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Without You Here

Chapter Text

Die Landung war eine willkommene Ablenkung für Anakin. Er belagerte den Piloten so lang, bis dieser Mitleid hatte und den Jungen das Schiff zur Landeplattform des Tempels steuern lies.
Obi-Wan rieb sich die Augen. Der letzte Auftrag war schwierig gewesen. Auch weil es für ihn immer noch sehr schwer war, eine Verbindung mit Anakin aufzunehmen, oder den Jungen überhaupt richtig zu verstehen. Mit seinem ganzen Eigensinn und Dickkopf, wie Dinge zu regeln wären. Wie konnte ein Zehnjähriger auch schon so… so… Obi-Wan seufzte und schulterte sein Reisegepäck. Es half nichts. Er hatte geschworen den Jungen auszubilden und genau das würde er machen. Er hatte sich nicht um sonst dem Willen des Rates widersetzt.

“Wir sind gelandet! Und ich habe nicht einen Kratzer an das Schiff gemacht.” Anakin strahlte über das ganze Gesicht, während er sein eigenes Gepäck schulterte und sich neben Obi-Wan an die Ausstiegsrampe stellte.
“Das ist gut für meinen Geldbeutel.”, grinste Obi-Wan. “Komm. Der Rat wird meinen Bericht haben wollen und du brauchst ein richtiges Bad.”
Das Leuchten in den blauen Augen des Jungen wurde leicht schwächer. “Kann ich nicht noch beim Schiff bleiben? Ich wollte mir die Wartung des Hyperantriebes ansehen. Und.. und der Pilot hat versprochen, dass ich selber auch was lernen darf…” Doch ein Blick in Obi-Wans Gesicht ließ ihn verstummen.
“Entschuldigung.”
“Wir haben den Piloten schon lange genug belagert.” Und mit wir meinte Obi-Wan Anakin.
“ Es wird Zeit, komm.” Damit ging er die Rampe hinunter und machte sich auf den Weg zu den Quartieren. Er vertraute darauf, dass Anakin ihm folgte. Denn, auch wenn der Junge eigenwillig war, so kannte er sich doch noch nicht so gut im Tempel aus, um zurück zu bleiben.
“Ja, Meister.” Die Antwort klang resigniert und Obi-Wan nahm sich vor bei nächster Gelegenheit mit dem Jungen zu reden.

Den Weg durch den Tempel konnte Obi-Wan mit verbundenen Augen finden. Und nur eine halbe Stunde später standen sie vor ihrem Quartier. Er zögerte nur kurz, bevor er die Tür öffnete und in das große Hauptzimmer ging. Seine Tasche ließ er am Eingang zurück. Anakin schlängelte sich an ihm vorbei und lief nach links in seinen Raum, der vor noch ein paar Monaten Obi-Wans Raum gewesen war. Der Raum des Padawan.
Im Hauptraum hatte sich nichts verändert. Das alte Sofa Stand immer noch in der Mitte des Raumes, zusammen mit zwei weiteren Sesseln, die einen kleinen Tisch zwischen sich einkreisten. Etwas weiter am Fenster stand ein Arbeitstisch mit Holoterminal und einigen angefangen Datenpads und Durafolie beschrieben mit verschiedenen Datensätzen.
Obi-Wan ließ seinen Blick langsam durch den Raum schweifen. Wirklich nichts hat sich verändert. Aus unerfindlichen Gründen erwartete er, dass eine große Gestalt mit breiten Schultern und ernstem Gesichtsausdruck aus dem Raum auf der rechten Seite des Quartiers auftauchte und ihn mit einem leichten Lächeln ansah und fragte:
“Warum stehst du noch da?” Obi-Wan zuckte zusammen. Langsam drehte er sich um.
“Ich war in Gedanken, Ani.” Der Junge sah ihn aus großen Augen an. Kam zwei zaghafte Schritte auf ihn zu und legte seine kurzen Arme um Obi-Wans Hüfte.
“Ich vermisse ihn auch.”, murmelte er in den Stoff von Obi-Wans Robe. Obi-Wan schloss die Augen und versuchte seine Gedanken zu sammeln. Dann kniete er sich nieder um Anakin in die Augen sehen zu können, ohne auf ihn herabsehen zu müssen.
“Ja, ich vermisse ihn. Und wir beide werden sein Andenken in Ehren halten.” Anakin nickte, seine Augen feucht von ungeweinten Tränen. Und Obi-Wan verspürte so viel Zuneigung zu dem Kind, dass er nicht mehr verstand, wie er hatte Zweifeln können. Aus einem Impuls heraus nahm er Anakin in den Arm und drückte ihn kurz an sich, bevor er ihn wieder von sich schob.
“Wir werden später darüber meditieren, Ani. Jetzt nimmst du ein Bad und dann begibst du dich in die Trainingsräume. Dort wirst du mit den anderen Padawanen unterrichtet. Ich komme und hole dich, wenn es Zeit ist für das Abendessen.”
“Ja, Meister.” Anakin schien noch etwas hinzufügen zu wollen, drehte sich dann aber wortlos um und verschwand wieder in seinem Raum.
Obi-Wan seufzte schwer und stand auf. Er sammelte seinen Rucksack von der Tür ein und ging in seinen Raum. Dort schloss er die Tür hinter sich und lehnte schwer mit dem Rücken dagegen.
Mit geschlossenen Augen tastete er in die Macht hinaus, Anakin war im Badezimmer, so wie er es ihm aufgetragen hatte. Obi-Wan beschloss zu warten, bis der Junge aus dem Quartier verschwunden war, bevor er sich fertig machte um dem Rat Bericht zu erstatten.
Langsam ließ er sich an der Tür herab gleiten, bis er im Schneidersitz dasaß. Sein Blick schweifte langsam durch das spartanisch eingerichtete Zimmer. Ein Bett, groß genug um der hünenhaften Gestalt, die es früher gebraucht hatte, bequemen Platz zum schlafen zu geben. Ein paar Regale, in denen kleine Erinnerungsstücke vergangener Missionen lagen, er hatte jene aus seinem alten Zimmer nur widerstrebend hinzugefügt, und ein weiterer Arbeitstisch. Diesmal jedoch ohne Holoterminal, dafür mit einem alten, dicken Buch, welches zugeschlagen in der Mitte des Tisches lag.
Das leise Zischen der Türen verriet Obi-Wan, dass er jetzt allein war.
Langsam stand er auf und verstaute sein Reisegepäck im Schrank. Dann setzte er sich zur Meditation in die Mitte des Raumes, mit dem Gesicht zum decken hohen Fenster gewandt. Doch sein Blick richtete sich nach Innen, anstatt auf die rege Betriebsamkeit Coruscants.

