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Without You Here

Chapter Text

Die Landung war eine willkommene Ablenkung für Anakin. Er belagerte den Piloten so lang, bis dieser Mitleid hatte und den Jungen das Schiff zur Landeplattform des Tempels steuern lies.
Obi-Wan rieb sich die Augen. Der letzte Auftrag war schwierig gewesen. Auch weil es für ihn immer noch sehr schwer war, eine Verbindung mit Anakin aufzunehmen, oder den Jungen überhaupt richtig zu verstehen. Mit seinem ganzen Eigensinn und Dickkopf, wie Dinge zu regeln wären. Wie konnte ein Zehnjähriger auch schon so… so… Obi-Wan seufzte und schulterte sein Reisegepäck. Es half nichts. Er hatte geschworen den Jungen auszubilden und genau das würde er machen. Er hatte sich nicht um sonst dem Willen des Rates widersetzt.

“Wir sind gelandet! Und ich habe nicht einen Kratzer an das Schiff gemacht.” Anakin strahlte über das ganze Gesicht, während er sein eigenes Gepäck schulterte und sich neben Obi-Wan an die Ausstiegsrampe stellte.
“Das ist gut für meinen Geldbeutel.”, grinste Obi-Wan. “Komm. Der Rat wird meinen Bericht haben wollen und du brauchst ein richtiges Bad.”
Das Leuchten in den blauen Augen des Jungen wurde leicht schwächer. “Kann ich nicht noch beim Schiff bleiben? Ich wollte mir die Wartung des Hyperantriebes ansehen. Und.. und der Pilot hat versprochen, dass ich selber auch was lernen darf…” Doch ein Blick in Obi-Wans Gesicht ließ ihn verstummen.
“Entschuldigung.”
“Wir haben den Piloten schon lange genug belagert.” Und mit wir meinte Obi-Wan Anakin.
“ Es wird Zeit, komm.” Damit ging er die Rampe hinunter und machte sich auf den Weg zu den Quartieren. Er vertraute darauf, dass Anakin ihm folgte. Denn, auch wenn der Junge eigenwillig war, so kannte er sich doch noch nicht so gut im Tempel aus, um zurück zu bleiben.
“Ja, Meister.” Die Antwort klang resigniert und Obi-Wan nahm sich vor bei nächster Gelegenheit mit dem Jungen zu reden.

Den Weg durch den Tempel konnte Obi-Wan mit verbundenen Augen finden. Und nur eine halbe Stunde später standen sie vor ihrem Quartier. Er zögerte nur kurz, bevor er die Tür öffnete und in das große Hauptzimmer ging. Seine Tasche ließ er am Eingang zurück. Anakin schlängelte sich an ihm vorbei und lief nach links in seinen Raum, der vor noch ein paar Monaten Obi-Wans Raum gewesen war. Der Raum des Padawan.
Im Hauptraum hatte sich nichts verändert. Das alte Sofa Stand immer noch in der Mitte des Raumes, zusammen mit zwei weiteren Sesseln, die einen kleinen Tisch zwischen sich einkreisten. Etwas weiter am Fenster stand ein Arbeitstisch mit Holoterminal und einigen angefangen Datenpads und Durafolie beschrieben mit verschiedenen Datensätzen.
Obi-Wan ließ seinen Blick langsam durch den Raum schweifen. Wirklich nichts hat sich verändert. Aus unerfindlichen Gründen erwartete er, dass eine große Gestalt mit breiten Schultern und ernstem Gesichtsausdruck aus dem Raum auf der rechten Seite des Quartiers auftauchte und ihn mit einem leichten Lächeln ansah und fragte:
“Warum stehst du noch da?” Obi-Wan zuckte zusammen. Langsam drehte er sich um.
“Ich war in Gedanken, Ani.” Der Junge sah ihn aus großen Augen an. Kam zwei zaghafte Schritte auf ihn zu und legte seine kurzen Arme um Obi-Wans Hüfte.
“Ich vermisse ihn auch.”, murmelte er in den Stoff von Obi-Wans Robe. Obi-Wan schloss die Augen und versuchte seine Gedanken zu sammeln. Dann kniete er sich nieder um Anakin in die Augen sehen zu können, ohne auf ihn herabsehen zu müssen.
“Ja, ich vermisse ihn. Und wir beide werden sein Andenken in Ehren halten.” Anakin nickte, seine Augen feucht von ungeweinten Tränen. Und Obi-Wan verspürte so viel Zuneigung zu dem Kind, dass er nicht mehr verstand, wie er hatte Zweifeln können. Aus einem Impuls heraus nahm er Anakin in den Arm und drückte ihn kurz an sich, bevor er ihn wieder von sich schob.
“Wir werden später darüber meditieren, Ani. Jetzt nimmst du ein Bad und dann begibst du dich in die Trainingsräume. Dort wirst du mit den anderen Padawanen unterrichtet. Ich komme und hole dich, wenn es Zeit ist für das Abendessen.”
“Ja, Meister.” Anakin schien noch etwas hinzufügen zu wollen, drehte sich dann aber wortlos um und verschwand wieder in seinem Raum.
Obi-Wan seufzte schwer und stand auf. Er sammelte seinen Rucksack von der Tür ein und ging in seinen Raum. Dort schloss er die Tür hinter sich und lehnte schwer mit dem Rücken dagegen.
Mit geschlossenen Augen tastete er in die Macht hinaus, Anakin war im Badezimmer, so wie er es ihm aufgetragen hatte. Obi-Wan beschloss zu warten, bis der Junge aus dem Quartier verschwunden war, bevor er sich fertig machte um dem Rat Bericht zu erstatten.
Langsam ließ er sich an der Tür herab gleiten, bis er im Schneidersitz dasaß. Sein Blick schweifte langsam durch das spartanisch eingerichtete Zimmer. Ein Bett, groß genug um der hünenhaften Gestalt, die es früher gebraucht hatte, bequemen Platz zum schlafen zu geben. Ein paar Regale, in denen kleine Erinnerungsstücke vergangener Missionen lagen, er hatte jene aus seinem alten Zimmer nur widerstrebend hinzugefügt, und ein weiterer Arbeitstisch. Diesmal jedoch ohne Holoterminal, dafür mit einem alten, dicken Buch, welches zugeschlagen in der Mitte des Tisches lag.
Das leise Zischen der Türen verriet Obi-Wan, dass er jetzt allein war.
Langsam stand er auf und verstaute sein Reisegepäck im Schrank. Dann setzte er sich zur Meditation in die Mitte des Raumes, mit dem Gesicht zum decken hohen Fenster gewandt. Doch sein Blick richtete sich nach Innen, anstatt auf die rege Betriebsamkeit Coruscants.

Ausatmen.
Es gibt keine Gefühle,
es gibt Frieden.
Einatmen.
Es gibt keine Unwissenheit,
es gibt Wissen.
Ausatmen.
Es gibt keine Leidenschaft,
es gibt Gelassenheit.
Einatmen.
Es gibt kein Chaos,
es gibt Harmonie.
Ausatmen.
Es gibt keinen Tod,
es gibt nur die Macht.
Ausatmen.

Langsam kehrte die Ruhe und Gelassenheit wieder ein, die Obi-Wan in den letzten Tagen so sehr vermisst hatte. Seine Gedanken waren aufgewühlt und durcheinander und er brauchte eine Weile, bevor er es schaffte alles zu akzeptieren und in die Macht hinausfließen zu lassen.
Als er die Augen wieder öffnete stand die Sonne schon tief am Horizont. Die Aussicht auf ein ausgiebiges Bad war nicht so verlockend, wie Obi-Wan gedacht hätte. Also beschloss er die Schalldusche zu nutzen und sich dann beim Rat der Jedi einzufinden um seinen Bericht abzugeben.

Zwanzig Minuten später sah er sich dem immerwährenden zynischen Gesichtsausdruck von Mace Windu gegenüber, sowie dem vollkommene Ruhe ausstrahlenden Wesen von Meister Yoda. Auch Meister Eeth Koth und Meisterin Luminara Unduli waren anwesend.
“Viel zu berichten, du uns hast, Meister Kenobi?” Yodas Stimme war weich und es schwang eine Wärme in der Frage mit, die Obi-Wan stutzig machte. War er so leicht zu durchschauen? Er bemühe sich um einen gelassenen und neutralen Gesichtsausdruck, bevor er mit seinem Bericht anfing.

Die Gesichter der anwesenden Meister zeigten nichts als höfliches Interesse. Und innerlich hätte Obi-Wan am liebsten jeden von ihnen an seine Stelle gestellt.
“Und so konnten wir die Mission erfolgreich abschließen. “, schloss er seinen Bericht.
Mace nickte nur kurz, als Zeichen, dass der Bericht zur Zufriedenheit des Rates abgegeben worden war.
“Möge die Macht mit euch sein, Meister.” , damit drehte Obi-Wan sich um und verließ die Ratskammer. Er hatte versprochen einen Padawan zum Essen abzuholen.

