Chapter Text
Einhundet Mal Minerva
von Alcina vom Steinsberg
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Stichwort 49: Katze
1. Gefühl
En Gefühl wie - ja, wie denn?
Sie kann es nicht beschreiben. Schön ist es. Anders als alles, das sie kennt.
Einzigartig. Wunderbar. Atemberaubend.
Großes wird klein, Glattes wird weich, Steifes wird geschmeidig.
Gewandte Gliedmaßen strecken und dehnen sich nach der Anstrengung.
Sie schnuppert. Seltsam, wie das riecht. Wie – nein, sie kennt es nicht. Fremd.
Sie blinzelt. Wie anders alles auf einmal aussieht. Die Welt hat ein neues Gewand.
Sie lauscht. Neue Geräusche, ungewohnt. Interessant, wie das klingt.
Sie steht auf. Gähnt. Räkelt sich. Hebt den Kopf. Ein Luftzug streicht vorbei.
Doch, das gefällt ihr.
Sie lächelt.
Hinreissend, so ein Katzenkörper.
Stichwort 11: Kartoffel
2. Hunger
Minerva schnüffelte. Das roch aber lecker! Ihr Magen knurrte vernehmlich, viel zu lange hatte sie ihn ignoriert. Erneut konzentrierte sie sich auf ihre Korrekturen, ein wenig mußte sie noch durchhalten. Ihr selbstauferlegtes Pensum wurde strikt eingehalten.
Wieder zog ein Schwaden herrlichen Duftes an ihr vorbei. Minerva schnüffelte erneut, seufzte und gab auf.
Am Herd stand ihr Liebster und rührte eifrig im Kessel. Das roch eindeutig nach ihrem Leibgericht, Kartoffelsuppe. Sie trat hinter ihn und legte die Arme um seine Mitte.
„Bald fertig“, lächelte er und schmiegte sich an sie.
„Ich weiß doch, daß du bei dem Gericht nie abwarten kannst!“
Stichwort 25: Ingwer
3. Gesundheit!
„Hatschi!“
Ein lautes Niesen erschütterte die Luft, gefolgt von einem trompetenartigen Schneuzen.
Minerva musterte den Berg gebrauchter Taschentücher und die feuerrote Nase. Armer Kerl, schon die dritte Erkältung diesen Winter!
Sie brachte ihm eine Tasse und schenkte ihm aus ihrer Thermosflasche ein. Mißtrauisch schnupperte er an dem hellen Gebräu.
„Mein Spezialrezept“, lächelte sie. „Ein daumenlanges Stück von der Wurzel, in Scheiben geschnitten, zehn Minuten gekocht und dann mit Honig gesüßt. Versuch es, es wirkt wahre Wunder!“
Severus stöhnte.
„Oh nein, Minerva, bitte nicht – geh weg mit Deinem Ingwerwasser! Und wenn es noch so gut hilft – ich kann Ingwer nicht leiden.“
Stichwort 99: Lernen
4. Müde
Dumbledore schielte vorsichtig durch die Wimpern. Sie saß reglos, starrte auf die Hände, müde, erschöpft.
Er wußte, daß sie sich von ihm beobachtet fühlte, daher gab er meistens vor, zu schlafen. Sie mußte erst lernen, sich davon nicht stören zu lassen, wollte keinen Rat von ihm, keine Hilfe.
Auch ihm war das so gegangen – wie lange war das nur her!
Manchmal bereute er, ihr diese Verantwortung zugemutet zu haben. Sie trug schwer daran, trug schwer an ihrer Position. Doch sie erfüllte sie mit aller Kraft und all ihrem Können, und sie machte es gut. Besser als er selbst, fand er.
Stichwort 89: Trauer
5. Trauer
Sie steht am Grab. In der Hand eine Rose, weiß, wie er sie liebte. Sie beißt sich auf die Lippen, unwillkürlich krampft sie die Hand um die Blume, zerdrückt sie. Was tut es. Was hat diese für ein Recht auf Leben, wenn jenes Leben vorbei ist? Kalt, erloschen, unwiederruflich.
Ihr Herz scheint aus Glas, das beim geringsten Hauch zerspringen mag, ihre Seele wie Eis. Wie soll sie nun weiterleben, nun, da ihr das Liebste genommen ist?
Eiskalte Hände zerpflücken, Blatt für Blatt. Sie fallen hinaub auf all die anderen, alte und neue, trockene und frische, ein jedes Zeichen ihres Schmerzes.