Ausatmen.
Es gibt keine Gefühle,
es gibt Frieden.
Einatmen.
Es gibt keine Unwissenheit,
es gibt Wissen.
Ausatmen.
Es gibt keine Leidenschaft,
es gibt Gelassenheit.
Einatmen.
Es gibt kein Chaos,
es gibt Harmonie.
Ausatmen.
Es gibt keinen Tod,
es gibt nur die Macht.
Ausatmen.

Langsam kehrte die Ruhe und Gelassenheit wieder ein, die Obi-Wan in den letzten Tagen so sehr vermisst hatte. Seine Gedanken waren aufgewühlt und durcheinander und er brauchte eine Weile, bevor er es schaffte alles zu akzeptieren und in die Macht hinausfließen zu lassen.
Als er die Augen wieder öffnete stand die Sonne schon tief am Horizont. Die Aussicht auf ein ausgiebiges Bad war nicht so verlockend, wie Obi-Wan gedacht hätte. Also beschloss er die Schalldusche zu nutzen und sich dann beim Rat der Jedi einzufinden um seinen Bericht abzugeben.

Zwanzig Minuten später sah er sich dem immerwährenden zynischen Gesichtsausdruck von Mace Windu gegenüber, sowie dem vollkommene Ruhe ausstrahlenden Wesen von Meister Yoda. Auch Meister Eeth Koth und Meisterin Luminara Unduli waren anwesend.
“Viel zu berichten, du uns hast, Meister Kenobi?” Yodas Stimme war weich und es schwang eine Wärme in der Frage mit, die Obi-Wan stutzig machte. War er so leicht zu durchschauen? Er bemühe sich um einen gelassenen und neutralen Gesichtsausdruck, bevor er mit seinem Bericht anfing.

Die Gesichter der anwesenden Meister zeigten nichts als höfliches Interesse. Und innerlich hätte Obi-Wan am liebsten jeden von ihnen an seine Stelle gestellt.
“Und so konnten wir die Mission erfolgreich abschließen. “, schloss er seinen Bericht.
Mace nickte nur kurz, als Zeichen, dass der Bericht zur Zufriedenheit des Rates abgegeben worden war.
“Möge die Macht mit euch sein, Meister.” , damit drehte Obi-Wan sich um und verließ die Ratskammer. Er hatte versprochen einen Padawan zum Essen abzuholen.