Als Obi-Wan bei den Trainingsräumen ankam, war es schon spät am Abend. Er hatte gar nicht mitbekommen, wie die Zeit beim Rat vergangen war.
Er fand schnell den einzigen Raum, der noch so spät für Lehreinheiten genutzt wurde.
Die Tür öffnete sich zu einem vollkommen dunklen Raum.
“Wer stört?” , Meister Oppo Rancisis kam zur Tür geschlängelt.
Obi-Wan lächelte ihm entschuldigend entgegen.
“Verzeihung Meister Rancisis, ich möchte meinen Padawan abholen.”
“Meister Kenobi, kommt herein. Wir lernen das Orientieren mit der Macht an Orten, die wir nicht kennen und an denen unsere Sinne nicht sehr hilfreich sind.”
“Also gut, aber nur kurz.” Meister Rancisis ließ ein zufriedenes Tuscheln hören und verschwand wieder in der Dunkelheit des Raumes.
Obi-Wan schloss seine Augen als er durch die Tür trat und sie sich hinter ihm schloss. Behutsam griff er in die Macht hinaus und versuchte sich ein Bild seiner Umgebung zu machen.
Die schlangenartige Gestalt Meister Rancisis’ war nicht schwer zu verfehlen. Dazu gesetzten sich noch die unterschiedlichen Gestalten mehrerer Padawane und - wie Obi-Wan amüsiert feststellte - jede Menge Hindernisse, die mit Hilfe der Macht willkürlich im Raum verteilt waren. Er blieb an der Tür stehen und beobachtete wie der andere Jedimeister den jungen Padawanen Anleitung gab auf die Macht zu Vertrauen, während sie sich ihren Weg durch das provisorische Labyrinth ertasteten.

Anakin hatte nicht besonders viele Schwierigkeiten bei dieser Übung und schon bald stand er neben Obi-Wan an der Tür.
“Können wir jetzt essen gehen? Ich habe Hunger.”, sagte er und zupfte ungeduldig an seiner Robe herum.
“Geduld, Anakin, ich bin nicht der Lehrer hier. Und Meister Rancisis hat die Stunde noch nicht für beendet erklärt.” Obi-Wan könnte den Unmut des Jungen spüren und war sich sicher, alle anderen im Raum auch.
“Nun Meister Kenobi, ich bin sicher, Ihr braucht euren Padawan, geht ruhig.”, Meister Rancisis Worte waren ruhig und gleichmütig. Er kannte ungeduldige, hungrige Padawane zur genüge.
“Habt Dank, Meister, möge die Macht mit euch sei .”, sagte Obi-Wan und drehte sich um, um den Raum zu verlassen. Doch er hielt inne und blickte auf seinen Padawan hinunter, der trotz der Dunkelheit seinen Blick spüren musste, denn er drehte sich schnell in die Richtung des anderen Meisters um und murmelte:
“Auf Wiedersehen Meister Rancisis, es war mir eine Ehre von Euch gelernt zu haben.”
Dann öffnete sich die Tür und die beiden traten hinaus in den schwach beleuchteten Gang.
“Höflichkeit und Respekt werden Gegenstand deiner Abendmeditation sein, Anakin.” Obi-Wan wunderte sich etwas über das Verhalten des Jungen.
“Aber Obi-Wan, er hat mir nichts beibringen können! Ich hab immer als Schnellster den Weg gefunden!”
“Anakin! Höflichkeit und Respekt.”, Obi-Wan sagte die Worte mit Nachdruck. Und er konnte das Zähneknirschen bei seinem Padawan mehr sehen, als hören.
“Ja, Meister.”
Sie erreichen ihr Quartier und Obi-Wan stellte fest, dass der Rat nicht lange gewartet hatte, um ihm neue Nachrichten zukommen zu lassen.
“Das Essen ist in der Kühlzelle, wenn du gegessen hast, meditiere und dann geh schlafen. Ich habe noch zu tun.” Er wartete nicht auf eine Bekundung von Anakin, dass dieser seine Anweisungen verstanden hatte. Sonder setzte sich gleich an den Schreibtisch mit dem Holoterminal und fing an die Nachrichten durchzulesen und seine Korrespondenz aufzunehmen.
Die Arbeit an den Texten verschlang die Zeit. Als Obi-Wan das nächste mal auf blickte, war es weit nach Mitternacht.
Da der Rat für den nächsten Zyklus keinen neuen Auftrag erteilt hatte, beschloss er die übrig gebliebenen Briefe am nächsten Tag fertig zu machen.
Als er sich in sein Zimmer begabt, konnte er kaum noch die Augen offen halten. Er fiel ins Bett und war eingeschlafen, bevor sein Kopf das Kissen berührte.

Chapter Text

Die zwei Sonnen standen hoch am Himmel und die Hitze war fast unerträglich. Er versuchte die Augen so öffnen, doch es gelang ihm nur mit Mühe. Das helle Licht blendete ihn und er legte eine Hand über die Augen und das Licht wieder auszuschließen. Ein stechender Schmerz der von seiner Brust ausstrahlte ließ ihn aufstöhnen. Nur sehr schwer schaffte er es sich auf die Seite zu drehen und sich zusammen zu rollen. Seine Glieder waren schwer wie Blei, die Dunkelheit lockte sein Bewusstsein und er hatte keine Kraft sich dagegen zu wehren.

Als er das nächste Mal die Augen öffnete, war es dunkel. Kein Mond stand am Himmel und nur die Sterne spendeten spärliches Licht. Er versuchte sich aufzusetzen, was erst nach mehreren Versuchen gelang. Sein Körper gehorchte ihm nicht so, wie er es gewohnt war.

Dieser Gedanke ließ ihn stutzen, was war er denn gewohnt? Wo war er? Und noch viel wichtiger, wer war er?

Er spürte Panik in sich aufsteigen, als ihm bewusst wurde, welche Leere in seinem Kopf herrschte.

“Atmen. Du musst ruhig atmen.”, seine Stimme war tief und voll, doch ihm vollkommen fremd.

Ein paar Atemzüge später fühlte er sich ruhiger.

Er blickte an sich herab, starke Arme saßen an einem nicht weniger trainierten Oberkörper, welcher in muskulöse Beine überging. Eindeutig ein Mann. Und er hatte nichts am Leib um sich zu bedecken. Er ließ seine Hände über seine Arme gleiten, um mit dem Tastsinn zu bestätigen, was seine Augen gesehen hatten. Sein Oberkörper war behaart, wenn auch nicht zu sehr, genauso wie die Beine. Er fand viele Narben, alt und verheilt, die sich über seinen ganzen Körper verteilten. Die größte befand sich in der Mitte seines Oberkörpers, kreisrund und wesentlich heller, als alle anderen Narben. Sie musste jünger sein. Doch er konnte sich nicht erinnern, wie er sie bekommen hatte.

Als er seinen Kopf hob um seine Umgebung zu betrachten, fiel ihm am Horizont nördlich ein hellerer Schein auf.
Vielleicht kann ich in der Siedlung dort Unterkunft finden? Noch einen Tag unter den zwei Sonnen überstehe ich nicht ohne gänzlich auszutrocknen.
Er wusste nicht, wieso er sich so sicher war über die Siedlung, und dass es ihn die halbe Nacht brauchen würde um dort hin zu gelangen. Doch im Augenblick war ihm das nicht wichtig. Wichtig war Schutz und Wasser, beides würde er dort finden.

Vorsichtig zog er die Beine an den Körper um sich dann leicht in eine Hocke zu bringen. Bei dieser Bewegung stellte er fest, dass er sich allein durch den heutigen Tag unter den Sonnen einen starken Sonnenbrand zugezogen hatte. Es war dringend nötig, dass er zu der Siedlung gelangte.
Er brauchte gute 10 Minuten um von der Hocke in den aufrechten Stand zu kommen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren und wieder umzufallen.
Die ersten Schritte waren sehr wackelig und er fiel wieder hin. Ein paar Schürfwunden an den Knien und Oberschenkeln hielten ihn aber nicht davon ab, erneut aufzustehen und seinen Weg fortzusetzen. Diesmal gelang es ihm ohne wieder umzufallen. Und mit jedem Schritt wurde er sicherer.
Bald schritt er zügig aus und genoss die kalte Nachtluft auf seiner verbrannten Haut.

Die Landschaft um ihn herum war eintönig und karg. In der Ferne konnte er die Umrisse von Bergen erkennen. Doch nichts weckte auch nur den Hauch eines Erkennens in ihm.

