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Über sanfte Emotionen

Chapter Text

Odin Allvater ist ein Schrecken, wenn er wütend ist. Sein Rat zuckt vor ihm zusammen, der Bote, der die schrecklichen Nachrichten überbracht hat, zieht den Kopf ein und weicht respektvoll zurück, um nicht ungewollt zur Zielscheibe des Zornes des Gottes zu werden.

„Diese Beleidigung soll nicht ignoriert werden“, knurrt Odin, als er sich von seinem prachtvollen Stuhl erhebt und dabei beinahe den Tisch umstößt.

Ein hörbar statisches Knistern liegt in der Luft, eine ansteigende Spannung, die auf ihrer Haut prickelt.

„Wir sollten versuchen vernünftig mit ihnen zu reden“, meldet sich einer der Ratsmänner schnell zu Wort.

Es ist jedem bewusst, dass derjenige, dessen Rat der König annimmt, als ein Held unter den Adligen von Asgard gefeiert wird.

„Nein“, mischt sich ein anderer mit gerunzelter Stirn ein. „Wir sollten das gegen die Barbaren verwenden. Vielleicht kann einer aus dem Ordinat genutzt werden, uns Informationen zu beschaffen.“

„Das ist lächerlich!“, ruft ein Dritter und rollt mit den Augen. „Wenn die Organisation ihr Abkommen mit uns zurückgezogen hat, dann sind sie jetzt unsere Feinde!“

Odin’s Ältester, Prinz Thor Odinson, steht mit einem finsteren Blick vom Tisch auf. „Schick mich, Vater. Meine Krieger und ich können das in Ordnung bringen.“

Ein freudloses Lachen ist von der anderen Seite des Tisches zu hören. Die Männer des Rats erschaudern in ihren Tuniken und werfen dem jüngeren Prinzen nachteilige Blicke zu.

„Du findest meine Aussage amüsant, Bruder?“, fragt Thor, während Odin mit seinem guten Auge vom Tischende finster blickt.

Loki Odinson lacht erneut und würdigt seinen Bruder nun endlich mit einem kalten, grünen Blick. „Du glaubst, dass deine ungeschickte Bande von Wildschweinen irgendetwas machen kann, um zu helfen? Weißt du, es gibt nun mal Situationen, die nicht durch Blutvergießen gelöst werden können.“

Loki’s Grinsen wird breiter, als er die Reaktion seines Bruders sieht. Thor’s Gesicht läuft rot an, während seine Augen schmal werden. Loki hat an sich nichts gegen Gewalt und Blut, aber er weiß, dass die Standpauke, die Thor vor kurzem wegen seiner Handlungen auf dem Schlachtfeld erhalten hat, immer noch frisch in der Erinnerung seines Bruders ist. Frisch genug, um mit einer wohlplatzierten spitzen Bemerkung in der Wunde zu stochern.

„Pass auf was du sagst, Silberzunge“, sagt Thor mit zusammengebissenen Zähnen.

Erneut wird Loki’s Grinsen größer. „Ist dein Stolz verletzt, oh mächtiger Thor? Schmerzt es mehr, als der Gedanke an das Missfallen deines Vaters?“

Als Reaktion auf Thor’s Wut erklingt Donner in der Ferne. Sein Mund und seine Zähne sind angespannt, und seine Fäuste geballt, mit dem Gedanken den anderen Prinzen zu schlagen.

„Ruhe!“, befiehlt Odin, als er mit der Faust auf den Tisch schlägt, um das Gezanke seiner Söhne zu beenden. Er wendet sich an seine Ratsmänner, die sich alle sofort aus ihren Sitzen erheben. „Lasst mich allein mit meinen Söhnen.“

Die sechs Männer verbeugen sich beinahe simultan und huschen aus dem Ratssaal, wobei sie untereinander darüber murren, dass der König nie ihren Rat annimmt.

Sobald sich die Tür geschlossen hat, fängt Thor an zu sprechen. „Vater -“

„Ruhe“, befiehlt Odin erneut. Sein Auge wandert zwischen den Prinzen hin und her. Thor steht und Loki lehnt sich in seinem Stuhl zurück. „Dieses Verhalten ist nicht akzeptabel. Wenn ihr beide unfähig seid, eure Zungen in der Gegenwart des Rats zu zügeln, dann ist vielleicht keiner von euch reif genug, diesen Treffen beizuwohnen.“

Seine Worte treffen Thor schwer, wohingegen Loki damit zufrieden ist, zu sitzen und dem Wutanfall seines Vaters zuzuschauen.

„Vater -“, versucht Thor es erneut, aber er wieder unterbrochen.

„Haltet euch vorerst von Schwierigkeiten fern“, befiehlt Odin, während er durch ein paar Karten auf dem Ratstisch blättert. „Ihr beide könnt wegtreten.“

 

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Thor grummelt vor sich hin, während er herumgeht, wobei seine vier Freunde ihm dicht folgen. Fandral hinkt ein bisschen hinterer und Hogun tauscht Blicke mit Volstagg aus, nachdem er auffallend Thor’s Rücken angeschaut hat.

„Auch wenn ich dir dabei zustimme, dass der Verrat Anlass für einen Kampf ist, solltest du nicht gehen“, erklärt Sif von der Seite des Prinzen.

„Ich weiß. Das werde ich nicht“, erwidert er angespannt, und seufzt dann, als er seine Schritte verlangsamt.

Er ist gedankenlos herumgelaufen, hat sich von seinen Füßen an den Rand von Asgard’s mächtigem Königreich leiten lassen. Der Prinz besucht den Randbezirk der Stadt nicht häufig, und die Leute bemerken ihn und wispern.

„Lass uns reiten gehen, Thor“, schlägt Fandral vor. „Das wird dir guttun.“

„Ich bin ganz deiner Meinung“, befürwortet Sif. „Das wird dich auf andere Gedanken bringen.“

Thor hält für einen Moment inne und lenkt dann mit einem Schulterzucken ein.

 

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Du hast ewig dafür gebraucht herauszufinden, wo der letzte Ordinat Abschaum sich verkrochen hat. Du hast gewusst, dass sie auf dich warten würden, aber du hattest nicht erwartet, dass sie dich vom Moment deiner Ankunft an belagern würden.

Du drehst dich und schlitzt einen weiteren Körper auf, dein Schwert schneidet sauber durch Fleisch und Knochen wie immer. Der Mann fällt schreiend zu Boden und wird durch einen anderen ersetzt, der auf dich losgeht.

Du verteilst mit Leichtigkeit Schläge und Stöße, nach hunderten von Kämpfen reagieren deine durchtrainierten Muskeln aus Reflex. Sobald du mit diesen Truppen fertig warst, würde es einfach sein herauszufinden, an welche verdorbene Gruppe sich das Ordinat gehängt hat. Und wenn du sie findest, wirst du nur noch einen weiteren Kämpf führen müssen.

Und dann würde es endlich – wirklich – vorbei sein.

Du fühlst nach deiner Macht, in dem Wissen, dass sie deine Energie aufbrauchen wird, und bist sicher, dass es dies wert ist. Dunkelheit zuckt um dich herum und spießt die Feinde auf, die dich umzingelt haben. Männer und Frauen schreien, ihre Sterbegeräusche sind Musik in deinen Ohren.

Oh, wie du das Ordinat hasst. Wie die Organisation dafür bezahlen wird, was sie dir genommen hat.

Du drückst deine Energie auf den Boden und die Erde verschiebt sich, als du dich in die Luft erhebst. Blut regnet von der tiefen Wunde in deiner Seite runter auf die Krieger unter dir, aber du hast längst vergessen, dass sie schmerzt. Du fürchtest nichts, nicht einmal den Tod.

Du würdest den Tod willkommen heißen, aber jetzt noch nicht. Nicht bis die letzte Basis fällt. Du hast so lange darauf gewartet, dein Schwert durch Vitran’s Herz zu stoßen, und du bist nicht erpicht darauf, noch länger zu warten. Und das weiß er.

Feuer fliegt von deinen Fingerspitzen auf ihre Häupter und zündet sie an wie Kerzen. Erneut erfüllt Geheul die Luft, als die Mitglieder des Ordinats sterben. Du fragst dich, wie viele noch da sind. Du fragst dich, ob sie sich abwenden und wegrennen werden.

Du spürst ein Stechen in deinem Nacken, aber bevor du die Wunde berühren kannst, durchbohrt ein Pfeil deine Schulter. Erzürnt drehst du dich um und zerstörst ein ganzes Gebiet von Kämpfern, wobei deine Macht Teile ihrer Körper in verschiedene Richtungen verteilt.

Du reißt den Pfeil aus deiner Schulter, wodurch erneut das Blut frei fließt, doch du verspürst einen plötzlichen Schmerz in deinem Bauch. Deine Finger ertasten die Speerspitze, der Geschmack von Blut verbreitet sich in deinem Mund. Die Spitze der Waffe leuchtet gelb und die Energie brennt in dir.

Du kannst nicht länger klar denken. Du bist wieder zurück, in einer anderen Zeit und an einem anderen Ort, als du gedacht hast, du würdest sterben. Du weißt es besser, als dass du die Nerven verlierst, aber du bist dem Sieg so nah, dass du nicht anders kannst, als dies schnell beenden zu wollen. Aus deiner Kehle dringt ein zorniger Schrei und ohne nachzudenken, setzt du alles frei.

Du spürst, wie sich deine Wunden öffnen, als du die um dich herum abschlachtest. Ein Schwert bohrt sich neben den Speer, als dessen Besitzer den Kopf verliert. Irgendetwas durchsticht dein Bein und zerschneidet schmerzhaft deine Kniesehne. Du knurrst und presst deine Energie auf den Boden, um aufrecht zu bleiben.

Aber du wirst langsam müde. Du weißt nicht, ob es an dem Blutverlust liegt oder ob deine Energiereserven zu Ende sind. Du bist sicher, es sind nur noch ein paar mehr. Du kannst es schaffen.

Ein weiterer grell leuchtender Pfeil erwischt dich am Rücken. Du schnellst herum und schleuderst die Frau mit Dunkelheit davon. Hinter ihr, am Rand des blutigen Schlachtfelds, siehst du fünf Personen auf Pferden.

Thor hat den Schluss deines Kampfes miterlebt. Er und seine Freunde sind sprachlos bei dem Anblick, da sie nicht erwartet haben, so nah bei Asgard ein Blutbad vorzufinden. Thor erkennt die Tracht der Barbaren unter den Leichen und auch Kleidung, die er noch nie gesehen hat.

Du bist vollkommen mit Blut bedeckt. Mindestens drei Speere ragen aus deinem Körper und Pfeile spicken deinen Rücken und deine Brust. Sie haben sich viel Mühe gegeben, dich zu Fall zu bringen, und selbst der Gott des Donners weiß nicht, wie du noch stehen kannst.

Du deutest auf die Gruppe und deine Augen weiten sich, als du siehst, wie eine Figur auf sie zuläuft. Der Prinz dreht sich um und findet einen Mann zu seiner Rechten, der mit einer seltsamen, kleinen Waffe auf ihn zielt. Bevor der Prinz reagieren kann, durchtrennt die Dunkelheit, die du zu kontrollieren scheinst, den Arm des Mannes an der Schulter. Die Waffe fällt zu Boden, während etwas Goldenes daraus zischt. Sif lenkt ihr Pferd zu der stöhnenden Figur und beendet erfolgreich das Leben des Mannes, der auf ihn geschossen hat.

Die tapferen Drei schließen sich dem Kampf mit den restlichen Barbaren an, mit Thor an der Spitze. Er zerschlägt den Schädel eines Mannes, als sich sein Pferd plötzlich mit angelegten Ohren aufbäumt.

„Thor!“, brüllt Hogun, wobei er seinem Pferd die Sporen gibt, in der Hoffnung den nahenden Soldaten aufzuhalten.

Aber du siehst auch die Frau, die auf Thor’s Pferd zueilt. Du ignorierst einen weiteren Schnitt in deinem Arm, als du sie bei lebendigem Leib verbrennst, bevor sie ihn erreichen kann.

Wenn das Ordinat hinter dem blonden Mann her ist, dann wirst du nicht zulassen, dass sie ihn bekommen.

Daraufhin beginnen die übrig gebliebenen Krieger sich Dinge zuzurufen. Thor hört seinen Namen, auch wenn der die restlichen Worte nicht verstehen kann. Die wenigen restlichen Überlebenden ziehen sich zurück, als du plötzlich anfängst zu schwanken.

Dein Kopf fühlt sich schwummrig an. Irgendetwas ist nicht in Ordnung. Du kannst nicht länger deine Energie aus deinem Körper projizieren und deine Füße berühren den Boden. Dein schlimmes Bein gibt sofort nach und du gehst zu Boden. Blut fließt in deinen Mund, aber bevor du es aushusten kannst, wird die Welt um dich herum schwarz.

Thor steigt schnell von seinem Pferd ab, während seine Freunde ihm nachrufen. Der Prinz eilt über den blutdurchtränkten Boden, um deinen bewusstlosen Körper vor zwei anderen Männern zu erreichen. Er schwingt seinen Hammer Mjolnir so leicht, wie du dein Schwert und hat keine Probleme die Brust des ersten Mannes, den er erreicht, einzuschlagen. Der zweite flieht und lässt alle Gedanken an Triumph und an den Ruhm, den Vitran ihm erweisen würde, wenn er mit dir zurückkehren würde, hinter sich.

Thor geht mit gerunzelter Stirn neben dir in die Hocke. Deine Brust hebt und senkt sich schnell, als dein Körper darum kämpft am Leben zu bleiben.

„Sie atmet!“, ruft er seinen Freunden zu. „Wir müssen sie zurückbringen.“

„Du willst so ein Monster nach Asgard bringen?“, fragt Hogun von seinem Pferd, während er die Leichen, die das Feld umgeben, begutachtet.

Thor zieht einen kleinen goldenen Pfeil aus deinem Hals, die Nadel ist lang und spitz. Er erinnert sich an das goldene Schimmern, das er aus der Waffe des Mannes schießen hat sehen, welches ungefähr die Größe dieses Pfeils hatte. Du hattest sein Ziel umgelenkt, als du den Arm des Mannes abgetrennt hast. Du hast ihn gerettet. Er weiß nicht vor was. Aber du hast ihn gerettet.

„Ja“, antwortet er bestimmt. „Helft mir.“

 

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Die Krankenstation des Palasts ist prachtvoll. Goldene Vorhänge umsäumen die Fenster in jedem Zimmer und die weißen Bettlaken sind frisch und sauber. Die Marmorböden werden von den Palastdienern makellos gehalten und sie haben gerade ihre tägliche Arbeit beendet.

Du ruinierst das alles.

Dein Blut bedeckt Thor’s Vorderseite, als er dich reinbringt, mit jedem seiner Schritte hinterlässt er rote Flecken auf dem Boden. Sobald er den Palast betreten hatte, rief er laut: nach den Krankenpflegern, nach seiner Mutter, nach den Dienern, nach jedem. Jetzt hat er mit deinem Körper die Krankenstation erreicht, während drei Pfleger schnell hinter ihm hereineilen. Die Speere und Pfeile verhindern, dass er dich auf eines dieser netten weißen Bettlaken legt, also hält er dich hoch, während die zwei Frauen und der Mann aufschreien und nach Luft schnappen, als sie sehen, in was für einem Zustand du bist.

„Ist sie überhaupt noch am Leben?“. Fragt eine der Frauen.

„Sie atmet“, wiederholt Thor erneut.

„Wir brauchen Königin Frigga“, stellt der Mann händeringend fest. „Ich habe nicht die Magie für das.“

„Sie ist auf dem Weg“, erzählt Thor ihm schroff, während er sich in der aktuellen Situation ziemlich hilflos fühlt.

„Wir werden diese entfernen und den Blutfluss stoppen müssen“, bemerkt die andere Frau mit einem grimmigen Blick. „Sie wird verbluten, wenn wir uns nicht beeilen.

„Einem nach dem anderen dann“, stimmt die andere Frau zu und sie beginnen ihre Arbeit.

 

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Loki sitzt bei seiner Mutter und blättert leise durch die Seiten seines Romans. Frigga Allmutter liest in dem Stuhl neben ihm. Sie genießt es zu lesen und der Zeitvertreib ist sogar noch angenehmer, wenn ihr jüngster Sohn ihr Gesellschaft leistet.

Sie sitzen in ihrem großzügigen Quartier, zufrieden mit der Stille. Loki ist schon immer von Büchern und Wissen angezogen worden, also hat Frigga dafür gesorgt seltene und fremdartige Literatur ausfindig zu machen, um ihre persönliche Bibliothek zu füllen.

Ein plötzliches Klopfen an der Tür lässt Mutter und Sohn von ihren Seiten aufblicken.

„Königin Frigga! Ihr müsst schnell kommen!“

Es ist ihre persönliche Dienerin, Gudrun. Die Frau klingt panisch, als ob sie etwas Schreckliches gesehen hat (was sie ziemlich sicher hat). Königin Frigga steht schnell auf, als sie Gudrun zuruft einzutreten.

Die Dienerin eilt durch die Tür, ihr Gesicht rot und fleckig. „M’lady, es tut mir so leid Euch zu stören. Thor hat ein Mädchen mitgebracht und sie ist voller Blut, man kann es kaum glauben! Die Pfleger sagen, sie verstehen nicht einmal, wie sie noch am Leben sein kann!“

Loki schließt augenrollend sein Buch mit einem Knacken. „Warum verspürt mein Bruder den Drang seine Haustiere mit sich in unsere Hallen zu schleifen?“

„Er behauptet, dass sie sein Leben gerettet hat“, antwortet die Frau, auch wenn sie zu Frigga, und nicht ihrem Sohn, spricht.

Frigga braucht nicht lange, um ihre Entscheidung zu treffen. Sie hat keine Ahnung, in was für eine Situation Thor sich gebracht hat, aber wenn du ihm wichtig genug bist, dass er dich zurück zum Palast bringt, dann bist du wichtig genug, dass sie dich behandelt. Falls du wirklich ihrem Sohn geholfen hast, dann hat sie keine Probleme damit, dich am Leben zu halten.

„Dann sollen wir im Gegenzug ihr Leben retten, wenn es möglich ist“, sagt die Königin ruhig. „Geh voran, Gudrun.“

Die zwei Frauen beginnen ihren gehetzten Gang zum Krankenflügel und Loki senkt sich wieder in seinen gemütlichen Sitz. Er hat kein Interesse an dem Ereignis und wünscht auch nicht, da hineingezogen zu werden.

„Was ist diesem Mädchen zugestoßen, dass sie in solch einem Zustand ist?“ fragt Frigga ihre Dienerin.

Würden die Marmorhallen des Palasts von Asgard nicht so hallen, hätte Loki die Antwort nicht mitbekommen. Aber er hört deutlich wie Gudrun erklärt, dass Thor erzählt hat, dass du mindestens hundert Barbaren – alleine – bekämpft hast, bevor du zu Fall gebracht worden bist.

Und auch wenn er sich sicher ist, dass Thor übertreibt, beschließt Loki, dass du womöglich doch einen Blick wert bist.

 

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Der Allmutter stockt der Atem, als sie dich sieht. Sie kann einfach nicht anders. Sie hat viele Dinge in ihrem langen Leben gesehen, und auch bei vielen Verletzungen geholfen, aber hätte sie nicht das Heben und Senken deiner Brust gesehen, würde sie dich sofort für tot erklären.

„Was ist das für eine Kreatur, dass sie trotz dieser Wunden lebt?“, fragt Loki laut, als er mit seinem scharfen Blick die blutdurchtränkten Bandagen und Bettlaken sieht.

„M’lady! Wir können den Blutfluss nicht stoppen!“, ruft einer der Pfleger, als Frigga vor eilt und ihre Hände beginnen sofort leicht golden zu leuchten, noch bevor sie dich erreicht.

„Zeig etwas Respekt, Loki“, sagt Thor von der Seite seines Bruders. „Sie hat mich gerettet.“

„Vor was?“, fragt Loki und wirft seinem Bruder einen herablassenden Blick zu. „Du solltest dich doch von Schwierigkeiten fernhalten, weißt du.“

Frigga zuckt zusammen, als sie ihre Hände auf dich legt und ihre goldene Magie sich über deine Wunden ausbreitet. Sie sind noch schrecklicher, als sie gedacht hat. Sie kann fühlen, was unter deiner Haut passiert, und etwas ist nicht in Ordnung.

Wir waren kaum außerhalb von Asgard“, verteidigt sich Thor und verschränkt die Arme. „Wir sind auf einen Kampf zwischen ihr und mindestens hundert Soldaten gestoßen.“

„Du scherzt“, sagt Loki, während er dich beäugte, wie du mit offenen Wunden auf dem Bett liegst. „Deine Übertreibungen beginnen lästig zu werden.“

„Ich übertreibe nicht“, erwidert Thor ernst. „Du kannst gehen und selbst nachsehen. Sie hat eine ziemliche Sauerei verursacht und war schon beinahe fertig, als wir angekommen sind.“

„Und bist du gleich losgestürmt, um dieser Maid zu helfen? Hast du dich den Gefahren ausgesetzt? So dass ein einfaches Mädchen den Gott des Donners retten musste?“

Loki spricht ‚Gott des Donners‘ wie ein Schimpfwort aus, seine Stimme voller Eifersucht, die er als Abscheu tarnt.

„Nein, ich habe kaum geholfen“, erzählt Thor mit gerunzelter Stirn.

„Was dann?“, blafft Loki.

Thor zieht zwei kleine goldene Pfeile aus seiner Tasche – der eine von deinem Hals, den anderen hat Sif auf seinen Wunsch hin gefunden.

Loki verhöhnt ihn. „Was sind das für Teile? Du hattest doch sicher keine Todesangst davor gestochen zu werden.“

Er ist, um ehrlich zu sein, fasziniert, aber es fällt ihm immer am leichtesten seinen Bruder zu beleidigen.

„Gift“, sagt Frigga in die Stille hinein, wodurch sie die Aufmerksamkeit ihrer beiden Söhne auf sich zieht. „Hier ist mehr im Gang, als diese physischen Wunden. Was hat es mit diesen auf sich?“

Sie berührt leicht deine alten Narben, ihre Finger streifen kaum die unebene Haut.

„Sie waren bereits da, M’lady“, informiert sie einer der Pfleger.

„Wird sie überleben, Mutter?“ fragt Thor und tritt vor, um neben ihr zu stehen.

„Vielleicht mit andauernder Behandlung. Loki, ich benötige deine Unterstützung“, ruft Frigga, ohne von deinem blutverschmierten Bauch aufzublicken.

„Bei was?“, fragt Loki, als er seine Gedanken an Gifte und goldene Pfeile unterbricht.

„Sie wird sterben, wenn wir den Blutfluss nicht stoppen können“, teilt Frigga ihm mit. „Du musst helfen, schnell.“

Der männliche Pfleger lässt seine heilenden Hände auf deinen Schultern, während die Königin ihre ganze Aufmerksamkeit auf deinen ruinierten Bauch richtet. Blut blubbert zwischen ihren Fingern hervor und sie kann bereits fühlen, wie sie schwächer wird, als sie ihre Magie in dich leitet.

„Warum?“, fragt Loki, wobei er seine dunklen Augenbrauen hochzieht. „Das Mädchen bedeutet mir nichts, warum sollte ich mich bemühen sie am Leben zu erhalten?“

Jetzt sieht Frigga zu ihm rüber, ihre grauen Augen gefährlich ruhig. „Sie hat uns das Leben von deinem Bruder gegeben. Das Gift, das ihren Körper zerstört, hätte auch ihn getroffen. Wir können sie nicht sterben lassen.“

„Ich bin nicht mein Bruder“, argumentiert Loki, wobei er abweisend mit seiner Hand winkt. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass das Mädchen mich gerettet hat.“

Thor wirft ihm nun einen finsteren Blick zu, der ihn an Frigga’s erinnert. „Du würdest sie sterben lassen? Hast du keine Ehre in dir, Bruder?“

„Das hat nichts mit Ehre zu tun“, erklärt Frigga, in dem Wissen, dass Thor’s Aussage ihren Jüngsten nur noch mehr vom Helfen abbringen wird. „Ich bin bereits geschwächt. Wirst du nicht deiner Mutter zur Hand gehen, Sohn? Oder denkst du, dass du unfähig bist zu heilen?“

Jetzt ist es eine Herausforderung und das auch noch von seiner Mutter. Loki erkennt die List (er ist der Prinz der Trickserei) und überlegt, ob er nicht einfach den Raum verlassen soll. Allerdings kann er die Verzweiflung in der Stimme seiner Mutter hören, sieht sie versteckt in ihren Augen. Und kaum jemand im ganzen Königreich weiß, dass er alles für Frigga tun würde.

„Dann macht Platz“, ordnet er an und tritt vor, als die Pfleger zur Seite weichen.

Er weiß, dass sie sich in seiner Nähe unwohl fühlen. Er kann die Anspannung spüren, die er bei allen mit Ausnahme von seiner Familie verursacht, und manchmal auch bei ihr. Ein Lächeln zuckt an seinen Lippen, als die Pfleger ihn abschätzen.

Sollen sie das ruhig machen.

Loki beschwört seine Magie, ein leichter grüner Schimmer bedeckt seine Hände und er legt sie auf dich. Nur Frigga bemerkt, anhand des leichten Weitens seiner Augen, dass er von dem, was er fühlt, schockiert ist.

Deine Wunden sind tief und du hast innere Blutungen. Das Blut macht deine Haut glitschig und er muss sich dazu zwingen seine Hände nicht vor Ekel zurückzuziehen. Er hat beschlossen, dass seine erste Aussage über dich stimmt – du musst eine Kreatur oder ein Monster sein, um das alles überlebt zu haben.

Er spürt das Gift, wie es seine Mutter zutreffend genannt hat. Loki wendet sich zu Thor um, der sich hilflos neben dem Krankenbett herumtreibt.

„Sie wollten dich vergiften? Wer waren sie?“

„Barbaren“, antwortet Thor. „Allerdings war derjenige, der auf mich geschossen hat, keiner von ihnen. Da war eine andere Gruppe von Leuten unter ihnen, die ich nicht erkannt habe. Es schien, als ob sie sie gekannt hat. Da war Hass in ihren Augen, als sie sie niedergemetzelt hat.“

„Ich sehe keine Waffe“, ergreift Frigga das Wort, während sie ihre Hände über deinen Bauch bewegt. „Hast du sie auf dem Schlachtfeld gelassen.“

Thor schüttelt seinen Kopf. „Sie führte ein dunkles Schwert, welches verschwand, als sie ohnmächtig wurde. Dieses Mädchen hat Magie. Sie hat ihre Feinde in Brand gesteckt, schwebte über dem Boden und hat Dunkelheit herbeigerufen, die sie kontrolliert hat.“

Jetzt ist Loki interessiert.

„Dunkelheit?“, fragt er. „Was für eine Art Magie ist das?“

„Ich weiß es nicht“, meint Thor mit einem Schulterzucken. „Du bist der Zauberer.“

Da kommt Loki eine Idee. Wenn du Magie besitzt, die er noch nicht gemeistert hat, dann will er sie. Aber um ihm davon zu erzählen (denn du könntest es ihm natürlich nie lehren), musst du wach sein. Du musst leben.

Also wird er dir helfen zu leben.

Chapter Text

Es dauert mehr als eine Stunde den starken Blutfluss aus deinen Verletzungen zu stoppen. Das Gift des Ordinats verhindert, dass sich die Wunden schließen, sodass der Heilungsprozess deines Körpers so gut wie gar nicht stattfindet. In dem Moment, als du den Klauen des Todes entkommst, fällt der männliche Pfleger nach hinten und verliert beinahe das Bewusstsein.

„Es tut mir leid, Meine Königin“, keucht er, während ihm der Schweiß über die Stirn läuft. „Ich habe nichts mehr übrig.“

„Das ist nicht deine Schuld, Olav“, stellt Frigga gütig fest, ihre grauen Augen müde.

Er ruht sich aus, während die anderen beiden Pfleger deinen Körper von dem überschüssigen Blut säubern. Nachdem sie die Bettlaken gewechselt haben, weißt Frigga sie an Olav in sein eigenes Bett zu bringen und sie lassen sie allein in dem Zimmer, mit deinem bewusstlosen Körper und ihren beiden Söhnen. Loki weiß, dass seine Mutter dein Inneres zusammengeflickt hat und somit die schlimmeren Verletzungen geheilt hat, die dir zugefügt worden sind. Ihre Kraft lässt nach, als die Sonne untergeht, und Frigga’s Atem wird zu einem Keuchen, dem deinem ähnlich.

„Mutter, überanstreng dich nicht“, durchbricht Thor die Stille.

Mit Sorge in seinen blauen Augen tritt er von der Wand weg.

„Ich kann sie nicht alleine lassen“, beharrt Frigga und zwingt sich, ihre Magie noch stärker und weiter in deinen Körper zu drücken als zuvor.

„Sie wird nicht allein sein“, bemerkt Loki lässig. „Du hast zu viel auf dich genommen, Mutter. Ich habe noch genug Magie übrig.“

Er ist zuversichtlich. Er hat kurz zuvor deine Kniesehne repariert und sie wieder an den richtigen Muskel gehängt. Frigga hat das lebenswichtige Heilen niemandem außer sich selbst überlassen und während sie sicher dein Leben gerettet hat, wird sie bald keine Magie und Energie mehr haben.

Die Königin schaut ihren Sohn an und versucht die versteckten Motive in seinem Blick zu sehen. Sie weiß, dass da etwas ist, was er hofft von dir zu bekommen. Der jüngste Prinz gibt nichts, ohne eine Gegenleistung zu verlangen.

„Sollte sie sterben, war unsere ganze Arbeit umsonst“, stellt Frigga fest, ihre Gedanken vor Erschöpfung durcheinander. „Bitte, Loki, leg für das Mädchen deine Tricks beiseite. Sie hat mehr an sich, als man auf den ersten Blick erkennt. Wir brauchen sie lebend.“

Loki wird zornig und seine grünen Augen funkeln wütend. „Ich würde doch nicht den Tod von jemandem herbeiführen, für die wir Stunden damit verbracht haben sie am Leben zu erhalten. Hast du wirklich so eine geringe Meinung von mir, Mutter?“

Sie wissen, dass er lügt, selbst er weiß das, auch wenn keiner von ihnen dies laut sagen wird. Das ist genau das, was Loki tun würde. Allerdings wissen sie nichts von seiner privaten Untersuchung, nichts von seiner Neugier, die sich um das Spektakel, das sein Bruder beschrieben hat, dreht. Er will die Macht, die du hast. Er ist gierig und er wird alles Nötige tun, um sein Ziel zu erreichen.

Frigga sieht diese Entschlossenheit in ihrem Sohn, auch wenn sie nicht weiß, woher sie kommt. Die müde Königin neigt ihren Kopf und lässt dich los. Ihre Hände sind bedeckt mit getrocknetem Blut und deine Wunde blubbert leicht, nachdem der Druck von ihr genommen wurde.

Thor greift die Schulter seiner Mutter, bevor sie fällt, und Loki legt wiederwillig seine Hände auf die Stelle, wo die seiner Mutter gerade gewesen sind. Seine Magie macht da weiter, wo Frigga’s aufgehört hat und seine Augen weiten sich, als er spürt, wie viel seine Mutter für dich getan hat.

„Ich werde dich am Morgen ablösen, wenn du denkst, dass du die Nacht durchmachen kannst“, murmelt Frigga.

Loki dreht sich zu ihr um. „Du glaubst, dass es nötig ist die ganze Nacht zu bleiben?“

„Du hast gesehen, was passiert ist, als ich sie losgelassen hab“, erklärt Frigga ihm mit einer leicht verärgerten Stimme. „Ich kann in ein paar Stunden zurück sein, wenn es nötig ist.“

„Nein, nein“, korrigiert Loki, wobei er seinen Kopf schüttelt. „Ruh dich aus. Ich schwöre, dass ich hier sein werde, wenn du am Morgen zurückkommst.“

Es ist allgemein bekannt, dass die Schwüre des Prinzen der Lügen wenig Bedeutung haben, aber dies ist ein Versprechen an seine Mutter. Sie senkt ihren Kopf in Anerkennung und erlaubt ihrem älteren Sohn sie aus dem Zimmer, zurück in ihre Gemächer, zu führen.

Loki sitzt allein mit dir in der Krankenstation. Er arbeitet für eine lange Zeit schweigend, während er sich darauf konzentriert, seine Magie stabil zu halten. Aber bald, ohne die Gegenwart seiner Mutter, sickert Verbitterung in seine Gedanken.

„Weißt du, was ich alles machen könnte, wenn ich nicht dazu angewiesen wäre dein erbärmliches Leben zu retten?“, fragt er in einem kühlen Ton. Er weiß, dass du nicht antworten kannst, allerding gefällt ihm der Klang seiner eigenen Stimme zu sehr, um einfach schweigend dazusitzen. „Ich könnte meine Magie üben, geheime Techniken, die geeigneter für mich sind als unbedeutendes Heilen.“

Loki wird still, als er fühlt, wie warmes Blut unter seinen Händen hervorquillt. Er übt mehr Druck aus und seufzt. „Ich würde wohl wahrscheinlich lesen, wenn ich nicht hier wäre. Du hast mir meinen Roman verdorben.“

Die restliche Nacht verbringt er damit, den Roman für sich selbst laut nachzuerzählen, um sowohl seine Verärgerung mit dir zu steigern, als auch um wach zu bleiben. Zu dem Zeitpunkt, als Frigga zurückkehrt, ist Loki verstummt, während seine Hände nur noch gering grün leuchten und dein Blut erneut aus deinen Wunden sickert.

Er ist frustriert. Seine Mutter übertrifft ihn in vielen Zauberkünsten und sein Desinteresse an der Heilkunst rächt sich jetzt. Er ist nicht genug und er nimmt es nicht gut auf der Zweitbeste zu sein.

„Geh und ruh dich aus, Sohn“, teilt Frigga ihm mit, als sie ihre Hand auf seine Schulter legt. „Das hast du gut gemacht.“

„Nicht gut genug“, erwidert er und gibt sich noch mehr Mühe den Blutfluss aus deinen Bauchwunden zu stillen. „Sie blutet wieder.“

„Aber sie ist am Leben und das ist alles, was ich von dir verlangt habe“, sagt Frigga sanft.

Loki verlässt das Krankenzimmer und schaut alle, die ihm begegnen, finster an. Diener weichen ihm aus, in dem Wissen was für Dinge passieren, wenn der Mann schlecht gelaunt ist.

 

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Der jüngere Prinz besichtigt das blutige Schlachtfeld und nimmt zur Kenntnis, wie viele Leichen du zurückgelassen hast. Thor hat ausnahmsweise mal nicht übertrieben.

Der Geruch von Eisen und Verwesung liegt in der Luft. Vögel waren hier an der Arbeit und haben das Fleisch der Toten gefressen, wodurch nackte weiße Knochen freigelegt wurden. Sie fliegen vor ihm weg und kreisen über ihm, wobei sie dunkle Federn zurücklassen.

Er geht zwischen dem Gemetzel spazieren und steigt über Leichenteile, als die Sonne sich weiter dem Horizont nähert. Wenn der Mond aufgeht, muss er zurück im Palast sein, um den Platz seiner Mutter an deiner Seite einzunehmen. Aber im Moment betrachtet er deine Zerstörung.

Die Erde ist schrammig und verbrannt, der Boden durchtränkt mit dem Blut deiner Feinde. Er ist beinahe beeindruckt, auch wenn du ihn nie beeindrucken könntest. Er kann das Echo deiner Macht in der Umgebung spüren und das Gefühl weckt seine Gier nach ihr.

Er fragt sich, ob er sie dir nehmen muss oder ob du ihm freiwillig erzählen wirst, was du bist. So oder so, er wird es herausfinden. Er erinnert sich daran seinen Bruder um einen Einblick in dessen Erinnerung zu bitten, um zu sehen, wie die Magie aussieht, die zu benutzt.

Loki wendet sich zum Gehen um, zufrieden mit der Wahrheit, und etwas bleibt an seinem Stiefel hängen. In dem Glauben, dass es ein vereinzelter Arm ist, schüttelt er es ab und sieht nach unten. Er findet keine Leiche, sondern eine schwarze Tasche.

 

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„Ich habe deine Besitztümer, Monster“, erzählt Loki dir verächtlich. „Ich nehme zumindest an, dass es deine sind. Es fühlt sich nach deiner Macht an.“

Er hat dir dein Bündel mitgebracht und hält es mit seiner Magie versteckt, bis er mit dir alleine ist. Seine Mutter und sein Bruder würden es, natürlich, missbilligen.

„Ich werde sie durchsuchen. Ich frage mich, was für Dinge du versteckst hast.“

Er wühlt vor dir durch deine Habseligkeiten und zieht nach und nach Dinge heraus.

Du hast Kleidung darin, obwohl alles zerlumpt, zerrissen oder mit verkrustetem Blut bedeckt ist. Er schürzt die Lippen. „Was ist das für ein Schund? Trägst du immer solche abscheulichen Lumpen?“

Da sind auch noch Essensvorräte und Wasserkanister, welche er mit Abscheu beäugt und nicht anfassen will. Interessanter ist dein restlicher Kram. Er ist selbst ein Sammler und fragt sich, ob du irgendetwas hast, was er seiner eigenen Sammlung beifügen kann.

Aber nachdem er sich alles näher angeschaut hat, sieht er, dass deine Gegenstände wertlos sind. Zum einen ist da ein Kristall ohne irgendwelche magischen Eigenschaften, als ob du ihn einfach vom Boden aufgehoben hast (hast du). Er findet eine wertlose angelaufene Silberkette, der Anhänger nutzlos. Ein gewebter Hut ohne irgendwelche Fähigkeiten. Eine einfache Muschel von einem fremden Meer. Loki durchsucht deine wertlosen Sachen, sein Frust wächst mit jedem Objekt, das er berührt.

Wo ist die Magie? Der Müll, den du mit dir herumschleppst, ist bedeutungslos für ihn und ohne Macht, ist es in seinen Augen nutzlos.

Er wirft deine Tasche frustriert zu Seite und etwas, das schwarz und klein ist, schlittert daraus über den Boden. Er streckt seine Hand aus und das Objekt fliegt vom Boden in seine schmalen Finger.

Es ist ein Buch. Hast du vielleicht Tagebuch geführt? Neugierig schlägt er die erste Seite des kleinen Buchs mit einer Hand auf. Er spürt etwas unter seinen Fingern prickeln.

Hier steckt Magie drin. Aber auch wenn er sie spüren kann, fühlt es sich nicht wie deine an. Trotzdem fängt er an zu lesen, wobei er schnell bemerkt, dass du nicht die Einzige bist, die in das Buch schreibt.

Jemand namens ‚Willow‘ schreibt zurück. Die Magie darin erlaubt es dir und dieser Person miteinander zu kommunizieren. Er blättert durch die Seiten und überfliegt dabei einzelne Passagen.

Er findet deine Liste, die eine mit den Mitgliedern des Ordinats. Bis auf einen sind sie alle durchgestrichen und der Letzte ist überaschenderweise ein Name, den er erkennt. Der Mann ist in den Palast gekommen, um ein Abkommen mit seinem Vater, Odin, zu treffen. Bevor Asgard zustimmen konnte, haben sie herausgefunden, dass der Anführer Geschäfte mit jemand anderen abgeschlossen hat – ihren Feinden.

Dieser Mann ist Vitran.

Er untersucht die Art und Weise, wie du deine Sätze hinkritzelst. Deine Worte sind treffend, dein Humor schwarz und trocken. Er realisiert, dass du diese ‚Willow‘ kennst, dass sie dir von ihren eigenen Reisen schreibt.

Und in diesen Schriften findet er deinen Namen.

 

---

 

Seine Mutter hat deine inneren Verletzungen geheilt, aber es klaffen immer noch weite rote Löcher in deiner Haut. Loki’s Hände glühen in einem kräftigen Grün, seine Magie durch seine Rast gestärkt.

„Du bist ziemlich langweilig“, stellt er fest. „Ich sollte dich einfach sterben lassen. Ich denke, dass wäre eine Wohltat.“

Wie üblich gibst du keine Antwort. Er beginnt zu reden, erzählt, wie er geschlafen hat und dass er den Gedanken, zu dir zurückkehren zu müssen, verabscheut. Er erlebt im Geiste noch einmal seinen Spaziergang durch das Leichenfeld und nennt dich eine Mörderin. Er teilt dir mit, dass sein Vater deine Anwesenheit nicht erdulden wird, sobald du wach bist.

Loki schürzt nach dieser Aussage die Lippen. „Mein Vater“, erzählt er dir entrüstet, „kann wirklich unausstehlich sein.“

Und jetzt beginnt Loki sich über ihn auszulassen, anstatt dich zu beschimpfen. Du bist bewusstlos, also verspürt er nicht das Bedürfnis, seine Zunge zu hüten. Er beschreibt seinen arroganten Vater, seinen idiotischen Bruder, wie oft er sich wundert, wie sein Leben ohne die beiden wäre.

„Und doch liebe ich sie“, gibt er widerwillig zu, während er deinen Bauch anstarrt. „So wie alle Söhne ihre Väter und alle Brüder sich gegenseitig lieben müssen.“

Aber Loki hat immer mehr in seinem Leben gewollt. Er wird nicht der König sein – das gebührt dem älteren Prinzen – also was bleibt für ihn übrig? Vielleicht ist deswegen seine Begierde nach Macht so groß. Vielleicht denkt er, dass er irgendwie den Lauf der Zukunft ändern kann. Aber dafür muss er alles an Magie und Wissen und Macht sammeln, was er aufbringen kann.

„Und das beinhaltet die Magie, die du verbirgst“, beschließt er laut, während er auf deine Wunden starrt. „Du wirst in meiner Schuld stehen, wenn du überlebst.“

 

---

 

„Was ist das?“, fragt Odin seinen Sohn, während er mit einem Stück Papier in der geballten Faust wedelt. „Du sagst, du kannst das erklären?“

„Das kann ich“, erwidert Thor.

Vor dem Thron kniend erzählt er ausführlich alles seinem Vater. Thor beendet seinen Bericht mit der Nacherzählung von der Heilung, die sein Bruder und seine Mutter für dich in der Krankenstation ausüben und Odin kann nicht anders, als verärgert zu schnauben.

„Frigga hat die Fremde erwähnt“, knurrt der König und entspannt die Faust, die die Forderung der Barbaren hält. Er liest die Nachricht noch einmal und sieht zu seinem Sohn hinab. „Also lügen sie. Diese Mädchen gehört nicht ihnen.“

„Das tut sie nicht“, bekundet Thor, wobei er sich erhebt, um seinen Standpunkt zu betonen. „Sie haben nicht das Recht, sie von uns zu fordern.“

Odin zerknüllt erneut den Brief, empört über die Worte, die seine Feinde ihm und seinem Königreich an den Kopf geworfen haben. Er sieht abermals zu Thor. „Und du sagst, sie hat dich gerettet?“

„Das hat sie, gewiss.“

„Und du sagst, sie hat sie alleine bekämpft?“

„Ja.“

Langsam beginnt eine Idee in Odin‘s Kopf zu entstehen. Aber zuerst muss er es selbst sehen. „Zeig es mir.“

 

---

 

Die Wochen vergehen qualvoll langsam. Loki findet dich langweilig. Nicht einmal deine Habseligkeiten interessieren ihn noch. Er fragt sich, warum er immer wieder zurückgeht. Warum er weiterhin jede Nacht zu dir spricht. Er kann nicht anders, als zu reden. Ansonsten bringt er Bücher zum Lesen. Sie schweben neben ihm, wobei er die Seiten magisch umblättert, während seine Augen deren Worte aufnehmen.

Thor hat längst aufgehört die Krankenstation zu besuchen, da er sich wegen seiner Hilflosigkeit unwohl fühlt. Doch dir geht es immer besser. Frigga hat unermüdlich daran gearbeitet dein Inneres wieder zusammenzuflicken. Bald wird sich auch die Oberfläche deiner Haut zusammenfügen, so es die Neun wollen. Loki stellt fest, dass je mehr er mit dir arbeitet, desto besser werden seine Heilkünste. Anstatt stolz auf dich zu sein, dass du um dein Leben kämpfst, oder stolz auf seine Mutter zu sein für ihre magische Behandlung, ist er stolz auf sich selbst und seine Errungenschaft.

Das erzählt er dir auch und prahlt mit sich selbst in der Stille. Du kannst ihn nicht hören, sonst hättest du sicher mit den Augen gerollt.

In der nächsten Woche schlägt das Fieber zu.

Die Pfleger befürchten, dass selbst die Magie der Allmutter nicht ausreicht, um dich zu retten. Sie verbringt den ganzen Tag an deiner Seite, während die Frauen und Olav die kühlen Waschlappen auf deiner Stirn austauschen. Die Königin ist vollkommen ausgelaugt, als ihr jüngster Sohn durch die Tür schlendert.

Bei dem Anblick des erschöpften Gesichts seiner Mutter bleibt er stehen. Etwas ist nicht in Ordnung.

„Was ist passiert?“

„Ein Fieber“, antwortet Frigga, während die damit kämpft die Augen offen zu halten.

„Hilf ihr auf ihr Zimmer“, befiehlt Loki einem der Diener, der diesem eilig nachkommt.

Frigga ist zu müde, um zu wiedersprechen, kaum in der Lage sich auf den Beinen zu halten, als sie sich zum Gehen auf den Diener stützt.

„Warum wurde ich nicht herbeigerufen?“, zischte Loki wütend die drei Pfleger an, die alle genauso erschöpft wie seine Mutter aussehen.

„Prinz Loki, wir -“, beginnt eine der Frauen, aber er unterbricht sie.

„Raus hier!“

Er will sie nicht sagen hören, dass sie dachten, er würde nicht kommen.

Er sitzt in seinem Stuhl neben dem Bett und lehnt sich sofort nach vorne, um seine heilenden Hände auf dich zu legen. Deine Haut ist heiß unter seinen Fingern, ein leichter Schweißfilm bedeckt dein Gesicht.

In dieser Nacht redet Loki nicht. Er liest nicht. Er konzentriert sich einzig darauf, dich am Leben zu erhalten. Tot hast keinen Nutzen für ihn. Wenn du stirbst, sterben deine Geheimnisse mit dir. Und das kann er nicht zulassen.

Es ist tief in der Nacht, als du dich rührst. Er hat sich nie ausschließlich auf dein Gesicht konzentriert, da er es bevorzugt dich als gedankenlosen Körper und nicht als lebende Person zu sehen, aber hat keine andere Wahl, als du dich bewegst. Deine Augen öffnen sich, die aufgrund des Fiebers glasig sind. Sie sind wie der Stahl eines frisch polierten Schwertes.

Er lehnt sich nach vorne, um dir Fragen zu stellen, um zu sehen, ob du deine Magie zeigst, aber bevor er sprechen kann, reibt deine Stimme über deine Lippen.

Du nennst einen Namen, den er nicht erkennt. Da ist ein verwunderter Klang in deiner Stimme. Er kann es hören und es lässt ihn innehalten.

„Du lebst“, sagst du und küsst ihn.

Deine Lippen sind fiebrig auf seinen und da ist ein tiefes Bedürfnis in deiner Handlung.

Loki zuckt mit leicht geöffneten Mund zurück. Du legst die Stirn in Falten, als du sein Gesicht absuchst, wobei sich langsam ein verwirrter Ausdruck auf deinem Gesicht ausbreitet.

„Du bist nicht.... Deine Augen sind falsch“, bemerkst du und dann gleitest du in die Dunkelheit zurück.

Es braucht viel, um den Prinzen der Bosheit zu verblüffen. Er weiß nicht, mit wem du ihn in deinem Fiebertraum verwechselt hast, aber er hat nichts davon erwartet. Er berührt mit einer Hand seine Lippen, während sich Empörung langsam in seinem Gesicht breit macht. Wie kannst du es wagen? Er ist ein Prinz! Wer bist du, dass du deine Lippen ohne Zustimmung auf die Seinen drückst?

Deine Stimme hallt die ganze Nacht in seinem Kopf, als er mit seiner Magie deinen Körper repariert. Du wachst nicht noch einmal auf und als Frigga am Morgen kommt, erzählt er ihr nicht, was vorgefallen ist.

Es dauert mehr als eine Stunde den starken Blutfluss aus deinen Verletzungen zu stoppen. Das Gift des Ordinats verhindert, dass sich die Wunden schließen, sodass der Heilungsprozess deines Körpers so gut wie gar nicht stattfindet. In dem Moment, als du den Klauen des Todes entkommst, fällt der männliche Pfleger nach hinten und verliert beinahe das Bewusstsein.

„Es tut mir leid, Meine Königin“, keucht er, während ihm der Schweiß über die Stirn läuft. „Ich habe nichts mehr übrig.“

„Das ist nicht deine Schuld, Olav“, stellt Frigga gütig fest, ihre grauen Augen müde.

Er ruht sich aus, während die anderen beiden Pfleger deinen Körper von dem überschüssigen Blut säubern. Nachdem sie die Bettlaken gewechselt haben, weißt Frigga sie an Olav in sein eigenes Bett zu bringen und sie lassen sie allein in dem Zimmer, mit deinem bewusstlosen Körper und ihren beiden Söhnen. Loki weiß, dass seine Mutter dein Inneres zusammengeflickt hat und somit die schlimmeren Verletzungen geheilt hat, die dir zugefügt worden sind. Ihre Kraft lässt nach, als die Sonne untergeht, und Frigga’s Atem wird zu einem Keuchen, dem deinem ähnlich.

„Mutter, überanstreng dich nicht“, durchbricht Thor die Stille.

Mit Sorge in seinen blauen Augen tritt er von der Wand weg.

„Ich kann sie nicht alleine lassen“, beharrt Frigga und zwingt sich, ihre Magie noch stärker und weiter in deinen Körper zu drücken als zuvor.

„Sie wird nicht allein sein“, bemerkt Loki lässig. „Du hast zu viel auf dich genommen, Mutter. Ich habe noch genug Magie übrig.“

Er ist zuversichtlich. Er hat kurz zuvor deine Kniesehne repariert und sie wieder an den richtigen Muskel gehängt. Frigga hat das lebenswichtige Heilen niemandem außer sich selbst überlassen und während sie sicher dein Leben gerettet hat, wird sie bald keine Magie und Energie mehr haben.

Die Königin schaut ihren Sohn an und versucht die versteckten Motive in seinem Blick zu sehen. Sie weiß, dass da etwas ist, was er hofft von dir zu bekommen. Der jüngste Prinz gibt nichts, ohne eine Gegenleistung zu verlangen.

„Sollte sie sterben, war unsere ganze Arbeit umsonst“, stellt Frigga fest, ihre Gedanken vor Erschöpfung durcheinander. „Bitte, Loki, leg für das Mädchen deine Tricks beiseite. Sie hat mehr an sich, als man auf den ersten Blick erkennt. Wir brauchen sie lebend.“

Loki wird zornig und seine grünen Augen funkeln wütend. „Ich würde doch nicht den Tod von jemandem herbeiführen, für die wir Stunden damit verbracht haben sie am Leben zu erhalten. Hast du wirklich so eine geringe Meinung von mir, Mutter?“

Sie wissen, dass er lügt, selbst er weiß das, auch wenn keiner von ihnen dies laut sagen wird. Das ist genau das, was Loki tun würde. Allerdings wissen sie nichts von seiner privaten Untersuchung, nichts von seiner Neugier, die sich um das Spektakel, das sein Bruder beschrieben hat, dreht. Er will die Macht, die du hast. Er ist gierig und er wird alles Nötige tun, um sein Ziel zu erreichen.

Frigga sieht diese Entschlossenheit in ihrem Sohn, auch wenn sie nicht weiß, woher sie kommt. Die müde Königin neigt ihren Kopf und lässt dich los. Ihre Hände sind bedeckt mit getrocknetem Blut und deine Wunde blubbert leicht, nachdem der Druck von ihr genommen wurde.

Thor greift die Schulter seiner Mutter, bevor sie fällt, und Loki legt wiederwillig seine Hände auf die Stelle, wo die seiner Mutter gerade gewesen sind. Seine Magie macht da weiter, wo Frigga’s aufgehört hat und seine Augen weiten sich, als er spürt, wie viel seine Mutter für dich getan hat.

„Ich werde dich am Morgen ablösen, wenn du denkst, dass du die Nacht durchmachen kannst“, murmelt Frigga.

Loki dreht sich zu ihr um. „Du glaubst, dass es nötig ist die ganze Nacht zu bleiben?“

„Du hast gesehen, was passiert ist, als ich sie losgelassen hab“, erklärt Frigga ihm mit einer leicht verärgerten Stimme. „Ich kann in ein paar Stunden zurück sein, wenn es nötig ist.“

„Nein, nein“, korrigiert Loki, wobei er seinen Kopf schüttelt. „Ruh dich aus. Ich schwöre, dass ich hier sein werde, wenn du am Morgen zurückkommst.“

Es ist allgemein bekannt, dass die Schwüre des Prinzen der Lügen wenig Bedeutung haben, aber dies ist ein Versprechen an seine Mutter. Sie senkt ihren Kopf in Anerkennung und erlaubt ihrem älteren Sohn sie aus dem Zimmer, zurück in ihre Gemächer, zu führen.

Loki sitzt allein mit dir in der Krankenstation. Er arbeitet für eine lange Zeit schweigend, während er sich darauf konzentriert, seine Magie stabil zu halten. Aber bald, ohne die Gegenwart seiner Mutter, sickert Verbitterung in seine Gedanken.

„Weißt du, was ich alles machen könnte, wenn ich nicht dazu angewiesen wäre dein erbärmliches Leben zu retten?“, fragt er in einem kühlen Ton. Er weiß, dass du nicht antworten kannst, allerding gefällt ihm der Klang seiner eigenen Stimme zu sehr, um einfach schweigend dazusitzen. „Ich könnte meine Magie üben, geheime Techniken, die geeigneter für mich sind als unbedeutendes Heilen.“

Loki wird still, als er fühlt, wie warmes Blut unter seinen Händen hervorquillt. Er übt mehr Druck aus und seufzt. „Ich würde wohl wahrscheinlich lesen, wenn ich nicht hier wäre. Du hast mir meinen Roman verdorben.“

Die restliche Nacht verbringt er damit, den Roman für sich selbst laut nachzuerzählen, um sowohl seine Verärgerung mit dir zu steigern, als auch um wach zu bleiben. Zu dem Zeitpunkt, als Frigga zurückkehrt, ist Loki verstummt, während seine Hände nur noch gering grün leuchten und dein Blut erneut aus deinen Wunden sickert.