Als Obi-Wan bei den Trainingsräumen ankam, war es schon spät am Abend. Er hatte gar nicht mitbekommen, wie die Zeit beim Rat vergangen war.
Er fand schnell den einzigen Raum, der noch so spät für Lehreinheiten genutzt wurde.
Die Tür öffnete sich zu einem vollkommen dunklen Raum.
“Wer stört?” , Meister Oppo Rancisis kam zur Tür geschlängelt.
Obi-Wan lächelte ihm entschuldigend entgegen.
“Verzeihung Meister Rancisis, ich möchte meinen Padawan abholen.”
“Meister Kenobi, kommt herein. Wir lernen das Orientieren mit der Macht an Orten, die wir nicht kennen und an denen unsere Sinne nicht sehr hilfreich sind.”
“Also gut, aber nur kurz.” Meister Rancisis ließ ein zufriedenes Tuscheln hören und verschwand wieder in der Dunkelheit des Raumes.
Obi-Wan schloss seine Augen als er durch die Tür trat und sie sich hinter ihm schloss. Behutsam griff er in die Macht hinaus und versuchte sich ein Bild seiner Umgebung zu machen.
Die schlangenartige Gestalt Meister Rancisis’ war nicht schwer zu verfehlen. Dazu gesetzten sich noch die unterschiedlichen Gestalten mehrerer Padawane und - wie Obi-Wan amüsiert feststellte - jede Menge Hindernisse, die mit Hilfe der Macht willkürlich im Raum verteilt waren. Er blieb an der Tür stehen und beobachtete wie der andere Jedimeister den jungen Padawanen Anleitung gab auf die Macht zu Vertrauen, während sie sich ihren Weg durch das provisorische Labyrinth ertasteten.

Anakin hatte nicht besonders viele Schwierigkeiten bei dieser Übung und schon bald stand er neben Obi-Wan an der Tür.
“Können wir jetzt essen gehen? Ich habe Hunger.”, sagte er und zupfte ungeduldig an seiner Robe herum.
“Geduld, Anakin, ich bin nicht der Lehrer hier. Und Meister Rancisis hat die Stunde noch nicht für beendet erklärt.” Obi-Wan könnte den Unmut des Jungen spüren und war sich sicher, alle anderen im Raum auch.
“Nun Meister Kenobi, ich bin sicher, Ihr braucht euren Padawan, geht ruhig.”, Meister Rancisis Worte waren ruhig und gleichmütig. Er kannte ungeduldige, hungrige Padawane zur genüge.
“Habt Dank, Meister, möge die Macht mit euch sei .”, sagte Obi-Wan und drehte sich um, um den Raum zu verlassen. Doch er hielt inne und blickte auf seinen Padawan hinunter, der trotz der Dunkelheit seinen Blick spüren musste, denn er drehte sich schnell in die Richtung des anderen Meisters um und murmelte:
“Auf Wiedersehen Meister Rancisis, es war mir eine Ehre von Euch gelernt zu haben.”
Dann öffnete sich die Tür und die beiden traten hinaus in den schwach beleuchteten Gang.
“Höflichkeit und Respekt werden Gegenstand deiner Abendmeditation sein, Anakin.” Obi-Wan wunderte sich etwas über das Verhalten des Jungen.
“Aber Obi-Wan, er hat mir nichts beibringen können! Ich hab immer als Schnellster den Weg gefunden!”
“Anakin! Höflichkeit und Respekt.”, Obi-Wan sagte die Worte mit Nachdruck. Und er konnte das Zähneknirschen bei seinem Padawan mehr sehen, als hören.
“Ja, Meister.”
Sie erreichen ihr Quartier und Obi-Wan stellte fest, dass der Rat nicht lange gewartet hätte, um ihm neue Nachrichten zukommen zu lassen.
“Das Essen ist in der Kühlzelle, wenn du gegessen hast, meditiere und dann geh schlafen. Ich habe noch zu tun.” Er wartete nicht auf eine Bekundung von Anakin, dass dieser seine Anweisungen verstanden hatte. Sonder setzte sich gleich an den Schreibtisch mit dem Holoterminal und fing an die Nachrichten durchzulesen und seine Korrespondenz aufzunehmen.
Die Arbeit an den Texten verschlang die Zeit. Als Obi-Wan das nächste mal auf blickte, war es weit nach Mitternacht Punkt
Da der Rat für den nächsten Zyklus keinen neuen Auftrag erteilt hatte, beschloss er die übrig gebliebenen Briefe am nächsten Tag fertig zu machen.
Als er sich in sein Zimmer begabt, konnte er kaum noch die Augen offen halten. Er fiel ins Bett und war eingeschlafen, bevor sein Kopf das Kissen berührte.

Chapter Text

Die zwei Sonnen standen hoch am Himmel und die Hitze war fast unerträglich. Er versuchte die Augen so öffnen, doch es gelang ihm nur mit Mühe. Das helle Licht blendete ihn und er legte eine Hand über die Augen und das Licht wieder auszuschließen. Ein stechender Schmerz der von seiner Brust ausstrahlte ließ ihn aufstöhnen. Nur sehr schwer schaffte er es sich auf die Seite zu drehen und sich zusammen zu rollen. Seine Glieder waren schwer wie Blei, die Dunkelheit lockte sein Bewusstsein und er hatte keine Kraft sich dagegen zu wehren.

