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Die Abmachung

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Das Turnier war beendet. Eine Weile starrte Akashi einfach nur vor sich hin. So fühlte es sich also an zu verlieren? Dennoch, es störte ihn nicht sonderlich. Zumindest nicht sehr viel. Mit einem Lächeln trat er auf Kuroko zu: „Glückwunsch, du hast gewonnen. Ihr habt gewonnen.“ Ruhig schmunzelnd streckte er seinem Gegner die Hand hin.

„Danke … Akashi-kun“, sagte Kuroko ebenfalls lächelnd, den Handschlag eingehend, während sie sich einen Moment einfach nur ansahen. Nur langsam wurde der Blick des Phantomspielers ernster, während er in die nun wieder so gleichfarbigen, roten Augen seines ehemaligen Kapitäns sah, „damit habe ich wohl euren kleinen Wettstreit gewonnen, nicht wahr?“

Überrascht zog Akashi eine Augenbraue in die Höhe, als die Erinnerung zurückkam. An das kleine Treffen am Ende des letzten Jahres der Mittelschule mit den restlichen Kiseki no Sedai.

 

„Was haltet ihr davon, wenn wir das ganze noch etwas erweitern?“, brachte Akashi die Frage aus, seinen Blick über die Gesichter der anderen schweifen lassend.

„Was hast du jetzt noch vor?“, kam es in einem fragenden Ton von Midorima.

„Noch etwas anderes, als nur herauszufinden, wer von uns der beste Spieler ist?“, schaute Aomine ihn skeptisch an, „was noch, huh?“

„Wir spielen um Tetsuya“, meinte Akashi ruhig schmunzelnd, „und sagt nicht, dass ihr kein Interesse an unserem kleinen Phantomspieler habt. Ich merke doch, dass jeder ein gewisses Verlangen nach ihm hat. Nicht wahr? Shintarō, Ryōta, Daiki, Atsushi?“

Vier überraschte Augenpaare richteten sich auf den Kapitän der Teikō Basketballmannschaft.

 

Nachdenklich sah Akashi Kuroko an. Woher wusste dieser denn von ihrem Pakt? Wann war Kuroko ebenfalls dort gewesen? „Du wusstest von dem Wettstreit?“, sprach er schließlich in einiger Überraschung seine Frage aus, ihre anderen Teamkameraden inzwischen längst ausgeblendet habend.

„Ich habe euch belauscht, als ich zufällig vorbei kam“, meinte Kuroko und verengte seine Augen ein wenig, „glaubst du, ich lasse einfach zu, dass ihr so über mich bestimmt?“

„Du bist wirklich unser kleiner Phantomspieler“, entgegnete Akashi und wuschelte ihm durch die Haare, schmunzelte etwas, „und?“

„Erinnerst du dich an unser letztes Treffen an der Teikō, Akashi-kun?“, fragte Kuroko schließlich nach, seine Augen unverändert auf ihm liegen lassend. Es interessierte ihn gerade gar nicht, dass sie noch mitten in der Halle des Winter Cups standen. Dass ihnen vermutlich jeder zuhörte.

Ein wenig darüber nachgrübelnd starrte Akashi ihn an, zuckte schließlich aber mit den Schultern, da er gerade absolut nicht wusste, was Kuroko meinte. Vermutlich war es auch etwas, was er gar nicht richtig mitbekommen hatte, aufgrund seiner anderen Persönlichkeit.

„Wir hatten eine Abmachung gemacht, kurz bevor wir die Mittelschule verlassen hatten“, sagte Kuroko schließlich, seufzte dann aber und schüttelte den Kopf, drehte sich um, „aber ich denke, ich sollte damit zufrieden sein, dich zurück zu haben.“

„Kuroko ...“, fing Akashi an, sah ihm einen Moment nach, bevor er sich ebenfalls zu seinem Team umdrehte. Er hatte gespürt, dass es Kuroko verletzte, dass er sich nicht daran erinnerte, aber was genau war damals passiert? Erwartete er etwas von ihm? Er ließ seinen Blick noch einmal zurück zu dem Phantomspieler gleiten, bevor er seufzte. Dieser schien schon wieder vollends von seinen Teamkameraden vereinnahmt zu sein. Aber es ging ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf, was Kuroko angesprochen hatte. Was sie wohl für eine Abmachung gemacht hatten?