Die Zeit verstrich, während er den Licht der Siedlung entgegen wanderte. Irgendwann kamen Feuchtigkeitvaporatoren in Sicht, die ersten wirklichen Anzeichen für Leben auf diesem unwirtlichen Planeten.
Das donnernde Geräusch einer Sandraupe in der Ferne ließ ihn innehalten und sich erneut umsehen.
Er versuchte die Landschaft noch einmal genau zu betrachten. Und dann auf einmal nahm er es wahr, nicht mit den Augen oder Ohren, sondern mit seinem Geist. Das Leben, das sich so tapfer in dieser Wüste behauptete. Diese Entdeckung erschütterte ihn so sehr, dass dieses Gefühl sofort wieder verschwand. Als hätte seine unterbrochene Konzentration die Tür wieder zugestoßen zu...
Doch er konnte nicht benennen, was es war, das er da wahrgenommen hatte. Und er bekam Kopfschmerzen nur von dem Versuch es noch einmal zu spüren.
Also machte er sich wieder auf den Weg.

Die erste Dämmerung brach an, als er den Rand der Siedlung erreichte. In felsige Wände waren Unterkünfte gebaut worden, deren Eingänge den Sonnen so weit wie möglich abgewandt waren.
Etwas ratlos blickte er sich um. Wohin nun?
Auf einem Absatz ging eine Tür auf und eine Frau mittleren Alters trat auf eine Terrasse heraus. Ihre dunklen Haare waren zu einem Knoten im Genick zusammen genommen.
Besser jetzt als nie.
“Entschuldigung?”, er versuchte soweit ins Licht zu treten, dass sie sehen könnte, dass von ihm keine Gefahr ausging, ohne seine Blöße vollkommen Preis zu geben.
Trotzdem sah er, wie sie zusammen zuckte.
“Es tut mir leid, ich möchte nicht unhöflich sein. Doch ich weiß nicht wo ich bin und ich … “, er brach etwas verlegen ab.
Die Frau sah ihn einen Moment lang unsicher an, dann leuchtete etwas in ihren Augen auf.
“Wartet dort, ich komme zu euch herunter.”, damit verschwand sie wieder in der Behausung. Nur um kurz darauf hinter ihm aus einem Eingang zu treten.
Er legte die Hände im Schoß zusammen und sah sie unsicher an.
“Wie kommt…. Oh her je, warum tragt ihr keine Kleider? Was ist passiert? Kommt herein! Bitte.”, sie trat beiseite und bedeutete ihm ihr zu folgen.
Als er durch den Eingang ging musste er sich ducken, um nicht mit dem Kopf am Türrahmen anzustoßen, doch der Raum dahinter hätte eine angenehme Höhe, sodass er gerade stehen konnte.
“Hier, werft das erst einmal über. Ich muss nachsehen, ob ich Kleider habe, die euch passen werden.” Sie hielt ihm einen Überwurf entgegen und als er ihn anzog stellte er erfreut fest, dass dieser bis zu seinen Knien reichte.
“Das ist sehr großzügig von euch.”
“Bitte setzen Sie sich. Ich… ach du je, Ihr habt ja einen schlimmen Sonnenbrand. Wart ihr ohne Schutz in der Wüste?” Auf ihren entsetzten Blick konnte er nur nicken.
“Ich weiß leider nicht, wie das passiert ist, aber ich bin gestern mitten in der Wüste aufgewacht. Denke ich. Als ich wieder zu mir kam, war es schon dunkel. Aber ich befürchte, ich habe den Großteil des letzten Tages unter den Sonnen verbracht.”, es störte ihn zugeben zu müssen, dass er Hilfe brauchte. Sonst war er derjenige, der…. Der was?
Er nahm auf dem Stuhl Platz, den sie ihm anbot.
Die Frau vor ihm lächelte leicht.
“Oh bitte, Ihr könnt euch hier ausruhen und etwas erholen. Ich muss leider los, doch es ist Essen und Trinken in der Kühlzelle. Zum schlafen legt euch oben in Anis Zimmer.”, bei den letzten Worten wurde ihr Blick schwermütig.
“Ich… Bitte, ich möchte keine Umstände machen, Frau…”
Sie warf ihm einen fragenden Blick zu, während sie eine Tasse Tee vor ihn stellte.
“Shmi, meine Name ist Shmi Skywalker. Habt ihr ihn schon wieder vergessen?”, sie sah etwas verletzt aus. Und ihr Blick würde trüb.
Er stand hastig auf und griff nach den Händen der Frau vor ihm.
“Ich erinnere mich an gar nichts, Shmi. Es tut mir sehr leid. Bitte, falls ich irgendetwas …”
Ihre Augen wurden groß vor Mitgefühl und etwas, dass er nicht zuordnen konnte.
“Wieso erinnert Ihr euch nicht?”
Doch er konnte nicht mehr antworten. Ein lautes eindringliches Klopfen an der Tür unterbrach sie und eine unfreundliche Stimme rief etwas auf Nicht-Basic.
“Ich komme schon.”, antwortete Shmi und drehte sich von ihm weg. “Bleibt heute in der Unterkunft, ruht euch aus. Wir sprechen am Abend weiter.”
Damit nahm sie sich einen ähnlichem Umhang, wie den, den er trug, und verschwand durch die Eingangstür nach draußen.

Er blieb noch eine Weile am Tisch sitzen, nachdem Shmi gegangen war. Eine Frau aus seiner Vergangenheit, die ihn kannte, die ihm helfen konnte sein Gedächtnis wieder zu erlangen.
Langsam trank er von dem bitteren Tee und zerbrach sich den Kopf, was sie wissen könnte, woher er sie kannte, wie sie zueinander standen.
Als er gesagt hatte, dass er sich an nichts erinnern konnte, hatte er Mitgefühl in ihren Augen gesehen, aber auch etwas anderes. Was war das gewesen? Angst? Entsetzen? Wo war nur die Verbindung zu allem?

Er bekam Kopfschmerzen, als er versuchte sich Dinge zusammen zu reimen, die er einfach nicht wusste. Schließlich stand er seufzend auf und begab sich in die obere Etage. Dort waren zwei kleine Zimmer und eine Schalldusche vorhanden. Ein Raum war eindeutig der von Shmi, mit kleinen aufgestellten Schmuckstücken und Verzierungen. Der zweite Raum war kleiner und vollgestopft bis ob hin mit elektronischen Einzelteilen. Ein nicht fertiger humanoider Androide stand abgeschaltet in einer Ecke.
“C3-PO.”, er murmelte diese Bezeichnung ohne zu wissen, wie sie in seine Gedanken gekommen war. Doch hatte er das Gefühl, dass es wichtig war. Vor seinen Augen tauchte das unscharfe Bild eines kleinen Jungen auf, der sich im Zimmer bewegte und Gesten machte, als wolle er ihm alles zeigen, was er schon hergestellt hatte.

Doch das Bild verschwand so schnell, wie es aufgetaucht war, und er war sich unsicher, ob er seinem Kopf wirklich trauen konnte, nachdem er einen ganzen Tag in der Wüste unter den zwei Sonnen verbracht hatte.
“Ich sollte ruhen und zu Kräften kommen.”, murmelte er und legte sich auf das Bett.
Es war zu kurz für seine lange Gestalt, doch mit angezogenen Beinen konnte er bequem liegen.
Kaum hatte er es sich bequem gemacht, schlief er auch schon tief und fest.

Chapter Text


Er war wieder auf Naboo. Gefangen zwischen den Energieschilden, die den Weg zum Hauptgenerator abschirmten. Sein Meister war so viel weiter als er. Und noch weiter der Sith. Auf der Lauer. Das rot-schwarze Gesicht zu einer Grimasse des Grauens verzogen, welche von den Hörnern auf seinem Kopf nur verstärkt wurde.

Obi-Wan wusste, was passieren würde. Zu oft hatte er diesen Albtraum durchlebt, nur um jedes Mal aufzuwachen und seinen Verlust umso deutlicher zu spüren.

Die Schilde begannen sich zu öffnen. Hinter ihm ging eines nach dem anderen auf. Qui-Gon blieb von dem Sith getrennt. Obi-Wan lief, so schnell es die sich öffnenden Energiewände zuließen. An einer Barriere nach der anderen gelangte er vorbei, während sein Meister immer noch von dem Sith und seiner tödlichen Waffe getrennt war.

Er konnt hören, dass sich die Energie der Kraftfelder hinter ihm wieder aufbaute. Er versuchte schneller vorwärts zu kommen. Doch es ging nicht.  Eine einzige Wand trennte ihn noch von der hünenhaften Gestalt seines Meisters. Und nur zwei waren es bis zu dem Sith.  Doch sie öffneten sich nicht.

Er kam nicht durch.

Der Schild zwischen Qui-Gon und dem Sith öffnete sich und Obi-Wan konnte nur ohnmächtig zusehen, wie der Kampf erneut begann.