Als er das nächste Mal die Augen öffnete, war es dunkel. Kein Mond stand am Himmel und nur die Sterne spendeten spärliches Licht. Er versuchte sich aufzusetzen, was erst nach mehreren Versuchen gelang. Sein Körper gehorchte ihm nicht so, wie er es gewohnt war.

Dieser Gedanke ließ ihn stutzen, was war er denn gewohnt? Wo war er? Und noch viel wichtiger, wer war er?

Er spürte Panik in sich aufsteigen, als ihm bewusst wurde, welche Leere in seinem Kopf herrschte.

“Atmen. Du musst ruhig atmen.”, seine Stimme war tief und voll, doch ihm vollkommen fremd.

Ein paar Atemzüge später fühlte er sich ruhiger.

Er blickte an sich herab, starke Arme saßen an einem nicht weniger trainierten Oberkörper, welcher in muskulöse Beine überging. Eindeutig ein Mann. Und er hatte nichts am Leib um sich zu bedecken. Er ließ seine Hände über seine Arme gleiten, um mit dem Tastsinn zu bestätigen, was seine Augen gesehen hatten. Sein Oberkörper war behaart, wenn auch nicht zu sehr, genauso wie die Beine. Er fand viele Narben, alt und verheilt, die sich über seinen ganzen Körper verteilten. Die größte befand sich in der Mitte seines Oberkörpers, kreisrund und wesentlich heller, als alle anderen Narben. Sie musste jünger sein. Doch er konnte sich nicht erinnern, wie er sie bekommen hatte.

Als er seinen Kopf hob um seine Umgebung zu betrachten, fiel ihm am Horizont nördlich ein hellerer Schein auf.
Vielleicht kann ich in der Siedlung dort Unterkunft finden? Noch einen Tag unter den zwei Sonnen überstehe ich nicht ohne gänzlich auszutrocknen.
Er wusste nicht, wieso er sich so sicher war über die Siedlung, und dass es ihn die halbe Nacht brauchen würde um dort hin zu gelangen. Doch im Augenblick war ihm das nicht wichtig. Wichtig war Schutz und Wasser, beides würde er dort finden.

Vorsichtig zog er die Beine an den Körper um sich dann leicht in eine Hocke zu bringen. Bei dieser Bewegung stellte er fest, dass er sich allein durch den heutigen Tag unter den Sonnen einen starken Sonnenbrand zugezogen hatte. Es war dringend nötig, dass er zu der Siedlung gelangte.
Er brauchte gute 10 Minuten um von der Hocke in den aufrechten Stand zu kommen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren und wieder umzufallen.
Die ersten Schritte waren sehr wackelig und er fiel wieder hin. Ein paar Schürfwunden an den Knien und Oberschenkeln hielten ihn aber nicht davon ab, erneut aufzustehen und seinen Weg fortzusetzen. Diesmal gelang es ihm ohne wieder umzufallen. Und mit jedem Schritt wurde er sicherer.
Bald schritt er zügig aus und genoss die kalte Nachtluft auf seiner verbrannten Haut.

Die Landschaft um ihn herum war eintönig und karg. In der Ferne konnte er die Umrisse von Bergen erkennen. Doch nichts weckte auch nur den Hauch eines Erkennens in ihm.

Die Zeit verstrich, während er den Licht der Siedlung entgegen wanderte. Irgendwann kamen Feuchtigkeitvaporatoren in Sicht, die ersten wirklichen Anzeichen für Leben auf diesem unwirtlichen Planeten.
Das donnernde Geräusch einer Sandraupe in der Ferne ließ ihn innehalten und sich erneut umsehen.
Er versuchte die Landschaft noch einmal genau zu betrachten. Und dann auf einmal nahm er es wahr, nicht mit den Augen oder Ohren, sondern mit seinem Geist. Das Leben, das sich so tapfer in dieser Wüste behauptete. Diese Entdeckung erschütterte ihn so sehr, dass dieses Gefühl sofort wieder verschwand. Als hätte seine unterbrochene Konzentration die Tür wieder zugestoßen zu...
Doch er konnte nicht benennen, was es war, das er da wahrgenommen hatte. Und er bekam Kopfschmerzen nur von dem Versuch es noch einmal zu spüren.
Also machte er sich wieder auf den Weg.