Die Siegerehrung dauerte noch eine ganze Weile, bis sie sich schließlich in ihre Umkleiden begaben. Die ganze Zeit über war Akashi in seinen eigenen Gedanken versunken, aber er erinnerte sich einfach nicht daran. Daran, was Kuroko gemeint hatte, was sie für eine Abmachung abgeschlossen hatten. War es etwas ähnliches gewesen, wie das, was er mit den Kiseki no Sedai abgeschlossen hatte? Es würde passen, wenn Kuroko deswegen auf sie sauer war, dass sie einfach so über ihn bestimmten.

„Sei-chan.“ Er wandte seinen Kopf zur Seite und blickte in Mibuchis Augen, die ihn irritiert musterten.

„Hm? Was ist, Mibuchi?“, sprach Akashi ihn ruhig an.

„Nichts, du wirkst nur die ganze Zeit über so in Gedanken versunken, seit du mit Kuroko gesprochen hast“, gab er ruhig zurück.

Seufzend zuckte Akashi nur mit den Schultern. Er wusste eh nicht, was er seinen Teamkameraden erzählen sollte, schließlich stimmte es ja. Seine Gedanken hingen wirklich gerade eher dabei, was Kuroko ihm erzählt hatte und was er scheinbar vergessen hatte. Oder gar nicht wirklich wusste? Kopfschüttelnd versuchte er das erst einmal zu verdrängen und sich schließlich umzuziehen, bevor sie sich dann auf den Rückweg machen mussten. Am Abend dieses Tages würden sie schließlich wieder zurück nach Kyoto fahren. Dann würde er Kuroko sowieso erst einmal nicht mehr sehen. Nur warum schmerzte es so, ihn so einfach zurückzulassen, ohne ihm das zu sagen, auf das er scheinbar wartete?

Ohne seine Teamkameraden zu beachten, griff Kuroko nach seiner Sporttasche und machte sich daran, die Umkleide und schließlich das Gelände der Halle zu verlassen. Er hatte zwar gemerkt, dass die anderen noch ein wenig zum Feiern weggehen wollten, aber ihm war nicht danach. Dabei wusste er doch, dass der andere Akashi damals mit ihm gesprochen hatte. Diese Abmachung getan hatte, also wieso erhoffte er sich jetzt etwas davon, dass er es noch wusste? Weil er diese Sache mit den Kiseki no Sedai ebenfalls noch wusste?

„Hey, Kuroko!“, drang Kagamis Stimme zu ihm durch, weswegen er sich umdrehte.

„Kagami-kun“, murmelte Kuroko und sah ihn einfach nur gleichgültig an, „was ist? Wolltet ihr nicht was feiern?“

„Deswegen bin ich hier – wieso gehst du einfach?“, sprach Kagami ernst aus und sah Kuroko zurück an, „du gehörst schließlich zu unserem Team! Ohne dich hätten wir das auch nicht geschafft.“

„Mir ist einfach nicht danach ...“, sprach Kuroko leise aus und senkte seinen Blick, seufzte schließlich, „aber macht euch keine Sorgen. Mir geht es Morgen bestimmt besser.“

„Liegt das an Akashi?“, stellte Kagami schließlich die Frage und musterte den Kleineren eine ganze Weile, „was hat er zu dir gesagt?“

'Es geht eher darum, was er nicht gesagt hat …', ging es Kuroko durch den Kopf, bevor er seufzte: „Es ist nichts. Vermutlich bin ich einfach nur zu erschöpft vom Spiel … und dieser ganzen Sache ...“

Eine Weile musterte Kagami ihn, bevor er mit den Schultern zuckte: „Wenn du meinst. Dann komm gut nach Hause. Wir sehen uns Morgen dann.“

„Ja, bis dann“, nickte Kuroko, lächelte ihn dann an, „macht euch einen schönen Abend.“ Damit drehte er sich wieder um und ging den Weg entlang, um nach Hause zu kommen. Vermutlich würde er sich dort wirklich einfach nur ins Bett schmeißen und versuchen zu schlafen.

Langsam glitt Akashis Blick nach draußen aus der Halle, während er Kuroko und Kagami beobachtete. Eigentlich hatte er vorgehabt noch einmal mit dem Phantomspieler zu sprechen, aber jetzt, wo er die beiden beobachtet hatte, spürte er, dass es nichts brachte, solange er sich nicht daran erinnerte, was war. Was Kuroko erwartete. Er lehnte sich gegen die Wand des Ganges und starrte vor sich, als er die Tür aufgehen hörte und sein Blick den von Kagami streifte, als dieser die ersten Schritte an ihm vorbei ging.

