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Whether you want to or not

Chapter Text

 

Also bemerkte ihn Kira doch noch – plötzlich wurde Kandomere so schön warm ums Herz, er spürte eine Euphorie, und das nur durch diese spontane Seelen-Verbindung. Die erste Blut-Verbindung. Für ihn war es eine wunderschöne intime Vereinigung, nur warum konnte es bloß nicht länger andauern...

Er erwartete eigentlich gar nicht, dass es so schnell und deutlich durchkommt. Ihre Seelen-Empfindungen waren ganz klar zu spüren. Er wünschte sich nur, sie wäre bei der Übertragung bisschen freundlicher zu ihm. Aber auch der Blick durch Kiras Augen könnte nicht schärfer sein - es war wie jetzt aus seiner aktuellen eigenen Sicht. Ihr kleiner, eigentlich unbedeutender Biss hatte solch unerwartete Auswirkungen. Kandomere wollte diese euphorische Wonne noch etwas beibehalten und auskosten, als ihm das Höschen in den Sinn kam. Und schon wurde sein schlimmster Zweifel aufs neu ausgerollt. Wohin ist sie gegangen, warum brauchte sie sich neue Unterwäsche anziehen, für wen, einen dreckigen Mensch, oder noch dreckigeren Elf, der mit seinen elendigen Pfoten seine Kira anfassen wird?

Was hat er bloß getan, er hat sie zu diesem Elf gehen lassen. Warum. Wollte er seine eigene Schmerzgrenze austesten? Verdammt, wo war diese Straße, in der sie stand? Kandomere versuchte sich mit ihr wieder zu verbinden, es ging aber nicht.

Und plötzlich kam etwas. Also doch! Und dann sah er sie - in den Armen eines Elfen. Panik ergriff ihn, war das jetzt nur ein Trug oder doch die Blutbindung die ihm die Realität zeigte, diesmal aber seltsamerweise aus der Perspektive eines externen Beobachters? Es waren deutliche Bilder - der fremde Elf verhielt sich ganz und gar nicht zurückhaltend, er beugte sich über Kira, seine Hand fuhr zwischen ihre Schenkel, glitt immer höher und dann bleckte er seine Zähne. Kandomere wurde bleich vor tödlicher Wut. Und dann biss dieser Elf in Kiras Nacken.

Töten. Er wird ihn töten. Brutalst foltern und töten. Kandomere sprang von dem Leder-Sofa direkt auf die Füße wie eine Raubkatze, und lief mit seiner elbischen Geschwindigkeit los, aus seinem Privat-Raum zurück in sein Büro. In einer Sekunde stand er vor dem Waffenständer der an der Zentralwand dekorativ platziert war, und nahm von da zwei alte Wakizashis, seine Lieblingswaffen, die dort ausgestellt waren.

Der elbische Bastard trank jetzt aus Kiras Biss-Wunde, das Blut triefte über ihren weiss-rosigen Hals, sie stöhnte dabei leise. Äußerst wütend, spannungsgeladen, für den Kampf mit scharfen Waffen bereit, wieder mit diesen verdunkelten Augen, hielt Kandomere gezwungenermaßen inne, er muss sie durch das Blut-Band orten. Er witterte in einer Angriffshaltung, versuchte erkennen wenigstens die Richtung ihres Standortes. Und dann verschwanden diese Szenen-Bilder von Kira und diesem Drecks-Elf. Mühsam atmend, versuchte Kandomere nochmal die Verbindung aufzunehmen. Er spürt sie auf, er findet sie und ihren elbischen Lover, er wird ihn vor ihren Augen brutal abschlachten und ihr verdeutlichen, wer ihr Herr ist.

Plötzlich kam er tatsächlich durch, bewusst mit seinem Willen. Gott, ja. Für kaum nur 5 Sekunden, aber es reichte aus, um mit ihren Augen zu sehen, sie zu fühlen. Und um zu sehen, wie sie allein in einem Taxi saß, und eine Liebe zu ihren sehr alten Elfen-Eltern empfand, und dass sie ihr Schlüssel und Schal brauchte, und dann war sie wieder weg.

Kandomere fielen seine Schwerter aus den Händen. Verwirrt stand er nur eine Weile da. Er konnte die Realität von einer Einbildung nicht unterscheiden.

Er muss seine Gedanken ordnen. Deprimiert ging er zu dem Haustelefon, das auf seinem Schreibtisch stand.

 

Ja Sir?“

„Billy, ist die Kaffeemaschine noch einsatzbereit?“

Selbstverständlich, Sir.“

 „O.k., dann bring mir einen Espresso.“

 „Mache ich so bald ich kann, Sir, ich bringe nur noch Kaffee und Kuchen den Pflegern auf die Krankenstation, und bediene die Wachmänner. Sie stürzen sich gerade auf die übrig gebliebenen Kuchen und Sandwiches, da es ja jetzt alles nur den halben Preis kostet. Also wenn Sie auch noch etwas davon haben möchten, Sir, müssen Sie sich schnell entscheiden, ich hätte da noch...“

 „Nein, ich brauche sonst nichts,“ unterbrach ihn Kandomere „und es eilt nicht, bring es mir wenn du fertig bist.“

 „Jawohl, Sir.“

 

 Kandomere hat einen Entschluss gefasst. Er holte sein Handy aus der Tasche, wählte eine Telefonnummer. Er muss tun, was er tun muss, jetzt, wenn er noch vernünftig handeln kann, bevor er den Verstand ganz verliert.