Die erste Dämmerung brach an, als er den Rand der Siedlung erreichte. In felsige Wände waren Unterkünfte gebaut worden, deren Eingänge den Sonnen so weit wie möglich abgewandt waren.
Etwas ratlos blickte er sich um. Wohin nun?
Auf einem Absatz ging eine Tür auf und eine Frau mittleren Alters trat auf eine Terrasse heraus. Ihre dunklen Haare waren zu einem Knoten im Genick zusammen genommen.
Besser jetzt als nie.
“Entschuldigung?”, er versuchte soweit ins Licht zu treten, dass sie sehen könnte, dass von ihm keine Gefahr ausging, ohne seine Blöße vollkommen Preis zu geben.
Trotzdem sah er, wie sie zusammen zuckte.
“Es tut mir leid, ich möchte nicht unhöflich sein. Doch ich weiß nicht wo ich bin und ich … “, er brach etwas verlegen ab.
Die Frau sah ihn einen Moment lang unsicher an, dann leuchtete etwas in ihren Augen auf.
“Wartet dort, ich komme zu euch herunter.”, damit verschwand sie wieder in der Behausung. Nur um kurz darauf hinter ihm aus einem Eingang zu treten.
Er legte die Hände im Schoß zusammen und sah sie unsicher an.
“Wie kommt…. Oh her je, warum tragt ihr keine Kleider? Was ist passiert? Kommt herein! Bitte.”, sie trat beiseite und bedeutete ihm ihr zu folgen.
Als er durch den Eingang ging musste er sich ducken, um nicht mit dem Kopf am Türrahmen anzustoßen, doch der Raum dahinter hätte eine angenehme Höhe, sodass er gerade stehen konnte.
“Hier, werft das erst einmal über. Ich muss nachsehen, ob ich Kleider habe, die euch passen werden.” Sie hielt ihm einen Überwurf entgegen und als er ihn anzog stellte er erfreut fest, dass dieser bis zu seinen Knien reichte.
“Das ist sehr großzügig von euch.”
“Bitte setzen Sie sich. Ich… ach du je, Ihr habt ja einen schlimmen Sonnenbrand. Wart ihr ohne Schutz in der Wüste?” Auf ihren entsetzten Blick konnte er nur nicken.
“Ich weiß leider nicht, wie das passiert ist, aber ich bin gestern mitten in der Wüste aufgewacht. Denke ich. Als ich wieder zu mir kam, war es schon dunkel. Aber ich befürchte, ich habe den Großteil des letzten Tages unter den Sonnen verbracht.”, es störte ihn zugeben zu müssen, dass er Hilfe brauchte. Sonst war er derjenige, der…. Der was?
Er nahm auf dem Stuhl Platz, den sie ihm anbot.
Die Frau vor ihm lächelte leicht.
“Oh bitte, Ihr könnt euch hier ausruhen und etwas erholen. Ich muss leider los, doch es ist Essen und Trinken in der Kühlzelle. Zum schlafen legt euch oben in Anis Zimmer.”, bei den letzten Worten wurde ihr Blick schwermütig.
“Ich… Bitte, ich möchte keine Umstände machen, Frau…”
Sie warf ihm einen fragenden Blick zu, während sie eine Tasse Tee vor ihn stellte.
“Shmi, meine Name ist Shmi Skywalker. Habt ihr ihn schon wieder vergessen?”, sie sah etwas verletzt aus. Und ihr Blick würde trüb.
Er stand hastig auf und griff nach den Händen der Frau vor ihm.
“Ich erinnere mich an gar nichts, Shmi. Es tut mir sehr leid. Bitte, falls ich irgendetwas …”
Ihre Augen wurden groß vor Mitgefühl und etwas, dass er nicht zuordnen konnte.
“Wieso erinnert Ihr euch nicht?”
Doch er konnte nicht mehr antworten. Ein lautes eindringliches Klopfen an der Tür unterbrach sie und eine unfreundliche Stimme rief etwas auf Nicht-Basic.
“Ich komme schon.”, antwortete Shmi und drehte sich von ihm weg. “Bleibt heute in der Unterkunft, ruht euch aus. Wir sprechen am Abend weiter.”
Damit nahm sie sich einen ähnlichem Umhang, wie den, den er trug, und verschwand durch die Eingangstür nach draußen.

Er blieb noch eine Weile am Tisch sitzen, nachdem Shmi gegangen war. Eine Frau aus seiner Vergangenheit, die ihn kannte, die ihm helfen konnte sein Gedächtnis wieder zu erlangen.
Langsam trank er von dem bitteren Tee und zerbrach sich den Kopf, was sie wissen könnte, woher er sie kannte, wie sie zueinander standen.
Als er gesagt hatte, dass er sich an nichts erinnern konnte, hatte er Mitgefühl in ihren Augen gesehen, aber auch etwas anderes. Was war das gewesen? Angst? Entsetzen? Wo war nur die Verbindung zu allem?