Stichwort 16: Pferd
6. Niemals!
„Niemals! Nichts, aber schon dreimal nichts bringt mich auf den Rücken dieses Monsters!“
Minerva mußte grinsen angesichts Severus' vehementer Ablehnung seines Reittieres.
„Traust du dich nicht?“ spöttelte sie.
„Natürlich traue ich mich, aber das ist unter meine Würde“, verteidigte er sich wütend, „apparieren wäre die intelligente Lösung.“
„Keineswegs. Wir befinden uns unter Muggeln, und du wolltest schließlich auf diesen Berg.“
„Ich will nicht, ich muß – nur hier wächst die Bergminze, die ich brauche. Was kann ich dafür, daß die Muggel ausgerechnet hier einen Naturschutzpark eröffnen!“
Minerva lachte nur und band die Pferde wieder an.
„Also gut, dann laufen wir eben.“
Stichwort 30: Pfefferminze
7. Zweisamkeit
Langsam schlenderte Minerva hinter Severus her. Sie genoß den Tag bei schönem Wetter und in Severus' Gesellschaft, der nun wieder fröhlicher dreinsah. Daß er manchmal aber auch so starrsinnig sein konnte!
„Hier, Minerva, schau! Das ist die walisische Bergminze.“
Gehorsam ging sie neben ihm in die Hocke und ließ sich eine weitere Pflanze erklären. Sie interessierte sich nicht sonderlich für Botanik, doch sie hörte ihm gerne zu, wenn er von den Besonderheiten einer Pflanze erzählte und auf ihre magische Wirkung hinwies. Es war so schön, einen selbstvergessenen und entspannten Severus zu erleben, so ganz anders, als er sich sonst gab.
Stichwort 48: Blumenkranz
8. Sommer
Severus hockte versunken vor einem unscheinbaren Gewächs. Feingliedrige, sensible Finger befühlten Blättchen und Stengel, er weilte in einer anderen Welt, die nur ihm gehörte.
Ein amüsiertes Lächeln umspielte Minervas Mund. Ihre Finger, nicht weniger geschickt, pflückten Margeriten und Glockenblumen, Mädesüß und Storchenschnabel und was sonst gerade blühte. Geübt flocht sie einen Kranz, duftend und leuchtend vor Farbenpracht, ein Abbild des Sommers.
Leise, unbemerkt, trat sie hinter ihn, und sanfte Hände drückten den Kranz auf sein Haupt.
Severus fuhr erschrocken auf, einen ärgerlichen Ausruf auf den Lippen, doch beim Anblick ihres verschmitzten Grinsens schmolz sein Ärger wie Butter in der Sonne.
Stichwort 76: Liebe
9. Erfüllung
Skeptisch befühlten seine Finger, was sie ihm da aufgesetzt hatte, und sein Unmut verwandelte sich in überraschte Freude. So etwas hatte er noch nie bekommen, so unschuldig und schön. Ein Lächeln erhellte sein Gesicht.
Ein heißes, unglaublich starkes Gefühl durchströmte Minerva, vertraut und doch aufregend neu. Ein Gefühl von Zärtlichkeit und Geborgenheit, ein unstillbarer Drang, diesem unmöglichen Mann nahe zu sein, so nahe, daß sie mit ihm verschmelzen konnte, mit ihm eins zu werden mit Haut und Haar, mit Leib und Seele...
„Severus“, flüsterte sie heiser, die Kehle eng vor Leidenschaft und Sehnsucht, und streckte die Hände nach ihm aus.
Stichwort 03: Wiese
10. Freiheit
Die Sonne stieg immer höher und wärmte zwei Gestalten, die es sich auf der kühlen Bergwiese bequem gemacht hatten. Vergessen waren die Kräuter, die Wurzeln, die man sammeln wollte, vergessen der Grund des Hierseins. Nur das Jetzt zählte, eine kostbare Blase inmitten der Zeit, vertan mit herrlichem Unsinn, albernen Wortgefechten, liebevollen Kabbeleien und zärtlich gehauchten Küssen. Dann wurde es still.
Minerva stütze sich auf den Ellbogen und betrachtete lächeld die schlafende Gestalt des Gefährten. Noch nie hatte sie ihn so entspannt erlebt, so in sich ruhend. Noch nie hatte sie sich selbst so jung gefühlt, so lebendig und so frei.
