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I was born to love you

Chapter Text

(während Season 2)

 

Jim saß auf der Couch in seiner Wohnung und starrte gedankenverloren aus dem Fenster, aber er nahm den phantastischen Anblick der untergehenden Sonne nicht wahr. Der orange-graue Himmel mit seinen unzähligen Nuancen hätte jeden, der ihm auch nur ein wenig Aufmerksamkeit geschenkt hätte, sofort in seinen Bann gezogen. Jim jedoch hatte kein Auge für dieses grandiose Naturschauspiel. Wie schon oft zuvor, kreisten seine Gedanken um ein für ihn noch viel reizvolleres Bild: Blair!

Es verwunderte ihn nicht, dass er sich in seinen Freund verliebt hatte. Es war einfach unmöglich, sich dem ständigen Einfluss von Blairs entwaffnendem Charme zu entziehen. Nicht einmal Simon war es gelungen, auch wenn sein oft bärbeißiger Captain sich eher die Zunge abbeißen würde, als das offen zuzugeben. Nein, Jim hatte so wenig Chancen zu widerstehen wie ein Schneeball in einem Hochofen. Schon gar nicht, wenn er diesem alles schmelzenden Charme tagtäglich ausgesetzt war.

Schon seit seiner Pubertät war ihm klar, dass er sich nicht nur zum weiblichen Geschlecht hingezogen fühlte. Eine Neigung, die er anfangs zwar nicht akzeptieren wollte, die er allerdings mit der Zeit doch auszuleben begann. Er hatte vereinzelte Affären und Beziehungen mit Männern und Frauen, bevor er Carolyn traf und sie heiratete. Damals dachte er, dass sie der Mensch sei, mit dem er den Rest seines Lebens verbringen wollte und würde. Er hatte jedoch ständig das Gefühl gehabt, dass irgend etwas in ihrer Beziehung fehlte. Daran war dann auch ihre Ehe zerbrochen.

Dann traf er Blair, einen jungen, enthusiastischen Anthropologen, der ihm mit seinen Sentinel-Fähigkeiten helfen wollte. Blair als hyperaktiv zu bezeichnen, wäre untertrieben, und Jim ertappte sich mehr als einmal dabei alle verfügbaren Möglichkeiten aufzulisten, die den jungen Mann zum Schweigen bringen würden. Mit der Zeit gewöhnte er sich allerdings an die Eigenheiten seines Partners. Anfangs hatte er es nie für möglich gehalten, dass er sich jemals an Blair gewöhnen würde, aber es passierte – langsam und unaufhaltsam. Als er es schließlich bemerkte, war es auch schon zu spät.

Sie waren die besten Freunde und Jim vertraute Blair mit seinem Leben. Während seiner Militärzeit hatte sich Jim mit Leib und Seele auf seine Kameraden verlassen müssen. Es nicht zu tun, hätte ihn oftmals das Leben kosten können. Auf den ersten Blick schien es dasselbe zu sein, aber das war es nicht. Beim Militär musste man beinahe gezwungenermaßen den Leuten vertrauen, mit denen man zusammen arbeitete. Doch mit Blair war es anders. Er vertraute ihm, weil er wusste, dass er ihm vertrauen konnte. Es war ein Vertrauen, das auf Freundschaft beruhte. Einer Freundschaft, die instinktiver war als alles, was er bisher kennengelernt hatte.

Blair war ein Mann, den Frauen umschwärmten wie die Motten das Licht. Er machte keinen Hehl daraus, dass ihm das gefiel. Doch in Jim regte sich immer öfter das vertraute Gefühl von Eifersucht. Er hatte keinerlei Rechte sich in Blairs Intimleben einzumischen, aber oft wollte er Blair anflehen, dass er seine Frauengeschichten lassen sollte. Ihm sagen, dass ihn diese Frauen niemals so tief und innig lieben könnten wie er es tat. Dass er der einzige sei, der ihn glücklich machen konnte. Doch dann blickte er in die blauen Augen seines Freundes und ihm wurde klar, dass Blair glücklich war. Er war jung und wollte sich austoben und Jim wurde bewusst, dass er damit nicht mithalten konnte. In diesen Augenblicken fühlte er sich so unendlich alt.

Doch dann geschah etwas, an das er nicht einmal in seinen schlimmsten Träumen zu denken gewagt hatte. Als Jim an diesem Tag die Bombe im Fahrstuhl explodieren hörte, brach eine Welt für ihn zusammen. ES war kaum zu ertragen zu wissen, dass sein Freund nicht mehr am Leben war. Als er dann etwas später einen blassen Blair sah, fiel ihm vor Erleichterung ein ganzes Bergwerk vom Herzen. Einige Minuten zuvor war er noch völlig verzweifelt gewesen wie noch nie, und nun hätte er vor Freude seinen Partner am liebsten ganz fest an sich gedrückt und nie mehr wieder losgelassen.

An diesem Tag entschied er, dass die Zeit reif war, Blair zu sagen was er für ihn empfand, wie wichtig er für ihn war, bevor es zu spät war. Ihm war klar, dass er auf einem schmalen Grat wanderte, aber er wollte endlich Klarheit schaffen, auch wenn er dabei die Freundschaft mit Blair riskieren musste. Aber es dauerte noch bis zum Abend, bis er endlich seinen ganzen Mut zusammen gerafft hatte. Ja, er hatte sich entschieden. Es war soweit: Jetzt oder nie.

Jim blinzelte einige Male, als er durch die Motorengeräusche von Blairs Wagen aus seinen Gedanken gerissen wurde. Er holte sich ein Bier aus dem Kühlschrank und setzte sich wieder auf die Couch, um auf Blair zu warten. Kurz darauf öffnete sich die Tür und sein Guide trat ein, der von einem Ohr zum anderen grinste.

„Hey Jim! Du glaubst niemals, was heute passiert ist.“ rief er strahlend.

Jims Mut sank, er trank einen Schluck Bier. „Also, was ist heute so Aufregendes passiert?“ fragte er, froh darüber, noch einige Sekunden lang Gnadenfrist zu bekommen.

„Heute habe ich diese Frau kennengelernt. Sie ist Archäologin und seit kurzem an der Uni. Oh Mann, einfach eine Traumfrau. Ich meine, sie ist...“ Blair unterbrach sich, als er das ernste Gesicht seines Freundes sah, „Was ist los, Jim?“

Jim atmete tief ein und ließ langsam die Luft wieder entweichen. Jetzt oder nie! „Ich wollte... ich...“ er starrte geradewegs in die Augen seines Partners, die vor Freude und Erregung glitzerten. Er unterdrückte einen Seufzer. Nein, jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt. Entmutigt sprach er weiter. „Ich... vergiss es. Nicht so wichtig. Wie heißt denn deine Traumfrau?“