Er ist frustriert. Seine Mutter übertrifft ihn in vielen Zauberkünsten und sein Desinteresse an der Heilkunst rächt sich jetzt. Er ist nicht genug und er nimmt es nicht gut auf der Zweitbeste zu sein.

„Geh und ruh dich aus, Sohn“, teilt Frigga ihm mit, als sie ihre Hand auf seine Schulter legt. „Das hast du gut gemacht.“

„Nicht gut genug“, erwidert er und gibt sich noch mehr Mühe den Blutfluss aus deinen Bauchwunden zu stillen. „Sie blutet wieder.“

„Aber sie ist am Leben und das ist alles, was ich von dir verlangt habe“, sagt Frigga sanft.

Loki verlässt das Krankenzimmer und schaut alle, die ihm begegnen, finster an. Diener weichen ihm aus, in dem Wissen was für Dinge passieren, wenn der Mann schlecht gelaunt ist.

 

---

 

Der jüngere Prinz besichtigt das blutige Schlachtfeld und nimmt zur Kenntnis, wie viele Leichen du zurückgelassen hast. Thor hat ausnahmsweise mal nicht übertrieben.

Der Geruch von Eisen und Verwesung liegt in der Luft. Vögel waren hier an der Arbeit und haben das Fleisch der Toten gefressen, wodurch nackte weiße Knochen freigelegt wurden. Sie fliegen vor ihm weg und kreisen über ihm, wobei sie dunkle Federn zurücklassen.

Er geht zwischen dem Gemetzel spazieren und steigt über Leichenteile, als die Sonne sich weiter dem Horizont nähert. Wenn der Mond aufgeht, muss er zurück im Palast sein, um den Platz seiner Mutter an deiner Seite einzunehmen. Aber im Moment betrachtet er deine Zerstörung.

Die Erde ist schrammig und verbrannt, der Boden durchtränkt mit dem Blut deiner Feinde. Er ist beinahe beeindruckt, auch wenn du ihn nie beeindrucken könntest. Er kann das Echo deiner Macht in der Umgebung spüren und das Gefühl weckt seine Gier nach ihr.

Er fragt sich, ob er sie dir nehmen muss oder ob du ihm freiwillig erzählen wirst, was du bist. So oder so, er wird es herausfinden. Er erinnert sich daran seinen Bruder um einen Einblick in dessen Erinnerung zu bitten, um zu sehen, wie die Magie aussieht, die zu benutzt.

Loki wendet sich zum Gehen um, zufrieden mit der Wahrheit, und etwas bleibt an seinem Stiefel hängen. In dem Glauben, dass es ein vereinzelter Arm ist, schüttelt er es ab und sieht nach unten. Er findet keine Leiche, sondern eine schwarze Tasche.

 

---

 

„Ich habe deine Besitztümer, Monster“, erzählt Loki dir verächtlich. „Ich nehme zumindest an, dass es deine sind. Es fühlt sich nach deiner Macht an.“

Er hat dir dein Bündel mitgebracht und hält es mit seiner Magie versteckt, bis er mit dir alleine ist. Seine Mutter und sein Bruder würden es, natürlich, missbilligen.

„Ich werde sie durchsuchen. Ich frage mich, was für Dinge du versteckst hast.“

Er wühlt vor dir durch deine Habseligkeiten und zieht nach und nach Dinge heraus.

Du hast Kleidung darin, obwohl alles zerlumpt, zerrissen oder mit verkrustetem Blut bedeckt ist. Er schürzt die Lippen. „Was ist das für ein Schund? Trägst du immer solche abscheulichen Lumpen?“

Da sind auch noch Essensvorräte und Wasserkanister, welche er mit Abscheu beäugt und nicht anfassen will. Interessanter ist dein restlicher Kram. Er ist selbst ein Sammler und fragt sich, ob du irgendetwas hast, was er seiner eigenen Sammlung beifügen kann.

Aber nachdem er sich alles näher angeschaut hat, sieht er, dass deine Gegenstände wertlos sind. Zum einen ist da ein Kristall ohne irgendwelche magischen Eigenschaften, als ob du ihn einfach vom Boden aufgehoben hast (hast du). Er findet eine wertlose angelaufene Silberkette, der Anhänger nutzlos. Ein gewebter Hut ohne irgendwelche Fähigkeiten. Eine einfache Muschel von einem fremden Meer. Loki durchsucht deine wertlosen Sachen, sein Frust wächst mit jedem Objekt, das er berührt.

Wo ist die Magie? Der Müll, den du mit dir herumschleppst, ist bedeutungslos für ihn und ohne Macht, ist es in seinen Augen nutzlos.

Er wirft deine Tasche frustriert zu Seite und etwas, das schwarz und klein ist, schlittert daraus über den Boden. Er streckt seine Hand aus und das Objekt fliegt vom Boden in seine schmalen Finger.

Es ist ein Buch. Hast du vielleicht Tagebuch geführt? Neugierig schlägt er die erste Seite des kleinen Buchs mit einer Hand auf. Er spürt etwas unter seinen Fingern prickeln.

Hier steckt Magie drin. Aber auch wenn er sie spüren kann, fühlt es sich nicht wie deine an. Trotzdem fängt er an zu lesen, wobei er schnell bemerkt, dass du nicht die Einzige bist, die in das Buch schreibt.

Jemand namens ‚Willow‘ schreibt zurück. Die Magie darin erlaubt es dir und dieser Person miteinander zu kommunizieren. Er blättert durch die Seiten und überfliegt dabei einzelne Passagen.

Er findet deine Liste, die eine mit den Mitgliedern des Ordinats. Bis auf einen sind sie alle durchgestrichen und der Letzte ist überaschenderweise ein Name, den er erkennt. Der Mann ist in den Palast gekommen, um ein Abkommen mit seinem Vater, Odin, zu treffen. Bevor Asgard zustimmen konnte, haben sie herausgefunden, dass der Anführer Geschäfte mit jemand anderen abgeschlossen hat – ihren Feinden.

Dieser Mann ist Vitran.

Er untersucht die Art und Weise, wie du deine Sätze hinkritzelst. Deine Worte sind treffend, dein Humor schwarz und trocken. Er realisiert, dass du diese ‚Willow‘ kennst, dass sie dir von ihren eigenen Reisen schreibt.

Und in diesen Schriften findet er deinen Namen.

 

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Seine Mutter hat deine inneren Verletzungen geheilt, aber es klaffen immer noch weite rote Löcher in deiner Haut. Loki’s Hände glühen in einem kräftigen Grün, seine Magie durch seine Rast gestärkt.

„Du bist ziemlich langweilig“, stellt er fest. „Ich sollte dich einfach sterben lassen. Ich denke, dass wäre eine Wohltat.“

Wie üblich gibst du keine Antwort. Er beginnt zu reden, erzählt, wie er geschlafen hat und dass er den Gedanken, zu dir zurückkehren zu müssen, verabscheut. Er erlebt im Geiste noch einmal seinen Spaziergang durch das Leichenfeld und nennt dich eine Mörderin. Er teilt dir mit, dass sein Vater deine Anwesenheit nicht erdulden wird, sobald du wach bist.

Loki schürzt nach dieser Aussage die Lippen. „Mein Vater“, erzählt er dir entrüstet, „kann wirklich unausstehlich sein.“

Und jetzt beginnt Loki sich über ihn auszulassen, anstatt dich zu beschimpfen. Du bist bewusstlos, also verspürt er nicht das Bedürfnis, seine Zunge zu hüten. Er beschreibt seinen arroganten Vater, seinen idiotischen Bruder, wie oft er sich wundert, wie sein Leben ohne die beiden wäre.

„Und doch liebe ich sie“, gibt er widerwillig zu, während er deinen Bauch anstarrt. „So wie alle Söhne ihre Väter und alle Brüder sich gegenseitig lieben müssen.“

Aber Loki hat immer mehr in seinem Leben gewollt. Er wird nicht der König sein – das gebührt dem älteren Prinzen – also was bleibt für ihn übrig? Vielleicht ist deswegen seine Begierde nach Macht so groß. Vielleicht denkt er, dass er irgendwie den Lauf der Zukunft ändern kann. Aber dafür muss er alles an Magie und Wissen und Macht sammeln, was er aufbringen kann.

„Und das beinhaltet die Magie, die du verbirgst“, beschließt er laut, während er auf deine Wunden starrt. „Du wirst in meiner Schuld stehen, wenn du überlebst.“

 

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„Was ist das?“, fragt Odin seinen Sohn, während er mit einem Stück Papier in der geballten Faust wedelt. „Du sagst, du kannst das erklären?“

„Das kann ich“, erwidert Thor.

Vor dem Thron kniend erzählt er ausführlich alles seinem Vater. Thor beendet seinen Bericht mit der Nacherzählung von der Heilung, die sein Bruder und seine Mutter für dich in der Krankenstation ausüben und Odin kann nicht anders, als verärgert zu schnauben.

„Frigga hat die Fremde erwähnt“, knurrt der König und entspannt die Faust, die die Forderung der Barbaren hält. Er liest die Nachricht noch einmal und sieht zu seinem Sohn hinab. „Also lügen sie. Diese Mädchen gehört nicht ihnen.“

„Das tut sie nicht“, bekundet Thor, wobei er sich erhebt, um seinen Standpunkt zu betonen. „Sie haben nicht das Recht, sie von uns zu fordern.“

Odin zerknüllt erneut den Brief, empört über die Worte, die seine Feinde ihm und seinem Königreich an den Kopf geworfen haben. Er sieht abermals zu Thor. „Und du sagst, sie hat dich gerettet?“

„Das hat sie, gewiss.“

„Und du sagst, sie hat sie alleine bekämpft?“

„Ja.“

Langsam beginnt eine Idee in Odin‘s Kopf zu entstehen. Aber zuerst muss er es selbst sehen. „Zeig es mir.“

 

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Die Wochen vergehen qualvoll langsam. Loki findet dich langweilig. Nicht einmal deine Habseligkeiten interessieren ihn noch. Er fragt sich, warum er immer wieder zurückgeht. Warum er weiterhin jede Nacht zu dir spricht. Er kann nicht anders, als zu reden. Ansonsten bringt er Bücher zum Lesen. Sie schweben neben ihm, wobei er die Seiten magisch umblättert, während seine Augen deren Worte aufnehmen.

Thor hat längst aufgehört die Krankenstation zu besuchen, da er sich wegen seiner Hilflosigkeit unwohl fühlt. Doch dir geht es immer besser. Frigga hat unermüdlich daran gearbeitet dein Inneres wieder zusammenzuflicken. Bald wird sich auch die Oberfläche deiner Haut zusammenfügen, so es die Neun wollen. Loki stellt fest, dass je mehr er mit dir arbeitet, desto besser werden seine Heilkünste. Anstatt stolz auf dich zu sein, dass du um dein Leben kämpfst, oder stolz auf seine Mutter zu sein für ihre magische Behandlung, ist er stolz auf sich selbst und seine Errungenschaft.

Das erzählt er dir auch und prahlt mit sich selbst in der Stille. Du kannst ihn nicht hören, sonst hättest du sicher mit den Augen gerollt.

In der nächsten Woche schlägt das Fieber zu.

Die Pfleger befürchten, dass selbst die Magie der Allmutter nicht ausreicht, um dich zu retten. Sie verbringt den ganzen Tag an deiner Seite, während die Frauen und Olav die kühlen Waschlappen auf deiner Stirn austauschen. Die Königin ist vollkommen ausgelaugt, als ihr jüngster Sohn durch die Tür schlendert.

Bei dem Anblick des erschöpften Gesichts seiner Mutter bleibt er stehen. Etwas ist nicht in Ordnung.

„Was ist passiert?“

„Ein Fieber“, antwortet Frigga, während die damit kämpft die Augen offen zu halten.

„Hilf ihr auf ihr Zimmer“, befiehlt Loki einem der Diener, der diesem eilig nachkommt.

Frigga ist zu müde, um zu wiedersprechen, kaum in der Lage sich auf den Beinen zu halten, als sie sich zum Gehen auf den Diener stützt.

„Warum wurde ich nicht herbeigerufen?“, zischte Loki wütend die drei Pfleger an, die alle genauso erschöpft wie seine Mutter aussehen.

„Prinz Loki, wir -“, beginnt eine der Frauen, aber er unterbricht sie.

„Raus hier!“

Er will sie nicht sagen hören, dass sie dachten, er würde nicht kommen.

Er sitzt in seinem Stuhl neben dem Bett und lehnt sich sofort nach vorne, um seine heilenden Hände auf dich zu legen. Deine Haut ist heiß unter seinen Fingern, ein leichter Schweißfilm bedeckt dein Gesicht.

In dieser Nacht redet Loki nicht. Er liest nicht. Er konzentriert sich einzig darauf, dich am Leben zu erhalten. Tot hast keinen Nutzen für ihn. Wenn du stirbst, sterben deine Geheimnisse mit dir. Und das kann er nicht zulassen.

Es ist tief in der Nacht, als du dich rührst. Er hat sich nie ausschließlich auf dein Gesicht konzentriert, da er es bevorzugt dich als gedankenlosen Körper und nicht als lebende Person zu sehen, aber hat keine andere Wahl, als du dich bewegst. Deine Augen öffnen sich, die aufgrund des Fiebers glasig sind. Sie sind wie der Stahl eines frisch polierten Schwertes.

Er lehnt sich nach vorne, um dir Fragen zu stellen, um zu sehen, ob du deine Magie zeigst, aber bevor er sprechen kann, reibt deine Stimme über deine Lippen.

Du nennst einen Namen, den er nicht erkennt. Da ist ein verwunderter Klang in deiner Stimme. Er kann es hören und es lässt ihn innehalten.

„Du lebst“, sagst du und küsst ihn.

Deine Lippen sind fiebrig auf seinen und da ist ein tiefes Bedürfnis in deiner Handlung.

Loki zuckt mit leicht geöffneten Mund zurück. Du legst die Stirn in Falten, als du sein Gesicht absuchst, wobei sich langsam ein verwirrter Ausdruck auf deinem Gesicht ausbreitet.

„Du bist nicht.... Deine Augen sind falsch“, bemerkst du und dann gleitest du in die Dunkelheit zurück.

Es braucht viel, um den Prinzen der Bosheit zu verblüffen. Er weiß nicht, mit wem du ihn in deinem Fiebertraum verwechselt hast, aber er hat nichts davon erwartet. Er berührt mit einer Hand seine Lippen, während sich Empörung langsam in seinem Gesicht breit macht. Wie kannst du es wagen? Er ist ein Prinz! Wer bist du, dass du deine Lippen ohne Zustimmung auf die Seinen drückst?

Deine Stimme hallt die ganze Nacht in seinem Kopf, als er mit seiner Magie deinen Körper repariert. Du wachst nicht noch einmal auf und als Frigga am Morgen kommt, erzählt er ihr nicht, was vorgefallen ist.

Chapter Text

Loki, Prinz der Lügen, hat beschlossen, dass er dich hasst. Die Tatsache, dass du seine Nächte in Anspruch nimmst, macht ihn wütend. Der Gedanke an deine Lippen auf seinen lässt ihn finster dreinblicken. Er wünscht sich, dass du aufwachst, nur damit er dir sagen kann, wie sehr er dich hasst.

Du wachst nicht auf. Jetzt ist das einzige Buch, das er an dein Krankenbett bringt, dein Tagebuch. Er durchstreift die Seiten und liest jedes Wort, während er sich einredet, dass er nach mehr Gründen sucht, dich zu verabscheuen.

Diese Schriften sind keine komplette Sammlung deiner Abenteuer, sondern nur Ausschnitte. Sie erzählen ihm Geschichten von Orten jenseits der Neun Welten, von deren Existenz er nichts wusste. Sie sprechen vage Kriege und Verluste an. Darin ist Schmerz verborgen. Er genießt dein Leid, empfindet eine seltsame Art von Trost. Du bist genauso allein wie er.

Basierend auf dem, was du schreibst, stellt er sich vor, was passieren wird, wenn du aufwachst. Du scheinst kalt und barsch zu sein. Du wirst vermutlich verlangen zu erfahren, wer er ist und was er hier macht (da er immer derjenige ist, der anwesend ist, wenn du erwachst). Und er wird in dein Gesicht lachen und dir erzählen, dass du ihm eine Last gewesen bist. Dass du in seiner Schuld stehst und eine Schuld mit einem Gott zu begleichen ist nie eine einfache Aufgabe. Er stellt sich vor, wie deine Augen schmal werden, während du ihn anstarrst, auch wenn da eine bestimmte Furcht in ihnen ist. Er wartet darauf.

Und doch wachst du nicht auf. Die Nächte vergehen, jede so ereignislos wie die letzte. Er hat dein Tagebuch dreimal gelesen und interessiert sich nicht mehr für den Inhalt. Frigga berichtet ihm eines Abends, dass du endlich einen stabilen Zustand erreicht hast, dass deine Wunden nicht länger klaffen, sondern vernarbt sind. Dein Körper wird ab jetzt auf natürliche Weise heilen, ohne das Magie erforderlich ist.

Und doch wartet er. Loki ist unfassbar stur. Er führt seine nächtliche Wache an der Seite deines Bettes fort, wobei er seitlich auf seinem Stuhl sitz, während er seinen neuen Roman liest.

Da war keine Nennung des Namens, bei dem du ihn genannt hast, in deinen Schriften. Er hat danach gesucht, in der Hoffnung dich damit foltern zu können, sobald du wach bist. Es muss der Name von jemanden sein, der lange tot ist. Er sieht wütend zu dir rüber, in der Hoffnung, dass die Erinnerungen schmerzlich sind.

Tage vergehen. Loki hat bereits ein neues Buch begonnen. Du hast angefangen leise im Schlaf zu murmeln und bei jedem Geräusch denkt er, dass du davon aufwachen wirst. Er ist jedes Mal enttäuscht.

Es ist während der nächsten paar Nächte, als er bemerkt, dass er dein Gesicht genauer betrachtet. Selbst während du schläfst, kann er den Killer sehen, der sich hinter deinen Augenliedern versteckt. Dein Gesicht ist hart, deine Lippen in einem natürlichen finsteren Blick verzogen. Er fragt sich, ob du jemals glücklich bist und vermutet, dass es du es nie bist.

Er liest während den frühen Morgenstunden, als Olav das Zimmer betritt. Der Mann wirft dem Prinzen einen Seitenblick zu.

„Keine Veränderungen“, murmelt er undeutlich von hinter den Seiten seines Buches.

Olav will dem verdammten Prinzen mitteilen, dass er nicht nach einem Update gefragt hat, aber hält klugerweise den Mund. Der Pfleger lehnt sich über dich und legt eine Hand auf deine Stirn. Seine Magie berichtet ihm, dass deine Körpertemperatur normal ist, auch wenn Reste des Giftes immer noch deine Adern verunreinigen. Frigga meinte, dass dein Körper dies wahrscheinlich selbst bewältigen muss. Olav legt seine Hand auf dein Handgelenk um deinen Puls zu prüfen.

 

---

 

Du hast nicht geträumt, was für dich eine Erholung gewesen ist. Du hast immer Alpträume, murmelst immer wegen ihnen im Schlaf. Du kannst spüren, wie du langsam zu Bewusstsein kommst, wie aus einem Becken voller Molasse. Der Schlaf will dich. Er hatte dich für eine lange Zeit und ist noch nicht bereit dich aufzugeben. Du kannst Stimmen in der Ferne hören, wie von dem Ende eines Tunnels.

Und dann berührt dich jemand.

Die Beunruhigung ist, was dich wachrüttelt und dich dazu bringt, dich aus der zähflüssigen Dunkelheit zu ziehen. Mit einem Keuchen kehrst du in die Welt von Licht und Klang zurück und spürst eine Hand auf deiner.

Deine rechte Hand schießt über deinen Körper, wobei du bei dem dabei aufkommenden Schmerz die Zähne zusammenbeißt, um nach dem Handgelenk des Mannes zu greifen. Er schreit – dein Griff ist nicht stark, aber du hast ihn überrascht. Er reißt sich los und weicht mit großen Augen zurück.

„Halt dich zur Hölle fern von mir!“, rufst du aus, deine Stimme aufgrund der mangelnden Benutzung heiser. Feuer brennt in deinen Augen, als du die zwei Männer, die mit dir in dem Zimmer sind, wütend anblickst.

„Ich muss Thor benachrichtigen“, teilt Olav Loki mit, der sich mit boshafter Freude aus seinem Stuhl erhoben hat. „Er sagte, dass wir ihn sofort berichten sollen.“

„Lass uns allein“, weist Loki an.

Du versuchst aufzustehen, aber dein Körper gehorcht dir nicht wie gewohnt. Deine Glieder fühlen sich schwer und träge an, dein Schädel pocht. Du schaffst es kaum, deine Beine zur Seite zu schwingen, bevor du beinahe zurück auf dein Kissen fällst. Der Geschmack von Blut ist in deinem Mund und du fühlst dich, als ob du dich übergeben musst.

„Halt still, Idiot! Du wirst noch mehr Eimer ausbluten und sie werden mich verantwortlich machen.“

Der Mann vor dir ist groß. Du hast gedacht, du wüsstest, was groß ist, aber du erkennst, dass du falsch lagst. Du fixierst ihn mit einem wütenden Blick und bemerkst das boshafte Leuchten in seinen grünen Augen.

„Was hast du mit mir gemacht?“, zischt du, als sich deine Finger im Bettlaken festkrallen.

Das macht ihn wütend. „Ich? Ich habe dein Leben gerettet, Bastard! Du solltest mir danken! Wenn ich und meine Mutter nicht gewesen wären, wärst du tot.“

„Dann hättest ihr mich sterben lassen sollen“, knurrst du und mühst dich erneut damit ab aufzustehen.

Dir stockt der Atem vor Schmerz, als du realisierst, dass du nicht gehen kannst. Du kippst beinahe vom Bett, als der Mann vor dir dich auffängt, bevor du zu Boden fällst.

„Lass mich los!“, schreist du und drückst gegen ihn, während er dich aufrichtet.

„Halt die Klappe, du unerträglicher Trottel! Und bleib im Bett oder bist du dumm genug es noch einmal zu versuchen?“

In diesem Moment beschließt du gegen ihn anzugehen. Du warst schon immer aufbrausend und da du gerade eben erst aufgewacht bist, hast du keinen Grund, dich zu beherrschen. Allerdings, als du versuchst dein Schwert herbeizurufen, wird dir plötzlich so übel, dass du dich vorlehnst und würgst.

„In den Eimer!“, ruft der Mann und holt rasch den Mülleimer, den er dir reicht.

Du erbrichst geronnenes Blut in den Eimer mit einem scheußlichen Geräusch, das selbst Loki den Magen umdreht. Du lehnst dich zurück und wischt dir über den Mund, wobei du deinen Arm und deine Lippen mit Blut beschmierst.

„Was ist mit mir passiert?“, fragst du stöhnend, während du dir den Bauch hältst.

Dein Würgen hat dafür gesorgt, dass erneut Blut aus deinen Wunden sickert und du siehst überrascht hinab auf deine Verletzungen. Du brauchst nie lange, um zu heilen, und wenn der Mann damit recht hast, dass andere dich gerettet haben, dann muss das Ordinat dich übel zugerichtet haben.

„Was habe ich da an?“, fragst du, bevor der Mann antworten kann.

Die Pfleger haben dir einen weißen Morgenrock angezogen, um gut an deine Wunden zu kommen. Deine Brust und Leiste sind bedeckt, aber die Unterwäsche ist nicht deine. „Wo sind meine Klamotten?“

Deine Sprechweise enttarnt dich als Ausländer, auch wenn Loki dies aufgrund deines Tagesbuches bereits wusste. Allerdings klingt deine Betonung dennoch seltsam in seinen Ohren.

„All deine Klamotten waren nichts weiter als Lumpen“, erklärt er herablassend. „Wir haben sie weggeschmissen.“

„Wer bist du?“, fragst du ihn.

Endlich. Das ist die Frage, auf die er gewartet hat. Bisher hast du nicht wie in seinem vorgestellten Szenario verhalten und es hat ihn sehr irritiert. Er ist bereit, die Furcht in deinen Augen zu sehen, wenn du realisierst, mit wem genau du so schroff umgegangen bist.

„Ich bin Loki Odinson, Prinz von Asgard.“

Das hat nicht den erhofften Effekt. Da ist kein Erkennen in deinen stählernen Augen, kein Anzeichen von Unterwerfung. Stattdessen runzelst du die Stirn zunächst verwirrt und dann verärgert, du blickst zur Decke und dann zurück zu ihm.

„Großartig. Ein Prinz. Gott, was kommt als nächstes?“

Erneut ist Loki fassungslos. Er fragt sich, ob es jemand bemerken wird, wenn er dich erschlägt.

„Sie ist erwacht?!“, donnert Thor, als er mit solcher Wucht in das Zimmer stürmt, dass die Tür gegen die Marmorwand knallt und beinahe zerbricht.

Loki weiß, was als nächstes passieren wird. Nach einem Blick auf seinen Bruder werden diese stählernen Augen erweichen. Du wirst ihn erkennen – du hast ihn schließlich gerettet – und wirst dich zweifelsohne sofort mit ihm anfreunden, da Wüstlinge häufig gute Gefährten abgeben.

Frauen lieben Thor Odinson.

Du tust es nicht. Du erkennst den blonden Mann, die Erinnerung an den Kampf geweckt. Jetzt da er näher ist, erkennst du, dass er auch ein Riese ist. Seine Stimme klingt immer noch in deinen Ohren und er hüpft voller Begeisterung zu dir rüber. Er ist zu viel und du schaust auch ihn verärgert an.

„Bleib zurück!“, schreist du wütend mit gebleckten Zähnen.

Thor bleibt wie angewurzelt stehen, sein Mund einen Spaltbreit offen. Loki findet, dass er albern aussieht und würde lachen, wenn er nicht immer noch wütend wäre.

„Gnädige Frau, ich bitte vielmals um Entschuldigung“, sagt Thor mit seiner tiefen Stimme und neigt seinen Kopf vor dir. „Ich bin Thor Odinson, Prinz von Asgard. Ihr habt mein Leben gerettet.“

„Ich erinnere mich an dich“, erzählst du ihm, der wütende Blick verbleibend. „Das Ordinat hat versucht auf dich zu schießen.“

Das war das Ordinat?“, fragt Thor.

Loki schweigt. Er weiß bereits durch dein Tagebuch, dass die fremde Organisation an deinem Kampf beteiligt war. Er ist selbstzufrieden mit seinem Wissen, da er es immer genießt die klügste Person im Raum zu sein.

„Ja, das war es“, antwortest du Thor.

„Kann ich bitte Euren Namen erfahren?“, fragt Thor.

Bevor du sprechen kannst, betreten der König und die Königin die Krankenstation.

Thor und Loki verbeugen sich respektvoll vor ihren Eltern. Du tust dies nicht. Dein misstrauischer Blick gleitet über jeden im Raum. Du bist die kleinste; selbst Frigga würde dich überragen, wenn du stehen würdest. Du fühlst dich schwach und du hasst es. Du bist keine Person, die es gewohnt ist jemandem schutzlos ausgeliefert ist.

„Thor hat Recht. Wir würden gerne deinen Namen erfahren“, teilt Frigga dir mit und versucht dich mit ihrer sanften Stimme zu beruhigen.

Du begutachtest die Allmutter. Sie trägt ein schönes silbernes Kleid, das zu ihren weichen grauen Augen passt und ihr blondes Haar fällt in Wellen um ihr Gesicht. Du kannst nicht anders, als sie sympathisch zu finden, aber du bleibst wachsam. Ihr Ehemann, der König, steht hinter ihr. Er ist eine stille Macht, sein Haar und Bart weiß vom Alter, mit einer Augenklappe über seinem rechten Auge. Sein Linkes starrt dich an, so blau wie das von Thor.

Du nennst ihnen deinen Namen, deine Stimme kalt und abweisend.

Frigga gleicht all deine Schärfe aus und geht elegant auf dich zu. Du spannst dich an, als sie sich nähert, aber du schickst sie nicht wie ihre Söhne weg. „Ich bin Frigga Allmutter, Königin von Asgard“, sagt sie zu dir in einem beruhigenden Ton. „Mein Mann ist Odin Allvater, König von Asgard. Mein Sohn und ich, mit der Hilfe der Pfleger, haben uns um dich gekümmert, während du krank warst.“

„Und warum war ich krank?“, fragst du, deine Augen immer noch stählern.

Frigga kann die Feindseligkeit in deinem Blick sehen. Sie erkennt, dass du keine Frau bist, die jemandem grundlos vertraut. Wie auch Loki bemerkt die Königin anhand deiner Sprechweise, dass du ausländisch bist und sie verzeiht deine ungehobelte Art fürs Erste.

„Du hast gegen Barbaren und, wie wir annehmen, das Ordinat gekämpft“, bemerkt Odin, während er neben der Tür steht.

Er hat sich nie für die Krankenzimmer interessiert, sondern diese Pflichten seiner Frau überlassen. Er will Krieger auf ihren Beinen mit Speeren in ihren Händen, nicht bettlägerig. Odin kann sehen, wie sich Frigga um dich sorgt, da sie dazu neigt eine Verbindung zu ihren Patienten aufzubauen. Er hat nicht das Ausmaß deiner Verletzungen gesehen und will es auch nicht. Er ist an den Krieg gewöhnt, aber der Geruch von Blut in der Luft erinnert ihn daran, dass seine Krieger aus Fleisch und Blut sind.

„Das Ordinat“, stimmst du zu, als dir ein Gedanke kommt. Du greifst dir schnell an den Hals. Die Reaktion deines Körpers ergibt Sinn und du spürst, wie du blass wirst. „Sie haben also ihr Gift fertiggestellt? Wow, ich bin so ein Idiot.“

Loki stimmt in Gedanken zu und grinst von seiner Position an der Wand. Er bemerkt das Blut, das über deinen Mund verschmiert ist und beobachtet, wie seine Mutter die Hand ausstreckt, um es wegzuwischen. Er sieht, wie du wegzuckst und Frigga zieht sofort ihre Hand zurück.

„Du hast Blut am Mund“, sagt sie dir leise und du wischt es so gut wie möglich weg.

„Wie lange dauert es, bis es mir besser geht?“, fragst du, während du die Muskeln in deinen Händen streckst.

Frigga schüttelt mit dem Kopf. „Das wissen wir nicht.“

„Was bewirkt dieses Gift?“, fragt Odin mit tiefer polternder Stimme.

Du verziehst das Gesicht. „Es verdreht einem den Magen, wenn man versucht seine Kräfte zu benutzen, macht einen schwach, macht einen normal. Es macht es auch einfach, Leute zu entführen.“

Sie haben ein Serum entwickelt, um uns sterblich zu machen, realisiert Odin mit großer Besorgnis.

„Warum würden diese Leute unseren Sohn entführen wollen?“, fragt Frigga mit einem plötzlich kühlen Klang in der Stimme.

Du blickst hinüber zu Thor, der dich aufmerksam ansieht. „Du hast Kräfte oder Fähigkeiten?“, fragst du ihn.

„Ja“, antwortet er, überrascht dass du das nicht weißt.

„Na, da habt ihr es“, erklärst du der Familie, wobei du mit den Schultern zuckst. „Das Ordinat stiehlt die Kräfte anderer. Sie benutzen sie, um neue Waffen zu fertigen und neue Krieger zu machen. Wenn sie dich erkannt haben und wissen, dass du Fähigkeiten hast, dann macht es Sinn, dass sie versucht haben dich mitzunehmen.“

Frigga schlägt das Herz bis zum Hals, als sie sich vorstellt, wie Thor weggeschnappt wird, während er so schwach ist wie du in den letzten Wochen.

„Wenn du nicht gewusst hast, wer ich bin, wieso hast du sie dann aufgehalten?“, fragt dich Thor, der aufgrund dieser neuen Informationen völlig verwirrt ist.

Du siehst ihn mit schmalen Augen an und schaust dann weg, um die goldenen Vorhänge des Zimmers anzustarren. „Ich werde sie bis auf den letzten Mann auslöschen. Jede Fähigkeit, die sie erlangen, macht dies schwieriger. Wenn sie hinter jemanden her sind, dann muss ich sie aufhalten, bevor sie die Möglichkeit haben, die Kraft zu stehlen.“

Loki verspürt den Drang zu lachen. Oh, wie gerne er jetzt lachen würde, seine Brust fühlt sich so an, als ob sie gleich platzt. Thor nahm an, dass du ihn seiner Person wegen gerettet hast und doch hast du es nur für deine eigenen Mittel getan!

„Sie haben sich unter unseren Feinden niedergelassen“, informiert Odin dich. „Wenn du gesund bist, nehme ich an, dass du auf das Ordinat und auch deren Gastgeber losgehen wirst, oder?“

Du starrst den Allvater wütend an. „Ja.“

Odin denkt darüber nach und beobachtet dich bedächtig. Er vertraut dir nicht. „Dir wird es gestattet sein dich mit den anderen Soldaten in den Kasernen zu erholen.“

Frigga wirbelt zu ihrem Mann herum. „Nein.“

Odin hält mit bebendem Schnurrbart inne. „Was?“

„Die Kasernen sind kein Ort für eine Lady.“

„Die Mörderin ist keine Lady, Mutter“, gibt Loki an und bemerkt mit Zufriedenheit, dass die Bezeichnung deine Augen zu seinen schnappen lässt. „Du hast nicht das Ausmaß ihres Gemetzels gesehen. Solch ein Monster gehört in die Kasernen.“

Auch wenn du Loki’s boshaftes Lächeln hasst, kannst du nicht anders, als ihm zuzustimmen. Anhand der Art und Weiße wie du deinen Blick von ihm abwendest und deine Hände zu Fäusten ballst, weiß er das auch.

„Nein“, sagt Frigga erneut, ihr Mund zu einer schmalen Linie zusammengepresst.

„Wo sollen wir sie denn unterbringen?“, fragt Odin schroff, während er auf seine Frau hinabstarrt.

„Wir haben reichlich Räume zur Verfügung. Sie sollte innerhalb unserer Mauern bleiben. Schau sie doch nur an, Gatte! Sie ist noch nicht bei voller Gesundheit. Du würdest sie draußen in die Kasernen stecken, die voll mit Fremden sind, die sie nicht kennt? Und was würde die Giftmischer davon abhalten mitten in der Nacht zu kommen, um sich ihren Preis zu schnappen?“

Die beiden Prinzen beobachten fasziniert, wie ihr Vater und ihre Mutter einen stillen geistigen Wettstreit haben.

Frigga gewinnt. Odin stößt besiegt einen Seufzer aus. „Nun gut. Wenn es ihr gut genug geht die Krankenstation zu verlassen, dann darf sie innerhalb der Palastmauern bleiben.“

Bevor du protestieren kannst, dreht Odin sich um, verlässt den Raum und lässt seine Familie mit dir zurück.

„Ich brauche keine Gemächer oder sonst irgendwas“, gibst du an, während du Frigga anstarrst.

„Unsinn“, erwidert die Königin, wobei sie geistesabwesend über deine Decke streicht. „Also, wo ist deine Familie? Es wird sie sicher freuen zu hören, dass du genesen bist.“

Du lachst humorlos und erinnerst Thor dabei zu sehr an seinen Bruder. Du bist keineswegs, wie er sich seinen Retter vorgestellt hat. Er bereut es nicht dein Leben gerettet zu haben, aber er hat gedacht, dass du nach deinem Erwachen die Dinge weniger – nicht mehr – kompliziert machen würdest.

Und dieses Lachen. Es hallt in Loki’s Gedanken. Er kennt dieses Lachen nur zu gut.

„Ich habe keine Familie“, erzählst du Frigga ohne eine Spur von Sehnsucht oder Schmerz in deiner Stimme. Diese Gefühle sind im Hinblick auf dieses Thema längst verschwunden. „Niemand, dem man was erzählen könnte.“ Das lässt dich innehalten, als du merkst, dass das eine Lüge ist. Da ist zumindest eine Person, die wissen will, ob es dir gut geht. „Habt ihr meine Tasche?“

Thor und Frigga schauen dich verwirrt an. „Ich habe nur dich zurückgebracht. Du hattest keine Tasche bei dir“, erklärt Thor.

„Du wirst wohl nicht das meinen?“, bekundet Loki, während er deine Tasche hervorholt und sie von seinen Fingern baumeln lässt.

Deine Augen leuchten auf und du schaust ihn mal wieder wütend an. „Das ist meine.“

Frigga ist nicht erfreut über die Mätzchen ihres Sohnes. „Gib ihre Besitztümer zurück, Loki.“

Er zuckt mit den Schultern, während er lässig nach vorne geht und deine Tasche neben den Nachttisch legt. „Hier, bitte schön.“

Du übersiehst nicht das Grinsen, das er dir zuwirft. Du weißt, dass er deine Sachen durchsucht hat und wenn du nicht ans Bett gefesselt wärst, würdest du auf ihn losgehen.

„Ich muss gehen“, sagt Frigga und streich noch einmal über deine Decke. „Du kannst dich an die Pfleger wenden, oder sogar mich herbeirufen, wenn du etwas benötigst. Ich danke dir für das, was du getan hast.“

Sie neigt ihren Kopf vor dir und dreht sich um, um den Raum zu verlassen.

„Danke, dass ihr mich am Leben erhalten habt“, sagst du zu ihrem Hinterkopf und sie blickt dich über ihre Schulter an und lächelt, bevor sie geht.

Du schaust zwischen den beiden Brüdern hin und her, mit dem Wunsch, dass sie verschwinden. Thor erkennt, dass du alleine sein willst. Er nähert sich der Seite deines Bettes und neigt wie seine Mutter seinen Kopf vor dir.

„Danke, my Lady, dass Ihr mein Leben gerettet habt“, sagt er ernst.

Du fühlst dich unwohl mit all dieser Förmlichkeit. „Du musst nicht, äh, so förmlich sein. Und, nun ja, danke, dass du nicht zugelassen hast, dass das Ordinat mich mitnimmt. Also sind wir quitt.“

Thor’s Verstand stolpert über die Art und Weise, wie du deine Sätze formulierst, aber letztendlich versteht er deren Sinn. Die Schuld ist beglichen. Er zeigt dir ein Grinsen und wendet sich zum Gehen um, wobei ihm seine scheidenden Worte nachfolgen. „Ich hoffe, dass ich dich bald auf den Beinen sehe.“

Du rollst mit den Augen und dann wandert dein Blick zu der verbleibenden Person im Raum. Er betrachtet dich gleichgültig und setzt sich hin, anstatt rauszugehen. Er sitzt so in seinem Stuhl, wie als du bewusstlos warst. Seine Beine baumeln über die Armlehne des Stuhls und du erkennst mit einem Knurren, dass dieser Prinz keinerlei Absicht hat, in nächster Zeit zu gehen.

Du kannst dich nicht entscheiden, ob du ihn ignorieren oder anschreien sollst. Dieser Mann ist ein Fremder, auch wenn die Boshaftigkeit in seinem Blick sehr vertraut ist.

Die Stille hält an, bis du es einfach nicht mehr aushältst. „Was willst du?“

Loki grinst. Er hat dieses kleine Spiel gewonnen. Und er liebt es zu gewinnen. „Du hast dich bei meiner Mutter und meinem Bruder bedankt und hast dich bisher noch nicht bei mir bedankt. Also werde ich warten, bis du dies gemacht hast.“

„Ach ja? Nun, die anderen beiden haben sich mir gegenüber nicht von Anfang an wie Arschlöcher verhalten. Also soweit es mich betrifft, kannst du dir alle Gedanken an meinen Dank sonst wohin stecken.“

Er lacht über dich und schüttelt mit dem Kopf, während er sein Buch in die Hand nimmt. „Was für eine Ausdrucksweise.“

„Fick dich.“

Loki, als ein Prinz, ist es nicht gewohnt auf solch eine Art angesprochen zu werden. Du fürchtest weder ihn noch seine Magie und das sieht er als schreckliche Unterschätzung seiner Persönlichkeit an.

Er wird den rechten Augenblick abwarten, mit der freudigen Absicht, dein Ende abzuwarten. Er ist schließlich ein sturer Bastard.

Erst als du eingeschlafen bist, fällt ihm auf, dass er vergessen hat dich nach deiner Magie zu fragen.

Loki, Prinz der Lügen, hat beschlossen, dass er dich hasst. Die Tatsache, dass du seine Nächte in Anspruch nimmst, macht ihn wütend. Der Gedanke an deine Lippen auf seinen lässt ihn finster dreinblicken. Er wünscht sich, dass du aufwachst, nur damit er dir sagen kann, wie sehr er dich hasst.

Du wachst nicht auf. Jetzt ist das einzige Buch, das er an dein Krankenbett bringt, dein Tagebuch. Er durchstreift die Seiten und liest jedes Wort, während er sich einredet, dass er nach mehr Gründen sucht, dich zu verabscheuen.

Diese Schriften sind keine komplette Sammlung deiner Abenteuer, sondern nur Ausschnitte. Sie erzählen ihm Geschichten von Orten jenseits der Neun Welten, von deren Existenz er nichts wusste. Sie sprechen vage Kriege und Verluste an. Darin ist Schmerz verborgen. Er genießt dein Leid, empfindet eine seltsame Art von Trost. Du bist genauso allein wie er.

Basierend auf dem, was du schreibst, stellt er sich vor, was passieren wird, wenn du aufwachst. Du scheinst kalt und barsch zu sein. Du wirst vermutlich verlangen zu erfahren, wer er ist und was er hier macht (da er immer derjenige ist, der anwesend ist, wenn du erwachst). Und er wird in dein Gesicht lachen und dir erzählen, dass du ihm eine Last gewesen bist. Dass du in seiner Schuld stehst und eine Schuld mit einem Gott zu begleichen ist nie eine einfache Aufgabe. Er stellt sich vor, wie deine Augen schmal werden, während du ihn anstarrst, auch wenn da eine bestimmte Furcht in ihnen ist. Er wartet darauf.

Und doch wachst du nicht auf. Die Nächte vergehen, jede so ereignislos wie die letzte. Er hat dein Tagebuch dreimal gelesen und interessiert sich nicht mehr für den Inhalt. Frigga berichtet ihm eines Abends, dass du endlich einen stabilen Zustand erreicht hast, dass deine Wunden nicht länger klaffen, sondern vernarbt sind. Dein Körper wird ab jetzt auf natürliche Weise heilen, ohne das Magie erforderlich ist.

Und doch wartet er. Loki ist unfassbar stur. Er führt seine nächtliche Wache an der Seite deines Bettes fort, wobei er seitlich auf seinem Stuhl sitz, während er seinen neuen Roman liest.

Da war keine Nennung des Namens, bei dem du ihn genannt hast, in deinen Schriften. Er hat danach gesucht, in der Hoffnung dich damit foltern zu können, sobald du wach bist. Es muss der Name von jemanden sein, der lange tot ist. Er sieht wütend zu dir rüber, in der Hoffnung, dass die Erinnerungen schmerzlich sind.

Tage vergehen. Loki hat bereits ein neues Buch begonnen. Du hast angefangen leise im Schlaf zu murmeln und bei jedem Geräusch denkt er, dass du davon aufwachen wirst. Er ist jedes Mal enttäuscht.

Es ist während der nächsten paar Nächte, als er bemerkt, dass er dein Gesicht genauer betrachtet. Selbst während du schläfst, kann er den Killer sehen, der sich hinter deinen Augenliedern versteckt. Dein Gesicht ist hart, deine Lippen in einem natürlichen finsteren Blick verzogen. Er fragt sich, ob du jemals glücklich bist und vermutet, dass es du es nie bist.

Er liest während den frühen Morgenstunden, als Olav das Zimmer betritt. Der Mann wirft dem Prinzen einen Seitenblick zu.

„Keine Veränderungen“, murmelt er undeutlich von hinter den Seiten seines Buches.

Olav will dem verdammten Prinzen mitteilen, dass er nicht nach einem Update gefragt hat, aber hält klugerweise den Mund. Der Pfleger lehnt sich über dich und legt eine Hand auf deine Stirn. Seine Magie berichtet ihm, dass deine Körpertemperatur normal ist, auch wenn Reste des Giftes immer noch deine Adern verunreinigen. Frigga meinte, dass dein Körper dies wahrscheinlich selbst bewältigen muss. Olav legt seine Hand auf dein Handgelenk um deinen Puls zu prüfen.

 

---

 

Du hast nicht geträumt, was für dich eine Erholung gewesen ist. Du hast immer Alpträume, murmelst immer wegen ihnen im Schlaf. Du kannst spüren, wie du langsam zu Bewusstsein kommst, wie aus einem Becken voller Molasse. Der Schlaf will dich. Er hatte dich für eine lange Zeit und ist noch nicht bereit dich aufzugeben. Du kannst Stimmen in der Ferne hören, wie von dem Ende eines Tunnels.

Und dann berührt dich jemand.

Die Beunruhigung ist, was dich wachrüttelt und dich dazu bringt, dich aus der zähflüssigen Dunkelheit zu ziehen. Mit einem Keuchen kehrst du in die Welt von Licht und Klang zurück und spürst eine Hand auf deiner.

Deine rechte Hand schießt über deinen Körper, wobei du bei dem dabei aufkommenden Schmerz die Zähne zusammenbeißt, um nach dem Handgelenk des Mannes zu greifen. Er schreit – dein Griff ist nicht stark, aber du hast ihn überrascht. Er reißt sich los und weicht mit großen Augen zurück.

„Halt dich zur Hölle fern von mir!“, rufst du aus, deine Stimme aufgrund der mangelnden Benutzung heiser. Feuer brennt in deinen Augen, als du die zwei Männer, die mit dir in dem Zimmer sind, wütend anblickst.

„Ich muss Thor benachrichtigen“, teilt Olav Loki mit, der sich mit boshafter Freude aus seinem Stuhl erhoben hat. „Er sagte, dass wir ihn sofort berichten sollen.“

„Lass uns allein“, weist Loki an.

Du versuchst aufzustehen, aber dein Körper gehorcht dir nicht wie gewohnt. Deine Glieder fühlen sich schwer und träge an, dein Schädel pocht. Du schaffst es kaum, deine Beine zur Seite zu schwingen, bevor du beinahe zurück auf dein Kissen fällst. Der Geschmack von Blut ist in deinem Mund und du fühlst dich, als ob du dich übergeben musst.

„Halt still, Idiot! Du wirst noch mehr Eimer ausbluten und sie werden mich verantwortlich machen.“

Der Mann vor dir ist groß. Du hast gedacht, du wüsstest, was groß ist, aber du erkennst, dass du falsch lagst. Du fixierst ihn mit einem wütenden Blick und bemerkst das boshafte Leuchten in seinen grünen Augen.

„Was hast du mit mir gemacht?“, zischt du, als sich deine Finger im Bettlaken festkrallen.

Das macht ihn wütend. „Ich? Ich habe dein Leben gerettet, Bastard! Du solltest mir danken! Wenn ich und meine Mutter nicht gewesen wären, wärst du tot.“

„Dann hättest ihr mich sterben lassen sollen“, knurrst du und mühst dich erneut damit ab aufzustehen.

Dir stockt der Atem vor Schmerz, als du realisierst, dass du nicht gehen kannst. Du kippst beinahe vom Bett, als der Mann vor dir dich auffängt, bevor du zu Boden fällst.

„Lass mich los!“, schreist du und drückst gegen ihn, während er dich aufrichtet.

„Halt die Klappe, du unerträglicher Trottel! Und bleib im Bett oder bist du dumm genug es noch einmal zu versuchen?“

In diesem Moment beschließt du gegen ihn anzugehen. Du warst schon immer aufbrausend und da du gerade eben erst aufgewacht bist, hast du keinen Grund, dich zu beherrschen. Allerdings, als du versuchst dein Schwert herbeizurufen, wird dir plötzlich so übel, dass du dich vorlehnst und würgst.

„In den Eimer!“, ruft der Mann und holt rasch den Mülleimer, den er dir reicht.

Du erbrichst geronnenes Blut in den Eimer mit einem scheußlichen Geräusch, das selbst Loki den Magen umdreht. Du lehnst dich zurück und wischt dir über den Mund, wobei du deinen Arm und deine Lippen mit Blut beschmierst.

„Was ist mit mir passiert?“, fragst du stöhnend, während du dir den Bauch hältst.

Dein Würgen hat dafür gesorgt, dass erneut Blut aus deinen Wunden sickert und du siehst überrascht hinab auf deine Verletzungen. Du brauchst nie lange, um zu heilen, und wenn der Mann damit recht hast, dass andere dich gerettet haben, dann muss das Ordinat dich übel zugerichtet haben.

„Was habe ich da an?“, fragst du, bevor der Mann antworten kann.

Die Pfleger haben dir einen weißen Morgenrock angezogen, um gut an deine Wunden zu kommen. Deine Brust und Leiste sind bedeckt, aber die Unterwäsche ist nicht deine. „Wo sind meine Klamotten?“

Deine Sprechweise enttarnt dich als Ausländer, auch wenn Loki dies aufgrund deines Tagesbuches bereits wusste. Allerdings klingt deine Betonung dennoch seltsam in seinen Ohren.

„All deine Klamotten waren nichts weiter als Lumpen“, erklärt er herablassend. „Wir haben sie weggeschmissen.“

„Wer bist du?“, fragst du ihn.

Endlich. Das ist die Frage, auf die er gewartet hat. Bisher hast du nicht wie in seinem vorgestellten Szenario verhalten und es hat ihn sehr irritiert. Er ist bereit, die Furcht in deinen Augen zu sehen, wenn du realisierst, mit wem genau du so schroff umgegangen bist.

„Ich bin Loki Odinson, Prinz von Asgard.“

Das hat nicht den erhofften Effekt. Da ist kein Erkennen in deinen stählernen Augen, kein Anzeichen von Unterwerfung. Stattdessen runzelst du die Stirn zunächst verwirrt und dann verärgert, du blickst zur Decke und dann zurück zu ihm.

„Großartig. Ein Prinz. Gott, was kommt als nächstes?“

Erneut ist Loki fassungslos. Er fragt sich, ob es jemand bemerken wird, wenn er dich erschlägt.

„Sie ist erwacht?!“, donnert Thor, als er mit solcher Wucht in das Zimmer stürmt, dass die Tür gegen die Marmorwand knallt und beinahe zerbricht.

Loki weiß, was als nächstes passieren wird. Nach einem Blick auf seinen Bruder werden diese stählernen Augen erweichen. Du wirst ihn erkennen – du hast ihn schließlich gerettet – und wirst dich zweifelsohne sofort mit ihm anfreunden, da Wüstlinge häufig gute Gefährten abgeben.

Frauen lieben Thor Odinson.

Du tust es nicht. Du erkennst den blonden Mann, die Erinnerung an den Kampf geweckt. Jetzt da er näher ist, erkennst du, dass er auch ein Riese ist. Seine Stimme klingt immer noch in deinen Ohren und er hüpft voller Begeisterung zu dir rüber. Er ist zu viel und du schaust auch ihn verärgert an.

„Bleib zurück!“, schreist du wütend mit gebleckten Zähnen.

Thor bleibt wie angewurzelt stehen, sein Mund einen Spaltbreit offen. Loki findet, dass er albern aussieht und würde lachen, wenn er nicht immer noch wütend wäre.

„Gnädige Frau, ich bitte vielmals um Entschuldigung“, sagt Thor mit seiner tiefen Stimme und neigt seinen Kopf vor dir. „Ich bin Thor Odinson, Prinz von Asgard. Ihr habt mein Leben gerettet.“

„Ich erinnere mich an dich“, erzählst du ihm, der wütende Blick verbleibend. „Das Ordinat hat versucht auf dich zu schießen.“

Das war das Ordinat?“, fragt Thor.

Loki schweigt. Er weiß bereits durch dein Tagebuch, dass die fremde Organisation an deinem Kampf beteiligt war. Er ist selbstzufrieden mit seinem Wissen, da er es immer genießt die klügste Person im Raum zu sein.

„Ja, das war es“, antwortest du Thor.

„Kann ich bitte Euren Namen erfahren?“, fragt Thor.

Bevor du sprechen kannst, betreten der König und die Königin die Krankenstation.

Thor und Loki verbeugen sich respektvoll vor ihren Eltern. Du tust dies nicht. Dein misstrauischer Blick gleitet über jeden im Raum. Du bist die kleinste; selbst Frigga würde dich überragen, wenn du stehen würdest. Du fühlst dich schwach und du hasst es. Du bist keine Person, die es gewohnt ist jemandem schutzlos ausgeliefert ist.

„Thor hat Recht. Wir würden gerne deinen Namen erfahren“, teilt Frigga dir mit und versucht dich mit ihrer sanften Stimme zu beruhigen.

Du begutachtest die Allmutter. Sie trägt ein schönes silbernes Kleid, das zu ihren weichen grauen Augen passt und ihr blondes Haar fällt in Wellen um ihr Gesicht. Du kannst nicht anders, als sie sympathisch zu finden, aber du bleibst wachsam. Ihr Ehemann, der König, steht hinter ihr. Er ist eine stille Macht, sein Haar und Bart weiß vom Alter, mit einer Augenklappe über seinem rechten Auge. Sein Linkes starrt dich an, so blau wie das von Thor.

Du nennst ihnen deinen Namen, deine Stimme kalt und abweisend.

Frigga gleicht all deine Schärfe aus und geht elegant auf dich zu. Du spannst dich an, als sie sich nähert, aber du schickst sie nicht wie ihre Söhne weg. „Ich bin Frigga Allmutter, Königin von Asgard“, sagt sie zu dir in einem beruhigenden Ton. „Mein Mann ist Odin Allvater, König von Asgard. Mein Sohn und ich, mit der Hilfe der Pfleger, haben uns um dich gekümmert, während du krank warst.“

„Und warum war ich krank?“, fragst du, deine Augen immer noch stählern.

Frigga kann die Feindseligkeit in deinem Blick sehen. Sie erkennt, dass du keine Frau bist, die jemandem grundlos vertraut. Wie auch Loki bemerkt die Königin anhand deiner Sprechweise, dass du ausländisch bist und sie verzeiht deine ungehobelte Art fürs Erste.