Er bekam Kopfschmerzen, als er versuchte sich Dinge zusammen zu reimen, die er einfach nicht wusste. Schließlich stand er seufzend auf und begab sich in die obere Etage. Dort waren zwei kleine Zimmer und eine Schalldusche vorhanden. Ein Raum war eindeutig der von Shmi, mit kleinen aufgestellten Schmuckstücken und Verzierungen. Der zweite Raum war kleiner und vollgestopft bis ob hin mit elektronischen Einzelteilen. Ein nicht fertiger humanoider Androide stand abgeschaltet in einer Ecke.
“C3-PO.”, er murmelte diese Bezeichnung ohne zu wissen, wie sie in seine Gedanken gekommen war. Doch hatte er das Gefühl, dass es wichtig war. Vor seinen Augen tauchte das unscharfe Bild eines kleinen Jungen auf, der sich im Zimmer bewegte und Gesten machte, als wolle er ihm alles zeigen, was er schon hergestellt hatte.

Doch das Bild verschwand so schnell, wie es aufgetaucht war, und er war sich unsicher, ob er seinem Kopf wirklich trauen konnte, nachdem er einen ganzen Tag in der Wüste unter den zwei Sonnen verbracht hatte.
“Ich sollte ruhen und zu Kräften kommen.”, murmelte er und legte sich auf das Bett.
Es war zu kurz für seine lange Gestalt, doch mit angezogenen Beinen konnte er bequem liegen.
Kaum hatte er es sich bequem gemacht, schlief er auch schon tief und fest.

Chapter Text


Er war wieder auf Naboo. Gefangen zwischen den Energieschilden, die den Weg zum Hauptgenerator abschirmten. Sein Meister war so viel weiter als er. Und noch weiter der Sith. Auf der Lauer. Das rot-schwarze Gesicht zu einer Grimasse des Grauens verzogen, welche von den Hörnern auf seinem Kopf nur verstärkt wurde.

Obi-Wan wusste, was passieren würde. Zu oft hatte er diesen Albtraum durchlebt, nur um jedes Mal aufzuwachen und seinen Verlust umso deutlicher zu spüren.

Die Schilde begannen sich zu öffnen. Hinter ihm ging eines nach dem anderen auf. Qui-Gon blieb von dem Sith getrennt. Obi-Wan lief, so schnell es die sich öffnenden Energiewände zuließen. An einer Barriere nach der anderen gelangte er vorbei, während sein Meister immer noch von dem Sith und seiner tödlichen Waffe getrennt war.

Er konnt hören, dass sich die Energie der Kraftfelder hinter ihm wieder aufbaute. Er versuchte schneller vorwärts zu kommen. Doch es ging nicht.  Eine einzige Wand trennte ihn noch von der hünenhaften Gestalt seines Meisters. Und nur zwei waren es bis zu dem Sith.  Doch sie öffneten sich nicht.

Er kam nicht durch.

Der Schild zwischen Qui-Gon und dem Sith öffnete sich und Obi-Wan konnte nur ohnmächtig zusehen, wie der Kampf erneut begann.

Jede Bewegung hatte sich in sein Gedächtnis gebrannt. Er wusste, welche Parade auf welchen Stoß folgte und welcher Angriff zu einem Block führte, was wieder einen Gegenangriff nach sich zog. Alles lief wie in Zeitlupe ab. Und er konnte nicht umhin die Eleganz in dem tödlichen Tanz der Lichtschwerter zu bewundern. Qui-Gon war schon immer ein begnadeter Kämpfer gewesen.

Doch der Augenblick, in dem der tödliche Schlagabtausch stattfinden sollte, kam nicht. Der Kampf ging weiter, bis sich die Energieschilde vor Obi-Wan öffneten und er raste mit aller Kraft, sein Lichtschwert im Anschlag auf den Sith zu und durchbohrte ihn mit seiner Klinge.

Überraschung und dann Entsetzen spiegelten sich auf dem rot-schwarzen Gesicht des Zabrak, als er zusammenbrach. Das Doppellichtschwert rollte nutzlos über den Boden und erlosch.

Doch genauso überrascht war Obi-Wan. Wie war das passiert? Das war nicht der Albtraum, den er immer hatte. Er zuckte zusammen, als eine schwere Hand auf seine Schulter fiel, und blickte zur Seite. Da stand Qui-Gon, lebendig, atmend. Ohne ein Loch in der Brust aus verbranntem Fleisch.

“Gut gemacht Padawan.” Ein Lächeln zierte das Gesicht, des sonst so ruhigen und ausgeglichenen Jedimeisters.
Er sagte noch mehr, doch Obi-Wan konnte ihn nicht mehr verstehen. Das Blut rauschte so stark in seinen Ohren, dass es alle Geräusche verschlang. Alle Konturen wurden undeutlich und das Licht verschwand. Die Dunkelheit verschlang alles, bis nur noch Qui-Gon sichtbar war, mit einem fragenden Gesichtsausdruck. Doch auch er verschwand.