 

 „Ah, na sieh mal an, schön dass du auch mal anrufst. Ich nehme an, du brauchst etwas, Schätzchen?“

 „Guten Abend Cassian, ja, ich brauche dich. Heute jedoch nicht als meine Lieblingstante, sondern als Ärztin. Könntest die Sache aber diesmal für dich behalten? Ich möchte meine Eltern nicht mit dieser Angelegenheit belasten. Oder besser gesagt - sie müssen nicht alles wissen.“

 „Ist dir klar, dass das nicht geht? Du weißt wie es ausgeht wenn ich vor deiner Mutter über dich etwas wichtiges geheim halten werde. Du erinnerst dich sicher, wie endete euer Familien-Arzt Quinto. Du warst jung, sexsüchtig und krank, und hast geschafft eine ganze menschliche Stadt mit einer Geschlechtskrankheit zu verseuchen, wobei du das auch noch Kolumbus' Seeleuten in die Schuhe geschoben hast. Zum Schluss zwangst du dann den armen Quinto, nichts über deinem kritischen Zustand deinen Eltern zu erzählen. Obwohl du wusstest dass er deswegen, mild ausgedrückt, 'Schwierigkeiten' bekommt.“

 „Ja, und es tut mir das mit Quinto bis heute immer noch unendlich leid, aber das war ein rohes Jahrhundert, Mutter wird heute niemanden mit dem Tod bestrafen, also, na gut.., jedenfalls keine Verwandten.“

Das denkst du, Schätzchen, das denkst du. Aber gut, deine Mutter hat mich verpflichtet, die wichtigeren Vorfälle in Bezug auf deine Gesundheit zu melden, aber vielleicht muss ich es nicht sofort tun. Kommt auch darauf an, um was es sich handelt. Reicht dir das?“

„Nein, aber wird es reichen müssen. Ich kann mit diesem Problem nicht zu einem anderen Arzt gehen, schon gar nicht zu einem von den unseren bei MTF, auch wenn sie recht gute sind.“

Dann lass hören.“

„O.k., die Sache ist - ich bin verrückt. Verrückt und gefährlich. Mein Plan ist folgender - ich mache einen längeren Urlaub, damit du mich heimlich einsperren und hoffentlich heilen kannst.“

Also wirklich, Kandomere Schätzchen. Du hast sie nicht mehr alle.“

„Ja Cassian, das eben ist das Problem. Ich bin wahnsinnig geworden.“

Gut, jetzt bin ich aber gespannt. Dann erzähle mir was du so wahnsinniges tust.“

„Bitte schön, hier ist die Detail-Auswahl den letzten 24 Stunden: gestern Nacht stand ich einfach vor dem Aufzug, und starrte ihn an, dann fuhr ich mit ihm sinnlos hoch und runter, immer wieder, 8x war es. Heute habe ich mich gestritten mit meinem Schreibtisch. Und es scheint mir, als ob in Stress-Situationen meine Augen ganz schwarz werden - ich bin mir dabei gar nicht sicher, ob es real ist, oder nur eine Einbildung. Immer öfter halluziniere ich. Jetzt gerade hatte ich in den Händen meine alte Wakizashis, und wollte mit denen einen nicht existenten Gegner zerstückeln. Ich plante ebenfalls die Entführung einer Arbeits-Kollegin, die ich physisch verletzte ohne es zu merken, und dann hätte ich sie auch noch beinah vergewaltigt - auf der Arbeit, und es störte mich nicht mal, dass Zeugen dabei zugesehen hätten! Ich habe diverse Anzeichen, die den Symptomen der Partner-Krankheit ähneln, samt dem damit verbundenen Erektionsproblem.“

 „..so? Nun das ist wirklich beunruhigend. Aber auch schon leicht einleuchtend. Verstehe ich es richtig, dass du deine Kollegin fast vergewaltigen könntest, mit einer erektiler Dysfunktion ? Und wäre möglich, dass du die essentielle Information ausgelassen hast, dass alles was du schilderst, mit dieser bestimmten Kollegin zusammenhängt?“

 „Ja, möglicherweise stellt sie sogar die eigentliche Ursache dar. Irgendwie fing es an, als ich sie kennengelernt habe.“

 „Oh mein Gott, dann ist es wahr! Du hast deine Schicksal-Gefährtin also doch noch erkannt?! Das ist die beste Neuigkeit, die ich je erfahren dürfte! Langsam haben wir ja die Hoffnung aufgegeben, dass dich das noch treffen wird, denn du warst mehr als überfällig. Weißt du, wie sehr mich traurig machte der Gedanke, dass du für immer allein bleiben solltest? Und nun, mit deinen 550 Jahren ist das Wunder passiert... “

 

Kandomere hörte Cassians Schluchzen. Sie, diese hartgesottene Elfe weinte...

