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Without You Here

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Die Landung war eine willkommene Ablenkung für Anakin. Er belagerte den Piloten so lang, bis dieser Mitleid hatte und den Jungen das Schiff zur Landeplattform des Tempels steuern lies.
Obi-Wan rieb sich die Augen. Der letzte Auftrag war schwierig gewesen. Auch weil es für ihn immer noch sehr schwer war, eine Verbindung mit Anakin aufzunehmen, oder den Jungen überhaupt richtig zu verstehen. Mit seinem ganzen Eigensinn und Dickkopf, wie Dinge zu regeln wären. Wie konnte ein Zehnjähriger auch schon so… so… Obi-Wan seufzte und schulterte sein Reisegepäck. Es half nichts. Er hatte geschworen den Jungen auszubilden und genau das würde er machen. Er hatte sich nicht um sonst dem Willen des Rates widersetzt.

“Wir sind gelandet! Und ich habe nicht einen Kratzer an das Schiff gemacht.” Anakin strahlte über das ganze Gesicht, während er sein eigenes Gepäck schulterte und sich neben Obi-Wan an die Ausstiegsrampe stellte.
“Das ist gut für meinen Geldbeutel.”, grinste Obi-Wan. “Komm. Der Rat wird meinen Bericht haben wollen und du brauchst ein richtiges Bad.”
Das Leuchten in den blauen Augen des Jungen wurde leicht schwächer. “Kann ich nicht noch beim Schiff bleiben? Ich wollte mir die Wartung des Hyperantriebes ansehen. Und.. und der Pilot hat versprochen, dass ich selber auch was lernen darf…” Doch ein Blick in Obi-Wans Gesicht ließ ihn verstummen.
“Entschuldigung.”
“Wir haben den Piloten schon lange genug belagert.” Und mit wir meinte Obi-Wan Anakin.
“ Es wird Zeit, komm.” Damit ging er die Rampe hinunter und machte sich auf den Weg zu den Quartieren. Er vertraute darauf, dass Anakin ihm folgte. Denn, auch wenn der Junge eigenwillig war, so kannte er sich doch noch nicht so gut im Tempel aus, um zurück zu bleiben.
“Ja, Meister.” Die Antwort klang resigniert und Obi-Wan nahm sich vor bei nächster Gelegenheit mit dem Jungen zu reden.

Den Weg durch den Tempel konnte Obi-Wan mit verbundenen Augen finden. Und nur eine halbe Stunde später standen sie vor ihrem Quartier. Er zögerte nur kurz, bevor er die Tür öffnete und in das große Hauptzimmer ging. Seine Tasche ließ er am Eingang zurück. Anakin schlängelte sich an ihm vorbei und lief nach links in seinen Raum, der vor noch ein paar Monaten Obi-Wans Raum gewesen war. Der Raum des Padawan.
Im Hauptraum hatte sich nichts verändert. Das alte Sofa Stand immer noch in der Mitte des Raumes, zusammen mit zwei weiteren Sesseln, die einen kleinen Tisch zwischen sich einkreisten. Etwas weiter am Fenster stand ein Arbeitstisch mit Holoterminal und einigen angefangen Datenpads und Durafolie beschrieben mit verschiedenen Datensätzen.
Obi-Wan ließ seinen Blick langsam durch den Raum schweifen. Wirklich nichts hat sich verändert. Aus unerfindlichen Gründen erwartete er, dass eine große Gestalt mit breiten Schultern und ernstem Gesichtsausdruck aus dem Raum auf der rechten Seite des Quartiers auftauchte und ihn mit einem leichten Lächeln ansah und fragte:
“Warum stehst du noch da?” Obi-Wan zuckte zusammen. Langsam drehte er sich um.
“Ich war in Gedanken, Ani.” Der Junge sah ihn aus großen Augen an. Kam zwei zaghafte Schritte auf ihn zu und legte seine kurzen Arme um Obi-Wans Hüfte.
“Ich vermisse ihn auch.”, murmelte er in den Stoff von Obi-Wans Robe. Obi-Wan schloss die Augen und versuchte seine Gedanken zu sammeln. Dann kniete er sich nieder um Anakin in die Augen sehen zu können, ohne auf ihn herabsehen zu müssen.
“Ja, ich vermisse ihn. Und wir beide werden sein Andenken in Ehren halten.” Anakin nickte, seine Augen feucht von ungeweinten Tränen. Und Obi-Wan verspürte so viel Zuneigung zu dem Kind, dass er nicht mehr verstand, wie er hatte Zweifeln können. Aus einem Impuls heraus nahm er Anakin in den Arm und drückte ihn kurz an sich, bevor er ihn wieder von sich schob.
“Wir werden später darüber meditieren, Ani. Jetzt nimmst du ein Bad und dann begibst du dich in die Trainingsräume. Dort wirst du mit den anderen Padawanen unterrichtet. Ich komme und hole dich, wenn es Zeit ist für das Abendessen.”
“Ja, Meister.” Anakin schien noch etwas hinzufügen zu wollen, drehte sich dann aber wortlos um und verschwand wieder in seinem Raum.
Obi-Wan seufzte schwer und stand auf. Er sammelte seinen Rucksack von der Tür ein und ging in seinen Raum. Dort schloss er die Tür hinter sich und lehnte schwer mit dem Rücken dagegen.
Mit geschlossenen Augen tastete er in die Macht hinaus, Anakin war im Badezimmer, so wie er es ihm aufgetragen hatte. Obi-Wan beschloss zu warten, bis der Junge aus dem Quartier verschwunden war, bevor er sich fertig machte um dem Rat Bericht zu erstatten.
Langsam ließ er sich an der Tür herab gleiten, bis er im Schneidersitz dasaß. Sein Blick schweifte langsam durch das spartanisch eingerichtete Zimmer. Ein Bett, groß genug um der hünenhaften Gestalt, die es früher gebraucht hatte, bequemen Platz zum schlafen zu geben. Ein paar Regale, in denen kleine Erinnerungsstücke vergangener Missionen lagen, er hatte jene aus seinem alten Zimmer nur widerstrebend hinzugefügt, und ein weiterer Arbeitstisch. Diesmal jedoch ohne Holoterminal, dafür mit einem alten, dicken Buch, welches zugeschlagen in der Mitte des Tisches lag.
Das leise Zischen der Türen verriet Obi-Wan, dass er jetzt allein war.
Langsam stand er auf und verstaute sein Reisegepäck im Schrank. Dann setzte er sich zur Meditation in die Mitte des Raumes, mit dem Gesicht zum decken hohen Fenster gewandt. Doch sein Blick richtete sich nach Innen, anstatt auf die rege Betriebsamkeit Coruscants.

