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Omnia quae scripta sunt

Chapter Text

 

Gesucht wird eine Lehrkraft für eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 4 und 18.
Voraussetzungen sind: Lust am Reisen, Ungebundenheit, ein abgeschlossenes Studium in Pädagogik und mindestens einem anderen Fach, so wie Erfahrungen mit dieser Altersgruppe

Die junge Frau las die Anzeige mittlerweile zum dritten Mal. Sie war irgendwie merkwürdig. Warum wurden Ungebundenheit und Reiselust noch vor die akademischen Merkmale gestellt? Aber andererseits war sie ihr auch direkt ins Auge gesprungen und ließ sie seitdem nicht mehr los. Schlimmer noch, ihr Gefühl sagte ihr, dass sie sich auf diese Anzeige bewerben sollte, ja es sogar musste, und auf ihr Gefühl hatte sie sich bisher immer verlassen können.
Sie seufzte, legte die Zeitung beiseite, zog den Laptop heran und fing an eine Bewerbung zu schreiben.

~.~

„Und? Bist du schon weiter gekommen?“
Daniel Jackson hob den Kopf, als er die Stimme seines besten Freundes Jack O'Neill hörte und lehnte sich erstaunt zurück.
„Jack, was treibt dich denn her?“
„Die Sehnsucht.“ Jack lachte über die skeptisch hochgezogene Augenbraue Daniels. „Nein, es war eher Langeweile. Außerdem macht es mir Spaß, dir beim Verzweifeln zuzusehen und wenn ich mir dich so ansehe weiß ich, dass du noch keinen Schritt weiter bist.“
Daniel seufzte. „Stimmt. Keiner der Bewerber erfüllt auch nur annähernd die Voraussetzungen. Es war sogar einer dabei der meinte, er könne seinen Lebensabend auf einer ruhigen Südseeinsel verbringen und nebenbei ein paar Kindern lesen und schreiben beibringen.“
Jack lachte. „Was ist daran so schlimm?“
„Jack, der Mann war über 80.“
„Das ist alt. Gibt’s nicht ein maximal Alter für Reisen durch das Gate?“
„Keine Ahnung, aber er würde wahrscheinlich einen Herzinfarkt bekommen, wenn er die Wahrheit erführe.“
Jack zuckte nur kurz mit den Schultern und ließ sich dann auf einen Stuhl am Konferenztisch des Stargate Centers fallen, an dem sich Daniel mit einem Haufen von Akten breit gemacht hat. Mit leicht schräg gelegtem Kopf betrachtete er einen der Stapel und einer plötzlichen Eingebung folgend, griff er einen Folder aus der Mitte des Stapels. Er warf einen kurzen Blick hinein und schob ihn dann Daniel zu. „Was ist mit der?“
Daniel runzelte die Stirn, warf einen ebenso kurzen Blick wie Jack auf den Lebenslauf und nickte dann langsam. „Könnte passen.“

~.~

Zögernd betrat die junge Frau die prunkvolle Hotelhalle. Nachdem sie sich kurz umgesehen hatte, ging sie direkt zur Rezeption und lächelte den Angestellten dahinter leicht unsicher an.
„Guten Tag. Mein Name ist Victoria de Lantis. Ich bin hier mit einem Dr. Daniel Jackson verabredet.“
Der Mann hob den Kopf und lächelte freundlich. „Natürlich. Einen Moment bitte. Ich rufe Dr. Jackson an und frage, ob er Sie empfängt.“ Schon hatte er den Hörer abgenommen und eine Nummer gewählt, kurz darauf wandte er sich wieder an die Frau. „Ms. de Lantis? Dr. Jackson hat jetzt Zeit für Sie. Der rechte Aufzug. 3. Stock. Suite 302.“
Sie nickte dankbar und machte sich auf den Weg. Während der Aufzug in den 3. Stock fuhr, fragte sie sich – nicht zum ersten Mal –, was das nur für ein Job war, wenn das Vorstellungsgespräch in einem Hotel stattfand. Aber sie wusste, dass sie sich keine Gedanken über negative Vorkommnisse machen musste. Denn in dieser Richtung war sie nicht so leicht zu überraschen.
Vor der Tür zur Suite 302 blieb sie kurz stehen und atmete tief durch. Sie würde es schaffen, dessen war sie sich sicher. Sie hob die Hand und klopfte an.