 „Cass...“

 Cassian und Kandomere hatten schon immer eine vertraute Bindung. Damals, als Cassian an ihrem Medikament gegen die Partner-Krankheit arbeitete, erlitt sie einen schweren Schicksal-Schlag. Kandomere wich ihr danach nicht von der Seite, er half ihr, wieder den Weg ins Leben zu finden. Ihre Tragödie war von dem schrecklichsten Ausmaß, dass einen Elfen treffen könnte. Sie verlor damals auf einen Schlag ihren Gefährten, und ihre beiden Söhne bei einem Unglück. Somit wurde sie dem Trauer-Tod geweiht. Kandomere akzeptierte es jedoch nicht, er wollte seine Lieblingstante nicht aufgeben, also ließ alle seine Angelegenheiten liegen, und zog zu ihr ein, um sie rund um die Uhr zu betreuen. Und vor allem zwang er sie mit allen Mitteln, ihre Arznei schnell herzustellen, damit sie es schließlich selbst bei sich einsetzen könnte. Er musste sie dazu mächtig drängen, während er nebenbei alle ihre Versuche, sich umzubringen, verhindern musste. Er ließ aber nicht locker, bis seine Hartnäckigkeit endlich Früchte trug. Cassian hat bei ihr selbst experimentiert, wurde erfolgreich, und als erste Elfe ihre eigene Arznei genommen. Sie konnte zum Schluss die Krankheit besiegen. Kandomere war für sie nicht mehr nur ein Neffe, er wurde für sie viel mehr wie ein Sohn.

 „Aber - wenn du an der Partner-Krankheit leidest, läuft da etwas nicht optimal. Gehörst du oder deine Kollegin etwa zu denen, die sich als Schicksal-Gefährten erkannt haben, sich aber nicht akzeptieren wollen? Falls ja, kann ich dich beruhigen. Nach meinen Erfahrungen dauert diese trotzige Phase nie zu lang an. Die gegenseitige Anziehung-Kraft ist zu stark und gewinnt immer.“

 „Nein, nein, ich enttäusche dich wirklich ungern, aber sie ist nicht meine Gefährtin. Sie hat mich nicht erkannt, Emotion-mäßig ist sie mir nicht geneigt, ich bin ihr im besten Fall gleichgültig. Und als ich sie kennengelernt habe, hatte ich kein Erdbeben-Erlebnis. Übrigens das Altersunterschied übersteigt weit das göttliche Gesetz der maximal zulässigen Spanne den 400 Jahren. Also gibt es keine Schicksal-Bindung, und mein Leiden ist keine echte Partner-Krankheit. Meine Theorie lediglich wäre, dass mein Körper und die Seele nach der intensiven Begegnung mit ihr, sie fälschlicherweise als die wahre Gefährtin identifizierten. Und weil ich mit ihr natürlich keine Paarung vollzogen habe, reagiert der Körper ausgehungert mit einer unechten Krankheit darauf. Übrigens - auf mögliche Flüche und Zauber hab ich mich testen lassen, ich bin nicht verhext. Sonst hab ich keine andere Erklärung, wie das alles zusammenhängen könnte, oder was wirklich die Ursache für meinen Zustand ist. Langsam brauche ich aber eine Lösung. Es geht mir immer schlechter und ich bin sicher, wenn es so weiter geht, werde ich irgendwann komplett durchdrehen und ein irreparables Unheil anrichten.“

 „Schätzchen, Die Schilderung deinen Beschwerden ist doch aussagend. Du brauchst kein Experte zu sein, um zu erkennen um was es sich hier handelt. Übrigens, hattest mit ihr wenigstens schon einen Haut-Kontakt? Dein Zustand deutet auf einen Mangel an Berührungen hin.“

 „Eben hab ich etwas in der Art gewagt - ungeplant. Ihr Biss, den sie mir daraufhin und keinesfalls aus leidenschaftlichen Motiven erteilte, hat sich braun verfärbt. Verstehst du? Braun! Es sieht also nicht nach einer Schicksal-Gefährtin aus.“

 „Das ist ungewöhnlich, aber es schließt die Schicksal-Bestimmung trotzdem nicht aus. Da können andere Einflüsse eine Rolle spielen. Oder hast du schon Beispielsweise berücksichtigt, dass vielleicht nicht du, sondern deine Kollegin verhext sein könnte? Nun, jedenfalls musst du in mein Labor kommen, damit ich auch mit den Tests die Diagnose noch bestätigen kann - die ich gerade bestimmt habe. Mit der Therapie kannst du, und solltest du auch, unverzüglich anfangen.“

 „Gut. Bekomme ich die Medikamente, die du zur Behandlung der Witwer verwendest? Denkst du, dass es wirken wird, auch wenn es sich bei mir nur um ein Imitat der Partner-Krankheit handelt?“

 „Kandomere Schätzchen, du hast die Partner-Krankheit, die echte. Diese Schicksal-Bestimmung ist echt, auch wenn du es nicht glauben möchtest. Und auch wenn es aus einem noch unbekannten Grund unkonventionell abläuft. Und nun zu der Therapie – nein, du wirst mein Medikament nicht bekommen, weil du kein Witwer bist. Du brauchst etwas anderes, viel besseres - die einzig wahre heilende Quintessenz, den Haut-Kontakt mit deiner Gefährtin. Übrigens, je intimer wird es, desto besser.