„Du hast gegen Barbaren und, wie wir annehmen, das Ordinat gekämpft“, bemerkt Odin, während er neben der Tür steht.

Er hat sich nie für die Krankenzimmer interessiert, sondern diese Pflichten seiner Frau überlassen. Er will Krieger auf ihren Beinen mit Speeren in ihren Händen, nicht bettlägerig. Odin kann sehen, wie sich Frigga um dich sorgt, da sie dazu neigt eine Verbindung zu ihren Patienten aufzubauen. Er hat nicht das Ausmaß deiner Verletzungen gesehen und will es auch nicht. Er ist an den Krieg gewöhnt, aber der Geruch von Blut in der Luft erinnert ihn daran, dass seine Krieger aus Fleisch und Blut sind.

„Das Ordinat“, stimmst du zu, als dir ein Gedanke kommt. Du greifst dir schnell an den Hals. Die Reaktion deines Körpers ergibt Sinn und du spürst, wie du blass wirst. „Sie haben also ihr Gift fertiggestellt? Wow, ich bin so ein Idiot.“

Loki stimmt in Gedanken zu und grinst von seiner Position an der Wand. Er bemerkt das Blut, das über deinen Mund verschmiert ist und beobachtet, wie seine Mutter die Hand ausstreckt, um es wegzuwischen. Er sieht, wie du wegzuckst und Frigga zieht sofort ihre Hand zurück.

„Du hast Blut am Mund“, sagt sie dir leise und du wischt es so gut wie möglich weg.

„Wie lange dauert es, bis es mir besser geht?“, fragst du, während du die Muskeln in deinen Händen streckst.

Frigga schüttelt mit dem Kopf. „Das wissen wir nicht.“

„Was bewirkt dieses Gift?“, fragt Odin mit tiefer polternder Stimme.

Du verziehst das Gesicht. „Es verdreht einem den Magen, wenn man versucht seine Kräfte zu benutzen, macht einen schwach, macht einen normal. Es macht es auch einfach, Leute zu entführen.“

Sie haben ein Serum entwickelt, um uns sterblich zu machen, realisiert Odin mit großer Besorgnis.

„Warum würden diese Leute unseren Sohn entführen wollen?“, fragt Frigga mit einem plötzlich kühlen Klang in der Stimme.

Du blickst hinüber zu Thor, der dich aufmerksam ansieht. „Du hast Kräfte oder Fähigkeiten?“, fragst du ihn.

„Ja“, antwortet er, überrascht dass du das nicht weißt.

„Na, da habt ihr es“, erklärst du der Familie, wobei du mit den Schultern zuckst. „Das Ordinat stiehlt die Kräfte anderer. Sie benutzen sie, um neue Waffen zu fertigen und neue Krieger zu machen. Wenn sie dich erkannt haben und wissen, dass du Fähigkeiten hast, dann macht es Sinn, dass sie versucht haben dich mitzunehmen.“

Frigga schlägt das Herz bis zum Hals, als sie sich vorstellt, wie Thor weggeschnappt wird, während er so schwach ist wie du in den letzten Wochen.

„Wenn du nicht gewusst hast, wer ich bin, wieso hast du sie dann aufgehalten?“, fragt dich Thor, der aufgrund dieser neuen Informationen völlig verwirrt ist.

Du siehst ihn mit schmalen Augen an und schaust dann weg, um die goldenen Vorhänge des Zimmers anzustarren. „Ich werde sie bis auf den letzten Mann auslöschen. Jede Fähigkeit, die sie erlangen, macht dies schwieriger. Wenn sie hinter jemanden her sind, dann muss ich sie aufhalten, bevor sie die Möglichkeit haben, die Kraft zu stehlen.“

Loki verspürt den Drang zu lachen. Oh, wie gerne er jetzt lachen würde, seine Brust fühlt sich so an, als ob sie gleich platzt. Thor nahm an, dass du ihn seiner Person wegen gerettet hast und doch hast du es nur für deine eigenen Mittel getan!

„Sie haben sich unter unseren Feinden niedergelassen“, informiert Odin dich. „Wenn du gesund bist, nehme ich an, dass du auf das Ordinat und auch deren Gastgeber losgehen wirst, oder?“

Du starrst den Allvater wütend an. „Ja.“

Odin denkt darüber nach und beobachtet dich bedächtig. Er vertraut dir nicht. „Dir wird es gestattet sein dich mit den anderen Soldaten in den Kasernen zu erholen.“

Frigga wirbelt zu ihrem Mann herum. „Nein.“

Odin hält mit bebendem Schnurrbart inne. „Was?“

„Die Kasernen sind kein Ort für eine Lady.“

„Die Mörderin ist keine Lady, Mutter“, gibt Loki an und bemerkt mit Zufriedenheit, dass die Bezeichnung deine Augen zu seinen schnappen lässt. „Du hast nicht das Ausmaß ihres Gemetzels gesehen. Solch ein Monster gehört in die Kasernen.“

Auch wenn du Loki’s boshaftes Lächeln hasst, kannst du nicht anders, als ihm zuzustimmen. Anhand der Art und Weiße wie du deinen Blick von ihm abwendest und deine Hände zu Fäusten ballst, weiß er das auch.

„Nein“, sagt Frigga erneut, ihr Mund zu einer schmalen Linie zusammengepresst.

„Wo sollen wir sie denn unterbringen?“, fragt Odin schroff, während er auf seine Frau hinabstarrt.

„Wir haben reichlich Räume zur Verfügung. Sie sollte innerhalb unserer Mauern bleiben. Schau sie doch nur an, Gatte! Sie ist noch nicht bei voller Gesundheit. Du würdest sie draußen in die Kasernen stecken, die voll mit Fremden sind, die sie nicht kennt? Und was würde die Giftmischer davon abhalten mitten in der Nacht zu kommen, um sich ihren Preis zu schnappen?“

Die beiden Prinzen beobachten fasziniert, wie ihr Vater und ihre Mutter einen stillen geistigen Wettstreit haben.

Frigga gewinnt. Odin stößt besiegt einen Seufzer aus. „Nun gut. Wenn es ihr gut genug geht die Krankenstation zu verlassen, dann darf sie innerhalb der Palastmauern bleiben.“

Bevor du protestieren kannst, dreht Odin sich um, verlässt den Raum und lässt seine Familie mit dir zurück.

„Ich brauche keine Gemächer oder sonst irgendwas“, gibst du an, während du Frigga anstarrst.

„Unsinn“, erwidert die Königin, wobei sie geistesabwesend über deine Decke streicht. „Also, wo ist deine Familie? Es wird sie sicher freuen zu hören, dass du genesen bist.“

Du lachst humorlos und erinnerst Thor dabei zu sehr an seinen Bruder. Du bist keineswegs, wie er sich seinen Retter vorgestellt hat. Er bereut es nicht dein Leben gerettet zu haben, aber er hat gedacht, dass du nach deinem Erwachen die Dinge weniger – nicht mehr – kompliziert machen würdest.

Und dieses Lachen. Es hallt in Loki’s Gedanken. Er kennt dieses Lachen nur zu gut.

„Ich habe keine Familie“, erzählst du Frigga ohne eine Spur von Sehnsucht oder Schmerz in deiner Stimme. Diese Gefühle sind im Hinblick auf dieses Thema längst verschwunden. „Niemand, dem man was erzählen könnte.“ Das lässt dich innehalten, als du merkst, dass das eine Lüge ist. Da ist zumindest eine Person, die wissen will, ob es dir gut geht. „Habt ihr meine Tasche?“

Thor und Frigga schauen dich verwirrt an. „Ich habe nur dich zurückgebracht. Du hattest keine Tasche bei dir“, erklärt Thor.

„Du wirst wohl nicht das meinen?“, bekundet Loki, während er deine Tasche hervorholt und sie von seinen Fingern baumeln lässt.

Deine Augen leuchten auf und du schaust ihn mal wieder wütend an. „Das ist meine.“

Frigga ist nicht erfreut über die Mätzchen ihres Sohnes. „Gib ihre Besitztümer zurück, Loki.“

Er zuckt mit den Schultern, während er lässig nach vorne geht und deine Tasche neben den Nachttisch legt. „Hier, bitte schön.“

Du übersiehst nicht das Grinsen, das er dir zuwirft. Du weißt, dass er deine Sachen durchsucht hat und wenn du nicht ans Bett gefesselt wärst, würdest du auf ihn losgehen.

„Ich muss gehen“, sagt Frigga und streich noch einmal über deine Decke. „Du kannst dich an die Pfleger wenden, oder sogar mich herbeirufen, wenn du etwas benötigst. Ich danke dir für das, was du getan hast.“

Sie neigt ihren Kopf vor dir und dreht sich um, um den Raum zu verlassen.

„Danke, dass ihr mich am Leben erhalten habt“, sagst du zu ihrem Hinterkopf und sie blickt dich über ihre Schulter an und lächelt, bevor sie geht.

Du schaust zwischen den beiden Brüdern hin und her, mit dem Wunsch, dass sie verschwinden. Thor erkennt, dass du alleine sein willst. Er nähert sich der Seite deines Bettes und neigt wie seine Mutter seinen Kopf vor dir.

„Danke, my Lady, dass Ihr mein Leben gerettet habt“, sagt er ernst.

Du fühlst dich unwohl mit all dieser Förmlichkeit. „Du musst nicht, äh, so förmlich sein. Und, nun ja, danke, dass du nicht zugelassen hast, dass das Ordinat mich mitnimmt. Also sind wir quitt.“

Thor’s Verstand stolpert über die Art und Weise, wie du deine Sätze formulierst, aber letztendlich versteht er deren Sinn. Die Schuld ist beglichen. Er zeigt dir ein Grinsen und wendet sich zum Gehen um, wobei ihm seine scheidenden Worte nachfolgen. „Ich hoffe, dass ich dich bald auf den Beinen sehe.“

Du rollst mit den Augen und dann wandert dein Blick zu der verbleibenden Person im Raum. Er betrachtet dich gleichgültig und setzt sich hin, anstatt rauszugehen. Er sitzt so in seinem Stuhl, wie als du bewusstlos warst. Seine Beine baumeln über die Armlehne des Stuhls und du erkennst mit einem Knurren, dass dieser Prinz keinerlei Absicht hat, in nächster Zeit zu gehen.

Du kannst dich nicht entscheiden, ob du ihn ignorieren oder anschreien sollst. Dieser Mann ist ein Fremder, auch wenn die Boshaftigkeit in seinem Blick sehr vertraut ist.

Die Stille hält an, bis du es einfach nicht mehr aushältst. „Was willst du?“

Loki grinst. Er hat dieses kleine Spiel gewonnen. Und er liebt es zu gewinnen. „Du hast dich bei meiner Mutter und meinem Bruder bedankt und hast dich bisher noch nicht bei mir bedankt. Also werde ich warten, bis du dies gemacht hast.“

„Ach ja? Nun, die anderen beiden haben sich mir gegenüber nicht von Anfang an wie Arschlöcher verhalten. Also soweit es mich betrifft, kannst du dir alle Gedanken an meinen Dank sonst wohin stecken.“

Er lacht über dich und schüttelt mit dem Kopf, während er sein Buch in die Hand nimmt. „Was für eine Ausdrucksweise.“

„Fick dich.“

Loki, als ein Prinz, ist es nicht gewohnt auf solch eine Art angesprochen zu werden. Du fürchtest weder ihn noch seine Magie und das sieht er als schreckliche Unterschätzung seiner Persönlichkeit an.

Er wird den rechten Augenblick abwarten, mit der freudigen Absicht, dein Ende abzuwarten. Er ist schließlich ein sturer Bastard.

Erst als du eingeschlafen bist, fällt ihm auf, dass er vergessen hat dich nach deiner Magie zu fragen.

Chapter Text

Loki schaut dich über die Seiten seines Buches hinweg an, als du anfängst im Schlaf zu murmeln. Er ist auch müde – er war schließlich die ganze Nacht lang wach – aber er kann nach all dieser Aufregung nicht sein Gemüt beruhigen.

Ohne das Koma, das deinen Körper festhielt, bist du um einiges beweglicher. Er beobachtet wie sich deine Lippen bewegen, als du Worte formst, wobei sie immer noch von Blutflecken umgeben sind. Er kann nicht wirklich verstehen, was du sagst, und er sagt sich, dass es ihm ohnehin egal ist.

Er ist wütend, dass er vergessen hatte, warum er dich am Leben erhalten hat. Er überlegt, ob er dich aufwecken soll, um die Antworten zu verlangen, mit denen du ihn hättest beehren sollen, sobald du aufgewacht bist und erkannt hast, wer er war.

Dies ist nicht, wie die Dinge ablaufen sollten.

 

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Als du aufwachst, siehst du dich dem Prinzen gegenüber, der quer auf seinem Stuhl eingeschlafen ist. Du verdrehst die Augen und starrst seine ruhende Gestalt wütend an. Natürlich ist der Bastard immer noch da.

Du beschließt dein Tagebuch zu holen, während er schläft, und hoffst, dass deine Kameradin, Willow, nicht entschieden hat das Universum zu durchqueren, um nach dir zu sehen. Als du allerdings deinen Arm ausstreckst, bemerkst du, dass Loki deine Tasche außerhalb deiner Reichweite platziert hat.

Er wusste, was er tat. Das muss der Grund sein, warum er dich angesehen hat, als er sie hingelegt hat. Du hast keine Ahnung, warum das Arschloch seine Zeit damit verschwenden will dich zu quälen, aber du fängst an es zu akzeptieren.

Du testest deine Energie und versuchst vorsichtig mit ihr deine Tasche zu dir zu ziehen. Stattdessen erwischt dich eine starke Welle von Übelkeit und du krümmst dich, als du trocken würgst.

Zeitgleich als Loki aufwacht, betritt auch ein Pfleger das Zimmer mit Essen für dich.

 

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„Geh weg“, sagst du Stunden später, als du seine Anwesenheit keine Sekunde länger ertragen kannst.

„Nein“, erwidert der Prinz und blättert beiläufig eine Seite in seinem Buch um, ohne dich anzuschauen.

„Hast du keine prinzlichen Pflichten oder sonst irgendwas zu erledigen?“, fragst du gereizt.

„Du musst mich mit meinem Bruder verwechseln“, gibt er zurück und blickt wieder nicht von seinem Roman auf.

Als er spricht, bemerkst du die leichte Veränderung in seiner Stimme und du grinst ihn an. „So, du bist also der jüngere Prinz, nicht wahr? Wolltest der König sein, aber hast einen älteren, ungestümen Bruder am Hals.“

Jetzt sieht er dich mit einem kalten Blick an. „Sei still.“

„Ha! Du kannst austeilen, aber nicht einstecken“, spottest du und grinst ihn an.

Er rätselt nicht offensichtlich über die Redewendung, wie es Thor getan hätte. Es ist Loki immer leicht gefallen Dinge zu verstehen und auch wenn er weiß, dass sein Bruder nicht dumm ist, ist der Gott des Donners ihm hinsichtlich seines Intellekts unterlegen. Dennoch, als der Prinz versteht, was du meinst, hast du schon das Thema gewechselt. „Schau, nerv einfach jemand anderen. Danke, dass du mich am Leben erhalten hast, okay? Geh einfach.“

Seine Augen schnellen zu deinen und er schätzt deinen Ton ab. Da ist etwas, was du willst, etwas, was du tun musst, für das du alleine sein musst. Und er glaubt, er weiß, was das ist. Das Tagebuch.

„Was ist so dringend, Krieger?“, fragt er und lässt seine Worte wie etwas widerwärtiges klingen. „Ist es vielleicht das?“

Er zaubert ein illusionäres Abbild von deinem schwarzen Notizbuch herbei und hält es zwischen seinen langen Fingern. Er hält es sogar in deiner Reichweite, um dich zu reizen es ihm wegzunehmen. Sofort bist du wieder voller Energie.

„Wie kannst du es wagen?!“ schreist du und streckst deine Hand aus, um es von Loki, dem Prinzen der Listen, zurück zu stibitzen.

Aber deine Hand geht durch das kleine schwarze Buch hindurch, deine Finger zerschneiden die Illusion und lösen sie auf.

Er kichert, erfreut, dass du so leicht auf seinen Trick reingefallen bist. Du senkst dich zurück auf deine Kissen, wobei du vor Schmerzen zischt und deinen Bauch hältst, während du ihn wütend anblickst.

„Magie“, sagst du, die Abneigung deutlich in deiner Stimme. „Und billige Magie, noch dazu.“

„Billig, sagst du?“, fragt er in einem drohenden Ton. „Da bin ich anderer Ansicht. Du nennst den mächtigsten Zauberer in Asgard billig?“

Du lachst über ihn. „Deine Zaubertricks sind mir scheißegal.“

Tricks?“, fragt Loki wütend mit zusammengebissenen Zähnen. „Und wie nennst du dann das, was du kannst?“

„Macht“, erzählst du ihm ruhig und zeigst ihm ein Grinsen, dass so boshaft ist, dass er sicher noch viel später daran denken wird.

Er mustert dich kurz in deinem bettlägerigen Zustand und lächelt spöttisch. „Ich sehe hier keine Macht.“

Und nach dieser letzten spitzen Bemerkung verlässt er das Zimmer.

 

---

 

Loki kommt in dieser Nacht nicht zurück und du schläfst friedlich ein. Du träumst, dass du in Dunkelheit gefangen bist. Sie hält deine Gliedmaßen fest und egal wie fest du um dich schlägst, dein Körper reagiert nicht so, wie er soll. Du bist langsam, unkoordiniert und du bist dir sicher, dass du lebendig gefressen wirst.

Als du aufwachst, zitterst und blutest du. Du hast eine von deinen Wunden aufgerissen und knurrst frustriert. Du bist es nicht gewohnt, so zu leben und du hasst es. Du bist es leid so schwach zu sein. Du erinnerst dich daran, wie Loki dich spöttisch angegrinst hat, wie er dich machtlos genannt hat. Er hat nicht unrecht. Noch nicht.

Aber er wird.

Du übst jeden Tag. Du beugst deine Arme und Beine. Du versuchst so lange deine Kräfte zu benutzen, bis du dich übergeben musst (die Pfleger fangen an den Mülleimer neben deinem Bett stehen zu lassen, nachdem dies ein paar Mal passiert ist). Du wirst schnell müde, aber du bist entschlossen.

Olav hat dir längst deine Tasche gegeben und du hast deiner Freundin geschrieben, um sie wissen zu lassen, dass du am Leben bist. Bei dem Gedanken, dass Loki deine Sachen durchsucht hat, musst du deine Lippen kräuseln, auch wenn du weißt, dass du nichts daran ändern kannst. Außerdem musst du dich konzentrieren.

Du musst Vitran töten. Sobald er tot ist, wird alles vorbei sein. Du kannst deine Vergangenheit hinter dir lassen und kannst deine wilde Suche nach Vergeltung beenden.

Am fünften Tag betritt Loki dein Zimmer.

Er hat sich selbst mit Besprechungen und Palastbudgets und Gesprächen mit seiner Mutter und seinem Bruder beschäftigt. Und doch erinnert er sich daran, dass er noch nicht bekommen hat, was er von dir wollte. Das ist sicher der Grund, warum du ihn immer noch beschäftigst. Warum er dein boshaftes Grinsen vor sich sieht und warum er immer noch Hass auf dich im Herzen trägt.

Sobald du ihn siehst, stöhnst du und drehst dich weg.

„Du solltest lernen, wie man einen Prinzen richtig begrüßt“, rügt Loki dich. „Jene unter uns sollen sich verbeugen und dürfen sich nicht erheben, bis wir sie gegrüßt haben.“

„Was willst du?“, grummelst du und spürst bereits, wie sich deine Frustration aufbaut.

Loki setzt sich erneut neben dich auf seinen Stuhl und wirft seine Beine über die Armlehne, bevor er zu dir rüber schaut. „Ich will wissen, woher du deine Fähigkeiten hast.“

Du starrst ihn an. „Was?“

„Du hast mich schon verstanden.“

„Was meinst du mit, woher ich sie habe. Woher hast du denn deine?“, fragst du, wobei du verwirrt die Stirn runzelst.

Er bemerkt die Falte, die dabei entsteht, und die Art, wie deine Augen schmal werden, als du auf seine Antwort wartest.

„Ich habe geübt und Wissen herausgesucht, sobald ich festgestellt habe, dass ich ein Talent dafür habe“, antwortet er ehrlich.

„Okay, aber man muss mit dem Talent geboren werden, richtig?“, hakst du nach.

Er blickt finster drein, als er versteht, worauf du hinauswillst. „Also habe ich dich anscheinend vergebens gerettet. Du wurdest schlichtweg mit dieser Begabung geboren.“

„Begabung“, sagst du langsam, wobei du düster kicherst. „Das ist lustig.“

Loki versucht sich dazu bringen aufzustehen. Hier gibt es nichts mehr für ihn zu tun. Er hat herausgefunden, was er wissen wollte. Aber etwas in ihm sehnt sich immer noch nach deiner Macht und er ist sich sicher, dass er einen Weg finden kann, sie zu erhalten.

Er ist außerdem nicht wütend über diese Enthüllung, wie er gedacht hat, dass er es sein würde. Sein Interesse an dich hält ihn auf seinem Platz (da Fremde häufig interessant sind, redet er sich selbst ein). Er sieht dich mit einem ausgeglichenen Blick an und fragt: „Warum?“

Du wirfst ihm einen wütenden Blick zu und versuchst zu verstehen, worauf er hinauswill. Stattdessen findest du wahre Neugier in seinen grünen Augen.

„Du weißt, wie du mir beim Heilen geholfen hast? Vermeintlich“, fügst du hinzu, bevor er anmaßend wird.

Loki zeigt dir sein bestes, gewinnendes Lächeln. „Ja“, zieht er hinaus.

Du rollst mit den Augen und siehst frustriert weg. „Das ist eine ‚Begabung‘. Ich kann das nicht. Alles, was ich habe, ist mehr…offensiv. Nicht defensiv.“

Er nimmt diese Information auf und legt sie zu den anderen Fakten, die er über dich gesammelt hat. „Und du siehst das als einen Fluch?“

„Ich nehme an, du kannst kämpfen“, sagst du ihm, während du dich fragst, wieso du dir die Mühe machst, es ihm verständlich zu machen. „Nehmen wir an, dass dein Kumpel mit Magie beschossen wird oder niedergestochen wird oder sonst was. Du kannst ihn sofort heilen und dann einfach weiterkämpfen. Ich kann das nicht“, schließt du mit einem Schulterzucken ab.

„Ich auch nicht“, berichtet er dir.

Du siehst ihn neugierig an.

„Ich habe keinen ‚Kumpel‘. Sofern man nicht meinen schweinischen Bruder mitzählt.

Und du lachst. Er ist überrascht, dass du nicht über ihn lachst, sondern vielmehr über seine Worte. „Er ist schon irgendwie einem Wildschwein ähnlich, oder?“

Dieses Mal, als Loki dich anlächelt, ist es ein echtes Lächeln. Nur für einen Augenblick.

 

---

 

Frigga fragt ihn, wo er gewesen ist. Loki zuckt mit den Schultern und täuscht Desinteresse vor.

„Ich habe der Mörderin ein paar Fragen gestellt.“

„Warum bestehst du darauf, sie so zu nennen?“, fragt Frigga, wobei sie von dem Bestandsbuch aufblickt, mit dem sie sich die letzten Stunden lang beschäftigt hat.

Loki hat eine scharfe Antwort parat, die im auf der Zunge liegt, aber setzt sich stattdessen hin und erwidert darauf: „Ich weiß es nicht. Und es ist mir auch egal. Was ist unser Budget für die bevorstehenden Feierlichkeiten?“

Frigga antwortet, wobei sie allerdings ihren Sohn sorgfältig beäugt, als er die Zahlen und Notizen, die sie aufgestellt hat, kurz überfliegt.

„Wie ist das Mädchen?“, fragt sie.

Loki zuckt mit den Schultern. „Äußerst ärgerlich. Ich wünschte ich wäre nicht zu ihr zum Reden gegangen, wenn ich ehrlich bin.“

Frigga wechselt das Thema, da sie anhand dieser Aussage alle Informationen über die Situation erhalten hat.

Nur eine Mutter kann die Wahrheit in den Worten des Prinzen der Lügen erkennen.

 

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Deine Verärgerung wird immer größer, als Loki tagelang dein einziger Besucher bleibt. Er piesackt dich mit Beleidigungen, wobei er ach so leichthin auf die Dinge stößt, die du tief in dir versteckst. Er verhält sich so, als ob er dich kennt und seine Arroganz lässt dich ihn nur noch mehr hassen.

Auf jede scharfe Bemerkung, die er für dich hat, findest du eine passende Antwort. Du hast deinen eigenen Weg, seine Unsicherheiten aufzuspüren, was den Prinzen tief beunruhigt.

Es ist schwer, etwas vor dir zu verbergen. Du hast Erfahrung darin, selbst die geringsten Gesichtsausdrücke zu erkennen und er fragt sich, wie du diese Fähigkeit entwickelt hast.

Deine Pfleger haben dich über die Spitznamen des jüngeren Prinzen informiert, keiner von ihnen nett. Lügenschmied, Silberzunge, der Schwindler-Gott, Prinz der Boshaftigkeit. Er hat sich wirklich einen Namen und einen Ruf gemacht.

Du nennst ihn nur Loki. Du weißt, dass es ihn verärgert; insgeheim mag er diese Titel. Du nennst ihn nie „Prinz“, außer wenn es in einem beleidigenden Ton ist. Du setzt ihn zu nichts weiter als einen einfachen Bürger herab und er hasst es ganz und gar.

Und als du seinen Namen noch weiter zu „Loke“ verkürzt, kommt er zwei Tage lang nicht vorbei, um dich zu sehen.

Den Prinzen zu verärgern dient dir zur Unterhaltung und (obwohl du das niemals eingestehen würdest, nicht mal dir selbst) freust du dich auf seine Besuche. Er bringt geistreiche Unterhaltungen, ungezwungene Feindseligkeit und, was noch wichtiger ist, Interesse mit sich. Du hasst es gelangweilt zu sein. Und gefangen in diesem Zimmer, mit schwachen Beinen, mit denen du kaum stehen kannst (geschweige denn ein paar Schritte gehen), bist du nichts als das.

Du hast keine Ahnung, dass der Prinz des Unfugs genau aus diesem Grund fortfährt dich zu besuchen. Langeweile ist sein allgegenwärtiger Feind und du hast sie unwissentlich bezwungen.

 

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Olav ist müde. Er hat es satt, sich um dich zu kümmern und das macht ihn schnippisch. Es ist dem Mann bewusst, dass du genauso über die Geschwindigkeit deiner Genesung irritiert bist, wie er es ist, aber das hält ihn nicht davon ab dir zu grollen. Und mit Loki stets präsent, kommt Olav nur noch zu deinem Zimmer, um dir Essen zu bringen.

So kommt es, dass in der Nacht, als du aufgrund deiner Träume versehentlich die dünne Haut, die deine Wunden bedeckt, aufreißt, niemand nach dir sieht.

Du wachst auf, während dein Blut frei fließt und deinen sauberen Morgenrock und die weißen Bettlaken durchtränkt. Du stolperst aus dem Bett auf deine Füße, immer noch im Halbschlaf, aber mit dem Wissen, dass du Hilfe brauchst, und fällst auf den kalten Boden.

Dies ist, wie der Prinz dich findet. Er hat heute ein Buch mit sich gebracht. Er ist sich sicher, dass der Titel dich neugierig machen wird, und wenn du dich danach erkundigst, wird er dir nichts sagen. Kindisch, aber amüsant. Loki liebt es zu sehen, wie das Resultat seines Unfugs ein Feuer in deinen Augen entfacht. Dein Körper ist schwach, aber das gleichst du mit deinem Verstand aus.

Manchmal ist es so, als ob du zwei verschiedene Personen bist. Eine ist kalt, harsch und gefühllos. Die andere ist hitzig, voller Emotionen und so sprachgewandt wie er.

Heute bist du nichts davon. Er lässt sein Buch fallen, dein Blut im krassen Kontrast zu dem weißen Zimmer. Aber der Prinz der Lügen sorgt sich natürlich nicht um eine einfache Ausländerin, also lässt er sich Zeit, zu dir zu gehen. Schließlich ist es so, dass er dich hasst.

Du hörst, wie sich seine Schritte nähern und du stöhnst vor Schmerzen. Er bückt sich letztendlich und hebt deinen Oberkörper vom Boden.

„Der gute alte Loke kommt zur Rettung“, gibst du schwach an, wobei dein ganzer Körper vor Anstrengung zittert, als du mühsam den Kopf hochhältst.

„Nenn mich noch einmal so und ich werde dich zum Sterben in deiner widerwärtigen Blutlache zurücklassen“, entgegnet er mit feurigen, grünen Augen.

„Ich hasse mich selbst“, erzählst du ihm, während deine Arme zittern. „Ich hasse das. Wann ist es vorbei?“

Er öffnet deinen blutigen Morgenrock, sobald du wieder auf dem Bett liegst. Der Prinz leitet seine Magie in seine Hände und der grüne Schein veranlasst dich deine Augen zu öffnen.

„Fass mich nicht an“, sagst du ihm, wobei ein schwacher finsterer Blick dein Gesicht verdunkelt, als du ihn wütend anblickst.

„Sei still, Idiot“, befiehlt er, während er seine Hände auf dich legt und beobachtet, wie deine Haut langsam wieder verheilt.

Da ist Hass in deinen Augen, als er dich ansieht. Er weiß, dass du ihn hasst. Er weiß es liegt daran, dass er Macht besitzt, während du keine hast. Weil du dich hilflos fühlst, während er stark ist. Weil du seine Gegenwart verachtest, aber wenn er nicht wäre, hättest du niemanden zum Reden. Und auch weil er ein unerträglicher, scharfzüngiger Bastard ist. Er weiß all das.

Und er lässt dich ihn hassen. Er listet Gründe in seinen Gedanken auf, warum er dich hasst, während ihr beide euch gegenseitig wütend anstarrt, deine Haut unter seinen Fingerspitzen beinahe erneuert.

 

---

 

Olav geht alleine den Flur entlang, als der Prinz ihn findet. Er schnappt erschrocken nach Luft, als sein Körper mit Gewalt gegen die Wand geschleudert wird, und plötzlich ist ein Unterarm über seiner Luftröhre. Loki drückt ihn nach oben, sodass ihre Gesichter auf einer Höhe sind. Olav’s Füße baumeln hilflos in der Luft und er greift mit dem vergeblichen Bemühen, sich zu befreien, nach dem Arm des Prinzen.

„Wisch das Blut in ihrem Zimmer auf. Besorg ihr einen neuen Morgenrock. Und wenn dies nochmal vorkommt, wirst du dich gar nicht mehr um deine Pflichten als Pfleger kümmern müssen. Auch wenn es offensichtlich ist, dass du das jetzt schon nicht tust.“

Loki nimmt seinen Arm von Olav’s Kehle und geht weg, wobei er den haspelnden und nach Luft ringenden Mann mit den Gedanken an die Todesdrohung, die ihm noch länger im Gedächtnis haften bleiben, zurücklässt.

 

---

 

Hey, Willow. Ich bin am Leben. Werde wohl noch eine Weile völlig erledigt sein, aber es geht mir gut. Komm nicht her, um nach mit zu suchen.

 

***

 

Hey! Gut zu wissen, dass du am Leben bist! Was meinst du mit völlig fertig? Erhältst du Heilung?

 

***

 

Ja.

 

***

 

Okay, heile aus. Lass mich wissen, wenn du Fortschritte machst.

Chapter Text

Das Palastgelände ist wunderschön, so wie alles in Asgard. Hohe Hecken erhielten mit Hilfe von Magie die Form aller möglichen Kreaturen, prachtvolle Blumen blühen entlang der Fußwege und Pfade und der Hausmeister kümmert sich darum, dass das Gras immer in einem dunklen, herrlichen Grün ist. Es gibt mehrere Springbrunnen um den Palast herum und das Wasser darin schimmert beinahe golden im strahlenden Licht der Sonne.

An guten Tagen kannst du einiges davon von deinem Fenster aus sehen, wenn du die Kraft hast, es zur gepolsterten Fensterbank zu schaffen.

Du kannst allerdings nicht über die Mauern, die den Palast umgeben, sehen. Da liegt der Markt, wo die Bürger der Stadt die gepflasterten Straßen entlanglaufen. Die Adligen leben äußerst nah beim Palast, ihre Häuser groß und kunstvoll. Sie sind diejenigen, die das Privileg haben, das Palastgelände aufzusuchen, wenn sie es wünschen neben diesen prachtvollen Türen zu dinieren. Sie betreten das Gebäude allerdings nur mit Erlaubnis oder bei einem Anlass (wie etwa den abendlichen Festen); aber das Gelände gehört ihnen.

Die Bürgerlichen wohnen weiter entfernt von der Palastmauer. Dies sind die Leute, über die der Adel auf dem Marktplatz spottet, denn auch wenn die Adligen das Palastgelände haben, müssen beide dennoch Brot kaufen.

Heute gehen Thor und seine Freunde die Straßen von Asgard entlang, wobei sie sich freudig unterhalten. Die Leute rufen dem Prinzen zu, grüßen ihn, als er an ihnen vorbeigeht. Thor ist vielgeliebt bei den Bewohnern Asgards. Er ist ihr Beschützer, ihr Sieger in Schlachten – er sorgt für ihre Sicherheit. Er wandelt unter ihnen, als ob er selbst nicht weiter als ein Bürgerlicher ist.

Die Frauen schenken ihm besonders viel Aufmerksamkeit, während sie in Gedanken größenwahnsinnige Szenarien ausleben. Welche Frau würde nicht davon träumen, hinter den Palastmauern zu wohnen, ein bequemes und prachtvolles Leben zu führen, verehrt von denen um einen herum?

Es gab einmal eine Zeit, als Thor ein Augenzwinkern anstatt eines Winkens für ein paar der Frauen übrig hatte. Aber er ist eingefangen von der Unterhaltung mit Sif, die immer mehr als erfreut ist, wenn sie die Aufmerksamkeit des Prinzen fesselt.

Nein, er ist schon seit einer Weile nicht mehr hinter einer Frau her gewesen und Sif dankt den Neun im Stillen dafür.

Sie ist keine eifersüchtige Frau. Sie ist ein Krieger und ist vollkommen zufrieden damit, an Thor’s Seite zu kämpfen. Sie ist glücklich in seiner Nähe zu sein, seine Freundin zu sein oder seine Waffenschwester oder was auch sonst er benötigt. Allerdings kann sie nicht anders, als sich über dich zu erkundigen.

„Du warst nicht wieder auf der Krankenstation, Thor?“, fragt Sif während des Spaziergangs.

Thor winkt einer Gruppe unbeschäftigter Mädchen beiläufig zu und, obwohl er nicht einmal in ihre Richtung geblickt hat, brechen sie in Kichern aus. „Nein, war ich nicht.“

„Und das ist auch gut so“, grummelt Hogun.

„Ich bin mir sicher, dass du ihr zumindest gedankt hast“, sagt Fandral, während er sich eine Locke seines blonden Haares aus dem Gesicht streicht und den kichernden Mädchen ein Grinsen zuwirft.

Sie haben trotzdem nur Augen für den Gott des Donners und Fandral wendet seinen Blick zum Himmel ab. Er ist es schon gewohnt.

„Das habe ich“, berichtet Thor, um schnell seine Ehre zu verteidigen. „Und sie hat die Freundlichkeit erwidert, auch wenn ich nicht so weit gehen würde, sie freundlich zu nennen.“

„Also ist sie nicht das, was du erwartet hast?“, fragt Volstagg und sein roter Bart zuckt, als er wegen Fandral’s vergeblichen Versuchen, die Aufmerksamkeit anderer in Thor’s Gegenwart zu erlangen, grinst.

„Sie ist barsch und schroff. Eine Fremde, neu in diesem Reich“, versucht Thor zu erklären, wobei er Hogun’s gemurmeltes „Monster“ ignoriert.

„Dann solltest du vielleicht wieder nach ihr sehen“, schlägt Sif vor, wobei sie ihren Blick von dem Prinzen abwendet, hin zu den Essensständen. „Sie wird niemanden haben, der sie besucht. Ich an ihrer Stelle würde verrückt werden.“

„Sie hat keinen Mangel an Gesellschaft“, erzählt Thor ihr und stupst dann die Schulter der dunkelhaarigen Frau an. „Und du würdest nicht verrückt werden, Sif. Ich würde dich besuchen.“

„Kein Mangel an Gesellschaft?“, erkundigt sich Fandral mit erhobenen Augenbrauen. „Wer leistet ihr denn Gesellschaft? Königin Frigga?“

Thor schaut in Richtung des Palastes, wobei kurz ein verwirrter und misstrauischer Ausdruck in seinem Gesicht zu sehen ist, bevor er antwortet.

„Mein Bruder.“

 

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Du hast keine Ahnung, warum Olav plötzlich andauernd in deinem Zimmer ist. Es ist lästig. Du hast gedacht, du würdest die Gesellschaft von jedem der von Loki vorziehen, aber Olav stellt sich als genauso furchtbar heraus.

Er verhält sich so, als ob er Angst vor dir hat, was du nicht verstehst. Ja, es gibt genug Gründe dich zu fürchten, aber keinen, den der männliche Pfleger kennt. Er sieht ständig nach dir. Mehrere Male in der Nacht wachst du auf, wenn sich deine Tür öffnet und Olav’s blondes Haupt um sie herum lugt.

Aber auch wenn er ein Ärgernis ist, beschleunigt Olav deine Genesung. Er hilft dir beim Gehen, besteht darauf, dass du deine Übungen machst und hält den Eimer für dich, wenn du deine Kräfte testest.

Olav will dich aus seiner Krankenstation haben. Er wird alles tun, was nötig ist, damit es dir gut genug geht, aus diesen Türen hinauszugehen, raus aus seinem Leben und du so auch den fürchterlichen Prinzen mit dir nimmst. Loki beäugt ihn wissend, wenn er bei Kontrolluntersuchungen in deinem Zimmer anwesend ist. Olav hasst es, aber er hat zu viel Angst zu protestieren.

Der Prinz ist froh zu sehen, dass der Pfleger endlich seinen Job erledigt.

Du kannst nicht anders, als darüber begeistert zu sein, dass du deine Beine zurückhast. Du läufst jeden Tag in deinem Zimmer herum, vom Fenster zum Badezimmer, zur Zimmertür, zu deinem Bett. Loki hat die Bücher, die er mit sich bringt, gehäuft neben seinem Stuhl gelassen und als du eines Tages an ihnen vorbeiläufst, hebst du eins auf und nimmst es mit in dein Bett.

Das macht Olav nervös, auch wenn er weiß, dass Loki heute mit Besprechungen beschäftigt ist.

„Dem Prinzen gefällt es nicht, wenn man seine Habseligkeiten anfasst“, versucht Olav dir mitzuteilen, während er beobachtet, wie du die Seiten umblätterst.

„Gut“, ist alles, was du erwiderst, und liest weiter.

 

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Als die Nacht anbricht, kann Loki endlich tun und lassen, was er will. Er sieht, wie Thor mit seinen Freunden zum abendlichen Fest geht, wobei sie lachen und sich fröhlich unterhalten. ‚Kumpel‘ würdest du sie nennen. Der jüngere Prinz spürt, wie sich seine Lippen zu einem höhnischen Grinsen verziehen, während sich Eifersucht um sein dunkles Herz wickelt.

Er hatte zuvor „Freunde“ gehabt, ja, aber keine so langanhaltend wie Thor’s. Der Prinz der Trickserei hält niemanden nahe, da Einsamkeit ihn nicht so sehr verletzen kann, wie eine lebende Person.

Er lässt sich von seinen Füßen die vertrauten Flure zur Krankenstation entlang leiten. Er braucht jemanden, an dem er seine schlechte Laune auslassen kann und du bist ein leichtes Ziel.

Er ist so begeistert darüber, sein Buch in deinen Händen zu sehen, wie Olav angedeutet hat, dass er es sein würde.

„Nimm deine schmutzigen Finger von diesen Seiten“, befiehlt er in einem giftigen Tonfall.

„Meine Hände sind sauber, Trottel“, erwiderst du mit einem Augenrollen und blätterst eine Seite um. „Ich schwöre, wenn Olav mir noch einen weiteren Waschlappen gibt, dann schieb ich ihn seinen Rachen runter.“

Loki schreitet auf dich zu, seine Hand nach dem Roman ausgestreckt. Du hältst es aus seiner Reichweite, näher an deinen Körper und siehst ihn mit schmalen Augen an. „Guter Gott, kannst du mich wenigstens diesen Satz fertiglesen lassen?“

„Du nennst mich ‚Gott‘?“, fragt er, wobei er sich bemüht, dass man ihm seine Verwirrung nicht ansieht.

Du schnaubst, während du den Satz beendest und das Buch schließt. „Ich bezeichne dich nicht als irgendeinen ‚Gott‘, du egoistischer Bastard.“

„Ich bin ein Gott“, berichtet er dir wütend und schnappt sich das Buch von dir.

„Natürlich“, erwiderst du und ihm missfällt dein herablassender Tonfall.

„Du bist nichts, Mörderin. Eines Tages wirst du dich mir beugen“, sagt er dir, seine Worte voller Wut und Feindseligkeit.

„Ja klar, wenn Schweine fliegen können.“

Nun wird sein Ausdruck zu einem, der voller Unfug ist, und ein Grinsen leuchtet in seinem Gesicht auf. „Es scheint, als ob du noch nichts von den großen geflügelten Wildschweinen gehört hast, die dieses Reich durchstreifen.“

„Du meinst deinen Bruder?“, fragst du, während du dich auf deinem Bett ausstreckst und Loki einen Blick zuwirfst.

Er kann sich nicht erinnern, dass er je mehr über eine Aussage, die jemand anderes als er gemacht hat, begeistert war, auch wenn er sich davon nichts anmerken lässt. „Trotzdem, Schweine können in Asgard fliegen, also haben deine Worte keine Bedeutung.“

Du stöhnst, während du mit dem Kopf schüttelst und siehst zur Decke. „Mein Sarkasmus bleibt bestehen.“

Loki dreht das Buch um, das er dir weggenommen hat, um zu sehen, was du dir zum Lesen ausgesucht hast. Es ist ein Roman, die Geschichte voller Abenteuer, Monster und Kämpfe. Genau die Art von Buch, von der er erwartet hat, dass du daran interessiert bist.

„Olav meint, dass ich bald gehen kann“, sagst du in die Stille hinein und er kann die sehnsüchtige Begeisterung, die der Gedanke, das Zimmer loszuwerden, bei dir auslöst, in deiner Stimme hören. „Wahrscheinlich nur noch eine weitere Woche hier.“

Loki ist sich nicht sicher, wie er darauf antworten soll. Er will deine Freude dämpfen und das aus keinem anderen Grund, als grausam zu sein. Aber wenn er den Ausdruck in deinem Gesicht sieht, als du das Fenster des Zimmers anstarrst, kann er es nicht tun.

„Gut“, ist alles, was er sagt, während er sich selbst verwünscht.

Nun siehst du ihn an, deine Augen nichts als kalter Stahl. „Und Vitran passt besser gut auf, sobald es mir bessergeht.“

Jetzt lacht er. Loki weiß, wie man mit solchen Aggressionen umgeht, liebt es, dich zu sticheln, wenn du gefühlskalt und wütend bist. „Eine Berührung von Vitran und du kippst um, Dummkopf. Du bist nicht annähernd so weit, es mit ihm aufzunehmen. Beherrsche dein Temperament. Schließlich ist die beste Rache die, die langsam ausgeübt wird.“

Er will dich fragen, wofür du dich rächst. Warum du nach dem Leben des Mannes gierst – was er und seine Leute dir weggenommen haben. Er fragt nichts, sondern beobachtet dich nur, während du ihn anstarrst und dann wegsiehst.

Du magst den Prinzen nicht. Und du hasst ihn nur noch mehr, wenn er recht hat. Er spricht von Rache, als ob er sie selbst ausgeübt hat und du zweifelst nicht daran, dass er es hat. Selbst du erkennst, dass Loki nicht jemand ist, den man ohne tödliche Konsequenzen verärgert. Dass er gefährlich ist.

Aber das bist du auch oder warst es zumindest. Du bist bereit, wieder deinen normalen Zustand zu erreichen, jetzt noch mehr als zuvor.

Der Prinz öffnet das Buch an der Stelle, wo du aufgehört hast und beginnt im Stillen zu lesen, wobei er sich wie üblich neben dein Bett setzt. Er fängt deinen wütenden Blick aus dem Augenwinkel heraus auf und kann nicht anders, als zu grinsen.

Ja, dich zu quälen hebt immer seine Stimmung.

 

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Frigga’s Diener berichten ihr, dass Loki mehrere seiner Besprechungen versäumt hat. Nun, sie sagen es ihr nicht persönlich, da dies als unhöflich aufgefasst werden könnte. Allerdings schweigen sie nicht darüber, wenn sie in der Nähe ist, da sie wissen, dass die Königin sich an dem Geflüster über ihre Söhne erfreut.

Sie sprechen über Thor, wie er mit Sif auf dem Marktplatz spazieren geht oder dreiste, betrunkene Aussagen im Festsaal macht oder Mjolnir mitten auf dem Tisch platziert und alle Anwesenden herausfordert, zu versuchen ihn anzuheben.

Dies lässt sie schmunzeln und sie ist zufrieden, dass ihr Ältester so gesellig wie immer ist.

Das Geflüster über ihren Jüngsten interessiert sie auf eine andere Art und Weise. Er hat ein paar Besprechungen versäumt (sie ist nicht überrascht). Er war in letzter Zeit allzu häufig auf der Krankenstation, sagen sie. Verschwört er sich mit dem Blutigen Krieger? Sie überlegen laut, wer wohl den anderen als erstes umbringen wird. Es gibt Geschichten über die konstanten Streite der beiden, die die Flure entlang hallen.

Frigga ist nicht jemand, der eine genaue Liste über die Gerüchte über ihre Söhne führt, auch wenn sie gerne weiß, wer was sagt (was ihren Dienern bewusst ist). Allerdings ist sie immer fähig, die Wahrheit aufzudecken und die Königin beabsichtigt ihre Neugier zu stillen.

Olav hat ihr berichtet, dass es dir beinahe gut genug geht die Krankenstation zu verlassen. Daher besucht die Allmutter am nächsten Nachmittag dein Krankenbett.

Du liest gerade das Buch, als du hörst, wie sich die Tür öffnet. Loki hat es zurückgelassen, als er gestern gegangen ist und du hast nicht gezögert es sofort in die Hand zu nehmen. Du hältst in deinem Lesen inne und schnaubst verärgert, ohne deinen Blick zu heben.

„Hör zu, Arschloch, ich bin fast damit fertig, okay? Ich schwöre, wenn du -“

Du siehst auf und spürst, wie die Worte auf deiner Zunge verblassen. Es ist nicht das grinsende Gesicht von Prinz Loki, sondern seine Mutter, die Königin, mit erhobener Augenbraue.

„Äh…sorry“, entschuldigst du dich und erinnerst dich dann, dass du dich in ihrer Gegenwart verbeugen sollst.

Du verbeugst dich grundsätzlich vor niemandem. Allerdings kannst du nicht anders, als die Königin zu respektieren. Sie hat dein Leben gerettet, dich vor ihrem Ehemann verteidigt und war immer gütig zu dir. Du stehst schwerfällig auf und lenkst deinen Oberkörper ruckartig in eine unbeholfene halbe Verbeugung, wobei du von dem Gefühl der Unterwerfung eine Gänsehaut bekommst.

„Es ist alle vergeben“, berichtet Frigga dir mit einem Lächeln auf den Lippen.

Sie denkt zu wissen, warum ihr Sohn dich besucht.

Du richtest dich sofort auf und legst das Buch auf deinen Nachttisch. Königin Frigga ist erfreut zu sehen, dass du stehst und tritt nah genug an dich heran, um eine Unterhaltung führen zu können, während sie aber auch genug Abstand hält, sodass du nicht unwohl fühlst.

Du bemerkst das und beschließt hier und jetzt, dass du die Frau magst. Sie kann sehen, dass du dich entspannst und lächelt dir freundlich zu. „Olav berichtet mir, dass du in paar Tagen die Krankenstation verlassen kannst.“

„Ja!“, antwortest du und spürst, wie deine Augen aufleuchten. „Ich kann jetzt sogar schon alleine gehen. Und ich muss mich nicht mehr so oft übergeben. Das ist gut.“

„Hervorragend“, stellt die Königin mit einem Nicken fest. „Ich bin froh zu sehen, dass es dir schon wieder so gut geht. Sag mir, hast du irgendwelche Wünsche für deine neuen Gemächer?“

Verwirrung macht sich in deinem Gesicht breit. Du fühlst dich nicht, als ob du irgendeinem Platz in dieses Marmorhallen würdig bist und auch wenn du versuchst es zu verstecken, sieht die Königin es. „Äh, nein“, sagst du ihr. „Wirklich, mir wären die Kasernen oder was auch immer sonst völlig recht. Ich muss sowieso wieder anfangen zu trainieren. Ich bin schon zu lange herumgelegen.“

„Wir haben Übungsgelände, auch wenn es noch lange dauern kann, bis sich dein Körper vollständig von dem Gift befreit hat. Ich kann es gegenwärtig fühlen“, erzählt Frigga dir, wodurch dir unbehaglich zumute wird.

Es gefällt dir nicht, dass sie dich durchschauen kann oder dass sie etwas „gegenwärtig“ in deinem Körper fühlt. „Gut möglich. Aber trotzdem. Ich brauche kein Zimmer.“

„Ich habe bereits eins für dich vorbereiten lassen“, berichtet sie dir mit einem Schulterzucken. „Es gibt keinen Grund, warum du es nicht benutzen solltest.“

„In Ordnung“, murmelst du einlenkend.

Die Königin lächelt dir erneut zu. „Sehr gut. Ich werde morgen ein paar Diener senden, um Maß zu nehmen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass du es leid bist diese weiße Kleidung der Krankenstation zu tragen.“

„Ihr gebt mir Klamotten?“, fragst du, plötzlich nervös. „Ich meine, danke, aber ich habe ein paar, die ich tragen kann…denke ich.“

Du greifst nach deiner Tasche und durchsuchst schnell deren Inhalt. Du blickst wütend in sie hinein, als du bemerkst, dass sie fehlen.

Es ist, als ob Frigga deine Gedanken lesen kann. „Keine Sorge“, sagt sie sanft. „Sag ihnen morgen, was deine Präferenzen sind. Wir werden tun, was wir können, damit du dich wohl fühlst.“

Jetzt fühlst du dich veranlasst, ehrlich mit ihr zu sein. „Ihr habt bereits mein Leben gerettet. Ich verdiene Eure Güte oder Kleidung oder Räume nicht.“

Frigga starrt dich mit ihrem grauen Blick an. „Solange du unter meinem Dach bist, wird es dir an nichts mangeln. Du bist ein königlicher Gast.“

Nun fühlst du dich sogar noch unbehaglicher und wendest deinen Blick ab. Dein Gesicht wird rot, als du ihr dankst und sie neigt ihren Kopf vor dir.

An der Tür hält die Königin inne und dreht sich zu dir um. „Ich hoffe, dass mein Sohn dir keine Last war.“

Sie beobachtet, wie deine Augen zu ihren schnellen, ein wütendes Feuer in ihnen. Du zwingst dich es schnell zu beruhigen, um deine Miene heiter zu halten, als du ihr sagst: „Keineswegs.“

Frigga Allmutter nickt dir zu, bevor sie das Zimmer verlässt.

 

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Es ist der Tag, bevor du die Krankenstation verlassen darfst. Du bist in bester Stimmung und fast nichts kann deine Freude dämpfen. Du bist bereit für die Veränderung und glaubst, dass du am glücklichsten wärst, wenn du nie wieder goldenen Vorhänge und weiße Laken sehen musst.

Du bist immer noch fest entschlossen deine Kräfte und Fähigkeiten zurückzuerlangen. Du sitzt auf deinem Bett, der Mülleimer zwischen deinen Beinen, während du eine hohle Hand vor dir hältst. Feuer war immer deine leichteste Fähigkeit gewesen, also hast du versucht es als erstes wieder zu erlernen. Die Flammen, die einst so einfach über deine Fingerspitzen tanzten, sind schwer zu bekommen und dein Frust wächst mit jeder neuen Welle der Übelkeit.

Du versuchst dich selbst anzutreiben, kanalisierst deine Energie, erhitzt die Partikel in der Luft über deiner Handfläche. Gerade als eine kleine Flamme in deiner Hand zum Leben erwacht, betritt Loki den Raum. Du stößt einen Triumphschrei aus und beobachtest dann, wie das Feuer ausgeht und übergibst dich prompt in den Eimer.

Sein Gesicht verzieht sich vor Abscheu und er rollt mit den Augen.

Selbst das kann deine gute Laune nicht kaputt machen. „Ich hab’s geschafft!“, rufst du aus, bevor du deinen Kopf wieder über den Eimer hängen musst.

„Ein winziges Flackern, aber nichtsdestotrotz ein Flackern, nehme ich an“, bekundet Loki, während er weiter in dein Zimmer hineingeht.

Das ist alles an Beglückwünschung, was du von ihm bekommen wirst, und das weißt du. Du stöhnst und lehnst dich zurück, nachdem du den Eimer auf den Boden gestellt hast. „Hey, es ist schonmal etwas. Sei still und lass mich feiern.“

Loki versteht nicht, wie mit Schweiß auf deiner Stirn im Bett zu liegen in irgendeiner Form eine Feier ist, aber er kommentiert es nicht. Die Tür öffnet ich erneut, als Olav hereineilt, um deinen Eimer zu leeren, wobei er seine Augen auf die Aufgabe richtet, um nicht zu sehen, wie der Prinz ihn anschaut.

„Danke“, richtest du dem Pfleger aus, während du dich auf die Füße zwingst, um in deinem Zimmer herumzugehen.