Jede Bewegung hatte sich in sein Gedächtnis gebrannt. Er wusste, welche Parade auf welchen Stoß folgte und welcher Angriff zu einem Block führte, was wieder einen Gegenangriff nach sich zog. Alles lief wie in Zeitlupe ab. Und er konnte nicht umhin die Eleganz in dem tödlichen Tanz der Lichtschwerter zu bewundern. Qui-Gon war schon immer ein begnadeter Kämpfer gewesen.

Doch der Augenblick, in dem der tödliche Schlagabtausch stattfinden sollte, kam nicht. Der Kampf ging weiter, bis sich die Energieschilde vor Obi-Wan öffneten und er raste mit aller Kraft, sein Lichtschwert im Anschlag auf den Sith zu und durchbohrte ihn mit seiner Klinge.

Überraschung und dann Entsetzen spiegelten sich auf dem rot-schwarzen Gesicht des Zabrak, als er zusammenbrach. Das Doppellichtschwert rollte nutzlos über den Boden und erlosch.

Doch genauso überrascht war Obi-Wan. Wie war das passiert? Das war nicht der Albtraum, den er immer hatte. Er zuckte zusammen, als eine schwere Hand auf seine Schulter fiel, und blickte zur Seite. Da stand Qui-Gon, lebendig, atmend. Ohne ein Loch in der Brust aus verbranntem Fleisch.

“Gut gemacht Padawan.” Ein Lächeln zierte das Gesicht, des sonst so ruhigen und ausgeglichenen Jedimeisters.
Er sagte noch mehr, doch Obi-Wan konnte ihn nicht mehr verstehen. Das Blut rauschte so stark in seinen Ohren, dass es alle Geräusche verschlang. Alle Konturen wurden undeutlich und das Licht verschwand. Die Dunkelheit verschlang alles, bis nur noch Qui-Gon sichtbar war, mit einem fragenden Gesichtsausdruck. Doch auch er verschwand.

Obi-Wan saß im Bett. Eine Hand hatte er von sich gestreckt, als wollte er nach etwas greifen. Doch da war nichts in seinem Zimmer. Nur die grau-schwarzen Schatten, die durch das Licht entstanden, welches durch das Fenster hereinfiel. Langsam nahm er die Hand zurück und fuhr sich damit über das Gesicht. Er musste erst richtig wach werden, bevor er über den Traum nachdenken konnte. Sein Verstand versuchte schon die Unterschiede zu den alten Träumen zu verarbeiten. Warum war es so anders gewesen? Warum hatte er den Sith getötet? Warum… warum war es damals nicht genau so abgelaufen?

Als ihm der letzte Gedanke bewusst wurde, schüttelte Obi-Wan sich und stand auf. Es war dringend nötig über diese Fragen zu meditieren. Und er wusste, dass er nicht mehr schlafen konnte, also konnte er das genauso gut auch jetzt machen.

Er streifte sich eine lockere Hose über und ging barfuß in den Hauptraum des Quartiers. Von dort nahm er sich seine Meditationsmatte und begab sich auf den Balkon. Es war noch immer Nacht.

Er ließ sich nieder, die Beine untergeschlagen, sodass er auf den Fersen saß, die Knie leicht auseinander. Seine Hände legte er auf die Oberschenkel und sein Rücken war gerade, der Kopf aufrecht.

Mit geschlossenen Augen ließ er die Geräusche um ihn herum einen Moment auf sich einwirken. Den ständigen Wind, der auf Coruscant vorherrschte. Die Geräusche der vielen Schuttels, Lufttaxis, Gleiter, Swoops und anderer Transporter, die im ewigen Strom um den Planeten kreisten um ihre Aufgaben zu erledigen.

Dann wendete er seine Aufmerksamkeit nach Innen und versank in der Meditation. Er fing an seinen Geist zu erweitern und griff hinaus in die Macht. Spürte, wie sie sich mit ihm verband und ihn umgab. So wie sie alles umgab, was existierte.

Als erstes griff er nach seiner Unsicherheit, die er beim Erwachen aus dem Traum, gespürt hatte. Er akzeptierte, dass sie da war und dass sie ihren Zweck erfüllt hatte. Damit ließ er dieses Gefühl durch sich hindurch in die Macht fließen. Und sie war fort.

So ging er mit allen Gefühlen um, die seinen Geist aufwühlten, bis nur noch Ruhe und Ausgeglichenheit vorherrschten. Erst in diesem Zustand wagte er sich daran, den Traum zu analysieren.

Wo waren die Unterschiede? Qui-Gon hatte überlebt. Das war der größte Unterschied. Aber wie war es dazu gekommen? Es musste noch mehr geben.

Obi-Wan stellte sich vor, dass er in einem dunklen Raum stand und vor sich ließ er den Traum auf einem Bildschirm ablaufen. So blieb er Zuschauer, ohne wieder in der Handlung zu versinken. Und er konnte, wenn er wollte, Szenen anhalten und aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten.

Es brauchte zwei Durchläufe, bis ihm der erste stärkste Unterschied auffiel.
Die Energieschilde öffneten sich von außen nach innen, Richtung Hauptgenerator.

Aber das Entsprach nicht der Wahrheit. Die Barrieren öffneten sich nur von innen nach außen. Und nie anders. Das war damals, in diesem Schicksalskampf auch der Grund gewesen, warum Obi-Wan nicht schnell genug zu seinem Meister hatte gelangen können. Der Schild zwischen ihm und dem Sith hatte sich so viele Augenblicke früher geöffnet, als der, der dem Padawan den Weg versperrte.

Der zweite Unterschied war, dass sich Obi-Wan direkt in dem Segment hinter seinem Meister befand.
Auch das war nicht Wahrheitsgemäß. Obi-Wan hatte durch seinen Sturz wertvolle Zeit verloren und war viele Segmente hinter Qui-Gon und dem Sith zwischen den Barrieren gefangen gewesen und hatte nur hilflos zusehen können. Er hatte nichts tun können.
Er schickte die aufkommende Hilflosigkeit in die Macht. Er akzeptierte sie, doch er konnte sie nicht gebrauchen. Er war hilflos gewesen. Und das war die ungeschönte Wahrheit.
Als nächstes fiel ihm auf, dass sich die Barriere zwischen dem Jedimeister und dem Sith nicht öffnete.

Damals in dem Kampf war dieses Schild, das erste, das in sich zusammen fiel und den Weg zwischen den zwei Kämpfern frei gab, während Obi-Wan hinter ihnen weiterhin gefangen war.
Was also hielt es dieses mal geschlossen? Sein Wunsch, Qui-Gon beschützt und gerettet zu haben?

Immerhin hatte er den Sith mit seinem Lichtschwert getötet. So wie dieser damals Qui-Gon. Er war mit der Klinge des Lichtschwertes voran in den Sith gerannt. Hatte das verbrannte Fleisch gerochen und das kurze Röcheln gehört, bevor der leblose Körper zusammen gesunken war.

Er stellte beide Bilder vor sich auf. Das immer noch geschlossene Schild zwischen seinem Meister und dem Sith und den Moment, als Obi-Wans Lichtschwert den Körper des Zabrak aufspießte.

Er versuchte zu verstehen, was diesen Unterschied hervorgebracht hatte.
Seit sechs Monaten durchlebte er jede Nacht den gleichen Traum. Immer wieder sah er den Kampf vor sich, und konnte nichts ändern. Er konnte seinen Sturz nicht verhindern und auch das Schicksal von Qui-Gon nicht. Und jede Nacht war er aufgewacht, schweißgebadet und mit panischem Herzklopfen.

Doch so sehr er auch versuchte, etwas zu finden, dass diese Veränderungen in seinem Traum verursacht haben könnte. Er fand nichts.
Mit dem Entschluss, bei nächster Gelegenheit mit Meister Yoda darüber zu reden, ließ er sich zurück in den Wachzustand gleiten. Sein Rücken war steif, seine Beinmuskeln protestierten und seine Gelenke knackten leicht, als er aufstand.

Mittlerweile war die Sonne aufgegangen und schickte ihre warmen Strahlen über die riesige Stadt, die sich um den ganzen Planeten erstreckte und Coruscant hieß.
Obi-Wan streckte sich und ließ einen Wirbel in seinem Rücken zurück in die richtige Position ploppen.

Er rollte die Meditationsmatte zusammen und ging wieder in das Hauptzimmer zurück. Die Matte legte er an ihren angestammten Platz und ging in die Küchenzeile um Tee zu machen.

Anakin kam aus seinem Zimmer, als der Tee fertig war.
"Ihr habt nicht geschlafen, Meister.”, die Beobachtungsgabe des Jungen war wirklich bemerkenswert. Obi-Wan nahm sich vor, dass sein Padawan eine entsprechende Schulung erhalten sollte.
"Ich habe die halbe Nacht meditiert.”, gab er zu.
Der Blondschopf des Jungen verschwand in der Küche, während Obi-Wan sich mit einem Becher Tee auf der alten Couch niederließ.
Einiges Geschirrgeklapper später erschien Anakin mit zwei Platten mit einem einfachen Frühstück aus Obst, ein paar Fladenbroten und Aufstrich.
“Danke, Ani.”