 „Du hörst mir nicht zu. Es ist nicht echt! Heile mich, dann brauche ich von ihr gar nichts!“

 „Fein, also würdest einfach freiwillig hier her kommen und Medikamente einnehmen, die deine Gefühle zu ihr abtöten?“

 „Natürlich nicht freiwillig. Alles und jeden, der sich zwischen mich und sie stellt, werde ich unter einem inneren Zwang beseitigen wollen. Aber ich brauche dein Heilmittel, weil erstens die Qual zunehmend schwer auszuhalten ist, und zweitens bemerken einige langsam meinen Wahnzustand. Deshalb sagte ich es auch - du wirst mich einsperren müssen, und natürlich mich auch sorgfältig fesseln, um mir das Zeug zu verabreichen. Ich muss nur wissen, für wie lang ich mich dafür etwa beurlauben brauche.“

 „Schätzchen, ich kann es dir nicht geben, weil es unethisch und definitiv falsch wäre, mein Heilmittel einzusetzen, wenn du dich dabei in keiner aussichtslosen tragischen Lebenslage befindest. Was aber ohnehin gegenstandslos ist, weil das Mittel nur bei den Witwern wirkt. Da, wo die lebendige energetische Präsenz des Partners ausgelöscht wurde. Also würde es bei dir nicht wirken, weil deine Gefährtin lebt. Das Band eurer Zugehörigkeit zueinander ist Teil des Göttlichen Prinzips und ein Mittel kann es stören, aber nicht zerstören. Die starke Magie hinter der Schicksal-Bestimmung kannst du nicht austricksen. Seit dem ich das Medikament herstelle, wollten es trotzdem manche Elfen unbedingt ausprobieren. Sie mochten nicht, dass sie ihre Feinde als Gefährten erkannten. Und dann sind sie kurz später wieder zu mir gekommen, um zu berichten dass es wirklich nicht funktionierte, und dass sie mit ihren Gefährten überglücklich wurden, und den Sinn hinter der Unwirksamkeit des Heilmittels in ihren Fällen verstanden haben.“

 „'Kurz später' wäre toll. Ich Quäle mich seit einem Jahr.“

 „Was..?! Du leidest schon seit einem Jahr an der Partner-Krankheit? Mein Gott! Dann ist dein Zustand noch viel schlimmer, als du schilderst! Also mit dieser Information ändern sich paar Regeln. Es tut mir leid Schätzchen, aber ich werde es deinen Eltern doch beichten müssen. Denn du befindest dich in einer ernstzunehmenden Gefahr. Deine Eltern müssen auch entscheiden, ob du vielleicht für erst sogar sediert werden musst, damit du dir nichts antun kannst. Ah herrje, warum bist du damit nicht früher zu mir gekommen?“

 „Lass es, Cass, wenigstens bis die Tests-Ergebnisse da sind...“

 „Nun ja, du hast ein großes Glück, dass du diese Kollegin bei der Arbeit wenigstens öfters sehen darfst, und ihr Duft aufnehmen kannst. Deshalb bist du noch bei einem relativ klaren Verstand. Das kann aber deinem Paarung-Verlangen auf lange Sicht nicht mehr ausreichen. Weil du die ganze Zeit dein Bedarf nicht befriedigt hast, verschlechtert sich logischerweise dein Zustand. Nach mehreren Monaten steigen alarmierend die panischen Attacken, sowie die Aggression. Deine Oxytamin Werte und Cortisol Spiegel muss kritisch hoch sein! Das aber bedeutet, dass in diesem Fall dein Leid mit nur einem Haut-Kontakt nicht gelindert wird. Dein Körper will jetzt mehr. Er braucht endlich eine endgültige Vereinigung euren genetischen Signaturen die sich im Blut, und auf der Schleimhaut befinden. Deine Seele verlangt nach der Bindung der Gen-Impulsen in dem fluidalen Kraftfeld, das nur durch das Vereinigung des Plus und Minus euren Geschlechtern entsteht. Also ist es notwendig die Paarung vollziehen, und die Biss-Markierungen an dem blauen Lotus versiegeln. Aber jetzt für erst, brauchst du vor allem eine Linderung - du brauchst so schnell wie möglich einen richtigen Sex mit ihr.“

„Großartig, damit sind wir wieder bei dem Vergewaltigung-Versuch. Oder hab ich noch nicht ausdrücklich genug erklärt, dass sie an mir gar nicht interessiert ist? Übrigens bin ich weiterhin nicht überzeugt, dass es sich um eine Schicksal-Bestimmung handelt.“

„Schon wieder? Sag mal, ich bekomme langsam den Eindruck, dass selbst wenn du sie als die wahre Gefährtin erkennst, würdest du sie am liebsten loswerden. Ich kann zwar deine Frust, verursacht durch ihre Ablehnung verstehen, aber bedenke, wenn es echt ist, und das ist es, bleibt sie für immer die einzige in deinem Leben. Du kannst keine andere, willigere erkennen.“