Obi-Wan saß im Bett. Eine Hand hatte er von sich gestreckt, als wollte er nach etwas greifen. Doch da war nichts in seinem Zimmer. Nur die grau-schwarzen Schatten, die durch das Licht entstanden, welches durch das Fenster hereinfiel. Langsam nahm er die Hand zurück und fuhr sich damit über das Gesicht. Er musste erst richtig wach werden, bevor er über den Traum nachdenken konnte. Sein Verstand versuchte schon die Unterschiede zu den alten Träumen zu verarbeiten. Warum war es so anders gewesen? Warum hatte er den Sith getötet? Warum… warum war es damals nicht genau so abgelaufen?

Als ihm der letzte Gedanke bewusst wurde, schüttelte Obi-Wan sich und stand auf. Es war dringend nötig über diese Fragen zu meditieren. Und er wusste, dass er nicht mehr schlafen konnte, also konnte er das genauso gut auch jetzt machen.

Er streifte sich eine lockere Hose über und ging barfuß in den Hauptraum des Quartiers. Von dort nahm er sich seine Meditationsmatte und begab sich auf den Balkon. Es war noch immer Nacht.

Er ließ sich nieder, die Beine untergeschlagen, sodass er auf den Fersen saß, die Knie leicht auseinander. Seine Hände legte er auf die Oberschenkel und sein Rücken war gerade, der Kopf aufrecht.

Mit geschlossenen Augen ließ er die Geräusche um ihn herum einen Moment auf sich einwirken. Den ständigen Wind, der auf Coruscant vorherrschte. Die Geräusche der vielen Schuttels, Lufttaxis, Gleiter, Swoops und anderer Transporter, die im ewigen Strom um den Planeten kreisten um ihre Aufgaben zu erledigen.

Dann wendete er seine Aufmerksamkeit nach Innen und versank in der Meditation. Er fing an seinen Geist zu erweitern und griff hinaus in die Macht. Spürte, wie sie sich mit ihm verband und ihn umgab. So wie sie alles umgab, was existierte.

Als erstes griff er nach seiner Unsicherheit, die er beim Erwachen aus dem Traum, gespürt hatte. Er akzeptierte, dass sie da war und dass sie ihren Zweck erfüllt hatte. Damit ließ er dieses Gefühl durch sich hindurch in die Macht fließen. Und sie war fort.

So ging er mit allen Gefühlen um, die seinen Geist aufwühlten, bis nur noch Ruhe und Ausgeglichenheit vorherrschten. Erst in diesem Zustand wagte er sich daran, den Traum zu analysieren.

Wo waren die Unterschiede? Qui-Gon hatte überlebt. Das war der größte Unterschied. Aber wie war es dazu gekommen? Es musste noch mehr geben.

Obi-Wan stellte sich vor, dass er in einem dunklen Raum stand und vor sich ließ er den Traum auf einem Bildschirm ablaufen. So blieb er Zuschauer, ohne wieder in der Handlung zu versinken. Und er konnte, wenn er wollte, Szenen anhalten und aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten.

Es brauchte zwei Durchläufe, bis ihm der erste stärkste Unterschied auffiel.
Die Energieschilde öffneten sich von außen nach innen, Richtung Hauptgenerator.

Aber das Entsprach nicht der Wahrheit. Die Barrieren öffneten sich nur von innen nach außen. Und nie anders. Das war damals, in diesem Schicksalskampf auch der Grund gewesen, warum Obi-Wan nicht schnell genug zu seinem Meister hatte gelangen können. Der Schild zwischen ihm und dem Sith hatte sich so viele Augenblicke früher geöffnet, als der, der dem Padawan den Weg versperrte.

Der zweite Unterschied war, dass sich Obi-Wan direkt in dem Segment hinter seinem Meister befand.
Auch das war nicht Wahrheitsgemäß. Obi-Wan hatte durch seinen Sturz wertvolle Zeit verloren und war viele Segmente hinter Qui-Gon und dem Sith zwischen den Barrieren gefangen gewesen und hatte nur hilflos zusehen können. Er hatte nichts tun können.
Er schickte die aufkommende Hilflosigkeit in die Macht. Er akzeptierte sie, doch er konnte sie nicht gebrauchen. Er war hilflos gewesen. Und das war die ungeschönte Wahrheit.
Als nächstes fiel ihm auf, dass sich die Barriere zwischen dem Jedimeister und dem Sith nicht öffnete.

Damals in dem Kampf war dieses Schild, das erste, das in sich zusammen fiel und den Weg zwischen den zwei Kämpfern frei gab, während Obi-Wan hinter ihnen weiterhin gefangen war.
Was also hielt es dieses mal geschlossen? Sein Wunsch, Qui-Gon beschützt und gerettet zu haben?