Ausatmen.
Es gibt keine Gefühle,
es gibt Frieden.
Einatmen.
Es gibt keine Unwissenheit,
es gibt Wissen.
Ausatmen.
Es gibt keine Leidenschaft,
es gibt Gelassenheit.
Einatmen.
Es gibt kein Chaos,
es gibt Harmonie.
Ausatmen.
Es gibt keinen Tod,
es gibt nur die Macht.
Ausatmen.

Langsam kehrte die Ruhe und Gelassenheit wieder ein, die Obi-Wan in den letzten Tagen so sehr vermisst hatte. Seine Gedanken waren aufgewühlt und durcheinander und er brauchte eine Weile, bevor er es schaffte alles zu akzeptieren und in die Macht hinausfließen zu lassen.
Als er die Augen wieder öffnete stand die Sonne schon tief am Horizont. Die Aussicht auf ein ausgiebiges Bad war nicht so verlockend, wie Obi-Wan gedacht hätte. Also beschloss er die Schalldusche zu nutzen und sich dann beim Rat der Jedi einzufinden um seinen Bericht abzugeben.

Zwanzig Minuten später sah er sich dem immerwährenden zynischen Gesichtsausdruck von Mace Windu gegenüber, sowie dem vollkommene Ruhe ausstrahlenden Wesen von Meister Yoda. Auch Meister Eeth Koth und Meisterin Luminara Unduli waren anwesend.
“Viel zu berichten, du uns hast, Meister Kenobi?” Yodas Stimme war weich und es schwang eine Wärme in der Frage mit, die Obi-Wan stutzig machte. War er so leicht zu durchschauen? Er bemühe sich um einen gelassenen und neutralen Gesichtsausdruck, bevor er mit seinem Bericht anfing.

Die Gesichter der anwesenden Meister zeigten nichts als höfliches Interesse. Und innerlich hätte Obi-Wan am liebsten jeden von ihnen an seine Stelle gestellt.
“Und so konnten wir die Mission erfolgreich abschließen. “, schloss er seinen Bericht.
Mace nickte nur kurz, als Zeichen, dass der Bericht zur Zufriedenheit des Rates abgegeben worden war.
“Möge die Macht mit euch sein, Meister.” , damit drehte Obi-Wan sich um und verließ die Ratskammer. Er hatte versprochen einen Padawan zum Essen abzuholen.