„Cass....“

Wie heißt sie?“

„Kira...“

Sehr schön.“

„Sie ist ein Mensch.“

... ah...“

„Ja.“

Großer Gott...“

„Und jetzt?“

...nun, jetzt verstehe ich endlich deine Zweifel, es ist in der Tat etwas heikel. Aber wenn es vom Schicksal vorbestimmt ist, müssen es alle akzeptieren.“

„Es ist komplett egal was die anderen akzeptieren. Sie will mich nicht..“

Kandomere Schätzchen, wie wäre es damit, dass du mir endlich sagst, was du eigentlich willst?“

„Freilich, das kann ich dir sagen. Ich will verrecken, weil ich die Folter nicht mehr ertragen kann.“

„In Ordnung. Erinnerst du dich, als ich vor langer Zeit immer wieder genau dasselbe sagte? Und wie du darauf reagiert hast?“

„...ja.“

Sehr gut. Also nochmal, was willst du wirklich?“

„Was ich will? Kira. Ich will sie, ich will Kira. Ich will sie so sehr, sodass ich alles für eine echte Paarung-Nacht mit ihr geben und tun würde, ich will ihr sagen können, dass ich Gefühle für sie habe, mächtig starke Gefühle, sowie ich unter unermesslichem Verlangen nach ihr leide. Ich will dass sie sich von mir freiwillig markieren lässt. Und dass sie mich ihrerseits mit einem möglichst dunklen Purpur-Biss kennzeichnet, aber auch ein helles Violett wäre berauschen schön, oder das hellste Lila. Ja, auch nur reine blaue spirituelle Liebe oder nur die physische rote Begierde hätte mich wahnsinnig glücklich gemacht, weil damit nebenbei auch bewiesen wäre, dass sie meine wahre Gefährtin ist. Ja, ich will dass es mit ihr die echte Schicksal-Bestimmung ist. Und ich will ein gemeinsames Leben mit ihr verbringen."

Großer Gott, und du nennst es eine Fake-Bindung und Fake-Krankheit...“

 

Kandomere hielt inne. Es überkam ihn die Auswirkung eigener Worte. Es war das erstes mal, dass er für sich seine Emotionen und Verlangen für Kira so klar formulierte, und dass es sich deren so klar bewusst wurde. Er konnte spüren die Macht seines laut ausgesprochenen Geständnisses, es lief ihm über die Haut als feine elektrische Vibration. Ja, Cassian wusste genau warum sie ihn zu dieser Aussage zwang. Aber dann wurde er sich der grauen Realität bewusst. Es war ein folternder, Leid bringender Wunsch...

 

„Eigentlich ist es mittlerweile egal ob es echt ist oder nicht, jedenfalls wenn sie mir nicht bald zumindest etwas Zuneigung schenkt, oder du mich von diesem Verlangen nicht heilst, werde ich mich nicht mehr beherrschen können. Dann, in meiner Verzweiflung, tue ich ihr eine Gewalt an, wobei es niemand schafft, mich aufzuhalten. Ich werde sie brutal nehmen und wild beißen, woraufhin sie mich für immer hassen wird. Falls sie als Mensch diesen aus der Kontrolle geratenen Übergriff und meine Bisse überhaupt überleben wird. Und dann werde ich mich entweder in tiefer Hoffnungslosigkeit zum Tode trauern, mich umbringe werde, oder ihre Familie erlöst mich, in dem sie mich aus Rache hinrichtet.“

Ich verstehe. Also es geht eigentlich nur um das Problem, dass sie dich ablehnt. Vielleicht liegt es daran dass sie ein Mensch ist und die Schicksal-Erkennung bei ihr anders verläuft. Leider hab ich mit einer Elf-Mensch Schicksal-Paarung keine Erfahrungen, habe auch davon noch nie gehört, aber es ist, wie man sieht, wohl nicht ausgeschlossen. Ich könnte auch in älteren Transkripten nachschauen, vielleicht finde ich etwas.“

„Du selbst kennst keinen solchen Fall? Also weißt du auch nicht was ich tun sollte...“ Kandomere seufzte.

Doch, das weiß ich schon. Du könntest zum Beispiel etwas Initiative ergreifen. Du warst mal ein Verführer der ein 'Nein' nie akzeptierte, du wirst doch noch wissen wie das geht? Hast du Kira schon mal ins Cafe oder zum Essen eingeladen, oder ihr ein Geschenk gemacht? Kennst du überhaupt ihre Vorlieben oder den Geburtstag?“

„Nein, hab mich nirgends mit ihr getroffen, und sie wird in ein paar Tagen 26, am 21. Dezember.“

Ah, 21. Dezember, das ist ein wirklich Traditionsstarkes Zeichen. Na dann gib dir einfach etwas Mühe. Finde heraus was sie mag und schenke es ihr. Also echt, muss ich dir wirklich solche Ratschläge geben? Und wieso hast du bis jetzt noch gar nichts unternommen?“