Sie aßen schweigend. Obi-Wan hing seinen Gedanken nach und auch Anakin schien nachdenklich, da er nicht wie sonst redete, wie ein Wasserfall.
Das Piepen des Datenpads unterbrach das Schweigen. Während sein Schüler weiter aß, griff Obi-Wan danach und lass sich die Nachricht durch.
Seine Stirn legte sich leicht in Falten.

“Gibt es eine neue Mission?”, fragte der Junge ihm gegenüber mit vollem Mund und sah ihn aus großen neugierigen Augen an.
“Nein. Der Rat möchte uns für zwei Zenten hier behalten, um sicher zu gehen, dass du deine Kurse machen kannst.”
Sofort kam ein enttäuschtes Geräusch vom anderen Ende des schmalen Tisches.
“Anakin”, er sah ihn streng an. “Es gibt keine Unwissenheit, es gibt Wissen. Bildung ist sehr wichtig als Jedi. Wenn du nichts weißt, provozierst du Situationen, die du nicht kontrollieren kannst. Und ohne Wissen kannst du deine Aufgabe als Jedi nicht erfüllen.”
Hellblaue Augen blickten leicht schuldbewusst auf den Teller vor ihm.
“Okay.”
“Ich möchte, dass du zusätzlich noch einen Kurs bei Meister Piell belegst, um deine Beobachtungs- und Auffassungsgabe zu schulen. Du hast ein großes Talent dafür kleine Unterschiede zu bemerken.”
Allzu begeistert sah der Junge ihm gegenüber nicht aus, nickte aber und stand dann auf um seinen leeren Teller wegzuräumen.

Danach sammelte er seinen Umhang ein und drehte sich an der Tür noch einmal um.
“Gehen wir zusammen zum Essen?”
Obi-Wan lächelte.
“Sehr gern.”
Damit schloss sich die Tür hinter dem Jungen und Obi-Wan war wieder allein mit seinen Gedanken. Die sich immer noch um den Traum drehten.
Am Besten ging er auch in einen der großen Gemeinschaftstrainingsräume. Sicher würde ein anderer Jedi sich zu einem Sparring bereit erklären.

Chapter Text

Das Geräusch der sich öffnenden und schließenden Tür weckte ihn. Er schlug die Augen auf und sah sich nach einer möglichen Gefahr um. Doch nichts in dem Raum, in dem er sich befand ließ den Eindruck von Gefahr erwecken.
Er setzte sich auf und strich das Haar hinter ein Ohr. Erst jetzt fiel ihm auf, dass es etwas länger als schulterlang war.
Der raue Stoff des Umhangs kratze an der verbrannten Haut seiner Schultern. Und als er den Arm streckte, spürte er wie sich die Haut spannte, zog und kribbelte.
Wenn er doch nur den Heilungsprozess beschleunigen könnte. Er müsste nur…. Doch da war nichts, als er versuchte sich zu erinnern, wie er die Heilung seiner Haut schneller voran treiben konnte.
Es frustrierte ihn, dass in seinem Kopf eine solche Leere herrschte.
Das Geräusch von Gegenständen, die bewegt wurden und kurz darauf der Geruch nach Essen erinnerten ihn daran, warum er aufgewacht war.
Er war bei Shmi Skywalker.
Der Name schlug eine Seite in ihm an, die gerade außerhalb seiner Reichweite war.
Langsam - um seine verbrannte Haut zu schonen - stand er auf. Seine Gelenke protestierten und seine Haut spannte sich unangenehm über seine Muskeln. Er schlang den Umhang ordentlich um seine Schultern und begab sich nach Unten in den Wohnbereich der Behausung.

“Hallo.”, seine Stimme klang rau, als hätte er ein Reibeisen verschluckt.
Braune Augen sahen erschrocken zu ihm auf.
“Entschuldigung, ich wollte Euch nicht wecken.”, sie war in der Küche und gab einige Zutaten in einen Topf, der vor sich hin köchelte.
“Nein, das ist nicht schlimm. Wie lange habe ich geschlafen?”, durch die schmalen Fenster am oberen Ende der Wände drang nur wenig Licht in den Raum und machte es nicht möglich die Tageszeit zu bestimmen.
“Ihr habt zwei Tage geschlafen. Und ich hielt es nicht für ratsam euch zu wecken.”
“Zwei…”, sein Gesicht musste Entsetzen spiegeln, denn die Frau vor ihm fing an zu lächeln.
“Es ist nicht ungewöhnlich. Immerhin habt ihr einen ganzen Tag unter den Sonnen gelegen und ich kann verstehen, dass euer Körper, so gut Ihr ihn unter Kontrolle habt, Ruhe brauchte um sich davon zu erholen.”
Sie stellte ihm einen Becher mit Tee auf die Anrichte.
“Trinkt, aber langsam. Ihr müsst vollkommen ausgetrocknet sein.”
Er nickte und nahm den Becher dankbar in die Hand. Der erste Schluck tat so gut, dass er am Liebsten den ganzen Becher mit einem Mal hinunter gestürzt hätte. Doch er riss sich zusammen und trank Schluck für Schluck, bis sein Mund sich nicht mehr wie Sandpapier anfühlte und sein Hals sich wieder an die Schluckbewegung gewöhnt hatte, ohne zu schmerzen.
“Danke.”, ja, er klang auf jeden fall wieder mehr nach einem Menschen.
Sie nickte ihm zu, nahm den Becher entgegen und füllte ihn nach.
“Setzt euch und erzählt mir, wie ihr nackt in die Wüste dieses, von allen Göttern verlassenen, Planeten gelangt seid.”
Er nahm an dem großen Tisch im Hauptraum platz. Die Arme auf den Tisch gelegt, drehte er leicht gedankenverloren den Teebecher in seinen Händen.
Wie war er hierher gelangt? Wo war hier überhaupt?
“Wenn Ihr so freundlich sein könntet, mir zu sagen, wo genau ich hier überhaupt bin?”, seine blauen Augen blickten unsicher in ihre, in denen sich Verwirrung spiegelte.
“Ihr habt erwähnt, dass Ihr euch nicht erinnert.”, sagte sie langsam und kam aus der Küche heraus, während sie sich die Hände abwischte.
“Ihr seid auf Tatooine. Einem Wüstenplanet im Outer Rim, dem vom Zentrum der Galaxis am weitesten entfernten Planeten. Hier herrscht das Huttenkartell und Scharlatane und Räuber gehören noch zu den besseren Bewohnern.”
Sie setzte sich an das gegenüberliegende Ende des Tisches. Und irgendwie kam ihm das bekannt vor.
Er nickte, um ihr zu zeigen, dass er zuhörte, doch sie schwieg.
Er wollte sie nicht drängen etwas zu sagen, daher versuchte er sich auf das zu konzentrieren, was er bisher über sich, den Planeten und seine Bewohner in Erfahrung gebracht hatte.
Er war schon einmal hier gewesen, nach der Reaktion von Shmi zu schließen, und es dürfte nicht sehr lang her sein.
Sie hatte einen Sohn, der nicht hier war und er hatte das Gefühl, dass er daran Schuld war.
Nun, wer war er? Ein Entführer wohl nicht, sonst hätte sie ihn nicht so freundlich aufgenommen und schon gar keine zwei Tage schlafen lassen, ohne ihm etwas anzutun. Er wusste, dass eine Mutter zu allem fähig war, wenn es um ihre Nachkommen ging.
Also war er ein Freund. Oder zumindest ein Bekannter, wenn man die Reserviertheit bedachte, die sie ihm entgegen brachte.
“Es ist jetzt einen halben Zyklus her, seit Ihr hier gewesen seid.”, unterbrach Shmi das Schweigen.
Er sah fragen von seinem Becher auf, er hatte nicht gemerkt, wie er in Gedanken den Blick gesenkt hatte. Das durfte ihm nicht wieder passieren. Er musste achtsam sein, immer seiner Umgebung gewahr.
“Ihr wart so sicher, dass Ihr Ani zu einer besseren Zukunft verhelfen könntet. Ihr habt an ihn geglaubt und ihn unterstützt, ihn aus der Sklaverei befreit.”, Sie sah ihn direkt an, ihre braunen Augen vorwurfsvoll. Doch sie sprach es nicht aus.
“Was ist nur passiert?”
Diese Frage stellte er sich selbst, seit er in der Wüste zu sich gekommen war. Doch er schüttelte nur stumm und betrübt den Kopf.
“Erzählt Ihr mir von eurem Sohn? Wie kam es, dass ich mich so für ihn eingesetzt habe?”
“Das werde ich gern tun, aber erst müsst Ihr essen.”, damit erhob sie sich wieder und verschwand einen Moment in der Küche, bevor ihre wohl gerundete Gestalt mit zwei Tellern, gefüllt mit dampfenden Essen, wieder zurück kam.
Einen Teller stellte sie vor ihn und nahm dann wieder ihm gegenüber Platz.
“Es ist nichts Spektakuläres, doch es ist essbar.”
“Ich brauche nicht viel und dieses Mahl ist mehr, als ich seit langer Zeit hatte. Ich danke Euch.”
Shmi lächelte und fing an zu essen.
“Ihr habt euch nicht verändert. Immer noch der bescheidene, gütige Mann.”
Ein paar Bissen lang schwieg sie wieder und er lauschte, versuchte ruhig zu essen und sie nicht zu drängen, ihm alles zu sagen, was sie wusste und er nicht.
Nach einer Weile legte sie ihren Löffel beiseite.
“Ani lief euch über den Weg, als Ihr Ersatzteile für ein Schiff suchtet…” Und so fing sie an zu erzählen, unterbrach sich ab und zu, um ihm und sich selbst noch einmal Essen nachzugeben und neuen Tee zu holen.
Während sie sprach, spürte er ihre Trauer und Sehnsucht nach ihrem Sohn. Aber auch ihre Hoffnung, dass jetzt alles besser werden würde.
“Qui-Gon?”, er reagierte erst, als die Pause, die sie machte, länger wurde und sie nicht weiter sprach.
“Bitte was?”
Jetzt lächelte sie ihn wieder an.
“Das ist euer Name, Qui-Gon Jinn.”
“Oh”, mehr viel ihm zu dieser Offenbarung nicht ein. Und innerlich schalt er sich, da er doch wortgewandter sein musste. Zumindest nachdem, was Shmi ihm erzählt hatte. Immerhin hatte er einen Sklavenjungen seinem Besitzer abgeschwatzt.
Leichte Röte stieg ihm ins Gesicht.
“Entschuldigung. Aber der Name sagt mir nichts. Er weckt keine Erinnerungen oder so etwas.”
Ein trauriger Zug legte sich um ihren Mund, als sie aufstand, um die Teller zurück in die Küche zu bringen.
“Das tut mir leid. Ich hatte gehofft euch helfen zu können. Doch kann ich euch auch nur das erzählen, was ich weiß. Ich weiß nicht, was passierte, als ihr Tatooine verlassen habt.”
Wieder schwang Sehnsucht in ihrer Stimme mit.
“Ich denke, euer Sohn vermisst Euch genauso sehr, wie Ihr ihn.”, er versuchte zuversichtlich zu klingen und ihr damit etwas von der Trauer zu nehmen, die sie plagte.
“Ich bereue es nicht, ihn gehen gelassen zu haben. Es war das Richtige. Und doch vermisse ich ihn schrecklich. Er war der Sonnenstrahl, der jeden meiner Tage erhellte.” Sie lächelte wieder.
“Aber jetzt solltet ihr wieder schlafen gehen. Morgen wird ein langer Tag. Ich habe Kleidung für Euch besorgt, wenn Ihr also möchtet könnt Ihr Euch morgen Mos Espa ansehen. Aber versucht nicht zu viel Aufmerksamkeit auf euch zu lenken.”
“Das werde ich gern versuchen”, er lächelte zurück, “Gibt es Etwas, worauf ich besonders achten sollte?”
“Nehmt euch vor den Wett-Büros in Acht und vor den Schrotthändlern, dann solltet ihr keine Probleme haben.”
Er nickte und ging Richtung Treppe.
“Danke Shmi, und gute Nacht.”
“Gute Nacht Qui-Gon.”