Du spülst deinen Mund im Badezimmer aus und findest bei deiner Rückkehr Loki auf seinem Stuhl vor. Du fragst dich, was er davon hält, dass du ein Zimmer im Palast bekommst. Er ist höchstwahrscheinlich aufgebracht, wenn man davon ausgeht, wie sehr er sich dafür ausgesprochen hat, dass du in den Kasernen wohnst.

Du lässt dich davon nicht stören. Du denkst an deine Flamme, das helle orange Licht ist eine Erinnerung daran, dass du immer noch das sein kannst, was du einst warst. Jedes Mal, wenn du dich übergibst, auch wenn du es hasst, fühlt es sich so an, als ob es dir hilft deinen Körper von dem Gift, das dir das Ordinat verabreicht hat, freizubekommen.

Vor deinen Augen tanzen Bilder, wie du sie bezahlen lässt. Loki denkt, dass du ihn ansiehst.

„Was?“, blafft er und wirft dir einen Blick zu.

Du überlegst dir etwas, was du sagen kannst und dir fällt ein: „Ich habe neulich deine Mom gesehen.“

„Oh?“, fragt er, sein Interesse geweckt. „Was wollte sie von dir?“

„Ich nehme an, sie wollte einfach nur nach mir sehen. Und am nächsten Tag hat sie Leute hergeschickt, um mich zu vermessen. Anscheinend bekomme ich neue Klamotten.“ Du starrst ihn wütend an. „Da ich ja keine mehr habe.“

Er grinst dich übel an. „Ich habe dir doch gesagt, dass sie nichts weiter als blutige Lumpen waren.“

„Ich meine die aus meiner Tasche. Du hast auch gewusst, wie mein Tagebuch aussieht. Du hast mein Zeug durchsucht!“

„Nun, du hast keine Möglichkeit, das zu beweisen“, teilt er dir selbstgefällig mit, wobei sein Fuß träge schwingt, während er von der Armlehne des Stuhles baumelt.

„Du bist ein absoluter… ein…“, du suchst nach einem Wort, während der Ärger dir deinen Wortschatz nimmt.

„Ein Plagegeist? Ein Bastard?“, rät er, wobei sein Grinsen breiter wird.

„Ein Balg!“, schreist du und verschränkst die Arme. „Nur ein verzogenes, prinzliches Balg, das es gewohnt ist mit anderen Leuten herumzuspielen.“

Er wägt seine Emotionen ab. Deine Worte verärgern ihn, auch wenn er nicht weiß, ob er dir eine gleichgültige oder hitzige Antwort geben soll. Er wählt Gleichgültigkeit.

„Na und?“, spottet er. „Was haben andere sonst für einen Nutzen, als mir zur Unterhaltung zu dienen?“

„Raus hier!“, brüllst du, deine gute Laune offiziell vorbei.

Er geht dir unter die Haut und entzündet dein Temperament, wie es seit Jahren keiner mehr geschafft hat. Du bist nicht gefühlskalt und berechnend, wenn du in Loki’s Nähe bist, was du geworden bist, nachdem das Ordinat deine Basis angegriffen hat, nach dem Krieg, nachdem du deine eigenen Wege gegangen bist. Du spürst, wie ein Teil deines alten Ichs zurückkommt und das gefällt dir nicht. Das ist gefährlich. Emotionen sind gefährlich, selbst Wut.

Loki weiß das nicht über dich. Er erkennt, dass deine Persönlichkeit zwei Seiten hat, aber ihm ist nicht bewusst, dass die eine alt und die andere neu ist. Das einzige, was ihn interessiert, ist es dich an die Grenze deiner Belastbarkeit zu drängen. Er will sehen, was passiert, wenn du seine Worte nicht mehr aushältst, wenn du dich wahrhaft nicht mehr beherrschen kannst.

Er will derjenige sein, der dies bewirkt.

 

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Hier festzusitzen ist richtig scheiße, Will.

 

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Was? Keine erfreulichen Besucher, die nach deinen Wunden sehen?

 

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Nö. Auf keinen Fall. Ich werde später schreiben.

 

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Cool. Iss. Schlaf. Tu dir nicht weh.

Chapter Text

Du bist nervös, als es fast so weit ist, die Krankenstation zu verlassen. Du bist doppelt-nervös, da du, während die asgardischen Diener an deiner neuen Kleidung arbeiten, ein Kleid tragen musst. Der Stoff fühlt sich steif an, als ob es schon lange nicht mehr getragen wurde und es ist, natürlich, zu groß für deine Statur.

„Was geben die euch hier zu essen?“, fragst du die Pflegerin (welche auch größer ist als du), die dir beim Anziehen hilft.

„Ich weiß nicht, was du meinst“, antwortet sie mit einem Kopfschütteln, während sie das Kleid an deinem Rücken zusammenschnürt.

Du weißt nicht, wo die Pflegerin dieses Kleidungsstück gefunden hat, aber du wünscht, dass sie es dort gelassen hätte. Es ist in einem blassen Blau, das in keiner Weise deinem Hautton oder deiner Figur schmeichelt. Du denkst, dass es an deiner Freundin Willow fabelhaft aussehen würde, auch wenn du feststellst, dass sie im Vergleich zu den Asen ein absoluter Zwerg sein würde, wenn sie hier wäre.

Dir scheint es, als ob die Pflegerin versucht deinen Blutkreislauf abzuschneiden, während sie sich vielmehr bemüht, dass das verdammte Teil nicht runterrutscht. Es ist ein altes Kleid ihrer Tochter und es ist wirklich ein hässliches Teil, also fühlt sie sich nicht schlecht, wenn sie dich darin rausgehen sieht.

Man erlaubt dir, deine Stiefel zu tragen, da man sie unter dem Saum des Kleides nicht sehen kann. Du umklammerst den Riemen deiner Tasche, nachdem du sie über deine Schulter geschwungen hast, während du mit Frigga’s Dienerin nervös die Krankenstation verlässt.

Der Palast von Asgard ist absolut phänomenal. Du verlierst dich in den goldenen Torbögen, den Marmorwänden und -böden, den weißen und goldenen Säulen, die die Flure säumen. Du warst in deinem ganzen Leben noch nie in einem Gebäude mit solch einer Pracht gewesen, nicht einmal als auf deinen Abenteuern anderen königlichen Familien über den Weg gelaufen bist.

Leute tummeln sich in den Fluren und Räumen des Zentralpalastes – Diener, die ihre Pflichten erfüllen, Wachen, die auf ihren Routen patrouillieren, und verschiedene Adlige und unbedeutendere Mitglieder der königlichen Familie, die ihre eigenen Geschäfte verrichten. Du bemerkst, dass die Blicke der Leute dir folgen, als du an ihnen vorbeigehst, kaum in der Lage mit Gudrun Schritt zu halten. Du spürst, wie du bereits ermüdest, was dich daran erinnert, dass du immer noch schwach bist.

Die Treppe ist am schlimmsten. Du bist dir nicht sicher, ob du es schaffst, und Gudrun fragt mehrere Male, ob alles in Ordnung ist. Du sagst ihr jedes Mal, dass es dir gut geht, auch wenn dir das Atmen immer schwerer fällt, wenn du redest.

Gudrun fragt sich, was die Königin zu ihr sagen würde, wenn sie zulässt, dass du auf der Treppe bewusstlos wirst, und beschließt, dass sie es nicht herausfinden will. Für den restlichen Aufstieg gibt die Dienerin dir ihre Schulter zum Aufstützen und dein Gesicht wird rot vor Erniedrigung.

„Danke“, sagst du ihr oben auf der Treppe.

Gudrun ist eine herzliche Frau, sobald sie jemanden näher kennenlernt. Dies ist einer der Gründe, warum die Königin sie zu einer ihrer persönlichen Diener erwählt hat. Und auch wenn sie dich nicht kennt, lässt die Tatsache, dass du einer einfachen Dienerin für ihre Hilfe dankst, sie lächeln.

„Keine Sorge“, teilt sie dir mit. „Wir sind jetzt fast da. Nur noch ein kurzes Stück.“

Es sind keine Leute in den Fluren in diesem Abschnitt des Palastes. Die unteren Stockwerke des großen Gebäudes sind für Geschäfte, zum Speisen oder für Audienzen. Oberhalb sind die Wohnbereiche. Gudrun führt dich einen Flur entlang und zu einer Tür auf der linken Seite. Sie holt einen kleinen, goldenen Schlüssel aus ihrer Tasche und schließt die Zimmertür auf.

„Bitte sehr“, sagt die Frau zu dir, während sie den Schlüssel auf einen kleinen Tisch neben der der Tür legt. „Frigga hat uns das Bett für dich neu beziehen lassen und wenn du auch nur ein Staubkorn irgendwo findest, werde ich meine Schürze essen.“

Du lachst über ihre Aussage, obgleich dein Blick den Ort, in dem du dich erholen wirst, absucht. Das erste, was du denkst, ist, dass dies viel zu viel Raum für dich ist. Das Bett allein bietet Platz für vier Personen, der Betthimmel cremefarben, passend zu den Bezügen. An der Wand neben dem Bett befindet sich ein Schminktisch, für den du keine Verwendung hast, und ein dunkler, hölzerner Tisch steht zusammen mit zwei Stühlen in der Ecke des Zimmers. Ein roter Teppich bedeckt einen Großteil des Marmorbodens und du bist dir sicher, dass er sich so weich anfühlt wie alles andere in diesem Palast. Ein Schrank steht in der Nähe der Wand, in der gleichen Farbe wie der Tisch, und du hast keine Ahnung, was darin sein könnte.

Du erhaschst einen Blick in das Badezimmer und du kannst dir nicht ansatzweise vorstellen, wie es sein muss, wenn das Zimmer an sich so prachtvoll ist. Gudrun beobachtet, wie du alles aufnimmst, unsicher was sie tun soll, da du nichts zu ihr gesagt hast.

„Das ist alles…zu viel“, murmelst du schließlich und machst ein paar Schritte nach vorne, bevor du dich an die Dienerin im Zimmer erinnerst. „Sag der Königin, dass sie viel zu nett zu mir ist, und richte ihr meinen Dank aus.“

„Natürlich“, erwidert Gudrun, wobei sie zu höflich ist, als dass sie nach außen hin zeigt, wie rätselhaft sich deine Ausdrucksweise anhört. „Königin Frigga wünscht, dass du dich genug ausruhst, und ich soll dir ausrichten, dass sie bald einen Diener vorbeischicken wird, der sich im Palast auskennt…um dir dabei zu helfen alles zu finden, wo du hinwillst.“

„Oh. Danke“, sagst du und es wird dir bewusst, dass du dich, wenn du niemanden bei dir hast, schnell verlaufen würdest. „Vielen Dank für deine Hilfe.“

„Jederzeit“, antwortet Gudrun, wobei sie dir erneut zulächelt, bevor sie ihren Kopf neigt und dein Zimmer verlässt.

 

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Ohne dein Wissen haben Loki und Thor einen Blick auf dich in dem schrecklichen blauen Kleid erhascht.

Sie verlassen eine Besprechung mit Odin, ihrem Vater, der ihnen berichtet hat, dass die Barbaren sich in ihre eigenen Länder zurückgezogen haben. Thor versucht seinen Bruder zu überzeugen, dass dies daran liegt, dass ihre Forderungen nach dir nicht erfüllt worden sind und sie aufgegeben haben. Loki nennt ihn einen Trottel.

Thor sieht zu dem anderen Prinzen herüber, eine scharfe Antwort auf der Zunge, und bemerkt dann Gudrun mit jemandem im Schlepptau vorbeigehen. „Wenn man von der Helbestie spricht, dann ist sie nicht weit.“

„Was?“, fragt Loki, bevor er sich dann umdreht und dich sieht.

Die beiden beobachten, wie du hinter Gudrun die Treppe hinaufgehst und aus ihrem Blickfeld verschwindest. Loki lacht laut in dem Wissen, wie peinlich es dir sein muss dieses grauenhafte Kleidungsstück zu tragen.

Thor grinst und wendet sich seinem Bruder zu. „Auf den Beinen und erklimmt zudem noch Treppen! Die Barbaren haben sich zu Recht zurückgezogen. Sie wird in null Komma nichts wieder Knochen und Fleisch durchschneiden!“

„Das bezweifle ich“, erwidert Loki, während sie ihren Gang zur Speisesaal fortsetzen. „Sie ist immer noch schwach und das Gift nagt an ihr.“

„Nun, du weißt es sicher besser als ich“, sagt Thor mit einem Schulterzucken.

Loki wendet sich beiläufig seinem Bruder zu, wobei sich seine Augen geringfügig schmälern. „Was genau meinst du damit?“

„Es ist bekannt, dass du öfters an ihrem Krankenbett warst als die Pfleger“, spottet Thor.

Loki amüsiert sich nicht. „Ich verachte das Mädchen. Ich habe sie nur besucht, um an Informationen zu kommen. Nichts weiter.“

„Okay“, antwortet Thor mit einem Schulterzucken, während der andere Prinz finster dreinblickt. „Es ist keine große Sache, Bruder. Es gibt keinen Grund für Feindseligkeiten.“

Aber während sie gehen, kann Thor nicht anders, als zu lächeln. Es ist wirklich ein gutes Gefühl, zur Abwechslung mal seinen Bruder zu provozieren, anstatt selbst der Bedrängte zu sein.

 

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„Sie ist keine Adlige oder eine Angehörige der königlichen Familie, also warum braucht sie einen Diener?“

„Das Mädchen wird wahrscheinlich jeden, der bei ihr vorbeisieht, umbringen! Habt ihr nicht gehört, dass sie der Blutige Krieger ist?“

„Nun, ich werde es nicht tun, das kann ich euch versichern!“

Dies ist die Art von Geflüster, das die Leute machen, bevor sie bemerken, dass Frigga außerhalb des Zimmers steht.

„Königin Frigga fragt trotzdem nach einem Freiwilligen“, meint Ivar, ein weiterer von Frigga’s Diener, lauter, während seine Verärgerung wächst. „Ihr müsst sie nicht auf Händen und Füßen bedienen. Sie braucht einen Führer für den Palast, jemand der ihr beim Ankleiden hilft und unsere Bräuche übermittelt.“

Die versammelten Diener verfallen in Schweigen, als die Königin den Raum betritt. „Ivar hat Recht. Sicherlich ist jemand unter euch, der sich das zutraut?“

Die Stille hält weiterhin an und niemand will der Königin in die Augen sehen. Es ist ein Mädchen aus der Küche, das sich mit zittriger Stimme zu Wort meldet. Sie ist eine Tellerwäscherin, die geringste Stelle. „Ich werde es machen.“

Die Leute gehen zur Seite, als sie vortritt. Königin Frigga lächelt dem Mädchen zu, welches ein junger Teenager ist. „Wie heißt du, meine Liebe?“

„Sigrid“, teilt das Mädchen ihr nervös mit.

Sie hat zuvor wenige Worte mit Königin ausgetauscht und ihr Herz schlägt ihr laut bis zum Hals. Sigrid hasst es eine Wäscherin zu sein. Das Geschirr stapelt sich hoch jede Nacht nach den Festmählern und ihre Arbeit ist ermüdend und langweilig. Wenn sie das Essen von den Tellern kratzt, sagt sie sich immer wieder, dass sie alles machen würde, um aus der Küche herauszukommen.

Ihr war nur nicht bewusst, dass dies beinhalten würde, dass sie sich um dich kümmert.

 

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Die Treppe hat dir ziemlich zugesetzt. Du liegst auf dem Bett und fühlst die Decke unter deinen Fingern. Du kannst dich nicht daran erinnern, jemals etwas so Weiches berührt zu haben. Du bist kein Mädchen für Paläste und Kleider und Weichheit. Du bist eine Kreatur des Krieges, die im Dreck schläft und allein dafür dankbar ist, zu atmen.

Du hast keine Ahnung, wie du in diese Situation geraten bist. Willow würde lachen, wenn sie dich sehen könnte. Du würdest lachen, wenn du nicht diejenige wärst, die es erlebt.

Du stehst auf und siehst aus deinem Fenster hinaus. Frigga hat dir ein Zimmer mit Blick auf die Trainingsgelände gegeben und du kannst die Krieger sehen, die gerade Übungen absolvieren. Du fragst dich, ob dies eine versteckte Anregung von ihr für dich ist, dass du weiter daran arbeitest, deine Stärke wiederzuerlangen.

Du machst den Mülleimer ausfindig und stellst ihn in die Nähe deines Bettes. Du bist nicht scharf darauf, dich bis zum Erbrechen anzutreiben, jetzt da du dein eigenes Zimmer bekommen hast, aber es ist immer gut ihn sicherheitshalber in der Nähe zu haben.

Durch durchquerst das Zimmer und spähst in den Schrank. Was du siehst, erfüllt dich mit Erleichterung: Frigga hat ein paar der fertigen Kleidungsstücke in dein Zimmer geliefert. Du hast den Dienern, die gekommen sind, um dich abzumessen, mitgeteilt, dass du Kleider nicht magst, aber es hängt trotzdem eins neben etwas, was du nur als Lederrüstung bezeichnen kannst.

Das Leder ist schwarz und viel komplizierter als du denkst, dass es nötig ist, aber es ist kein Kleid. Besser als nichts, denkst du dir, während du das Unter- und Oberteil aus dem Schrank herausholst.

Immerhin erinnern sie sich daran, dass du ein Krieger bist, und keine Dame.

Allerdings bemerkst du schnell, dass du ein Damenproblem hast. Du kommst nicht aus dem verdammten Kleid raus! Die Schnüre befinden sich auf der Mitte deines Rückens, viel zu weit oben, als dass du sie greifen kannst. Dein Gesicht verzerrt sich vor Schmerz, als du dein Allerbestes gibst, um sie zu erreichen, aber trotzdem ohne Erfolg.

„Wie?“, fragst du laut, während dein Ärger dich überwältigt. „Wie können Frauen diese bescheuerten Teile tragen?“

Du ziehst einen deiner Arme durch den Ausschnitt, wobei du dein Bestes tust, dass der Stoff nicht reißt, nur damit das Kleid deinen anderen Arm nicht freigibt. Du stehst neben deinem Bett und siehst dabei ziemlich lächerlich aus, als du ein Klopfen an deiner Tür hörst.

„Ähhh.... Wer ist da?“, fragst du, wobei du dein Problem im Frisierspiegel erblickst.

„Mein Name ist Sigrid“, ist die Stimme eines Mädchens zu hören. „Ich bin beauftragt worden, Euch zu assistieren!“

Du gerätst in Panik und gibst dein Bestes, deinen Arm zurück in dein Kleid zu bekommen, was dir nicht gelingt. Du setzt dich eingeschnappt auf dein Bett und rufst aus: „Also, ich denke ich brauche Hilfe. Komm rein.“

Sigrid rechnet nicht damit, dich so zu sehen, als sie eintritt. Sie gibt ihr allerbestes, einen neutralen Gesichtsausdruck beizubehalten, und schließt schnell die Tür hinter ihr und sperrt ab. „Ihr habt versucht Euer Kleid alleine auszuziehen, oder?“

Deine Scham macht dich wütend, aber anstatt das Mädchen verärgert anzustarren, siehst du dich selbst mit schmalen Augen im Spiegel an. „Ja, vielleicht. Hilfst du mir?“

Sie kann nicht anders, als hinter vorgehaltener Hand zu kichern. Sie ist jung. Du vermutest, dass sie höchstens dreizehn oder vierzehn ist. Ihr schwarzes Haar ist zurückgebunden und sie trägt ein braunes Kleid der Diener. Selbst die Klamotten der Diener sind eleganter als das, was du gewohnt bist zu sehen.

„Wie war doch gleich dein Name?“, fragst du sie, während das Mädchen hinter dir beginnt das blaue Ungetüm aufzuschnüren.

„Sigrid“, antwortet sie.

Sigrid hat Angst vor dir, aber sie bekommt den Anblick von dir, verheddert in deinem Kleid, nicht aus dem Kopf. Es nimmt dir die Schärfe und macht ihre Arbeit behaglicher. Sie erinnert sich allerdings daran, wer und was du bist, sobald das Kleid weg ist.

Deine neuen Narben sind immer noch knallrot, deine alten nicht so offensichtlich. Das Mädchen sieht sie alle, ihr Herz schlägt erneut schneller. „Bitte schön“, zwingt sie sich zu sagen, während sie ihre Furcht runterschluckt. „Versucht Ihr diese Leder anzuziehen?“

„Äh, ja“, teilst du ihr mit, verwirrt von der Bezeichnungsweise. „Du musst mir aber nicht helfen“, fügst du schnell hinzu, als das Mädchen Anstalten macht, die Bekleidung aufzuheben.

„Es ist bei diesen vorgesehen, dass geholfen wird“, berichtet sie dir verwirrt.

„Oh“, sagst du, während du erneut die Schnörkelei der Rüstung anschaust. „Ich denke, das kann ich sehen.“

Obgleich das Mädchen jung ist, gefällt es dir trotzdem nicht, so unbekleidet vor anderen zu sein. Wenn ihre Hilfe die Kleidung schneller an deinen Körper bringt, dann bist du ganz dafür.

 

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Sigrid führt dich für das Mittagessen zum geringeren Speisesaal.

„Das ist der große Saal“, erzählt das Mädchen dir, als ihr daran vorbeigeht. „Jeden Abend wird hier ein Festmahl abgehalten. Es ist zudem der Ort, wo königliche Mähler stattfinden.“

„Okay“, erwiderst du, da dir nichts Besseres dazu einfällt.

Du weißt schon nicht mehr, wo genau ihr euch gerade befindet. Die Großartigkeit des Gebäudes hat nachgelassen und mit jeder Wendung und Kurve bist du mehr verärgert als beeindruckt. Du gehst mit mehr Selbstbewusstsein in deinen Ledern (du hast dir angewöhnt, sie auch so zu nennen, da sie wahrlich mehr Leder als Stoff sind), auch wenn sie eng an deinem Körper anliegen, aber Sigrid teilt dir mit, dass sie absichtlich so gemacht werden.

Der geringere Speisesaal scheint dir in keinster Weise „geringer“ zu sein. Die Decke besteht aus gewölbtem Glas, wodurch die Sonne auf die Tische strahlen kann. Sigrid steht hinter dir, während du isst und setzt sich nicht zu dir, nicht einmal auf deine Einladung hin.

„Ich esse im Saal der Diener, my Lady“, erzählt sie dir mit einem Kopfschütteln.

„Nicht du auch noch“, sagst du mit einem Stöhnen. „Nenn mich nicht so, okay? Nenn…nenn mich einfach bei meinem Vornamen.“

Sigrid sieht dich unbehaglich an. „Wenn man mich dabei erwischt, wie ich einen königlichen Gast beim Vornamen nenne, werde ich Hilde’s Zorn auf mich ziehen!“

Sie sieht die Verständnislosigkeit in deinem Blick, während du sie anstarrst.

„Die leitende Dienerin“, erklärt Sigrid und du rollst mit den Augen.

„Kannst du mich gefahrlos bei meinem Nachnamen nennen und mich zumindest duzen?“

Sigrid bewegt ihren Kopf mit einem unsicheren Gesichtsausdruck ruckartig hin und her. „Vielleicht. Wenn Ihr mich dazu anweist.“

„Dann mach das so, schätze ich“, grummelst du und wendest dich verärgert wieder deinem Essen zu. „Besser als ‚Lady‘.“

Sigrid weiß nicht, was sie von dir halten soll. Die anderen Diener haben ihr gesagt, dass sie schon bei ihrer Ankunft tot sein würde oder zumindest bis jetzt angeschrien worden wäre. Du bist etwas distanziert gewesen, ja, aber sie hat noch nie gehört, dass ein Diener eingeladen wurde sich zum Essen dazuzusetzen.

Sobald du dein Mahl beendest, kommt jemand, um deinen Platz abzuräumen. Du versuchst ihnen mitzuteilen, dass du das selbst erledigen kannst, und sie schauen dich an, als ob du verrückt geworden bist.

„Entschuldige die Frage, aber hattest du nie zuvor einen Diener?“, fragt Sigrid, während sie dich zu deinem Zimmer zurückführt.

„Nein“, sagst du ihr mit einem Stirnrunzeln. „Nein, durchaus nicht. Ich erledige die Dinge gerne selbst.“

„Nun, du kannst eine gewaltige Zerrüttung verursachen, wenn du dich weiterhin so verhältst“, berichtet das Mädchen behutsam. „Wir werden für unsere Arbeit bezahlt und wir erledigen sie gut. Es ist eine Beleidigung, wenn du versuchst sie uns abzunehmen – als ob du sagen willst, dass du es besser tun könntest.“

Einmal mehr bist du dir nicht sicher, was du sagen sollst, und der Gang fängt an dich zu ermüden. „Also, du hast mich gesehen, als wir uns zum ersten Mal begegnet sind. Ich hätte das Kleid sicher nicht besser aufschnüren können als du.“

Das Mädchen kichert, wobei sie das Lachen hinter ihrer Hand versteckt. Du findest die Geste liebenswert und beschließt, dass wenn dich jemand rumführen muss, es zumindest sie war. „Du wirst aber nicht rund um die Uhr bei mir sein, oder?“, fragst du.

Sie dreht sich um, um zu dir zurückzublicken, während ihr beide die Treppe hinaufgeht, um zu deinen Gemächern zu gelangen. „Was meinst du?“

„Ich meine, wo schläfst du und was machst du, wenn du mich nicht vor Kleidern rettest und mich herumführst?“

Sie kichert erneut und zeigt dir ihre schwieligen Hände. „Ich habe bisher in den Küchen gearbeitet. Und sobald du uns verlässt, werde ich wahrscheinlich dorthin zurückgehen. Dir zu helfen ist eine nette Abwechslung, um ehrlich zu sein.“ Sie dreht sich um und beginnt wieder die Stufen zu erklimmen, während du immer weiter zurückfällst. „Ich schlafe jetzt in einem Zimmer dir gegenüber, also wenn du jemals etwas von mir brauchst, kannst du mich einfach rufen.“

„In Ordnung“, keuchst du und bist fest entschlossen, die letzten zehn Stufen ohne Hilfe zu bewältigen.

Sigrid beginnt hinabzugehen, um dir zu helfen, aber ein Blick von dir lässt sie innehalten. Als du sie endlich erreichst, grinst du triumphal.

Das Lächeln verlässt dein Gesicht, als du eine große Gestalt erblickst, die an der Wand neben deiner Tür lehnt.

Chapter Text

Sigrid hat Angst vor dir, ja, aber der Prinz der Boshaftigkeit lässt sie vor Furcht erzittern. Sie hat Loki’s Trickserei aus der Ferne gesehen und jedes Mal, wenn er sich ihr nähert, spürt sie eine dunkle und bösartige Atmosphäre, die von ihm ausgeht. Das arme Mädchen weicht ein paar Schritte zurück, wobei sie aus Versehen gegen dich stößt, bevor sie sich tief vor Prinz Loki verbeugt.

„Großartig. Du“, sagst du mit einem Augenrollen und verschränkst die Arme, während du dein Bestes gibst, nicht zu keuchen.

Die gleichgültige Art, mit der du mit dem Prinzen sprichst, erfüllt Sigrid mit besorgter Ehrfurcht, auch wenn sie ihren Blick nicht vom Boden hebt. Du bemerkst sie und du ziehst die Augenbrauen zusammen, als du ihre Unterwerfung siehst.

„Oh, lass das sein“, sagst du zu ihr, aber sie erhebt sich nicht.

Loki hat nichts gesagt. Er ist sich nicht einmal sicher, warum genau er hier ist. Er hat an deiner Tür geklopft und keine Antwort erhalten und wollte gerade weggehen, als er deine Stimme gehört hat, die die Treppe hinauf schwebte.

Er hat erwartet, dass du das grässliche blaue Kleid trägst. Der Anblick von dir in deinen Ledern lässt jede Stichelei und spitze Bemerkung verstummen und er hat keine Ahnung, wie er damit umgehen soll.

„Hey, Arschloch, beende das“, teilst du ihm mit, während du auf das Mädchen zeigst.

Loki bemerkt endlich die arme Sigrid und sieht, wie du an ihrer Schulter ziehst. Sie wird sich nicht erheben, bis er es ihr erlaubt, und er grinst dich gehässig an. „Frag nett.“

Du ballst die Fäuste, als du wütend wirst. Du weißt, dass du immer noch erschöpft von der Treppe und schwach bist, aber du marschierst auf ihn zu, bereit zuzuschlagen.

Er sieht die Wut in dir, wegen einem Mädchen, das du sicher gerade erst getroffen hast, und das lässt ihn lachen. „Steh auf, Mädchen, damit ich deinen Schützling nicht umbringen muss.“

Sigrid richtet sich unverzüglich auf, ihre Augen weit und erschrocken bei dem Anblick, wie du vor dem Prinzen stehst.

„Wirst du mich schlagen?“, verhöhnt er dich, seine Worte mild und heiter.

Er weiß, dass dich das noch wütender machen wird, und das tut es auch. „Warum bist du hier?“, zischt du, wobei jede Silbe vor Gift trieft.

Ihm gefällt diese Frage nicht, da er sich selbst nicht sicher ist, also weicht er aus. „Du hast jetzt eine Dienerin? Es scheint, als ob du immer noch zu schwach bist, um viel alleine zu machen.“

„Sie ist nicht meine Dienerin“, berichtest du ihm und wenn du jünger gewesen wärst, würdest du mit dem Fuß aufstampfen. „Sie ist…mein Helfer.“

Er sieht zu Sigrid herüber, die unter seinem Blick auf den Boden starrt. „Ich sehe den Kittel einer Dienerin.“

Du bist bereits nah bei ihm und du wünscht, dass du größer wärst, dass du deine Kraft zurückhättest, damit du deine Energie auf den Boden pressen könntest, um auf seiner Augenhöhe zu schweben. Stattdessen weichst du zurück und musterst ihn auffällig. „Und ich sehe einen Bastard mit einem Umhang.“

Du siehst ihn von Kopf bis Fuß an und das spöttische Grinsen, das dann folgt, macht ihn grundlos wütend. Er blickt dich finster an und Sigrid befürchtet, dass er dich hier und jetzt umbringen wird.

Weißt du denn nicht, wie tödlich dieser Mann ist? fragt sie sich. Oder denkst du, dass du genauso bedrohlich bist wie er?

Sigrid weiß, dass Loki dich töten kann. Er kann es selbst tun oder ein Komplott anzetteln, damit der Allvater es anordnet. Er kann dich in Asgard’s Gefängnis wegsperren, bis du verrottest. Er kann dein Leben auf mehr Arten zerstören, als du es dir vorstellen kannst. Sie hat die Geschichten gehört.

Du nicht.

„Hüte deine Zunge, Mörderin“, sagt Loki zu dir mit schmalen Augen.

Sigrid ist der Meinung, dass von all den Leuten er kein Recht hat, dich so zu nennen, aber sie hält ihren Mund geschlossen.

Du grinst ihn an, auch wenn deine Miene voller Zorn ist. „Und wenn ich nun eine Mörderin bin?“, fragst du ihn. „Würdest du vor mir weglaufen oder würdest du eher versuchen mich zu töten?“

„In deinem Zustand wäre der anschließende ‚Kampf‘ kurzlebig und nicht unterhaltsam“, erwidert er reibungslos, während er sich zwingt sein Gemüt zu beruhigen. „Ich konnte von hier aus hören, wie eine einfache Treppe dich außer Atem gebracht hat.“

„Geh zur Seite oder ich werde dich dazu zwingen“, sagst du zu ihm, deine Stimme ein leises und ernstes Knurren.

„Geh auf dein Zimmer, Mädchen“, blafft Loki Sigrid an. „Du solltest nicht sehen, wie sich deine Mörderin lächerlich macht.“

„Ich werde kommen, wenn du mich rufst“, quiekt Sigrid und tut, wie der Prinz befielt.

„Du musst das nicht machen!“, rufst du ihr hinterher, als sich ihre Tür schließt, und du fährst Loki an. „Du musst das nicht machen!“

„Ich habe eine Dienerin angewiesen“, teilt Loki dir mit einem Schulterzucken mit. „Warum stört dich das so sehr?“

„Du kommandierst Menschen herum, nur um dich zu vergnügen“, zischt du, wobei sich dein Blick in seine grünen Augen bohrt, „und ich werde nicht zulassen, dass du das dem armen Mädchen antust.“

„Du bist ihr gerade erst begegnet!“, sagt Loki, während er dich auslacht. „Woher kommt das? Schlägt also doch ein Herz in deiner Brust, Monster?“

„Mehr als deins“, erwidert du mit verschränkten Armen. „Geh mir aus dem Weg. Ich verschwinde jetzt.“

Er steht zwischen dir und der Tür. Und wie du es erwartet hast, bewegt er sich nicht.

„Ich finde es lustig, dass du glaubst, dass du einen Prinzen von Asgard anweisen kannst nach deiner Pfeife zu tanzen“, gibt Loki an, wobei er einen Finger an sein Kinn legt.

„Wann wirst du endlich lernen, dass es mich – nicht – kümmert, ob du ein Prinz bist?“, erzählst du ihm und schnaubst eingeschnappt.

„Höchstwahrscheinlich zur gleichen Zeit, wenn du dir deines Standes bewusst wirst.“

Dein Blick ist furchterregend und ihm gefällt der weißglühende Zorn, den er in dir entfacht.

„Warum bist du hier?“, fragst du erneut, dein gesamter Körper angespannt. „Ich dachte, ich wäre dich losgeworden.“

„Thor hat verlangt, dass ich nach dir sehe“, lügt Loki reibungslos. „Mein nobler Bruder tendiert zu Dingen wie etwa unberechtigter Loyalität. Da er beschäftigt ist, bin ich an seiner Stelle hier.“

Du beobachtest ihn und hörst seine Worte. Die meisten hätten keinen Unterschied bemerkt – er ist der Prinz der Lügen – aber deine Intuition teilt dir was anderes mit.

„Du lügst“, sagst du und die Tatsache, dass du dies erkennst, lässt deinen Ärger zum Teil verblassen. „Warum?“

Er hebt geringfügig seine dunklen Augenbrauen. Es war keine seiner besseren Lügen, nein, aber wer bist du, dass du einen Prinzen einen Lügner nennst? Einmal mehr erwägt er kurz, dich wegen dieser gewagten Dreistigkeit zu töten.

„Einen Prinzen einen Lügner zu nennen kann fatale Konsequenzen haben“, knurrt er, seine Zähne vor Wut hinter geöffneten Lippen zusammengebissen.

Jetzt lachst du über ihn. „Aber warum soll ich nicht? Fast alle von diesen kleinen Namen, die du so gerne genannt wirst, haben etwas mit Lügen zu tun!“

Jetzt ist er sogar noch wütender.

Er versteht dich nicht. Er weiß nicht, dass die Mauern, die die Gedanken und Herzen von euch beiden umgeben, allzu ähnlich sind.

Mit großen, wütenden Schritten schreitet er davon. Sein Umhang wirbelt hinter ihm her, als er geht, und du beobachtest den grünen Stoff mit tiefsitzender Zufriedenheit.

 

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Loki geht in seinem Wohnzimmer auf und ab. Er hasst dich. Er weiß, dass er es tut. Das ist der Grund, warum sich Gedanken an dich in seinen Kopf drängen. Das ist, warum er dich aufsucht, warum er mit dir spricht. Nein, es macht in seinen Augen keinen Sinn, aber er ist sich absolut sicher, dass es das ist.

Er drängt seine Gedanken an dich beiseite, während er ein Buch von seinem Tisch in die Hand nimmt und sich auf seine Couch fallen lässt. Als er es öffnet, merkt er, dass es dasjenige ist, welches du ihm gestohlen hast, um es zu lesen.

Seine Augen überfliegen den Roman wütend, selbst als er das verdammte Teil beiseite werfen will.

Sein Ärger verfliegt, während er liest. Er fragt sich, was du von diesen Seiten aufgenommen hast, was du bei den Worten gedacht hast. Er ist sich sicher, dass du Monster bekämpft hast, die größer und furchteinflößender waren als die zischende Seeschlange oder der menschenfressende Kraken, denen der Krieger in dem Buch entgegentritt.

Er wundert sich, warum die Reisen eines Asen jemanden wie dich interessieren.

 

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Du wirst immer stärker, als die Tage vergehen, und die Kraft kehrt in deine Muskeln zurück. Du übst jeden Tag mit deinen Flammen, wobei du Sigrid mit deren Flackern in den Bann ziehst.

Sigrid liebt Magie. Sie würde alles geben, um diese Fähigkeit selbst zu besitzen. Sie hört nicht zu, wenn du ihr erklärst, dass du keine Magie ausübst, und du gibst bald auf sie zu korrigieren.

Das junge Mädchen fängt an dich zu respektieren, so sehr, dass es ihr nichts ausmacht, Dinge für dich zu erledigen (wenn du feststellst, dass du sie nicht selbst erledigen kannst). Sie hat kaum Anweisungen von dir und wenn du ihr keine gibst, beschäftigt sie sich damit, Dinge zu erledigen, bevor du die Gelegenheit hast, die Aufgaben selbst zu erledigen.

Als Loki dich erneut besucht, bist du in der Lage, Objekte mit Hilfe deiner Energie zu ziehen und schieben – und das ohne dich übergeben zu müssen. Der Prinz hat sich in diesen letzten Tagen rar gemacht und du hast jede Sekunde seiner Abwesenheit ausgekostet.

Er hat mit seiner Mutter die anstehende Veranstaltung im Palast vorbereitet. Frigga findet Gefallen daran, solche Dinge mit ihren Söhnen zu planen, auch wenn Thor nicht so sehr davon begeistert ist, herumzusitzen und die Details von Bällen und Feiern zu besprechen.

Loki klopft an deiner Tür, wobei seine Knöchel schnell gegen das polierte Holz schlagen.

„Hallo?“, rufst du, wobei die Parfümflasche, die du im Badezimmer gefunden hast, klappernd aus der Luft zu Boden fällt.

„Was war das?“, fragt Loki neugierig von hinter der Tür aus und du rollst mit den Augen, während du das Zimmer durchquerst.

„Was?“, fragst du, als du die Tür nur einen spaltbreit aufmachst.

„Ich habe gefragt, was das für ein Krach war“, antwortet Loki, wobei er dich süßlich anlächelt, als er deine Worte absichtlich missversteht.

Du lässt ein gemeines, sarkastisches Grinsen aufblitzen, bevor du es verschwinden lässt. „Was willst du?“

Er weiß es nicht. Er sagt das Erste, was ihm in den Sinn kommt. „Ich habe angenommen, dass du jetzt stark genug bist, dass ich dir die Trainingsgelände zeige.“ Er drückt plötzlich gegen die Tür. Du tust dein absolut Bestes, sie zuzuhalten und scheiterst. Er grinst dich an. „Offensichtlich lag ich falsch.“

„Ich bin bereit für die Trainingsgelände“, teilst du ihm eilig mit, als er dein Zimmer betritt. „Ich habe die Übungen satt. Ich will kämpfen.“

Loki kräuselt seine Lippen. Du klingst wie sein Bruder.

Er sieht sich in deinem Zimmer um und bemerkt, dass du ein paar der nutzlosen Schätze, die er in deiner Tasche gesehen hat, auf den Schminktisch gestellt hast.

„Sie dich an“, spottet er. „Selbst ein Trainingskampf mit diesem Dienstmädchen würde mit dir besiegt auf dem Boden enden.“

Er tritt aus Versehen auf die Parfümflasche und blickt auf sie herab. Du streckst deine Hand aus und dir wird nur geringfügig schlecht, als die Flasche unter seinem Fuß hervor trippelt und dann in die Luft hüpft, bis sie in deinem Griff landet. „Nein wird es nicht“, sagst du bestimmt, während du die Flasche auf einen Tisch in der Nähe der Tür abstellst.

Loki geht auf dich zu und du musst nach oben schauen, um ihn in die Augen zu sehen. Er drückt leicht gegen deine Schulter und du stolperst zurück. „Immer noch schwach. Wenn du weiterhin an diese verdrehte Realität glaubst, die du für dich selbst erschaffen hast, wirst du jedes Mal geschlagen werden. Akzeptiere, dass du nicht so bist, wie du warst.“

Deine Augen werden schmal vor Ärger und Starrsinn und dein Kiefer spannt sich an. „Du weißt nicht, worüber du sprichst.“

„Weiß ich nicht?“, fragt er, während er näher herantritt und dich abermals schubst.

Dieses Mal taumelst du nur zwei Schritte zurück, bevor du dich fängst. Du siehst ihn an und tastest nach deiner Macht, wobei bloße Willenskraft und dickköpfiger Stolz dich dazu bringt, mehr zu machen, als du in den vergangenen Tagen versucht hast.

In einer kleiner, wirbelnden Masse von Dunkelheit erscheint eine schlichte Version deines Dolches in deiner Hand. Du krümmst dich sofort, als dich Übelkeit überfällt. Du drängst sie zurück, zwingst deinen Magen sich zu beruhigen uns stehst dann wieder keuchend auf.

Du umklammerst den Dolch. Es ist nicht das, was du normalerweise erschaffst, aber es ist immerhin etwas.

„Musst du dich übergeben?“, fragt Loki, während er dich mit Interesse beobachtet.

Er hat noch nie zuvor eine Dunkelheit wie deine gesehen. Genau für einen Moment wie diesen, wenn er es mit eigenen Augen sehen kann, hat er aufgegeben in Thor’s Erinnerungen zu schauen.

„Nein“, sagst du, wobei der Stahl in deinen Augen so kalt und hart wie jedes Schwert ist.

„Bist du vor dem jetzigen Zeitpunkt in der Lage gewesen, deine Magie wieder zu verwenden?“, fragt er.

Du weißt nicht, warum er das wissen will. „Das ist keine Magie“, knurrst du. „Und nein. Warum?“

Denn er war derjenige, der es herbeigeführt hat. Loki weiß nicht, warum ihn dies erfreut, aber das tut es. Es gefällt ihm dich wütend zu machen. Er sieht gerne die Folgen von diesem Ärger.

Er ist ein unausstehlicher Bastard. Er weiß das.

„Weil ich weiß, dass es schlecht gemacht ist“, sagt er zu dir, während er beiläufig mit den Schultern zuckt. „Kaum ein Bruchteil der wahren Macht, von der mir berichtet wurde, dass du sie ausübst.“

„Es wird besser werden“, schwörst du, mehr dir selbst als ihm.

Du gehst zum Fenster und blickst herab auf die Soldaten, die unten im offenen Feld kämpfen und trainieren. Loki beobachtet dich und sieht die tiefe Sehnsucht in deinem Gesicht.

„Ich kann dir beim Üben helfen.“

Er spricht die Worte aus, bevor er es realisiert. Sterne am Himmel, warum habe ich das gesagt? Er verflucht sich selbst im Stillen, als du dich zu ihm umdrehst, wobei dein Misstrauen in jeder Bewegung deutlich ist.

„Wie?“

„Im Gegensatz zu dir, bin ich nicht schwach“, legt er dar und macht so sein Hilfsangebot zu einem Hieb gegen deinen Stolz.

Er erschafft eine Illusion in der Mitte deines Zimmers. Es ist das Abbild von einem der Soldaten, die draußen auf dem Trainingsgelände sind. Der Mann führt einen Speer und Loki lässt ihn diesen in seinen Händen geschickt herumwirbeln.

„Als ein Meister der Zauberkünste kann ich dir etwas zum Kämpfen geben“, erzählt er dir und löst dann seinen Zauber auf. „Außer du willst lieber nach nicht als Luft schlagen.“

Sein Angebot ist verlockend, so sehr du den Mann auch verachtest. „Warum würdest du das tun?“, fragst du, unklar über seinen Beweggrund.

Er hält einen Moment inne und ein verzerrtes Lächeln breitet sich langsam in seinem Gesicht aus.

„Weil du dann nur noch tiefer in meiner Schuld stehst“, teilt er dir mit, wobei sich seine grünen Augen vor Gier verdunkeln. „Und weil ich weiß, dass du das Angebot annehmen wirst.“

 

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Vitran kann es kaum erwarten, die Barbaren loszuwerden. Er findet, dass ihre ungehobelte und laute Umgangsweise seiner und seinen Gefolgsmännern nicht würdig ist. Allerdings weiß er, dass der Barbarenkönig sich noch als nützlich erweisen wird.

Er hat es sich ausgerechnet. Ihm ist bewusst, dass die Armee von Asgard mächtiger ist. Aber er weiß auch, dass deren König Berater hat, die seine List durchschauen würden, und Vitran kann das Risiko nicht eingehen. Vor allem Odin’s Frau hat ihm mit ihrem Blick deutlich gemacht, dass sie ihm nicht traute.

Der Barbarenkönig, Magnus, ist ein Narr, der nach Macht giert. Das ist etwas, womit Vitran arbeiten kann.

Das Ordinat hat seine Basis in der Nähe des Heims von diesem König eingerichtet. Vitran kann während der nächtlichen Gelage jedes Wort der Krieger hören. Er lässt seine Mitglieder nicht jede Nacht an diesen Feiern teilnehmen, auch wenn er gelegentlich verlangt, dass sie alle anwesend sind.

Oft genug, damit die Barbaren denken, dass sie zu ihnen gehören.

Vitran geht in den Randgebieten der Ländereien der Barbaren auf und ab. Er ist ein Anführer, dem es nicht gefällt, wenn man ihn warten lässt, und das Mädchen ist sehr spät.

Er hat sie nach seinem Treffen mit dem einäugigen König auf dem Weg vom Palast Asgards gefunden. Vitran konnte die verborgene Fähigkeit in der jungen Frau spüren und als er ein paar Fetzen ihrer Unterhaltung erhaschte, hat er gedacht, dass sie nützlich ist.

Asgard ist sehr gut bewacht. Vitran weiß von dem Wächter, Heimdall, der auf der Regenbogenbrücke des Reiches steht. Ein Mann, der alles sieht, ist ein sehr faszinierendes Ziel für das Ordinat, aber diese Fähigkeit erweist sich als schwer zu umgehen.

Vitran braucht einen Insider.

Seine gewitzteren Anhänger haben bereits die Aussicht auf Macht und Wohlstand in ihren Gedanken platziert, wie er es befohlen hat. Er hat keine Zweifel, dass sie kommen wird. Er weiß, dass er sich in ihrer Gegenwart behutsam benehmen muss. Er darf sich ihr gegenüber nicht als Bedrohung erweisen. Noch nicht.

Nicht bis er ihr zuflüstert, was sie tun soll, und sich zurücklehnt, um zuzusehen, wie sich sein Verrat offenbart.

Nicht bis er eine Möglichkeit hat, zu wissen, wo du bist und ob das Gift, das er entwickelt hat, immer noch deine Fähigkeiten beeinträchtigt.

Nicht bis sie ihm einen Weg für seine Soldaten beschafft, unentdeckt in den Palast einzudringen.

Dann und nur dann kann er sie töten.

 

---

 

Noch am Leben, Freundin? Weißt du was?

Ich habe eine weitere Basis gefunden…. Ich dachte wir hätten sie fast gehabt.

Ich habe diese neue Welt erkundet. Es ist kein Wunder, dass das Ordinat sie gefunden und sich hier eingerichtet hat.

Andererseits ist sie großartig. Lustige Tatsache: Und die Leute schauen aus wie ich!

 

***

 

Hey, Will. Ich bin froh, dass es dir gut geht. Ich lebe noch.

Verdammt, noch eine Basis? Halt mich auf dem Laufenden.

Habe ein Mädchen getroffen, das mich an dich erinnert. Sie ist so eine Süße.

Also, habe vernachlässigt zu erwähnen, dass ich in einem Palast festsitze. Das ist mir echt eine Nummer zu groß. Einer der Prinzen ist ein absoluter Arsch.

Ich werde dir später schreiben.

 

***

 

Nur du würdest in einem Palast mit einem Arschloch-Prinzen enden! Nicht dass ich allzu viel Mitleid mit ihm habe, da ich mir sicher bin, dass du im Gegenzug ein genauso großes Arschloch bist. Mach nichts kaputt!

 

***

 

Ich verspreche nichts.

Chapter Text

Sigrid kann Loki Odinson kein bisschen leiden. Ihr gefällt nicht die Art, wie er grinst, der Tonfall, in dem er spricht, oder die Dunkelheit, die sie bei ihm verspürt.

Vor allem gefällt ihr nicht, dass er jetzt jeden Abend in deinem Leben präsent ist und somit auch in ihrem.

Loki hält, was er versprochen hat, und gibt dir jetzt etwas, mit dem du kämpfen kannst. Davon abgesehen haben seine Illusionen wenig Substanz und ihre Waffen können deinen schlecht gemachten Dolch nicht aufhalten, wenn du nach ihnen schlägst. Wenn ihre Hiebe deine Haut treffen, hinterlassen sie kein Blut, sondern ein kaltes Gefühl, das bei dir eine Gänsehaut hervorruft. Wenn du ihre Haut mit deiner Klinge erwischt, verschwinden sie.

Als du Loki mitteilst, dass seine Illusionen bluten müssen, wenn du einen Treffer erzielst, steigt eine sadistische Freude in ihm auf.

Natürlich würdest du Blut wollen.

Dein Körper muss die Grundlagen des Kämpfens wieder erlernen und er beobachtet ruhig den Frust über das langsame Tempo in deinen Augen. Deine Reflexe und Fertigkeit allerdings lassen ihn selbst während deines Tiefpunktes ein Echo von dem sehen, was du wirklich bist.

Sigrid mag die Auseinandersetzungen nicht. Jedes Mal, wenn du deinen Mund dem Prinzen gegenüber öffnest, macht sich Besorgnis in ihr breit. Und doch, wie durch ein Wunder, egal welche schroffen Worte du ihm an den Kopf wirfst, egal wie sehr du seine Wut entfachst, hast du noch nicht seinen Zorn auf dich gezogen.

Das Mädchen versteht es nicht.

Genauso wenig tut es der Prinz.

 

---

 

Das erste Mal, wenn du sie ‚Sig‘ nennst, ist es aus Versehen, auch wenn du sofort beschließt, dass dir der Spitzname gefällt. Sigrid hatte noch nie in ihrem Leben einen Spitznamen und sie hört den Hauch von Zuneigung in deiner Stimme, als du ihr sagst, dass du sie so nennen wirst.

Es unterscheidet sich von den Wellen der Wut, die von dir ausgehen, wenn du den Namen des Prinzens verkürzt. Sigrid kommt schnell dahinter, dass du die Namen von Dingen optimierst, die du entweder magst oder hasst.

Sie ist froh, dass sie weiß, zu welcher Kategorie sie gehört.

Die anderen Diener beobachten sie, wenn sie mit dir durch die Hallen spaziert. Diejenigen, die so erpicht darauf waren, dich mit abfälligen Bemerkungen und Spekulationen zu überhäufen, werfen jetzt ihr, die einst eine geringe Tellerwäscherin war, neidische Blicke zu. Sie haben gehört, dass du deine Dienerin fast nie um etwas bittest und dass du sie nicht einmal Dienerin, sondern ‚Helfer‘ nennst. Sigrid hat seit Wochen kein Geschirr gespült und fängt an zu hoffen, dass sie es nie wieder muss.

Wenn du nach ihrer Familie fragst, hat sie nicht viel zu erzählen. Ihre Eltern haben sie verlassen, als sie sehr jung war. Sie hat als kleines Mädchen auf der Straße in der Nähe des Marktplatzes gebettelt, wobei sie nur wenige Speisereste oder Münzen verdient hat. Dann kam der Tag, als die Allmutter mit Prinz Thor über den Markt schlenderte, wobei sie gelacht und sich unterhalten haben.

Sigrid wird nie Frigga’s Lachen vergessen. Es ist wie eine Glocke, die leise im Ohr des Zuhörers läutet. Die Königin hat allen, die sie an diesem Tag auf der Straße betteln gesehen hat, Arbeit angeboten und so wurde Sigrid der Bettler zu Sigrid der Wäscherin.

Am Ende ihrer Geschichte siehst du das Mädchen an, das neben dir auf dem Bett sitzt, und sagst ihr, dass du froh bist, dass die Königin ihr eine Stelle gegeben hat und dass sie sich freiwillig gemeldet hat mit dir zu arbeiten.

Sigrid fängt endlich an dich weniger wie einen Auftrag und mehr wie eine Person zu behandeln. Sie hilft dir beim Ankleiden (selbst gewöhnliche asgardische Alltagskleidung ist schwer für dich zu bewältigen) und flüstert dir Ratschläge zu, wenn du sie brauchst. Aber sie hat endlich keine Angst mehr, dir Fragen zu stellen und tut dies häufig.

Du erzählst ihr nur die harmlosen und humorvollen Geschichten. Sig liebt es, von deinen Heldentaten zu hören, in die du geraten bist. Sie erfreut sich an den Erzählungen über deine Freunde, sowohl alte als auch neue. Sie fragt dich immer mehr, bis sie schließlich den Drang verspürt, selbst ebenfalls ein Abenteuer zu erleben.

Eines Nachmittags also, als Sigrid in dein Zimmer hüpft, fleht sie dich an mit ihr einen Spaziergang im Gelände zu machen.

„Bitte, lass uns heute nach draußen gehen!“, sagt Sigrid, während sie die Hände hinter ihrem Rücken verschränkt. „Da war ich schon seit einer Weile nicht mehr und du musst noch sehen, wie es ist.“

Du stellst fest, dass sie Recht hat. Du hast dich so auf deine Genesung fokussiert, dass du die Gedanken an die freie Natur beiseitegeschoben hast. Du hast gedacht, dass wenn du den Palast verlässt, es nur für die Trainingsgelände und dann auf zu Vitran sein würde.

„In Ordnung, lass uns gehen“, entschließt du, wodurch du Sigrid strahlen lässt.

Als das Mädchen allerdings ein silbernes Kleid aus deinem Schrank holt, wirfst du ihr einen fragenden Blick zu. „Äh, Sig, das ist ein Kleid.“

„Ja?“, erwidert Sigrid, wobei sie genauso verwirrt ist wie du. „Die Außenanlagen sind für Adlige und die königliche Familie. Dort sind die Gärten des königlichen Palastes. Alltagskleidung und Leder werden nur drinnen, in der Stadt oder auf den Trainingsgeländen getragen.“

Sigrid lässt die Tatsache weg, dass du als Frau eigentlich drinnen überhaupt nicht deine Leder tragen solltest. Sie macht sich Sorgen, dass du nein sagen wirst und heute wieder im Palast bleibst, während du an deinen Fähigkeiten arbeitest oder körperliche Übungen machst.