„Cass..., sie kennt meine Gefühle für sie nicht. Weil ich befürchtete, dass sie mich ablehnt. Und es stellte sich heraus, dass ich leider recht hatte.“

Mir ist ehrlich gesagt schleierhaft, weshalb sie auf dich überhaupt nicht reagiert, die Frauen wie auch viele Elfenmänner finden dich doch anziehend. Hat sie womöglich einen Freund?“

„Ich weiß es nicht.“

Sagt der leitende FBI-Agent von MTF.“

„Ich wollte nicht herausfinden dass es möglicherweise einen anderen Mann in ihrem Leben gibt. Aber ich hoffte immer, dass sie keinen Freund hat, weil sie noch eine Jungfrau ist.“

Oh mein Gott! Jungfrau-Blut der eigenen Gefährtin? Grün, sie werden alle grün vor Neid sein! Stell dir die Gesichter aller vor, wenn sie erfahren werden, dass dir diese seltene mächtige magische Ingredienz in den Schoß gefallen ist!“

„Gar nichts wird mir in den Schoß fallen. Die wahre Gefährtin, muss ihr Blut freiwillig schenken!“

Schätzchen, du musst es nur mit etwas Geschick angehen. Du hast den ersten Schritt getan, und jetzt bist du dir klar darüber, was du willst, du verbirgst es nicht mehr hinter deinen Zweifeln. Als nächstes musst du nun versuchen herauszufinden, warum sie sich dir gegenüber gleichgültig verhält. Du bekommst eine Aufgabe: Heute Abend machst es dir Zuhause bequem, bringst dich in meditative Stimmung und versuchst dich dann an alles erinnern, was bei eure erste Begegnung geschah. Ruf dir aus der Gedächtnis alle Details auf und analysiere sie. Irgendwo wird sicherlich ein versteckter Hinweis auftauchen, der das Geheimnis ihres Desinteresses lüften wird. Dies bringt dich wieder einen Schritt weiter. Vielleicht findest du so auch dein verschollenes Erdbeben-Erlebnis, das womöglich stattfand, und du es durch einen unglücklichen Zufall nicht erkannt hast. Und Punkt 2 - gleich morgen früh kommst hierher. Ich mache die komplette Palette aller Tests, um ganz sicher zu sein."

„Werde ich machen, ich rufe dich morgen vorher an. Und danke, Cass.“

Dann bis morgen, Kandomere, und vergiss nicht - führe die Retrospektion sorgfältig aus.“

 

 

Kandomere steckte sein Handy wieder ein, und schaltete seinen Computer ein. Dann rief eine entsprechende Datenbank auf und gab Schicksal-Bindung ein, und Elfen - Menschen. Er wird diese alle gemischte Beziehungen analysieren. Wenn es welche gibt. Er kannte auch keine, nur Sex-Beziehungen. Die gab es häufig, damit hatte er genug Erfahrung.

Aber das mit Kira war etwas anderes. Etwas einzigartiges, heiliges, was es mit den anderen schmuddel-Affären nicht mal verglichen sein dürfte. Er zog wieder ihr Schal aus seinem Platz hinter der Weste, roch an dem Chiffon Stoff und legte ihn neben dem Laptop.

Ja, er akzeptierte es jetzt. Er akzeptierte, was er sich nicht gestehen wollte, wogegen er sich die ganze Zeit wehrte - dass er Kira liebte, sie mächtig stark liebte.

Er musste sich endlich gestehen, dass er sie als seine wahre Schicksal-Gefährtin erkannte.

 

 

Der Aufzug klimperte wieder. Das wird Billy sein mit dem Espresso. Kandomeres Blick fiel auf die Wakizashis, die immer noch auf dem Boden rumlagen – er räumt sie lieber sofort auf, bevor jemand drüber stolpert und den Fuss verliert. Er antwortete auf das Tür-Geklopfe. Der Barista trat mit dem Espresso ein – und plötzlich zuckte er zusammen, und dann blieb wie angewurzelt stehen.

Verdammt nochmal, er hat den ganzen Tag mit den blöden Pannen überstanden, und jetzt am Endziel hat er versagt, total versagt. Kandomere hat ihn durchschaut, bewaffnet wartete auf ihn bereits. Ihm lief ein kalter Schweiß den Rücken runter. Dieser verhasste blauhaarige Elf, der berüchtigte kaltblütige Killer, stand da, umhüllt von seiner verfickten eiskalten Eleganz, in jeder Hand ein von diesen japanischen Kurzschwerter, und war begierig darauf, ihn auf der Stelle zu erledigen.

Er würde sich gegen diese Bestie wenigstens verteidigen versuchen, aber womit, mit dem Tablett und einer Mini-Espressotasse? Wo ist ihm bloß der Fehler unterlaufen. Er war doch vorbereitet. Billys Leben als Barista bei MTF hat er gründlich einstudiert und alles sauber durchgeplant, als er heute früh schließlich Billys Körper übernahm.

 

'Grig, meine Tarnung ist aufgeflogen.' Kevan in Barista Billys Körper hat sich verbunden mit seinem Komplizen durch den vorbereiteten Runen-Kanal.