Gespannt beobachtete Daniel die Frau als sie das Zimmer betrat. Ihre Erscheinung war ebenso beeindruckend wie ihr Lebenslauf. Sie war schlank, bestimmt über einen Meter fünfundsiebzig groß, hatte dunkelbraune, fast schwarze, lange Haare und leuchtend grüne Augen, die ihn angespannt ansahen. Kurz veränderte sich ihr Blick, dann wirkte sie gelöster und ruhiger als zuvor. Daniel erhob sich von seinem Stuhl und streckte ihr die Hand entgegen.
„Ms. de Lantis. Schön, dass Sie kommen konnten. Bitte nehmen Sie Platz.“
Sie kam der Anforderung nach und lächelte leicht. Sie war neugierig, was nun kommen würde. Der Mann vor ihr wirkte unscheinbar: die dunkelblonden Haare waren leicht verwuschelt und mit seiner Brille erinnerte er sie an einen ihrer Professoren in Yale, einen Mann der irgendwie verrückt gewesen war. Doch die Augen des Mannes vor ihr drückten eine Lebenserfahrung aus, die für jemanden seines Alters schwer vorstellbar war. Er lächelte leicht und warf dann einen kurzen Blick in die Akte die vor ihm lag.
„Also, bevor wir zum eigentlichen Thema kommen, Ms. de Lantis, muss ich sagen, was mich am meisten an Ihrem Lebenslauf beeindruckt hat, waren Ihre Sprachkenntnisse. Korrigieren Sie mich ruhig, wenn ich etwas vergessen sollte. Sie sprechen also fließend Mexikanisch, Deutsch, Italienisch, Französisch, Tschechisch, natürlich Englisch und dann noch etwas das Sie als Quisiw bezeichnen. Was genau ist das?“
Victoria lächelte und gab bereitwillig Auskunft. „Das ist die Sprache der Quisiwam. Einem Stamm der amerikanischen Ureinwohner der im heutigen Texas und Mexiko beheimatet ist.“
Daniel schwieg beeindruckt, denn diese Information war sogar für ihn nicht zu finden gewesen. „Und wie kommt diese Sprachvielfalt zustande?“
„Durch meine Abstammung. Meine Vorfahren waren Deutsche, Italiener, Franzosen, Tschechen, Mexikaner und Quisiwam. Und da alle wollten, dass ich mein kulturelles Erbe pflege, musste ich mit jedem in dessen Muttersprache sprechen.“
„Recht ungewöhnlich und sehr beeindruckend.“
Sie zuckte kurz mit den Schultern. „Mein Dad sagte immer, ich wäre eine echte Amerikanerin, von allem ein bisschen.“
Daniel grinste. „So kann man es natürlich auch sehen. Nun gut Ms. de Lantis“, er zögerte kurz bei dem kaum wahrzunehmenden Verziehen ihres Gesichtes bei der Art wie er ihren Namen aussprach. Offenbar falsch. „Haben Sie was dagegen, wenn ich Sie Victoria nenne?“
„Überhaupt nicht“, war ihre fröhliche Reaktion.
„Gut. Also Victoria, worum es geht, ist folgendes…“

~.~

Angespannt stand Victoria mit ein paar anderen Personen in dem Raum, den Dr. Jackson als Gateraum bezeichnet hatte und wartete darauf, dass das so genannte Stargate zum Leben erwachte. In der einen Woche, die sie nun schon im SGC war und auf ihre Abreise wartete, hatte sie den Stargate-Alarm schon oft gehört, aber sie hatte es noch nie 'in Aktion' erlebt. Aber das würde sie heute tun und sie würde hindurch gehen. Unsicher knabberte sie an ihrer Unterlippe und drehte eine Haarsträhne zwischen ihren Fingern. Sie war sich immer noch nicht zu hundert Prozent sicher, dass dies die richtige Entscheidung gewesen war, auch wenn ihr Gefühl ihr das praktisch entgegen schrie. Immerhin ging es darum alles hinter sich zu lassen was sie kannte. Was ihr das Abschiednehmen aber entschieden erleichtert hatte, war die Tatsache, dass sie nicht einfach verschwinden musste, ohne ihrer Familie zu sagen wo genau sie hinging. Glücklicherweise verschaffte die Militärangehörigkeit und der Rang ihres Vaters ihm und ihrer Mutter den Unbedenklichkeitsstatus, der notwendig war um zu erfahren, dass sie nach Atlantis ging. In die Sagen umwobene Stadt Atlantis, auf der sich seit einigen Jahren ein Expeditionsteam befand. Mittlerweile konnte man die Stadt allerdings nicht mehr als Expeditionsbasis bezeichnen, sondern als Kolonie der Erde. Einige der Teilnehmer hatten sich zu Paaren gefunden und angefangen fern der Heimat eine Familie zu gründen. Und dies war eben der Grund, warum sie hier war. Der Internationale Aufsichtsrat hatte entschieden, dass die vielen Kinder, die es mittlerweile in Atlantis gab, einen Lehrer brauchten. Sie mussten mehr lernen, als nur den Kampf ums Überleben gegen irgendwelche Gegner. Sie sollten ihr Erbe kennen und es auch in einer anderen Galaxie bewahren können.
Und dies würde nun ihr Job sein.