Schließlich blieb Kagami stehen, drehte sich allerdings nicht zu dem Kapitän von Rakuzan um, sondern sprach einfach aus, was ihn beschäftigte: „Kuroko ist wegen dir ziemlich verletzt. Was auch immer du gemacht hast, du solltest es in Ordnung bringen, Akashi.“

„Wenn das so einfach wäre“, entgegnete Akashi und sah Seirins Ass an, „... dann hätte ich es längst getan. Kuroko bedeutet mir zu viel, als dass ich ihn absichtlich verletzen würde.“

Kagami lächelte ein wenig bitter, drehte seinen Kopf ein Stück in Akashis Richtung: „Es ist schwer dir das zu glauben.“

„Ich erwarte auch nicht, dass jemand wie du das versteht“, zuckte Akashi mit den Schultern und drehte sich um, verließ den Gang und trat nach draußen. Es brachte nichts, sich mit Kagami weiter zu unterhalten. Der einzige, der ihm eine Antwort auf seine Frage geben konnte, war Kuroko. Nur, wie sollte er ihn darauf ansprechen, was das für eine Abmachung war?
Seine Augen richteten sich auf jemanden, der lässig gegen die Sporthalle gelehnt stand und langsam zog Akashi eine Augenbraue in die Höhe, musterte den anderen ein wenig verwundert. Wie lange stand er schon hier? „Was machst du noch hier, Aomine?“

„Ich habe Tetsu beobachtet“, murmelte Aomine und stützte sich lässig von der Wand ab, trat auf ihn zu, „er wusste die ganze Zeit davon, oder?“

„Hm“, nickte Akashi, durchaus wissend, was Aomine meinte, ohne dass er es aussprechen musste, schließlich seufzte der Kapitän von Rakuzan allerdings, „... aber deswegen ist er nicht so … niedergeschlagen.“

„Wieso dann? Ich dachte, es liegt daran, dass wir hinter seinem Rücken sozusagen um ihn gespielt haben“, meinte Aomine mit überraschtem Unterton in der Stimme.

„Scheinbar hatten Kuroko und ich noch eine andere Abmachung am Ende unseres dritten Teikō-Jahres“, sagte Akashi seufzend.

„Und er ist jetzt enttäuscht, dass du dich nicht erinnerst“, mutmaßte Aomine und schüttelte leicht den Kopf.

Akashi nickte knapp, seufzte dann: „Mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als in der nächsten Zeit darüber nachzudenken. Wir treffen uns ja eh erst wieder in knapp drei Wochen.“

„Ich rede mal mit Tetsu“, sagte Aomine schließlich schulterzuckend, „auch, um ihn was aufzumuntern. Wenn ihn nicht einmal seine jetzigen Teamkameraden zum feiern animieren können, muss es ihn sehr bedrücken.“

„Danke Aomine“, nickte Akashi ihn ruhig ansehend, „wir sehen uns. Ich muss langsam auch zurück zu meinem Team.“

Dieser winkte ihm nur noch knapp über die Schulter zu, bevor er sich ebenfalls auf den Weg machte, das Gelände zu verlassen. Eventuell würde er auch direkt mal zu Kuroko gehen, um mit ihm zu reden, schließlich konnte er ahnen, dass dieser bestimmt nur zu Hause rumsitzen und nicht schlafen würde. Es war zwar bereits spät, aber nicht so spät und nach so einem Match – mit scheinbar doch belastenderen Gedanken im Kopf – würde er bestimmt nicht so einfach einschlafen können.

Als Kuroko zu Hause angekommen war, schnappte er sich nur einen Milchshake aus dem Kühlschrank und ließ sich im Wohnzimmer auf das Sofa fallen, krallte sich in die Wolldecke und ließ irgendeinen Film im Fernsehen laufen, der ihn hoffentlich etwas davon ablenkte, was war. Hätte er etwas anderes erwartet, wenn Akashi sich nicht während ihrem Match verändert hätte? Wenn dessen eigentliche Persönlichkeit nicht wieder die Kontrolle über ihn übernommen hätte? Warum störte es ihn nur so sehr? Wieso konnte er Akashi nicht einfach sagen, was er wollte? Um was es ging? Dass es ihm sogar egal war, was genau es war, wenn er einfach nur bei ihm blieb? Wenn Akashi einfach bei ihm bleiben konnte? Aber er wusste doch auch, dass das nicht ging. Dass er an einer Schule in Kyoto eingeschrieben war und sie sich so oder so nicht so häufig würden sehen können.