Als Obi-Wan bei den Trainingsräumen ankam, war es schon spät am Abend. Er hatte gar nicht mitbekommen, wie die Zeit beim Rat vergangen war.
Er fand schnell den einzigen Raum, der noch so spät für Lehreinheiten genutzt wurde.
Die Tür öffnete sich zu einem vollkommen dunklen Raum.
“Wer stört?” , Meister Oppo Rancisis kam zur Tür geschlängelt.
Obi-Wan lächelte ihm entschuldigend entgegen.
“Verzeihung Meister Rancisis, ich möchte meinen Padawan abholen.”
“Meister Kenobi, kommt herein. Wir lernen das Orientieren mit der Macht an Orten, die wir nicht kennen und an denen unsere Sinne nicht sehr hilfreich sind.”
“Also gut, aber nur kurz.” Meister Rancisis ließ ein zufriedenes Tuscheln hören und verschwand wieder in der Dunkelheit des Raumes.
Obi-Wan schloss seine Augen als er durch die Tür trat und sie sich hinter ihm schloss. Behutsam griff er in die Macht hinaus und versuchte sich ein Bild seiner Umgebung zu machen.
Die schlangenartige Gestalt Meister Rancisis’ war nicht schwer zu verfehlen. Dazu gesetzten sich noch die unterschiedlichen Gestalten mehrerer Padawane und - wie Obi-Wan amüsiert feststellte - jede Menge Hindernisse, die mit Hilfe der Macht willkürlich im Raum verteilt waren. Er blieb an der Tür stehen und beobachtete wie der andere Jedimeister den jungen Padawanen Anleitung gab auf die Macht zu Vertrauen, während sie sich ihren Weg durch das provisorische Labyrinth ertasteten.

Anakin hatte nicht besonders viele Schwierigkeiten bei dieser Übung und schon bald stand er neben Obi-Wan an der Tür.
“Können wir jetzt essen gehen? Ich habe Hunger.”, sagte er und zupfte ungeduldig an seiner Robe herum.
“Geduld, Anakin, ich bin nicht der Lehrer hier. Und Meister Rancisis hat die Stunde noch nicht für beendet erklärt.” Obi-Wan könnte den Unmut des Jungen spüren und war sich sicher, alle anderen im Raum auch.
“Nun Meister Kenobi, ich bin sicher, Ihr braucht euren Padawan, geht ruhig.”, Meister Rancisis Worte waren ruhig und gleichmütig. Er kannte ungeduldige, hungrige Padawane zur genüge.
“Habt Dank, Meister, möge die Macht mit euch sei .”, sagte Obi-Wan und drehte sich um, um den Raum zu verlassen. Doch er hielt inne und blickte auf seinen Padawan hinunter, der trotz der Dunkelheit seinen Blick spüren musste, denn er drehte sich schnell in die Richtung des anderen Meisters um und murmelte:
“Auf Wiedersehen Meister Rancisis, es war mir eine Ehre von Euch gelernt zu haben.”
Dann öffnete sich die Tür und die beiden traten hinaus in den schwach beleuchteten Gang.
“Höflichkeit und Respekt werden Gegenstand deiner Abendmeditation sein, Anakin.” Obi-Wan wunderte sich etwas über das Verhalten des Jungen.
“Aber Obi-Wan, er hat mir nichts beibringen können! Ich hab immer als Schnellster den Weg gefunden!”
“Anakin! Höflichkeit und Respekt.”, Obi-Wan sagte die Worte mit Nachdruck. Und er konnte das Zähneknirschen bei seinem Padawan mehr sehen, als hören.
“Ja, Meister.”
Sie erreichen ihr Quartier und Obi-Wan stellte fest, dass der Rat nicht lange gewartet hätte, um ihm neue Nachrichten zukommen zu lassen.
“Das Essen ist in der Kühlzelle, wenn du gegessen hast, meditiere und dann geh schlafen. Ich habe noch zu tun.” Er wartete nicht auf eine Bekundung von Anakin, dass dieser seine Anweisungen verstanden hatte. Sonder setzte sich gleich an den Schreibtisch mit dem Holoterminal und fing an die Nachrichten durchzulesen und seine Korrespondenz aufzunehmen.
Die Arbeit an den Texten verschlang die Zeit. Als Obi-Wan das nächste mal auf blickte, war es weit nach Mitternacht Punkt
Da der Rat für den nächsten Zyklus keinen neuen Auftrag erteilt hatte, beschloss er die übrig gebliebenen Briefe am nächsten Tag fertig zu machen.
Als er sich in sein Zimmer begabt, konnte er kaum noch die Augen offen halten. Er fiel ins Bett und war eingeschlafen, bevor sein Kopf das Kissen berührte.