Du kannst in ihren Augen sehen, dass das Mädchen dich sehr gerne mit ins Gelände nehmen will. Du lässt deinen Blick über das Kleid wandern, das Frigga’s Schneiderinnen für dich angefertigt haben. Du hast das Gefühl, als ob die Asen nichts machen, was man als ‚simpel‘ bezeichnen könnte. Juwelen bedecken den Stoff, beinahe versteckt, bis sie das Licht genau richtig einfangen.

Sigrid blickt hilflos auf das Kleid herab. „Sicherlich…würde Alltagskleidung kein allzu großes Problem sein. Du bist immerhin ein königlicher Gast.“

Du seufzt. Das Mädchen hat dich für sich gewonnen und du bist dir nicht sicher warum. Du hast dich nie weniger wie ein Krieger gefühlt, als wenn du ihr mitteilst: „In Ordnung. Ich denke ich sollte das dann anziehen. Nur für den Spaziergang.“

Das Lächeln, das Sigrid dir schenkt, ist so breit, dass es fast die Unannehmlichkeiten wert ist.

 

---

 

Freydis und Alva sitzen zusammen in den Gärten, während sie sich leise unterhalten. Sie beide haben Prinz Thor und Lady Sif entdeckt, die auf ihrem Weg zu den Trainingsgeländen über die Pfade spazieren.

„Sieh dir das an, Alva“, berichtet Freydis ihrer Gefährtin, wobei sich blaue Augen boshaft schmälern. „Lady Sif legt ihre Hand auf Thor’s Arm.“

„Schwester, wenn du noch mehr darüber sprichst, wird dein Gesicht sicher einen Grünton annehmen“, neckt Alva, während sie Frey’s Arm tätschelt. „Wende deine Augen ab. Es gibt schönere Dinge, die du ansehen kannst.“

Alva und Freydis sind nicht wirklich Geschwister, auch wenn sie zusammen wie Schwestern aufgewachsen sind. Die zwei sind Herzoginnen, der höchste adlige Stand, von dem man sein kann, ohne zur königlichen Familie zu gehören.

Frey wendet ihre Augen ab und schaut zu ihrer Freundin. Alva ist schon immer die Nettere der beiden gewesen und Freydis hat deswegen keine Bedenken. Wo sie beißt, besänftigt Alva. Auf diese Weise sind sie gesellschaftlich aufgestiegen.

Alva’s sanfte, braune Augen haben den jüngeren Prinzen erspäht. Ein weiterer Mann geht mit ihm, ohne Zweifel ein Zauberer, der versucht sich in Loki’s Gilde zu schlängeln. Freydis erkennt an dem gelangweilten Gesichtsausdruck des Prinzen, dass er nicht von den Worten des anderen Mannes fasziniert ist.

Frey ist nicht wählerisch. Sei es nun Thor oder Loki, das macht für sie keinen Unterschied. Sie hatte gedacht, dass sie an der Spitze von Asgard’s Gesellschaft zufrieden mit ihrem Status als Herzogin sein würde. Stattdessen will sie mehr.

„Lass ihn uns vor diesem heulenden Idioten retten“, scherzt Frey mit ihrer Freundin, wobei ihr eisiger Blick aufleuchtet.

Alva lacht über Frey’s Dreistigkeit. „Wirklich? Du traust dir zu mit Loki Silberzunge zu plaudern?“

Freydis wird Alva nicht sagen, dass der Gedanke daran, mit irgendeinem Prinzen zu reden, ihr den Magen verknotet. Aber jetzt, da sie die Worte ausgesprochen hat, muss sie es durchziehen, damit sie nicht wie jemand dasteht, der nur große Reden schwingt.

Alva’s Grinsen gibt ihr Zuversicht und Frey wirft ihr ein breitea Lächeln zu, als die beiden Frauen aufstehen.

„Nonchalant“, erinnert Alva Frey, während sie das weiche, pinke Kleid ihrer Freundin glattstreicht.

Sie fangen an lässig den Pfad entlangzugehen, wobei sie träge über die Blumen plaudern, als sie sich dem Prinzen nähern.

Die beiden sind wie Tag und Nacht. Frey’s Haut ist gebräunt, die blauen Augen stechen im Gegensatz dazu hervor. Ihre Gesichtszüge sind zart und weich, ihr braunes Haar hübsch gelockt. Alva ist blass, ihre Wangenknochen markant und ihr Haar so schwarz wie ein Rabenflügel. Ihr Lächeln ist freundlich und warm und sie trägt ein schönes violettes Kleid, das die Kurven ihrer Hüfte betont.

Kurz bevor sie Loki erreichen, lachen sie laut zusammen und sein gelangweilter Blick flattert in die Richtung des Geräusches. Freydis blickt sich zu ihm um und sie und Alva bleiben stehen und verbeugen sich.

„Prinz Loki. Es ist schön Euch unterwegs zu sehen“, spricht Alva, während sie den Mann an Loki’s Seite verstummen lässt.

„Habt Ihr etwas Zeit, diesen Nachmittag zu plaudern?“, fragt Freydis süßlich.

Der Zauberer schaut verärgert und Loki hat bereits seine Anwesenheit vergessen. „Erhebt Euch, Ladies“, sagt er ihnen und vernimmt ein Schnauben von dem Mann neben ihm. „Sie können gehen, Sir.“

„Ich bin Jerrik, Majestät, wenn Ihr euch erinnert. Und mein Prinz, gebt mir nur einen weiteren Moment, ich flehe Euch an. Ich bin ein hochqualifizierter -“

„Ich sagte, Sie können gehen.“

Gegen diese Anweisung ist keine Wiederrede möglich und der armselige Mann schlurft beschämt davon. Loki hat ihm am Anfang ihrer Unterhaltung mitgeteilt, dass er mehr als genug Zauberer hat und nicht noch mehr braucht. Er sagte, dass wenn er welche benötigt, er es vernünftig finden könnte, Jerrik aufzusuchen. Das war nicht genug für den Zauberer, der sein Bestes getan hat, für sich zu plädieren.

Loki betrachtet die zwei Mädchen vor ihm und heißt die Ablenkung willkommen. Sie kommen ihm bekannt vor. Er hat sie bei Palastveranstaltungen gesehen, sogar mit einer der beiden bei solch einem Anlass gesprochen. „Erinnert mich daran, mit wem ich spreche.“

„Ich bin Lady Freydis“, berichtet Frey ihm, während sie ihm ein gewinnendes Lächeln schenkt. „Das ist Lady Alva. Wir haben Euch aufgehalten, um zu sagen, dass wir der kommenden Feier sehr freudig entgegensehen.“

„Ah, ja. Herzoginnen“, sagt Loki und sie sehen das schelmische Funkeln in seinen Augen. „Allerdings muss ich sagen, dass ich bezweifle, dass Ihr mich aus diesem Grund aufgehalten habt.“

Alva lacht. „Ich befürchte, dass Ihr unsere List durchschaut habt. Lady Freydis hat vorgeschlagen, dass wir Euch vor der Unterhaltung mit Eurem Begleiter retten, da es schien, dass Ihr ihm überdrüssig wart.“

Das bringt den Prinzen zum Lachen und die beiden Frauen sind bei diesem Klang ganz aus dem Häuschen.

Das ist zu einfach. Loki kennt dieses Spiel nur allzu gut und er gewinnt es jedes Mal. Er spielt mit dem Gedanken, noch länger zu spielen, aber er stellt fest, dass er an keiner der beiden Interesse hat. „Nun, ich danke Euch beiden, dass Ihr mir eine skurrile Unterhaltung erspart habt.“

Freydis hört an seiner Stimme, dass er beabsichtigt zu gehen, und sagt also: „Wollt Ihr heute in den Gärten spazieren gehen?“

Er weiß, was sie tut. Er kann bereits den Rest der Unterhaltung in seinen Gedanken hören. Sie wollen ihn begleiten. Bevor er antworten kann, erblickt er etwas hinter den zwei Frauen, das um seine Aufmerksamkeit wetteifert.

Er sieht Sigrid in sein Blickfeld gehen, während sie über ihre Schulter schaut und mit jemanden außer Sichtweite spricht. Er wartet, während Frey und Alva anfangen sich unbehaglich zu fühlen, als die Frage unbeantwortet bleibt.

Als du auf dem Pfad erscheinst, erinnert er sich plötzlich an die Unterhaltung, in der er sich befindet. „Entschuldigt mich, my Ladies, aber es gibt Angelegenheiten, um dich ich mich kümmern muss.“

Er neigt seinen Kopf vor den beiden und schlendert davon. Freydis wendet sich Alva zu, wobei etwas Stolz in ihrer Stimme zu hören ist. „Hast du das gehört, Schwester? Seine Ladies.“ Sie kichert.

Alva rollt mit den Augen und grinst Frey an. „Er war nur höflich, nichts weiter. Komm, lass uns zurück zu unseren Plätzen gehen.“

Aber auf dem Weg zurück blicken Frey und Alva in die Richtung, in die der Prinz gesehen hat. Als sie sehen, dass seine ‚andere Angelegenheit‘ du bist, können sie nicht anders, als sich mehr als nur ein bisschen ausgestoßen zu fühlen.

„Wer ist dieses Mädchen?“, fragt Alva. „Ich habe sie noch nie zuvor gesehen.“

„Ich auch nicht“, bemerkt Frey mit schmalen Augen.

 

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Du spazierst durch die Gärten des Palastes. Ja, sie sind wunderschön und du bemerkst es, aber du hattest noch nie wirklich ein Auge für die schönen Dinge des Lebens. Sigrid zeigt dir jede Blume, während sie erklärt, wie sie genannt werden und was für eine symbolische Bedeutung sie haben. Du nickst ihr zu und gibst müßige Kommentare ab.

Du fühlst dich unwohl in dem Kleid. Das Gefühl von der Luft auf deinen Armen und deiner Brust löst bei dir ein Gefühl der Verwundbarkeit aus. Und auch wenn das Kleid fast den Boden berührt, bestand Sig darauf, dass du anstatt deiner neuen asgardischen Stiefel Frauensandalen trägst.

„Hier, lass uns da lang gehen“, schlägt Sigrid vor und führt dich einen weiteren Pfad entlang. „Da gibt es Lilien in den Teichen!“

„Ah“, erwiderst du, während du Interesse vortäuschst, und folgst ihr gehorsam.

Die Adligen um dich herum beäugen dich unsicher. Sie erkennen dich nicht und die, die es tun, weichen vor dir zurück. Sie denken im Stillen, dass etwas wie du nicht in diese schönen Gärten gehört.

Du stimmst ihnen zu.

Loki hält Abstand, während er sich fragt, ob es klug ist, sich an solch einem öffentlichen Ort über dich lustig zu machen und mit dir zu streiten. Er weiß, dass diese Eskapade die Idee deines kleinen Dienstmädchens war. Du scheinst dich in dem Kleid unwohl zu fühlen, auch wenn es dir perfekt passt (im Gegensatz zu der blauen Abscheulichkeit). Loki sieht dein vorgetäuschtes Interesse an dem, was das Kind dir zeigt, sieht, dass die Schönheit der Gärten kaum eine Bedeutung für dich hat.

Aber er bemerkt die Art, wie etwas in deinen Augen aufleuchtet, als du die Lilien in den Teichen siehst. Es ist, als ob du erweichst, so sehr, dass sogar die Härte in deinen Gesichtszügen sichtbar nachlässt.

„Ein Freund von mir liebte diese Blumen“, erzählst du Sigrid, während du dich etwas vorbeugst, um sie besser sehen zu können. „Wasserlilien, oder?“

„Ja!“, sagt Sig und freut sich, dass sie letztendlich mit etwas dein Interesse geweckt hat.

Die Blumen sind reinweiß, ihre Spitzen mit goldenen Flecken bedeckt. Du hast keine Liebe für Wasser, aber die Erinnerung an deinen Freund lässt dich an unbeschwertere Zeiten denken, vor Krieg und Verlust, als Willow und du mit wahren Gefährten zusammensaßt und gelacht habt.

„Meine Welt hatte Blumen wie diese“, sagst du. „Sie waren aber nicht weiß. Und in dem Wissen, wo ich herkomme, waren sie wahrscheinlich giftig oder so.“

„Wirklich?“, fragt Sig und sieht zu dir rüber. „Die hier sind nicht tödlich oder irgendwas in der Art.“

Du lachst kurz vergnügt auf. „Nur einer der vielen Unterschiede.“

„Na, spielen wir heute Prinzessin?“, ruft Loki, während er mit einem Grinsen auf euch zugeht.

Du runzelst die Stirn und kneifst die Augen zusammen. „Nein.“

„Mir scheint es aber so“, stellt er mit verschränkten Armen fest. „Ein Krieger in einem Kleid. Beziehungsweise, du bist kein Krieger mehr, oder?“

„Sei still“, teilst du ihm in einen kühlen Ton mit.

Er ist erneut auf etwas gestoßen, an das du versucht hast nicht zu denken. Und er weiß es. „Ach was, wirst du das tragen, wenn du herumfummelst und mit deinem albernen Dolch herumfuchtelst?“

„Kann ich nicht einen Teil von meinem Tag genießen, ohne dass du ein Arschloch bist?“, fragst du, als seine Sticheleien anfangen Kerben in deiner Rüstung zu hinterlassen.

Er hört in deiner Frage, dass da mehr Müdigkeit als Gift ist und anstatt ihm Vergnügen zu bereiten (wie er es angenommen hat), löst es ein unangenehmes Gefühl in seiner Brust aus. Dich zu verletzen ist sein einziger Grund, mit dir zu reden, also versteht er nicht, warum die Befriedigung ausbleibt.

„Ich nehme an, dass du das kannst“, entgegnet er.

Der Prinz geht davon, zurück zum Palast, was dich überrascht. „Äh, hey, warte.“

Er bleibt stehen und sieht dich über seine Schulter hinweg mit einem gelangweilten Gesichtsausdruck an.

„Wirst du mir später immer noch helfen…?“ Du hasst es, dass du fragen musst. Du willst die Worte zurücknehmen, aber es ist zu spät, und sein gleichgültiger Ausdruck weicht einem weiteren Grinsen.

„Sicher, Prinzessin.“

 

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Du knurrst, als du nach dem Schwertkämpfer schlägst. Du hast mit dem Dolch nicht die gleiche Reichweite, wie mit deinem Schwert, was bisher nie ein Problem gewesen ist. Du hast oft mit dem Dolch getötet. Alle deine Reflexe und Training sind da, aber deine Muskeln reagieren einfach nicht so schnell wie zuvor.

Der Mann trifft deine Brust und hinterlässt einen kalten Schauer, als sich die Illusion auflöst.

„Und du bist tot“, summt Loki mit einer Singsang-Stimme.

„Erneut“, knurrst du, wobei du wie ein ungestümes Tier auf- und abgehst.

„Das ist genug für heute Abend. Das ist…was ist es jetzt…“ Er zählt still seine Finger ab, nur um dich zu ärgern. „Das neunte Mal? So wie es aussieht, bist du heute Abend neunmal gestorben.“

„Erneut!“, fährst du ihn fauchend an.

„Nun, warum machen wir nicht zehn daraus?“, fragt er heiter, während er eine Frau mit einer Stangenwaffe beschwört.

Du stürmst auf sie zu, so wie du es immer tust, und versuchst ihre Vereidigung zu durchbrechen. Sie schlägt mit dem Ende ihrer Waffe nach dir, als ob du mehr ein Ärgernis als eine Bedrohung bist. Du schreist vor Wut und weichst zur Seite aus, während du mit deinem Dolch auf sie zielst. Bevor du sie berühren kannst, hörst du das Rauschen ihrer Waffe, als sie diese herumschwingt. Dein Körper zuckt von Natur aus zurück, aber bevor du dich fallen lassen kannst, spürst du einen kalten Schauer in deinem Bauch.

„Wieder tot!“, ruft Loki grinsend. „Das macht zehn.“

„Erneut“, gibst du in einem kühlen Ton an.

Er wirft dir einen genervten Blick zu. „Ich schwöre, du bist genau wie mein Bruder. Lass es für heute gut sein. Sind zehn Fehlschläge nicht genug?“

„Erneut!“, verlangst du.

Er verdreht die Augen und beschließt der Aufforderung nachzukommen. Wieder. Und wieder. Und wieder. Jeder Misserfolg lässt dich immer mehr verzweifeln.

Du denkst an die Blume. Du denkst an Willow, an deine alten Freunde, an die Zeit, bevor du erfahren hast, dass ihr kämpfen und sterben musst. Du denkst daran, wie du sie alle mehr als nur einmal enttäuscht hast und wie du dich selbst nicht im Kampf, der alles beenden wird, enttäuschen kannst.

Aber dein Körper lässt dich im Stich, jedes einzelne Mal, und du kannst nicht anders, als einen verzweifelten Schrei auszustoßen, als du keuchend auf die Knie fällst.

„Endlich fertig? Oder hast du eine Wunde aufgerissen?“, fragt Loki mit einem Augenrollen und tritt nach vorne.

Du antwortest ihm nicht. Er geht zu der Stelle, wo du kauerst, und legt eine Hand auf deine Schulter.

„Fass mich nicht an!“, zischt du und seine Hand verschwindet, als ob sie nie da gewesen ist. „Lass mich allein.“ Deine Stimme ist leise, während du vor Wut kochst. Er öffnet seinen Mund, um dich dafür zu rügen, ihm Anweisungen zu geben, als du sagst: „Bitte.“

Er zuckt mit den Schultern, als ob ihm all das egal ist, und geht weg. Du hörst, wie er die Tür schließt, und erst dann erlaubst du dir zu zerbrechen.

Dein erster Schluchzer ist leise. Es ist das erste Mal, seit du in dieser Welt angekommen bist, dass du dir erlaubst zu weinen.

Du hast dagegen beim Baden ankämpft, indem du ins Wasser getaucht bist, wenn dir wegen dem Gefühl der Leere die Tränen in die Augen gestiegen sind. Du hast es beinahe jede Nacht abgewehrt, wenn sich deine Gliedmaßen schwer anfühlen und deine Kräfte träge fließen. Du hast dagegen gekämpft, wenn du in dem Schminkspiegel die Narben auf deinem Körper siehst und dich fragst, wie du diesen Bastarden erlauben konntest dir das anzutun.

Dein zweiter Schluchzer ist lauter und du spürst, wie dir die Tränen über die Wangen laufen. Du setzt dich auf den Boden, während du dein Gesicht in den Händen vergräbst, um deine Geräusche zu dämpfen. Du warst ein Krieger und jetzt können dich sogar Illusionen besiegen.

Du fühlst dich so schwach wie damals, als das Ordinat die Leben derer um dich herum gestohlen hat. Du hättest das erste Mal wahrlich sterben sollen. Du weinst um alle, die du verloren hast, und alles, was du zurückgelassen hast, als du deine Suche gestartet hast. Du weinst, weil du weißt, dass du nie erwartet hast zurückzukehren, sobald du deine selbstauferlegte Mission beendet hast.

Du hattest immer vor zu sterben, aber du wolltest auf den Füßen nach dem Kampf sterben.

Mit dem Zustand, in dem du bist, wird es nicht einmal einen Kampf geben.

 

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Loki pausiert vor deiner geschlossenen Tür, als er deinen Schluchzer vernimmt. Er hört zu, aus irgendeinem Grund unfähig seinen Weg fortzusetzen.

Was für eine Rolle spielt es? fragt er sich. Es sollte ihm egal sein.

Das ist es auch.

Er zuckt mit den Schultern und schüttelt mit dem Kopf, wobei er über die Vorderseite seiner Kleidung streicht, als ob er die Gedanken an dich wegjagen will.

Und doch ist etwas in ihm unruhig und hinterlässt ein schweres Gefühl in seiner Brust, als er davongeht.

 

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Ich vermisse dich, Will.

 

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Oh, Freundin, ich vermisse dich auch. Geht es dir gut?

 

***

 

Alles in Ordnung.

Chapter Text

Du unterhältst dich mit Sig in deinem Zimmer. Vielmehr, streiten wäre eine bessere Beschreibung.

„Ich werde das nicht machen“, spottest du mit einem Augenrollen. „Ich weiß nicht einmal, wofür die Party ist.“

„Es gibt keinen Anlass“, versucht Sig dir zu erklären. „Es ist lediglich ein gesellschaftliches Beisammensein. Die königliche Familie veranstaltet so etwas gelegentlich, um die Moral hochzuhalten.“

„Okay, das ist ja alles schön und gut, aber warum sollte ich gehen?“, fragst du und schlägst die Beine übereinander, als du dich auf dein Bett zurücklegst.

„Weil du ein königlicher Gast bist!“, ruft Sigrid, wobei sich in dem Plüschsessel, in dem sie sitzt, nach vorne lehnt.

„Siggy, du kennst mich doch“, berichtest du ihr. „Ich kann kaum ein Kleid tragen, ich fluche wie ein Seemann und ich habe so gut wie keine Erfahrung mit dem ganzen Scheiß dieser gehobenen Kreise. Es ist ja nicht so, als ob mich irgendjemand dazu eingeladen hat, also kann ich das schwänzen und es wird keine große Sache sein.“

Sig kennt den Ausdruck ‚fluchen wie ein Seemann‘ nicht, aber sie ist klug genug die Bedeutung zu erraten. „Aber ich kann dir bei solchen Sachen helfen. Ich werde mir die Namen von allen merken, das verspreche ich! Ich werde dich auch daran erinnern, wann du dich verbeugen musst. Wir können uns Signale überlegen. Wenn du dich verbeugen sollst, kann ich mich räuspern.“

Du stöhnst und drehst dich um, um sie anzuschauen. „Aber was für einen Sinn hat es, wenn ich hingehe?“

„Es wird Spaß machen“, sagt sie dir. „Du warst noch nie zuvor auf einer ‚Party‘ in Asgard.“

Sigrid gefällt es nicht, dass du die Veranstaltung eine Party nennst. Eine Party ist keine offizielle Angelegenheit, so wie es dies sein wird.

„Und das will ich auch nicht unbedingt“, sagst du mit einem Stirnrunzeln. „Warum gehst du nicht einfach und hast heute Nacht Spaß, während du mich hier grübeln lässt. Schau, es hat den ganzen Tag geregnet. Das ist das perfekt Wetter zum Grübeln.“

Sigrid würde normalerweise darüber lachen, aber dieses Mal bleibt sie stumm. Ihr beide könnt hören, wie der Regen auf dein Fenster prasselt, und es beruhigt dich, nachdem du die Nacht mit Weinen verbracht hast. Die Party ist erst in drei Tagen und du hast keine Ahnung, warum Sig es jetzt wieder anspricht.

Sie kann dir nicht sagen, dass sie noch nie zu solch einem Ereignis gehen konnte. Sie konnte noch nicht einmal auf einer festlichen Palastfeier arbeiten. Ja, die königliche Familie (Frigga) veranstaltet dergleichen für die Diener, vor allem weil die Königin weiß, dass nicht jeder den anderen Veranstaltungen beiwohnen kann, aber Sigrid ist sich im Klaren darüber, dass dies nur ein Abklatsch einer wahren asgardischen königlichen Feier ist.

Sie wird dir bestimmt nicht sagen, dass sie nicht ohne dich gehen kann.

 

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Sif liebt den Regen. Regen bringt Stürme und Donner und Blitze. Als ein Soldat liebt sie den Geschmack von Chaos, den die Stürme Asgards mit sich bringen. Sie trainiert im Regenguss, wobei sie sich nicht an dem Schlamm stört sowie einige der anderen Kämpfer.

Fandral stürmt auf sie zu, während er sein Schwert schwingt. Sif beobachtet, wie seine Stiefel ein bisschen auf dem feuchten Boden rutschen, und nutzt dies aus.

„Nein! Nein! Nein!“, ruft Fandral und trippelt zurück, als sein Schwert aus seiner Hand fliegt. „Ich werde mich nicht von dir in den Schlamm schupsen lassen!“

Sif lacht, während sie ihre Hand in einer höhnischen Geste hochhält. „In Ordnung. Ich habe so oder so gewonnen, also gibt es keinen Grund, etwas anderes als deinen Stolz zu beschmutzen.“

„Aufgepasst!“, grummelt Hogun.

Fandral dreht sich gerade noch rechtzeitig um, um Volstagg auf sich zurasen zu sehen. „NEIN!“

Thor’s Lachen hallt laut, als er sieht, wie der blonde Mann zu Boden geht. Selbst Hogun lässt ein Lächeln aufblitzen und schon bald ringen die vier im Schlamm wie kleine Kinder.

„Männer“, murmelt Sif mit einem Schmunzeln vor sich hin und rollt mit den Augen. „Jungs“, verbessert sie sich.

Gerade als sie sich abwendet, spürt sie eine große, schlammige Hand, die ihren Knöchel umklammert.

 

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Frigga arbeitet hart an den letzten Details der Feier. Drei Tage sind mehr als genug Zeit, dass etwas schiefgeht, auch wenn die Königin immer auf das Beste hofft.

Ihr jüngster Sohn ist missmutig und trotz allen Drängens, kennt sie nicht den Grund. Er lässt sie deutlich länger reden als sonst, ohne selbst Vorschläge zu machen, also ertappt sie sich dabei, wie sie für sich selbst laut die Details durchgeht.

„Wie klingt das, Loki?“, fragt sie.

„Gut, gut“, erwidert er, während er mit seiner Hand winkt.

Ihr Arbeitszimmer ist gemütlich. Sie hat mehrere Kerzen angezündet und verbrennt wohltuenden Weihrauch. Sie nimmt Loki gegenüber Platz und legt eine Hand auf seine. Es ist Zeit ein deutliches Wort zu sprechen. „Was bekümmert dich?“

Loki greift auf seine übliche Antwort zurück. „Vater.“

Frigga beobachtet ihn sorgfältig. „Was genau?“

Loki weiß es nicht.

 

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Odin Allvater hat deine Dienerin zu einer Audienz einbestellt. Sigrid kann sich nicht vorstellen, warum sie herbeigerufen wurde, und als sie dich fragt, sagst du ihr, dass du keine Ahnung hast.

Sie geht alleine zum Thronsaal und wartet nervös darauf, dass sich die Türen öffnen. Als die Wachen sie durchwinken, schlägt ihr Herz so laut, dass sie befürchtet, dass Odin es hören kann.

Sie kniet vor ihm nieder, wobei ihre Stirn den Boden berührt.

„Erhebe dich“, sagt Odin und seine Stimme hallt laut in dem Saal. „Wie heißt du?“

Das Mädchen steht mit zitternden Beinen auf. „My Lord, mein Name ist Sigrid.“

Odin rutscht auf seinem Stuhl. „Du bist die Dienerin von unserem königlichen Gast?“

Sigrid nickt mit dem Kopf, während sie nervös schluckt.

„Sag mir, Sigrid. Du hast sie beschattet. Denkst du, dass sie Asgard gegenüber feindlich gestimmt ist? Sag mir die Wahrheit. Ich werde es wissen, wenn du lügst.“

Sigrid ist schockiert. Sie hat gedacht, dass Odin sie herbeigerufen hat, um sie für etwas, was du getan hast, zu ermahnen. Stattdessen will er wissen, ob sie dich als eine Bedrohung sieht.

„N-Nein, my Lord. Die einzige Feindseligkeit, die sie gezeigt hat, ist gegenüber denen, die sie in ihren jetzigen Zustand versetzt haben.“

Odin grummelt. All die anderen, die er dich beobachten ließ, sagen dasselbe, aber das bedeutet nicht, dass er dich nicht weiterhin im Auge behält. „Hat sich die Verfassung des Mädchens verbessert?“

Sig nickt. „Sie arbeitet jeden Tag, my Lord.“

Mit der Hilfe von Eurem Sohn, fügt sie in Gedanken hinzu.

Odin fragt nach Einzelheiten und Sigrid kommt dem freudig nach. Sobald sie fertig ist, dankt der König ihr und fragt, ob sie sich damit wohl fühlt, ihn auf dem Laufenden zu halten.

„Natürlich, Majestät!“, sagt Sigrid mit großen Augen und verbeugt sich erneut tief. „Ich bin Euer bescheidener Diener.“

„Danke, Kind. Das ist alles.“

 

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Frigga kommt an diesem Abend an deine Tür, welche sie einen spaltbreit offen vorfindet. Sie klopft trotzdem und du bittest sie herein.

Sie ist etwas mehr überrascht, als sie denkt, dass sie es sein sollte, dass sie ihren Sohn in deinem Zimmer vorfindet. Loki löst die Illusion eines Kriegers auf, während sie zusieht, und Frigga setzt das Puzzle ziemlich schnell zusammen.

„Mutter“, sagt er, während er sich vor ihr verbeugt.

Du machst es ihm kurz darauf nach, als du dich erinnerst, dass du bereits beschlossen hast, dass sich vor Frigga zu verbeugen nicht unbedingt eine schlechte Sache ist. Loki wirft dir einen Blick zu, der dich getötet hätte, wenn er es könnte. Du verbeugst dich vor seiner Mutter, aber nicht vor ihm?

„Wie war dein Abend?“, fragt Frigga dich freundlich. „Wie ich sehe, leistet mein Sohn dir Gesellschaft.“

„Das ist es nicht“, sagt Loki schnell mit etwas zu viel Schärfe. „Sie benötigte meine Hilfe.“

„Äh. Das ist wahr, denke ich“, sagst du mit einem Augenrollen und wirfst ihm einem stechenden Blick zu.

Du umklammerst eine schlampige Version von deinem Schwert. Bei dem Übelkeitsanfall, als du deine Macht benutzt hast, musstest du dich übergeben, aber das war es wert gewesen, sogar eine schwächere Form deiner Klinge herbeizurufen. Sig ist hinten in deinem Zimmer gesessen, auch wenn sie jetzt auf den Beinen ist, nachdem sie sich in der Gegenwart der Königin verbeugt hat.

„Vergib mir, dass ich euch unterbreche, aber ich bin eigentlich gekommen, um dich zu unserer Feier einzuladen, die in drei Tagen stattfindet“, teilt Frigga dir mit. „Obgleich, wenn mein Sohn irgendwelche Manieren hat, hätte er das bereits gemacht.“

Frigga mag nicht die leibliche Mutter ihrer Söhne sein, aber sie hat die beiden großgezogen. Und da einer von ihnen der Prinz der Verruchtheit ist, ist es nur natürlich, dass etwas von der Verschmitztheit von ihrem Wesen stammt.

Die Königin beobachtet, wie Sigrid’s Augen aufleuchten, wie Loki seinen Mund vor Empörung öffnet und den Ausdruck unterdrückter Furcht, den du schnell versuchst verschwinden zu lassen.

„Äh“, sagst du schnell zeitgleich, als Loki ruft: „Mutter!“

Eine Einladung von der Königin! schreit Sigrid in ihrem Kopf, während sie auf deinen Hinterkopf starrt und sich wünscht, dass die stillen Sätze dich erreichen. Man lehnt eine Einladung der Königin nicht ab!

Sig räuspert sich und du erinnerst dich daran, wie sie gesagt hat, dass du dich verbeugen sollst, wenn sie das macht (auch wenn du dir nicht sicher bist, ob sie das ernst gemeint hat). Du neigst trotzdem deinen Kopf, was dich realisieren lässt, dass du die Königin tatsächlich respektierst.

Du vermutest, dass es für alles ein erstes Mal gibt.

„Vielen Dank für das Angebot“, sagst du ihr, wobei du deinen Blick auf den Boden richtest, während du dich unbehaglich bewegst, „aber ich…“

Eine Einladung der Königin! kreischt Sigrid praktischerweise in Gedanken. Man lehnt eine Einladung der Königin nicht ab!

Und mit einem Ruck hörst du sie. Du verstummst und drehst dich um, wobei du das Mädchen mit großen Augen ansiehst. Sigrid weiß nicht, was dein Blick bedeutet und senkt sofort den Blick.

Du wendest dich wieder Frigga zu. „Aber ich…ich, äh, nehme die Einladung gerne an?“

Die Königin lächelt dir hocherfreut zu. „Ausgezeichnet! Als ein Gast unter unserem Dach ist es nur gebührend, dass du anwesend bist.“

Sie neigt ihren Kopf. „Ich wünsche euch allen eine gute Nacht. Und Loki, sei bitte morgen in der Früh nicht zu spät. Du sollst die Ankunft der Lieferungen überwachen.“

Frigga verlässt das Zimmer, beschäftigt mit ihren Gedanken.

Sie weiß, dass du das Interesse ihres Sohnes geweckt hast, ob es ihm nun selbst bewusst ist oder nicht. Sie ist eine Mutter. Sie hat gesehen, wie er sich in der Vergangenheit Liebhaber genommen hat (obgleich nicht so wütend oder verwirrt), von denen keiner ihn lange begleitet hat. Er ist wie angezündetes Streichholz, wenn ihm etwas Faszinierendes über den Weg läuft, aber Streichhölzer brennen schnell ab. Beide ihrer Söhne haben die Herzen vieler gebrochen, auch wenn Loki das Aussondern um einiges leichter fällt als Thor.

Sie weiß nicht, ob du diejenige sein wirst, die ein langanhaltendes Streichholz entzündet, oder eine weitere sein wird, die in Glut und Asche zurückgelassen wird, aber Frigga ist damit zufrieden, zu warten und zu beobachten.

 

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„Ich habe dich gehört!“, sagst du und wirbelst zu Sigrid herum, sobald Frigga’s Schritte verklungen sind.

„Was?“, fragt Loki, wobei er immer noch die Stirn runzelt, nachdem er seiner Mutter einen empörten Blick zugeworfen hat.

„Was?“, wiederholt Sig, obgleich sie mehr schockiert als neugierig klingt.

„Das habe ich!“, erzählst du ihr. „In meinem Kopf! Du hast mir mitgeteilt, dass man Einladungen von Königinnen nicht ablehnt!“

„Du – warte, was?“, fragt Loki, während er zwischen euch beiden hin- und hersieht.

„Du hast mich gehört?!“, quiekt Sig und schlägt beide Hände vor ihren Mund.

„Du hast mit deinen Gedanken zu ihr gesprochen?“, fragt Loki laut, der es satthat, ignoriert zu werden.

„Das hat sie“, teilst du ihm mit, wobei Sigrid’s Freude ansteigt, während sich deine Gedanken verdunkeln. „Äh, das ist nicht gut.“

Deine Gedanken waren schon immer deine Schwachstelle gewesen. Dir ist es schwergefallen, dich selbst vor mentalen Angriffen zu schützen, und du weißt, dass das Ordinat Mitglieder hat, die das können. Du hast nicht deine Freunde Elaine, Willow oder sonst jemanden, der dich abschirmen kann, bei dir. Das Gift hat sowohl deinen Körper als auch deinen Geist geschwächt. Selbst ein Mädchen, das nicht wusste, dass es diese Fähigkeit besitzt, hat gerade Worte in deinen Kopf gesetzt.

Das ist nicht gut.

„Was?“, fragt Sig, wobei ihre Begeisterung plötzlich stoppt. Sie starrt den finsteren Ausdruck auf deinem Gesicht an. „Warum nicht?“

„Ich meine, es ist gut für dich, aber nicht für mich“, teilst du ihr mit. Du wechselst das Thema. „Du besitzt Magie, Siggy! Das ist großartig! Ich dachte, du hast gesagt, du kannst so etwas nicht tun!“

Loki hört eurem Geschwafel zu, während er schweigend dasteht. Er hat bemerkt, wie du das Thema gewechselt hast, und weiß, dass du besorgt bist. Als ein Zauberer ist sein Verstand gut vor anderen geschützt und ihm wird langsam bewusst, woher deine Besorgnis stammt.

Ein Grinsen huscht kurz über sein Gesicht. Ein weiteres Gebiet, in dem du ihm unterlegen bist.

 

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Du bringst Sigrid dazu, sich in dieser Nacht zu dir im Festsaal zu setzen. Es ist dein erstes Mal und du bist nervös.

„Und außerdem“, sagst du zu ihr, wobei du auf den Platz neben dir deutest, als sie sich nervös hinsetzt, „war das deine Idee und es ist, um dich zu feiern! Wie willst du feiern, wenn du nicht mit mir isst?“

Die Stimmung im Festsaal ist lockerer als in den geringeren Speiseräumen, also stimmt Sigrid widerstrebend zu. Sie ist allerdings froh darüber, wenn das Essen kommt. Die Diener (natürlich) bedienen sie nicht, aber du teilst freudig von deinem Teller. Und sobald das Ale in den Bäuchen der anderen Speisenden ist, werfen sie euch beiden nicht länger seltsame Blicke zu.

Irgendwann erklingt gewaltiges Gebrüll und ihr beide wendet euch um, um eine Truppe schlammiger Leute in den Saal gehen zu sehen. Thor ist an der Spitze und ruft freudig allen zu, dass er den Wettkampf gewonnen hat. Sif folgt ihm, Schlamm verkrustet ihr Haar, während sie laut mit dem Rest der Truppe lacht.

Der kleine Ringkampf hat sich zu einer größeren Angelegenheit entwickelt, als andere Soldaten zu ihnen gestoßen sind. Bald ist ein Pseudowettkampf unter den jüngeren Truppen aufgekommen, als Thor demjenigen einen Sack voller Gold geboten hat, der ihn besiegen kann. Er hätte seinen Anspruch eingelöst, aber niemand konnte diese Tat vollbringen.

Jetzt sind sie gekommen, um zu schlemmen und zu trinken, wobei sie sich nicht die Mühe machen, den trocknenden Schmutz abzuschütteln.

„Oh, Hilde wird zornig sein!“, flüstert Sigrid dir ins Ohr. „Schau dir all den Schlamm an! Es wird Stunden dauern, das sauber zu machen!“

Du fragst dich, ob der Gott des Donners daran gedacht hat, und denkst, dass er es wahrscheinlich nicht hat. Du bist überrascht, als du Sigrid nach ihrer Aussage kichern hörst, und du drehst dich für eine Erklärung zu ihr um.

„Oh, ich sollte nicht lachen!“, erzählt sie dir mit einem heiteren Blick. „Aber alles, was Hilde ärgert…. Nun, ich kann einfach nicht anders!“

Das Essen ist köstlich und du stopfst dich voll, auch wenn du heutzutage kaum jemals Appetit hast. Mit dem Ale gibst du dich nicht einmal ab. Du bezweifelst, dass es dich betrunken machen würde, und selbst wenn es das täte, bist du nicht allzu sehr von dem Geschmack begeistert.

Letztendlich schlendert ein betrunkener Thor in deine Richtung und erblickt dich. „Der Krieger!“

Er ist plötzlich viel zu nah bei dir und du spürst, wie du unbehaglich steif wirst, als er eine schwere Hand auf deine Schulter legt. „Äh, hey“, sagst du zu ihm.

„Hör mal, ich bin froh zu sehen, dass du dich erholst!“, ruft er aus und du kannst die Blicke aller Anwesenden auf dir spüren.

„Hört hört!“, schreit ein betrunkener Soldat und die Worte hallen plötzlich in den Mündern der anderen wieder.

Es scheint, als ob betrunkene Asen viel netter sind als nüchterne. Einige haben bereits entschieden, dass wenn Thor dich mag, du nicht allzu schlecht sein kannst.

„Danke“, teilst du ihm mit, wobei deine Mundwinkel zu einem kleinen Lächeln hochzucken. „Ich froh dich…äh…schlammig zu sehen.“

Er lacht laut auf und geht davon, um jemand anderen zu belästigen. Bald hallen Gesänge vom „Schlammigen Prinz“ durch den Saal und du schaust zu Sigrid rüber, die bis über beide Ohren grinst.

Du bist froh, dass zumindest sie eine schöne Zeit hat, auch wenn du zugeben musst, dass der Anblick von einem schlammbedeckten Thor dich schmunzeln lässt.

Es hebt dein Gemüt so weit an, dass du vergisst, dass du in der Nacht zuvor geweint hast, und schläfst so später leicht ein.

Chapter Text

Vitran brummt immer noch der Schädel vom Gelage der Barbaren, das in der Nacht zuvor stattfand. Er hat mit Magnus gelacht, wobei sie davon gesprochen haben, wie der Barbarenkönig eines Tages der König von Asgard sein wird. Vitran fällt es leicht, Versprechen zu geben.

Er weiß, dass seine Pläne im Gang gesetzt sind, und freut sich darauf, zu sehen, wie sie Früchte tragen. Und ohne das Wissen des Barbarenkönigs, beinhalten sie nicht, dass Magnus über Asgard herrscht.

Vitran ist sich darüber im Klaren, dass sein Posten einer der letzten Basen des Ordinats auf anderen Planeten ist. Die Reste ihrer Organisation auf deiner Heimatwelt haben ihn vorzeitig informiert, dass du dich letztendlich zu ihm begeben würdest. Er soll dich überwältigen und wenn er das nicht kann, soll er dich töten. Deshalb weiß er, dass die Situation wirklich schlimm ist; das Ordinat würde auf eine Macht verzichten, die so großartig ist wie deine, in dem Bemühen, zu verhindern vernichtet zu werden.

Vitran ist beides recht. Er erinnert sich an die, wie du warst, als er dich zum ersten Mal gesehen hat: ein kleines Mädchen mit großen Augen, verängstigt und fehl am Platz. Und nachdem du entkommen bist, nachdem die Jahre vergangen sind, hat er keinen Unterscheid gesehen, sobald ihr euch erneut begegnet seid. Seine Armee hat deine Basis eingenommen, die Leben deiner Freunde genommen, ihre Fähigkeiten und Kräfte gestohlen. Wenn es ihm nur gelungen wäre, dich damals zu töten. Er erinnert sich liebevoll daran, wie du in einer dunklen Lache deines eigenen Blutes gelegen hast.

Nein, er hatte nie Angst vor dir. Er war der Anführer der Basis, die dich als Kind gestohlen hat, bevor sie sich aufgeteilt haben, um ihre Organisation in den Galaxien zu verbreiten, und er ist jetzt immer noch ein Anführer.

„Sir!“, ruft ein Mann von draußen.

„Was ist?“, fragt Vitran und unterbricht sein Auf- und Abgehen, um zur Tür zu gehen und sie zu öffnen.

Es ist sein Offizier, Jun, der hier ist, um Bericht zu erstatten. „Wir haben wieder mit dem Mädchen Kontakt aufgenommen. Sie hat unseren Bedingungen zugestimmt.“

Vitran lächelt den Mann breit an, seine bernsteinfarbenen Augen voller ekligem Unheil. „Ausgezeichnet.“

 

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„Aber du musst!“, jammert Sigrid fast schon und hält einmal mehr das ausgefallenste Kleid hoch, das Frigga für dich anfertigen ließ.

Du schneidest eine Grimasse und legst deinen Kopf mit einem Stirnrunzeln in den Nacken. „Siggy...“

„Es ist eine feierliche Angelegenheit! Du musst ein Kleid tragen und es kann ruhig dein schönes sein!“

„Sind die anderen nicht schön?“, fragst du, während du zu ihr rüber schaust.

Sig zögert, als du sie ansiehst. „Das ist nicht, was ich gemeint habe.“

Sie erzählt dir nicht, dass alle anderen wunderschöne Kleider und atemberaubende Juwelen tragen werden. Sigrid weiß, dass dir solche Sachen egal sind, aber sie will nicht, dass du dich schämst.

Du stöhnst und nimmst ihr das Kleid ab, das du dann nach oben hältst, um es besser sehen zu können. „Ich habe ihnen gesagt, dass ich Gold nicht mag.“

Das Kleid ist in einer warmen Farbe, das unten in ein rötliches Pink übergeht. Das Korsett, das kannst du bereits sehen, wird eng anliegen und deine Bewegungsfreiheit einschränken. Goldene Verzierungen bedecken den oberen Teil des Kleides und schmücken den unteren Teil des Rockes aus. Der Ausschnitt erinnert dich an ein Trägerhemd, wofür du dankbar bist.

Sigrid versteht nicht, warum du Gold nicht magst. Asgard ist bekannt für das Metall und es ist wertvoller als Silber, sie begreift nicht, warum du eine Vorliebe für das geringere hast.

„Warum probierst du es nicht einfach an?“, schlägt sie hoffnungsvoll vor.

Du kapitulierst. „Weißt du was, Sig, wenn es dich glücklich macht, werde ich es tun.“

Das Mädchen klatsch erfreut. Sie selbst ist bereits gekleidet, ein kunstvolleres Dienerkleid und etwas Makeup. Sigrid hat ihr Haar zu einem komplizierten Zopf geflochten und du hast keine Ahnung, wie sie solch eine Meisterleistung alleine bewerkstelligt hat.

Sobald das Kleid an deinem Körper ist, kann Sig einfach nicht anders, als dir mitzuteilen, wie schön du bist.

„Hör auf“, sagst du mit einem Augenrollen und schaust in den Spiegel. „Das bin nur ich mit meinen hässlichen Narben.“

„Ich finde, dass sie dich kämpferisch aussehen lassen“, informiert Sigrid dich und du schnaubst verstimmt.

„Was auch immer. Lass uns das hinter uns bringen.“

Das Mädchen sagt zögernd deinen Namen.

Du wendest dich ihr mit hochgezogenen Augenbrauen zu. „Ja?“

„Kann ich bitte etwas mit deinen Haaren machen?“

Dein verwirrter Gesichtsausdruck weicht einem überraschten. „Warum?“

„Nur um zu sehen, wie es ausschaut?“

„Sig, versuchst du mich zu einer Puppe zu machen?“, fragst du neckend.

Sie wird rot. „Nein!“

Du öffnest deinen Mund weit und schnappst nach Luft. „Du willst mich auch schminken, oder?!“

Sigrid errötet noch mehr. „Nur ein bisschen Kajal um die Augen herum, vielleicht…“

„Das macht dir Spaß, oder?“, beschuldigst du sie.

Sie antwortet nicht, sondern versteckt nur ihr Gesicht hinter ihren Händen. Sigrid hatte keine Kindheit. Sie kannte keine verzierten und schönen Dinge, bis sie im Palast gearbeitet hat, und selbst dann war sie kein Teil davon, nicht wirklich. Aber Sigrid hat festgestellt, dass sie für die Feinheiten, die sie umgeben, schwärmt und kann einfach nicht nachvollziehen, warum du so stur an Schlichtheit festhältst.

Als du ihr sagst, dass sie einfach machen soll, was auch immer sie will, siehst du, wie ihre goldenen Augen vor Freude aufleuchten. Du weißt, dass dein Leben hier ohne das Mädchen ganz anders sein würde.

Du wirst sie vermissen, wenn du fort bist.

 

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Der asgardische Ballsaal ist prächtig. Goldene Statuen säumen die Wände, ihr Metall leuchtet hell im warmen Licht des Saales. Tische, beladen mit verlockenden Speisen und Getränken, stehen auf einer Seite in der Nähe der Allmutter und des Allvaters, die einen langen Tisch für sich haben.

Um kleinere Tische herum befinden sich Sitze, damit die Anwesenden ihre Beine ausruhen können. Die Mitte des Saales nehmen die Gäste ein, die vergnügt zusammen zur Musik tanzen, die auf magische Weise im kunstvoll verzierten Ballsaal verstärkt wird.

Die Herzogin Freydis findet Loki beinahe sofort. Sie hat mit ihm geplaudert, herzlich über die meisten Dinge, die er gesagt hat, gelacht und war sogar so kühn, für einen Moment leicht seinen Arm zu berühren.

Sie hat sich als interessant genug bewiesen, eine Unterhaltung mit ihm zu führen, und er denkt, dass da etwas anderes in ihrem Blick verborgen ist. Da ist etwas, was sie erreichen will, und er nimmt an, dass er der Beweggrund ist.

„Habt Ihr Lust zu tanzen, mein Prinz?“, fragt Frey süßlich, „oder wollt Ihr vielleicht lieber ein Glas Wein?“

Ihre Kühnheit ist gewagt, ihre Aufmerksamkeit schmeichelnd. Er bietet ihre beinahe seine Hand, als er spürt, wie du den Raum betrittst.

Er hat keine Ahnung, was ihn auf deine Anwesenheit aufmerksam gemacht hat. Vielleicht liegt es daran, dass sich deine Macht jeden Tag mehr von ihrer Hemmung befreit. Vielleicht reagiert seine Magie auf dich, als ob du eine Bedrohung bist. Was es auch ist, er dreht sich um, um über seine Schulter zu sehen, und erblickt dich.

Das ist das erste Mal, dass er sich eingesteht, dass du umwerfend bist.

Du siehst aus wie ein wahrer Ase, dein Kleid ziemend für einen königlichen Gast. Die Verzierungen deines Gewandes geben dir ein raffiniertes Aussehen. Es lässt dich größer wirken, auch wenn die, die in deiner Nähe stehen, dich immer noch überragen.

Er kann seinen Blick nicht losreißen, als er beobachtet, wie du deine kleine Dienerin vor dir in den Ballsaal schickst.

„Oder habt Ihr… ‚andere Angelegenheiten‘, um die Ihr Euch kümmern müsst?“, fragt Frey, wobei ihr Lächeln ins Schwanken gerät.

Er will ‚nein‘ sagen. Er sieht beiläufig zur Herzogin zurück. „Ja. Ich bitte um Entschuldigung, my Lady.“

Er neigt seinen Kopf und wendet sich von ihr ab. Frey wirft dir einen giftigen Blick zu, während du herumgehst, wobei dir nicht bewusst ist, dass du gleich in der Begleitung des Prinzen sein wirst. Sie macht auf dem Absatz kehrt, um nach Alva zu suchen, die mit einem unverheirateten Herzog tanzt.

Als Loki dich erreicht, findet er dich in einem Gespräch mit seinem Bruder vor.

„Ah! Der Schlammige Prinz“, neckst du und deine Stimmung hebt sich, als du siehst, wie Sigrid sich fröhlich mit ein paar anderen Dienstmädchen in ihrem Alter unterhält.

„Ja, das habe ich wohl verdient“, sagt Thor, wobei er dir ein verlegenes Grinsen schenkt. „Ich bin froh, dich hier zu sehen. Das wird meine Mutter erfreuen.“

Ihr schaut beide zu dem Tisch, wo Frigga und Odin sitzen und mit denen um sie herum plaudern. Wachen stehen hinter den beiden und behalten die Gäste wachsam im Auge.

„Ja, es war nett von ihr, mich einzuladen“, erzählst du ihm.

Thor grinst dich an. Er findet deine Gesellschaft um einiges angenehmer, wenn du nicht auf deinem Sterbebett liegst. Er weiß nicht, was etwas von der Härte aus deinem Blick genommen hat, aber er freut sich darüber.

Der Gott des Donners vergisst nicht so schnell diejenigen, die sein Leben retten.

„Ich bin froh, dass sie das gemacht hat“, bekundet Thor und hört dann, wie sein Name gerufen wird.

„Prinz Thor? Darf ich Euch um einen Tanz bitten?“

Es ist eine Frau, die er nicht kennt. Alva lächelt ihm zu, als sie sich verbeugt, die Wärme in ihrem Ton sehr einnehmend. Thor erwidert ihr Lächeln und lehnt höflich ab.

„Ich bitte um Verzeihung, Madame, aber ich habe meine Nacht einer anderen versprochen.“

Die Lady Sif unterscheidet sich nicht allzu sehr von ihrem Krieger-Ich, aber Thor findet sie in einem Kleid genauso bemerkenswert, wie auf dem Schlachtfeld.

Alvas Blick wandert zu einem Punkt hinter euch beiden. „Und Ihr, Prinz Loki?“

Deine Augen weiten sich etwas und du wirbelst so schnell herum, wie es dein verdammtes Kleid erlaubt. Loki inspiziert das Essen auf dem Tisch, der neben dir und Thor steht. Er hebt lässig den Blick.

„Nein Danke, Lady Alva.“

Zwei Zurückweisungen verletzen Alvas Stolz mehr, als sie zugeben will. Sie hat dir bisher noch keinen Blick zugeworfen. Alva behält das Lächeln in ihrem Gesicht, als sie ihren Kopf neigt und euch allen einen angenehmen Abend wünscht.

Sie kehrt über die Tanzfläche zu Frey zurück, die wütend finster dreinblickt.

„Die Nacht ist jung“, sagt Alva mit einem Schulterzucken zu ihr. „Also, schau nicht so, meine liebe Freydis. Niemand wird mit dir tanzen, wenn du sie so anstarrst.“

Drüben bei dem Essen beobachtest du Loki misstrauisch.

„Was schleichst du bei den Erfrischungen herum, Bruder?“, fragt Thor scherzend, auch wenn er bemerkt, dass die Härte vollkommen in deinen Blick zurückgekehrt ist, als du den anderen Prinzen erblickt hast.

„Ich unterbreche doch keine wichtigen Unterhaltungen, Schlammiger Prinz“, sagt Loki grinsend.

Das ist eine Lüge.

„Ah, du kannst mir die Laune heute Nacht nicht verderben, Silberzunge!“, behauptet Thor, wobei er vergnügt grinst, und klopft seinem Bruder kurz auf die Schulter.

In diesem Moment geht Sif auf euch zu, gekleidet in einem blassen, roten Kleid, bei dem sogar du bemerkst, dass es bemerkenswert an ihr aussieht.

„Hallo, ihr alle“, grüßt sie mi einem breiten Lächeln.

„Grüß dich, Lady Sif“, sagt Thor zu ihr, während er ihr seinen Arm anbietet.

„Tut mir leid, dass ich ihn davonstehle, aber er hat mir einen Tanz versprochen!“, meint Sif mit einem Grinsen.

Bitte nimm ihn“, erwidert Loki, „obwohl ich nicht weiß, warum du ihn willst.“

Du lachst beinahe, aber fängst dich noch. Sif wendet sich dir zu. „Ich hatte noch nicht die Gelegenheit, deine Bekanntschaft zu machen, auch wenn dich nur kurz gesehen habe. Ich bin Sif.“

Du nennst ihr lächelnd deinen Namen. „Schön dich kennenzulernen.“

„Ich liebe dein Kleid“, teilt Sif dir höflich mit.

„Oh, danke. Die Königin hat es…äh…für mich anfertigen lassen.“

„Genug mit diesem mädchenhaften Geschwätz“, unterbricht Thor, während er Sif fortzieht. „Ihr könnt später reden. Ich will meinen versprochenen Tanz!“

Sif winkt dir fröhlich zum Abschied und du bist wieder allein.