Als er wieder im Bett lag, betrachtete er eine Weile die vielen technischen Dinge. Bauteile für den Droiden, Antriebsspulen, Kabel und Platinen und noch viel mehr, waren überall aufgestapelt. Immer noch nagte ein Gefühl an ihm, das er nicht greifen konnte. Doch der Schatten des Jungen, den er beim ersten Mal gesehen hatte, tauchte nicht wieder auf.
Bald richtete er den Blick an die Decke und ließ in Gedanken alles noch einmal vorbeiziehen, was Shmi ihm erzählt hatte.
Er war ein Jedi - was auch immer das sein sollte - und hatte ihrem Sohn geholfen aus der Sklaverei zu entkommen, indem er ihm half ein Pott-Rennen zu gewinnen. Und damit hatte er eine Wette gegen den damaligen Besitzer gewonnen.
Danach waren sie zügig aufgebrochen, weil auch die Ersatzteile für ihr - er war anscheinend mit mehreren Personen unterwegs gewesen - Raumschiff geliefert worden waren.
Er hatte den Jungen - Anakin - nach Coruscant bringen wollen, damit er dort im Tempel der Jedi ausgebildet werden konnte.
Also mussten die Jedi eine Organisation sein. Vielleicht konnte er morgen mehr erfahren, wenn er sich die Siedlung ansah. Er konnte sicher ein Informationspult finden.
Diese Gedanken beruhigten ihn und er schloss die Augen.
Der Schlaf kam fast sofort und mit ihm ein Traum.
“Versprich es mir…. Bilde den Jungen … aus…”
“Meister… Bitte...!”

Chapter Text

Die Bewegung hatte ihm sehr gut getan und seinen Geist erfrischt. Ein Blick zu einem Chronometer sagte ihm, dass er noch genug Zeit hatte sich zu duschen und dann Anakin von seinem Kurs abzuholen. So konnten sie gemeinsam in den großen Speisesaal gehen. Sein Kopf war, zu seiner Erleichterung, leer und keine störenden Gedanken drehten sich im Kreis.

Als er aufsah stellte er erstaunt fest, dass er schon vor seinem Quartier stand. Er hatte den Weg gar nicht mitbekommen.
Ein leises Kichern neben ihm zog seine Aufmerksamkeit auf sich.
“He he, deinen Kopf du vergessen hast, Meister Kenobi?”
Eine leichte Röte stieg ihm in die Wangen, als er sich zu dem kleinen Jedimeister umdrehte.
“Meister Yoda”, er verbeugte sich tief. “Was führt euch zu meinem Quartier?”
“Hmmm, was zu dir mich führt, fragst du? Nicht wissen du tust?”, schmunzelte der alte Meister und stützte sich schwer auf seinen Stock, während seine großen, grünen Ohren belustigt auf und ab wippten.
Obi-Wan errötete noch mehr.
“Verzeiht, Meister. Kommt doch herein. Ich bin heute mit meinen Gedanken nicht hier.”
“Gedanken schweifen, ja? Schweifen auf ferne Planeten, mit viel Wasser und Dunkelheit, ja?”
Natürlich wusste Meister Yoda es. Obi-Wan hatte vor dem kleinen, uralten Meister noch nie etwas verheimlichen können. Es war als könnte er, wenn er wollte in den Kopf von jedem sehen und die tiefsten Geheimnisse würden sich einfach vor ihm ausbreiten.
Obi-Wan öffnete die Tür und trat nach dem kleinen, grünen, Meister ein. Dieser ging direkt zu der alten Couch und hüpfte mit mehr Gewandtheit, als sein Äußeres erscheinen ließ, hinauf und setzte sich.
“Möchtet Ihr einen Tee?” Er erhielt nur ein zustimmendes Brummen. Damit ging er in die Küche und beschäftigte sich damit Tee zu kochen und ein paar Snacks herzurichten.
Nach einer Weile hatte er alles fertig und konnte es nicht mehr heraus zögern, dem kleinen Jedimeister gegenüber zu treten.
Er nahm das Tablett und ging in den Hauptraum zurück.
Meister Yoda öffnete die Augen und blickte ihm ruhig entgegen. Er wartete bis Obi-Wan das Tablett auf dem Tisch abgestellt hatte.
“Noch jemanden du erwartest?”, fragte er dann in einem besonders ruhigen Ton, den Obi-Wan das letzte Mal gehört hatte, als er noch als Jüngling im Creché gewesen war.
Erstaunt blickte er auf das Tablett. Tatsächlich hatte er drei Becher mit Tee gefüllt und heraus gebracht. Seinen eigenen, einen für Meister Yoda und den Becher von… Qui-Gon.
“Oh, eigentlich… Nein, Meister, nein, ich erwarte niemanden weiter.” Als er den Becher wegbringen wollte hob Yoda seine drei fingrige Hand.
“Hier lassen, du kannst den Becher.”, brummte der Meister. “Setz dich, Obi-Wan, erzählen du mir kannst, wenn du willst, was beschäftigt dich.”
Er zögerte kurz, doch dann stellte er den Becher wieder auf den Tisch, so, als würde der Besitzer im Sessel ihm gegenüber sitzen. Dann setzte er sich auf den letzten verbleibenden Sessel, zur rechten Seite von Meister Yoda.
Sie schwiegen eine Weile und Obi-Wan konnte spüren, wie die Ruhe, die Yoda ausstrahlte auch auf ihn überging. Und erst da wurde ihm bewusst, wie aufgewühlt er war, obwohl er seine Gedanken durch das Sparring gut betäubt hatte. War seine Meditation doch so fruchtlos gewesen?