'Direkte Konfrontation?'

'Er steht mir gegenüber - mit seinen Scheiß-Wakizashis in den Händen.'

'Verdammter Mist. Tu trotzdem weiter als wärst du der dumme Billy, und versuche am Leben bleiben, ich bereite den Notfall Fern-Austausch vor.'

'Zähl mal die letzten 15 Sekunden ab, wenn es soweit ist..'

'Zögere seinen Angriff hinaus, Kevan, improvisiere, 60 Sekunden können verdammt lang sein.'

'Weiß ich...'

 

 

„Hübsche Dinge, Sir, ein echter antiker Edo-Tamahagane, nehme ich an?“ Kevan war ein miserabler Barista, aber ein guter Schauspieler. Oder doch nicht, Grigs Ansicht nach, denn prompt merkte er an: 'Kevan, was soll der Quatsch, denkst du dass dieser Dussel Billy erkennt einen antiken Tamahagane aus Edo?!'  Kevan schluckte, kann er die Pannen nicht loswerden?

„Ah, du kennst dich mit Waffen aus?“ Billy ist also ein Waffenliebhaber, das hätte Kandomere nicht erwartet. „Die Qualität ist zwar veraltet, denn die Schwerter wirklich sehr alt sind, aber für die Enthauptung würde es noch heute ausreichen.“

 

Klar, er droht ihm jetzt mit einer Enthauptung. Zusätzlich zu seiner Angst wurde Kevan wütend - ja, du musst es wissen, wofür deine Waffen gut sind, du sadistischer Bastard. Genau wie es auch mein Bruder erfuhr, der von dir geköpft wurde, womöglich mit genau diesen alten Wakizashis. Es erschütterte ihn, aber sofort hat er sich wieder gefasst. Diese Bestie würde den Hass an ihm riechen. Zum Glück hat Kandomere gar nichts bemerkt. Und überhaupt schien er etwas lahm zu sein, als würde er von seinem Scharfsinn kein Gebrauch machen können. Lag es etwa an einer post-sexueller Müdigkeit? Kevan spürte es nur ganz schwach durch seine elbische Seelen-Matrice, denn der menschliche Geruchssinn war nicht gut entwickelt, konnte aber identifizieren, dass Kandomere hier soeben einen blutigen Sex hatte. Nichts gegen Bisse, aber das hier schien etwas heftig zu sein. Natürlich, diese blauhaarige Bestie ist auch noch in sexueller Hinsicht pervers. Wie denn sonst.

Die perverse blauhaarige Bestie ging inzwischen gemütlichen Schritts zu der Marmorsäule an der Zentral-Wand seines Büros, und setzte die Waffen dort zurück in die Schwert-Halter. Was...?

Kevan schaute ihn an, Kandomere verhielt sich wirklich ganz friedlich. Hat er sich geirrt, als er dachte, dass er von ihm entlarvt wurde? So ist es.. Er nutzte die Entfernung zwischen ihnen – zu nah wollte er ihm trotzdem nicht kommen - und stellte schnell den Espresso ab auf Kandomeres Schreibtisch neben irgendeinem Knäuel rotbraunes Stoffes.

 

'Grig, Abbruch. Ich setze die Aktion fort.'

'Bist sicher?'

'Ich denke schon.'

'Dann bin wieder raus. Beeil dich, Kevan.'

 

Kandomere konnte durchaus die Sekunden von Billys Wut riechen. Genau so wie auch seine vorherige Furcht. Aber warum sollte der Barista beim Servieren von Kaffee solch ein dramatisches Durcheinander empfinden? Großartig, er halluziniert wieder. Resigniert kehrte er zurück zu seinem Computer.

In geklautem Billys Körper eilte Kevan zur Tür bevor sein Hass erneut auflodert und Kandomere dann doch etwas bemerken würde.

„Sir, ich hole das Geschirr ab in etwa 10 Minuten, wenn es recht ist.

"Ja, ist es."

 

Kevan stieg in den Fahrstuhl und fuhr hinunter. Er geriet im Büro unnötig in Panik und gefährdete die Mission. Wieder spürte er den kalten Schweiß auf seinem Rücken. Dass er sich angesichts dieses perversen Bastards für einen Moment nicht beherrschte, war ein grober Fehler. Kevan beschloss, seinem Komplizen diesen Beweis seiner Inkompetenz vorzuenthalten. Zum Glück hat alles geklappt. Alles ist perfekt. Er wischte sich mit einer Serviette über die Stirn. In 10 Minuten wird er den zweiten Teil der Mission abschließen. Dann, in Barista Billys Wohnung, ein paar Blocks entfernt, tauscht er den physischen Körper mit Billy aus, dessen Seele und Geist von Grig bewusstlos gehalten werden. Dann wird er ihm mit Hilfe von Thyrals Zaubermittel geeignete Erinnerungen an den fehlenden Tag implantieren. Billy wird morgen früh mit Erinnerungen an Kevans miserablen Arbeitstag aufwachen, als wäre er seiner, zusammen mit einem langweiligen Fernsehabend mit Bier. Absolut niemand wird herausfinden, was passiert ist, es wird keine Verdächtigen geben, Grigs und Kevans Spuren werden unentdeckt bleiben. Es war ein guter Plan.