„Ich werde nie verstehen, warum sie in meinen Bruder verliebt ist.“

Nun, nicht komplett allein.

„Also ich sehe, dass es nicht nur mein Leben ist, das du gerne gänzlich verarscht“, stellst du fest, bevor du dich daran erinnerst, dass du Sigrid versprochen hast, dass du versuchen würdest nicht zu fluchen.

„Ich bin überrascht, dich hier zu sehen“, meint Loki.

Seit er hinübergegangen ist, hat er sich geweigert dich anzusehen und beobachtet beiläufig die anderen Partygäste, während er redet.

„Ja, also, Sig wollte, dass ich komme.“

Er sieht das Mädchen, das anscheinend vergessen hat, dass sie eine Dienerin ist, während sie mit einem jungen Kellner spricht. „Sie soll dich bedienen, weißt du.“

„Ah, ist mir egal. Sie ist nur ein Kind, sie sollte Spaß haben, solange sie noch kann.“

Er riskiert einen Blick in deine Richtung und bemerkt sofort Dinge. Wie die Farbe deines Kleides deine Haut erwärmt. Wie dein Haar über deine Schultern streicht. Wie sich der Stoff an deine Figur schmiegt.

Er sieht sich erneut im Saal um, schaut die Dekorationen an, bei deren Planung er seiner Mutter geholfen hat. Er verachtet es, Sachen an dir zu bemerken. Er ermahnt sich, dass er dich hasst, dass er dich nur mit seinen Worten niedermachen will.

„Meine Mutter ist zu gütig, dir so ein extravagantes Geschenk zu geben“, knurrt er wütend und wechselt so das Thema.

„Als ob ich das nicht weiß“, grummelst du, während du auf das Kleid hinabstarrst. „Ich werde allerdings keins von denen behalten, also wird sie die zumindest zurückbekommen.“

Er hat nicht erwartet, dass du ihm zustimmst.

„Ah, ja, wenn du davonrennst, um deine Feinde zu vernichten“, erwidert er abfällig. „Oder – lass uns hier realistisch sein – gehst, um in deinem Schwächezustand vernichtend geschlagen zu werden.“

Du willst ihm gerade widersprechen, als einer der Kellner euch beide anspricht. „Wein, Prinz Loki?“

Er wählt ein Glas von der Servierplatte, die der Kellner trägt. Der Mann wendet sich dir zu, „My Lady?“

„Gewiss“, sagst du offenherzig und nimmst einen von seinem Tablett.

„Der Krieger trinkt Wein? Ich hätte nicht gedacht, dass du Trunkenheit riskieren würdest“, reizt er dich.

„Da gibt es keine Probleme. Ich kann nicht betrunken werden“, teilst du ihm mit einem Schulterzucken mit, als du zu einem der leeren Tische gehst, um dich zu setzten.

Er folgt dir. „Was? Wie ist das möglich?“

Du wirfst ihm einen Blick zu, als er sich zu dir setzt. Du würdest viel lieber alleine sitzen. „Ich meine, ich kann, aber es gibt nicht viel Zeug, dass dies bewirkt.“

„Warum nicht?“, fragt Loki wirklich neugierig.

Er hat noch nie von so etwas gehört und er ist immer wissensdurstig.

Du spielst mit deinem Glas. „Es hat etwas damit zu tun, wie mein Körper aufgebaut ist. Ich bin nicht… ‚menschlich‘ oder was auch immer der Durchschnitt ist. Meiner Spezies fällt es schwer, sich zu betrinken.“

„Wie werdet ihr denn genannt?“, fragt er.

Du blickst zu ihm auf. „Ich habe das Gefühl, dass du lachen wirst oder irgendeine abfällige Bemerkung machst, also werde ich es dir nicht sagen.“

Du verärgerst ihn mit deinen Worten, aber du liegst nicht falsch, und das weiß er. Aber Loki ist eine neugierige Person und er verspürt den Wunsch, dass er Antworten haben muss. „Und wenn ich verspreche, dass ich das nicht mache?“

Du lachst, während er einen Schluck nimmt. „Ich würde sagen, dass ich dir nicht glaube.“

„Ich verspreche, dass ich nicht lachen werde oder eine abfällige Bemerkung mache.“

„Ich glaube dir nicht.“

Du grinst bei dem kleinen Spiel und nimmst einen Schluck von deinem Wein. Es ist kein Wein, den du je zuvor probiert hast, und du bist überrascht, wie sehr du ihn magst. Der süße Geschmack überdeckt die Schärfe des Alkohols und das Getränk geht sehr weich runter.

„Was ist das?“, fragst du den Prinzen.

„Wein?“, fragt er zurück, als ob du begriffsstutzig bist. „Was sonst?“

„Ich hatte schon Wein. Das ist anders.“

Jetzt versteht er und ein verschmitztes Leuchten erscheint in seinen Augen. „Asgardischer Wein ist kein gewöhnliches Getränk. Das ist Wein für Götter. Es ist mir egal, was für eine Spezies du bist, er wird dir sofort zu Kopf steigen.“

Du rollst mit den Augen und nimmst einen weiteren Schluck. „Ja, aha, das werden wir schon sehen.“

Du schaust zu den Leuten, die tanzen, und siehst, wie Sif und Thor vergnügt zusammen herumwirbeln. Loki nutzt diesen Moment, um dein Gesicht genauer zu betrachten (der Wein steigt ihm wohl zu Kopf, beschließt er). Seine Augen folgen der Kurve deiner Nase, deinen Wangen…deinen Lippen. Runter entlang deinem Hals, deinen Schultern….

Sigrid geht auf euren Tisch zu und wirft Loki einen argwöhnischen Blick zu, als sie sich vor ihm verbeugt. „Gibt es irgendetwas, was du brauchst?“, fragt sie dich.

„Hmmm“, grübelst du, während du einen Finger an dein Kinn legst, als ob du ernsthaft darüber nachdenkst. „Nur dass du mir jemanden zum Tanzen suchst.“

„Nein, ich meine es wirklich ernst!“, erwidert Sigrid.

„Geh und hab Spaß“, antwortest du, wobei du sie wegscheuchst und ein bisschen mehr Wein trinkst.

Sig zögert, unsicher was sie tun soll.

„Das ist, äh, ein Befehl“, sagst du in einem vorgespielt, ernsten Ton.

Siggy grinst dich an, wirft dem Prinzen einen weiteren Blick zu und macht sich dann auf den Weg zum Rand der Tanzfläche.

„Du hast Kinder gerne?“, fragt Loki, der beobachtet, wie du dem Mädchen hinterherlächelst.

Du lachst. „Äh, nein, nicht wirklich. Ich meine, Sig ist alt genug, um sich mit ihr zu unterhalten, aber die kleinen sind alle…“, du fuchtelst mit den Händen herum und schneidest eine Grimasse, „…ekelhaft.“

„Ekelhaft ist eine Untertreibung“, meint Loki mit einem Augenrollen. „Kleine Monster, das ist es, was sie sind.“

„Ich weiß einfach nicht, wie ich mit Kindern umgehen soll“, erklärst du, mehr dir selbst als ihm. „Am Ende benehme ich mich so, als ob sie kleine Erwachsene sind.“

Ihr beide verfallt in Schweigen, wobei ihr zur gleichen Zeit realisiert, dass keiner von euch den anderen während dieser Unterhaltung beleidigt hat.

Du fragst dich, ob asgardischer Wein dich wirklich betrunken machen kann. Du hast bereits dein Glas ausgetrunken.

Du nennst ihm den Namen deines Volkes, während du dabei die kunstvollen Muster des Tischtuches anschaust.

„Was bedeutet das?“, fragt der Prinz, der daran denkt, dass er dir versprochen hat sich nicht darüber lustig zu machen.

„Machtnutzer“, erzählst du ihm mit einem Schulterzucken. „Mehr nicht.“

Der Kellner kommt vorbei und reicht euch beiden ein neues Glas.

„Oh, danke“, sagst du zu ihm und er neigt höflich seinen Kopf.

„Dann gibt es also andere wie dich?“, fragt Loki dich.

„Andere Leute mit Kräften, ja“, offenbarst du und verdrehst dann die Augen. „Ich habe doch gesagt, dass wir eine Spezies sind, oder?“

Du nimmst einen weiteren Schluck.

 

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Die Zauberin tanzt, während sie lacht und mit ihrem Partner redet, auch wenn sie dich dauernd im Blick behält. Sie braucht einen Augenblick mit dir alleine, das ist alles. Sie ist noch nicht stark genug, ohne Hilfe in deine Gedanken einzudringen.

Sie muss wissen, wo du im Palast wohnst. Muss mit dir sprechen. Sie wartet ungeduldig darauf, dass der Prinz aufsteht und den Tisch verlässt.

Warum geht er nicht weg?

 

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Loki nippt an seinem zweiten Glas, während er dich amüsiert beobachtet.

Du hast schon vier gehabt.

„Du bist betrunken“, bemerkt er, als er dein errötetes Gesicht sieht.

„Bin ich nicht“, beharrst du erneut, während du dich nach vorn auf deine Ellbogen lehnst. „Weißt du, ich habe aber mal dieses Zeug getrunken.“ Du zeigst auf ihn.

„Was war es?“

„Es ist wie ein Elixier. Also diese Leute mit Magie, okay? Auf meinem Planeten. Meine beste Freundin ist mit einem von denen zusammen. Sie machen dieses Getränk. Und es macht einen fröhlich“, versuchst du so gut wie möglich zu erklären.

„Wie, wenn man zu viel Wein trinkt“, sagt Loki und scheucht den Kellner weg, bevor er dir noch ein Glas geben kann.

„Jepp“, erwiderst du, wobei du das ‚p‘ in deinem Wort knallen lässt.

Loki nimmt sich einen Augenblick, um zu überlegen, welche weiteren Informationen er aus dir in deinem betrunkenen Zustand herausbekommen kann. Der Wein der Götter hat die Wände geöffnet, die du um dich herum aufgebaut hast, und er fühlt sich so, als ob er mit einer anderen, fröhlicheren Person redet.

Aber bevor er fragen kann, stehst du auf. „Ich war schon einmal auf solch einer Schickimicki-Party. Und weißt du was? Da habe ich getanzt. Also scheiß drauf. Ich werde tanzen.“

Oh, wie er sich morgen über dich lustig machen wird. Die Aussicht darauf erfreut ihn wirklich. „Ohne einen Partner?“

Du schaust zu ihm rüber und zuckst mit den Schultern. „Ich werde schon jemanden finden.“

Du gehst auf die Tänzer zu, wobei du standfester auf den Beinen bist, als er es erwartet hat.

Das Mädchen sieht es vom anderen Ende des Saales. Sie entschuldigt sich höflich bei ihrem Partner und beginnt auf dich zuzugehen.

Loki bemerkt es nicht. Er beobachtet dich beim Gehen, während seine Gedanken in seinem Kopf Krieg führen. Der Prinz leert sein Glas, wobei er spürt, wie der Alkohol sich durch seinen Körper schlängelt.

Wie du gesagt hast, scheiß drauf.

„Es gibt keinen Grund, einen nichtsahnenden Gentleman zu belästigen“, feixt Loki, während er sich neben dich stellt und deine Taille ergreift.

Die Zauberin führt ihren Gang fort, wobei sie ihre Füße in Richtung des Tisches umleitet, der mit Speisen für die Partygäste beladen ist. Verdammt. Vitran wird nicht erfreut sein. Sie könnte alles verlieren. Sie tut ihr Bestes, ihre Panik runterzuschlucken.

Selbst in deinem betrunkenen Zustand, weichst du etwas von dem Prinzen zurück. „Ich sollte nicht mit dir tanzen“, sagst du.

„Warum nicht?“, fragt er, wobei seine Worte einen gefährlichen Ärger beinhalten.

Du schaust ihn schräg an. „Weil du mich nicht magst. Und du bist gemein.“

„Das bist du auch“, erwidert er barsch.

Du rollst mit den Augen. „Ja, ich weiß. Aber du warst zuerst gemein.“

Er antwortet nicht.

Ich habt beide getanzt, während ihr geredet habt. Er trägt sein königliches Gewand und du ertappst dich dabei, wie du die Muster auf seiner Brust mit deinen Augen verfolgst. „Ihr seid hier alle so extravagant.“

„Was?“, fragt er.

„Alles hat ‚Zeug‘ drauf“, versuchst du zu erklären.

„Ich habe keine Ahnung, was du meinst, aber es ist ein königlicher Palast. Ich weiß nicht, warum du etwas Geringeres erwartet hast.“

Du stößt einen Seufzer aus, während du dich darauf konzentrierst, deine Füße zu bewegen. Du blickst zu Lokis Gesicht auf und auch wenn sich deine Welt etwas neigt, fährst du seine Gesichtszüge mit den Augen nach.

Er hat ein attraktives Gesicht. Das ist dir zuvor nie aufgefallen. Seine Gesichtszüge sind schmal, seine Wangenknochen ausgeprägt, sein Kinn maskulin. Die Nase der Prinzen ist sehr gerade, seine Augen strahlen in einem kräftigen Grün. Da ist Intelligenz in diesen Augen. Wie hast du diese Dinge nie zuvor bemerkt?

Er fängt deinen Blick auf. „Was?“

Du zuckst mit den Schultern. „Ich schau nur.“

Er grinst, sein Ego erfreut. „Und?“, drängt er.

„Und was?“, fragst du mit zusammengezogenen Augenbrauen.

Das Lied ist vorbei. Es war das letzte von dieser Veranstaltung. Loki weiß das, weil er derjenige war, der es ausgesucht hat.

Sobald deine Füße stillstehen, überkommt dich ein Schwindelgefühl und lehnst deinen Kopf nach vorne, wobei du deine Wange gegen die kunstvollen Muster auf der Brust des Prinzen drückst.

Loki vernimmt, wie seine Mutter allen fürs Kommen dankt. Er hört, wie Odin dasselbe tut, wobei er eine höfliche Rede an die Gäste hält. Er hört diese Dinge, aber nimmt nichts davon auf.

Der Wein verdreht den Hass, den er für dich empfindet, zu etwas anderem. Er versucht die dunklen Emotionen zurückzurufen, aber kann sie in diesem Moment nicht finden. Seine Hände stoßen dich nicht weg, sondern halten dich. Dein Körper lehnt an seinem, nicht angespannt und starr, wie du es sonst immer bist, sondern weich. Er will dich loslassen, zusammen mit sämtlichen Gedanken an dich.

Aber er kann nicht.

Es ist der Wein, beschließt er. Der Wein und das Kleid.

 

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Sigrid holt dich ab und seine gierigen Hände wollen dich nicht freigeben. Er tut es aber letztendlich und jetzt liegt er alleine im Bett. Er ist sich sicher, dass er dich morgen hassen kann, sobald alles wieder normal ist. Er wird vielleicht gar nicht bei dir vorbeischauen, überlegt er sich, während er sich auf seinen Kissen niederlässt.

Du bist schließlich nichts als eine Mörderin. Und er ist ein Prinz. Er redet sich ein, dass alle absurden Gefühle oder Bedürfnisse, die er heute Nacht hatte, lediglich körperlich waren. Das Kleid und nichts weiter.

 

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Du kicherst genauso viel wie Sigrid, als ihr zu deinen Gemächern zurückgeht. „Siggy, ich bin froh, dass du mich überredet hast zu gehen.“

„Es hat Spaß gemacht“, bekundet Sigrid. „Auch wenn ich nicht glauben kann, dass du mit dem Prinzen getanzt hast.“

Du hörst ihren tadelnden Ton und runzelst die Stirn. „Ich habe nicht getanzt.“

„Doch hast du“, teilt sie dir mit, während sie die Augen verdreht. „Oh, du wirst mir morgen nicht glauben, oder?“

„Ich bin müde“, schmollst du.

„Wir sind fast da.“

Sigrid hilft dir aus dem Kleid raus, macht deine Haare auf und du ziehst dich für die Nacht an. Als sie versucht zu gehen, umarmst du sie und dankst ihr dafür, dass sie so nett zu dir ist.

Es ist das erste Mal, dass du sie umarmst, und das lässt sie lächeln. Sobald sie gegangen ist, kriechst du unter die Decke. Du grinst dümmlich in die Dunkelheit hinein, während du zusammengerollt auf der Seite liegst.

Das Lächeln verblasst, als Gedanken langsam anfangen dich zu plagen. Jetzt da du alleine bist, bringt der Götterwein Leiden ans Tagelicht, die du lange vergessen hast. Blut und Schrecken tanzen vor deinen Augen, der Klang brechender Knochen ist in deinen Ohren.

Du hörst Willows Geliebten in deinem Kopf und seine Stimme hallt in deinen Gedanken, so wie sie es tat, als er dir ein Glas mit dem Elixier der Fröhlichkeit gereicht hat.

Zu jedem Hoch, gibt es ein Tief.

Du fängst an das Ordinat laut zu verfluchen, bis die Tränen über dein Gesicht und in deine Haare fließen. Du schluchzt in dein Kissen, während du an deine Schwäche denkst, an dein Versagen, an dich selbst.

Und als du dann endlich einschläfst, sind deine Gedanken still in deinen Träumen.

Chapter Text

Die Allmutter und der Allvater sitzen zusammen im Arbeitszimmer. Königin Frigga pustet auf die Schriftrolle vor ihr, um die Tinte zu trocknen, der Text in eleganter Schönschrift. Odin studiert verschiedene Karten und Nachrichten von seinen Kundschaftern, wobei er die Worte mit den Lippen formt, während er liest.

Er kann sich nicht konzentrieren…irgendetwas beschäftigt ihn und Frigga kann es sehen. Sie lehnt sich nach vorne und winkt mit ihrer Hand der Kerze zu, die auf dem Tisch zwischen ihnen steht, und eine Flamme erwacht am Dolch zum Leben.

Sie hat keine Bedenken, auf ihn zu warten. Sie liebt ihren Mann innig und ist immer eine bereitwillige Vertraute, aber sie erlaubt ihm in seinem eigenen Tempo auf sie zuzukommen.

Als sie sich bewegt, blickt Odin auf zu seiner Frau. Er sieht Fragen in ihren grauen Augen und seufzt, als er seine Karten beiseitelegt. „Ich bin besorgt.“

„Was ist der Grund für diese Besorgnis?“, fragt Frigga, während sie kurz vom ihm wegsieht, um zu sehen, ob die Tinte über ihr Blatt gelaufen ist.

„Loki hat bei der Feier letzte Nacht mit dem fremden Mädchen getanzt.“

Frigga hält inne, bevor sie sich umdreht, um den König zu mustern. Sie ist sich dieser Tatsache mehr als bewusst. „Seit wann interessiert es dich, wen unsere Söhne auf die Tanzfläche begleiten?“

„Es interessiert mich“, erklärt Odin ihr, wobei sein eines blaues Auge sich schmälert, „weil die beiden gefährlich sind. Wenn man bedenkt, was er ist, und ihre Fähigkeiten -“

Die Königin schneidet ihm das Wort ab. „Was er ist, ist unser Sohn.“

Odin seufzt. Er weiß, dass Gespräche über dieses Thema seine Gattin verärgern. Sie liebt Odins beide Söhne über alles und denkt, dass er zu streng ist. Aber Odin ist König und muss die Sicherheit von seinem Königreich über seine persönlichen Zuneigungen stellen.

„Das mag wohl stimmen, aber Dunkelheit spürt Dunkelheit auf“, meint Odin ernst. „Du kannst nicht behaupten, dass du es nicht siehst.“

Königin Frigga hat es gesehen. Sie ist wachsam. Aber sie ist die Königin der Hoffnung und sie glaubt an ihren Sohn. „Es haust keine wahre Dunkelheit in unseren Hallen, Gatte“, erwidert sie. „Außerdem war es nur ein Tanz. Ein einzelner Tanz ist nichts, worüber du dir den Kopf zerbrechen solltest. Ich bin mir sicher, dass du andere, viel wichtigere Angelegenheiten hast, um die du dich kümmern musst.“

Odin seufzt erneut und Frigga sieht die angespannte Besorgnis in seinem Gesicht. Sie berührt seinen Arm und er legt seine Hand auf ihre. „Hab Vertrauen, mein Geliebter“, sagt sie zu ihm.

Er kann nicht anders, als das Lächeln, das sie ihm schenkt, zu erwidern, aber seine Sorgen sind nicht beruhigt. Der Allvater beabsichtigt, dich im Auge zu behalten.

Und seinen Sohn.

 

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„War sie wirklich der Blutige Krieger?“, fragt eines der Mädchen, während sie sich über den Tisch lehnt.

„Wirklich“, beharrt Frey, während sie grazil ihre Tasse absetzt und sie finster anstarrt. „Alva hat sie zuerst erkannt.“

„Ihr habt sie vorher schon mal gesehen?“, fragt eine der anderen Damen, die Alva jetzt ehrfurchtsvoll beäugt.

„Oh, nein“, meint Alva, wobei sie einen kleinen Schluck von ihrem Tee nimmt. „Ich habe allerdings eine Beschreibung von ihr gehört. Es war schwer, sie in einem Kleid zu erkennen.“

„Also, erzählt schon! Konntet ihr ihre Narben sehen? Hat sie irgendjemanden bedroht?“, fragt ein anderes Mädchen mit einem gespannten Gesichtsausdruck.

„Das einzige, was sie bedroht hat, war mein Abend“, murmelt Frey wütend. „Und ihre Narben? Grässlich. Ich war überrascht, dass sie überhaupt aufgetaucht ist. Es ist ja nicht so, als ob sie irgendjemand dort gewollt hätte.“

„Ich war schockiert, als ihr zwei uns erzählt habt, dass die Fremde aufgetaucht ist“, sagt die erste Dame laut. „Ich nahm an, dass man sie einladen würde, aber ich hätte nicht gedacht, dass sie es für klug hält, hinzugehen.“

„Ich bezweifle, dass sie überhaupt viel denkt“, spottet Frey. „Stumpfsinnige Frauen, die nichts aus ihrem Leben machen können, sind diejenigen, die sich dem Kämpfen zuwenden.“

„Sie schien sich aber gut zu amüsieren“, sagt Alva, während sie Frey einen verständnisvollen Blick zuwirft. „Vielleicht wollte sie nur ihre Genesung feiern.“

„Wenn es nach mir ginge“, flüstert Frey leise, so dass sich alle der anwesenden Frauen vorlehnen müssen, um sie zu hören, „würde ich sie zurück ins Krankenbett schicken.“

 

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Als du aufwachst, bist du wieder der gefühlskalte Krieger. Sigrid versteht die Veränderung nicht, weiß nicht, dass dein altes Ich wieder zum Vorschein kommt, aber das bist nicht du. Sigrid erinnert sich, wieso sie Angst vor dir hatte, und kann die steife, emotionslose Art sehen, wie du aus dem Fenster auf die Trainingsgelände starrst.

Damit sich Sigrid wegen dir nicht unbehaglich fühlt, gibst du ihr den Tag frei. Sie spürt die Kälte, die von dir ausgeht, als du ihr das mitteilst, und sie fragt sich, wo die Version von dir ist, die sie letzte Nacht umarmt hat. Sie streitet nicht einmal mit dir über die Anweisung und überlässt dich sofort dir selbst.

Du verbringst den ganzen Tag mit nichts anderem, als deine Fähigkeiten zu testen und deine Muskeln zu trainieren. Du pausierst nicht, um zu essen oder dich auszuruhen. Du verlierst dich einfach in Routinen, während du in Gedanken die Anzahl der Liegestütze zählst, die du machen kannst, bevor du zusammenbrichst.

Nicht genug. Nichts davon ist genug. Du fühlst die Schwäche in deinen Gliedern und in deinem Innersten und egal was du auch machst, du kannst sie nicht verdrängen. Du trainierst auch deine Fähigkeiten und Kräfte und trotz all der Übelkeit, erlaubst du dir nicht dich zu übergeben.

Aber so entschlossen du auch bist, du kannst nicht deine Dunkelheit kontrollieren. Du kannst deine plumpen Waffen daraus erschaffen, ja, aber sie fließt nicht um dich herum, eignet sich nicht so, wie sie es einst tat.

Sie spürt deine Schwäche. Die Dunkelheit ist bei solchen Sachen unerbittlich. Das ist zumindest, was du denkst.

 

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Sigrid hat sich auf den Weg gemacht, etwas von ihrem Gehalt für ein Armband auszugeben, jetzt da sie in ihrer neuen Position mehr Münzen verdient. Sie hört das Gerede auf den Straßen des Marktplatzes, während sie geht, wobei viele die Palastveranstaltung nacherzählen. Es erfüllt sie mit Stolz, als sie realisiert, dass sie ein Teil dieser Veranstaltung gewesen ist.

Sigrid konnte mit ein paar ihrer alten Bekannten plaudern, die überglücklich gewesen sind, sie aus dem Waschraum heraus zu sehen. Sie ruft sich ins Gedächtnis, wie sie mit Asmund über die Tanzfläche gewirbelt ist, und spürt, wie ihr Gesicht rot wird, auch wenn niemand in ihrer Nähe ist.

Sie ist schon seit Jahren in den jungen Mann vernarrt, wenngleich er es nie bemerkt hat. Asmund ist der Grund, warum Sigrid Magie liebt. Sein Vater ist so was wie ein Zauberer – nicht angesehen genug, um ein Teil von Lokis Gilde zu sein, aber ein anständiger Magienutzer. Sein Sohn hat diese magische Fähigkeit geerbt und tut sein Bestes, sie zu verbessern, wenn er nicht gerade die Tische Asgards abräumt. Vom ersten Moment, als sie sich in den Küchen begegnet sind, war er nett zu Sigrid und sie sind Freunde geblieben, auch wenn sie ihn nicht mehr gesehen hat, seit sie ihre Stelle gewechselt hat.

Als sie sich erneut getroffen haben, haben die beiden Geschichten ausgetauscht und Asmund ist völlig begeistert gewesen, von Sigrids neuentdeckter magischer Fähigkeit zu hören. Und obwohl er nicht viel Zeit hatte, hat er sich ein paar Momente genommen, um sie um einen Tanz zu bitten (wobei er riskiert hat harsch ausgeschimpft zu werden), und dafür war sie dankbar.

Das Mädchen denkt daran zurück, warum sie überhaupt der Feier beiwohnen konnte, und ihre Gedanken wandern zu dir. Sie macht sich Sorgen um dich, macht sich Gedanken über die Kälte in deiner Stimme an diesem Morgen. Sigrid hat nicht erwartet dich so gern zu haben und ist sich nicht sicher, wann das passiert ist. Allerdings ist sie schon seit Wochen dein persönlicher Die- Helfer und du bist nie wirklich unfreundlich gewesen. Hel, selbst in deiner seltsamen Stimmung hast du ihr den Tag frei gegeben!

Sigrid hat einen der vielen Schmuckhändler auf dem Marktplatz erreicht und beginnt sich seine Waren anzusehen. Während sie schaut, gehen zwei Personen an ihr vorbei und sie schnappt die Worte „Blutiger Krieger“ auf. Sig blickt auf, während sie sich beunruhigt auf die Lippe beißt. Sie sprechen über dich.

Nichts davon ist nett.

 

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In seiner Freizeit beschäftigt Loki seine Gedanken mit seinen Lieblingshobbys. Er liest, wobei er sich in den Seiten von „Das Zeitalter von Arcana“ verliert. Er besucht die Zauberer, die unter seiner Anleitung stehen, um sicherzustellen, dass ihr Training so voranschreitet, wie es sollte. Er speist mit seiner Familie, wobei er sich über seinen Bruder lustig macht und seinen Vater aufregt. Und er trainiert verschiedene Aspekte seiner eigenen Magie, immer eifrig seine Macht zu erweitern.

Er denkt überhaupt nicht an dich und ist aufgrund dieser Tatsache gewiss selbstzufrieden. Es ist an der Zeit, sich mit dir zu treffen, und er erwägt nicht hinzugehen. Er weiß nicht, warum er sich die Mühe macht, dir zu helfen. Du bist unter ihm, du bedeutest ihm nichts, also warum geht er? Warum sollte er gehen?

Er denkt die ganze Zeit darüber nach, während er die Flure zu deiner Tür entlanggeht. Er kann von innen Bewegung hören und klopft träge gegen das Holz.

„Komm rein“, hörst er dich sagen.

Als er reingeht, bist du auf dem Boden und machst Sit-ups. Du beendest dein Set und stehst dann auf. „Du bist spät dran.“

„Ich muss überhaupt nicht kommen“, kontert er mit einem Augenrollen. „Du solltest froh sein, dass ich entschieden habe dich mit meiner Anwesenheit zu beehren.“

„Schluss mit dem Scheiß“, sagst du barsch, während du dein Schwert herbeirufst.

Er beobachtet mit makaber Neugier, wie du seine Illusionen bekämpft. Wo ist dein Feuer geblieben? Er hat Andeutungen von diesem Teil von dir schon zuvor gesehen, aber nie so wie das. Er spürt nur kalte, wütende Entschlossenheit in all deinen Bewegungen, als ob da nichts ist als…

Das ist der Killer. Das ist, wer du bist. Deine spitzen Bemerkungen und dein stürmischer Ärger waren einst ein Teil von dir, auch wenn Loki glaubt, dass dies alte, vergessene Eigenschaften sind. Der Prinz ist sich nicht sicher, was er nach letzter Nacht erwartet hat, aber ist sich todsicher, dass es nicht das war. Er fragt sich, was diese Veränderung verbeigeführt hat, und beschließt, dass er ruhig unverblümt sein kann.

„Irgendwas stimmt mit dir heute nicht“, teilt er dir mit, als du endlich einen Treffer gegen eine seiner Illusionen erzielst. „Ich wünsche zu wissen, was es ist.“

„Was?“, fragst du. Deine Augen suchen bereits nach dem nächsten Ziel und als keins auftaucht, drehst du dich zu ihm um. „Ich habe keine Zeit für das.“

„Doch hast du, weil ich es so sage“, meint Loki, wobei er seine Arme verschränkt. „Beantworte meine Frage, Mädchen, oder muss ich mich wiederholen?“

Gestern hättest du die Augen verdreht oder ihm einen stählernen Blick zugeworfen. Heute sagst du: „Nichts stimmt nicht mit mir.“

„Du lügst. Ist etwas vorgefallen?“

Du hast genug von ihm. Du hast nicht die Zeit für das. Du solltest trainieren, nicht deine Nacht mit Reden verschwenden. Du hebst die Hand und ziehst den Ausschnitt von deinem asgardischen Hemd zur Seite, wobei du den Stoff dehnst. Dadurch bringst du eine der alten Stichwunden zum Vorschein, die du bei dem Kampf erhalten hast, der dich beinahe umgebracht hat, der Kampf, in dem Elaine gestorben ist.

Das ist, was passiert ist“, teilst du ihm eisig mit. „Ich kann nicht zulassen, dass ich in meine alten Gewohnheiten zurückfalle.“

Er betrachtet die blasse Narbe genau. Er hat sie bereits gesehen und weiß, dass du an drei anderen Körperstellen übereinstimmende Narben hast, nicht eingerechnet deine neueren Wunden. „Wie lange ist das her?“

„Fast vier Jahre.“

Er sieht dich an, während er höhnisch sagt: „Und doch bist du ‚in alte Gewohnheiten zurückgefallen‘.“

„Ich habe nicht klar gedacht“, erwiderst du, während du dein Hemd loslässt. „Ich kann jetzt nicht draufgehen. Nicht wenn ich so nah dran bin.“

„Denkst du nicht, dass es sich lohnt, diese Schlacht so zu kämpfen, wie du warst? Bist du dieser Kälte nicht überdrüssig?“

Du verstehst seine Frage nicht. „Was meinst du?“

„Vier Jahre lang hast du dich von deinen Feinden deiner Persönlichkeit berauben lassen“, entgegnet er mit einem teilnahmslosen Gesichtsausdruck. „Du wünscht sie zu zerstören und doch würde dieses gefühlskalte Wesen, das ich vor mir sehe, sich nicht daran erfreuen.“

„Doch würde ich“, sagst du.

Er sieht, wie der Killer etwas nachgibt.

„Lügner“, nennt Loki dich.

Er ermüdet dich. Du willst nicht denken. Du willst nur trainieren. „Warum ist das von Bedeutung?“

Weil er dich zurück will. Er weiß einen kalten Killer zu schätzen, ja, aber das ist nicht das ‚du‘, das er gewohnt ist. Er sagt nichts davon, lässt nicht einmal zu, dass sich die Gedanken vollständig in seinem Kopf formen. Er weist dich mit einer Handbewegung ab, wobei sein Gesichtsausdruck so hart ist wie deiner. „Das ist es wohl nicht.“

Genau in diesem Moment kommt Sig zurück, die ihren ganzen Tag draußen verbracht hat. Sie klopft, aber da du ihr gesagt hast, dass sie reinkommen kann wann immer sie will, wartet sie nicht auf deine Erlaubnis, um einzutreten. Das Mädchen strahlt, wobei sie hofft, dass du wieder normal bist.

Als sie Loki sieht, verbeugt sie sich sofort, wenngleich sich ihre Angst vor ihm erheblich verringert hat. „Wie kommt das Training voran?“

„Es ist vorbei“, gibt Loki kalt an.

„Oh, gut!“, meint Sigrid, wobei sie in die Tasche ihres Kleides greift, während sie auf dich zugeht, „Hier.“

„Was?“, fragst du verwirrt, als du automatisch das annimmst, was dir gereicht wird.

Es ist ein silbernes Armband, dessen Metallglieder so verknüpft sind, dass sie verschränkte Knoten bilden.

„Also, ich habe es an meinem freien Tag auf dem Marktplatz gesehen. Ich habe mir gedacht, dass es dich besser fühlen lässt. Du schienst heute verstimmt zu sein.“

Sigrid beäugt dich besorgt und ist nervös, dass du es nicht magst. Du starrst ihr Geschenk an, wobei sich dein Gesichtsausdruck langsam verändert.

„Sigrid, nein, das kann ich nicht annehmen“, teilst du ihr mit, wobei du einen Kloß im Hals hast. „Du hättest dein Geld für dich selbst ausgeben sollen.“

„Das wollte ich nicht. Diener tragen sowieso nicht viel Schmuck“, sagt sie.

Loki beobachtet, wie der Killer fast zerbricht und vertrauten Ausdrücken Platz macht. „Sig, nein, das ist zu viel.“

Der Prinz spottet. „Das kleine Schmuckstück ist nichts.“

Als du wütend zu ihm herüberschaust, weiß er, dass das Dienstmädchen dich zurückgebracht hat.

„Hier, ich werde es für dich hier lassen“, sagt Sigrid, wobei ihr Gesicht aufgrund von Lokis Bemerkung rot ist.

Sie nimmt das Armband aus deinen lockeren Griff und legt es auf den Schminktisch zu deinen anderen Habseligkeiten. Es hebt sich auffällig von den Objekten ab, die es umgeben, und lässt diese in Lokis Augen noch wertloser wirken.

„Danke, Siggy“, flüsterst du mit klopfendem Herzen.

„Wie ermüdend“, bekundet Loki mit einem Augenrollen, „Ich langweile mich.“

Du wirfst ihm einen Blick zu und dann, bevor du es verhindern kannst, erscheint ein Grinsen in deinem Gesicht. „Du bist nur eifersüchtig, dass dir niemand etwas geschenkt hat.“

Sigrid kichert hinter vorgehaltener Hand und vertreibt so fürs Erste wahrlich den Killer, auch wenn Loki jetzt weiß, dass er ein allgegenwärtiger Teil von dir ist. Er hat ihn zum ersten Mal gesehen, als du in deinem Krankenbett geschlafen hast, und er realisiert, dass du ihn nie loswerden wirst.

Aber irgendwie hat Asgard dir dein altes Ich zurückgegeben. Nicht deine Unschuld, nicht deine sorglose Wildheit, aber gleichwohl einen Schatten deiner selbst.

Der Prinz der Lügen gesteht sich nicht ein, dass er froh ist.

 

---

 

Es ist schon eine Weile her, seit ich von dir gehört habe.

 

Hallo?

 

Noch am Leben?

 

Bitte antworte mir.

 

***

 

Es geht mir gut, Will. Sorry, ich war beschäftigt.

 

***

 

Übst du immer noch mit dem ‚Bastard Prinz‘, wie du ihn nennst?

 

***

 

Ugh. Ja. Ja das tu ich.

Chapter Text

Thor schaut seinen Bruder fragend an. „Was willst du damit andeuten?“

Lokis spitze Bemerkung ist fehlgeschlagen. Er hatte vor den älteren Prinzen wegen seiner Zuneigung zu Sif aufzuziehen. Allerdings war ihm nicht bewusst, dass Thor die Absichten der Frau nicht erkannt hat.

Er verdreht die Augen und schnaubt. „Also wirklich, wenn du noch dümmer wärst, ich schwöre dann würdest du vergessen, wie man atmet. Ich spreche von dir und Sif.“

„Sif sieht in mir einen Bruder“, sagt Thor.

Loki starrt ihn an und schüttelt dann seinem Kopf. „Natürlich. Wie dumm von mir, zu denken, dass du in der Lage wärst, sie als eine Frau anstelle der Leder zu sehen.“

„Sie ist ziemlich hübsch“, sinniert Thor, während er seinen Krug Ale beiseitestellt. „Wirklich talentiert mit dem Schwert. Du denkst, dass sie ein Auge auf mich geworfen hat?“

„Ich habe keine Ahnung, warum sie sich für einen Eber interessieren würde“, erwidert Loki. „Außer sie hat eine Vorliebe für einige ziemlich widerliche sexuelle Triebe.“

Thor schnaubt, hin- und hergerissen zwischen lachen und beleidigt sein. „Und ich muss noch herausfinden, warum irgendjemand an…an einer Schlange interessiert sein würde.“

Loki schürzt die Lippen und lächelt fast. „Netter Versuch, Bruder. Denk nächstes Mal länger nach und vielleicht findest du irgendwann eine Erwiderung, die verletzend ist.“

 

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Du trägst das Armband, das Sig dir geschenkt hat, jeden Tag. Du hast schon lange keinen Schmuck mehr getragen und es fühlt sich seltsam an deinem Handgelenk an. Aber Siggy hat viel Geld dafür ausgegeben und du wirst nicht zulassen, dass es eine Verschwendung war.

Sie hat sich daran erinnert, dass ich Silber mag.

Du trainierst dennoch, aber arbeitest daran, nicht wieder in die Routinen zu verfallen, die dein Verstand so bevorzugt. Du machst es für Sig. Du weißt nicht warum. Du nimmst an, dass es daran liegt, dass sie die einzige Person in diesem Palast ist, die ansatzweise so etwas wie eine Freundin ist. Du verbringst deine Tage mit ihr, unternimmst draußen Ausflüge mit ihr, lässt dir von ihr den Marktplatz zeigen.

Diese alltäglichen Tätigkeiten machen sie glücklich, also lässt du sie zu.

Jeden Abend wirst du besser und stärker, als du gegen Lokis Illusionen kämpfst. Dein Schwert ist beinahe wieder dein eigenes und deine Reflexe werden schneller. Du kannst immer noch nicht genug von deiner Energie nutzen, um dich in die Luft zu erheben, und deine Dunkelheit sitzt weiterhin ungenutzt in dir. Aber deine Flammen kommen jetzt ohne Mühe und das Drücken und Ziehen deiner Energie kann Objekte schnell zu deinen Fingerspitzen fliegen lassen.

Die Dinge scheinen gut zu laufen.

 

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„Letzte Nacht war eine Fremde bei unseren Kasernen“, teilt Odin seinem Rat mit, während er vor dem Tisch auf- und abgeht. „Zwei Männer haben berichtet, dass sie eine Frau gesehen haben. Ihr Gesicht war verdeckt und sie hat sich nach der Ausländerin erkundigt. Sie hat angenommen, dass das Mädchen in den Kasernen wohnt.“

„Der Blutige Krieger?“, fragt einer der Männer.

„Vielleicht ist das die Antwort des Ordinats. Laut ihrem Brief gehört das Mädchen zu ihnen“, bringt ein anderer vor.

„Vielleicht tut sie das“, sagt der erste mit einem Schulterzucken. „Haben wir irgendeinen Beweis, dass sie es nicht tut? Vielleicht ist sie selbst ein Spion und flüstert den Barbaren Dinge zu.“

Odin hält inne und wendet sich den Männern zu.

„Udom, was veranlasst dich das zu sagen?“

„Das Mädchen taucht auf, gleich nachdem der Anführer des Ordinats versucht ein Abkommen mit Euch zu treffen, Majestät“, antwortet er und lässt seinen Gedanken schnell freien Lauf, während er die Aufmerksamkeit des Königs hat. „Das nenne ich beunruhigend. Wir haben von dem Ordinat gehört, aber nichts von der Gruppe gesehen, bis sie aufgetaucht ist.“

Odin fängt wieder an auf- und abzugehen. Der Gedanke, einen Spion in seinem Haus aufzunehmen, ist mehr als beunruhigend.

„Darf ich etwas anmerken, my Lord?“

„Colborn“, nickt Odin.

„Wenn ich mich recht entsinne, hat Euer Sohn das Mädchen hergebracht. Er behauptet, dass sie sowohl Barbaren als auch Ordinatsmitglieder abgeschlachtet hat.“

Odin nickt, als er sich daran erinnert. „Ich bin das Feld abgegangen. Wir haben die Uniformen des Ordinats nicht erkannt.“

„Also wie können wir wissen, ob sie vom Ordinat waren?“, sagt Udom schnell. „Sollen wir den Worten dieser Ausländerin trauen?“

„Kundschafter haben die Uniformen bestätigt“, kontert Colborn. „Euer Misstrauen ist unbegründet.“

„Und Ihr traut der Fremden?“, fragt ein anderes Ratsmitglied.

„Es sind noch keine Angriffe gestartet worden, aber das wird sicher noch kommen. Ist es das wirklich wert, das Mädchen hierzubehalten?“, fragt Udom.

„Wenn sie benutzt werden kann“, sagt ein Mitglied.

Diese Bemerkung hallt in Odins eigenen Gedanken wieder. Sein Blick wendet sich dem Mann zu. „Egil.“

Egil schaut zu dem König auf. „Wenn wir ein Druckmittel gegen sie finden können, könnte sie eine mächtige Waffe sein. Wenn sie sich an ihr Wort hält, wird sie die Barbaren abschlachten. Warum sollten wir sie da aufhören lassen?“

 

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„Sigrid!“

Sig lässt beinahe die Wäsche fallen, die sie gerade hält. „Asmund!“

Das Grinsen, das er ihr schenkt, ist absolut bezaubernd. Der Junge ist voller fröhlicher Energie, mit seinem hellbraunen Haar und blauen Augen und den wenigen Sommersprossen auf seiner Nase.

„Sorry, ich sah dich vorbeigehen! Ich wollte dir sagen, dass ich es sehr genossen habe, mit dir zu tanzen. Hilde hat mich nicht erwischt, also keine Sorge. Ich habe den Tanz wirklich genossen… Das wollte ich die sagen!“

„Das hast du schon gesagt“, neckt Sigrid, wobei sie hinter vorgehaltener Hand kichert.

„Oh, habe ich das?“, antwortet Asmund, während er seine Hände in seine Taschen steckt. „Entschuldigung. Oh! Ich habe dir etwas mitgebracht.“ Er tut so, als ob er seine Taschen durchsucht und schaut sogar unter seinen Armen nach. Er schaut sie mit vorgetäuschter Trübsal an. „Nein! Es scheint, als ob ich vergessen habe -“

Mit einer schnellen Bewegung hebt er seinen Arm und lässt sein Handgelenk nach vorne schnellen. In einem Wirbel funkelnder goldener Magie erscheint eine bezaubernde weiße Blume, deren Stiel er zwischen den Fingern hält. Er strahlt sie an. „Nur ein Scherz! Bitte schön!“

Sigrid hebt die Hände zum Gesicht und errötet heftig, als sie diese annimmt. „Eine Calla-Lilie! Du hast dich daran erinnert!“

„Alle Damen verdienen Blumen“, teilt Asmund ihr mit, während er sich auf die Kante der Theke der Waschküche setzt. „Vor allem eine, die es liebt, über sie zu reden!“

„Wo ist dieser Junge?! Asmund!“

Asmunds blaue Augen weiten sich und er hüpft schnell von der Theke auf den Boden. „Ich hoffe, dass wir bald etwas Zeit zusammen verbringen können. Ich vermisse dich, meine Freundin! Das tun wir alle.“

„Ich-Ich vermisse dich auch!“, erwidert Sigrid und fängt sich dann. „Ich vermisse euch alle!“

Er schenkt ihr ein letztes Grinsen und winkt ihr zu und stürmt dann zurück zur Arbeit, bevor Hilde ihn finden kann. Sigrid hält die wunderschöne Blume vorsichtig, wobei sie sich wünscht, dass diese für immer so bleiben könnte. Sie hätte ihn bitten sollen sie zu verzaubern, sodass sie nicht verwelken und sterben würde.

Aber nein! Das kann sie nicht machen! Dann könnte er denken, dass sie…

Sigrid seufzt, die Blume in der einen Hand und die Wäsche gehäuft auf ihrem anderen Arm. Sie liebt Blumen. Das hat sie schon immer und ihr gefällt die Symbolik hinter ihnen.

Sie fragt sich, ob Asmund weiß, dass die Calla-Lilie, die er ihr gegeben hat, Schönheit repräsentiert.

 

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Du bist endlich in der Lage, Lokis Illusionen zu schlagen.

„Gib mir drei“, sagst du zu ihm und er kommt der Bitte nach.

Du weichst den beiden aus, die auf dich zukommen, und steuerst auf den dritten, den Bogenschützen, zu. Er nimmt einen Dolch in die Hand und holt damit aus, um zuzustoßen. Du gleitest an ihm vorbei, während du den Angriffen der anderen beiden hinter dir ausweichst, und zerschneidest ihn in der Mitte.

Du läufst um die Illusion herum, als sie sich auflöst, und weichst einem Angriff des Mädchens mit dem Speer aus. Verglichen mit der letzten Illusion, dem Mann mit dem Schwert, hat sie die größere Reichweite, also kümmerst du dich um sie zuerst. Du blockst einen Hieb von dem Schwertkämpfer und rollst dich zur Seite, wobei du durch die Beine der Frau schneidest.

Du keuchst, als du aufstehst, die Übungen fangen an dich zu ermatten. Du ignorierst deine Schwäche und wehrst den Schwertkämpfer ab. Du siehst, wie er seine Waffe hält, und beschließt auf sein Handgelenk zu zielen. Er erwartet es nicht und wenn er ein echter Mann gewesen wäre, hätte dein Schlag seine Schwerthand von seinem Körper abgetrennt.

„Sieh dich an“, bekundet Loki mit einem Anflug von Anerkennung in seiner Stimme. „Es scheint, als ob du beinahe für einen echten Mann bereit bist.“

„Ich bin bereit“, knurrst du, während du deine freie Hand zur Faust ballst und dann wieder entspannst. „Erneut. Mehr. Und mach sie bitte besser. Du schonst mich.“

„Wie du wünschst.“

Er beobachtet, wie du die Illusionen erledigst, wie du dir deinen Weg durch sie schneidest und nicht einmal innehältst, um zu sehen, wie sie sich auflösen. Du musst dich jetzt mehr anstrengen, da er listigere und besser trainierte Wesen erschaffen hat, um gegen dich zu kämpfen. Trotzdem streifen ihre Klingen kaum deine Haut und wenn sie es tun, wären die Wunden nicht tödlich gewesen.

Du bist wirklich fast bereit.

„Erneut“, sagst du zu ihm, während du nach Luft schnappst.

„Mach eine kurze Pause, Mörderin.“

„Es gibt keine ‚Pausen‘ im Krieg“, entgegnest du mit einem Augenrollen und schüttelst deine schmerzenden Arme aus. „Erneut.“

Er schaut dich mit schmalen Augen an. „Noch irgendwelche anderen Wünsche?“

Du blickst ihm in die Augen, als du sagst: „Mach es persönlich.“

Er muss keine Sekunde lang nachdenken, um zu verstehen, was du willst. Er schnipst mit den Fingern und plötzlich stehen Ordinat-Krieger vor dir.

Loki hat sie noch nie kämpfen gesehen, aber er kennt ihre Uniformen von den Leichen, die auf dem Feld zurückgeblieben sind, wo du angekommen bist. Er hat auch die Wunden gesehen, die sie dir zugefügt haben, also gibt er diesen Illusionen passende Waffen.

Du fauchst die Personen vor dir an und obwohl dein Schwert schwer in deiner Hand liegt, zwingst du dich in deine Kampfstellung.

 

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Königin Frigga sucht nach Loki. Einer ihrer gelehrteren Diener hat ihr ein Zauberbuch besorgt, von dem sie weiß, dass ihr Sohn es haben will. Als sie seine Gemächer leer vorfindet, vermutet sie, dass er seinen Abend mit dir verbringt.

Frigga zuckt mit den Schultern und beschließt, dass das Buch warten kann, bis sie ihn wiedersieht. Auf dem Weg zu ihren Gemächern schleicht sich allerdings eine gewisse Neugier in ihre Gedanken. Sie ändert ihren Weg und nimmt sich vor den Fortschritt zu überprüfen, den du mit der Hilfe ihres Sohnes gemacht hast.

Bevor sie um die letzte Ecke des Flures geht, kann sie Stimmen hören. Königin Frigga lauscht unter normalen Umständen eigentlich nicht, aber sie ist ziemlich neugierig zu wissen, wo ihr Sohn bei dir steht. Und als Königin hat sie nicht zu befürchten erwischt zu werden.

Frigga fühlt sich wieder wie ein junges Mädchen, als sie heimlich um die Ecke späht.

Loki ist aus deinem Zimmer hinausgegangen und du bist ihm in den Flur gefolgt.

„Weil ich trainieren muss!“

Er verdreht die Augen. „Trainieren? Du verausgabst dich völlig. Warum bestehst du auf ‚erneut‘, ‚erneut‘, ‚erneut‘? Das ist alles, was ich höre!“

„Erneut!“

„Du sagst das, bis du umfällst“, zischt er. „Warum? Warum? Du willst ‚erneut‘? Wie du wünscht!“

Er hält seine Hände hoch und der Flur ist plötzlich mit mehreren Kämpfern des Ordinats gefüllt. Sie umzingeln dich und du gehst sofort auf sie los.

Du übst jede Nacht, bis du kaum noch dein Schwert halten kannst. Es ist, als ob du dich trainierst, um bis zu deinem letzten Atemzug zu kämpfen. Anfangs dachte er, dass es an deinem brennenden Verlangen liegt, zu deinem ehemaligen Selbst zurückzukehren. Jetzt denkt er, dass es etwas anderes ist. Etwas viel Düsteres.

Loki Odinson erkennt, dass du vorhast zu sterben.

Er beobachtet dich wütend, als die Gedanken durch seinen Kopf schießen. Er hört deine Wutschreie, als die Phantomklingen eisige Schnitte auf deinem Körper hinterlassen. Unabhängig davon hältst du deine Schwertspitze weiterhin in der Luft, selbst als du nicht anders kannst, als nach deiner stechenden Seite zu greifen.

Frigga beobachtet, wie du dir langsam einen Weg durch die illusionäre Armee kämpfst. Sie kann nicht anders, als stolz auf dich zu sein – du bist so weit gekommen von dem hilflosen, blutigen Mädchen, das du warst, als sie dir zu Hilfe geeilt ist.

Loki ist sich sicher, dass du kurz vor einem Zusammenbruch stehst. Er kann es fühlen. Du hast dich zu sehr angetrieben und etwas muss nachgeben. Er fragt sich, was es sein wird.

Du hörst nicht auf. Du konzentrierst dich auf einen nach dem anderen, wobei du spürst, wie sich die Kälte um deinen ganzen Körper schnürt. Du stellst dir das Blut vor, dass aus dir sickert, den Schmerz, den es bringen wird.

Aber in deinen Gedanken ist Vitran schon lange tot. Auf ihn gehst du immer zuerst los, was seine Schar von Gefolgsleuten übriglässt, um die du dich kümmern musst. Du weißt, dass die Basis groß ist, die größte, mit der du versuchen wirst es alleine aufzunehmen. Du weißt, dass das Gift, mit dem sie dich erwischt haben, wieder einen Weg in deinen Körper finden wird. Und weil du nichts zu verlieren hast, wirst du dir keine Sorgen um den restlichen Kampf machen.

Das Ordinat, das Loki in seiner Wut erschaffen hat, hätte dich schon längst umgebracht. Er spürt, wie sich seine Muskeln anspannen, als er darauf wartet, dass es passiert. Du näherst dich deiner Belastungsgrenze, wo dein Zorn und deine Verzweiflung dich überwältigen werden. Was wirst du machen, wenn keine illusionären Krieger mehr zum Bekämpfen übrig sind? Wirst du ihn angreifen? Wirst auf deine Knie sinken? Werden Flammen oder Dunkelheit unkontrolliert aus dir hervorbrechen? Denn es gibt immer Konsequenzen, wenn man bricht.

Der letzte fällt. Du stehst ihm gegenüber und er sieht dich sorgsam mit einem spekulativen Blick an. Du bist dir nicht sicher warum. Du starrst zurück, während du dich bemühst zu Atem zu kommen.

Und dann bricht jemand.

Und es bist nicht du.

Frigga beobachtet, wie Loki einen einzelnen, schnellen Schritt nach vorne macht, dich an ihn heranzieht und dich küsst.

Er hätte niemandem seine Gründe für diese Handlung nennen können, es war eben etwas, das einfach getan werden musste. Er küsst dich, so wie er es während deines Fiebertraums hätte tun sollen. Deine Lippen sind noch genauso warm und dein Mund öffnet sich für seine gierige Zunge.

Du hörst, wie dein Schwert auf den Boden fällt, auch wenn du nicht erinnerst, dass du es losgelassen hast. Du fällst aus der Rolle, wobei der Zorn, den du für ihn empfunden hast, zu wütender Leidenschaft wird. Du warst bereits kurzatmig und jetzt ist es noch schwerer zu Atem zu kommen. Er drückt dich zu fest an seinen Körper, seine Finger in deine Seiten gepresst, und du ergreifst das Leder unter deinen Fingern, während du ihn küsst.

