine Hände plötzlich meinen Kopf festhalten und DU die Führung übernimmst. Mein eiskalter Engel, dein Atem ist heiß, die Bewegungen deiner Hüften hektisch, du plünderst mit deiner Zunge meinen Mund, mit einer Raffinesse, die ich nie erwartet hätte. Ein sinnliches Vergnügen, dem ich mich zuerst verblüfft, dann begeistert ergebe. Ich bin hilflos, es ist, als würdest du das Leben selbst aus mir trinken.

Und wenn schon. Scheiß drauf.

Wie jemand, der ertrinkt, versucht, seinen Kopf aus dem Wasser zu strecken, zerrst du deinen ebenfalls hoch, unseren Kuss abrupt unterbrechend und laut keuchend. Was hast du? Plötzlich erstarrt deine ganze Gestalt, und du blickst aus unergründlich schimmernden Augen auf mich herab, die Porzellanwangen gerötet.

„Ist es das, was du willst?“, fragst du heiser.

Ein Schauder rieselt mir über den Rücken, eine ungute Vorahnung.

„Einen leidenschaftlichen Engel?... Ist das der Grund... weshalb du mich nicht sterben lässt, obwohl du mich bereits zweimal getötet hast?“

Deine Worte können schlimmer sein als Peitschenhiebe, weißt du das? Versuchst du, mich ihnen zu verletzen, so wie ich dich verletzt habe?! WAR DAS ALLES EBEN NUR GESPIELT, UM MIR ZU GEFALLEN?!?

So kalt und berechnend kannst nicht mal du sein.

Ich überlege flüchtig, ob ich dir eine runterhauen, dich vergewaltigen oder dir den Kopf, beziehungsweise auch noch den zweiten Flügel abreißen soll. Was habe ich getan, um von Anfang an so von dir behandelt zu werden...?

Bevor ich mir noch etwas anderes überlegen kann, habe ich dich mit einer einzigen Drehung auf die Knie befördert, ziehe grob deine Hüften an meine und spieße dich regelrecht auf. Liebe, Wut und Sex sind eine explosive Mischung, und ich stoße wie von Sinnen in deinen widerstandslosen Körper, so heftig, dass du fast nach vorne umkippst. Du schreist nicht einmal, keuchst nur.

Blut läuft deine hellen Schenkel hinunter – es kümmert mich nicht. Deine Knie und Handflächen werden aufgescheuert sein – na und? Du hast den Kopf gesenkt, weshalb ich dein Gesicht nicht mal ansatzweise sehen kann... als ich erneut meinem Samen in dich pumpe, reiße ich dich an deinen silbernen Haaren hoch zu mir und zerdrücke deine Lippen mit meinen, wie die Blütenblätter einer gottverdammten Blume.

Dann stoße ich dich stoisch stillhaltendes Ding angewidert von mir, weder besänftigt noch zufrieden, aber erschöpft und verletzt. Wie ein ramponiertes Spielzeug liegst du da, geschändet, schmutzig und am ganzen Leib zitternd wie Espenlaub. Wieder bleibt dein Gesicht unter dem Schleier deiner Haare verborgen.

„Du fragst, was ICH will?“, knurre ich dich an, auch wenn du nicht auf meine Worte reagierst. „Ich will deinen verfluchten Laures tot sehn...“ Jetzt schrickst du zusammen. „Und ich will DICH! Alles von dir, keine halben Sachen! Was ist daran so schwer zu verstehen, dass du immer wieder fragst?!“

Dich.

Dich!

DICH, verfickte Scheisse...

Nicht bloß deinen zerbrechlichen Körper, der jede Sünde, jedes Opfer und jedes Verbrechen wert ist, sondern auch deine Loyalität und deine Liebe. Dass deine Augen aufleuchten, wenn sie MICH sehen! Ich weiß selbst, dass es sinnlos ist, darauf zu hoffen und zu warten, aber wenn ich mit ihm fertig bin, wird es keinen Laures mehr geben!

Zähneknirschend stehe ich auf und kämpfe mich in meine Hose, Stiefel und Rüstung, weil ich zurück in die NingenKai muss. Du liegst immer noch da wie weggeworfen, und dein Anblick bekümmert mich mehr, als du ahnst... Morgen werde ich kurz vor Sonnenuntergang wiederkommen, mit Karôns Blume, dem Mantel und Gewand und übermorgen wird es wieder eine Blume sein, die dir einen weiteren Tag Leben gewährt. Und danach... irgendwann...

Ganz gleich, was passiert, diese Nähe, die Intimität dessen, was hier in diesem Ödland geschehen ist, wird uns niemand nehmen können. Und der Schmerz, den wir einander zugefügt haben, wird dafür sorgen, dass wir sie nie vergessen werden.

Just a little bit more love
Just a little bit more passion
This is how it should begin
Skin on Skin...
Just a little gettin’ close
Just a little more affection
'Cause I don’t think it’s a sin
Skin on Skin... *

~ Owari ~

Songtext "Skin on Skin" von Sarah Connor