 

Kandomere wandte sich wieder der FBI-Datenbank der elbisch-menschlichen Partner-Bindungen zu, die Suche ergab erstaunlich viele Treffer. Zu viele. Er seufzte, war ja klar. Als 'Partnerbindung' bezeichnet, waren hier gewöhnliche Sex-Beziehungen gemeint. Logisch, aus der Sicht den menschlichen Bearbeiter, die diese Daten eingetragen haben, war sogar reine Vergnügen-Affäre eine Beziehung oder eben Partnerbindung, sie differenzierten nicht, könnten gar nicht. Die Menschen wussten zwar, dass es bei den Elfen ab einem gewissen Punkt eine ernstzunehmenden Beziehungen gab, es war für sie aber kein signifikanter Begriff, weil sie es bei den Elfen kaum erkennen könnten. Sie sahen weder die Nacken-Markierungen, noch rochen dessen offizielle Statements, nahmen diese, für Elfen offensichtliche Anzeichen nicht wahr, es fehlte es ihnen bei der elbischer Schicksal-Bestimmung an Symbolen wie ein Ehering oder Heiratsurkunde. Und die Elfen spürten keinen Bedarf, etwas zu erklären, oder für die untergeordnete Rasse etwas erkennbar zu machen.

Es hatte keinen Sinn, diese Tausenden von Einträgen anfangen durchzulesen, er wird damit am Montag einen elbischen Mitarbeiter beauftragen es durchzusuchen. Er griff nach dem Espresso, einmal probierte, und dann trank es in einem Schluck. Ihr Cafe-Bar hatte die Luxus-Misch-Sorte von Kaffeebohnen, hervorragend, aber, schmeckte er da gerade nicht etwas anderes heraus, wie einen leichten Anflug einer Kräuter-Beimischung die da nicht hineingehörte? Es war ein seltener Geruch, aber er kannte es, konnte sich aber nicht genau erinnern was es war. Wird wohl die modische Probiersorte, die derzeit in mehreren Läden zu finden ist. Warum nicht. Er wird jedoch Billy anweisen ihm ab dem nächsten mal wieder lieber den klassischen zubereiten.

Kandomere machte seinen Computer aus, schaute auf die Uhr – er wird jetzt in sein Lieblingsrestaurant zum Abendessen gehen. Er ist aufgestanden. Auf Billy muss er nicht warten, sein Büro wird nicht geschlossen, der Barista holt sich das Geschirr selbst wie immer. Kandomere will sich heute beeilen, er hat noch was zu tun, Cassians meditative Aufgabe - über Kira nachzudenken. Offiziell vom Arzt angeordnet. Nichts lieber als das - den ganzen Abend und die ganze Nacht, mit ihrem Schal auf seinem Gesicht, wird er Cassians Anweisung befolgen. Kandomere nahm vom Tisch den Schal - noch bevor er ihn wieder hinter der Weste verstecken werde, möchte er sich noch einen Moment diesem traumhaften Duft ergeben.

Es war so befreiend sich der Wahrheit zu stellen - er konnte aufhören diese starke Emotion in die Ecke seiner Seele zu drängen. Sein Problem wird es nicht lösen, aber bewusst die Gefühle anzuerkennen ist der erste Schritt, Cassian hatte Recht. Dies zu unterdrücken führte ja ohnehin zu keiner Lösung. Seine Liebe zu Kira darf ihn jetzt ganz durchfluten - er ergab sich sofort dieser Hochstimmung - das Gefühl war unbeschreiblich. Wie würde sich wohl anfühlen wenn er es auch noch ausleben dürfte, mit ihr... und plötzlich wurde ihm schwindlig, stark schwindlig, er musste sich an dem Tisch abstützen, er sah nur schwarz vor ihm, und dann wusste er es. Mitternachtsraute. Das war das Kraut, an das er sich vorhin nicht erinnern könnte. Und augenblicklich ergab alles einen Sinn, er sah es nur nicht rechtzeitig, weil er beeinträchtigt war durch persönliche Angelegenheiten, er ignorierte die Warnungen seines exzellent entwickelten Instinktes. Das seltene wertvolle Kraut, das nur für hohe Zauber benutzt wurde, Billys unerwartet professionelle Waffen-Kenntnis, besser gesagt jemandes, der sich offensichtlich als der einfache Billy tarnte, und dessen starke negative Emotionen, dieser kurze Hass, der gegen Kandomere gerichtet wurde. Das Schwindelgefühl wurde noch stärker, und dann spürte er einen heftigen implodierenden Sog in seinem Inneren. Er bekam Krämpfe, Kiras Schal fiel ihm aus der Hand. Mit aller Kraft versuchte Kandomere bei Bewusstsein zu bleiben, aber er wusste es jetzt – so fühlen sich die letzten Augenblicke, bevor er in das Jenseits hinübergehen wird. Und nur eines tat ihm leid – dass er nicht mit Kiras Schal in den Händen sterben durfte.