Die Minuten verstrichen, keiner der beiden Jedi sagte etwas. Sie genossen die Gesellschaft des Anderen und jeder gedachte auf seine Weise der Person, von der sie sich wünschten, dass sie noch unter ihnen weilen würde.
“Ich hatte wieder den Traum.”
Nur ein leichtes Zucken der grünen Ohren zeigte an, das Yoda ihm zuhörte, denn seine Augen waren wieder geschlossen.
“Doch diesmal war so viel anders. … Qui-Gon hat überlebt.”
Bei diesen Worten blickten ihn große grün-schwarze Augen traurig an.
“Dein Wunsch es ist, dass er wieder hier ist. Doch nicht möglich, da eins er ist mit der Macht.”
“Ich weiß, Meister.”, sagte er resigniert. Und dann begann er seinen Traum wiederzugeben.
Sein Gegenüber hörte zu, unterbrach ihn nicht und stellte keine Fragen. So war es immer mit Yoda. Er lauschte, bis er fertig war. Und erst dann, wenn er alle Informationen hatte, dachte er nach und gab manchmal seinen Gedanken Worte.
“Meditieren ich werde, über deinen Traum. Du mir erzählen, wenn wiederkehren er wird?”
“Ja, Meister.”
Yoda stellte den leeren Tee Becher zurück auf den Tisch und lies sich von der Couch gleiten.
“Nach vorn blicken du musst. Eine große Aufgabe du jetzt hast, Obi-Wan.” Sein Tonfall war mitfühlend, er verstand nur zu gut, was es hieß, jemanden zu verlieren, der einem viel bedeutete. Hatte doch Yoda seinen ehemaligen Schüler Count Doku an die dunkle Seite der Macht verloren.

Das Tschirpen des Kommunikators riss beide wieder aus ihren Gedanken.
“Obi-Wan hier.”
“Meister, wo seid Ihr? Ich sterbe vor Hunger!”
“Anakin! Ich bin auf dem Weg.”
Damit schaltete er das Gerät ab und steckte es wieder an seinen Gürtel. Mit einem leichten Grinsen wandte er sich Meister Yoda zu, in dessen Augen ebenso Belustigung funkelte.
“Ich danke euch, Meister.” Damit verbeugte er sich. Yoda brummte nur kurz als Zustimmung, dann wandten sich beide zur Tür und verließen das Quartier.
Obi-Wan eilte sofort weiter zu den Unterrichtsräumen, um Anakin abzuholen. Und spürte nicht den traurigen Blick, den Yoda ihm nachwarf.
“Die Trauer Zeit braucht, ja. Aber solches Wunschdenken nicht gut ist.” Damit wandte sich der kleine Meister um und ging schwer auf seinen Stock gestützt in Richtung Jedi-Rat davon.
Er würde den jungen Meister gut im Auge behalten müssen. Und beschloss ihn noch etwas länger in die Aufgaben von Coruscant einzubinden, damit er eventuelle Veränderungen schneller erkennen und, wenn nötig, beeinflussen konnte.

“Wo wart Ihr so lange, Meister?” Anakin saß mit saurem Gesichtsausdruck vor den Unterrichtsraum und blickte zu ihm auf.
“Die Besprechung hat länger gedauert, Anakin. Aber jetzt können wir essen gehen.”
Anakin stand auf und begann Richtung Speiseraum zu gehen, Obi-Wan lief neben ihm.
“Jetzt ist von den ganzen leckeren Sachen sicher nichts mehr da…”
Obi-Wan zog eine Braue hoch.
“Du hättest auch einfach mit den anderen Padawanen gehen können.”
Er bekam keine Antwort, Anakin brummte nur etwas in den Kragen seiner Tunika.
Als sie den Speisesaal erreichten herrschte freundliche Geschäftigkeit und gegen die Befürchtungen seines Padawans war noch mehr als genug von allen Süßspeisen da, sodass der Junge sich den Bauch vollschlagen konnte.

Und damit begann ihre Routine im Tempel. Anakin besuchte jeden Tag die vorgesehenen Unterrichtseinheiten und Trainingskurse. Dabei machte er schnell Fortschritte und bald hatte er die anderen Padawane in vielen Belangen eingeholt.
Obi-Wan wurde vom Rat der Jedi eingespannt und meist für Debatten zum Senat geschickt um die Entwicklungen zu beobachten.
Der Oberste Kanzler Palpatine leistete gute Arbeit und brachte etwas mehr Ordnung in den Senat, so hatte es den Anschein. Denn in dem halben Zyklus, den er jetzt im Amt verbrachte, waren einige Entscheidungen beschlossen worden, die vorher Zyklen lang diskutiert worden waren.
Auch brachten die jüngsten Ereignisse des Planeten Naboo ihm Sympathiepunkte, und machten auch die Arbeit der Abgeordneten von Naboo leichter.
Obi-Wan beobachtete mit Erleichterung, dass der gesamte Senat gewillt war, dem Planeten zu helfen, bis dort wieder alles in den richtigen Bahnen lief.

Und doch, trotz all der positiven Entwicklungen, Unruhe nagte an seinem Geist. Eine leise Stimme versuchte ihn zu sich zu rufen. Zu einem Ort weit entfernt von Coruscant. Er schob sie immer wieder bei Seite, versuchte, durch seine Arbeit beim Senat, sie zu unterdrücken. Und an manchen Tagen schaffte er es. Da schwieg die Stimme, die ihm sagte, er sollte nicht hier sein. Und an manchen Tagen konnte er sie fast deutlich in seinem Bewusstsein hören.

Aber, wann immer er in einer Meditation nach ihr greifen wollte, entzog sie sich. Schlüpfte durch seine geistigen Finger, wie Wasser durch eine Felsspalte und versickerte in der Dunkelheit.

Chapter Text

Shmi zeigte ihm, wie er die Feuchtigkeitsevaporatoren reparieren konnte. Damit verbrachten sie beide mehrere Tage, bevor er es endlich schaffte, einen allein wieder in Gang zu setzen. Sie lachten dabei viel zusammen. Shmi schien es sehr zu amüsieren, wie ungeschickt er im Umgang mit Technik war. Sicher, er konnte ohne Probleme mit funktionsfähigen Konsolen und Terminals arbeiten. Aber die altersschwachen, zusammen gestückelten und unzählige Male geflickten Evaporatoren - nun, die waren ein ganz eigenes Kapitel.

Die Frau erzählte ihm viel von ihrem Sohn und dem Leben, welches sie hier geführt hatten. Voll von Entbehrungen und Anstrengungen. Nie sicher, ob der nächste Tag nicht einen neuen, grausameren Besitzer bringen würde als Watto, den Schrotthändler.
“Er sieht in allem immer das Gute, mein kleiner Ani. Das war es, was meine Tage erträglicher gemacht hat, zu wissen, dass trotz allem, er immer lächeln würde.”, Shmi lächelte selbst, als sie dies sagte.
Er stellte seinen Trinkbecher vor sich auf den Tisch.
“Morgen werde ich mich um den nächsten Evaporator kümmern.”, grinste er und verbeugte sich kurz.
“Gute Nacht Shmi.”
“Gute Nacht Qui-Gon.”, sie blieb noch sitzen und blickte gedankenverloren in ihren Becher.

Er störte ihre Gedanken nicht weiter, sondern ging in den Schlafraum, den er benutzte, seit er in Mos Espa angekommen war.
Ihn beschäftigten seine eigenen Gedanken.

Nachdem er aufgewacht war und Shmi Skywalker ihm alles über sich und seinen letzten Aufenthalt auf Tatooine erzählte hatte, waren sie zu einem Heiler gegangen. Der hatte nicht viel feststellen können. Alle Wunden an seinem Körper waren lange verheilt und vernarbt. Und auch sein Sonnenbrand heilte gut ab, hinterließ aber eine gesunde Bräune.
Was sein Gedächtnis anging, so konnte der Heiler ihnen nicht helfen. Er hatte gesagt, dass die Erinnerungen mit der Zeit zurück kehren würden, oder gar nicht. Sie konnten nur warten.

Und sie warteten. Nun mehr seit einem Zehnt. Doch nicht eine Erinnerung kehrte zurück. Selbst der Name, von dem Shmi gesagt hatte, es wäre seiner, klang immer noch fremd und manchmal musste sie ihn zwei mal rufen, bevor er reagierte.

Er fühlte sich verlassen und abgeschottet. Doch konnte er nicht sagen, zu was er eine Verbindung so sehr vermisste, dass es fast körperlich weh tat.