Immerhin hatte er den Sith mit seinem Lichtschwert getötet. So wie dieser damals Qui-Gon. Er war mit der Klinge des Lichtschwertes voran in den Sith gerannt. Hatte das verbrannte Fleisch gerochen und das kurze Röcheln gehört, bevor der leblose Körper zusammen gesunken war.

Er stellte beide Bilder vor sich auf. Das immer noch geschlossene Schild zwischen seinem Meister und dem Sith und den Moment, als Obi-Wans Lichtschwert den Körper des Zabrak aufspießte.

Er versuchte zu verstehen, was diesen Unterschied hervorgebracht hatte.
Seit sechs Monaten durchlebte er jede Nacht den gleichen Traum. Immer wieder sah er den Kampf vor sich, und konnte nichts ändern. Er konnte seinen Sturz nicht verhindern und auch das Schicksal von Qui-Gon nicht. Und jede Nacht war er aufgewacht, schweißgebadet und mit panischem Herzklopfen.

Doch so sehr er auch versuchte, etwas zu finden, dass diese Veränderungen in seinem Traum verursacht haben könnte. Er fand nichts.
Mit dem Entschluss, bei nächster Gelegenheit mit Meister Yoda darüber zu reden, ließ er sich zurück in den Wachzustand gleiten. Sein Rücken war steif, seine Beinmuskeln protestierten und seine Gelenke knackten leicht, als er aufstand.

Mittlerweile war die Sonne aufgegangen und schickte ihre warmen Strahlen über die riesige Stadt, die sich um den ganzen Planeten erstreckte und Coruscant hieß.
Obi-Wan streckte sich und ließ einen Wirbel in seinem Rücken zurück in die richtige Position ploppen.

Er rollte die Meditationsmatte zusammen und ging wieder in das Hauptzimmer zurück. Die Matte legte er an ihren angestammten Platz und ging in die Küchenzeile um Tee zu machen.

Anakin kam aus seinem Zimmer, als der Tee fertig war.
"Ihr habt nicht geschlafen, Meister.”, die Beobachtungsgabe des Jungen war wirklich bemerkenswert. Obi-Wan nahm sich vor, dass sein Padawan eine entsprechende Schulung erhalten sollte.
"Ich habe die halbe Nacht meditiert.”, gab er zu.
Der Blondschopf des Jungen verschwand in der Küche, während Obi-Wan sich mit einem Becher Tee auf der alten Couch niederließ.
Einiges Geschirrgeklapper später erschien Anakin mit zwei Platten mit einem einfachen Frühstück aus Obst, ein paar Fladenbroten und Aufstrich.
“Danke, Ani.”

Sie aßen schweigend. Obi-Wan hing seinen Gedanken nach und auch Anakin schien nachdenklich, da er nicht wie sonst redete, wie ein Wasserfall.
Das Piepen des Datenpads unterbrach das Schweigen. Während sein Schüler weiter aß, griff Obi-Wan danach und lass sich die Nachricht durch.
Seine Stirn legte sich leicht in Falten.

“Gibt es eine neue Mission?”, fragte der Junge ihm gegenüber mit vollem Mund und sah ihn aus großen neugierigen Augen an.
“Nein. Der Rat möchte uns für zwei Zenten hier behalten, um sicher zu gehen, dass du deine Kurse machen kannst.”
Sofort kam ein enttäuschtes Geräusch vom anderen Ende des schmalen Tisches.
“Anakin”, er sah ihn streng an. “Es gibt keine Unwissenheit, es gibt Wissen. Bildung ist sehr wichtig als Jedi. Wenn du nichts weißt, provozierst du Situationen, die du nicht kontrollieren kannst. Und ohne Wissen kannst du deine Aufgabe als Jedi nicht erfüllen.”
Hellblaue Augen blickten leicht schuldbewusst auf den Teller vor ihm.
“Okay.”
“Ich möchte, dass du zusätzlich noch einen Kurs bei Meister Piell belegst, um deine Beobachtungs- und Auffassungsgabe zu schulen. Du hast ein großes Talent dafür kleine Unterschiede zu bemerken.”
Allzu begeistert sah der Junge ihm gegenüber nicht aus, nickte aber und stand dann auf um seinen leeren Teller wegzuräumen.

Danach sammelte er seinen Umhang ein und drehte sich an der Tür noch einmal um.
“Gehen wir zusammen zum Essen?”
Obi-Wan lächelte.
“Sehr gern.”
Damit schloss sich die Tür hinter dem Jungen und Obi-Wan war wieder allein mit seinen Gedanken. Die sich immer noch um den Traum drehten.
Am Besten ging er auch in einen der großen Gemeinschaftstrainingsräume. Sicher würde ein anderer Jedi sich zu einem Sparring bereit erklären.