Die Königin wendet sich zum Gehen, aber aus dem Augenwinkel sieht sie, wie du dich plötzlich von ihm losreißt, zwei, drei Schritte zurück machst und deinen Kopf schüttelst.

„Nein… nein, nein“, murmelst du, während du zurück in dein Zimmer stolperst und die Tür schließt.

Loki steht erstarrt im Flur, seine Schultern starr und seine Atmung flach. Frigga beobachtet, wie er eine Hand an seinen Kopf legt.

Bevor er die Zeit hat, seine Gedanken oder Emotionen zu sammeln, öffnet sich deine Tür wieder. Du durchquerst den Flur mit wenigen Schritten und legst deine Hände um sein Gesicht, als du seine Lippen auf deine presst.

Du streichst mit deinen Daumen über seine Wangen und dann bewegst du deine Finger, um mit ihnen durch sein Haar zu fahren. Er erwidert den Kuss so hungrig wie zuvor und seine Hände sind sofort auf deiner Taille, um dich an ihn zu ziehen.

Aber erneut bist du weg, bevor er dich völlig in seinem Griff hat, und du weichst zurück. Deine Brust schmerzt aufgrund des Luftmangels und du nimmst schnelle Atemzüge.

Und er starrt dich nur an, wobei er eine Sekunde davon entfernt ist, die Hände auszustrecken und dich zu nehmen, dich zurück in seine Arme zu ziehen.

Und du wendest dich von ihm ab.

Und er sieht, dass deine Hände zittern, als du die Tür hinter dir zumachst.

Und die Königin macht sich heimlich davon, als ob sie nie dagewesen ist.

Und das Streichholz wurde angezündet.

Chapter Text

Du Trottel . Du hast das alles zuvor schon mal gemacht, das ist wie noch einmal mit ihm, blutbeschmierter Bauch, ausgestreckte Hand, tote Augen. Du hast ihn auch gehasst, es ist genau das gleiche und schau, was du davon hast.

Du hast keine Zeit dafür oder hast du das schon vergessen? Du bist so nah dran es geschafft zu haben, diesen Rachefeldzug zu beenden und es wird sicher blutig enden. Das ist eine Ablenkung, das ist gefährlich , das ist nicht in Ordnung.

Vielleicht würde es anders sein, wenn nicht alles so ähnlich wäre.

Tote Augen, tote Augen, tote Augen.

Du vergräbst dein Gesicht in deinen Händen und legst deine Stirn auf deine Knie. Du kannst nicht aufhören deine erste Liebe zu sehen, tot, Bauch aufgerissen und blutend, während er dich direkt anstarrt. Du kannst das nicht nochmal machen.

Du kannst nicht.

 

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Loki geht mit schnellen Schritten in seinen Gemächern auf und ab. Er ist verwirrt und hin- und hergerissen, aber am allermeisten ist er wütend.

Deine Worte hallen in seinen Gedanken wieder, er schmeckt dich immer noch auf seinen Lippen.

Nein… nein, nein.

Nein? Nein. Du hast ‚nein‘ gesagt. Zu ihm. Er ist noch nie zurückgewiesen worden, nicht er, nicht so zumindest, nicht so abrupt, so direkt, nur ein ‚Nein… nein, nein‘.

Warum hast du drei gebraucht? Eins zum zustechen und zwei, um Salz in die Wunden zu streuen? Sein Ärger kommt von dem Gedanken an Zurückweisung, eine Zurückweisung von dir noch dazu. Du stehst unter ihm, du bist nichts und du weist ihn zurück? Einen Prinzen?

So wie es jeder tut. Warum überrascht dich das so sehr? Unerwünschte Dinge werden immer weggeworfen.

Sein Gesicht verzerrt sich vor Wut, während seine Finger unwillkürlich zucken. Seine Habseligkeiten werden alle ein paar Zentimeter zurückgeworfen, bevor er die Magie stoppen kann.

Er lächelt die Sachen, die zerbrochen sind, höhnisch an – die Scherben einer Glasvase sind jetzt über den Boden verteilt. Er ändert den Kurs seiner Schritte, um ihnen auszuweichen.

Die Gedanken verletzen ihn und auch seinen Stolz. Er legt eine Hand an sein Gesicht und verspürt den Schein des Gefühls, wie deine Daumen über seine Wangen streichen.

Aber du bist zurückgekommen. Das ist, was er nicht versteht. Beim zweiten Mal bist du zu ihm gekommen. Hebt das die Zurückweisung auf? Er weiß es nicht. Er verschwendet zu viel Zeit damit, darüber nachzudenken. Und während Loki es liebt, die Zeit anderer zu verschwenden, schätzt er seine eigene.

Er zwingt seine Füße stillzustehen, versucht seine Gedanken zu beruhigen, während er sich auf den Weg ins Bett macht. Versucht sich einzureden, dass es ihm egal ist. Dass du ihm egal bist.

Er schläft nicht. Wenn er seine Augen schließt, bringt das nur Bilder herauf – der Tanz, das Kleid, dein Feuer, deine Lippen. Du wendest dich von ihm ab und schließt deine Tür. Deine zitternden Hände. Warum zittern sie?

Er spannt wütend seinen Kiefer an. Zurückweisung. Ein unangenehmes Wort.

Der Prinz ist an Einsamkeit gewöhnt und jetzt weiß er auch wieder, warum.

 

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Als Sigrid am Morgen an deiner Tür klopft, hört sie keine Antwort. Sie späht hinein, während sie deinen Namen ruft. „Hallo?“

Du bist in deinem Bett und sitzt mit deinem Kopf gegen deine Knie gepresst, dein Gesicht verdeckt. Das Zimmer ist immer noch dunkel – du hast nicht einmal die Vorhänge aufgemacht. Sigrid ist sich nicht sicher, ob du wach bist, aber bevor sie eintreten kann, hört sie dich sprechen.

„Nimm dir den Tag frei, Siggy.“

Du bist leise, deine Stimme beinahe ein Flüstern. Du hast dich noch immer nicht bewegt, hast nicht einmal den Kopf gehoben, um sie anzuschauen. Sie sieht das silberne Armand an deinem Handgelenk funkeln, was ihr zumindest ein bisschen Hoffnung gibt. „Ich… ich brauche keinen freien Tag.“

„Das ist schon in Ordnung. Ich will alleine sein.“

Sig faltet die Hände hinter ihrem Rücken und verbeugt sich. „In Ordnung.“ Sie geht auf die Tür zu und zögert dann, bevor sie sie schließt. „Bitte…, wenn du irgendetwas brauchst…“

„Ich weiß.“

 

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Frigga beobachtet ihren Sohn beim Mittagessen. Er liest, während er isst (oder vielmehr in seinem Essen herumstochert), wobei seine Augen um einiges langsamer über die Seiten gleiten als sonst. Er hat sich freundlich bei ihr für das Buch bedankt und es sofort aufgeschlagen.

Thor hört nicht auf zu reden, nichtsahnend, dass etwas nicht in Ordnung ist.

„Ich würde sagen, dass die Leute mit diesem langen Frieden äußerst zufrieden sind“, merkt er an, nachdem er einen Bissen hinuntergeschluckt hat. „Selbst die Königreiche im Osten und Süden haben seit kurzem unsere Grenzen respektiert. Es hat keine Überfälle auf unsere Lieferanten und Farmen gegeben.

„Das ist sehr gut, Schatz“, meint Frigga, während sie sich wieder ihrem Teller zuwendet.

„Werde nicht selbstzufrieden“, grummelt Odin und nimmt einen Schluck. „Es gibt Bedrohungen, die noch ausstehen.“

„Du sprichst, als ob du etwas weißt, was wir nicht wissen, Vater“, sagt Thor mit gerunzelter Stirn.

Odin gibt ein Grunzen als Antwort. Seit ihrem Gezänk beim letzten Mal, hat er seine Söhne nicht wieder zu den Ratstreffen eingeladen. Schließlich ist es so am besten, argumentiert Odin, während er kurz zu seinem Jüngsten hinübersieht.

Der Rat bespricht heikle Angelegenheiten.

 

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Sigrid sitzt in ihrem Zimmer, während sie mit den Fingern auf ihrem kleinen Tisch trommelt. Sie hat Angst zu gehen und dann herauszufinden, dass du versucht hast sie herbeizurufen. Sie hat nichts zu tun, da sie all ihre eigenen persönlichen Aufgaben nachgeholt hat, nachdem du ihr so wenige von deinen gegeben hast.

Sigrid beschließt zu sticken, während sie wartet. Sie liebt Stickereien und hat an ihrem letzten spontanen freien Tag auf dem Markt neue Materialien gekauft. Eine ihrer Freundinnen, Embla, hat Sticken von ihrer Mutter gelernt. Wenn sie nicht gerade abgespült haben, hat die junge Frau die Fertigkeit an Sigrid weitergegeben.

Als Wäscherin, mit dem Gehalt einer Wäscherin, sind Sigs Projekte nie besonders prächtig geworden. Sie ist allerdings entschlossen, ihre Fertigkeiten zu verbessern, bevor die Küchen sie wieder im Griff haben. Sie will ein Taschentuch fertigen, das mit ihren Lieblingsblumen bestickt ist, damit sie etwas von höherer Qualität haben kann. Ein Symbol für ihre Zeit als ein ‚Helfer‘.

Der Gedanke an die Lilien lässt sie innehalten. Sie hat die eine, die Asmund ihr gegeben hat, zwischen den Seiten eines großen Buches gepresst. Es war ein gestohlenes Kochbuch, von dem sie hofft, dass Hilde es nie vermissen wird.

Er hat gesagt, dass er sie wiedersehen will. Vielleicht könnte sie ihn besuchen, wenn er nicht beschäftigt ist. Würde das zu ungehörig sein? Er hat gesagt, dass sie Freunde sind. Freunde besuchen sich ständig gegenseitig.

Er hat auch gesagt, dass er sie vermisst hat. Ihre Wangen werden rot bei dem Gedanken und sie nimmt einen tiefen Atemzug. Sie denkt an dich und deinen Wagemut, was ihr etwas Mut macht.

Sie wird gehen, um zu schauen, ob der Junge beschäftigt ist.

 

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Asmund ist endlich mit dem Abräumen der Tische nach dem Mittagsessen fertig. Er wischt sich den Schweiß von der Stirn und schaut den Tisch an, den er gerade poliert hat. Die Aufgabe frustriert ihn und er hat das Gefühl, dass wenn er besser mit seiner Magie wäre, ihm diese alltäglichen Hausarbeiten viel leichter fallen würden.

„Ich schätze, das hast du gut gemacht“, grunzt Hilde, als sie seine Arbeit überprüft, während sie vorbeigeht. „Nur zu, mach eine Pause. Sei zurück, wenn die ersten fürs Abendessen da sind oder es gibt Ärger.“

„Ja, Meisterin Hilde“, antwortet er mit einem Grinsen und verbeugt sich.

Endlich frei rennt er praktisch aus dem Raum zu den Palastgeländen. In seinen Pausen kann er üben und oh, wie er es liebt, zu üben.

„Asmund!“

Er stoppt, als er die vertraute Stimme hört und ein breites Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus. „Sigrid!“

Er dreht sich um und sieht das Mädchen vor ihm stehen, wobei seine Augen ihr errötetes Gesicht wahrnehmen. Er kann von Glück reden, dass er nicht rot wird, sonst könnte Sigrid merken, dass er auf sie steht. Das Mädchen ist immer errötet (wenn er sie sieht), also nimmt er an, dass dies ihr natürlicher Zustand ist.

Er denkt, dass sie absolut hinreißend ist, und will ihr einen Kuss geben. Allerdings will er sie nicht beleidigen oder ihre Freundschaft ruinieren, also behält er diese Gefühle für sich.

„Bist du beschäftigt? Wirst du Schwierigkeiten bekommen, wenn du zu lange redest?“

„Nein, gnädiges Fräulein! Ich habe Zeit bis zum Abendessen. Wie sieht es bei dir aus? Wo ist der Blutige Krieger?“

Er blickt sich um, wobei er hofft einen weiteren Blick auf dich zu erhaschen. Sigrids Lächeln gerät ins Schwanken. „Oh, bitte, Asmund, nenn sie nicht so. Sie ist überhaupt nicht so, wie die Leute sagen, oder hast du nicht gehört, was ich dir alles erzählt habe?“

„Der Name hat eine schlechte Bedeutung?“, fragt er, während sich seine blauen Augen weiten. „Das war mir nicht bewusst! Ich entschuldige mich. Ich dachte, er sollte ihre Fähigkeiten auf dem Schlachtfeld einfangen! Ich hatte keine bösen Absichten gegenüber deinem Schützling.“

„Schon in Ordnung! Ich nimm es dir nicht übel“, versichert Sigrid ihn. „Ich… ich habe mich gefragt, ob du heute etwas Zeit mit mir verbringen willst. Ich habe mich sehr gefreut dich zu sehen!“

Er strahlt sie an. „Natürlich! Sag mal, ich bin auf dem Weg nach draußen, um meine Zauberei zu üben. Willst du mich begleiten? Wir können auch deine Fähigkeit austesten! Das wird aufregend sein!“

Sigrid wird rot, als sie glücklich grinst. „Das hört sich reizend an!“

Sie folgt ihm ins Gelände, während die beiden so wie immer plaudern. Asmund führt sie vorsätzlich in die Nähe der Bank bei den Calla-Lilien, um ihre Augen aufleuchten zu sehen, wenn sie diese sieht.

Sigrid hockt sich auf den Rand der Bank und der Junge setzt sich im Schneidersitz daneben, so dass er sie ansieht. Sie studiert seine dünne Gestalt, den bezaubernden Aufschwung seiner Nase.

„So, was hältst du davon, wenn du versuchst in Gedanken mit mir zu sprechen?“, sagt er, wobei er seine Hände aneinander reibt. „Zeig mir, wie das funktioniert! Das habe ich noch nicht vollbracht, also brenne ich darauf, es zu lernen.“

Sigrid sieht ihn ein bisschen nervös an. „Also, ich habe es bisher nur einmal gemacht. Ich habe sonst niemanden zum Üben, weißt du, und ich mache mir Sorgen, dass ich es nicht noch einmal schaffe.“

„Ach was!“, meint Asmund, während er mit seinen Händen winkt, wie um ihre Unsicherheiten wegzuwischen. „Ich habe vollstes Vertrauen in dich!“

Sig konzentriert sich auf Asmund, wobei sie tief in seine Augen starrt. Ihre Wangen werden wieder rot und sein Herz fängt an schneller zu schlagen. Sie probiert sacht seinen Namen.

Asmund?

Er zuckt sichtbar zusammen, während ihm die Kinnlade runterfällt. „Ich habe dich gehört! Du hast meinen Namen gesagt!“

Sigrid öffnet überrascht den Mund. „So einfach war das? Es ist mir bei meinem Schützling um einiges schwerer gefallen! Wenngleich ich nicht wusste, was ich mache.“

„Um in Gedanken mit jemandem zu sprechen, erfordert es eine Verbindung zwischen den beiden“, informiert Asmund sie. „Ich habe gelesen, dass umso stärker die Verbindung ist, desto leichter fällt es denen, die die Fähigkeit haben. Vielleicht ist es leichter für dich, weil wir Freunde sind.“

„Ja, das… das ist es“, antwortet sie, wobei der Ausdruck Freunde ihre Freude dämpft.

Asmund denkt darüber nach, wie leicht es Sigrid gefallen ist, mit ihm zu sprechen. „Sigrid, macht es dir was aus, wenn ich es mal ausprobiere?“

Das Mädchen blickt zu ihm auf und nickt schnell. „Natürlich!“

Er konzentriert sich auf sie, während er an die mögliche Bindung zwischen ihnen denkt und wie sehr er sie mag. Sie starrt wieder in seine Augen und erschwert es ihm so, sich zu konzentrieren. Er beschließt es zu wagen und sein Herz schlägt laut, als er denkt:

Sigrid, du bist so wunderschön.

Zunächst denkt er nicht, dass sie ihn gehört hat. Sie starrt ihn immer noch mit demselben Gesichtsausdruck an. Aber während er sie ansieht, werden ihre Wangen langsam scharlachrot.

„War das… hast du gesagt…?“

„Dass ich denke, dass du wunderschön bist?“, fragt er, wobei er ein bisschen über seine Worte stolpert, jetzt da er sie laut aussprechen muss. „Ja.“

Sigrids Finger zucken automatisch, als sie versuchen sich zu ihrem Mund zu heben. Stattdessen lehnt sie sich nach vorne. Er kommt ihr auf halbem Weg entgegen, ihre Nasen streifen sich und dann küsst er sie.

Er denkt, dass sie nach Calla-Lilien riecht.

 

---

 

Du hast dein Zimmer den ganzen Tag lang nicht verlassen. Der Abend dämmert und Loki taucht nicht auf. Du bezweifelst, dass du ihn wiedersehen wirst, und wenn du es tust, kannst du dir das dunkle, spöttische Lächeln vorstellen, das seine Lippen verzerren wird.

Seine Lippen. Götter, wie sich seine Lippen auf deinen angefühlt haben…. Du hattest im Laufe der Jahre mehrere Küsse, aber keinen wie diesen.

Ablenkung. Gefährlich. Tote Augen.

Du schauderst und schlingst deine Arme fest um dich. Bei vorherigen Bindungen bist du nicht von diesen Gedanken überfallen worden. Es muss an den Umständen gelegen haben, die allzu ähnlichen Umstände.

Deine Finger spielen mit dem Armband an deinem Handgelenk. Du kannst es Sig nicht erzählen. Du kannst niemanden wissen lassen, dass er dich geküsst hat und dass du zurückgegangen bist.

Warum hast du das gemacht?

Tote. Augen.

Du hörst schnell auf daran zu denken, während du deine Hände auf deine Ohren presst, als ob das die geflüsterten Gedanken verstummen lässt. Du weißt, dass du schlafen solltest – du hast nicht in der Nacht zuvor. Aber du kannst einfach nicht aufhören zu denken, kannst nicht aufhören die Erinnerungen vor geschlossenen Augen zu sehen.

Du solltest trainieren. Du solltest arbeiten. Du solltest dir vorstellen, wie du deinen Rachefeldzug beendest. Du solltest dich ausruhen, damit du all diese Dinge vollbringen kannst.

Stattdessen sitzt du weiterhin in der Stille, wobei du dir nicht erlaubst zu weinen, wie du es vor vier Jahren gemacht hast.

 

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Es ist mitten in der Nacht. Lokis Kerze brennt auf seinem Nachttisch herunter, wobei die Flamme flackert und kurz vorm Erlöschen ist. Er klappt sein Buch zu und legt es zur Seite, als es dunkel in seinem Zimmer wird.

Er geht die neuen Techniken durch, die ihm das Buch präsentiert hat, wobei die Zeilen in Gedanken zitiert, damit er nicht denkt.

Aber die Zurückweisung schmerzt so sehr, wie in der Nacht zuvor. Er will dich bis zu dem Tag, an dem du stirbst, ignorieren. Er will dich anschreien und an deinen Schultern rütteln. Er will dich fragen, warum. Er will dich erneut küssen.

Er ist ein Mann voller gegensätzlicher Wünsche, wodurch ihm nur Wut und Verbitterung bleiben.

Es ist ihm egal. Er hasst dich, oder?

Es ist deine Schuld. Du hast etwas falsch gemacht. Du hast einen Schritt verfehlt. Du hast gedacht, dass sie dasselbe empfindet, aber was für ein törichter Gedanke das doch war. Sie verachtet dich wahrlich, so wie alle es tun.

So wie du dich selbst verachtest.

Warum solltest du etwas anderes erwarten?

Aber die Art, wie du ihn angeschaut hast, argumentiert er. Als du den Flur durchquert hast und ihn gezwungen hast, deine Lippen zu küssen. Wie du deinen Kopf bei der Palastfeier auf seine Brust gelegt hast. Deine Finger haben nach ihm gegriffen, als er dich gehalten hat, während sich deine Lippen begierig für ihn geöffnet haben.

Nein… nein, nein.

Er starrt wütend seinen Betthimmel an und weiß nicht, was er tun will – dich nie wiedersehen oder herausfinden, wie er dich für sich gewinnt, und dich nie wieder loslassen.

Aber sie wird dich loslassen. Es wird die Zeit kommen, wenn du wissen wirst, dass du nicht genug bist.

Das bist du nie.

Und sie wird sich dir entledigen. Einsamkeit kann dich nicht im Stich lassen.

Sie kann es.

Und sie wird.

Er blickt finster drein und rollt sich auf die Seite, während sich sein Kiefer anspannt.

Sie wird.

Chapter Text

Sigrid sieht jeden Tag nach dir und du schickst sie jedes Mal weg. Du trainierst alleine in deinem Zimmer und erkennst, dass gegen unsichtbare Feinde zu kämpfen nicht annähernd so befriedigend ist. Du erinnerst dich daran, dass Loki eine Bemerkung über dich, wie du nach nichts als Luft schlägst, gemacht hat, bevor er dir seine Hilfe angeboten hat.

Sigrid verbringt jeden Tag mit Asmund während seinen Pausen. Sie sitzen zusammen in den Gärten, spazieren durch die Blumen und üben ihre Magie. Ihre Stickerei kommt gut voran und als Asmund sie auf ihrem Tisch liegen sieht, teilt er ihr mit, dass sie bemerkenswert gut darin ist.

Letztendlich fragt der Junge offiziell um Erlaubnis, sie zu umwerben.

„A-Aber Asmund. Warum?“

Sig hat keine Familie, was weder Geld noch Land bedeutet. Asmunds Vater ist ein Zauberer, seine Mutter eine Kräuterhändlerin. Sie leben abseits des Marktes, in den ärmeren Gebieten der Stadt, aber das erhebt sie dennoch in einen höheren Stand als Sigrid.

„Warum? Weil du das wunderbarste Mädchen bist, das ich je getroffen habe, und ich möchte dich umwerben!“

Sie sind nur Kinder – Sigrid vierzehn und Asmund fünfzehn. Sie sind nicht alt genug, um sich wirklich gegenseitig den Hof zu machen, und doch fühlen sich die Küsse, die sie teilen, so wahr nach Liebe an wie bei andren.

Und so genießen sie ihre gemeinsame Zeit, während sie sich unterhalten und glückliche Momente in gegenseitiger Gesellschaft verbringen.

Während dieser Zeit vergisst du die Trainingsgelände, wobei du beschließt, dass du sie nicht brauchst. Du würdest viel lieber einfach Vitran angreifen. Der Schritt dazwischen erscheint unnötig, da du dich sowieso so fühlst, als ob du fast bereit bist.

Nein, du hast nicht all deine Fähigkeiten wieder bei ihrem vollen Potential, aber du bezweifelst, dass das eine Rolle spielen wird. Du braucht die Kontrolle über Dunkelheit nicht, um dein Schwert in Vitrans Brust zu stoßen.

 

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Jun geht in Vitrans Quartier auf und ab, wobei er seine Hände hinter dem Rücken verschränkt hat. Er ist der stellevertretende Befehlshaber (zumindest lässt Vitran ihn das glauben) und er versteht nicht, was sein Anführer macht.

„Worauf warten wir?“, fragt Jun hitzig. „Je länger wir das alles hinauszögern, umso stärker wird sie.“

„Geduld“, meint Vitran, während er seine bernsteinfarbenen Augen verdreht. „Hast du bis jetzt noch nicht gelernt mir zu vertrauen? Die Zeit zum Handeln wird kommen. Wir haben noch keine Rückmeldung von unserer Informantin erhalten. Sobald wir diese Information haben, wird es keine Rolle spielen, ob das Mädchen bei voller Stärke ist oder nicht. Ihr Geist ist schon immer schwach gewesen.

Vitran ist ein Meister darin, ein falsches Gefühl von Sicherheit zu erzeugen. Er hat deine Arbeit in anderen Welten gesehen. Er weiß, dass du zur Arroganz tendierst, dass deine bisherigen Siege dich nach diesem letzten sehnen lassen. Er weiß, dass du planst zu ihm zu kommen, wie du es bei all den anderen gemacht hast, und wenn er herausfindet, wo du innerhalb des Palastes ruhst, bezweifelt er, dass du erwarten wirst, dass der Kampf zu dir gebracht wird.

 

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Frigga ist es gewohnt, mit verschieden Mitgliedern ihrer Familie zu unterschiedlichen Zeiten zu speisen. Loki ist nie beim Frühstück anwesend, da er erst weit nach Sonnenaufgang aufsteht. Thor leistet ihr meistens morgens Gesellschaft, während er für die frühen Läufe mit seinen galanten Gefährten Energie tankt. Beide ihrer Söhne tauchen normalerweise mittags auf, wenngleich sie Thor fast immer an die Festsäle verliert. Ihr Gatte, als König, speist mit seiner Familie, wenn er kann.

Frigga ist also erfreut, wenn Odin sich freistellt, um mit ihr und ihrem Jüngsten an diesem Abend zu dinieren.

Der König und die Königin plaudern miteinander, während Loki in Gedanken stille Kommentare abgibt. Aber er spricht nicht. Dieses untypische Schweigen lässt Odin beinahe seine Anwesenheit vergessen, bis er kurz hinübersieht, um den Prinzen vorzufinden, wie er gemächlich an einem Glas nippt.

„Loki, wie geht es der Ausländerin? Ihre Dienerin hat mit mitgeteilt, dass sie besser kämpft, als in den vergangenen Wochen.“

„Woher soll ich das denn wissen?“, fragt Loki mit einem spöttischen Lächeln. „Ich habe sie in letzter Zeit nicht gesehen.“

„Hat sie uns verlassen?“, fragt Odin, wobei er beinahe aufsteht, während sich sein gutes Auge gefährlich schmälert.

„Verlassen?“, schnaubt Loki gefühlskalt. „Das würde ich mir wünschen. Warum sollte das von Interesse für dich sein? Ich bin mir sicher, dass du froh darüber sein würdest, die Mörderin aus dem Palast zu haben.“

Odin lehnt sich zurück, wobei er erkennt, dass er am besten keine Szene vor seiner Frau macht. „Es spielt keine Rolle.“

Loki beäugt seinen Vater argwöhnisch nach dieser Lüge. „Du weißt, dass sie sich bemüht ihre Feinde zu vernichten. Benötigt sie dich, damit du ihr sagst wann?“

„Als König von Asgard gehen mich alle Angelegenheiten etwas an, die meine Ländereien betreffen“, knurrt Odin. „Wann wir die Barbaren loswerden, ist genauso wichtig wie auf welche Art.“

„Du willst die kontrollieren“, stellt Loki langsam fest, wobei sein scharfer Verstand seinen Weg durch die Worte seines Vaters findet.

„Und warum auch nicht?“, fragt Odin, während er seinen Sohn einen stechenden Blick zuwirft. „Sie steht in unserer Schuld. Ich kann nicht zulassen, dass sie einen Krieg führt, während ihr Name mit unserem Königreich in Verbindung steht, damit ich derjenige bin, der den Befehl gibt.“

„Du würdest sie benutzen“, sagt Loki, während er sich langsam erhebt.

Und würdest du das nicht? will Odin ihn fragen.

Der Allvater sieht Loki Laufeyson vor seinem geistigen Auge, wie er ruhig den Thronsaal entlanggeht. In dieser Situation hat der boshafte Prinz dich bereits in seinen verdrehten Manipulationen gefangen und der König kann sich deutlich Lokis Grinsen vorstellen, während du ihm dabei hilfst, den Rest von Odins Familie zu verwüsten.

Er will glauben, dass dies nicht so sein würde.

„Ich benutze alle, die unter meiner Herrschaft stehen“, äußert Odin laut.

Loki stellt sich nur dein Gesicht vor, wenn du herausfindest, dass Odin denkt, dass du unter seiner Gerichtsgewalt bist. Er blickt finster drein. „Natürlich.“

„Warum sollte dir das wichtig sein, wenn es um ein Mädchen geht, dass du so sehr hasst?“, fragt Odin.

Loki verlässt ohne ein weiteres Wort sofort den Raum und Frigga lehnt sich nach vorne und legt eine Hand auf ihr Gesicht.

Für eine lange Zeit ist es still und Odin fängt wieder an zu essen. Frigga seufzt. „Gatte, kannst du mir nicht ein einziges, friedliches Mahl schenken?“

 

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Sig verbringt den nächsten Morgen auf dem Markt, wo sie neue Farben für ihre Stickerei aussucht. Sie ist in paar Stunden mit Asmund verabredet und ihr Herz ist randvoll mit Freude. Sie ist immer noch etwas besorgt wegen deinem Zustand, aber sie weiß, dass du etwas Abstand brauchst, um deine Probleme selbst zu lösen.

Du hast in letzter Zeit mehr mit ihr geredet, sie gefragt, wir ihr Tag war, und ihr versichert, dass du es ihr sagen würdest, wenn du sie brauchst.

Ohne ihr Wissen erspäht ein Mann das junge Mädchen, als sie alleine herumgeht. Er sieht sich auf der Straße um, wobei er feststellt, dass zu dieser frühen Stunde nicht viele Leute unterwegs sind. Sie ist ein hübsches junges Ding und er denkt, dass er wahrscheinlich mindestens zehn Goldstücke für sie bekommen könnte. Er zuckt mit den Fingern.

Sig lässt ausversehen auf dem Weg zum Palast eine der Spulen fallen und das winzige Teil hüpft über das Kopfsteinpflaster bis an den Rand einer Gasse. Sig seufzt, als sie darauf zugeht, um sie aufzuheben, aber findet eine Hand vor, die vor ihrer danach greift.

„Gnädige Frau, ist Ihnen das runtergefallen?“

„Oh, danke!“, erwidert Sigrid, als sie die Spule von dem Mann annimmt. „Das ist sehr freundlich.“

Sie spürt grobe Hände, die sie packen, und ihre Welt wird plötzlich schwarz.

 

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Freydis und Alva gehen auf ihrem Weg zu dem geringeren Speisesaal im Erdgeschoss des Palastes herum. Frey hält die Augen nach dir offen, wobei ihre Entschlossenheit sie an alles denken lässt, was sie sagen will. Alva wirft ihrer Freundin einen besorgten Blick zu.

„Frey, meine Liebe, warum bestehst du darauf, mit diesem Mädchen zu sprechen? Was hast du davon?“, fragt Alva, als sie die anderen umgehen, die dort geschäftlich unterwegs sind.

„Ich will nur ein Gefühl für sie bekommen“, antwortet Freydis, während ihre blauen Augen sich suchend umschauen. „Sie muss irgendwann zum Essen herunterkommen, oder?“

Wenn Frey herausfindet, wie du die Aufmerksamkeit des Prinzen auf dich gezogen hast (nicht einmal, sondern zweimal), dann wird sie eine bessere Chance haben, dies nachzumachen.

„Runter von wo?“, fragt Alva. „Als ein Krieger würde sie doch sicher in den Kasernen wohnen.“

„Das glaube ich nicht, Schwester“, erwidert Freydis. „Du hast die Kleider gesehen, die sie getragen hat. Unmöglich, dass sie so etwas in den Kasernen haben würde. Ich glaube, dass sie ihm Palast verweilt.“

Alva stimmt ihr in Gedanken zu, als sie die Logik ihrer Freundin bemerkt, und die beiden setzen sich, während sie sich nach dir umschauen. Sie wissen nicht, dass du schon seit Tagen nicht mehr zum Essen heruntergekommen bist.

Zum Ende der Mittagszeit hin wird Frey verzweifelt. Sie muss wissen, ob sich eine Außenstehende wie du einen Weg in den königlichen Palast erschlichen hat. Alva sieht sie neugierig an, wobei sie ein bisschen wegen solch einem Verhalten besorgt ist, aber Feydis schnaubt verärgert und winkt einen der jungen Diener herbei.

„Entschuldigung, aber ich habe gehört, dass der Blutige Krieger irgendwo in der Nähe des Palastes wohnt. Ist das wahr?“

Asmund sieht die beiden Herzoginnen überrascht an, als er sich von seiner Verbeugung erhebt. „Oh, ja Madam, das ist wahr. Allerdings ist sie im Palast, nicht in der Nähe.“

Seine Worte entfachen ein Feuer in Freydis Bauch. Ich hab’s gewusst.

„Danke für die Auskunft“, teilt Alva dem Jungen mit, wobei sie freundlich lächelt. „Wir haben bisher nur einmal ihre Bekanntschaft gemacht und haben uns gefragt, wie wir sie finden. Werden wir sie demnächst hier in der Gegend sehen?“

„Oh, nein, sie ist schon seit Tagen nicht mehr heruntergekommen“, erwidert Asmund, während er sich sein wirres, braunes Haar aus dem Gesicht streicht.

Alva wirft Freydis einen Blick zu. Das bestätigt nur ihre Vermutungen. Frey räuspert sich und zieht so die Aufmerksamkeit des Jungen auf sich.

„Herunter? Herunter von wo?“

 

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Wind säuselt durch die Bäume der Waldfläche, wobei die Blätter in der Dunkelheit rascheln. Sigrid wacht auf dem Boden auf, der Geruch von Erde in ihrer Nase. Sie kann ein Feuer vor ihr sehen, welches sie die Umrisse von vier Männern erkennen lässt, die um es herumsitzen. Ihre Hände und Füße sind gefesselt und sie liegt auf der Seite. Als sie ein leises Wimmern von sich gibt, drehen sich alle Männer zu ihr herum.

„Oh, die asgardische Dienerin ist wach“, sagt einer, während er sein Ale erhebt. „Willkommen zurück. Hat ja lange genug gedauert, dass der Zauber nachlässt.“

„Wo bin ich?“, fragt Sigrid, auch wenn ihre Stimme schrill und verängstigt klingt.

Die Gruppe lacht. Der Mann, der sie von den Straßen gepflückt hat, nimmt einen Schluck von seinem Getränk und antwortet. „Du bist mitten im Nirgendwo, Herzchen. Ich würde vorschlagen, dass du nicht deinen Atem verschwendest, um nach Hilfe zu rufen.“

Sigrid schaut sich um und kann nichts in ihrer Umgebung erkennen. Sie ist in einem Wald, definitiv außerhalb von Asgard. Sie kann vier Pferde, die in der Nähe an Bäumen angebunden sind, und ein großes Zelt neben ihnen sehen. Diese Männer… sind sie Banditen? Oder….

„W-Was wollt ihr von mir?“, fragt sie mit zitteriger Stimme.

Sie alle lachen wieder und geben keine Antwort.

Sigrid rollt sich herum und wendet ihnen den Rücken zu. Sie wissen nicht, dass sie nicht ihren Atem verschwenden muss, um nach Hilfe zu rufen.

 

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Du sitzt auf deinem Bett, als du ein schnelles Klopfen an der Tür hörst, das dich zusammenzucken lässt. Die Person ist hartnäckig und du bist von der Situation verwirrt. Das ist nicht Sig – sie würde einfach hereinkommen. Vielleicht ist es ein Bote?

„Krieger? Krieger, seid Ihr da drin?!“

Du erkennst die Stimme nicht, aber du stehst trotzdem langsam auf. Der Klang der Stimme des Jungen verrät dir, dass etwas eindeutig nicht in Ordnung ist. Du durchquerst das Zimmer und öffnest schnell die Tür.

„Äh, hallo?“

Er stolpert für einen Moment über seine Worte und schafft es dann, zu stammeln: „Sigrid, sie ist in Schwierigkeiten! Bitte, niemand will mir zuhören!“

„Sig?“, fragst du. „Was meinst du mit, sie ist in Schwierigkeiten?“

„Sie hat mich kontaktiert, hier oben“, teilt er dir verzweifelt mit, während er sich an den Kopf tippt. „Sie-Sie sagt, dass sie von vier Männern entführt wurde! Sie haben sie gefesselt…. Bitte, Miss, ich weiß nicht, was ich machen soll! Ich glaube, dass sie Sklavenhändler sind.“

„Warte, ich muss meine Leder anziehen“, sagst du zu ihm. „Komm rein und dreh dich um oder so, damit ich dir Fragen stellen kann.“

Der Junge zögert an der Tür, aber wenn das bedeutet, dass er schneller zu Sigrid kann, dann wird er die Unbehaglichkeit der Situation ertragen. Er wendet pflichtbewusst den Blick ab, als du nach deinen Ledern greifst.

„Was meinst du mit Sklavenhändler?“

Sie schnappen sich Leute, normalerweise kleine Kinder. Sie verkaufen sie an andere Königreiche oder andere Personen, die mit ihnen machen werden, was sie wollen. Sie haben es meistens auf Personen abgesehen, die niemand vermissen wird.“

„Also, das haben sie heute Nacht verkackt“, erwiderst du, während deine Finger an der komplizierten Kleidung herumfummeln. „Ah, diese verfluchten Teile. Also, wo ist sie? Kannst du sie finden?“

„Sie sagt, dass sie in einem Wald ist, was mich glauben lässt, dass sie östlich der Stadt ist. Dort gibt es in der Nähe ein Waldgebiet, das sie in einem halben Tagesritt erreicht haben könnten“, antwortet er. „Oh, ich hätte früher kommen sollen. Ich habe nur gedacht, dass sie heute während meiner Pause beschäftigt ist…“

Du bist fertig, mit deiner Kleidung rumzumachen. Du hast nicht alle richtigen Verschlüsse befestigt, aber deine Leder werden nicht runterfallen. „Wie heißt du, Kleiner? Woher kennst du Siggy?“

„Ich heiße Asmund“, antwortet er, während du zu dem Tisch am Rand deines Zimmers gehst. „I-Ich umwerbe sie.“

Du hältst inne und drehst dich um, um den Hinterkopf des Kleinen anzuschauen. „Sig hat einen Freund? Das wusste ich nicht. Und ich bin bekleidet, du kannst dich umdrehen.“

Du ziehst die Kappe deines Stiftes mit den Zähnen herunter und suchst nach einem Stück Pergament. Du denkst, dass wenn irgendjemand versucht dich zu finden, wäre es besser, sie wissen zu lassen, dass du nicht weggelaufen bist.

Asmund gehorcht dir und sieht dich mit strahlend blauen Augen an. „Wir kennen uns, seit die Königin sie von den Straßen geholt hat. Dass ich ihr den Hof mache, ist nur eine kürzliche Entwicklung.

Schuldgefühle überkommen dich und du verziehst das Gesicht. Du hast dich absichtlich von dem Mädchen entfernt, als Vorbereitung für den Tag, wenn du gehen musst. Du magst sie und du hast das Gefühl, dass sie zu dir aufsieht. Du willst nicht, dass sie am Boden zerstört ist, wenn du nicht zurückkommst.

Du beendest deine Nachricht und hältst dann inne. Du kannst dir vorstellen, wer wahrscheinlich diesen Zettel finden wird, oder zumindest wer ihn letztendlich lesen wird. Du seufzt und fügst eine kurze Nachbemerkung hinzu, bevor du dich dem Jungen zuwendest.

„In Ordnung. Es läuft so. Du wirst mich dort hinführen. Wir werden sie finden. Dann wirst du sie nehmen und ihr verschwindet von da“, sagst du, wobei du dich auf den Weg zur Tür machst.

„Und Ihr?“, fragt er besorgt, während er dir folgt.

„Ich werde mich um den Rest kümmern.“

 

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Loki sitzt in seinem Arbeitszimmer und spielt mit seinem Dolch herum. Die Klinge gleitet spielend um seine Finger herum, wobei das Silber funkelt, als es sich dreht. Odins Worte durchdringen wieder seine Gedanken und er starrt wütend auf den Tisch. Es sollte ihn nichts ausmachen. Das sollte es wirklich nicht.

Aber das tut es.

Was ihm alles verrät, was er wissen muss.

Er hat die Nase voll von der ganzen Situation. Er steckt den Dolch weg und erhebt sich vom Tisch. Bevor seine Entschlossenheit nachlassen kann, verlässt er sein Quartier und steuert auf deines zu. Er redet sich ein, dass er nur mit dir reden muss. Es wäre das Beste, das alles zur Ruhe zu bringen. Er ist zu müde, um sich mit Feinheiten abzugeben; er hat vor einfach in dein Zimmer zu gehen und dich direkt zu fragen, warum. Warum du ‚Nein‘ gesagt hast. Warum du zurückgekommen bist. Warum deine Hände gezittert haben.

Er erreicht dein Zimmer und lässt seinen Worten Taten folgen. Er ist der Prinz – er muss ohnehin nicht klopfen. Du lässt deine Tür unverschlossen für deine kleine Dienerin, da dich sonst niemand besucht (ihm ist nicht bewusst, dass du vergessen hast, dass du einen Schlüssel hast), also findet er keinen Widerstand vor, als er hereinplatzt.

Dein Name verlässt seinen Mund, bevor er feststellt, dass du nicht hier bist. Er sieht sich verwirrt in deinem leeren Zimmer um. Wo würdest du sonst sein? Du verbringst deine Abende immer hier und trainierst. Bist du vielleicht heute zu dem Festmahl gegangen? Das scheint nicht deine Art zu sein.

Er schaut sich mit scharfen Augen in deinem Zimmer um. Dein Bett ist ungemacht, dein Schrank offen, deine Nachtkleidung auf den Boden geworfen. Entweder vernachlässigt dein kleines Dienstmädchen ihre Arbeit oder du bist übereilt aufgebrochen. Er erspäht das Papier auf deinem Tisch und durchquert das Zimmer.

Dein Gekritzel ist schwer zu entziffern, aber er hatte Übung von deinem Tagebuch. Du hast das in Eile geschrieben und Tintenkleckse umgeben die Worte.

Sigrid wurde entführt. Nicht sicher, wen das außer mich und irgendeinen Jungen interessiert, also suchen wir sie. Wollte nur klarstellen, dass ich noch nicht los bin, um diese Bastarde vom Ordinat zu töten. Das ist wahrscheinlich wie Hochverrat oder so, also richtet mich nicht hin oder sonst was, wenn ich mit Sig zurückkomme.

Außerdem… Loke, wenn du das liest, es tut mir leid.

Er lächelt nicht einmal höhnisch über die widerwertige Abkürzung seines Namens. Was meinst du damit, dass deine Dienerin entführt wurde? Wer ist der ‚Junge‘, den du bei dir hast? Loki stellt sich vor, wie sein Vater die Nachricht findet, und faltet sie sofort und steckt sie zur Sicherheit in seine Tasche.

Wir suchen nach ihr, hast du gesagt.

Oh, da stehen Schwierigkeiten bevor. Als ein Fremder in Asgard kennst du nicht die Beschaffenheit des Geländes. Er stellt sich vor, wie du dich verirrst und wegen einem dummen, kleinen Mädchen in der Wildnis herumstolperst. Er hat noch nie die Zuneigung verstanden.

Was auch genau der Grund ist, erkennt er, warum du gesagt hast, dass sich niemand dafür interessieren würde außer dir… und ‚irgendeinen Jungen‘.

Er weiß bereits, was er als nächstes machen wird. Es ist genauso wie damals, als er dich geküsst hat – er hätte es niemandem erklären können, es war einfach etwas, was er tun musste.

Loki streckt seine Magie aus und genauso wie er deine Gegenwart auf der Feier gespürt hat, fühlt er ein Ziehen in Richtung Osten. Er verlässt schnell dein Zimmer und geht durch den Palast, während er auf den vorderen Teil zuhält.

Er geht auf die Türen zu, wobei er unwissentlich an Frigga vorbeigeht.

„Loki? Wohin gehst du so spät?“ er dreht sich um und sieht seine Mutter vor sich stehen, die ihn mit neugierigen, grauen Augen ansieht. „Isst du heute Abend nichts?“

Loki neigt seinen Kopf. „Nein, Mutter, ich habe eine andere Angelegenheit, um die ich mich im Moment kümmern muss.“

Sie betrachtet ihn mit einem entschlossenen Blick. „Was ist passiert?“

„Nichts, was ich nicht regeln kann“, erwidert er reibungslos.

Frigga wartet noch eine Sekunde länger und nickt dann. „Nun gut. Pass auf dich auf und sei bald zurück.“

„Natürlich.“

Sie setzt ihren Weg zum Speisesaal fort, während sie sich fragt, wo ihr Sohn hinwill. Aber er ist ein erwachsener Mann und verdient es, sein eigenes Leben zu führen. Das stoppt allerdings nicht die Sorgen einer Mutter und sie fühlt sich beunruhigt, als er durch die Palasttüren geht.

Loki durchquert rasch das Gelände, wobei er spürt, wie der Zug stärker wird. Er stoppt erst bei den Ställen, wo er das schnellste Pferd verlangt. Die Stallburschen beeilen sich dem nachzukommen, da sie nicht den Zorn des jüngeren Prinzen auf sich ziehen wollen.

Denn sie finden, dass er ziemlich zornig aussieht.

Chapter Text

Asmund ist nervös, auch wenn er sein Bestes gibt, es sich nicht anmerken zu lassen. Er versteht die Dunkelheit nicht, die ihn umgibt, die von allen Seiten gegen ihn drückt. Er weicht dir praktisch nicht von der Seite und findet eine seltsame Art von Trost in dem festen Griff von dir an seiner Schulter.

Dir gefällt es eigentlich nicht, andere mit in die Dunkelheit zu nehmen, obwohl es dir das Reisen erleichtert. Wenige Lebewesen können lange in dem Raum überleben und noch weniger finden sich darin zurecht. Du bist eine von denjenigen, die in beide Kategorien fallen. Du hast festgestellt, dass du beim Gleiten in die Schatten nur einmal trocken würgen musstest – eine enorme Verbesserung.

Du kannst immer noch die Welt sehen, die euch umgibt, die Formen von Objekten und Gebäuden und Personen. Du suchst, während du dem Jungen laut Dinge beschreibst, da du weißt, dass sein Blick durch dem schwarzen Raum überschattet wird, der euch beide umgibt.

„Okay, also ich sehe… drei Hügel vor uns“, teilst du ihm mit, während du dich mit deinem Geist weiter vom Palast entfernt.

„Jenseits von ihnen sollte links ein Wald sein“, sagt er, wobei er seine Füße bewegt, damit sie nicht in den seltsamen, schwarzen Boden sinken.

Asmund weiß, dass es kein Boden ist, aber stellt sich gerne vor, dass es das ist.

„Ich sehe den Wald“, informierst du ihn, während du noch weiter vordringst. Er beobachtet, wie sich deine Augen hin- und herbewegen, als ob du krampfhaft ein Gebiet absuchst, das er nicht sehen kann. „Ich sehe keine Menschen, Winzling.“

„Sucht nach einem schmalen Feldweg. So sind sie wahrscheinlich hineingelangt. Er muss von Asgard herführen.“

Du presst deine Lippen aufeinander, als du nach dem Weg suchst, wobei dein Herz schnell schlägt, auch wenn dein Geist ruhig ist. Endlich findest du ihn.

„Hab ihn. Sieht auch so aus, als ob da frische Spuren sind. Holen wir dich hier raus.“

„Ja, bitte.“

Du siehst ihn an und streckst dann deine Hand aus. Ein Riss erscheint in der Dunkelheit und Mondlicht fließt in den seltsamen Raum. Die Dunkelheit zuckt zurück und schleicht davon, als ob sie lebendig ist, wobei sie euch neben dem Wald zurücklässt.

In dir findet ein Wechsel statt und der Killer übernimmt die Kontrolle.

Du weist Asmund mit deiner Hand an vollkommen still zu sein und er nickt dir zu, während er dir folgt. Deine Füße machen kaum ein Geräusch, als du den frischen Spuren der Pferde folgst, und Asmund beugt seine Finger, um einen schalldämpfenden Zauber zu wirken.

Jetzt bewegt er sich genauso leise wie du.

 

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Loki kann sich nicht vorstellen, wie du so schnell an dein Ziel gelangt bist, noch woher du eine Ahnung hast, wo die Kidnapper dein Mädchen festhalten. Er lehnt sich im Sattel nach vorne und treibt sein Pferd an noch schneller zu galoppieren. Er ist schon länger nicht mehr geritten und während er normalerweise Reiten besser findet als Laufen, fühlt es sich immer noch so an, als ob er es nicht schnell genug dorthin schafft. Er hilft dem Tier mit seiner Magie, wobei er die Belastung spürt, die er dem Pferd auferlegt.

Deine Nachricht war so vage. Er wünscht, dass er weiß, wer das Mädchen entführt hat. Waren es deine Feinde, die sie benutzen, um dich in eine Falle zu locken? Waren es Sklavenhändler oder Barbaren? Ihm fällt sonst niemand ein, der einen Nutzen für eine kleine Dienerin wie sie hätte.

Die königlichen Pferde Asgards sind schnell und mit Lokis Unterstützung schmelzen die Kilometer dahin. Er sucht den Weg vor ihm ab, wobei er gezwungen ist, die Augen im Wind zusammenzukneifen, und bemerkt frische Pferdespuren. Jemand anderes ist hier entlang geritten. Warst das du und der vorhergenannte ‚Junge‘? Nein, dafür gibt es zu viele Spuren, mindestens vier Pferde.

Loki verflucht dich in Gedanken, während er sich fragt, wo da hinein geraten bist. Er kann fühlen, wie deine Macht zunimmt, als er sich nähert.

Er weiß nicht warum und er hat keinen Grund, das zu denken, aber er hat das Gefühl, als ob ihm die Zeit ausgeht.

 

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Beeilt euch, bitte!

Wir sind fast da! Keine Sorge, Sigrid. Wir können das Feuer sehen.

Die Männer haben sich nicht bemüht unentdeckt zu bleiben. Niemand hat je nach ihnen gesucht, also machen sie sich keinerlei Sorgen. Sie haben ihre Pferde geführt, anstatt sie sie anzutreiben. Sie haben sich freudig betrunken. Drei sind bereits schlafen gegangen, aber der eine, der Sigrid gefangen hat, sitzt am Feuer, während er mit ihr spricht.

Er erzählt ihr Dinge, die ihr die Tränen übers Gesicht laufen lassen.

Dinge, die Asmund veranlassen seine Faust in den Mund zu stecken und draufzubeißen, damit er nichts Dummes anstellt.

„Schau, ich bin mir nicht sicher, was sie mit dir machen werden, Hübsche, aber ich muss irgendwie bei dir auf meine Kosten kommen, da du uns nur um die zehn Goldstücke einbringen wirst.“

Er macht einen Schritt auf sie zu, wobei er bereits seinen Gürtel öffnet. Asmund dreht sich verzweifelt zu dir um, nur um den Platz neben ihm leer vorzufinden.

Der Mann sieht nicht den Schatten, der hinter ihm erscheint, aber Sigrid tut es. Im gleichen Moment schnippst du mit den Fingern, um das Zelt der schlafenden Männer anzuzünden, und legst deinen Dolch an die Kehle des baldigen toten Mannes.

Schreie erklingen aus dem Zelt, als die Männer im Inneren zu Flammen aufwachen, und du benutzt deine Energie, um die Zelttür geschlossen zu halten, als sie versuchen zu entkommen.

„Schaff sie hier weg, Winzling“, sagst du mit eiskalter Stimme.

Asmund eilt nach vorne, wobei seine Füße immer noch keine Geräusche verursachen. Er zieht sein Messer aus seinem Gürtel und schneidet Sigrid frei. Sie lehnt sich zittern an seine Schulter.

„Wir werden am Weg sein“, teilt Asmund dir mit und benutzt seine Magie, um sie vor Blicken zu tarnen, bevor er Sigrid von dem Gehschrei der sterbenden Männer wegführt.

„Hallöchen, Freund“, sagst du zu dem Mann vor dir. „Du bist plötzlich ziemlich still.“

Er schwankt ein bisschen, als der Alkohol seine Umgebung verschwimmen lässt. Aber er ist nüchtern genug, um den Dolch an seiner Kehle und die Schreie seiner Gefährten wahrzunehmen. „B-Bitte, ich -“

Er ergreift seine Chance, nach deinem Dolch zu greifen, aber du hast das erwartet. Du trittst ihm in die Kniekehle und er fällt zu Boden. Du lässt deine Energie spielen und hältst ihn am Boden fest, sowie das brennende Zelt geschlossen.

Es ist anstrengend. Aber das ist es wert.

„Sag mir, schreist du genauso laut wie deine Freunde?“

„Nicht! Bitte! Ich habe Kinder!“

Ein kaltes Lachen entwischt dir. „Dann tu ich ihnen auch einen Gefallen. Ich habe die Dinge gehört, die du dem Mädchen zugeflüstert hast.“

Er fängt an gegen deine Macht anzukämpfen. Das bringt dich wieder zum Lachen.

 

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Loki ist nah genug am Lagerplatz, um zu hören, als die Schreie anfangen. Er eilt in die Richtung der Geräusche, aber bleibt wie angewurzelt stehen, als er die Präsenz der Magie eines anderen wahrnimmt.

Er streckt seine Hand aus, wobei grünes Licht aufleuchtet, und ein Junge und ein Mädchen werden plötzlich sichtbar, als sie zurückgeschleudert werden.

Er geht verwirrt auf sie zu und erkennt dein Dienstmädchen.

„P-Prinz Loki?“, sagt Sigrid mit einem Hicksen.

Asmund starrt bewundernd, als er Lokis Magie in der Luft prickeln spürt. Er war noch nie so nah an einem Mitglied der königlichen Familie und es ist wohlbekannt, dass von allen Zauberern im Reich Loki der Beste ist. Wenn der Junge nicht so darauf fokussiert wäre, Sigrid in Sicherheit zu bringen, hätte er den Prinzen sofort mit Fragen überschüttet.

„Wo ist sie? Wie viele waren dort?“, fragt Loki.

„Lagerplatz. Vier. Wir sollen am Weg warten“, erklärt Asmund schnell.

Loki verhüllt die beiden erneut und sie verschwinden vor seinen Augen, als er rasch weiter durch den Wald läuft.

Der Anblick, der ihn erwartet, ist kein hübscher. Die Männer im Zelt haben längst aufgehört zu schreien und er kann ihr beißendes, verbranntes Fleisch riechen. Die Pferde der Sklavenhändler bäumen sich auf und wiehern, wobei sie ihre Ohren aus Furcht anlegen. Der Geruch von Eisen hängt in der Luft und er sieht einen Körper auf dem Boden liegen. Der Mann ist tot, sein Bauch aufgerissen, während immer noch schwarzes Blut aus seinen Wunden sprudelt.

Loki ist schockiert, als er dich sieht, wie du dein Möglichstes tust, um der Umklammerung eines Mannes zu entkommen, der doppelt so groß ist wie du.