Das Klingeln an der Haustür ließ ihn aus seinen Gedanken aufschrecken und verwundert starrte Kuroko in Richtung Flur, machte aber keinerlei Anstalten, aufzustehen. Er wollte niemanden sehen. Ob es Akashi war? Bestimmt nicht, schließlich würde dieser heute schon zurück nach Kyoto mit seinem Team fahren, da war er sich zumindest sicher. Erneutes Klingeln. Zumindest gab da jemand nicht auf, ihn dazu zu bringen, aufzustehen, weswegen sich Kuroko nun doch aufrappelte und die Decke zur Seite schlug. Den Rest seines Milchshakes auf den Tisch vor sich abstellend, um dann in Richtung Wohnungstür zu gehen. Nach dem dritten Klingeln drückte er schließlich auf den Türöffner und öffnete die Wohnungstür kurz darauf einen Spalt, sah nach draußen. Seine Augen weiteten sich ein wenig vor Erstaunen, als er Aomine den Flur entlang kommen sah. „Aomine-kun?“

„Yo, Tetsu! Du bist also wirklich noch auf?“, kam es grinsend von ebendiesem, während er auf ihn zutrat.

„Hm“, machte Kuroko und drehte sich um, ließ Aomine hinter ihm eintreten und die Tür schließen, während er sich selbst auf den Weg zurück ins Wohnzimmer machte. Früher war Aomine schließlich häufiger bei ihm gewesen, weswegen dieser wusste, wo alles war. Außerdem wollte er ihn nicht länger ansehen.

„Du wirkst so, als wenn du derjenige bist, der heute verloren hat“, kam es schließlich von Aomine, als er dem anderen ins Wohnzimmer folgte und sich auf einem Sessel niederließ, „ich habe mir Sorgen um dich gemacht, Tetsu.“ Er würde erst einmal nichts von Akashi erzählen, schließlich wusste er nicht, was zwischen den beiden los war und was sie für eine Abmachung geschlossen hatten.

„Tut mir Leid“, murmelte Kuroko, nebenbei den Fernseher ausschaltend und sich wieder in die Wolldecke krallend.

„Was hast du, huh? Ich hätte gedacht, du bist glücklicher, wenn du jeden von uns geschlagen hast, Tetsu“, sagte Aomine mit einem Grinsen, „willst du darüber reden?“

Kuroko sah einfach nur vor sich auf die Decke, blieb einen Moment still, bevor er leise anfing: „Akashi-kun und ich hatten eine Abmachung, nachdem ich erfahren hatte, was ihr geplant hattet.“

Aomine zog eine Augenbraue in die Höhe, nickte ein wenig: „Du wusstest die ganze Zeit darüber Bescheid.“ Es war keine Frage, mehr eine Feststellung, bevor Aomine schließlich fortfuhr, machte er dennoch eine Pause, in der er Kuroko ansah, nach einer Bestätigung suchend, die aber nicht kam. Schließlich sprach er dennoch weiter: „Was für eine Abmachung war das? Du hast vermutlich zu der Zeit mit dem anderen Akashi gesprochen, oder?“

Kuroko seufzte auf die Frage hin, zuckte mit den Schultern: „Ja.“ Schließlich sah er zu Aomine auf. „Wenn Akashi-kun sich nicht daran erinnert, dann ist es so. Wenn es ihm inzwischen nichts mehr bedeutet, genauso. Dann muss ich damit leben.“

„Tetsu ...“, fing Aomine leise an, allerdings ohne zu wissen, was er darauf noch erwidern sollte. Es schmerzte ihn, seinen früheren Schatten so verletzt zu sehen und er spürte, dass Kuroko diese Sache viel bedeutete. So viel, dass er wollte, dass sich Akashi von sich aus daran erinnerte. Ein Grinsen legte sich auf seine Lippen und er wechselte seinen Platz auf das Sofa, legte Kuroko einen Arm um die Schultern: „Vielleicht überrascht dich Akashi ja auch zu deinem Geburtstag damit, hm? Er ist gerade erst wieder mit sich selbst im Reinen. Lass ihm Zeit und wir könnten uns doch jetzt einfach mal einen Film angucken und ein wenig deinen Sieg feiern, ja? Wenn du schon nicht in Gesellschaft mit deinem Team feiern wolltest.“ Eigentlich hoffte er damit nur, Kuroko auf andere Gedanken zu bringen.

„Vielleicht hast du Recht, Aomine-kun“, sagte Kuroko schließlich und sah ihn mit einem kurzen Lächeln an, „danke ...“