„Mann, Sheppard ist echt ein verdammter Glückspilz.“
Daniel warf seinem Teamkollegen Lieutenant Colonel Cameron Mitchell einen fragenden Blick zu. „Wie meinen Sie das, Cameron?“
„Na ist doch klar. Sehen Sie sich doch mal die Kleine da an. Beine bis zum Hals und eine Figur zum Niederknien. Und die wird nach Atlantis geschickt, während wir nur noch mit ekligen glibrigen grünen Flops zu tun haben, seitdem die Ori besiegt sind. Irgendwie echt nicht fair.“
Daniel lachte. „Tja, vielleicht ist das eine Entschädigung dafür, dass Atlantis ungefähr 3 Mio. Lichtjahre von der Erde entfernt ist?“
Mitchell grinste leicht und drehte sich dann, mit vor der Brust verschränkten Armen, komplett zu Daniel um. „Geben Sie es zu, Doc. Sie waren mehr von ihrem Aussehen beeindruckt, als von ihren Fähigkeiten.“
Daniel schnaubte. „Als ob. Diese Frau hat mehr auf dem Kasten, als man ihr aufgrund ihres Aussehens zutrauen würde. Sie spricht fließend sieben Sprachen, kann mehrere Kampfsportarten und hat einen höheren IQ als McKay.“
Mitchell nickte bewundernd. „Okay.“
„Außerdem ist sie eine der letzten Quisaw.“
„Eine was?“
„Quisaw. Sie gehört einem kleinen Indianerstamm an, der mittlerweile fast ausgestorben ist. Bei den Quisiwam gilt nur die mütterliche Linie. Ihre Urgroßmutter ist eine der Stammesältesten und somit ist Victoria eine der letzten Bewahrerinnen ihres Erbes.“
Mitchell schüttelte grinsend den Kopf. „Doc, wenn man Sie so hört, könnte man fast meinen, Sie wären in die Kleine verknallt. Lassen Sie das bloß nicht Vala merken.“
„Mich was nicht merken lassen?“
Mitchell und Daniel drehten sich um und sahen sich Vala Mal Doran gegenüber, deren Frisur heute aus vielen kleinen Zöpfen bestand, in denen kleine Perlen und Federn eingeflochten waren.
„Ach gar nichts. Was ist mit deinen Haaren passiert?“
Sie fuhr sich über ihren Kopf. „Toll nicht? Ich hab mich gestern ein wenig mit Victoria vergnügt.“ Vala sah Mitchells Gesichtsausdruck und grinste. „Nicht so wie du denkst, Cam. Du bist echt ein Ferkel. Nein, ich hab mich entschlossen, mit ihr und ihrer Zellengenossin eine kleine Abschiedsfeier zu schmeißen. Bei der Gelegenheit hat sie mir die Haare im Stil ihres Volkes gemacht. Ich find das toll.“
Daniel konnte nur nicken, doch dann... „Vala, das heißt nicht Zellengenossin, sondern Zimmerkameradin.“
Vala winkte ab. „Ach was. Ist doch fast dasselbe.“
Bevor Daniel noch was sagen konnte, kam der Kommandeur der Basis, General Landry, die Treppe von seinem Büro in den Kontrollraum hinunter und blickte fragend in die Runde. „Sind wir dann soweit?“
Daniel drehte sich um und nickte. „Ja Sir. Das Gepäck der Leute sollte in drei Tagen da sein. Die Daedalus ist seit einer Woche unterwegs, das heißt sie werden mit dem Nötigsten zurechtkommen, bis der Rest auch da ist.“
„Gut. Und wie macht sich unsere kleine Indianerin?“
Daniel, Mitchell und auch Landry beugten sich ein wenig vor, um durch das große Sichtfenster in den Gateraum sehen zu können. Victoria stand in der hintersten Ecke des Raumes und blickte mit großen Augen auf das Stargate.
„Nun ja, sehr begeistert sieht sie aber nicht aus“, stellte Mitchell fest.
Landry grinste. „Das kommt noch. Walter, bereit machen die Mittelstation anzuwählen.“
Sofort begann Sergeant Walter Harriman, der selbsternannte Hüter des Gates, mit der Eingabe der Adresse der Mittelstation der McKay-Carter-Gatebrücke, welche die Milchstraße mit der Pegasusgalaxie verband. Landry beugte sich zum Mikrofon und ließ sich in den Gateraum durchstellen.
„Ladies und Gentlemen. Bitte räumen Sie die Rampe. Wir wählen die Mittelstation an. Ich wünsche Ihnen viel Glück und eine gute Reise. Mögen wir einander gesund wieder sehen.“
Genau in diesem Moment aktivierte sich das Gate und alle, bis auf Victoria, die eh schon in der hintersten Ecke gestanden hatte, wichen einen Schritt zurück.
„Na dann los.“

 

tbc...