Es haben anscheinend nur zwei Männer im Zelt geschlafen. Der dritte ist zum Pinkeln aufgestanden und ist ins Lager zurückgestolpert, um zu sehen, wie du denjenigen folterst, der gedroht hat Sig zu vergewaltigen.

Du hast bereits zu viel von deiner Energie aufgebraucht und er hat es geschafft, dich zu ergreifen.

„Was hast du mit Gudbrand gemacht?!“, schreit der Mann, als er dir ins Gesicht schlägt.

Dein Kopf fliegt nach hinten und deine Lippe platzt auf. Er zieht dich an der Vorderseite deiner Leder nach oben, wobei deine Füße über dem Boden baumeln.

Du spuckst ihm Blut ins Gesicht und grinst. „Ich habe ihn ausgeweidet wie das Schwein, das er war.“

Nach deinem Satz habt ihr beide keine Zeit für mehr Gerede oder Gewalt. Da ist ein grüner Lichtblitz, so schnell, dass du nicht sagen kannst, wo er herkam, und der Mann lässt dich fallen, als er dir tot vor die Füße fällt.

Du spuckst mehr Blut aus, wobei deine offene Lippe schmerzt, und suchst nach der Quelle des Lichtes. Dunkelheit wirbelt um dich herum, als du dich für den kommenden Kampf bereitmachst.

Sig hat gesagt, dass es vier waren, aber du traust ihnen zu, dass ein Zauberer unter ihnen verborgen war.

Und dann erkennst du, dass dies ein Zauberer ist, den du nur allzu gut kennst. Der Killer verschwindet aus deinem Gesicht, während er dich anstarrt.

„Bist du verletzt?“, fragt Loki barsch, während er deine Lippe beäugt und auf dich zugeht.

„Was machst du hier?“, fragst du mit aufrichtiger Überraschung in deiner Stimme.

„Anscheinend dein Leben retten“, erwidert er sarkastisch, wobei er mit den Augen rollt.

„Oh, ich hatte es unter Kontrolle“, meinst du, während du grinst und deine Arme etwas anhebst. „Ich bin zurück. Ich habe sie alle wieder.“

Er weiß, dass du von deinen Fähigkeiten sprichst, dass das Gift endlich, endlich deine Adern verlassen hat. „Das bist du.“

 

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Asmund und Sigrid sitzen zusammen am Weg. Er hält sie in seinen Armen, während er versucht ihr Zittern zu beenden. Sie presst ihr Gesicht in sein Hemd und bemüht sich aufzuhören zu weinen.

Oh wie Asmund sie dafür büßen lassen würde, wenn er stark genug wäre. Er hat sich nie für einen Mörder gehalten, aber nachdem er die Dinge gehört hat, die aus dem Mund des Mannes gekommen sind, denkt er, dass er dazu in der Lage ist.

„Ihr seid beide für mich gekommen“, sagt Sigrid schluchzend. „I-Ihr seid beide wirklich gekommen.“

„Natürlich sind wir das“, erwidert Asmund in einem überraschten Tonfall. „Wie könnten wir nicht?“

„Hat sie dir hart zugesetzt?“, fragt Sigrid, wobei ihr Weinen abklingt. „Ich war mir nicht sicher, ob sie dir glauben würde.“

„Du hättest ihren grimmigen Blick sehen sollen, als ich ihr erzählt habe, dass du verschwunden bist“, teilt Asmund Sig mit. „Das war ich mir sicher, dass wir dich finden werden.“

Sigrid verstärkt ihren Griff an Asmund, während sie immer noch zittert. „Ich bin so dankbar. Ich hoffe, dass alles in Ordnung ist.“

Der Junge küsst sacht ihren Kopf. „Ich bin mir sicher, dass es das ist. Vier Männer gegen zwei Monster? Das Resultat ist leicht vorhersehbar.“

„Sie ist kein Monster“, bestreitet Sigrid leise.

„Ich glaube, dass ist sie“, erwidert Asmund. „Aber ich denke, dass das eine gute Sache ist.“

 

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Loki kann sehen, dass du absolut begeistert darüber bist, wieder dein altes Ich zu sein. Die meisten wären vor den Methoden zurückgeschreckt, die das herbeigeführt haben, aber der Prinz hat in seinem Leben viel vom Tod gesehen. Er selbst hat viele Leben genommen. Eine bestimmte dunkle Begeisterung steigt in ihm auf, als er sieht, was du alles kaltblütig gemacht hast, um jemanden zu beschützen, den du gernhast.

„Geht es dem Mädchen gut?“, fragt er, wobei er hofft, dass dein Unterfangen zumindest all den Ärger wert war. „Ich habe sie zusammen mit einem Jungen gesehen. Sie hat geschluchzt.“

„Sie ist wahrscheinlich aufgewühlt, aber ansonsten unverletzt, soweit ich weiß“, teilst du ihm mit, während du dir das Blut von deinem Kinn wischst. „Ich gehe besser zu ihnen zurück.“

„Warte einen Moment“, befiehlt Loki, während er näherkommt. „Deine Lippe.“

„Lass es“, meinst du, als du siehst, dass seine Hand anfängt grün zu leuchten. „Es tut kaum weh.“

„Das werde ich nicht. Halt still. Außerdem wird es dem Mädchen nicht gefallen.“

Du stöhnst und weißt, dass er wieder mal recht hat. „In Ordnung.“

Er macht einen Schritt auf dich zu und legt seinen Daumen auf die kleine Wunde, während seine restlichen Finger leicht dein Kinn streicheln.

Das lässt dein Herz schneller schlagen, was dich daran erinnert, was für ein Narr du bist.

Er sieht deine Augen an, die leichte Röte, die auf deinen Wangen erscheint. Er will ausradieren, was der Mann dir angetan hat, während er denkt, dass es vielleicht den Anblick, wie der Bastard dich schlägt, zusammen mit der Wunde aus seiner Erinnerung verschwinden lässt.

Dann erinnert er sich daran, wie du dich in jener Nacht von ihm abgewendet und ihn im Flur zurückgelassen hast, und er schaut düster drein, als er den Blick abwendet.

Sobald deine Lippe wieder ganz ist, machst du einen Schritt zurück. „So, du hast also meine Nachricht gefunden. Warum bist du hierhergekommen?“

Ihr beide fangt an zurück zum Weg zu gehen, als er abfällig antwortet: „Das habe ich dir schon gesagt: um dein Leben zu retten.“

„Ah, und ich nehme an, du möchtest, dass ich dir dafür danke oder sonst was.“ Er gibt keine Antwort, also siehst du ihn aus dem Augenwinkel aus an. „Nun… danke. Du weißt schon. Dafür, dass du den letzten Kerl getötet hast.“

Loki sieht dich nicht an, als er sagt: „Gern geschehen.“

Er ist verärgert. Das erkennst du. Du fängst nicht wieder eine Unterhaltung an, während ihr beide geht. Kurz bevor ihr den Weg erreicht, bleibt er stehen. Du drehst dich verwirrt um. Er starrt dich an, ein dunkler Schatten, der nur vom Licht des Mondes im Umriss dargestellt wird.

„Warum?“, fragt er dich.

Du kannst nicht einmal so tun, als ob du nicht weißt, wovon er spricht. Du wendest unbehaglich deinen Blick ab. „Hör zu, können wir das später machen? Ich will nach Sig sehen.“

Lokis Schultern sind starr und als du ihn ansiehst, schaut er dir in die Augen. „Also gut. Später.“

Und du weißt, dass du diese Unterhaltung nicht länger vermeiden kannst.

 

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Sig läuft auf dich zu, als du den Wald verlässt. Loki hebt seinen Zauber auf, wodurch die beiden Diener wieder sichtbar werden, und du hast kaum Zeit, dich auf die Umarmung vorzubereiten.

Der Mann und der Junge sehen beide zu. Dein Körper ist starr, aber du reibst ihr beruhigend über den Rücken. „Hey, Siggy. Geht es dir gut?“

Sigrid nickt. Als sie sich endlich von dir löst, ist ihr Körper mit dem Blut von deinen Ledern beschmiert. Ihr verzieht das Gesicht, als ihr beide euer bestes gebt, euch von den roten Spritzern zu säubern.

Du willst nicht durch die Palasttüren gehen, während du deinem Beinamen ‚Blutiger Krieger‘ gerecht wirst.

Gesäubert und bereit, euch auf den Rückweg zu machen, entdeckt eure sonderbare Gruppe ein Problem. Ihr habt nur ein Palastpferd, während ihr zu viert seid. Letztendlich kehrt Loki zum Lager zurück, um die Pferde der Sklavenhändler zu holen, die Tiere nach dem ursprünglichen Handgemenge vergessen.

Du magst Reiten nicht. Du magst Pferde nicht. Aber du weißt, dass Sigrid sich Sorgen machen würde, falls du verschwindest, also reitest du brav gemeinsam mit den anderen am hinteren Teil der Gruppe.

Sig sitzt hinter Asmund, wobei sie mit ihrem Kopf an seinen Rücken gelehnt einnickt. Loki ist an der Spitze und hat die Zügel der zwei zusätzlichen Tiere an sein Pferd gebunden.

Selbst im Trab ist es ein langer Ritt. Loki kann sein Pferd nicht weiter antreiben, das arme Tier ist ziemlich erschöpft. Bei dem derzeitigen Tempo schätzt er, dass ihr alle in den frühen Morgenstunden den Palast erreichen werdet.

Die Reise gibt ihm Zeit, darüber nachzudenken, was du zu ihm sagen wirst, was er dich fragen sollte. Er hat die Absicht, das zu machen, sobald das Mädchen sicher im Bett ist, und ihr zwei alleine seid.

Allerding, als ihr endlich zurück seid, kann Loki sich nicht dazu bringen, noch mehr von dir heute Nacht zu verlangen. Du siehst so müde aus, wie er sich fühlt. Nachdem ihr die Pferde bei den Ställen zurückgelassen habt, wünscht er euch dreien einen erholsamen Morgen und schreitet über das Gelände hinweg davon.

Du bist dankbar.

Asmund verlässt Sig nur widerwillig, aber du teilst ihm mit, dass du heute Nacht bei ihr bleiben wirst. Er gibt ihr einen schnellen Kuss, wobei er ihr verspricht sie morgen zu besuchen, und bricht dann auch auf.

Du bist dir nicht sicher, ob Sigrid es die Stufen zu deinem Zimmer hinaufschafft. Das arme Mädchen sieht aus, als ob es gleich umfällt. Keiner von euch macht sich die Mühe, sich auszuziehen, bevor ihr praktisch auf dein Bett fallt. Sig rollt sich an deiner Seite zusammen, während du ungeschickt neben ihr ausgestreckt bist.

Du magst es normalerweise nicht, ein Bett mit anderen zu teilen, egal wer es ist, aber du schläfst zu schnell ein, als das es dich heute Nacht interessiert.

Chapter Text

Sigrid steht am Morgen auf, wobei sie ihr Bestes tut, dich nicht zu wecken. Sie kann einfach nicht mehr schlafen. Als sie kurz zu dir hinübersieht, ist das erste, was sie bemerkt, dass du die Verschlüsse an deinen Ledern falsch befestigt hast. Sig erlaubt sich ein kleines Lächeln und macht sich daran, verschiedene Aufgaben zu erledigen, um nicht an andere Dinge zu denken.

Ihr Herz schlägt schnell, wenn die Erinnerungen an die Oberfläche schlüpfen, während sie die Hallen des Palastes entlanggeht. Sie starrt jeden, der an ihr vorbeigeht, nervös an und sieht über ihre Schulter, wenn es passiert, dass sie alleine in einem Raum ist. Sie kann einfach nicht anders, als schreckhaft zu sein.

Als sie in dein Zimmer zurückkehrt, ist sie überrascht, dass du wach bist. Du hast bereits gebadet und versuchst andere Leder anzuziehen. Du hast keine Probleme mit den Armschienen, aber das Mieder bereitet dir immer Schwierigkeiten.

Sigrid geht zu dir hin, um dir zu helfen.

„Hey, wie geht’s dir, Sig?“, fragst du sie.

„Mir geht es gut“, meint sie, während sie den Rest deines Outfits sachgerecht befestigt.

Du legst eine Hand auf ihre Schulter und sie schnieft und wendet den Blick ab.

„Hey, Kleine, hör mal zu. Das wird schon. Und wenn es dir nicht gut geht, ist das auch vollkommen in Ordnung. Aber nichts wird dir weh tun und am Leben bleiben, solange ich da bin.“

Sigrid blickt zu dir auf, wobei ihre goldenen Augen mit Tränen gefüllt sind. „Danke, dass du für mich gekommen bist.“

„Oh, lass das“, sagst du zu ihr, während du ihre Schulter anstupst. „Du hast gesehen, wie ich versucht habe dieses hässliche, blaue Kleid auszuziehen, als wir uns begegnet sind. Ich wäre ohne dich vollkommen hilflos.“

Sig schenkt dir ein schwaches Grinsen und du wünscht dir, dass du die Mistkerle, die sie entführt haben, noch einmal umbringen könntest. Sigrid räuspert sich. „Was wirst du heute machen?“

Du siehst zu ihr hinüber. „Das weiß ich noch nicht. Ich überlege, ob ich bald zu den Trainingsgeländen gehe, aber ich muss vorher noch was erledigen.“

Du nimmst an, dass Loki darauf warten wird, mit dir zu sprechen, und der der Gedanke lässt dich höhnisch die Wand angrinsen.

„In Ordnung, wohin gehen wir?“, fragt Sigrid.

„Gant ruhig, Sig. Ich will, dass du heute hierbleibst und dich ausruhst“, teilst du ihr mit. „Geh und unternimm etwas mit deinem Freund, macht etwas… ich weiß nicht… Ruhiges.“

„Freund?“, fragt Sigrid dich.

„Ja, der Winzling… äh…. Asmund.“

„Oh!“, sagt sie, während ihre Wangen rot werden. „Ja. Er macht mir den Hof.“

„Genau, also treib dich heute mit ihm herum.“

Sigrid scharrt mit den Füßen. „Ich weiß nicht…“

„Hey, wenn du mich brauchst, kannst du dein Gedankending bei mir benutzen.“

Sie schaut dich an, während sie sich besorgt auf die Lippe beißt. Sie hat nicht wieder versucht dich in Gedanken zu kontaktieren, da sie sich an den flüchtigen Ausdruck von Besorgnis erinnert, der auf deinem Gesicht erschien, als du realisiert hast, was passiert ist. Aber sie vermutet, dass sich die Bindung zwischen euch beiden nach ihrer Rettung ungeheuer verstärkt hat, also ist sie sich ziemlich sicher, dass sie dich jetzt jederzeit kontaktieren kann.

„Wird Prinz Loki dich auf die Trainingsgelände begleiten?“, fragt Sigrid. „Sie wollen sonst vielleicht nichts mit dir zu tun haben.“

Du schürzt die Lippen, als du über ihre Frage nachdenkst. „Ähm… ich weiß nicht. Das werden wir wohl sehen, nicht wahr?“

 

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Als Thor dich im Speisesaal erblickt, ist er mehr als überrascht. „Sei gegrüßt, Krieger! Bist du endlich zum Essen heruntergekommen?“

Du hebst den Blick von deinem Essen, als du seine Stimme hörst, und schenkst dem Mann ein kleines Lächeln. „Hey. Ja, ich dachte mir ich würde heute frühstücken.“

„Du hast deine Leder an. Endlich bereit, auf dem Gelände zu trainieren?“, fragt er grinsend.

Es ist, als ob die Götter deine Gebete erhört haben. „Ja!“, gibst du an, wobei du deinen Teller wegschiebst. „Bitte sag mir, dass du auch dorthin gehst.“

„Aye! Meine Gefährten und ich trainieren dort jeden Morgen nach unserem Lauf. Du kannst dich uns gerne anschließen, wenn du willst.“

„Das wäre fantastisch“, meinst du, als du aufstehst. Du zögerst kurz und fragst ihn dann: „Äh, bist du dir sicher, dass das in Ordnung ist? Ich kenne deine Freunde nicht wirklich allzu gut.“

„Ach, komm. Ich habe nichts dagegen und sie wird es auch nicht stören“, teilt der Mann dir mit.

 

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Hogun hat etwas dagegen. Das erkennst du an der Art, wie der schroff aussehende Mann dich beäugt. Als du siehst, wie er dich anstarrt, hast du beschlossen sie nicht bei ihrem Lauf zu begleiten, auch wenn der Prinz es dir angeboten hat. Du ziehst es stattdessen vor, das Trainingsgelände zu erkunden.

Es gibt Zielscheiben und Dummys, die einen Bereich säumen, und einen großen Kreis, abgenutzt von den Füßen zahlloser Soldaten, fürs Kampftraining. Du stehst in dessen Mitte; das Gelände ist frei von Menschen, da all diese in den Kasernen wissen, dass Thor und seine Freunde in den frühen Morgenstunden trainieren.

Du bist es nicht gewohnt, vormittags wach zu sein. Du weißt nicht, warum du nicht länger schlafen konntest, aber du hast das Gefühl, dass es etwas mit deiner ereignisreichen Nacht zu tun hat.

Der Drang zu kämpfen, mit jemandem zu trainieren, ist nie stärker gewesen.

Du drehst dich um, als du Gelächter hörst, und siehst, dass die Krieger ihren Lauf beendet haben. Sie gehen auf dich zu und der Blonde namens Fandral ruft dir zu.

„Also immer noch hier? Du musst entschlossen sein!“

„Warum sagst du das, Fandral?“, fragt Sif.

„Ich hätte gedacht, dass der olle Hogun sie abschrecken würde“, erwidert er, während er Hogun mit seiner Schulter stupst.

Der schroffe Mann ist weiterhin nicht amüsiert.

Du rollst mit den Augen und Volstagg sagt zu Fandral: „Du bist dreist, solch eine Bemerkung zu machen. Ich bezweifle, dass es viel gibt, was sie einschüchtert.“ Er schaut zu dir und grinst dich an.

„Da hast du recht“, meinst du mit einem Schulterzucken.

„Nun, furchtloser Krieger, wenn du zum Kämpfen hier bist, wirst du sehen, dass ich in der Lage bin, es mit dir aufzunehmen“, sagt Fandral, wobei er dir zuzwinkert.

Du prustest und rufst dein Schwert herbei. „Na schön, wenn du darauf bestehst.“

„Ich wette auf das Mädchen“, murmelt Thor zu Sif.

Sie schmunzelt. „Die Wette werde ich nicht annehmen.“

„Hogun?“, fragt Thor.

Der Mann ignoriert ihn, während er finster das Schwert in deiner Hand ansieht, als du deine Kampfposition einnimmst.

Fandral hatte es für klug gehalten, dich zu schonen, da er wusste, dass du dich vor nicht allzu langer Zeit noch erholt hast. Du schlüpfst so schnell an seiner Verteidigung vorbei und hältst dein Schwert an seine Rippen, dass er sprachlos ist.

Danach ist er nicht mehr nachsichtig.

Fandral ist gut mit einem Schwert. Er hat einen kräftigen Schlag und breite Schultern, um seine Hiebe zu unterstützen. Hogun beobachtet dich beim Kämpfen und versucht deine Schwächen herauszufinden. Du bist schnell auf den Beinen und immer in Bewegung. Er sieht den analytischen Blick, mit dem du deinen Gegner anschaust. Das macht dich gefährlich und es gefällt ihm nicht.

Nach einer Weile bringst du Fandral wieder zu Boden, wobei du ihn reizt, sodass seine Schläge immer wilder werden, bis seine Verteidigung für dich offen genug ist, um einen Treffer zu landen. Er versucht eine Revanche zu verlangen, aber Sif tritt stattdessen nach vorne und zieht ihr eigenes Schwert.

Gegen Sif zu kämpfen ist anders und aufregend. Sie ist gut in dem, was sie tut, und ebenfalls leichtfüßig. Ihr Stil ist sehr analytisch, ihr Blick erfasst dich und sieht deine Bewegungen voraus. Du bedrängst Sif mit vielversprechenden Angriffen, wobei du dein Bestes tust, sie zu überraschen.

Am Ende erweist du dich als würdig, auf dem Gelände zu trainieren.

 

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Loki wacht ausgestreckt auf seinem Bett auf, wobei sein Kopf nicht einmal auf einem Kissen liegt. Er ist immer noch müde und reibt sich die Augen und massiert seinen Nacken, als er sich aufsetzt. Seine Muskeln schmerzen davon, dass er in einer merkwürdigen Lage geschlafen hat und er massiert sie in der Hoffnung den Schmerz zu vertreiben.

Die Sonne scheint durch seine Vorhänge und er stellt fest, dass es schon Nachmittag ist.

Er hat heute Dinge zu erledigen. Er soll sich mit seinen Zauberern treffen, an einem Budgetmeeting teilnehmen und mit seiner Mutter über ihre bevorstehende Geburtstagsfeier sprechen.

Er hat keine Lust, irgendetwas davon zu machen.

Der Prinz, schließlich gekleidet für den Tag, geht gähnend die Flure des Palastes entlang. Er ist ein bisschen hungrig und beschließt essen zu gehen, bevor er mit den Dingen auf seiner Aufgabenliste anfängt.

Als er den geringeren Speisesaal passiert, ist er überrascht, Thors Gelächter erklingen zu hören. Isst sein Bruder heute mit seinen Freunden? Loki findet sie alle laut und lästig und wirft einen Blick in den Saal, als er daran vorbeigeht.

Er erstarrt, sogar noch schockierter, zu sehen, dass du verlegen bei ihnen sitzt. Während Thor und seine Freunde lauthals lachen, sitzt du mit einem kleinen Lächeln im Gesicht da. Der einzige, der sich über gar nichts zu amüsieren scheint, ist Hogun der Grimmige, der sein Essen nicht angerührt hat.

Loki betritt den Speisesaal, während er sich wundert, wie es zu diesem unerwarteten Geschehnis gekommen ist. Als er näherkommt, bemerkt er noch mehr, wie fehl am Platz du zu sein scheinst. Die Männer wirken neben dir noch größer und breitbrüstiger und Sif hat mehr Muskeln an ihren Armen, als du an deinem ganzen Körper. Es scheint, als ob sie dich ohne große Mühe zerquetschen könnten.

Seine Annahme erweist sich als falsch, sobald Thor ihn erspäht. „Bruder! Du hast zu lange geschlafen und das Spektakel verpasst! Fandral, erzähl ihm, wie oft sie dich niedergeschlagen hat!“

Fandral verdreht die Augen und pustet mit einem Atemstoß eine Haarlocke von seiner Stirn. „Sie ist gut, ja, das wissen wir alle.“

Sif, Thor und Volstagg kichern, wobei Sif innehält, um einen Schluck von ihrem Getränk zu nehmen.

„Wir machen doch nur Spaß, Fandral“, meint Volstagg, wobei seine Stimme in seiner Brust hallt. „Du weißt doch, dass wir es lieben, dich geschlagen zu sehen.“

„Sadisten, samt und sonders“, stöhnt er, während er mit den Augen rollt und einen großen Schluck aus seinem Krug nimmt.

„Klingt ereignisreich“, bekundet Loki. Er fühlt sich immer uneins in Gegenwart der Begleiter seines Bruders.

„Was sind deine Pläne für heute, Loki?“, fragt Thor. „Wir werden zum Trainingsgelände zurückkehren. Du solltest uns begleiten!“

Das bereitet jedem seiner Freunde großes Unbehagen. Sie wissen, dass Thor seinen Bruder liebt, aber keiner seiner Gefährten hat sich je wahrlich… sicher gefühlt, wenn der jüngere Prinz in der Nähe ist, egal wie oft sie an seiner Seite gekämpft haben.

Loki grinst spöttisch. „Danke, aber ich habe heute Besseres zu tun, als mit dir und deinen Freunden herumzualbern.“

 

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Du hast überaschenderweise viel Spaß in der Gesellschaft des Gottes des Donners. Thor ist draußen um einiges sinnvoller. Innerhalb der makellosen Räume des Palastes ist er zu groß und zu laut. Draußen scheint er selbstverständlich zu sein. Es gab eine Zeit in deinem Leben, da hättest du die wilde Natur von Thor und seinen Freunden wahrlich genossen. Allerdings ist diese Zeit längst vorbei.

Du kämpfst gegen jeden außer Hogun, der sich immer noch weigert deine Existenz zur Kenntnis zu nehmen. Thor, auch wenn er eine Vorliebe für seinen Kriegshammer Mjolnir hat, weiß immer noch, wie man mit einem Schwert umgeht. Er ist dir kraftmäßig bei weitem überlegen und jedes Mal, wenn sich eure Klingen treffen, spürst du Elektrizität in deinen Fingern kribbeln.

Bevor der Abend anbricht, geht Thor für irgendein Treffen fort und du kehrst nach ihm in den Palast zurück, sobald du allen dafür gedankt hast, dass sie sich heute die Zeit für dich genommen haben.

Du bist dir endlich wieder deiner Fähigkeiten sicher und die Tatsache hebt deutlich deine Stimmung. Du bist immer noch nicht gänzlich bei voller Stärke, aber nur diejenigen, die dich am besten kennen, könnten das erkennen.

Du nimmst an, dass Loki vor deiner Tür warten wird.

Du liegst falsch.

Er ist in dem Zimmer.

„Schon mal was von Privatsphäre gehört?“, sagst du mit einem Augenrollen, als du die Tür hinter dir schließt.

„Was hast du schon zu verstecken?“, fragt er, während er von dem Stuhl aus, auf dem er sitzt, in deinem leeren Zimmer herumgestikuliert.

„Naja… ich schätze nicht viel, aber trotzdem“, meinst du mit einem Schulterzucken. „Ich sollte wirklich anfangen meine Tür abzuschließen.“

„Weil das sicher diejenigen abhalten wird, die herein wollen“, sagt Loki sarkastisch.

Du zögerst in der Nähe in der Tür. Du willst diese Unterhaltung nicht führen. Du magst solche Gespräche nicht. Und du weißt nicht, wie du anfangen sollst.

Du seufzt laut und setzt dich auf den Stuhl, der dem gegenübersteht, auf dem Loki sitzt.

„In Ordnung…. Also…. Jepp…. Ich bin nicht gut in so was“, sagst du, während du den Boden anstarrst.

Der Prinz schnaubt. „So scheint es.“

„Wenn du darin so besser bist, dann schieß los“, meinst du, wobei du ihm einen hitzigen Blick zuwirfst, bevor du wieder den Teppich anschaust.

Du kannst seinen Blick auf dir spüren und es lässt dich rot werden.

„Warum bist du in Panik geraten?“

Du nimmst einen tiefen Atemzug und atmest langsam durch die Nase aus, während du dich nach vorne lehnst, bis du deine Ellbogen auf deinen Knien aufstützt. Du ziehst den Kopf ein. „Ich… ich weiß es nicht…. Ich meine… ich weiß es nicht, mir ist Scheiße passiert, weißt du?“

Loki versucht herauszufinden, wie er fortfahren soll. „Zum Beispiel?“

„Es ist einfach alles zu vertraut“, stöhnst du, während du dir übers Gesicht streichst. „Ich habe das schon einmal durchgemacht und das geht nicht gut aus. Ich habe… ich habe Dinge zu erledigen. Ich habe keine… Zeit.“

Das Schweigen zieht sich für eine Weile hin und du erwartest, dass er aufsteht und das Zimmer verlässt.

„Hasst du mich immer noch?“, fragt er dich gleichgültig.

„Du bist immer noch ein Arschloch“, antwortest du, wobei du ihn endlich anschaust. Er erwidert deinen Blick und du seufzt. „Nein, tu ich nicht. Aber ich wünschte ich täte es.“

„Warum?“, fragt er, obwohl er bereits die Antwort kennt.

„So wäre es einfacher“, meinst du mit einem wütenden Blick und stehst dann auf, um auf- und abzugehen.

„Also sag mir, warum“, verlangt er, während er ebenfalls aufsteht, wobei seine Worte jetzt schneller kommen, da du dich bewegst. „Warum bist du zurück in den Flur gekommen?“

„Ich weiß es nicht“, schnauzt du ihn mit einem finsteren Blick an, als du dich umdrehst. „Das hätte ich nicht tun sollen. Das war dumm.“

„Warum ist es das?“, fragt er hitzig.

„Das habe ich dir bereits gesagt!“, zischt du. „Ich habe keine Zeit.“

„Asgard befindet sich immer im Krieg“, faucht Loki. „Du denkst, irgendjemand hat Zeit? Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich allein in diesem Jahr in die Schlacht geritten bin. Wenn du auf Frieden wartest, wirst du nie Zeit für etwas haben.“

„Gib mir einen guten Grund“, knurrst du, während du dich ihm zuwendest. „So eine Scheiße ist eine gefährliche Ablenkung.“

„Genau wie das Mädchen, auch wenn du damit einverstanden zu sein scheinst, sie gern zu haben. Deine Feinde hätten sie gefangen nehmen können, hast du daran schon mal gedacht? Der Junge hätte verkleidet sein können. Er hätte dich zu deinem Tod führen können, aber hast du innegehalten, um etwas davon zu hinterfragen? Nein. Das ist es, was ich gefährlich nennen würde.“

Dein Mund öffnet und schließt sich ein paarmal. Du kannst nicht zugeben, dass er Recht hat. Jedenfalls nicht solange er anwesend ist. „Warum verdammt nochmal kümmert dich das?“

„Oh, mal sehen“, sagt Loki eisig, während er eine Hand an sein Kinn legt, als ob er nachdenkt. „Es scheint… ja… weißt du was? Ich denke, dass ich mich zu dir hingezogen fühle. Jedoch, bei den Sternen im Himmel, kann ich nicht klären, warum.“

Er kann den Satz nur zwischen zusammengebissenen Zähnen hervorpressen. Du weichst ein paar Schritte von ihm zurück, wobei dir seine wütenden grünen Augen folgen. „Nicht. Wag es ja nicht, das zu sagen.“ Du reibst dein Gesicht und fängst wieder an herumzugehen. „Ooooh, ich kann das nicht tun. Ich kann das nicht tun.“

„Dann sind wir hier fertig“, sagt der Prinz in einem kühlen Ton, während er auf die Tür zugeht.

Du fühlst dich, als ob du schreien könntest und du lässt ihn beinahe hinausgehen. „Warte.“

Er dreht sich langsam zu dir um, wobei sein Blick dunkel vor vorgetäuschter Gleichgültigkeit ist. „Was willst du?“

Du schließt deine Augen und nimmst einen weiteren tiefen Atemzug. Als du sprichst, kommen deine Worte langsam und schwerfällig. „Ich bin nicht gut mit… Gefühlen. Aber… ich fühle mich zu dir hingezogen, okay? Da bitte.“

Er wartet einen Herzschlag lang. Und dann noch einen. Loki durchquert den Raum, bis er bei dir ist, und du siehst argwöhnisch zu ihm hoch. „Dann vergiss die Gefühle. Du hast vor zu sterben, das weiß ich. Aber solange du lebst, will ich dich haben.“

Er ergreift die Vorderseite deiner Leder und zieht dich grob mit einem Ruck an ihn heran. Du starrst zu ihm nach oben, mit einem wütenden Feuer in deinen Augen. „Du bist ein Bastard.“

„Das bin ich“, stimmt er dir zu.

„Fick dich“, sagst du.

„Fick mich“, knurrt er in dein Ohr.

Chapter Text

Du bist Feuer, denkt er sich. Alles an dir ist warm, erhitzt, feurig. Seine kalten Hände hinterlassen Reihen von Gänsehaut auf deiner Haut.

Du weißt nicht mehr, wer sich zuerst nach vorne gelehnt hat. Hat er wütend seine Lippen auf deine gepresst oder bist du zu ihm gekommen? Du beschließt, dass es dir egal ist.

Scheiß drauf, scheiß drauf, scheiß drauf, ich will ihn. Warum?

Du weißt, warum, aber du kannst nicht den Überblick über deine Liste von Gründen behalten, als seine Zähne an deiner Unterlippe ziehen.

Loki verlässt deinen Mund, um eine Spur leidenschaftlicher Küsse auf deinem Hals zu hinterlassen. Er hört, wie du scharf einatmest, als du versuchst zu Atem zu kommen, und er findet das leise Geräusch sehr erregend.

Er hatte schon immer eine Schwäche für die Geräusche, die seine Liebhaber von sich geben, und er denkt, dass deins das attraktivste ist (bestimmt Voreingenommenheit durch die Hitze des Augenblicks).

Jetzt da deine Lippen frei sind, machst du den Mund auf. „Warte, warte.“

„Was?“, knurrt er von deinem Hals aus.

„Sig wird bald herkommen. Vielleicht nur… vielleicht sollten wir nicht…. Das ist sowieso eine schlechte Idee, meine ich...“

Er hakt ein paar Finger durch einen der Verschlüsse deiner Leder und dreht sich weg, während er dich mit sich zieht. Er hat die Nase voll vom Warten. Lust, die viel zu lange geschlummert hat, baut sich auf eine bestimmte Weise auf.

Du folgst ihm in den Flur und schließt die Tür hinter dir. „Äh, sie wird sich Sorgen machen.“

„Dann sag ihr, dass sie nicht auf dich warten soll“, entgegnet er.

Das lässt dir den Atem stocken und er bemerkt es.

Du bist dir nicht sicher, ob du es schaffst, Sigrid zu kontaktieren, aber du tust dein Bestes.

Sig, ich werde nicht da sein, wenn du zurückkommst. Mach dir darüber keine Sorgen.

Ist alles in Ordnung?

Du bist überrascht, sie antworten zu hören.

Ja, ich bin nur… beschäftigt.

Er zieht erneut an dir, wobei er dein Tempo beschleunigt. Er ist besorgt, dass der Gang zu seinen Gemächern dich einen Rückzieher machen lässt. Es steht dir frei, das zu tun, das weiß er, aber hofft, dass du es nicht machst.

Er hätte dich in deinem ausgeliehenen Bett haben können, aber er will dich in seinem Bett, will fühlen, wie du dich vor Wollust unter ihm windest. Bei dem vorgestellten Szenario spannen sich seine Muskeln an.

Er will hören, wie du seinen Namen sagst, die eitle Kreatur, die er ist.

Er öffnet die Tür zu seinen Räumlichkeiten und er ist erfreut, wenn du die Lücke zwischen euch beiden schließt, noch bevor die Tür zugegangen ist. Er findet wieder deine Lippen und küsst sie intensiv, wobei sein Verlangen seine Handlungen grob werden lässt.

Du erwiderst seine wütende Leidenschaft, was ihn noch ungestümer macht. Du spürst, wie dein Rücken gegen die Wand neben der Tür prallt, während seine Finger an den Verschlüssen deiner Leder arbeiten. Er befreit dich mühelos von der obersten Lage der Rüstung und wirft sie zur Seite. Seine Hände treffen auf deine Haut, als sie an deinen Seiten unter deinem Unterhemd hochfahren.

Du klammerst dich an seine Schultern, überrascht über seine kalte Berührung. Du bewegst deine Lippen von seinen und küsst stattdessen sein Kinn. Er ergreift deine Seite mit einer Hand, während er seine andere nach oben schiebt, um hart deine Brust zu umfassen, wobei sein Daumen über deinen Nippel reibt.

Das lässt dich nach Luft schnappen, ein weiteres entzückendes kleines Geräusch.

Er ist sich nicht sicher, ob er sich lange genug zurückhalten kann, um dich zu seinem Bett zu bekommen. Du bist zu viel. Die Schauer, die du mit der Art, wie du seinen Hals küsst, verursachst, wie dein Atem bei seiner Berührung stockt und wie dein Herz direkt unter seinen Fingern schlägt. Er ist noch nie gieriger gewesen, die Lust füllt jeden Zentimeter seines Körpers aus.

Er hebt dich hoch, wobei er spürt, wie sich deine Beine um seine Taille schlingen. Deine kleine Gestalt wiegt so gut wie nichts. Er hält dich, während sein Mund einmal mehr mit deinem beschäftigt ist, und er trägt dich weiter in seine Gemächer hinein.

Deine Finger fummeln an irgendwelchen Verschlüssen rum, die du erreichen kannst, während du ihn küsst, und du löst versehentlich den Umhang von seinen Schultern. Er lässt ihn zerknittert auf dem Boden liegen. Sein Bruststück ist schwerer für dich zu bewältigen, aber bald löst es sich auch und fällt hinter ihm auf den Boden. Bevor er sein Schlafzimmer erreicht hat, hast du ihn ebenfalls von seinem grünen Unterhemd befreit.

Du lässt sofort deine Hände über seinen Rücken wandern, wobei sein Fleisch weich unter deinen Fingern ist, und beißt stärker in seine Unterlippe.

Er macht sich nicht die Mühe, die Türe des Zimmers zu schließen, und schiebt deine Beine von seiner Taille, damit er dich auf sein Bett legen kann. Deine Hände erkunden die nackte Haut seiner Brust, wobei du fühlst, wie sich seine Muskeln verschieben, als er sich bewegt.

Loki ist dünn, aber nicht unfit. Sein geschmeidiger Körper ist wohl definiert und du fährst diese Muskeln mit deinen Fingern nach, während deine Zunge gegen seine gleitet. Er hebt deine Hände von ihm und zieht dir ungeduldig dein Hemd aus, wobei er seine Lippen bewegt, um deine entblößte Haut zu küssen.

Du erlaubst dir nicht zu stöhnen. Du willst dich nicht lächerlich machen. Stattdessen beschleunigt sich deine Atmung und dein Herz schlägt schneller, als er den Rest deiner Kleidung von deiner Brust entfernt.

Seine Knie sind zu beiden Seiten deiner Beine, wobei seine Härte gegen dich gedrückt ist, als er sich wieder über dich lehnt. Du hattest noch nie einen Mann, der so begierig ist, dich zu haben. Er nimmt eine deiner Brüste in die Hand, während er den Nippel der anderen in den Mund nimmt, wobei seine andere Hand deinem Bauch hinab folgt, um an deinem Gürtel zu arbeiten.

Du schaffst es, leise zu bleiben, auch wenn du dich nicht davon abhalten kannst, verzweifelt nach seinem Kopf zu greifen, um eine Handvoll seiner dunklen Haare zu ergreifen. Die Art und Weise, wie sich dein Körper nach oben biegt, ist genug für ihn, um zu wissen, dass es dir gefällt. Du bist nicht laut, aber er ist entschlossen, das zu ändern. Er will das, braucht diesen Aspekt des Sex fast genauso sehr wie den körperlichen Akt selbst.

Er öffnet deinen Gürtel und küsst dich entlang deiner Vorderseite. Du versuchst dich aufzusetzen und er legt eine Hand auf deinen Bauch, damit du liegen bleibst, während er sanft in deine entblößte Hüfte beißt.

Du umgreifst fest seinen Arm und ziehst daran in dem Bestreben, dass er zu seiner ursprünglichen Stelle zurückkehrt. Er zieht gleichzeitig deine Lederhose und Unterwäsche herunter, wobei er seinen anderen Arm aus deinem Griff befreit, um die Handlung zu vollenden. Er küsst die alte Narbe auf deiner Wade, während er dir deine Stiefel auszieht.

Loki lässt seine Hände an deinen Schenkeln hochgleiten, als er wieder näher an dich herangeht, wobei er hungrig den Anblick deines Körpers wahrnimmt. Deine neueren Wunden sind verblasst und sind beinahe unsichtbar, während die alten sich immer noch geisterhaft an deinem Fleisch festhalten. Seine Finger streichen sanft über die erhöhte Linie der Narbe auf deinem Schenkel.

Du richtest dich sofort auf, wobei du wieder mit deinen Händen durch seine Haare fährst, als er solange an deiner Hüfte saugt, bis er einen blauen Fleck hinterlässt. Er markiert dich, beinahe eine Beanspruchung, und es interessiert ihn zu sehen, wie lange er auf deiner Haut bleiben wird.

Er drückt dich wieder nach unten, ohne sich bewegen, und als er seinen Kopf zwischen deinen Beinen vergräbt, fängst du fast, fast, an zu stöhnen. Seine Zunge schnellt über deine empfindlichsten Bereiche, während seine Hände deine Hüfte festhalten. Da er dich flach liegen ließ, klammerst du dich an seine Bettdecke an Stelle von seinem Körper. Seine warme Zunge lässt dich keuchen und nach Luft schnappen und doch kann er dir nicht die Geräusche entlocken, die er so sehr ersehnt.

Als er hört, dass sich dein Atem rapide beschleunigt, überlegt er dich auf diese Weise zum Ende zu bringen. Aber er ist, und wird es auch immer sein, ein gieriger Mann und es wird nicht genug sein. Nicht für ihn. Er will Flüche aus deinem Mund hören, will dir so viel Vergnügen bereiten, dass du stöhnst. Er zieht seinen Kopf weg und fängt an auf deinen Schenkeln Küsse zu hinterlassen. Du setzt dich wieder auf, bevor sein Arm nach oben schnappen kann, um dich unten zu halten, und küsst sofort alles von ihm, was du erreichen kannst, während du dich bemühst ihn seiner restlichen Kleidung zu entledigen.

Du hast schon längst aufgehört darüber nachzudenken, was du machst, was die Konsequenzen sind, wer er ist. Er hat gesagt, dass du Gefühle vergessen sollst, also machst du das. Es ist leichter, Lust (anstatt der sanfteren Emotionen) dein Sexleben lenken zu lassen. Die Art und Weise, wie er dich berührt, wie er atmet, wie er dich ansieht…. Du kannst nicht so tun, als ob er dich nicht will, so wie du dazu geneigt bist, es dir selbst weißzumachen.

Deine Augen sind dunkel, als er dich ansieht, wobei Feuer den Stahl schmilzt, den er gewöhnlich sieht. Er wirft die Decke zu Seite und hebt dich etwas an, wobei er dich an ihn heranzieht, als er euch beide verlagert, damit ihr korrekt auf dem Bett liegt.

Er spürt, wie deine Finger über seinen Körper gleiten, deine Handflächen warm auf seiner Haut. Eine Hand streicht über seine Vorderseite und ihm stockt der Atem, als deine Finger seine Leiste streifen.

Er fragt nicht. Das muss er nicht, dein Verlangen nach ihn mit jeder Bewegung deines Handgelenkes mehr als deutlich. Du bist glitschig vor Lust, als er in dich eindringt, und er entlockt dir endlich ein leises Stöhnen aus deinem Hals.

Er bewegt seine Lippen dorthin, zu dem Ursprung des Geräusches, wobei eine Hand deine Schulter umklammert und die andere durch deine Haare fährt, als er anfängt seine Hüften zu bewegen. Dein Körper biegt sich ohne deine Erlaubnis nach oben und kannst deine Hände nicht davon abhalten, wild nach seinem Rücken zu greifen.

Es ist besser als du gedacht hast. Loki versucht immer im Schlafzimmer bei klarem Verstand zu bleiben, aber er verliert sich versehentlich selbst, als er dich unter ihm spürt. Das Gefühl von dir um ihn herum lässt ihn leise stöhnen und er kann sich nicht davon abhalten, rapide Flecken an verschiedenen Stellen auf deiner Schulter zu hinterlassen.

Deine Nägel kratzen bei der Handlung über seinen Rücken und seine Hände bewegen sich rasch über deinen Körper, wobei sich eine auf deine Brust legt und deinen Nippel kneift, als seine Stöße schneller werden. Er neigt seinen Kopf, um seine Finger durch seinen Mund zu ersetzen, auf einer Brust nach der anderen. Selbst dann saugt er stark genug, um mehr blaue Flecken zu hinterlassen.

Du keuchst bei dem Schmerz und er fährt mit seiner Zunge über deinen Körper, bis sein Gesicht wieder bei deinem ist. Du küsst seine Lippen, seine Wange, die Seite von seinem Kinn, seinen Hals und du unterdrückst ein Stöhnen, indem du fest auf seine Schulter beißt.

Sein Griff an dir verstärkt sich, als er aufhört sich zu bewegen. Er drückt deinen Kopf nach unten, weg von seiner Schulter, und küsst deine Wange, bevor er in dein Ohr zischt: „Gib auf. Ich höre sie.“

Allein seine Worte lassen dich noch schneller atmen. Er fädelt einen Arm unter dich, um deine Hüfte anzuheben, während seine andere Hand dich fest an deiner Seite packt.

Du kannst einfach nicht anders. „Fuck“, stößt du hervor, wobei du dir auf die Lippe beißt und deinen Kopf zurücklehnst, als seine Hüften schneller gegen deine prallen. Er nutzt deinen entblößten Hals aus und platziert mehr kleine Markierungen auf deiner warmen Haut. Er spürt, wie das Stöhnen, das du ihm gibst, unter seinen Zähnen vibriert, und das lässt ihn dieses erwidern.

Er hat endlich seine Belohnung bekommen, dein vulgäres Fluchen und Stöhnen klingt in seinen Ohren. Er hat es begehrt, hat es sich vorgestellt und doch verblasst es im Vergleich zu der wahren Tat. Er reagiert in gleicher Weise, wobei deine Worte mit seinen in Übereinstimmung sind, während er deinen Namen für seinen eintauscht. Oh, wie er sich danach gesehnt hat, deinen Namen zu rufen.

Dein Atem ist schneller, dein Körper windet sich und er weiß, dass er dich hat, als eine Anzahl von Flüchen zusammen mit seinem Namen, sein Name, deinen Mund verlassen. Du greifst nach seinem wunden Rücken, wobei deine Fingerspitzen unbewusst kleine Spuren in seine Haut brennen, als sich dein ganzer Körper anspannt. Das Gefühl von deinem Orgasmus, von deiner Stimme, von dem Brennen auf seinem Rücken, alles zusammen lässt ihn nach dir kommen.

„Scheiße“, stöhnst du atemlos, als sich deine Arme entspannen und zu deinen Seiten fallen.

Er gibt dieses Mal keine Antwort, während er mit seinem Gesicht an deinen Hals gepresst immer noch in dir ist. Sein Atem trifft mit jedem tiefen Ausatmen auf dein Fleisch und er bemüht sich deinen Geruch in sein Gedächtnis einzubrennen.

Du stöhnst leise, als er aus dir hinausgleitet, auch wenn er sich nicht wegbewegt. Seine Nase streift deinen Hals, dein Kinn, als sein Mund zu deinem Ohr wandert.

„Bleib heute Nacht bei mir.“

Es ist eine geflüsterte Bitte, voller Emotionen, die er ursprünglich versprochen hatte zurückzuhalten.

Du drehst dich nicht, um ihn anzusehen, und er lehnt seine Wange an deine. Stattdessen fährst du mit deinen Händen über seinen Rücken, wobei du über seine Wirbelsäule streichst und ihn erschauern lässt.

Er fühlt deinen Atem an seinem Ohr und als du einwilligst, schätzt er jede Silbe wert.

Chapter Text

Durch einen verrückten Zufall, einen göttlichen Eingriff, ist dies die Nacht, in der sich zwei Mitglieder des Ordinats durch das Fenster in dein Zimmer schleichen, wobei ihre Körper das Glas durchdringen, als ob es nichts als Luft ist.

Aber dein Zimmer ist leer. Es ist niemand anwesend, den sie zu Vitran zurückbringen können. Lag die Informantin mit ihren Informationen für sie falsch? Hat die Zauberin gelogen? Oder warst du mitten in der Nacht im Palast unterwegs? Keiner von ihnen weiß es.

Sie durchsuchen das Zimmer, aber finden nichts, was ihnen weiterhelfen könnte. Hier ist keine Beute und sie fürchten sich davor, mit leeren Händen zu ihrer Basis zurückzukehren. Es ist schwierig für die Zauberin gewesen, sie unentdeckt in den Palast zu schleusen, und sie wissen, dass Vitran zornig sein wird, wenn sie erfolglos zurückkehren.

Nach einer kurzen, leisen Diskussion zwischen den Partnern beschließen sie allerdings zurückzugehen. Immerhin können sie dem Spion die Schuld geben, sodass der Fehlschlag nicht auf sie selbst zurückfällt.

Sie erkennen, dass der Raum wirklich von dir bewohnt worden ist. Die Informantin hatte zumindest Recht, was das betrifft.

Die beiden verschwinden erneut durch das Fenster, wobei sie geräuschlos durch die vertikalen Palastwände gleiten und sich in die Nacht davonstehlen. Sie beide wissen, dass Vitran sie in der Zukunft wieder hierher senden wird, und sie beten – um ihretwillen – dass du nächstes Mal anwesend bist.

 

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Als Loki am Morgen aufwacht, hört er, wie du leise im Schlaf murmelst. Du liegst mit deinem Rücken zu ihm, wobei seine dünnen Laken an deiner Gestallt haften und eine Silhouette erzeugen, die sein Herz stocken lässt. Licht scheint durch die Vorhänge, welches Schatten im Zimmer des Prinzen wirft.

Du rollst dich auf deinen Bauch, während sich einer deiner Arme um dein Gesicht rollt, wobei deine Hand auf deinem Kissen liegt. Er betrachtet dich genau. Dieselben Hände, die die Leben vieler genommen haben, haben jetzt auch in feuriger Leidenschaft über seinen Rücken gekratzt.

Er denkt über die Formulierung nach und erinnert sich daran, wie sich deine Fingerspitzen in seine Haut gebrannt haben. Er fragt sich, ob er von dir markiert ist, so wie du von ihm.

Er verlässt sein Bett, wobei er dich aufweckt.

Du stöhnst sofort vor Schmerzen. Dir tut alles weh und deine Handlungen von letzter Nacht schießen dir schnell durch den Kopf. Du spürst, wie dein Gesicht rot wird, und setzt dich auf und reibst dir über die Augen.

„Verdammt“, murmelst du mit einem Seufzen und greifst dir an den Kopf.

„‚Verdammt‘ was?“, hörst du von der anderen Seite des Zimmers und du hebst den Blick zu dem Mann, mit dem du geschlafen hast.

Er wirft dir einen Morgenmantel zu, einen seiner eigenen, und du reibst dir wieder übers Gesicht, nachdem du mit den Armen in den grünen Stoff schlüpfst. Er ist zu groß für dich und rutscht von deiner Schulter, selbst nachdem du ihn zugebunden hast.

Loki betrachtet die blauen Flecken, mit denen er dich letzte Nacht markiert hat. Viele verblassen bereits, auch wenn diejenigen, die die kleine Linie bilden, die er auf deiner Schulter hinterlassen hat, immer noch ziemlich dunkel sind. Er fühlt einen besitzergreifenden Drang in sich aufkommen, wenn er dich ansieht, etwas, das dich als seins beanspruchen will, genau wie es seine Lippen und Zähne in der letzten Nacht gemacht haben, und er drängt diese Emotionen zurück.

Er weiß es besser.

„Hey“, sagst du leise, während du dich verlegen räusperst. „Also…ja. Hey.“

Er schnaubt und winkt in Richtung des Badezimmers. „Du kannst dich darin fertigmachen, wenn du willst.“

Du verdrehst die Augen und tust dann dein Bestes, deine Kleidung aufzusammeln und deinen Morgenmantel vom Rutschen abzuhalten. Loki beobachtet dich aus dem Augenwinkeln, während er so tut, als ob er es nicht macht. Er beschließt, dass du ihm in grün gefällst.

Und dann erinnert sich daran, dass seine Zeit mit dir nur geliehen ist.

 

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Sigrid erblickt dich, als sie und Asmund während seiner Pause im Gelände spazieren gehen. Du bist im Trainingsgebiet, wo du einen Übungsdummy aufschlitzt, obgleich sie zu weit entfernt ist, um sonst etwas zu erkennen.

Asmunds Finger sind mit ihren verschränkt und während sie das Gefühl wahrlich genießt, klingt immer noch der Alptraum von letzter Nacht nach. Der eine, in dem Asmund sie fest hält und sie küsst, aber wenn sie ihn ansieht, findet sie sich in den Armen ihres Entführers wieder, der sie grausam anlächelt, während sich sein Griff verstärkt.

Sie kann Asmund nichts von diesen Dingen erzählen. Sie kann ihm nicht anvertrauen, dass sie Angst vor ihm hat. Sig glaubt nicht, dass er es verstehen wird, dass er es ihr übelnehmen und nicht ihren Begründungen zuhören wird.

Es ist nicht er, vor dem sie Angst hat. Es ist die Situation, die sie verfolgt, die alles Gute in ihrem Leben in einen lebenden Alptraum verwandelt. Es war ihr zweiter Traum, einer für jede Nacht, seitdem sie zurück und in Sicherheit ist.

„Was ist los, Sigrid?“, fragt Asmund, während er besorgt zu ihr rüber sieht, als er spürt, dass sie ihren Griff an seinen Fingern verstärkt.

„Nichts“, meint sie. „Es ist nur… ich passe mich an.“

Asmund, anstatt sie weiter zu drängen, schweigt. Er kennt das Mädchen seit Jahren. Er weiß, wenn sie will, dass Dinge ungesagt bleiben, und er respektiert das an ihr. „Sigrid, ich hoffe du weißt, dass ich immer für dich da bin. Dir den Hof zu machen löscht nicht unsere Freundschaft aus. Du kannst zu mir kommen, wann immer du willst. Es ist... noch frisch und ich verstehe.“

Er spürt, wie Wut in ihm aufsteigt, wie jedes Mal, wenn er daran denkt, was vor zwei Nächten passiert ist. Sigrid sieht Asmund mit Tränen in ihren Augen an, wobei ihre Dankbarkeit offensichtlich ist. Er zieht sie an sich heran und umarmt sie, während er ihr einen Kuss auf die Wange gibt.

„Ich weiß, ich bin nicht stark oder mächtig. Aber ich würde alles geben, um das, was passiert ist, rückgängig zu machen. Und ich werde besser werden, so dass du dir sicher sein kannst, dass ich nicht zulassen werde, dass dir irgendetwas wie das wieder passieren wird“, teilt er ihr ernsthaft mit.

„Oh, Asmund, keine Sorge. Es geht mir wirklich gut. Ich schätze dich so sehr.“

Die ersten beiden Äußerungen sind Lügen, aber die letzte oh, so wahr.

Diese Worte bestärken seine Gefühle, die Entschlossenheit hinter seiner Aussage, nur noch mehr. Er wird sie beschützen, egal was es ihn kostet.

Und Asmund findet es völlig in Ordnung, dieses Opfer zu bringen.