Einem unbestimmten Gedanken folgend ließ er sich mit untergeschlagenen Beinen nieder. Seine Hände legte er mit den Handflächen auf seine Oberschenkel und schloss die Augen. Er horchte in sich hinein. Spürte, wie sein Rücken eine vertraute, aufrechte Position einnahm und sich dabei entspannte.
Er ließ seinen Atem regelmäßig werden, zählte langsam zwischen ein- und ausatmen bis drei, bevor er den nächsten Atemzug machte. Versuchte seinen Körper vollkommen zu entspannen.
Langsam begutachtete er in Gedanken seinen Körper und stellte erstaunt fest, mit welcher Leichtigkeit er es schaffte, in eine meditative Trance zu fallen.

Er versuchte sich vor seinem geistigen Auge selbst vorzustellen. Wie er da saß, die Beine untergeschlagen auf dem harten Lehmboden des Zimmers. Der Rücken gerade, aber nicht durchgestreckt, die Schultern entspannt. Das Gesicht ruhig, ein Bild der Gelassenheit. Die Hände locker und nicht verkrampft.
So sah er einen Mann vor sich knien, der ihm so fremd war. Mit den langen Haaren, die über die Schultern reichten und wohl einmal braun gewesen waren, nun aber von grauen Strähnen durchzogen und, vom vielen Aufenthalt im Freien,  ausgeblichen waren.

Und doch strahlte dieses Bild vor innerer Ruhe und Ausgeglichenheit. Wer ist nur dieser Mann?
Vermisste jemand ihn? Suchte jemand nach ihm? Shmi hatte erzählt, dass er damals in Begleitung eines Gangen und einer jungen Frau gewesen war. Wo waren die zwei? Wer waren sie? Waren sie auch Jedi? Konnte er sie finden?

Doch hier auf Tatooine waren Informationen nur sehr schwer zu bekommen. Vor allem, wenn sie die Republik betrafen. Das Huttenkartell wachte eisern über alles, was gehandelt werden konnte. Und Informationen waren eines der teuersten Güter überhaupt. Neben Spice und Sklaven.Zudem machte die Lage des Planeten es sehr unwahrscheinlich, dass zufällig ein republikanisches Raumschiff landen und er so an Neuigkeiten gelangen könnte.

Das Bild vor seinem geistigen Auge verschwand. Langsam tauchte er aus der Trance auf, in die er sich begeben hatte. Die Unterkunft war komplett dunkel. Auch Shmi musste mittlerweile zu Bett gegangen sein. Nur spärlich beleuchtete das einfallende Licht von draußen seinen Raum. Als er sich erhob protestierten seine Knie leicht und die Beinmuskeln waren verspannt. Er hatte länger meditiert, als er gedacht hatte. Zögerlich legte er sich auf das Bett. An Schlaf war in dieser Nacht nicht zu denken, auch wenn er nicht wusste, warum. In seinem Geist kreisten mehr Fragen denn je und auch durch seine Meditation hatte er nicht eine Antwort gefunden.
Jeder Gedanke begann mit: Wenn er doch nur… und verlief im nichts. Er wusste nicht, was sein Geist so dringend verlangte, dass ihm Antworten und Ruhe geben könnte. Alles was er wahrnahm war die Leere in seinen Erinnerungen und ein Verlangen nach Verbundenheit zu etwas, dass er nicht benennen konnte.

Sie saßen fest. Doch er wusste, sie hatten die Situation unter Kontrolle, wenn sie bedacht vorgingen. Die Droiden waren kein Problem, auch wenn ihnen viele den Weg zu einem Schiff abschnitten.
Er rutschte etwas beiseite, als eine weitere Person neben ihm hinter den Transportkisten in Deckung ging.
“Ihr hattet Recht, Meister, die Verhandlungen waren kurz.”, sagte eine Stimme, die von überall herzukommen schien.
Blau-grüne Augen leuchteten ihn mit jugendlichem Feuer an. Er drehte den Kopf um die Person neben sich besser betrachten zu können. Er wusste, er sollte antworten. Doch kein Wort kam über seine Lippen.

Kurzes rotblondes Haar leuchtete kurz im Licht eines Lampe auf, als sie sich durch den dunklen Gang bewegten. Auf der Hut vor jeder Gefahr, die hinter der nächsten Biegung lauern konnte. Er griff an seinen Gürtel, zog einen metallenen Zylinder und ging in eine defensive Haltung. Die Person neben ihm tat das Gleiche. Ein schmaler, geflochtener Zopf hing an der rechten Seite des feurigen Kopfes hinab bis auf die Brust des jungen Mannes.

Blasterfeuer durchzuckte die Luft. Rote und grüne Blitze in entgegen gesetzten Richtungen. Sie eilten mit einer großen Gruppe Menschen einen Gang entlang. Ein Kind lief zwischen ihnen.
“Ihr müsst zu den Schiffen. Los! Wir halten sie auf!” Damit blieb er stehen, der junge Mann mit ihm.

“Nach Naboo wir euch schicken. Der Senat Jedi-Unterhändler angefordert hat. Wir senden euch.”
“Ja, Meister.”, er verbeugte sich vor der schemenhaften Gestalt. Er stand in einem Kreis aus Sesseln. Manche besetzt, in manchen ein Hologramm und einige wenige waren leer. Doch keine der Personen vor ihm war klar erkennbar. Alles war verschwommen, als würde man es durch trübes Glas betrachten.
“Möge die Macht mit euch sein.”
Wieder verbeugte er sich, erwiderte die Grußformel und drehte sich um. Wieder stand der junge Mann neben ihm. Schweigend verließen sie den Saal.
“Das werden sicher langweilige Verhandlungen, Meister.”
“Hüte deine Zunge, Padawan. Wünschen wir uns lieber, dass die Verhandlungen ruhig ablaufen und nichts störendes passiert.”
Ein freches Grinsen umspielte die jungen Lippen, als der Junge sich mit Schalk in den Augen zu  ihm drehte.
“Wie ihr wünscht, mein Meister.”, grinste er und eilte dann voraus um die Reisevorbereitungen zu beginnen.
Er lächelte nur in sich hinein. Bald würde er einen Jediritter aus ihm machen.

Ein rot leuchtendes Schwert durchfuhr die Luft. Er konnte gerade so blocken. Sein Gegner war kein Anfänger und er hatte alle Mühe ihn in Schach zu halten. Die Sonnen des Planeten blendeten ihn und der Sand wirbelte von ihren Bewegungen auf.
Hinter sich hörte er das Schiff starten und auf ihn zukommen.
“Qui-Gon!”
Er setzte einen letzten Schlag an, dann drehte er sich um rannte ein kurzes Stück und sprang. Die Einstiegsluke schloss sich hinter ihm.

Außer Atem und schweißgebadet wachte er auf. Einen Moment starrte er an die Decke, das Bild der sich schließenden Luke noch immer vor Augen und wie ein junger Mann mit rotblonden Haaren und einem schmalen, geflochtenen Zopf auf der rechten Seite auf ihn zu gerannt kam.

Wer…? Doch ein Geräusch aus der unteren Ebene störte seine Gedanken.
Lautlos stand er auf und schlich zur Treppe. Es war noch immer Dunkel überall und aus Shmis Zimmer konnte er ihren ruhigen Atem hören. Sie schlief noch.

Seine Hand wanderte unbewusst zu seiner Hüfte, doch als sie ins Leere griff, bemerkte er die Bewegung und sah an sich herunter. Er hatte keine Waffe um einen eventuellen Einbrecher abwehren zu können.
Wieder hörte er etwas klappern. Es kam aus der Küche, konnte er jetzt feststellen.
Unbewaffnet schlich er weiter. Wenn er das Überraschungsmoment nutzen konnte, würde er schon mit allem fertig werden, was da unten war.
Lautlos bewegte er sich durch die Schatten und umging alle Hindernisse, in der ihm mittlerweile vertrauten Umgebung.
Ein schabendes Geräusch wurde lauter und wieder schepperte etwas, diesmal wesentlich lauter. Er konnte leichtes Schmatzen hören und wie Essensreste auf den Boden vielen.

Er betrat vorsichtig die Küche und schaltet mit einer Hand am Sensor das Licht ein, während er mit der anderen seine Augen schützte.
Ein kurzes Quieken war zu hören und dann schabten hastige Krallen über den Boden.
Eine Womp-Ratte hatte sich in die Unterkunft geschlichen, anscheinend angelockt von den Resten des Abendessens, welche jetzt in der ganzen Küche verteilt waren. Das Tier quetschte sich gerade durch einen Spalt in einem der Fenster und war verschwunden.

Qui-Gon atmete auf. Dann fing er leise an zu lachen, er wollte Shmi nicht wecken. Doch die Situation machte ihm seine Anspannung bewusst, die sich jetzt in seinem Lachanfall Luft machte.
“Du bist schon ein alter Narr.”, sagt er zu sich selbst. Dann suchte er das Putzzeug um die Schweinerei des kleinen Besuchers zu beseitigen. An seinen Traum dachte er nicht mehr.